Sir. 28 �SUuflvtvie 3 CrtfcrHctUuri0!sbct(a0c» 1897 Spaziergang. 4� Von Htto Ernst. JDcr Z turmwind springt mit rasendem Schwung Ueber leuchtende Wiesen. Lr packt die.Eichen bei Wurzel und Ast, Die knarrenden Riesen. Mir zum Triumph bestreut er den Weg Nit breiten Zweigen, Und hoch in Lüften spielt er mir auf Nit juchzenden Geigen. Die-Erde klingt meinem harten Tritt Aus schweigenden. Wegen— Was ist mir noch an der lauen Welt, An mir selber gelegen? Was ich gewesen, was ich gelebt, War Jammer und Schwäche. Mir spannt sich die Haust, daß ich den Tand Mit Hausten zerbreche. Ich wachse, ich steige, ich werde frei, Sturm werde mein Wille!— Mein Denken fliegt wie ein Iubelschrei Durch die Winterstille.— Aus der Walze. Aus de» Papiere» eines Fechtbruders. Vo» F. Riebcck. tFortsetzung.) Siebentes Knpitet. Eine„dufte Winde". > lso, ich soll Euch das Dalsen beibringen?" „Wenn Sie so gut sein wolle»...." „Herrgottssapperschieferdach, hört uf, mich zu siezen! Ihr seid zwar Ouärge— nein, gar- nischt seid Ihr gegen mich; ganz iniserable, dunime Hirschkäfer seid Ihr, aber ich bin Knude, und Ihr seid auch Knuden, und Kunden dntzen einander. Das wäre eine ganze neue Mode! Paßt uf, sonst setzt es Hiebe!" Mir armem Schlucker fiel es nicht leicht, den ge- wältige», vielgereisten Herrn zu dutzen, und das erste„Du" kam sehr kleinlaut und beschämt von den Lippen. „Wer von Euch Rindvicchern hat den meisten Mumm?" fragte der Schulmeister, als das Dorf oder„5taff" erreicht war. Wir ivnßien nicht, ivas er wollte, doch er drückte sich bald deutlicher aus.„Du, Dicker," lvandte er sich an mich,„Du siehst am dämlichsten aus, und so Einen brauch' ich zur Staffage. Du gehst mit, allons!— Und Du, Kleiner— er meinte Franz— ivartest hinter dem Kaff auf uns." Ich bekani einen Genickstoß und mußte vor dem Schnlineister hertrotteln ivie ei» Gefangener. „Winde für Winde wird umgestosien!" belehrte er mich.„Winde heißt Haus. Die kleinen Kaffern stecken ani besten..Steckcir heißt so viel wie geben. — Nicht hinten bleiben. Du verkrüppelter Usinger, sonst..." Er sprach die letzten Worte mit einem Befehls- haberione, dem nicht zu lvidcrstehen war. Bor ihni her stürmte ich mit kalter Todesverachtung in das erste Haus der Ortschaft. Arme Leute wohnten darin; eine krankhaft aus- sehende Frau klagte uns, daß sie selber betteln müsse. Augenblicklich griff der Schulmeister in die uner- gründlich tiefen Taschen seiner Rockschöße und brachte ein paar große Stücke Brot zum Borschein.„Für die Hühner, gutes Nhltterle!" sprach er mild und gütig, indem er der Frau die Bettelstiicke überreichte. Sie dankte mit einem lauten„Bezahls der liebe Gott!" doch er achtete nicht darauf, sondern schubste mich unsanft zum Hofe hinaus. Mir waren beim Anblick des Brotes die Augen übergegangen. Franz und ich litten die grausigste Huugerqnal, und wir hatten nicht geahnt, daß unser Begleiter so kostbare Schätze bei sich trug, die ge- eignet gewesen wären, uns von aller Pein zu er- lösen. Doch ich fand nicht Zeit, mich zu grämen, denn schon bugsirte mich mein flinker Tyrann in ein statt- lichcs Bauerngehöft, das sich neben dem Häuschen der armen Leute befand.„Hier müssen wir Speck ransschlagen", raunte er mir zu. Mehrere Hunde sprangen uns kläffend entgegen; das machte dem Schnlmcister großen Spaß. Durch Grimassen, Zungenschnalzen und allerlei drohende Bewegungen mit der Haselnnßgerte reizte er die Thicre dermaßen zur Wuth, daß eines beim Bellen überschnappte und nur noch heisere Qnitschtöne her- vorzubringen vermochte. Ich fürchtete jeden Augen- blick, der Bauer müsse mit seinen Knechten herbei- stürmen und u»S zum Thore hinausprügeln. Der Bauer und die Knechte schienen nicht zu Hanse zu sein, nur die Bäuerin lehnte am Thürgatter und schleuderte uns aus zornigem Gesicht finstere Blicke entgegen. Durch laute Zurufe suchte sie die Hnnde zum Schweigen zu bringen; doch war sie dabei augenscheinlich nicht ans unser, sondern auf das Wohl der Köter bedacht, für deren Leben sie fürchten mochte. Blich durchlief es eiskalt, als ich das böse, abiveisende Antlitz der stämmigen Frau sah, und ich wäre am liebsten schleunig zurückge- wichen; der Schulmeister jedoch trat lustig lachend vor sie hin, machte irgend eine witzige Bemerkung über die Hunde, verbeugte sich komisch und begann mit erstaunlicher Schwatzhaftigkeit:„Guten Tag, junge Frau! Wie gut, daß wir Sie so hübsch alleiue treffen! Der Herr Gemahl ist ivohl auf dem Felde, lvas? Er säet Weizen zum Kuchenbacken für die Kirmeß. Wir kommen nicht etwa Kälber koofen; wir sind zwei ganz arme Reisende und bitten nm eine Unterstützung. Sehn Sie blos das arme Jüugel da an, das ist der Mutter fortgelaufen, und mm kanns Tror Hunger kaum mvch quitschcn.... Jnimer ran, ran, Dicker, daß Dich die Leute ordentlich sehn!— Fühlen Sie blos seine Rippen, da ist jede einzelne zu fühlen. Ach, gute, liebe, junge Frau, erbarmen Sie sich, sonst verhungert mir der Diugcrich unterwegs! Zu Ihnen kommen wir ganz gewiß nicht umsonst. Ach, Sie glauben ja garnicht, ivas es hier im Dorfe für geizige Leute giebt! Wissen Sie, da war da drüben in dem großen Hanse eine Frau— pfui. Spucke! So vornehm that sie, so hoch, wie meine Miitze, reckte sie die Nase, und nicht ein Stückchen trockenes Brot gab sie uns, aber dafür geht sie sicher jeden Morgen zur heiligen Messe. Wissen Sie, junge Frau, ich und mein Freund, wir stammen auch von sehr frommen Eltern, und wir halten die heiligen Gebote sehr streng, aber fromm thun, dem lieben Herrgott die Zehen abküssen und arme Leute verhungern lassen, das hat in unserem Katechismus nicht gestanden." Der Athen« ging ihm aus, er mußte eine Pause eintreten lassen. Am Anfang seiner Rede hatte sich die Bäuerin unwillig abwenden wollen; als er jedoch auf die Frau aus dem großen Hause drüben zu sprechen kam, machte sie eine Bewegung nach vorn; ihr böser Zorn legte sich, die Züge nahmen den Ausdruck der Neugier an; sie erwartete, daß der selisame Fechtbruder weiter sprechen werde. Dieser hatte inzwischen seine Ballonmütze mit den Fingern vom Stmlb gesäubert; nun stülpte er sie 218 Die Aeue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. cinf den Kopf niid legte oon Neuem los:„Wir haben seit drei Tagen keinen vernnnftigen Bissen in den Mnnd gekriegt.... Ei der Tausend, junge Fran, ist das blipblanke Nttidel da Ihre Tochter? Bei Gott, junge Frau, schon eine solche Töchter? Garnicht niöglich. Staun Iveiß ich, Ivas ich zu thnn habe! Wenn ich Meister sein werde, und von meinem Jlltcn das große Grundstück hinter der Hasenhcide geeibt habe, hol ich mir das Mädel zur Frau.... Aber als Schwiegermutter müssen Sie heute schon einmal den Schlüssel in die Fleischkammer stecken, das geht nicht anders! Gehn Sie und holen Sie uns ein gutes Stück Schinken oder Speck, damit ivir wieder zu Kräften kommen.... Potz Donner- keil, was für'n strammes, hübsches Mtidel!" Mir wurde bei dieser Rede zum ersten Male völlig klar, daß ich wirklich ein ganz dämlicher, dummer, unbeholfener Bursche war. Wer so zu reden wußte, ja, das ivar ein Geist, der brauchte sicherlich nicht zu hungern in der Welt! Gleichzeitig entsetzte sich mein frommes Herz über die schauderhaften Lügen, die der Mensch hervorsprudelte, ohne schamroth zu werden, und ich gedachte meiner lieben Mutter, die oft zu sagen pflegte, daß es in der Welt viele schlechte und verlogene Mensche» gäbe. Unter der Welt ver- stand sie jedesmal die Ferne, nicht die Heimath. Die Bäuerin war noch immer verblüfft. Sie wußte nicht recht, ob sie schimpfen oder lachen, ob sie uns fortjagen oder freundlich behandeln sollte. Sie murmelte halblaut einige Worte, die ihrem Töchterlein galten, das sich bei der Lobrede des Schulmeisters verschämt hinter dem breiten Körper der Mama geborgen hatte und nur ab und zu einen neugierigen Schelnienblick hervorgucken ließ. Der Schulmeister merkte, daß seine Rede noch nicht genügend ans die zähe, bäuerische Natur ein- gewirkt hatte, deshalb begann er weiter zu schwatzen. Er fragte nach dem Ausfall der vorjährigen Ernte, ivie die Kartoffeln im vergangenen Jahre gerathen seien und was die Butter gegenwärtig koste. Ohne eine Antwort auf alle diese Fragen abzuwarten, er- zählte er, was die Butter in Breslau, was sie in Berlin und was sie in Amsterdam koste, und Plötz- lich von diesem Thema abbrechend, erging er sich anfs Neue in Lobeserhebungen über das in der That hübsche Mädel. „Na, hören Sie," schloß er endlich seine Rede, „Sie werden doch nicht sein wollen wie die anderen Bauersfrauen hier am Orte. Den Geiz dieser Weiber wollen wir in der ganzen Welt verkünden. Sticht wahr, Kollege? Auf ein hübsches Stück Speck kommt es doch einer hübschen, reichen Bauersfrau gewiß nicht an, besonders, wenn sie eine so wunderhübsche Tochter hat. Seien Sie dem lieben Gott dankbar dafür und haben Sie Erbarmen mit ein paar ganz armen Schluckern, er wirds Ihnen neunundnennzig Ntal vergelten. Wir wollen auch beten, daß bis zum Herbst Ihre Schlveine recht fett werden." Jetzt wurde der starre Mund der Frau durch ein gewährendes Lächeln bewegt; sie wandte sich langsam zu der hinter ihr stehenden und verlegen mit den« Schürzenzipfel spielenden Tochter und mur- mcltc ein paar Worte; das Mädel hiipfte freudig in das Innere des Hauses und kehrte nach wenigen Minuten mit einem großen Stück Speck zurück, bei dessen Anblick mir zu Muthe ward, als würde mir plötzlich die Seligkeit aller Seligkeiten zu Theil. Aber Himmel, o Himmel steh mir bei! Es ge- schieht ein Unglück. Die Bäncrin sieht den Speck, erschrickt, reißt ihn dein Mädel zornig aus der Hand, versetzt dem geliebten Kinde einen Puff mit dem Ellbogen und will in das Haus eilen. Da— in dem furchtbaren Augenblick vollbringt der Schnliueister ein Meisterstück. Mit einem Sprunge, wie die Katze ans ihre fliehende Beute springt, steht er auf den Thürstufen und hat ein Schürzenband der Bäuerin erfaßt. Erschrocken wendet sie sich um, sie fürchtet einen Angriff und will fliehen, aber schon hat der Schulmeister mit beiden Händen ihre Linke ergriffen, und schon schnattert er abwechselnd inständige Bitten, fürchterliche Drohungen und moralische Lehren.„Wollen Sie mitten hinein in die Hölle kommen?" ruft er mit unheimlicher Betonung.„Wollen Sie Ihre wunderhübsche Tochter zum Geiz erziehen? Dieses Mädel kennt die göttlichen Gebote; sie weiß ans der Religionslehre, was sie zn thnn hat, wenn sie Jemanden verhungern sieht. Geben Sie nur her den Speck, es ist nicht zu viel! So, wir danken auch recht schön! Dafür wird der liebe Gott dem Ntädel einen recht hübschen reichen Mann schenken. Sie sind eine brave Frau; die beste, die wir hier am Orte getroffen haben. Bielleicht haben Sie auch noch ein Stück Käse? Es ist wegen der Verdauung. Also bitt schön, ein Stück Käse, ganz gleich, was für welcher. Sie sind ja eine so reiche Fran, daß es Ihnen auf ein Stück Käse nicht ankommt. In Berlin kriegt man solchen Käse garnicht, wie ihn hier die feinen Dorffrauen machen. Bitte, bitte, recht schnell!" Die Bäuerin ist augenscheinlich betäubt und ver- wirrt von diesen Reden; sie hat willenlos den Speck hergegeben, und jetzt geht sie schweigend in die Vor- rathskammer, um Käse herbeizuholen. Sie bringt zwei Knhkäse herbei, die der Schulmeister dankend in Empfang nimmt. Im nächsten Moment versucht er, dem zutraulich und zugleich verschämt lächelnden Mädchen das Kinn zu streicheln, und gleich ieitig fragt er, ob wir nicht auch ein Stück frische Butter bekommen könnten, damit wir wieder einmal erführen, wie eine Butterstulle schmecke. Nun ergreift jedoch die Bäuerin das Mädel am Arme, zieht es mit raschem Ruck in den Hausflur und schlägt mit der anderen Hand die Thür zu. Ich höre, wie von innen ein Niegel vorgeschoben wird und wie die Frau schimpft. „Vorwärts! hier sein wir fertig!" erklärt der Schulmeister, und wir marschiren im Schnellschritt unter dem Gekläff der Köter zum Thore hinaus. „Das war eine dufte Winde; nicht zum Aller- besten, aber immerhin dufte!" Achtes Kapitel. Eine„ m i e ß e Winde". „Haste gesehn, wie's gemacht wird?" fuhr der Schulmeister fort.„Du mußt nur nicht wie ein Maulaffe hinter mir stehn und wie ein Frosch die Leute anglotzen! Du mußt ein Helles Wort niit- reden.... Immer fix, rin zum Thore! Du mußt voran; ich bin ini Dallas und Du in Kluft. Die Kaffern findens anständiger, wenn Du zuerst komnist." Wieder bekam ich einen so kräftigen Puff in den Rücken, daß ich zum nächsten Hofthore hineinstolperle. Diesmal trat uns ein Bauer entgegen. Er zog seine gestickte Börse und gab uns schweigend und bedächtig Jedem eine Kupfermünze. Wir dankten und schoben lveitcr. „Mit solcher Sorte is nichts!" belehrte mich der Schnlnicistcr;„das muß man den Leuten schon an der Landkarte ansehen." Ich vermuthete, daß er unter dieser Bezeichnung das Gesicht verstand. Nachdem mir noch einige Bauerngehöfte besucht und überall Kupfermünzen empfangen hatten, ge- langten wir in einen großen Gutshof, dessen eine Langseite einen fesselnden?lusblick gewährte auf einen tveiten, prächtigen Park. Rechtivinkelig von» Park stand das Schloß, rings umgeben von geräninigen Blumengärten. Hier sah ich die erste Blnmenpracht des Jahres; in kunstvoll verschlungenen Reihen lench- teten die farbenfrohen Kinder des Frühlings— Krokus, Narzissen, Primeln, Veilchen, Hyazinthen— ach, ivas»vciß ich,»vas es für Blumen»varen! ich iveiß nur, daß der Garten einen märchenhaften Ein- druck ans mich machte, und daß ich am liebsten bewun- dernd und beglückt stehen geblieben wäre, trotz meines schweren Hungers. Auf einem Sandplatze des Vor- gartens spielte ein junger Kavallerieoffizier mit einer sehr schönen Dame ein Spiel, das ich in späteren Jahren als Croquet kennen lernte. Ich zog ehr- erbietig den Hut, erhielt jedoch keinen Dank, sondern erntete nur eine halblaute Verwünschung aus dem Munde des Schulmeisters, dem ich viel zu langsam ging. Beim Eintritt in das Schloß raunte er mir zu: „Hier aber feste druf! Wir müssen die Köchin er- wischen." Wir gelangten in einen weiten Flur, der mit bunten Steinplatten belegt war. Ntein Begleiter zögerte ein Weilchen, musterte aufmerksam die vielen Thüren, schritt dann beherzt ans eine der Thüren zu und pochte. Er poch:e stärker und stärker, doch von innen erscholl kein Laut. „Na, denn nicht!" brummte er.„Ausgestorben kann doch das Nest nicht sein." Er huschte nach der gegenüber liegenden Thür und klopfte dort erst leise, dann heftiger und immer heftiger, bis er mit der Faust andonnerte. Da Plötz- lich ging die Thür auf, an die er zuerst gepocht hatte, ein weiblicher Kopf kam.zum Vorschein und fragte keck und unwirsch, was wir im Schlosse zn suchen hätten. Ich, der ich an jener Thür stehen geblieben war, brachte stotternd und erschrocken unser Anliegen vor. „Hier giebts nichts, es ist Niemand zu Hause!" gab der Kopf zur Antwort. „Aber hübsche Jungfer, Sie sind ja zu Hause," rief der Schnlincister, schnell herbeikommend. Er versuchte, zärtlich zn lächeln, so daß sein häßliches Gesicht sich völlig zur Tenfelsfratze verzog.„Sie werden doch zwei hübsche Jungen..." Er brachte den Satz nicht zu Ende; die Jungfer schrie etwas von Frechheit und schlug krachend die Thür zu. „Hier kriegen wir nichts," sagte ich beklommen, und wollte mich entfernen. „Esel, biste verrückt?" fauchte er mich fragend an und ballte drohend die Faust.„Eine solche Winde willst Du liegen lassen? Du bist mir der rechte Jakob!" Er klopfte an die Thür, keine Antwort. Er klopfte wieder— er klopfte in einem fort, so lange, daß mir die Zeit wie eine bange Ewigkeit erschien. Endlich ging die Thür abermals ans, und wieder kam der weibliche Kopf zum Vorschein. „Wenn Sie nicht ans der Stelle das Schloß ver- lassen, binde ich die Hunde los!" schrie das Frauen- ziminer Ivüthend, verschwand im Augenblick, die Thür schloß sich mit lautem Schlag, und wieder waltete be- ängstigende Stille in dem stolzen Prachtgebände. Der Schulmeister stutzte unschlüssig und that einen Schritt nach der Hansthür zu; aber er besann sich schnell, trat zurück au die weiße Thür und nahm seine Klopfarbcit wieder auf. Er zeigte sich dabei so ruhig und gelassen, daß mich das Entsetzen packte und ich an seiner Vernunft zu zweifeln begann. Er klopfte in einem fort, wohl zehn Minuten lang und länger, während ich, auf ein großes Unglück gefaßt, fluchlbcreit am Ausgange stand. Ach, wie gerne wäre ich davon gerannt! Doch ich fürchtete den schweren Zorn des unheimlichen Menschen, und außer- dem fühlte ich mich durch die magnetische Kraft des Speckes, der in seiner Tasche steckte, an ihn gefesselt. Endlich kam das Gcfürchtcte, daS Schreckliche. Nachdem er einige Ntale mit der Faust an die Thür gehauen hatte, ging sie znin dritten Ntale auf, und diesmal sprang das weibliche Geschöpf in weißer Küchenschürze wie eine Furie heraus und stürmte wild an uns vorbei. „Herr Lieutenant, schnell, bitte, schnell!" schrie sie von den Stufen der Eingangslhür ans.„Helfen Sie mir, es sind zwei ganz freche Bummler da!" Der Unhold, mein Fechtschulmeistcr, schien in meiner Seele zn lesen, denn bevor mir der große Schreck Zeit ließ zum Entspüngen, fühlte ich eine feste Hand im Nacken, die mich am Kragen hielt. „Hier bleiben, oder der Satan holt Dich!" Schon kam der Herr Lieutenant mit zorn- glühendem Gesicht herbeigerannt. Die Köchin war ihm entgegengeeilt und berichtete ihm keifend und schimpfend von unserer großen Frechheit. Ich ergab mich angstvoll bebend in mein Schicksal und empfahl meine arme Seele dem heiligen Geist und meinem Schutzengel. Der Schnlnicistcr zog seinen Hut, stellte sich in die Hausthür und empfing den Herrn Lieutenant mit einer tiefen Verbeugung. Dieser wagte indeß nicht, nahe heranzukommen; er schnaufte etwas von unverschämtem Lumpengesindel und schrie nach den Knechten. Ich zupfte den Schulmeister voll Todesangst am Aermel, um ihn zum Entfliehen zn bewegen, allein er versetzte mir einen Stoß mit dem Ellbogen, verneigte sich abermals und bat in gelassenem Tone um eine Reiseunterstützung. ■ Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. 219 Da kcin Knccht erschien, befahl der Lienteiimit der Köchin, eine Peitsche zn holen. Am Gartenzaun erschien das schöne Fräulein, mit dem er gespielt hatte, und fragte, Ivas geschehen sei. „Entschuldigen Sie mich, Fräulein Isolde, ich habe hier ctivas zu thnn/ rief er, anstatt einer Antwort und richtete sich hoch auf, als gelte es einen Kampf auf Tod und Leben und als wollte er seiner Dame einen Beweis von seiner großen Tapfer- keil liefern. Er sah so gefährlich aus, daß ich gar- nicht anders konnte, als mit kühnem Sprunge die Freiheit zu suchen. Am Schnlmeister vorbei und am Lieutenant vorbei, suchte ich die Straße zu ge- Winnen und gewann sie; Keiner war so flink, mich festzuhalten. Als ich mich an der Schloßpforte flüchtig uniblickte, sah ich die Köchin mit einer großen Peitsche über den Hof gerannt kommen. Ich lief eine Strecke weit auf der Dorfstraße fort und stellte mich dann hinter einen großen Baum, der am Wege wuchs. Lange hatte ich auf den Schulmeister nicht zn warten.„So'ue»ließe Winde ist mir ja in meinem menschlichen Dasein nicht begegnet!" hörte ich ihn schon von Weitem schimpfen. Als er mich erblickte, kam er zornig auf mich zugestürzt, verschte mir ein paar derbe Schläge ans den Kopf und nannte mich erbärmlicher Feigling. Ich heilte mir eine solche Behandlung sicher nicht gefallen lassen, wenn es nicht unter den obivaltenden Ilmständen dringend nöthig gewesen wäre, daß ich mir seine Freundschaft noch ans kurze Zeit bewahrte. Außerdem that er mir sehr leid, denn über sein Gesicht zog sich ein blutender Striemen, der jeden- falls sehr schmerzen mußte. Also ließ ich geduldig eine Flnth von Schimpfreden über mein armseliges Haupt ergehen. „Wenn Du nicht ein Hase gclvesen lvärst, hätten wir den Kerl durchgehauen, daß er seine Knochen nicht mehr gefühlt hätte!" sagte der Berliner.„Haut mich der Bursche übers Gesicht. Aber einen Hieb hat er von mir gekriegt, daß er fünf Schritte weit an den Zaun flog!" Ich glaubte bestimmt, der Offizier würde uns von den Knechten verfolgen lassen und schlug daher vor, das Torf zn verlassen. Der Schnlmeister ant- >vortete abermals mit Grobheiten und befahl mir, das Dorf bis zum Ende mit ihm abzufcchtcn. Ich gehorchte— und ividcr mein Erwarten kamen wir unbehelligt und mit gefüllten Taschen am Ausgang des Dorfes an. Dort lagerte Franz im Chanssee- graben und sah uns mit gespannter Erwartung ent- gegen. Wir lagerten uns zu ihm, und es erfolgte die Berthcilnng der Beute. Zuerst lvurde das Geld gctheilt, und der Schnlnieister versehte uns dabei in das allergrößte Erstaunen und zugleich in starke Berlegenheit. Er zählte das Geld genau in drei Theile ab und behielt nur den einen für sich. Da ein Pfennig übrig war, mußte das Loos entscheiden, wein er zu Thcil werden sollte. Wir verlangten, er sollte wenigstens zwei Theile des Geldes nehmen, da wir ja nur ihm das große Glück zn danken hätten; allein er erividerte grob und hohnvoll, daß er ein ganz miserabler Kunde sein müßte, wenn er nicht ehrlich theileu ivollte. Nun lvurde im Chaussecgraben getafelt. O, ein köstliches Wahl! Leider fehlte es uns an Salz. Da ich mich beim„Dalsen"„unziiliflig" benommen hatte, wie der Schulmeister sagte, erhielt ich den Befehl, in die nächste„Winde" zu laufen und Salz und Pfeffer zu„dalfen". Ich kam dem Auftrage nach und löste ihn glänzend. Beim Schnlmeister halte ich in der letzten Stunde sehr viel gelernt. Die Nährmittel wurden gleichfalls, redlich verthcilt, und ich fühlte mich bei dem nahrhaften Schmause sehr glücklich. Franz. der den größten Hunger empfunden hatte, kante mit solchem Eifer und ernst- haftem Fleiße, daß die Pupillen seiner großen Augen in seinem Kindesgesichte beängstigend hervortraten. Meimtes Kolpitck. Ende mit Schrecken. Während des Weitermarsches fiel es dem Schul- meister ein, mich noch einmal wegen meiner feigen Flucht ans dem Schloßhofe zur Rede zn stellen. Er meinte, es sei eine Schande für die gesammte Kunden- weit, daß wir dem Hnsarenoffizier nicht die Peitsche entrissen und ihn für seine Frechheit fürchterlich durchgepeitscht hätten. Wenn wir nicht Strohwische, sondern„tafle" Kunden wären, würde er mit uns umkehren und das Versäumte nachholen. „Diesen Stenz," fügte er, auf seinen Stock deutend, hinzu,„habe ich nicht blos abgeschnitten, um damit zu„tippeln" und die Hunde zu jagen— er ist auch für Jeden bestimnit, der die Kundenehre nicht wahrt." Bei den letzten Worten warf er niir einen haß- vollen Seitenblick zu und fuchtelte mit dem Stocke so grimmig in der Luft, daß wir ihm weit aus dem Wege gingen. Halblaut wechselte ich mit Franz ein paar Worte über das Benehmen des Schulmeisters; das hörte dieser, ohne die Worte, die harmloser Art gclvesen waren, zu verstehen. Er sah mich scharf an, offen- bar, um auf meinem Gesicht zu entziffern, was ich gesagt hätte. Er las falsch und schrie mich, von plötzlicher Wnlh erfaßt, an:„Noch soll, Ton, und ich stopf Dich hier in das Wasscrloch unter der Brücke, daß Du elend krepirst!" Er fügte noch eine Reihe nnfläthigcr Schimpf- worte hinzu, über die sich mein sittliches Empfinden heftig empörte.„Lassen Sie mich zufrieden!" rief ich.„Komm, Franz, wir gehn allein loeiter!" Ich ging einige Schritte zurück, Franz jedoch blieb unschlüssig stehen. „Seht doch, seht doch diesen Kunden!" höhnte der Lackirer, sich zn mir umwendend. Er lachte heiser und nnheimlich, und ich sah, daß er mühsam gegen seine Wuth ankämpfte. „Jetzt will der Dingerich noch frech werden!" fuhr er fort.„Komm, Kleiner, mit mir! Lassen wir die Kreatur verhungern!" Franz ivar noch immer im Zweifel, was er thun sollte; erst als ich ihm zurief:„Wir gehören zu- sannnen!" sagte er entschuldigend zum Lackirer:„Er ist mein Lehrkvllege, nehmen Sie's nicht Übel!"— und er kam zn mir. „Nehmen Sie's nicht übel!" äffte der Lackirer meinem Freunde nach und brach abermals in sein heiseres, abscheuliches Lachen aus.„Einen Knuden reden sie mit„Sie" an, und mit solchen Biückcn Hab ich mich abgegeben." Ohne weiter auf den schimpfenden und höhnenden Kollegen zu hören, vereinbarte ich rasch mit Franz, ein Stück Weges zurückzugehen und dann einen seitab nach einem entfernten Dorfe führenden Weg einzuschlagen. Festen Trittes marschirtcu lvir, ohne uns umzuwenden. Auf einmal nahmen wir wahr, daß uns der Lackirer nachgerannt kam. Ein paar flüchtige Blicke nach rückwärts belehrten uns, daß er in feindlicher Absicht kam. Wir sahen uns nach Hülfe um, doch kein Riensch, der uns helfen konnte, weilte in der Nähe.„Wenn er haut, müssen wir uns wehren," sagte ich zn Franz.„Es geht auf Tod oder Leben!" „Wenn er uns umbringt!" sagte Franz im Tone des Entsetzens, und ich sah, lvie eine furchtbare Angst ihren Bann auf ihn ausübte. Wir gingen rascher, doch es gab kein Entrinnen. Der Feind ivar uns schon auf den Fersen und gellend schlugen mir die schrecklichen Worte ans Ohr: „Einen Denkzettel zum Abschied mußt Du kriegen, Du Schuft!" Nasch wollte ich eine Vertheidigungspositnr einnehmen, aber schon traf mich ein wuchtiger Schlag mit dem Eichcnknüppel auf den Kopf und bald darauf ein zweiter auf die Schulter. Ich lvar betäubt, ich glaubte hinsinken zu müssen, doch das dunkle Empfinden, daß ich mein Leben zu vertheidigen hätte, verlieh niir Kraft und Festigkeit. Riit barbarischer Rücksichtslosigkeit und mit der Ricsenstärke der Vcr- zweiflung hieb ich blindlings auf den Gegner ein; ich traf ihn ins Gesicht; ich sah, daß er blutete, sah, wie seine Züge gräßlich waren von der Wnth, fühlte, wie er mich an der Gurgel faßte; ich stammelte ein Gebet— und plötzlich fühlte ich mich frei... Der Lackirer taumelte und preßte beide Hände an die Schläfen. Wir aber wählten den besseren Theil der Tapferkeit und entflohen. Wieder kam er mit geschwungenem Stocke und blutendem Schädel hinter uns drein gerast; lviedcr hieß es: siegen oder sterben. Am Wege lag ein Haufen zerkleinerter Steine. Franz stürzte drauf los und begann auf den an- stürmenden Feind ein Wurfbombardement; ich folgte dem Beispiel, und wir schlenderten unsere Geschosse so behend und sicher, daß der Unhold stutzte und sich nicht heranivagte. Er zog sich zurück und be- gnügte sich, uns mit dem Stocke zu drohen und Rache zu schwören.„Ihr entgeht mir nicht, und wenn Ihr bis dorthin lauft, wo die Welt mit Brettern vernagelt ist," lautete eine seiner Drohungc». Jetzt erst erfuhr ich, daß Franz mein Retter war; er hatte dem Lackirer, als dieser mich am Halse packte, einen schweren Stein an den Kopf ge- schlendert und ihn dadurch auf Augenblicke kämpf- unfähig gemacht. Ohne diese Tapferkeit des treuen Kameraden hätte ich vielleicht auf jener fremden Erde mein junges Leben beschließen müsse», denn die Wnth des Lackirers hatte den Grad der Sinnlosig- keit erreicht. Wir schlugen den erwähnten Seitenweg ein und suchten alsbald Deckung in einem Gebüsch, nni als vorsichlige Strategen von dort ans die Belvegungen des Feindes zu beobachten. Wir trauten ihm nämlich nicht, sondern glaubten, er werde auf Umlvegen unserer habhaft zn werden suchen, allein er wich nicht von der Chaussee ab, und wir verfolgten ihn mit den Augen, bis er an einer Biegung des Weges Verschivand. Dann erst wagten wir einander zu unserem Heldeumuth zu gratuliren. Wir fanden Beide, daß lvir tüchtige Leute seien, und das Baro- meter unseres Selbstvertranens stand höher, als am Tage unseres Abmarsches von Neisse. Ich hatte im Kampfe Benleu und Wunden erlitten, und sie mochten auch ivohl schmerzen, aber diesen Schmerz empfand ich im stolzen Belvnßtscin meines Hclden- thums als eine Wohlthat. 87 Sekunde vermehrt. Die Acue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. 221. ehemalige Fliithwelle auf dem Monde die heute vom Hansen in Gotha wies Letzteres schon vor Jahren Bei fortschreitender Abkühlung schlagen sich nach Monde auf der Erde hervorgerufene an Höhe sechs- nach, indem er feststellte, daß der Schwerpunkt des und nach nun immer mehr Wasserdänipfe als Wasser mal übertraf, also äußerst gewaltlhätig auftrat Blondes nicht mit seiner Mitte zusamnienfalle, son- nieder; letzteres dringt nun auch in die aus der Betrachtet man nun die gegen die Erde kleine der» der Erde näher liege. Gluth erstarrende Felsenrinde ein, und zwar mit Mondmasse und ihr geringes spezifisches Gewicht, so Aber wo blieb das Wasser des Mondes? zunehmender Dicke derselben in immer größeren erscheint es äußerst verständlich, daß die gewaltige Ans diese sich von selbst aufdrängende Frage Massen. Mondssnth, auf welche vermuthlich die erwähnte theiliveise Zerstörnug der Ränder vieler Ringgcbirge zurückzuführen ist, den Mondnmschivung in relativ kurzer Zeit aufzehren mußte. Der Mond stellte sich zum Schluß niit seiner schwersten Hälfte, der überwiegend mit hochstrebenden Gebirgen besetzten, gegen die Erde ein und verblieb dann dauernd in dieser Lage. n öie Webt t�mcrno. Von Georg St' n o r gicbt nun die Kant-Laplacesche Weltentstehungslehre (vergl.„Das Werden im Weltall" in Nr. 18) die genaueste Auskunft. Ursprünglich, wenn ein Wcltkörper noch in glühen- dem Fluß, sind alle bei dieser Temperatur verdampf- baren Stoffe, also auch das Walser, in seine Ele- mente zerlegt, oder in Dampfform in der Dunst- hülle enthalten. Nun ist aber das riesige Wasserguantum, welches z. B. die Erde beherbergt, gegen die Blasse der festen Stoffe gerechnet, nur äußerst gering, hat daher schließlich die Erdrinde eine gewaltige Dicke erreicht, so wird endlich alles Wasser und der größte Theil der Luft von der Erdrinde wie von einem Schwämme aufgesogen werden, die nicht mehr durch einen Dunst- mantel gegen die Kälte des Weliraumes geschützte vn Die Aeue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Oberfläche veröden und sich in eine trockene, aber eisigkalte Wnste verwandeln— ein Seitenstück der jetzigen Oberfläche des Mondes. Daß dieses genau so vor sich geht, zeigt die neue Geologie, welche eine ganz erhebliche Ver- kleinernng des Areals des von Wasser bedeckten Gebietes, eine erhebliche Abnahme der iidischen Ozeane seit den Urzeiten niizweifelhaft konstatirt hat. Genau, ivie erörtert, ist es nun auch dem Monde ergangen, derselbe hat jedoch, weil er erheblich kleiner ist als unsere Erde, alle Stadien der Entwickelnug schneller durchlaufen, ist uns vorausgeeilt und nun beicits, ivie erwähnt, auf dem Friedhofsstadium an- gelangt. Sollte nun im Laufe der Zeiten der Optik die freilich fast unmögliche Aufgabe vielleicht doch ein- mal gelingen, unsere optischen Instrumente derart zu verschärfen, daß»vir kleinere Gegenstände, etwa von der Größe irdischer mittelgroßer Organismen, thatsächlich sehen könnten, von welchem Ziele wir augenblicklich leider noch weit entfernt sind, denn die schärfsten Instrumente der Gegenwart zeigen nur »och solche Objekte auf dem Monde annähernd deut- lich, welche mindestens einen Kilometer Durchmesser besitzen, so würden wir im günstigstcn Falle ledig- lich Reste von Organismen entdecken, aber wohl kaum noch irgend höheres Leben selbst vorfinden. Es würde sich ein ödes Wüstenbild entrollen, ein Bild, ivelches im Großen und Ganzen dem Bilde gleichen würde, welches in allerdings noch ferner Zukunft auch die Oberfläche unserer Erde darbieten tvird. Wenn auch dem Menschengeschlecht der Erde noch voraussichtlich eine lange Dauer beschieden ist, der Tag des schließlichen Unterganges rückt dennoch langsam heran. Unabwendbar naht die Zeit, zu der auch unsere jetzt so schöne Erde eine öde und eisige Wüste ohne jegliches Leben sein tvird. eutsche Hprachbelustigungen. Künste Hampfel. Von Wcl»rfred WitticH. ieber Leser, schöne Leserin, haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, daß es doch recht sonderbar ist, wenn wir uns mit„Sie" anreden, uns„Siezen", wie man sagt, wenn man auch blos eine Person so anredet? Zweierlei ist daran merkwürdig: eigentlich ist die geeignete An- rede für eine andere Person doch die Form der zweiten Person Du, das„Sie" aber ist die dritte Persoiibezeichnuilg und noch dazu in der-Mehrzahl. Higenthümlich!„Sind Sie gesund?" heißt eigentlich: „Sind sie(d. h. eine Mehrzahl von dritten Per- sonen) gesund?" Das war bekanntlich nicht immer so. Andere Zeiten, andere Lieder, andere Moden, andere Anredeformen! Und auch heute noch sind ver- schiedene Arten der Anrede nebeneinander bräuchlich, die gelänsigsten sind die des Siezens und Duzens. Die natürlichste Anredeform an eine zweite Person ist also das Personenbezeichnungswort Du. Man redet eine Person auch nur in der Form der Ein- zahl an, so im Griechischen und Lateinischen, wie auch im Gothischen, der ältesten Gestalt, in der deutsche Sprachdenkmäler vorliegen. Wie kam man darauf, eine Person in der Svrachform der Mehrzahl anzureden, zunächst in der Mehrzahl von: Du, mit der Form: Ihr? Nach Jakob Grimm nahm diese Verrückung in die Nlehrzahl ihren Anfang in den königlichen Kanz- leie», in welchen man die römischen oder byzan- tinischen Wendnugen des Geschäftsstiles nachahmte. Die deutschen Könige Theodorich, Pipin, Karl und die folgenden gaben der Rtacht und Wichtigkeit, welche sie sich selbst zuschrieben, dadurch Ausdruck, daß sie von sich redend nicht einfach sagten: ich, sondern: wir. Als nian später große und kleine Anfangsbuchstabe» unterschiedlich brauchte, ward die Selbsthocheinschätziing noch dadurch auch für das Auge in der Schrift gekennzeichnet, daß man schrieb: Wir. Dieses Wir scheint zu besagen:„ich bin nicht allein, alle Leute meines Hauses und meiner Um- gebung sind nur ein Stück von mir, haben keinen eigenen Willen, sondern gehorchen dem meinen. Ihre pH fischen und geistigen Kräfte gehören mir und bilden mit den meinen eine unauflösliche Einheit, deren persönliches Zentrum mein Wille ist." Es ist dies ein bischeu Vorschmack des bekannten Wortes: „Der Staat bin ich!" Eine Person, die sich selbst nicht ich, sondern wir nennt, mußte nian nun folgerichtig ihrzen, d. h. mit Ihr anreden. Allmälig drang die Schreibung Wir, der so- genannte Majestätsplural vor in die Schreiben der Fürsten, Grafen, Bischöfe, Aebte und sonstiger vor- nehmer Leute und hoher Beamten, und von dem Pergament oder Papier ihrer Kanzleien ging es über i» den Mund Derer, von denen sie angeredet wurden, indem es sich aus dem lateinischen nos, dem deutschen Wir, in vos und Ihr wandelte. Vo8 und Ihr sind die Anreden des Untergebenen oder Tieferstehenden gegen den Herrn oder Höher- stehenden; die Gleichen nennen sich in alter und einzig denkrichtiger Weise Du. Im Waltharilied, einem in lateinischen Versen geschriebenen Heldengedicht des zehnten Jahrhunderts, redet die Hunnenkönigin Os- pirm ihren Herrn und Ehewirth Attila vo8 an, sie ihrzt ihn, ebenso der Held Waltharius den König; die sozial minderwerthigen, nntereinander gleichen Helden Hagen, Gunther, Walther usw. duzen sich. In deutscher Schrift begegnet uns die ehrende Anrede Ihr in der Form ir zuerst in der poetischen WidmungSvorrede des Weißenburger Mönchs Otfried, die dieser in seiner Bibeldichtimg, der sogenannten Evangelienharmonie, vorausgeschickt hat. In den mittelalterlichen Dichtungen des 12. und 13. Jahrhunderts spricht der König von sich stets: ich, nie wir. Das Ihrzen ist auch im Leben noch nicht allgemein dem Herrscher gegenüber. Die neueren, vornehmeren Sitten hat das alte, einfache Du noch nicht aus seiner Geltung gebracht. Geistliche Redner und Dichter reden die Fürsten mit Du an, obgleich sie zur„gnien" Gesellschaft gehören, offenbar in Nachahninng der Sprache der Bibel, wohl auch aus dem Grunde heimlich mit, daß sie damit andeuten wollen, einer Organisation anzugehören, über die der König nicht so Herr und Gebieter ist, wie über die weltliche des Staates. Die weltlichen Dichtungen, die ritterliche Stoffe behandeln, wenden die Jhr-Form durchaus an. Daß nian eine Ehrung mit der Mehrzahlsorm aussprechen wollte, wird ausdrücklich im Amolied(Dichtung des elften Jahrhunderts) dargelegt, wo tvir lesen, daß man den Julius Eäsar, den Staatsmann und Feld- Herrn, der im alte» Rom die Rtonarchie vorbereitete, geihrzt habe,„um ihn zu ehren". Im Allgemeinen redet der Höhergestellte, der Vater, die Mutter usw. den sozial ihm Untergeordneteii mit Du an; Eheleute duzen sich. Sonderbar ist die höhere Angleichnng der Tochter an die Mutter, diese duzen sich gegen- seitig, während der Sohn die Mutter ihrzt. In der Kaiserchronik, einer Dichtung des zwölfien Jahr- Hunderts, nennt der Kaiser den Papst ihr, während der Papst dem Kaiser du zurückgiebt. Die Rhetoriken, d. i. Anweisungen zur Wohl- redenheit des späteren Mittelalters, schrieben umständlich vor, ivie es mit der Anredeform in den einzelnen Verhältnissen zu halten sei. Die Straß- burger von 1511 lehrt: Der Kaiser duzt alle Geistlichen, bis an den Papst; ebenso ihrzen sich gleiche weltliche Herren und Grafen. Ritter werden von Fürsten geihrzt, und zwar zum Zeichen ihrer eigenen Standeserhabenheit über Jenen thnn dies die Fürsten, wie alle Edelleuie sich untereinander duzen, aber Denjenigen ihrzen, den sie nicht für edel halten,„zu merken, daß es ein Burger oder nit tuzens von inen(ihnen) genoß sei"(d. h. als Iln- gleicher nicht mit eingeschlossen ist in de» sie Alle umfassenden Duzkommeut). Kein Unedler, sei er noch so verdient oder geachtet, darf einen Edelmann von noch so geringem Werth und Verdienst duzen, er sei den» nahe mit ihm verwandt. Wie aber konnte man darauf kommen, eine zweite angeredete Person statt mit D», überhaupt mit der dritten Personenform zu bezeichnen ihr selber ins Gesicht? Das hängt mit dem altrömischen und byzanlinischen Titulaturioeseu zusammen, bei dem der Name einer hervorleuchtenden Tugend als Benennnng der verehrten Person angewendet wurde: Eure Heilig- keit. Eure Herrlichkeit, Eure fürstliche Gnade(oder Gnaden) usw., das heißt: Ihr Heiliger, ihr Herrlicher, ihr gnädiger Fürst oder ihr fürstlich Gnädiger usw. Trat dazu ein Zeitwort, so forderie der Sinn, es in die Mehrzahlform oder zweite Person zu stellen, also:„Eure Herrlichkeit habt das und das gethan". Das widerspricht aber der Grammatik; diese ver- langt:„Eure Herrlichkeit hat das und das gethan," und so sagte man auch. Blieb aber der Titel weg, so brauchte man die entsprechenden Formen des Ihr noch anfangs allgemein. Interessant ist es, wie ans der dritten Person der Einzahl, aus Redewendungen wie: Eure Herr- lichkeit hat das gethan, sich der Brauch entwickelte, zur Anrede ohne Titel die Personenwörter er und sie als Anreden zu verwenden, je nachdem man ein Mäinilein oder ein Weiblein vor sich hatte. Von einer Dame redend konnte man also sagen: Eure Gnaden hat bestimmt, daß sie ausfährt. Das Erzen und Siezen(in der Einzelform) ist also nicht nr- sprünglich, wie wir es heute empsindeu, herabsetzend, sondern geradezu ehrend, erhebend, eine höhere Stufe der Höflichkeitserweisung, es war höflicher als das alte Ihr. Hier siegte durch die Unterscheidung je nach dem Geschlecht der angeredeten Person die Logik über die Grammatik. Gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts erst kam die Verrllckung der natürlichen Anredeformen auf, die heute herrscht, und zwar hat sie sich etwa um 1730—1740 siegreich durchgesetzt. Sie besieht darin, daß man das Er und Sie der dritten Person in die Mehrzahl setzte. Ich denke mir(siehe oben bei wir, der Form des Majestätsplurals), daß der Redende das Gefühl hat, daß er in dem Angeredeten diesen selbst, sein Haus, seine Umgebung, alle seine Diener und Vasallen in Eins zusammen genommen sieht als eine Macht und Krafteinheit, welche ihm, dem Anredenden selbst überlegen ist. Das Aufkomnieu dieser eigentlich unsinnigen Redeform ist in die Zeit von etwa 1080 und 1690 zu setzen, wo das ta mocke-Stntzerthum seinen Anfang nahm, jene volle Parteinahme für den französisch-italienischen Ge- schmack in Lebensführung und Lebensformen im Gegensatz zu der einheimischen„altväterischen" Sitte, ivie man jetzt tadelnd dachte und sagte. Es war dies„altuäterisch" jetzt ein Wort des Tadels, wie man später ailch sagte gothisch, um eine Sache als ungebildet, barbarisch zu bezeichnen, wie man heute noch von altfränkischen Sitten, Kleidern usw. spricht. Um 1780 standen(immer nach I. Grimm) die Dinge folgendermaßen: Der Edelmann erzte seinen Gerichtshalter und Pfarrer, Friedrich der Große seine höheren Zivil- und Militärbeamteu, der Amtmann den Büttel, der Pfarrer den Küster, der Schulmeister den Schüler, der Schwiegervater seinen Tochtermann(den er auch Herr Sohn anredete); der Ehemann siezte(in der Einzahl) seine Frau in vertraulicher Laune:„Höre sie, bestelle sie mir dies und das!" Er war ehrende Anrede für den Hand- werksmeister(schweizer Mädchen redeten den Fremden mit er an:„Er tanzt wohl nicht gern?"), Sie wendete man an die kunstreichen Handwerker: Uhr- macher, Goldschmiede u. a., oder an die halb- studirten oder mit studirten verwandten Berufe der Barbiere u. a. Handwerksgesell, Fuhrmann, Gärtner, Soldat, Bauer, Knecht und Magd heißen ihr.* Das Du in solchen« Falle galt als ehrende, gemüthliche Gleichstellung, welche der Redende dem Angeredeten angedeihen läßt. Das Sie der Mehrzahl dient dazu, Fremde und vom Redenden unabhängige Personen anzureden. Zwei Motive geben die Richtung bei der Wahl der Anredeform: das soziale Motiv treibt an, die * Wenn der Gast den Wirth, der Handwerksbursch den Herdergsvarer ihrzt, klingt noch die Ehrung hindurch, welche alle Hausgenossen dein„Familien- und Hausvorstand" zu- billigten in älterer Zeit. Die Aeue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage 223 im Klassen- und Ständestaat gesellschaftsnbliche Höf- lichkeitsform zn wählen. Dieses Btotiv, welches die anfänglich nur einer bevorzugten Auswahl von Per- sonen zugebilligte Ehrenform wählen läßt, ist unbe- dingt nicht veriverflich: sie zeigt einen Fortschritt der geselligen Sitte, giebt demokratisirend jedem Mit- glied der Gesellschaft durch die Anredeform zu ver- stehen, daß man ihm Achtung zolle. Das andere Motiv ist die Vertranlichkeitsempfin- dung, die ihrerseits aber auch wieder demokratisirend eine gemüthliche Gleichheit der Werthschätzung aus- sprechen will. Gegensätze sind nicht ausgeschlossen. Wenn Einer zu einem Anderen sagt:„Mein Herr, Sie sind ein Esel!"— so beweisen die ersten Worte, daß der Sprecher lvciß, daß gesellschaftsüblich ist, jedem An- deren von vornherein und im Allgemeinen gesell- schaftlich gleiche Ehre zu Theil werden zu lassen; aber der besondere Fall, seine äußeren Umstände und die den Sprecher bewegenden Empfindungen ver- langeli, daß das Gegeutheil ausgesprochen werde. Eigentlich könnte und dürfte man einen zu siezenden Menschen nicht Esel, und einen Esel nicht ehrend Sie lieiineii. Es kommen eben hier, wie so oft in der Sprache, eigentlich zwei verschiedene, ja zwei sich widersprechende Dinge zur An- deutung: Achtung und Tadel zugleich! Der natur- wüchsige Mensch wird deshalb oft noch Einen duzen, wenn er ihn einen Esel nennt, auch wenn er ihn sonst zu siezen pflegt. Die Anrede:„Sie Esel," ist nur möglich dadurch, daß in dem Sie der Ehrlings- gehalt garnicht mehr gefühlt wird, weil das Wort eine bloße Formel, eine taube Nuß geworden ist. Solvie aber die Schnieichelei ausgesprochen ist, regt sich beim Sprecher oder dritten Zuhörer lvohl in den meisten Fällen das Gefühl: hier ist etwas Lächer- liches, Kölnisches gesagt worden. Das beruht auf dem Grund alles Humoristischen: auf dem Gefühl eines Widerspruches. Wer wollte nun behaupten: Das ist eine Lüge, eine unerträgliche Verletzung der Logik? Das wäre gerade so, ivie wenn ich mein Kind tadelnd berich- tigen wollte, in dessen Begleitung ich neulich bei einem Spaziergang zweimal einer Heerde Schafe begegnete und das bei der ziveiten Begegnung fröhlich ausrief:„Sieh, Vater, hier sind unsere Schäfchen wieder!" Mein kleiner Knirps hatte eben die Schaf- chen nicht juristisch, sondern nur gemüthlich sich angeeignet. Ein und dasselbe Wort kann eben zu- weilen verschiedene Begriffe enthalten, verschiedene Deutungen erlauben.— In der Gegenwart stehen im Allgemeinen die Dinge so, daß das kalthöfliche Sie mit dem ur- sprünglichen und allein logisch richtigen Du ver- tauscht wird bei wachsender Vertraulichkeit und leb- hafter Empfindung, wie sie z. B. der Schwung der Dichtung voraussetzt. Man denke sich eine Ruhmesode niit der Auredeform Sie!„Naturalistischer" wäre das Sie vielleicht, aber schön könnte ich es an solchem Platze nicht gerade finden. Im Grunde genomnien kommt ja auf den Klang oder Lufthauch Du oder Sie garnichts an, aber bei genauem Nachdenken deutet jede der beiden Formen bei verschiedenen be- stimmten Verhältnissen zwischen je zwei miteinander redenden Personen etwas ganz bestimmtes Anderes an. In unserer Familie hatten wir einen alten Groß- onkel, einen langgedienten Militär, der sehr herab- lassend mit uns junger Brut verkehrte, so daß wir uns eines schönen Tages zu dem Antrag ans- schwangen:„Herr Onkel, wollen wir nicht mitein- ander Brüderschaft machen?" Er antwortete:„Ja- wohl, Ihr Jungen, ich will Euch ganz� gern Du nennen, aber Ihr nennt mich Sie, wie bisher. Bei den Brüderschaften kommt nichts heraus als Grob- heiten und die lasse ich mir nicht sagen, das geht nicht!" Der Alte war Offizier gewesen, und wenn er auch keineswegs auf dem Standpunkt stand, eine besondere Ehre seines Standes zu beanspruchen, so schien ihm doch das angetragene gegenseitige Duz- verhältniß unpassend und wider die Ordnung der Natnr. Die ganze Sache ist eine Formensache und nicht d.s Aufhebens lverth, aber immerhin ist wohl aus Vorstehendem klar geworden, das; alle diese Formen ihren Gefühls- und Gedankeninhalt haben. Und die in verschiedenen Zeiten und Verhältnissen üblichen Anreden spiegeln uns eben die Verschiedenheiten und Wandlungen dieses Gefühls- und Gedankeninhalts wieder. Das zu zeigen war eben meine Absicht beim Abfassen dieser Sprachbelustigung. ch �roeicvlci QJIftctß. Eine Geschichte aus unseren Tagen. Von F. Wichmann. chmt Euch vor Dem in Acht, Liese, Ihr wäret nicht die Erste, die er betrügt." Der Finanzassessor ließ die Hand von der Wange der Kellnerin gleiten, rückte den Zivicker zurecht und musterte verächtlich den unberufenen Warner. Das Gedränge, das nach Schluß der Ausstel- lungsräume im Restaurationsgarten entstanden war, hatte ihn gerade vor den Tisch geschoben, an dem die beiden Harzer Bergleute, die mit den Produkten ihres Landes gekommen ivarcn, in ihrer schmucken Kleidung saßen. Er hatte sie nicht beachtet und die ihm gerade mit gefüllten Gläsern wehrlos be- gegnende Kellnerin mit einem Scherzwort gestreichelt. „Unverschämtes Volk!" murmelte er ziemlich ver- ständlich. Ueber Julius Lautenthalers dunkles Gesicht flammte der helle Zorn. Er hatte den Verhaßten sofort erkannt. Wenn er auch damals Uniform ge- tragen, dieses Gesicht vergaß er nie.„.Volk' ist ein Ehrenname," fuhr er auf,„mehr werth als mancher hochgeborene Lump!" „Um Gottesivillen, sei doch still." mahnte Konrad Jberg, sein Kamerad,„mit den großen Herren ist nicht zu spaßen." Richard von Windheim war zusammengezuckt und blickte einen Augenblick unsicher um sich.„Soll das mir gelten?" fragte er mit möglichst schnei- digcm Tone.„Was versteht das dumme Volk von Ehre." Er wollte weiter gehen. Aber Lautenthaler schüttelte mit der Gewalt des Zornes den Arm Jbergs, der ihn zurückhalten wollte, ab und trat dem Finanzassessor entgegen. „Dem gilt es, der die Marie Dörell verführt hat! Dem Armen sein Gut stehlen, um es in den Schmutz zn treten— das ist Eure Ehre!" Der Assessor wich erblassend vor der drohend erhobenen Faust zurück.„Ist denn keine Polizei hier. Einen vor solchen Frechheiten zu schützen! Ich lasse mich nicht beleidigen, ich bin Lieutenant der Reserve." „Die Uniform macht keinen Schuft zum Engel!" rief der Bergmann in wachsender Wnth. Das war zu viel. Der Assessor hob den Spazier- stock und holte zum Schlage aus.„Niederträchtiger Kerl, das sollst Du mir büßen!" Ein paar Frauen unter den herandrängenden Neugierigen kreischten auf. Aber Lautcnthaler war dem Angriff zuvorgekommen. Seine Hand umkrampfte das metallbcschlagcne Bierglas. Als der Stock ins Leere niederfuhr, sauste das Glas durch die Luft. Splitter flogen umher. Mit blutender Stirn stürzte Herr von Windheim lautlos zusammen. Starren Auges, zu Tode erschrocken, blickte der Bergmann auf den am Boden Liegenden.„Es war Nothwehr— er griff mich an— Haß und Zorn raubten mir die Besinnung." Rings war Geschrei und Tumult entstanden. Ein an einem benachbarten Tische sitzender Marine- arzt ivar aufgesprungen, um dem Verletzten die erste Hülfe zu leisten. Konrad versuchte, den Kameraden fortzuziehen. Aber zwei Schutzleute drängten sich durch die Menge und nahmen den Thäter in ihre Mitte. Traurig blickte der Zurückbleibende dem unglücklichen Ge- fährten nach. Einem biederen Handwerker, der mit am Tische saß, erzählte er ans seine Fragen, was er wußte. Julius war daheim in Andreasberg mit der Marie, der Tochter eines Straßenaufsehers, die in der„Krone" diente, verlobt geivesen. Bei einem Manöver, das vor zwei Jahren in der Gegend stattgefunden, hatte der Assessor von Windheim als Reserveoffizier mehrere Wochen in der„Krone" in Quartier gelegen. Das auffallend hübsche Mädchen hatte dem Lebemann gefallen und eines Tages löste Marie unter einem nichtigen Vorwand ihre Verlobung ans. Bald nach- dem das Militär abgezogen, war auch sie aus dem Orte verschwunden. Der Vater, ein alter, ehrlicher Mmm, sollte sie aus dem Hause gejagt haben. Nie- mand wußte, wohin sie sich geivendet hatte.--- Wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurtheilt, saß Lautenthaler schon im ziveiten Jahre im Ge- fängniß. Er hatte gehofft, infolge seines stillen, ivitligen Betragens vor Ablauf der vollen Frist be- gnadigt zu werden, aber sein Warten ivar vergebens. Draußen glänzte das lachende Sonnengold des Lenzes über der erivachendcn Natur. Er sah es nicht, er sehnte sich nur heraus ans dieser engen Zelle in den finsteren Schooß seiner heimathlichen Erde, in dem er doch frei geivesen war. Mit dumpfem, an Wahnsinn grenzendem Zorne über die Ungerechtigkeit der Welt wühlten sich seine Gedanken nach innen, je mehr ihn die Außeiiwelt zu vergessen schien. Und doch war in seiner Nähe ein Geschöpf, das seiner dachte, freilich ohne sein Unglück zu ahnen. Seit einem Jahre ivar Marie Dörell als Ziinmer- mädchen im Hause des Assessors. Ans dem Vater- hause in die Stadt geflohen, war sie dort in Roth gerathen, hatte die Wohnung ihres Verführers er- kündet und ihm gedroht, eine Szene zu machen, wenn er nicht für sie sorge. Herr von Windheim war schlecht bei Kasse, so blieb ihm nichts übrig, als sie als Dienerin anzunehmen. Seine Gattin wurde in solchen Angelegenheiten nicht befragt. Näheres über die Verwundung des Assessors hatte sie nicht erfahren. Sie kam selten aus dem Hause und der Vorfall war in der Stadt möglichst vertuscht worden. Nicht darum also dachte sie an Julius, sondern Iveil es sie bitter reute, ihm die Treue gebrochen zu haben. Diese Gewissensbisse und Mitleid mit ihrer guten, stillen Herrin trieben sie endlich zu einem offenen Geständniß. „Armes Kind", sagte die schöne Frau in mildem Tone,„Deine Offenheit ehrt Dich, Du hast Dir trotz Allem ein gutes Herz bewahrt. Aber Neues sagst Du mir nicht— ich wußte es längst— und Du bist nicht die Einzige——". Verwundert blickte das Mädchen auf.„Lieben Sie ihn denn nicht, gnädige Frau?" Frau Martha schüttelte langsam den Kopf. „Und doch können Sie bei ihm bleiben?" „Das verstehst Du nicht, nicht lvahr? Du hast auch Recht, eigentlich ist es ein unsittliches Ver- hältniß, aber die Gesellschaft zwingt uns dazu. Du hast Dein Glück verscherzt, aber Du konntest frei wählen. Nicht Jedem geht es so gut. Auch ich habe geliebt, tief und innig—" „Den Herrn Doktor?" platzte Marie heraus. Eine Blntivelle schoß über das Gesicht der blassen Frau.„Du hast es gemerkt? Aber ich schwöre Dir, daß nie etwas Unrechtes geschah, daß ich meinem Gatten stets die am Altare gelobte Treue hielt, obwohl er mich täglich hintergeht." Ihr Herz öffnete sich dem armen, gefallenen Mädchen. Mit bitterem Lachen erzählte sie, wie ihre Eltern sie an den Meistbietenden verhandelt. Martha war reich gewesen und der leichtsinnige Assessor brauchte Geld. Dafür bot er den Adel seines Namens. Der bürgerliche, vermögenslose Arzt mußte verzichten — und Herr von Windheim verlangte ja keine Liebe. Nun hatten sie sich nach Jahren noch einmal wieder- gesehen. Der Marinearzt I)r. Volkmann, der dem verivnndeten Assessor beigesprungcn, hatte seineu Urlaub benutzt, um Den, der ihm sein Glück geraubt, wiederherzustellen. Die Seligkeit, noch einmal in der Nähe der Geliebten sein zu dürfen, hatte ihn Alles vergessen lasse». Nun aber ivar seine Zeit um, heute weilte er den letzten Tag in der Stadt und morgen wollte er gehen, um sie nie mehr iviederzusehen. Als ehrenhafte Menschen hatten sie Beide entsagt. Zum letzten Abschied nur wollten sie noch einmal sich scheu, noch einmal allein sein. 224 Die Neue N)elt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. „Ich darf cs thun", schloß Frau Wartha ihre Mittheilmigen,„mein Gewissen macht mir keinen Vorwurf. Und Du sollst uns bchuflich sein. Mein Gatte wird um acht Uhr gehen, dann öffnest Du die Gartenpforte und läßt ihn herein." „Von Herzen gern, gnädige Frau." -st -st „Fort, fort, um Gotteswillen, der Herr!" Siber der Angstschrei kam zu spät. Der Assessor folgte der Verstörten auf dem Fuße. Schon eine Viertelstunde ooni Hanse fort, hatte er, noch einmal umkehrend, verdächtige Stimmen hinter dem Garten- zäun gehört. Im nächsten Augenblick stand er in der Laube vor den Ueberraschten. „Wie ich sehe, finden Sie den Weg zu meinem Hause auch nngerufen, Herr Doktor!" „Ich leugne nicht, daß——" „Daß Sie hinter meinem Rücken eine Bekannt- schaft fortsetzen wollten, zu der Ihnen meine Krank- heit erwünschte Veranlassung bot." „Richard, Doktor Volkmann hat Dich treu ge- pflegt, vielleicht Dein Leben gerettet—" „Um mich ungestört betrügen zu können!" „Das ist eine gemeine Verleumdung!" entfuhr es dem Arzte.„Nie ist»etwas Unrechtes vorge- kommen. Ich kannte und liebte Biar.ha lange vor Ihnen. Und ich schwöre es Ihnen, die Ehre Ihrer Gattin ist unverletzt." „Um ihre Ehre handelt es sich nicht, sondern um die meine! Und ivenn Sic mir zehnmal das Leben gerettet hätten— die Ehre steht höher als das Leben. Meine Ehre soll vor der Welt rein und fleckenlos dastehen." „So glauben Sie meiner Versicherung nicht?" „Ich finde cs unverschämt, noch Fragen an mich zu stellen, Ivo Ihre Schuld— sogar vor den Augen eines Dienstboten— klar zu Tage liegt!" Ans dem Gesichte des Arztes wich alles Blut bei dieser Beleidigung.„Ich weiß, was Sie wollen. Aber ich vergesse mich nicht so weit, meine Hand an Ihnen zu beschmutzen!" „Diesen.Schmutz werden Sie mit Ihrem Blute abwaschen!" „Michael, Du wirst Dich nicht schlagen!" schrie Martha auf und klammerte sich an den Geliebten. „Ich verabscheue den kaltblütigen Mord, den man Duell nennt. Aber der Zwang ist mächtiger als unser Wille. Das Ehrengericht mag zwischen uns entscheiden." „Es wird Sie lehren, daß Sie einem Ehren- manne Genugthuung schuldig sind!" ri�f der Assessor höhnisch und riß mit rohen« Griff seine Frau von der Seite des Arztes hinweg.——— Das Granen vor dem Mörder, der sie wieder mit seinen ehebrecherischen Zärtlichkeiten verfolgte, hatte Marie aus dem Hause getrieben. Auch konnte sie den Schmerz der armen, verzweifelten Frau, die Tag und Nacht weinte, nicht mehr mit ansehen. Von ihr hatte sie Alles erfahren. Das Ehrengericht hatte gesprochen. Nach den vorgefallenen Beleidi- gnngen konnte die verletzte Ehre nur durch Blut wiederhergestellt werden. Eine ganze Woche lang hatte sich Herr von Windheim auf der Schießstätte geübt. Das Herz auf dem Bilde einer lebensgroßen Manncssignr war das Ziel seiner Pistole gewesen. Und bei der ernsten Wirklichkeit hatte er ebenso gut getroffen. Ntm« sollte sich so lange schießen, bis einer der Gegner kampfunfähig auf dem Platze blieb. Das geschah beim ersten Gange schon. Der Schuß des Doktors ging ins Leere, dann ivarf ihn die Kugel des Assessors todt über den Haufen. Der Mann mit der geretteten Ehre stellte Kaution und blieb einstweilen auf freiem Fuße. Biarie, seit Wochen ohne feste Stellung, fristete mühsam ihr Leben, indem sie hier und da niedrige Dienste verrichtete. Da begegnete sie eines Tages i>i einer entlegenen Gasse einem bettelnden Wanne. Sie erkannten sich und wollten einander fliehen. Aber das Mitleid, das Jeder beim Anblick des An- deren empfand, trieb sie dennoch znsamnicn. Vor wenigen Tagen war Julius Lautenthaler nach Ver- büßung seiner langen Strafe aus dem Gefängniß entlassen. Nun suchte er sich das Nöthige zusammen zu betteln, um wieder in seine Heimath gelangen zu können. Aber er fühlte wohl, daß sein Leben verfehlt und verloren war. Die wiedererlangte Frei- heit war vergiftet man würde ihm ausiveichen, ihm keine Arbeit geben— und schließlich durfte er ver- hungern. So von Mitleid mit sich selbst und ihr beivegt, hörte er Alles an, was Marie ihm von dem Assessor erzählte, der allein ihr ganzes Elend verschuldet. In seinen Augen blitzte es ans, wie der Triumph über eine gerechte Wiedervergeltnng. „Ah, er hat vorsätzlich, mit Ueberlegnng einen Ptenschen gctödtet— nun lvird er auf dem Schaffot enden!" „Die gnädige Frau glaubte nicht daran," warf Marie ein. „Aber es giebt doch Recht und Gesetze im Lande! Nach dem Btaßstab meiner Strafe giebt es nur den Tod für ihn. Vielleicht, daß sie ihn zu lcbensläng- lichem Zuchthaus begnadigen. So lange bleibe ich noch in der Stadt— die Verhandlung muß ich mit anhören."——— Eine Woche später trafen sich Julius und Marie noch einnial. Nur der Zufall ließ sie sich im Dunkel des stürmischen Herbstabeuds begegnen. Das Mädchen erkannte den einst Geliebten kaum wieder. Was er seit gestern wußte, hatte ihn ganz verwandelt. An- fangs glaubte sie, er spreche im Wahnsinn. Aber cs lag doch Wahrheit in seinen wilden, verworrenen Reden. „Freigesprochen haben sie ihn," schrie er,„den Schurken, den Mörder, weil er in berechtigter Weise seine Ehre wieder hergestellt! Verstehst Du das? Wie kann ein Mann den« anderen die Ehre nehmen! Nur das Weib hat eine Ehre zu verlieren, und einem wehrlosen Btädchen sie zu rauben, das gilt ihnen für Recht.— Freigesprochen— freigesprochen— und hat mit Vorbedacht einen Menschen getödtet! lind ich zwei Jahre im Loch ah—— jetzt wissen wir's— sie messen mit zweierlei Ntaß! lind Gerechtigkeit ist ein Ammeiiinärchen für Kinder." Auf den Boden starrend grübelte er in sich hinein. „Ich habe Unrecht gelhan, ihn damals nicht ganz zu erschlagen. So wäre ein Mord verhütet, ein Herz weniger gebrochen, und die Welt voll einem Verbrecher befreit gewesen!" Btarie wußte auch etivas. Sie war der Köchin des Assessors begegnet. Die hatte erzählt, daß der Herr demnächst nach dem Süden wolle, zur Er- Holling und wegen der Gesundheit seiner Frau. „Die Arme, dort wird er sie ungestört quälen können!" Julius ballte die Faust.„Das soll er nicht!" „Du willst es hindern?" „Ja, es ist doch Alles eins." „Aber Du hast doch nichts Böses vor— was willst Du thun?" „Ein gutes Werk. Sorgen, daß er nicht weitere Morde ungestraft begeht. Vor ihn treten will ich und fragen, mit welchem Rechte er hier ist und nicht im Zuchthaus?" Dem Btädcheu wurde es angst bei seinen Reden. „Stürze Dich nicht in neues Unglück, laß uns zu- sammen bleiben." „Betteln nnd hungern! Nein, nein!— Ver- zeihen ihn' ich Dir, aber lieben kann ich Dich nicht mehr. Ich Hab auch meine Ehre. Was ein Au- derer weggeworfen, ist mir nicht mehr gut genug!" Marie verhüllte schluchzend ihr Gesicht. Er hatte ja Recht. Er, der Sträfling, war gut und rein geblieben; sie durfte sich ihm nicht anfdrängen. Er fühlte Ntitleid mit ihr und sagte in milderem Tone:„Wir sehen uns nicht mehr, Ntaric. Du bist ein Weib nnd darfst weinen über die Ungerechtigkeit der Welt, aber der Mann muß gegen sie kämpfen, und wenn er selbst zum Opfer fällt." „Willst Du denn sterben?" '„Du wirst von mir hören. Die Welt mag es ein Verbrechen nennen. Aber Leben um Leben! Wer da getödtet hat, der soll sterben. Die irdischen Richter lassen ihn frei— darum muß es ein an- derer thun." „Julius!" „Droben ist Einer, der richtet gerecht. Ihm wollen wir unsere Sache anvertrauen. Wenn Du mir ein Gutes thun willst, Marie, so bete für mich." Sie konnte vor Schluchzen kein Wort hervor- bringen, und ehe sie seine Worte recht begriffen, war er gegangen.——— Acht Tage später fand man den Assessor von Windhcim am Rande der Eilenriede mit durchs schossener Stirn als Leiche. Ein hernmstreifender ehemaliger Bergmann, der freche, anfrührcrischc Reden führte, ward als der Btörder festgeiioinmen. Nach seiner Verhaftung bewahrte er allen Fragen gegenüber ein trotziges Schweigen, das an Verach- tling grenzte. Aber man wies ihm gleichwohl Alles nach: die Hänser, in denen er um Almosen gebeten, den Laden, in dem er mit dem crbetteltcil Gelde eine Pistole gekauft, die Straßen und Promenaden, auf denen er, mehrfach beobachtet, dem Assessor nachgeschlichen war. Soweit ist die Untersnchnng bis heute gediehen. Nach Allem steht es außer Zweifel, daß es sich um vorsätzlichen, wohlüberlegten Mord handelt.——— Demnächst werden die Richter ein Todesurthcil fällen. 1H" xi Ä t) e in �Papier karb der 3cr(. In die Welt hinaus.(Zu unserem Bilde.) Dies „In die Welt hinaus" des Malers Georg Knorr ist allerdings schon ein älteres Bild und doch seinem Inhalte nach so lebenswahr, so ties empfunden, daß es, wie jedes Kunstwerk, das einem echten, unniiltelbaren Gefühl seinen Ursprung verdankt, nicht so leicht veralten wird, und d.iruin den Beschauer auch stets aufs Neue zu fesseln, zu ergreisen vcrniag. lind besonders mit diesem Bilde will es, mir wenig- stens, so gehen. Ich überschlage es nicht, so oft es mir auch zu Gesichte kommt, ich lege es nicht bei Seite, nur weil ich es schon kenne. Wie in ein gutes Buch, das ich einmal gelesen, ver- mag ich mich stets aufs Nene genießend darin zu ver- senken nnd iniiner neu klingt mir daraus das traurig- trübe Lied der Heimathlosen, der Verlassenen tief ins Gcmüth. Und wann würde diese Weise ganz in der Welt ver- siumine»? Freilich, die Armen, die Enterbte», die, wie die Juden auf unserem Bilde, das Elend oder der Rassenhaß hin- austreibt in die unbekannte Fremde, sie wird es in einer nicht allzu fernen Zukunft nicht mehr geben; aber, daß die Einsamkeit, die Verlassenheit der Seele dann auch aus dieser Welt verbannt sei, wer vermöchte dies zu be> haupten? Betrachten wir aber unser Bild in diesem Sinne, so werden wir erkennen, daß wir es hier nicht etwa mit einer tendenziös wiedergegebenen Erscheinung unseres heutigen sozialen Lebens zu thun haben, sondern daß in dem Bilde etwas von dem Ewig-Menschlichen enthalten ist, das nur dem große» Kunstwerk eignet und es vermöge dessen nicht veralten läßt. —5� Schnitzet. �— Frei muß ich denken, sprechen, und athmen Gottes Luft, Und wer die Drei mir ranbet, der legt mich in die Gruft. Chamisfo. Der ist ein guter Prediger, der seine eigenen Er- Mahnungen befolgt. Shalelveare. „Der Kaufmann von Venedig." Daß Ralph als Advokat geschickt Prozesse führet, Als Richter garnicht thnt, was ihm zu thun gebühret, Das wundert mich nicht eben sehr; Jurist zu sein ist leicht, gerecht zu sein ist schwer. Der Klerus. Die Frömmigkeit gebar die Macht Des Klerus und hielt sie gelinde, Doch ward von dem verruchten Kinde Die gute Mutter umgebracht. Frtedr. Aug. Weitzhuhn. Nachdruck des Inhalts verboten? Alle für die Redaktion bestimmten Seudungeit wolle man an Herrn G. Macasy, Leipzig, Oststraße 14, richten VerantworlIUher Redalleur: Gustav Macasy tn Leipzig.— Verlag: Hamburger Buchbruilerei und BerlagSanstalt Auer& So. in Hamburg.— Druck: Max Babing in Berlin.