Zj»üujlrirlc �CnlcrUaUuiigsbciicujc. 1Ö97 ie nischeil mr um Kiel- lfcilste »icic», ver- lie spiele, . N» >e SpieLkinder. Roinail v?il(Vcvrg Hcrniail». �Fortsotzung.) �ei»iis(pnq es heilte driiiiter niid drüber. ' Ntnu uierkie doch gleich, dosj die Alles ord- nciibe und leitende Hand fehlte. Frieda nud Krethe liefen wie gescheuchte Hühner innher nnb wiisz- ten nicht Bescheid, wo irgend etwas zn finden sei. Papa saß verstört nnd hungrig am Tisch, sprach und geslitnlirte vor sich hin. Louise war auch da und lag uns fortwährend in den Ohren, sie vertrüge sich mit ihrem Atann so schlecht, er hätte sie geschlagen, und wenn sie das gewußt hätte, wäre sie lieber bei nns geblieben. Ich hätte nicht sehen möge», wie es mit dein Abendbrot geworden wäre, hätte sich nicht Louise hülfreich meiner Schwestern angeiio»lmeii. �ni(yng- 1'scheu nnb Französischen waren ihre Leistungen ans- gezeichnet, auch in Pädagogik nnd Aesthctik waren sie die Besten des Zeniinars, aber im Brotschneideu und Stullenschiiiiereii ivareu ihre'Leistullgen doch »och als recht mangelhaft zu bezeichnen. Ich war erregt durch das Borgcsallene, sehnte mich darnach, allein zu sein, und versuchte, mich mög- lichst bald fortznstehle». Nchch einer Viertelstunde Üiinb ich auch schon in ineinein Zimmer, legte die Tlirn gegen die Scheiben, stierte hinaus in die Tnnkelheit und trommclie mit den Fingern, als Anna hereintrat und sagte, sie hätte mich schon überall gesucht, ich solle sofort meinen Hut nehmen nnd mit »dem Herrn" mitgehen, er warte schon niigednldig auf mich, Es war mir vollkommen nnbegreiflich, wo mein Bater mit mir hin wollte, er war sonst nicht gewohnt, »ächiliche Spaziergänge zn nnternehmen, nnb es mußte heute wohl seine eigene Bcwandtuiß damit haben. Er äußerte auch garnicht, wo eS hingehen sollte, und so trottete ich denn neben ihm her durch die uächtlichc» Straßen der Borstadt. Es war kurz nach sehnt kein Mensch mehr zu erblicken; Alles wie ans- gestorben; in einer Seitenstraße das Rollen einer Equipage, die kurze», taktmäßigen Schläge der Traber auf dein Asphalt. In langen Reihen die Borgärten mit den Flieder- und Rothdornbnschcn, nnd hinter jedem konnte doch ein Räuber oder Mörder scheu! Tort vor einer Hansthür ein tuschelndes, zärtliches Pärchen. lind dann drüben schwarze, schwere Lanb- massen, welche sich nach der Stadt hin in scharfer Linie gegen den leuchtenden Himmel abheben. Mir war dies Alles nen, ich war noch nie so spät ans der Straße gewesen. Diese lebendige Ruhe, die langen sich verjüngenden Lichterreiljen, der glthernde Asphalt, die tobten Hänserfronten mit den schwarze», grillsenden Fensterhöhlcn.— Nun eine breite, mit dicken Kastanien bepflanzte Straße entlang, voUkoinineii lanbübcrdacht; doch Heller nnd belebter als die anderen. Kutschen nnb Droschken fahren in fast nnuuterbrochener Reihe, Herren und Damen scheu zurückgelehnt in den offenen Kefährte». Soviel ich beim Laternenlicht erkennen kann, haben die Gesichter der Insassen meist einen Zug angenehmer Lässigkeit, die Augen einen gutmüthigen Glanz nnb scheinen mit Behagen auf dem Gesicht der Mitfah- rcndcn zu ruhen Plötzlich stehe ich wie geblendet, tageshell! Ein Lanseli und Drängen, ein Lärmen und Rollen! Diese Nienschen, diese Wagen! Die schweren Oninibusse poltern über das Steinpflaster, die Passanten drängen ans dem Bürgersteig. Das Länten der Pferdebahn, das Rufen der Kutscher! Pom Bahnhof flnthet ei» dicker, schwarzer Nienschcnstrom die breite Freitreppe hinab, wie Blnt ans einem pnlsirenden Herzen in die Ader. Daß des Nachts doch soviel Menschen ans den Straßen sind! Jetzt sollten sie schon alle in den Betten liegen; diese Menge einzelner Damen! Wie fein sie aber angezogen sind, wie hübsch sie sind! Diese frischen Farben! Die da mit den Brillant- ohrringen nnb dem großen, brannen Hut mit der blanen Feder, und die mit dem hellen Jaqnet und den feinen weißen Unterröcken! Pfni! Sie hebt aber auch wirklich die Kleider ctivas zu hoch! Das läuft Alles so eilig, als ob es Geld dafür bekäme. Nur die feinen Damen scheinen viel Zeit »nd Langeweile zu haben, sie bleiben oft stehen, sehen sich ni», als ob sie ctivas suchen, ninrnieln vor sich hin, gehen trällernd weiter nnd mnstern die vorübergehenden Herren. Sie beginnen meine Anfmerksamkeit z» fesseln; aber fein scheinen sie doch eigentlich nicht zn sein, denn manche haben so gewöhnliche Gesichter, breite Niänler, breite Nasen. Und sieh nur'mal, die da, die Rothblonde— so rothblondes Haar habe ich doch noch nie gesehen— hat ja auch den niederträchtigen Zug um die Nase, der einzige, der mir manchmal bei— ach ja, wie mags dem armen Kind noch ergangen sein?— Papa scheint all das, was»in ihn vorgeht, nicht zn betreffe». In seinen. Gedanken heimst er wohl wieder einen großen Verdienst ein, oder er versucht, sich irgendwo etwas z» borgen; er fährt mit de» Händen in der Lust umher, bewegt fortwährend die Lippe», ohne auch nur ein Wort hervorzubringen, nimmt plötzlich den Hut ab, fährt sich über die Stirn, knöpft sich den Rock ans, als ob es ihm zu heiß wäre, und eilt dermaßen, daß ich kanm mitkomme. Die Läden sind schon fast alle geschlossen, doch vor den Schaltkästen der Photographen stehen immer noch die Menschen; trotzdem sie schwerlich etwas sehen können, drücken sie beinahe mit ihren Ge- fichlem das Glas ein. Vor den Cafös lange Droschkenreihen mit schla- senden Kutschern. Ans den Kneipen kommen junge Leute, meist in heiterer Stimmung. Entweder unter- halten sie sich laut, singen wohl auch nnmclodisch oder bleiben vor einer jener Damen stehen nnd versuchen, sie in ein Gespräch zu verflechten. Plötzlich biegt Batcr in einen spärlich erlench- teteil Hansflnr ein und zieht mich mit sich, einige steile Stufen hinauf. Er öffnet eine Thür. Ein ent- sctzlicher blauer Tabaksqualm schlägt mir entgegen, benimmt mir fast den Athem. Blendendes Gaslicht läßt mich die Augen enikneisen. Holzgetäfelte Wände; eichene Tische und Stühle; und Menschen— Menschen, wie Radieschen in Bündeln. Breitschultrige alte Herren, von ernstem, vornehmem Aenßeren; junge Leute mit bunten, dreifarbigen Bändern über der Brust und schwammigen, narbigen Gesichtern; Einige stninpssinnen vor sich hin. Andere lachen ausgelassen, wieder Andere politisiren mit vom Streit geröthcten Köpfen. Mir ist dieses Kneipenlebcn nen. Was machen all diese Leute nur? Warum gehen sie nicht in die frische Luft, wenn sie erholungsbedürftig, sondern sitzen hier eng znsmnmengekaucrl in dieser menscheii- nnwürdigeu Atmosphäre, trinken dieses bittere Gesöff mit einem Wohlbehagen, als ob es Milch wäre? Endlich finden wir noch einen Platz, gerade am Fenster. Nun hat man doch wenigstens Ableitung nnd kann hinaus ans die Straße sehen, wo es immer noch wogt und flnthet, drängt und sich staut, wie eine brandende Welle.— „Sieh einmal'rüber, mein Soh», Tu hast ja gute Augen, ist da drüben eine Treppe das dritte Fenster offen?" begann Vater nach einer Weile. „Ja, nnd ich glaube, es steht auch Jemand am Fenster, solche kleine, dicke Frau,— wie Mama. Da— jetzt ist sie wieder fort!" Papa rvnrde sichtlich unruhiger. Ich sah, daß irgend ein Kampf sich in ihm abspielte. Es schien ihm unerträglich heiß zn sein. Die Zornadern an den Schläfen traten prall und blau hervor; den Alhcm stieß er ruckweise durch die Nasenlöcher und starrte wie geistesabwesend vor sich hin. All der Lärm, das Leben und Schwatzen um ihn schienen ihm nicht znin Bewußtsein zu kommen. Seine Zigarre war ausgegangen, und er kante und lutschte an ihr, biß ans ihr umher, ohne auch nur zu wissen, was er that. Ich fühlte dnrchans keine Luft, ihn zu stören oder mit Fragen zu belästigen. Es war mir wün- schenswerther, auf die Straße hinansznsehen, das wechselvolle Getriebe an mir vorüberziehen zu lassen: Arbeiter, Kanflente, Studenten, Soldaten, alte Herren mit großen Radmänteln und dicken Nacken, viel junges Volk, meist paarweise.— „Georg!" „Papa?" „Spring mal'rüber, mein Söhnchen, nnd er- kundige Dich, wie es Deiner Taute geht; Du brauchst nicht zu sagen, daß ich Dich geschickt habe." Er brachte diese Worte zögernd und»»bestimmt hervor. „Wo wohnt denn Tante Agnes?" „Da drüben, wo vorhin Mama am Fenster war, das Haus bleibt ja offen." Ich ging, wenn auch ungern. t Vic Aeue Welt. Illustrirte Anterhaltungsbeilage. In der Portierloge schlief eine alte Frau. Breite Marmorlreppcn, dicke, schalldämpfende Teppiche, Spiegel, Stuck, Holzschnitzereien. Eine schwüle Ruhe und Boriichmheit, daß mau unwillkürlich das Rauschen seidener Kleider zu hören glaubte. „O, die Leute, die hier daheim sind, müssen aber glücklich sein! Immer so schön gesättigt diese Treppen heruntergehen zu können, keine Sorgen, sich um nichts zu kümmern brauchen!" Oben klopfte ich. Ein Dienstmädchen, ich hätte sie beinahe für eine richtige Dame gehalten.— „Was wünschen Sie?" fragte sie so leise, als ob ihr die Zähne zusammengewachsen und ihr un- möglich wäre, sie auseinanderzubringen. „Ich möchte meine Mutter sprechen!" „Ihre Mutter?" und sah mich von oben bis unten an, als ob ich überhaupt ein Findling wäre. „Ja, Frau Geiger." „Ah so, die Frau, die bei der Frau Räthin heut zur Nacht bleibt—" Mir wollte die Galle übergehen, und schon wollte ich ihr grob antworten, als sich weiche schlürfende Schritte der Thür näherten. „Johanna, wer ist dort?" flüsterte es. „Der Sohn von Frau Geiger; er will seine Mutter sprechen," klang es ebenso leise zurück. Räuspern— Schweigen— nach einer Weile kaum hörbar:„Soll näher treten," dann etlvas lauter: „Komm nur herein, mein Kind! Nicht wahr, Georg heißt Du?" Gin Vorraum, in dem jedes Geräusch zu ersticken scheint, dann ein großes Zimmer, eine Lampe mit rothem Schirm; Alles dick und schwer verHange». Sieht das hier hübsch aus! So ähnlich hat's ja bei uns auch'mal ausgesehen! Solche Möbel müssen wir auch'mal gehabt haben! Ach, hier muß es sich doch schön wohnen, so heimlich, so gemüthlich! Der Aristokrat richtet sich ganz grade auf und legt mir die Hand auf den Kopf. Er ist unbedingt ein hübscher Mensch. Trotz Schlafrock und roth- seidener Niorgenschuhe hat er auch jetzt noch den Schnurrbart kokett hochgewirbelt. Er will etlvas zu mir sagen, mich etwas fragen, scheint aber zer- streut keine Worte zu finden. Da klingt plötzlich aus dem Nebenzimmer— die Thür war nur an- gelehnt— ein langes, jammerndes, langgezogenes Stöhnen; es wurde wohl durch die Nasenlöcher ausgestoßen, ein Mittelding zwischen einem leisen Pfeifen nnd dem Wimmern eines kleinen Kindes. Ein Ans- senfzen, wie ich es öfters gehört hatte, wenn wir Jungen uns rangen, nnd inein schwächerer Gegner nach langem, mühsamem Widerstand sich in das Schick- sal des Unterliegens ergab. Der Aristokrat springt hochanf wie ein Gummi- ball, hält sich beide Ohren zu und rennt aus dem Zimmer. „Ich kann's nicht mehr hören, ich kann's nicht mehr hören!" Ich stehe allein und wage nicht einen Fuß vor- zusetzen. Im Nebenzimmer leise Mntters Stimme. „Nun, Agnes, wie geht's Dir denn? Soll ich Dir etwas reichen? Wein?" Dasselbe Stöhnen— dann ein schwaches, mir unverständliches Murmeln. „Mama!" „Georg!" Sie tritt herein. Das Licht scheint sie zu blenden, sie überschattet mit der Hand die Augen. „Was willst Du?" „Mich erkundigen, wie es Tante Agnes geht." „Sag nur Papa- wo seid Ihr?" „Drüben im Lokal." „Es ginge"— ihre Stimme beginnt zu zittern, sie nimmt die Hand von den Augen, die voll dicker Thränen stehen— schlecht— sehr schlecht— es handelt sich wohl jetzt nur noch um diese Nacht— Aus dem Nebenzimmer wieder das Stöhnen, dieses Mal leiser, aber durchdringender.— Ein ausklingender, nachzitternder Ton. Blauia eilt hinein. Ich gehe lvieder. Der große Spiegel im Treppenhans, all dieser blitzende Schmuck, der mich vorhin so gefesselt. „Ich möcht' doch nicht hier wohnen! Da ge- fällt mir doch meine Hintertreppe mit dem schad- haften Wandbcivnrf, den mnldigen, ausgetretenen Stufen besser." Auf der Straße ist es schon etlvas stiller ge- worden, der geschäftliche Trubel hat jetzt vollends aufgehört, der Wagenverkehr nachgelassen! Bielen Passanten sieht man die Hast an, heim- zukommen. Vater sitzt immer noch, den Kopf auf die Rechte gestützt, genau in der Stellung, in der ich ihn ver- lassen habe, nur scheint die Widerstandsfähigkeit seiner Züge erschlafft, die Augen haben einen matten Glanz bekommen, als ob sie nächtelang sich nicht geschlossen hätten, und das erste Aial fehlte ihnen jener hoff- nungsvolle Ausdruck, der sich bei den meisten energie- losen Leuten findet. In seinem Gesicht lag der Aus- druck eines Stöhnens, desselben Stöhncns, das ich vorhin bei der Kranken gehört hatte, das der Ans- gäbe eines nutzlosen Widerstandes. Vater bemerkte mich erst, nachdem ich wohl schon fünf Mirniten neben ihm saß. „Nun?" Ich erzählte nnd dann sah ich wieder zum Fenster hinaus.— Dasselbe wechselvolle Einerlei! Jeder von Denen da hat seine eigenen Gedanken. Jeder glaubt etwas Eigenartiges zu sein, seinen unveräußerlichen inneren Werth zu haben, und wirklich. Jeder hat auch etwas Eigenes an sich, über das er spötteln ivürde, wenn er's selbst wüßte. Dieser eine ihm nur eigenthümliche Handbewegung, Der ein Kopf- schütteln. Der pflegt den Hut in den Nacken zu setzen, Der bis auf die Augen zu rücken.— Ich spürte noch keine Miidigkeit, trotzdem ich mich hin nnd wieder eines verhaltenen Gähnens nicht erloehren konnte. Nach einiger Zeit schickte mich mein Vater wieder hinüber, wie es ginge. Ein Achselzucken war die Antwort. Der Aristokrat war in den Hinteren Räume», er wagte sich nicht mehr nach vorn, aus Furcht vor einer schrecklichen Erinnerung. Alles schlich leise und dumpf. Selbst in den Gesichtern der Dienstboten lag die Schlaffheit überreizter»Nerven, selbst das Pendel der Stutznhr schien vor Ertvartung zu vibriren. Jeder ahnte:— jetzt— nein jetzt und die Berührung zwischen Körper und Lebenskraft ist gelöst. Keine Thräne, keine Klagen; nur eine schwüle Spannung,>vie Sonnenbrand an einem Angusttage! Mutter allein behielt ihre vollkommene Geistes- gegemvart und ruhige Geschäftigkeit. Sie dachte an Alles nnd Alle; nicht einen Blick venvaiidte sie von der Kranken. Jeden Wunsch schien sie ihr an den Augen abzulesen. Jetzt rückte sie ihr die Kissen gerade, jetzt reichte sie ihr Wein, kühlte ihr die brennende Stirn, deckte ihr die Füße warm zu, sorgte für die Angehörigen, ob der Bruder auch schliefe; man niöchte für Ewald, Lene und die Wärterin Kaffee machen, möchte die Uhr anhalten— möchte — möchte— möchte—---- und wieder ging ich. Jetzt wars schon fast ganz still ans der Straße. Die Beleuchtung tvar vermindert worden. In langer Reihe standen die Blechöfen der Asphaltarbeiter nnd stießen prasselnd dicke braune Oualmwolken in die stille Luft. Die Gasätherflammen zuckten hell auf, nun schienen sie ganz zu verlöschen. Hier stand eine riesige schwarze Gestalt das wechselnde Licht ließ sie noch größer erscheinen— niit dem Rücken gegen eine Laterne gestemmt und rührte und stocherte mit einer langen Eisenstange den brodelnden Theer. Da rutschten Andere auf umpolsterten Knieeu am Boden; aus Blechkannen gössen sie den flüssigen Asphalt, den sie mit Holzplatten glätteten. Eingehüllt in Dunst und Qualm, verschwamm en mir ihre Be- wegungen. Hier tauchte ein Kopf auf— dort eine Mütze— dort ein nackter, nerviger Unterarm— dort ein gebeugter Rücken— dort eine Holzpantine und ein Fuß, uni sofort wieder in dem sich ballenden Rauch verschleiert zu tvcrden und dann ganz zu verschiviuden.— „Papa!" In der Kneipe war es jetzt auch schon fast leer geworden, nur einige uralte Herren saßen noch dort und disputirten eifrig. Maiichmal schlugen sie Wohl anch, um ihrem Ausspruch größeren Nachdruck zu geben, mit der Faust auf den Tisch, daß die Gläser tanzten, oder lachten bei dem, was der Andere sagte, so laut ans, daß die Wände dröhnten. Ich weiß nicht wie es kam, sie niachten auf mich den Ein-! druck von Cyklopen, und ich sah fast ängstlich hin, ob sie nicht vielleicht einäugig wären. Vater saß immer noch apathisch. „Papa!" „Nun?" „Man hat mir nichts gesagt!" „Schlimm!" Wieder das beklommeue Schweigen! Plötzlich sehe ich, wie es drüben hell wird, ein Lichtschein huscht an den Scheiben entlang, kehrt um, läuft wieder nach vorn, wieder nach hinten, die Fenster in der Krankenstube werden aufgerissen, wieder geschlossen. Kurz darauf eilen ein Dienstmädchen und ein Mann, wohl der Portier, Beide ohne Kopf- bedeckung, das Mädchen sogar in der Nachtjacke, nur ein Tuch darüber geworfen, aus der Hausthür, der Mann ruft eine Droschke und fährt fort, das Mädchen zieht die Glocke der Apotheke. Vater schien dies Alles nicht zu bemerken, nnd ich wagte nicht, ihn darauf aufmerksam zu machen; überhaupt fürchtete ich mich heute vor ihm. Der Mann da neben mir, das war mein Vater. Er hatte mir im Leben noch nichts Böses gethan, war zwar auch nie liebevoll oder auch nur freund- lich zu mir gewesen, und doch liebte er mich. Er hatte für mich gearbeitet, gedarbt, gesorgt und gebangt. Um mich, um uns zu ernähren, lief er Tag für Tag von Morgens bis Abends umher, duckte sich und kroch vor Lumpen und Schtvindlern, zer- marterte sein Hirn, überreizte seine Nerven, nur um uns den Fluch des Daseins möglichst tvenig fühlen zu lassen. Und ich fürchtete ihn, weil er nicht freundlich zu mir, weil er oft grob und barsch war oder mich garnicht beachtete. Bater schien mir heut fremder denn je, da es mir unmöglich war, in den Kreis seiner Gedniikett einzudringen. Er behandelte mich wie ein Kind, beachtete mich nicht und ich wäre doch schon so ger» der Große gewesen, hätte an Allem Autheil ge- uonimen, und nun gab es Fragen, die in mciuer Gegenwart nicht erörtert wurden, einen ivunden Punkt in der Geschichte meines Vaters, der, tvcn» ich dabei, nicht'berührt wurde. Ich empfand es, aber loas es war, darüber konnte ich nicht zur Klarheit gelangen. Ich wußte nur, daß wir viele sehr, sehr reiche Anverwandte hatten, aber niit Nie- mandem verkehrten. Lag die ganze Schuld nur daran, daß ivir arm wie Kirchenmäuse waren? Möglich! Möglich, aber doch nicht wahrscheinlich. Vater war ein Starrschädel, ein Mensch vo» großer Körperkraft, aber zu leidenschaftlich, um thatkräftig zu sein. Er ließ sich oft und leicht z» Dingen hinreißen, die ihm nachher leid thateu, wagte aber dann aus Stolz nicht, sein Unrecht einzugestehen. Es mußte ettvas vorgefallen sein, und sei» innerer Kampf jetzt mußte andere Gründe habe» als die Nahruugssorgen, denen er tagtäglich ins Gesicht sah. Vater war schon in dem Alter, Ivo es langsam bergab geht. Die zehn, zwölf Jahre ohne bestimmte» scharfbcgreuzte» Wirkungskreis, die fortgesetzten seelischen Aufregungen hatten das Ihre gethan, um seine Widerstandskraft zu schwächen. Die Krähen- füßchen um die Augen, die breiten Sorgenfalte» auf der hohen Stirn begannen sich tiefer und tiefer eiiizugrabeii, und er sah noch nichts vor sich, was auch nur einer Hoffnung auf eine sorgenfteie Zu- kunft ini Entferntesten geähnelt hätte. Dasselbe nutzlose Ringen, das Leben von der Hand zum Munde, bis man eines Tages zusammenbricht und Frau und unmündige Kinder dem Elend oder der Wohlthätigkcit reicher Verwandten überläßt. Nein, lieber sich demüthigcn! Es war auch damals unrecht von ihm. Die- jenigeu, die vielleicht nicht daran schuld waren, die einsahen, daß jede weitere Hülfe den Ruin nur auf- halten, aber nicht verhindern würde, öffentlich zur Verantwortung zu ziehen. Seine sämmtlichen Ver- wandten, die ganze vornehme Welt der Großstadt Die Aeue iPelt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. 35 erklärte ihn in Verruf. Und das Urtheil dieses dunklen Ehrengerichtes wurde mit unerbittlicher Strenge durchgeführt, schon über zehn Jahre. Er tvar im Kampf gegen diese Welt, die ja im Recht war, das sagte er sich oft genug selbst, unter- legen. Er allein hätte ihn ja fortgeführt, aber um seine Frau, die so treu zu ihm hielt, nie klagte oder ihm Vorwürfe machte, um die Zukunft seiner Kinder wollte er sich jetzt— demüthigen, so sauer es ihm auch fiel. Er ivollte sich aussöhnen und von Neuem beginnen, und Ivar es auch nur, um endlich wieder auf festem Boden zu stehen, ein Feld zum Arbeiten bor sich zu haben. Ja, er wollte dem Aristokraten zeigen, daß er an ihm und seiner Familie Antheil nehme. Er wünschte die Versöhnung, denn er war ja vielleicht � hm, vielleicht?— im Unrecht. Waren ihni denn diese Leute fremd? Hundertmal war er bei ihnen gewesen, hundertmal sie bei ihm, damals, als es ihm noch gut ging und alle Welt vor ihm und seinem Geldsack den Hnt zog. Die Frau, die da oben im Sterben lag, hatte viel auf ihn gehalten; er hatte aus Dank dafür ihrem Mann ins Getvisscn geredet, wie er sich nur mit anderen Weibern abgeben könne, da er doch so ein gutes, liebes Weib daheim hätte, lind all diese Baude der Verwandtschaft sollten auf immer gelöst sein? Es sollte ihm nicht möglich sein, sich mit Hülfe der Anderen noch einmal emporzuraffen, sich die gesellschaftliche Achtung— mehr ivollte er ja garnicht— wiederzugelvinnen? Lange genug hatte er sich ja belogen, hatte gehofft und geharrt. Es ging so nicht iveiter, er kam zu nichts. Ja, wenn er noch jung gewesen wäre— aber heut, mit vier- undfüufzig Jahren!— Eine Droschke jagt die Straße hinab und hält drüben. Ein alter Herr und der Mann von vorhin eilen in das Hans. Vater blickt auf, beißt sich in die Lippen, seine Mulidwinkel zucken, als ob er weinen ivollte. Wir sitzen Beide in athemloser Spannung. Auch mich erfaßt jenes dumpfe, schwere Angstgesühl, ähnlich der Beklemmung, die ich empfinde, ivenn ich des Nachts aufwache und sehe, daß die Thür, die ich geschlossen wähnte, weit offen steht uiid iiiin mit ihrer schwarzen Höhlung mich unheilverkündend angrinst.(Forlscgung folgt.) & Franz Schubert. ®tii Gcdenkblatt zur loosähr.Getiurtsstier am 31. Jan. 1897. Von G. Macasy. ls in der Literatur die Nomantik in vollster Blüthe stand und Novalis, Tieck, Schlegel n. A. mit den starr gewordenen Formen der Klassizität und mit ihrer seit Schiller und seinen Nach- ahmern immer gesteigerten Unnatur brachen und der Dichtkunst neue Wege bereiteten und neue Farben und Stimninngen der Natur zuführten, da begann auch eine Umwälzung auf dem Gebiete der Musik. Auch hier wurden neue Formen geschaffen, frei von dem cvgen Zwang, welcher auf der klassischen Periode lastete. Während noch Ntozart und Haydn sich zum größten Theil in die strengen vorgeschriebenen Formen fügten, die ihnen aus der italienischen Schule über- liefert worden waren, begann Beethoven, der größte Revolutionär der Musik, sein ungeheures Werk der Neugestaltung. Er sprengte die engen Fesseln der Harmonie, in welchen der tiefe Geist deutscher Musik verkümmern mußte, und gab den ersten Anstoß zu einer neuen, freieren Auffassung des Rhythmus und der Melodie. Die Geschichte der Musik ist in ihren Entwicke- lungsstufen aufs Engste verknüpft mit der Geschichte aller Kunst. Ueberau ist es ein ewiges Neugestalten, ein stetes Fortschreiten, ein steter Kampf gegen alte Kunstgesetze, welche ihre Schöpfnngswerthe verloren und ihre Zeit überdauert haben und nun unnütz geworden sind für die neuen-Menschen mit ihren neuen Seelen. Und derselbe schaffende Künstler, welcher einst an dem Aufbau solcher Kunsigesetze gearbeitet hat, würde in einer späteren Zeit seine eigenen Gesetze umstoßen und neue an ihre Stelle setzen. In diesem Sinne war noch jeder wahrhaft große Künstler Revolutionär, denn jeder mußte zu- gleich umstoßen, wenn er aufbauen wollte. Das Lebenswerk eines Bach ist mit dem eines Beethoven gleichbedeutend an innerem Werthe, und der Schritt, den die musikalische EntWickelung von Bach zu Bcethoren machte, ist eben so groß, wie etwa der Schritt von Beethoven zu Wagner. Es ist in der Musik, wie in der Literatur: nur empfindet man für gewöhnlich einen musikalischen Umsturz nicht als solchen. Könnten aber die Töne eines Beethoven sprechen, mit Worten sprechen, würden sich seine Rhythmen in klare Gedankensätze verwandeln können, so wären sie eine Predigt von Sturm und Aufruhr, so wie es oft die Werke von Dichtern sind, die um ihrer Worte und Gedanken willen stets mit den herrschenden Mächten zu ringen haben. Aber einen musikalischen Revolutionär hat man noch zur keiner Zeit und in keinem Staate als gefährlichen Menschen unschädlich gemacht. Beethovens Erbe, freilich in einem ganz anderen Sinne, sollte Franz Schubert werden, dessen An- denken wir heute feiern,— Schubert, der größte Lyriker der deutschen Musik und, neben Mozart, der melodieurcichste und fruchibarste Künstler. Was Schubert seine eigenartige Bedeutung als Lyriker gicbt, hat sein Biograph Niggli* kurz folgeiidermaßen charakterisirt: „So wenig die Komponisten ans der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, die sich der Pflege des Einzelgcsanges zuwandten, die gc- schlossene, strophisch gegliederte Form des Volks- liebes hierfür benntzten, sondern den poetischen Ge- halt in den kunstvollen Formen der Arie, des ernsten fliezitativs, der Kantate usw. musikalisch anszudrücken suchten, ebenso wenig fanden unsere klassischen Meister Haydn, Mozart, Beethoven die der gleichzeitigen dichterischen, insbesondere der Goetheschen Lyrik cnt- sprechende Liedform. Von dem Bestreben ausgehend, die lyrische Stiinmnng möglichst tief zu fassen, jeden einzelnen Gcfühlszng möglichst erschöpfend darzu- stellen, zugleich beeinflußt von den ihrer ganzen Gcistesrichtnng besser entsprechenden großen Jnstrn- mentalformen, durchbrachen sie das einfach gebaute Versgefüge des Liedes und erweiterten dasselbe zur breitansgelegtcn Szene. Man erinnere sich beispiels- weise des ganz in der Weise eines Sonatensatzes gehaltenen Schäferliedes von Haydn:„Stets sagt die Mutter, putze Dich" oder des Mozartschen „Veilchens", das, den verschiedenen Erzählungs- Momenten entsprechend, in eine Reihe mehr oder weniger selbstständiger Partien zerfällt, oder endlich der„Adelaide" Beethovens, in welcher jeder Zug des landschaftlichen Bildes in Tönen gemalt � ist und die Einheit des Gedichtes wescnilich nur durch die gleichmäßig süße Glnth der Darstellung auch musikalisch gewahrt wird. So blieb es einigen kleineren Talenten des mehr reflektirenden als naiv schöpferischen Nordens vorbehalten, den Liedstil in Tönen zu entdecken und bis zu dem Grade z» pflege», daß es nur noch der Erscheinung eines musikalischen Genies bedurfte, damit auch auf diesem Boden Vollendetes erblühe. I. Fr. Reichardt (1751— 1814) und Fr. Zelter(1758— 183'2) waren die Komponisten, welche wesentlich im An- schlnß an die Goetheschc Lyrik zuerst die den Vers durchziehende Sprachmelodie in Töne zu fixiren und möglichst getreu nachzubilden versuchte». So ge- wannen sie die dem Strophengesang gemäße, sym- metrisch gegliederte Form, welche einerseits die Einheit der Stimmung getreu wahrt, andererseits aber doch die Möglichkeit gewährt, durch fein ab- gestufte Deklamation wie harmonischen Reichthum des Akkompagnements jede Gefühlsschattirung, ja das einzelne Tertwort sinnvoll wiederzugeben.— Den verhcißungsreichen Keim zur Blüthe zu ent- falten, das ivar freilich erst Schubert beschieden, dessen charaktervolle Deklamation das trocken äugst- liche Rezitiren jener Vorgänger ebenso überragt, wie der Schönheitszauber seiner Kantilene ihre meist Musikbiographie» bei Reclam, 1(1. Band, dürftige, oft an den Bänkelgesang anstreifende Melodik." Soweit der Biograph. Aber ebenso, wie sich Schubert durch die Form und Art seines Liedes von allen Vorgängern unter- schied, ebenso auch durch die Wahl seiner Stoffe. lind gerade dadurch ist er zu dem großen Volks- künstler geworden, dessen tiefsinnige, rührend, ein- fache Kraft ans den tiefsten Quellen des Volks- gcfiihls schöpft und all die tausend Lebensvorgänge mit nie erschöpfendem Mclodienreichthnm umkleidet. Darum sagt Robert Schumauu von ihm, er habe Töne erfunden für die feinsten Empfindungen, Gc- danken, ja Begebenheiten und Lebenszustände. So tansendgestaltig sich des Menschen Dichten und Trachten breche, so vielfach sei die Schubertschc Musik. Was er anschaue mit dem Auge, berühre mit der Hand, das verwandle sich in Musik-- er sei der Ausgezeichnetste nach Beethoven, der als Todfeind alter Philisterei Musik im höchsten Sinne des Wortes gemacht habe. Wie innig verwandt große Kunst mit echter Volkskunst ist, geht schon daraus hervor, daß es stets die größten und naivsten Künstler waren, welche den Volkston zu treffen wußten. Sobald derselbe aber, wie es leider heutzutage geschieht, in die Hände von Stümpern geräth, verwandelt sich das echte schlichte Gold der Volkspoesie in elenden, glänzenden Flitter. Man sehe nur, was zum Bei- spiel ans dem Volksliede geworden ist, seit es von den überall grassirenden sogenannten Männergesang- vereinen in Blasse gepflegt wurde. Das Lied, welches jetzt als Volkslied gilt, ist schon lange kein solches mehr. An die Stelle inniger, gesunder Gefühle ist eine kränkliche, groteske Sentimentalität getreten; an Stelle des naiven, klaren Ausdruckes ein Ge- misch von verzerrten Phrasen, deren Zweck einzig und allein ist, auf die geschmacklose Rührseligkeit eines gänzlich verbildeten Publikums zu wirken. Und die Stoffe? Sind sie überhaupt noch aus dem Leben des Volkes geschöpft? Nein. Das Leben des Philisters, das Leben der Großstadt giebt dem heutigen Volksliede seine Sujets. Da wird die un- wahre Blntterliebe, vielmehr Affenliebe, in rührenden Alanschereien besungen, da werden falscher Glaube und falsche Gefühle in stets wiederkehrende senti- mentale Btusiklappen gekleidet. Und die Natur, die große, und die Einigkeit des Volksempfindens mit dieser Natur, wie sie einst das Volkslied stets wieder besang, diese ganze Natur ist zu einem Wald geworden, einem Ausflngswald, in den die biederen Vertreter heutiger Volkspoesie mit ihren Weibern und Kindern schinkenbclade» ihre Sonntagsparticn machen, um dann das Leitlied dieser Kategorie brüllen zu können:„Wer hat dich, du schöner Wald--". Der Schritt von dieser Pflege des Volksliedes bis zum Tingeltangel, der Stätte, wo der Volks- Humor zur Karrikatur wurde, ist kein großer. Be- daucrlich aber ist, daß die Verseuchung echter Volks- poesie von den Städten aus auch unter das Volk selbst gedrungen ist, das heutzutage seinen besten und edelsten Schatz alter Poesie und alter Lieder garnicht mehr kennt und statt dessen die jeweilig in Mode gckoinnienen Gassenhauer singt, die ihm von den Mäiincrgesaiigvereiiie» für wahre Poesie auf- gelogen werden. Und inmitten dieser Verzerrnngen, dieser Ver- logenheit und kläglichen, impotenten Musik-Senti- Mentalität steht Schubert, der Schöpfer des modernen Liedes, da, in seiner lieblichen Einfachheit und tiefen, weichen Kraft.——— Zum Schlüsse aber wollen wir über den Künstler den Atenschen nicht vergessen. Es ist wenig ans dem kurzen, leider zu kurzen Leben des Meisters zu berichten. Franz Schubert wurde als vierzehntes Kind seiner Eltern am 31. Januar 1797 im Hanse Zum rothen Krebsen Nr. 72 der Vorstadt Himmelpfort- grund zu Wien geboren. Der alte Schubert war Schnllehrcr bei der Pfarrei Zu den vierzehn Roth- Helfern in der Vorstadt Lichtenthal, und mochte wohl oft über den Segen, den ihm diese Heiligen beschcerten, sorgenvoll den Kopf geschüttelt habe». i Pic rtcuc Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Bis i!» seinem zehnten Jahre blieb Schubert ini väterlichen Hause. Mit fünf Jahren bekam er von seinem Bater den Elementar-Unterricht nnd— so lauten die Aufzeichnungen des Baters—„im sechsten Jahr ließ ich ihn die Schule besuchen, Ivo er sich immer als der erste seiner Mitschüler auszeichnete." Schon früh begann sich die Liebe zur Mnstk in ihm zu regen. Als er später von Äiichael Holzer, Chorregenten von Lichtenthal, Siugnnterricht erhielt, versicherte dieser oft unter Thränen, daß er noch nie einen solchen Schüler gehabt habe.„Wenn ich ihm was Neues beibringen will," erklärte dieser, „so hat er es schon gewußt." Im Oktober 1 808 wurde der Knabe, nachdem er den beiden Hofkapellmeistern Salieri und Ehbler vorgestellt worden ivar, in die kaiserliche Hofkapelle aufgenommen. Bald wirkte er dort nicht nur als Bratschist und Geiger mit, sondern in Abwesenheit des Dirigenten Rucziska leitete er auch die ganze Kapelle. Um diese Zeit entstanden seine ersten, aber noch unbedentcnden Compositioneu:„Hagars Klage" nnd„Der Vatermörder". In den Jahren i«14 bis 181« mußte Schubert, der inzwischen aus der Hofkapelle aus- getreten war, eine Lehrcrstelle in seines Baters Schule annehmen. Innerlich widerstrebend ertrug er doch dieses Joch, und gerade in diese Jahre fällt eine unerhörte Produktivität. Erwähnen wollen wir nur einige von den größeren Arbeiten: Die Zanberoper„Des Teufels Lustschloß", die Opern und Singspiele„Der vierjährige Posten", „Feniando,„Claudine von Billa Bella",„Die beiden Freunde von Salamanka",„Der Spiegelritter", „Der Mimiesäiiger" und„Adrast". Ferner die G-Dur Messe, eine i» Ii-Our, das erste Stabat Mater, das Streichquartett in G-Mell, zwei Klavier- sonatcn und die Symphonien in Ii- und O-Our. Weit bedeutender aber als alle diese Arbeiten, von denen besonders die Opern den Stempel der Jugendlichkeit und Ungleichmäßigkcit an sich tragen, sind die Lieder für eine Singstimme, von welchen er schon im Jahre 1813 viele komponirt hatte. Bon da an begann seine fast aus- schließliche Borlicbe für das Lied. In das Jahr 1814 fallen„Sehnsucht", „Thekla",„Elysium",„An Emma", „Das Mädchen aus der Fremde",„Der Taucher" n. a. Nachhaltiger als Schiller beschäftigte ihn später, von Mathisson abgesehen, dessen Einfluß auf ihn kein sonderlich guter war, Ossian und Goethe. Die Lieder ans dieser Epoche gehören zu dem Schönsten, was Schubert an edler Einfachheit und Tiefe des Ausdrucks geschaffen hat. Wir erwähnen nur: Das liebliche„Haideröslein",„Wonne der Wehinnth", „Trost in Thränen",„An Mignon",„Meeresstille" und den gewaltigen, hinreißenden„Erlkönig". Im Jahre 1818 kam Schubert zum ersten Mal in die Fremde, nach Ungarn, wo er sich mit slavischcn Bolksweisen bereicherte. Die ersten bedeutenden Erfolge errang Schubert im Jahre 1821 mit der Beröffentlichung seiner Lieder. Damals aber beschäftigte er sich auch schon wieder mit»insikalisch-dramatischen Kompositionen. Im Jahre 1825 schrieb Schubert die romantische Oper„Alfonso und Estrella", welche aber bei seinen Lebzeiten nicht zur Aufführung kam. Erst 1854 gelangte sie unter Niithiilfe Franz Liszts in Weimar zur ersten Darstellung, aber ohne besonderen Erfolg. Liszt selbst nennt sie ein Singspiel, keine Oper, nnd sagt, der Grund ihrer unzureichenden Wirkung liege nicht blos in dem schwache», handlnngsarmeu Libretto, sondern auch in Schuberts Mangel an dramatischer Auffassung nnd szenischer Erfahrung. Besseren Erfolg hatte Schubert mit einem anderen Bühnenwerke ans dem Jahre 1823, mit dem Drama „Nosamnude, Fürstin von Cypern". Dieses„roman- tische Schauspiel" gelangte am 20. Dezember 1823 im„Theater an der Wien" zur ersten Aufführung. Tie Musik besteht aus einer Reihe lose zusammen- hängender Gesangs- und Jnstrnmentnlsätzc. Hervor- znheben sind davon die schöne I>'-MoU- Romanze „Der Bollmond strahlt" und der Geislergesang. Schon wenige Wochen später vollendete der Komponist ein anderes Bühnenwerk von noch größerem Umfang, die heroisch-romantische Oper„Fierrabras". Aber auch diese erlebte das Schicksal von„Alfonso nnd Estrella". Treffend sagt Hanslick über das Textbuch zu dieser Oper:„Es ist ein trauriges Prototyp für die ganze Gattung jener heroisch- romantischen Opern, welche einst zu Dutzenden die deutsche Bühne beglückten. Es wird dabei ein voll- ständiger Kindheitsznstand des Publikums voraus- gesetzt nnd eine ebenso vollständige Resignation des Komponisten auf Alles, was Poesie, Geschmack nnd Znsammenhang heißt. Die Oper svielt am Hofe Karls des Großen, es fehlt also nicht an Prunk und prahlerischen Kriegsvirtuosen. Wer nur auf- tritt, ist ein Held ohne Gleichen." Im selben Jahre noch. schrieb Schubert, dem „nun einmal der Thealerdämon im Nacken saß", eine einaktige Operette,„Tie Berschworcncn". Den leichten, siugspielartigeu Stoff wußte Schubert mit solcher Zartheit nnd Grazie zu bearbeiten, daß dieses kleine Werk zu seinen besten dramatischen Schöpfungen gehört. In den Jahren 1823 und 1824 entstand der herrliche Lieder-Cyklus„Die schöne Müllerin", eine Novelle in Liedern. Trotz der freien, zwanglosen Behandlung ist dieser Cyklns ein Meisterwerk geschlossener Harmonien, die sich, bis aufs Feinste nnaucirt, aneinanderreihen zu einem vollendeten Tonwerk.„Danksagung am Bach",„Büchlein, laß dein Rauschen sein",„Nieine Laute Hab ich gehängt an die Wand",„Die liebe und die böse Farbe" sind die herrlichsten Blüthen aus diesem duftenden Kranz von Melodien.„Hier"— schreibt Louis Köhler—„löste Schubert die Liedweise von der Form des Allgemeinen nnd individnalisirte sie. Seine Lieder sind durch nnd durch neu, in der Melodik, wie in der Begleitung, in der Harmonik, wie im ganzen Satz. Schuberts Nielodie hat die Springkraft, das Ouellendc eines plötzlich natürlich Entstehenden und bewährt doch zugleich die höchste, künstlerische Bildung." Die Jahre 1824 nnd 1825 verbrachte Schubert nochmals in Ungarn nnd in der Steyermark. Hier entstand eine Reihe symphonischer Arbeiten und eine Anzahl Tänze, an welchen sich der Einfluß der Zigennermnsik geltend macht. In das Jahr 182«, fällt auch der Lieder-Cyklus „Winterreise", aus welchem die an düsterer Ber- zweiflnug nnd Schwermuth reichen Lieder„Ter Wegweiser",„Das Wirthshans" und„Der Leier- mann" hervorzuheben sind. Im Niärz 1828 entschloß sich Schubert, nach langem Widerstreben, zu einem Konzert, welches im Lokal des österreichischen Musikvereins stattfand. Die traurige, materielle Lage des Komponisten aber, welcher Zeit seines Lebens aus Armuth und Schulden nicht herauskam, vermochte auch dieser geringe Er- folg nicht zu verbessern. Die Lieder dieses Jahres, des letzten Lebens- jahres, gehören zu den besten, welche Schnbert je geschaffen.„Das Bild",„Ter Atlas",„Die Stadt",„Das Fischermndchen" n. a. wurde» her- nach in dem Cyklns„Schwancngesang" vereinigt. Im Oktober 1828 verschlimmerte sich der Zu- stand Schuberts ans Besorgniß erregende Weise. Als er am 3 l. Oktober im„Gasthaus zum rothen Kreuz" einen Fisch essen ivollte, faßte ihn plötzlicher Ekel an, als hätte er Gift genossen. Bon diesem Augenblick an nahm er außer Arzneien nichts mehr zu sich. Am 3. November begab er sich nochmals früh Morgens nach Heruals, wo seines Bruders Requiem aufgefiihrr wurde. Es ivar die letzte Musik, die er vernahm. Am 18. November schlössen die Aerzte ans Ausbruch des Nerven- fiebers. Vom 17. Abends an nahm das Deliriren zu. Zwei Tage darauf nahm ihn der Tod, den er in Tönen so ergreifend geschildert hatte, sanft hinweg.„Ihm", schließt sein Biograph. „verdankt die deutsche Nation den nn- bkstrittcnen Ruhm der licderreichstcn nntcr den Völkern, nnd so lange der Gesang ans den Lippen der Deutschen nicht ausstirbt, werden auch Schuberts Lieder in Meiischcnherze» tröstlichen und beseligenden Widerhall finden." Ein �ürt>>rer ilcr Seluilc. Novelle von.Henrik Zicnkicwicz. (Schluß.) Deutsch von Will,. Tlial. f o brachte Michel einmal mehrere Nächte, um mich nicht zu stören, _ in einem ungeheizten Zimmer zu. Als ich es bemerkte, rief ich ihn in mein Zimmer nnd ging noch einmal mit ihm alle seine Lektionen durch, um ihni zu beweisen, daß er sie wußte nnd daß es unniitz war, sich so der Er- kältnug auszusetzen. Aber schließlich fing ihm der Kopf an zu wirbeln, und er wußte selbst nicht mehr, ob er seine Lektionen begriffen hatte oder nicht. Er verlor seine Kräfte, er verlor seine Farbe nnd wurde immer düsterer und schweigsamer. So vergingen Tage nnd Wochen, nnd obgleich der Aermsie seine Anstrengnngeu verdoppelte, so wurden die Resultate doch jeden Tag unbedeutender. Die Briefe, die Frau Marina schrieb, machten das Hebel noch schlimmer.„Der liebe Gott hat Dich mit ganz besonderen Fähigkeiten begabt, nnd darum habe ich die feste Ueberzengnng, daß Du mein Vertrauen nicht täuschen wirst. Ich hoffe, mein Sohn, Dn wirst meine Stütze werden." Als das Kind zum ersten Mal einen solchen Brief empfing, packte es mich bei den Händen und hörte trotz des Schlnchzens, das ihn erstickte, nicht auf anszurnfcn: „Was soll ich thun? Was kann ich chun?" In der That, was sollte er thun? War es denn seine Schuld, wenn er mit einem so mangel- haften Sprachtalent ans die Welt gekommen ivar? T-vcurz"i-Vter OdniBevt. (Nach einem alter. Porlrät.) Anläßlich des lvojätzrilien GeliurtZtages r!,. Januar imn,. 37 Inzwischen nahte das Allerheiligenfest. Die Noten des letzten Vierteljahres ließen viel zu wünschen übrig; in den drei lvichtigslcn Gegenständen hatte Michel nur„wenig befriedigend." Ich gab seinen inständigen Bitten nach und schickte die Zensur nicht an Frau Marina. „Lieber Herr Wolski", sagte er zu mir, die Hände ivie zum Gebet faltend,„Mama iveiß nicht, daß es zu Allerheiligen Zensuren gicbt, schicken Sie sie, bitte, nicht ab, vielleicht hat der liebe Gott zu Weihnachten ein wenig Mitleid mit mir." Der arme Junge tviegtc sich in der Hoffnung, er ivcrde die Scharten noch auswetzen können, und, auf- richtig gestanden, glaubte ich es auch, sonst hätte ich an grau Marina geschrieben und ihr den wählen Stand der Tinge mitgetheilt. Meine Hoffnung halle mich nicht betrogen. Gleich nach Allerheiligen bekam er drei sehr gute Noten, eine darunter im Lateinischen. Wichel allein von allen Schülern seiner Klasse hatte geivnßt, daß das Perfekt von„saiuleo"„gavisus «um' heißt. Seine Freude war so groß, daß ich glaubte, er würde darüber den Verstand verlieren. Er schrieb einen Brief an seine Mutter, der so anfing: „Liebe, gute Mama! Weißt Du, ivie das Perfekt von yaudco heißt? Nein, das weißt Du nicht! Weder Maina noch Lina wissen es, und von meiner ganzen Klasse habe nur ich, ganz allein, es gewußt!" Aber ach, dieses Glück dauerte nicht lange, und ein nngliickscliger Zufall machte die so mühsam er- rnngenc Position wieder zu Nichte. Michel und Ostrowski vergaben eines Tages, mir initzntheilen, daß sie für den nächstes Tag ein Exer- zitinul anzufertigen hatten. Ostrowskis Nachlässigkeit wurde nicht bemerkt, denn er war der Erste in seiner Klasse. Doch anders war es mit Nüchel bestellt. Man machte ihm nicht nnr im Beisein der anderen Schüler heftige Lorwürfe, sondern drohte ihm sogar mit Vcr- Weisung von der Schule. Btan nahm an, er hätte mir von dem fraglichen Exer- zilimn nichts gesagt, um es nicht machen zu müssen; obwohl das Kind nicht zu der geringsten Lüge fähig war, so hatte es doch kein Mittel, seine Unschuld zu beweisen. Er hätte allerdings sagen können, Ostrowski hätte es auch vergessen, doch das wäre gegen den Ehrenkoder der Schüler gewesen, und als ich zu behaupten versuchte, eine Lüge wäre von Seite Nüchels undenkbar, erwiderte man mir, ich unterstütze die Faulheit des Jungen noch. Dieser Vorfall stimmte mich tieftranrig und Nüchels Zustand verschärfte meine Unruhe noch. Am Abend desselben Tages fand ich ihn, wie er sich den Kopf mit beiden Händen hielt und fortwährend vor sich hinmnrmelte: „Mein Kopf, mein Kopf, mein armer Kopf!" Ein Brief, den er am folgenden Tage empfing, war für ihn ein neuer Schlag.„Oh, was ich meiner Mutter doch für Kummer bereite!" rief er und bedeckte sich das Gesicht mit den Hände». Am nächsten Tage, als ich ihm half, seine Schul- mappe anfznschnalle», wankte er und fiel fast zur Erde. Ich wollte ihn nicht zur Schule gehen lassen, doch er versicherte mich, es hätte nichts zu bedeuten, und bat mich nnr, ich möchte ihm Jemanden mit- schicken, denn er fürchtete, vom Schwindel ergriffen zu werden. Am Niittag kam er nach Hause zurück und Im Kornfeld. Von Ludwig Stajigk. brachte wieder eine schlechte Note für eine Lektion mit, die er am Abend genau gewußt halte. Wie Ostrowski sagte, hätte er Furcht bekommen und nicht drei Worte spreche» können. Das geniigte, um die vorgefaßte Meinung zu bestätigen, er wäre ein fauler und beschränkter Junge. Er kämpfte mit der Verzweiflung eines Schiffbrüchigen gegen solche Vorwürfe an, aber leider vcr- gcblich. Eines Tages verlor er sogar den Glauben an sich selbst und das Vertrauen auf seine eigenen Kräfte. Er gelangte zu der Ueberzcugnng, daß alle Anstrengungen, Arbeit und Willenskraft unnütz wären nnd daß er nie seine Lektionen lernen würde. Gleichzeitig wurde sein Geist durch den Gedanken an seine Mutter gequält, nnd au den Schmerz, den er ihr wider Willen bereitete. Ter Pfarrer von Talesinv schrieb auch von Zeit zu Zeit an Nüchel, mit vieler Liebe, aber ohne die geringste Klugheit. Alle seine Briefe endigten mit den Worten:„Erinnere Dich, mein Kind, daß von Deinem Betragen nnd von Deinen Fortschritten in der Schule nicht nur die Ruhe nnd das Glück Deiner Mutter, sondern auch ihre Gesundheit nnd ihr Leben abhängen." Das arme Kind dachte daran; es dachte nnr allzu sehr daran; nnd selbst im Schlummer wiederholte er sehr oft niit klagender Stimme:„Mama! Mama!" als wollte er sie für irgend Etwas um Per- zeihung bitten. Seine Zensuren wurden dabei immer schlechter. Es kam Weihnachten heran, nnd die Hoffnung, Alles gutzumachen, schwand von Tag zu Tag. Ich schrieb an Frau Ntarina, denn ich hielt es für richtiger, sie anfznklären. Ich schrieb ihr offen, ohne Umschweife, das Kind wäre schwach, kränk- licki, von angestrengter Ar- bcit erschöpft nnd hätte, trog seiner beständigen An- strengungen, das Ziel nicht erreicht. Ich sagte ihr auch, es wäre am besten, Michel zur Weihnachtszeit ans der Schule zu nehmen nnd anfs Land zu bringe»; vor Allem müßte man an seine Ge- snndlieit denken. Obwohl inan mir in der Antwort zu verstehen gab, daß die mütterliche Eitelkeit leicht verletzt war, so war der Brief doch das Werk einer zärtlichen nnd vernünftigen Ninttcr. Ich sagte Nüchel nichts, weder von dem Briefe, noch von der Absicht, ihn aus der Schule zu nehmen. Ich sagte ihm nur, daß seine Mutter auf jeden Fall wüßte, daß er fleißig sei nnd daß er bei ihr stets die zärtlichste Nachsicht finden würde. Diese Worte thaten ihm unendlich wohl; er weinte, aber ohne Bitter- keit; dann sagte er: „Atein Gott! was be- reite ich doch meiner armen Mutter für Kummer!" Trotz seiner Thränen lächelte er jedoch, denn er dachte, daß er bei ihr auf dem Lande sein nnd scine Mutter, die kleine Lina, Talesino nnd den Pfarrer Ntalicki wiedersehen würde. Und auch ich hatte Eile, nach Talesino zu kommen; denn ich konnte es nicht mehr ertragen, das Kind in diesem Zustande zu sehe». Aber Alles schien sich gegen ihn zu verschwören. Es war als Sprachiibnng Vorschrift, daß die Kinder sich untereinander der Sprache bedienen sollten, die gerade den Lehrgegcnstand des betreffenden Tages bildete. Michel vergaß das einmal; er wurde beschuldigt, er demoralisire seine Mitschüler und erhielt von Neuem eine öffentliche Nüge. Dieser Vorfall ereignete sich wenige Tage vor den Ferien und nahm für Michel eine übertrieben ernste Bedentnng an. In kurzer Zeit bekam sein frisches Kindergesicht einen tragischen Ausdruck und seine Augen blickten wie die eines verwundeten Vogels. Daun wurde 38 er plötzlich nachdenklich und nachlässig; seine Be- wegnngen waren die eines Automaten; seine Stimme wurde schläfrig und er sprach nur ivenig� Auch still wurde er, seltsam still und ruhig Er gehorchte mechanisch, ohne zu wissen, was er that. Wenn ich ihm sagte, es wäre Zeit zum Spazierengehen, dann machte er keine Einwände mehr ivie früher, sondern holte seinen Hut und folgte mir stillschweigend. Ich wäre über die Veränderung, die ich an ihm bemerkte, glücklich gewesen, hätte ich nicht gesehen, daß in dieser scheinbaren Gleichgültigkeit die tiefe, schmerzlichste Entsagung lag. Er setzte sich wie gewöhnlich an die Arbeit, aber er lernte nur noch gewohnheitsmäßig und dachte, während er die ver- schiedenen Lerba tonjngirte, an etwas ganz Anderes, oder, was noch schlimmer war, er dachte an nichts. Als ich ihn einmal fragte, ob er seine Aufgaben gelernt hätte, antwortete er mir mit seiner lang- samen Stimme:„Ach, Herr Wolski, das ist ja Alles unnütz." Ich meinerseits that mein Mögliches, um den Gedanken an seine Bhitter ans seinem Geiste zu verbannen, dem, ich fürchtete von diesen Grübeleien für ihn das Schlimmste. Seine Gesundheit erfüllte mich jeden Tag mit größerer Unruhe, denn er fing an, in erschrecklicher Weise abzumagern. Wein Herz preßte sich zusammen, wenn ich diesen kleinen Engelskopf betrachtete, der aw eine auf ihrem Stengel vertrocknende Blume erinnerte. Er hatte schon nicht mehr die Kraft, seine Schulmappe zn tragen, daher gab ich ihm nur einige Bücher mit und brachte die anderen selbst zur Schule, wohin ich ihn seit einiger Zeit stets begleitete. Endlich kam das Wcihnachtsfest. Die Pferde, die man ans Talesino geschickt, warteten schon seit zwei Tagen, und ein Brief von Frau Marina, der zn gleicher Zeit anlangte, lheilte uns mit, daß wir mit Ungeduld erwartet wurden. „Lieber Michel," schrieb sie zu Ende des Brieses, „ich habe erfahren, daß Du in der Schule nicht glücklich gewesen bist. Ich erwartete kein hervor- ragendes Zengniß, aber ich wünschte wenigstens, Deine Lehrer wären ebenso wie ich überzeugt, daß Du Dein Möglichstes gethan und durch Dein Be- tragen das tvieder gut zu machen gesucht hast, was Dir in den Leistungen nicht gelungen'ist!" Aber die Lehrer waren durchaus nicht dieser Ansicht, und auch die Hoffnung, eine gute Zensur im Betragen zn erhalten, tvnrdc zn Nichten, ja, noch mehr, nian erklärte ihm ohne Umschweife eines Tages, daß er die Schule von nun an nicht mehr besuchen dürfe. Als er Abends nach Hause kam, theilte er mir seine Relegation mit. Es war fast dunkel im Zimmer, denn draußen fiel dichter Schnee; ich konnte sein Gesicht also nicht sehen. Ich bemerkte nur, daß er zum Fenster trat und dort stehen blieb, um ans die Schneeflocken, die in der Luft hcrumwirbelten, hinzn- starren. Ich hielt es für das Beste, garnicht mit ihm von der Schule zu sprechen, und so blieben ivir still und traurig fast eine Biertelstnnde lang. Jnztvische» war die Dämmerung vollständig hereingebrochen. Ich fing an, meine Sachen in einen Koffer zu packen, und da ich sah, daß Michel sich nicht vom Fenster fortrührte, so fragte ich ihn schließlich: „Was thust Du da, Michel?" Er antwortete mir mit zitternder Stimme:„Jetzt sitzt Mama mit Lina am Ofen des grünen Zimmers, nicht wahr? Vielleicht denkt sie an mich!" „Wahrscheinlich! Aber warum zittert Deine Stimme so? Bist Du krank?" „Nein, Herr Wolski, mir fehlt nichts; mich friert nur!" Ich entkleidete ihn sofort und legte ihn ins Bett. Während ich ihm seine Kleider auszog, be- trachtete ich mit einem Gefühl tiefen Mitleids seine armen abgemagerten Beine und seine kleinen winzigen Hände. Dann gab ich ihm Thee und deckte ihn mit Allem zu, was ich bei der Hand hatte. „Ist Dir jetzt warm?" fragte ich ihn. „Ach ja, aber der Kopf thnt mir weh!" Bald schlief das von Ermattung und Leiden ge- brochene Kind ein, während ich die noch übrigen Sachen in seine und meine Koffer packte. Ich war selbst ein ivenig leidend, legte mich cbensalls nieder, blies das Licht ans und schlief bald ein. Gegen drei Uhr Morgens wurde ich durch das Licht und das mir so wohlbekannte monotone Murmeln ans- geweckt. Ich öffnete die Augen und mein Herz er- zitierte schmerzlich in der Brust bei den: Schauspiele, das sich mir bot. Die Lampe brannte auf dein Tisch und Michel saß, nur mit seinem dünnen 5zemde bekleidet, bei einem Buche. Mit hochrvthen Wangen, halbgeschlossenen Augen und den Kopf leicht nach hintenüber geneigt wiederholte er mit seiner schläfrigen Stimme: Konjunktiv:„�mom, ames, amet, amemus, araetis, ament." „Michel!" rief ich. „.Amoni, ames, amet...." Ich packte ihn bei den Schultern und schüttelte ihn. Jetzt erst schien er zu erwachen. Er zwinkerte mit den Augen und sah mich erstaunt an, als wenn er mich nicht erkannte. „Was thust Du da? Was hast Du denn, mein Kind?" „Ich repetire Alles, Herr Wolski," antivortete er mir lächelnd;„ich repetire Alles von Anfang bis zu Ende; denn ich muß morgen auf jeden Fall eine gute Rote bekommen." Ich nahm ihn in die Arme und trug ihn auf sein Bett. Sein kleiner Körper brannte wie Feuer. Dann ließ ich sofort den Arzt rufen, der glücklicher- weise mit uns in demselben Hanse wohnte. Er untersuchke ihn nicht erst lange, sondern erklärte die Krankheit als ein Nervenfiebcr, das eine sehr ernste Wendung zu nehmen schien. Ich sandte einen Brief an Frau Marina; und am nächsten Tage verkündete mir ein heftiger Zug an der Klingel, daß sie angelangt war. Ich öffnete ihr die Thür und sah, daß sie iveiß wie eine Kerze unter ihrem schwarze» Schleier war. Mit anßergewöhnlichcr Kraft stützte sie ihre Hand auf meine Schulter, heftete einen durchdnngenden Blick ans mich und fragte mich kurz: „Lebt er?" „Ja, der Arzt sagt, es gehe besser." Sic ivarf ihren mit Schnee bedeckten Schleier zurück und lief in das Zimmer ihres Sohnes. Ich halte gelogen. Michel lebte noch, aber es ging nicht besser. Er erkannte nicht einmal seine Mutter mehr, als sie sich an sein Bett setzte und die Hand des Kindes ergriff. Endlich kani er wieder zn sich, erkannte sie, lächelte matt und murmelte: „Mama!" Sie ergriff seine beiden Hände und blieb so mehrere Stunden bei ihm sitzen, ivobci sie sogar vergaß, ihre Rcisekleider auszuziehen. Als ich sie darauf anfmerksam machte, antwortete sie mir mechanisch: „Ich hatte es vergessen!" Sie nahm ihren Hut ab, und eine seltsame, schmerzliche Ueberraschnng ward mir zu Theil. Viele Silberfäden zogen sich jetzt durch ihr blondes Haar. Sie wollte selbst dem Kleinen die Eiskompressen auf den Kopf legen und ihm seine Medizin reichen. Am Abend wurde das Fieber stärker. Im Delirium mengte das Kind Worte ans der lateinischen und griechischen Sprache durcheinander, die eS plötzlich zu dekliniren und konjnngiren begann. Um seiner Mutter eine Ueberraschnng zu bereite», hatte der arme Junge die zum Meßdienste uothwcndigen Antworten auswendig gelernt. Ein Schauer der Angst schüttelte mich jetzt von Kopf bis Fuß, als ich in der Stille der Nacht das elfjährige Kind mit lang- samer, immer schwächer werdender Stimme die Worte sprechen hörte: „Dens mens, Dens mens, quare me repulisti, d. h. Gott, mein Gott, warum hast du mich ver- stoßen. Ich kann den tragischen Eindruck, den diese Worte auf mich hervorbrachte», nicht beschreiben. Es war am Tage vor Weihnachten. Von der Straße her drang das Schreien der Männer und das Glocken- läuten der Schlitten bis zu uns. Es war voll- ständige Dunkelheit hereingebrochen. Auf der anderen Seite der Straße sahen ivir in der gegenüber- liegenden Wohnung einen mit goldenen und silbernen Früchten behangenen Weihnachtsbaum, der im Lichter- glänze strahlte. Wir bemerkten die braunen und blonden Köpfe der Kinder, die fröhlich um den Banni herumsprangen. Auch ans der Straße vernahm man heitere Stimmen. Die Freude war allgemein! Und inmitten dieser lauten Fröhlichkeit wiederholte das Kind in gebrochenen Lauten: „Dens mens, Dens mens, quare me repulisti?� Ueberall begann das Weihnachtsfest, und wir standen zitternd und verzweifelt vor einem Todten- bett. Einen Augenblick war es uns, als komme der Kleine wieder zu sich, denn er fing an, Lina und seine Mutter zu rufen. Aber diese Hoffnung war nicht von langer Dauer. Von Zeit zu Zeit hörte der Athem vollständig ans. Er sah nichts mehr, er fühlte nicht einmal mehr den Kopf seiner Mutter, die, selbst fast sterbend, zu seinen Füßen lag. Jede Empfindlichkeit hatte seinen Körper bereits verlassen; er wandte nicht einmal seine Blicke mehr auf uns. Die Flamme des Lebens erlosch. Seine auf der Decke ruhenden Hände hatten die Starre lebloser Gegenstände und sein kindliches Gesicht zeigte bereits einen Ausdruck der Ruhe und heiteren Würde. Sein immer schwächer werdender Athem glich jetzt dem Tick-Tack einer Taschenuhr. Roch ein Augen- blick, noch ein Hauch, und Alles war vorüber. Gegen Rtilternacht glaubten wir, der Todeskampf wäre eingetreten. Er röchelte und stöhnte wie ein Ertrinkender. Plötzlich verstummte das Röcheln. Der Arzt hielt einen Spiegel an seine Lippen, der Spiegel wurde leicht getrübt. Er lebte noch. Eine Stunde später wurde das Fieber geringer. Wir glaubten, das wäre die Rettung, und selbst der Arzt wies nicht alle Hoffnung zurück. Die arme Mutter bekam eine Ohnmacht. Zwei Stunden hindurch schien Alles gut zn gehen, und gegen Btorgen trat ich, vor Ermüdung und Aufregung gebrochen, in das Vorzimmer, wo ich mich ans einen Divan ivarf und in tiefen Schlaf verfiel. Schon seit vier Nächten wachte ich bei Nüchel, und obendrein quälte mich ein hartnäckiger Husten. Plötzlich wurde ich durch die Stimme der Frau Marina geweckt, denn in der Stille der Nacht hörte ich sie verzweifelt schreien:„Nüchel, Michel!" Die Haare sträubten sich mir auf dem Kopf. Bevor ich noch Zeit hatte, mich zu erheben, stürzte sie in das Vorzimmer und rief mir mit dumpfer Stimme zn: „Büchel ist todt!" Ich eilte an das Bett des Kleinen. Sie hatte die Wahrheit gesprochen, er war todt. Der erste Wcihnachtstag ging in Vorbercitnngcn für das Begräbniß dahin. Ich litt entsetzlich, denn es war mir nicht möglich, Frau Marina von der Leiche ihres Kindes zu entfernen. Als man kam, um zum Sarge Maß zu nehmen, wurde sie ohn- mächtig, und ebenso, als wir den armen Kleinen ankleideten, und von Neuem, als man anfing, den Katafalk zu errichten. Als die Leichenträger mit ihrer rohen, geschäfts- mäßigen Gleichgültigkeit den Leichnam anfaßten, wurde die Verzweiflung der Ntutter fast zum Wahn- sinn. Sie tobte und wurde von konvulsivischem Schauder geschüttelt, ich glaubte, sie würde den Verstand verlieren. Am nächsten Tage wurde das Kind auf den Kirchhof getragen, und kurze Zeit darauf entzog ihn die schneeige Erde ans immer unseren Blicken. Ein ganzes Jahr ist seit jenem Tage verflossen; aber noch immer denke ich an Dich, mein liebes Kind! Mein Herz preßt sich zusammen bei der Er- innerung an Dich, Du, ach zu früh entblätterte schöne Blume! Ich weiß nicht, wo Du bist und ob Du mich hören kannst, aber ich weiß, daß der Husten Deines alten Lehrers von Tag zu Tag schlimnier wird, daß das Leben ihn immer mehr zu Boden drückt, daß die Einsamkeit immer größer wird und daß er in kurzer Zeit wahrscheinlich auch dahin gehen wird, wohin Du gegangen bist! 39 55acqucric. Geschichtliche Skizze von A. Wc>rker. Ik. �ie politischen, wirthschafllichen lind gemiith- lichen Beweggründe der bäuerlichen Empörung der Jacquerie haben>vir ilnn kennen gelernt. Wir holen noch nach, daß die Bauern zu ihrer Selbslhnlfe gegenüber den„Briganten", d. i. den als Räuber umherziehenden entlassenen Söldnern, aus- drücklich von der Krone ermächtigt und befehligt lvaren. In einer königlichen Lrdonnanz vom März 135« steht wörtlich:„Wir wollen und verordnen, daß Jedermann ihrer(der Briganten) Gewalt thät- lichen Widerstand entgegensetzen darf mit allen Mitteln und auf allen Wegen, so gut er nur kann." Weitere Ordonnanzen folgten dieser in noch schärferer Fassung. Als die Bauern aber sich sammelten und den Widerstand gegen die landsfcindlichen Engländer und Briganten organisirtcn, erwogen sie die ihnen Allen sehr bekannte Thatsache, daß sie vom Adel ihres eigenen Landes genau dasselbe erleiden mußten und seit Jahrhunderten fortwährend erlitten hatten, wie von Jenen, ohne von der zu ihrem Schutze ver- pflichteten Regierung und ihrer Gerechtigkeitspflege etivas geschehen zu sehen. Ihre Rache war blutig, ja, nicht selten grausam. Sie tödteten ihre Peiniger, brachen, plünderten und verbrannten ihre Zwingburgen und vor Allem, sie hausten, dem niedrigen Stand ihrer Erfahrung und Bildung angemessen, so recht eigentlich plan- und ziellos. Die Kämpfe der Jacguerie währten nur vom 21. Mai bis zum 24. Juni 1358; von dieser Zeit kommt nur die Hälfte aus die Rachethaten der Bauern, den Rest nahm die Rache der Edclinge in Anspruch, die entsetzlicher noch, brutaler und blutiger war als Alles, was die zu wahiisinniger Ber- zweiflung getriebenen Bauern gethan hatten: wie gewöhnlich bei Niederwerfung von Empörungen der geknechteten Völker. Diese der Rache der Adeligen gewidmeten Btetzeleien hat der französische Geschicht- schreiber Luce(Lühs) passend als die Conlre-Jacquerie, die Gegen-Jacquerie, bezeichnet. Die ganze Jacquerie ist also in ihrem ersten Theil die Folge jahrhundertelanger Sünden der herrschenden Stände, in ihrem zweiten eine furcht- bare Ernencrung jener alten Verbrechen unter dem Aushängeschilde eines Kampfes für Recht, Ordnung und Sitte; i» Wahrheit jedoch ist auch dieser zweite Akt des gräßlichen Geschichtstrauerspieles ebenfalls eine Reihe bestialischer Racheakte der adeligen Sieger gegen ihre empörten Opfer.— Wie in dem deutschen Bauernkriege des i«. Jahr- Hunderts, finden wir in den Heeren der Jacquerie nicht nur Bauern, sondern auch Bürger, ja sogar Adelige und Priester, letztere Beiden theils freiwillig theilnehmend, theils von den Bauern dazu gezwungen. Hilter den-bürgerlichen Elementen, welche mit der Jacquerie in engste Berührung gebracht werden, befindet sich eine geschichtsbekannte Persönlichkeit, von der etwas ausführlicher gehandelt werden muß. Es war dies Etienne Marcel(Ehtienn Marsell), der Prevot(Vorsteher) der Pariser Kaufiuannsgilde. Wir wollen hier nicht die Geschichte dieses bürger- lichen Kommunarden und seinen Untergang bei dem Aufruhr des Volkes zu Paris am 3l. Juli 1358 beschreiben, von seinen Beziehungen zur Jacquerie wollen und müssen wir aber hier Notiz nehmen. Schon öfter ist die Frage von Geschichtsforschern erörtert worden, in welchem Grade Marcel Antheil gehabt hat an der Jacquerie. Hat mau ihn doch geradezu für einen der Anstifter der Bauernempörung erklärt! Das ist aber nach dem gegenwärtigen Stande der Erkenntniß jener Zeiten nicht mehr möglich. Marcel hat sich des schon entbrannten Bauernauf- standes bedient, um ihn zur Erreichung gewisser Zwecke auszubeuten im Interesse seiner Klasse, des Bürgerthums. Den letzten Anstoß zur Banernerhebung der Jacquerie gab allerdings ein Ereigniß, bei dem der Vorsteher der Pariser Kaufmannsgilde ganz wesent- lich betheiligt war. Marcel war die Seele der Bewegung des dritten Standes, der Stadtbnrgcr, welche ebenfalls starke Ursache hatten, sich über Krone, Adel und Geistlich- keit zu beschweren. Der König von Navarra, Karl der Böse, stellte sich, da er nach der Krone Frank- reichs strebte, ans die Seite der Unzufriedenen und wollte mit ihrer Hülfe den rechtmäßigen Thron- folger, den Dauphin 5�arl, bei Seite drängen. Dieser ward gezwungen, seine Räthe zu ent- lassen und eine von den Ständen gewählte Koni- Mission von vierunddreißig Mann neben sich zu dulden, mit der er sehr bald in Konflikt gerieth. Marcel, eines der Häupter dieser Kommission, und die Seinen drangen in das königliche Palais und tödteten vor den Augen des Prinzen zwei Marschälle, wodurch der Bruch vollständig wurde. Der Regent plante nun die Einschließung und Aushungerung von Paris, und zu diesem Zwecke mußten die drei Zufuhrwege, die Flüsse Seine, Marne und Oise, gesperrt werden. Deshalb erging der Befehl an alle königstreuen Großen und Städte der Umgebung, alle festen Plätze und Schlösser in wehrhaften Stand zu setzen. Diese Befestignngen aber waren zugleich die Stützpunkte der Bauernnnterdrücker. Die Ordonnanz vom 14. Mai 1358 machte auf dem flachen Lande furchtbar böses Blut. Zu Eompiegne(andere Quellen nennen Beauvais) berictheu zwanzig bis dreißig erbitterte Bauern über ihre und des gesammten Staates Lage und kamen zu dem Beschlüsse, ihre ärgsten Peiniger, die Adeligen, auszurotten. Rtit Heugabeln, Aexten oder nur mit Knütteln oder eisenbeschlagenen Stöcken schlecht genug ausgerüstet, zerstörten sie das Schloß eines Edel- mannes der nahen Umgegend und tödteten diesen sammt Frau und Kind. Der anfangs kleine Hanfe vereinigte sich mit den Bewohnern der Nachbardörfer und wuchs schnell ans sechs Tausend, endlich auf zehn Tausend Köpfe an und zog in fast ganz Nord- frankreich Schlösser plündernd, verbrennend und Adelige mordend umher. Plan nimmt nun an, Marcel habe in seiner Bedrängniß durch die drohende Einschließung der Stadt Paris jenen ersten Zornausbruch der Bauern veranlaßt. Daß die Jacquerie ihm sehr gelegen kam, ist nicht zu leugnen. Aber jene oben angeführte Ordonnanz konnte allein schon genügen, die Land- bevölkernng in den Harnisch zu bringen. Unerweis- lich aber scheint, daß der Vorsteher der Pariser Kauf- mannsgilde besondere Sympathien gehegt hat für die Bauern; die Wahrheit ist jedenfalls, daß Marcel Bundesgenossen und Hülfsmittel nahm, Ivo er sie fand, um sie wieder fallen zu lassen, wenn er glaubte, sie entbehren zu können. Ntan bedenke, daß der ganze französische Staat in Anflösung und Zersetzung begriffe» war, und daß es zu einem innigen und ehrlichen Znsaninienlvirken zwischen der Pariser Koni- niline und der Jacquerie von 1358 eigentlich nie gekommen ist. Der Prinzregent hätte sich nun, ivie einige Quellen wissen ivolleu, an die Spitze der Bauern- bewegung stellen und die Engländer und die Räuber- banden aus dem Lande treiben und die ruchlosen Adeligen in ihre Schraukeu iveisen wollen. Zivar saniinelte er bei Compiegne ein Heer von siebentausend Plann, aber der Adel warf sich in die festen Städte, um sich der Bauern zu erivehren, und rief neue, fremde Söldner, Deutsche, Flamländer und Böhnien ins Land. Der Regent suchte sich, ivie gesagt, der Hauptstadt zu bemächtigen, nanientlich um zu ver- hindern, daß die Bürger sich mit den Bauern ver- einigten. Da die Bauern zu einer einheitlichen Aktion unter einer Gesaiiiintleitung sich nicht organisirtcn, gelang es einzelnen Adeligen mit ihren Rittern, hier und dort einen ivilthenden Bauernhaufen vermöge ihrer besseren Waffen und größeren Kriegsübnng zu vernichten. Täglich fielen solche Kämpfe vor und Dutzende von Bauern sollen an den Bäumen der Landstraßen gehängt haben. Ein anderer Bauernhaufe» von zehn bis zwölf Tausend Man» suchte sich der Festung von Meanx (spr. Moh) nahe bei Paris zu bemächtige». Dort ivaren die Frau des Negenten, deren Tochter und Schwester, und eine Menge anderer Edelfrauen nnter dem Schutze des Herzogs von Orleans und ivcniger Ritter. Zu diesen stießen auf die Knude von der Bedrängniß der Edelfrauen der Captal von Buch und der Graf Gaston von Foix(spr. Gastong von Foa), die eben von einem Kreuzzug gegen die Heid- nischen Preußen heimgekehrt waren. Sie wagten mit einer ganz geringen Zahl gc- harnischter Ritter, etiva sechzig Mann, einen Ans- fall aus dem festen Schloß, tödteten alle Bauern, denen sie in den Straßen begegneten, andere trieben sie in den Marnefluß, und auf alle Bauern der Umgegend und die mit diesen einverstaudcncn Bürger der Stadt Meanx wurde eine wilde Jagd veranstaltet, bei der siebentansend Plann zur Strecke gebracht worden sein sollen. Die Stadt wurde angezündet nnd soll vierzehn Tage gebrannt haben. Bei dem Handstreich der Bauern gegen Meanx, das auch Marcel in seine Gewalt zu bekommen ein starkes Interesse hatte, müssen wir noch einen Augen- blick veriveilen. Die Bürger der Stadt ivaren der Kommune von Paris günstig gesinnt; der Prinz- rcgent hatte die Feste der Stadt, schnell zugreifend, genommen, sehr zum Verdruß der Bürger, nnd hatte sich selbst sofort wieder entfernt. Plarcel schrieb ihm einen geharnischten Brief, aber jener verlangte die Auslieferung von zehn oder zivölf,„oder doch wenigstens fünf oder sechs der ani meisten Schuldigen bei den Thaten zu Paris," und erneuerte und ver- schärfte den bekannten Befestigungsbcfchl. Die Banern des flachen Landes mußten, ivie die Dinge lagen, einsehen, daß derartige Maß- nahmen auch ihnen höchst gefährlich werden konnten, ja mußte». Diese Stimmung zu fördern, nnd nicht abzuschwächen durch den Hinweis, daß der Befehl der Krone sich zunächst gegen die Kommune von Paris richtete, lag durchaus im Interesse der letz- teren. Es ist wahrscheinlich auch das Gegentheil geschehen. Marcel selbst stellt es freilich in einem Schreiben an die Kommuiien der„guten Städte" von Flandern eifrig in Abrede. Einer der später aus- gestellten Begnadigungsbriefe(lettre« cle rernissiou) erwähnt auch, daß Derjenige, dem dieses Schreiben ausgestellt ward, zu Plarcel gegangen sei mit der Auffordernng, dem Wiithen der Bauern Einhalt zu thun. Thatsache aber ist, daß Alarcel im Interesse der Koinmilne von Paris feste Burgen brechen ließ und so natürlicherweise zugleich auch der Jacquerie Vor- schnb leistete. Weiter ist ein Zusammenwirken von Streitern der Pariser Kommune mit dem Bauernführer Wil- Helm Eale und den Seinen erwiesen bei Zerstörung einer festen Burg in Beauvaisis, deren Besitzer dem Adel absagte und schivor:„die Bürger nnd die Kommune von Paris mehr zu lieben als die Adeligen," wodurch er sein Leben nnd das seiner Frau nnd seiner Kinder rettete. Solche Züge werden dann von den bürgerlichen Geschichtschreibern emsig be- nutzt, um dagegen die Jacquerie in den schwärzesten Farben erscheinen zu lassen. Marcel hat sich der Banern als Helfer bedient; glaubte er ihrer nach Erreichung seiner bürgerlichen, allerdings klaren Ziele, wie deren, die Bauern offen- bar nicht hatten, Herr zu werden und ihrer Em- pörnng Halt gebieten zu können? Fest steht, daß er dann mit dem König von Navarra, dem grim- migen Bauernschlächter und Gegner der gesetzmäßigen Kölligsgewalt, paktirte, der seinerseils wieder mit den Landesfeinden, den Engländern, Ränke spann. Einer dieser Rebellen nnd Revolutionäre hatte wahrlich dem Anderen lvenig vorzuwerfen! Hatten aber die Bonr- geois von Paris Ursache und Anlaß, sich zu empören, so die armen, gequälten Banern zehiunal mehr. Daß auch die Stadtbürger sich über den Ackerbauer hoch erhaben dünkten nnd ihn ausbeuteten, wenn sie in der Lage dazu ivaren, ist auch mehr als nur wahr- scheinlich. Doch wenden wir uns zur Schilderung der Schlußereignisse des Banernaufstandes der Jacquerie. Der König von Navarra, Karl der Böse, der Kronprätendent, konnte von den Banern nichts er- warten: was sollten ihm die uiidisziplinirten, schlecht- beivaffiicten Haufen nützen? Er suchte also den Adel 4) ?>ie ZIeue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilaeie. für sich z» gciviliiicil. Und als die 45dclleute der Picnrdic ihn eieradezn balen, sich zur Vernichtung der Bancrn an ihre Spihc zn stellen, l;inq er nm so bereitwilliger darauf ei», als in der Jaegncrie mehrere seiner adeligen Parteigänger ermordet worden waren. Mit seinen eigenen Streitkräfte», denen der Adeligen und mit Engländern nnd Briganten, etwa tausend Lanzen stark, stieß er bei Clcrmont auf ein Banernheer unter dem obengenannten Wilhelm Cale, der den Seinen rieth, die Hülfe der Bourgeois- Kommunarden in Anspruch zu nehmen. Dem wider- setzten sich die Bauern. Als der König angriff, wnstle er auch sehr bald, daß er hier den bestgedrillten Schaaren der Bauern gegenüberstand und nahm seine Zuflucht zu feigem Berrath. Er beantragte eine Unterredung mit l5ale, dieser kam erwartnngSooll und— ward sofort in Ketten gelegt. Die ihres Führers beraubten Jacques erlitten nun eine furcht- bare Niederlage, welche sich zu einer schauderhaften Bauernniederiuetzelung gestaltete. Den abgehauenen Kopf Cales krönte man mit einem Dreifuß von rothglühcndciu Eisen. Ein zweiter Baneruhansen, der sich mit Eale halte vereinigen wollen, war kurz vorher in der Nähe von Poir(spr. Poa> geschlagen und dabei etwa fünfzehnhundert Bauern gctödtct worden. Andere zwei Bauernbanden, achthundert und tausend Ntanu stark, wurden au anderem Drte der Picardie abgeschlachtet. Am l Juni erfuhr der Prinzregent, was sich zu Meaur zugetragen hatte. Er eilte alsbald in jene Gegenden, die Adeligen strömten ihm i» Schaaren zn nnd nun begann eine neue großartige Bauern- schlächtcrei: bis zum 24. Juni sind dabei nach einem Ehronistcn mehr als zwanzig Tausend Bauern er- schlagen, gehängt oder verbrannt worden. In einzelnen Dörfern, wo die Bauern sich vcr- schanzten, vertheidigten sie sich äußerst zäh, zulevt zogen sie sich gewöhnlich in die Kirchen zurück, die ihnen nun als Fcstnugen dienten, aber meist endlich zerstört oder samuit den Insassen verbrannt wurden von den nach den ersten Erfolgen schnell riesig an- schwellenden Schaaren der Gegner der Jacqnerie. lieberall feierte die ivülhende Nachgier der Adeligen die wildesten Orgien und die KLnigsgcwalt, deren Pflicht gewesen wäre, den Adclsgreuelu kräftig Ein- halt zu thnu, ergriff nur schwächliche Blaßregeln: kennzeichnend sind die vom Prinzregente» verhängten Strafen, unter denen z. B. die Anserlegnng einer Wallfahrt geradezu lächerlich erscheint. Ja, es kam noch schlimmer. Tie Adeligen hatten ihren Blutdurst gestillt, noch größer aber war der Gelddurst der königlichen Kaisen. Die Jacqnerie gab den willkommenen Anlaß, nngehenre Geldbußen den wirklich oder angeblich Schuldigen aufzuladen, die den Bürgerkrieg überlebten. In Schaaren wanderten die Bauern fort, um der neuen Schinderei zu eul- gehen, und wendeten sich ans dem Königreich in die Grafschaft Bar. Eine furchtbare Verödung tcs Landes war die Folge all dieser gesammten Mißhandlungen. So endete die Jacqnerie, der große Bauern- anfstand Frankreichs im 14. Jahrhundert. & öcm �Papierkorb der 3cik Im Kornfeld.(In unsere u Bilde.) Wie seltsam! Mitten im Winter, während die Tchnecflockcn wirbeln und tanze», iväl>rc»d die schwere, weiße Todteudeckc über de» kahlen Feldern liegt— taucht hier ein Kornfeld mit reifen, nickende» Achren und bunte» Blumen, Mohn und Chanen, vor uns aus, und mitte» aus der reichen, goldene» Zaat grüßt uns ein lieblicher Mädchenkopf. Wie seltsam nnd doch einfach! Die Statur, die still»ach ihren ewigen besetzen geht, hat nun alles Lebe» nns genom» c». Traurig ragen die kahlen Bäume in de» düsteren Wolken Himmel hinein, die Bäume, die noch kurz vorher in ihrem reichsten Blätterschmuck geprangt und ihre herrlichsten Früchte getragen haben. Finster und vergrämt starre» uns die Gärten entgegen, in denen nur hier und da eine hungrige Krähe durch das raschelnde Stroh huscht, mit dem Beete und Rosenstöcke umkleidet sind. Kein warmer, leuchtender Sonnenstrahl dringt in die Wohnungen der Menschen— nichts, nichts ist geblieben von einstiger Pracht und einstiger Schönheit lind doch: die Kuust, die ewig gleiche— die haben wir noch, die Kunst, die uns nie verläßt, die keinen Wechsel von Tag und Nacht kennt, von Frühling und Winter. Mit nimmermndem Blick späht sie ans im Sommer und hält das Bild der Aehren- Pracht fest, damit es uns auch in den Tage» des Aatnr- schlases erfreue und grüße als Erinncriing einstiger Herrlichkeit und neue Wiederkehr verheiße. Und überall und immer, wo die Natur uns nichts uielr zu dicken vermag, da steht die Knust»ut stillem, sinnendem Nnge nebe» uns lind giebt uns Alles zurück, was wir vermissen. Sic schmückt die Gärte» mit neuen Blumen und malt uns über den düstersten Wolken einen neuen, funkelnden Sommerhimiuel So ist sie die Schwester der Natur geworden, das ewig ruhende Abbild jener, die ewig forteilt. El» Duell in alten Zeiten. Wie Einer einmal ei» Duell abgewiesen hat, schildert der sürstlich Liegnitzsche Hofmeister Haus v. Schweinichc» in seinem kulturgeschichtlich höchst interessante» Tagebuch folgendermaßen: Es war bei Ihrer Fürstliche» Gnaden(dem Herzog von Liegnitz) ein Hauptmann Grottikan, dersclbige wollte sonsten alle Leute fressen; wird mit einem Niederländer auf den Abend uneinig, daß sie einander fordern. De? Morgens kommt der Niederländer und fordert den Grottikan. Nun hatte er ein hölzern Schenkel, den gurtet er in dem Bette ab und spricht mit dem Niederländer: wie er nun vermeint, daß er ihn erreichen kann, nimmt er den hölzern Schenkel, schlüget den Niederländer vor den Hals, daß er neben dem Bette niedersank. Er rafft sich ja wieder ans und lief davon. Also hatte das Geraufe ein Ende, wollt ihn darnach nicht mehr fordern Die arme Frau und der Reiter. Die Frau hatte einen schweren Korb dürres Holz, sah sehr kothig ans und gab zähneknirschend einen Ton von sich, der eine Mischung von Weinen, Beten und Fluchen war.„Was fehlt Euch, Mutter?" fragte ich.„Ach, der unbarmherzige Zeterhallunke hat mich mit dem Pferde in den Graben geworfen. Er ritt auf dem Fußsteige und ich wich ihm links aus, so weit ich konnte. Er rührte sich keine Spanne und das Pferd stieß mich hinunter und er ritt fort, ohne sich umzusehen. Das Pferd ist menschlicher als er. Hätte ich ihn nur mit de:» großen Stocke aus de» Kopf geschlagen."—„Das wäre freilich nicht übel gewesen, wenn Ihr nur de» Hirnschädel tüchtig getroffen hättet." Dergleichen Dinge gesche.eu alle Tage zu Dutzenden; weder Gerechtigkeit noch Polizei nimmt Notiz davon. Tie Gerechtigkeit hat mehr zu thn»; sie muß ihre Ehokolade trinke», und die Polizei muß ihre» Thvrgrvschen gehörig einnehmen und das Ehansteegcld lieben. Keiner der Lrd- nungsherren kommt heraus; oder kommt er heraus, so reitet er mit einer Hyperbel von Impertinenz mit über triebener Anmaßung) selbst ans dem Fußsteige und stößt mit dem Gaule den armen Wanderer in den Graben. KouimtS einmal zur Sprache, so heißts ganz saust und glimp lich:„Aber, gnädiger Herr, Sie sollten doch etwas vorsichtiger sein." Zc»»ic. Amerikanische Redebliithcn.„Rednerisch ist er eine Fencrrakcte, der Intelligenz nach ist er nur der Raketenstock." So benrtheilte Herr» Brtzant, den durchgefallene» Präsidentschaststandidaten bei der letzten Wahl in den Bereinigte» Staaten Nordamerikas, ein Lineolner Kollege desselben. Man hat seine Kongrcßredcn ausgegraben und darin allerdings merkwürdige Redeblümchen gepflückt. Als Anliänzer der Silberwährnng und Feind des Goldes hat er da unter Anderem gesprochen von einem Kreuz aus Gold, auf dem das amerikanische Bvlk gekreuzigt werde. Ein anderes Mal bezeichnete er die Aufgaben der Gesetz- gebung in der Gesetzgebung als etwas Aehnliches, wie in der Praxis der Schweinezüchter, die ihren Zöglinge» Rundhölzer um die Schnauze binden, damit sie wohl fressen, aber den Boden nicht anfwühlc» können. „Bürger" alc- Schimpfname. Ruhig»ud friedlich lebende Edellcnte wurden im ausgehenden Mittelalter von ihre» ranbritterliche», ranfsüchtige» Staudesgenossen schimpsweise„Bürger" genannt, und die so Scheltende» glaubten sie damit am ärgsten zu brandmarken. Ter verächtliche Ausdruck, mit welchem die nämliche» Edelsten und Besten der Skation die Bewohner der betriebsame», auf- blühenden Städte benannte», war:„Ummauerte Bauern". Dieser Scheltname hat die gute Eigenschaft, über die wirkliche Euwickeliing der städtischen Gemeindewesen Licht zn, verbreiten. Weltgeschichtliche Wrosamen. Marschall Segnr hatte eine Ordonnanz erlassen, nur Adelige in den Offizierslab der Artillerie aufzunehmen, andererseits ließ aber ein solcher Posten nur Besetzung mit unterrichteten Leuten zu. Da ereignete sich etwas sehr Spaßhaftes. Da der eine Examinator, Abbö Bossnt, nur Tangliche, wenn auch Bürgerliche, als zulässig bezeichnete, und der Andere, Cherin, nur Adelige, fanden sich unter Hunderl Bewerbern nur vier oder fünf, welche beide» Bedingungen entsprachen. Brrsailler Polilck. Bon einem Tage zum anderen wechselt mau i» Versailles System und Ideen über die Politik. Keine Siegeln, keine Grundsätze. Die Sonne leuchtet alle Tage einer Ansicht in Versailles, Unsicherheit der Schwäche, völlige Unfähigkeit. Wenn wir die We t und die Menschen beobachten, muß unser Herz breche» oder hart werden. Ehamfori. Lyrische Ecke. -H» E r (S /Z' "£tcue. Bon joantl). Mch habe geirrt, ich habe gefehlt � Und manchem Herzen schlug ich Wunden, Weil ich selbst den Weg des Lebens gesucht, Bis ich den Weg des Lebens gesunden. Sinn, da ich mit sicherer, starker Hand Das Schi» meines Wollens weiß zn lenke», Soll ich, das mit heißer Qual ich gebaut, In dem tobten Meere der Reue versenke»? Geht mir mit dem feigen, erbärmlichen Rath! Ich mag nicht in stniupser Rene versimpeln; Des Mannes Rene ist die That, So fahr ich hinaus mit lachenden Wimpeln �s> Rätlzsel-Eckr.<�> Wilder Klritksol. Nuslösniig des Zalösels in Rr. 4; Uns innig Unsinnig. �eiirlirlrtirk dsö tii'i'botcu! Alle für die Redaktion bestimmten Seiidnngeii woll »tan an Herr» Edgar Steiger, Leipzig, Oststr. 14, richten Berantwortl. 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