m]T Jllustrirtes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint olle 14 Tage in Heften ä 25 Pfennig und ist durch alle Buchhandlungen und Postüniter zu bezichen. Die Alten und die Denen. Nomon von I7. AautsKy. n. goriifjiiiin. � 14. Kapitel. o" �cni �vudcrsotionsfool des Porlomcntsgcbäudes, in den fiel.�'""�'cht von oben durch eine Glosdecke gedämpft herein- _ c>uf dem glatten Parkettboden ruhte, der mit einem lepf Cl1, vsteppjch von Velours bedeckt war, war es zur Stunde "und stille. P�., S'zung hatte begonnen und hielt die Mitglieder des bell �cgeii ihre sonstige Gewohnheit in dem großen Sizungs- a)iitiirVl,nr'n c'n �lÜ'chrs Vorkommnis, daß, während ein Verses"'C�'C11 sprach und seine Ansichten darlegte und �fenb" Linke einstweilen den Saal verließ, ihn erst nach UnqpH.'�r"? Speechs wieder zurückzukehren, und in gleicher von hp r 1 lirf)tetcn sich die Reihen der Rechten, sobald einer 'u,'c" Seite des Hauses das Wort ergriff. iDog j)?1!'vusjte ja im vorhinein, welche Anträge gestellt würden, Tat vder jener darin vorbringen würde, und sollte in der gesth�u-nene. geistreiche Wendung vorkommen, wie unvorher- in Q(( e'�vstrophcn eintreten, so konnte man das bequemer und zz Ausführlichkeit ans den Zeitungen erfahren. die'Denn ein Redner Pikantes erwarten ließ, vder wenn >vv bi,. � ö" einem Jnteressenkampf der Parteien anwuchs, �egOk�s�."schuften heftiger aneinander plaztcn und persönliche »vb ,n't!""> Worte kam. da pflegten nur wenige zu fehlen, saninite.." bv..�6 Haus den imposanten Anblick seiner ge- �Ubitod �hlieder, und außerdem den eines dicht gedrängte» Ein Tu i1"1 Lvgen und ans den Galerien. "Ani�wchcr Fall war auch heute zu verzeichnen. Die Ver- hfißt Vh h und Couloirs waren verödet; nur Huissiers, die 'dtufo tnrI(c ni" �rm, glitten geräuschlos hin und wieder, und "Us bem �(a'ta'en �'c Stenographen ans, die, eben abgelöst, ��Niiyg.>ungssaalc kommend, ihre stenographischen Aus- % ei.,!"!11"vidiren suchten. . HlfttiL.. wohlbeleibter Mann, mit dem roten Gesicht de? .°'N st,), und einem weit herabfallenden Demokratcnbart, m�irenb' � �vs Vestibüle hereingeschritten; er sah höchst °Ng. st: und nickte den Huissiers herablassend zu. Sein ganze Persönlichkeit hatte etwas Wuchtiges. Man sah es diesem Manne an, er war von dem unge- hcuersten Respekt gegen sich selbst erfüllt und von der llcl»er- zengnng, daß die übrige Menschheit alle Ursache hätte, ihm gegenüber es auch zu sein. Er kam in die engen Couloirs, die um den Sizuugssaal herum sich erstrecken. Hier konnte man die Stimme des Redners schon mit einiger Deutlichkeit vernehmen. Es war eine klare, volltönende Stimme; sie klang ruhig und bestimmt, und schien durch Wohlklang und rhetorische Ge- wandtheit die Zuhörerschaft zu fesseln. Der Wuchtige warf den Kopf in den Nacken. „Baron Reinthal?- fragte er nachlässig einen an ihm vor- iiberhnschcnden Hussier. „Ja, Herr Biedermann, der Baron spricht schon seit einer Stunde." Herr Biedermann zog die breiten Lippen ironisch herunter und murmelte etwas von„breitgetretenen Phrasen" in seinen Teniokratcnbart. Da wurde die Stille plözlich unterbrochen, ein Sturm tobte durch das Haus. Es war ein ganz wütendes Händeklatschen, ein lautes Bravo- rufen, von Zischlauten und höhnischem Lachen durchmengt, und als diese lärmende Kundgebung sich gelegt, pflanzte sich die Er- regung, einem dumpfen Brausen gleich, durch den immensen Raum noch fort. Herr Biedermann hatte eine der kleinen Türen, die von den Couloirs aus zu den obersten Bänken der Abgeordneten führen, geöffnet, und steckte den Kopf durch dieselbe. Seine Augen über- flogen den Saal, der in seiner überreichen Architektur und Deko ratio», der imponirenden Anzahl der Parlamentsmitglieder und dem distinguirten Publikum seiner Galerien einen glänzenden und beivegtcn Anblick bot. Der Redner stand noch aufrecht ans seinem Plaz ans der linken Seite des Hauses. Er hatte eine Pause eintreten lassen und ciwartete den Moment, wo der Lärm sich gelegt haben würde, um fortzufahren. Das Oberlicht des Saales warf durch matte Gläser eine gedämpfte Helle über das hocherhobene Haupt des Baron Rein- thal. Seine Haltung war vornehm und geschmeidig wie immer, 318 er lächelte, als hätte er nur Liebenswürdiges gesagt, das alle Welt entzücken müßte, und doch hatte er soeben die Regierung in heftiger Weise angegriffen, ihre Sünden und Unterlassungen ihr vorgehalten, ihre Maßnahmen der herbsten Kritik unter- zogen.— Die Mehrzahl der Abgeordneten der Rechten, die ihre Bänke verlassen, hatten sich im Parkett unter dem Redner zusammen- geschaart, in dichten, kompakten Massen umstanden sie ihn. er- regten Antlizes, in heftiger Gestikulation das soeben Gehörte untereinander diskntirend. Aus den Galerien, die von der Opposition besezt waren, wirkte die freudige Bewegung, die aufflammende Bewunderung über die Kühnheit des Redners noch fort, und besonders die Blicke der Damen, mit oder ohne Lorgnon, weilten mit schwär- merischer Begeisterung ans dem schonen Parlamentarier. Dieser führte ein Glas Wasser an seine Lippen, um sie zu nezen; seine Augen richtete» sich nach einer Loge, in welcher eine Dame von üppiger Schönheit und geschmackvoller Toilette Plaz genommen. Neben ihr saß ein junges Mädchen von äußerster Einfachheit, das der ganzen Debatte mit Aufmerksam- keit zu folgen schien. Es war Helene und Elsa, Neinthal grüßte sie mit den Augen, und sich hierauf wieder seinem Auditorium zuwendend, begann er aufs neue. Der Präsident, der scheinbar kalt, in strenger Würde auf seinem Stuhle saß, griff instinktiv nach der Glocke, um den Sturm, den er voraussah, nach Möglichkeit zu beschwören. Herr Biedermann zog seinen Kopf zurück und schloß die Tür. Er wendete sich dem kleinen Büffet zu, das hier zunächst ausgestellt war, um die Herren Abgeordneten in begucmster Weise mit Erfrischungen zu versorgen. Herr Biedermann fand es vernünftiger, eine solche zu nehmen, als in den heißen Saal zu treten und den Schluß einer Rede anzuhören, die, seiner Meinung nach, aus seinem Munde viel bedeutsamer geklungen hätte. Er war, wenn auch ein reicher Gutsbesizer, doch ein Mann aus dem Volke, ein Demokrat, seiner Popularität kam keine gleich, denn hinter ihm standen„Millionen", wie er wiederholt sich gerühmt, und nun dachte dieser Aristokrat ihm dieselbe streitig zu machen, sich selbst als Vvlksmann aufzuspielen. Es wurmte ihn. Unmutig warf er sich in einen Sessel neben dem Büffet und bestellte eine Flasche Bordeaux. Er trank gern und viel, der Herr Abgeordnete. Der Lärm im Saal hatte sich gelegt, und wieder ertönte hell und klar die Stimme des Sprechers, die nur von einzelnen kurzen Ausrufen, Zeichen des Widerspruchs oder des Beifalls, unterbrochen wurde. Mehrere Abgeordnete der Rechte», die in den Couloirs auf und abgegangen, um sich zu sammeln oder der überfließenden Galle Luft zu machen, eilten wieder in den Saal zurück. Prinz Stein, der mit seinen große», � gepflegten Händen er regt über die Haare seines Hinterkopfes fuhr und sie vom Genick aus aufwärts strich, kam mit Graf Falkenau und einem viel- bekannten Professor der Nationalökonomie im eifrigen Gespräch vorüber. »Ich stimme Ihnen ja zu," sagte Falkenau,„er hat viel Vortreffliches gesagt, einiges mag als unanfechtbar gelten, und er hat vor allem bewiesen, daß er ein glänzender Redner ist." „Der uns gleichwohl nicht in dem Maße imponirt, als Sic so gerne glauben möchten, mein lieber Professor," fügte Prinz Stein spiz hinzu. Ter Profeffor wiegte den Kopf hin und her: „Ich wollte Ihre Aufmerksamkeit ja nur auf das Werk lenke», aus dem Baron Reinthal seine Sachkenntnis geschöpft hat, und das ihm ein so logisch gesichtetes und gegliedertes Material an die Hand gegeben hat, das er mitunter wört- (ich zitirt." Prinz Stein strich noch immer an seinen Haaren herum. „Es ist also ein Werk, das unter euch Katedennenschen einiges Aussehen erregt?" „Es ist zugleich der Beachtung des Politikers und Staats- mannes Werth," entgegnete der Professor. „Und von wem ist es?" fragte Falkenau. „Ter Verfasser zeichnet Manlius, jedenfalls ein Pseudonyin." „Und das Werk ist soeben erst herausgekommen?" „Es ist ganz neu, Baron Reinthal mußte wohl auf sein Erscheinen schon vorbereitet sein." „Ah, dieser Manlius ist also von ihm iuspirirt?" „Das ist er nicht. Der Verfasser gelangt darin zu Schlüssen und positiven Vorschlägen, die durchaus nicht im Sinne der liberalen Partei liegen. Er vertritt vielmehr die Sache der untersten Stände." „Ich werde das Buch lesen," sagte Falkenau bestimmt.& nahm seine Tafel und zeichnete darein den Ramm Manlius. „Ein fähiger Kops." bemerkte der Professor, und leiser, gegen das Ohr Falkenaus geneigt,„man sollte den Verfasser z» erfahren suchen." „Ich werde ihn erfahren," sagte Falkenau. Sie verfügten sich in den Saal zurück. Herr Biedermann füllte sein ziveites Glas. „Die Rechte ärgert sich," meinte er, indem er einem ju"g� Mann zunickte, der Advokat war, und in diesem Hause ihm der äußersten Linken angehörte,„sie ärgert sich gewallt »nd hat doch nicht Ursache dazu.", Run, Baron Reinthal spricht gut und scharf," e»tgrl>"� der junge Doktor.„Er hat heute einen glänzenden Tag� � es nimmt mich Wunder, daß ihm der Präsident noch nicht Ordnungsruf erteilt."« „Pah, einer, wie der Baron, tut ihnen ja doch nicht»'s � Biedermann verzog den Mund zu einem wegwerfende» � das in ein sehr bewußtes überging,„ja, wenn ich mich bei Debatte zum Wort gemeldet hätte, ich hätte ihnen das c'n.lpc ,r anders gesagt." Er warf sich in die Brust und steckte die tf'.'ü in die Aermelansschnitte seiner Weste, es war die Haltung, 1 j auch als Parlamentsredner anzunehmen beliebte.„Sie, man ---- jf---------- V!. O--- Mlilll. meine Schmerzensschreie über die Lage des Volkes, nuin auch ihre Wirkungen auf das Volk, hier hat man freilich � Gepflogenheit, über alles zu lachen, und so lache» sie mich. Sic haben gut lachen, die in der Wolle sizcn."• „Nun, Sie sizen ja auch hübsch warm. Herr Bicdcrnia � „Das genirt mich nicht, aber sie mögen sich hüten- � sie mich wieder einmal provozire», so werde ich ihnen ü � heraus und unverblümt die Wahrheit sagen. Ich � Mut dazu, bei Gott, ich bin kein Feigling!" llfI,/ „Wir wissen das, nachdem Sic es uns so oft gesagt>)>' „Man kennt meinen Patriotismus." „Sic sind doch eigentlich ein Roter?", „Etwas schattirt; nur in gewisser Hinsicht bin ich r>" und in dieser Hinsicht werde ich immer röter." geltis� Der junge Doktor nickte malitiös, indem er das apo Gesicht des andern betrachtete.„ „I» dieser Hinsicht ist jeder Zweifel ausgeschlossen- „Ich gehöre nicht zu denjenigen, die nicht 8M'C A, fjn ich trage meine Gesinnung stets offen zur Schau. 3# ofui' I Volksmann durch und durch, und ich sehe»icinc hoch! gäbe darin, das Volk zu beglücken." „Sic werden am Ende noch dazu gelangen, Frage zu lösen." die W1 all „Das kommt später, das drängt noch nicht, JjfL diese n.__.v___ x. orn? jti?_____ a___ i____ llAfanilPlld IH>1* der Hand noch Wichtigeres zu tun. Uebrigens>m>» TT--------- V--- I/ O---- U----_ Lösung nicht allznschwcr, es kommt nur darauf an beim rechten Zipfel anzufassen." „Ja, darauf wird es ankomme». '3% „O"» uuiiiii| iuuu cv uiiiuiiiiiivn.• j; f ine XJV"*• „Aber die Begriffe sind da ziemlich verwirrt, ich 11 �»heü mein lieber Doktor, es herrscht so gut wie gar.hgltniw in der Sache. Da streiten die Leute um die �(„rlteil�' herum, da bringen sie etwas auf von einem Mak>ma, Unsinn, darum kann sichs vor der Hand»och dfl' Es handelt sich zunächst nni eine beffere Vormun I) arbeitende Volk." »Wie meinen Sie das?" »Die Leute wohnen miserabel» man müßte ihnen aber be- ikhlen, ihre schlechten gesundheitsschädlichen Quartiere zu vcr- lassen, diesen Herd der Ansteckung. Sobald sie besser wohnen, werden sie gesünder sein, sie werden dann niehr arbeiten können u»d mehr verdienen, da haben Sie die Lösung. Dann vcr- wvchte auch unsereiner mit ihnen umzugehen, um im guten l»»e. im echt christliche» Sinne, Sie verstehen mich, auf sie wirken, aber so—. Sehen Sic, bei meiner ungeheuren Popularität— ich habe Millionen hinter mir, muß ich doch pe»iid da mit den Leuten Verkehren— sie drängen sich an w>ch, und da kneipe ich dann mit ihnen. Aber es kostet mich c»iige Ucberwindung, ich leide unter ihrer Armseligkeit, und wituntcr auch unter ihrer Dumniheit." Ter Doktor nickte wieder in seiner anzüglichen Weise:„Die � hat am häufigsten unter der Dummheit zu leiden." »Entschieden, ganz entschiede», deshalb trete ich auch für >c Aufklärung ein, für die Bildung des Volkes," er schenkte ' kni Rest aus seiner Flasche ein und stürzte ihn hinunter,„ich ainpst„„aushörlich dafür, aber—" er»ahm eine gehcimnis- g Miene an,„es gibt jezt solche Strömungen—! Da haben bie Christlichen und die Sozialen, die gehen auseinander, � habe nun die Idee, das heißt, ich habe auch die Idee, sie ' einander zu verbinden. Dabei werde ich immer die per- vn tchc Freiheit verteidigen. Das Individuum muß frei sein. ni■ ll'uß z. B. tun könne», was ich will. Meine Stellung, eine Bildung bieten sichere Garantien, daß ich nie etwas wwcs tu» werde." hatirf'" äsender Lärm, lautes Bravorufen, wütendes Hände- und ichnitt jede weitere Auseinandersezung ab. Der Doktor Nc>r" dermann näherten sich der Tür, aber diese ward auf- •"en und eine Anzahl Abgeordneter drang in die Couloirs llllgenscheinlichcr heftiger Bewegung. "E'1' hat den Ordnungsruf erhalten." "et.Präsident hätte ihm längst das Wort entziehen sollen." -Es ist unerhört!" " Ind. die Galerien haben mitgeklatscht und mitgejubelt." "Er hat die Regierung in der frechsten Weise angegriffen." »Has kann zu einer Krise führen." wirr durcheinander. Üinfp,.11 0 �l>ranf trat Reinthal mit mehreren Mitgliedern der ihn,' �ln- Er hatte seine Rede beendet. Alles drängte sich 'ioiicn v!�e'ne Anhänger beglückwünschten ihn und die Ova- neten'{»f �eiu geistvollen Redner, dem freimütigen Abgeord- im Saale dargebracht wurden, seztcn sich hier fort. 5SCji Cl".tH dankte allen in seiner liebenswürdigen gewinnenden leuchtet c»n Röcheln war strahlend und sein schönes Gesicht wrmlich in Befriedigung auf. tu � Stein und Graf Falkcuau waren aus den Couloirs Äjjrj,».,„"dersationszimmer gekommen; ein hoher geistlicher ragcr gesellte sich ihnen zu. Falkena, wahnsinnig in seiner Opposition," sagte Gras t Rtit't' an hinein Schnurrbart herumbeißend,„von gcgaa»' � bestehenden Verhältnisse ist er zu Anklagen über- U!""d von seinen Forderungen zu Drohungen." Ttej", �we Partei steht wie ein Mann zu ihm," rief Prinz "Dstsc cfl 1"'�t 0�1C teatralische Emphase sezte er hinzu: Und dorf, f.""™, als Freunde des Volkes schreien sie sich aus, Und n,c,t, cinziges Streben, dieses Volk seiner höchsten �sselg�" �" Güter zu berauben und uns jeder Macht über ! �r»,� �wjsichtigen! Diese Bestrebungen, die uns verdrängen »So KtCn 1Ul.r ifivcu eigenen Ruin besiegeln." «'it L C§'..''c �'kettircn mit ihrem Volkstum und prahlen Leiter Niih V'1'1"11®""d Frcigeisterei, aber»och einen Schritt '"ehr„'e Geister, die sie heransbeschworc», werden sie nicht 9iich,!|lCl)tll'"V'"' �alte ruhig zugehört, er hatte ein seines � iezt{„ v."""d gleich kühl und ruhig war der To», mit dem e Konversation eintrat:„Sic sind in der Minorität, darnni wagen sie sich so weit vor; sie stellen Forderungen, weil sie voraussczcn, daß sie nicht angenommen werden." „Ah, Sie meinen, Eminenz—" „Daß sie nur den Schein der Freisinnigkeit für sich in Anspruch zu nehmen gedenken. Es ist auch nur eine Schein- freiheit, die sie brauchen, es ist die Freiheit des Kapitals. So- bald es sich darum handeln würde, das Proletariat zu demo- kratisircn und wahrhaft freiheitliche Institutionen zu schaffen, würden sie die ersten sei», die dagegen aufträten." „So würde es sich denn für uns darum handeln, diesen Schein zu zerstören?" fragte halb bestätigend der Graf. „Es wird sich für uns darum handeln, den Boden, den uns der Liberalismus entzogen hat, wieder zu gewinnen, das Vertrauen der Massen zurück zu erobern." „Der Liberalismus hat tiefe Wurzel» geschlagen." „In den höhereu Klassen, bei dem wohlhabenden Bürgertum, allerdings, aber der Kleinbauer, der Arbeiter—" der Kirchen- fürst dämpfte seine Stimme zu einem Flüsterton herab, während ein Strahl hämischer Freude aus seinen Augen sprühte,„wir werde» das Proletariat gegen die Bourgeoisie ausspielen." -»Das ist ein gefährliches Spiel, Eminenz." „Das wir gewinnen werden, gewinnen müssen, sobald wir die Initiative ergreifen. Wir müssen wieder Fühlung mit dem Volke gewinnen, und wir werden für seine Rechte eintreten." „Auch für seine Freiheit?" fragte der Graf scharf. Seine Eniinenz hatte ein fast mitleidiges Achselzucken.„Was ist Freiheit!? Eine Phrase. Wir werden das materielle Lvos der unteren Klassen in etwas verbessern, wir werden es wenig- stcns versuchen, und das ist auch alles, was sie verlangen." „O, sie begehren auch Teilnahme au der Politik, und ihr leztcs Ziel würde der Volksstaat sein," vcrsezte der Prinz und fügte dann mit unsäglichem Hochmut hinzu:„Aber niemals werden wir den Anfang mit Konzessionen machen, die uns auf das gleiche Rivenu mit dem Proletariat herabdrücken würden, »vir können es nicht, es wäre schlimmer als alles, es wäre Selbstmord." „Das Volk ist wie Wachs in der Hand desjenigen, der es zu lenke» weiß," vcrsezte der Priester scntcntiös, dann mit einem geistvollen Aufblick und indem seine Gestalt sich enipor richtete, „aber die Kirche allein>var allezeit erleuchtet und mächtig genug, um die wild aufsprießenden Keime des Verderbens und all den Sturm und Drang der Zeiten in geordnete Bahnen zu lenken. Sie vermochte es, da sie, einsichtig und weise, sich stets bemüht hat, die Zeit und ihre Bedürfnisse zu studiren. So war die Kirche es gewesen, die den Bildungsdrang des Volkes begriffen und die Schule errichtet hat." „Sie wäre auch wohl ohne das Hinzutun der Kirche er- richtet worden." bemerkte der Prinz, in seiner Erregung zum Widerspruch gestimmt. Der Kirchenfürst hatte einen Blick von oben herab, den seinen Mund umspielte sein überlegenstes Lächeln.„Sie wäre vielleicht auch ohne Zutun errichtet worden," wiederholte er laugsam, „aber, daß sie durch uns zustande kam, bezeugt unsere Weis- heit. Wir halten die Initiative ergriffen und wir hatten uns dadurch zum Schöpfer und Herrn dieser Institution gemacht. Wir hatten die Schule in unserem Sinne geschaffen, unser Recht darauf unter alle» Umständen behauptet, und seien Sie überzeugt, wir werden es auch künftighin behaupten. Heute stellt der Zeitgeist eine neuerliche Forderung auf. die Bedürf- nisse der Massen sind gewachsen, ihr Erwerb hat sich vermindert; der Materialismus der Bourgeoisie und ihre unersättliche Geldgier treibt dieses Uebel zu cntsezlicher Höhe, wir haben den Pauperismus, die Massenarmut vor uns, und die soziale Frage erhebt sich als ein drohendes Gespenst. Vielleicht vermöchte die Notwendigkeit selbst diese Frage zu lösen, aber wir werden und dürfen es nicht darauf ankonunen lassen, dürfen den Gesellschafts- körper nicht solchen Konvulsionen und Kämpfen überantworten; auch hier müssen wir das Prävenire spielen, wir müssen die Lösung der Frage in die Hand nehmen und werde» sie in unserem Sinne, das heißt, im besten Sinuc lösen: Wir werden bcm Avlke Arbeit geben, und wir werden dcunit nllc Mncht auf dasselbe zurückcrlangt haben; wir werden uns, nach wie vor, auf die unteren Klaffen stiizen können und dadurch den Uebermut des Bürgertums in Schach zu halte« vermögen." Ter Prinz streckte dem Priester die Hand hin. „Ich beuge mich in Ehrfurcht. Eminenz," sagte er,„Sie bleiben doch in allem der Meister."... Die Sizung war zu Ende. Ter Saal leerte sich rasch. Alles drängte durch die Korridore nach der großen Zcntralhallc, die in gewaltigen Dimensionen gehalten, und von klassischer Schönheit, mit ihren roten mächtigen Marmorsäulen, den reichen goldenen Kapitälen, den weißen Marmorwänden und dem glatten Mosaikboden einen wahrhast großartigen Anblick gewährte. Hier lösten sich die kompakten Massen; einzelne traten wieder zu Gruppen zusammen. Man grüßte, drückte sich die Hände, tauschte flüchtige Bemerkungen und strebte dann den verschiedenen Ausgängen zu. Arnold war in das Konvcrsationszimmer gekommen, um, gleich so vielen anderen, Baron Reinthal zu beglückwünschen und ihm die Hand zu drücken. Dieser hatte ihm vertraulich zugelächelt und ihm auf die Schulter geklopft.„Ich habe es dir heute recht gemacht, nicht wahr?" flüsterte er ihm zu.„Du kannst mit mir zufrieden sein; allous, wir werden noch weiter zusammen arbeiten." Arnold war hierauf gegen Schluß der Sizung in die Loge getreten, um Gräfin Helene und Elsa durch die Korridore zu führen und nach dem Wagen zu geleiten. Neinthal war leider in dieser Zeit seiner politischen Tätigkeit und seiner parlamcn- tarischcn Erfolge persönlich ungemein in Anspruch genommen und vor der Aktualität der Forderungen, die die Oeffcntlichkeit an ihn stellte, war er, all seinen Privatneignngen gegenüber, zur Passivität verurteilt. „Ich gehöre nicht mehr mir selbst an," seufzte er. nicht ohne Beimischung befriedigter Eitelkeit; aber er tröstete sich, daß der Schluß der Sizungcn so nahe bevorstehe, und er nahm sich vor, alsdann der Residenz und all den gesellschaftlichen Ansprüchen den Rücken zu wenden, und sobald er in seiner Villa in Solen- bad Aufenthalt genommen, alles bisher Versäumte wieder nach- zuholen. Er mußte sich leider eingestehen, daß sich Elsas Be- nehmen ihm gegenüber durchaus verändert hatte. Sic war ruhig, kühl und bestimmt; es kam ihm vor, als würde sie ein werbendes Wort mit aller Energie zurückweisen und damit all seinen Hofsnungen ein Ende mache». Dem wollte er sich nicht aussezen. Er glaubte noch immer, daß er dem Mädchen wirk- lichc Neigung eingeflößt, und daß nur der nachteilige Einfluß der Tönhof und des Paters diese Veränderung bewirkt hatten. Aber wie oft war es ihm nicht schon geglückt wieder zu gewinnen, was er schon für verloren gehalten? Es galt nur diplomatisch zu Werke zu gehen. Seine Erfolge, ja Triumphe in diesen Tagen ließen überdies eine ernstliche Besorgnis gar nicht aus- komme». Und in der Tat, sollte ihm, dem Bielnmschnirichelten, der den Glanz eines eben aufgehenden Gestirnes um sich ver- breitete, das alle Welt zu blenden schien, die Eroberung eines jungen Mädchenhcrzcus mißglücken, sobald er nur erst Zeit haben würde, sie ernstlich in Angriff zu nehmen? Er fühlte sich frisch und zuversichtlich und er verlor keine Gelegenheit aus den Augen, um Elsas Jntcreffe wieder zu ge- Winnen und zugleich ihren Ehrgeiz aufzustacheln. Elsas Wünsche kamen ihm hier entgegen. Sic zeigte ein plözliches feuriges Interesse und eine Wißbegierde für Dinge, um die sich Mädchen sonst nicht zu kümmern pflegen, und die in Hclenens Gegenwart sonst nie zur Erörterung kamen. Ihre geistigen Kräfte waren ungemein rege und ihr Horizont schien sich erweitern zu wolle». Er hatte sie eingeladen, einer Parlamentssizung beizuwohnen und sie hatte sofort eingewilligt. So hatte er in schlauer Kam- bination sie zur Zeugin seiner glänzenden oratorischen Leistung und seines parlamentarischen Erfolges gemacht. Er war der Held des Tages; sie müßte kein Weib sein, um davon unbceiu- flußt zu bleiben. Als aber Elsa nun mit Arnold zusammentraf, als ihre Hände in einem warmen Druck sich begegneten, da schien es, als wolle sie ihre Bewunderung dem Sohne allein entgegen- bringen. Ein schöner Blick des Dankes, des Entzückens traf ihn aus ihren Augen. Sic kannte sein Werk so gut, und all die Ideen und Ausführungen, die Reinthal ihm entnommen, die wuchtigen Anklagen, die sachlichen Begründungen, sie hatte j sie bereits zu ihrem Glaubensbekenntnis gemacht. Arnold war es, der heute sprach, nicht Reinthal; sie bemerkte es gar nicht, ivie viel Geist und Scharfsinn er auch seinerseits ins Treffe» geführt, wie seine Formgewandthcit dies alles erst für den par lamrntarischcn Gebrauch zurechtgestuzt; ihr Denken schälte sich den Kern absichtlos heraus, und die Empörung, den Zorn, den diese Ausführung ans der einen Seite erregte», brachten ihr- eine wilde Freude; die Zustimmung, die Begeisternug, die ihnr" von der anderen zuteil wurde, reichten nicht zu der ihrigcn hinan. Ter Diener hatte die Ilmwürfe gebracht. Helene schritt an Arnolds Seite die Treppe hinab; sie plauderte in ihrer lebhaft"- ungcnirten Weise, und teilte ihm mit, daß sie mit Elsa ichr'" in den nächsten Tage» die Stadt verlassen und ihre Villa � Solenbad beziehen werde. „Es ist ja niemand mehr hier," sagte sie, einen übermütig� und geringschäzigen Blick über die Menge gleiten lassend,* der sie vorbeischritt. In der Tat, sie fand nicht ein bekanim- Gesicht, nur Bürgervolk. „Das Parlament wird auch ehestens geschlossen," bemcr� � sie, ihre Gedanken fortsezend,„und dann wird auch der nach Solcnbad kommen. Sic kommen mit ihm, oder viellc't? schon früher hinaus?" Sie wendete ihm voll ihr Gesicht i' und ihr Blick, ihr Lächeln sagte ihm, wie sehr sie dies lez � wünsche. Er verneigte sich:„Es ist dies meine Absicht, GwP• I» dem Augenblick kam Gras Falkcnau gegen sie heran; H/ winkte ihm zu und reichte dem Onkel zum fröhlichen Gr»ß Hand. Ter Graf bot ihr seinen Arm, nachdem er Elp Arnold begrüßt, und flüsterte ihr in sarkastischer WeiÜ � „Reinthal hat dich also zu dieser Sizung wie zu einer Kon> geladen, bei der er eine Glanzrolle zu spielen hat?",% Sic lachte fröhlich ohne jede Malice und entgegnete i � leise:„Run, er hat seinen Applaus davongetragen»»d eine Niederlage. Ich versichere dich. Robert. eS war � interessant. Tie Kühnheit eines Mannes verfehlt doch Eindruck auf uns zu machen, und wenn ich seine Werbüng bereits so entschieden abgewiesen hätte, wer weiß-p Kichernd und scherzend schritt sie die Treppe h'Iul1'' so- Arnold war an Elsas Seite getreten, und sie ll"nV j jii fort ihrer Umgebung entrückt, sie hatten einander w sage», so viel z» fragen. Sic begehrte Nachricht von und seiner Tochter und bemerkte, daß sie es kaum tl könne hinaus zu kommen. Ihre Angelegenheiten>>>� indes noch immer izicht in Ordnung. Ihr Rechtsaniva � sie auf die sich häufenden Schwierigkeiten aufmerksam g � Ihre Kapitalien könnten nicht sofort gekündigt wei�» y stehe sie noch immer in einem Abhängigkeitsverhältnis, iiiui plözlich drückend geworden sei. Arnold beriet ci fliegenden Worten und ermahnte sie zur Geduld. �cu Sie waren an das Portal gekommen, vor dem> aufgestellt waren. Tie Damen stiegen in ihre Equipagen. �i Graf Falkenau und Arnold tauschten wenige �voi lichkeit, dann trennten auch sie sich._«�c Falkenau fuhr zu seinem Buchhändler. Er f9 soeben erschienene Werk von Manlius. Ter Buchhändler lächelte. absi'� .Es ist heute das zwanzigste Exemplar, das. sin' Exzellenz. Ich hatte nicht erwartet, daß das�We bekannten eine solche Aufnahme finden würde." „Sie kennen den Lersasscr?" „Durchaus nicht, Exzellenz." 322 „Sic verstehen, ich würde einen hohen Wert darauf legen, mit ihm in Verbindung zu treten. Der Mann scheint begabt und kenntnisreich." „Gewiß, er scheint auch ein Mann von Karakter zu sein, und als solcher würde er eine gewisse Herrschaft über das Volk auszuüben im Stande sein. Sehen Sic, Exzellenz"— er zeigte ei» Heft vor—„hier haben wir eine Broschüre dieses Bcr- fassers, es ist eigentlich nur ein Auszug aus seinem größeren Werke, zugleich in populäre Form gebracht, auch darnach ist schon Nachfrage, und aus den Provinzen sind ganz ansehnliche Bestellungen darauf eingelaufen." Der Graf besah aufmerksam die Broschüre. „So, so," sagte er nachdenklich,„nun, ich werde auch die Broschüre mitnehmen." Noch an demselben Abend war der feudale Graf mit der Lektüre dieser sozialpolitischen Erörterungen beschästigt. tZortj. iulgw Zur fuge der fundwirtschast. Von WilPeüm Wtos. Der Parzellenbauer ist noch immer das Ideal der Mehr- zahl unserer modernen Staatsmänner. Die Ursache davon ist nicht schwer zu entdecken; die bäuerliche Bevölkerung ist heute am leichtesten zu regieren im Vergleich zu den übrigen Klassen der Gesellschaft. Der trozige Widerstand des Großgrundbesizers und Großkapitalisten, der sich sichtbar macht, sobald es sich um In- teressenfrageu handelt, ist bei dem Bauer eben so selten, tvie die Beweglichkeit und die Unruhe des städtische» Proletariats. Der Bauer hat wenig oder kein Verständnis für die modernen Fragen, welche die übrigen Klassen so sehr in Bewegung sezen. Wir wollen damit nicht sage», daß allen Bauern dies Vcr- ständnis abgehe; bei der großen Mehrzahl ist es aber sicherlich der Fall. Der Parzellcnbauer ist kaum weniger als der frühere Hörige, ein glebae adscriptus, ein an seine Scholle gefesselter Mensch, mit dcni Unterschied, daß er heute, wenn er will, sein Vaterland verlassen und sich über dem Meer ein neues Heim suchen kann, was ihm früher nicht so leicht war. Das kleine Stück Boden, das dem Bauer gehört, nimmt ihn ganz in Bc- schlag, und er ist nicht gewohnt, seine Blicke auf Dinge zu richten, die außerhalb seines engen Jntcresscnkreiscs liegen. Naive Poeten haben das Leben des Bauern auf seiner Scholle als das schönste gepriesen; die nüchterne Nationalökonomie denkt darüber anders. Der Bauer hat einen schweren Kampf ums Dasein zu führen, und seine harte Arbeit lohnt sich in den meisten Fällen nur gering; daraus und aus den Nachklängen früherer Zustände, da der Bauer den raubrittcrlichcn Adel mit seinen Frohnden und seinen Abgaben erhalten mußte, hat sich bei dem Bauer das verhärtete Vorurteil erhalten, als lebten alle nichtbäuerlichen Glieder der Gesellschaft auf seine Kosten, ein Vorurteil, das sogar einmal in wissenschaftlichem Gewand auf- trat in der Schule der sogenannten Physiokraten, welche behaupteten, daß der Grund und Boden die Quelle allen Reich- tums sei. Das Naturell des Bauern ist in der Verwachsenheit mit seiner Scholle ein konservatives geworden; er klammert sich mit fast unüberwindlicher Zähigkeit an das Alte; genau so wie es sein Vater und Großvater getrieben hat, ivill er es auch machen; von Neuerungen, und seien sie ihm noch so nüzlich, ist ihm nur schwer ein Begriff beizubringen. Daher ist er die Freude kvii- scrvativcr Regierungen, weil an seinem Schädel nioderne Ideen gewöhnlich wirkungslos abprallen; er bleibt ein Verehrer der alten Autoritäten, die ja sein Großvater schon verehrt hat, und wenn ihm gelegentlich ein Schmeichelivörtchcn gesagt wird, dann hat mau ihn" ganz. Wir haben ja schon oft gesehen, wie es so ging; wenn man nun gar, wie gegenwärtig bei uns in Deutsch- land, bei fast allen agrarischen und steuerpvlitischcn Gesezcnt würfen betont, daß der Grundbesiz entlastet, das bewegliche Kapital aber zu erhöhten Leistungen herangezogen werden müsse, da muß der Bauer schon glauben, es sei nun ein goldenes Zeit- alter für ihn im Anzug. Man vergißt pur zu leicht, daß allein diejenigen ökonomischen Formen einen Anspruch auf Dauer haben, die sich mit dem all- gemeinen Enttvicklnngsprozesse in Einklang befinden. Und was hat heute überhaupt Dauer im wirtschaftlichen Leben, da jede neue Periode uns neue und tiefgreifende Uingestaltmigen bringt? Die Parzelle, das Grundstück des Kleinbauern, steht zunächst Widerspruch mit der klaren Tendenz des großen Eigentums, das kleine, zersplitterte an sich zu ziehen, eine Tendenz, die a"l eben so natürlichen Boraussezungen beruht, wie das Gcscz der Schwere, die Gravitationstcorie. Aber es hat sich bei uns>" Deutschland auch die Bevölkerung gewaltig vermehrt und vcr- mehrt sich noch; bei aller Massenarniut ist doch die Lebens- Haltung im Ganzen eine andere geworden. Den Ansprüchc", welche die Ernährung der Gesellschaft heute an Grund und Boden stellt, kann durch das Parzellensystem nicht genügt werden. Um alle diese Teorien kümmert sich der Parzellcnbauer F wenig wie um den Mann im Monde. Um so empfindlicher niul> er die rauhe Hand der Wirklichkeit verspüren. In Wirklich�' herrscht heute in der breiten Masse des Grundbesizcs die Pa� zcllenform vor, aber sie ist schon vielfach untergraben und v� licrt alljährlich mehr an Terrain. An gewissen Punkten hat M ein wohlhabender Bauernstand, durch besondere Verhältnisse de- günstigt, noch zu erhalten gewußt; das ist aber schon eine Seltenheit im Verhältnis zuni Ganze». Man vernimmt Beschwerde! und Klagen von allen Seiten. Hier beschwert man sich''"f Verschuldung der Grundstücke, dort über die Verwüstungen, welche die Güterausschlächter anrichten; hier klagt man über die genug Rentabilität des Bodens, dort über die allzugrvßc Abgabe' last, hier über die steigende Zahl der Zwangsverkäufe von®rl?lt.. stücken und anderwärts über das Mißverhältnis der allgeiun» � Waarenpreise zu dem Durchschnittseinkommen des Landinauu Bon der Situation des ländlichen Proletariats, von der Masse der Taglöhner, wollen wir hier nicht sprechen; dies" dient ein eigenes Kapitel und ist eines der traurigsten. haben es nur mit dem Parzellenbauer, dem Klcingrundbcsij ju tun. Die Situation der Bauernschaft ist natürlich in den Recht>w neuerer Mecllew schiedencn Provinzen Deutschlands verschieden. habende Bauern findet man in Oldenburg, wo aber in Zeit die Viehzucht überwiegen zu wollen scheint; in L.. viwg, wo sich auf den niittleren Bauerngütern noch patriarchali!� Verhältnisse mit ihren Vorzügen und Fehlern vorfinden, in Ho' Item, wo der Bauer verhältnismäßig viel Anteil an den liehen Angelegenheiten nimmt, in der Welterau u. s. w.% �schreckende Armut herrscht unter der Landbevölkerung gc>v'>>� -U'ile von Schlesien und Sachsen; desgleichen vielfach in liiigc», aus der Rhön, im Taunus, im Odenwald u. s. w. � Süddeutschland gibt es eine Menge von bäuerlichen Gemeinden. die noch Gemeineigentum haben, jene Form von GruudbclG die man als Allmenden bezeichnet. Diese Art von Gruii besiz war früher sehr ausgedehnt; jeder Gemcindcbürger hv Uiypruch ans sein Lvos und dadurch war ihm förmlich die! stcuj garantirt. Tic neuere Gestaltung des Grundbesizcs ans das Allinendlvesen zerstörend eingewirkt. I» einigen Stam tu ficht diese Einrichtung noch in bedcuteudem Maße, ß Göppingen und Freudenstadt in Württemberg. Anckl" kannten Hauberge i» Westfalen fallen in diese Richtnnib. Allmcndwese» liefert den Beweis, daß es bei gemeinsanie!. � bcwirtschaftung durchaus nicht an jenem Tätigkcit�tru die tu bc den manchesterliche Teoretikcr nur durch den Egoismus des Parzellenbauers bewirken zu können glauben*). Interessant ist auch der in Württemberg in den dreißiger und vierziger Jahre» in den hohen politischen und wissen- schaftlichen Kreisen geführte Kampf über Genieindcbesiz und Parzcllenbesiz, wobei die Negierung nachdrücklich durch den Professor Knaus in Tübingen die Vorzüge der Gemeinde- bewirtschaftung des Grund und Bodens verfechten ließ, wahrend der berühmte Schuzzöllncr List das Allnicndwescn heftig an- griff, woraus man ersieht, daß man ein guter Schuzzöllncr und doch ein Manchestermann sein kann. Eine umfassende Statistik, die uus einen tieferen Einblick >n die Gesammtlage der deutschen Landwirtschaft geben könnte, iß nicht vorhanden. Es wäre keine leichte Arbeit, eine solche srstzustellen, allein sie wäre auch keine Unmöglichkeit. Tic Statistik scheint sich lieber mit dem Handel»nd dem städtischen Gewcrbeivcsen zu befassen; in der Landwirtschaft habe» es die einzelnen Staaten noch nicht einmal zu einer genauen Feststellung der auf dem Grund und Boden haftenden Schuldenlast gebracht. Man hat sich begnügt, die jährlich stattfindenden Zwangsver- stcigerungen an Gütern und Liegenschaften zu notircn; aber haben Mr genaue Feststellungen über den Durchschnittsertrag des Bodens? Än den einzelnen Staaten weiß man nicht, in welchem Ver höltnist'e Ackerbau und Viehzucht zu einander stehen müssen, um den Bedürfnissen des Landes zu entsprechen. Man beachtet mich k'et zu wenig, daß sich in vielen Jndustriebezirken die Bevöl 'erung schon jn eine halb bäuerliche und halb industrielle um- gewandelt hat, vorlänstg zum Schaden beider Teile. Und ist es wahr, was der berühmte Chemiker Justus von Liebig sagt, dal! nämlich die Landwirtschaft eine Kuh sei, die man mit dem »leischo füttere, das man ihr Von ihren eigenen Rippen schneide? Ann, rs ist unter diesen Umständen immerhin eine an sich �dienstliche Sache, wenn eine Regierung sich entschließt, bc- Millich der Lage der Landwirtschaft zuverlässige Belege zu schaffen. j d ad i sch e Regierung hat diesen Entschluß gefaßt und �ch ausgeführt. Diese Regierung, die als liberal gilt, war wie t Icheint, betroffen über die vielen Klagen und Beschwerden, die wis den bäuerlichen Kreisen erhoben wurden, umsomehr, als j0" gemeinhin die ländliche Bevölkerung Badens als eine wohl- a.ende z» bezeichnen pflegte. Wer ein wenig näher mit diesen il"»änden bekannt war, der mußte sich schon vor längerer Zeit !°Sen, daß das Wort Wohlhabenheit, allgemein ans den siid- eJl'lchcii rcsp. badischcn Bauernstand angewendet, nur eine leere ZM: war. Wenn mich das Jahr 1848 die auf dem Bauern- r, nchenden Feudallasten beseitigt hatte, so mußte doch der ivr"!? Parzellenbancr bald in die oben geschilderten Wider- rat" unserer modernen wirtschaftlichen Zeitrichtnng gc- b? und so konnten die mannichfachsten Klagen nicht aus- m y � Ministerium des Großherzogtums Baden tat ganz L,°"w". der Sache offen ins Auge zu sehen. Man hatte «roö ch gehofft, die Untersuchung würde ergeben, daß ein selb* Teil der Beschwerden, die ja nicht immer von den Bauer» liick' auch von Kammcrredncrn, Journalisten und pvll- dics" Agitatoren erhoben worden sind, unbegründet sei. Jn "Hoffnung hat man sich offenbar getänschr. doi, if �urde also, nach erfolgter Anregung durch die Kammer», ei»-. badischcn Regierung im Jahre 1883 eine Engnötc, Graba � istische Erhebung über die Lage der Landwirtschaft im nicht �°gtu". Baden angeordnet. Man hätte Arbeit und Kosten foeckJ rUf"»ud die Erhebung über das ganze Ländchen er- Gctiip" J0"0"- So aber wählte man 37 von den etwa ILM de» j 1 Badens als„Erhebungsgcmeinden" und zwar in nerschjxdxncn Kreisen des langgestreckten Großherzogtnms. ineind� Lage der Landwirtschaft in diesen Erhebungsge- man einen Schluß auf deren Lage im ganzen ei*0ötUm ziehen zu können, eine Annahme, die ja im all- .— en �3 zulässig gelte» mag, wenn man auch besser gethan| Lnvelrtje, Das Ilreigeiitum. Deutsch von Bücher. hätte, die Enquöte nicht ans die 37„Erhebungsgemeinden" zu beschränken. Die Regierung steht offenbar dem Ergebnis der Enquste mit gepreßtem Herzen gegenüber; wenn sie in ihrer Schlnßbe- trachtnng über die Ergebnisse der Erhebung sagt, daß die Ver- schnldung des Grnndbesizes in dem größten Teil des Landes „nicht den vielfach besorgten Umfang erreicht" habe; wenn ferner dem hinzugefügt wird, daß es auch Gemeinden„mit beträcht- lichcn Kapitalansammlungen" gibt, so kann man fragen, ob denn in diesem Fall das Beispiel der 37 Gemeinden zur Beurteilung des ganzen Landes hinreicht. Aber bevor die Ergebnisse der amtlichen Erhebung veröffentlicht wurden, erschien in einer Fach- zcitschrift*) ei» sehr interessant und objektiv geschriebener Auf» saz, eine Art Vorbericht, betitelt!„Die Lage der bäuerlichen Bevölkerung im Großherzogtum Baden", verfaßt vom Ministerial- rath Adolf Buchenberger in Karlsruhe, dem in seiner amtlichen Stellung die Resultate der Erhebung früher zugänglich waren, als dem größeren Publikum. Auch er ist in seinem Schluß- worte bestrebt, die bäuerlichen Verhältnisse Badens als im ganzen und großen gesund darzustellen. Indessen vermögen die Schluß- betrachtungen Buchenbergers die drastischen Wirkungen der Er- gebnisse der Erhebung ebensowenig abzuschwächen, als die schon erwähnten Schlußbemerknngen der Regierung. Die Regierung hat offenbar vergessen, daß Seite 67 ihres Berichts zu lese» steht: „Bei alledem zeigen die Berechnungen, daß, wenn auch die Produktivität des Bodens gegen früher gesunken sein mag, weil die Steigerung der Roh erträgnisse mit dem Steigen der Betriebskosten nicht gleichen Schritt hielt, diese Produktivität doch nicht bis zu dem Grade gemindert ist, daß eine Wiedererzeugung des Werts des Grund und Bodens durch Wirtschaftsüberschüsse zur Unmöglichkeit gemacht oder mit andern Worten, daß dem Grund und Boden die wichtige Eigenschaft, reproduktiv zu sein, völlig ge- nomine» wäre." Also ein ganz femer und schwacher Hofsniingsschimmer ist noch da. Welch trübe Resignation! Mit dieser Stelle, die uns als die wichtigste und bedeutsamste in der ganzen Denkschrift der Regierung erschienen ist, verrät man den Kern dessen, was die Enqußte festgestellt hat: das Parzellenwescn, das in Baden vorherrschend ist,**) hat die Produktivität des Grund und Bodens vermindert, ein Schaden, an dessen Wiederher- stellung unter den gegenwärtigen Verhältnissen gar nicht zu denken ist. Unter den 37 Gemeinden befinden sich 13, welche noch Allmcndland besizen. und es wird einstimmig konstatirt, daß die Allmenden für die unbemittelten Gcnieindegliedcr von größter Bedeutung sind. Jn einem Ort(Hemsbach) bildet das Allmend land ein Drittel der Gemarkungsfläche;„dennoch wirkt die außerordentlich weitgehende Parz ellirung des Grund und Bodens erschwerend für den Betrieb."***) Aus dem reichen Material, das der Bericht der Regierung über die Ergebnisse der Erhebung enthält, begnügen wir uns einiges hervorzuheben. Die Nachteile des bäuerlichen Klein- betriebs, rcsp. der Parzellenwirtschaft, treten in den von den Erhebungskommiffären konstatirten Tatsachen scharf hervor. Im südlichen und nördlichen Hügelland Badens kommt noch die alte, die sog. reine Dreifelderwirtschaft vor, die primitivste Art der Bodenbcwirtschaftnng, während an einigen Orten die verbesserte Dreifeldcnvirtschaft besteht, welch leztercs System schon von Karl dem Großen eingerichtet worden *)„Bäiierlicbe Zustände in Deutschland." Bericht, veröffentlicht vom Verein für Sozialpolitik. 3. Band. Leipzig 1883. Duncker und Humblot. »*)„Offenbar greift in Baden eine sehr weitgehende Teilung des Grnndbesizes plaz; fast ein Drittel des landwirtschaftliche» Geländes fällt in die unterste Besizgruppe---- Der Grostgrundbesiz ist iiur sehr schwach vertreten.... Die eigentlichen bäuerlichen Betriebe bildeten 59% oder erheblich mehr als die Hälfte des landwirt- schastlichen Areals." Buchenberger, Bäuerliche Zustände, S. 245. ***) Buchenberger, a. a. O. S. 281. sein soll. Im Schwarzwald findet man die Feldgraswirtschaft, in der fruchtbaren Rheinebene die Frnchtwechselwirtschast und die sogenantc freie Wirtschaft oder Faustwirtschast, die man auch Raubbau uennen kann und die ins cntgegengesegte Extrem wie der Parzellenbau verfällt, den Boden rücksichtslos ausnuzt und seine Produktivität auch schwächt. Die Mängel des bäuerlichen Kleinbetriebs werden in der Denkschrift der Regierung von allen Seiten beleuchtet. Es werden von den Bauern keine Bücher geführt, und sie sind sich über ihre Einnahmen und Ausgaben selten im klare». Sie behalten Pferde, wo sie mit Rindvieh auskommen können; sie können nicht richtig berechnen, wieviel Arbeitskräfte sie brauchen, nehmen oft zuviel und verteuern sich den Betrieb; sie zahlen oft zu hohe Preise beim Ankauf und zu hohe Pachtzinse, weil sie ohne Buchführung nichts vorher berechnen könne», und sie lassen sich beim Biehhandel von den Zwischenhändlern übers Ohr hauen. Bringt man dies noch in Berbindung mit der un- vollkommenen Betriebsweise überhaupt, so kann man sich denke», daß die Rentabilität des Bodens nur eine geringe sein kann. Im allgemeinen wird schlecht gelebt im badischen Bauern- stand. Tie Regierung hat sogenannte Kostzettcl ausfüllen lassen. Bei großbäuerlichen Landwirten stellt sich der Kosttag auf GO— 70 Pf., bei einem Großbauern im Dorfe Dittmar auf 49 Pf. Man nennt dies leztere»einfach und sparsam' leben; wir nennen es schlecht leben. Am besten leben die Bc- wohner der Weinortc, bei denen der Kosttag auf 80, 81, ja 93 Pf. kommt, freilich nur bei den mittleren Bauern. Wie viel die ärmeren Bauern und die Tagelöhner täglich für Essen ans- geben können, ist leider nicht angeführt, man kann sichs aber denken, wenn man von den angeführten Ziffern zurückschließt. DaS ist wenig bei so harter Arbeit, und es läßt sich leicht denken, daß bei fast gänzlicher Ermangelung höherer Lebensgenüsse der Mensch stumpf und dumpf werden muß, wenn er es nicht schon ist. Bezüglich der Rentabilität der Grundstücke sind sichere Daten vorhanden. In der Gemeinde Königsbach bei Pforzheim, teilt Buchcnbcrger mit, wurde»für eine großbäuerliche Wirtschast mit einem Besiz von 22 ha*) ein Verzinsung des Stcuerkapital- Werts der Liegcnschasten und Gebäude,(Grundrente) von 0,77°o, für einen kleinbäuerlichen Betrieb(5,57 ha) eine solche von 1,2 V» berechnet. In den sogenannten Haushaltungsrech- nungcn, bei ivclche» die gesammten baaren Einnahmen und die gesammten baaren Ausgaben der Wirtschaften tunlichst zu ermitteln gesucht wurde», ergab sich ein durchschnittlicher jährlicher barer ttcberschuß bei dem Großbauer von nur 304 Ml., bei dem Kleinbauer von nur 199 Mk., während bei einem der Berechnung unterworfenen Taglöhnergütchcn ein Defizit von 300 Mk. sich herausstellte, das im Taglohn verdient werde» muß, was übrigens gut möglich ist, da der Familie desselben nach Abzug der auf die Bewirtschaftung der 0,59 ha fallenden Arbeitstage»och etwa>ocitere 350 Arbeitstage zur Verfügung stehen.**) Das sind wahrlich keine rosigen Zustände. Tie Gemeinde Richen bei Pforzheim wird zu den„glücklich situirten" des Landes gezählt. Ein inerkwiirdiges Glück, denn für ein Bauerngut von 20 ha wurde eine Rente von 1,8 0/u, für ei» solches von 12,92 ha eine Rente von 0,88°o berechnet. Was sollen unsere Börsenmäinier davon denken, daß man, um eine winzige»Rente' zu erzielen, bei jeder Witterung auf dem Felde arbeiten muß! Ans Unadingcn in der Baar wird berichtet:»Bei einem Bauerngut von 22,3 ha ergibt sich nach Bestreitung aller baaren Auslagen ein Ueberschnß von durchschnittlich 1000 Mk.. der als Arbeitslohn des Wirtschafters und als Verzinsung des Betriebs- kapitals betrachtet werden kann, während für das Grundkapital I Hektar— 100 Ar; 1 Ar 100 Quadratmeter. ") Buchenberger, a. a. O. C. 244. Bas wird aus den armen Kindern, wenn Manir und Frau, in die Fabrik oder aus das Feld müssen, um das Defizit ihrer Schalle zu decken? im Stencrkapitalwcrt von rund 40000 Mk. eine nennenswerte Verzinsung sich nicht ergibt.' In Oberwolfach ans dem Schwarzwald erzielten die größeren Bauerngüter eine Rente von 1,6 bis 2,8 Prozent; einige mittlere und kleinere Bauerngüter gar keine Rente. In Bischoffingen, in der besten Gegend am Kaiserstuhl, hat ein Großbauer(mit 11 ha) ein Defizit von 933 Mk. gemacht, ein Kleinbauer hat einen Ueberschnß von 191 Mk. erzielt. Dieser Ueberschnß war nur dadurch möglich. daß der Kleinbauer für Kost nur 48 Pf. pro Tag und Kops ausgab. Darnach lebt also ein Kleinbauer(5 ha) in der fruchtbarsten Gegend Badens mich nicht viel besser als ein sächsischer oder schlcsischcr Weber leben kann, und der Grosse bauer, der besser leben will, stürzt sich in Schulden. In Hemsbach an der Bergstraße stellte sich bei einem größeren Bauerngnt(9 ha) die Verzinsung des Grundkapitals von 19 600 Mk. auf 0,27 0/o, die Verzinsung des Grund-»>m Betriebskapitals zusammen auf 0,99 0/o, bei einem mittleicn Bauerngut(4,7 ha) die Grundreute auf 0,75"v, die Grund- und Betricbskapitalrcnte auf 1,4 0/o. Die Rentabilität ist zuri»' gegangen. Diese Ziffern sind sehr lehrreich. Natürlich gibt es LZ' genug, denen sie keinen Kummer machen. Namentlich die IM) nach feudalen Zuständen sehnenden Junker finden, daß 1 Lebenshaltung der badischcn Bauern, von welcher wir durch P1 Ziffern ein untrügliches Bild bekommen haben, ganz den llw ständen angemessen ist.•.., Bezüglich der Vcrschuldu ng des ländlichen Grundbepz sind genaue Ziffern in dem Bericht der Regierung enthaltet die wir natürlich nicht hier anführen können. Bei derJmmob»»'� Verschuldung der rein landwirtschaftlichen Betriebe beginnt Belastung bei 7,26"o und steigt bis zu 112,67*o des Stent kapitalwerts. Die Regierung tröstet sich damit, daß sie anfm)' ein erheblicher Bruchteil der landwirtschaftlichen � völkcrung habe sich von jeder Verschuldung freigehalten.-1' Wird nicht dargelegt, ob die Verschuldung in Zunahme oder> � nähme begriffen ist; allem Anschein nach ist sie in der n a h m e begriffen. So wird der„erhebliche Bruchteil, noch schuldenfrei ist, bald zusammengeschmolzen sein. In dem Aussaz Buchenbergers wird die Verschuldung Grundstücke darauf zurückgeführt, daß der LiegcnschaftscU — bei den kleinen Leuten namentlich, die am meisten verha � mäßig verschuldet sind— gewöhnlich auf Borg erfolgt.» Besserung dieses wenig erfreulichen Zustandes ist mir dnn' � erwarten, wenn die ländliche Bevölkerung sich entschließen bei dem Ankauf von Grundstücken mehr mit den e i(P � Mitteln zu rechnen."— Allein wenn diese Mittel»>) sind? Dann muß der Betreffende Tagelöhner werden n"� � der alte Homer sagt,»einem dienenden Mann das stellen', ein Schicksal, das schon der Schatten des Helden. 0 in der llntcnvclt als das Schlimmste bezeichnet hat. Daß unter diesen Umständen die badische Landivu'l M � das Land das nicht leisten kann, was sie sollte,'N Ein von Natur so reichgescgnetcs und so friichtbau- das gar nicht übervölkert, dessen Bevölkerung gar m j< mäßig rasch gewachsen ist— eS mögen jezt 1 570.„chiinj deckt seinen Bedarf an Getreide nicht. Nur der Krev-' 1 �jfc bringt seinen Bedarf an Getreide selbst auf; alle übrige nicht. Es müssen jährlich 2 600 000 Zentner cingefn a So teilt der ministerielle Bericht auf Seite 78 mit.■ 51,4"o der gesai» inten Bodenfläche mit Getreide la'Z Kartosselbau hat vielfach den Hülsenfrüchten- und' verdrängt.»» Für uns geht aus den Resultate» der ErHelmng��.��, anfechtbarer Gewißheit hervor, das eine auf dem �„i beruhende Landwirtschaft innerhalb der heutige»* 0 ,1. rstl K Beifall nicht entgehe» kann. In Baden hat dieser stine gönne», die Produktivität des Bodens ist zurückgegm! � Rentabilität unter dem Kleinbetrieb ist eine geringe.„icht schiilduiig ist stark und daS alles sieht aus, als o 325 bctbeffem, sondern verschlimmern wolle. Wir wüßten mich nicht, wie es sich verbessern sollte! Der Parzellcnbauer wird in Boden wie anderwärts jenen grausamen ökonomischen Prozeß durchzu- wachen haben, dem auch der kleine Handwerker der Städte immer wehr verfällt. Der zersplitterte Grundbesiz schließt sich zu großen Komplexen zusammen, die einen rationellen Großbetrieb ermög- iichcn. Es ist eine lange und schmerzliche Umgestaltung, die begonnen hat, und daß sie durchzumachen ist, darf zu einem nicht geringen Teil auch den Einwirkungen des römischen Rechts zugeschrieben werden, das den alten Gemeinden ihr lreies und unveräußerliches Eigentum an Grund und Boden entrissen hat. Wie sehr die heutige Landwirtschaft entartet, das tritt be- sonders in jenen Bezirken hervor, wo sie sich mit der Industrie vermischt. Tie armen Leute, die jene kleinen sogenannten Tag- whnergütchen bebauen, sind— laut Erhebung— am schwersten verschuldet. Sie sollen zugleich ihr Gütchen bebauen und müssen Weich in die Fabrik gehen. In der Fabrik werden sie schlecht bezahlt und drücken dadurch auch den Lohn der andern Arbeiter herab. Tie Art, wie diese Leute die Bewirtschaftung ihrer >orzcllc betreiben, kann nur eine äußerst unvollkommene sein. j-'elc haben nur am Sonntag Zeit zur Bestellung ihres «ckers, weshalb wir schon bei vielen großes Widerstreben gegen as Verbot der Sonntagsarbcit gesunden haben. Was soll aber c' solchen Zuständen schließlich herauskommen? Während sonach das Parzellenstistem auf der einen Seite * Produktivität des Grund und Bodens schwächt, schafft es auf der andern Seite eine ganz in sich abgeschlossene Bevöl- kerungsklasse, die, in einen engen Jntercssenkreis gebannt, für das Verständnis der modernen Zcitfragen unzugänglich, allen Neuerungen abhold und zäh an das Alte und Hergebrachte sich klammernd, eine schwer zu erschütternde Phalanx gegen allen gc- sunden Fortschritt bildet. Sogar die moderne Technik und Wissen- schast mit ihren großen auf die Landwirtschast anwendbaren Verbesserungen bleiben dem Parzellenbauer ein Buch mit sieben Siegeln; er selbst hat nicht die Mittel, sich diese Verbesserungen zu Nuze zu machen und sie auf genossenschaftlichem Wege zu erlangen, dazu ist er zu indolent. Was sich auf dem Lande an Genossenschaften organisirt hat, ist im Verhältnis zum Ganzen sehr gering*). Der Bauer weiß, daß sein Großvater nach jenem System gcwirtschaftet hat, das zur Zeit Karls des Großen ein- geführt wurde, und das ist für ihn oft Grund genug, neuere Systeme zu verwerfen. Wenn es in Baden so aussieht, wie mag es in den an Natur ärmeren und weniger fruchtbaren Teilen Deutschlands aussehen! Leider fehlt eine zuverlässige Statistik; vielleicht gibt die von der badischcn Regierung vorgenommene Erhebung den Anlaß dazu, daß man sich auch anderwärts entschließt, einmal zu erforschen, unter tvclchcn Verhältnissen die ländliche Bc- völkcrung lebt. *) In Schleswig-Holstein haben die Genosienschasls-Molkeieien einen ziemlichen Umfang angenommen. Sie führen zum Teil ihre Produkte nach entfernten Gegenden auS. Ihr Einflns, auf die Situa- tion der Landwirtschast im ganzen ist indessen kaum bemerkbar. Zweierlei Perpetuum mobile. Unterhaltungen zur Aufklärung. Bon Ingenieur H'. Köhter. C, ß�tiächlich Schuster, bankerotte Kaufleutc und pensionirte °» b ICrc,.Tm�"nt� Julius Zöllner berufen resp. verurteilt, zu � �vsung des Problems einer ewig gehenden Maschine bfljj 1 Aus eigener Erfahrung kann ich jedoch versichern, weiij ffC»lsiachmänner* des Perpetuum mobile sich am aller- Wim" vus den Zirkeln der Bankrotteure und Pensionäre fof' Ucn; ich fand die stillen Schwärmer für die ewige Bc- Bor ir""gvnds zahlreicher als im werktätigen Volke vertrete». TchloT Cm �'c �kwerke der Mechaniker, Maschinenbauer, �elh V' Sichler und Drechsler, auch wohl der Uhrmacher, %lick� Östingießcr, unter deren Mitgliedern, und zwar vor- toäfoJ t gedankenvollsten und strebsamsten, die Idee der ewig hex cn Maschine leicht Wurzel faßt. Es rührt das einfach iihlrc'rf! �cr Verwandtschaft des fraglichen Problems mit den den J)in Stögen der Matematik, Mechanik und Physik, welche sehr Gehörigen der genannten Berufskreise bei ihren Arbeiten sihulc»' möchte sagen täglich aufstoße». Wären unsere Volks- �euijüT ,Ule i'e lein sollten und erhielte die Jugend statt des Geschr- u" von eingeprügeltcm trockenen Wissen und dem vor- schmäl Ballast in erster Linie den Unterricht der unge- f.ss.ln�e» Naturwissenschaften und was dazu gehört in >diirbe, vurch Experimente illustrirten Vortrage, so *""berem auch der unfruchtbare Glaube an die in fpuH Bewegung von Eisen und Messing aus dem Volke Beruf verschwinden, daß die Maschinen-Jngcnieure von .'eser Beziehung nichts mehr im voraus habe» würden. �ehe»/"'vn eigentlich unter einem Perpetuum mobile zu vcr- . WeG bereits gelegentlich gegebenen Ucbcrsezungen 'vcht dollü" �vzcichnung erläutern das Ding freilich noch etwa/' fv"dern geben nur Andeutungen, daß dasselbe etfebV-11'' Maschinerie, teils mit der Eivigkcit zu tun habe. Än P"k* �vrständnis kommt erst mit Beispielen. Also: njpjxd/'vvm mobile ist eine metallene Kugel, welche auf t0� nitb 7. vietallenen Teller unaufhörlich im Kreise herum- 'cfcni Zweck sich selbst nach jedem Umlaufe mittels von ihrem eigenen Gewicht bewirkter momentaner Schiefstellung oder Schwankung des Tellers einen neuen Anstoß erteilt. Ein Perpetuum mobile ist ein Schwungrad, welches ursprünglich von Menschen- oder anderer Kraft in.schnelle" Umdrehung versezt, durch seinen eigenen Schwung mit Hülfe von Hebelwirkungen eine Spiralfeder spannt oder aufzieht, die nach jeder Auslösung das Rad in neuen Schwung versezt. Ein Perpetuum mobile ist eine Dampfmaschine, welche— nach dem ernsten Vorschlage Dr. W. F. A. Zimmermanns*)— die zum Betrieb nötigen Dämpfe im Dampfkessel durch Reibung erzeugt. Im Dampfkessel besindet sich ein Rohr mit enganschließendem Kolben; leztcrer wird von der Dampfmaschine aus in Umdrehung erhalten und die dabei entstehende Reibnngshize liefert nach Auf- hören des Feuers ununterbrochen den Betriebsdampf. Ein Perpetuum mobile ist auch eine Wasserrad, welches seine Kraft dazu verwendet, das unten abfließende Wasser durch An- Wendung von„kraftersparendcn" hydraulischen Drnckvorrichtungcn, Winden w. immer wieder»ach oben zu heben, welche Einrich- tung die Ausstellung von Wasserrädern auch dort gestattet, wo gar kein fließendes Wasser vorhanden ist. Auch ein magneto- elcktcrischcs Perpetuum mobile ist anzuführen: Eine dynamo- elektische Maschine(der Generator) wird zu ansang des ewigen Laufes von irgend einem Motor in Umdrehung versezt; der dadurch in der Maschine erzeugte Strom wird nach einer da- neben stehenden zweiten dynamo-elektrischen Maschine(deni Rc- zeptor) geführt, die jezt als Elektromotor ihre Kraft darauf ver- braucht, die erste stromerzeugende Maschine, vielleicht mit Hülfe geeigneter Uebersezungen(Räder oder Riemenwcrke) in der ein- mal erteilten Umdrehung zu erhalten. Das klassische Beispiel bleibt aber die Uhr, welche sich selbst immer wieder auszieht. Hinsichtlich des Perpetuum mobile scheiden sich die Menschen lu.ucit sie diesem Begriff nicht gänzlich unbekannt gegenüber Itcheu, in zwei grundverschiedene Parteien: die Partei der *) Siehe dessen„Handbuch der Physik", 2. Bd., S. 274.(Berlin, Gustav Hcmpel, 1857.) 326 Mechaniker— damit bezeichne ich diejenige», welche Mechanik studirt haben und zu denen unter anderen die praktischen Ma- schinen-Jngcnieure gehören— und die Partei der Nichtmecha- niker*). Während die erstere Partei, um bei dieser Bezeich- nung zu bleiben, vollständig von der Unmöglichkeit eines irdischen Werkes, das ewig von selbst umläuft, überzeugt ist und sich grundsäzlich nicht niit der Erfindung eines solchen befaßt, steckt die andere tief in der Ungewißheit, zweifelt und hofft, und hält die Sache noch gar nicht für so ausgemacht. Zudem sind ein- zclnc Auscrwählte aus den Neihen dieser Partei permanent, Tag und Nacht nämlich, an der Arbeit, den Konstniktions- Prinzipien des Perpetuum mobile auf die Spur zu kommen. Ich schäzc die Anzahl dieser Auserwählten in Deutschland allein auf tausendc. Bielfach ist der Beweggrund zu jenen Bestrebungen der, durch eine möglichst unerhörte Erfindung mit einem Schlage steinreich zu werden. So steht es z. B. in diesem Augenblick mit einem Fabrikanten nieines Wohnorts, der noch vor knrzcni hinter verschlossenen Türen mit einem Schlosser an der Lösung des Problems arbeitete, um mit einem Werke gedachter Art seinen zerrütteten Finanzen aufzuhelfen. Wie man auf den Gedanken geraten konnte, eine Maschine verfertigen zu können, die von selbst, aus eigener Kraft, ohne Unterbrechung bis an das Ende der Tage läuft, ist verschieden zu erklären. Mit der Einführung der Räderuhren im 14., 15. und 16. Jahrhundert") war eine Veranlassung für allgemeinere Verbreitung perpctuum-inobilistischer Ideen gegeben. Die ersten Rädernhren wurden, wie noch heute die meisten stationären Uhren von Gewichten betrieben. Ter noch nie gesehene stunden- und tagclangc Lauf, die regelmäßige Bewegung eines solchen Uhrwerks, der Ausschlag des rastlosen Perpendikels entzückte offene, empfängliche Naturen, wie jezt noch die Kinder vielfach beim ersten Ermachen der Reflexion eine Uhr mit höchstem Interesse betrachten. Ich kannte einen Knaben, der buchstäblich stundenlang still und aufmerksam dem Fortrücken der Zeiger und dem Gang des Rädenvcrks einer von den Eltern ncuangeschafftcn Wanduhr zuschauen konnte. Auch unseren Voreltern vor vier- hundert Jahren mochte die regelmäßige, selbständige Bewegung der neuen Zeitmesser unerhört und wunderbar genug vorge- kommen sein. Aber dem europäischen Menschen wird das Neue mit der Zeit alt und das Unerhörte, Wunderbare natürlich und .selbstverständlich", und es entsteht das Bedürfnis nach weiteren Nciiheitcii und Wundern. Die Idee, der Glaube an»och unbe- kannte, verborgene Neuheiten und Wunder ist stets im Gefolge eingetretener Entdeckungen und Erfindungen gewesen. Das Sinnen und Grübeln über vollkommen selbständige, sozusagen lebendige Mechanismen wurde zum guten Teil durch die Räder- uhren erweckt. Während ein Teil der alten Mechaniker bestrebt war, die Uhren als Zeitmesser praktisch zu vervollkommnen, ein anderer Teil diese Werke, besonders die Turmuhren— man denke an die Uhr des Straßburgcr Münsters— mit allerlei beweglichem Beiwerk umdichtetc, eine dritte Gruppe sich ans die Konstruktion von Spielereien, Automaten mit Uhrwerken: tanzenden, schrei- benden, gestikulirendcn Menschen, laufenden und bellenden Hunden, schwimmenden Enten n. dgl. verlegte, machte sich eine vierte Richtung an die Erfindung von Uhrwerken, die gar nicht auf- gezogen zu werden brauchen, und die Herstellung einer ewig gehende» Maschine wurde zur Lebensaufgabe, zur»fixen Idee" so manchen strebsamen Meisters der alten Uhrmacherci. Man glaubte— und glaubt noch heute— an gehcimnis- bolle, noch unbekannte Kombinationen von Mechanismen oder noch unentdcckte Mechanismen selbst, die wirksamer und wunder- barer als Hebel, Tiffercnzialrad und Schraube die Bedingungen für Krafterhaltung und Kraftvermchrnng in sich tragen, ähnlich ..*) � �ibt nämlich Mechaniker, welche keine Mechaniker sind, d. h. die keine Ahnung von der Wissenschaft der Mechanik haben. _) �ach tmigen Schriftstellern sind die Räderuhren von dein Italiener Pacii�cus von Verona um das Jahr 850, nach anderen uon den �aiazenen erfunden, von denen fic die Arennahrer »ach Europa gebracht haben. wie in vergangenen Jahrhunderten Gelehrte und Einfältige an die Möglichkeit glaubten, die Zusainmcnsezung des Goldes aus gemeinen Stoffen entdecken zu können. Eine Ursache anderer Art, eine immer wiederkehrende und wirksame, so lange es unmiterrichtete Menschen geben wird, ist in den fehlerhaften, oberflächlichen Vorstellungen zu suchcil, die sich Handwerker und andere von dem Wesen und der Wilkungs- weise der sogenannten einfachen Maschine bilde». Mit Hebel, Differenzialrad und Schraube meint man alles machen, Bc- wegung von Maschinenteilen kostenlos unterhalte», ivirklickK motorische Kräfte ersezen zu können. Man weiß, daß z. mit einem Hebel oder mit differcnziellen Räderwerken geringe Kräfte beliebig in sehr große oder umgekehrt geringe Geschwi»-| digkeitcn in große vcnvandelt werden können, wie der Hebe- j bäum, das Brecheisen, die Winde, die Nähmaschine u. s. u'-! zeigen. Daraus schließt man fälschlich ans die beliebige Vermehrung und Vergrößerung der Kraftwirknngcn überhaupt. Tort steht ein Drechsler an seiner Drehbank. Mit ein l""11 Fußtritten erhält er das Tretrad derselben in bedeutendem Schwünge. Er sinnt und sinnt, wie er die paar Fußtritte, d>c das Rad für die Fortsezung der Drehung braucht, durch einen Hebelmechanismus besorgen lassen kann, der seinerseits den Aw trieb von dem offenbar sehr kräftigen Schwünge des Rads- empfängt. Nicht, wie man glauben könnte, um dann damit d>c Drehbank zu treiben— so weit versteigt sich seine Hoff"""® noch nicht— nein, vorläufig denkt er nur an die einfache A"' dancr der Radbcwegung. Später, wenn dieses erreicht»nd es' i fundcn ist, kann nian es ja durch»Verbesserungen" vielleicht i weit bringen, daß noch etwas getrieben werden kann. So 1111 diesem intelligenten Drechsler oder ähnlich ist Hunderten"" tausendc» die Versuchung, das große»Problem" durch lJr'in liches Nachdenke» zu lösen, nahegetreten. �.. t Tagegen verhalten sich, wie schon berührt, die Techm� dem Perpetuum mobile gegenüber durchaus ablehnend,»nd j1� drückt sich diese»egircnde Stellung nicht etwa durch h'"" her erscheinende kritische Abhandlungen in technischen Zeilschul'; woselbst alljährlich wohl hunderttausend Fragen ous allen biete» des Faches diskutirt werden, oder durch sonst isio s ternngen in spezifisch technischen Kreisen aus, sondern ste. � sich einfach dadurch aus, daß unser Gegenstand im Es"",',; nicht mehr erwähnt wird. In einem längeren t,fj des Amerikaners Haseltine, ivelcheS die englische Regier"�! ihren Untersuchungen über die Frage der Reform de-.'.-t dungspatcntwesens im Jahre 1872 mit eingefordert hatte, es z. B.:„Eine Pateutstcuer von fünf Psund Sterling" � reichend, zahlbar zwei Psund Sterling bei der Eiiweich1'"!.. Gesuches und drei Pfund Sterling bei der Patenten außerdem kann alle drei Jahre eine Taxe von jj Sterling erhoben werden; dadurch werden unsinnige � � Patente, wie z. B. auf Perpetuum mobile aus der schafft." ,,„d der Angesichts dieser Stellung der berufensten Greste 5(„ Tatsache, daß schon viele hoffnungsvolle Existenzen" schnarrenden und rollenden Mysterien des Perpetuum� �, zu Grunde gegangen oder schwer geschädigt worden Mage es zweckmäßig sein, auf die wissenschaftliche Seite etwas tiefer einzugehen.,, lichcn: die»nmittelbare Empirie, d. h. die Ueberzeug-�schc Augenschein und durch die Sinne überhaupt und: M» Verwendung und Vcrlvertung von erfahrenen Tatp'> bezeichnet gewöhnlich den erstere» Weg als den � �.�jschc», die praktische Erkenntnis, und den anderen als den � spekulativen Weg, als Teoric; doch sind im Grun--'. beide Wege praktisch, denn beide beruhen �»1 b" j�ssigc Teorie ist nichts weiter, als systematische, geordnete,. Praxis, geordnete Verwertung und Anwendung �# wogegen alle Arbeit ohne Teoric nur planloK«.e! Zeit und Arbeit darstellt. � schliff" Aus jedem dieser Wege gelangt die Mc»I)> M 327 }iir Erkenntnis der tatsächlichen Verhältnisse, aber der Weg der reinen, der unmittelbaren Praxis ist langwieriger als der andere. Dagegen ist die Teorie vortrefflich geeignet, den Prozeß Der Erkenntnis beträchtlich zu beschleunigen und abzukürzen. praktisch ist die Erkenntnis der gcsainmtr» Tierwelt, die Er- "»ntnis der Urmenschen, die Erkenntnis der Ungebildeten; drakljsch z. B. die Erkenntnis, daß Hunger der beste Koch ist. �»f praktischer Erkenntnis, d. h. auf Erfahrung unmittelbar beruht zum großen Teil die Entwicklung zum besseren in der Welt der listig wenig entwickelten Organismen. Aber erst in der teoretischen Erkenntnis erwuchs der Menschheit die kraftvollste Helferin bei rr Entwicklung, nachdem die Sprache und Schrift entstanden !*rod erfunden war, weshalb heute in der Zeit der billigen Ge- ankcn- und Nachrichtenverbrcitung das Menschengeschlecht in '""'zig Jahren dem schließlichcn Ziele rascher zugeschritten ist. unsere Urahnen in zehn Jahrtausenden. llnscrn Gegenstand betreffend schreiten die Mechaniker, Uhr- . uinchc� Drechsler, Maschinenbauer, soweit sie von dem Glauben uu die Möglichkeit ewig gehender Mechanismen beseelt sind, "us den, Wege der rein praktischen Erkenntnis: sie überzeugen «>? �kießlich wohl oder übel von der Wahrheit, daß kein I.echanisinns von selbst ewig läuft, und zwar durch die Nuz- "Ugkeit aller Anstrengungen, die sie selbst oder andere in dieser eziehnng gemacht haben. Allerdings hat es Leute von fabcl- Wer Ausdauer und, sozusagen, geringem wissenschaftlichen Mut- """z gegeben, welche ihr ganzes Leben lang nicht überzeugt s" Und, doch hat dieser musterhafte Glaube dennoch nichts Herbeiführung des ersehnten Resultates beigetragen. Ich ' an dieser Stelle nur kvnstatircn, daß es bis heute auf dem "zkn Erdbälle noch kein Perpetuum mobile gibt. . Standpunkte des Praktikers ist es nun noch kein reichender Beweis für die Unmöglichkeit eines perpctuellen Ivi ,ÜC1"1 dato»och kein solches gibt— man sieht, . e ungeheuer langwierig der Prozeß der praktischen Erkenntnis cv aber was die Erfahrung und die Anstrengungen von iy Herten noch nicht znrgenüge bcivicsen haben, das bc- rat' �orie in einigen Säzcn. Wenn der Herr Geheim- n�, 0ethc noch lebte, so würde ich mir 8 zum Vergnügen ' Tco'"*'�M darauf hinzuweisen, daß sein Saz von der„grauen" ,-t 0l.lc) doch nicht von so allgemein giltigcr Wahrheit ist, als Un,:.. U selbst geglaubt hat. Ich würde beweise», daß unter Ui, kann .r,.,/ i-•|. V7'»»»»» v»| f tj------- ... ,cu die Teorie sehr frisch, grün und jugcndkräftig sein »tltkkf r>/ i i'■'--.... Hwärf," C1 �'e Praxis des Lebens oft vor aschgrauer Alters- lrjst' z" schwachsinnig geworden ist, um überhaupt noch etwas zu können. Verl � �riilichkeit der Bewegung eines sich selbst überlasse»?» �icinb' i"- �"'"chst begründet in der Tatsache, daß die Ge- ka»»' bewegter Körper nie von selbst größer werde» d*im is f''c schon ist, mag die Bewegung um eine Axe, wie VvCnln,,...... v t c. r? jt.<. an::___; msm fiST? dlohvlir'»""' um onl"aiuier irre zu[uisski.,«.»v Srni,« zu». Besten gibt. DaS Ziel, nach 9 gtfng,-'' dem Eingangsmonologe zu dieser Szene dem er deutlich ®ttnchte nur Vernunft und Wissenschaft, ji��'enschen allerhöchste Kraft, T-'lJi"ur>u Blend» und Zaubenverlen ! de» Geheimrat Goethe ist denn auch so ziemlich der ezte, ans die Bedeutung der Teorie bedurfte. D. Red. schnellen Bewegung unverändert beizubehalten, so lange keine Ursachen für eine Aendernng dieses Znstandes vorhanden sind. die Trägheit oder das Beharrungsvermögen, eine Eigenschaft, welche gleichsam das Fundament aller Ursächlichkeit darstellt, und es besagt der Saz von der Trägheit nichts weiter, als daß ein Klumpen Stoff sich niemals willkürlich, ohne Ursach da- oder dorthin, schnell oder langsam fortbewegen, oder aus Ruhe in Bewegung oder umgekehrt übergehen kann, sondern daß dazu stets eine Ursache erforderlich ist. Die Ursachen, welche dagegen die genannten Zustandsveränderungen veranlassen können, heißen wir im allgemeinen Kräfte. Es besteht ferner das wichtige Faktum in der Körpenvclt, daß die sortbewegende, beschleunigende Wirksanikcit der Kräfte, wo eine solche stattfindet, in allen Fällen nur eine zeitweise und begrenzte ist, während die bcwcgungvcrzögcrndcn und hemmenden Ursachen von selbst eine ununterbrochene, vom e r st e n Moment einer jeden Bewegung bis zu Ende andauernde Tätigkeit entfalten und außer- dem zu Zeiten mit überwiegender Stärke auftreten. Bei einem vom Turme herabfallenden Steine wirkt zwar die Schwere vom ersten Moment der Bewegung bis zum leztcn; allein der Widerstand des Erdbodens ist so übermächtig, daß die Fall- bewegung notwendig ihr Ende erreicht. Uebrigcns kann für unsern Zweck jede Fallbewegung, welche in geivöhnlichcr Weise durch Auftreffen des Körpers auf dem Erdboden ihr Ende er- reicht, als eine unvollendet gebliebene Bewegung betrachtet werden. Befände sich im Erdboden ein großes Loch, ein Schacht, welcher mitten durch den Erdball bis zu den Pflanzungen der Antipoden reichte, so würde der Stein, in diesen Schacht fallend, doch im Mittelpiinkt der Erde, also mitten im Schachte und zwar durch die Schwere selbst, zur Ruhe kommen, nachdem er sich noch eine Weile pendclartig durch den Mittelpunkt(Schwer- Punkt) der Erde ans und nieder geschwungen haben würde. So sehen wir, daß die Schwere z. B. in jedem Sinne nur eine begrenzte oder zeitweise Wirkung als Ursache von Bewegung ausüben kann, daß dieselbe Schwere umgekehrt zulczt dauernd in Bewegungswiderstand umschlägt. Mit allen übrigen Kräften verhält sichs ebenso, sobald sie sich an der Fortbewegung und der Beschleunigung der Bewegung eines Körpers versuchen. Ich muß es dem Leser überlassen. sich von der Richtigkeit dieses Sazcs durch die Betrachtung aller hie in Frage kommenden einzelnen Ursachen, welche Bewegung oder Beschleunigung veranlassen koiinc», zu überzeuge». Eine verzögernde und jeder Bewegung feindliche Ursache ist it. a. die Reibung. Diese ist ein Widerstand, der unter allen Umständen entsteht, wo zwei Stoffe mit ihren Oberflächen aneinander gleiten; er wirkt stets dem Gleiten entgegen und hört in seiner Wirksamkeit nicht eher auf, als bis das Gleiten der Oberflächen zu Ende ist. lind da in jedem maschinellen Werke an den verschiedensten Stellen ein Gleiten von Ober- flächen stattfindet, so wiikt also auch jederzeit der Bewegung einer Maschine die Reibung entgegen. Tie Reibung läßt sich nicht beseitigen. Keine Fläche ist absolut glatt. Die bcstpolirte Metallfläche zeigt unter dem Mikroskop Erhöhungen und Vertiefungen und wird stets solche zeigen, schon deshalb, weil alle Stoffe porös sind. Bei einem Uebcrcinandergleitcn stoßen die beiderseitigen kleinen Erhöhungen gegen einander und die Bewegung nimmt nur dann ihren Fortgang. wenn die Erhöhungen abgestoßen(abgeschliffen) oder über- einander weg gehoben werden, und darum verursacht jedes Gleiten ein Geräusch, das Reibegeräusch. Es könnte auch durch die feinste Politur und die allergrößte Dichtheit des Materials nichts gewonnen werden; denn sowie zwei Körper in einer genügenden Anzahl von Punkten sich berühren, entsteht der Widerstand der Adhäsion, der bis zu einer Verschmelzung der Flächen auf kaltem Wege sich steigern und dann nur mit sehr großer Kraft be- wältigt werden kann. Ter Maschinenbauer bezeichnet diese bei allen feinpolirten Flächen hin und wieder eintretende Verschwel- zung als„Anfressen": Tic Welle hat in ihrem Lager, der Schieber der Dampfmaschine auf dem Schicberspiegel„gefressen". Der Geburtstagskuchen. GcmSlde von Das einzige Mittel, die Reibung genügend polietcr Flächen zu vermindern, ist die Schmierung. Durch die Schmiere werden die Vertiefungen einigermaßen ausgefüllt, wodurch auch die ver- schiedenartigcn Widerstände dieser Erhöhungen in ihrer Wirkung abgeschwächt werden. Könnte man zwischen reibende Flächen sv dicke Schichten von Schmiere bringen, daß gar keine Berührung der Oberflächen mehr stattfände, so wäre wohl die Reibung ver gleichsweise viel geringer, doch nicht ganz beseitigt; denn selbst auf den schmierenden Flüssigkeiten ist ein Bewegungswiderstand Vorhanden. Was soll nun wohl aus einer Maschine schließlich werden, die in Bewegung versczt ist, diese ihre Bewegung selbst nie vergrößern kann und die einerseits im besten Fall nur eine zeitweise Vergrößerung der Geschwindigkeit durch die Schwere niedergehender Gewichte oder andere Ursachen ersährt, dabei andererseits dem Einfluß des durch nichts, außer durch das Ende der Bewegung selbst unterbrochenen Wider- standes der Reibung unterworfen ist? Gar nichts anderes, als ein stillstehender Haufen Metall! Die unbedingte U e b e r l e g e n- heit der Mißstände hinsichllich der Wirkungsdauer führt notwendig zu diesem Resultat. Es muß einleuchten, daß auch alle kunstvollen Einrichtungen im Innern der Maschine, die ver- schiedenen Hebel, Räder, Federn, Gewichte, Kugeln und Wellen nichts an dem Resultat ändern können, wenn das Mißverhält- nis zwischen den aktiv wirksamen Kräften— die nur zeitweise und endlich wirken— und den Widerständen— welche stets von Anfang bis zu Ende des Laufes tätig sind— nicht aufgehoben oder abgeändert werden kann. Das einfachste Beispiel, wie das komplizirteste, zeigt diese Wahrheit. Ein Stück Eis, welches wir über die spiegelglatte Fläche eines gefrorenen Sees niit Kraft dahinschlcudcrn, kommt früher oder später zur Ruhe, obgleich hier die Reibung die zwischen festen Körpern denkbar geringste ist. Ebenso ergeht es allen hin und wieder auftauchenden und in den Zeitungen ver- kündigten Wunderwerken: eines Tages ist das Schauspiel zu Ende. Es erübrigt noch, ans die Ziollc der einfachen Maschinen oder der Maschincnelcmentc(Hebel, Difserenzialrad, Schraube:c.), welche diese bei der Frage des Perpetuum mobile spielen, einen Blick zu werfen. Es ist wahr, ein herabgehendcs Gewicht kann eine Maschine treiben und mit Hilfe von Hebeln oder Räder- werken ein anderes, sogar größeres Gewicht(oder eine Feder) für den nachfolgenden Betrieb aufziehen, das bei seiner Aus- lösung auch eine größere Kraft ausüben kann, als das zuerst arbeitende Gewicht. Aber in dem Maße, als die Kraft(resp. der Zug nach unten), welche von dem arbeitenden Gewicht für den Auszug verwendet wird, geringer ist, als die, welche das neu aufgezogene Gewicht in seiner Schwere rcpräscntirt, in dem- selben Maße ist auch die erreichte Höhe(Fallhöhe) geringer, als die vom treibenden Gewicht bei seinem Betrieb zurückgelegte Höhe— und die Arbeit, die eigentliche Leistung, welche das ausgezogene Gewicht nachher liefern kann, wird niemals größer sein, als die, welche daS erste Gewicht liefert und ebenso gut, ja noch besser unmittelbar für den Betrieb der Maschine verwenden kann. Man kennt nämlich in der Mechanik ein Gcsez, die söge- nannte goldene Regel der Mechanik, welches lautet: Was an Kraft gewonnen wird, geht am Wege ober n 11 der Zeit verloren. Zu allen Zeiten, an allen Orten, mit allen nur denkbaren Maschiucnclcmenten prvbirt, hat sich dieses Gesez als unumstößlich bewährt. Daraus geht hervor, daß man durch alle Mechanismen eigentlich überhaupt nichts an mechanischer Arbeit(einem Produkt von Kraft. Zeit und Geschwindigkeit) gewinnen kann. Durch Hebel, Schraube. Tiffc- rcuzialrad, schiefe Ebene ic. kann man nur an Kraft gewinnen. wo übrige Zeit, oder an Zeit gewinnen, wo überflüssige Kraft vorhanden ist, das ist alles. Auf unser leztcs Beispiel angewandt, ist es also eine ganz nuzlose Einrichtung, durch den Schwung eines Rades oder den Niedergang eines Betriebsgewichtes eine andere Kraftquelle durch Aufziehen eines andern Gewichtes erzeugen zu lassen, denn diese Kraftquelle ist hinsichtlich der Zeitdauer der von ihr unterhaltenen Bewegung gewisser Maschinenteile nicht wirksamer, als die erste Bctricbsqiwlle, welche das Gewicht aufzog. Am schlicßliche» Schicksal des Werkes ändert also die Art und Zahl der Mechn- nismcn nichts; dieses ist vielmehr ausschließlich durch das vorhin dargelegte Mißverhältnis besiegelt. Das Gesagte gilt überhaupt für alle maschinellen Von ich' tungen, deren Bewegung darauf verwendet wird, neue Kraft- quellen, Spannungen:c. für den späteren Betrieb zu erzeugen. Eine gespannte Feder, ein elektrischer Kraftsammler, ein Schwung- rad, eine komprimirte Luftmasse, emporgehobenes Wasser, durch Reibung erzeugte Hize kann auf keine Weise mehr mechanische Arbeit leisten, als zur Spannung der Feder, zur Ladung des elektrischen Kraftsammlers, zur Bewegung des Schwungrades, zur Pressung der Luft, zum Emporheben des Wassers, zur Er zeugung der Reilungshize an mechanischer Arbeit vor- her aufgewendet wurde. Warum das so ist? Auf diese Frage gibt es keine eigentliche Antwort. Begnügen wir»»s für heute damit, zu wissen: es ist so. Es sind Erfahrungen. systematisch aufgesuchte Tatsachen, die keiner weiteren Erklärung im gewöhnlichen Sinne unterzogen werden können. Auch d"' Gcsez von der UnVeränderlichkeit der Energie im Weltall(Gcstj der Erhaltung von Kraft und Bewegung) bietet keine Erklärung für jene Tatsachen, sondern ist umgekehrt nur eine Ableitung davon. Hier ist einer der Punkte, wo sich auch die Teorie o«s die Erfahrung ftüzt. Hängen wir einen Körper an einem Faden auf, so wir alle„Probleme", mit denen der Konstrukteur des Perpctun'N mobile zu rechnen hat, in der einfachsten Form bei einander. und wir können au diesem Beispiel die vorgetragenen Säzc Wa rekapitulircn. Wir geben dem Körper einen Stoß, und in dj1'' Moment beginnt das bekannte Pcndelspiel. Wenn der Köidc auf dem höchsten Punkt seines Ausschlags angekommen ist, � er mit stets sich vermehrender Geschwindigkeit wieder abwäl-- Der dadurch entstandene Schwung treibt den Körper jczt � der andern Seite bis zu einem gewissen Höhepunkte wK hinauf. Der Schwung verbraucht sich also dazn, eine Fallhöhe für den Körper zu gcwiiiucn, von wo alsda»» zweiter Abschwuug seinen Anfang nimmt. Wenn wir dabei, merke», daß die Höhepunkte fortwährend niedriger werde». finden wir den Saz bestätigt, daß durch den Umsaz von-lK. � gong einer Masse in Fallhöhe mindestens nichts gewonnen. weil nicht einmal der erste Ausgangspunkt wieder erreicht> Wir können ferner sehen, daß. während die aktiv tätige»> u (hier die Schwere) nur zeitweise(beim Niedergangs N''� die Rabling an der Aufhängung des Fadens»»d der- widerstand unausgesczt daran sind, die Bewegung 6' seitigcu. Man kann Mechanismen herstellen, die aus Grund der � � lichen Gcsczc sehr lange wackeln, klappern oder ticken ICj>!t.v(c dem— und die den Unwissenden als ewig sich bnoegen�— � „aufgebunden" werden können, wie es tatsächlich vorgc o.� »st. Eine Taschenuhr, auf geeignete Weise von einem � von 100 Kilogramm betrieben, welches 10 Meter tief gehen kann, würde ungefähr 10 Jahre laufen. Zeh» er. Eine lange Zeit— aber die Ewigkeit ist bekanntlich 331 Aus der Franzofenzeit. Erzählung von I-rarrz Leknrarrn. Eines Tages, ich war damals dreizehn Jahre alt, saß ich in der Stube incincs Großvaters diesem gegenüber und bemühte wich, einige Rechenaufgaben zu lösen, die er mir gestellt hatte, um meinen Schulkenntnissen ans den Zahn zu fühlen. Ta trat der Briefträger mit seinem langen, kanariengelben 9We, wir hatten in unserem Ländchcn königlich sächsische Post, ws Zimmer und brachte meinem Großvater einen Brief, der niit vielen Stempeln bedeckt und mit zwei fremden Marken bc- klebt war. »Aus Bor— de— anks!" sagte der alte Junker, den Abgangs- ßcmpcl buchstabircud. »Ah, aus Bordeaux, vom Sohn meiner verstorbenen Schwester �uise," rief mein Großvater freudig aus, dem Briefträger statt Pflichtmäßigen Dreiers ein Zwcigroschcnstück zuschiebend, während er zugleich durch eine Handbcwegung andeutete, daß kr nichts heraushaben wollte.„Es ist doch schön von den fernen verwandten, daß sie manchmal an mich alten Mann denken." »War ein hübsches Mädchen, die Luise; habe sie wohlgc- kchmt und kann mich noch recht gut auf die große Hochzeit cnt buneu, bic hier gefeiert wurde, ehe sie mit dem Franzosen so weit sortzog. Ich war gerade vierzehn Jahre alt." sagte der yiestriiger, indem er freudig schmunzelnd das Zivcigroschenstück einsteckte.„Gehorsamer Diener, Herr Hosapotcker." »Adieu Junker." .»Großvater, wie kam es denn nur, daß sich die Tante "■'che so weit fort verheiratet hat?" frug ich, nachdem der Bricf- eüger gegangen irar, in der stillen Hoffnung, von dem vcr- walcdciten Rechnen, mit dem ich unter allen Wissenschaften auf Sespanntcstc» Fuße stand, loszukommen, wen» ich den strengen �visor zum Erzählen brächte; denn ich wußte, daß mein Groß- nter gern von seinen Erlebnisse» und vergangenen Zeiten be- richtete. �°ch heut hatte ich entschieden einen unglücklichen Tag. .»Das ging gar merkwürdig zu, und um es dir zu erzählen, rauchx längere Zeit," meinte mein Großvater,»aber wenn ,°"nc Ausgaben richtig lösest und dich dann noch eine Stunde s?» im Schönschreiben geübt hast, sollst dn es in der Dümmer- tJ c krsahren und dann auch zum Abendbrot gcbackcnc �llöpe ei wir essen." «?ksignirt fügte ich mich in das Unvermeidliche, durch die ussicht auf die Erzählung des Großvaters und auf die ge- 0p. C.'!cn filösjc einigermaßen über den Verlust der Spielzeit »r Endlich waren die Ausgaben gelöst und in der Kalli- 'üe bas Mögliche geleistet; ich eilte heim, um meinen Eltern �Uden. baß ich zum Abcnbesicn nicht nach Hause kommen die �ks bic untergehende Sonne ihr rötliches Licht über nebe»°usgoß. id) ouf veni kleinen hartgepolsterten Kanapee vni, �kinem Großvater und wartete mit Ungeduld an; die '�hene Geschichte. bou" � Jahr 1806," begann er endlich,»war ein Verhängnis- jchli... Jk'tabschnitt für Teutschland, es brachte uns eins der zus,�"en Uebel im Völkerlcbcn, den Urieg. Napoleon, nicht seiu/'N mit seinen Erfolgen in Italien und Oesterreich, hatte d-ar jährlichen Augen auf Deutschland gcivorsen. und bald NN Bonvand zum Beginn der Feindseligkeiten gefunden. SiJalb•' kne Franzosen beabsichtigten über den Thüringer bor JJorbkcutf�Ianb einzudringen und Preußen bereite fin Weg durch das Saaltal zu verlegen. Tie Ge- Hrt»;,.»»ns mit banger Sorge, denn ivenn pe sich be- "' konnte leicht unsere Gegend zum Tchauplaz des d°n'�rden; ich hotte vor fünf Jahren das Schlacht, eld � w lbf" kurz»ach der Schlacht besucht und noch graute an den Anblick zurückdachte, den die zerstörten St ba-~''"k* zertretenen Felder boten. Aber auch Ivenn NU.' schlimmste bevorstand, mußten wir, falls unsere Gruppen zurückgeschlagen wurden, von der Willkür und Plünderungssucht der Sieger alles fürchten, und deshalb sahen wir uns bei Zeiten nach einem sicheren Versteck für unsere Wertsachen um. Tu kennst doch die Kammer, die im obersten Stockwerk des Hauses nach dem Hofe zu liegt und die wir die Altanstnbe nennen, weil sich früher ein Altan unter dem Fenster hinzog. Dieses einfenstrige Kämmerchcn war mein Schlafzimmer, und ich hatte es mir so abenteuerlich wie möglich aufgepuzt. Früher war es üblich gewesen, die Apoteken mit allerhand fremd- artigen Tier- und Pflanzengcbildcn und ähnlichem Hokuspokus auszustatten, und als mein Vater diese hier übernahm, hatte er eine Menge solches Zeug vorgefunden. Er hatte den ganze» unheimlichen Krimskrams entfernt und in die Rumpelkammer verbannt; aber als ich nach vollendeten Studien auf seinen Wunsch nach Hause zurückkehrte, um ihn als Provisor zu unter- stüzen, hatte ich es mir nicht nehmen lasse», die früheren Schau- stücke aus ihrem Winkel hervorzuholen und meine Stube da- mit zu dckoriren, troz des Widerspruchs meiner Mutter und Schwestern. In der einen Ecke am Fenster, meinem Bette gegenüber, stand ein wohlpräparirtcs menschliches Gerippe, über dem Bett hing an der Decke ein ausgestopftes, drei Fuß langes, junges Krokodil, daneben wiegte sich mit ausgebreiteten Flossen ein getrockneter fliegender Fisch und über dem Fenster war ein mächtiger Uhu an die Wand genagelt. Zwei wie kleine Luft- ballons aufgeblasene Stachclfischc, ein sogenannter Basilisk in Spiritus und mehrere sonderbare Pflanzenpräparate vollendeten. die eigentümliche Ausstattung. Es war kein Wunder, daß die Frauenzimmer behaupteten, es grusele ihnen vor der Stube, und sie»ach Einbruch der Dämmerung nicht wagten, dieselbe zu betreten. Damals zog sich eine dicke Feueresse, die später weggerissen wurde, durch das Zimmer; sie stieg rechts neben der Tür empor uiid blieb noch anderthalb Fuß von den beiden Wände» eist- sernt, welche die Ecke bildeten, in der sie stand. Dieser Zwischen- räum war ein Gegenstand immerwährender Klagen meiner Mutter gewesen, denn hier ließ sich den Spinnweben und dem Staub nur schwer beikommen, und um dem ein Ende zu machen, hatte mein Vater die Kluft auf beiden Seiten mit Backsteine» zusezen und das ganze Zimmer frisch übertünchen lassen, so daß von dem Raum zwischen der Esse und der Wand nichts mehr zu bemerken war. Diesen verborgenen Winkel hielten wir für das sicherste Pläzchcn im Hause, und beschlossen, unser wertvolles Eigentum hierher zu verstecken. Unser Silberzeug, sämmtlichc Schmucksachen und eine nicht unbedeutende Summe baarcs Geld, welche mein Vater erst vor kurzem als das Erbteil meiner Mutter empfangen hatte, wurden in einen festen Sack eingenäht; mein Vater und ich ginge» auf den Boden über der Altanstnbe, rissen dort einige Dielen auf und brachen neben der Esse eine Oeffnung in den Fußboden, so daß wir von hier ans zu dem Versteck gelangen konnten. ohne die Bermauerung in meiner Kammer beschädigen zu müssen. Der Sack mit seinem kostbaren Inhalt wurde hinuntergelassen, mein Vater warf einen Haufen alter zerrissener Säcke darüber, und dann verschlossen wir das Loch mit den herausgenommene» Brettern und Balkcnstückcn wieder so sorgfältig, daß es niemand der Stelle ansehen konnte, welche Veränderung hier vorgegangen war. Zum Ueberflnß ließen wir auch noch in den nächsten Tagen einige Klaftern Brennholz, welches eben gespalten wurde. dort aufschichten, und nun hielten wir unsern Schaz für genügend gesichert. Roch früher als wir erwarteten, sollten wir erfahren, daß wir nicht unlsonst besorgt gewesen waren. Es war am 11. Oktober 1806, die lezten Flüchtlinge von der Tags vorher bei Saalseld geschlagenen Avantgarde deS preußischen Heeres waren auf dem Wege nach Jena weiter gezogen und eine fast un- , heimliche Stille lagerte nach dem kriegerischen Lärm der lcztcn /' Tage über der Stadt. Endlich hörten wir gegen Mittag Pferde- getrappel, französische Husaren sprengten, den Säbel oder die gespannte Pistole in der Faust, durch die Straßen; erst einzelne, dann immer stärkere Trupps, znlezt ein ganze? Regiment. Ticsen folgten zwei Bataillone Infanterie mit klingendem Spiel und dann sechs Kanonen nebst einer Menge Wagen; aber alle diese Truppen marschirtni durch das Jcnaischc Tor wieder hinaus und lagerten sich mit anderen, die an der Stadt vorbeigezogen waren, bei der großen Linde, die eine Viertelstunde von hier an der Chaussee nach Jena liegt; die Chaussee war damals noch nicht gebaut. Wir hofften schon von Einquartirung verschont zu bleiben, da erscholl von neuem vom oberen Tor her Militärmusik, ein Regiment Vvltigcurs kam die Roßgasse herunter; aber anstatt, wie die andern, durch die Salzgasse weiter zu ziehen, schwenkten sie auf den Markt ein und stellten sich dort auf; der ganze Plaz war voll Soldaten. Nicht lange darauf löste» sich die Reihen, und die Franzosen verteilten sich in die Straßen und Häuser. Auf das unsrige kamen drei Mann zu, ein Korporal und zwei Gemeine. Ich eilte vor die Tür und begrüßte die ungebetenen Gäste höflich auf französisch. Der Korporal, ein kräftig gebauter junger Mann von mittlerer Statur, mit schwarzem Schnurbart und einem Paar blizcndcr dunkler Augen in dem intelligenten Gesicht, >var sichtlich erfreut, einen Quartiergeber zu finden, mit dem er sich in seiner Muttersprache unterhalten konnte und enviderte meinen Gruß freundlich. Ich kann sagen, der Mann gewann auf den ersten Blick mein Vertrauen; um so weniger aber ge- fielen mir die beiden Gemeinen, die ein paar rechte Galgen- Physiognomien zur Schau trugen. Doch, ließ ich mir davon natürlich nichts merken, sondern führte die Soldaten durch die Offizin und die Treppe hinauf, in diese Stube. Auf Anordnung nieines Vaters hatte meine Mutter bereits einige Flaschen Wein, Weißbrod, Wurst und Schinken auf den runden Tisch gestellt, den du noch hier siehst, denn durch gute Beköstigung hofften wir am ersten die Feinde uns günstig stimmt» zu können, und die Franzosen ließen sich auch nicht lange nötigen, den Lebensmitteln zuzusprechen. Während sie aßen, unterhielt ich mich mit ihnen, und erfuhr dabei, daß der Korporal Charles Morin hieß und aus Vichy, einem kleinen Städtchen dicht bei Bordeaux gebürtig war. Sein Vater besaß dort ein Landgut, und Charles>var nur infolge der Konskription und gezwungen Soldat geworden; doch hatte er sich gut in das Kricgslcben gefunden und war vor dreiviertel Jahren, nach der Schlacht bei Austcrliz, zum Korporal avancirt. Tie Gemeinen waren alte Troupiers und standen schon lange unter den Fahnen. Der Korporal hatte eben den leztcn Bisten eingenommen, als ein Soldat eintrat und ihm den Befehl seines Kapitäns ; brachte, sofort zu diesem zu kommen. „O weh," wendete er sich au mich,„ich muß Sie verlassen, so gern ich auch noch länger in der Gesellschaft eines so liebens- würdigen Wirtes geweilt hätte. Aber ich weiß schon, was der Befehl zu bedeuten hat, ich werde als Ordonnanz zu den vor der Stadt liegenden Truppen gehen müssen; und da unser Rcgi- nient jedenfalls bald zu diesen stoßen wird, werden wir uns wohl nicht wieder sehen." Auch inir tat es leid, daß der Unteroffizier sobald wieder fort mußte, doch gegen die Ordre ließ sich nichts tun, und so schieden wir im besten Eindernehmr». Morin war kaum die Treppe hinunter, als sich das Bc- nehmen der beiden Soldaten plözlich änderte. Sic hatten bisher ruhig ans ihren Stühlen gesessen und ihre kurzen Pfeifen ge- raucht. Jczt verlangten sie herrisch mehr Wein, und als'ich ihrem Wunsche nachkam, hatten sie bald zwei weitere Flaschen geleert; auch Braten wollten sie haben, und als ich erklärte, daß wir keinen solchen im Hause hätte», fluchten sie lästerlich, und der eine warf eine leere Weinflasche nach mir, daß dieselbe an der Wand in tausend Scherben zersprang; hätte er mich ge- troffen, so wäre ich wohl ernstlich verlezt worden. Sie fluchten und schimpften in einem fort, u»d um so heftiger, je niehr ihnen der Wein in die Köpfe stieg. Nichts konnten wir ihnen recht machen, und nichts war ihnen gut genug. Endlich sprangen sie auf und frugen, ob wir Waffe» im Hause verborgen hätten. Als ich dies verneinte, meinten sie, sie wollten selbst nachsehen, und fingen an die Schränke und Kommoden in der Stube zu durchsuchen. Da sie ivcder Waffen noch sonstiges fanden, was sie hätten mitnehmen können, und auch in de» anstoßenden Räumlichkeiten kein anderes Resultat erreichten, stiegen sie in das oberste Stockwerk hinauf. Ich wollte ihnen folgen, doch trieben sie mich mit dein Bajonet zurück, und als ich ihnen erwiderte, daß ich ihnen nur die Türen öffnen wolle, tvics der eine lachend auf den Kolben seines Gewehres.„Das sei sein Kapitalschlüssel/; sagte er.! Ich verstand den Doppelsinn des Wortes„Kapitalschlüsscl recht ivohl, so gut, wie ich keinen Augenblick darüber in Zweifel gewesen war, daß das Suchen weniger versteckten Waffen, al-' unscrm Gelde galt. Angstvoll lauschend standen ivir alle an den untern Stufen der nach oben führenden Treppe. Wir hörte», wie eine Tür nach der andern unter den Kolbenschlägen»» Fußtritten der Plünderer zusammenbrach, wie sie die Möln aufrissen oder zerschlugen, und deren Inhalt umherstreuten,»" jedesmal, wenn sie wieder über der den Vorsaal schritten, sliwF sie lauter und heftiger. � Endlich kamen sie auch au meine Kammer, es war der W Raum, den sie zu durchsuchen hatten. Ich hörte sie einen A»! des Erstaunens ausrufen. „Eine wahre Menagerie!" rief der eine. „Sprich lieber, eine Hexenküche", sagte der andere. Dann hörte ich, wie der Teckel meines Kosfers auskram � und die übermütigen Franzosen meine Raritäten kurz und fl schlugen.% „Saerä mort de dieu!" rief einer wieder nach einer Pm■ „auch hier nichts gefunden; ich glaube, in dem ganzen Re! nicht soviel Geld, daß man sich eine Pfeife Tabak dafür chj könnte. Komm Jaques, wir wollen noch im Keller suchen, st wir uns denn ganz umsonst geplagt haben?"- � Ich atmete hoch auf; mochten die Franzosen im Keller u>> Weinflaschen zerschlagen, wenn ihnen das Vergnüge» aber unser Geld war gerettet, denn sie hatten nichts oo». Vorhandensein des Versteckes bemerkt. In der Freude»IC Herzens eilte ich die Treppe hinauf.,.„„i „Kommen Sie, Messieurs, ich will Ihne» den Weg Keller zeigen!" rief ich...... welche „Hallunke, willst du uns noch verspotten?" schrie der. � vorhin Jaques genannt worden war, und führte eine» mit dem Kolben nach mir, der mir den Kopf hätte zersch (ünnc».._. zlbcr Ich sprang beiseite, und der Hieb traf nur tne-vm- � ich hatte, um auszuweichen, in die Kammer springe».�?- und wollte nun das Fenster öffnen, um auf den Altan � zuklettern, doch ehe ich mich hiuausschwingcn konnte, st11 rllCi- der zweite Franzose im Genick und drückte mich mi, Faust zu Boden. Er rief seinem Kameraden z»..- gxjde j konimen, und ich konnte nichts anderes erwarten, ch; wurde». ihre Wut in brutaler Mißhandlung an mir auslalst» � tt Ter andere blieb jedoch neben der Türe stehen�„egcn sich auf etwas besänne, und führte dann noch einen die Stelle, welche sein Kolben getroffen hatte.«ern»�'- „Wahrhaftig", rief er.„hier klingt es hohl,-lllo»- vielleicht finden wir doch noch etwas, was unsere-j V l und hämmerte dabei enisig gegen die Wand..„ VjCf ich, „Mein Gott, das ist ja nur unsere FeneKlK, IItll(fjci'. während ich mich vergeblich bemühte, mich st1'1 5 m alte» „Sie ruinireu Ihr Gewehr nur unnüzcrwcisc au Schlot." III neh- Ter Franzose warf mir einen spöttischen Blick zu.»Sie sind ja sehr besorgt für die Waffen Ihrer Feinde," erwiderte er, und klopfte weiter. Ein Stein gab»ach und stürzte mit dumpfem Gepolter hinter das Gemäuer, mehrere andere folgten, und bald war eine Oeffnung frei, gerade groß genug, daß ein Mensch hindurchkriechen konnte. Zwei Minuten später hielt der �oltigenr den schweren Sack mit unserem Geldc in der Hand. Ter, welcher mich bis jczt festgehalten hatte, lies! mich los u»d schnitt den Sack mit seinem Seitengewehr auf. .Ei, mein Freund." wendete er sich beim Anblick der sil- �bemen Löffel und der Geldrollen höh- "'ich an mich,.Sie haben ja merkwür- dche Dinge in deni Räume, den Sie •ähre Feueresse nen- "cn. Gewiß wissen ®'c nicht mit diese» Kleinigkeiten umzu- gehen, da Sie ihnen einen so nngccignc- Jc" Plaz gegeben haben; und um Sic "oii dieser V erlegen- heit zu befreien, '"ollen wir die Sa Zen einstweilen Verwahrung wen." Ich blieb wie er- l'ürrt, keines Wortes �"chtig, in meiner i">ainniengekauer- i1' Stellung; der "chterf hatte alle f»ie Glieder ge- '"h"'», und ich sah ..»»ngslos zu, wie 'e fferle sich darü- er wachten, unser 'gentum zu teilen. ftiii' C'u Schmuck- ZT 9 meine Mutter « alle» u Franzosen in die Äniec und flehten, unv doch nicht �'>»ehmen. laute,' �'Cr Mar nichts von der berühmten französischen Ga- tveitee� die Damen zn spüren; die Banditen teilten ruhig eben u T einen einfachen Ring in der Hand und schien rade,, ��gen. was er als Acquivalent dasür seinem»ame- V"b«laffen sollte. liihriae n.'iv wenigstens diesen Ring." bat meine achtzehn- .er L,.- chwester Luise, die etwas französisch sprechen konnte, ffift|«lpj ut.Cuö) nur geringen, für mich aber unendlichen%»crL " emziges Andenken an eine verstorbene, liebe Freundin. Die meteorologische Beobachtungsstation auf dem Säntis in der Schweiz: Das Anemomtter Der Franzose blickte auf, der Ring war wirklich kaum zwei Taler wer.„Hier, mein schönes Fräulein," sagte er mit einem widrige» Lächeln, Luise» den Ring überreichend..Doch halt," fuhr er fort, als diese den Reif dankend in ihre Tasche gesteckt hatte,.ganz umsonst überlasse ich Ihnen de» Ring nicht; geben Sic mir wenigstens einen Kuß dasür," und streckte mit einem Blick, der mir das Blut in den Adern kochen machte, seinen Arm nach dem Mädchen ans. .Nie, nie!" rief meine Schwester zurückweichend,„lieber gebe ich den Ring zurück." „Keineswegs, mein Kind," spät- teste der Franzose, „der Handel ist ein- mal geschlossen, und ich verlange mein Recht!" Dabei bog er sich vor und hatte mit raschem Griff Luise um die Taille gefaßt. Doch als er sein schmuziges, gelbliches, von einem struppigen Barte umrahmtes Gesicht dem Luisens näherte, stieß sie ihn mit Aufbietung ihrer ganzen Kraft vor die Brust, daß er einen Schritt zurück- taumelte; dabei trat er auf ein Knochen- stück von dem zer- schlage»?» Gerippe, der Knochen rollte, und der Franzose stürzte seiner ganzen Länge nach rücklings zu Boden, mit dem Kopfe hart auf die Dielen aufschlagend. ,, Mille tonne- res!" fluchte er, sich mühsam wieder er- hebend.„Wer hätte das von der kleinen Kanaille gedacht. Aber warte nur, mein Täubchen, du sollst mich dafür entschädigen, jeztbin ich nicht mehr mit einem Kuß zufrie- den!" Luise hatte durch den heftigen Stoß beinahe selbst das Gleichgewicht verloren, und ehe sie entfliehen konnte, hatte er sie von neuem gepackt und bemühte sich jezt, das sich vcr- geblich sträubende Mädchen nach der gegenüberliegenden Stube zu drängen. Eine namenlose Wut ergriff mich, und alles vergessend, stürzte ich ans den Franzosen, ihn von Luisen loßreißend und gegen die Wand schleudernd. Im nächsten Augenblick aber schmetterte mich ein Kolbcnschlag nieder, und in halber Be- täubung blieb ich auf den Dielen liegen; ich sah und hörte wohl wie durch einen Schleier alles, was um mich vorging. konnte aber kein Glied bewegen. Ich sah. wie der Franzose sich Luisens wieder bemächtigte und meine jüngere Schwester =11 334 Hannchen reh zuriickstieß, während meine Mutter sich über mich warf und das Blut zu stillen suchte, welches mir über die Stirue floß. Mein Vater hatte das Schreien der Frauen in der Offizin gehört und kam die Treppe heraufgestürzt; aber kaum hatte er die Kammer betreten, da drückte ihn der andere Franzose in eine Ecke und sezte ihm die Spize seines Bajonctes auf die Brust, mit der Drohung, sofort zuzustoße», wenn mein Vater sich zu rühren wage.— Es war eine entsezliche Lage; meine Schwester in den Händen des Buben, unser Vermögen geraubt, und ich mußte das alles ruhig mit ansehen. Ich versuchte die Augen zu schließen, um das Schreckliche nicht mehr schauen z» müssen, aber auch das gelang mir nicht, ich hatte völlig die Herrschaft über meine Nerven verloren.(Schluß folgi.) Das Innere der Erde. Eine Auseinandersezung über den gegenwärtigen Stand einiger Fragen der Wissenschaft. Von Wruno Geiser. „Das würde grade solche kolossale Ignoranz zeigen, als wenn jemand bestritte, daß das Innere des Erdkörpers sich in feuerflüssigem Zustande befindet",— so hörte ich vor wenigen Jahren einen, wie seine Freunde versicherten, hochgebildeten Mann, einen Juristen seines Zeichens, sprechen. Der Jurist stritt sich mit einem katolischen Tcologen über die Schöpfung der Welt; und er Ivar offenbar fest überzeugt, mit dein wiedergegebenen Sazc einen nicht zu überstechendeu Trumpf ausgespielt zu haben wider die Zweifel des Teologcu an der Vertrauenswürdigkeit der mit juristischer Spizfindigkeit und Meinungsdreistigkcit ausgespielten„wissenschaftlichen" Gründe. Er hatte sich nicht getäuscht,— der Teologe wurde ziemlich kleinlaut und wagte zwar noch, es in Frage zu ziehen, ob die Darstellung der Weltschöpfungs- oder richtiger Planetenent- stehnngsgeschichte, wie sie der Jurist gegeben, wirklich ganz so zweifellos sei, als die„Tatsache" der Feuerflttssigkeit des Erd- innern, riskirte aber wohlweislich nicht gegen diese leztere modern-wissenschaftliche Anschauung selbst den leisesten Zweifel geltend zu machen. Wohlweislich! sage ich mit Bedacht, denn die Meinung, daß das Erdinnere feuerflüssig sei, steht für alle die, welche als Modemgebildete anerkannt sein wollen, durchaus fest, sie ist keine mehr oder minder beweisunterstüztc Hypotese, nein, sie wird als Dogma angesehen, ausgesprochen und verbreitet. Und man würde sicher selbst dann auf vornehmes Achsel- zucken stoßen, wenn man den Buchstabengläubigen des Darwinismus ausciuandersezcu wollte, daß dieser bestenfalls doch nicht» anderes sein kann, als eine Stufe unserer Erkenntnis, die zweifelsohne von anderen Erkenntnisstufen, auf welche sich die Wissenschast der Zukunft schwingen wird, überragt werden nmß' ganz abgesehen davon. daß der mit vollem Recht sogenannte Darwinismus, nämlich die Selektionsteorie, d. i. die Hypotese der natürliche» Zuchtwahl auch von den hervorragendsten Dar- winianern nur als Hypotese erklärt wird, als ein mit gnte>o Fug geistreich und scharfsinuig genannter Erklärungsversuch für die Entstehung der Arten der Lebewesen, und im 0i«"dc nicht mehr ist als einer der Schlüssel zu einem mit viele» grundverschiedenen Schlössern verwahrten Gebäude. Ter Darwinismus ist nicht das einzige Dogma des n10' derncu Bildungsphilisters. Der„Materialismus" ist cin anderes, der„Ateismus" ein drittes. Wenn es darauf ankäme, könnte ich, ohne lange nachl'. sinnen, etliche Duzend solcher Dogmen aufzählen, jedcnhw» erklecklich mehr, als der köhlergläubigste Christ als iinnnistol> ---'lUkivfC] liehe Grundsäze seiner Religion in seinem dürftig nio blirte" Ja, aber die moderne Wissenschaft kennt doch keine Dogmen! werden mir manche der freundlichen Leser, zur Vorsicht mahnend, zuzurufen geneigt sei». Und sie haben ganz rechte die moderne Wissenschast kennt keine Dogmen, sie darf keine in ihrem Machtbereiche dulden, denn das Dogma enthält einen feststehenden Lehrsaz, der geglaubt werden muß, indes die moderne Wissenschaft sich eben dadurch vor der Religion und der Scholastik auszeichnet, daß sie sich und alles, was sie umfaßt, als ein mit der Erweiterung der menschlichen Erkenntnis und der Schärfung und der Eni- Wicklung des menschlichen Verstandes selbst nicht nur Erweitern- des, sondern auch Fortschreiteudes, Sicheiitwickelndes, bis zu einer gewissen, nicht abzusehenden Höhe geistig Erhebendes gibt. Also die moderne Wissenschaft nicht, dagegen von den mo- deme» Gelehrten gar manche und von den Gebildeten unserer Tage weitaus die meisten halten an Dogmen fest, klammern sich au diesen oder jenen Saz unserer Wissenschaften an, insbesondere unserer Ratunvissenschaften, wie an unzerstörbare, unübertrefflich vollendete, felsenfest gegründete Säulen menschlicher Erkenntnis! Um diese Behauptung zu beweisen, darf nur an das erinnert werden, was die gebildete Welt unter dem Darwinismus zu verstehen, oder richtiger nicht zu verstehen pflegt. _ Wage'mal Einer in„gebildeter" Gesellschaft Zweifel zu äußern an irgend etwas, was als darwinistische Wissenschaft austritt! Er wird imsehlbar wie ein Böotier behandelt»verde», »vie ein Mensch, dessen Gedankengang zu folgen, dessen Gründe zu hören, für eine»»vahrhaft iiatunvissenschastlich Erleuchteten unverantwortliche Torheit wäre.— mit dem zu diskutire» genau so unfruchtbar»väre, wie»venu sich ein hochzivilisirter Europäer mit einem Hottentotten in eine akademische Unterhaltung über Spektralanalyse einlassen möchte. —----- l"ü->............j-..... i.......... Hirnkasten durch die Gedankcinvüste seines Daseins schlepp'- „Heiliger Büchner, dieser Mensch da ist weder Material» noch Ateist,— kreuzigt ihn, Gesinnungsgenossen des Radikal'» mus und Nihilismus, steinigt den Verräter!" Schrecklich aber»vahr:»weder Materialist noch Ateist! „Er ist geständig,— also T e i st und Idealist, Spintlia'1' Spiritist, Anhänger, Sklave des Bestehenden, des Vergangen' der Geistesnacht, ein verkappter Feind der Zukunft und Lichts,—— schauderhaft,— laßt ihn nicht mehr zu v-'l' kommen, er verführt uns das Volk, Knebel her, daß ww. den Mund stopfen, während»vir mit ihm kurzen machen——", Gemach, ihr Herren, ihr, die ihr euch fühlt und wissen Wollt als berufene Vertreter vorurteilsloser Gerenst'ö� »verdet doch nicht verurteilen ohne den Beschuldigten z» »weidet doch nicht morden, anstatt zu richten!? � Ja noch mehr: ihr, die ihr nur Dank der aus den» des modernen Kulturfortschritts erwachsenen Toleranz der~ treter des Bestehenden, der Anhänger des Vergangenen »vie ihr selbst meint, grundstürzeud radikale Gedanken lau'. sprechen dürft,— ihr»werdet doch nicht jezt die roheste.'"„ Intoleranz zur Schuzwehr eurer zukunftssicheren, siegesm 1 Welt- und Lebensanschauung machen»vollen? � 01,j Nun— und»venu ihr»wolltet, hier, Ivo diese;>c> j Licht der Oeffentlichkeit treten, herrscht unbeschnittenc,» Meinungsfreiheit, hier darf jeder, sei er,»wer er mag. il frei von Herz und Hirne»weg, und hier»vird nur eines geduldet: die Unduldsamkeit.-ufälliS Und da mich nun die Einleitung zu meinem darüber auf Materialismus und Ateismus geführt hat, so will»stl klipp und klar meine Meinung sagen, um dann„öhef meinem Tema speziell berührte Bildungsdogma ein»vemg zu beleuchten....-»„dnng Der volksbekannteste Prophet des Materialismus Büchner, der Verfasser des in Palast und Hütte gelesenen, Wf allen Äanzeln und Katedern tvieder und immer wieder genannten, in die Hölle verdammten oder in alle Himmel erhobenen Werkes»Kraft und Stoff". Tiefes weltberühmte Buch liegt seit vorigem Jahre der Welt üi fiiiifzehnter,„vollständig umgearbeiteter" Auflage vor und enthält über Materialisten und Materialismus einen sehr in- pressanten Abschnitt. Es heißt dort: „Tic Materialisten— obgleich diese seit dem Er- Icheinen dieser Schrift geivissermaßeu landläufig gewordene und bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit an den Haaren herbeigezogene Bezeichnung gar nicht oder sehr schlecht ach die Verfechter jener Lehre paßt, welche Stoff, Kraft und Jurist nicht als etwas Getrenntes, sondern nur als verschiedene «rite» oder verschiedene Ausdrucks- oder Erscheinungsweise des- stlben Ur- oder Grundprinzips betrachtet— werden von ihren zahllosen Gegnern mit einer großen Bienge von Beschuldigungen aber Anschuldigungen überhäuft, unter welchen der Vorlvurf der (geistigem oder moralischen) Roheit eine Hauptrolle spielt. Sie bauen sich darüber mit den« Beispiel des großen griechischen Philosophen Anaxagoras trösten, welcher mit einer für seine j-P'I wunderbaren Naturkenntnis oder Voraussicht die Sonne �jcht für einen Gott, sondern für einen feurigen Klumpen, für pw glühende Steinmasse erklärt hatte und Athen deshalb vcr- allen niußte. Sein großer Zeitgenosse, der spiritualistischc Philosoph Sokratcs, nannte ihn dieser Tevrien halber einen »rohen Menschen"— eine Bezeichnung, welche, wenn begründet, putzutage aus die ganze gebildete Menschheit angewandt werden »lußte. »Uebrigcns muß der ganze, immer noch fortgeführte �lreit zwischen Materialismus und Spiritualismus, noch mehr rr derjenige zwischen Materialismus und Idealismus �mjc» jgxn als sinnlos und grundlos erscheinen, der ein- aal zu Erkenntnis der UnHaltbarkeit der dabei immer zu- gru»� liegenden dualistischen Vorstellungen durchgedrungen : J" 5lllc bisherigen philosophischen Systeme sind fast ohne Aus- Olime mehr oder weniger dualistisch gewesen, d. h. sie haben ae bestimmte Trennung gemacht zwischen Stoff und Kraft, ateric und Form, Sein und Werde», Bewegung und Be- e9cr, Natur und Geist, Welt und Gott, Leib und Seele, Ijg e Himmel, Tod und Leben, Zeit und Ewigkeit, End- und Unendlichem und haben alle diese Dinge oder Be- .wehr oder weniger einander gegenübergestellt oder als Aensäzc behandelt— während die Wissenschaft der Neuzeit hat, daß jene Gegcnsäzlichkeit nicht besteht, und daß die �"'»ung nur in Gedanken angenommen werden kann. Es gibt (ei'ni C'0ff ohne Kraft, aber auch keine Kraft ohne Stoff: PiiT'afk'st nhne Materie, aber auch keine Materie ohne Geist; Piip nhne Ordnung, aber auch keine Ordnung ohne Natur; Eg C Eibe ohne Himmel, aber auch keinen Himmel ohne Erde. vhn o. �C'UC Zeit ohne Elvigkeit, aber auch keine Ewigkeit kcj/ ,1 Es gibt kein Endliches ohne Unendliches, aber auch unendliches ohne Endliches. Natur ist weder Kern noch Schale, Alles ist sie mit eincmmale.(«»cthe.i Hvch� Wisscuschast ist weder idealistisch oder spiritualistisch, Tatsack ����listisch, sondern einfach natürlich; sie sucht überall ahne d"•Un� �eiCn ocrnünstigcn Zusammenhang zu erkennen, oder' a',C' bvn vorherein einem bestimmten System in dieser nie �'chlung zu huldigen. Systeme können überhaupt Und g 9flnjc. sondern immer nur die halbe Wahrheit enthalten biesx;/ ber Forschung gcwiffe feststehende Ziele, welche zu un")rem unaushaltsamen Voranschreiten jeden Augenblick schaff � Saiten genötigt ist oder genötigt sein kann. Die.Wissen- ®oetr C Neigungen noch Ueberzeugimgen bcsizcn;' sagt n'' Wahrheit sei ihr einziges Ziel'"*). ���aüer das Prinzip des Materialismus sagt ein & " Ost und Stoff, 15. Aufl. 1 883. Nr. 75 ff. anderer Philosoph, der darum nicht weniger Fachmann und Sachverständiger ist, weil er sich, etwas seltsam, gerne als Lohgerber bezeichnet, nämlich Dictzgen: „Darin ist das materialische Prinzip unzureichend, daß es den Unterschied zwischen dem Besonderen und Allgc- meinen nicht anerkennt, das Individuelle dem Generellen gleich- stellt. Es will die quantitative Ucbcrlcgenheit, die übersichtliche Genialität des Geistes über die körperliche Sinnenivclt nicht zu- gestehen. Der Idealismus anderseits vergißt über dem quan- titative» Unterschied die qualitative Einheit. Er ist überschweng- lich, macht die relative Trennung zu einer absoluten. „Ter Widerspruch beider Parteien dreht sich um das miß- verstände»« Verhältnis unserer Vernunft zu ihrem gegebenen Objekt oder Material. Der Idealist sieht die Quelle der Er- kenntn is in der Vernunst allein, der Materialist in der sinnlich gegebenen Welt. Zur Vermittlung des Widerspruchs bedarf es nur der Einsicht in die gegenseitige Bedingung dieser beiden Erkenntnisquellen. Der Idealismus sieht nur die Wersch ie- denheit, der Materialismus nur die Einheit von Körper und Geist, Erscheinung und Wesen, Inhalt und Form, Stoff und Kraft, Sinnlichem und Sittlichem— alles Unterschiede, welche in dem einen linterschied des Besonderen und Allge- meinen ihre gemeinschaftliche Gattung finden*)." Und so klar und scharf wie überhaupt möglich, durchaus den Nagel auf den Köpf treffend, tut den Streit zwischen Materia- lismns und Idealismus und damit Materialismus und Jdealis- mus selbst ab, Johann Jacob y in folgendem:**) „Kann nach alledem über den wahren Wert des Materia- lismns und Idealismus noch ein Zweifel stattfinden? Der Materialist läßt nur den Körper(das Ding), der Idealist nur den Geist(das Ich) gelten; jener hält das Materielle für die allein wirkliche Welt, das Ideelle für bloße Erscheinungs- form, Aeußcrung oder Eigenschaft der Materie; dieser dagegen legt eine wirkliche Existenz nur allein dem Ideellen bei, sczt das Materielle zu einer blos eingebildeten Vorstellung, zu einer bloßen Traum- und Schattenwelt herab. Beide sind in gleicher Weise Ontologen; sie operiren mit abgezogenen Begriffen, ohne sich über die genetische Entstehung, über die vage und dehnbare Natur derselben Rechenschaft abzulegen; leere Worte und ein- gebildete Vorstellungen dienen ihnen als Diuge und Tatsachen; sie haben daher ein leichtes Spiel, aber keinerlei Frucht und Gewinn dabei. Materialist und Idealist betrachten ein und dieselbe Sache, aber jeder von einer andern Seite, und zwar jeder immer nur von seiner Seite, so daß er einzig und allein die ihm gegenüberliegende Seite der Sache gewahr werden kann. Notwendig inüsscn sie daher uncins sein, und der Streit zivischen ihnen kann nie enden. Jeder hat von seinem Standpunkt aus Recht, und jeder hat zugleich— vom Standpunkt des andern aus, also auch in den Augen des andern— Unrecht. Versöhnen könnten sie sich nur dann, wenn sie den Standpunkt ivechscltcn und»ach einander die Sache von beiden Seiten— und zwar mit gleich gewissenhafter Aufmerksamkeit — betrachteten, d. h. mit andern Worten— wenn sie aufhörten, Materialist und Idealist zu sein. Nicht die betrachtete Sache ist die Schuld au der„absoluten Unverträglichkeit" des Materialismus und Idealismus, sondern die beiden gemein- same— Einseitigkeit der Betrachtungsweise.— „Das bisherige bezieht sich auf den konsequenten, ent- schi ebenen Materialismus und Idealismus. Wir müssen aber hierbei eingedenk bleiben, daß selbst der konsequenteste und ent- schiedcnste Anhänger des einen wie des andern Systems nicht imstande ist, in seinem Denken Körper und Geist vollkommen zu trennen, d. h. die wirkliche Einheit des betrachteten Gegen- standes auch nur momentan begrifflich aufzuheben, oder mittelst Abstraktion vollständig zu entzweien. Streng genommen, ist es ihm unmöglich, die Sache einzig und allein von der einen *) Dictzgen, Wesen der menschlichen Kopsarbcit, S. 79 u. 80. *♦) I a c o b y, Materialismus und Idealismus, in der Zeitschrist „Die Wage," 1878, Nr. 35, S. 548 ff. 336 Seite zu betrachten mit völligem Ausschluß der andern Seite; troz seines Bemühens, davon abzusehen, wird dennoch stets auch diese andere Seite ihr Recht geltend machen und wider seinen Willen sich ihm aufdrängen. Rur deshalb, weil er den eigenen Tcnkprozeß nicht nach Gebühr prüft, entgeht ihm der Einfluß, der von der andern Seite her aus ihn aus- geübt wird,— nur deshalb, weil er sich dieser Einwirkung nicht bewußt ist, gibt er sich der Selbsttäuschung hin, zu glauben, er habe die beabsichtigte Abstraktion und mithin auch die be- grifflichc Scheidung vollständig ausgeführt.— Man sieht also, daß— im strengsten Wort sinne genommen— es eigentlich einen konsequenten, eutschicdcnen Materialismus und Idealismus gar nicht geben kann. Es handelt sich nicht um ein starres Entwedcr-oder, sondern immer nur um ein Mehr oder Minder,— nämlich darum, ob die eine oder die andere Seite des betrachteten Gegenstandes, ob die sogenannten körpcr- lichcn oder die sogenannten geistigen Erscheinungen mehr unser Augenmerk auf sich ziehen und daher mehr und stärker in unser Bewußtsein treten. Die Bezeichnungen Materialismus und Idealismus sind demzufolge äußerst schwankend und vieldeutig, und zwar in demselben Aiaße schwankend, als es verschiedene Abstufungen in der Stärke unserer Aufmerksamkeit und in der Deutlichkeit unseres Bewußtseins gibt. Daß durch diese Viel- deutigkeit der erwähnten Ausdrücke manuichfachcs Mißverstehen, endlose Verwirrung und unnüzer Streit entsteht, ist sehr natür- (ich; inglcicherweisc leuchtet nunmehr ein, weshalb(wie Fichte richtig bemerkt) die Wahl des einen oder des andern Systems lediglich davon abhängt, was für ein Mensch der Wählende ist, — ob derselbe sich nämlich— seiner Karaktcreigentümlichkeit und seinem Bildungsgrade nach— mehr den sog. geistigen oder den sog. materiellen Tatsachen zuwendet, auf diese oder auf jene ein größeres Gewicht legt. Im Leben wie in der Wissenschaft begegnen uns überall dergleichen mehr oder minder entschiedene, mehr oder minder konsequente Spielarten materialistischer und idealistischer Auffassung. Der wahre, sich klar bewußte Denker hingegen wird die Einseitigkeit beider Auffassungen durchschauen und daher weder ausschließlich dem Materialismus noch aus- schließlich dem Idealismus huldigen; er-wird lediglich die unteilbare Einheit des betrachteten Gegenstandes festhaltend und selbst bei der minutiösesten Tetailforschung nie ganz aus den Augen lassend— die spekulative Trennung in Materie und Geist für das erkennen, was sie wirklich ist, für bloße Illusion und Selbsttäuschung; er wird demnach den ganzen Steit zwischen Materialismus und Idealismus als einen leeren Wortstreit von sich abweisen." Den Ausführungen Jakobys habe ich an dieser Stelle wenig hinzuzufügen. Rur kurz will ich auf den idealen Zu- sammcnhang hindeuten, welcher den Materialismus mit dem Liberalismus verknüpft: Der Liberalismus ist die Politik, der Materialismus die Philosophie unser.r grob materiell gesinnten Bourgeoisie. Und so kann denn wahrer Frcisinnigkeit und konsequentem, vorurteilsfreien, furchtlosen Denken der eine so wenig wie der andere genügen, muß der eine so sehr wie der andere als Ausfluß und Beweis geistiger Beschränktheit erscheinen. Was wird nun aber der Inhalt einer Philosophie sein müffen, welche sich von der materialistischen wie von der idealistischen Beschränktheit gleich frei hält, wird man fragen. Nun, die Antwort gibt eigentlich schon die Kritik der beiden philosophischen Anschauungsweisen: diese gleich hoch über beiden stehende, allein der Höhe unserer wissenschaftlichen Emingcuschaftcn ciltsprechcude Philosophie rvird die niaterielle wie die ideelle Seite der Erscheinungen in gleicher Weise zu berücksichtigen, die Art, wie das materielle mit dem ideellen Moment zusammenhängt, beziehentlich wie sich das eine vom anderen unterscheidet, wie das eine und das andere wirksam ist, wie weit diese Wirksam- keit reicht und wodurch sie bedingt wird, zu untersuchen haben, und zwar mit all den Mitteln, welche alle Wissenschaften, ins- besondere die Naturwissenschaften, solchen Untersuchungen in immer reicherem Maße in die Hand geben. Damit ist freilich keine neue Aufgabe für die Philosophie formulirt; im Gegenteil: es ist das die alte, aber ewig junge Aufgabe, jedoch gereinigt von den Schlacken, womit sie die philo- sophischcu Systeme, gleichviel welchen Namens, unigeben haben. Dieser lczteren Tage sind— dem Genius der Kulturmensch- heit sei Dank! gegenwärtig wohl vorüber. Nicht die Philosophie ist mit dem Hegelschen absoluten Jdcalis- mus zu Grabe getragen worden,— wie vorzugsweise ehemalige Hegelianern,— das Kind mit dem Bade ausschüttend � behauptet haben,— sondern die philosophischen Systeme sind unmöglich geworden, als das raffinirtcste, das je ausgeklügelt worden ist, elend in Scherben ging. Indes der Materialismus eine besondere Art philosophischer Beschränktheit darstellt, ist der AteiSmus der Inbegriff totaler Gedankenlosigkeit. Während jener die Philosophie der Bourgeoisie ist. soweit bei derselben von Philosophie die Rede ist, kann dieser»ich besser, wie etwa als die Religion der Weinreisenden würdigt werden und nebenbei sehr vieler anderer Leute, welche da» Bedürfnis fühlen, ungeheuer gebildet und freisinnig zu erscheinen. aber zu gewissenhaftem Studium und ernstem Nachdenken entweder nicht die Zeit oder nicht die Lust oder endlich nicht d> Fähigkeit haben., So ist denn auch der geistige Inhalt des Atcismus to erschöpft, wenn man ihn in die seinem Wesen in jeder M- ziehung entsprechende, geschmackvolle Phrase:„Gott is»ich übersezt. Unter einer Fahne, welche diese Devise zeigt, könnten' Papuas mit berliner Universitätsprofessoren, dümmste Buddlnl'1, mit den geistreichsten Panteistcn und Materialisten briidc:"v zusammenschaaren..< Unglücklichenveise ist der Ateismus, wie er sich nun ein'w historisch entwickelt hat und philosophisch zu geben vermag. stupid, daß er selbst auf die Frage: Welcher Gott is»»? eine einigermaßen befriedigende Antwort schuldig bleibt. Den alten Griechen gegenüber, welche au der Vielheit>1 Volksgötter festhielten, waren Anaxagorcs und Sokrates, wc nicht die Gottheit, sondern die Götter leugneten, Atelp�, ebenso wie die Leugner der heiligen Dreieinigkeit, wenn fw' noch so fest an Gott Vater glaubten, für strenggläubige Ehr mit Recht als Ateisten, Gottlose, erschienen. Ob der Mann, der ihm huldigt, blos das Vorhang' � oder die Möglichkeit eines Beweises für die Existenz eines 0'� leugnet, oder ob er sich einbildet, Beweise erbringen y � gegen das Sein Gottes, verrät der Atcismus»ich- Ateist ist dieser wie jener.. ach Bestreitet ein Ateist, daß es einen Gott gebe, wie w die christliche Religion vorstellt, einen außer- und überwcl> unumschränkten Schöpfer und Beherrscher der Welt und � Naturgescze u. s. w., so ficht er für eine Sache, über> � die Akten wissenschaftlicher Diskussion längst geschloffen � worüber heutzutage unter ivissenschastlich gebildete», f'■ Menschen kein Wort des Meinungszwistes mehr crhom" � känipft dagegen ein Ateist wider den Gedanken einer- � geistigung oder Allbeseelung der gesammten Weltmateue urteilt er vorlaut und naseweis wie ein Schulbub»' Frage ab, über welche die Akten der wissenschaftliche»�.� suchung eben erst vo» neuem eröffnet worden sind, um in unserem Jahrtausend, vielleicht um für uns- 1 nie geschlossen zu werden. � orteism� Und wenn dem auch nicht so wäre, wenn dc>' �gung irgend eine klare Behauptung von wissenschaftlicher- 1 gäbe, so wäre er doch noch keinen Schuß Pulver»H� �.„i der Form, in welche er diese Behauptung kleidet— der Negation.. ist. Eine Lehre, die nur begreiflich macht, daß etwa--'. �cr sei es nun ein Gott oder ein Prophet, ein H'mm� � j» de"1 ein Erdteil, den man zu entdecken ausgezogen ist, 1111.(,,3, Augenblicke für den forschenden Menschengeist ich»» D welchem sie sich als wahr erweist: — 337 „Tas und das ist, nicht— gut!— Was aber ist?": Man kann sich den Ateismus als Partier und Stiefelpnzer an der Pforte des Vorhass vom Tempel unserer Wissenschaften gefallen lassen,— über diese Pforte herein darf aber solch ein, hohler Geselle nie und nimmer. Wer nichts, gar nichts weiter ist, als Atcist, ist ein arncns, — ein Narr; wer kein Narr ist und sich dennoch mit seinem Ateismus brüstet, nun der vergrabe sich etliche Jahre tief, recht tief in die Bücher, wo sie am dicksten sind,— in Philosophie und Naturwissenschaften, in Antropologie und Kosmologie, damit er dereinst, wenn er wieder nach seiner Weltanschauung gefragt werden sollte, eine bessere Antwort zu geben vermag, als das öde: I s n i ch! iZortsezung folgt.) Proben deutscher VolKspveste der Gegenwart. Rabenschwarze, finstre Lacht! Hör' den Sturm vom Berge droben Mld ins Tal hrrnirdrrlobrn,— Rlle es in den Forsten kracht! �rzl ist's Zeit! Bein Grünrvllr wacht! Iaht uns schnell die Ballen teilen, Hurtig durch dir IBälder eilen, �ast, bevor der Tag erwacht, Rnsrr Brbeil sei vollbracht! Die Pascher. Wenn Gefahr auch nicht dabei, Ist doch Vorsicht nie zum Schaden! Lehml dir Büchsen drum, geladen, Buch für Pulver sorgt und Blei! Vb man auch gesichert sei Loch so sehr vor Urberfällen Tiickisch-rzechischer Gesellen, Lest am Ziele stiid wir frei Vor der Schergen Spürerei! Und es geht hinab, hinauf Urbrr Berge, durch dir Tale, Bei des Monds zrrnss'nem Strahle Schweigend, keuchend zieht der Hans'. Und sie sind im raschen Tauf Bii der Grenze bald vorüber, Vur noch schnell ins Tal hinüber Und gesichert ist der Baus; Jeder atmet freudig auf. Und so geht's seit grauer Zeit! Mancher ivrltcrhartr Bltr, Mancher Jüngling fand im Walde Jüh den Tod in blut'gem Streit, Wenn die Grenzwacht lag bereit. Doch die sturmerprobten, kecken Pascher kann Gefahr nicht schrecke», Sie sind vor der Furcht gefeit, Sterben ohne Laut und leid. Licht der Ueberniut, nur Lot Treibt den Brmrn, kühn zu wagen Feib und Beben ohne Zagen, Denn das eiserne Gebot: „Schasse deinen Bindern Brot!" Führt ihn auf des Unrechts Wegen, Treibt ihn dein Gefez entgegen, Lb es auch mit Strafen droht; Er braucht Nahrung, sonst— den Tod. Linu» Zungmann. Tas deutsche Lied in �tordamerita. ##### Anweist. DaS bemooste Haupt schreibt: ■I ,8».-.-' ein a—--■-- MM" WWW» worden sein, der im Jahre 1755, als die Truppen der nördliche» Kolonien nach Albany zum Angriff auf die sranzösischeu Posten von Niagara n»d Frontenak marschirtcn, dem britischen Heere zugeteilt war. Die Kleidung dieser Rekruten stand in sonderbarem Gcgcnsaz zu der gewöhnlichen Ausstattung der englischen Soldaten und die Musik, nach welcher sie marschirten, war ebenso veraltet und„outrirt" wie ihre Uniformen. Shaclburg, der einige»insikalische Kenninisie besaß, kom- ponirte eine Melodie für die jungen Krieger und sagte ihnen, sie sei eine der berühmtesten im britischen Heere. Zur große» Belustigung der Briten»ahmen die Provinzialen das Geschenk an und Uankee-Doodle wurde bei ihnen sehr beliebt. Die Melodie ist indes kein Ursprung- liches Werk Schackburgs. es finden sich vielmehr Spuren derselben in Gngland schon zur Zeit Karl l. Während der Regierung seines Sohnes finden«vir ein Akkompagnemeut zu einem Liedchen aus eine damalige bekannte Dame leichter Tugend, das sich als Ammenlied fortgeerbt hat: „Lucy Locket loss her pocket, Kitty Fisher found it; Nothing in it, nothing in it, But the hinding round it." Etwas später tritt zum erstenmal der furchtbare Mann Dankce- Doodle auf. Er säicint selbst auf dieser frühen Stufe seiner Lausbahn seinen karakteristischen Zug, allen möglichen Vorteil aus sich selbst zu ziehe», gezeigt zu haben: „Yankee-Doodle caine to town, lipon a keutish pony; He stuck a featber in bis hat And called hirn Macaroni." Es ist indes viel wahrscheinlicher, daß der Vankee-Doodle aus Holland stammt. Ein unter den Arbeitern, welche zur Erntezeit aus Deutschland nad> den Niederlanden wandern, wo sie für ihre Arbeit so viel Buttermilä). als sie trinken können und einen Zehnten des durch sie eingeheimsten Getreides erhalten, übliches Lied lautet: „Yankee didel, doodel down, Didel, doodel lauter, Yankee virer, voover, vown Boterinilk an Tanther." Dr. A. Berghaus(in der„Europa"). Unsere Illustrationen. fahrender Musikant.(S. 321.)„Sie glaube» gar nicht, wie an- genehm es ist, einer Menge Menschen Dinge vorzusagen, die man selbst nicht glaubt, die aber von ihnen geglaubt und mit offenem Munde ange- hört iverden", hat einmal ein Missionar gesagt, und ivie mancher Kntten- 1 träger denkt wie jener Missionär. Es liegt ein eigener Reiz in jener Sorte von Lugen, die man in Deutschland Aufschneiderei oder Münchhausiade,, in Frankreich Gasconnade nennt. Ter Aufschneider meidet sich an den buntschillernden Blasen seiner Phantasie Ivie an dem Effekt, den er ans die Zuhörer macht und der Bewunderung, welche diese ihm zollen, der so merkwürdige Dinge erlebt, beziehungsweise so erstaunliche Taten vollbracht hat. Hang zum Ausschneiden ist ganz besonders den Reisen- den eigen(a beau mentir qui vient de loin,„Wer von ferne kommt, kann schön lügen"), denen das Außergewöhnliche, daS sie wirklich ge- sehen haben, nicht genügt, weshalb sie der Phantasie lustig den Zügel schießen lassen, zuerst übertreiben und dann aus dem ff lügen, zumal man ihnen nicht leicht das Gegenteil beweisen kann. Münchhansiadcn finde» sich schon in den ältesten Literaturwerken, und ich bin geneigt, die Wunder des alten und des neuen Testaments, worüber sich auf- g geklärte Teologen zumtcil noch jezt die Köpfe zerbrechen und sie bald rationalistisch, bald mytisch ausfassen, ganz einfach als biblische JSiünch- hausiaden zu bezeichnen. Wenige mögen wissen, daß auch der Talmud, welcher sonst eine überaus ernste und heilige Miene zur Schau trägt, seine Münchhausiade» enthält. Im Traktat Baba Batra ifol. 73 fs.) erzählt Raba bar Chnna u. a. folgende Seeabenteuer. Als wir ein- mal auf dem Meere waren, sahen wir einen Vogel, der bis zu den Knöcheln im Wasser stand und mit dem Kopf in den Himmel ragte. Wir dachten, hier müsse das Wasser seicht sein und wollten an dieser Stelle baden. Da hörten wir eine Stimme, welche rief: Gehet nicht ins Waffer! Ein Zimmermann ließ an dieser Stelle seine Axt fallen und noch ist sie nicht auf dem Meeresboden angelangt. Ein andermal sah er einen Fisch, der so gros; war, daß dessen Leichnam, als ihn daS Meer auswarf, sechzig Städte zerstörte. Von dcni Fleisch des Fisches nährten sich sechzig Städte und auS einer einzigen Augenhöhle flössen dreihundert Maß Oes. Als die Reisenden nach einigen Jahren wieder in die Gegend kamen, baute man die zerstörten Städte aus den Knor- pcln des Fisches wieder auf. Ein andermal sah er einen Fisch, der die Größe von sechzig Häusern hatte; derselbe wurde von einer Schlange ver chlungcn, diese wieder von einem Seefisch und dieser endlich von einem Vogel, der sich hierauf auf einen Baum sczte. Man kann sich denken, bemerkt hiezu der Erzähler, welch ungeheure Größe der Baum gehabt haben muß! Ein anderer Rabbi fügte hinzu: Wenn ich nicht felbst dabei gewesen wäre, ich würde es nidst geglaubt haben. Vielleicht sollten diese Aufschneidereien eine Satire aus jene„glaubensstarken" Kreise sein, welche die unmöglichsten Dinge glaubten. Keines- falls sind es moralische Allegorien, wozu sie seichte Kommentatoren stempeln wollen.— Der Typus aller humoristischen Aufschneider ist unser klassischer Münchhausen. Zu den besten Stüdd>cn gehören die Geschichten von dem sdiöncn schwarzen Fuchs, de» er so lange peitschte, bis er aus der Haut fuhr, so daß diese nidst verdorben wurde; von dem Windspiel, das sich die Beine so abgelaufen hatte, daß es nur noch als Dachs gebraucht werden konnte; von dem Wolf, der sich so lange in das Pferd hineinfraß, daß er an dessen Stelle im Geschirr steckte und den Reisenden in den ersten Gasthof Petersburgs kutsdsirte; von den festgesrorenen Tönen des Waldhorns, die hinter dem Ofen plözlich auftauend sich hören ließen; von dem General mit dem silbernen Hirnschädel, der nie betrunken wurde, weil er von Zeit zu Zeit den Hirnschädel lüftete und die Weindünste entweichen ließ; von dem Ucbmock, der von einem tollen Hund gebissen wurde und unvermutet in der Garderobe in Tobsucht und Raserei verfiel; von dem langen Zopf, mit dessen Hülse Münchhausen sid) und sein Pferd aus dem Morast zog; endlich von jener Winternacht im hohen Norden, wo er seinen Gaul an einen Pfahl band, sich in seinen Mantel hüllte und entschlief, währendes Tauwetter eintrat und der Schnee schmolz, so daß Münchhausen, als er aufwachte, sein Pferd oben an der Kirchturmspjze hängen sah, die er für einen Zaunpsahl gehalten hatte. Er nahm sein Pistol, schoß den Halster entzwei, das Pferd kam herunter und Münch- hausen ritt weiter. Rod) im Tode konnte er seine Streiche nidst lassen. Das Volk rief: Es lebe Münchhausen! und der Tote richtete sid) auf und rief: In Ewigkeit! und legte sich aus die andere Seite.— Eine unverdient in Vergessenheit geratene, von Geist, Humor und Satire sprühende, in bester Prosa abgefaßte Münchhausiade in großem Stil sind die Memoiren des„Friz Beutel" von dem rühmlich bekannten Hernian Marggraff(fi 1864). Die Liigenbeutelei wird darin so weit getrieben, daß sogar den einzelnen Kapiteln aufgeschnittene Mottos vor- gesezt worden sind, was einmal zu einem ergözlichen„Reinfall" Anlaß gab. Der bekannte Kalender des Lahrcr Hinkenden Boten pflegt die leeren Räume seines Kalendariums mit Sentenzen aus den Klassikern — beiläufig bemerkt: nidst immer in geschmackvollster Auswahl— auszufüllen. Unter diesen fand sid) vor einigen Jahren folgendes merk würdige Zitat: „Es gibt im Menschenleben Augeublide, Wo man daheim sich nicht behaglich fühlt; Dann rat ich dir, mach' schnell dich aus die Strümpfe, Sofern du welche hast!.... Sdiillcr." Ich traute meinen Augen kaum, als ich dieses Zitat las; Ivo in aller Welt hätte Schiller diese Strumpspoesie geleistet?! Es könnte allenfalls eine humoristische Parodie der Verse in Wallenstein sein: Es gibt im Menschenleben Augenblicke, Wo man dem Weltgeist näher ist als sonst Und eine Frage frei hat an das Sdiidsal. (NB. Ein Saz, der sich wohl im Munde deS dem astrologischen Aberglauben ergebenen Wallenstcin gut ausnimmt, der aber leider, wie manche andere etwas schwülstig sormulirte Sentenz des großen Dichteis, von konfusen Köpfen mit Vorliebe gebraucht wird.) Sid>erlich aber hatte der Kalender den Saz als echtes Sd)illerzitat rcprvduzirt, da sämmtlichc übrigen Zitate edst und ernsthaft waren. Da fiel uiir der„Friz Beutel" ein, und richtig, das Zitat findet sid) als Motto vor dem zweiten Kapitel. Der gute Lahrer hatte sid) die Sache leicht geinadit und statt seine Sentenzen ans den Diditerwerken selbst mühsam herauszuklauben, dieselben aus Zitatensamuilungen genommen, wozu ihm auch Friz Beutel mit seinen zahlrcid>en Mottos brauchbar schiem da man bei oberflädilichem Lesen nicht merkt, daß die Zitate humoristisch parodirt sind. Heutzutage sind es die Handlitngsrcisendcn, meldst der hyperbolischen Schilderung der Großartigkeit ihrer Häuser sid) gegen- seilig an Münchhausiaden überbieten. Behauptet der eine, in seinem Geschäft verbrauche man jährlich für 1000 Mk. Tinte, so versichert der andere, in seinem erspare man 1000 Mk. Tinte dadurch, daß man dst Tüpfelchen aufs i nicht mache. Prahlt der eine, sein Haus braunst einen eigenen Hausknecht, um die Freimarken der Briese anzufeuchten, so überbietet ihn der andere mit der Vcrsicheiung, in seinem GesdstÜ müsse der Buchhalter zweispännig vom Soll ins Haben fahren. � eine erzählt, bei ihm werden so große Liefeningen Sand aus der Wust bezogen, daß sid) einmal ein lebendiger Löwe darin vorgefunden tsthf- Das sei noch gar nid)ts, meint der andere: bei ihm sei auch einmal ein Löwe im Sand gewesen, derselbe habe sid) aber in den weitläustist' Magazinen verlausen, so daß er bis dato nod) nicht aufgefunden wunst' — Alte Soldaten und Waidmänncr gleichen den Reisende» und(d)"ft, auf,„daß sid) die Balken biegen". So der Soldat, der von eilst' Tambourmajor erzählte, er habe ein so feines Gehör gehabt, WM? zu wissen, ob ein Trommelfell von einem ein- oder zweijährigen 1 genommen sei, und wenn er durd) das Brandenburger Tor zog, M'M er mit solcher Kraft und Gcschidlid)keit seinen Stock mit dem knöpf über daS Tor hinweggeworfen, daß er sid> für einen Gros« Obst kaufen, durchs Tor schreiten und seinen aus der Lust ko»imc>w Stock wieder auffangen konnte. Jägerlatein ist eS, wenn ein' j unter erzählt, er sei RachtS auf Rebhühner ausgegangen, habe st1» Hund eine Laterne an den Schwanz gebunden und so bei Latc'iu, schein Feldhühner zu Duzenden geschossen; oder daß er mit einer tra' tigen Hündin eine trächtige Häsin gehezt habe, die starke Beweg»- beschleunigte die Stunde der Geburt, die Hündin warf, der Haie i* und das junge Hündchen jagte instinktmüßig das junge HäsdstN. fahrende Musikus aus unserem Bilde gehört offenbar zu dem e Geschleditc derer von Münchhausen. DaS edile Kirschwasser, d»- in den Torfschenken häufiger vorgesczt bekommt, als in den vmuea. Hotels, hat ihn in die rid>tige Laune versezt, und er traktirt feto tu Publikum dafür mit echtem Musikantenlatein. Die Bauern sidre» � gläubig zu; denn es kostet sie ja nichts.„Wers nidst glaubt, einen Bozen" schlössen früher die Märchenerzähler. Würde es»». ,. lauten, so würden manche sronime und profane Märchen»»' Glauben finden, bei Bauern wie bei andern Leuten.— A_mC» mevteur et llemi(aus einen Lügner anderhalbe) ist das beste V � mittel gegen Aufschneidereien. Erzählt einer, er habe aus Gra � einer Nacht graue Haare bekommen, so erzählt man, daß emiun 7 kohlschwarze Perrücke durch einen plözlid>en Schrecken ihres � schneeweiß geworden sei. Hat jemand Kohlhäupter gesehen, w A.u daß Roß und Reiter darunter Plaz hatten, so hat man den» st � diesem Kohl gesehen, der so groß war, daß die Arbeiter, die ihn st- p einander gar nicht hämmern hörten. Hat jemand einen ü111"' jhni kannt, der die Flöte auseinanderblnsen konnte, so dient.»» jgCr mit dem Waldhornisten, der sein Horn kerzengerade blie«- � oben am Münster eine Fliege sizen sieht, den überbietet»>»».. jic Versicherung, daß man sie sumsen hört.— Es gibh indes' on ihre Aufschneidereien so oft erzählen, daß sie sdstießlid) wM glaube». Ter Gtburtstagskuchen.(S. 328—329.) Großvater stü'A seinen siebcnzigsten Geburtstag. Man sieht es ihm!»»%',, J,u»ge»{ seine Gestalt ist weder gebückt nod) hinfällig und seine Be sind immer nod) elastisch. Nur daS silberweiße Haar,"»- a1'- schwarzen Sammtkäppchen hell absticht, läßt uns erraten,»»'L nll hat sechSzig Jahre über dies Haupt hinweggezogen sind. fr„„-u ei» ein Leben voll Pflidstlmie und Entbehrung hinter sich,» Ker- halbes Jahrhundert hat er mit den Tücken des Sdiicksals � z» hällnisse unverzagt gerungen, um bei seinen Kindern ist»„fbarl» einer auSkömmlichkn Zukunft zu legen. Mancher hat 1®?'jfin&t1' und sid) mit seinen Händen abgequält, um die Zukunlt st.j„cm ge- zu sichern; wenigen ist es gelungen. Ihm scheint cS vt* Z. �hist»- iviffen Grade geglückt zu sein, denn seine Kinder haben alle c qroist" den Brotenverb gefunden. Sein ctltester Sohn ist sogur>». jne Ei»' Stadt Prokurist bei einer angesehenen Firma gemordeu», � fiiiiutf. fünfte sind groß genug, daß er den alten Vater bei st») 339 Mlleiu der Alle hat es immer abgesehnt. Er will in dem bescheidenen Hinterstübchen wohnen bleiben, wo er die guten und schlimmen Zeiten seines Lebens verbracht, wo er gearbeitet, gesorgt, gedarbt und gerungen twt, und wo heute die Sonnenstrahlen so traulich durch die halbblindcn Scheiben fallen. Dem Alten ist es heute doppelt behaglich zu Mut, den» seine Kinder haben ihn nicht vergessen. Ein dustiger Strauß steht aus dem Tisch und von auswärts ist eine vielversprechende Kiste ange- toiniiien, gewiß von dem ältesten Sohn, die zwei Flaschen seineu Wein und eine Kiste guter Zigarren enthalten hat. Einen Geburtstagskuchen dat die älteste Tochter gebacken, die mit ihrem Mann in demselben Hause ivohnt und wir sehen, wie die lustige Truppe der Enkel erscheint, um mit dein Großpapa den Geburtstagskuchen zu teilen, wozu der gute Alte auch gern bereit ist. Der Künstler(Gustav Jglcr) hat die �kgierde der ungezügelten Jugend nach dein bevorstehenden Hochgenuß vortrefflich darzustellen gewußt; namentlich ist der eben erst zur Gratu- mtiou erschienene Herr Enkel so von dem Vorgeschmack des Gcbnrts- sagskuchcns hingerissen, daß er noch nicht einmal Zeit gesunden hat, leinen Hut und seinen mächtigen Regenschirm abzulegen, welch leztercs Familienstück er, wie es scheint, nur„aus Ulk" mit sich führt. Seine altere Schwester, die den jüngsten Bruder auf dem Arm trägt, nimmt dagegen schon eine etwas„geseztere" Haltung ein. Es ist ein bescheidener und pflichtgetreuer Kämpfer ums Dasein, dk»en Lebensabend der Künstler verherrlicht. In einem solchen Leben llt viel von Entsagung und wenig von Genuß vorhanden; es ist eine Art stillen Heldentums, das sich am Ende seiner Lausbahn mit einer lo bescheidenen Vergütung für seine Mühen und Entbehrungen begnügen v'uß! Ach, und wie vielen wird diese geringe Vergütung nicht zu Teil. A. T. Organisation der Mrnschaltlillirn Ulkttrrdtoliachtnngr». (Jllustralion S. S33.) i Mau läßt es sich heutzutage gewaltig lauer werden das Geschäft e» Weiterbeobachtens und Wettererforschens, und man ist aus dem ksten Wege allgemach, wenn nicht Wetter zu machen, st» doch insofern vm der Witterung zu werden, daß man sie durch Erkundung der ,?vge, welche Wind und Wetter nehmen, durch Erforschung der Weise rner Entstehung, und endlich durch Vvrausverkündung der Zeit ihres »ureffeus an den verschiedenen Punkten ihrer Bahn ihnen gewisser- � vlien die Zähne ausbricht, sie vergleichsweise unschädlich macht. Das drf,, luin absolut nicht anders geschehen, als durch beständige Bcob- beh, �er mlt Klima und Witterung in irgend einer Beziehung stehen- sch.»™>osphärischen Erscheinungen. Zu dieser Ueberzeugung war man »ei vor langer Zeil gekommen; dies lehren die sorgfältig anfgezeich- aus d Pachtungen, welche seit Anfang des vorigen Jahrhunderts die h �lermuarte zu Paris gemacht worden sind, und nicht minder der P- pfälzischen Äursürsteu Karl Theodor herrührende Gründung (emrf/,.Cle,as raeteorologica palativa(pfälzischen meteorologischen Gc- $0.1» Mannheim im siebenten Jahrzehnt desselben Jahrhunderts. toisie"..- Alexander Humboldt brachte es dahin, daß man sich in logisch e ren und auch vielfach in Regierungskreisen für meteoro- Eiusln? �s'vbachtungen im großen mehr zu interessiren begann. Seinem lüg-'i'Ü cs zuzuschreiben, daß Friedrich Wilhelm III. von Preußen kinetsordre erließ, welche die Errichlung eines statistischen gkst-ii, befahl und als erste der 12 Aufgaben, welche diesem Bureau | iiuft,,.®urbtn, aufführte: Meteorologische Beobachtungen über die der esi vatur, physikalischen Einfluß auf das Wachstum des Getreides i �deor bvs Holzes k. Wirklich bedeutende Erfolge hätte die' v'eseuz" Pß'v auch bei großartigster Organisation des Beobachtungs- Hilfe A zutage fördern können, wenn ihr nicht der Telegraph zu j v'otbeii. ,en'väre. Schon als der optische Telegraph erfunden sNgz,'.vAvähnte der französische Deputirtc zur Konstituante Romme 1:10*1« AM» der Dienste, welche die neue Erfindung zu leisten ver- SnnMf',,. Möglichkeit, kommende Unwetter Küstenbewohnern und der zu signalisiren. Dieser wichtigen Aufgabe war jedoch erst ! �ves, Telegraph gewachsen, und der österreichische Meteorologe viettoj J ,.CJ erste, welcher sich Mühe gegeben hat, ein telegraphisch- in. J„,.vötscheS Nez zu organisiren. An dem gewaltigen Sturm, der |niit(,..�41 durch ganz Europa fegte, und in Süditalien am Vor« später fim 3uli losbrach, in Prag jedoch eist ungefähr 30 Stunden übpx.'vas,. nämlich am Abend des 18. nach 5 Uhr, wies er die weit der/ Geschwindigkeit elcktrisch-tclegraphischer Mitteilung gegenüber n>n> gg lliingäeile auch des stärksten Orkans nach. Aber auch jezt ■ teorm�• i immer nicht zu einer Organisation für die Zwecke der ''Miqteji p®16' erst Mitte der 50er Jahre begann man in den Ver- ' Ä» Zjpjg"pn von Nordamerika, in Frankreich und in Italien von 'ieruiina,< v b'e betreffenden Länder verteilter Beobachtnngsstationen ßsüinq Melegramme an eine Zentralstation zu senden, und erst 1858 » Direktor des niederländischen meteorologischen Jnstiluts Uchp �Uot seine Regierung zu einer Verordnung zu bewegen, i erahl, der Schiffahrt zu Nuzen regelmäßig tclegraphische , Tk», ,u s.'äste nach den Hasenorten zu befördern. i svär°. p'vl der Niederlande folgte England 1861, Frankreich m die vuch die übrigen Kulturländer. Von höchster Bedeutung >■'M di/rPP des Zusammenhangs der Witterungserscheinungen äe dg,(r.,.�"?i>cht, wie sich dieselben gleichmäßig auf einem größere» ooberslächc darstellen. Diese Einsicht zu gewinnen hat mau die sogenannten synoptischen Karten eingeführt, und dadurch, daß man mit Hilfe der Telegraphie täglich für einen großen Teil Europas solche synoptische Karten zeichnete, gewann man die Erkenntnis, daß die Ver- änderungen unserer Witterung von einer Aufeinanderfolge gewaltiger Luftwirbel abhängen, welche zumeist von West nach Ost über Europa hinziehe». Auf dieser Grundlage bauten nun schon seit längerer Zeit mit dem größten Eifer die europäischen Stationen und Institute der Melcorologic fort. Erstere spannen ihr Nez gegenwärtig schon so ziemlich über den ganzen Erdball aus, sind aber nirgends so zahlreich und auch nirgends besser organisirt und ausgestattet als in Nord- ainerika, wo die Osfiziere aller Militärstationcn die Pflicht haben, mittels der meteorologischen Apparate das Wetter zu beobachten und täglich nicht weniger als dreimal über den Barometerstand, die Temperatur, die relative Feuchtigkeit, die Richtung und Geschwindigkeit des Windes, den Zustand des Himmels, die Richtung des oberen Wolkenzugs und die seit der lezten Beobachtung gefallene Regenmenge dem Zentral- institute telegraphisch Bericht zu erstatten. Von dem in Washington befindlichen Zentralinstitute werden nun Sturmwarnungen an alle Hasenstädte und Wetterprognosen an ein paar Duzend sogenannte Verteilungszentren telegraphirt, d. h. an geeignet gewählte Städte, von wo aus mittels der Eisenbahnen, der Dampfboote und Posten gedruckte auf die Beobachtungen von 11 Uhr Abends dasirte Wetterprognosen bis in die kleinsten Orte gesendet und bereits durch die Morgenblätter des nächsten Tages jedem, der Zeitungen liest, zu- gänglich werden. Ueber den gegenwärtigen Stand des meteorologischen Beobachtungswesens in Deutschland'berichten wir später einmal. In der Schweiz, wohin uns unsere Illustration führt, wurden die meteoro- logischen Stationen mit Unterstüzung der Bundes- und Kantons- rcgierungen durch die schweizerische naturforschende Gesellschaft gegründet und die Zentralstelle nach Zürich verlegt. Die Schweiz bietet besonders günstige Gelegenheit zu meteorologischen Höhenbeobachtungen und diese sind von hoher Wichtigkeit, da wir uns auf dem Boden des atmo- sphärischen Ozeans befinden, wo Witterungserscheinuugen zur Geltung kommen, welche ihre Ursache in den atmosphärischen Strömungen und sonstigen atmosphärischen Vorgängen höherer Regionen haben. Möglichst hochgelegene, über ihre Umgebung frei emporragende Bergstationen sind daher von der allergrößten wissenschaftlichen Bedeutung; solcher Stationen besizt aber auch die Schweiz vorläufig unter der großen Zahl ihrer Höhenstationen überhaupt erst drei, nämlich die auf dem Gäbris in einer Höhe von 1253 Meter, die ans dem Rigi 1790 Meter, endlich die am 1. September 1882 eröffnete auf dein 2467 Meter hohen S ä n t i s. Das Hauptinstrument der Säntisstation sehen unsere Leser vor sich, ein in London nach dem System Bcckley hergestelltes Anemometer(Windmesser), welches aus der alten eisernen Signal- Pyramide auf der höchsten Säntisspize angebracht ist, welche leztere in ihrem Innern die Vorrichtung zur Registrirung von Geschwindigkeit und Richtung der Winde birgt und durch eine starke sechsseitige Holzver- schalung einen neuen Schuz gegen die gewaltigen Unbilden der Säntis- Witterung empfangen hat. DaS Anemometer besteht aus vier, nieist blechernen hohlen Halbkugeln, welche senkrecht au einem rechtwinkligen Kreuze befestigt sind, das sich um eine senkrechte Achse sehr leicht zu drehen vermag. Der Wind treibt nun die Hohlkugeln stets mit der konvexen(erhabenen) Seite voraus im Kreise um und bewirft, daß die senkrechte Drehachse mit Hilse von Transmissionsstangen und Schrauben die Drehbewegung des Schalenkreuzes in die fortschreitende Bewegung eines Schreibstistes venvandelt, der die Merkzeichen der Windgcschwiudigkeit auf einem durch eine Uhr beivcgten Papierstreifen notirt. Ebenso geschieht die Auf- zeichnung der Windrichtung, wobei die zwei auf unsrer Zeichnung her- vortretenden Windflügel wieder zur Verwendung kommen. Die starke, eiserne, 1'/, Meter im Durchmesser haltende Galerie, welche in einer Höhe von 4>/z Meter das Anemometer umgibt, dient hauptsächlich dem Zweck, dasselbe gegen die zerstörenden Einflüsse starker Entladungen der atmosphärischen Elektrizität(Blizschläge) zu schüzen, und hat deshalb in gleichen Abständen sechs 3 Meter lange Blizableiterstangen zu tragen, von denen 7 Millimeter dicke Kupferdrätc in die Erde hinab- gehen und mit dieser verbunden gute Elektrizitätsableitungen bilden. Dem auf der Säntisstation postirten Beobachter, Herrn John Beyer aus Hytwylen im Kanton Thnrgau ist eine aufopsernngsvollc Ausgabe geworden, er hat da oben in weltferner Einöde zu überwintern, alljährlich monatelang sich auf den Umgang mit seinen gelehrten In- strumenten und dem Säntiswirt Dörz, der ihn nicht verlassen will, zu beschränken, auf alle nicht wissenschaftlichen Freuden der Welt aber ganz und gar zu verzichten. E. A. Mitteilungen aus dem Gebiete der Landwirtschaft. Ente» als Gartenpolizei. Schnecken und Regenwürmer waren uns eine schreckliche Plage. Alles haben sie verzehrt oder beschädigt, unsere Erbsen, Bohnen, unseren Salat, kurz alles Grüne in unserem Garten. Wir versuchten alles mögliche, um uns von dieser Pest, welche sich im Garten eingenistet hatte, zu befreien. Aber nur mit schwachem Erfolge. Denn während wir in einem Teil des Gartens der Jagd auf das kriechende Wild oblagen und es' dort ausgerottet hatten, war daS- selbe in verstärkter Anzahl in den anderen Beeten erschienen. Wir wußten uns zulezt keinen Rat, bis wir uns erinnerten, daß die Enten große Freunde seller Schnecken und Regenwürmer seien. Demgemäß 340 entschlossen wir uns, sie in den Gemüsebeeten ouf Insekten sngcn zu lassen. Das wurde an einem milden Frühlingsmorgen ins Werk gc- sezt. Der Sprührege», welcher zeitweilig fiel, war dem Unternehmen günstig. Es war lustig mit anzusehen, wie die Enten sich das Gc- würm schmecken ließen und wie sie die Kohlstengel emsig nach Insekten absuchten. Die Anzahl von Würmern, welche sie heißhungcrig verschlangen, war wirlich erstaunlich. Zulezt hatten sie ihre Kröpfe so gefüllt, daß sie kaum weiter watscheln konnten. Aber ihr Appetit war augenscheinlich noch nicht gestillt. Sie hätten noch weiter nach In- selten gesucht, wen» wir der Jagd nicht Einhalt geboten hätten. Aber das mußten wir tun. Denn cS zeigte sich bald, daß das Mittel fast so schlimm, wie das Uebel sei. Denn im Eifer der Jagd liefe» sie über die Pflanzen, die unter dem Gewicht der Tiere zusammenbrachen oder sonst beschädigt wurden. Hätten wir die Enten länger hausen lassen, so wäre weder für uns noch für die Schnecken etwas übrig ge- blieben. So mußten wir sie troz ihrer Erfolge in der Würmer- und Jnsektenjagd von den Beeten entfernen. Später als die Pflanzen stärker geworden und höher standen, sodaß die Enten sie nicht mehr zertreten konnten, pflegten wir die Enten gelegentlich auf die Schnecken loszu- lassen. Aber das Resultat war immer dasselbe. Der Erfolg der In- sektenverlilgung war durch die Beschädigung der Pflanzen beeinträchtigt. Dieses Jahr sind die Insekten zwar nicht so zahlreich, aber im- merhin haben sie sich unangenehm bemerkbar gemacht. Aber anstatt die alten Enten auf den Jnsektensang zu schicken, haben wir es dies- mal mit den jungen versucht. Wir venvendeten dazu Enten, die zwei oder drei Wochen alt waren. Mit Ausnahme von zwei sehr regneri- scheu Nächten waren sie fortwährend im Freien gelassen worden und waren dabei wunderbar gediehen. Freilich hatten wir einige verloren, aber nicht durch die Kälte, sondern aus anderen Ursachen, die wir ein anderesmal vermeiden werden Ausgezogen wurden die jungen Enten in der folgenden Weise: Im Garten selbst wird die Henne unter einen Korb gesezt, sodaß die jungen Enten, sobald sie kalt oder naß haben, sich bei der Henne trocknen und wärmen können. Abends wird der Korb mit einem Sack zugedeckt, um Regen und kalten Wind abzuhalten. Die Enten werden Morgens hinausgclassen und bleiben den ganzen Tag über im Freien. Sie bekommen mehrmals deS Tages weich gekochtes Futter aus Gerstenmehl, gemischt mit Ziegenmilch, oder eine Art Suppe, in welcher eine alte Henne oder Fleisch gekocht wurde. Darin oder in Milch besteht ihr Getränk. Wenn sie Morgens aus- gelassen werden, berühren sie höchst selten ihr Futter, sondern rennen flugs in die Becle, um Insekten zu suchen. Erst wenn sie kalt oder »aß haben, kehren sie zur Henne zurück, und dann erst nehmen sie von dem für sie zubereiteten Futter. Nach kurzer Ruhe eilen sie wieder zu den' Beeten zurück, und es ist ein hübsches Schauspiel, sie unter den Pflanzen herumtrippeln zu sehen, wenn sie so schnell als ihre Füßchcn sie tragen, einem Schmetterling nachjagen. Der Schaden, den sie den jungen Pflanzen zusügen, ist sehr unbedeutend und die Anzahl von Schnecken und Insekten, die sie gierig verschlingen, ganz unglaublich. Denn ihren scharfen Augen entgeht auch nicht der kleinste Wurm, und was sie sehen, das entkommt ihnen nicht. Der Nuzen, den wir dieses Jahr von unserer Idee ziehen, ist ein doppelter. Unser Garten bleibt von den Insekten verschont, und die Enten selbst wachsen zusehends und sind sehr seit. Sie werden gerade zur Zeit für die Tafel reis, wenn die ersten Erbsen kommen. Diesmal haben wir reichlich junge Erbsen gehabt, denn die Schnecken, welche sie sonst vor unseren Augen ver- speist haben, die haben gerade die Enten fett gemacht, die zu den jungen Erbsen gehören.(„Gcfliigcljachtcr.") Tode die naturwissenschaftlichen Forschungen auf dem Eiland fortsezte, gegen 10 m und das Gewicht 500 Zentner. Zu Berings Zeiten grasten diese Tiere, in großen Herden wie Hornvieh vereint, überall längs der Küste und er wie seine Begleiter töteten eine große Anzahl derselben. Man sah sie beständig die an der Küste reichlich vorkommenden See- pflanzen abweide», wobei sie sich durch die Gegenwart von Menschen nicht stören ließe». Später bildete die Jagd auf die Seekühe einen ivichtige» Nahrungszweig für die Russen, ivelche von Kamtschatka nach den Aleuten hinübersegelteni sie wurden fast ausgerottet, so daß sie zu Stellers Zeiten nur noch auf der Beringsinsel vorkamen. Die genauesten Untersuchungen, welche die berühmten Akademiker v. Baer und v. Brandt später angestellt haben, ergaben die auffallende Tatsache, daß die Rhytiua Stellen überhaupt niemals früher von jemand gesehen worden ist, als im Jahre 1741, und daß nachweisbar das lezte Exemplar dieser Tierart im Jahre 1768 getötet wurde. Wie die Untersuchung der Weidepläzc der Seekuh durch den Botaniker der„Bega", Dr. Kjell- mann, ergab, hatte das Tier seinen Aufenthaltsort an einem der algen- reichsten Meere gewählt. Der Meeresboden zeigt sich hier an günstigen Stellen mit Algenwäldern bedeckt, welche eine Höhe von 20 bis 30 w erreichen und in welchen die Stämme so dicht stehen, daß das Schab- eisen bei Grundnezuntersuchungen nur schwierig unten zwischen ihnen eindringen kann. Dergestalt waren die Verhältnisse als Nordenskjölb mit dem Gelehrlenstabe der„Bega" seinen Besuch aus der Insel machte- ES mußte ihm daranliegcn, über die Seekuh Stellers genaue Jnsor- mationen zu erhallen. Nordenjkjöld suchte daher möglichst viele Skeletteile des Tieres zu erwerben und über seine Geschichte Auskunst ZU et- halten. Beides gelang über Erwarten. Die Harmlosigkeit und traulichkeit, welche zu Zeiten Stellers auf der Beringsinsel die Seekühe auszeichnete, hat sich auch bei einer Reihe von anderen Tiergeschlcchteta der Insel bis jezt erhallen. Nordenjkjöld gibt in denl vorliegende' Aussaz hierüber Auskunft. Es betrifft zunächst den schon zu Stellet Zeiten in ungeheurer Anzahl auf der Insel vorhandenen Seebär./ Alaska-Kompany, welche das Alleinrecht aus die Jagd der Seebaren besizt, erlegte im Jahre 1879, als Nordenjkjöld die Insel besucht�." 13 000. Bei Eintritt der Jagdzeit umringt eine Anzahl Jäger die-r'e und treibt sie die Küste hinauf bis zu einem bestimmten SchlachtfH ES bietet einen wunderlichen Anblick, wie die Männer, an Ort Stelle angekommen, jedes Tier, das sie erst auf die Schnauze schl�ö�' dann einfach mit einem Messer erstechen. Wie der Landwirt andere Herden von Rindern oder Schafen zieht, so behandelt die Ala® Kompnni) die zahlreichen Herden von Seebären fast wie Herden zah'" lim._-_•___. Rätsel. Ich führe dich vom Hennegau hinüber nach Brabant, Und wenn du willst auch weiter noch hinein ins Niedcrland- Ich trample, ein gehörnter Troß, hoch droben überm Meer, Und breit' mich unter meinem Fuß als Wiesentcppicki her. Ich führe schier im Wolkeureich ein einsan, Mcnschensei», Und bette mich als Haide öd in deutsche Gauen ein. 6' N e b ii s. Tier- und Pflanzenkunde. lieber die Beringoinsel und ihre Tierwelt hat Nordenskjölb,- welcher das entlegene Eiland aus seiner großen Fahrt um den Nord- rand AsienS besuchte, in der dänischen„Geogralisk Tickskrift" eine Ab Handlung zu Ehren Berings veröffentlicht, in welcher er mannigsache, in geographischer und naturhistorischer Hinsicht interessante Mitteilungen macht. Zur Zeit der Forschungsreisen Berings war auf der nach ihm benannten Insel vor allem die Tienvelt reichhaltig vertreten und es gab viele Arten, welche heute dort nicht mehr vorkommen. Zu den merkwürdigsten derselbe» gehörte die Seekuh(Rhytiua Stellen), ein „schwimmender Dickhäuter--. Sie war dunkelbrau» von Farbe und mit Haaren bedeckt, die zu einer Art von Außenhaut zusammengewachsen waren, welche der Rinde einer alten Eiche glich. Die Länge der See- kuh betrug nach Steller, einem Begleiter Berings, welcher nach dessen Inhalt: Die Alten und die Neuen. Roman von M. Kautskp. lForls.)— Zur Lage der Landwirtschast. Bon Zweierlei Perpetuum mobile. Unterhaltungen zur Ausklärung. I. Von Ingenieur P. Köhler.— Aus der Franzvsenzelt. �. K Franz Lehmann.— Das Innere der Erde. Eine Auseinandersezung über den gegenwärtigen Stand einiger Fragen der Wmc> � Bruno Geiser.— Proben deutscher Volkspoesie der Gegenwart: Die Pascher. Von Linus Jungmann.— DaS deutsche Lied Unsere Illustrationen: Fahrender Musikant.— Der Geburtstagskuchen.— Die Organisation der wissenschaftlichen Wetterbeovacq� ,»> Anemometer aus dem SäntiS in der Schweiz.— Mitteilungen aus dem Gebiete der Landwirtschaft: Enten als Gartenpolizet. Pslanzcukunde: lieber die Beringsinsel und ihre Tierwelt.— Rätsel.— Rebus.— Aerztlicher Ratgeber.— RedaktionSkon e 1 Polytechnischer Briefkasten.— MannichfaltigeS.— Auslösungen.— Gemeinnüziqes.— Sprcchsaal für jedermann._________— Mit diesem Hesl schließt das II. Quartal des 9. Jahrganges der.Neuen Welt". Die geehrten g werden ersucht. die Bestellungen auf das III. Quartal ungesäumt auszugeben, damit keine Unterbrechung in der D"'„ Blattes eintritt. Tie Expedition der Neuen „Neuen