Nr. 21 �Säuflrivle �ZriievhrCtUurtgsihetiaQe. 1897 Die Mutter. Von Giosüö Carducci. ie sah gewiß der rosige Morgen schon, Wenn auf das graue Feld er die Schnitter Die unbeschuhten Schritte lenken Itreibt, Rasch durch des duftenden Heues Feuchte. bind Mittags dann zum Acker hinabgebeugt Die breiten Schultern, hörten am Wege sie Mit den Cikaden in die Wette Singen die weißlich bestäubten Mimen. Mnd hob die hohe Brust von der Arbeit sie Ihr braun Gesicht, die goldigen Flechten auf, Hat deiner Abendsonne Feuer Tief die Gestalt ihr gesiirbt, Tosrana. Run schwingt die starke Mutter ihr starkes Rind, Schon an den nackten Brüsten gefättiget, Mnd schwingt es hoch in süßem Plaudern, Während das Rnäblein die hellen Augen Fest in der Mutter Augen geheftet hat. Sein kleiner Rörxer zaxxelt, die Finger streckt Es suchend nach ihr aus, und lachend Giebt sich die Mutter ihm hin in Liebe. Anlacht sie rings ihr häusliches Tagewerk, Von grüner Halde winken die schwankenden Kornfelder, und der Ochse brüllt, es Kräht auf der Tenne der stolze Haushshn. So will Natur den Starken, die ihrethalb Die Ruhmeslarven, welche die Menge liebt, Verfchmähn, mit heiligen Gesichten Stärken die Seelen, o Adriano. So hast du, strenger Künstler, dem Marmorblock Vertraut der Zukunft edelste Hoffnungen. Wann wird die Arbeit Freude werden? Wann sich die Liebe gesichert fühlen? Wann wird zur Sonne blickend ein freies Volk. Ein Volk von Starken, sprechen: V leuchte nicht Zu Müßiggang und Fürstenkriegen, Nur zu der redlichen, frommen Arbeit?—? lAus drin ZwUrnischrn üdrrsttzt von Paul Aryst.l �nter öem Holöaienkönig. Von Dorothec Goebelcr. !> m 4. August 1688 herrschte im altersgrauen Schlosse zu Berlin- tzöllu eitel Jubel und � Lust. Sophie Charlotte, die geistreiche Freun- diu des großen Leibuiz, hatte ihrem Gatten den ersten Sohn geboren, den neuen Erben für die Krone Brau- denburg. Abergläubisch, wie die meisten seiner Zeit- genossen, ließ der Bater, damals noch Kurfürst Friedrich III., den. Neugeborenen von einem Astrologen das Horoskop stellen, und die Verheißungen des Stern- deulers klangen garnicht übel. Der Prinz sollte allerdings niemals einen Sohn sein eigen nennen, dafür aber im Jahre 1720 eine Heldcnthat voll- bringen, wie sie die Welt noch nie gesehen hatte. Schade, daß die Prophezeiungen des Weisen von Berlin-Cölln gerade in umgekehrter Weise in Erfüllung gingen. Der Sohn der philosophischen Königin hinterließ eine zahlreiche Nachkommenschaft und hat in seinem ganzen Leben keine einzige Helden- that vollbracht, ausgenommen etwa, daß er seine Frau, Kinder, Diener und Unterthanen prügelte, so oft sich nur Gelegenheit zum Prügeln bot. Denn jener Knabe, der im Jahre 1688 zum ersten Wale das Licht der Welt erblickte, war kein Geringerer, als der nachmalige König Friedrich Wilhelm>., der Fürst, den die Geschichte kurzweg den„Soldatenkönig" nennt. Die lange und oft auch recht langweilige Regenten- reihe der Hoheuzollerndynastie hat kanm einen psychologisch interessanteren Charakter aufzuweisen, als diesen zweiten Preußenkönig. Plan weiß eigentlich nie, ob man den Waim verachten oder belächeln soll. Der eisernen Strenge, mit der er bei seinem Regierungsantritt dem Lotterleben des verkommenen Berliner Hofes kurzweg ein Ende machte, seiner Sittenreinheic und bürgerlichen Einfachheit kann man eine gewisse Anerkennung nicht versagen, die bei- spiellose Brutalität, mit der er jeder künstlerischen Bestrebung entgegentrat, seine Rohheit, sein schmutziger Geiz, seine Grausamkeit, die nicht selten zur Bestia- lität ausartete, überhaupt die ganze verworfene Niederträchtigkeit, die aus unzähligen seiner Thaten spricht, haben ihm indessen für immer den Stempel des von Grund auf bösen und bösartigen Menschen aufgedrückt. Seine schlechten Eigenschaften zeigten sich schon sehr früh. Seine Erzieherin, Frau von Montbeil, hatte besonders unter seinem Trotz zu leiden. Als er einst zur Strafe kein Frühstück erhalten sollte, kletterte der kaum Sechsjährige auf die Fenster- brüstung und drohte der Gouvernante, sich die drei Stock hinabzustürzen. Seine Mutter verzog ihn außerdem noch in jeder Weise; was sie an seinem Charakter nicht verdarb, verdarb seine Großmutter, die Kurfürstin von Hannover. Als erster Erzieher des jungen Königssohnes fungirte der Generallientenant Graf Alexander von 162 Dohna. Viele Macht über den Unbändigen gewann ullch er nicht. Zum Lernen war der Prinz über- Haupt nicht zu bringen, und seine Unwissenheit steht denn vielleicht auch bei einem Regeuten einzig da. Zeitlebens hat er es nie dahin gebracht, ein richtiges Deutsch zu sprechen. Dafür leistete er jedoch in Brutalitäten schon als Knabe das Menschenmöglichste. Er ritt auf den Lakaien und Pagen im Zimmer umher und peitschte sie, sobald er des Spieles überdrüssig, ein- fach zur Thür hinaus. Den jungen Herzog von Kurland schleuderte er beim Spiel so heftig auf den Boden, das; man ihn bewußtlos forttrug, seinen Uuterhofmeister, von Brandt, stürzte er sogar die Treppe hinab. Obgleich der König und die Königin keine dieser Nohheiten straften, erfüllte die eigenthümliche Ver- anlagung des Prinzen sie doch allmälig mit stiller Besorgniß. Die feinfühlige Sophie Charlotte spricht sich in einem Briefe au ihre Freundin, Fräulein von Pöllnitz, sehr lebhaft aus, sie schreibt über den damals vierzehnjährigen Prinzen:„Der junge Mann, den ich nur für lebhaft und heftig hielt, hat Beweise von einer Härte gegeben, die nur aus einem sehr bösen Herzen kommen kann. Ich habe ihm, dem Kronprinzen, sehr den Text gelesen, und da dies nicht oft der Fall ist, habe ich nichts außer Acht gelassen und mich aller seiner uulöblichen Hand- lungen erinnert. Hierzu kommen die Klagen der Damen, daß er ihnen grobe Beleidigungen sagt; mein Zorn ging bis zur Entrüstung. Zeigt diese Art der Beleidigung etwa Seelenadcl? Welch eine Rohheit des Geistes liegt darin!" In der That bemühte sich die Königin, dem Prinzen edlere Empfindungen beizubringen, sie ließ ihn ziveinial in der Woche zu sich nach Lietzenburg hinauskonimen und versuchte durch gute Lektüre und geistreiche Unterhaltung sein Herz zu bilden, aber umsonst! Friedrich Wilhelm zog sich immer mehr vom Hofe zurück und lebte seinen eigenen, wilden Neigungen. Liebesabenteuer hat der Jüngling nie gehabt, die Weiber reizten ihn nicht, die Jagd und die Soldaten füllten seine ganze Zeit aus. Der König hatte ihm eine Kompagnie Kadetten über- geben und verlieh ihm später ein Infanterie- Regi- ment, dessen Leibkonipagnie in Wusterhausen stand. Schon in diesem ersten militärischen Wirkungskreis zeigte der Prinz jene Vorliebe fiir„lange Kerle", die ihm später so manches Stückchen Geld gekostet hat. 17C9 machte er unter Prinz Engen und Marlborough die Feldzüge am Rhein mit und kämpfte in der Schlacht bei Malplaqnet; roher noch, als er gegangen, kam er wieder. Selbst seine ani 14. Novem- ber 1706 geschlossene Heirath mit Sophie Dorothea von Hannover vermochte seine Sitten nicht zu mil- dern. Jetzt, da er seinen eigenen Hofstaat hatte, hielt er sich dem väterlichen Hofe noch ferner denn zuvor. Die Günstlings- und Maitressenwirthschaft sagte ihm nicht zu, und nur, als es galt, den un- würdigen Grafen Kolbe von Wartenberg aus seiner einflußreichen Miiiisterstelluiig zu entfernen, nahm er an den Hofintriguen Theill Im Jahre 1713 wurde Friedrich I. zu seinen Vätern versammelt und Friedrich Wilhelm I. bestieg den preußischen Königsthron. Die erste Regicrungshandlung des jungen Für- sten bestand darin, daß er den gesammten Hofstaat seines verschwenderischen Vaters auflöste, all die kostspieligen Zeremonienmeister, Schweizergarden. Hofpoeten und ivas sonst im Schlosse Friedrichs I. herumgelungert hatte, mußte von dannen ziehen. Von den unzähligen Pagen blieben nur sechzehn im Dienst, die ebenso zahlreichen Lakaien wurden gleichfalls bis auf sechs entlassen. Ihre kostbare Livree mußte einem einfachen Rock weichen, auch erhielten sie nicht mehr Gehalt als monatlich acht Thaler. Aufgelöst wurde auch der kostbare, aus tausend reich bcschirrten Pferden bestehende Mar- stall Friedrichs I. Mit dem Erlös bezahlte Fried- rich Wilhelm seines Vaters Schulden. Das üppige Hoflager des ersten Preußenkönigs hatte sich mit einem Schlage in den einfachen Haushalt eines schlichten Bürgers verwandelt. Kein Fest wurde mehr gefeiert, keine Gesellschaft gegeben, selbst die Geburtstage der Prinzen und Prinzessinnen verliefen ohne Sang und Klang. Der Krönungstag, der 18. Januar, heute wieder, wie unter Friedrich I., einer der höchsten Festtage des Hofes, wurde aller Feierlichkeit entkleidet, selbst auf die Königsfeier in Königsberg verzichtete der König, um zu sparen. Ileberhaupt war die äußerste Sparsamkeit seine starke Seite. Wenn wirklich einmal Gesellschaft bei Hofe war, mußten die Generäle ihre eigenen Pagen niitbringen und diese hatten bei der Tafel auf- zuwarten. Werthvolle Kleider trug der König nie, sein Rock bestand für gewöhnlich aus grobem Tuch, und um ihn zu schützen, streifte er im Hause Lein- ivandärmel darüber und trug eine große, grüne Schürze. Seine beispiellose Knauserei erstreckte sich sogar auf den Küchenzettel, den er täglich höchst eigen- händig revidirte. Wenn die Preise mit den äugen- blicklichen Btarktpreisen nicht harmonirten, wurde er rasend. Bei einer Zitrone, die mit nenn Pfennigen berechnet war, strich er einen Pfennig, und als eine Rechnung für das Mittag- und Abendessen der königlichen Familie und ihrer Gäste auf 31 Thaler 16 Groschen augesetzt wurde, schrieb er darunter: „verflucht gestolleu" und zwackte dem Koch noch einen Thaler ab. Wirklichen Aufwand erlaubte er sich mir, wenn fremde Fürstlichkeiten zum Besuch eintrafen; als 1717 Peter der Große mit seiner Gemahlin nach Berlin kam, schrieb der König an das Finanz- Direktorium:„Ich will 6000 Thaler destiuircn, dafür soll das Finanz-Dircktorinm die Menagen so machen, daß ich den Zaren freihalten kann, von Memel bis Wesel. In Berlin wird der Zar aparte traktirt, nit einen Pfennig gebe mehr dazu. Aber der Welt sollen sie ein Geschrei macheu, von 30 40000 Thaler, das es mir koste." Der alte Knicker hatte also trotz aller Knauserei doch den Ehrgeiz, für freigebig gehalten zu werden. Genau wie das Budget thcilte Friedrich Wil- Helm auch seine Tage ein. Er erhob sich Morgens um vier Ilhr, wusch sich, und zwar Sommer wie Winter mit kaltem Wasser, betete, und ging dann während des Frühstücks die eingegangenen Briefe durch, die auch sogleich beanttvortel wurden. Nach der Toilette hörte er bis zehn Uhr die Vorträge der Minister und begab sich sodann nach der Wacht- parade, tvar diese beendet, ivurde der Marstall revi- dirt und Schlag zwölf Uhr zu Tisch gegangen. lieber die königliche Tafel gehen verschiedene Versionen um. Darf man dem Biographen des Königs Glauben schenken, so war sie ganz anständig besetzt, nach den Berichten der Prinzessin Wilhel- mine, der Tochter des Königs, standen die Theil- nehmer hungriger auf, als sie sich zum Mahl gesetzt hatten. Nach dem Essen ritt der König aus oder er machte eine Promenade durch die gerade im ersten Aufblühen begriffene Friedrichstadt, und diese Pro- menaden wurden bald zu einer Geißel für Berlin. Friedrich Wilhelm liebte es, mit seinen Bürgern stets in persönlichen Verkehr zu treten. Wie er selbst Jeden ungenirt ansprach, so erwartete er auch ivicder offene, rückhaltslose Antworten. Wer aus seine verschiedenen Fragen schlagfertig einging, konnte seiner Gnade sicher sein, wer etwa ausweichen wollte, bekam den Stock zu kosten. Die Prügclsucht des Königs war beinahe krankhaft, er schlug Alles, was in seine Nähe kam; das spanische Rohr, welches ihn nie verließ, tanzte sowohl auf dem Rücken der Königin, als auf dem der Lakaien und des ein- fachen Bürgersmannes. Nach seiner Meinung>var es für eine gute Wirthschaft nothwendig, daß die Diener zeitweise ihre Tracht Prügel bekommen, und so schlug er denn rein zum Zeitvertreib auf seine Untergebenen ein. Dabei sagte er ihnen ganz liebenswürdig:„Es ist lange her, daß Ihr etivas bekommen habt, Ihr müßt mal wieder Hiebe haben, um nicht nachlässig zu werden!" Nie hat ein so unköniglicher König auf einem Fürstenthron gesessen. Natürlich bekamen die Berliner vor ihrem schlag- fertigen Herrn und seinem spanischen Rohr bald einen heillosen Respekt. Wenn sich der König sehen ließ, machte Jeder, daß er schleunigst davonkam. Das war indessen nicht nach dem Herzen Friedrich Wilhelms. Ein armer Tanzmeister, der seinem Stock enl- lvischte, mußte zur Strafe vier Wochen am Bau der Petrikirche Schutt karren; schlimmer noch erging es einem alten Juden. Der Ktönig begegnete ihm in einer engen Gasse. Der Jude wollte sich davon- machen, Friedrich Wilhelm setzte ihm jedoch nach und hielt ihn an.„Weshalb läuffst Du davon?"— „Majestät, ich fürchte mich!"—„Was fürchten? Lieben sollt Ihr mich!" und das spanische Rohr sauste auf den Rücken des unglücklichen Alten nieder, bis er blutend zusammenbrach. Selbstverständlich blieb das Beispiel dieses Prügel- Pädagogen auf dem Throne im Lande nicht ohne Nach- ahmung. Ein finsterer Geist stand über Preußen, der Geist der Peitsche. Wie der König prügelte, so prügelten die Unterthanen. Der Meister schlug die Gesellen, die Frau die Mägde, der Lehrer die Buben. Die Prügelei artete schließlich derart ans, daß Friedrich Wilhelm eigene Gesetze dagegen erließ. Am 4. April 1738 wurde angeordnet, daß Jeder, der einen Unter- gebenen schlug, auf der Festung sechs Wochen karren, beim zweiten Ntale indessen gehangen werden solle. Der König prügelte indessen ruhig weiter. Die Abende verbrachte der König im Tabaks- kollegium, jener zwanglosen Bereinigung seiner Freunde und Hofherren, die noch für Jahrhunderte ihren Ruf behalten wird. Unterbrochen wurde diese Tagesordnung nur des Sonntags, wo sich der König Vor- und Nachmittags zur Kirche begab, und auf Reisen oder zur Jagd- saison, denn Friedrich Wilhelm war ein leidenschaft- licher Jäger. Des Königs Hauptneignug blieben indessen die Soldaten. Er ist der eigentliche Begründer des „Militärstaats" Preußen. Er hat uns den Moloch „Slrmee" geschaffen, der unseres Volkes beste Kraft zerfrißt und zernagt und unersättlich immer neue Opfer fordert. Seine Riesensoldaten, die er in Potsdam hielt, kosteten Millionen; während er bei der Küchenrech- nung um den Pfennig feilschte, kam es ihm bei den Soldaten auf Tausende nicht an. I72ö hatte er bereits ein Heer von 64 263 Man», als er 1740 starb, ernährte Preußen 89000 Soldaten. Die?lrt und Weise, wie sich der König die Gelder zum Unterhalt der Truppen verschaffte, macht seinem schmutzigen Geiz alle Ehre. Der große Kur- fürst hatte zur Unterstützung der neu begründeten kurbrandcnbnrgischen Seemacht eine Marinekasse be- gründet. Friedrich Wilhelm vcnvandelte sie in eine Rekrutenkasse und bestimmte am 9. Dezember 1721, daß Jeder, der irgend ein Amt, eine Anwartschaft auf ein Amt oder sonst ei» Privilegium zu erwarten hatte, von jetzt an eine gelvisse Summe an die Re- krutenkasse zahlen solle, deren Höhe er, der König, festsetzen wollte. Anfangs zahlte jeder Beamte eine bestimmte Summe, als damit nicht genug einkam, mußten die Anwärter selber sagen, wie viel sie geben wollten, und der Meistbietende erhielt den Posten. Ein Titel- und Aemterschachcr also, ivie er schamloser nicht gedacht werden konnte, und das direkt unter Wissen und Willen des Königs. Für sechshundert Thaler konnte damals Jeder Hofrath werden, ob er den Titel verdiente oder nicht. Eine andere Einnahmequelle erwuchs der Kasse aus jenen Summen, welche von Reichen und Vor- nehmen gezahlt wurden, um etwa drohenden Pro- zessen zu entgehen, selbst das Recht mußte sich dem Militarismus beugen. Natürlich lvurde die Rekrutenkasse durch diese Mauipiilationcil ungeheuer reich. Das Geld ging in- dessen, wie es kam, denn die Werbungen verschlangen Unsummen. Die preußischen Werber waren zu jener Zeit der Schrecken und die Geißel des Volkes, der Teufel konnte nicht mehr gefürchtet sein als sie. Jeder junge Mann, der einigermaßen groß und kräftig gebaut ivar, wurde ohne Erbarmen unter die Sol- baten gesteckt. Die gemeinsten Kniffe waren gerade gut genug, um einen friedlichen Bürger unter Fried- rich Wilhelms„liebe, blaue Kinder" zu pressen. In Quedlinburg wurde ei» reicher Bierbrauer von der Straße weg in das Gefängniß geworfen und nicht 1G3 cher freiflclaffen, bis er eincii Nekrule» für sich gestellt, dessen Anwerbniig tausend Thaler kostete. Nicht die Jugend einmal war den Werbern heilig. Die Tchnlknaben erhielten Militärpasse und rothe Halsbinden, nni sie damit als fiir das Heer ge- lvorben zu bezeichnen. Die Kommandeure schenkten den Neugeborenen, die sich di'rch Kraft und Größe auszeichneten, die rothe Halsbinde als Pathcngeschenk und bestimmten sie so bou vornherein zu Soldaten. Das halbe Volk gerieth in die bunte Jacke. Die Handtverker fanden keine Gesellen mehr, das ganze Gewerbe ging zurück, verschlungen von dem lliige- heuer„Militarismus". Für das Leibreginient des Königs, welches in Potsdam stand, mußten die Werber die längsten Niesen ans aller Herren Länder zusammen trommeln. Einer der Größten war der Noriveger Jonas. Je länger der Riese, desto höher war seine Löhnung. Die Flügelleute bekamen sechzehn bis zwanzig Thaler monatlich. Im I cbrigen ivarcn die Niesen sehr theuer, ein Kerl von fünf Fuß zehn Zoll kostete siebenhundert Thalcr, einer von sechs Fuß tausend Thaler, die größeren noch mehr. Für den Rekruten Joseph Große zahlte der König 7233 Thaler 8 Groschen; die genauen Rechnungen darüber sind noch vorhanden. Die Kniffe, welche die Werber zur Heranschaffnng „langer Kerle" im Auslände anwandten, spotteten jeder Beschreibung und erregten bald den Unwillen der anderen Fürsten. Der Kurfürst von Bayern ließ die preußischen Werber schließlich hängen, Ivo er sie antraf, der Landgraf von Hessen und andere Herrscher folgten seinem Beispiel, sehr zum Zorne Friedrich Wilhelms. Nebenbei wußten sich die auswärtigen Höfe die verrückte Liebhaberei des Königs auch zu Ruhe zu machen. Als man merkte, daß man für einen großen Soldaten in der Politik Alles von ihm er- reichen konnte, trafen von allen Seiten Rekruten- gcschcnke ein. Mit Katharina I. von Rußland tauschte der König fortwährend Unterthanen ans. Die Kaiserin schickte Riesen nach Preußen, der König sandte geschickte Arbeiter nach Rußland; wer gutwillig nicht gehen wollte, wurde mit Gewalt erpedirt. Der Nienschenhandel blühte in entsetzlichster Weise. Hätte Friedrich Wilhelm indessen am liebsten das ganze Volk in die Uniform gesteckt, so zog er seine Soldaten auch andererseits allen übrigen Menschen vor; die Welt fing bei ihm überhaupt erst mit dem Soldaten an. Tic wahnsinnige Ueberhebung, der maßlose Eigendünkel, mit dem die preußische Solda- teska noch immer auf die„bürgerliche Kanaille" herabgesehen hat, unter Friedrich Wilhelm l. wurden sie geboren. Er ist der Vater der Brüscwitzerei, der Vater des Herz und Geist crtödtendcn Kasernen- drills, der jede freiere Entfaltung des preußischen Volkes auf lauge, lange Zeit unterdrückt und ver- hindert hat. Seine Offiziere durften die Bürger brntalisiren und mißhandeln, wie es ihnen gefiel; seinen Riesen, den„lieben, blauen Kindern", war Alles erlaubt. Wer bei den Richtern kein stiechl mehr fand, der ließ dem König durch einen der langen Kerle eine Bittschrift überreichen, und ihre Erfüllung war gewiß. Trotzdem war der Dienst unter dem Soldaten- könig nicht leicht. Von Morgens früh ein Uhr bis in die sinkende Nacht hinein mußten die Soldaten üben und exerziren; fast jede Parade forderte einige Menschenleben. Bei dem geringsten Vergehen gab es Stockprügel, jedes lose Wort wurde mit Spieß- rntheiilanfeii bestraft. Tie Soldatenselbstmorde häuften sich, der Deserteure wurden immer mehr. Hatte man einen der unglücklichen Flüchtlinge wieder ergriffen, so wurde er einfach gehängt oder der Scharfrichter schnitt ihm Nase und Ohren ab. Obgleich selbstherrlich durch und durch und keinen anderen Willen neben sich duldend, war Friedrich Wilhelm dennoch ein Spielball in den Händen seiner Günstlinge. Wer seinen Eigenheiten zu begegnen wußte, der hatte ihn. Als die Bedeutendsten der damalige»„Nebenrcgiernng" kommen drei vor Allen in Betracht: Leopold, Fürst von Anhalt-Dessan, General von Grnmbkow und Kammerdiener Eversmann. Grausam, brutal und unknltivirt, wie sein könig- licher Freund selber, hatte Leopold von Dessau sich völlig in der Gunst Friedrich Wilhelms festgcnistet. Grunibkow war ein Lump schlimmster.Klasse, der für Geld zu jeder Schandthat bereit war. Von Eversmann schrieb die Btarkgräfiu von Bayreuth: „Er war ein wahrer Satansgesell, der nur daran Vergnügen fand, Böses zu thiui und bei allen 5iabalen und Jntrignen die Hände im Spiel hatte." Nlit den Jntrignen, welche die drei biederen Kumpane gegeneinander und gegen alle Welt spannen, ließen sich Folianten füllen. Wer bei Hose etwas ausrichten wollte, wandte sich an Eversmann; für einen wohlgefüllten Beutel machte er Alles. Ilebcrhaupt sah es damals mit der Gerechtigkeit beinahe noch schlimmer aus als heute. Friedrich Wilhelm hat sich allerdings einmal das schöne Wort geleistet:„Die schlimme Justiz schreit zum Himmel und wenn ichs nicht ändere, lade ich die Verant- wortung auf mich," in Wahrheit setzte er aber an die Stelle der Justiz nur seinen eignen Willen. Die Urtheile, welche ihm nicht paßten, stieß er einfach um und verhängte nach Gutdünken die gransamsten Strafen. Der Kömmandant von Berlin, General von Glascnapp, berichtete einst dem 5lönig nach Potsdam, daß mehrere Maurergesellen vom Bau der Petri- kirche am blauen Montag die Arbeit verweigert hätten. Friedrich ZLilhelni sandte eine eigenhändige Kabinetsordre zurück, die Glascnapp nur dahin cnt- ziffern konnte:„Rädel früher hängen lassen, che ich komme." Beim Leibregiment stand ein Lieutenant lliädel, der einzige Mensch dieses Namens in Ber- lin. Glascnapp ließ ihn verhaften und die Hin- richtnng vorbereiten, obgleich der arme Mensch gar- nichts verbrochen hatte, am wenigsten aber mit den renitenten Niaurergcsellen in Verbindung stand. Kurz vor Vollzug des Urtheils entzifferte nian die Ordre noch dahin:„Rädelsführer hängen lassen usw." Natürlich ließ man Rädel frei, aber guter Rath war thencr, die Maurergesellen hatten keinen Rädels- führer gehabt. Hängen sollte Einer, so wollte es der König und so hängte man denn schließlich den Einen der Arbeiter, der— rothe Haare hatte. Ver- krochen hatte auch dieser Unglückliche nichts, aber der König war mit dieser„gerechten Justiz" sehr zufrieden. Als ein Musketier vom Regiment Dönhoff, einer der schönste»„langen Kerle", wegen Einbruchs zum Tode vcrnrtheilt Ivar, ließ Friedrich Wilhelm die Richter früh Morgens aus dem Bette ziehen und vor sich schleppen. Scheinbar ruhig stellte er sie wegen des Urtheils zur Rede, als sie sich verthei- digen wollten, schlug er mit dem Stock auf sie ei». Der Eine verlor bei dieser„königlichen Prügelei" zwei Zähne, die Anderen hatten blutige Köpfe; als sie fliehen wollten, lief ihnen der König nach bis an die Treppe, immer mit dem Stock ans sie ein- schlagend. Der Musketier wurde begnadigt. Nebenbei verdankte Preußen dem gerechten Friedrich Wil- Helm auch noch die Berufung und Einführung des ersten„Spitzelthunis", des Fiskalats. Die Fiskale sollten Verbrechen aufspüre», hatten aber im Uebrigen dieselbe Beschäftigung wie die Leckert-Lützow, Tausch und ähnliches Gelichter der modernen Zeit. Nur wer an die Rekrutenkasse zahlte, ivar vor ihren Deiinnziationen sicher. Wie schon erwähnt, besaß Friedrich Wilhelm neben seinen anderen trefflichen Eigenschaften auch noch die gründlichste Verachtung für alle höheren geistigen Bestrebungen. Selbst dumm und nnge- gebildet wie der dümniste Banernknecht, haßte er Alles, was Kunst und Wissenschaft hieß. Tie Zei- tungen wurden verboten,„da die Bürger nicht nöthig hätten, sich um Politik zu kümmern."—— Die Akademie der Wissenschaften wurde vom König bei jeder Gelegenheit in der rüpelhaftesten Weise ver- spottet und verhöhnt. Den Beamten der Königlichen Bibliothek wurden die Gehälter gestrichen, Jahre lang kam kein neues Buch in die Sainmlnng. Nur zwei Wissenschaften flößten dem König Achtung ein, die Medizin, weil— die Soldaten im Kriege gute Wundärzte brauchten, und die Theologie, denn Seine Majestät war fromm, sehr fromm sogar. Dem Respekt des Königs vor der Medizin verdankt Berlin die Gründung der Eharite. Vermnth- lich hat sich das große Krankenhans von damals her noch den Kasernengeist bewahrt. Am schlimmsten kamen am Hofe Friedrich Wil- Helms noch die Gelehrten fort. Die anständigeren Eharaktere hielten sich dem Prügelkönig fern, nur verkommene Subjekte, wie der vielbe— rühmte Gnu- deling, gaben sich dazu her, der wüsten Sänfergesell- schaft des Tabakskollegiums zum Zielblatt toller Späße zu dienen. Was Gundeling von Friedrich Wilhelm und seinen Zechkumpanen aushalten mußte, ist zum größten Theil nicht wiederzuerzählen. Als der Tod den Unglücklichen von seinen Oualcn er- löste, ließ der„sromme" König die Leiche in einem — Weinfaß beisetzen. Also nicht einmal vor einer Leichenschändung scheute sich der edle Herrscher Preußens. Die Akademie der Künste wurde in jeder Hin- ficht beschränkt, nur eine einzige Kunst fand vor dem König Gnade, die Ntalerei. Wenn das Regenwetter ihn in das Zimmer bannte oder Podagra ihn im Rollstnhl hielt, malte er selbst. Als Ntodelle für seine Klcrcreien beilntzte er die Grenadiere oder die Bauern. Wenn ihm das Bild nicht gelang, bekamen die Bcdanernswerthen Prügel oder er goß ihnen die Farbentöpfe über den Schädel und schrie wüthend: „Nim bist Du gewiß getroffen!" Im Uebrigen waren die Künste alle todt. In Blüthe stand nur die Banwnth, vielleicht die einzige der königlichen Leidenschaften, welche noch einigermaßen Nutzen getragen hat. Berlin ver- dankt ihr die Anlage der Friedrichstadt. Potsdam das eigenthümliche holländische Viertel. Allerdings baute Friedrich Wilhelm nicht selbst, die Bürger wurden dazu angehalten. Wer nur irgend Geld hatte, mußte Häuser errichten, gleichviel ob er darüber zu Grunde ging. Litt das Volk unter den kranlhaften Neigungen seines Herrn schon bedeutend, so litt die königliche Familie, die täglich an seine Nähe gebunden war, noch mehr. Nie hat ein Tyrann Weib und Kinder grausamerer mißhandelt als dieser Mann, der sich in verblendetem Eigendünkel für den besten Gatten und den trenesten Vater hielt. Vielleicht wären viele seiner schroffen Seiten gemildert worden, wenn eine weiblicher empfindende Frau an seiner Seite gestanden hätte. Aber diese Sophie Dorothea, hochmüthig, ränkesüchtig und voll eigensinniger Herrschbegier, war seinem eigenen(5ha- rakter zu ähnlich, als daß sie ihn hätte beeinflussen können. In den Wirrwarr der damaligen Hof- intrignen hinabzusteigen, würde zu weit führen. Wer sie kennen lernen will, lese die Nteinoiren der Markgräfin von Bayreuth. Es stand eben Alles wider Einen und Jedes gegen Jeden. Die Mutter hetzte die Kinder ans den Vater, der Vater die Günstlinge auf die Kinder. Der Stock regierte im Hanse wie im Reich und oft genug versammelten sich die Berliner ans der Schloßfreiheit, nni zu hören, lvie hinter den hohen Parterrefcnstern des Schlosses der König seine Söhne und Töchter schlug. Allein genug davon, die unglückseligen Jngendtage Friedrichs des Großen sind bekannt. Am 3 l. Mai I7�«t ereilte den König der Tod in seinem Lieblingsschlosse Potsdam. Sein letzter Wunsch und Befehl entsprach seinem Lebe». Dem Fürsten von Anhalt und dem Gencraladchtantcn v. Haacke schenkte er zum Andenken je ein Pferd. Als die Stallknechte dem Roß des Dcssauers eine falsche Chabrackc auflegten, rief der König wüthend: „Ach, wenn ich doch gesund wäre, ich ivollte die Stallknechte derb abprügeln," und Herrn v. Haacke befahl er:„Gehen Sie doch hinunter und prügeln Sie die Schurken!" Wenige Stunden später war Preußens gransamer Sklavenmeister eine Leiche. Die Peitsche war seiner Hand entsunken und das Volk— athmete ans. Die moderne Zeit steht einer Gestalt wie der Friedrich Wilhelms l. beinahe verständnißlos gegen- über. Im nennzehnten Jahrhundert hätte man ihn vielleicht in ein Irrenhaus gesperrt. Es liegt zu viel Krankhaftes, Anormales in seinem Gebahren, als daß er völlig geistig gesund gewesen sein kann. Im Lustgarten zu Potsdam erhebt sich seit einigen Jahren das Denkmal des Soldatenkönigs, es ist 164 Die Acne Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. gut, daß es da steht. Möge das Nolk, ivcini es Ni den. Staadbilde des Prügelfärsteii emporschaat, immer eingedenk sein, daß er es war, der ein ans- blühendes Kulturvolk in das geisttödtendc Einerlei der Kaserne preßte. Zweihundert Jahre fast sind verstrichen, seit er den Stock über Preußen schwang: er selbst ist lange ein Raab der Würmer geworden, sei» Geist aber spukt noch immer unter uns, stets bereit, des Lölkes beste Kraft dem Ungeheuer Heer zum Opfer hinzuwerfen. Der Zopf, den er als Erster einführte, hat sich trotz aller sonstigen Fort- schritte bis auf nnsere Tage vererbt. Wann ivird der kühne Held geboren, der seine Schecre an ihn wagt? a Nihitikin. Noiiia» von Tonja Kowalciv�ka. Ans dem Russische» üvcrseyt von Louise Kluchs-itokschnneaii». (Forlsetzung.,___ ot ls sich Wasilzew anßer Gefahr befand, schanite er sich natürlich sofort seiner Feigheit. Er dankte seiner Retterin, vor der er verlegen und gezwungen lächelnd stand, hastig und verlvirrt. Er ivollte nicht sogleich fortgehen nnd einen so nn- günstigen Eindruck zurücklassen, wußte aber thatsäch- lich nicht, wie ein Gespräch mit diesem kleinen Wild- fang anzuknüpfen, der ihn mit der unverhohlenen Neugierde eines halberwachsenen Kindes anblickte. Er fand endlich die Worte:„Was für ein Buch haben Sie da? Darf man es sehen?" Wjcra hielt unter dem Arm ihr thencres„Leben der Heiligen". Wasilzew schlug das Buch aufs Gcradeivohl ans nnd las Folgendes:„Der Imperator Diocletian, gegen den heiligen Märtyrer Isidor ans- gebracht, befahl der Wache, ihn ans das Kapital zu führen...." „Was für ein Unsinn ist das!" entfuhr es im- willkürlich Wasilzew. Die blauen Baranzowschen Augen blitzten zornig. Wjcra griff rasch nach dem Buch, wandte sich ab und schlug, ohne sich umzusehen, den Weg nach Hanse ein. Im Laufe des Abends dachte Wasilzew nnwill- kürlich inehr als einmal an die komische Episode von heute Morgen, und die Erinnerung au sie rief jedes Mal in ihm ein Lächeln und einen leichten Aerger hervor. Am folgenden Tage ging er fast unbewußt an den Ort seiner gestrigen Schmach. Zu seiner Ver- wnnderung fand er auch Wjera dort: sie stand mit sinnendem Gesicht am Bach, als ob sie Wasilzew erwartet hätte. „Guten Tag," sagte er und streckte ihr freund- schaftlich die Hand entgegen. „Ist das Alles wirklich nicht wahr?" fragte sie, statt zu antworten, indem sie ihre großen Augen, deren Blick jeizt erregt, fast flehend war, zu ihm erhob. Als sie gestern einen so»ngiinstigen Aus- sprnch über ihr geliebtes Buch hörte, wurde sie vorerst böse: bald darauf verwandelte sich der Zorn in ein anderes, ein drückendes Gefühl:„Alle sagen, der Nachbar sei klug und gelehrt. Er muß es doch wissen. Nu», wenn all das von den Märtyrern wirklich ein Märchen wäre?" Dieser Zweifel war sehr quälend, mußte ver- scheucht werden, was immer daraus entstehen mochte. „Sie meinen das Buch, was?" lachte Wasilzew ans.„Nun, urtheilcn Sie selbst, Fräulein; der Imperator Diocletian regierte in Byzanz nnd das Kapital befand sich in Rom. Wie konnte er also der Wache befehlen, den heiligen Märtyrer Isidor dorthin abzuführen?" „?lch, davon sprechen Sie? Also blos das ist nicht wahr?" „Wie, blos? Das genügt doch!" „Nun, und ist es wahr, daß es Märtyrer gab?" „Gewiß gab es solche." „Und hat man sie zerfleischt, verbrannt und von den Thieren zerreißen lassen?" „Illles das ist geschehen." „Gott sei Dank!" rief Wjera, erleichtert auf- athmend, ans. „Wie?... Gott sei Dank, daß man sie ge- martert hat?" Das originelle Mädchen begann Wasilzew ent- schieden zu belustigen. „Ach, nicht das, natürlich nicht das!" beeilte sich Wjera ein wenig verlegen zu entgegnen.„Ich will nur sagen: Gotl sei Dank, daß es wenigstens dazu- mal gute Menschen, heilige Märtyrer gegeben hat." „Märtyrer giebt es noch jetzt," sagte Wasilzew ernst. Wjera sah ihn mit einem langen, verwunderten Blick an. „Ja, in China!" meinte sie endlich. Wasilzew lachte abermals:„Warum in der Ferne suchen... es giebt deren auch näher!" Wjcra sah ihn noch immer an und auf ihrem Gesichte prägte sich immer größeres Staunen aus. „Haben Sic denn niemals davon gehört, daß man bei uns in Rußland Menschen in die Festung bringt, nach Sibirien schickt, und daß sie oft auch gehenkt werden? Wie fragen Sie also, ob es Ntär- tyrer giebt!" „Ja,- aber bei uns werden doch nur Uebelthäter, Verbrecher verschickt!" Diese Worte entschlüpften Wjera wider Willen. Denn kaum hatte sie sie ausgesprochen, als bei dem Gedanken: der Nachbar sei doch auch ein Verschickter! eine dunkle Röthe ihr Gesicht färbte. „Es kommt vor, daß man auch anderer Tinge wegen verschickt wird," sagte Wasilzew halblaut. Geraume Zeit gingen sie schweigend nebenein- ander— Wjera mit gescnktcni Kopf und mit den Fingern nervös an den Enden ihres Halstuches zerrend. Ein Schwärm vvn seltsamen, verworrenen Gedanke» schwirrte ihr im Kopf. Sie fürchtete sehr, etwas Dummes zu sagen; sie könnte am Ende den Nachbar beleidigen; aber eine Frage war für sie so wichtig, so bedeutungsvoll, daß sie von derselben aus Schicklichkeitsrücksichten unmöglich abstehen konnte. „Warum hat man Sie verschickt?" sprach sie plötzlich sehr hastig, ohne Wasilzew anzublicken. Dieser lächelte. „Sie möchten das sehr gerne wissen?" fragte er, sie gleichsam neckend. Wjera senkte als Antwort blos den Kopf, aber ihr Gesicht sprach für sie. „lind von den zeitgenössischen Märtyrern wollen Sie auch etwas wissen?" Wjeras Augen glühten noch stärker. „Wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen... allein ich sage es Ihnen im Vorhinein: ich werde noch von vielen Anderen sprechen müssen." Wjeras Gesicht strablte. „Auch von Diocletian und vom Kapitol werde ich vielleicht sprechen müssen. Werden Sie zuhören?" „Ich werde, ja, ich werde!" V. Am nächsten Tage machte Wasilzew den ersten Besuch beim Grafen Baranzow. Die Bekanntschaft war bald geschlossen und als nach einiger Zeit Wasilzew Wjera Unterricht zu geben wünschte, wurde der Antrag dankbar angenommen, um so mehr, als der Graf trotz seiner Sorglosigkeit zeitweilig Ge- Wissensbisse bei dem Gedanken empfand, daß die jüngste Tochter ans dem Geschlechte der Baranzow so wenig von Bildung belastet, wie irgend ein Dorf- mädel heranwuchs. Die Schwestern Wjeras zwei- selten seit dieser Zeit nicht mehr daran, daß sie de» Machbar an sich gefesselt habe. Sie gratulirten ihr scherzweise zu der Eroberung. Das Aufziehen mit ihrem„Verehrer" wurde ihnen bald zur Gewohnheit. Dieses Gerede und die Neckereien erzürnten und verwirrten Wjera im Anfang. Nach und nach fing sie jedoch an, ein gewisses Vergnügen daran zu finden. Je nun, es ist ja stets schmeichelhaft, wenn gesagt wird, daß Jemand in uns verliebt ist. Wjcra wuchs sogar in ihren eigenen Singen und wurde bedeutender, seitdem sich ein Verehrer für sie gefunden hatte. „Nun, wie war er heute zu Dir? Hat er sich noch nicht erklärt? Verheimliche nichts, wir bitten Dich! Erzähle Alles!" drängten die Schwestern nach jeder Lektion mit Wasilzew in sie. Und Wjera begann fast gegen ihren Willen zu erzählen und auch gegen ihren Willen Einiges dazu- zufügen. Gott weiß übrigens, wie das kam! Die Schwestern verstanden es so gut, jedes von Wasilzew gesprochene Wort zu erklären und zu deuten, daß es wahrhaftig auch ganz anders klang, als in jenem Augenblicke, da es ausgesprochen wurde. Wjera selbst bemerkte es nicht, wie der Nachbar sich allmälig ihrer Gedanken bemächtigte nnd sein Bild ihr verändert erschien. „Ein langer, unansehnlicher, nicht junger Mann niit einem sandfarbenen Gesicht und so kurzsichtigen Augen, daß sie wahrscheinlich auch mit der Brille nichts sehen!" so beschrieb sie den Nachbar gleich nach ihrer Bekanntschaft im Sumpf. Jetzt, da er ihr anerkannter Verehrer wurde,- wollte sie ihn so sehr zum Helden erheben, daß sie an ihm täglich ein nencs Verdienst entdeckte. Heute fand sie, daß er ein angenehmes Lächeln habe, morgen bemerkte sie, daß sich iln» beim Lachen rund um die Augen so komische, liebe Falten bildeten, nnd diese Falten erschienen ihr mit einem Ntale außerordentlich angenehm. Sie lebte jetzt im Zustande beständiger Erwar- tnng. Für jede Lektion bereitete sie sich mit Herz- klopfen vor und während ihrer war sie nervös, ans- geregt und zitterte beständig: Wird es nicht heute? Wjera und Wasilzew waren allein im Zinimkr. Die Lektion war zu Ende, aber der Lehrer schickte sich noch nicht zum Fortgehen an. Er legte die Bücher zur Seite, ließ sich in den Stuhl nieder, stützte den Kopf in die Hand und dachte nach. Ties geschah bei ihm nicht selten. Wjera sitzt unbeweglich neben ihm. Es wird ihr mit einem Niale so unbehaglich, so schwer, sich zu regen. Sic heftet die Augen auf die nicht große, braune, magere Hand Wasilzews nnd betrachtete mechanisch die eine dicke, blaue Ader, die, an der Handwurzel beginnend, zwischen ein paar dunklen Härchen, bald wieder schmäler wird und sich bis zuni Mittelfinger windet. Es dämmert schon. Alles wird dunkel und die Umrisse verschwinden. Während die Hand Wasilzews sich wie mit einem Flor überzieht, strengt Wjcra unbewußt ihren Blick an. Es kommt über sie wie eine seltsame Erstarrung; mit jedem Augenblick wird es ihr schwerer, sich zu bewegen; das Herz pocht mit starken, vollen Schlägen, in den Ohren rauscht es, als ob irgendwo in der Ferne Wasser flösse. Wasilzew fährt auf einmal aus seiner Ver- sunkenheit auf. „Wjerotschka(Wjerchen), liebes..." begann er weich, wie einen früheren Gedanken fortsetzend, und legte seine Hand zärtlich auf sie. „Da ist sie!" zuckte es wie ein Blitz durch Wjeras 5iopf.„Gleich kommt die Erklärung!" Aber ihre Nerven sind zu gespannt..In der Brust krampst sich etwas zusammen nnd steigt in den Hals — noch ein Wort und sie erstickt. „Bitte! Bitte! Sprechen Sie nicht! Ich weiß es ja ohnedies," entrang es sich ihr mit gepreßtem Laut. Sie erhob sich und lies in die entgegengesetzte Ecke des Zimmers. Der bestürzte Wasilzew sah sie, einige Minuten sprachlos, ganz verloren an. „Wjerotschka, was hast Du?" fragte er endlich still und ängstlich. Der Ton seiner Stimme brachte Wjera zu sich, und es wurde ihr mit einem Mal klar, daß sie eine große, entsetzliche Dummheit begangen. Was soll sie jetzt anfangen? Wie ihm erklären? „Ich glaubte... mir schien es..." stammelte sie nnzusannncnhängend und seufzte. Wasilzew wandte den Blick von ihr nicht ab und der Ausdruck der ängstlichen Bestürzung veränderte sich allmälig ans seinem Gesicht in den Ausdruck eines unangenehmen, ärgerlichen Verdachtes. „Wjera, ich wünsche, ich fordere, daß Sie mir sagen, was Ihnen schien!" Er steht vor ihr und hält ihre Hand fest. Seine Stimme klingt rauh und metallisch. Tie blauen, kurzsichtigen Augen bohren sich wie zwei Schrauben in ihr Gesicht. Unter dem Eindruck seiner ein- dringenden, forschenden Blicke fühlt Wjera. daß sie den Willen und ihre ganze Selbstbcherrschnng ver- liert. Sie weiß, daß das Bekenntniß schrecklich sein Die Aeue A)elt. Illustrirte Anterhaltungsbeilage. 165 wird, aber wenn es auf Leben und Tod ginge, könnte sie ihm auch nicht die Wahrheit verschweigen oder eine Lüge sagen. „Ich dachte... daß Sie in mich verliebt seien!" flüsterte sie endlich abgerissen und kaum vernchni- bar. Wasilzew ließ ihre Hände, wie von einer Biene gestochen, los. „Ach, Wjera, auch Sie sind nicht besser als die Anderen, auch Sie sind eine Ziervnppc!" sagte er vorlvnrssvoll und verließ das Zimmer. Wjera blieb allein, unglücklich, vernichtet. „Gott! Welche Schande! Wie kann man nach solch einer Schmach leben!" Das ist der erste Ge- danke, der ihr am darauf folgenden Morgen nach einigen Stunden fieberhaften Vergessens zum Be- wnßtscin kommt. Es ist noch früh... sie hört von den Betten der Schwestern ruhiges, gleichmäßiges Athmen.„Beide haben gestern nichts be- merkt, nichts geahnt; was werden sie aber sage», wenn sie erfahren! Während eines ganzen Monates die interessante Heldin eines spannenden Romans sein und dann mit einem Mole nichts als ein dummes, hochmüthiges Mädel! O, welche Schande! Welche Schande!" Wjera verbirgt den Kopf unter der Decke und weint bitterlich, konvulsivisch, mit den Zähnen das Kissen beißend, um das Schluchzen zu ersticken. Lena dreht sich in ihrem Bette um. Die Schwestern erwachen.„Wenn sie nur nichts bemerkten!" Dieser Gedanke macht Wjeras Thränen plötzlich versiegen. Als ob nichts geschehen wäre, kleidet sie sich an und den ganzen Tag geht, spricht, lacht sie sogar, als ob sich nichts ereignet hätte. Rlanchmal gelingt es ihr auch wirklich, für einen Augenblick zu vergessen, was geschehen, aber im Herzen ist noch immer der- selbe dumpfe, aufdringliche Schmerz, so ganz frisch. Der Tag, der für die Lektion bestinmit war, ist da. „Was wird jetzt geschehen!" denkt Wjera und er- schauert bei dem Gedanken an das Wiedersehen mit Wasilzew. Gegen drei Uhr kommt vom Nachbargut ein Junge mit einem Brief vom Herrn gelaufen; er sei unwohl, er bitte um Entschuldigung, er könne nicht zur Lektion kommen. „Gott sei Dank!" denkt Wjera und athmct er- leichtert ans. Es beginnt für sie wieder ihr früheres, langweiliges, müßiges Leben, wie es bis zur Be- kanntschaft mit Wasilzew gewesen. Sie läuft ivieder in allen Winkeln umher, weiß nicht, tvas mit sich anfangen, woran sich klammern. Wie sie es auch zn verheimlichen sucht, die Schwestern argwöhnen doch ctivas und verfolgen sie mit verletzenden, zu- dringlichen Fragen. Wjera flieht jetzt oft ihre Ge- sellschaft. So verstrich die eine Woche und eine neue be- gann. Wasilzew war noch immer nicht erschienen. „Er kommt nie wieder!" dachte Wjera verbittert und sehnsüchtig. So saß sie einmal im leeren Klassen- zimmer allein und blätterte zerstreut und gleichgültig in einem bereits zehnmal gelesenen Buche, als sie plötzlich im Korridor die bekannten Schritte hörte. Das Blut strömte ihr rasch zum Herzen; einen Augenblick schien es ihr, daß es zn schlagen auf- gehört habe. Ihr erster Gedanke war, aufzuspringen und davon zu laufen, aber ehe sie noch ihre Absicht ansführen konnte, war Wasilzew schon im Zimmer. Sein Aussehen war rnhig und gutmülhig, ganz wie sonst, als ob sich nichts Besonderes zugetragen hätte und diese zehn qualvollen Täge garnicht gewesen wären. Und Wjera? Sie hatte ihn in der vergangenen Woche gehaßt; jetzt aber erfaßte sie eine athem- beklemmende, unsinnige Freude. Sie enipfand iiatür- lich quälende Scham, aber die Freude war doch das überwiegende Gefühl. „Wjera, meine kleine Freundin, so kann es nicht fortgehen!" sagte er wie zn einem Kinde mit ruhiger, zärtlicher Stimme.„Zwischen uns hat sich ein kleines Mißverständniß eingeschlichen— ein sehr unange- nehmes, ärgerliches•Mißverständniß—, aber jetzt werden wir uns ein- für allemal aussprechen, es dann ganz vergessen und wie früher Freunde sein. Ich bin doch drciundvierzig Jahre alt, Wjerotschka, ich bin ja ein alter Mann, beinahe dreimal so alt als Sie; Sie könnten meine Tochter, aber nicht meine Frau sein. Mich in Sie zu verlieben, iväre von mir nicht nur eine Dummheit, sondern auch eine Niederträchtigkeit. Ich habe auch, Gott sei Dank, nie daran gedacht, mich in Sie zu verlieben. Deswegen habe ich Sie innig und aufrichtig lieb gewonnen und möchte sehr gerne, daß aus Ihnen ein guter Mensch werde. Die Zierpuppen bilden sich ja doch nur ein, Wjerotschka, daß ein Mann keine halbe Stunde in ihrer Gesellschaft weilen könne, ohne ihnen den Hof zu machen, und Sie sind doch keine Zierpuppe, nicht wahr?" Wjera steht stumm, mit gesenktem Kopfe da; große Thränen zittern auf ihren langen Wimpern, und sie denkt nicht im Entferntesten daran, Wasilzew in diesem Augenblicke zu hassen. „Hören Sie, meine Freundin, geben Sie mir Ihre Hand," fuhr Stepan Michailowitsch fort.„Um Ihnen zu beweisen, ivic sehr ich Ihre Freundschaft schätze, werde ich Ihnen sagen, was ich seit vielen, vielen Jahren Niemandem gesagt habe. Einmal im Sommeraöend. Von I. SB hirter. 166 Leben habe ich wirklich ein Mädchen geliebt. Einer Besseren, Lieberen bin ich unter den Frauen nicht begegnet. Aber ihr Schicksal war schrecklich. Es war gleich nach dem Karakvsolv-Attentat. Damals nahm man ja Viele fest; es genügte ein einziges, unbedachtes Wort, um in die Festung zu kommen. Und auch sie wurde verhaftet. Die Gefängnisse waren überfüllt und sie mußte fechs Monate in einem feuchten, finsteren Erdgeschoß verweilen, das von Wasser über- schwemmt war. llnd sie ivar so zart und schwäch- lich. Als endlich die Untersuchung ihrer Angelegen- heit an die Reihe kam, zeigte es sich, daß gar keine Belveise gegen sie vorlagen. Man mußte sie freilassen. Aber in jenem schrecklichen Erdgeschoß zog sie sich eine so entsetzliche Krankheit zu, wie es auf Erden keine schlimmere giebt; sie bekam den Bein- fraß im Gesicht— Gefängnißbeinfraß, so heißt es auch. Im Laufe der folgenden drei Jahre, Wje- rotschka, starb sie eines langsamen Todes. Ich wich selbstverständlich während der ganzen Zeit nicht einen Schritt von ihr; täglich mußte ich mit ansehen, wie die furchtbare, unerbittliche Krankheit sie entstellte und bei lebendigem Leibe verzehrte. Ihre Schmerzen waren so groß, daß selbst ich, der sie mehr als Alles in der Welt liebte, den Tod als Erlöser her- bei sehnen mußte. Jetzt begreifen Sie, Wjerotschka, daß ein Mensch, der so ettvas im Leben ertragen hat, die Liebe nicht als einen Scherz ansehen kann. Ja, aufrichtig gesagt, in einem Lande, wo derartige Dinge möglich sind, hat man auch kein Recht, an persönliche Liebe oder persönliches Glück zu denken." Wasilzeivs Stimme versagte vor Erregung. Wjera weinte leise und bitterlich. Nicht lange nachher zeigte Wasilzew ihr das Bild seiner gewesenen Braut, wie sie vor ihrer Krankheit aussah: ein schönes, intelligentes, braunes Gesicht, mit schwarze», träumerischen Augen. Wjera glaubte, noch nie im Leben ein schöneres Gesicht als dieses gesehen zu haben; mit Andacht drückte sie die Lippen auf das Bild, wie auf das Antlitz einer Märthreri», und mit Thränen in den Augen wiederholte sie das Gelübde, das sie einmal gcthan: sich die Märtyrer- kröne zu erkämpfen. Sie wird sich nur deshalb nicht nach China begeben, jetzt tveiß sie, daß dies das Schicksal Vieler in Rußland ist. Seit jeneni Tage gab es kein Mißvcrständniß mehr zwischen Wjera und Wasilzew, und ihre Freund- schaft war dauernd, für immer befestigt. (Fortsetzung solgl.) ch Wanderungen durch Zeit und Raum. Von Th. Overbeck. III. Auge, Fernrohr und Spektroskop. as giebt Mcusche», welche, weil sie von der Natur gesunde Augen erhielten, glauben, daß sie nun auch sehen können. Oberflächlich betrachtet, haben sie vielleicht nicht ganz Unrecht, denn wenn man eine während der Kindheit unmerklich erworbene Fähigkeit, die Außen- weit in großen Zügen durch den Sinn des Gesichtes zum Bewußtsein zu bringen, eine allerdings häufig sehr fehlerhafte Erkenntnißinethode, sehen nennt, dann allerdings können die meisten Menschen sehen. Erweitert man den Begriff„Sehen" aber und versteht darunter scharf und richtig auffassen. Formen, Farben und die thatsächlichen Verhältnisse der Wahr- heit entsprechend schnell durch das Auge ermitteln, dann allerdings sieht es bei unendlich Vielen äußerst bedenklich ans, dann kann man ruhig behaupten, nur relativ Wenige sind im Stande, wenigstens klar zu sehen. Es gehört nämlich zum wirklichen, richtigen Sehen gerade so gm ernsthafte Schulung wie zu jeder anderen Thätigkeit. Es ist eine jedem Fachmanne geläufige Er- scheinung, daß in der Benutzung optischer Justru- mente, des Fernrohrs und Mikroskops, Ungeübte ausnahmslos, wenn ihnen ein Blick durch dieselben geivährt wird, längere Zeit ernsthaft enttäuscht sind, trotz aller Erklärungen garnicht recht loissen, ivas sie aus dem Gesehenen machen sollen, feinere Details aber garnicht erkennen. Erst nach längerer Uebung, Schritt ans Schritt gelangen sie zu einer klareren Erkenntniß der that- sächlichen Verhältnisse der gesehenen Objekte. Recht drastisch zeigt diese leider unendlich ver- breitete Geringwerthigkcit des Auges folgender Versuch. Mau werfe in den Kreisen der Bekannten einmal die einfache Frage auf:„Wie groß erscheint dem unbewaffneten Auge der Mond?" Die Antwort wird eine unerivartete Konfusion zu Tage fördern, denn die Größenangaben werden auf das Unglaublichste voneinander abiveichen. Nicht allein, daß die Ausdrncksiveise äußerst zu wünschen übrig lassen wird, und es nur Wenigen einfallen wird, die Entfernung des Objektes, dessen scheinbare Größe der des Mondes gleichen soll, von unserem Auge mit anzugeben, was zu einer richtigen Antwort unbedingt erforderlich ist, da, während die scheinbare Btondgröße stets annähernd unveränderlich, die irdischen Vergleichsobjekle je nach wechselndem Abstände größer oder kleiner erscheinen, wird auch die Schätzung selbst sich in fast allen Fällen derart von der Wirklichkeit entfernen, daß man an der Zuverlässigkeit der Augen der meisten Menschen ernsthaft irre iverden muß. Fünfundnennzig Prozent aller Befragten min- destens werden die scheinbare Größe des Mondcs der eines Tellers bis SLagenrades gleichschätzen und zivar letztere aus z>vei bis drei Nieter Entfernung betrachtet, und nur der kleine Rest wird annähernd das Nichtige treffen; selbst fähige Landschaftsmaler gerathen bei der Lertverthuug von Sonne und Ntond sehr oft ans Abwege. Eine Probe zeigt aber sofort, daß der Mond schon durch eine mittelgroße Erbse bedeckt wird, die man in der Entfernung von einem Fuß vor das Auge hält. Diesen Maßstab muß auch der Maler verwerthe», natürlich unter Zugrundelegung der EM- fernung, aus der das Bild betrachtet werden soll, falls es naturivahr sein ivill. Abgesehen unn von diesen besprochenen Mängeln nnseres Sehverniögeus, welche ans fehlende llebnng zurückzuführen und am leichtesten durch praktische Natnrbeobachtnng jeder Art zu beseitigen sind, welche zu scharfem Anschauen und logischem Prüfen und Denken gebieterisch zwingt, mehr als irgend eine andere Thätigkeit, hat unser natürliches Sehen noch vielfache andere Schwächen auszuweisen. Trotz seiner Brauchbarkeit und bei Schulung auch hervorragenden Leistung ist das Auge dennoch lveit entfernt davon, ein vollkommenes Instrument zu sein, ja es ist, vom Standpunkt der Optik be- trachtet, sogar ein mittelmäßiges Instrument zu nennen, so daß schon einer unserer hervorragendsten Physiker sich halb im Scherz dahin äußerte, daß, falls er einen Optiker mit der Konstruktion des- selben beauftragt hätte, und dieser dann unser Auge hätte abliefern ivollen, er es ihm wegen mangel- hafter Ausführung ohne Weiteres zurückgegeben haben tvürde. Hauptsächlich nun kommen diese Mängel unseres Auges bei der Beobachtung des Sternen- Himmels zur Geltung, und es ist hier nun Sache des Optikers, dieselben durch Konstruktion künstlicher Hülfsmittel auszugleichen. Diese Mängel sind nun im Wesentlichen folgende: Da die Hornhaut des Auges, wenn auch nicht durch- sichtig, so doch, ähnlich einer Mlchglasscheibe, durchschei- iiend ist, so läßt sie stets einen erheblichen Theil diffusen (zerstreuten l Tageslichtes durch, toclches dann, ohne ein Bild zu erzengen, sich über die Netzhaut rer- breitet, diese reizt nud dadurch für zarte Lichteindrücke mehr oder minder unenipfindlich macht. Dann wird die aus einer unendlichen Anzahl feiner Stäbchen, der Endverästelnng des Sehiicrvcs gebildete Netzhaut, infolge der den Gesetzen der Op'tik nicht genau entsprechenden Krümmung und nicht aus- reichenden Anpassungssähigkeit der Krystalllinse, häufig von nicht ganz scharf gezeichnete» Bildern getroffen (Fern-, Schivach- und Kurzsichtigkeit), dazu ver- breiten sich stärkere Lichtreize, z. B. das Bild eines Sternes, durch Reflexe über größere Flächen der Netzhaut als zulässig, zur Erzeugung eines fehler- freien Bildes. Ferner läßt die sehr kleine Oeffnnng der Pupille nur einen sehr geringen Theil des von einem Sterne ausstrahlenden Lichtes in die Augen treten, wodurch das Bild an Deutlichkeit und Helligkeit verliert. Diese verschiedenen Uebelstände, welche bei dem alltäglichen Gebrauch allerdings nicht so sehr ernst- Haft sich fühlbar machen, auszugleichen, ist, wie erwähnt, Sache der Optik durch Konstruktion von Fernrohren. Es muß frenides, störendes Licht abgehalten iverden, ivas die Verdcckung des Anges durch das Fernrohr zn Stande bringt, dann muß die Helligkeit erhöht werden, ivas das Objektiv, d. h. das dem Gegenstande zugekehrte große Glas des Fernrohrs, infolge seiner Größe dadurch bewerkstelligt, daß es weit mehr Licht aufnimmt als die kleine Pupillen- öffuung, dieses Lichtguautnnl dann konzentrirl nud dem Auge zuführt. Dieses vom Objektiv aufge- uommene Licht bildet nun noch im Rohre des In- strnnientcs, ganz nahe den« Auge, ein frei schwebendes Bild, welches alsdann durch eine Lupe, das Ocular oder Augenglas, betrachtet und zugleich vergrößert wird. Dieses ist im Wesentlichen die Konstruktion der Hinimelsfernrohre oder Teleskope; näher auf Details einzugehen, z. B. Achromatisinus und angebrachte Bteßvorrichtungeu zu erörtern, würde hier zu weit führen. Die terrestrischen Fernrohre für irdische Objekte unterscheiden sich dadurch, daß, um eine aufrechte Stellung des Bildes hervorzurufen«die Himmelsfernrohre zeigen Alles umgekehrt), auf Kosten der Helligkeit noch ein Glas oder a»«ch mehrere eingeschaltet sind, mit Ausnahme der sogenannten Opern- gucker, bei denen auf Kosten der Vergrößerung die Wiederiinlkehrung des Bildes durch ein konkav, d. h. vertieft geschliffenes, Ocular hervorgerufen wird. Außer diesen besprochenen Linsenfernrohren giebt es jedoch auch noch sogenannte Spiegelteleskope, bei welchen ein dem Gegenstand zugekehrter, im untern Ende des fllohres angebrachter Hohlspiegel die Licht- strahlen empfängt und zurückwirft, dieselben im Rohre zu einem Bilde vereinigend, welches dann durch einen zweiten kleinen Plan- oder auch Hohlspiegel dem Ocular zugeworfen tvird; bei dem von dem Astro- noinen Hcrschel konstruirten Spiegelteleskop beobachtet man ohne einen zweiten Spiegel direkt das Bild durch das Ocular, was durch eine etwas schräge Stellung des Spiegels ermöglicht tvird. Der Ausdruck, eine Lupe vergrößert das Bild cincs Gegenstandes, ist nun, genau genommen, un- richtig, denn ein linsenförmig geschliffenes Glas vergrößert thatsächlich nicht, sondern hebt nnr die llndeutlichkeit eines bereits im Auge vergrößert vor- handeneu Bildes ans, und zwar dadurch, daß es die Richtung der auscinanderstrebenden Lichtstrahlen dicht vor dem Auge ändert und sie, was zur Erzeugung eines deutlichen Bildes nöthig, parallel ins Auge führt. Also ein Linsenglas vergrößert nicht, sondern erlaubt nur, einen Gegenstand oder ein Bild des- selben in größerer Nähe zu betrachten, die Ver- größerung aber ist lediglich eine Folge der Annäherung. Je stärker nun die Krümmung der Linse, desto geringer die Brennlveite, also desto stärker die Ver- größerung. Eine Linse von 1 Millimeter Brennweite z. B. gewährt eine 25flfache Vergrößerung, eine solche von '/>,> Millimeter daher eine Vergrößerung von 2500. Natürlich tvird stets Durchmesser- oder Linear- Vergrößerung gerechnet, nicht aber quadratische, denn letztere liefert bei großen Zahlen immer nur einen Effekt in der Größe der Ouadratwnrzel, nur Char- latane rechnen zuweilen nach derselben, um z. B. bei Gas- und Sonnenmikroskopen durch scheinbar enorme Vergrößerungen das Publikum zu düpiren. Daß lediglich die Annäherung infolge der grad- linigen Verbreitung des Lichtes eine jede Bergröbernng bedingt, läßt sich durch einen gewöhnlichen vor das Auge gehalteneu Zollstock nachweisen, an dem die Vergrößerung bei der Annäherung an ferne Gegen- stände duckt abzulesen ist, wobei man alsdann finden wird, daß z. B. eine lOOfache Vergrößerung nichts Die zleue Alelt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. weiter heißt, als daß nian einen Gegenstand, der 100 Bieter entfernt ist, jetzt so groß sieht, wie er aus 1 Bieter Entfernung sich zeigt. Die Leistung eines Fernrohres besteht aber nicht nur in der Vergrößerung, sondern, was ebenso wichtig, auch in der Erzeugung einer größeren Helligkeit des Bildes, da hiervon die raumdurchdringende Kraft abhängt. Ein Fernrohr nimmt nun genau so viel Mal mehr Licht auf als das unbewaffnete Auge, als die Ouadratfläche des Objektives die der Pupillen- öffnung übertrifft. Hieraus ergiebt sich, daß z. B. ein Fernrohr von 1 Zoll Ocffnung za. 4 hs mal mehr Helligkeit empfängt als das Auge und dem entsprechend weiter den Raum durchdringt. In der Herstellung derartiger Fernrohre und Spiegelteleskope hat man es nun in neuerer Zeit unendlich weit gebracht und einzelne konstruirt, welche eine nahezu 10 000fache Vergrößerung gewähren, allerdings nur für Fixsterne und Nebelflecke mit unerschöpflicher Lichtfülle,- die mit schwachem, reflek- tirtem Lichte leuchtenden Planeten und Nebeiiplaneteil gestatten längst nicht derartige Vergrößerungen; um bei diesen erheblich weiter zu kommen, muß die Technik hinsichtlich der Herstellung möglichst großer Linsen und Spiegel erst noch Fortschritte machen. Außer dem Fernrohre ist seit 1861, seit der Entdeckung der Spektralanalyse durch Bunsen und Kirchhoff, noch das Spektroskop von höchster Wich- tigkeit für die Erforschung des Weltalls geworden. Dasselbe beruht auf folgenden Verhältnissen: Läßt man weißes Licht durch ein Glasprisma(dreiseitig flach geschliffenes Glas) fallen, so entsteht, wenn man das- selbe auf einem weißen Schirme aufsängt, ein far- biges Lichtband, das Spektrum, beim Sonnenlicht ge- bildet aus den bekannten Regenbogenfarben. Ein solches Spektrum besitzt nun je nach der Lichtquelle ganz verschiedene Eigenschaften. Gehen nämlich die Lichtstrahlen von einem glühenden, festen Körper aus, so entsteht ein kon- tinuirliches Band oder ein Spektrum, in welchem die Regenbogenfarben ohne irgend welche Unterschiede ineinander übergehen. Ist dagegen die Lichtquelle ein leuchtendes Gas, so entsteht ein sogenanntes Linienspektrum, d. h. ein Spektrum, welches nur aus einzelnen hellen, durch dunkle Zwischenräume getrennten Linien besteht. Anzahl und Lage dieser Linien ist nun für jeden Grundstoff verschieden und derart charakteristisch, daß man aus der Beobachtung dieses Spektrums mit ans Unglanbliche grenzender Genauigkeit die in den leuchtenden Gasen enthaltenen Grundstoffe er- mittel» kann, mag die Lichtquelle auch noch so weit entfernt sein. Geht nun aber das Licht eines glühenden, festen Körpers, bevor es unser Auge erreicht, durch eine nicht sclbstleuchtende, nicht glühende Gasmasse, so absorbirt sie diese, d. h. bringt zum Erlöschen die Lichtstrahlen, welche sie selbst im glühenden Zustande aussenden würde. Die entsprechenden farbigen Linien werden in diesem Falle ausgelöscht und erscheinen an ihrer Stelle im Spektrum dunkle Ouerlinien, sogenannte Ab- sorptionslinien. Auf diese Weise, untersucht man das Licht der Sterne und Weltennebel, läßt sich daher nicht nur erkennen, ob das Licht des leuchtenden Körpers durch eine Gasschicht gegangen, bevor es zu uns gelangte, sondern die Streifen geben auch den genauesten An- halt über die chemische Zusammensetzung dieser Gas- masse und des leuchtenden Körpers. Eine geringe Verschiebung dieser Streifen� nach der einen oder der anderen Seite von ihrer eigent- lichen Lage giebt nun außerdem Aufschluß darüber, ob die Lichtquelle sich uns nähert oder sich entfernt. Der ganze Apparat zur Vornahme derartiger Untersuchungen heißt nun, wie envähnt, Spektroskop; ein genaueres Eingehen auf die Koustruktion der verschiedenen Formen desselben ist hier nicht am Orte. Es war zum Verständniß der folgenden Artikel unbedingt erforderlich, die optischen Verhältnisse einer allgemeinen Betrachtung zu unterwerfen, und möge daher dieses zur Entschuldigung dienen, falls der eine oder andere Leser das gewählte Thema etwas mich- tern finden sollte. pic KlDrWeit öcr Sdiiiiarokr. Von Heinrich Bogel. chmarotzer nennen wir die Menschen, Thiers und Pflanzen, welche aus dem Lebenssaft anderer Lebendiger ihre Nahrung ziehen. Es giebt große, kleine und sehr kleine Schmarotzer oder Blutsauger. Welche die schlimmsten unter ihnen sind, darüber kann man streiten, aber schlimm sind sie alle. Das Blutsaugen ist auch nicht der einzige Schaden, den die Schmarotzer denjenigen Wesen zufügen, von deren Lebenssaft sie sich nähren und mästen.— Indem ein Insekt ein Opfer nach dem anderen überfällt. Gesunde und Kranke durcheinander, bleibt an seinem Saugstachel, wenn es diesen in die Haut eines Kranken gebohrt hat, auch Krankheits- keim oder Ansteckungsstoff haften, und wenn es dann mit demselben Saugstachel einen Gesunden sticht, um sein Blut zu sangen, so impft es damit auch die Keime der Krankheit auf den Gesunden über. Simonds, Uffelmann und Professor Flügge in Bres- lau haben nachgewiesen, daß Fliegen auf diese Weise Cholerabazillen auf Gesunde übertrugen und die- selben angesteckt haben. Spillmann, Haushalter und Hoffmann haben nachgewiesen, daß Fliegen Tuberkel- bazillen von dem Auswurf Tuberkulöser auf Gesunde übertragen haben. Eiternde Augenentzündung ist ebenfalls durch Fliegen übertragen worden. A. Lavcran weist in Contrilmtions ä l'ötude des houtons de Biskra, Rev. dermatol. 1880 nach, daß eine Hautkrankheit, die Blattern von Biskra, durch Fliegen übertragen wird. Die Uebertragung der Räuoe der Schafe durch Insekten ist ebenfalls festgestellt. Jedes Jahr bringt neue Beweise solcher Uebertragung von ansteckenden Krankheiten durch Ungeziefer. Henry Morau hat in der„Revue rose" 95, I., pag. 42, mitgetheilt, daß Wanzen das Krebenkretagium auf weiße Mäuse übertragen haben. Einem russischen Arzte, Tikiu in Odessa, fiel, wie er in der„Nedi- cine moderne" mitthcilt, die Verbreitung auf, welche der Rückfalltyphus dort von einem Asyl ans ge- nomnien hatte. Zuerst erkrankte daselbst ein Btatrose, der sich vorher im Hafen von Jaffa aufgehalten hatte. Da die Zeit, die zwischen dieser Epoche und der Zeit des Ausbruchs der Krankheit lag, genau der Jnknbations-(Ausbildungs-) Periode des Rückfall- typhus entsprach, so war zu vermuthen, daß der Kranke in Jaffa angesteckt ivorden war. Zehn oder zwölf Tage nach diesem ersten Fall zeigten sich andere analoge, und den folgenden Monat wurden die Fälle von Rückfalltyphus in Odessa noch häufiger; es entstand eine Epidemie, welche 10 000 Menschen ergriff. Die Mehrzahl der Erkrankten waren Leute, welche in Herbergen, Nachtasylen und ähnlichen Orten nächtigten. Auch der zuerst erkrankte Matrose hatte in einem solchen Asyl übernachtet. In dem- selben waren, wie in den meisten derartigen An- stalten, Unmassen von Wanzen vorhanden. Da die Ansteckung des Rückfalltyphus stets durch das mit Spirochären bcladene Blut geschieht, brachte dies Tikin ans den Gedanken, daß durch die Wanzen die Krankheit verbreitet worden sei, deren Ansteckungsstoff in den schlecht genährten und im Uebrigen herunter- gekommenen Bevölkerungsschichten einen sehr geeig- neten Nährboden gefunden hatte. Kommt ein Erkrankter in ein solches Asyl, so saugen die Wanzen mit seinem Blute, welches die Spirillen des Rückfalltyphus, die Spirochäte Obermeiers, enthält, auch diese mit ein und es bleiben davon auch an ihren Saugwerk- zeugen hängen. Kommen sie dann auf einen ge- snnden Schlafenden und stechen diesen an, so kann eine regelrechte Ueberimpfnug der Spirochäten auf diesen stattfinden. Die Wanze braucht sogar nur über denselben zu laufen, der Schläfer zerdrückt sie bei einer Veränderung seiner Lage und kratzt sich, so kann ebenfalls eine Uebertragung durch eine Kratz- wunde erfolgen. Tikin wollte sich durch eine ab- sichtlich in ähnlicher Weise herbeigeführte Ueber- tragnng von der Möglichkeit derselben überzeugen. Er ließ Wanzen hungern, bis sie ganz platt und blaß waren, brachte sie dann mittelst eines Schröpf- kopfes auf einen an Rückfalltyphns Erkrankten. Nach- dem sich hier die Wanzen vollgesogen hatten, wurden sie zerdrückt und das Blut derselben unter dem Mikroskop untersucht. Es enthielt stets Spirochäten, noch nach achtzehn Stunden. Nun war nur nod) die Virulenz oder Ansteckungskraft dieser Spirochäten festzustellen. Tikin injizirte dieses Wanzeublut einem ganz gesunden Affen. 64 Stunden imd) der Inokulation zeigte das Blut des Affen Spirochäten und erkrankte derselbe an allen Symptomen des Rückfalltyphns. Dadurch waren die Wanzen als An- steckungsträger erkannt, und es ist nicht zu bezweifeln, daß sie ebenso wie anderes Ungeziefer: Flöhe, Läuse und Fliegen, auch ähnliche Ansteckungskrankheiren verbreiten. Bei Verbreitung des Sumpffiebers hat sich eriviesen, daß die Btoskitos eine ähnliche, aber nicht ganz dieselbe Rolle spielen, wie die Wanzen. Die Btoskitos werden nur an sumpfigen und an Wasser gelegenen Orten gefährlich, und nur da findet man in ihrem Blut die Träger der Krankheit, die Haeniatozoön. So ist nach A. Lamborn: La. dö- struction des monstiques Revue scientif. 1890, pag. 480, in Konstantine in Algier das Snmpffieber in dem unsauberen Thal des Rumel sehr häufig, verschwindet aber im oberen reinlichen Theile der Stadt, ebenso in Bona und nach Btendrini: Guido igienica di Roma, Rom 1896, in dem inneren Theile von Rom, die frei von Btoskitos sind. Die Bodendrainage, die das Fieber unterdrückt, bringt auch die Moskitos zum Verschwinden. Die Fieber beginnen niit der Zeit, wenn die Moskitos am häufigsten sind; in der übrigen Zeit lassen sie nach. Man weiß, daß es in sumpfigen Gegenden gefähr- lich ist, bei offenem Fenster zu schlafen, und daß man am besten vor den Btoskitos geschützt ist, wenn man des Abends die Fenster schließt. Während der Nacht ist man am meisten der Ansteckung mit Sumpf- fieber ausgesetzt, während der Nacht suchen auch die blutgierigen Btoskitos ihre Beute auf. In sumpfigen Gegenden ist es gefährlich, auf dem Erdboden zu schlafen, und man hat bemerkt, daß in den Häusern die oberen Etagen gesünder sind, als die im Parterre oder in der ersten Etage belegenen. Die Moskitos verbreiten sich hauptsächlich ans der Erde. Die Prädisposition(Geneigtheit) zu Snmpffieber ist um so größer, je zarter und feiner die Haut ist; Kinder haben deshalb stets von den Btoskitos am meisten zu leiden, and) vom Sumpffieber werden sie am ehesten ergriffen. Die Neger, deren Haut dick und widerstandsfähig ist und die den Stichen der Mos- kitos wenig ausgesetzt sind, erfreuen sich auch einer bemerkenswcrthen Immunität gegen Sumpffieber. Dieselben zeigen sich nicht in Gegenden, in denen sich Schwefclgruben befinden, wie D'Abbadie in der .Aead. des sciences vom 15. September 1882 mit- theilte, und es wird empfohlen, große Feuer anzn- zünden, wenn man gezwungen ist, die Nacht in sumpfigen Gegenden zuzubringen. Durch die schwef- lige Säure und durch den Ranch der Flamme werden eben die Btoskitos getödtet und erstickt. Allerdings finden sich auch Btoskitos zuweilen massenhaft in Gegenden, die frei sind von Sumpf- fieber; das beweist nur, daß der Moskito nicht durch sich selbst gefährlich ist, sondern nur der Träger des Krankheitskeimes ist und daß dieser an bestimmte Oertlichkeiten gebunden ist, nämlich an sumpfige. Nicht alle sumpfigen Gegenden zeigen Sumpffieber, wird es aber in solche Gegenden verschleppt, so er- hält es sich dort. So waren die sehr sumpfigen Gegenden auf den Inseln Bonrbon und Reunion bis vor Kurzem vollkommen frei von Sumpffieber, bis es durch einige indische Arbeiter dorthin ver- schleppt wurde; seitdem erhält es sich dort. Die Btoskitos müssen also den Austecknngsstoff, die Haematozoen, erst im Wasser finden und aus dem- selben aufnehmen, ehe ihre Stiche das Sumpffieber verbreiten können. Andererseits scheint der Genuß dieses infizirten Wassers an sich nock) nicht im Stande zu sein, das Snmpffieber direkt auf den Bteusckien zu übertragen, wie Reynald Roß(Proeeedings of the South Indian Brauch Brit. med. Assoc. vom 17. Dezember 1895) gezeigt hat. Roß ließ einen Mann eine kleine Menge Wasser trinken, in dem ein paar mit Sumpffieberblut vollgesogcne Mos- kitos gestorben waren, nachdem sie ihre Eier darin abgesetzt hatten(ein Versuch, zu dessen Wiederholung Die �cuc Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. mau eigentlich nicht rächen kann!). Ter Mann be- kam Kopfschmerz und envas schwaches Fieber, das aber nach drei Tagen völlig verschwand und nicht wiederkehrte. Roß hat diesen Versuch mehrere Male bei Eingeborenen wiederholt, ohne Sumpffieber mit entschiedenem Charakter zu erzeugen. Tie Haema- tozoön müssen also, ehe sie ihre Giftwirkinig ans den Menschen ausüben können, wahrscheinlich erst noch ein Zwischeiistadinm im Leibe der Moskitos durchmachen, ähnlich wie die Vandivurmeier erst als Finne die Schweine bewohnt haben müssen, ehe sie sich im menschlichen Darm wieder zu Bandwürmern entwickeln können. Lewis fand in 20 von 140 untersuchten-Moskitmveibchen Fadenwürmer; ob diese dieses Zwischenstadium darstellen, ist aber noch nicht erwiesen. Eine andere Art Haematozosn, Tripanosom Evati, wird durch die Tsöstöfliege hauptsächlich im Zululand und Umgebung eine Landplage. Nach David Bruce(Rapport präliminaire sur 1c Xagana ou maladie de la mouche tsetse dans le Zoulou- land, Ann. de l'inst. Pastcur 1896, s. 189) rühren die schweren Anfälle, zu denen die Tsetse- fliege Veranlassung giebt, daher, daß diese Fliege auf ihrem Stachel die Hnenialozo ui trägt, wenn sie Rinder, Ziegen, Pferde oder Hunde sticht, was bei denselben Fieber, Anschwellnng des Unterhaut- bindcgewebes und rasche Zerstörung der rothen Blut- körpcrchen hervorruft, an der die Thicre meist zu Grunde gehen. In Indien nennt man diese gefähr- liche Krankheit Jnrra, in Znluland Nagana. Auch diese Krankheit konnte Bruce durch einen Versuch außerhalb seines epidemischen Herdes übertragen, in- dem er ein Pferd durch in der gefährlichen Zone gefangene Fliegen stechen ließ. Kehren wir nun von den tropischen Blutsaugern zu unseren einheimischen zurück, so ergiebt sich aus dem Vorstehenden, daß die Vernichtung des Un- geziefers, also vor Allem der Fliegen, Wanzen, Flöhe und Läuse, eine der dringendsten Auf- gaben der Gesundheitspflege sein muß und zwar nicht allein in öffentlichen Krankenhäusern, Schulen und Anstalten, sondern auch in jedem Privathanshalt und au jeder Arbeitsstätte. Gegen Wanzen ist wohl das beste Mittel, Einstreichen der Bettstellen mit deutschem Terpentinöl, im Allgemeinen aber Reinlichkeit und fleißiges Lüften der Wohnungen. Freilich sind es nicht nur die kleinen Wanzen, die, wenn sie ihren Opfern das Blut aussangen, die- selben zuweilen noch mit einer schweren Krankheit anstecken, sondern große Schmarotzer thnn zuweilen dasselbe, wenn sie ihre Arbeiterinnen nicht nur schleckt bezahlen, sondern sie auch verführen und mit häß- liehe» Krankheiten besudeln. Tie Kefirgähruiig. Ueber die Bakterien der Kefirgährung hat Dr. Ed. Freudenreich Untersuchungen angestellt, welche das Ergebnis! gezeitigt haben, daß die Kefirgährung von vier verschiedenen Mikroben verursacht wird, von denen eine Hefenart und zwei Streptokokken nothwendig sind, während ein Bacillus nicht unbedingt erforderlich zu sein scheint. Merk- würdig ist nun, daß Impfungen mit den vier Orga- nismen anfänglich regelmäßig scheiterten. Wurden Mischkulturen der vier Organismen auf schrägem Milchzuckeragar angelegt und von diesen in Milch geimpft, so trat meistens wieder nur Milchsäuregährung ein; wenn inan aber nach Eintritt dieser Gährung die geimpfte Milch gut durchschüttelte und dann einige Löffel voll in neue sterilisirte Milch impfte, so trat in vielen Fällen ganz echte Kefirgährung ein, war nur Milchsäuregährung erfolgt, dann gelang es in einigen Fällen, durch die dritte ünd vierte Passage zur Kefir- gährung zu kommen. -K> Sommcrabcnd.(Zu uuscrem Bilde.) Tos heiße, flammende Gestirn des Tages ist verglüht, und mählich breitet der Abend seine zarten Schleier über Land und Meer. Erlöst von der lange», drückenden Hitze, die wie ein schwerer Bann aus ihr gelastet, streckt Mutter Erde ihre Arme begierig in die kühle Fluth hinaus. I» sanfter, spiegelglatter Jinhe, als sei es selbst des laugen Tages müde, dehnt in schier endloser Fläche sich das Meer z» unseren Füßen, und, wie einer tiefe», un- bestimmten Sehnsucht voll, schweift unser Blick zum fernen Horizonte, wo Meer und Himmel ineinander fließen. Uns ist, als breite, wie der Dichter singt, die Seele mächtig ihre Schwingen aus, um fern der Erde in un- bekannte, räthselhaste Weite nach stillen seligen Gefilden ihren Flug zu nehmen. Warum? Wohin?— Wir wisse» es selber nicht. „Gefühl ist Alles." Ein träumend Sinnen ohne Zweck und Ziel. Halb sind wir noch wir selbst, halb sind wir's nicht, halb nur ein Stück Natur, in deren Schönheits- glänz die Seele untertaucht, den Erdenstaub des Lebens von sich abzubaden. Und stehen wir auch nicht, gleich der schlichte», lieb- lichcn Gestalt aus unserem Bilde, leibhaftig dort am Abhang zwischen lichtem Fichtengrün, ein Ahnen von dem Zauber des sonnigen Sommerabends ani Meere wird uns doch, und dankbar werden wir— die heute noch in dumpfer Städte Mauern, an trostloser Scholle festgebannt sind— dem Künstler sein, der uns vermöge seiner Künstlerhand die beseligende Schönheit seiner Landschaft ivenigstens ahnen ließ. Von wilden Thiere». Dr. Huck, der Direktor des zoologischen Gartens zu Berlin, hat vor ein paar Jahren in einer weit verbreiteten Zeitung eine Studie über„Wilde Thicre" veröffentlicht, in welcher er darlegt, daß man diese Lebewesen eigentlich arg verleumdet und daß sie erst durch die Angriffe der Menschen„wild" und grausam zu werden pflegen. Diese Thatsache bestätigt der Kriegs- maler Wereschtschagin, der in der Schilderung seiner Kriegsfahrten an der chinesischen Grenze über den Tiger solgcudermaßen berichtet: „Nach meiner Erfahrung, welche in vielen Ländern bestätigt wurde, sind die Erzählungen von der Wuth der wilden Thiere übertrieben. Durch seine ausrechte Gestalt floßt der Mensch allen übrigen Geschöpfen einen nnüber- windlichen Schrecken ein und die großen Raubthiere müssen sehr hungrig sein, die kleineren aber, die Wölfe, müssen sich in großer Anzahl befinden, um einen Anfall auf einen vorübergehenden Menschen zu wagen, der sie nicht reizt und kein Gewehr trägt. Dieses letztere, welches Aus dem Papierkorb der Zeit. kleinere Thiere zwar erschreckt, bringt große immer in Wuth, weil sie wohl verstehen, die Absichten eines Menschen zu erkeuiie».— Es giebt natürlich, ivie überall, Ans- nahmen. In Indien kommt es vor, daß ein Tiger oder eine Tigerin, besonders wen» sie alt sind und die sckmell- süßigen Thiere nicht mehr einholen könne», das Menschen- fleisch, wenn sie es einmal gekostet haben, so schmackhaft und die Erlangung desselben so leicht finden, daß sie an- sangen, sich nur von Menschen zu nähren, iveshalb sie auch in der llmgegend Menschenfresser genannt werden." — In der Sammlung von Bildern Wercschtschagin'ö, die in den 80er Jabren auch in vielen deutschen Städten ausgestellt lviirden, fand sich eines, welches einen solchen „Menschenfresser" darstellt, wie er entweder ans der Lauer liegt oder dem angenehmeren Werke der ruhigen Ber- dauung obliegt. Woltgeschichiliche Brosamen. Der Einfluß, den einzelne Propheten und Eroberer auf die arabischen, türkischen und inongolischen Nomaden- stämnie ausgeübt haben, ist vielleickit größer, als ihn der größte Staatsmann im Bereich unserer Vollkultur aus- znüben vermochte. Immerhin dars man nicht vergessen, daß auch hier jene Individuen nur die Gelegenheitsnriache bilde», daß sie gleichsam nur die vorhandene latente (verborgene, ruhende) Energie der Massen auslösen und daß auch das hervorragendste Jndividnnin insosern in- disferent erscheint, als derartige leitende Individuen häufiger anflrcten und daher gleichsam einen ThpuS in diesen Zuständen bilden, bei dem es auf die individuelle Beschaffenheit des Einzelnen schließlich nicht mehr ankommt. In diesem Zusammenhang zeigt sich uns so recht die Einseitigkeit jenes bekannten historischen Jndividualisnins, welcher den Verlaus des ganzen geschichtlichen Lebens als abhängig von einzelnen großen Individuen betrachtet. Denn eine solche Abhängigkeit würde sich immer noch eher für die Halbkulturvölker als für die Vollkulturvölkcr glaubhaft machen lassen und daher jedenfalls keinen ent- scheidenden Vorzug der letzteren ausmachen. Das Wesen des eigentlichen geschichtlichen Lebens könnte also jeden- falls in einem solchen bestimmenden Einfluß großer Personen nicht erblickt werde». Es ist kein Zufall, daß Carlyle in der Reihe seiner Helden auch einen Vertreter der Halbkultur in der Gestalt Mohameds betrachtet. Eine solche Betrachtung würde also die entscheidenden Unterschiede zwischen Halb- und Pollkultur verwische», sie erweckt dadurch von vornherein Mißtrauen und hebt sich durch ihre Einseitigkeit selbst auf. Vierland!, Naturvöller und Kulturvölker. Als Scptinius Severus seinen Nebenbuhler um die Herrschaft Pescennius Niger besiegt hatte, rieth man ihm, dessen init prunkvollen Jnschristen geschmückte Stand- bilder umstürzen zu lassen. Ter Kaiser lehnte dies ab mit den Worten:„Wenn diese Lobreden begründet sind — und sie sind es allerdings—, so wird einst alle Welt erkennen, welch einen tüchtigen Gegner wir überwunden haben." >-5� Sctznitzet.— Zum Buchschluß. Voll von Fehlern ist das Buch, Freiheit steht auf jeder Seite. Gleichwohl, gebt ihm Euren Fluch Oder Segen zum Geleite. Für das Sündenregister Sorgen die deutschen Philister. G. Herwegh. Grabschrift eines Hundes. Tie Diebe lief ich an, den Buhler» schwieg ich stille, So ward vollbracht des Herrn und auch der Frauen Wille. Marlln Opitz. Wer seine Dummheit verbergen kann, Ist wahrlich nicht der dümmste Mann. R. Baumbach. Das europäische Konzert. Sic konzertirten zu allen Zeiten, Bisweilen aber rissen die Saiten. Und es entstand, mau weiß nicht wie, Eine ohrenzerreißende Disharmonie. Ed. Baucrnscld. Der Junker und der Bauer. Ein Bauer trat niit dieicr Klage Vor Junker Alexander hin: „Vernehmt, Herr, daß ich heut' am Tage Recht übel angekommen bin. Mein Hund hat Eure Kuh gebissen; Wer ivird den Schaden tragen müssen?" „Schelm, das sollst Dui" fuhr hier der Junker auf. „Für dreißig Thaler ivar die Kuh mir nicht zu Kauf; Die sollst Tn diesen Augenblick erlegen, Das sei hiermit erkannt von Rechtes wegen!" „Ach»ein! Gestrenger Herr, ich bitte, hört!" Rief ihm der Bauer wieder zu, „Ich sagt' es in der Angst verkehrt, Nein, Euer Hund biß meine Kuh." Und wie hieß»un das Urtheil Alexanders? „Ja, Bauer, das ist ganz was Anders!" Richer. Rathsel-Ecke. Jiamcmt Arrfgcrbe. a a a a a a a b d d d e e e e e e e e f g i i i l l l l m in m m m n n o ooooprrrr r r s s s s s t t t t t t 11 u k Die mittelste wagercchte sowie mittelste senkrechte Reihe neiiucn nach richtiger Umstellung der Buchstaben einen Gedenktag der arbeitenden Klasse. Die übrigen Reihen bezeichnen: 1. Buchstabe. 2. Biblischer Raine. 3. Eine Frucht. 4. Nationalspeise. 5. Edle Blumen- züchtung. ti. DieLösung. 7. Süddeutsche Stadt. S.Fischart. 9. Bekannter französischer Schriftsteller. 10. Männlicher Vorname. 11. Buchstabe. Auflösung des Literarischen Silben-Iiäthsels in Nr.20; Tcllheim— Hugo— Epigramm— Odcum— Demosthenes— Orthologie— Rosen. Theodor M o m m s e n. Nachdruck des Inhalts verboten? Alle für die Redaktion bestiininten Sendungen wolle man an Herrn G. Maeasy, Leipzig, Oststraße 14, richten. VeranlworMcher Rcdatleur: Gustav Macasq in Leipzig.— Verlag: Hamburger Buchdruckerei und VerlagSanstall Auer«e So. in Hamburg.— Truel: Max Babing in Berlin.