Jlln striktes Unterhaltungsblatt für das Volk. Erscheint alle 14 Tage in Heften ä 25 Pfennig und ist durch alle Buchhandlungen und Postämter zu beziehen. Die Alten nnd die Denen. Roman von M. Kcmtsüy. 16. Fortsezimg. g Nachdem Helene der schmucken Bergmannstracht sich cnt- ,�°kt, die sie vor ihrer Einfahrt in den Berg angelegt und die g Dameubesuch bereit lag, war sie auf die Einladung des krwalters in dessen Garten gekommen, wo sich ihre Kavaliere schatten einer Wildenweinlaube bereits niedergelassen hatten. i Nuch ihr gefiel es hier einen Augenblick zu ruhen, ehe sie Heimweg antraten, und sie nahm mit Dank ein Glas Milch ' ä'flfli, das ihr der Bcnvalter kredenzte. q.?'c adelige Gesellschaft befand sich hier ein gutes Stück ts von den Arbeitshäusern und ihren Augen ward eine � Szenen e erschlossen, der Ausblick auf die schneebedeckten die hinter dem Salzberg noch hoch emporstiegen nnd „g westlicher Richtung bis zn den Eisfeldem sich erstreckten, de»?» einzelne Fclskolosic hervorrage». schc Ovaren sie der Richtung nach von Vorgängen ausge- »»w'°n. die an der Vorderseite der Arbeitshäuser sich abspielten .'"sllkniein bewegt, ja drohend sich gestalteten. Georg hatte, »ied� Kameraden, an dem sonnigen Abhang sich auf das duftende Gras hingestreckt, das zwischen den Steinen �/Wwicchs. Er hatte seine Pfeife angezündet und auf einen Wb blickte er vor sich hin, über die sanft rauschenden JT hinweg, nach jenem grünen glizeruden Endchcu des Sees. Ntittagsglut lagerte über ihnen, aber sie wirkte nicht >»>d v h'er oben. Nur ruhiger schien alles Weben und Leben, 'oiiftfi ei flimmerte die Luft. Da hebt Georg den Kopf, er hchrr �.wor das der Wald? Nein, er vernimmt es jezt dent- �ern'? � der Hufschlag eines gallopirenden Pferdes, das den �"t'ncnweg heraufkommt. .A,��.�omerad an seiner Seite hatte es ebenfalls gehört. w»s!"'f'w' bon der nobligen Gesellschaft, der noch dabei sein sich'.>ogte er mit einer kaustischen Grimasse, und er legte nidor zurück und schloß die Augen. "üher f0r� sendete den Kopf, was kümmerte es ihn. Immer C§ inbpa mih mntt fiörfp tpif VinS WtVfipni hp§ �Rfri'bc�. ®c 1 � �des, und man hörte jezt das Wiehern des Pferdes. worcu firf s vng mit einemmale in die Höhe. Roß und Reiter ""b iv i'or geworden, sie hatten den Waldweg hinter sich „,1,®;en Hcht die Anhöhe hinan. Eine Dame saß im ' kr hotte sie sofort erkannt, es war Elsa. Wie der unvermutete Anblick sein Blut in Aufruhr brachte! Seine Schläfen färbten sich dunkel, und sein Herz pochte in stürmischen Schlägen. Aber er stand wie gebannt an seinem Plaz, er rührte nicht den Fuß, um ihr entgegenzugehen, und mit keinem Wort gedachte er seine Anteilnahme zu verraten. Was sollte er auch? sie kam nicht zn ihm, dem Arbeiter, sie suchte jene auf, jenen drängte es sie entgegen, mit denen sie im täglichen Verkehr stand, mit denen sie, wie ihm Arnold gesagt,»ach Amsce gekommen Ivar. Aber wie sie daher jagte! Vorgebeugt saß sie im Sattel und der Wind wehte den Schleier ihres Hutes hoch über ihren Kopf empor. Jezt hatte sie die Stelle erreicht, wo der Weg ungemein steil und über Geröll aufwärts führt, das Pferd bleibt stehen, es weigert sich offenbar, da hinauf zu gehe». Was will sie nur? Hat sie nicht den Fuß aus dem Steigbügel gezogen?! Welche Verwegenheit! sie springt vom Pferd und wirft ihm die Zügel über de» Hals. Und sie besinnt sich keinen Augen- blick, sie hastet empor, fast im Laufe springt sie die steile Anhöhe hinan. Ihr Kleid hat sie heraufgenommen, um ihre Füße nicht zu hindern, ihr Gesicht ist crhizt und glühend, und ihr goldiges Haar ticrlvirrt; es hat sich unter dem Hut gelöst und wogt nnd wallt über ihre Schultern herab. Er hat die Pfeife den Kameraden zugeworfen und stürzt ihr entgegen. Auch sie hat ihn erblickt und winkt ihm zu. „Georg!" ruft sie. dann steht sie still, ihre Kräfte scheinen sie zu verlassen, sie ringt nach Atem. Schon ist er an ihrer Seite nnd unwillkürlich erfaßt er ihre Hand. Sie zitterte in der scinigcn, er fühlte die heftigen Schläge ihres Pulses. „Fräulein! was treibt Sie zn so wahnsinniger Eile, Sie sind außer sich— weshalb? Die, die Sie suchen, sind ja noch hier, sie sind im Garten des Berivalters, ich werde Sie dahin führen." Sie wollte antworten, aber die Stimme versagte ihr und so im Innersten bewegt nnd in ihrem physischen Unvermögen sich zu äußern, stürzten ihr die Tränen in die Augen und ein kranipfhaftes Schluchzen hob ihre Brust. Er sah sie an, angstvoll, bestürzt. „Es ist etwas geschehen!" rief er. Sie schüttelte den Kopf, als wolle sie alle Besorgnis der- ncinen, sie versuchte zn lächeln, und in dem einzigen Bemühen, ihn zu beruhigen, legte sie ihre zarte weisse Hand ans die derbe schwielige des Bergarbeiters-. „Es ist nichts— gewiß nichts— nichts, das Sic er- schrecken müßte— es ist nur die Empörung, der Zorn— der mich erfaßt— die mich herausgetrieben— zu Ihne», Georg." „Zu mir!" Ihr Auge blizte flammend auf. „Ja, widerrechtlich ist man bei Ihnen eingedrungen, tvidcr- rechtlich hat man Sie beraubt— es ist abscheulich!" In seinem Kopfe brauste es ans, aber in sein Herz senkte sich ein Gefühl süßer Trunkenheit. Er fühlte es in dem Augenblick so tief, daß sie ein Hohes, ein Geistiges verband. Ihm war ein Unrecht geschehen und sie empfand es bitterer, als hätte nian es ihr selbst getan, und es erregte ihren Zorn und Schmerz und brachte ihr Tränen in die Augen. Wie machten sie sie ihm teuer, diese Tränen! „Sprechen Sie nicht, jezt noch nicht," bat er, als er ihre Lippen sich abermals bewegen sah,„ruhen Sie Sich aus, er- holen Sie Sich zuvor." Er führte sie an der Hand nach der Stelle, wo die Ar- beitcr sich gelagert hatten. Erschöpft ließ sie sich nieder. Die Gruppe der Lagernden kam in Bewegung. Einige rückten zurück, andere standen auf, um sich zu cnt- fernen. Sie machte eine Gcberde, uni sie zurückzuhalten. „Bleiben Sie, ich bitte Sie, hören Sie, was ich zu sagen habe, es betrifft auch Sie— es ist ein Eingriff geschehen in Ihr aller Recht." All diese treudcrben Gesichter wandten sich mit einem neu- gierig fragenden Ausdruck ihr entgegen. „Was ist's denn, was ist gcscheh'n?!" „Man durchsucht Eure Häuser!" stieß sie hervor. „Wer tut das? Und wie so? Warum?" tönte es im Chor rundum. „Ein Kommissär, begleitet von einem Gendarmen, sie dringen in die Wohnungen, sie durchstöbern alles." „Polizeiliche Hausdurchsuchungen also auch bei uns," sagte Georg bitter, aber in einem mänulich gefaßten Ton. In den Mienen seiner Kanicraden aber spiegelte sich Er- staunen und Bestürzung. Ein Geinurmel ging durch die Reihen. Die Mehrzahl unter ihnen schien das Geschehnis gar nicht er- fassen zn können. „Bei Georg Hofer haben sie angefangen," fuhr Elsa fort, „hierauf sind sie zum Frieder gekommen. Ich war mit Evi in der Küche, als sie eintraten. Das arme Mädchen Ivar aufs tiefste erschreckt, und ihr Vater, der alte kranke Mann zitterte ani ganzen Leibe; er suchte sich gleichwohl den Eindringenden entgegenzustellen." „Hatten sie eine gerichtliche Vollmacht?" fragte Georg. „Ich fragte sie darum; der Kommiffär Ivies mir ein Papier vor und fügte hinzu, daß hier im Orte Druckschriften in unge- sezlicher Weise verbreitet worden seien, darunter"— Elsas Augen trafen in einem tieferen Blick auf Georg—„eine Broschüre, die verboten ist. Man war gekommen, um sie zu konfisziren." Die Bewegung unter den Arbeitern hatte zugenommen, andere waren herbeigeeilt und rasch inforniirt worden. Auf alle wirkte das Wort„konfiszirt" sensationell; laut und in er- regier Weise ging es von Mund zu Mund. „Konfiszirt, das heißt weggenommen!— sie haben uns die Broschüre wegg'nommen! Warum haben sie das getan? warum?" „Habt Jhrs denn nicht g'hört: weil sie verboten ist," rief der kleine Feistingcr dazwischen, der seit Jahren als Spion verdächtig>var, und dessen roter Schnurrbart jezt noch struppiger in die Höhe stand, als zu der Zeit, wo wir ihm zuerst be- gcgnet waren. „Wir haben die Broschüre durch den Buchhandel bezogen, wie hundert andere auch," rief Georg ihm eutgegcu,„und wir; haben sie zu einer Zeit bezogen, wo sie noch nicht verboten war; wir waren vollberechtigt in den Besiz derselben gelangt| und es war kein Grund vorhanden, uns darin zu stören." „O, man hat sich nicht damit begnügt," fuhr Elsa fort, die, j nun freier atmen konnte und ihrer Herzcnsempörung kräftigeren Ausdruck verlieh.„Man hat bei dem Frieder alles durchwühlt, alles Lesbare in Beschlag genommen, und ich konnte aus ihren Worten schließen, daß man vorhabe im Orte überall ein gleich� zn tun. Ich eilte fort, ich konnte es nicht länger ruhig mit ansehen; ich kam in das Gasthaus, wo mein Pferd eingestellt i Ivar, dort stand ein Karreu, den sie mitgebracht hatten, ich W Bücher und Schriften, die soeben darauf verladen wurden, ich erkannte Ihre Bücher, Georg, diejenigen, die mein Vater JlM"|i hinterlassen hatte." a, i Georg biß die Zähne zusammen:„Es war mein Teuerste»- „Und sie gehen von Haus zu Haus?" fragten die anderen sich herandrängend, mit immer höher erregten Gesichtern. „Von Haus zu Hans," bestätigte Elsa. „Und sie nehmen auch uns die Bücher?" „Sie haben sie Euch schon genommen!". Wie ein dumpfes Brausen, ein unterdrücktes Grollen dur) lief es die Reihen. Jedem war der Mißmut aufgestiegen und der Grimm,| eine Handlung der Ungerechtigkeit erzeugt. Und jedem W es jezt, und wenn er auch nur einige alte abgegriffene Büch �! sein eigen nannte, als wäre ihm damit sein Kostbarstes en, rissen worden; jener kleine Schaz, den er unter tausend L bchrungen nur erwerben konnte, den in seiner Lage""'.-L 1 fast heroischer Wille, ein unabwcislicher Drang nach~ �: zustande gebracht. Jeder erinnerte sich in dem Augenblick,> er sich den Bissen vom Munde abgedarbt, wie er Kreuzer � Kreuzer zusammengelegt, wie er ein dringendes Bedürfen ji Weib und Kind oft zurückgewiesen, um sich eine Ze>W oder ein Buch zu kaufen. CIi Und dies so sauer Erworbene, es sollte ihnen öe',ol9| worden sein? Das Friedlichste der Gewalt anheimgefalle"-- Und das Grollen wurde lauter, es steigerte sich, es w empor zu drohender Zorncsäußerung. „Es war unser sauer cnvorbcnes Eigentum!" „Meiner Treu, es war nicht gestohlen!" „Und das sollte man uns nehmen dürfen?" „Es ist ein Gewaltakt!" „Müssen wir uns das gefallen lassen?".-,jllCn Aller Blicke wandten sich Georg zu,'wie einem � Oberhaupte, von dcni man das Wort des Rechts und de scheidung erwartet. Er stand da, blasser noch als gewöhnlich, und er a» � ij nicht sogleich, er suchte den eigenen überwallenden Zor" 9 znkämpfen. Da wandte sich Feistingcr höhnisch ihm zu._,. so II „Na, was bist denn so stad, du kannst ja so"st 1, red jezt auch! Du hast ihnen ja alleweil die Büchel pfohle», du hast sie ihnen ja kolportirt und dn Holl'J gebracht, du. daß jezt alle lesen." e»e? Georg hob den Kopf, sein Gesicht nahm einen ha zischen Ausdruck an. fo uin z» „Warum hätte man uns denn lesen gelehrt, a.�„i t lesen? Ja, wir lesen, lesen alle, und weil wir lesen. �ssc» wir lesen, sind wir imstande die Wahrung unserer � gjchc 1 selbst in die Hand zu nehmen, und so wird auch um durch uns selbst zur Entscheidung gebracht werden. �a, „Hört Ihr den Aufwiegler?" rief Feistinger Ö'I(S die Herren Wissens alle, daß er euer Capo ist, KeMl ist, der die Broschüre eingeschmuggelt und kolportir|' hat, die Polizei bei ihm zuerst die Hansdurchsuchung g Jl so hat sie sicher g'wußt warum.". Spi"'' j; „Wenn sie'» g'wußt hat, so hat sie's nur durch iM erfahren," schrien einige der Männer ihm entgegen, toificng ebensogut, daß wir durch einen Spion dcnnnzirt worden sind." »Ja, ja, wir sind dcnnnzirt worden!" schrien nun alle wild °urcheinandcr. Die Einpörnng brach mit cinemmale in helle Nammen ans; der innerlich wütende Zorn hatte einen Gegen- stand gesunden, an dem er sich auslassen, einen greifbaren Gcgen- stanb, über den man sich sofort hermachen konnte. „Der Feistingcr ist's, er ist die Kanaille, er ist der An- lWer, faßt ihn!" Im Nun sah sich der kleine Mann umringt und er stand erhobenen Fäusten, die sich ihm dräuend entgcgcnballte». Uber ebenso rasch hatte sich Georg an seine Seite gestellt. „Was wollt Ihr mit ihm? Er ist ein Schuft, aber für das stwZ euch geschehe», was sich in euren Hänsern soeben vollzieht, °urst Ihr ihn nicht verantwortlich machen, und keinen Einzelnen Überhaupt. Ein System kämpft gegen uns und wir gegen ein System." „Wir müssens also dulden? und dem Lumpen sollt' nur der «amm anschwellen, daß ihm seine Schufterei so gut gelungen ''ti' Nichts da, der Kerl muß gehauen werde», und das tüchtig!" Schon hatte» sie ihn an den Armen gepackt und sofort ward �'n nicht eben sanfter Weise in den dichten Menschenknäuel �eingerissen. „Psui, schämt euch!" rief Georg, der sich ihm nachzudrängen ersuchte,„Alle gegen Einen, die Starken gegen diesen Schwäch- '"8'" Aber die Erbitterung war im Wachsen. j.»Ei was!" schrie man ihm entgegen,„wir sollen uns immer > strmen, nicht wahr? warum schämt man sich denn nicht uns gegenüber?! �»Wir g'hörcn auch zu den Schwachen, meinst nicht? Und ech sind wir unser Lebtag von den Starken bedrückt worden." »So ist's!" riefen alle. .»Und ich mein's halt wieder anders," rief ein hochgcwach- Arbeiter dazwischen,„ich sag, was uns jczt trifft, das nimmer g'schchc», wenn wir uns nicht selbst zu den "Jwacheu zählen täten und zu den Hilflosen." »es lachte ein junger Bursche, der ein kühngeschnitte- Ion hatte, laut auf,„das wollen wir einmal sehen, •"�mit mir'nunter, wir nehmen uns z'nick was nnscr ist, s�sicht�incr lvcr uns dran hindern wird, dem geht's A jNuhe!" schrie Georg mit einer Donnerstimme in den tollen ein m hinein.„Seid ihr wahnsinnig, wollt Ihr euch gegen Eesez empören?" "Wir wollen unsere Bücher wieder haben!" »Wir werden die Zurückgabe auf gcsezlichem Wege erreichen!" »■yicha! das ist ein langer Weg." »Und ein z'widrer Weg." vi»«.>nas einmal g'uommen ist, das kennen wir, das kriegt " nimmer!" fo-U"b doch können wir nur auf diesem Wege vonvärts — hört mich!" tu,: �'gs Stimme gewann jenen Ausdruck geistiger Kraft, der best,» crc bestimmend wirkt:„Ich fordere euch auf, keine Un- "�eit zu begehen, sie könnte euch teuer zn stehen komme». eivc/«" öcbt den Feistinger frei, und laßt uns in Ruhe zu Beratung zusammentreten." lilij'Dür verhältnismäßig stiller geworden. In diesem Angen- rat der Verwalter unter die Leute. aber?�'8rr waren schon vorhin herbeigeeilt, vermochten sich Ai'rf, �"nachsenden Lärm nicht verständlich zu machen. tvorde« 1*>n aristokratischen Gesellschaft war die Kunde ge- dem Tumult unter den Arbeitern. Sie waren dem Körung und trafen auch den Moment auflodernder �rnahm dies wüste Jneinanderschreien, sie sah die sie ür..„, esichter, die leidenschaftlich drohenden Gebcrden, und S�einZmm,. üab n. nar Arnold entgegengeeilt, in kurzen fliegenden Worten 'lni Aufklärung über das Geschehnis. Ter Verwalter aber fragte nicht, forschte nicht erst nach den Ursachen; mochten sie sein tvelchc immer, sie konnten hier oben nichts ändern. In seiner Eigenschaft als Verwalter verlangte er pünktliche Erfüllung der Dienstpflicht und volle Disziplin, und er war hier in seinem Recht. „Es ist zwei Uhr," rief er.„an eure Arbeit, Leute, sofort! Kein Lärm mehr, keine Widerrede." Und als die Ruhe doch nicht sofort eintrat, ja Rufe und Gegenrufe sich vernehmen ließen, und das Begehren laut wurde, daß einige von ihnen nach Amsce entsendet werden möge», schrie er den Steigern zu:„Die Tafel zur Haud und die Uhr, wer in zwei Minuten nicht in den Schlafsälen sich zum Gebet versammelt hat, wer beim Aufruf fehlt, ist entlassen." Eine plözliche unheimliche Stille folgte diesen Worten.. Sie wußten es alle, was eine Widersezlichkcit zu bedeuten habe. In all den Gemütern tobte noch der Zorn, die Herzen dieser Männer klopften wild, ihre Muskeln bebten, und doch suchte jeder sciiicm Blute zu gebieten, den lodernden Grimm zu bändigen. Keiner durfte in dem Augenblick an sich denke», er mußte au Weib und Kind sich erinnern und die greisen Eltern. Er durfte sie nicht verlassen, um seine Kräfte anderwärts zu vcr- dingen, er war durch die eiserne Notwendigkeit gefesselt an diesen Boden. Sie gingen alle— alle. Es gibt auch einen Heroismus des Gehorsams. 18. Kapitel. Zwei Tage später finden wir Baron Neinthal in einem Eisenbahnconpo erster Klasse; er fuhr mit dem Schnellzuge nach Svlenbad. Das Parlament hatte seine lczte Siznng gehalten, er war frei und gedachte diese Freiheit ans das beste zn nnzen. Die Politik und alles was mit ihr zusammenhängt, wollte er für die nächsten Wochen völlig bei Seite schieben. Aber unsere besten Vorsäze kommen gegen alte Gcivvhnhcitc» nicht auf. Er hatte einige Stationen allein in dem Coupö gesessen, hatte seine Zigarre geraucht und zum Fenster hinausgesehen; aber die Gegend war langweilig nnd seine Zigarre zu Ende. Er griff in seine Rocktasche und entnahm ihr eine Broschüre, in der er zu blättern begann. In der Station Falkenan legte er das Büchelchen neben sich auf den Siz und sah zum Fenster hinaus. Schon hatte er den Kopf wieder zurückgezogen und schon war das Zeichen zur Abfahrt gegeben, als die. Waggontür ans- gerissen wurde und Graf Falkenan zu ihm in das Eoups stieg. Man schüttelte sich die Hände und verständigte sich über das gemeinsame Reiseziel. Auch Graf Falkenan fuhr nach Solenbad. er besuchte seine Familie, die sich daselbst vortrefflich befand, und er gedachte, die günstige Disposition seiner Gattin bcnüzend, selbst durch vier Wochen die Bäder zu gebrauchen. Der Baron zeigte sich von der Aussicht entzückt, in länd- (icher Traulichkcit einige Wochen mit dem Grafen und seiner Familie zusammen zu sein, und betonte all die geselligen Vor- teile, die ihm daraus erwüchsen. Der Zug rollte und schüttcrte indes vonvärts mit einer Geschwindigkeit von sechs Meilen die Stunde. Die Broschüre lag noch immer auf dem Polster neben Rein- thal, er hatte ans sie vergessen. Allmälich nur rutschte sie auf dem Tuchkissen vorwärts; jezt, bei einem besonders heftige» Ruck siel sie zu Boden. Der Graf hatte es bemerkt, er bückte sich um sie aufzuheben, und legte sie in verbindlicher Weise in die Hand des Barons, die dieser rasch entgegenstreckte. Nichtsdestoweniger hatte er einen Blick auf das Titelblatt geworfen und hob nun den Finger in scherzhafter Drohung. „Auf was ertappe ich Sie da! Schon wieder Manlius, wissen Sic auch, daß diese Broschüre verboten ist?" So weltgewandt der Baron auch war, er konnte einen , leichten Verdruß nicht verbergen. „Es ist mir bekannt," bemerkte er mit einem gezwungenen Lächeln,„aber ich weiß, das; solche Vorsichtsmaßregeln gewöhn- lich die cntgegengesezte Wirkung haben." „Wie Figura zeigt," bemerkte der Graf jovial, von der Broschüre auf den Baron weisend,„man tut indes was nian kann." „Und schreibt damit den; Werkchen und seinem Verfasser eine Bedeutung zu, die beide nicht verdienen." Neinthal sagte es in einem wegwerfenden Ton, aber es steckte dahinter eine Gereiztheit, die der aufmerksamen Beobachtung des Grafen nicht entging; mit seinem ironischsten Lächeln nickte er dem andern zu:„Jedenfalls sind Sie der erste gewesen, der dem bisher unbekannten Verfasser die Ehre angetan hat, ihn in öffentlicher Parlamentssizung zn zitiren. Man behauptete damals, Sie stünden demselben persönlich nahe." Die Hände des Barons griffen nervös an der Broschüre herum, indes sein Gesicht den gewohnten nachlässig-lächelndcn Ausdruck beibehielt. „Das Werk, von dem diese Broschüre nur ein Auszug ist, hat in nationalökonomischcr Hinsicht manches erörtert, das von Interesse war; es strebt dabei nach wissenschaftlicher Begrün- dung, und nur insofern, als diese zulässig, habe ich es benuzt." „Und nur insofern, als Ihnen die scharfe Kritik der be- stehenden Verhältnisse gerade paßte, aber"— der Graf hatte ein überlegenes Lachen—„man könnte den Spieß auch nm- wenden und jene daran gerügten Mißstände dem früheren Regime in die Schuhe schieben." „Nun, wir wollen jezt nicht darüber streiten," sagte der Baron versöhnlich. „Sie haben Recht." „Und eben so wenig dürfen Sie glauben, daß ich persön- lich mit den Tendenzen dieses Manlius übereinstimme." „Ich habe Sie nie für so unvorsichtig gehalten, dergleichen im Ernste zu propagiren. Das sind nur Trümpfe, die von den Liberalen gegen uns ausgespielt werden, aber es könnte kommen, daß wir den Gewinn einziehen." „Tie wissenschaftliche Diskussion ist das Recht unseres Jahr- Hunderts, das Recht des Liberalismus und seine vornehmste Eigenschaft," sagte der Baron mit Bewußtsein. „Wohl, aber der Liberalismus mit seiner ursprünglich ins Weite gehenden Tendenz hat die Beschränkung solcher Lehren innerhalb der Wissenschast so gut wie unmöglich gemacht. Das Buch ist unter uns diskutirbar, zugegeben, aber da halten Sie auch schon eine Volksausgabe iu den Händen, und diese Broschüre ist brreits in Masse verbreitet, nicht nur in den Städten, nein, auch auf dcni Lande, selbst in den kleinsten Dörfern und Nestern hat sie Eingang gefunden. Was soll das dem gemeinen Mann? Ihm ist es ein gefährliches Gift und es ist die Pflicht eines jeden Wohldenkenden, ihn davor zu bewahren." Der Baron biß sich auf die Lippen. Seine Nervosität und sein geheimer Grimm, sein Grimm auf Arnold nahmen zu, laut aber sagte er:„Ich bin hier ganz Ihrer Meinung. Dem große» Haufen müsseil gelvisse Dinge und gewisse Einsichten ewig vorenthalten bleiben, und ich versichere Ihnen, ich billige es durchaus, daß diese Broschüre, die für einige Kreuzer zu haben ist und dadurch allen zugänglich gemacht werden soll, verboten wurde. Der jugendliche Verfasser hat damit eine Unbesonnenheit begangen, die seine Freunde selbst niißbilligcn müssen." Der Graf nickte gemessen. Er wollte es nicht nierken laffen, wie sehr es ihn befriedigte, den Baron in Harnisch gebracht zu haben, wobei dieser, so vorsichtig er auch war, sich manches ent- schlüpfen ließ, was ihm Anhalt bot, zu weiteren Kombinationen. Seit Graf Falkenau die nationalökonomischen Essays dieses Manlius gelesen, hatte er alles in Bewegung gesezt, um den wirklichen Namen des Verfassers zu erkunden. Es war nicht allein das Talent, das Wissen, das ihm in dem Werk inipo- nirend entgegentrat, es Ivar auch der Karaktcr, der in dem Ganzen sich aussprach. Es lag ein Zug darin, der etwas mit ihm Verwandtes hatte, und wenn sie sich persönlich nahe traten, so konnte möglicherweise eine Verständigung erzielt werden. Aber bisher war es ihm nicht geglückt, Bestimmtes zu er- fahren, und er hatte nur Vermutungen. Es existirte eine Version, daß Rcinthal selbst der Verfasser sei, diese hatte Falkenau lächelnd verworfen; für eine zweite, daß es jener junge Gelehrte sein könne, für den sich Rcinthal in so nachdrücklicher Weise verwendete, und von dem man sich ins Ohr flüsterte, daß es sein Sohn sei. suchte er Beweise. Der Baron lieferte sie-ihm wider Willen. Er hatte von jugendlicher Unbesonnenheit gesprochen, kannte ihn also, aber er wahrte mit Aengstlichkcit sein Inkognito und äußerte sich selbst über das Tema so vorsichtig, daß wa« wohl merkte, daß er nahe und unmittelbar dabei interessirt st'- Nun machte es ihm weiter ein unsagbares Vergnügen, zu schon. wie der Baron sich plözlich von dem, seiner Tendenzen wcgcu verdächtigten Manlius zurückzog, wie er ihn verleugnete«ob diese selbst zn bekämpfen vorgab. Auf diese Weise wurde ew Konflikt geschaffen, der Manlius seiner Partei, den Altkonsc� vativen, in die Arme trieb: wenn Rcinthal ihn fallen lich, Falkenau würde ihn aufnehmen.| Seine Partei hatte es längst eingesehen, daß etwas l" das Volk geschehen müsse— aber nicht durch das Volk. Weiw Manlius aber, wie er nicht bezweifelte, Einfluß auf die unteren Klassen besaß, wenn er das Vertrauen derselben genoß, so konn er der Regierung außerordentlich nüzlich werden. Es h�ndc sich dann nur darum, Manlius zu gewinnen, und man ho � damit seinen ganzen Anhang in den unteren Ständen gewönne'' die ja, wie der Graf meinte, nicht selbst denken, sondern v ihren Führern sich leiten lassen. Es galt also vor allem, Riß zwischen den Baron und Manlius zu erweitern. „Sie billigen das Verbot?" fragte er Rcinthal. „Durchaus.".. fi „Nun, dann kann ich Ihnen auch gestehen, daß die Po o beauftragt ist, in diesem Fall niit aller Strenge vorzugsh Gerade in Solcnbad und Umgebung scheint diese 2W0) massenhaft kolportirt zu sein. Es sind Konfiskationen nommen worden, und es hat sich dabei herausgestellt, modernen Ideen und Doktrinen auch in diesen Gegenden� Verbreitung gefunden, die bisher nicht einmal geahnt'oi� WahAich, es tut Not, dcni Volke seinen Gott und seinen G � wieder zurückzugeben," fügte er mit einem anklagenden B Neinthal hinzu,„und wir werden notgedrungen Strenge w' lassen müssen, um die Leute wieder zur Besinnung y' alI( Daß diese Broschüre," erzeigte in absichtlicher Deutlich u dieselbe, die Neinthal unter seinen Fingern krampfhw � knüllte,„in solcher Menge und gleichzeitig in Stadt verbreitet wurde, zeigt auf eine gewisse agitatorische- � c|ii und es ist zu vermuten"— er machte eine Panw." 0 stechender Blick traf den Baron—„daß der Beclo"" aUf derselben nicht fern stehe. Die Polizei fahndet da) � Manlius und da es überall Verräter und Spione g>' ngnte wohl anzunehmen, daß sie in kurzem diese äußerst>» Bekanntschaft gemacht haben wird.". ojppcw Neinthal saß da mit einem blassen Lächeln ans dc~ a„b im Herzen den heißen Zorn über die Malice des rT, Aoffi das frevle Spiel Arnolds, der ihn in all de» chrgcizuj � nun gen, die er auf ihn gesezt, getäuscht und betrogen tJorlstjUHg folg!.) 394 ttad) Egypten. N e i s e s k i z z c von K ,v« 5 ö � a u t. Ich habe wirklich merkwürdiges Pech in meinem Leben. Will ich da nach Südafrika fahren, komme nach Hamburg und verpasse durch ein Mißverständnis den Dampfer. Will ich dann das Land der Pyramiden hindurch nilanfwärts ins Innere des schwarzen Erdteils Vordringen und bleibe mitten in meinem Vorhaben stecken, weil es einem ingrimmigen Araber, der auf den holden Titel Mahdi hört, eingefallen ist, sich als Propheten von dem dummen also größeren Teile der Egypten- bcwohncr verehren zu lassen, den Krieg gegen alle nicht an ihn glaubenden Christen und Mohammedaner zu erklären und jedem, der ihm in die Hände gerät, recht langsam aber gründlich den Hals zu durchschneiden. Da ich aber am besagten Körperteil besondere Empstndlichkeit besize, so kehrte ich um und— da siz' ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor. Vor mir liegt das Tagebuch meiner Reise, über deren Beginn ich jezt den Lesern berichten will. Die flüchtig hingeworfenen Bleifcderstriche formen sich zu Gebilden. Es tauchen alte Erin- nerungen vor mir auf, Gemälde aus alter und neuer Zeit, ans der heiligen wie der profanen Geschichte. Ich sehe die Tochter Pharaos, wie sie prächtig geschmückt und von ihrem Gefolge umgeben, am Ufer des Nil steht und ein Knäblcin beschaut, das soeben den Fluten entrissen worden. Doch die heilige Schrift weiß noch nichts von den Pyramiden, jenen Denkmälern, welche die Griechen„Wunder der Welt" nennen. Ich sehe die- selben, unweit vor ihnen den Nil, nicht weit davon auf einem Hügel ein altes Gebäude, das zu einer englischen Kaserne um- geformt ist. Im Sande zieht mit klingendem Spiel eine eng- lische Truppe vorüber. Einige hundert Schritte davon erblickt das Auge eine Reitcrschaar. Es sind Beduinen. So treten sich die Gegcnsäze in Egypten schroff gegenüber: hier die finster- blickenden stolzen Repräsentanten des Orients in ihrem maleri- scheu Kostüm, dort die nicht minder stolzen Vertreter des Abend- landes in ihrer wenig kleidsamen Tracht. Eine Reise ist für den Geist, was ein Umzug für die Wirt- schaft, sagt der geistvolle Lothar Bücher. Der Umzug bringt uns nicht nur in eine neue Umgebung, unter neue Dinge und Menschen; er öffnet auch Rumpelkammer», die wir jahrelang nicht betraten, zieht Reste alter Zeit, Zeugen vergangenen Leides und vergangener Freuden hervor. So auch die Ntise. Tie gewohnte tägliche Arbeit wird abgeschüttelt, ein neues regeres Leben beginnt. Man fühlt sich als ein anderer Mensch und handelt als ein solcher. Die Beobachtungsgabe schärft sich, alte Kenntnisse werden hervorgekramt und neue gesammelt. Ich hätte nie geglaubt, daß ich an den Ufern des Nils derartigen Stim- mungsbildern nachhängen könnte, wie ich das wirklich getan und wie solche jezt beim Durchblättern meines Tagebuches wieder anftauchen, daß ich, der eifrige Kämpfer für den Fortschritt auf allen Gebieten, so sehr für den streng konservativen Orient ein- genommen sein könnte. Der Zauber desselben hielt auch mich gefangen. Doch über diesem sentimentalen Geplauder vergesse ich beinahe, daß ich jezt meine Erlebnisse erzählen will. Ich size hier schon geraume Zeit vor meinem Schreibtisch, blase Rauchwolken in die Luft und sehe in denselben Gebilde, anstatt in die nackte Wirklichkeit zurückzukehren, wie solche meine Reise bietet. Also ich hatte die Absicht, nach Egypten zu reisen. Die Vorbereitung machte mir als erfahrenem Touristen wenig Schivierigkeiten. Ich packte am Vorabend meinen Handkoffer mit der nötigen Wäsche und Kleidung, legte einige gute Bücher zur Zerstreuung in trüben Stunden bei, begab mich zur Ruhe und erwachte gerade eine halbe Stunde vor Abgang des Zuges, also zeitig genug, um Bahnhof und Zug erreichen zu können. Richtig traf ich auch fünf Minuten vor der festgcsczten Abfahrts- zeit ein, löste ein Billct bis Halle, musterte die den Perron belebenden Personen und stieg in ein Coupö. Der Schaffner schlug die Türe zu, die Lokomotive pfiff recht hell, verschiedene Passagiere winkten aus den Fenstern der Waggons nach den ans dem Perron Stehenden und bekamen dabei schmuzigen Rauch ins Gesicht, andere winkten von drüben nach hüben. Dahin ging die wilde Jagd. So wild fuhren wir nun eigentlich nicht, sondern recht behutsam, da ich mir den sogenannten Bummel- zug ansgcivählt hatte, um die schönen Gegenden, die ich durch- kreuzte, besser beschauen und an einigen Orten Freunde, die meiner dachten, besuchen zu können. Es war Juni und die Sonne schien recht schön warm auf die herrliche Kulturlandschaft, die sich zur Linken und zur Rechten hinzieht und die die Provinz Sachsen als besonders von Gott begnadet erscheinen läßt. Ueberall herrschte reges Leben in der Natur, die Vögel sangen so lustig draußen; ab und zu tauchte eine Kirchturm- spize auf, um dann wieder zu verschwinden und in einige» Minuten näher und deutlicher vor uns zu stehen. Landlcutc stiegen in den Zug, um ihre Bodenerzcugnisse zur Stadt z» schaffen. Ich hatte Muße, die Mitinsaffen meines Coupes zu beobachten. Es waren deren drei, die sich ans zwei junge» Handlungsreisenden und einem, seinen Erfahrungen und Kennt- nisten nach im ersten, seinem verhauenen Gesichte nach im achte» Semester befindlichen Studenten zusanimensezte. Erstere sprachen sehr lebhaft, natürlich vorerst über ihre geschäftlichen Erfolge und Kniffe, versuchten auch mich in das Gespräch zu ziehe" und tischten mir die ans ihren Reisen gesammelten Wize auf. Leider waren mir diese zumeist einem Zufall ihr Entstehe" verdankenden Geistesprodnkte auf meinen Kreuz- und Ouer- fahrten, die mich oft mit Vertreter» des sehr selbstbewußte" Standes der Handlungsreisenden zusammenbrachten, schon bc- kannt geworden und ebenso zähe von jenen Erzählern als eigene Erlebnisse ausgegeben, wie diesmal vcm diesen, so daß alle Vcr- suche, mich zu belügen oder mit Lügen zu unterhalten, fe'F schlugen. Der Student war schweigsamer und ließ nur ab"" zu einige Stichworte fallen,>vic solche bei unserer studirciidc" Jugend so sehr beliebt und bei einem tüchtigen Korpsbrndcr unentbehrlich sind. Ich war froh, als der Pfiff der Lvkonwtit" unsere Ankunft in Halle meldete, stieg ans, nahm von eine Freunde Abschied, stieg Abends wieder ein und fuhr»ach zig, wo ich im strömenden Regen ankam, mehrere Bekannte aus- suchte und ani nächsten Morgen bei abscheulich naßkaltem e über Dresden nach Prag weitcrdnnipfte. Bald sah ich die E � und mit ihr eine wunderbare Gebirgsgegend, deren entzücken e Genuß nur durch strömenden Regen beeinträchtigt wurde,"ang- sam fuhren wir jezt entlang der Elbe und der sächsisch-k't'h"" scheu Sandsteingebirge in das Böhmerland hinein. Jczt tllU7. eine blaue Uniform auf, da mehrere; der Zug hält an, � sind in Bodenbach, Ivo uns eine Gepäckrevision nach steuerbar_ Gut erwartet. Da Wäsche, Kleidungsstücke und Bücher»>)' Steuerbares sind, so war ich bald frei und bennztc die Ir' um in einem, dem Bahnhofe benachbarten Hotel ein Vorzug lichcs Glas böhmischen Bieres zu trinken. Hier sah ich a» eine niedliche Sammelbüchse für den deutschen Schulverein" t gestellt, der jczt eifrig gegen die Slavisirung der dcntsch-böh" schcn Bevölkerung ankämpft. Das Ding bestand"»3 CI, � Schießscheibe mit davorstehendem Schüzcn. Leztercr scholl ihm auf das Gewehr gelegte Geld durch die Scheibe r" dahinter befindlichen Becher. Ihm zur Seite stand eine»"9 mit der Aufschrift„Für den deutschen Schulverein". J» dach wechselte ich mir mich einen Teil meines deutsche» Ue um, das man hier sehr gern nimmt, namentlich Gold, wc) nach dem Course bezahlt wird. In Prag bewunderte') auf einem Berge gelegenen Hradschin mit seinen praä) Bauten, vor allem den großartigen Tom und belegte_, Plaz bis Wien. Unterwegs hatte ich Gelegenheit, den � des österreichischen Nationalitätenstrcits im Coupö i" cr fflCn* Der Zufall wollte es, daß sich in demselben eine bunt znsc»" gewürsclte Gcscllschaft traf, näinlich ein Stvckczchc, ein Pvlc, ein Kroate imb ein Ungar. Ter Pole war obendrein Jude, und so entwickelte sich denn im Laufe des Gespräches ein Streit > politischer und religiöser Richtung, der mit einer allgemeinen Prügelei geendet haben würde, wenn die Leute eben nicht den gebildeten Ständen angehört hätten. Zuerst fing Kr Czcche an, über Unterdrückung durch die Deutschen zu klagen. Die Deutschen in Böhmen seien Renegatc», da solche mit Deutschland gingen. Run, sein Kopf war nicht groß, er konnte also nur sein Teil darüber sprechen. Im weiteren Verlaufe des Streites fühlte sich der Ungar durch die verächtlich betonte Behauptung des Ezechen verlezt, daß eigentlich nicht die Ungarn, sondern die Dechen die tonangebende und am meisten ftcnerpflichtigc rcsp. icistnngsfähige Nation bildeten, und so gab ein Wort das andere. Wirklich ein karakteristisches Bild der Zustände in der österreisch- ungarische» Monarchie. Mittlerweile kamen wir in Wien an, >vv ich die Bekanntschaft eines jungen Kaufmanns, eines trcff- iiche» Tcntschböhmcn, machte, der schon ei» großes Stück von der Welt gesehen hatte, eben ans Konstantinopcl kam und nach Rlcxandricn, meinem vorläufigen Reiseziele, in Stellung ging. Ta ich fand, daß er ein ganz intelligenter Mensch war, mit dem man wohl vernünftig reden konnte, so duldete ich nicht nur seine Gesellschaft, sondern freute mich sogar darüber. Wir , durchstreifte» gemeinschaftlich Wien und dampften dann nach feiest. Bon Wien ab ging's bergan. Nun bekam die Gegend Romantik. Wir fuhren über Abgründe, an Bcrgkegeln herum, bossirten den tausend Meter hohen Semmering, von welchem Wien sei» köstliches Trinkwasser empfängt, an dem wir uns hier der Quelle labten, und freuten uns an den kräftigen Ge- Mtc» der Gebirgsbewohner, wie uns solche in Jägern, die von dor Jagd kamen, in drallen Dirnen, die uns Edcliveiß in die Waggons reichten, entgegentraten. Bis Bicrbach hatten wir das Vergnügen, mit einer fürstlichen Persönlichkeit in einem �"ge zusammen zu sein. Es war der Erzherzog Karl Ludwig, dkr Bruder des Kaisers, nebst Gemahlin und kleinem Gefolge, dkr gerade von de» Krönungsfestlichkeitcn in Moskau zurück- ehrte. Es war also Gelegenheit da, in Bierbach am geschmückte» �ahichvf vorzufahren, beflaggte Häuser zu sehen und den Empfang sd Fürsten bequem beobachten zu könne». Jezt gings durch � Kraincr Alpen hindurch nach Laibach, das durch den Kon- jskeß von 1821 bekannt, durch seinen Deutschenhaß jezt beriich- W und durch seine Käsefabrikation berühmt ist. Hier ivar ''och überall geflaggt, da der österreichische Kaiser vor einigen �'gen die Stadt besucht hatte. Bald hinter Laibach wurde die kgcnd einförmig öde, überall ist nichts als Kalk sichtbar. Erst vor Trieft belebt sich das Bild, in dessen Hintergründe blauer Streifen: das Meer erscheint. Die Kalkgebirge treten ! a" die Küste heran. Wir fahren an hohen Felsenwänden ent- ""g imb genießen einen Ausblick über das Meer. Wie wunder- aJ: dicht neben uns, zur linken Seite, das Karstgebirge, so %, daß wir es mit ausgestrecktem Arm berühren können, ans -s',"»deren Seite, aus der Tiefe hervorblickend, der breite �diegel des Golfs von Trieft, belebt von vielen Barken und . chiffen und eingerahmt von südlich grünenden Hügelketten, mit üppigen Weinbergen, Gebüschen und blühenden Garten- .jgen bis an den Rand des Gebirges. So fahren wir denn Richen Wüste und Meer, zivischen Wildnis und Fruchtbarkeit Die Weinberge treten näher heran, mit ihnen das Meer. j,"'"IN jäh abfallenden Strande unter uns, taucht ein weißer dn�r ai1� sich>n den klaren Fluten spiegelt. Es ist das ." herrlichen Anlagen umgebene kaiserliche Lustschloß Miramare, | Q der schönsten Punkte unserer Erde.„Hast du das Schloß bi/«11' � hohe Schloß am Meer, golden und ruhig wehen ° Wolken drüber her." Vielleicht hat Uhland. als er diese iirf/ �„�'ch�ete, Miramare vor Augen gehabt. Mit der süd- �"Vegetation ist auch die Bevölkerung eine andere geworden. �'ei r'rk.c'*er' s*'6 unseren Blicken ab und zu erschienen sind, in d k'e �ahnbeamtcn tragen den italienischen Typus. Die Waggons angebrachten Verhaltungsparagraphen sind in ""Icher und deutscher Sprache gedruckt. Das österreichische Blau vermischt sich mit dem italienischen— das Deutschtum verschwindet unter der italienischen Tünche. Jezt sehen wir die Oberstadt, deren Hänser ani Bcrgabhangc übereinander liegen, und da breitet sich vor unseren erstaunten Blicken die schöne, sich dem Ufer des Meeres anschmiegende Neustadt aus. Der Zug hält, wir sind in Trieft. Es ist schon elf Uhr Vormittags, und in einer Stunde fährt der Dampfer ab, der uns nach Egypten bringen soll. Wir eilen also zum Lloyd, lösen unser Billct, nehmen uns vorsorglich einige Liter des triestiner Weines mit, laden unser Gepäck auf einen Karren und wenden uns nach dem Hafen. Unterwegs werden wir zum öfteren von Kerlen mit echt italienischen Galgcngcsichtcrn angefallen, die uns ihre Dienste als Führer, Dolmetscher und, Gott weiß, was noch, anbicten. Wir antworten mit einem kurzen Niente. Man hat uns aber doch den Deutschen angemerkt, die finsteren Blicke, die unter den breitkrämpigen Hüten der Vorübergehenden zu uns herübcrblickcn, verraten das. Es ist ein unruhiges Volk, das triestiner. Der Jrredentismus hat hier mächtig Wurzel gefaßt und läßt ab und zu einige Bomben springen, so daß den Oesterreichern die Freude über ihre Eroberung oft verdorben wird. Man schließt sich von ihnen ab, so weit das irgend möglich ist— kurz, es geht den Oesterrcichcrn in Trieft wie es den Deutschen in Metz geht. Wie lezteres alles Französische beibehalten hat, so ersteres alles Italienische. Die Namen der Straßen und Gebäude sind italienisch, die Schilder haben italienische Ausschriften, das Volk spricht italienisch und die österreichischen Beamten müssen notgedrungen, um sich ver- ständigen zu können, auch Italienisch lernen. Wir lösen unser Billct bei dem östcrreich-nngarischen Lloyd, also einer deutsche» Gcscllschaft, aber man sprach mit uns italienisch und gab uns einen italienischen Passageschein für den Dampfer Achille, den wir bei diesen Betrachtungen eben erreicht haben. Es ist'fast zwölf Uhr, die Landnngsbrücke noch vorhanden. Wir steigen auf, nachdem wir mit dem schuftigen Italiener, der unser Gepäck besorgt hat und uns bei der Bezahlung prellen will, einen Streit gehabt haben, und werden durch einen breitschultrigen, bärtigen Matrosen in Empfang genommen, dem wir unsere Billets einhändigen und der uns nach dem Camcriere weist. Endlich haben wir lezteren gefunden. Der Mann spricht natür- lich nur Italienisch, nennt sich Camericre Giovanni, was unge- fähr dem deutschen Kammerdiener Johann entspricht, nimmt das Gepäck ab und zeigt uns unsere Betten. Nach stattgehabter Instruktion kehren wir ans Deck zurück, um vom Lande Abschied zu nehmen. Es ist schon zwölf Uhr durch und eben sind die lcztcn Passagiere, ein langer dünner und ein kurzer dünner Mensch, an Bord gekommen. Der erstere ist seinem Aussehen nach ein Deutscher, der andere ein Engländer. Jezt wird die Landungsbrücke fortgeschafft, der Anker hochgewunden; die Ma- schiue beginnt zu arbeiten. Langsam sczt sich das Schiff in Bewegung und entführt uns den Blicken der am User stehenden Menge, die zum Abschied mit Tüchern nachwinkt. Wir fahren aus dem Hafen hinaus und lassen zu unserer Rechten das durch die Beschießung Alexandriens berüchtigte Kriegsschiff Inflexible. Jezt liegt der Koloß friedfertig vor Anker. Rotröcke lehnen über die Brüstnng, Blaujacken sizen im Tauwerk; sie winken uns glückliche Reise zu. Die Maschine arbeitet heftiger, der Schaum sprizt hoch zu uns empor und erfrischt uns nach der ausgestandeuen Hize. Eine leichte, angenehme Brise läßt sich ebenfalls bemerken. Nock ein Blick zurück nach dem schönen Trieft und der über der Stadt belegenen Optschina, von wo man eine wunderbare Fernsicht über das Meer genießt. Zur Seite sehen wir Miramare; wir nehmen auch von diesem schönen Punkte Abschied. Nu» traten die Küsten mehr und nichr zurück und bald tvcrden wir ans dem Golf hinaus und im adriatischen Meere sein. Jezt niachte sich aber auch die Hize bemerkbar. Die Sonne steht im Zenit, ihre Strahlen fallen senkrecht auf uns. Die Sonnensegel werden aufgespannt und wir nehmen unter ihnen Plaz. Jezt ist die Gelegenheit da. die übrige Schifssgesellschaft zu studire». Kajütenpassagierc sind nur wenige ans dem Schiff, unter ihnen besagter kurzer, 396 dünner Engländer, ein Jüngling von vielleicht ochtzehn Jahren, der sehr wenig spricht und augenscheinlich viel Neigung zum schlafen hat. Er betrachtet den Schlaf als einzig vernünftigen Zeitvertreib und bcnuzt die Lektüre einiger langweiliger eng- fischcr Romane als Schlafmittel. Der lange dünne Mensch ist Dcutsch-Schweizcr von Geburt, ungefähr zehn Jahre älter als der Engländer, macht sich über die Deutschen lustig und gerät dadurch mit meinem deutsch-böhmischen Bekannten in Streit. Die Sache schlichtet sich aber schließlich wieder. Beide sind intelligente junge Leute, die in der Welt hcnimgekommen sind, gehen in demselben Berufe nach einem Orte des Auslandes, hegen für einander Sympatie und schließen troz einiger Vcr- schiedenheit in ihren harmlosen politischen Gefühlen Freundschaft. Auch zwei junge Triestiner, die in Egypten ein Geschäft be- gründen wollen, teilen unsere Kajüte. Beide sind Italiener, der eine zeichnet sich durch wunderbar schöne braune Augen, der andere durch seinen furchtbaren Deutschenhaß aus. Der braun- äugige junge Mann ist sehr still und scheint Neigung zu sen- timentalen Schwärmereien zu haben; der andere, obwohl sein Gefährte und zukünftiger Geschäftsteilhabcr, bildet den grellen Gegcnsaz zu ihm, ist sehr lebendig und erzählt uns, daß er gezwungenermaßen im österreichischen Heere gedient und schon da seine irredcntistischcn Ansichten zur Schau getragen habe. Ob er dafür Strafe gcerntct hat, sagt er nicht, ich vermute es aber, da sich sein Deutschenhaß, eigenem Geständnis zufolge, seitdem wesentlich gesteigert hat. Trozdcm kann man sich ruhig mit ihm unterhalten, ohne einen feindlichen Angriff von ihm envarten zn dürfen. Ueberhaupt ist Mut keine seiner Tugenden, und er hütet sich wohl vor tatsächlichen Beleidigungen der Deutschen, da er überzeugt ist, daß ihm mein dcntsch-böhmischcr Freund, dessen Leidenschaftlichkeit er kennt und dessen Kraft er besonders fürchtet, von der Zweckmäßigkeit jüngst genossenen Boxunterrichts Beweise beibringt. Er hält sich also sehr be- scheiden und kleidet seine Angriffe in eine höfliche Form. Unter den Deckpassagieren erregen besonders drei meine Aufmerksamkeit, nämlich ein junger Russe mit klugen, ein schmuzigcr Ungar mit dummen und last not least ein reinlicher Araber mit schlauen Augen. Der junge Russe kommt eben von der Universität und geht als Arzt in die von vertriebenen Juden, seinen Glaubens- genossen, nahe bei Jaffa, dem Haupthafen von Palästina, gc- gründete Kolonie. Wenig über zwanzig Jahre alt, wagt es der junge Mann, der übrigens ein bemerkenswertes Beispiel von dem Wissensdrangc der russischen Jugend gibt, doch schon, seinem schweren Berufe, weit von der Heimat entfernt, selbständig nachzugehen und stnzt sich nicht allein auf tüchtige Kenntnisse in der ärztlichen Wissenschaft, sondern auch in den allgemeinen Naturwissenschaften. Wenn sich der Russe, der auch der deutschen und französischen Sprache»nichtig ist, durch seine Kenntnisse auszeichnet, so tut dies der Ungar durch den Mangel an solchen. Schon das Aeußere dieses Kerls ist abschreckend. Sein stupides Gesicht, das auch einen Beweis für die Lehre der Abstammung des Menschen vom Tiere bietet, weist ein paar Augen ans, bei deren Anblick man unwlllkührlich zweifelt, ob der Besizer dieser Sehorgane jemals, eine Idee von Schulunterricht und Menschen- bildung gehabt IpL In hohen Stiefeln, schmieriger Hose und ebenso schmierigem Rock, mit nn-gekämmteni, borstenähnlichen Haar und schmuzigem Gesicht lungerte er auf dem Teck herum und brachte uns durch die Naivctät, mit der er sich zu uns auf die für Kajüteupassagiere bestimmte Bank sczte, in Gefahr, einige Ausreiße» seiner Menagerie zw erwerben. Da der widerliche, mit allen möglichen und unmöglichen Gerüche» die Lust ver- pcstcndc Kerl nicht von unserer Seite wich und nur ungarisch ffnach, also die an ihn gerichteten Aufforderungen, sich zu cnt- fernen, nicht verstand, sahen wir uns genötigt, ihn durch einen Matrosen mit Gewalt an seinen alten Plaz zurückführen zu lassen. Was dieser Mensch„hne Geldmittel und ohne Sprach- k«»ntnisse draußen in Palästina, wohin sein Billct lautet, bcab- sichtigt, ist un» allen unklar geblieben. Jedenfalls waren wir froh, wenn seine Gestalt ans. unserer Sehweite entschwand, und fühlten uns ganz auf der Seite des Arabers, der ihn zum öfteren einem Reinigungsprozeß im Meere unterziehen wollte. Besagter Araber ist ein intelligenter und ausnahmsweise hübscher Jünger Mohammeds, der sich in seinem Nationalkostüni: roter Fez, arabischer Jacke und Beinkleid präsentirt. Die Jacke, die besser Jäckchc� genannt iverden kann, sowie das bis ans die halbe Wade hinabrcichcnde Beinkleid sind von einem hellblauen, wol- lenen Stoff, der mit einfacher Stickerei verziert ist. Bei bc- soliderer Gelegenheit trägt er reich mit Gold gestickte Kleider in gleicher Farbe, aber von Seide. Solch' ein arabisches Bein- klcid ist ein wunderbar einfaches und dabei bequemes Ding. Aus einem Stück bestehend, das zwei Oeffuungcn für die Füße enthält und um die Mitte des Leibes, wo Hose und Jacke sich berühren, durch einen zwei Hände breite», aus einem länglich gefalteten Shawl bestehenden Gürtel festgehalten wird, läßt diese, große Falten werfende Kleidung doch den Beinen genügenden Plaz zum Bewegen. Auch der Gürtel resp. Shaivl ist praktisch. er drückt nicht wie unsere modernen Hosenträger, hält Hose und Eingeweide zusammen und ist namentlich für Leute, die viel Bewegung und Anstrengung haben, praktischer Ersaz des ein- schneidenden Lcdergurts. Die französische leichte Infanterie i» Algier, die unter dem Namen„Zimven" bekannt ist, hat sich diese Tracht angeeignet und dadurch ist ihre Leistungsfähigkeit crllärlich. Unser Araber sieht in dem kleidsamen Kostüm sehe hübsch aus, und da er auch sonst sehr liebenswürdig ist, weiße Wäsche trägt und für Reinlichkeit seines Körpers sorgt, so flC' statten wir ihm, sich zu uns zu sczen. Er bietet mir mit cch orientalischer Zuvorkommenheit seine Tabaksdose. Ich drehe>»"■' eine Zigarette und die Unterhaltung beginnt, indem er wich ans italienisch fragt, ivohcr ich käme und wohin ich wolle- Da sein Italienisch mindestens ebenso mangelhaft ist als da meine, antworte ich ihm versuchsweise in englischer Sprache, u» siehe da, mein Nachbar kennt auch diese Sprache. Er teilt w> nun mit, daß er Hamed Ibrahim heiße, Shipchandler, das> jemand, der die Schiffe mit allerlei Bedarfsartikeln versorg' in Alexandrien sei und von einer Geschäfts- und Vcrgniig»»g reise durch Europa zurückkehre. Inzwischen ist die Zeit Mittagscsscm. das man auf dem Schisse um fünf Uhr-'J1 Wittags eiirnimmt, herangekommen. Es klingelt, und wir*01" possagicre begeben uns in den Salon, ivährend unsere»e Freunde, der Russe und der Araber, sich mit dem dicken. behufs Lieferung cincs besonderen Diners ins Einverin 9_ sczen. Seeluft und Eisenbahnfahrt haben den Appettt � � ---- j.l.._v Konversation N"� tiemacht und dieser...... SStULNKLW SWzLSWWM 'kork. 3u.fi Teckoa?"TM geworden, das Schiff schlingt dem Wetten s.., Vi'tehcn an der Brüstung und sch"»" sein Opfer. fr'st seekrank nnd bringt Neptun dns Hinterdeck„„w"ns vor dem trostlosen Anblicke anl " da der Polarstern und im Osten dl - baben 'e/AAr.... J f" SS2 S-« |■ Tkr s,„,' wniige BnUer trrnnni uns von b-- WUMMW und was für eine Nacht. Millionen Sterne funkeln am tief- blanen Firmament und spiegeln sich in den krystallenen Fluten. Gin leiser Luftzug kühlt unsere Stirn. Ucberall Ruhe, aber sin neues großartiges Bild soll bald unsere Aufmerksamkeit fäsel». Ein Feuerball ist untergegangen, ein anderer taucht auf: der Mond. Erst reckte sich die Scheibe ein wenig aus dem Wasser heraus, sie kam höher und höher und Lnna schwamm d rüber, nämlich über dem Meere. Mit dem Monde hat sich aber die Szenerie verändert. Wir fahren unter einem Sternen- Himmel und durch ein Fcuermccr dahin. Es ist Meerlcuchtcn. �i»gs um das Schiff tauchen Fcuersunkcn aus. Feuer sprüht unter dem Bug hervor— ein feuriger Schweis zeichnet den den wir gekommen. Das Meer ist schwarz geworden, darüber schwebt weißer Schaum, der durch die Bewegung des Schiffes entstanden, in diesem weißen Schaum und schwarzen �iecr eine Menge leuchtender Punkte, über dem Ganzen der Mvnd— c» war eine feenhafte Nacht. Schweigend und sried- jich stehen wir nebeneinander: Tentscher, Russe und Araber. Gs liegt ein stilles Einverständnis in diesem Schweigen. Wir haben uns satt gesehen, drücken uns stumm die Hände und �gebeu uns zur Ruhe. Ter Araber hat sich in seinen Burnus gewickelt, der Russe 'rgt neben ihm und sieht träumend i» das Meer und den Mond. �'de werden bald in Morpheus' Armen liegen. Auch ich habe ""'eh in die Kajüte und i»S Bett begeben. Es ist spät geworden, � Hize ließ uns nicht früher schlafen. Im Schlafzimmer ist C...l'0(h immer warm. Zum Glück sind die Tecksenster weit bsössuct und laffen ab und zu die erfrischende Seelust herein. Endlich bringt mir das Schaukeln des Schisses den nötigen �Alas. aus dem ich gegen Morgen durch Rufen geweckt werde. � blicke nach oben'und sehe durch das geöffnete Decksenster er®eficht meines arabischen Freundes mir ciitgegenlächcln. � will besonders höflich sein und mich deutsch anreden: toft» noch, min Frind?"(Schlafen»och. mein Freund?) r1, cs ans seinem Munde. Also wirklich hat er mit kleiner Wanderung einen deutschen Saz zusammengebracht. Ich mut- y. daß er das Wort.slopen" am Abend gehört hat, freue j','"ber sein gutes Gedächtnis und beschließe, seine Fähigkeiten wi c rnen fremder Sprachen aus die Probe zu stellen. Äald 1 aber die Unterhaltung englisch geführt. W bero arc 1110 gentlerncn? Wo sind die anderen Gcntlemen? frägt er. nt'ivlich läßt seine Höflichkeit ein geringeres Wort denn Gent- scb" z». Sie sind alle Gcntlemcn. Es hat überhaupt /.'gentümlichc Bewandnis mit diesem Worte, für welches einfj116 knuichbarc Uebersezung haben. Gcntlemen in seiner 3))' n Bedeutung entspricht etwa dem Deutschen„seinen tvi!?'-Mann ohne Tadel". Das Wort mit Edelmann dt». beben, würde unsinnig sein. Im übrigen geht cv v"�t>ruck wie der in Oesterreich üblichen Anrede„Euer • E? wird ein jeder damit belegt. Ter Berkauier gute.,, Fünfer so, an den er eben einen Gcgenstand mn geld,', �"dienst losgeworden, der Trinkgeldnehmcr den Trink- Mit?,'s"""d schließlich heißt ein jeder.Euer Gnaden.-mvch gleich"!�'" Araber ist eS anders. Er wird nur seine.zreunde. btreii?» höhere, kurz gebildete Leute, als Gentlemcn z. rn illc"' uie aber jemanden aus der niederen Klaffen, ivie w'derrJ'm""bustcn Matrosen oder gar den Ungar. Al,o die Äct,kn kntlemen steigen ans ihren Betten, was. da sich zwei wrdk«"'ch" übereinander befinden, eine gewiffc Gewandtheit er- dfttnnxlü,.oft mit Anschlagen des Kopfes oben oder seitwärts gab jrf, Cn'll- Ta wir drei Neulinge in der Kajüte halun 0 TtoJ f h'«cht ans jedes Geräusch und hörte richtig dre.saches Arett wie das Werfen eines hohle» Kürbis gegen ein Bald und dem sofort ein dreifacher Schmerzensrus folgte. s»»>niclf � yw"' Ereignis saßen wir zusammen auf Teck, vcr- Schock, t glichen. Tun. der Russe l..d mich zu einer Partie Gvglsnd,."l'er spielte mit dem Schweizer Tom.no und der !°usknez» Wählte, daß sein dickgeschwollencS und blntunter- ih»'"üe von einem Kampf mit drei Räuber» herrühre, � m h�en Tage dicht bei Trieft angegriffen hatten. Ich bedauerte ihn deshalb, gab ihm gute Ratschläge zur Hei- lung de? entstandenen Ungemachs, bedauerte dann den Araber, iveil solcher soeben im Dominospiel verloren hatte und schließ- lich mich selbst, weil ich durch die geteilte Aufmerksamkeit schach- matt geworden war. Am Nachmittage gab mir Hamed Ibra- haim, der arabische Gentleman. Aufklärungen über seine Ge- schäfts- und Vergnügungsreise nach Europa. Er hatte als in- tclligcntcr Mensch die Welt sehen wollen, dabei das Angenehme mit dem Nüzlichen verbunden und sich den verschiedenen Schiffs- eigner», deren Schiffe Egypten berühren, als Shipshandler vor- gestellt und empfohlen. Da er in arabischem Kostüm reist, hat er umsomehr Erfolg für seine Empfehlung zu erwarten: man hat sich allseitig für ihn interessirt. Er hat Italien und Frank- reich bereist, dort entgegen den Vorschriften des Koran Wein und in Deutschland, das er ebenfalls durchreiste, gutes deutsches Bier getrunken und schließlich in Dänemark, Schweden und Nor- wegen von der Kälte zu leiden gehabt. Besonderes Interesse hegt er für Berlin, wo er„große Glas Bier"(seine Bezeich- nung für das in großen Humpen ausgeschenkte Weißbier) ge- trunken und für Hamburg, wo er im Krankenhause gelegen hat. Da er i» Erinneruiigen an besagte„große Glas Bier" schwelgt, das ihm nicht sowohl quantitativ als auch qualitativ imponirtc, liegt die Vermutung nahe, daß die kaum 2 Tage später erfolgte Niederlassung im Hospital zu Hamburg die natürliche Folge eines durch übermäßigen Biergenuß verdorbenen Magens ist. Zwar behauptet er, daß ihn das Fieber geplagt habe, aber ich bin Zweifler und traue mir mehr Urteilskrast zu, umsomehr als die Symptome des Fiebers denen unseres deutschen„Katers", wie es in der Biersprache heißt, entsprechen. Daß der„Kater" bei ihm später auftrat und länger gedauert hat als bei anderen Menschen, ist dadurch zn begründen, daß sein Magen nicht an Bier gewöhnt war, am wenigsten aber an viel Bier, vielleicht gar verschiedene Sorten. Uebrigens hat es ihm troz seinem Leiden doch ganz gut in Hamburg gefallen. Namentlich lobt er die Bchandluug und Verpflegung im Krankcnhanse. Da er nun einige Wochen in Teutschland gewesen ist inid ihm die deutschen Lieder gut gefallen haben, möchte er auch ein solches lernen, um es später seinen lieben Bekannten in Egypten vortragen zu können. Er hat sich das schöne Lied: „Der Wenzel kommt, der Wenzel kommt, der Wenzel ist schon da" ausgewählt, das er wahrscheinlich von einem berliner Schusterjungen gehört hat und das ihm durch seine Kürze be- sonders gefällt. Das W in Wenzel hat bei ihm Aehnlichkeit mit dem englischen W, Wenzel klingt also wie U-cnzcl. Den Refrain hat er in Liralirala, Liralirala umgeändert»nd ist stolz darauf, seine Kenntnisse um einen neuen Schaz bereichert zu haben. Gemäß seinem Wunsche erkläre ich mich bereit, ihm das Lied richtig vorzusingen. Er paßt genau auf und singt es dann, ohne auf unsere Verbesserungen zu achten, ruhig in seiner Weise nach. Auch einige deutsche Schimpfwörter hat er gehört und gelernt, doch geht ihm das Verständnis dafür ab. So wendet er z. B. eines derselben bei dem Schweizer an, in der kostbaren Ansicht befangen, sich dadurch einzuschmeicheln. Natiir- lich machte uns diese Begriffsvertvcchslung sehr viel Spaß und in das allgemeine Gelächter stimmte Hamed Ibrahim, der Sänger des herrlichen Liedes vom Wenzel, kräftig mit ein. Ein anderes mal mußten wir lachen, als bei einer politischen Unterhaltung, in der Bismarck erwähnt wurde, der Araber hinzutrat, den Namen Bismarck aussprach und mit dem Zeigefinger auf die Stirn zeigte, eine Manipulation, die bei uns als Beleidigung ausgelegt wird. Wir waren darüber umsomehr erstaunt, als unser Freund sonst eine hohe Meinung von unseres Staatsschiffes Lenker hatte, srugen ihn nach der Bedeutung des Zeichens und erfuhren nun, daß er damit andeuten wolle, Bismarck's Kopf sei eben so kahl wie der scinige. In der Tat trug dieser zi- vilisirte Mohammedaner einen kahlgeschorenen Schädel. So ver- ging die Zeit auf dem Schiffe ganz angenehm im ernsten und heiteren Tun und Treiben. Ab und zu betrachteten wir durch ein Fernrohr die zu unserer linken Seite gelegene, traurig öde dalmatische Küste, deren tvciße Kalksteinniassen wie eine Mauer aus dem Meere auftauchen und vor denen eine Kette größerer und kleinerer Inseln vorgelagert ist, und ließen dann unsere Blicke zu der rechtsseitig liegenden italienischen Küste hinüber- schweifen, der wir uns zusehends näherten. Am dritten Tage unserer Seereise, etwa um Mittemacht, haben wir Brindisi, den südlichsten Hafen Italiens am adriatischcn Meere, erreicht und sonnt die halbe Strecke zurückgelegt. Schon eine Stunde vor- her haben wir auf dem Vorderdeck gestanden und die sich laug- sam nähernde Küste beobachtet. Jezt zeigt sich ein Licht: der Leuchtturm wird sichtbar. Mehr Lichter folgen— die Stadt liegt vor uns. Sie trägt ein entschieden südliches Gepräge. Die Bauart der Straßen und Häuser beweist das. Wir fahren jezt in den Hafen ein. Am Lande ist alles still. Da mit einemmale ertönt ein Krach, dem lautes Schreien nachfolgt. Wir sind gegen ein Schiff gerannt und haben ein anderes gc- fährdet. Glücklicherweise ist die Sache nicht schlimni. Es hat etwas Kleinholz gegeben hüben und drüben, bei uns sind einige der das Sonnensegel tragenden Stangen heruntergerissen. Sie werden sofort wieder ersezt. Ein Boot naht sich. Der darin sizcnde Beamte fordert die Hafcnabgabe. Unser Kapitän verweigert eine solche, weil der Hasenkapitän die Schuld an dem eben stattgehabten Unfall trage. Ein anderes Boot bringt drei russische Frauen an Bord. Schade, daß es Nacht ist und wir nicht Gelegenheit haben, die Bevölkerung kennen zu lernen, die hier ein sehr heftiges Temperament und viele Untugenden be- sizt, zu deren hauptsächlichsten Aufdringlichkeit und Unehrlichkeit gegen die Fremden gehört. Sehr oft ist der Hafen Schauplaz von Kämpfen der Facchini, die halb Arbeiter, halb Bummler, sich um die Ehre, Gepäckträger der Angekommenen zu sein, balgen und häufig, ohne daß der Fremdling etwas dagegen tun kann, mit dessen Gepäck im Gedränge auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Ein Kenner dieser Zustände niacht deshalb den Vorschlag, die Hafenbehörde von Brindisi möge nur solche Ge- päckträger zulassen, die niit einer Schnur zum Festhalten vcr- sehen sind. Da aber diese Einrichtung bis jezt noch nicht existirt und auch die lautesten Zurufe die Zudringlichen nicht verschcu- chen, muß man einstweilen sich mit tüchtigen Stöcken zum Drein- schlagen bewaffnen und so sein Gepäck retten. Wir hatten nun derbe Knüttel zurechtgestellt, jedoch nicht Gelegenheit zum Drein- schlagen. Nicht lange weilen wir in Brindisi. Das Schiff sczt sich wieder in Bewegung, und als wir am nächsten Morgen aufwachen, sind wir im jonischen- und bald darauf im mittel- ländischen Meere. Wir haben jezt Zeit, uns um die neuen Passagiere zu kümmern. Es sind drei arme russische Weiber, fromme Pilgerinnen, die aus Jerusalem kommen, die Gebeine eines Heiligen in irgend einem Neste Italiens besucht haben und nun durch das schwarze Meer über Odessa in ihre nordische Heimat, eine sogar nach Sibirien, zurückkehren. Sie können sich anfänglich nieniandem verständlich machen, bis ihnen endlich der russische Arzt zu Hilfe kommt. Wir erfahren nun, daß sie als Angehörige der ortodoxen griechischen Kirche sich in den zwei- wöchentlichen Somnierfasten befinden, während welcher sie nur Wasser uud Brot genießen dürfen. Da aber das Schiff schon am Spätabend, statt wie cnvartet, am andern Morgen einlief, war es ihnen unmöglich gewesen, sich mit frischem Brot zu ver- sehen und so befinden sie sich in der Gefahr, zu verhungern, welcher sie nur durch die glückliche Pazwischcnkunft ihres Lands- mannes, der ihnen Brot verschafft, entgehen. Auch der Araber bedauert die armen Geschöpfe lebhaft und läßt ihnen Suppe und Fleisch geben, erfährt aber schnöde Abweisung seines von reiner Menschenliebe getragenen Angebotes. Er vermag es gar nicht zu fassen, daß jemand so töricht sein könne, Brot und Wasser einer Suppe mit Fleisch vorzuziehen und verlangt von mir Auskunft darüber. Ich gebe ihm solche, kann aber nicht verhindern, daß er die Achseln zuckt und die Dummheit der armen Frauen, die so weit um eines Heiligen willen gewandert sind und dabei hungern wollen, bedauert. Hamcd Ibrahim ist eben im ganzen ein sehr aufgeklärter Mensch, uud es wäre nur zu wünschen, daß auch die übrigen Mohammedaner so vernünftig dächten. Es stände dann besser um sie. Jezt wird Land sichtbar. Wir fahren an einer kleinen Insel mit eigentümlichen Küsten- Auswaschungen vorbei. Hinter der kleinen Insel liegt eine große, deren uns zugekehrte Südseite sehr gebirgig ist. Es ist Kandia, das Kreta der Alten. Wir lassen beide Inseln links liegen und dampfen auf unser heißer- sehntcs Ziel los, das wir denn auch nach fünftägiger Seefahrt erreichen. Am frühen Morgen kamen wir an. Schon am Abend zuvor ließen sich die Leuchtturmlichter erkennen, denen wir mit einem Auflug von Freude und Neugierde entgegcnschauen. Wessen Herz pocht wohl nicht lauter, wessen Geist wird wohi nicht reger, wenn er das erhoffte Ziel vor Augen sieht. Man hat für nichts Sinn als für dies eine, alle Hoffnung hängt a" ihm. Manche erwarten int fernen Laude ihr Lebensglück. Biel- leicht finden sie es, vielleicht werden sie enttäuscht. Anders kehren zu ihrer Familie heim. Andere beabsichtigen nur einen vorübergehenden Besuch. Alle aber sehnen sich wieder nach festes Boden. Endlich liegt der prächtige Hafen von Alexandria, den uns ein arabischer Pilot einführt, im Halbkreis vor Durch einen Wald von Masten schweift nnser Blick hinüber Z" der berühmten, großenteils nach europäischem Muster erbauten Stadt. Jezt wird's lebendig. Boote segeln von allen Seite" auf uns zu, schwarze und braune Kerle klettern mit kazenartige' Gewandtheit auf Deck und bestürmen uns mit dem Angeb" ihrer Kähne. Da kein Schiff nahe aii's Land heran darf, weil nia> Schmuggel befürchtet und zu dessen Verhinderung nicht gess."» Hafenwächter hat, muß man sich im Boot zu Land schalt lassen. Mein arabischer Freund hat mich zu einer gemeinschal lichcn Fahrt eingeladen. Ich will seiner Einladung eben und ihn deshalb aus dem Gedränge heraussuchen, als ich aW) schon mein Gepäck verschwinden sehe und von einem häßuch, Schwarzen mit ungeheurer Schnelligkeit in ein Boot besift"� werde. Mich umschauend, finde ich nicht sowohl mein als auch den arabischen Gentleman neben mir. Nun wir pfeilschnell vorwärts und nach einigen Minuten haben egyptischen Sand unter den Füßen. Welch' beseligendes auf afrikanischem Boden zu stehen. Ich möchte niederknie», zu küssen, doch der Schmuz verhindert mich daran. Wir"'u jezt einen Torweg Passiren, in welchem sich das Zollaw findet. Ein arabischer Würdenträger läßt sich den Inhalt"lClj)(,n Koffers zeigen, anncktirt einige Patronen und will auch in meiner Rocktasche verborgenen Revolver haben. Ich' jt energisch— er erhält ihn nicht. Ein andrer Beamter blick Kennermiene in meinen Paß, den er natürlich nicht u" und der durch einen Steuerzcttel mit Amtsstempel wahrsch" � ersezt wäre, und legt denselben in eine Schublade. � Bitten um Rückgabe finden taube Ohren. Ich werde g schelte deutsch, englisch und französisch, aber ohne Erlolg. � gröber ich werde, umso liebenswürdiger wird er. � ich, nachdem ich mich von Hamed, meinem arabische» 6� � getrennt und mit diesem eine Stadtreise für den � V �„eiit vereinbart habe. Hamed wurde von seinem Bruder nn � � Freunde empfangen, die er beauftragte, mich in ein V � bringen, und so eile ich denn in Begleitung axa> Gentlemen und eines schwarzen Gepäckträgers durch bischen Stadtteil meinem Ruhcortc entgegen. 399 „0 diel Von M. Eines Abends, als ich das Kaffeehaus früher als gewöhnlich berließ, begleitete mich einer meiner Freunde. Er hatte vor wehreren Wochen seine lukrative Stelle bei der Bank aufgegeben, b>eil er das Talent in sich fühlte, Dichter zu werden. Jene Tages- Beschäftigung mit trockenen Zahlen nahm ihn zu sehr in Anspruch; diese prosaischen Ziffern benahmen und beeinflußten seine poc- iischen Ideen und deshalb hielt er es für angezeigt, seinen sicheren Posten aufzugeben,(er bezog monatlich 200 Gulden) um sich °ufs kapriziöse Roß zu sczen, das schon so viele erbarmungs- i°s abgeworfen hat! Nach längerer Zeit fleißigen Arbeitens hatte er einen recht ; hübschcn Stoß Manuskripte im Vorrat, aber Absaz konnte er kider keinen dafür finden. Heute eben wollte er mich nach Hause begleiten, um mir seine lezte Erzählung, betitelt:„Der Ncgenschirm als Hochzcitcr" vorzulesen; ich sollte selbst sehen, 1 daß er recht hatte, wenn er von den Redaktionen sagte:„Sic vernachlässigen ihre eigene Interessen!" Ich muß gestehen, daß , die Sache imponirte: Ein junger Mann, der tagelang bei ichöiisteni Wetter mit dem bewußten Regendache umherirrte, fand | kiiblich doch Gelegenheit, dasselbe nuzbringend zu venvenden, in- dem eine gefällige Wolke ihre Schleußcn öffnete, um eine am Wihen Morgen aus dem Opernhause strömende Menge reichlich � begießen.(Ich erlaubte mir, hier zu bemerken, daß die qjdern gewöhnlich nicht bei Tagesanbruch stattfänden, aber der j:. �lor versicherte mich, dies sei eine licentia poötica). Der junge Mann, oder vielmehr der Regenschirm, dcnu das war .�eigentliche Held, hatte hier eine reichliche Auswahl; er warf jk'Ne Augen unter die Menge(ich fand das hübsch gesagt, kühn der entschieden hübsch), und entdeckte endlich diejenige, für eiche sei» seidennmspanntes Herz schlug. Sie akzeptirte den | k�dbotenen Arm(des Jünglings, nicht des Schirmes), und I jchucßljch konnte sich das glückliche Regendach,— nein, der Bc- djer desselben, nicht mehr losmachen, was er mit den schließenden ! ddten zu erraten gab:„Ter Arm wurde für immer konfiszirt, dd so vHcg denn mein überglücklicher Rest daran hängen, um % ein zufriedenes Erdenkindcrpaar zu bilden!" »Wirklich, ich begreife nicht!" %»Was?" Der Autor stellte diese Frage in etwas nervöser t' ols fürchte er irgend eine unliebsame Kritik. »Ich begreife nicht, daß man diese Erzählung nicht annehme» J"—»Nicht wahr? Ja. ich sage Ihne», Freund, es ist un- baß übrigens seien Sie überzeugt, der Grund ist der, .» Man heutzutage frische Talente unter keiner Bedingung aus- 'Mei, lassen will!" »Ja, das muß es wohl sein." °b* � besuch endete damit, daß mich mein Freund H. fragte, das' nicht auf eine Woche 4 Gulden puffen könnte; bis � 9>n mußte die Serie der Annahmen und Honorare unfehlbar �»"'»en, und dann werde er mir das Geliehene mit bestem T �»rückerstatten. 5»� v rQn,lte dienstbeflissen, fast erfreut zu meiner Sparkasse: ich größte» Vergnügen, lieber Freund!" Warum konnte seuill' sublimen Momente nicht ein wohlgefülltcs Porte- jj. e hervorziehen und rufen:„4 Gulden?— bcdaure,— rufiin aber mit 1000 gedient ist, mit Freuden; beun- Zeit �'4 auch nicht betreffs der Rückzahlung, das hat ' 15>vir im Monde zusammentreffen!" Nun, für den ich lvar ihm mit der einfachen Vierzahl auch gedient, und ZladJ kine lebhafte Genugtuung, eine wahre Freude, dem a,,?' gefällig gewesen zu sein. Msirtc yat seine Serien, auch das Angepuff'twerdcn. So luar'a"""r denn, daß ich wenige Tage später(zuni Glück viüsseuz■ �cm Ersten des Monats, sonst hätte ich refüsiren Tiezo,, �''kdcr zu einem ähnlichen Dienst berufen wurde. �»»wic r,n,U�en � Gulden von der sür's Rauchen ausgcseztcn Herhalten. r c n n d e!" Lerei. tSchlub.> Nun hieß es sich aber mit den Zigarren ein wenig einfchrän- kcn; ich verpaffte im Durchschnitt 5 Stück Zweikreuzerzigarren im Tag, drei Stück niußtcn für diesen Monat genügen. Im Laufe der Woche hatte ich sogar das unaussprechliche Vergnügen, meinem Freunde Taler aushelfen zu können; nicht, daß er am Ende ä sec gewesen wäre, aber es kann ja jedem Menschen Passire», daß er sein Geld zu Hause liegen läßt; so war es auch diesmal geschehen:„Mein lieber Königstein, haben Sie 5 Gulden bei sich? Ich habe die fatale Ungeschicklichkeit begangen, mein Geld in einem andern Rocke zu Hause zu lassen." „Mit Vergnügen bester Taler. bitte." Taler war leider sehr vergeßlicher Statur und ich kam für volle 30 Tage ums Rauchen; doch es war auch zu ertragen, ja, ich begann niit dem Gedanken umzugehen, diesen Luxus ganz aufzugeben, denn wenn ich ihn einen Monat hindurch ent- bchre» konnte, so mußte es doch auch für die Zukunft möglich sein. H. kam eines Abends freudestrahlend ins Kaffeehaus. Er schob mir ein Blatt hin:„Da lesen Sie, lieber Freund." „Der Regenschirm als Hochzeiter", las ich gedruckt; ich hatte es schwarz auf weiß vor mir.„Gratulire, lieber H.! Nun, somit wäre ja die Klippe überschritten; wir werden Sic wohl bald neben Hackländer, Spielhagen und den Anderen nennen hören!" Er lachte selbstbewußt; endlich nach einer Pause:„A propos, sind Sie wegen der 4 Gulden sehr pressirt?" „Nicht doch, nicht doch!" „Umso besser, denn ich wollte Ihnen eben einen dicsbczüg- liehe» Vorschlag machen. Sehen Sie, dieses Blatt zahlt keine Honorare, dafür hat es mir aber ein ganzjähriges Abonnement bewilligt. Wenn Sie erlauben wollten, daß ich die Exemplare an Sie adressircn lasse, so,— so wären wir dann guitt; nicht wahr?" „Gewiß, gewiß." „Wenn Sie aber darauf bestehen, daß ich Ihnen die 4 Gulden in natura zurückstelle"— „'Durchaus nicht, bester Freund; zedircn Sie mir das Abon- nement." Nach Hause gekommen sezte ich mich an den Tisch, um folgendes Problem zu lösen: Ausgeliehen an Freund H.: 4 Gulden.— Freund hat für den„Regenschirm als Hochzcitcr" ein Freiabonncment erhalten und dasselbe mir zcdirt: 4 Gulden. Es wollte mir einen Moment scheinen, als habe eigentlich ich, und nicht die Redaktion, auf diese Weise das Honorar er- legt, aber ich ließ diese Idee mit Entrüstung fallen; hatte ich doch dafür das Blatt! Freilich konnte ich's im Kaffeehause umsonst lesen!————————— Das Jahr ging seinem Ende zu. Am Sylvestermorgen hatte ich meine lezten vier bei Seite gelegten Banknoten glücklich an den Mann gebracht. Drei fanden sich nämlich in der Sparkasse, und der vierte Gulden war derjenige, den ich für das Sylvester- fest bestimmt gehabt hatte, aber ich konnte nicht anders: Einer meiner Amtskollegen war mit Tränen in den Augen in die Kanzlei gekommen. Sein Kind lag krank im Bette, und nichts zu Hause, nicht so viel um eine Suppe zu kochen! Ich benüzte die Mittagspause, um unter einem Vorwand nach Hause zu rennen, und dem armen Teufel meine Erspar- uissc zu bringen; wären es nur hundert oder tausend gewesen! Sonderbar, von allen meinen Verwandten und Bekannten war Rehbcin der einzige, der mich nie um einen ähnlichen Dienst angegangen hatte! Ja, er lud mich sogar ein, den heutigen Abend mit ihm zuzubringen. Er wollte im„Mirakelkcller" das neue Jahr erwarten und mich traktiren. Ich nahm die Ein- ladung mit herzlichem Danke an, doch wollte ich vorerst noch nach Hause gehen, um meine Wirtin zu benachrichtigen, daß sie mich nicht zum Abendesien envarten möge. Wir sollten uns um 8 Uhr im Keller treffen. Tie Hauswirthin kam mir ziemlich erregt entgegen:„Herr von Königstcin, der Briefträger war vor einer halben Stunde hier; es war wegen eines rekommandirten Schreibens, das er nur Ihnen übergeben darf; er hat versprochen, noch einmal zu kommen." Wer konnte mir wohl zu schreiben haben? Ich hatte zwar nicht das Geringste zu erwarten, aber dennoch pochte mir er- wartungsvoll das Herz. Plözlich hörte ich schwere Schritte aus der Treppe,— man klopfte an meine Tür..Herein!" Es war richtig der Briefträger:.Herr von Königstcin, ein rckomman- dirtes Schreiben!" Und dann, nach wenigen Sekunden:„Wünsche ein glückliches neues Jahr, Gesundheit, Wohlergehen." Ich suchte krampfhaft in meinen Taschen, obwohl ich wußte, daß sie leer waren, aber es war Sitte, fast Pflicht, die Neujahrs- wünsche der Briefträger zu berücksichtigen. Jczt legt er mir gar ein Postbüchl ans den Tisch!„Bitte, warten Sie einen Augen- blick." Ich renne zur Hanstvirthin; untcnvegs zögere ich; lächerlich, seit zwölf Monaten habe ich pünktlich und gewissenhaft bezahlt, sie wird sich eine Ehre daraus machen: „Bitte, Frau Holzbügel, haben Sie die Güte, mir — mir bis aus morgen einen Gulden zu— zu leihen?" „Wie, bitte?'— plöz- (ich sehr schwerhörig. Ich wiederhole mein Anliegen. .Bedaure recht sehr, Herr von Königstein, aber ich habe einmal das Prin- zip, nie Geld auszuleihen, »ein, es bricht die Freund- schaff." Die Schamröte stieg mir in die Wangen, wäh- rcnd ich wieder zurückeilte. „Lieber Freund," wandte ich mich an den envar- tungsvoll Dastehenden, „man konnte mir leider nicht wechseln, aber spre- chcn Sie morgen vor, dann sollen Sic Ihr Neujahr haben." Ter brave Mann geht ohne eine Silbe zu erwidern. Nun zum unerwarteten, fast unerklärlichen Brief. Ich wende und drehe ihn vorerst nach allen Seiten; der Poststempel ist verwischt. Endlich öffne ich das Kouvert; ich entnehme ein Schreiben und eine in ei» Papier gewickelte Beilage. Rücken wir das Licht näher und lesen wir vorerst das Schreiben: „F., 30. Dezember 18—. Euer Wohlgeboren Habe ich zu benachrichtigen die traurige Pflicht, daß Fräu- lein Amalie von Haltern vor drei Tagen von einem Schlag- flusse getroffen worden ist und wenige Stunden darauf ihren Geist aufgegeben hat." Ich blicke vom Schreiben auf: meine arme, liebe, alte Freundin, wie tut es mir leid um sie! Me- chanisch lese ich weiter:.Gleichzeitig habe ich die Ehre. Ihnen. AuS dem alten Hamburg: Hoi im llehrnieder. Nach einer Photegraphtc. in nieiner Eigenschaft als gewesener Sachwalter des besagten Fräuleins, die Mitteilung zu machen, daß Sic testamentarisch zum Universalerben eingesezt worden sind, und ich lege hier in der Beilage ein Privatschreiben des seligen Fräuleins bei; das Couvert trägt, wie Sie sehen werden, Ihre Adresse. Da mir die leztwillige Verfügung meiner Klientin schon bei deren Lebzeiten bekannt war, und dieselbe mir die Pflicht auf' erlegte, Ihnen sogleich nach ihrem eventuellen Ableben einen Vorschuß zukommen zu lassen, beehre ich mich einen Eheck auf 5000 Gulden anzuschließen, den Sie gütigst bei der Boden« Kreditanstalt flüssig machen wollen. Indem ich mich Ihrem Wohllvollen bestens empfehle, bin ich Euer Hochwohlgcbore» ergebenster Dr. Frischaus. Notar. P. S. Das Leiche»- begängnis findet am 2. Januar 10 Uhr Vormittags statt."--- Ich legte die Anne vor mich auf den Til- das Gesicht darauf»»j weinte. Schmerz um» Dahingeschiedene, Da barkeit, und warum st 5 ich s verheimlichen, Freude drängten sich gleichzeitig im Herzen zusammen!— Es war Mitternacht, als ich mich aus dieser Stet1 liiiig gewaltsam ausrüttclte. Die Glocken schlugen de» Rcujahrsgruß an. Fast fünf Stunden hatte ich s»- >vic betäubt gesessen! Jczt erst dachte ich daran, den Brief meiner Wohltäterin zu lesen: .Mein lieber junger Freund! Es freut mich, zu denken, daß wenn Sie diese Zeilen lese», Ihre Segens- iviinschc und auch ein paar aufrichtige Freundestränen mir nachfolgen werden. Nicht wahr, Sie gedenke» meiner mit liebeiiden' Herzen? Herz!■Ü11'"'" Sie Hauffs Geschichte stcincnien Herzen gelesen- Ich habe in meinem Lebe '----- f,;tfrrc Erfahrung f-i| |0 viele bittere MN", zugeben r,„ 9fn gemacht, daß ich. SUMUEMLS ÄÄ* M* icttf'C halte' � �"'�eg. Ich bin verwandtenlos. BeM it Vernichte ich h,. Vermögen dem Staate vermackb -"ffament, um Sie zum Eiben kinznsczen- Genießen Sie die Freuden dieses arniseligen Lebens, lassen Sic Ihrer Großmut(Sie müssen diese Eigenschaft in ziemlich hohem Grade besizen) die Zügel schießen, Sic können und werden viel Gutes wirken,— aber hüten Sie Sich vor den Freunden! Ich, eine alte Wcltcrfahrene, rufe Ihnen diese Warnung zu. Prüfen Sie die Menschen erst gründlich, bevor Sic ihnen einen Teil Ihres braven Herzens schenken. Tas ist alles,>vas ich Ihnen zu sagen habe, lezter Ritter. Amalie von Hallcrn." Bis Tagesanbruch saß ich über meinen Briefen, dann legte 'ch mich aus den Tivan, um ein wenig Schlaf zu suchen. Natürlich schien nur das Ganze, als ich spät am andern borgen erwachte, weiter nichts als ein Traum. Erst als ich mich erhoben hatte und sinnend am Bettrand saß, wagte ich nach dem Tisch hinüberzuschiclen, denn, war die Geschichte wahr, so mußten ja dort die Dokumente noch liegen. Wirklich, es lagen dort Papiere, aber konnten es nicht irgendwelche wertlose Blätter sein, ich hatte ja die leidige Gewohnheit, mich abends diesem Zeitvertreib hinzugeben! Zögernd näherte ich mich dem Tische; wenn mir nur nicht ein neckischer Sylvcsterkobold da einen sehr unpassenden Streich gespielt hat! Nein, es war wahr, die reine, volle Wahrheit! Ich las den Brief des Notars noch einmal durch; wie? „P. S. Das Leichenbegängnis findet am 2. Januar 10 Uhr morgens statt." Das hatte ich gestern ganz übersehen! Da Aus dem alten Hamburg: Fleetpartie. Im Hintergründe die ttatharinenkirche. Nach einer Photographie. SB-SW! WMWZW Wort daß Sie die Summe in drei Tagen zurückbekommen." Ich komme am Hause an. Der Portier steht schon um 9 Uhr morgens in„vollem Wichs" unterm Tor(ivozu hält man sich einen Portier, wenn man ihn nicht ausnüze» will).„Baron Taler. der Jüngere, zu Hause?" «ch glaube." erwidert der Gefragte ziemlich ungnädig, "lviel. Mit 200 Gnlden vonausig �nn" kli babe es bisher versäumt, ihm ein klingendes Zeichen '"Uchc-'' Sie vor- -hüten Tic Sich vor den Frem'den. V machte. Wenn ich bei dieser Gelegenhe't den �' Sie sinds, lieber Königstein? Das ist schön, daß Sie mich aufsuchen. Danke bestens, gleichfalls!" Diese lezte Phrase galt ohne Zweifel einem ergebenen Neujahrswunsch, den ich gar nicht i angebracht hatte. Ich ruckte ohne weiteres mit meinem Anliegen heraus. Taler wird sehr rot und schnauft krampfhaft an seinem Tschibukrohr; gleichzeitig steckt er mit einer wahren Raubticrhast ein dickes, angeschwollenes Portefeuille, das vor ihm ans dem Rauch- tischchen gelegen, in die Brusttasche; endlich:„Mein liebster Freund, Sie sehen mich wirklich in Verzweiflung. Ganz un- vorhergesehene Auslagen, noch dazu der Neujahrstag, das alles nimmt meine Kasse in empfindlicher Weise in Anspruch. Wirk- lich, ich bedaure von ganzem Herze». Sie können sich nicht vor- stellen, wie es mir unangenehm ist, aber,-»- aber ich muß Ihnen den Dienst abschlagen, wirklich. Sie werden"—„Bitte, bemühen Sie Sich nicht mit weiteren Entschuldigungen."— Wie ein Pfeil bin ich zur Türe draußen. Ich renne zu einem anderen Freunde. Dieselbe Ausrede. Nun überlege ich mirs: Teufel, wenn das so fortgeht, so komme ich in aller Wirklichkeit nicht nach F.! Wozu brauche ich auch 200 Gulden; die Reise hin und zurück kostet im besten Falle 30 Gulden; ja aber der Traueranzug! Doch, da fällt mir ein; ein Ausweg: Aus der Hinterlassenschaft meines Baters war mir dessen Uniform übcakmnmen, die er als Landstand zu tragen die Berechtigung gehabt hatte. Freilich, danials gab es ' noch Landstände, vor anno 48, aber jezt! Würde es nicht lächerlich sein, heutzutage in diesem Aufzuge zu erscheinen? Ebensogut könnte ich mir aus der Oper das Kostüm eines alt- römischen Kriegers ausleihen? Ei was, Not bricht Eisen, und F. ist ja ein kleines Nest, da kann es immerhin angehen. Während ich so in Gedanken weiterrenne, ruft mir Jemand „glückliches neues Jahr" zu. Es ist H.„Denken Sic Sich, lieber Freund, die Ucberraschung: Mein Onkel hat mir meine frühere Stelle bei der Bank wieder verschafft! Seit vier Tagen habe ich das Schriftstellern aufgegeben, und sizc wieder über den Zahlen. 200 Gulden sicher sind doch besser, als taufende in den Satteltaschen des Pegasus, besonders wenn dieser stüzig ist!" „Das ist prächtig! Gratulire von ganzem Herzen. Doch, bester H., Sie könnten mir auf drei Tage wohl 30 Gulden puffen; mein Wort, nur auf drei Tage." „Einen Augenblick; dort geht mein Chef, ich muß ihm meine Glückwünsche darbringen; entschuldigen Sic." H. tvar in wenigen Minuten außer Gesichtsweite! Es ging mir bei allen nicht besser, und endlich entschloß ich mich, zu Herrn Baron S. zu gehen; ein junger Künstler hat ihn mir vor langer Zeit schon als Mann für alles anempfohlen. Dort war ich sicher, auf meinen Check hin ein Anlehen(gegen gute Prozente natürlich) machen zu können. Dort brauchte ich nicht auf Freundschaft zu rechnen, da ging die Sache geschäfts- mäßig, aber sicher. „Recht schön, die Leute bis Mitternacht umsonst sizen zu lassen!" Ich wende mich zur Seite:„Ah. Sie sind's Rchbein; cnt- schuldigen Sie, aber eine Todesnachricht, die ich erst bei meiner Nachhausekunft erfuhr, hat mich verhindert." „Wirklich!" sagte er teilnehmend,„das hat Ihnen eine traurige Sylvesternacht bereitet." Ich gab keine Antwort. „Doch Sie haben's eilig. Wohin rennen Sie nur?" „Ich suche einen gewissen Baron S." „Einen Geldverleiher!" sagte er fast vorwurfsvoll. Meine bisherige Sparsamkeit und Ordnungsliebe war ihm kein Geheimnis geblieben, und er hatte eben deshalb viel aus mich gehalten. „Ja, lieber Freund; ich brauche etwas Geld. Ich muß es unbedingt haben, um zum Leichenbegängnis einer mir werten Person zu fahren." „Verzeihen Sie meine Frage: Ist es viel?" „Hm, mindestens 30 Gulden." „Dann erlanben Sie mir, Ihnen auszuhelfen. Es ist sicherer und einfacher, als wenn Sic Sich einem Wucherer in die Arme werfen." „Sie?"— meine Frage war fast impertinent gedehnt. „Ja, ich!" er lachte.„Es ist ein kleiner Nebenverdienst, den ich mir durch Notenschrciben gemacht habe." Ich nahm das Anerbieten an.„Rehbein, in drei Tage» bin ich bei Ihnen!" Das war alles, was ich zu sagen vcr- mochte.——— • Gestern habe ich meine selige alte Freundin zu Grabe gc" leitet! Die Uniform erregte Aufsehen, und durchaus nicht im Sinne, wie ich eS gefürchtet. F. ist eine konserwativc kleine Stadt, und man fand eine zarte Aufmerksamkeit von feiten des Erbe» darin, daß er in einem Anzüge„der guten alten Zeit" der Per- storbencn die lezte Ehre cnvics._ Meine Unterredung mit dem Sachwalter dauerte nicht lange'! natürlich blieb es mit ihm bciin Alten. Ich hatte die Absich � nach F. zu übersiedeln; nicht das geringste Band fesselte noch an Wien. Das liebe traute Häuschen soll nun mein Heim werde Da das Baarvcrmögen bedeutend ist, der Notar sprach* 200 000 Gulden, so werde ich für immer aller Sorgen lcdig Kl• j Ich war in Wien noch einige Tage zurückgehalten. l. lei Geschäfte, besonders meine Entlassung aus dem StaatsdicU' nahmen diese Zeit i» Anspruch. Ich konnte mir das Bergnag� nicht versagen, meine ehemaligen Freunde von dem .zu benachrichtigen, ihnen jedoch mitzuteilen, daß F. von.~ zu weit gelegen sei, um eine fernere Verbindung zu geil'' An Taler schrieb ich: „Herr Baron!_ Es wird Sie vielleicht intcressircn, zu erfahren, daß'ch bedeutende Erbschaft gemacht habe; nichtsdestoweniger lin C„ Sie mich verbinden, wenn Sie mir die 5 Gulden zu'o ließen, die Sie mir seit vier Monaten schulden.. /uulde» Sic wissen vielleicht nicht, daß ich danials dieses o„ wegen das Rauchen einen ganze» Monat hindurch cn � mußte! Es war hart, aber ich glaubte einem KKK". �ch Freunde das Opfer bringen zu müssen. Wollen Sie Sa � mit der bewußten Summe nicht selbst bemühen; der Ihres Dieners wird mir angenehm sein. Ihr.» Königstel«' Ter Priel' Endlich hatte ich meine Sachen in Ordnung. � träger war in die Luft gesprungen, als er nach chwn vergeblichen Kommen zum drittenmale eine„Fünfziger> erhielt. Sage"' Meine Hausfrau trug das Gepäck eigenhändig � vo» v sie behauptete plözlich, es sei ihre Pflicht, und wollte> einem Dienstmann wissen. Erwartungsvoll blieb!w„ich#' schlag stehen, als ich mich placirt hatte, aber sie er)>� �-- Ich fürchte fast, ich bin rachsüchtig geworden."T„er Rehbein ist bei mir in F. Er hat auch e e» �»ate lassen, denn da ich die Absicht habe, während der kal e � de? Jahres Reisen in sonnige Länder zu mache», � Reisen zu Zweien besser ist, so wird mich der g» � hat gleiten und hierauf überhaupt ganz bei mir b' und des Zeugs dazu, fürs Leben mein Freund zu' nirt)1 lallte ich ihn früher verlassen müsse», so werde ich vergessen; ich verspreche dirs, meine alte Freundin- 403 Aclier einige der wichtigsten Heilpstanzen in nnserer nächsten Umgebung. Von Wruno Keifer. �rdbten.— Lattich.— Pttkrsllie.— Naht.— Karotte.— Spargel. «ürbis.— Zwiebel.- Knoblauch.- Brenuneffel.— K-r»blumk. Tternbistel.— Maiblume.— Sngelwurzel. Die Erdbeere war bereits bei den alten Römern als Heilpflanze bekannt. Apulejus berichtet darüber ausführlich. Auch in dem wahrend des Mittelalters fast allein im Gebrauch befindlichen Apotckerbuch des Nikolaus Alexandrinus ist die Erdbeere als wesentlicher Bestandteil einer gegen Schwindsucht u»d Cchwachbrüstigkcit empfohlenen Arzncimischung erwähnt. Wurzel und fircint der Erdbeere enthalten eisenbläuenden Gerbstoff, sind im übrigen jedoch wissenschaftlich nicht näher untersucht. In den Früchten fand man Spuren eines wahr- 'cheinlich in einer organisch-sauren Aeterverbindung bestehenden flüchtigen Oels, dann Zitronensäure, Aepfelsäure, Pektin, Schleim- iucker. roten Farbstoff, wachsartigcs Fett, fettes trocknendes Oel, k'sevbläucnden Gerbstoff und Protöinsubstanz. Wurzel und glätter werden im Ausguß angewendet. Die frischen Blätter «"n man zur Herstellung von Maitrank benuzen. Sammelt !?un sie ganz jung und trocknet sie rasch, so soll man einen c erhalten, der dem chinesischen an Güte garnicht oder wenig uuchsteht. Eine Einkochung der grünen Blätter mit dem J�ifnchen Gewicht Branntwein soll 3- bis L stündlich einen Dössel voll mit Erfolg gegen Ruhr und reichliche, wässrig- lchleiinige, dabei gelbliche und von stolikschmerzcn begleitete �urchsälle angewendet werden. Die Beeren wirken kühlend , b gelind abführend, sie sollen die Harnsäure im Urin vcr- Indern und daher- auch in Syrupssorm- bei Gicht und eieS, bei Harnverhaltung, Blasen- und Nierenleiden �.empfehlen sein. Der berühmte Naturforscher Linnö vcr,ichert, ,7 er durch den Genuß von Erdbeeren von der Gicht voll- �""uen geheilt worden sei. Des Morgens bei noch leeren. trpfir� t0�°ber auch mit Zucker genossen werden sie alv vor qua?c. rsrühlingskur wider die oben angeführten �ciden, lowie ÜB�. � �eustlcidc», selbst Lungenschwindsucht angeraten, o» �Reichlicher Menge verzehrt erzeugen sie bei dazu besonder- -pon.rtcn Menschen leicht Hautausschläge, beziehentlich die d Uelsucht. Auch Würmer und selbst den Bandwurm ,oll »Qu, tnu� 1)0,1 Erdbeeren vertreiben. Eine Abkochung. r sliiii- Pflanze sammt Wurzel wird als nüzlich bei Blut- " n empfohlen. 'st«i» t"»ewöhnlichcr Gartensalat. Lattich. Lactaca sativa, SDSÄKMM IM wmmrn 1�4% SETÄ i&rsxs** unter dem Namen Laktucarium als Schlaf- und Beruhigungs- mittel vielfach in Anwendung kam. in neuester Zeit jedoch hinter das Opium zurücktreten mußte, obgleich es die gesundheits- schädigenden Nebenwirkungen dieses Narkotikums nicht be- sizcn soll. Gleichfalls nicht heimisch bei uns, aber in Küchengärten vielfach kultivirt, ist die Petersilie, Petroselinum, welche unter der lezteren Bezeichnung schon den alten Griechen bekannt und zu Heilzwecken bcnuzt wurde. Zur Anwendung gelangen die Wurzel, das Kraut und die Frucht(der Same). In der noch nicht näher untersuchten Wurzel findet sich äterisches Oel, Zucker, Schleim; in dem Kraut ein eigentümlicher krystallinischer Körper, der geruch- und geschmacklos ist und aus heißer wässriger Hösung gelatinirt; in den Früchten 1,30 Prozent äterisches Oel, das schwerer als Wasser ist und etwa zur Hälfte aus Petersilien- kampher besteht, 7,07 Prozent eines schleimigen, gallertartigen, in Wasser löslichen Stoffes, 5,62 Prozent eines dickflüssigen Fettes, 16,50 Prozent Stearin, 2,60 Pflanzenleim, 6,90 Gummi, Schleim, Stärkemehl, 3 Prozent Albumin jc. Bon den Aerzten der Alten preist Pasikrates die Petersilie als Diuretikum (harntreibendes Mittel), Celsus als Mittel gegen Kopfweh, ?l r e t ä u s gegen Verdauungsbeschwerden und Alexander Trallianus wendete sie in Brot eingcbackcn wider Blähungen an. Als Diuretikum und treffliches Mittel wider den Stein hat sich der abgekochte Same bis heute in Ruf gehalten. Ein Tee aus 15— 20 Gramm Petersilie auf 1 Liter kochenden Wassers regt neben der Haniabsonderung auch den Appetit an und soll Vcrdauungsschwäche beseitigen. Früher ward die Wurzel gegen Wassersucht und Gonorrhöe angewendet, die Früchte gleichfalls gegen Wassersucht, besonders in deren Anfangsstadium, und gegen Ungeziefer, das frische zerquetschte Kraut gegen Augencntzttndungen und Sonnenbrand, gleichwie zur Zerteilnng von Geschwülsten, Milchknoten, Drüsenverhärtungcn. Ein Kiigel- chcn aus frischem Petcrsilienkraut gekocht und in das Ohr ge- steckt, soll sich auch in neuester Zeit wiederholt gegen Zahnweh (auf der Seite des Ohrs, wohinein das Kügelchen gesteckt wird) bewährt haben. Reibt man mit solch einem Kügelchen Insekten- st i che, so soll der Schmerz nachlassen. Bis vor nicht langer Zeit fürchtete man sich vor Verwechslung der wahren Petersilie mit der Hundspctersilie, die man für giftig hielt; in neuester Zeit ist das als Irrtum wissenschaftlich nachgewiesen worden. Eine überall in unfern Gemüsegärten vorhandene und unfern Hausfrauen so gut wie nur irgend eine andre bekannte Nnz- pflanze ist der Kohl(brassica), der die Blätter seiner vielen verschiedenen Arten unserm Nahrungsbedürfnisse als vorzüglich brauchbare Speise darbietet. Diese Blätter enthalten Schleim, Salze, organische Säuren, Pektin, Gummi, Albumin u. s. w. und standen schon vor mehr als 2000 Jahren auch als Heil- mittel in Ruf. Das Kantion des Aristoteles, der Rbapbanos des Theophrast, der Krambe heraeros des Dioskorides sowie der Krambe des Plinius— bezeichnen alle unsem Kohl. Mögen nun die Alten auch den Heilkräften der unterschiedlichen Kohlsorten, wie die arzneiliche Bedeutung so mancher andern Pflanze, übertriebene Bedeutung beigelegt haben, so viel kann immerhin als sicher angenommen werden, daß auch er die Nicht- achtung nicht verdient, mit welcher die Heilkünstler unserer neunmalweisen Zeit ihm begegnen. Die alten Römer rühmten den roten Kohl als vorzügliches Heilmittel in Lungenkrankheiten, und noch heute empfehlen hausmittelkundigc Ungelehrte das Wasser, worin Kohl gekocht worden ist, mit Honig einzusieden, uni da- mit Husten, Heiserkeit und Brustleiden mannigfacher Art zu beseitigen. Gegen das Auslegen frischer Kohlblätter auf wunde Hautstellen, Geschwüre und entzündete Geschwülste haben auch hcilpflanzenkundige Gelehtte nichts einzuwenden. Den, von Fieberhize gequälten. Kopfe soll das Anslegen von Kohlblättern gleichfalls gut tun. Wieder Kopfgrind wendete der in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts hochberiihmte berliner Arzt Geheimrat Heim folgendes Mittel an: Er ließ die Haare ab- schneiden, die Grindkrusten mit Baumöl bestreichen, dann doppelt znsanlincngclegte Weißkohlblätter darauslegcn und damit 14 Tage fortfahren. Alsdann soll der Grind zumeist abgeheilt gewesen sein. Das ans zerschnittenem und mit Salz eingekochten Weißkohl bestehende Sauerkraut, ivelchcs bald in eine viel Milch- säure erzeugende Gährnng übergeht, bietet, insbesondere in seiner Lange, bei Verdanungsschwäche und sogenanntem verdorbenen Magen ein gutes Hilfsmittel dar, desgleichen auch bei S.korbnt, jener gefährlichen Allgemeinerkrankung, die sich durch große Hinfälligkeit, Trübsinn, erdfahles Aussehen, Gliederschmerzen, Anschwellen des Zahnfleisches, Vlutnntcrlaufungen und Blutungen an verschiedenen Körperstcllen äußert und sehr oft töt- lichen Ausgang nimmt. Von der Karotte(Karote), auch gelbe Riibe, Mohrrübe, Möhre, wissenschaftlich Daueus carota sativa, genannt, wurden vcrschiedne Teile schon in den ältesten Zeiten als Arzneimittel verwandt. Die eigentümlich gewiirzhaft riechenden und stark aromatisch bitterlich schmeckenden Früchte finden jedoch schon seit langem keine Anwendung mehr, dagegen ist die Wurzel vielfach in volksarzneilichcm Gebranch. In frischem Zustande enthält sie ätcrisches Oel, eigentümlichen roten krystallinischen Farbstoff(Karotin), krystallisirbaren und unkrystallisirbaren Zucker, fettes Oel, Albumin, Schleim und Stärkemehl. Die oft bis 1 Fuß lange Wurzel riecht gleichfalls eigentümlich aromatisch und schmeckt süß, etwas schleimig und leicht gewürzhast. Sie ist leichtverdaulich, wirkt ernährend, reizmindernd und auflösend. Man gibt sie entweder roh oder preßt den Saft ans und ver- wendet ihn frisch oder eingedickt hauptsächlich gegen Eingeweide- wiirmer, daneben auch gegen Unterleibsbeschwerden, Gicht und Stein. Der Saft von gekochten Karotten ist bei hartnäckigem Husten und Heiserkeit trefflich zu gebrauchen. Der Brei aus frischen geriebenen oder geschabten Wurzeln mindert bei bös- artigen Geschwüren, Flechten und dergleichen Leiden den Schmerz und beschleunigt die Heilung. Bei Brandwunden kühlt dieser Brei und verhindert die Blasenbildung. Ein Aufguß des Samens der Möhre regt den Appetit an und fördert die Ver- dannng. Zerschnittene und geröstete Möhren braucht man als Kaffeesurrogat. Der Spargel(asparagus) findet seit dem Altertum so- wohl als Gemüse, wie als Arzneipflanze Verwendung. Seine wesentlichen Bestandteile sind Bitterstoff, Zucker, Gummi, ein eigentümlich riechendes Harz, Eiweiß und Salze. In dem Safte der jungen Sprossen wurde 1805 das Asparagin entdeckt. Die Beeren enthalten einen besonderen gelben Farbstoff, Chrysoidin genannt, und einen Eoldin genannten roten Farbstoff. Die Aerzte in Europa verordnen die das beliebte Gemüse gebenden jungen Sproffen des gemeinen Spargel(asparagus officinalis) gegenwärtig nur noch als diätetisches Mittel, indem sie den Patienten während der Spargelzeit täglich Mittags und?lbe»ds Spargel essen lassen. Ter so oft wiederholte Genuß in größeren Quantitäten kann jedoch ungünstig wirken und zwar Unterleibs- und Blascnbeschwcrden hervorrufen; selbst Gichtanfälle sollen dadurch schon veranlaßt worden sein. Bei mäßigem Gennß übt der Spargel jedoch gegen Harnzwang, Harnwindcn, Blasenleiden und Wassersucht, Gelbsucht und Stcin- bcschwerde», Gicht und Podagra günstige, miildestcns erlcich- tcnide Wirkung aus, und das tun nicht blos die Sproffen, solidem mich die grünen Stengel, das Kraut und die Wurzeln. Selbst das Wasser, worin Spargel gekocht wird, soll öfter schon Befreiung von Blasenleiden gebracht haben. Ju Frankreich• bereitet man sich einen beliebten Syrnp, indem man die jungen Spargeltricbc schneidet, in einem Mörser stößt, dann den Saft in einem �.uchc auspreßt und ihn mit 1 Kilogramm Zucker auf 500 Gramm Saft einkocht. Darauf schäumt man das Eingekochte ab, filtrirt es und bewahrt den Sffrnp an kühlem Plaze ans.— Man sagt dem Spargel, insbesondere den Beeren und dem Samen, auch eine die Gcschlcchtsfimktionen reizende Wirkung nach. Eine Spargclart in Ostindien, asparagus fal- catus, soll dort in syphilitischen Krankheiten als blutrcinigendcs Mittel angewendet werden. Eine bei uns häufig in Gärten knltivirte Pflanze, welche zu Heilzwecken Verwendung finden kann, ist auch der Kürbis (Cucurbita), der schon im Mittelalter in Europa allgemein ver- breitet war, und z. B. in den Gärten der Landgüter Karls des Großen gepflegt wurde. Zu Heilzwecken kommt in Bc- nuzung vomehmlich der Same, daneben auch Fruchtfleisch und Blätter. Der wesentliche Bestandteil des Samens ist ein fettes Oel, welches der dickschalige, niildschmcckendc Kern enthält. J>u Genuesischen ist der Kiirbissamc schon seit langer Zeit als Wurmmittel im Gebrauch, indem er entweder ohne alle Zu- bereitiing gekaut und verschluckt wird oder zu gleichen Teile» mit Zucker in einem Mörser zu Brei gestoßen wird. Mo» vermengt auch 30 Gramm frische gestoßene Kürbiskerne»ch 180 Gramm Honig zu einer Latwerge und gibt diese in dre> Gaben mit je einer oder zwei Stunden Zwischenranm gege» Bandwurm, wie behauptet ivird: mit völlig sicherem Erfolgs In Westindien legt man das Fruchtfleisch bei Augenentzündunge» auf; in Brasilien macht man Umschläge von warmem Kürbis brei gegen den Kropf; in Ostindien ivird eine Llbkochung � Blätter als Arznei wider die Gelbsucht ins Feld geführt. Die gemeine Zwiebel, die Wurzel des gemei»�» Zwiebellauchs(allium cepa), die auch Zipolle genannt- ist, wie die meisten andern Arzneipflanzen, auch schon i» alter Zeit bekannt gewesen und arzneilich angewendet wordk• Sie enthält ein scharfes, schwefelhaltiges, äterisches Oel,»' Zucker, Gummi, Schleim, Eiweiß, Essigsäure und Zitronenso»�' Die Zwiebel wirkt zunächst antiseptisch, d. h. fäulniswidrig,»» wurde zur Beseitigung von bösen Dünsten und Ansteckung stoffen schon von den alten Egyptern verwendet. Vei Griechen und Römern, sowie im Mittelalter blieb sie in g» Ansehen als Heilmittel. Roch im 17. Jahrhundert wird 9 rühmt, daß sie»öffne, ausführe, ausblehe, gut zur Lunge' wenn mit Honig bereitet gegessen, den Hant treibe, dann,»»d. lich gekocht aufgelegt, zeitige und offne sie die„Agostcnic", L-.' Eitergeschwüre und Geschwülste, mit Salz vermischt und» � gelegt stille sie„die Hize, wann man sich verbrennet hat � in böser Pestilenz! scher Lust schneidet man eine große 3»» j auf, henkt sie in das Zimmer, so zieht sie die böse Lul und wird diker." Von den neueren Aerzten wurde sie, � vieles andere, gänzlich beiseite gesezt, erhielt sich dagegen� der Hausmittelpraxis einen Teil ihres mehrtausendjah»» � Ruhmes. In neuester Zeit haben nun auch Aerzte wieder ihre arzneiliche Nuzbarkeit aufmerksam gemacht, und Zw»» schal) dies von England und Amerika her. Die antisepü � Eigenschaften der Zwiebel und ihre Brauchbarkeit zur 3) lung und Erweichung von Geschwüren und Geschwülste» 11 � keinem Zweifel unterliegen. Gegen die Folgen feu�tCLtt.,i, kalter Witterung, Erkältung, Flußschnnpfen, Husten, sowie» verschleimten und künstlicher Nervenerregnng bedürftige» srnieii wird sie auch nenestens wieder von Aerzten einp � Ebenso bei allen Katarrhen, Asthma, Blähungsdeschwerde Koliken. Zwiebeln, jeden Morgen mit Butter und � gesse», sollen Verdauung und Schleimhautabsondernng bell und Blähungen sowohl wie Würmer abtreiben. Diele, tung soll der ausgepreßte Saft äußern. Gegen Ken soll der Brei von gebratenen Zwiebeln warm aus de» �, gelegt, und dies mit stets frisch zubereitetem Brei öfEi � holt, heilsam sein. Gleichem Zwecke soll folgende Z» 1 rjic» dienlich sein: Zwei mittelgroße zerschnittene 3w>�' ß,cht. mit 1'/z Liter Waffer auf h'z dieses Quantunis Dann wird die Flüssigkeit durchgeseiht, Vi—'z2+3»». �xjter zucker zugesezt, und dann das Ganze bis zur Syrup-' �, m» eingekocht. Von diesem Syrup nun gibt man ein B0V- de»1 Tage, vornehmlich des Morgens nüchtern und Aben- Znbettgehen, einen Kasfelösfel voll. Der Syrup.-�enste» korkten Flaschen gut aufbewahren und kann bei den ve Hals- und Brustbeschwerden in Anwendung genom II Ein naher Verwandter der Zwiebel, der Knoblauch, die Wurzel von allium sativum, wirkt ähnlich wie jene, nur er- heblich stärker. Gegen Würmer wird eine Knoblauchzehe in Liter Milch gekocht und dieses den Kindern zu trinken gc- Neben; sogar gegen Trichinen ist er benuzt worden. Andere üls ältere und nervenstunipse Personen sollten ihn zu anderen Zwecken nicht anwenden. Auch hat er die üble Eigenschast, �etn ganzen Körper seinen widerlichen Geruch mitzuteilen. Äußerlich', mit Oel zu einer Salbe gestoßen, ist er bei Ge- �Wülsten und Quetschungen jedoch durchaus zu empfehlen. Uebcrall an Wegen, 'u Hecken und in Gärten i ündet man zwei Nessel- Wen, die etwa einen ; Weter hoch werden, die Ntoße Brcnnnessel, Urtica dioica, und die "'eine oder Eiernessel, Urtica urens, welche noch "'cht ganz einen halben .eter hoch wird. Die i W'tcre wird bereits von dem Römer Plinius, die �'derc von dem Griechen | �wskorides als Heilpflanze II!?vähnt. Bcnuzt wurde J Wurzel der großen �»»Hessel, sowie Blätter Samen beider Arten. wesentlichen Bestand- Jüc der Wurzel sind Tisches Oel, Stärkemehl, wnmi, Zucker, Albumin J'b Jwei Harze. In den !. �tern findet sich Gerb- r Urcr Gummi, Gallus- Wachs und freie �kisensäurc, welch lcztc . 11 Schmerz verursacht, !" wq,, bei leichter Be- v 9 der Pflanze cm- �"det. Ter Same ist °n Schleim. Die . vorliegenden Mittei- lmT" dem 17. Jahr- 'dort erwähnen die Blät- uns" �'"tel wider Krebs ei». 2!tcn Brand;„in genommen", ceu•"Ween", die Nie- >.,'k"'ig°n und den Harn tzai/"' �kr ausgepreßte ''t heute noch als �'11,, bei *■««..» _.A|„._ 1 korf,) und paralytisch gelähmte Glieder. Die schleimige A sch..-.??. des Samens wird auch gegenwärtig noch von wls>cn- > Acu Autoritäten als sehr wirksames Mittel gegen bei Kindern anerkannt.._ '! Hochsommer erblickt man in Deutschland ans allen Sl°ck'.�ldem weit und breit die Kornblume oder bww Tremse. Ziegenbein, Cyane. w>,,c»,cha,tl,ch Nickt a oyanus. Auf ihre Zusammenseziing ist ste noch sie ,..�her untersucht; man weiß nichts weiter, als dast l iljte Jn blauem Farbstoff eisengrünenden Gerbstost enthalt. i! Ntflu. ��»dung als Arzneimittel reicht gleichfalls bis ms ''ttertuin. Im 16. Jahrhundert ward ein Absud rer Blumen bei Herzklopfen und ein mit Bier bereiteter Auszug wider Harnleiden und Gelbsucht benuzt. Im 17. Jahrhundert wurden sie auch wider„pestilenzische Fieber" und Kornblumen- Wasser gegen Entzündung und Schmerzen der Augen und gegen Wassersucht empfohlen. Endlich wurde auch ein Kornblumensast bei Mundfäule». dgl. zum Gurgeln verwendet. Gegenwärtig verwendet man die Kornblume höchstens noch zum Färben von Räucherpulver, gibt aber wissenschaftlicherscits zu. daß wenig- stens das bitterschmeckcnde Kraut und die noch bittrer schmeckenden Früchtchen mehr Beachtung verdicncii als ihnen gewidmet wird. In einem großrussischen Gouvernement, in dem sich große Sümpfe befinden und daher das Wechsel- fiebcr heimisch ist, ziehen die Bauern dagegen mit einem Ausguß aus Korn- blumeu zu Felde, an Stelle dessen sie im Winter eine» weingeistigen Auszug ver- wenden, den sie durch Ucbergießcn der ganzen Blüten mit Branntwein bereiten. Die Kranken trinken von dirscm Medi- kamcnte, soweit es ihnen bchagt, enthalten sich aber während der Kur des Gc- nusses von Milch, Sauer- kraut, Fischen und des Kwas, eines in Rußland gebräuchlichen, aus geschro- tenem Getreide bereitete» Getränkes. Derselbe Tee soll auch bei Wassersucht helfe». Eine nahe Berwandte der Kornblume, die gc- wöhnlich S t e r Ii d i st c l genannte Contauroa calci trapa, welche in ganz � Deutschland, vornehmlich in dessen südlichen Teilen, auf sandigen mageren Stellen, an Flußufcrn u. s. w. ge- funden wird und>vie die Kornblume unter anderem Bitterstoff und eisengrü- nendcn Gerbstoff enthält, wurde übrigens früher auch viel und in Frankreich noch bis in die neueste Zeit als Fiebermittel gebraucht, ent- weder in Pulvern zu einer Drachme oder in dem aus- (Seite 409.) gepreßte» Saft zu vier bis sechs Unzen zu Anfang des Ficbcrfrostes genommen oder als Extrakt zn zwei Drachmen. Die Blumen werden noch in diesem Jahrhundert von wissenschaftlichen Autoritäten als fiebcr- treibendes Mittel gerühmt; es ähnle der Ehinarindc in der Wirkung nnd könne in Pulver, Aufguß, Absud und Extrakt gegeben werden; die beste Form aber sei ein wciniges lufuso- Dccoctum, vier bis sechs Unzen davon im Anfange des Fieber- anfalls, und noch kräftiger werde das Mittel mit der Wurzel von Polygonum Bistrote abgekocht. Aeußcrlich wird sie gegen Flecken der Hornhaut angewandt. Eine in ganz Europa, desgleichen im nördlichen Asien nnd in Nordamerika in Laubwäldern und trockene», schattigen Haine» vorkommende Pflanze ist das durch seine dustigen glockensörinigen weißen Blüten viel beliebt gewordene Maiglöckchen, auch Maiblume, Maililie und Springauf, wissenschaftlich Convallaria majalis genannt. Es ist eine alte Arzneipflanze, deren Blume ein Bitterstoff«nd eine krystallinische kampherartige Substanz ent- haltcni Wurzel, Blumen und Beeren galten lange Zeit als spezifisches Mittel gegen Epilepsie, insbesondere die nicht angc- borene und auch gegen Würmer wurden sie angewandt. Als Vorbcugungsmittel gegen Schlagfluß und wider halbseitige Lähmungen infolge von Schlaganfällen nahm man wöchentlich ein- bis zweimal einen Eßlöffel voll von einer Medizin, die man sich bereitet hatte, indem man ein paar Hände voll Mai- blumen in möglichst gute Kleie legte, das Gefäß zwölf Tage lustdicht verschloß, darauf die Flüssigkeit durchseihte und halb soviel Lavendelspiritus zusezte. Man stellt sich auch noch heute durch Einweichung der Blüten in gutem Essig einen Maiblumen- essig her, den nian gegen Kopfschmerz bcnüzt. Bei der Arznei- Wissenschaft werden heute die getrockneten Blumen nur noch als Niesmittcl gebraucht. Im Innern Nußlands gebraucht jedoch das Volk auch gegenwärtig noch einen Aufguß der Maibliimchen gegen Epilepsie und Kinderkrämpfe. Man zerstößt die Blumen in einem hölzenicn Gefäße, sczt sie dann in einen irdenen Topf und gießt siedcudes Wasser darüber. Ten- so erhaltenen Tee seiht man durch, zuckert ihn und gibt davon Kinder» dreimal täglich einen Eßlöffel voll, während Erwachsene ebenso oft am Tage hindurch ein Weinglas voll trinken. Merkt man, daß der Aufall im Anzüge ist, so verdoppelt man die Gabe. Tic Wirkung soll darin bestehen, daß die Epilepsieanfälle darnach inrmcr länger ausbleiben und allmälich verschwinden. Mehrfache ärztliche Vcr- suche sollen die Nüzlichkeit solcher Kur bestätigt haben. Zum Gebrauch im Winter bewahrt man die Blüten in Branntwein auf; dieselben sollen aber dadurch an ihrer Heilkraft Einbuße erleiden. Die Engelwurzel oder Angelika(sowohl die edle, welche auch unter den Nanien Brustwurzcl, Erzcngelwurzcl, Gartcn- angelika, Heiligengeistwurzel, Luftwurzel, Wasserangclika und Zahnwurzel bekannt ist. als die wilde), gehörte zu den Heil- pflanzen. Sie wurde schon im 14. Jahrhundert von Mönchen kultivirt und als ein besonders wirksames Mittel gegen die Pest angewendet. Ein Engel war angeblich extra deswegen auf der Erde erschienen, um diese kostbare Arzneipflanze den durch die furchtbarsten der Krankheiten geängstigtcn Menschen zu über- bringen; daher ihr Name. Im 16. Jahrhundert waren die Angelikawurzeln berühmt, welche die Mönche zu Freiburg im Breisgau in ihren Gärte» zogen, außerdem wurden sie damals in Ponimern und Norwegen zum Versandt gepflanzt. Jczt freuen sich die türkischen und sächsischen Wurzeln des beste« Rufes. Zur ärztlichen Anwendung gelangen sie in neuester Zeit nur noch in der Tierheilkunde. In der Volksmedizin si" die gebräuchlichen Teile der Angelika Wurzeln und Stenge, früher waren es auch das Kraut und der Samen. Die Würze" j müssen von starken, zweijährigen Pflanzen im Frühling ecer| auch im Spätherbst gesammelt werden. Sie riechen stark u» eigentümlich angenehm gewürzig, schmecken zunächst süßlich, �an � (wissend aromatisch und nicht unangenehm bitter. Die Würze �, der wilden Angelika riechen und schmecken schwächer und etwas angenehmer als die der edlen. Ter Same riecht un z schmeckt fast ganz so als die Wurzel, das Kraut ist dagrg nahezu geruch- und geschmacklos. Tie hauptsächlichsten Bestu teile der Wurzel der wilden Angelika sind zweierlei äterü /' Lel, eine Angelikasäure genannte flüchtige krystallinische Sa � ein anderer Angclizin genannter krystallinischer Stoff, � besondere Wachsart, das Angclikawachs, außerdem Vittcrl_ Gerbstoff, Zucker, Stärkemehl und Pektin. Die Wurzr.�, wilden Angelika ist wissenschaftlich noch nicht näher unterl � Die Wirkung der Angelikawurzel auf den Verdauungskana � die eines aromatischen Reizmittels; auch befördert sie dan, � Gasentwicklung und die Schweiß- und Harnabsonderung, wird sie bei verdorbener Verdauung und Blähungen(p auch bei Nervenübeln, insbesondere nervösem Kopfweh' � bei Bleichsucht und Krämpfen aus Schwäche wird sie angen Früher galt sie als tresslich wirksames Mittel auch geg�... und bösartige Hautausschläge. Als brauchbar für>va»cli' mit Bronchialkatarrh und geschwächter Herztätigkeit' Kranke wird sie auch ärztlicherseits erwähnt, ohne ang � zu werden. Statt der Wurzel benuzt man zuweilen nu � Aufguß der jungen Stengel in der Menge von 20( dcr| einen Liter Wasser. Acußcrlich kommt zuweilc» m�.� Spiritus angelicae compositus in Anwendung, � gab wird, indem man Alkohol über dem Kraut von Angc''' l)fl drian und Skordium dcstillirt und niit etwas mengt, und zwar geschieht diese Benuzung wider l c Zahnfleisch und Typhus. Tie Blattstiele der A»gc'' ßqcn man in Frankreich mit Essig. Oel, Salz oder aiidc�u als Delikatesse, auch stellt man daraus eine Art'. Tie Wurzel wird auch zur Anfertigung eines n1)10- cmiiint(|1 Kräuterlikörs, z. B. im Ricsengebirge, und eine. Choleralikörs verwendet. Hier schweigt der Stolz! Gedichk von Friff L.rnipcl. Traf dich ein großes schweres leid. i... � Tat wehe dir ein stolzer Sinn � � reben aufwärts trug Zur Stätte der Vergänglichkeit schwindelhaster. stolzer Höh', Zu einem Friedhof geh' dann hin �** öir{iE� Kunden schlug. Me von des Frühlings Sonnenschein SM"? Fracht und bittres weh. Das Gletschereis der Serge schmolz Gleichviel, gleichviel, es war ein Traum, So wird drin leid verschwunden sein- Han4� unö al8 liaS'" � nw--- w JiE«ich vielleicht im Febrn Feind. Hirr schlafen sie ohne Groll, liegen sie so eng vereint, st'll. so stumm, so demutsvoll. Und eine eigne Sprache spricht Marmor oder Holz: ..V liebt, ihr Menschen, zürnet nicht. kirr ruht der Hak, hier schweigt der Stolz I" 409 Der A tIllustral! |. Wer weiß heutzutage nicht, was ei» Alchymist oder Al- �Cn|ift ist oder vielmehr war— denn in unserm aufgeklärten, "".streng wissenschaftlicher Bildung" durchwehten Jahrhundert I diese Spezies des Genus horno total ausgestorben. Alchemist war ein lächerlicher, alberner, hiriivcrbrauiiter >.�'ch. der den.Stein der Weisen" suchte, der seine Arbeit, I Itin ganzes Leben an einen Blödsinn sondergleichen vergeu- |'''>khr oft sogar ein elender Gauner, der mit Hilfe der cchen Läge, Gold machen zu können, leichtgläubige Meu- | T". selbst— Gott sei das Majestätsvcrbrecheu geklagt— i und gekrönte Häupter um ihr wohlerworbenes Gut t.®e(b, ihren, in saurem Schweiß mühselig zusammen- loli UC11—"un, wie sagt man am beste»?— Eutbchruugs- AiT bemüht war. ij j.j"'so kann mau sich,— wenn man nicht.gebildet" genug Ps'n Um es selbst zu wissen— von jedem Torfschulmeister oder ttsiff*' 6eIc�«" lassen. Das Tema ist damit jedoch»och nicht »,J'— wie das überhaupt so zu gehen pflegt mit uuserer llu Bildungsweisheit,— es ist im Gegenteil mit solchem k!»ni' T.'. �'c olleroberflächlichste Sbcrfläche berührt, und nicht ihren" e'e uns daraus in ihrem ganzen Umfange und tociiin �'"llichsten Merkmalen entgegen, sondern nur einige „n, � brobe Züge des Bildes, die mit dem Wesen der Sache. c che es sich handelt, wenig oder gar nichts zn tun habe». iüt r!" Alchemist, wie ihn unser Bild zeigt, war sehr oft ein "psernt!'« sehr gelehrter Man», der mit Ernst und auf- % v' em �'ser sich der Wissenschaft hingegeben hatte, an sie Hern,,, f.""d an seine Mitmensche», denen er mit der För- Kihjji)""" gelehrten Bemühungen in allerhöchstem Maße Unb b! �nnen überzeugt war,— und nicht an sich Ei» �'btündung eigenen Wohllebens. "ochib,.ch�Ultst war oft der strcbenseifrigste, Wissens- und de» bj.C(w■U'. bkistvollste Mensch seiner Zeit,— ein Mensch, ju zähle» h�tc""»schlichcr Kultur zu de» Besten aller Zeiten Soiige,», ll'a' 15'e von betrügerischen Alchcmistcn schnöde hinter- % toci,:'.�krönten Häupter anlangt, nun so hatten diese sich selber � beklagen, denn einesteils waren viele von ihnen de» �..'bens sanatische Alchemisten, andererseits zogen sie bn Ntx"wchkrwahn und-Betrug förmlich an den Haaren in u>dlich ollezeit»ach Geldc heißhungrigen Hofes, und ��Otsalck.�bleichen gar mancher Fürst mit seinem Hof- und % tr je'C(,mi"e" �'e gelrcueu Untertanen viel schlimmer betrogen, °W.-Wte betrogen werden können, indem er aus dem % bfnf.li bemachte« wertlosen„Golde" Geld schlug und es "> die z-le?' Ws wie echtes Gold den Lieben und Getreuen . Es if!' un""b Kasten praktizirte. "chhniie r, nn.c"'alte Knust, die vorzugsweise als Alchemie oder Woher �'�"'te Kunst Gold zu machen. ?bveber» Cl amc stammt, ist man noch nicht recht einig: Mi bebe..? s." Griechischen(Chyrnos), Flüssigkeit. °°er boil"''"d, dem der arabische Artikel al vorgesezt ist, 11 dem?-. �'schcn Namen des alten Egyptens kerni mit h»n(,!?rf,en al wkl es herkommen. Äderte bis" war die Alcheme vieler vergangener Jahr- als bi. 17■ der christlichen Zeitrechnung nichts .�>niiüe �hemie derselbe», man kann sie sogar als das >i?�ießlj'»" JUchrä ebeti|o: wir konnten uns auch nicht besinnen, Bär tvar ganz»N0 und zerknirscht über sein schlechtes Gedächtnis; der Schlüssel kow � '"cht herbeigeschafft werden. Endlich kam es dem allen Hef' ...... s„,-, ctv„„ qmtrench"'„«(rft der Dame besinnen, bei welcher das Kränzchen war, un»"'"„Iißll ebenso: wir konnten uns auch nickt besinnen. Bär war gopö al,e sehr jS •"»«j v••«»»j Wfty%■><| V••• V-»tvw»»»»»/»»» y-— M--- V- T I< II»• M,-. Schrankschlüssel abgezogen hatte. Wir fanden eS cbenp_. �,1' komisch und erhielten schließlich die Erlaubnis, einmal ons& ßorn .«.»?.:........... c.<.<... ei__ cn... tvmlsly uno eryieilcn lajiiejiuaj vir vsriauuiuv, cm.»........ allem spazieren zu gehen, da der Herr Professor im Schlafrock nicht gut begleiten konnte. silaufr"! Es sollten aber nicht alle unsere losen Streiche so 9»' A,.„ af' mal ging die Sache schief. Freund Bär hatte beschlossen, N �r fallenden Geburtstag mit einer„italienück� den dnlten Juni fallenden Geburlstag mn ri»cc„......... zu feiern. Hinter unserm Hause befand sich ein nicht allzugroß' welcher in dem Wallgraben, der vor alten Zeiten befestigt 0 �„x�r -ladt angelegt war. Obgleich wir den Garten»ur mit Erlaubnis des Herrn Professors betreten dursten, halte ihn-■ zum-chauplaz seiner GebnrtstaqSsesilichkeit auseriehen. lampionS, Zigarren und kleine Lichte in überflüssiger ... ietN" 411 1 Mittel herbei, und wenn dieselben die gewünschte Wirkung nicht erfüllten, zeigte er sich gerndezu untröstlich. Mine gewann Vertrauen zu ihm I und gestand ihm denn auch in einer Schmcrzensstunde, an allen ihren Leiden seien nur die vielen Süßigkeiten schuld, von denen sie nun ein- mal nicht lassen könne: Kuchen äße sie für ihr Leben gern und trüge dasiir manchen Groschen zum Kuchenbäcker. Von nun an war Freund Bär beflissen, sie förmlich mit Kuchen zu nudeln. Der Freundschafts- bund befestigte sich mit jedem Stückchen Streußelkuchcn mehr und mehr und endlich war er so fest geworden, daß er es wagen konnte mit seinem Anliegen herauszurücken. Anfangs verwarf Mine diese Zumutung mit großer Gillrüstung, doch als ihr Bär klar machte, daß für ihn Bier dasselbe bedeute, wie für sie Kuchen, da wurde sie milder gestimmt und versprach endlich ihre Hilse bei Herbeischaffung des bewußten Fäßchens. Ter verhängnisvolle Tag kam und wollte gar kein Ende nehmen: noch niemals hatte uns der Ruf:„Zu Bett!" so bereitwillig gefunden wie diesen Abend. In drei Säzen waren wir im Bett und schon nach wenigen Minute» erhob sich ein melodisches Schnarchsextett. Als der Herr Professor die lezte Runde machte, konnte er konstatiren, daß wir olle wohlbehalten und tief versunken in Morpheus Armen lagen. Kaum hatte er das Lokal verlassen, da husch, husch, schlüpften wir, tiner nach dem andern, aus den Federn, die Schuhe in der Hand zur srischgeölten Tür hinaus, die Treppe hinunter, in den Garten. Mine hatte Wort gehalten: Bär als Gastgeber besorgte daS Arrangement der Beleuchtung und des Anzapfens mit bewuiidemngsivürdiger Äewandt- hsit, und so saßen wir denn bald glückselig schwelgend in trauter Runde. Biertrinken war uns ungewohnte Arbeit, die erheiternde Wir- kling desselben blieb nicht aus. Der kleine Stein, jezt wohlbestellter Lluartaner, äußerte sich plözlich, die italienische Nacht sei sehr schön, aber eigentlich sei es keine richtige italienische Nacht. Er habe einmal gelesen, daß Musik und Gesang dabei sein müsse.— Sein hieraus- jiclender Vorschlag, etwas zu singen, wollte aus Vorsichtsgründen zuerst keinen Anklang finden; jedoch, der Professor schlief außerordcnt- i'ch fest und nach der Straße hinaus, und wenn ivir ganz, ganz leise wngen, konnte es ani Ende gewagt werden, lind so begannen wir °enn mit gedämpfter Stimme ein„Gaudeamus igitur", und siehe, es ".et glücklich ab. Nun ließ es aber unserm»insikalischcn Quartaner wcht länger Ruhe, er verlangte nach Rundgesang und Rebensaft, denn � brannte ihm schon längst auf der Zunge, den Namen der kleinen -»ackerslochter von gegenüber, mit den knallroten Backen und den einmelblonden Zöpfen, zu nennen. Der Rundgesang begann mit dem dorschrjsizmäßigen pianissimo, wurde piano und allmählich mezzo forte; 'ei es nun, daß das Bier uns so mutig machte oder war eS das Feuer dkr lugendlichen Herzen, welches unS jede Borsicht vergessen ließ, genug, wir an Bär die Worte richteten:„Bruder, deine Schöne heißt?" dctanden wir uns im Stadium des l'ortissimo. Und ehe noch das jkaort seinen Lippen cntflohn, erklang ein Fenster, und o Grauen! in der schwarzen Fcnsteröfsnung wurde eine helle Gestalt sichtbar, die Frau ta�orin im weißen Gewände der Nacht. Minutenlang saßen wir, vls wären wir wie weiland Loths Weib zu Salzsäulen geworden, da nahte auch schon die rächende Nemesis,— das würdige Ehepaar, gefolgt non der händcringenden Mine, trat in den Lichtkreis unserer italienischen �Aeuchtung. Was des Bieres Menge begonnen, das vollendete jezt „. Entsczen, meine Sinne umflorten sich, mir war, als stünd ich am 'Kr des Meeres, die Brandung rauschte zu mir empor, und durch das �wusen der Brandung tönten aus weiter Ferne einzelne Worte an wein Ohr:„Pflichtvergessene Buben! Eltern schreiben! Pension ver- Jle»!" Tann wurde es dunkel um mich her, und ich fühlte, wie eine Ntende Hand mich vom Abgrunde fort zog und in einen sichern Hafen »"«knete. Das war daS Ende der pocsicvollen italienischen Nacht. schrecklich war das Erwachen am folgenden Morgen. Bleich und schuldbewußt betraten wir das Zimmer des alten Herr», der gleich dem Jupiter tonaus vor unS trat und in mächtiger Rede unsere Sünden »"Helte. Wjr sollten kommenden Ersten die Pension verlassen, da wir ,?ch solcher pflichtvergessenen Aussührung keine Ansprüche mehr aus LJ" Bertraucn machen könnten. Wie vernichtet waren wir von seinen km"L denn wir verehrten und liebten den alten Herrn, troz aller Ha Wunderlichkeiten und troz aller unserer dummen Streiche, wirk- inV°" ganzem Herzen. Da ergriff Bär das Wort und erging sich fril c8"" Rede, die selbst den alten Herrn durch ihre Dialektik zu . Mln schien, denn die drohenden Wolken auf seiner Stirn fingen an und nach zu verziehen. Bär nahm alle Schuld aus sich, er e"9K sich an des schwärzesten Undanks, er war der zcrknirschtestc »noer, den je die Sonne beschien, er war bereit sich für die andern veriitt'""' sartzngehc», nur sollte der Herr Professor den durch ihn Ber..� verirrten Schascn Verzeihung gewähren. Und er gewährte Bfm. ng' nachdem wir alle mit aufrichtigem Herzen bereut und IKumg gelobt hatten. c* J?? verrat der braven Mine ist nie an das Tageslicht gekommen, iutStT' �nn sein, daß die Frau Professorin diese Angelegenheit «i u"d'n aller Stille mit ernstem Wort geahntet hätte. (»ntZÜMea Jahr ist seitdem verflossen. Freund Bär ist ein tüchtiger ich, geworden; zu Ostern will er mir seinen ältesten Sohn bringen. und t-tJ dem meinigen erziehen. Unser» alten guten Proseßor 'nnerm würdige Gattin deckt schon längst der Rasen, doch die Er- �"gen an sie bleiben lebendig. 1 Unsere Illustrationen. Aus dem alten Hamburg.(S. 400 u. 401.) Wer mit den Ver- hältnissen der alten Hammonia nicht genauer bekannt ist. der kann sich kaum vorstellen, welche Umwälzung der Zollanschluß in diesem ehr- würdigen Gemeinwesen hervorbringen muß. Ganze Stadtteile müssen I abgerissen und umgebaut werden. Der moderne Mensch sieht es im allgemeinen gar. nicht ungern, wenn an Stelle altersgrauer, düstrer und unbequemer Gebäude neue, freundliche und mit allen Bequemlich- leiten versehene Wohnhäuser kommen. Allein damit ist die Sache nicht abgetan: man gewinnt gegenüber den alten Gebäuden, den stummen Zeugen der Vergangenheit, eine gewisse Anhänglichkeit, um nicht zu sagen Vertraulichkeit; sie werden dem Bewohner lieb und wert, nament- lich wenn er den schönsten Teil seines Lebens, die goldene Jugendzeit, zwischen den alten, düstem und oft feuchten Mauern verbracht hat. So mag es auch den alten Hamburgern zu Mute gewesen sein, als 1842 die stolze Hammonia niederbrannte und die Wohustättcn, die von den alten Hanseaten gebaut waren, zum größten Teil in Asche legte. Eine neue Stadt mit modernen Gebäuden stieg wie ein Phönix aus der Asche empor, allein der Hamburger mag oft troz der neuen Behaglich- keit schmerzersüllt zurückgedacht haben an die alten Häuser mit den spizen Giebeln und den niedrigen Stuben. Man hatte sich eben daran gewöhnt und die Gewohnheit ist eigentlich die stärkste Macht beim Menschen. Wenn sie den Eskimo in seinen Schneegesilde», den In- dianer in seinen weiten Prairien, den Araber in seiner Wüste zurück- hält, warum soll sie nicht den Kulturmenschen des Abendlandes mit doppelt starken Banden an den Ort segeln, wo seine Vorfahren gelebt und gehaust und wo er selbst sich in fröhlicher Jugendzeit ge- tummelt hat. Die altersgrauen Häupter steiuerner Dome, die er von Jugend auf gekannt, winken ihm wie gute Bekannte zu, und es gibt manche alte Mauer, mit deren Fall ihm ein Stück aus seinem eigenen Dasein entschwunden zu sein scheint. So mag es auch jezt sein mit den Hasenpartien in Hamburg, die mit dem Zollanschluß fallen müssen. Dort befanden sich eine Menge von alten Straße», die von dem großen Feuer von 1842 verschont geblieben waren. Auch die Baulust hat diese Viertel verschont, während sie im Innern der Stadt weit mehr aufgeräumt und auch einen Teil der sogenannten„Gängeviertel" beseitigt hat. Diese„Gängcviertel" waren ein seltsames Denkmal mittelalterlichen Zusaminenlebens. Die „Gänge" waren lange Straßen, so enge, daß man die beiden Wände zugleich mit ausgestreckten Armen erreichen konnte. In diesen finsteren und ungesunden Massenquartieren wohnten viele Tausende zusammen. Am Hasen waren die Straßen weniger eng, aber immer noch eng genug.| Diese Gegend wird durchkreuzt von jenen merkwürdigen Kanälen, FleetS genannt, ivelche linter dem Einflüsse von Ebbe und Flut stehen und welche die Schäze der Hamburger Kaufmannschaft in mächligen Kähnen bei eingetretener Flut aus dem Hafen an die Waarcnspeicher treiben. Diese Fleets sind für den Handel sehr wichtig; für die Gesundheit der Anwohner sind sie sehr nachteilig. Wenn das Wasser bei Ebbe abgelaufen ist und der Schlamm auf dem Grunde blosliegt, so entwickeln sich MiaSmen, die kaum zu ertragen sind,»ament- lich wenn die Sonne des Sommers auf die Schlamm- und Kotmassen scheint. An diesen Kanälen erheben sich auch jene merkwürdigen Gebäude init den spizen Giebeln und den vielen Fenstern, die für die alten Hansestädte karakteristisch sind. Manch wohlbekanntes altes Gebäude wird nun verschivinden müssen. Da ist zunächst das bekannte„Zippel- haus", in welchem sich die Bardowiekerinncn aufhalten. Auch dies Gebäude ist ein Opfer des Zollanschlusses. Es erinnerte an jene einst so blühende Stadt, deren Bewohner dem surchbaren Welsen, Heinrich dem Löwen zu trozen wagten und so schrecklich bestraft wurden. Aus den großen Quadern der bardowickcr Stadtmauern wurden die Harn- burger Quaimauern hergestellt. Auch die Poppeumühle ist dem Unter- gang geweiht und die originellen alten Gebäude am Wandrahm, wo die alten Hamburger Kausleute noch immer stolz waren zu wohnen, trozdem die Wohnungen dort gar nicht sehr modern aussehen. Seit Jahren schon sind alte Straßen und Gebäude hinweggeräumt worden; ganze neue Stadtteile sind entstanden. Nun ist auch die Zeit für die alten Stadtteile am Hasen gekommen; sie werden neuen und schönen Gebäuden und Straßen plazmachen. Die alte Originalität' wird dabei freilich verloren gehen. Allein man darf die Sentimentalität gegenüber alten Bauten auch nicht zu weit treiben. Man wohnt in den modernen Gebäuden gesünder, bequemer und angenehmer als in de» Häusern, die unsere Vorfahren gebaut habe». Mit dem Zollan- schluß selbst, der für Hamburg diese Veränderungen mit sich bringt, j ist eS freilich eine andere Sache; er wird Hainburg keine besonderen Vorteile bringen. Alis den Trümmern der alten Häuser aber werden neue und schönere erstehen. W. Ii. Ter Notschuß.(3. 393.) Ein trüber, naßkalter, schwermütiger Septembertag. Dichte Wolkenmassen haben die Sonne unihüllt, als ob sie nie mehr der Erde ihr Antliz zeigen sollte. Die Acquinoclialstiirme treiben ihr Unwesen auf der weiten Wasserwüste und fürchterlich tost und grollt die Brandung. In der dürftig möblirten Stube sizt der wettergebräuntc Lootsc behaglich im Kreise der Seinen und erzählt von seinen Abenteuern auf der See und an fernen Küsteu. Pochenden 412 Herzens lnuscht der junge Niklas den mit etwas Seemannslatein der- brämten Geschichten, brennend vor Begierde, aus dem unermeßlichen Ozean umherzuschweifen, ferne Länder zu sehen, kühne Abenteuer zu be- stehen und reich mit Schäzen beladen zum väterlichen Herd heimzukehren! Mutter und Schwester, mit Nczeflicken beschäftigt, blicken lächelnd auf die gespannten Mienen deS jungen Robinson. Plözlich ertönt ein Schuß und schreckt sie allesammt auf. Sie wissen, was der Schuß bedeutet, es ist ein Notschuß, von einem auf See befindlichen Schiff abgefeuert, als Signal, daß ein Unfall geschehen und schleunige Hilfe Not tue. Jäh- lings wirft sich der Lootsc in die Kleider,»m den, gefährdeten Segler mit dem Rettungsboot zu Hilfe zu eilen. Das Rettungsboot(enoot i sauvetage franz., life boat engl.) ist ein guteS Seeboot, läßt sich gut rudern, um durch die Brandung zu kommen, segelt aber auch gut und sicher, um event. weite Strecken zurücklegen zu könne»; im oberen Teil desselben sind abgeschlossene Luftkästen angebracht, während der Ballast möglichst tief gelagert wird. Infolge dieser Einrichtung sinkt das Boot, selbst wenn es mit Menschen und Wasser angefüllt ist, nicht einmal so tief, daß das Rudern gehemmt wird, und wenn cS kentert, richtet es sich von selbst wieder auf. Obgleich stark gebaut ist es doch leicht und transportabel und aus kannelirtem Eisenblech(Francis-Boot) oder aus Mahagoniholz diagonal sPeakc-Bvot) konstruirl. Ter Boden ist bis ca.>/z der Gesammtticfe als Luftkasten gebaut und durch diesen führen vertikale Röhren, welche mit Ventilen versehen sind, die sich wohl nach unten, aber nicht nach oben öffnen, so daß durch eine Welle in das Boot gelangtes Wasser sehr schnell wieder abfließt. Tic gebräuchlichsten Rettungsboote sind zehnrudrig, ca. 10 Meter lang, 2,5 Meter breit und in der Mitte 1 Meter tief. DaS Boot steht gewöhnlich vollständig aus- gerüstet auf einem besonders konstruirtcn Wagen in einem Schuppen der Station. Wird nun ein Schifsbruch gemeldet, so eilen auf das Signal die Mannschaften herbei, Pferde oder Menschen bespannen den Bootswagcn k. und man sucht alsdann eine günstige Stelle an der Küste in der Nähe deS Wracks, möglichst luvwärts(windwärts), um das Rettungsboot ins Wasser zu lasse». DaS Boot, mit dem Bug nach See zu, alle Mann in demselben und festgebunden, um nicht heraus- gespült zu iverden, die Ruder zur Hand, wird in einem günstigen Mo- mcnt, wo die Brandung einer Welle fast zu Ende ist, mit dem Wagen ins Wasser geschoben, bis es schwimmt und sortgenidert werde» kann. Ein besonders schwieriger Moment ist die Annährung an das Wrack, an dem zerschmettert zu werden daS Boot Gefahr läuft, ivenn nicht mit äußerster Vorsicht verfahren ivird. Das erste unversinkbare Ret- tungsboot baute 1785 ein Londoner Wagenbauer, Lionel Lukin. Eine hervorragende Rolle als Erbauer von Rettungsbooten spielte James Pcake, der 1852 das erste seiner noch heute in England am meisten gebräuchlichen Boote erbaute.— Eine sehr interessante Beschreibung von Schiffbruch und Rettung des„Orient", von Schiffskapitän A. Schück, findet sich im Neuc-Welt-Kalendcr für 1884. 8t. Mitteilungen aus dem Kebiete der Industrie, Technik und Landwirtschaft. John Ericson's Sonnenmotor. In einem der lezten Hefte der e»g- lischen Zeitung„Nature' veröffentlicht der bekannte englisch-amerika- nische Erfinder Kapitän John Ericson unter dem Titel„The Sun motor and The Sun'a temperature" einen mit Abbildungen versehenen län- geren Aufsaz, durch welchen nachgewiesen wird, dag die bisher häufig bezweifelte Möglichkeit einer Nuzbarmachung der Sonncnwärme zur Erzeugung einer mechanischen Triebkraft doch vorhanden ist. Nach etwa zwanzigjährigem Studium und einer endlosen Reihe von Versuchen ist es dem Genannten jezt endlich gelungen, eine praktische Lösung der Ausgabe, welche er sich gestellt und die er„daS größte Werk meines Lebens" nennt, durchzuführen und eine Maschine herzustellen, welche in höchst befriedigender Weise arbeitet und dabei so einfach und billig ist, daß sie für die verschiedenartigsten Betriebe als anwendbar bezeichnet werden muß. Als eine kennzeichnende Eigenschaft des Ericson'schen „8nn motor" ist die Ansammlung(Konzentration) der Sonnenwärmc durch einen Reflektor von folgender Einrichtung anzusehen. Leichte eiserne Spanten sind mit ihren Ecken an einen viereckigen Eisenrahmen besestigt und in parabolischer Linie, deren Brennpunkt in dem Mittel- Punkt des Eisenrahmcns liegt, nach unten gebogen. Rechtwinklig zu diesen Spanten stehend, ruhen auf denselben drei Zoll breite dünne Holzbrctter, die dicht aneinandergefügt sind, sodaß sie den ganzen von den Spanten gebildeten, nach unten gebogenen Boden zwischen den Seiten des Eisenrahmens bedecken. Die Bretter haben eine Länge von 11 Fuß, während der Reflektor nach der Richtung der Spanten hin eine Breite von 16 Fuß zeigt. Mit 3 Zoll breiten und 26 Zoll langen reflektircndcn, auf ihrer untern Seite mit Silber belegten Platten aus Fensterglas bedeckt, sind sie geeignet, die Sonnenwärme eines Strahlen- bündels von durchschnittlich 23 400 Quadratzoll auszusaugen. Der Reflektor selbst beiizt die Gestalt eines rechtwinkligen Trogs mit ge- rundetem Boden. Tie von dem Reflektor aufgefangenen Wärmestrahlen werden von den versilberten flachen Glasplatten gegen einen zylindri- schen Wärmcapparat geworfen, ivclcher. 6'/« Zoll im Durchmesser und 11 Fuß in der Länge messend, über den Eisenrahmen in paralleler Richtung mit den Seiten desselben befestigt ist und das Medium— Dampf oder Lust— enthält, durch welches die Svnnenwärme auf den Motor selbst übertragen wird. Die ganze Vorrichtung- Reflektor und Erwärmungsapparat— ruht auf einer senkrechten Achse, um die sie mit der größten Leichtigkeit bewegt zu werden vermag. Außerdem ist eine wagerechte Achse zu dem Zweck, die Stellung des Reflektors gegen die Sonne zu regeln, vorhanden. In dieser Weise ist eine parallaktische Bewegung hergestellt, durch welche der Reflektor mit großer Genauigkeit der Sonne zugewandt werden kann. Das Gleichgewicht des Ganzen ist ein so genaues, daß die durch eine einzige Umdrehung entwickelte Kraft der Maschine mehr als genügend erscheint, den Apparat während eines ganzen TagS in der zum Ausfangen der Sonnenstrahlen erforderlichen Lage zu erhalten. Der durch die Wirkung der Sonnen- strahlen gebildete Dampf wird aus dem Envärmungsapparat durch gebogene Röhren einer Maschine zugeführt, deren Arbeitszylindcr einen Durchmesser von 6 Zoll hat. Tie durch den Boden des Zylinders geführte Ziehstange treibt eine Druckpumpe von 5 Zoll Durchmesser. Die Bewegung der Ziehstange wird in der sonst üblichen Weise aus ein oberhalb der Maschine befindliches Schwungrad übertragen, durch welches dann wieder Pumpen, Mühlen oder andere Apparate getrieben werden könne». Wie die im lezten Sommer angestellten Probe» er- gaben, betrug die durchschnittliche Geschwindigkeit der Maschine 120 Schläge in der Minute mit einem unbedingten Druck aus die Arbeits- stanze von 33 Pfund auf den Quadratzoll. Der Dampf arbeitet mit einer Spannung von 1: 3, während im Kondensator ein fast völliges Vakuum bewahrt wurde. Infolge der ungemein einfache» Beschasse»- heit des Sonncnmotors läßt sich derselbe, in entsprechender Größe ein- gerichtet, in diejenige» Gegenden, wo starke Sonnenwärme vorhanden ist, zu mancherlei Zwecken mit großem Vorteil verwenden. Kapitän Ericson hat schon früher daraus hingewiesen, daß die Strahlen der Sonne zwischen dem Acquator und dem 45. Breitengrad im Lauf von 9 Stunden eine mechanische Kraft von durchschnittlich 3'/, Wärme- einheilen auf den Ouadratsuß und die Minute erzeugen, welche Kraft- leistung ungefähr einer Pferdckraft aus einen Ouadratsuß Oberfläche entspricht, und man würde demnach auf einem nur eine englische Melle breiten Strich jener Gegenden, der 220 000 Millionen Quadratfuß enthält, und wo daS zur etwaigen Dampfbildung erforderliche Wasser vorhanden ist, nicht weniger denn 22 Millionen Eonnenmotore von 100 Pserdekräften täglich neu» Stunden lang in Betrieb hallen könne». Man braucht jezt also nicht mehr mit Bangen dem Zeitpunkt entgegen- zusehen, in welchem die Kohlenlager der Erde geleert sein werden, den» der Sonnenmotor wird— mit Hilfe kräftiger Maschinen, denen die Sonncnwärme als Kraft und die atmosphärische Luft als Leiter dient :— die Menschheit in Stand sczen, weite Strecken, die, wie die Hoch' ebenen Kaliforniens, sowie verschiedener anderer Länder, infolge der sengenden Glut der Strahlen deS TagesgcstimS wasserarm und pflanzen- los sind— durch die Kraft der Sonnenwärme mit Wasser zu versehe» und zu fruchtbaren Gefilden umzugestalten. Verbrennungsprodukte von Lichtern. Tie Zeitschrift„\aturo" i#'j über die Vcrbrennungsprodukte verschiedener Lichter für je 100 Kerze bei einer Stunde Brennzeit folgende Zusammenstellung: Wasscrdamps Sohlensäure Wärme- «g. Gbm. einheile«. Elektrische Bogenlampe. 0.00 0.00 57 Elektr. Jncandescenzlamp« 0.00 0.00 290 Gas-Argandbrenncr.. 0.86 0.46 4860 Petroleumlampe.... 0.80 0.95 7200 Rüböllampe..... 0.85 1.00 6800 Parasfinkerzc..... 0.99 1.22 9200 Unschlitlkerze..... 1.05 1.45 9700 Einfache Vernlberung von Metallgegenftänden. Frisch Chlorsilber, welches gut mit heißen» Wasser ausgcivaschen wurde,. man mit je gleichen Teilen Kochsalz und Weinstein, so daß f."!~ � daraus entsteht, ivenn nötig unter Wasserzusaz. Der zu versiw-'' Gegenstand wird zuerst mittelst einer steifen Bürste mit warmer~ � iosung und Seife gewaschen, um allen Schmuz zu entfernen, d»» warmem Wasser gut abgespült. Empsehlenswert ist eine noch trockene Reinigung mit fein geschlcmmtcr Kreide, Bimsstempnwe_ Quarzpulver. Mit kaltem Wasser gut abgespült, wird vor dem 4 mittels eines Bäuschchens Baumwolle, welches in Musselin geh»» mit mit feinst pulvcrisinci» Kochsalz abgerieben, so daß der Gegenslan � ein« seinen Schicht Kochsalz bedeckt ist, worauf etwas von dem, dm aufgerieben wird, bis die ganze zu versilbernde Fläche tcho ä mäßig versilbert ist. Daraufhin wird schnell etwas Wein, lein m» lich hergestelltem Bänschchcn ausgericbcn und schließlich»bge � Der Ueberzug ist schön, rein und schneeweiß.(Goidschm' Handel und Verkehrswesen...(f Das Verlorengehen von Postkarten bildet den Gegenstand Beschwerden, und ivenn auch die Postverwaltung mehrfach bei d�ftsür die Unterlassungssünden anderer gemacht und m'M' iiäg, pfllchtmamgcn GeburistagSgratulationen und dergl. in.V t' ist d� d* h- das Anlangen nicht abgesandter Karten verlangt wnd. h nicht zu leugnen, daß ab und zu auch ivirklich dem Briefkasten � traute Korrespondenzkarten- und mit solchen allein haben>« �ch- tun— nicht an ihren Bestimmungsort anlangen.„LVis n»5 fragen bei der Post sind, wie nicht anders möglich, völlig zw« 413 machen die„Ind. Bl." ihre Leser auf ein ebenso einfaches wie probates Mittel aufmerksam, um der erwähnten Fatalität vorzubeugen! dasselbe ist einem auf eine Beschwerde erfolgten Bescheide nebst daran geknüpftem Rate von dem Staatssekretär Stephan selbst, also der höchsten und unbestritten ersten Autorität in dieser Sache, entnommen. Es wird darin nämlich angeführt, daß erfahrungsgemäß dadurch die meisten Postkarten ihre Bestimmung verfehlen, daß sie beim Einwurf in die meisten Briejkastcn sich in andere Sendungen, namentlich Kreuzbandsendungen zc. hinein- schieben. Dies sei am besten dadurch zu vermeiden, daß man die Post- karten, ehe man sie in den Briefkasten einwirft, zur Hälfte umknifft, wodurch bewirkt wird, daß dieselbe nicht flach hineinfällt, sondern hohl aus die anderen Briefschaften zu liegen kommt, mithin sich nicht in solche hineinschieben kann. Auch in den späteren Stadien der Bear- bcitung(beim Leeren der Brieskasten, Sortiren zc.) wird dadurch ein Verschieben der Kreuzbandscndungen wesentlich verhindert, und hat dies einfache Mittel in allen Fällen, wo es bisher angewendet wurde, den gewünschten Erfolg gehabt.(«llg. Rundschau aus dem Gebiete der Sutist, Industrie u. Gewerbe.) Zagd und Fischerei. Zagdausbeute Böhmens. Nach den statistischen Ausweisen wurden "» Jahr 1882 in Böhmen 1 072 424 Stück Wild erlegt. Dabei waren: i«» Stück Rotwild, 1596 Stück Damwild. 9338 Rehe, 476 Stück Schwarzwild, 376 242 Hase», 17 011 Kaninchen, 865 Auerhähne, 3653 Spielhähne, 374 Haselhühner, 53 Schneehühner, 6 Steinhühner, ?28 404 Rebhühner. 40 539 Fasanen, 13 955 Wachteln, 3369 Wald- lchnepscn, 1211 Mosschnepfen, 262 Wildgänse, 10 712 Wildenten, 2668 Füchse. 1925 Marder. 9071 Iltisse, 1513 Wiesel. 339 Fischottern, -40 Dachse, 226 Wildkatzen(?), 22 Falken, 30 054 Habichte und Sperber, 433 Uhus, 16 458 andere Tiere. Gegen das Jahr 1881 hat sich die jönmme des erbeuteten WildeS um 99 165 Stück erhöht. Die Zahl Oer bedienstctcn Jäger beträgt 3966. ,. 3ur Hebung des Fischbestandes in den Gewässern des Rcgierungs- ezirks Köln sind im lczten Vierteljahr 1883 mit Hilfe eines vom andwirtschastlichcn Ministerium bereit gestellten Zuschusses acht Brut- "parate für Forellen mit 35 000 Eiern beschafft und von Privaten umgestellt worden. Ebenso wurde aus Veranlassung des Rheinischen 'estujorei-Bereins zu Bonn eine große Anzahl junger in Galizien ge- ,.?/ter Zander in de» Rhein, wo dieser schmackhafte Fisch bisher noch "'cht vorkam, ausgesezt.(«csts. Post.) Tier- und Pflanzeukunde. fett �'e �twnvtilchen. Um die Weihnachtszeit, wenn die Blumen voll» von großem Wert sind, kommen die verschiedenen Alpen- Mi. s®'ü|e'»nd sie bieten dann einen prächtigen Zimmerschmuck. Frage der Anzucht und Behandlung dieser dankbaren Pflanzen o, v!""'9'6 Üch vor einiger Zeit die englische Zeitschnft„Field", und pi',.�urde das dortige Verfahren erörtert. Diejenigen, schreibt„The Söfii> welche Alpenveilchen säen, nehmen dazu den aus gewöhnliche veni»och bester den von vorher künstlich befruchteten Pflanzen ...."uenen Samen. Die küiistlicbc Befruchtung wird vorgenommen, »""»■»neuen Samen! Die künstliche Befruchtung wird vorgenommen, ■ jj�r)»r Länder- und Völkerkunde. geniÄ �nt Beschaffenheit der Sahara in vergangenen hix Ergebnis".""'Eisende Forschungen angestellt, deren all- �Lnide ni TiA 17 �üze zusammenfaßt, von welchen wir uhren: Während der Diluvialzeit war die Sahara sowie ein Teil des südlichen und östlichen Mittelmeeres Festland.— Die Hypotese eines diluvialen Saharameeres wird weder durch den geologischen Bau, noch durch die Oberflächcnbeschaffenheit der Wüste bestätigt. Im günstigsten Falle stand die Region der tunesischen Schotts mit dem Mittelmeere,«nd vielleicht auch die schniale Depression zwischen Alexandria und der Ammonsoase mit dem(Rothen?> Meere in Ver- bindung.— Während der Diluvialzeit herrschte in Rordafrika ein feuchtes Klima, das wahrscheinlich bis zum Beginn der Heutigen Erdepoche fortdauerte.— Die karakteristische Gestaltung der Oberfläche der Sahara, die Ausarbeitung zahlreicher Trockcntäler, die Auswaschung von beckenförmigen Vertiefungen, die Entstehung der Steilränder, Jnsclbcrge u. s. iv. sind der erodirenden Tätigkeit süßer Gewässer zu- zuschreiben.— Der Wüstensand ist aus Zersezung von Sandstein her- vorgegangen, welcher in der Mittlern und südlichen Sahara überall das herrschende Gestein bildet. Seine Verteilung und seine Anhäufung zu Dünen wurde vorzüglich durch den Wind bewirkt.— Die Salz- sümpfe, sowie die salz- und gipshaltigen Oberflächeiibedeckungen ent- standen durch Auslaugung älterer Gesteine aus der Verdunstung der in abflußlosen Niederungen sich ansammelnden Gewässer.— Für eine wesentliche Aenderung der klimatischen Verhältnisse der Sahara in historischer Zeit liegen keine Beweise vor.— Lezierer Saz gilt nicht nur für die Sahara, sondern für ganz Nordafrika. Die Verödung des Landes ist nicht einer Verschlechterung der klimatischen Verhältnisse zuzuschreiben, sondern nur der Vernachlässigung der BcwässerungS- anlagen, der Verwüstung der Wälder und der dauernden Mißregierung. Schon zur Römcrzeit, wo Numidien die Kornkammer Italiens war, kamen Trockenzeiten von mehrjähriger Dauer vor und beruhte der Ackerbau in ganz Südtunesien auf Barragen und kolossalen Cisiernen- anlagen. Wo man diese wieder hergestellt hat, erweist sich die Frucht- barkeit durchaus nicht geringer als im Altertum.(Globui.) Für unsere Hausfrauen. Ueber die ttonfervirung des Fleisches. II. B. Konservirung des Fleisches durch Warmeentziehung. Im Jahre 1804 fand man die wohlerhaltenc Leiche eines Mammuth im gefrorenen Boden des nördlichen Sibiriens(an der Mündung des Flusses Lena). Man sieht hieraus, wie lange ausdauernde Kälte die tierischen Organe zu erhalten vermag. Unzweifelhaft handelt eS sich bei dem aufgefundenen Tiere um eine Existenz von vielen Jahrtausenden. Soll die Wärmeentzlehung als fleischkonservirende Kraft praktisch verwertet werden, so wendet man sich in der Regel zum Eis. Man bringt daS Fleisch in einen Eiskeller oder in ein Eishaus, wo es sich immer einige Wochen hält, aber endlich doch fault. Die Erhaltung des Fleisches unter Benuzung des Eises eignet sich vorzüglich für Mezgercien, Gasthöfe, Restaurationen, wo es sich in der Regel darum handelt, kleinere Mengen von Fleisch für kurze Zeit in brauchbarem Zustande zu erhalten. Länger hält sich freilich das gefrorene Fleisch. In Rußland läßt man Wildpret, Geflügel und Fische frieren und schafft die gefrorene Waare auf den Markt. Die großen Märkte von Petersburg und Moskau werden so aus den entlegensten Teilen des Reichs mit eßbaren Tieren aller Art versehen. Liegt recht viel daran, Fleisch in Eis zu erhalten, so empfiehlt es sich, solches in Zinnkästen oder auch hölzerne Kisten zu verpacken, schwach mit Salz zu bestreuen und die Kisten so zu sagen in Eis zu vergraben. Kleinere Tiere, als Vögel, Fische u. s. w. können mit Pergamentpapier umgeben und so zwischen oas Eis gelegt werden. Der Zweck des Einschlusses in Papier und Kisten ist der, das Naßwerden des Fleisches in Berührung mit schmelzendem Eis zu verhüten. Man hat sich vielfach überzeugt, daß das Eindringen selbst von eiskaltem Wasser in die Muskelsubstanz den Wert derselben beträchtlich hcrabsezt. Ueber die Herbeischastung des Eises zu Zwecken der Fleischkonser- vinmg kann ich hier nicht handeln. Ein normaler Winter versorgt uns immer in der billigsten und einfachsten Weise mit dem ganzen Bedarf an Eis, so daß wir weiter nichts zu tun haben, als es in die Eiskeller bzw. in die Eishäuser zu verbringen. Versagt uns ein ge- linder Winter den Bedarf an Eis, so haben wir uns an die Länder zu wenden, wo vortreffliches Eis das ganze Jahr nicht fehlt. Aus Nonvegen werden unglaubliche Mengen von Eis nach Großbritannien und Deutschland verschickt. Dieses Eis kommt in Form glänzender krystallinischer Würfel in den Handel. Der Hauptimport wird durch die Wenham-Eiskompagnie bewirkt. Auch aus den Alpen werden be- trächtliche Mengen von Eis nach Süd- und Mitteldeutschland verbracht. Auf die Bereitung des künstlichen Eises, von dem ebenfalls heutzutage ein umfassender Gebrauch gemacht wird, kann ich hier nicht näher ein- gehen. Eiskeller richtet man jczt ohne grotze Kosten in der einfachsten Weise ein. Man legt die herbeigebrachten Eisblöcke zusammen, füllt die Zwischenräume mit zertrümmertem Eise aus, übergießt diese Stellen mit Wasser und läßt die Gcsammtheit der Eisstücke zu einem einzigen großen Klumpen zusammensrieren. Man schichtet das Eis bis zu 5—10 Meter hoch auf und hüllt die ganze Masse in einen dichten, 1 Meter dicken, aus Stroh, Moos u. dergl. angefertigten Mantel. 414 Dciß auch die Basis der Eissäule mit einem schlechten Wärmeleiter zu versehen ist, ist selbstverständlich. Durch die Eisenbahnen unterstiizt, wissen wir uns zu jeder Zeit Eis zu verschaffen, und eS können deshalb Unternehmungen gemacht werden, an die unsere Vorjahren nicht denken dursten. In Amerika hat nian Eisenbahnwagen gebaut, die die Herstellung einer Temperatur von 1—2° C. im Innern gestatten. Man benuzt dabei ein Gemenge von Kochsalz und gestobenem Eis. Diese Wagen, welche grobes Auf- sehen erregten, heißen Davis'sche Kühlwagen(Davis'ä refrigerator car). Unter Benuzung dieser Wagen transpvrtirt man Nahrungsmittel aller Art aus Kalifornien nach New-Fork. Die Waaren kommen nach 24tägiger Fahrt in völlig unverändertem Znstand am Markte an. Auch fleisch wird so tranSportirt. Herr S. Schreiber in Hau- nover erhielt ein Patent für einen Kühlapparat zur Konservirung frischen Fleisches, der auf Schiffen wie auf Eisenbahnwagen eine Stelle finden kann. Er dient dazu, größere Mengen frischen Fleisches sdas Fleisch von ca. 30 Stück größten Hornviehs oder von 300 Schafen) in einen hermetisch geschlossenen Raum aufzunehmen, mit starker Ab- kühlung weit zu transporlircn und bei guter Beschaffenheit zu erhalten. Das Fleisch bleibt rein, saftig, frisch und schön, wird nicht ausgetrocknet und nimmt an Feinheit und Zartheit, gleich dem vom Schlächter am trocknen und kühlen Ort aufbewahrtem Fleisch, während der Reise zu. Im Oktober 1873 wagte es T. C. Eastman in New-Uork, das Quantum von 18 000 Kil. frischen Rind- und Hammelfleisches(Wert 2800 Dollars) nach England auf den Markt zu bringen. Das Unter- nehmen glückte vollständig. Seit jener Zeit hat der Export des frischen Fleisches aus Amerika nach England einen erstaunlichen Umfang ge- Wonnen. 45 große Ozeandampfer mit 72 Kühlkammern(Refrigcrators) waren schon vor ein paar Jahren für den Transport frischen Fleisches in Tätigkeit gesezt. Der Wert des verschifften Fleisches betrug 1875 die Summe von 16 3000 Dollars, im Jahre 1876 die Summe von rund 2 000 000 Dollar, im Jahre 1877 die Summe von rund 5', 4 Millionen Dollars. Schottland liefert nach London jährlich über 15 000 000 Kil. frischen Fleisches unter Verwendung der Kühlkammern. Im Lokalverkehr von Großbritannien werden jährlich über hundert Millionen Kil. Fleisch nach London geschafft. Die Konservirung des Fleisches durch Abkühlung verändert das- selbe am wenigsten. Gerät freilich das Fleisch in faulen Zustand(was durch gute Einrichtungen immer zu verhüten ist), so ivcrden im Fleisch neue Stoffe gebildet, die in chemischer Beziehung noch völlig unbekannt sind. Einige davon sind unzweifelhaft giftig(Sepsin u. f. w.). Auf den Wunsch des„Vereins bringen wir folgendes zum Abdruck: Deutscher Lehrer in England" Aufruf. In einer am 29. Dezember vorigen Jahres in Tolmers' Square Institute, London, unter dem Vorsize des Herrn C. Tuchmann, früheren Präsidenten der Deutschen Wohltätigkeits- Gesellschaft, abgehaltenen Versammlung von deutscheu Lehrern und solchen, die sich für dieselben interessiren, wurde beschloffen, unter dem Titel: German Teacbers' Association einen„Verein Deutscher Lehrer in England" zu gründen, der sich folgende Hauptaufgaben stellt: l. Der Verein bezweckt, die soziale und materielle Lage des deutschen Lehrers in England nach Möglichkeit zu heben; politische Bestrebungen irgend welcher Art sind ausgeschlossen. 2. Der Berein übernimmt für seine Mitglieder für eine gering- sügige Entschädigung die Vermittlung von Stellen in englischen«schulen und Familien. 3. Der Verein will neu herübergekommenen deutschen Lehrern, sowie andern Mitgliedern, die sich an ihn wenden, mit Rat und Tat an die Hand gehen und den sich hier aufhaltenden Lehrern und Mit- gliedern in einem Vercinslokale ein Heim bieten, mit Lesezimmer, Pibliotek u. s. w. 4. Der Verein unterhält eine stete Verbindung mit den deutschen Hochschulen und der deutschen Presse, um auf die Sachlage inbczug auf den wirklichen Bedarf deutscher Lehrer in England aufmerksam zu machen. 5. Ter Verein wird ferner die Aufgabe übernehmen, für die Kin- der englischer Eltern passende Schulen auf dem Kontinent, wie auch umgekehrt solche Schulen resp. Familien für deutsche Kinder in Eng- land nachzuweisen, den Austausch von Kindern zum Zwecke der Er- lernung der englischen und kontinentalen Sprachen zu vermitteln u. s. w. 6. Endlich hofft der„Verein Deutscher Lehrer in England" im i.ause der Zeit und mit Unterstüzung der kaiserlich deutschen Regierung in den Stand gesezt zu werden, in London ein„Deutsches Institut zum Studium der englischen Sprache", dessen Grundzüge bereits von einem Komitemitgliede in einer Denkschrift ausgearbeitet werden, zu gründen. Der Lord-Mayor von London, sowie andere hervorragende Persönlichkeiten haben bereits ihre Beteiligung, event. ihre Protektion zu- gesagt, und die vorläufigen Kosten sind durch die Güte deS Herrn C. Tuchmann teilweise schon gedeckt, doch sind noch erhebliche Mittel erforderlich, um den Verein so weit lebensfähig zu machen, daß er auf eigenen Füßen stehen und die oben berührten Projekte zur Ausführung bringen kann. Aus diesem Grunde wendet sich das untcngenanule Komilv vertrauensvoll an alle deutschen Lehrer und Studirenden, auch ihrerseits die gute Sache nach Kräften zu fördern, entweder durch Bei- tritt zu dem Verein oder durch Beiträge. So weit sich bis jezt übersehen läßt, würden die Jahresbeiträge der Mitglieder zehn Mark nicht übersteigen, und würden diese Bei- träge alle Mitglieder zu dem Schuze und den Wohltaten des Vereins berechtigen, deren Umfang nach de» oben angegebenen Grundsäzen f. Z. in den Statuten näher festgestellt werden wird. Beitrittserklärungen, sowie Beiträge werden von dem mitunter- zeichneten Sekretär, sowie von Herrn Dr. Bernhard, Schazmeister des Allgemeinen Deutschen Schulvereins, Kurstraße 34,35, Berlin C., entgegengenommen. London, im März 1884. Das(Eornile des Dereins deutscher Lehrer in England. ChaS. Tuchman»(früherer Präsident der TeuN'chen Wohl- täliglcils-Gefells-Iiait), Borfirender. H. Baumann, Direktor der deutfch-englifchen Knadenfchnlc in Brixton. Otto Tclsä, Oberlehrer an ftina'd Kollege, Sherborne. I. Holthusen, Redatlcur der ,Ao» doner Zeitung Hermann". C. Menget, Direktor der ersten dent>a>en höheren Töchtertckule»i Jdlington. Dr. E. Oswald. Royal Naoa> Kollege, Greenwich. Dr. SB. Rolfs, Erzieher S. K H. des Vrnne Alfred von Edinburg. Dr. Schneider, Vertreter der„Kolnwhet Zeitung" für England. Dr. Icköll, Pastor an der deutflben luien- scheu Kirche in Cleveland Street, Fihroy Sgnare, W.O. C. Wagner, Pastor an der deutschen cvangeliichen Kirche, Sydenham, S.E. H. Reichardt, Oberlehrer an der höheren Mädchenschule, Park Road, Haverstock Hill, London, Ji.W., Sekretär. 6 h a r a d e. Mein Erstes ragt vieltausendsalt zum Himmel hoch empor, Mein Zweites bringt den Himmel dir auf Erden schon hervor. Mein Erst' und Zweites ragte einst wie'S Erste vielgestalt Zum Himmel wohl vom Ersten auf beherrschend Feld und Walo- Mein Zweit' und ErsteS findest du dreimal im deutschen Lall», In Hessen, Baier», Schlesien ist's dem Kundigen bekannt._ Rösselsprung. nl ge» mond det inecr ,icr por „O die Freunde! beere; Lattich; P i.................. tw Alchymist.(Mit Illustration.!— Unser alter Professor. Humoreske von Erich Jcschke.— Unsere. � 5 k:»„ s öl-.- S-'cn Hamburg: 1) Hof im Kehrwicder, 21 Fleetpartie, im Hintergründe die Katarinenkirche.—®"t_ jzinsa� bClll©ebicte bor«Sllbuitric. Aodlllif UllS fFrirfnit'a(Sn r\»t m ott tto r\ ♦ v ci> iintl Uk». SSWÄÄtSSÄ »Tt f|Ä|'- sssfe-«SÄÄSBÄjsawf