Nr. 42 fSiiuflvMe 3 tiilcrhaUim0sbeiIa0c» 1897 �(9 KLein-Ada. Von Edgar Steiger. (Auf den Tod i»ei»es Kindes, das während meiner Gefängnisihaft geboren wurde und starb.) (pm Heigenton im Abcndwind— Äohcr? 2Uol;iit? 2Pcr könnt' ihn fangen? 5ie schreiben mir:„Dein liebes Kind Ist heute wieder fortgegangen!" Ich weine nicht. Ich fühle blos Den dumpfen Druck, daß ich noch lebe, Und starre kalt und seelenlos Durch meiner Ielle Lifenstäbe. In meinein Hirne schnurrt und spinnt Des Denkens nimmermüde Ipindel Und drüben flattert hoch im A)ind Tin Wölkchen wie'ne Kinderwindel. Bist Du's? Älir wird so weh, so weh! Der Zährmann von dem dunklen See So kam er doch, der Nimmersatte, Und holte Dich, eh' ich dich hatte! Auf der Walze. Aus den Papieren eines Fechtbruders. Von F. Ricbeck. Ziüvifundzn?cmzigstes Knpitel. Pauline Michalska. kc�lbwohl ich einen nicht unbeträchtlichen llniiveg machte, richtete ich meinen Marsch auf Bmiz- lau zu; dort ivollle ich meinen Freund Franz aufsuchen. Bei zahlreichen Dorftischlern sprach ich nnterlvegs vor, in der leisen Hoffnung, ein Winterquartier zu finden i doch stets ward ich abgewiesen, und selten nur geschah es, daß einer in die Tasche griff und einen Zehrpfennig für mich hervorholte: dagegen kam es öfters vor, daff mir genießbare Spenden zu Theil ivnrdcn, und zwar aus den Händen freund- lichcr Meisterinnen. Die meisten Dorftischler entschuldigten sich bei mir mit dem Bemerken, daß sie die Tischlerei nur so nebenbei betrieben und hauptsächlich von dem „bissel Acker" lebten. Damit wollten sie sage», daß sie eigentlich garnicht zur Zunft gehörten und somit auch nicht verpflichtet seien, mir eine Reiseunter- stnhung zu gewähren. Ich wollte ja auch keine llnlerstntzung— obgleich mein in Thalungen er- sparter Neichthnm trotz all meiner Knauserei rasch seinem Ende entgegen ging—, ich wollte nur Arbeit. In Dorfwirthshäusern übernachtete ich und schlief zumeist auf Stroh. Am Morgen des dritten Wandertages erreichte ich Buuzlau, und die Werkstatt, in der Franz Arbeit gefunden hatte, war bald entdeckt. Eine große Möbel- tischlerei warS; wohl sieben oder acht Gesellen waren darin. Ich fragte»ach Franz, worauf einige Ge- selten, die mir zunächst standen, einander anblickten und vergnügt lächelten, als käme ihnen meine Nach- frage ivie ein guter Witz vor. Dann trat ein älterer Mann, offenbar der Meister oder der Welkführer, auf mich zu, drängte mich, gleichfalls lächelnd, sanft zur Thür hinaus und sagte:„Der ist nicht mehr dal" „Können Sie mir vielleicht sagen, wo er ist?" „Er geht uns nichts an!" gab der Mann kurz zur Antwort und schob mich dabei noch ein Stückchen weiter. „Seit wann ist er fort?" Ter Niami würdigte mich keiner Aiitivort mehr: dagegen rief mir ein Gesell zu:„Wir haben ihn 'rausgeschmisseu; er konnte ja kaum bis Drei zählen!" Dieser Bescheid lvirkte so niederdrückend auf mein Gemüth, daß ich kein Verlangen mehr empfand, die Stadt näher zu betrachten,- sogar den berühmten Riesentopf, das Wahrzeichen und die größte Sehens- Würdigkeit Bunzlaus, nahm ich nicht in Augenschein, obgleich ich, lvie eine Tafel mich belehrte, an dem Hause, in dem er steht, vorüber ging.-Man kann nach Rom gehen, ohne dort dem Papst seine Auf- ivartung zu macheu; doch man darf nicht Bunzlau verlassen, ohne den großen Topf gesehen zu haben. lind ich sah ihn dennoch nicht! So todcsbange war mir nms Herz gelvorden, daß ich selbst für die be- rühmtesteii Dinge der Welt keinen Sinn mehr hatte. In Bunzlau ist Martin Opitz, der„Reformator deutscher Dichtkunst", zur Welt gekommen. Das hatte ich gelesen in dem Schullesebuch meines kleinen Freundes, des Kirchendienersohnes, und es ivar mir treu im Gcdächtniß haften geblieben. In weihe- voller Stimmung hatte ich den Boden der Stadt betreten, doch als ich die Bunzlaner Tischlerwerk- statt verließ, war es sogar mit meiner literarischen Andacht vorbei. Ich dachte nicht mehr au den hochberühmten Kunstresormator und Dichterkollegen: ich dachte nur au meine» lieben, unglückseligen Freund Franz, den sie hinausgeworfen hatten, weil er kaum bis drei zählen konnte, und der vielleicht ans der Wanderschaft umgekomme» war. Im Geiste sah ich sein treues Gesicht, ivie ich es zuletzt gesehen hatte in Thalungen, als wir Abschied nahmen— ein leideuvollcs, thränen- nasses, Hülfloses Kindergesicht, ans dem geschrieben stand: Helft mir, sonst bin ich verloren!... Doch was mochte mir selbst noch bevorstehen! Im Herbst— wie oft hatte ich das vernommen!— war selten ein'Meister geneigt, einen neuen Gesellen anzustellen. In den großen Städten, so sagte man, wo für die Möbelmagazine gearbeitet werde, sei es allerdings anders; dort könne ein tüchtiger Gesell zu jeder Jahreszeit Arbeit finden____ Ein tüchtiger Gesell!... Aber ich war noch nicht reif für die große Stadt; ich mußte mich vorläufig noch mit der kleinen Stadt, oder mit dem Dorfe bescheiden.... Wenn ich nur erst Gelegenheit zu solchem Bescheiden hätte!... Wenn ich aber keine Arbeit fände und der Winter käme mir auf den Hals— was dann? „Sie liehen Vater und Mutter sein, Sie wanderten in die Welt hinein Und gingen bald llerloren...." Wie mein ganzes Wesen erschauerte bei dem Gedanken an dieses Lied! Görlitz ist eine große, nngewöhnlich schöne Stadt. Ich war überrascht. Aber die breiten, lichten Pracht- straßen mit dem starken'Menschenverkehr, die kühlen, mit den fabelhaftesten Reizen der Natur besäumten Spazierwege, die fesselnden Bauwerke, die prunkenden Gärten und all der Neichthnm und all die Herrlich- keit erfreuten mich nicht, sondern ängstigten mich: die Menschen hasteten au mir vorbei, ohne meiner zu achten. Aus reichen Läden leuchtete der Wohl- stand, ans hohen Fenstern das Glück— und ich zog dahin wie jene arnic Seele aus dem Fegseuer, von der ich in einem frommen Jahrmarktsbiichleiu gelesen hatte, daß sie einen Menschen suche, der das erlösende Gebet der heiligen Katharina für sie bete; sie sah überall vergnügte, lebenslustige Gesichter; sie selbst aber konnte nicht gesehen werden, denn sie litt, wie alle armen und auch reichen Seelen, an dem Hebel der Unsichlbarkcit. Und iväre sie auch sichtbar gewesen, und hätte sie Erbarmen gefunden— wer weiß, ob dann Einer unter den vielen'Menschen das Gebet der heiligen Katharina gekannt hätte! Und so mußte die Seele zurückkehren ins Fegfeuer und büßen, büßen— ach, wer weiß, wie lange 330 noch!... Ciiuiial ober»lichte sie doch ins Parodies koninien, dos>vor sicher! Und ivenn es tonsend oder zehntausend Jahre währt— einmal geht sie ein in das Reich der Freuden. Das wußte sie, und somit erging es mir schlinimer als ihr.... Nur ein Kutscher, der ans dem Bock einer Droschke saß, grinste mich verwundert an, als ob er fragen wollte: „Du Grünspecht, was willst Du hier bei uns? Du gehörst doch nicht hierher?" O, ich verstand die Frage! Ich wußte, daß ich nicht hierher gehörte, und ich war durchaus nicht so verwegen, mir einzubilden, daß ich Kenntnisse genug besaß, um in einer so großen Stadt arbeiten zu können! Geduld nur, ich will ja so rasch wie möglich zur Stadt hinaus eilen! Zuvor aber sagt mir, wo das Hauptpostamt ist! Dort Hab ich eine Frage zu stellen.... Ob sie ans meinen Brief geantwortet hat, die Pauline Atichalska? Alöglich ist es, doch nicht wahr- scheinlich. Gewiß hat sie gelacht über den Brief — mich ausgelacht! Wie konnte ich ihr nur einen so einfältigen Brief schreiben, ihr ein Gedicht senden, ich eingebildeter, ganz großer Narr!... Vielleicht lebt sie garnicht und hat nie gelebt! Albert hat sich als ein schlechter, erbärmlicher Patron entpuppt— wie leicht ist es möglich, daß er mich belogen hat! Und lebt sie, so ist sie vielleicht garnicht so hübsch, so gut, so klug und edel, wie Albert sie schilderte... Einem solchen Kerl glaub ich und trau ich nicht... liebrigens ist mirs gleichgültig, ob sie geantivortet oder nicht geantwortet hat... Aber nachfragen muß ich ans der Post, das ist meine Pflicht, denn ich habe mir eine Antwort von ihr erbeten. Nicht geradezu erbeten, doch ich habe„postlagernd Görlip" an den Rand des Briefes geschrieben und damit kund- gethau, daß ich eine Antwort erwarte.... Ich befinde mich vor einem Schalter des Haupt- postaintes. Der Postniann hat eine Handvoll Briefe aus einem Regal genommen und blättert darin. Jetzt hält er inne, liest eine Adresse und läßt sich noch einmal meinen Namen nennen. Er sieht ans mein lliän el und fragt, ob ich ihm ein Legitimations- papier zeigen könne. Ich zeige ihm mein Arbeits- buch; er wirft einen flüchtigen Blick hinein und ivirft es dann nebst einem Briefe vor mich aufs Schalter- brett.„Mehr sind nicht da," spricht er, bedauernd mit der Schulter zuckend... als ob ich ein Dutzend Briefe erwartet hätte! Mein Name steht auf dem Briefe. Große, kräftige und zugleich feine, regelmäßige Buchstaben. In»engUrvoller Erregung reiße ich den Umschlag ans, entfalte den schlichten Bogen und lese: Geehrter Herr! Hoffentlich kommen diese Zeilen herzlichen Dankes noch in Ihre Hände! Aus Ihrer Adresse entuehme ich nämlich, daß Sie ans Reisen gehen ivoUcn. Gern hätte ich Ihren Brief, durch den sie mich auf die angenehmste Art überrascht haben, schon vorgestern beantwortet, doch wir hatten hier einen Wohnungswechsel, und damit waren so viele Schcerereicn verknüpft, daß ich nicht zum Schreiben kommen konnte. Was Sie da für Zeug über mich schreiben, gäbe mir eigentlich Ursache, mich zu ärgern und Sie zu tadeln; ich nehme aber an, daß Ihr Freund Albert inich über alle Gebühr gelobt hat, und das entschuldigt Sie. Nehmen Sie die Ber- sichernng, daß ich solches Lob in keiner Weise verdiene, und bringen Sie mich nicht wieder in Verlegenheit. Auch bin ich keine Dichterin.>vie Sie niich nennen. Trotzdem gestehe ich Ihnen, daß mir Ihr Schreiben wohlgcthan hat, denn aus der feurigen Uebertreibung Ihrer Zeilen und der explosiven Gefühlsäußerung spricht ein gutes Herz. Ich vcrmuthe, daß Sie noch jung sind und wenig Erfahrung besitzen. Deshalb erkühne ich mich, Ihnen den Rath zu ertheilen: Pflegen Sie Ihr Herz, Ihr schönes Gcmüth; behüten Sie als werthwollcs Gut den Schatz der edlen Begeiste- rung, und streben Sie in jeder Beziehung darnach, ein guter Mensch zu werden. Kein Mensch ist wahrhaft gut von Haus aus, kann es nicht sei», da>vir erst in schweren Lebenskämpfen das Gute poni Bösen unterscheiden lernen. Ich will Ihnen das nicht näher auseinander setzen, denn Sie würden mich schtvcrlich verstehen, da solche Wahr- heilen sich ein Jeder selbst erstreiten muß; ich wiederhole nur: Suchen Sie zu ergründen, was gut ist, und werden Sie gut! Ob Sie Talent zum Dichten haben, weiß ich nicht zu beurthcilen, aber daß Sie das Talent besitzen, ein recht braver Mann zu werden, dafür ist auch das mir übersandte Gedicht ein Zeichen. Wenn Sie in freien Stunden Gefallen am Dichten finden, so dichten Sie getrost weiter, und er- langen Sie auch keinen Ruhm, so werden Sie doch niit Ihren Versen manchen Freund beglücken können und, wenn Sie bescheiden sind, auch manche hübsche Anerkennung finden. Lassen Sie sichs sehr gut gehen und zürnen Sie mir nicht, daß ich so schulmeisterlich mit Ihnen rede. Ich fühle es jetzt erst, daß ich einen recht unbescheidenen Ton angeschlagen habe; doch Sie können sich ja einbilden, eine alte Tante habe diesen Brief geschrieben. Ihrem Freunde Albert, den ich zu grüßen bitte, wünsche ich alles Gute. Ihnen meinen besten Gruß! Pauline Btichalska. Holzdamm IL. Mächtig ergriffen, entflammt, begeistert von diesen herrlichen, hcrzbezwingenden Worten erstand ich, ohne Rücksicht auf meine verziveiflnngsvolle Financkage, eine Postkarte und kritzelte Sätze nieder, wie sie mir in meiner wonncstürmischen Tankcsschwelgerei, sowie im Gefühl der Bewunderung und Ergebenheit in die Feder flössen. Eine Adresse gab ich der hoch- verehrten Dame nicht an; ich wußte ja nicht, wohin mein Lebensstern mich leiten werde, und außerdem empfand ich, daß es unbescheiden, zudringlich wäre, einen zweiten Brief von dem Fräulein zu fordern. lieber den Inhalt des empfangenen Briefes sann ich nicht iveiter nach; die Lehren und Rathschläge be- griff ich nicht, weil sich in mir kein Verlangen, sie zu begreifen, regte; ich that mir Genüge an dem beseligenden Klange der Worte; ich sog ivolllüstig das süße, betäubende Aroma einer schönen Frauen- seele ein, das ich zum ersten Male genoß; ich war berauscht; tief im Herzen dämmerten goldene Ahnungen, ein mächtiger Muth schwellte mir die Brust; ich fühlte mich thatcnstark und vergaß mein Elend. Die Bemerkungen der Dame über mein Dichter- thum berührten mich ein klein wenig unangenehm, doch dieser Mißmuth ging rasch vorüber.... Warten Sie es nur ab, Fräulein Pauline Michalska, Sie sol e.i mich kennen lernen! Sie wissen ja noch garnicht, daß ich schon gedruckt bin!... Ich werde nicht zum Vergnügen meiner Freunde dichten; ich werde noch oft gedruckt werden..... Warten Sie es ab! Sie sollen staunen!... Schon ivährend ich den Brief las, überkam mich das hcißbeglückende Empfinden, daß endlich mein dunkles Sehnen nach einer großen, reinen, verständniß- vollen Nienschenseele erfüllt sei, und ohne daß ich mir klar darüber wurde, lebte dieses Empfinden schweigend in mir fort und ward für mich zu einem stetig fließenden Quell der Heiterkeit und des Ber- trauens.... Als ich Görlitz, der Vaterstadt des berühmten Schusters Jakob Böhme, den Rücken zuwendete, war ich so reich, wie jener Herzog Friedrich, der in der Geschichte die sinnreiche Bezeichnung„mit der leeren Tasche" führt. Er saß dereinst in Macht und Pracht, freute sich seiner Jugend und seines Glückes, neckte sich aus Ilebcrmuth niit gekrönten Nachbarslentcn, gewährte einem flüchtigen Papste, der ihm ein guter Kumpan zu sein schien, Unterschlupf, und ärgerte die in Konstanz zum Konzil versammelten Feinde seines mit der siebenfachen Krone geschmückten Schutz- befohlenen so schrecklich, daß sie mit Krununstäben, Kruzifixen, Fahnen, Weihtvasserkesseln und Baun- strahlen wüthend auf ihn losfuhren. Gegen einen folchen Ansturm zerbrach seine stolze Macht wie ein Halm im Winde; die„gut christlichen Heerschaaren" besiegte» ihn; er mußte seinen Papst im Stich lassen und ausrücken— er mußte fein Heil als Fechl- bruder suchen.... Ein Fechtbruder war Herzog Friedrich von Tirol, gleich niir; auch ihn hatten spitzbübische Fanatiker ins Unglück gestürzt. Er wandte sich an die Bauern und. Gottlob! die Bauen ließen ihn nicht umkommen. Sie gewährten ihm Obdach und Schutz und speisten ihn, bis es ihm wieder gelang, zu Macht und Ehren zu kommen. Ihr guten Bauern, auf Euch rechne aich ich! Ein Fechtbruder bin ich mit leeren Taschen, und zu Euch wende ich mich in meiner Drangsal! Sed?srmdz«>cmzigstes Kapitell. In der Villa. Sie war die letzte und, wie mir schien, die anmuthigste in der langen Villcnstraße. Ter breite Vorgarten war gut gepflegt; er leuchtete in der reichen Farbenfülle des Herbstes. Der Hunger mahnte mich an meine Fechter- Pflicht; ich schob, wie der Sonnenschmied sagen würde, Kohlendampf. Der Mittag war längst vorüber; doch hohe Herrschaften belieben spät zu speisen— viel- leicht erhaschte ich noch einen Rest vom Mittags- tisch.... Nur frisch hinein! Die Gartenpforte war unverschlossen; an der Hausthür mußte ich pochen. Ich klopfte recht zag- hast, und während ich mir vorwurfsvoll sagte, daß die fchwachen Töne kein Gehör finden würden, ward die Thür von innen heftig aufgerissen. Im Rahmen erschien eine junge, sehr bleiche Nonne; sie stutzte bei meinem Anblick und fuhr zurück, trat jedoch im nächsten Augenblick wieder vor, berührte meine Schulter mit ihrer Hand und sagte ernst und erregt: „Guter Mann, ich glaube, der Himmel schickt Sie her! Laufen Sie doch— laufen Sie schnell in das kleine, weiße Haus da hinunter, auf die Stadt zu, laufen Sie schnell, so schnell Sie können.... Auf dieser Seite ifts, ein langer Fußweg führt von der Straße hin— das vierte oder fünfte ists von hier.... Sagen Sie, er stirbt!" „Wem soll ichs fagen?" „Sagen Sie nur, er stirbt. Die Frau Oberst soll kommen." Schon hatte ich meinen Berliner auf die Schivelle� geschleudert, und nun jagte ich wie der Sturmivind davon— die Straße hinab, dem kleinen, iveißew Hanse zu. Am Thürpfosten lehnte ein altes Weib. „Die Frau Oberst soll kommen, erstirbt! Schnell, augenblicklich soll sie kommen!" „Er stirbt?" fragte die Alte, sichtlich betroffen von dieser Neuigkeit. „Ja, er stirbt! So rufen Sie doch die Frau Oberst!" „Die hält jetzt Mittagsruhe. Sie will nicht gestört werden." „Aber sie soll schnell kommen, so schnell wie möglich; die Klosterschwester hats gesagt." „Man weiß hier garnicht, was man thun soll! Ich werd's halt der Köchin fagen," sprach die Frau verdrießlich und trat in das Hans. Was bedeutet das Alles? fragte ich mich. Wie kann diese Person so ruhig sein bei einer solchen Botschaft? Wagt Keines, die Frau Oberst zu wecken, so will ichs selbst thun! Ich trat in den engen Hausflur und ließ meine Bärenstimme laut erschallen:„Er stirbt! Die Frau Oberst soll augenblicklich kommen!— aber schnell!" Vier oder fünf weibliche Wesen schössen erschrocken ans einem Räume hervor. Ich nahm mir nicht Zeit, sie zu betrachten und anzuhören, sondern eilte zurück nach der Villa, um der Klosterschwester Bescheid zu bringen. Sie dankte und zog mich in den Hausflur; von dort schritten wir leise durch ein Prunkzimincr und traten in ein düsteres Nebengelaß, in dem ich zunächst nur ein Bett und einen mit Ntedizinflaschcn und anderen Gefäßen besetzten Tisch erblickte. „Bitte, bleiben Sie hier, bis die Frau Oberst kommt!" bat sie leise.„Es ist nicht gut, wenn man in solchen Augenblicken allein ist.— Ach, was- habe ich die Nacht hindurch und den ganzen Morgen für Angst ausgestanden! Der Herr Doktor war ein paar Augenblicke hier, sonst keine Btenschenseelc."... Sie setzte sich an das Bett auf einen Stuhl, erfaßte niit beiden Händen ihren Rosenkranz und betete still. Ich schlich behutsam nach dem hinteren. Die Acue Welt. Zllustrirte Unterhaltungsbeilage. 331 Ende dö schmalen Naunies, zu Hänpten des Kranken, und ikrtete in banger Bekleininung der ivcilercn Ereignsse. Laige stand ich dort— entsetzlich lange Minuten, nnd nagle kaum zu athmen. Die Arzneien vcr- breiteten jenen scharfen Duft, der stets an die Ge- brechlichkeit des Bienschcnleibes, an Qual nnd Sterben gemahnt, nnd der mir>vie Leichengernch vorkam. Das Fenster bedeckte ein dunkler Vorhang, der keinen Lichtschimmer hereinbringen liest; nur durch die offen- stehende Thür flost ans dem Prunkzimmer eine matte Helle in das Cterbegcmach, ruhte wie ein leises Gnadenlcnchtcn a f dem Krankenlager nnd verklärte das bleiche, müde Gesicht der betenden Entsagerin. Ter Kranke regte sich nicht; kein Athemzug ivar vernehmbar, so gespannt ich auch lauschte. War die Erlösung schon gekommen?... Jetzt ein ächzender Ton, wie ein verhaltenes Röcheln, dann wieder tiefe Stille. Er lebte noch! Die Schivestcr beugte sich vorsichtig über das Bett, betrachtete ihn ein Weilchen, winkte mir dann, kaum merklich, mit den Augen zu, und ihre schmalen Lippen bebten weiter im Gebet. Ich deutete den Augen- wink als eine Einladung, den Kranken zu betrachten, nnd so machte ich geräuschlos einen Schritt ans das Bett zu. Einen Blick über die hohe Betttvand werfend, sah ich in den Kissen da« fahle, bärtige Antlitz eines Mannes; die Augen waren geschlossen, auf der schmalen, von grauen, buschigen Haaren umrahmten Stirn standen dicke Schweisttrcpfen. Da auf einmal lvar mirs, als verzerre sich in brennender Lual sein Gesicht, als öffne er Augen und Mund und als ivolle er irgend ein furchtbares Wort sprechen— und ivieder vernahm ich jenen unheimlichen, röchelnden Senfzerton. Beklommen trat ich zurück. Tie Schwester war anfgcstanden, um den Kranken genauer beobachten zu können. Zuweilen wandte sie sich nach der Thür nnd schien in die Ferne zu lauschen, nnd dabei glitt jedesmal ein Schatten des Unwillens über ihre ruhigen Züge. Auch war es dann, als hätte sie das Bedürsnist. recht zärtlich zu dem Kranken zu sein. Sie strich ihm sanft mit einem weißen Tuch über die Stirn, blickte ihn, jede seiner Bewegungen aufmerksam verfolgend, liebevoll an, nnd ihre lveisten Hände ivaren jedes Dienstes gewärtig. Wie ernst sie ihren heiligen Beruf nahm! Je länger ich sie anschaute— sie, ein lichtes Gebilde voll Demnth nnd zugleich voll Hoheit, voll Liebe nnd zugleich voll Strenge, voll Selbstverläng- Illing nnd voll inniger Sorge um das Wohl leidender Mitmenschen, desto eifriger redete ich mir ein, daß die wirklichen Engel Gottes nicht über den Wolken Hansen, sonder» auf Erden weilen. Endlich Geräusch an der Hansthür. Wehklagen erhebt sich dranstc», rasche Schritte erschallen. Laut schreiend stürzt eine ältliche, kleine, vollformige Dame in das Krankengemach, sinkt am Bette nieder, er- greift eine Hand des Sterbenden und beschwört ihn lärmend, sie nicht allein in der Welt zu lassen. Die Nonne, in höchster Bestürzung, preßt ihr ein Tuch an den Mund, um sie zum Schlveigen zu bringen, wird aber bald von der kleinen, kräftigen Frau bei Seite geschoben. „Neinhold, Reinhold, lebst Du noch? � So sprich doch mit mir— Neinhold! Ach, ihr heiligen vier- zehn Nothhelfer, o Du allerreinste. Du allcrheiligste Jnngfran Maria, steht mir bei; o heilige Dreifaltig- kcit, verlaß mich nicht!— Reinhold, mein Rein- hold!— Ach, er lebt noch, er lebt! Er darf nicht von mir gehn, er darf nicht!" Sie ist aufgesprungen und will den Kranken umschlingen. Da greift die Nonne herzhaft zu und reißt sie zurück. „Sei. ii Sie vernünftig, Frau Oberst! Das ist keine Art!" Die Frau Oberst stößt einen kreischenden Ton ans, als fühle sie sich vom Schlage getroffen; sie will rücklings hinsinken, wird jedoch von der Schwester festgehalten, und gleichzeitig treten zwei junge, länd- lich gekleidete Frauen oder Mädchen in das Zimmer nnd stehen der Schivestcr bei. Die kleine Dame wird in die Prunlstube geleitet nnd dort auf einen Polstersessel»iedergclasscn. „Bereiten Sie mir eine Tasse Kaffee!" wendet sich die Schwester an die beiden Frauenzimmer. „Slnch für den jungen Manu eine!" fügt sie, auf mich deutend, hinzu. Die Zwei gehen hinaus, die Schwester kehit an das Krankenbett zurück. Ich richte meine Aufinerksamlcit ans die Frau Oberst. Oft schon hatte ich das Wort Verzweiflung gehört und es selbst gebraucht, jetzt aber sah ich zum ersten Male einen verzweifelnden Menschen. Ihr Unglück ergreift, überwältigt mich und zwingt mir Thränen in die Augen. Der Gedanke, daß ich Zeuge bin, wie der Tod zwei trenliebende Seelen grausam auseinander reißt und einem schwachen Weibe den Gefährten und Beschützer raubt, Ivirkt heftig er- schüttcrnd auf mein Gemüth... Sie liegt im Sessel mit geschlossenen Augen; sie keucht, als kämpfe sie selbst mit dem Tode, und ihr hochgcwölbter Busen hebt und senkt sich mit unheimlicher Geschwindigkeit; der Kopf ruht schräge ans dem Polster, der Minib ist geöffnet, die Anne hängen schlaff über die Lehne herab. Ich fürchte uni ihr Leben und wünsche im Stilleu, daß sie einschlafen und im Schlummer Stär- knng finden möge. Da— sie öffnet die Augen! Der Kopf hebt sich, sie reckt sich, mit den Händen auf die Lehne» gestützt, empor. Der Ausdruck der Verzweiflung ist aus ihren Zügen gewichen; ihr Blick ist ruhig, eisig, lauernd... Und dieser Blick trifft mich. Sie erhebt sich rasch. „Was ist das dort für ein Mensch?" fragt sie. Die Schwester wendet sich zu ihr und deutet ihr Schweigen an, indem sie einen Finger an die Lippen hält.„Den Hab ich gebraucht," erwidert sie leise. „Da gebt ihm doch etwas, damit er gehen kann!" spricht die Frau Oberst mit gedämpfter Stimme. „Er bekommt Kaffee!" entgegnet die Schwester. „Er kann ja den Doktor holen!... Ja, was heißt denn das— wo ist denn der Doktor? Wir müssen doch den Doktor haben!" Die Schwester ergreift sie am Arme und führt sie zurück zum Polstersessel. „Der Herr Doktor war hier; er sagte, es sei nicht mehr nöthig, ihn zu rufen. Ich bitte Sie, Frau Oberst, regen Sie sich nicht auf und sprechen Sie nicht so laut." „Aber Hochwürden muß doch kommen!" „Hochwürden war vorgestern hier. Ihr Herr Gemahl ist vorbereitet für den Himmel." „Nein, er muß noch einmal kommen!" ruft die Frau nnd beginnt zu schluchzen.„Vorgestern, das ist schon zu lange! Mein Gewissen ließe mir keine Ruhe bis an das Grab!... Bkein Gewissen, mein Gewissen!... Hochwürden muß kommen!" „Wenn Sie ein Gewissen haben, Frau Oberst, so gönnen Sie Ihrem Herrn Gemahl einen ruhigen Tod!" raunte ihr die Schwester mit zorniger Eni- schiedenheit zu. Ich bin überrascht von der bitteren Schärfe dieses Tones, nnd mein Erstaunen wächst, als die alte Dame, ohne ein Wort zu entgegnen, einen Wedel ergreift und Möbel und Geräthe damit abstäubt. Ihre Züge bekunden eine erschreckliche Gleichgültig- keit; ich erwarte, daß ihre Lippen eine heitere Melodie summen. Sie tritt auf die Schwelle nnd fragt:„Haben Sie diese Nacht ein wenig geschlafen, Schwester?" Die Schwester, am Bett beschäftigt, schüttelt den Kopf nnd winkt ihr zu, fern zu bleiben. „Da müssen Sie doch Kaffee haben!" spricht die Frau Oberst und geht hinaus. Mein Mitleid für sie hat sich in Abscheu vcr- wandelt. Erst die wilde Verzweiflungsszene, und dann die empörende Rücksichtslosigkeit gegen den sterbenden Mann. Ich vermag mir das Näthsel dieses Weibes nicht zu erklären, habe jedoch die Ileberzengung gewonnen, daß die Ehe, die der Tod nun lösen will, nicht im Himmel geschlossen ist. Der Kranke hat seine Ruhe verloren; ich höre schwere, röchelnde Athemzüge nnd sehe, wie die Bett- decke sich bewegt.... Vielleicht das Röcheln des Todes.... Ter Engel hat sich über ihn gebeugt; mit der Linken hebt er sanft ein wenig das Kissen, und auch mit der Rechten leistet er dem Sterbenden Samariterdienste. Die Dame erscheint auf der Schwelle.„Schwester, der Kaffee kommt gleich!.... Er ist wohl auf- gewacht?" Die Schwester anttvortct nicht. Einen Blick der Neugier wirft die Frau Oberst nach dem Bett, dann wendet sie sich zu mir und befiehlt kalt und herab- lassend:„Gehn Sie nach der Küche, trinken Sie eine Tasse Kaffee." Ich fü.le, wie sie mich ver- ächtlich und mißtrauisch mustert. Glücklich, aus dem Banne des Todes nnd der unerträglichen Atmosphäre zu gelangen, eile ich auf den Fußspitzen davon. Hunger und Durst sind mir vergangen; ich will sogleich die Villa verlassen und suche mein Nänzel. Dabei gelange ich in die Küche, wo die beiden jungen Frauenspersonen bereits beim Kaffee sitzen. Die Eine erhebt sich nnd nöthigt mich, an dem weißgesch.uerten Tische Platz zu nehmen. Sic bringt mir Kaffee nnd bereitet mir ein Butterbrot. Beide sind traurig ge- stimmt; die Eine scheint sogar geweint zu haben; sie fährt mit dem entblößten Arm über die Augen. Dabei kaut sie eifrig init beiden Backen, leert mit raschen Zügen ihre iimfangreiche Tasse, als wolle sie trinkend ihren Schmerz betäuben, und füllt sie schnell anss Nene. Sie sprechen von der„Alten", und obgleich ich nur wenige Worte erhasche, weiß ich doch bald, daß sie von ihrer Persönlichkeit nidit entzückt sind. Ich frage, an welcher Krankheit der Herr Oberst leide, und da sie gesprächig sind, erfahre ich im Zeitraum einer Viertelstunde die schliinnislen Familiengeschichten. Der Oberst erliegt einem Krebsleiden. Seit zwei Jahren ist er krank. Seine Liebe zur Natur hat ihn veranlaßt, nach seiner Verabschiedung vom Militär eine Gartenwohnnng außerhalb der Stadt zu beziehen. Noch im Frühling hat er, trotz seiner Krankheit, weite Fcldspaziergänge gemacht und Kräuter nnd Käfer für seine Sammlnngen gesucht; doch im Svmnier ivar er bereits so elend, daß er zu Fuß kaum noch den Garten erreichte. Bald nachdem ihn das Leiden für immer auf das Lager geworfen hatte, wandte sich sein frommes Weib, das er ein langes Leben hindurch treu geliebt hat, von ihm ab uno bezog eine andere Wohnung. Der Arzt, meinte sie, habe ihr körperliche und seelische Ruhe anempfohlen, und wenn sie allein sei, könne sie besser zum lieben Gott beten, auf daß er ihr das Liebste und Einzige, was sie auf Erden besitze, ihren Reinhold, noch recht lange am Leben erhalte. In seiner Nähe könne sie nicht weilen; ihn leiden zu sehe», würde sie zu sehr aufregen, und das wäre ihr Tod. „Dabei ist sie zäh wie lltindsleder," bemerkte eine der Erzählerinnen. „Die hält mehr aus, als drei Scheunendreschcr zusammen," bestätigte die Andere. „Sie thut aber immer, als pfiffe sie bereits auf dem letzten Loche." „Als sie vor ein paar Tagen zum letzten Male hier in der Villa war, ist ihr ein Geist erschienen." „Nicht doch, vor der reißen ja die Geister ans!" „Sie hats aber erzählt! Tie Seele von ihrem Schwicger.ater wars. Vielleicht hat ihr diese Seele den Kopf ei» wenig zurechtstutzen wollen, doch unsere Gnädige ist ausgerückt, und seitdem mochte sie nicht mehr in die Villa gehen." „Es kann auch der Leibhaftige gewesen sein, der nachsehen wollte, ob sie reif genug ist!" „Aber Kathrine! Die wird ja schnurstracks mit sechs Schimmeln in den Himmel abgeholt, wenn sie stirbt. Denke doch, wie sie befreundet ist mit dem Herrn Kaplan, und was sie für Messen lesen läßt!" „Wenn die einmal sterben sollte, dann feierten die Teufel vor Freuden Kirmeß." „Nicht so laut, Kathrine! Du weißt, die Alte lauscht gern." „Keine Angst, sie kann uns nicht hören." „Nieine Mutter erzählte immer, daß zum gnädigen Herrn auch Geister gekommen sind. Da kam innner ein Vogel, nnd das war die Seele seiner Tochter." „Rede nicht so dumm! Der Herr hat über- Haupt an keine Gespenster geglaubt!" „Aber der Vogel hat noch voriges Jahr ge- sungen..." „Es ivar eben ein Vogel, weiter nichts. Er hat Die Aeue Welt. Zllustrirte Unterhaltungsbeilage. ininier auf der Pappel im Garten gesessen und so schön gesungen, daß dem Herrn die Thiäneu in die Augen ge onimen sind. Und er hat dabei an seine Tochter gedacht, die auch die Vögel so gern hatte." „Tie Alte hat nämlich ihre Tochter ermordet." „Ermordet?" fragte ich erschrocken. „So gut, lvic ermordet. Es mar gerade in dem Jahre, in dem die Herrschaften hierher gezogen sind. Sechzehn Jahre war ich alt. Vfcinc Mutter bedient hier." „Ich weiß mich auch noch zu erinnern," sagte die Andere.„Erzähls einmal, wie es war!" Also redeten und schimpften meine geschwätzigen Tischgeiiossinnen, und in den nächsten Minuten erfuhr ich von ihnen eine haarsträubende Gesälichte. Ich habe sie später, ivcil sie mich in mannigfacher Hin- ficht gewaltig fesselte, niedergeschrieben, und sie soll das nachfolgende Kapitel bilden. (Fortfeyung folgt.) Kozilisißislhe lodif in Irankreich. Von H. Thurow. | m die Abhängigkeit des künstlerischen Schaffens — namentlich in Bezug auf die Auswahl des Stoffes— von den wirthschaftlichcn und pckitischen Jntcreffenkämpsen der Zcilcpoche darznthnn, führt»ns Georges Renard in seinem letzten Bande französischer Litcratnrkritik* folgenden Vergleich vor: Es ist bekannt, führt er aus, wie man den Blumen die verschiedensten Farben geben kann. Man spaltet ihren Stengel und steckt sie in durch chemische Färbstoffe kolorirte Lösungen; der blau'gelb oder roth durchtränkte Saft steigt empor und die Krone kann ans diese Weise in allen Farben des Zicgenbogens erglänzen. So ergeht es auch mit der Poesie, die man wohl die Blnthe des mensch- lichen Genius genannt hat: sie nimmt die Farbe des Bodens an, ans dem sie ihre Säfte saugt. Wir haben sie azurblau gesehen, wie die Wasser eines stillen Sees, grün und rosa wie den Frühling, schwarz wie ein Todtenzimmer. Heute prangt sie gern e im saftigen Noth der Klatschrose und des Proletarierbanners, was uns zu der Annahme führt, daß das gesellschaftliche Milieu, dem sie entsprossen ist, gewaltig mit sozialistischen Säften durchsetzt sein muß. So ist es in der That. Wie der Sozialismus in die Ockononiie eingedrungen ist, wie er in steigen- dem Maße die Politiker und Gesetzgeber beschäftigt, so nimmt er auch auf dem Gebiete der Knust immer allgemeineres und tiefergehendes Interesse in An- sprnch. Tes Künstlers Gedankenwelt, die mit Schön- heitsidcalen aller Art gleichsam gepflastert ist, konnte unmöglich dem sozialistischen Jdeenstroni keinen Ein- gang gewähren. Iliid daß es auf dem Gebiete der Kunst vornehmlich die Dichtkunst ist, in deren Schöpfungen man den Einfluß der proletarischen Hoffnungen und Ueberzengunge» wiederfindet, ist nur zu begreiflich— muß doch gerade sie ihre Stoffe aus dem vollen Leben schöpfen, und wo fluthet das Leben gewaltiger und intensiver als auf dem Felde des sozialen Eristenzkampfes! Unsere Aufgabe ist es heute, dem Leser einige Proben sozialistischer Dichtung aus Frankreich mit- zutheilen. Wohlverstande», moderner sozialistischer Dichtung. An und für sich ist die französische Dicht- knnst dieses Jahrhunderts, gleich der gesamniten nationalen Literatur, reicher an sozialistischen Gefühls- Momenten als die Poesie irgend eines anderen Volkes. Sie hatte gewaltige Motive zu vcrwerthen: Reoolu- tionen und Kämpfe, wie keine andere Nation sie sah. Die Kampfbcgeisteruug der Unterdrückten, der Gedanke der menschlichen Znsammcngehörigkeit und Einheit, der trotz des tiefen Abgrundes zwischen Arm und Reich nicht aufhörte, seine Vitalität zu bekunden, rang in der Dichtung nach Form und Gestaltung. Und zwar nicht nur während der ver- * OUigiie de Comliat. Paris. Societe I.ilirc d'Editiou des Gens de l.ettres. hältnißmäßig kurzen Epochen der eigentlichen sozialen Kraftproben. Wer gedächte nicht der im Geivande des Sozialismus eiuhcrschreitcnden rothschimmcrnden Poesie der zwanziger, dreißiger und vierziger Jahre? Die sogenannten Utopisten proklamirten eine neue Aera des sozialen Friedens, der Gerechtigkeit und harmonischen Weltordnung. Ihre Uebeizcugungcn, ihre Philosophie waren sozialistisch; aber weder die geistige Entivickelung des Volkes, noch die materielle Entwickelimg der Produktion entsprachen dem nach- gestrebtcu Ideal, so daß die Masse des Volkes den ueueii Propheten kein Gehör schenkte. Aber die geistige Elite der Nation erwachte und proklamirte um so begeisterter dieses hohe Ideal der Menschhdts- erlösnng, als es nach der I eberzcugmig der Besten sich friedlich und ohne Erschüiterungcn der gesellschaft- lichen Organisation verwirklichen lassen müßte. Tie Zahl der Poeten und Literaten, die sich seit dem Beginn der St. Simonschen Propaganda bis zur Revolution von>848 und darüber hinaus mit dem Problem des Sozialismus befaßt haben, ist Legion. Wir erinnern unr an einige der Be- deutenderen nnter ihnen, wenn wir folgende Namen nennen: Barbier, Chateaubriand, Viktor Hugo, George Sand, Eng ne Sue, Bc langer, Pierre Dnpont, Lachambaudie usw. Die ganze französische Literatur, schreibt B. Atalon in seinem„Soeialisme Internal", war wie mit Sozialinnns durchtränkt. Und Heinrich Heine war es bekanntlich, der, angesichts des gewaltigen Stroms von Sympathien, dessen sich das sozialis.ische Ideal erfreute, verwundert ausrief: „Das ist ein»»schätzbarer Vortheil für den So.,ia- lismus, daß er alle großen Geister ans seiner Seite hat, und daß seine Gegner, soweit es deren gicbt, sich nur aus platter Nothivendigkeit, ohne Vertrauen zu ihrer Sache und selbst ohne tiefe Achtung vor sich selbst, verthcidigen." Tie späteren großen Kämpfe, die die Arbeiter behufs Förderung ihrer gerechten Sache zu bestehen hatten, räumten mit dem jener Reformatorengene- ratio» eigenen Optimismus gründlich auf. Die durch die fortge'cpte wirthschaftlichc Revolutionirung der gesellschaftlichen Grundlagen bedingte Verschärfnng der Klassengegensätze lockerte auch die geistigen Bande der Dichter untereinander. Aenßerlich vollzog sich diese Wandlmig durch die I'.ebcrwiudung der Romantik, die, indem sie weniger der tliealität des Lebens Rech- nnng trug, sich vorzüglich zur Jnterpretatiou und Jdealisirnng aller rosaschillernden, wcitansschanenden, doch jeden Appell an die Juteresseniiistinkte ver- schmähenden Reorganisationsideen eigne'e. Eine neue Form der Dichtung erschien seit Anfang der fünf- ziger Jahre auf dem Plan, die in stetem Kampf mit der danials in ihrer Macht noch nnbeeinträch- tigteu Romantik heute zur unbestrittenen Herrscherin geworden ist: der Naturalismus. Dieser hat, namentlich auf dem Gebiete des Romans, außerordentlich viel zur Erkenntniß der sozial-wirthschaftliche» Zustände beigetragen. Natur- gemäß entlehnte er seine Stoffe in erster Linie dem wirklichen Volksleben. Da er sich aber zur Aufgabe stellte, die sich ihm in Fülle aiifvrängenden psycho- logischen Probleme gründlicher, naturwahrer und objektiver zu behandeln, als wie das bislang ge- schehen, und da er im llebrigen, trotz der Zurück- dämmullg der persönlichen llebcrzeugungen der ein- zeliicn Autoren im Großen und Ganzen im Bunde marschirte mit Wissenschaft und sittlichem Fortschritt, so wirkte er trotz seines objektiv-sachlichen Charakters in hohem Maße agitatorisch. Eine greifbare, von den Naturalisien gewollte Tendenz lag ihren Werken nicht zu Grunde. Die Romane wirkten propagan- distisch durch die genaue Milieu- und Menschcn- schilderung, und nur durch diese wahrheitsgetreue, die kritische Betrachtung fördernde Darstellung konnten sie der sozialistischen Sache dienen. Zur Erhebung der Herzen, zur Erweckung flam- niender Begeisterung reichte ihr Ideengehalt in de» meisten Fällen nicht ans. Von einigen Werken, „Germinal" zum Beispiel, abgesehen, in denen uns die Gedanken der handelnden Personen am Schlüsse selbst etwas verrathen von dem Fenergeist des Dichters, der die Schranken durchbrechen möchte, die ihm seine eigene Kunstmethode gezogen, sehen wir fast nirgends einen Hinweis ans das kommende Bessere- die Formnlirung einer aus der kritischen Analye sich ergebenden positiven Forderung. Ein solcher Post- tivismns würde, wie angedeutet, über den Rchmen der naturalistischen Dichtung hinansgehen. Die pzia- listische Bewcgnng aber bedarf der Herolde, der Sänger und Rufer im Streit, und diese zu liefern, war vor Allem der neueren Lyrik vorbehalten, an der, entsprechend ihrem innersten Wesen, die Zeit und die Menscheil inhaltlich weniger reformireii konnten, als am Rouian und am Drama. Die Lyrik hat immer stark zum Symbolischen (Sinnbildlichen) geneigt. Auch die neueren französischen Lyriker sind zum guten Theil Symbolisten. Sie werden sogar mit diesem Namen bezeichnet und nennen sich selber so, um den Unterschied ihrer Methode von derjenige» der Naturalisten deutlich hervorzuheben. Im Ganzen genrnimen darf man den neuerlichen Symbolismus, der auch ans der Bühne seinen Einzug gehalten und mit der immer häufigeren Anfführung von Mnsikdramen hier eine gewisse Bedeutung erlangt hat, eineiseits als eine idealistische Reaktion gegenüber gewissen Auswüchsen des reinen Natnralismns, andererseits als einen sehr verständlichen Protest gegen die seit Jahr- hnndertcn währende, durch einen strengen Reim- und Bcrskodex geübte unsinnige Reglementirnng des lyrischen Schaffens betrachten. In ihrem Arbeits- und Freiheilsdrange z rschlngcn die Tichtcr die alten Formen, in die man so lauge immer wieder die Enipfindniigen des Gcmülhs und den Willensdrang einzuzwängen versucht hatte. Daß sie dabei(wir sprechen hier von den zum Sozialisinns ncigendcn Dichtern) nicht hin und wieder auch den Einfluß des in neuerer Zeit modisch gewordenen Mystizis- nins erfahren hätten, soll nicht geleugnet werden. Im Allgemeinen hat indessen ihr gesunder Op imis- mus sie vor dieser Klippe des künstlerischen Wirkens bewahrt. Es ist begreiflich, daß in einem Lande, wo das seit einem Jahrhundert im Volksbewiißlsein wach- gewordene und nicht mehr verblichene Frciheitsidcal so stark und grell mit der kapitalistischen Gegenwart kontraslirt und wo das Temperament der Rtenge nur zu leicht zu sanguinischer Auffassung der sozialen Situation neigt, einer Auffassnng, deren Irrigkeit von allen Revolten und Nevolutionen dargethan wurde, daß in einem solchen Lande schließlich ein gewisser düsterer Trotz, ein Hang zum Extremen, die Ge- müihcr erfüllt. Als treffender Ausdruck einer der- artigen Stimniung muß ein kleines, an Ada Negris Kampflieder gemahnendes Sonett betrachtet werden. Die handelnden Gestalten der sozialistischen Dich- tnng sind, wie in diesem Fall, sehr oft der biblischen Tradition entlehnt, oder ihr eigenes Geschick zeigt zum»lindesten mit dem Schicksal sagenhafter Helden der Neligionsgeschichte gewisse Aehnlichkeiten. Dort, wo trotz aller Wandlungen im sozialen Organisnins des Gemeinwesens auf kirchlichem Gebiet der Katholi- ziSmus so nnbeschränkter Herr und Rteistcr geblieben ist, ist ein solcher— man möchte sagen biblisch- revolutionärer— Symbolismus verständlich. Die Kirche, und namentlich die katholische Kirchenorgani- sation, ist das Bollwerk, hinter dem heute das fort- schrittsfeindliche, herzlose und heuchlerische Gesell- schaftsprotzenthnm seine Interessen vcrtheidigt. Sic und ihre Vcrtheidiger zu stürzen, ihren rückständigen Charakter zu enthüllen und so zur Vernichtung der schlimmsten Stützen der konservativen Umsturzmächte beizutragen, ist eine der Hauptaufgaben der jungen freiheitsglühenden Partei. Und dieser Kampf ist, soweit man seinen Schauplatz nicht vom Boden der sozialen Wirklichkeit in die Wolken religiöser Ab- straktion verlegt, fruchtbringend und dankbar. Denn war nicht dereinst, in seinen Anfängen, das Christen- thum ebenso revolutionär, wie es heute konservativ und verknöchert ist? Und wem spränge dieser Unter- schied nicht grell in die Augen!— Unsere Dichter knüpfen an gelvisse mehr oder minder verbürgte Ereignisse der ersten Entwickelnngsphase der christ- lichen Ncligionsgemeinschaft an und beleuchten dann niit um so größerer Schärfe den schmachvollen Die Heue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. �33 Iiiicicssciibiilid, tcn heute Kirche und Geldsack mit- ciuauder geschlossen habe». tzlovis Hugues, ein bekannter so ialistischcr De- pntirtcr— doch ebenso mittelmäßiger Politiker>vie schivungvollcr Bnlladcndichter— führt nns in einem Posm, das er eine„Dramatische Vision" nennt, nach Golgatha. Der Heiland und die beiden Uebel- thätcr hängen am Krcnz und tauschen ihre letzten Gedanken aus über ihren Pilgergang ans dieser so dornenvollen, irdischen Laufbahn. Wie es in einer Thesendichtung nicht anders sein kann, syin- bolisircn die redenden Persönlichkeiten die rerschiedencu Ans- fassungen, die der Per- fasser vor der großen Oeffentlichkeit möchte gegeneinander abgeivo- gen sehen. Der renige Sünder zur Rechten des Er- lösers verkörpert die große Menge der Glän- bigen, die ivährend ihres Lebens sorglos sündigend und der Er- füllnng ihrer Bedürf- nisse nachstrebend(lvie es das Wcltgelriebc jedem athmenden Wesen nahelegt), sich ain Ende ihrer Laufbahn der ihnen verheißenen Zlb- solntion ihrer Sünden erinnern und, mit dem Segen eines Seelen- Hirten versehen, in die Gefilde der Seligen einziehen. Der ver- stockte Verbrecher zur Linken ist der Empörer, der zynische Mörder, dem die Ungeheuerlich- keit seiner Thaten wohl zninBeivnßtseinkommt, der sie aber nicht ein- mal bedauert, ja, der allen Verbrechen noch den frechen Hohn des verdorbenen Herzens hinzufügt. Die Welt hat ihn geschnndc», das Schicksal hat ihn verfolgt; der Hunger hat seine Eingeweide zerrissen— er hat sich nur genährt. Und nun soll er zu alledem noch an einen Gott glauben, dessen Milde und Güte ihm ewig verborgen geblieben? Ah— da kannte man ihn und Seinesgleichen schlecht. Mit einem Fluch ans den Lippen gehen sie von bannen; ob zehn- mal die Pforten der Hölle sich ob ihren hohngriusenden Häuptern schlössen. .Jus mci c Sclml, uirii.i in InHeriiini Nächten Ich nur Gcive> ster Iah statt Teiner Göltrr? So antwortet er dem ihn zum Glanben er- mahnenden Razarener an seiner Seite; und sein Sarkasmns überschreitet sicherlich nicht die Grenzen der vom Standpunkt der Moral und Vernniift jedem Jiidividmlm zu gewährleistenden Meinungsfreiheit, wenn er hinzufügt: wahr, d.i; TlnKncn nnscre Sünden waschen, vl Clin schon sin Wort ron Tir mich koiml' mit Unschuld krönen, Und meine Pil..ernacht mir reinem Glanz erleuchten � Warum nicht gewannst Du mich, an Dich zu glauben?- Vergeblich ist der Einlvand des göttlichen Tul- ders, daß die irdischen Leiden nur ein Durchgangs- stadiuni zn einem neuen, vollkommenen Leben in einer besseren Welt seien; daß er in seinen Wände- rungen durch die Wüste und auf dem Berge die Richtigkeit der irdischen Schätze proklamirt und durch seinen Appell an die Herzen der Reichen den irdischen Jammer habe ein�ndämmen gesucht. AslHenbrödet. Nach dein Gemälde von Slb. Echtl Photographteverlag von Franz Hansstaengl tn München. „Du predigtest Barmherzigkeit: Mein Herz schrie nach Gerechtigkeit!" Das ist die trotzige Eiitgegnnng des reulosen Leidensgefährten und in ihr spiegelt sich jene Auf- fassnng ivieder, die heute das nach Licht und Be- freiung verlangende Proletariat der christlichen meta- physisch-dogmaiischen Lehre gegenüber vertritt. Etwas stark idealisirt erscheint zivar, namentlich gegen Ende des Po ms, diese Pariagestalt der jüdischen Gesellschaft; wenn man aber keinen Typus schaffen, sondern nur durch Worte einer legenden- haften Gestalt den ewig alten Kampf der Unter- drückten gegen ihre Unterdrücker symbolisiren will, dann erscheint jene biblische Handlung als Gegen- stand einer sozialen Dichtung nicht übel gewählt. Von diesem mehr agitatorischen Standpunkt ans muß man auch die Gestalt Christi beurtheilen, die trotz aller Gottähnlichkcit sich selber sehr dem Wesen eines fast modernen, wissenden Führers des Proletariats nähert. Oder klingt es nicht sehr menschlich, neu- z i.lich und ivic von der Erkenntniß der Be- grenzthcit der indivi- duelleu Kraft und der richtigen Erfassung der treibenden geschicht- lichen Mächte dikiirt, wenn der angebliche Erlöser des Menschen- gcschlechts am Schlüsse des Triologs zugesteht: „Dos univenelle Glück, uuv aller Uebel Ende Der Welt zu bringen. Hab ich nie geträumt; Was unser Schiffchen stützt in stürmischer Wetterwende, Das ist die Woge selbst, die ruhlos gfichrt und s t äumt." Clovis HugneS schwingt in manchen anderen seiner sozialen Kfanipfgedichte gegen Muckerei und Kirchen- thum das blanke Schlvert seines revo- luiionären und tem- peramentvollen Geistes. Bei sozialistischen Fest- lichkeiten, Banketts vc. liest oder deklamirt er auch gerne von ihm verfaßte Gelegenheits- Prologe, und es fehlt ihm weder an stimm- lichen noch an miini- scheu Mitteln, um jedesmal einen wahren Beifallssturm zn ent- fesseln. Natürlich steht er lvcder innerhalb noch außerhalb der sozia- listischen Partei mit seiner streng antikleri- kalcn Weltanschauung allein da. Unter Denjenigen, in deren Dichtungen die Bekämpfung des Einflusses der kalholi- scheu Kirche einen brci- ten Raum einnimmt, ist u. A. Manri c de Talleyrand- Perigord, Herzog von Dstio, zu nennen. Er führt nns gleichfalls in das ge- lobte Land, in die Wüste und ans den Berg Sinai. Und von hier aus, statt ivie c r> so viele seiner dichtenden Vorgänger in mystisch- sentimentaler Weise über das prosaische Treiben der glaubenslosen Menschenhecrde da unten den Stab zn brechen, schnicttert er seine freiheitsglühendcn kirchcnfeind- lichen. Steine hinab— zum Gruß an Nonssean und Voltaire; zum Gruß an das kämpfende Paris; zum Gruß an die kämpfende Avantgarde der im Joch der Unwissenheit ächzenden Menschheit. Und nm keinen Zweifel darüber anfkonimen zn lassen, daß er sich selber identisch fühlt mit dem Helden seines Po ms, dem er ein vollständiges sozialistisches Glanbcnsbekenntniß in den Mund legt, schreibt er 334 S>ie Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. in der Vorrede seines„1.6 pays du silcnce"* betitelten und Henri Rochefort gewidmeten Buches: „Da meine feste Ucberzeugnng ist, daß mir der Sozialismus berufen ist, Frankreich vor dem völligen Verfall, dem es entgegengeht, zn beivahren, habe ich nicht gezögert, durch meinen Helden verkünden zu lassen, was ich für die Wahrheit halte!" (Schluß folgt.) ik ans bcr sperrte. Von O. Kalt-Renleaux. III. Hungcrsnoth und Ficbcrpcst im südafrikanischen Goldlandc. �ungersuoth und Fieber verbreiten ihre Schrecken im Transvaal-Frcistaate. Im Rusteuburg- Bezirke haben andauernde Dürre, Rinder- pest und Heuschrecken die Ackerbau treibenden Boeren fast ihres gesammten Besitzthums beraubt, während die verpestete Luft und faules Wasser das Volk mit einer Krankheit darniedergeworfen haben, die fast noch schrecklicher ist als jene, welche ihren Vieh- stand wegraffte, lieber den Umfang des Elends berichtet ein Brief des Herrn C. Fourie an„De Volkstern" vom Juni d. I. Folgendes: „Ich will Ihnen die Lage der Burghers hiesigen Bezirkes beschreiben. Fast alle sind durch den Verlust ihres durch die Rinderpest gefallenen Hornviehs ver- armt, und die Heuschrecken haben Getreide wie Obst vernichtet. Dann brach eine Zeit anhaltender Dürre an, gefolgt von der Rialaria seit dem Beginn dieses Jahres. Zn Pilaansberg liegen die Leute auf Säcken auf dem Boden und haben als einzige Decke einige andere Säcke; eine große Anzahl der Kranken wird an Elend und Nahrungsmangel zu Grunde gehen, wenn nicht baldige Hülse geleistet wird, denn um sich gegenseitige Unterstützung zu leisten, sind die Leute zu arm. Der einzige Arzt wohnt in Rüsten- bnrg, in einer Entfernung, die man zu Pferde in fünf bis acht Stunden zurücklegen kann; und zudem mangeln den Kranken die Mittel, den Arzt und die Arznei zu bezahlen. Vor einigen Wochen starben wenige Tage nacheinander ein Holländer Nood nebst Frau und drei Kindern. Den Mann und die beiden Kinder legte man in einen Sarg, da die Familie kein menschenwürdiges Bcgräbniß zu bestreiten ver- mochte, kein Brot zu essen hatte seit dem Tage ihrer Erkrankung. Auf einem Gehöfte sind sämmtliche Bewohner, mit Ausnahme eines kleinen Kindes, von der Krankheit darniedergestrcckt. Die natürliche Folge dieses Nothstandcs ist eine fortschreitende Ver- armung des Volkes. Obwohl auch dreißig wohl- habende und angesehene Bewohner dieser Gegend der Epidemie zum Opfer gefallen sind, halte ich dennoch für die Hauptsache der Todesfälle den Mangel an Lebensmitteln. Auf vielen Gehöften liegen alle In- fassen krank darnieder, besitzen keine Nahrungsmittel — einige Wenige haben etwas Maismehl und Kartoffeln— und als Decke einen zerrissenen Woilach oder Aehnliches. Niemand pflegt sie oder bringt ihnen Speise, darum wende ich mich au„De Volks- steru" in der Hoffnung, daß diese Zeilen einem Mit- gliede der Regierung oder anderen wohlthätigen Menschen die Anregung bieten, unserem Veldtkornet eine kleine Geldsumme zur Linderung der Noth zu senden und ein Hülfscoinitö zu bilden." Die Kommandanten der Busch-Veld-Bczirke von Prätoria, Waterberg und Middelburg melden, daß unter Weißen und Kaffern die Sterblichkeit furchtbar ist. Bis zum 10. Juni d. I. waren im„Warm Ouellen-Bezirk" 1800 Kaffern gestorben, und zwar so plötzlich, daß man sie dutzendweise in Massen- gräbern beerdigte. Die Aerzte halten den Rinder- Bacillus für den Krankheitserreger. Am 24. Juni schreibt Mynheer Jacobus von Belker» an„De Vplksstern", daß er alle Gehöfte von Lindlcys Poort bis zum Seylous-Flusse besucht habe und allenthalben die Geißel des Fiebers fand. * Land des Schweigens. Die allgemeine Lage hat sich etivas gebessert, aber die Fieberest herrscht unvermindert, vor Allem giebt es viele Rückfälle. Einen Begriff von der Heftigkeit der Epidemie gewinnt mau durch die Thatsache, daß seit Anfang des Jahres im Distrikte Elmids Rivier (Veldtkornet I. Hathirk) nicht tveniger als hundert Weiße(Erwachsene und Kinder) gestorben sind. Ans einer Farm, Vlakfonteiu, sind sieben neue Grüber angelegt worden. Nicht tveniger als siebenundzwanzig Familien fand ich, die aller Lebensmittel bar waren, aber zu ihnen rechne ich nicht die Kranken und Be- dürftigen im Pilaan-Gebirge und solche flußabwärts. Was die Krankheit so verheerend macht, ist aber der Mangel an Pflege und Nahrung, der immerfort Rückfälle verursacht. Ich kenne Leute, die zwei Monate bettlägerig waren und bei eingetretener Besserung, durch Noth gezwungen, sofort loieder ar- beiten mußten und naturgemäß einen Rückfall er- litten. Vom Fieber heimgesucht sind Elandsrivier, Stroemrivier, Hoogeboomen, Rietfontein, Bcstershock, Schoongezicht, Lindleyspoort, Krokodildrift, Vlak- fontein, Vlaaklaagte, Cijferfontein und Holfonteiu. In den höher gelegenen Orten und am Fuße der Zwartensrnggens ist die Zahl der Erkrankungen eine geringere. Das staguirende Wasser, das im ver- gangenen Jahr durch keinen bedeutenden Regenfall in den Flüssen und Vertiefungen erneuert wurde, scheint der Krankheitserreger zu sein. Die den Boeren drohende Zukunft ist fast hoffnungslos. Infolge der fast zwei Jahre anhaltenden Dürre konnte nur lvenig Getreide gesäet werden, der Biaisvorrath ist erschöpft, das Vieh ron der Pest dahingerafft, und Geld nicht vorhanden." „De Volkstern" fügt hinzu, daß ihm noch viel trübere Berichte zugegangen seien, und daß er hoffe, seine Bitte um Hülfe verhalle nicht unerhört.„Man kann nicht glauben, daß politische Zwietracht und unmenschliche Apathie die Engländer und Ausländer, die aus unsere» Goldminen fabelhafte Schätze sammeln, hindern sollen, von ihrem Ueberflusse den Darbenden eine kleine Spende zu geben. Bisher hat jedoch dieser Nothschrei kein Echo in den Herzen der Gold- Magnaten geweckt, die vielleicht in dem Dahinsterben von Hunderten heldenhafter Boeren eine Verminderung der Wehrkraft, der Widerstandsfähigkeit des ihnen ans selbstsüchtigen Motiven so verhaßten Volks- stammes erblicken. Diese, jedem Menschlichkcitsgcfühl hohnsprechende Haltung der Engländer und des gleich- gesinnten Thcils der Ausländer ist um so vcrwerf- licher, als gerade jetzt der Bergbau und jede andere Industrie in Trans, aal einen unerwarteten Auf- schwung genommen hat." Wanderungen durch Zeit und Raum. Von Th. Overbeck. IX. Die Zwerge und die Riesen der Planetenwelt. tts/enn auch die verschiedenen Glieder unseres ' s Plauetens.fflems hinsichtlich ihrer Größe � und Gestaltung, sowie ihrer sonstigen Ver- Hältnisse sämmtlich verschiedenartig zu iienne» sind, nicht zwei einander genau gleichen, so ist dennoch eine gewisse Gruppirung, eine jede Gruppe gebildet ans zwei sich ähnelnden Weltbällen, und schließlich zwei sich ähnelnde Gruppen, gebildet ans kleinen Stoffballnngen, unverkennbar. So bilden Merkur und Venus, Erde-Mars, Jupiter-Saturn, Uranns-Neptun, und schließlich die winzig kleinen Planeten, die Planetoiden und die Kometen nebst Bteteoriten, derartige Gruppen. Eine annähernde Regelmäßigkeit zeigen auch die Eutfernnugsverhältnisse der Planeten, welche schon im vorigen Jahrhundert die Veraulassniig zu an sich ziemlich zwecklosen, arithmetischen Spielereien gaben, denen man sogar den Namen Bode'sches Gesetz beilegte. Ein Wittcnberger Astronom, TitiuS, machte damals den Versuch, die Entfernung der Wandelsterne von der Sonne in ein gewisses System zu zwängen, und zwar verfuhr er in der Weise, daß er die Entfernung des derzeit bekannten äußersten Planeten Saturn von der Sonne in 100 gleiche Thcile zerlegte. Darnach kamen 4 solcher Thcile auf die Eni- fernnng des Merkur, 4-s- 3 7 auf den Abstand der Venns, 4-i-6 10 ans die Erde, 4 ff- 12- 16 auf den Mars, zu der Entfcrunng 4 ff- 24 � 28 fehlte das Glied, jedoch entsprachen dann wieder Jupiter und Saturn annähernd der Staffel und dann paßte auch schließlich der später am 13. März>781 von William Herschel entdeckte Uranus in diese Reihe. Rtag nun dieser annähernden Regelmüß'gkeit irgend welche Gesetzmäßigkeit oder auch nur ein Zufall zn Grunde liegen, immerhin hatte sie zur Folge, daß die Astronomen des vorigen Jahrhunderts an- nahmen, daß in der Lücke 28 ein noch unbekannter Weltkörper vorhanden sein müsse. Von allen Seiten rüstete man sich zur ernstlichen Durchforschung des Himmels, um diesen Planeten aufzufinden, und vereinigte sich sogar am 21. September 1800 eine Gesellschaft von Astronomen zu gemeinschaftlichem Vorgehen. Rterkwürdigerweise, gerade am ersten Tage unseres Jahrhunderts, am 1. Januar 1801, entdeckte nun der Astronom Piazzi in Palermo den ersehnten Stern, aber nicht, wie erwartet, einen großen Ball, sondern einen winzig kleinen, den später Eeres be- nannten, der etwa 373 Kilometer im Durchmesser besitzt, und dessen Gesammtoberfläche also annähernd der Fläche von Oesterreich-IIngarn gleicht. Hieraus ergiebt sich, daß sein Volumen 27 610000 Kubikkilometer beträgt, so daß man aus unserem Monde 800 Kugeln von der Größe der Ceres bilden könnte. Am 28. März 1802 entdeckte der Bremer Astro- noni Olbers in derselben Region einen zweiten kleinen Planeten, die Pallas; Planetoiden oder auch Asteroiden nannte man diese kleinen Neulinge, d. h. planetenähnliche oder sternähnliche Welten. Harding in Lilienthal fand nun am I. Sep- tember 1804 einen dritten, der den Namen Juno erhielt, und am 29. März 1807 Olbers einen vierten, die Vesta. Bis zum Jahre 1845 ließ man es bei diesen bewenden, dann erst eröffnete am 8. Dezember 1845 ein Dilettant, der Posthalter Henke in Driesen, mit seiner Entdeckung des fünften, der Asträa, die Reihe der noch nicht abgeschlossenen Nenauffindungen, ivclche, wie erwähnt, bis jetzt etwa 300 Planetoiden ans Licht zog. Höchst merkwürdig ist dieser Schwärm kleiner Welten, deren bis jetzt bekannte kleinste, die Rnssia, nur einen Durchmesser von 20 Kilometern besitzt, und hat man sich schon in den gewagtesten Koni- binationen hinsichtlich derselben ergangen. Man be- trachteie sie als die Trünnner eines großen Welt- körpcrs, welcher durch den Zusammenstoß mit einem anderen zersprengt ward, oder führte sie auf die Explosion eines größeren Körpers zurück. Es ist nicht zu bestreiten, daß diesen Anschau- ungen eine gewisse Wahrscheinlichkeit innewohnt, aber da eine solche Katastrophe unabweislich zur Folge haben würde, daß sämmtliche Trümmer bei jedem Umlauf, natürlich zu verschiedenen Zeiten, einen ge- wissen Punkt, und zivar denjenigen, au welchem ursprünglich die Zersprcngnng stattfand, kreuzen müßten, ein solcher Kreuzungspunkt aber wenigstens heute nicht mehr vorhanden ist, so wird die Annahme zweifelhaft. Allerdings können spätere Einflüsse im Laufe langer Zeiten, z. B. die Anziehung des benachbarten gewaltigen Jupiter, das ursprüngliche Bild verwischt haben, aber auch eine zweite Bedingung ist noch vorhanden, und zivar diejenige, daß ein jeder der Planetoiden bei seinem Ilmlauf um die Sonne einmal eine bestimmte Entfernung von der Sonne erreichen wird, die auch jeder andere einmal erreichen wird, aber auch das trifft, wenn auch vielfach, so doch nicht durchweg zu. Gesteheu wir rnhig ein, daß wir hier noch vor einem großen Räthsel stehen und daß wir bis heute nicht im Stande sind. Bestimmtes sagen zn können. Daß hier irgend ein abnormes Ereigniß statt- gefunden— denn das Zerfallen des Stoffes in zahl- Die Heue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. 335 lose kleine Bälle ist sonst unerklärlich—, ist natürlich ziemlich sicher vorausznsetzen. aber welches? Die von allen anderen Planetenbahnen hinsichtlich Gestalt und Lage ablvcichenden Bahnen der Plane- toiden, von denen z. B. die Exzentrizität(Ablveichung von der Kreisform) bei der Nysa beträgt, während die größte Exzentrizität unter den anderen Planetenbahnen(Aterkur) nur V5 erreicht, beutet auf eine gewisse Verwandtschaft der Planetoiden mit Kometen und Meteoren hin. Möglichenfalls ist der Störenfried nicht ein zweiter Planet, sondern ein weltkörpergroßes Meteor gewesen, welches die Trümmer in kometenartige Bahnen zwängte, durch dessen enorme Geschivindigkeit sich Manches erklären würde, und sehen wir in den Planetoiden Meleortrnmmer und Reste des alten Planeten vor uns. Wenn auch der kleinste Planetoid noch 4000 mal die größte bis jetzt beobachtete Feuerkugel an Inhalt übertrifft(aber wer garantirt, daß nicht in früheren Zeiten oder in unbewohnten Gebieten schon größere erschienen sind), so üb rtrifft aber der kleinste Planet, der Merkur, noch immer 10000 mal den größten der Planetoiden, und würden 5 Millionen der kleinsten Planetoiden erst eine Kugel von der Größe des Mondes abgeben. Daß gewaltige, wcltkörpergroße Meteore nicht absolut zu den Ilnniöglichkcilen gehören, werden wir in unserem nächsten Artikel, welcher Kometen und Meteore behandeln wird, näher erörtern. Sind doch Bolide(Feuerkugeln oder große Meteore) schon auf der Erde beobachtet, welche bis 12000 Fuß('/2 deutsche Meile) im Durchmesser hielten. lieber die physikalischen Verhältnisse dieser win- zigen Planetoidemvellen ist natürlich so gut wie nichts zu sagen, da die größten derselben in unseren schärfsten Fernröhren kaum einen Durchmesser er- kennen lassen. Anzunehmen ist jedoch, daß dieselben wegen ihres Alters- sie sind noch älter als Rtars und weit älter als unsere Erde, jedoch jünger als Jupiter—, sowie ihrer Kleinheit, das Stadium der Bewohnbarkeit längst hinter sich haben, in vielfacher Hinsicht unserem Monde gleichen und ihre Dbcrflächen grauenvolle, eisige Wüsten darstellen. Vielleicht ist die Abkühlung so schnell eingetreten, daß überhaupt einer organischen Welt nicht Zeit blieb, sich aus dem rohen Stoff emporzuarbeiten. Dieses sind jedoch Alles nur Vermuthungen, wenn auch vielleicht Annahmen, denen eine große Wahrscheinlichkeit innewohnt. Gewißheit herrscht jedoch hinsichtlich der Schivereverhällnisse, da diese durch die Massenverhältnisse bedingt werden. � Auf dem kleinsten Planetoiden, der bereits er- wähnten Russia, mit einem Durchmesser von etiva 20 und einem Ilmfang von K3 Kilometern, beträgt z. B., vorausgesetzt, daß diese Welt annähernd die Dichtigkeit unserer Erde besitzt, die Schwere auf seiner Oberfläche nur etwa'/»oo der Schwere an der Erdoberfläche; ein Gegenstand, der auf der Erde l Kilo wiegt, würde demnach dort auf seine Unter- läge annähernd einen Druck ausüben, wie ihn hier l1/? Gramm erzengen. Gewaltig ist nun der Kontrast zwischen diesen Pygmäenwelten und dem Ricsenball Jupiter, welcher nach Ueberschreitung der Asteroidenrcgion aus der dunklen Tiefe des Raumes vor uns auftaucht. In einer mittleren Sonnenferne von 774 Rtil- lionen Kilometern umkreist dieser Riese, dessen Durchmesser den der Erde elfmal übertrifft lzirka l!)000 Meilen), und dessen kubischer Inhalt unsere Erde 1414 mal, sein Gewicht, da seine Dichtigkeit nur'e der Erddichtigkeit beträgt, 338 mal das Erdgewicht übertrifft, in etiva 12 Jahren einmal die Sonne, welche vom Jupiter aus gesehen zu einer Scheibe zusammengeschrumpft ist, die an Größe nur noch dem 27. Theil der von der Erde gesehenen Sonnenscheibe gleicht. Der Tag des Jupiter ist sehr kurz, denn seine Umdrehung erfordert etwa 10 Stunden, also nur 5 Stunden liegen zwischen Sonnenauf- und llntcr- gang. Vier Rtonde, von denen der nächste 427 000 Kilometer, der fernste i 007 000 Kilometer absteht, letzterer also etiva zehnmal so weit vom Jupiter als unser Mond von der Erde entfernt ist, von denen der erste und zweite etwa unserem Monde an Größe gleichen, der vierte 4771 Kilometer (636 Meilen) im Durchmesser besitzt und der dritte an Größe nahezu den Rtars erreicht, begleiten ihn auf seinem weiten Wege. lieber die physikalischen Verhältnisse dieser Blonde ist so gut lvie nichts bekannt, nur ihr Licht beiveist, daß sie verschieden voneinander sind, denn der erste und dritte erstrahlen in Weiß, der zweite erscheint bläulich, der vierte orangeroth. Wie unser Blond, so zeigen auch die Jnpitermonde dunkle Flecken, und hat deren Beobachtung es als höchst wahrscheinlich erscheinen lassen, daß auch die Jnpitermonde gleich nnscrem Erdmoude dem Zentral- lörper stets dieselbe Seite zukehren. Die röthlichc Färbung des vierten Blondes deutet auf eine dunstige Atmosphäre, und ist es deshalb nicht ausgeschlossen, daß möglichenfalls die Jupitermoude eine Lcbcwelt beherbergen. Etwaigen Bewohnern dieser Blonde wird nun der Jupiter selbst als gewaltiger Ball am Himmel strahlen, denn ans dem ersten erscheint er als eine Scheibe, deren Durchiiie"er 37mal den unserer Blondschcibe übertrifft, und selbst auf dem äußersten wird der Durchmesser der Jupilerscheibe noch uennmal den Durchmesser unserer Mondscheibe übertreffen. Während nun auf den Jupitertrabanten mög- licheufalls eine Lebewelt vorhanden ist, muß man dem Jupiter selbst eine solche wohl noch absprechen, denn die Beobachiungen der neueren Zeil lassen kannl einen Zweifel darüber, daß die Jnpitcrober- fläche, entsprechend der gewaltigen Größe dieser Welt, noch heute der Schauplatz der geivaltigsten plntonischen Vorgänge ist, etwa der ältesten Urzeit der Erde ähnelt, wahrscheinlich sich noch theilweise in Gluth befindet und ab und zu das innere Feuer noch auf große Strecken zum Durchbruch kommt. Die Streifen des Jupiter zeigen oft eine frap- pante Aehulichkeit mit riesigen Dampfballungen, lvie sie viele irdische Vulkane, allerdings in kleinerem Blaßstabe, ausstoßen. Eine inerkwürdige Veränderung zeigte die Jupiter- oberfläche im Jahre 1870, welche nahezu beweis- kräftig für diese Anschauung sein dürfte. Die Ac uatorialzone, welche für gewöhnlich mit bräunlichen oder röthlichen, peränderlichen Streifen, offenbar großen Wolkenzügen, bedeckt ist, nahm eine rothgelbe Färbung an und tauchte oberhalb dieser rothgelben Streifen, also dem Pole näher, ein großer, scharf begrenzter, ovaler, intensiv rother Fleck auf, ivelcher während mehrerer Jahre seine Gestalt und Größe fast garnicht änderte, danu aber langsam verblaßte und endlich im Jahre 1883 nahezu wieder verschwand. Anscheinend erblicken wir also die eigentliche Oberfläche des Jupiter garnicht, sondern dieser ist von dichten Wolkenzügen, gigantischen Wasserdampf- Massen, welche sich später als Ozeane niederschlagen werden, umhüllt und es durchbricht die innere Gluth des Weltkörpers von Zeit zu Zeit die erstarrende Rinde, alsdann die Wolkenzüge von unten grell roth beleuchtend. Ter Jupiter befindet sich also anscheinend in einem Entwickelungsstadium, welches etiva die Mitte hält zwischen dem augenblicklichen Stadium der Sonne und dem unserer Erde. Fast genau dasselbe, was vom Jupiter zu sagen, gilt nun auch von der nächsten Riesemvelt, dem Saturn, denn auch von diesem sehen wir nicht die feste, wahrscheinlich kaum erkaltete Oberfläche, sondern lediglich eine dichte Dunsthülle mit Wolkenzügen, ähnlich denen des Jupiter; auch die Rotation dieser Welt(10 Stunden 23 Minuten 17 Sekunden) gleicht fast genau der des Jupiter. Wege» der noch größcren Entfernung(1418 Millionen Kilometer) erscheint vom Saturn aus der Durchmesser der Sonne nur noch etwa halb so groß als vom Jupiter und leuchtet die Sonne dem Saturn mit 01 mal schwächerem Lichte als der Erde; seine Um- laufszeit um die Sonne beträgt etwa 20 1 2 Erdenjahre. Etwas kleiner als der Durchmesser des Jupiter ist derjenige des Saturn, denn er beträgt nur 110 080 Kilometer(15 507 Meilen), da aber die Dichtigkeit des Saturn noch geringer als die des Jupiter ist und nur 3/i des Wassers beträgt, so folgt daraus, daß der Saturn einen relativ weiter ausgedehnten Dunstkreis und Wolkeumantel besitzt als der Jupiter. Acht Blonde umkreisen den Ball, der innerste in einer Ferne vom Saturnmittelpunkt von 170 800 Kilometern(za. 24 000 Meilen vom Zentrum, dagegen nur 18 300 Meilen von der Saturnoberfläche), der äußerste in einer Weite von 3 455 700 Kilo- meiern781 erfolgte Entdeckung eines bis dahin unbekannten Planeten, des Uranus. In einer Entfernung von 2851 Millionen Kilo- meiern(za. 306',2 Millionen Meilen), so fern der Sonne, daß diese nur noch als Scheibe kaum dreimal so groß als der Erde die Venus zur Zeit ihres größten Glanzes erscheint, in einer solchen Ferne, daß auch kein Schimmer mehr das Vorhandensein unserer Erde verrathen würde und von den Planeten nur noch Jupiter und Saturn das Firmament des Uranus schmücken, wandelt diese Welt mit vier Blonden ihre einsame Bahn, zu deren Vollendung etwa 84 unserer Erdenjahre erforderlich sind. An Größe steht der Uranus erheblich hinter seinen Nachbarn Jupiter und Saturn zurück, aber immerhin mißt sein Durchmesser noch über 7000 Meilen (6»000 Kilometer), übertrifft also die Erde hin- sichtlich ihres Durchmessers noch etwa viermal. Da sein Körperinhalt unsere Erde 82 mal, sein Gewicht dagegen nur 14 mal das Erdgewicht über- trifft, so erscheint nahezu als gewiß, daß auch der Uranus gleich dem Jupiter und Saturn eine außer- ordentlich weit ausgedehnte Atmosphäre besitzt. Ueber seine physikalischen Verhältnisse weiß man mit Bestimmtheit so gut wie garnichts. Sein hohes Alter, unter Berücksichtigung seiner mittleren Größe, läßt jedoch öcrmuthen, daß er hinsichtlich seiner EntWickelung Jupiter und Saturn überholt hat und seine Oberfläche einer Lebewclt günstige Bedingungen bietet. 336 Die Aeue A)elt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Die Dauer seiner Nvtaiioii hat bis jeht noch nicht ermittelt werden können, dagegen sind vier Monde< früher glaubte man acht) mit Sicherheit nachgewiesen. Räthselhaft erscheint die von allem Bekannten abweichende Bewegung dieser Monde um den Zentralkörper, denn während sämmtliche anderen Planeten und Ncbenplaneten nahezu in der Ebene des Sonnen- äquators von Westen nach Osten sich bewegen, unikreisen die Uranusmonde senkrecht zur Uranus- bahn den Zentralkörper, also in der Weise, daß, von der Sonne aus gesehen, die Monde fortwährend die Dichtung gegen die Sonne ändern, also bald, von der Sonne aus gesehen, den Uranus umkreisen, wie die Ringe einer Scheibe das Zentrum, nach Znriicklegimg von einem Viertel der Uranusbahn aber vertikal zur Sonne stehen, also scheinbar nicht kreise», sondern nur steigen und dann wieder sinken. Da nun aber selbstverständlich ist, daß die Urannsmvnde annähernd in der Ebene des Uranus- äquators sich bewegen, so folgern daraus ganz eigenartige Verhältnisse hinsichtlich der Besonnung der Uranusoberfläche. Jeder Pol des Planeten wird die Sonne zeit- weise im Zenith und wird dann die diesem entgegen- gesetzte Welthälfte lange dauernde Nacht haben. Darauf lvird die Sonne langsam am Himmel von einem Pole zum anderen(in 42 Jahren) scheinbar sich bewegen, um nachher iiber den Pol und die andere Himmelshalbkngel hinweg zum ersten Pole zurückzuivandern. Welcher Kontrast der Jahreszeiten muß sich hieraus ergeben, wenn auch die Sonne schon sehr entfernt ist. Die Ursache dieser abnormen Bewegung ist bis jetzt völlig unbekannt. Anzunehmen ist jedoch, daß sie nicht von Ansang an so war, sondern auf spätere gewaltthätige Ein- griffe von außen zurückzuführen ist, und daß sie möglichenfalls ein Seitenstück zn der Entstehung der Planetoiden darstellt. Sicher ist kein Wellkörper vor derartigen Kata- strophen, wie in nächster Abhandlung dargethan werden wird, mag auch die Wahrscheinlichkeitsrechnung einen derartigen Fall noch so sehr als Ausnähme erscheinen lassen. Die Entdeckung des Uranus war nun die direkte Ursache der Auffindung des bis jetzt bekannten fernsten Planeten Neptun. Die Bewegung des Uranus zeigte nämlich nach längerer Beobachtung Unterschiede zwischen der theoretisch geforderten und der thatsächlich beobachteten, welche nur durch Störungen seitens einer noch un- bekannten Welt erklärlich waren. Es ist als bekannt vorauszusetzen, daß ein Fran- zose, Leverrier, im Jahre 184.? die Riesenarbeit der Berechnung der Größe, Entfernung und Stellung des noch nie gesehenen Wellballes, unter Zugrunde- legung der Störungen des Uranuslanfcs, unternahm und seine Resultate am 81. August 1846 der Pariser Akademie vorlegte. ' Auf Grund dieser Berechnungen ward darauf bereits am 23. September der neue Planet von Galle entdeckt, und zwar nur l" entfernt von dem Orte, an dem Leverrier ihn erwartete. Ein junger englischer Astronom, Adams, hatte dieselbe Berechnung schon im Jahre 1843 begonnen und bereits im September 184? vollendet, aber unglückliche Zufälligkeiten verzögerten die thatsächliche Verfolgung seiner Ideen und so kam ihm Leverrier zuvor. lieber den Neptun weiß man bis jetzt noch weniger als über den Uranus. In einer Sonnenferne von 447(1 Millionen Kilometern(za. 60(1 Millionen Meilen) umkreist der Neptun in 164 Jahren 266 Tagen den Sonnenball, wahrscheinlich begleitet von einer Schaar von Monden, von denen bis jetzt allerdings erst einer mit Sicherheit nachgewiesen ist, ivennglcich mchrsa.h auch noch andere gesehen sein sollen. Auch die von verschiedenen Seiten vermnthete und behauptete E istenz eines Ringes, ähnlich dem Ringe des Saturn, ist bis jetzt nicht dargethan worden. Sein Durchmesser, 54 979 Kilometer, ist etwas geringer als der des llranus, aber da seine Dichtig- keit größer, also wahrscheinlich seine Atmosphäre von geringerer Ansdehnnng ist als die des Uranus, so übertrifft er die Masse der Erde etwa I7uial. Flecken und ähnliche Einzelheiten sind bis jetzt noch nicht aus seiner Oberfläche gesehen worden. aber einige Wahrnehmungen stellen in Aussicht, daß er noch früher als der Uranus Details enthüllen lvird. Die Bewegung seines Mondes gleicht der der übrigen Nebcnplaneten mit Ausnahme des Uranus, unterscheidet sich also von der Abnormität des Uranus. Das hohe Alter des Neptun, in Verbindung mit seiner mittleren Größe, lassen die Cv istenz einer Lebc- welt nicht als unwahrscheinlich erscheinen, da, obgleich das Sonnenlicht nur hn o»» des der Erde gespendeten beträgt, vermuthlich ein dichter Wolkenmantel seine Oberfläche gegen die Kälte des eisigen Weltraumes schützt. Allerdings nicht eine farbenglänzende, sondern eine düstere Landschaft würde sich einem Beobachter in dieser Ferne zeigen, deren Mittag kaum unserer tiefsten Erddämmernng gliche. Ob nun noch über den Neptun hinaus unser Sonnenshstem in das Dunkel des Alls taucht, wer kann es wissen! Vielleicht zeigt uns der Neptun noch einmal Störungen, welche Nachfolger Levcrriers und Adams zu der noch ungleich schwierigere» Berechnung Der Lage und Verhältnisse noch unbekannter Außcnposten unseres Sonneureiches begeistern mögen. Bis dahin aber bildet die düstere Ncptiniswelt den Grenzstein gegen die Reiche anderer Sonnen. Ds önii lapirrPiOrß örr Zeit. Aschenbrödel.(Zu unserein Bilde.) Wer kennt nicht das liebliche, altdeutsche Märchen vom Aschenbrödel, dem armen, verachteten Kinde, mit seiner bösen Stiesmutter und seinen zwei hochmüthigen Stiefschwestern? In jedem Schullesebuch, in jedem Märchenbuch für Kinder nimmt es eine der ersten Stellen ein und mau muff gestehe», das; kaum ein anderes Märchen dieses an Innigkeit, Schlichtheit und poetischer Wahrheit übertrifft. Zugleich aber ist die Legende vvm Aschenbrödel ein tiefsinniges Symbol des sozialen Lebens, wenn auch der alte Dichter, der es geschaffen hat, gerade nicht an diese Auslegung seiner Schöpfung gedacht haben mochte. Das arme verachtete Stiefkind der Natur ist es, das unter dem Drucke der bösen Schicksalsnintter und der glücklichere» Schwestern leiden und alle Frohnarbeiten des Hauses verrichten inuß. Und doch ist gerade das verachtete Aschenbrödel die Schönste von den Schwestern, und es wird die Zeit kommen, wo es trop Tücke, Betrug und List sein Glück, das Glück des Lebens finden wird. Der Künstler, der uns heute die reizende Gestalt des armen Mädchens vorführt, hat sich eine der intimsten Situationen des Märchens ausgewählt: wie Aschenbrödel ans Befehl der boshaften Mutter die durcheinander- geworfenen Linsen, Bohnen und Erbsen auslesen soll. Und da komme» die Vögel von allen Seiten herbei und inachen durch ihre flinkere Arbeit die widerwärtige Ge- hüssigkeit des alten Weibes zu Schanden. Das altcnglische Theater. Zu den schwierigsten und zudem nicht immer dankbarsten Ausgaben des mo- dcruen Regisseurs gehört die Jnszeuirung der Shakespeare- scheu Bühnendranien. Ter überaus schnelle und häufige Szenenivechsel— im erste» Akt des Hamlet ändert sich die Szene fünsinal, im dritten des König Lear gar sieben- mal—, die rasche Aufeinanderfolge der verschiedenartigsten Austritte und Stiiumnugsbilder stellen die höchsten An- sordernugeu an Gewandtheit und Bühiienkeniitniß des Regisseurs: selbst die geschickteste» Bühnene iirichtnngen der Shakcspeareschen Dramen, die namentlich sllr ver- schicdene Austritte die gleiche Szenerie beizubehalten streben, ohne die feinen dramatischen Fäden zu zerreisten, lassen ihm Mühe und Arbeit genug zurück. Um die scheinbare Verworrenheit und Zerrissenheit im szenischen Aufbau der Shakespeareschen Dramen zu verstehen, müssen wir vor Allem die Bühnenverhältnisse im alten England berücksichtigen. Die Mittel zur Erzeugung der szenischen Illusion waren im alten englischen Theater so primitiv und anspruchslos, daß der große Brite den Eiugebungeu seines Genius freien Lauf lasse» durfte, ohne durch irgend welche änficre Rücksichten gehemmt zu sein. Das Globe- theater, in dem die Truppe des Lord Chamberlain spielte, zn der Shakespeare selbst gehörte, war ein einfacher Holz- bau in Form eines Sechsecks oder Achtecks. Zwischen der Bühne und dem Zuschauerraum, der fast nur Steh- Plätze enthielt, bestand eine engere Verbindung, als bei den modernen Theatern. Der Vorhang, der von beiden Seiten aus- und zugezogen wurde, trat nur bei dem Anfang und Schluß der Stücke in Thütigkeit: die Pausen zwischen den einzelnen Akten wurden bei offener Szene gehalten und durch kurze Musikstücke ausgefüllt. Sänimt- liche Vühneneinrichtungen wiesen die größtmögliche Ein- fachheit auf. Die Bühne war ein geschlossener, von Logen für die vornehmeren Zuschauer umgebener Bau; Koulissen und größere Versetzstücke kannte man nicht. Mitten im Hintergrunde befand sich eine zweite, kleinere Bühne mit einem besonderen Vorhang; über dieser Bühne befand sich wieder eine mit einem Balkon versehene Loge. Diese einfache Einrichtung ermöglichte bei gewissen, sich auf einen kleinen Raum konzentrirenden Bühnenvorgängen den schnellsten Wechsel der Szenerie. Zur Erzeugung einer szenischen Illusion bei den Zuschauern geschah fast nichts: sollte die Szene eine bestimmte Lokalität, wie einen Saal, ein Schlachtfeld, einen Wald, ein Grabgewölbe darstellen, so deutete man dies durch eine herabhängende Tafel mit einer Aufschrist an. Ebenso tvnrde ans einer Tafel der Raine des Landes und der Stadt, wo die Szene spielte, vermerkt. In der Ausstattung der Kostüme herrschte ein größerer Luxus, als in dem der szenischen Bilder. An- sorderungen an eine, wenn auch nur bescheidene historische Treue wurden nicht gestellt, doch unterschied man die Darsteller von Königen, Rittern und anderen vornehmen Personen durch reichere Kleidung und größere Waffen- Pracht. Frauen wirkten bei den Aussührnngen nicht mit; sämmtliche iveibliche Bühnengestalteu wurden durch junge Männer oder Knaben verkörpert. So war die Bühne beschaffen, von der herab die geivaltigen Osfcnbaruugen des größten Dramatikers der Neuzeit die Zuschauer entzückten und erschütterten. Unter Bühnenverhältnissen, unter denen sich heute der Direktor der ärmlichsten Schiniere zu spielen weigern würde, schrieb der geniale Dichter jene Wunderiverke, z» deren vollen- deter Darstellung uns heute mit Recht keine Mühe und kein Opfer zu groß erscheint. n. Der witzige polnische Dichter Ncj(1507— 1569) fand seinen Meister an einem Bauern, den er irgendwo auf einer seiner Reisen in einem Dorfe antraf. Mit ihm führte Rej folgendes Gespräch: „Wer ist Stammhalter in diesem Gut?" „Die Stiitzpfähle der jungen Bänmcheu." „Wer ist hier Herr?" „Der, der das meiste Geld hat." „Wer ist hier Dorfältester?" „Eine hnndertjährige alte Fran." „Wer steht hier ani höchsten?" „Die Linde an der Kirche dort obeui" „Ist der Mittag noch fern?" „Ich weiß nicht, denn ich bin nie hingegangen." „Mein Sohn, Du wirst etivas aufs Maul bekommen." „Ich nehme nichts ins Maul, denn ich bin kein Hund; gebt mirs in die Hand wie einem Menschen." Gedankensplitter. „Das ist Einer von uns, dies ist ein Fremder," so sprechen Niedere See en; die Welt ist nur ein einziges Hans, Wer die Sache des Menschengeschlechts als seine betrachtet, Nimmt au der Götter Geschick, nimmt am Verhängnissetheil. Edler Menschen Sinn ist im Glückslotto weich. Aber wird beim Ungemach hart und stark, Felsen gleich. Bhatrihart, allindischer Dichter. Wir Ivollen von Andere» erben, Niemand will für Andere sterben. Klassisch ist alles Dasjenige, wovon sich mit Sicher- heit behaupte» läßt, daß es irgend einmal einem alten Echnlllicisier gefallen hat. Hofsmann von Fallersleben. Nachdruck des Inhalts verboten! Alle für die üiedaktion bestimmten Sendungen wolle mau an Edgar Steiger, Leipzig, Elisenstr. 90, richtdu. BerantworUicher viedatleur: Wuslav Macasv in Leipzig.— Verlag: Hamburger Buchdrucleret und Verlagsanstall Auer ist Co. in Hamburg.— Druck: Mar Babing in Berlin.