Nr. 28 c H tili er h a(( xnT0£;b er(«0 c. 1898 Oorlfctjung.) Der Vüttnerbsuer. 4� Roman von Wilhelm von Polenz. nd wo stammten die Meisten von ihnen her? Von bäuerlichen Vorfahren. Das Land war ihre Wiege gewesen. Die Männer, die im Slnfange des Jahrhunderts dem deutschen Bauern die Freiheit schenkten, hatten wohl nicht gedacht, daß die Enkel des seßhaftesten Standes nach wenigen Generationen die Landstraße bevölkern wurden. Tie Gabe der Freizügigkeit war für Viele das gewesen, was ein starker Luftzug für einen schwächlichen Körper ist. Freiheit hatten diese Unglücklichen nur allzuviel; sie waren vogelfrei. Losgerissenen Blättern glichen sie, die verloren mnhcrgewirbelt werden. Trümmer- stücke der modernen Gesellschaft! Treibendes Holz auf den Wogen des Wirthschaftslebens! Entwurzelt, ausgerodet aus dem Heiinatl,--boden, und nun mi- fähig, irgendwo neue Wurzeln zu treiben. Nicht Alle waren verdorbene Landleute. Jeder Stand hatte seinen Tribut an die Landstraße ge- zahlt. Brotlose Fabrikarbeiter, heruntergekommene Kauflente, stellenlose Beamte, entlassene Sträflinge, Bettler von Profession, Arbeitsscheue, Invaliden, fahrende Künstler.— Die Wenigsten waren zünftige Handwerksburschen, wie sie in früherer Zeit durch das Land reisten von Meister zu Meister, um ein Stück Welt zu sehen und ihre Fertigkeit zu ver- mehren. Nicht die Arbeitslust, die Roth hatte diese hier auf die Straße getrieben. Allen war das Eine gemeinsam: Die Heimath- losigkeit. Von der Scholle waren sie getrennt, deren mütterlich nährende Kraft nichts ersetzen kann. Das waren die wirklich Enterbten, denn sie hatten nicht, worauf Jeder von Gebnrtswegen Anspruch hat: ein Stück Erde, worauf er seine Füße ausruhen, auf dem er leben und sterben darf.— In den Pennen hatte Gustav Reden mit an- gehört und Dinge gesehen, die ihn: die Haut er- schaudern machten, obgleich er vom Dorfe und der Kaserne her doch nicht gerade verwöhnt war. Unter Diesen hier galt kein Gesetz, als das der Gaunerei, keine Ehre, außer der Vagabnndenpfiffig- keit, Genuß und Vortheil waren die einzigen Autori- täten, die anerkannt wurden, Rechtlichkeit und Fröm- migkeit wurden verlacht. Wie konnte Der auch rechtlich sein, der nichts zu geivinnen und nichts zu verlieren hatte, wie konnte fromm und gut sein, der dem Thiere gleich ohne Gerechtigkeit, ohne Achtung, ohne Liebe war. Die Begriffe von Gut und Böse, von Eigenthum, Recht und Ordnung mußten sich ver- schieben und in ihr Gegentheil verkehren für Existenzen, die in der Luft schwebten, die den Zusammenhang mit ihresgleichen, den Boden unter den Füßen, den Untergrund aller Gesellschaft, verloren hatten. In Gnstav's Gemüth hatten die Erlebnisse der letzten Zeit einen unklaren Bodensatz zurückgelassen. Es ging doch ganz anders zu in der Welt, als er sich's früher vorgestellt hatte, ganz anders, als es ihm seine Lehrer und Jnstruktoren gesagt. Viel Ungerechtigkeit gab es, von der man sich nichts hatte träumen lassen. Die Güter waren sehr ungleich vertheilt unter den Atenschen. Wenn sie auf ihrer Wanderung an prächttgcn Rittergütern, stattlichen Kirchen, prunkhaften Fa- brikantenvillen vorüber kamen, da hatte Häschke wohl mit der Faust hinüber gedroht nach jenen stolzen Gebäuden, einen Fluch hervorgestoßen und aus- gespuckt. Gustav hatte ihm darin nicht nachgeahmt. So schnell wollte er nicht den Glauben an jene Autori- täten aufgeben, die sein ganzes bisheriges Leben beherrscht hatten. Aber der Kinderglanbe an die weise Eintheilimg und gerechte Ordnung aller Dinge hatte einen Stoß erlitten. In sein Blut war ein Stoff getragen worden, der, wenn einmal auf- genommen, nicht mehr zu ttlgen ist. Die neuen Ideen hatten noch keine feste Gestalt angenommen bei ihm; er fürchtete sich vor dieser Weltanschauung. Aber er konnte es nicht verhindern, daß sich ihm die Dinge in die Augen drängten, und daß er sich selbst neuerdings auf Gedanken ertappte, die ihm noch vor Kurzem verbrecherisch erschienen wären. Gustav und Häschke fuhren in die Stadt ein. Schon lange hatte man an den vereinzelten Hänsern mitten im Felde, den Bauplätzen und halbfertigen Straßenreihen, de» Feuermanern, Essen und Etablisse- ments aller Art die Stadt gemerkt. Aus dem Kohlen- dunst, der einer düsteren Wolke gleich am Horizonte stand, konnte man schließen, daß es ein industrielles Zentrum sei. Sobald man in den mächtigen Bahn- Hof mit seiner glasbedachten Halle eingefahren war, übernahm Häschke die Führung; er war auf diesem Pflaster wohlbekannt. Das Erste, was er that, war, sich an einer Straßenecke eine Zeitung mit Wohnungsanzeiger zu kaufen; darin hatte er bald gefunden, was er suchte: „Schlafstellen für Handwerksbnrschen und Zugereiste noch zu haben bei Müller auf der Feldstraße". Häschke kannte die Feldstraße nicht. Aber es war erstaunlich, wie er sich durch die große Stadt zum Ziele fand. Ein, z>veimal wurde gefragt— nicht der Polizist,„denn der wird Dir blos grob, wenn Du keinen guten Rock an hast!"— erläuterte Häschkekarl. Bei Müller auf der Feldstraße mußten sie vier Treppen steigen. Der Mann>var in der Fabrik, die Frau zeigte die Schlafstellen. In einer Dachkamnier, deren Decke schräg abfiel, standen fünf Betten, so eng nebeneinander, daß die hinteren Schlafburschen über die Betten der vorderen steigen mußten. Zwei Betten waren besetzt,„an junge Leute, die auch Arbeit suchen," wie die Frau mit einem Blicke auf die Berliner der Beiden sagte; sie hatte die Fremden mit Kennerblick sofort richtig ein- geschätzt. Man niußte, um zu der Dachkammer zu ge- langen, durch das Familienzimmer der Vermiether gehen. Zwei nicht gerade saubere Kinder krochen auf der Diele umher, ein anderes lag im Schlaf- korb. Die Frau sah leidend aus und abgehärmt. Häschke fragte nach dem Preis des Bettes.„Zwei Mark die Woche!" lautete die zaghafte Antwort. Häschke meinte, das sei viel, handelte aber nicht. Den gutmüthigen Gesellen dauerte die Frau. Alan wurde handelseinig. Die Wanderburschen legten die„Berliner" ab und suchten sich fein zu machen; man war ja in der Stadt! Die Wirthin gab dazu ihr eigenes Waschbecken her; auch ein Stück Seife und ein Hand- tnch fand sich hierzu. Man war schnell in gutes Einvernehmen mit der Frau gekommen. Häschke hatte das Wohlgefallen der Mutter durch kleine Späßchcn niit den Kindern zu erobern verstanden. Die Beiden verspürten Hunger. Häschke ent- sann sich einer Kneipe, in der er früher, als er hier als Schlossergeselle gearbeitet, oft verkehrt hatte. Dort würde man auch allerhand erfahren, was in der Welt vorgehe. Alan befand sich im Fabrik- und Arbeiterviertel der Stadt. Auch jene Kneipe entsprach der Um- gebnng: nüchtern einfach, für die Verhältnisse des kleinen Mannes berechnet. Häschke rckognoszirte, ehe man eintrat, das Schild. Es war noch der alte Name; also würde wohl auch der alte Geist hier walten. Alan betrat das Lokal. Häschke gab sich als ein alter Kunde der Wirthschaft zu erkennen. Der Wirth schmunzelte verständnißvoll und erklärte, sich seiner noch ganz gut zu entsinnen. Während der bestellte Imbiß für die Beiden zu- bereitet wurde, setzte sich der Wirth zu ihnen an den Tisch. Er schien ein geistig reger, gut unter- richteter Mann zu sein. Häschke erfuhr von ihm im Laufe einer Viertelstunde Alles, was er wissen wollte. Die Lage des Arbeitsmarktes war zur Zeit eine gedrückte. Für Zugereiste gab es so gut wie gar keine Anstellnngsanssichten. Besonders in der Maschinen- brauche, nach der sich Häschke erkundigt hatte, gingen die Geschäfte ganz flau. Die Fabriken arbeiteten nur, um nicht schließen zu müssen. Die großen Die Aeue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. S13 Unternehmer wollten die Krisis benutzen, sich einer Anzahl Arbeiter zu entledigen nnd dann die Löhne der übrigen zu drücken. Dazu gab es eine Aienge Arbeitsloser, die sich von Tag zn Tag durch Zuzug aus den Kohlenrevieren vermehrten, wo seit einem Monat Streik herrschte. Große Demonstrationen der Arbeitslosen hatten bereits stattgefunden, fast jeden Abend gab es Volksversanimlungen, die Polizei hatte zu thun. Kurz, es ging allerhand Interessantes vor! Ter Wirth schmunzelte wiederholt bei seinem Berichte. Ihn erregten diese Dinge durchaus nicht; er fuhr unter allen Umständen gut. Je mehr Unzufriedene, desto stärker der Besuch seines Lokales.— Hier bekam Gustav zum ersten Male in seinem Leben Blätter in die Hand, welche er nur aus Ver- Warnungen der Vorgesetzten dem Namen nach kannte, die er nie anders als mit Abscheu und Entrüstung hatte nennen hören. In einem Kasten, unter Glas, lagen Parteischriften. Der Wirth war vertraulicher geworden, sobald er gemerkt, daß er in Haschke einen sicheren Ge- nassen vor sich habe. Gustav hörte mit Staunen der Unterhaltung zu. Noch nienials hatte er so freie Reden gehört. Die urtheilten über Personen, Behörden, Einrichtungen, die er für unantastbar gehalten hatte, mit einer Geringschätzung, daß ihm eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken lief. Er verstand nicht Alles, was sie sagten, denn sie brauchten Ausdrücke nnd Wendungen, die ihm nicht geläufig waren. Noch war ihm alles das neu und unheimlich, und doch zog es ihn an. Abends ging es in eine Volksversammlung. Gustav hatte noch nie einen so mächtigen Saal gesehen. Der war höchstens zu vergleichen mit der verdeckten Reitbahn in der Kaserne. Der Raum wurde er- leuchtet durch einzelne runde Lampen, die, in der Höhe schwebend, das Ganze niit mildem weißlichen Licht übergössen, so hell, daß man jedes einzelne Gesicht bis in die entfernteste Ecke des riesenhaften Raumes erkennen konnte. Tausende waren da ver- sammelt. Man saß an Tischen, hatte sein Glas Bier vor sich stehen. Viele, die keinen Platz zum Sitzen gefunden hatten, stauten sich unter den Galle- rien, die ebenfalls, bis zur dritten Empore, mit Menschen gefüllt waren. lind am unteren Ende des Saales auf einem erhöhten Platze, wie auf einer Bühne, saßen einige Männer, die Einberufer der Versammlung, neben ihnen ei» Polizist; die einzige Uniform in der großen schwarzen Menge. Gustav verstand nichts von den Vorgängen. Häschke erklärte ihm, daß sie„ein Comite bildeten".— Es schienen alles Männer aus dem Volke zu sei», ihrer Sprache nnd Kleidung nach zu urtheilen. Auch der Mann, der jetzt sich zum Worte meldete, war ein Arbeiter, ein„Entlassener und Arbeitsloser", wie er selbst sagte. Er sprach wohl eine Stunde lang. Die Tausende lauschten seinen Worten mit athem- loser Spannung; man konnte nicht andächtiger einer Predigt zuhören. Gustav ward es zu Muthe, als befände er sich in der Kirche. Da brach die Menge auf einmal in ein Ge- lächter aus, über eine Bemerkung des Redners; darauf Beifallsrufe ans Hunderten von Kehlen. Von da wurde der Vortrag häufig durch Zustim- mung unterbrochen. Hin und wieder hörte man auch ein Zischen, aber das wurde sogleich durch verstärktes Bravorufen, Trampeln und Händeklatschen übertäubt. Als der Redner endlich geschlossen hatte, brach ein solcher Lärm los, daß Gustav Schlimmes zu fürchten begann. Das Tosen legte sich im Nu, als der Vorsitzende sich erhob, zu ein paar Worten.„Jetzt hat er die Diskussion eröffnet," erklärte Häschke dem Neuling. Verschiedene aus der Versammlung traten auf das Podium. Wieder waren es nur ganz einfache Leute. Mancher unter ihnen sah ärmlich aus und herabgekommen. Die Meisten erklärten sich als „arbeitslos". Und wie sprachen diese Männer!— Gustav konnte es garnicht begreifen. Bettler und Stromer schienen es zu sein, wie er Manche» von seines Vaters Thür gewiesen hatte. Und nun mußte er mit Beschämung erkennen, wie ihm diese einfachen Männer überlegen waren. Wie wußten sie die Worte zn setzen, ihren Gedanken Ausdruck zn verleihen! Sie schilderten ihr Elend, berichteten von den Erfahrungen, die sie in der Fabrik, im Bergwerk, auf der Straße, gesammelt hatten. Von der Un- barmherzigkeit der Reichen sprachen sie nnd der Härte der Arbeitgeber. Tann schilderten sie den Jammer in ihren Familien. Und von diesem, düsteren Hinter- grmid hob sich um so leuchtender ab das Bild der Zukunft: ihre Forderungen, die kühnen Hoffnungen nnd Erwartungen dessen, was da kommen sollte, der Ausgleich, die Vergeltung, das Glück, das irdische Paradies, welches ihnen prophezeit worden war von ihren Lehrern, dessen Glanz sich in ihren glühenden Augen spiegelte. Die Worte dieser Männer griffen Gustav an's Herz. Er fühlte die Roth, die sie schilderten, als sei es seine eigene. Er war ganz auf ihrer Seite. Eine Ahnung ging ihm auf von dem, was sie beseelte. Es war die gemeinsame Sache. Ein Geist, eine Hoffnung, eine Idee sprach aus ihren Blicken, bc- herrschte ihre Mienen, Bewegungen und Zungen. Eine Idee erfüllte sie, stärkte ihren Much, ent- flammte ihre Begeisterung, ihr Hoffen, erhob sie über sich selbst, ließ jeden Einzelnen mehr erscheinen, als er war. Es lag etwas Ansteckendes in dem gleichen Fühlen so Vieler, als habe sich der Luft etwas mitgetheilt von dem Empfinden eines jeden Kopfes, das ver- einigt wieder zurückwirkte auf den Einzelnen. Auch Gustav verspürte diese geheimnißvolle Wirkung des Massengeistes auf sich. Es lebte Großes und Er- hebendes in dein Bewußtsein, sich eins zu wissen in Hoffen und Wollen mit Tausenden. Auch ihn erfaßte die Sehnsucht nach dem, was Jene erstrebten, das sich mit Worten kaum ausdrücken ließ, und das doch unausgesprochen aus jedem Auge hier leuchtete. Sie tappten unsicher umher, ihre Worte ividersprachen sich; sie wider- sprachen auch einander gegenseitig in ihren Reden, stammelnd suchten sie nach Ausdrücken, um das zu sagen, was in ihrem Herzen lebte, unklar und ver- ivorre», was in jedem dieser Köpfe eine andere Ge- stalt angenommen. Und doch war etwas Gemein- sames da, das in der Tiefe der Gemüther schlum- inerte: die Sehnsucht nach dem Glück. Elend waren sie und verkommen. Die Gegen- wart war für sie eine dunkle Höhle, weit abgelegen von aller Schönheit der Oberwelt. Ihre Augen waren starr auf jenes kleine ferne Loch in der Höhe gerichtet, durch welches Licht und Sonnenwärme zu ihnen drang; dort hinauf wollten sie.— Gustav übersah die Versammlung. So viel ernste Männerköpfe! Die Meisten bleich, sorgen- voll, schmerzgeprüft. Konnte man sich vorstellen, daß diesen nicht ihr Recht werden sollte?— Eines war ihm an diesem Abend klar geworden: schlecht waren diese Menschen nicht. Nicht Bosheit und Niedertracht beherrschte sie; sie trieb ein Streben, das auch ihn beseelte, wie jeden anderen Sterblichen: das Verlangen nach Besserung. Inzwischen hatte ein neuer Redner das Wort erhalten. Es war ein kleiner, kränklich aussehender Mann. Er sprach mit heiserer Stimme, die dort, wo Gustav saß, kaum zu vernehmen war. Er schien erregt und leidenschaftlich, mit ein und derselben, immer wiederholten hämmernden Handbewegung stieß er seine abgerissene, rauhe Rede hervor. Etwas von „Kapitalismus" und„Bonrgeoisregiernng" drang an Gustav's Ohr. An den hinteren Tischen wurde man unruhig. „Lauter!" rief Jemand dem Redner zn. Der Mann erhob die Stimme und sagte nunmehr deutlich ver- nehmbar:„Wie kann man von Behörden oder Regierung Abstellung unseres Nothstandes erwarten, wenn die auf's Engste verbunden sind mit der blut- saugerischen Unternehmerklique, ja, wenn die nur die Handlanger sind des Kapitalismus..." Während er diese Worte in die Versammlung rief, hatte sich der Polizeioffizier erhoben. Er setzte den Helm auf und erklärte die Versammlung für aufgelöst. Die meisten Anwesenden waren gleichzeitig von ihren Plätzen aufgesprungen. Das Rufen von tausend entrüsteten Männern ertönte wie ein einziger Schrei des Zornes. Ein Sturm, ein Tosen erhob sich, in dem die einzelne Stimme verschlnngen wurde >vie die kleinen Wellen von der zur Fluthwelle ans- gepeitschten Brandung. Gustav erbebte. Was würde jetzt werden! In den Gesichtern umher las er Jngrimni und trotzige Entschlossenheit. Was konnte der entfesselten Wuth dieser Tausende widerstehen? Ter Polizeioffizier stand unbeweglich vorn auf dcni Podium, er musterte das tobende Meer zn seinen Füßen scheinbar unerschrocken. Der Vorsitzende verschaffte sich durch Winke und Zeichen soviel Ruhe, daß seine Aufforderung, ruhig auseinander zu gehe», gehört ward. Zwar wurden Fäuste geschüttelt, manch' haß- erfüllter Blick traf den Vertreter des Gesetzes da oben, manch halbunterdrücktes giftiges Wort erklang; aber dabei blieb es. Allmälig, in größerer Ruhe und Ordnung als man es bei einer solchen Menschen- fülle für möglich gehalten hätte, setzte sich die Menge in Bewegung und räumte den Saal. Draußen auf der Straße freilich war erst zn erkennen, wie gut die Versammlung all die Zeil über bewacht gewesen war. Im Lichte der Gas- laternen blitzten Pickelhauben. Einzelne Berittene sprengten auf und ab und hielten den abströmenden Zug in steter Bewegung. Gustav hatte das Bewußtsein, etwas Großes erlebt zu haben. Eine Ahnung war ihm aufgegangen, daß es Kämpfe gab in der Welt, von denen er daheim, wenn er hinter den Pferden einhergeschritten war, sich nichts hatte träumen lassen. Ein Vor- hang war weggerissen worden vor seinen Augen, der ihm eine ganze Welt verborgen gehalten hatte. Die nächsten Tage brachten neue Erlebnisse. Er ging mit Häschke in die Arbeitsnachweis- bllreans und in die Fabriken. Da sah er in langen Reihen die Arbeitsuchenden stehen: Männer, die ihre Fertigkeiten, ihre Kräfte, anboten wie eine Waare. Er hörte die geschäftsmäßigen kalten Fragen der Bureauchefs, er sah die verzweifelten Mienen der Abgewiesenen, vernahm unterdrückte Seufzer und wilde Flüche. Dann wohnte er noch anderen Volksversamm- lungen bei. Er hörte die Rede eines berühmten Reichs- tagsabgeordneten der Arbeiterpartei. Durch Häschke lernte er einzelne Genossen kennen. Er bekam einen Begriff von dem Dasein einer weitverzweigten mäch- tigen Verbindung, einer Macht, die weit hinreichte in alle Verhältnisse. Und je mehr er sah, je mehr zog es ihn an, was er kennen lernte. Es war, als sei er an den Rand eines Strudels gerathen. Er fühlte, daß er da hinabgerissen werden sollte, widerstrebte und wurde doch in den verfänglichen Kreis hineingetrieben. Als Soldat hatte er mehr als vier Jahre in der Stadt zugebracht; aber wo hatte er seine Augen damals gehabt! Jetzt erst, schien es ihm, wisse er, wozu er überhaupt lebe. Bis dahin hatte er hin- gedäuimcrt ohne Sinn und Verstand. Er sah auf einmal die Welt mit ganz anderen Augen an. Hier allein in der großen Stadt ivar das Leben des Lebens Werth, wo jeder Augenblick neue Erlebnisse, neue Erfahrungen brachte. Aber dieses schöne Leben fand sein Ende. Eines Tages beim lieberzählen seiner Baarschaft entdeckte Gustav, daß er kaum noch so viel habe, um nach Hanse reisen zu können. Die letzten Tage hatten viel gekostet. Da war mancher Groschen für die arbeitslosen Genossen draufgegangen. Häschke hatte auch nichts mehr, aber er nahm Vorschuß und konnte so Gustav aushelfen. Eines Tages trennten sie sich.„Mach's gut, Schwager!" sagte Häschkekarl zum Abschiede.„Und wenn Dir's in Halbenan nicht gefallen ivill, dann denk' an Häschken. Ich wer' Dir'n Platz hier warmhalten." XXVIII. Auch nachdem er seinen schweren Rausch ans- geschlafen, verlangte Karl Büttner mit hartnäckigem Eigensinn von Therese, sie solle ihm sein Geld heraus- Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. 219 geben. Die Behandlung, die ihr von seiner Seite widerfahren, hatte die standhafte Frau so wenig cntlmithigt, das; sie sich»ach wie vor iveigerte, ihm zu sagen, wo sie das Geld versteckt halte. Unter der Hand erkundigte sich Therese nach ein paar Ziegen. Neuerdings hatte sie beschlossen, Ziegen von dem Gcldc zu kaufen. Jetzt noch Schweine auf- zustellen, war zu spat im Jahre, damit wollte sie bis zum nächsten Frühjahr warten. Karl war wie umgewandelt. Ein neuer Zug schien in sein Wesen gekommen zu sein, der ihm früher gänzlich fremd gewesen: Tücke. Man hielt ihm sein Geld vor— gut! Seine Antwort darauf war, daß er sich auf die faule Haut legte. Ein Freund von angestrengtem Arbeiten war er niemals gewesen, aber jetzt stellte er sich an wie ein stätischer Gaul. Bis in den Vormittag hinein wälzte er sich im Bette, dann verlangte er zu essen. Wenn das Gewünschte nicht gleich kam oder nicht nach seinem Sinne>var, fluchte und schimpfte er. Therese war nur noch seine Magd. Früher, wo Karl die Gntmiithigkeit in Person gewesen, hatte Therese ihn oft geplagt mit ihrer Streitsucht; immer hatte sie den Rnhscligen unter ihren energischen Willen zu ducken verstanden. Jetzt wendete sich das Blättchen. Jetzt wollte er ihr zeigen, daß es auch umgekehrt gehe; er hatte Wohlgefallen am Schlechtsein gefunden. In Karl hatte all' die Zeit über etwas ge� schlummert wie die versteckte Wildheit des Stieres, die nur ausbricht, wenn die Gelegenheit sie hervor- lockt. In diesem Banernsohne lag eine Summe von thierischer Kraft angesammelt, wie sie seine Vor- fahre» im harten Ringen mit der Natur wohl ge- braucht; aber ihm waren alle jene edleren und feineren Gaben versagt geblieben, die den Landmann zu einem guten Wirth und Hausvater, zu einem Pfleger und damit in höherem Sinne zu einem lleberwinder der Natur machen. So lange er in guter Obhut gewesen, unter der strengen Fuchtel des alten Bauern, auf dem väterlichen Gute wie ein � Knecht gehalten, waren die wilden Seiten seines Wesens nicht hervorgebrochen, aber jetzt, wo er, los- gerissen von der Heimath, den Boden unter den .Füßen verloren hatte, in Verhältnisse geworfen war, denen er mit seiner gering entwickelten Intelligenz nicht gewachsen, fiel er mit Nothwendigkeit in jene angeborene Rohheit zurück. Geschlagen hatte er seine Frau noch nicht wieder seit dem Zweikampfe an jenem Morgen. Er hatte sich, als er die Folgen seiner That gewahr geworden, doch vor sich selbst entsetzt. Tann kamen wieder Augenblicke, wo sie ihn durch ihre spitzen Redens- arten, denen seine plumpe Zunge nicht gewachsen war, zum Grimm reizte. Da juckte es ihm in den Fingern, loszuschlagen. Aber das Bewußtsein, daß er neulich haarscharf daran vorbeigegangen war, zum Gattenmörder zu werden, hielt ihn innner wieder zurück. Es ging wenig erquicklich zu in dem Haushalte der Beiden; zum häuslichen Unfrieden kam auch»och Krankheit. Die Kinder legten sich der Reihe nach. Dao Achtmonatskind, welches Therese von Toni zur Pflege überkommen hatte, siechte von dem Augen- blicke an, wo die Mutter es verlassen hatte. Therese sagte wie oft:„Wenn ack der Racker blußig starben wallte, daß Ruhe Wirde!"— Aber ihre Thateu waren besser als ihre Worte. Bkanchmal trug sie das elende Würmchen eine halbe Nacht lang im Zimmer umher und suchte es in Schlaf zu wiegen. Karl sing jetzt an, des Abends regelmäßig aus- zugehen. Es hatte sich herumgeredet, daß Biittner- karl im Besitze einer größeren Summe Geldes sei. Wie immer, hatte das Gerücht vergrößert. Karl fand daher in den Schenken Kredit. Therese war außer sich. Sic lief bei den Leuten umher und verbreitete, Karl besitze von dem Geldc keinen Pfennig mehr. Aber der Eifer, mit dem sie das erzählte, machte ihre Behauptung unglaubwürdig. Ihr Mann bekam nach wie vor Schnaps geschänkt, so viel er nur wollte. cs°ris-vung folgt.) a fjS O, diese Dienstboten! Von Gurt Grottewitz. arie war direkt vom Lande nach Berlin gekommen. Es war ihre erste Stelle. Die Herrschaft, bei der sie diente, bestand aus einem Manne in den vierziger Jahren und einer jungen Frau. Er hatte sich vom einfachen An- gestellten zum Besitzer einer Aluminiumfabrik empor- gearbeitet, und sie, die Tochter eines Schlossers, hatte sich ihn zu angeln gewußt, wie nian zu sagen pflegt. Die junge Frau war mit den besten Vor- sätzen in die Ehe getreten. In den ersten Monaten führte sie eine einfache aber äußerst sorgsame und behagliche Wirthschaft. Sie kochte vorzüglich, versah alle häuslichen Arbeiten, allein, ohne Dienstmädchen, und kleidete sich mit anmuthiger Einfachheit, so daß ihr Mann ganz entzückt war über die Billigkeit und Behaglichkeit der Ehe, und nicht begreifen konnte, warum er sich so lange Zeit gegen diese Institution gewehrt habe. Das Behagen währte jedoch nicht lange. Nachdem' die junge Frau einmal festen Fuß gefaßt hatte, wurde sie nachlässiger. Sie gewöhnte sich bald daran, früh ebenso lange zu schlafen wie ihr Mann, die Zimmer erst später und unregelmäßig aufzuräumen und die kleinen Geschenke, die er ihr mitbrachte, als selbstverständlich hinzunehmen und noch größere zu verlangen. In kurzer Zeit ent- wickelte sich die junge Frau zu einer bequemen, der- gniignngssüchtigen, anspruchsvollen Dame. Bereits drei Monate nach der Hochzeit war sie zu der Einsicht gekommen, daß es zwar schön ist, zu arbeiten, schöner aber, für sich arbeiten zu lassen. So micthete sie ein Dienstmädchen. Sie behandelte es anfangs init einer gewissen Rücksicht, arbeitete mit ihm zusammen, war freundlich zu ihm und ließ überhaupt den Unterschied zwischen Herrschaft und Dienstboten wenig hervortreten. Nach und nach freilich fand sie es erquickender und angenehmer, Arbeit für Arbeit auf die Schultern des Miidchens abzuwälzen, das am Ende dafür geboren und be- zahlt war, einem das Leben zu verschönern. So that sie nach Verlauf von einem halben Jahre nichts mehr, was das Mädchen nur einigermaßen ihr ab- nehmen konnte, lleberhaupt war sie jetzt weniger zu Hause, sie hatte daran Geschmack gefunden, Abend für Abend mit ihrem Manne auszugehen und Alles mitzumachen: Spezialitätenthcater zu besuchen, im Cafe zu sitzen, spät nach Mitternacht nach Hause zu gehen und andere Vergnügungen, die die Großstadt bietet. Großstädtische Genüsse aber wollen erarbeitet sein, und so stärkte sie sich für die nächtlichen An- strengungen dadurch, daß sie bis Mittag schlief, kurz bevor ihr Man» ans dem Comptoir nach Hanse kam. Den Nachmittag aber hatte sie alle Hände voll zu thun, um sich bis zum Abend vortheilhaft zu frisircn, schön zu kleiden und darüber nachzudenken, wohin man gehen solle. Dem Dienstmädchen sagte diese neue Geschmacks- richtung der Frau weniger zu, besonders da auch im Essen UnPünktlichkeit herrschte und sie mitten in der Nacht hcrauSgcpocht wurde, um der Herrschaft beim Zubcttegehcn behülflich zu sein. Sie kündigte also. Die Kündigung hatte nun den Vorthcil, daß man sich von vornherein mit dem neuen Mädchen auseinander setzen und sie gleich von Anfang an so behandeln konnte, daß sie sich nicht muckste. Die Vorherige hatte zu ihr Frau Knicke gesagt, die Nene wurde an garnichts Anderes gewöhnt als an die „gnädige Frau". Es ist aber ohne Weiteres klar und braucht nicht bewiesen zu werden, daß eine gnädige Frau mehr Respekt und Unterthänigkeit verlangen kann als eine Frau Kulcke. Das neue Mädchen gewöhnte sich denn auch daran, heute ihren Vesperkaffee um drei Uhr, morgen um sechs und übermorgen garnicht zu bekommen. Sie gewöhnte sich auch daran, eventuell früh vier Uhr erst zu Bett zu gehen, wenn Besuch da war, und neuerdings war mindestens zweimal die Woche Besuch im Hause. Sie gewöhnte sich aber auch daran, dann ebenso wie die gnädige Frau bis Mittag zu schlafen. Kurzum, das neue Mädchen zeigte sich äußerst anpassnngs- fähig, sie arbeitete ebenfalls nur von AUttag bis zum Abend, wo die Herrschaft ausging, der übrige Tag gehörte ihr. Frau Kulcke, die noch von früher wußte, wie eine aufgeräumte Wohnung aussieht, entdeckte gelegentlich die Kehrichtlvinkel in den Ecken des Korridors, die Spinnweben über dem Büffet und den Staublappen auf einem Fantenil, auf den sich eben ein Gast setzen wollte. Mit diesem Mädchen ging es also nicht mehr. Frau Kulcke ließ sich das wenig anfechten. In dem angenehmen Bewußtsein, daß in unserer Zeit für Alles trefflich gesorgt ist, ging sie in das nächste Miethsburecnl und holte sich eine Andere. Da es auf ein paar Mark Lohn mehr den Alonat ihr nicht ankam— ihr Mann mußte es ja doch bezahlen— so bekam sie leicht ein anderes Mädchen, dem daran gelegen war, die gut bezahlte Stelle sich zn erhalten und das deshalb sich bc- strebte, die Zufriedenheit der Herrschaft zn erlangen. Das neue Mädchen gewöhnte sich an dieselben Tilgenden wie das vorhergehende, an das nnregel- mäßige Essen und Schlafen, ohne aber in die Fehler der Anpassungsfähigkeit zn verfallen. Sie hatte sogar einiges Talent zum Kochen und nahm der gnädigen Frau auch darin manche unangenehme Arbeit ab. lleberhaupt aber war sie geschickt darin, das Kochen im eigenen Hanse abznkiirzen und dafür neue Quellen ausfindig zu machen, wo man bereits fertige Waare kaufen konnte. Früher hatte die Zubereitung frischer Gemüse viel Zeit gekostet, jetzt wurde Alles nur in konservirtem, beinahe eßfcrtigem Zustande gekauft, Gerichte, die lange kochen mußten, gab es nicht mehr, und mau speiste von da an nur noch nach der englischen Küche. Es schmeckt ihr zwar nicht und ihrem Manne auch nicht; aber dieser hatte nun bereits eingesehen, daß man heutzutage von einer Frau nicht mehr verlangen kann, daß sie etwas verstehe, und war froh, wenn sie guter Laune blieb und ihn nicht nnnöthiger Weise an ihre Jugend und sein Alter erinnerte. Ileberdies speiste man Abends im Nestau- rant und konnte sich da entschädigen. Sie legte neuerdings aber auf Mittag- und Abendessen über- Haupt wenig Werth, da sie einen großen Theil der Zeit zwischen Mittag und Abend dazu bestimmt hatte, Chokolade, Pralines, Punschtorte und andere Lecke- reien zn essen. Das neue Mädchen war groß darin, immer neue, angenehme Dinge zn besorgen. Es fiel dabei für dieses allerhand ab, die Gnädige aß von Pralines nur die Füllung, das Acnßcre gab sie dem Mädchen, und wenn sie ziemlich satt war, zerbröckelte sie den Kuchen, um Mandeln, Zitronat und Rosinen auszulesen; die Krumen bekam das Mädchen. Dieses verschmähte nun zwar alle diese Dinge nicht, aber sie zeigte sich doch insofern unbescheiden, als sie bei allen Einkäufen emsig in ihre Tasche arbeitete. An- faugs zog sie bei jedem Einholen von Waaren einen Sechser für sich ab, später erhöhte sie den Rabatt aus zehn Pfennig. Es liegt nun aber in der Natur derartiger Geschäfte, daß sie nach stetem Fortschritt und nach Abwechselung verlangen. So legte sie nun bald nicht nur auf jeden Gang, sondern auf jede Waare eine indirekte Steuer. Dabei rundete sie die ungeraden Zahlen möglichst nach oben ab und ver- langte von der gnädigen Frau eine Mark, wo sie fünfnndachtzig Pfennig ausgab, blieb dabei aber nicht konsequent und erhöhte eine Mark auf eine Mark fünfundzwanzig Pfennig. Später, ließ sie sich freilich überhaupt nicht mehr auf kleinliche Rechnerei ein, sondern nahm so viel Geld, wie sie bekommen konnte. Obwohl nun Frau Kulcke so bequem und liiderlich geworden war, daß es ihr selbst zu viel war, das Geld, das das Mädchen zurückbrachte, genau nachzurechnen, so wurde sie doch nach und nach stutzig, und als sie sich wirklich einmal die Mühe gab, irgend einen Einkauf zu kontroliren, stellte es sich heraus, daß das' Mädchen ein Pfund Salz, ein Packet Streichhölzchen und zwei Pfeffer- gurken mit einer Mark und fünfnndfünfzig Pfennig berechnet hatte. Nun mußte wieder an ein anderes Mädchen gedacht iverden. Frau Kulcke ging schon jetzt nicht mehr so leichten Herzens wie früher nach dem Miethsbureau. Sie machte die schmerzvolle Ent- decknng, daß in der Welt doch nicht immer so für die reichen Leute gesorgt ist, ivic es diese von Rechts- ivegen nach ihrem Vermögensstande fordern können. Sie sah auch ein, daß bei ihrer großstädtischen Art 220 Die Acne Welt. Illustvirte Unterhaltungsbeilage. der Lebensfiihrinig es höchst schwierig sei, ein Dienst- mädchen zu finden, das rechtschaffen bliebe und sich nicht zn Abweichungen von dein geraden Wege vcr- leiten ließe. Die Biädchen, die sie nun bekam, hatten alle ihren wnnden Punkt, ja, sie waren schlimmer als die Bis- herigen. Alle kamen darin überein, daß sie die moderne Art der Lebensführung sofort anerkannten und sich dar- nach benahmen. Es war einfach schrecklich! Ach, dieses elende Pack von Dienstboten, die doch froh sein konnten, daß man ihre Hülfe in Anspruch nahm, wollte ihr ihre Lebensgenüsse verbittern! Es war nun so weit ge- kommen, daß Frau Kulcke bereits philosophische und staatsmännische Betrachtungen an ihr Unglück knüpfte. Na ja, sagte sie, das kommt eben von Berlin, die Leute werden arrogant und dann das schlechte Bei- spiel! Da lernt die Eine innner von der Anderen alle Schlechtigkeiten. Und dann ist die Auswahl von den Dingern nicht groß! Das wissen die Luders, darum sind sie so frech. Der Staat hätte dafür zn sorgen, daß genug Dienstboten da sind. Wozu haben wir sonst einen Staats Frau kulcke redete seit der Zeit im Cafe und in den Spezialitätentheatern sehr viel über die Ar- roganz der Dienstboten, und selbst ihre Verehrer, denen sie neuerdings viel Aufmerksamkeit schenkte, mußten immerfort von der Pflichtvergessenhcit der Dienstmädchen hören. Sie hatte vor diesen eine wahre Angst bekommen, sie rührte zu Hanse über- Haupt fast nichts mehr an, da sie fürchtete, daß Alles vorher von irgend einem genieinen Subjekt von der Straße bereits in Gebranch genommen worden sei. Kurzum, der Zustand war fast unerträglich, und sie sann auf einen Ausweg. Sie fragte herum nach sicheren, zuverlässigen und für sie geeigneten Dienstmädchen, lange allerdings vergeblich. Endlich wurde ihr von einer alten Schnlfreundin, die in einer kleinen Stadt Ivohnte, ein passendes Mädchen in Aussicht gestellt. Frau Kulcke hatte, um jeden Jrrthum über ihre Wünsche von vornherein zu beseitigen, ihre Freundin mit ihrer jetzigen Lebensweise vertraut gemacht, hatte ihr mitgctheilt, daß man in Berlin ein ganz anderes Leben führe als in der Provinz, daß man hier auf der Höhe der Eleganz und der Vornehmheit stehe und sich um kleine Vor- urtheile nicht kümmere, daß man sich in der Nacht ainusire und den Tag, von welchem doch wohl kein anständiger Mensch einen Genuß habe, verschlafe. Bei einer solchen angenehmen Lebensweise brauche man aber Dienstboten, die äußerst zuverlässig sind, sich in jeder Beziehung bescheiden, ordnungsliebend und ehrlich zeigen, die Unregelmäßigkeit eines mo- dernen Haushalts willig auf sich nehmen und sie durch strenge Pünktlichkeit ihrerseits wieder aus- gleichen. Das Mädchen niiißte ferner anhänglich sein und sich als zur Familie gehörig betrachten, das heißt, sie dürfe nicht etwa irgend welche Ansprüche machen, die nur der Herrschaft zukämen, sondern müsse vielmehr das Interesse des Hauses nach jeder Hinsicht aufopferungsvoll wahrnehmen. Die Freundin schickte also ein Mädchen, wie Frau Kulcke es haben wollte. Es war eines jener stillen, verschüchterten Wesen vom Lande, die unter der Obhut einer Stiefmutter aufwachsen wie Unkraut am Wege.-Hunger, harte Arbeit, Schläge, das waren die Erziehungsmiitel gewesen, ehe Marie in den Dienst der Frau Knicke trat. Mädchen, die solche Behandlung erfahren haben, werden dadurch häufig zur Lüge, Verschlagenheit, Unselbftständigkcit getrieben, so daß sie, einmal losgelassen von der Kette, ganz und gar verkommen. Bei Marie hatte alle Härte nur dazu beigetragen, ihre Widerstands- fähigkeit, ihre Gewissenhafsigkeit, ihr Pflichtgefühl zu erhöhen. Bei Frau Kulcke bewährte sie sich einfach glänzend, so daß diese alle ihre frühere Erziehung sich in's Gedächtniß zurückrufen mußte, um so ein Mädchen nur einigermaßen zu verstehen. Marie besorgte ihre regelmäßigen Arbeiten pünktlich und zuverlässig, und beim Einholen handelte sie für ihre Herrschaft so, als ob sie die Einkäufe für sich selbst machte. Dabei war selbst nach Monaten absolut keine Nachlässigkeit, kein Abweichen von der ge- wohnten Pflicht zu bemerken. Wenigstens bei ihr, denn Fron Klucke, in dem Bewußtsein, das richtige Mädchen gefunden zu haben, überließ sich mit neuen Kräften der modernen Lebensfühning. Um Marie bekümmerte sie sich fast gar nicht mehr, so daß diese vielfach den ganzen Tag nichts Anderes als trockene Stullen zu essen bekam oder vielmehr sich zu essen nahm. Denn von Frau Kulcke bekam sie nur in den ersten Tagen ein sicheres Essen zugewiesen, an den folgenden wurde ihr gesagt, sie dürfe sich Kaffee und Butterstullen jederzeit zurecht machen nach Belieben. Marie aber war so bescheiden, daß sie sich nur zu nehmen getraute, was sie bekam. Da sie freilich infolgedessen bald garnichts mehr bekam, so nährte sie sich zumeist von trockenem Brot. Denn das Mittagessen hatte Frau Kulcke auch fast ganz abgeschafft. Eine Köchin wollte ihr ihr Mann nicht halten, da er eine solche bei den Gewohnheiten seiner Frau denn doch zn kostspielig fand. Es war demnach einfacher und der Hausfrau auch kurzweiliger, Mittags ebenfalls außer dem Hause zn speisen. Marie schien das Alles nicht zu bekümmern, sie blieb ebenso zuverlässig und eifrig wie vorher. Sie entwickelte sich nach und nach zn der Vollkommen- heit, die Dienstboten bekommen müssen, um allen Wünschen ihrer Herrschaft zu entsprechen. Ebenfalls aus Bescheidenheit und um ihre Dienstfertigkeit zn beweisen, hatte Marie darauf verzichtet, von ihrem Ansgehe-Sonntag Gebrauch zn machen. Sie erhielt dafür zu ihrer großen Freude von der gnädigen Frau eine freundliche Anerkennung, übrigens auch etwas, das sie früher nicht gekannt hatte. Frau Kulcke hatte ihr als Belohnung dafür sogar fünf- nndsiebzig Pfennig Vergütung zugesagt, vergaß aber freilich dann, ihr daS Geld zu geben. Als Marie nach vierzehn Tagen wieder nicht ausgehen wollte, nahm die gnädige Frau diese Absicht schon als er« wünscht hin, das nächste Mal als selbstverständlich. Später war vom Ausgehen des Dienstmädchens nie wieder die Rede. Im klebrigen wurde der Dienst Mariens insofern schwieriger, als die Herrschaft sich eine bedeutend größere Wohnung nahm, da die frühere der gnädigen Frau nicht mehr standesgemäß erschien. Hatte Marie früher vier Zinnner in Ord- nung zu halten gehabt, so hatte sie jetzt sieben, waren früher nur drei kleine Teppiche zn klopfen gewesen, so waren es jetzt außerdem sechs, zwei mehr, als man verwenden konnte, aber die gnädige Frau liebte schöne Sachen, und da sie nicht Alles gleich verwenden konnte, so kaufte sie auf Vorrath. Jetzt halte sie ein besonderes Zimmer dazu, wo alle solche Sachen aufgespeichert standen, die sie gekauft hatte, weil sie so schön ivaren und gewiß einmal gebraucht werden würden. Es war ein ganzer Waaren- laden, dessen Inhalt immer blank und staubfrei zu halten, keine Kleinigkeit war. Aber Marie ver- richtete alle diese Arbeiten mit einer solchen Bereit- ivilligkeit, wie sie eben mir ein Mädchen zeigen kann, das in der Gesellschaft, einer Stiefmutter auf- gewachsen ist. Der Nachtdienst wurde jetzt auch komplizirter. Die gnädige Frau hatte sich angewöhnt, nach dem Nachhausekommen noch lange aufzubleiben und sich von Marie allerhand Dienste leisten zn lassen. Sie las dann noch im Bette bis zum Morgen, da sie einsah, daß ihre Bildung manche Lücken aufwies. Zur größeren Behaglichkeit ließ sie sich dann von Marie manchmal Kaffee kochen und Leckereien zureichen. So las sie bis in den hellen Tag hinein mit großem Amüsement und Bildungsbedürfniß Romane und kleine Geschichten zum Lachen ans der Leihbibliothek. Zn diesen Diensten in der Nacht kamen für das Mädchen noch neue am Tage. Herr und Frau Kulcke zeigten in der letzten Zeit nicht mehr dieselbe Gemeinsamkeit im Thun und Handeln, sahen viel- mehr ein, daß man sich auf eigene Faust mitunter besser das Leben versüßen kann, als zusammen. Da hatte nun Marie allerhand Wege zu laufen, Austräge anszurichten, Briefe, Gratulationen und Geschenke zu überbringen an Freundinnen und Freunde. Sie durfte dabei freilich Pferdebahn und Stadtbahn, eventuell sogar eine Droschke gebrauchen. Die kleinen Kosten dafür legte Marie aus, das heißt, sie konnte nicht sicher darauf rechnen, sie wieder erstattet zu bekommen, da die gnädige Frau in diesem Punkte keine Kleinigkeitskrämerin war und möglichst vergaß, was zn vergessen war. Neuer- dings, wo Herr und Frau ihre eigenen Wege gingen, und der Verbrauch deshalb etwa um das Doppelte stieg, wurde Frau Kulcke von ihrem Manne etwas knapper gehalten, so daß sie gezwungen war, einmal sogar das Dienstmädchen anzuborgen, nachdem sie sich eben eine neue Brillantbroche gekauft hatte.und es für den Milchjimgen am Ende der Woche nicht mehr reichte. Später borgte sie von Marie noch mehr und versprach, ihr Alles hoch zu verzinsen, wie denn das Geld bei ihr absolut sicher verwahrt sei wie auf der Sparkasse und es dem Mädchen natürlich jederzeit zur Verfügung stehe. Nach einem Jahre beliefcn sich die Schulden der gnädigen Frau an Marie auf genau hundert Mark. Marie war nun in jeder Beziehung eine so an- genehme Zugabe des Lebens, daß es Frau Kulcke aufrichtig schmerzte, als sie an ihr doch schließlich den wnnden Punkt entdeckte. Auch Marie sollte sich leider auf die Daner nicht so perfekt zeigen, wie die gnädige Frau von ihrem Dienstmädchen verlangen mußte. Neuerdings war Frau Kulcke in ihren Amüsements immer moderner geworden. Eine hübsche Person mit der leichtfertigen Koketterie, die in den entsprechenden Kreisen sehr gern gesehen wird, hatte sie eine Menge Verehrer. Anfangs spielte sie mir ihnen, aber in der Maßlosigkeit, die diesem früher gewaltsam gebändigten Franengemüthe jetzt eigen ivar, kam sie immer mehr zu den Praktiken, die jetzt auch in Berlin immer mehr beliebt werden. Sie trieb es dann so arg und nngenirt, daß auch Marie in alle ihre Liebesabenteuer vollkommen ein- geweiht war. Ja, sie brauchte Märiens Hülfe dazu sehr nothwendig, zu Bestellungen von Rendezvous, zu Verleugnungen und Ausreden, wenn ihr Maini nach ihr fragte. Denn dieser betrachtete es, obwohl seine Vergnügungen jetzt in derselben Richtung lagen, doch als heilige Pflicht, die Ehre seiner Frau zu schützen. Hier aber zeigte sich nun der wunde Punkt in Mariens Dienstleistungen. Sie war schon nicht gut dazu geeignet, bei ihren Bestellimgen fremde Leute so zu belügen, wie es Frau Kulcke wünschte. Es fehlte ihr aber der Sinn der Unterscheidung gänzlich, sie war gegen andere Menschen unglückseliger Weise ebenso ehrlich wie gegen ihre Herrschaft. Kaum daß mau sie dazu bringen konnte, zu schweigen, wenn Jemand sie nach der Wahrheit fragte, aber direkt für ihre Herrschaft, selbst wenn es dieser noch so zuträglich war, eine gut glaubliche Lüge aus- zurichten, geschweige denn selbst zu fabriziren, das konnte Frau Kulcke von diesem dummen Bauern- schädel nie erreichen, lind gerade das brauchte die gnädige Frau mehr denn je. Es war eine Menge von Fällen zusammengekommen, in denen ihr Gemahl Verdacht geschöpft hatte. Zuletzt war einer der Ver- ehrer der gnädigen Frau in die Küche geschlichen, als Herr Kulcke plötzlich zu Hanse erschienen war. Herr Kulcke hatte Geräusch vernommen und war ihm gefolgt. Für diesen Fall lautete die Weisung: Marie solle den Herrn für ihren Bräutigam ans- geben. Marie hätte wohl trotz der schärfsten In- struktionen der Gnädigen es überhaupt nie fertig gebracht, dem Hausherrn eine Unwahrheit zu sage»! jetzt>var sie zu konsternirt, zu aufgelöst, als daß sie ihrem„Herrn" nicht Alles eingestanden hätte, wonach er fragte. Die Beichte dauerte ziemlich lange, denn die Fälle hatten sich im Laufe der Zeiten immerhin beträchtlich angehäuft. Herr Kulcke war so wiithend, daß er seine Frau erst erschlagen wollte, dann wollte er zwei Tage lang sich von ihr scheiden lassen; erst am dritten Tage waren sie wieder miteinander aus- gesöhnt. Marie aber hatte sich unmöglich gemacht. Sie wurde gleich nach der Beichtszene Knall und Fall von der Gnädigen entlassen. Als die Freundin aus der kleinen Stadt der Frau Kulcke brieflich ihr Erstaunen über die plötzliche Entlassung des noch vor Kurzem so sehr gerühmten Dienstmädchens ausdrückte, mußte die gnädige Frau ihr antworten: Das Mädchen zeigte sich schließlich als ganz untauglich und bereitete mir-die peinlichsten Verlegenheiten, nicht einmal lügen konnte das dumme Stück!— & 293 Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. ZcrjMlliig KWicher Mamanlcn. Von H. Gerstmann. I. lie Sehnsucht nach großem Reichthnm und das ' ihr verwandte Streben, über werthvolle Energie nach eigenem Willen und unabhängig von der übrigen Welt zu verfüge», trieben die Menschen schon seit langer Zeit zu Versuchen, Gold ans minder- werthigen Stoffen herzustellen und ein Perpetunm mobile zu erfinden. Erst in verhältnißmäßig neuer Zeit gesellte sich als Dritter im Bunde dazu der Wunsch, Edelsteine künstlich zu erzeugen. Die Erkenntniß, daß im Weltall eine bestimmte Menge von Kraft vorhanden ist, die wohl sehr ver- schiedene Gestalten annimmt, die aber weder ver- mehrt noch vermindert werden kann, liefert den Beweis, daß ein Perpetuum mobile— ein Apparat, der ohne Kraft zu verbrauchen, Arbeitsleistungen pro- duziren könnte, der also die aus der Welt vorhandene Kraftmenge vermehren würde— ein Widersinn ist und daß diejenigen Menschen, die heute noch ihre Zeit, ihr Geld und ihren an sich oft nicht einmal geringen Scharfsinn darauf verwenden, diesem Phan- tom nachzujagen, vielleicht schon den Geisteskranken zuzurechnen sind. Nach dem heutigen Stande der Wissenschaft ist Gold ein Element, läßt sich also nicht aus anderen Körpern zusammensetzen und nur aus solchen her- stellen, in welchen es schon vorher vorhanden war. Es ist möglich, daß eine weiter vorgeschrittene Wissenschaft zu der Erkenntniß führt, daß Gold doch kein Element ist, sondern ein zusammengesetzter Körper und daß dieser sich• ans geringwerthigen Stoffen herstellen läßt; heutzutage aber muß man die Versuche, Gold künstlich herzustellen, ebenso wie das Jagen nach dem Perpewum mobile als Irrwahn bezeichnen. Dagegen hat die jüngste der drei genannten Bestrebungen, die nach der Herstellung künstlicher Edelsteine, zu reellen Resultaten geführt, wenngleich auch hier noch bei Weitem nicht alle Wünsche erfüllt sind, denn die künstlich erzengten Diamanten sind viel zu klein, um wie die von der Natur gelieferten verwerthet werden zu können, und ihre Herstellung ist noch viel zu kostspielig, als daß man davon reden könnte, die künstlichen Diamanten seien wohlfeiler, als die natürlichen, was doch schließ- lich das Endziel aller auf diesem Gebiet sich be- wegenden Bestrebungen ist. Schon die Thatsache, daß die Anferfignng künstlicher Edelsteine, nament- lich die der Diamanten, in einem gewissen Grade wirklich gelungen ist, läßt es als wahrscheinlich erscheinen, daß man sich mit diesem Gegenstande zu einer Zeit zu beschäftigen begann, in der man nicht kritiklos und gleichsam blindwüthend auf allerlei Probleme sich stürzte, sondem daß man sich dabei auf Erwägungen wissenschaftlicher Natur stützte. In der That: Im Beginn des jetzt seinem Ende sich zuneigenden Jahrhunderts hatte die analytische Chemie schon eine relativ bedeutende Entwickelnng erreicht, wenn sie auch weit entfernt war, mit der heutigen, ans so viele inzwischen aufgefundene technische Hiilfs- mittel und Kunstgriffe gestützten verglichen werden zu dürfen. Wenn es Ausgangs der zwanziger Jahre Justus von Liebig gelungen war, einen organischen Körper künstlich herzustellen, das heißt ein Gebilde, das sonst nur in der geheimnißvollen Werkstätte des thierischen oder menschlichen Leibes gebaut wird, in seinen Retorten und Schmelztiegeln zu konstrniren, so brauchte man auch den Versuch, die so viel einfacheren und doch sicher in irgend einer Weise im Erdinnern entstandenen Edelsteine selbstständig zu erzeugen, nicht als Utopie anzn- sehen. Kein geringerer als Alexander von Huin- boldt ist es, der die Worte schrieb:„Wo die leitende Idee des Stndinms chemischer Verbindungen erweitert wird, kann auch aus dem engen Raum unserer Laboratorien sich ein Helles Licht iiber das weite Feld der Geognosie und die große unterirdische, Gesteine bildende und Gesteine umwandelnde Werk- stätte der Natur verbreiten"(Kosmos I). Noch etwas Anderes kam dazu: Eilhard Mischer- lich, der große Bahnbrecher der Chemie und Geologie, fand schon im Beginn der zwanziger Jahre in den Schlacken von Hochöfen gewisse Mineralien, die in dem Erz, mit dem der Hochofen beschickt war, nicht enthalten gewesen waren; diese sonst als Natur- Produkte in der Erde gefundenen Mineralien, wie Augit, Glimmer u. A. waren also in der Glnth des Ofens entstanden. Damit war der Beweis geliefert, daß im Schmelzofen sich dieselben Be- dingungen zusammengefunden hatten, die damals herrschten, als die betreffenden Mineralien entstanden, oder wenigstens die Bedingungen, welche den bei Entstehung jener Mineralien vorhandenen Zustand der Erde ersetzen konnten. Hierdurch war nicht nur gezeigt, daß Ntincralien— und in dieser Beziehung besteht zwischen den fiir Nienschen werthlosen und den werthvollen Mineralien, den Edelsteinen, kein Unterschied— künstlich hergestellt werden können, sondern es war auch die genaue Richtung angegeben, in der man arbeiten mußte, um diese künstliche Her- stellung willkürlich wiederholen zu können. Man hatte schon aus anderen Erfahrungen ge- lernt, daß bei der Bildung chemischer Körper die Temperatur und der Druck eine große Rolle spielen. Man mußte also festzustellen suchen, welcher Tempera- tur und welchem Druck die im Hochofen befindlichen Körper in den verschiedenen Stadien der Hochofen- operation unterworfen gewesen waren, und diesen verschiedenen Zuständen mußte mau die Körper, aus denen die Edelsteine sich erfahrungsgemäß zusammen- setzen, in systematischem Forschen und planvollen Probiren so lange aussetzen, bis eben diejenigen gefunden waren, die sich dadurch als die richtigen erwiesen, daß das gesuchte Mineral unter ihrer An- Wendung entstand.. Während aber der eine Theil der Forscher in dieser Richtung arbeitete, glaubte ein anderer Theil, die Gesteine, welche jetzt die Erde zusammensetzen und zu denen auch die gesuchten Edelsteine gehören, hätten sich nicht durch Einwirkung hoher Tempera- turen und der in ihrer Folge entstandenen gewalti- gen Dampfdrücke gebildet, sondern lediglich durch die auflösende Gewalt des Wassers. In Tausende, ja Hunderttausende von Jahren hindurch.dauernd fortgesetzter Einwirkung habe das Wasser alle übrigen vorhandenen Körper, auch die härtesten und wider- standsfähigsten, allmälig zersetzt. Wenn dann das Lösnngswasser verdunstete, blieb ein aus außer- ordentlich kleinen Partikelchen der verschiedenartigsten Stoffe bestehender, ungemein feiner Schlamin zurück, und aus ihm setzten sich in wieder durch Jahr- taufende hindurch sich erstreckender allmäligcr Aus- trocknung alle die verschiedenen, zum Theil sehr komplizirt gebauten Minerale und Erze zusammen, welche wir heute in den Tiefen der Erde finden. Gewiß, sagten diese Geologen, in der Glnth des Hochofens haben sich auch einige der in der Erde vorkommenden Biinerale gebildet, aber das beweist nur, daß zur Bildung einiger weniger Gesteinsartcn verschiedene Wege möglich sind, darum aber wird es noch nicht möglich sein, jedes beliebige Gestein im Feuer zu erzeugen, während der natürliche Gang der Entwickelnng zeigt, daß es möglich sein muß, aus Gestcinslösnngen jedes beliebige Gestein durch Austrocknen herzustellen. Man muß zugeben, daß diese Theorie eine gewisse Unterstützung in der modernen Lehre findet, nach der durch bloße Auflösung im Wasser die festen Körper nicht bloß in Moleküle zerlegt werden, sondern sogar in isolirte Atome, während man früher erklärt hatte, isolirte Atome könnten überhaupt nicht und in keiner Gestalt bestehen. Es ist klar, daß aus isolirten Atomen sich viel leichter die verschieden- artigsten Körper zusammensetzen können, als wenn als Bausteine nur die an sich schon manchmal recht ver- wickelt gebauten Moleküle zur Verfügung stehen. Es zeigte sich übrigens, daß die beiden ver- schiedenen Ansichten iiber die Entstehung unserer Erdrinde, die vulkanische und neptnnische, sich sehr wohl mit einander vereinigen lassen. Mau fand nämlich später die überhitzten Lösungen, und es ist sehr wohl denkbar, daß auch in früheren Stadien der Erdbildnng überhitzte Lösungen existirt haben, in denen die Körper, ivelche wir heute als Minerale und Erze kennen, zugleich unter der Einwirkung eines sehr verdünnenden Lösiingsmittels und sehr hoher Wärmegrade standen. Doch sei dem nun, wie ihm sei— jedenfalls wurden um die Mitte unseres Jahrhunderts Versuche zur künstlichen Herstellung von Mineralien, besonders von Edelsteinen sowohl nach der vulkanischen, als auch nach der neptunischen Richtung vielfach gemacht. Das Prinzip der ersteren Richtung war, die die Minerale zusammensetzenden Körper zu verdampfen und ihren Dampf einem hohen Druck auszusetzen, unter dessen Einwirkung aus dem sich abkühlenden Mineraldampf sich die gesuchten Körper bilden sollten. Zur Erzeugung der großen Hitze konnte man sich nicht etwa metallener Oese» bedienen, denn jedes zur Verfügung stehende Metall wäre bei der kolossalen Erwärmung, um die es sich hier handelte, unbedingt geschnwlzen, sondern nian erbaute Oefen aus feuer- festem Thon, wie man ja auch in neuester Zeit bei Anstellung gewisser anderer llntersnchungen, bei denen man ebenfalls außerordentlich hoher Tempera- turen bedarf und bei denen der aus einer so erfolg- reichen Thätigkeit leider jäh herausgerissene Viktor Meyer in Heidelberg als einer der verdicnstreichsten Forscher genannt werden muß, Oefen aus besonders zu diesem Zwecke gebildeten Porzellan verwendet. Diejenigen, welche das wirksame Prinzip in der Auflösung der Körper ansahen, mußten darauf ver- zichten, als Lösungsmittel dasjenige anzuwenden, was in der Natur als das allerverbreitetste vor- kommt und in dem auch nach ihrer eigenen Theorie in der Erde alle Körper gelöst gewesen waren: das Wasser. In den vielen Jahrtausenden, die der Aufbau der Erde erforderte, konnten sich eben, wie schon erwähnt, im Wasser auch sehr harte Körper allmälig lösen; dem Menschen stehen aber leider nur sehr kurz beniessene Zeiträume zur Verfügung, und um in ihnen die nöthigeu Lösungen herzustellen, mußte man sich scharfer, ätzender Flüssigkeiten, Säuren und Laugen bedienen. So arbeitete denn eine große Reihe eifriger und verdienstvoller Naturforscher verschiedener Nationen, wie der schon erwähnte Mitscherlich, Gurlt, Desprctz, Becgnercl, Ebelinen, Gandin, Forchhannner, James Hall, Silliman, Hutton, Cagniard de Latour— um nur einige Namen herauszugreifen. Das Resultat ihrer Mühen war die Herstellung von einer ganzen Reihe der Gruppe der Edelsteine ungehöriger Minerale, wie Corund, Türkis, Rubin. Merkwürdiger Weise war es sehr schwierig, beim Analysiren der natür- lichen Edelsteine zu finden, welcher Stoff jedem einzelnen die ihn charakterisirende Farbe verleiht, während im llcbrigen die Zusammensetzung relativ leicht festzustellen war. Jene Schwierigkeit erklärt sich aus dem Umstände, daß die Farbstoffe nicht etwa, wie man vielleicht nach dem äußeren Anschein zu glauben geneigt sein möchte, in großen Mengen beigemischt sind, sondern nur äußerst spärlich; darum bedurfte es auch großer Anstrengung, dem künstlichen Edelstein die Färbung des natürlichen zu geben, ja sehr oft war dies garmcht möglich, während der künstliche Edelstein dem natürlichen in allen übrigen Eigenschaften, wie Zusammensetzung, Härte, spezifischem Gewicht, Krystallform, Lichtbrechung völlig glich— aber so lange die Farbe des künstlichen Edelsteins nicht die des natürlichen ist, ist eben auch der natür- liche Edelstein nicht erreicht. Sehr viele der wirklich hergestellten künstlichen Edelsteine haben als Haupt- bestandthcil die Thoncrde, jene» weit verbreiteten Stoff, der sich in immer steigendem Maße als einer der dem Menschen nützlichsten erweist. Ans Thon- erde verfertigen wir alle unsere keramischen Gebrauchs- artikel: Töpfe, Teller, Oefen, Wasserleitnugs- und ähnliche Röhren, ans Thoncrde stellen wir das so interessante und zukunftsreiche Aluminium her, ans Thonerde bilden sich also auch sehr viele unserer zierlichsten und schönsten Edelsteine. Ter Erste aller Edelsteine jedoch ist ohne Frage der Diamant, und auf seine Herstellung namentlich wurden sehr viele Anstrengungen gemacht. Die Zusammensetzung des Diamanten niachl die geringsten Schwierigkeiten. Er ist garnicht zusammengesetzt, sondern besteht ans reiner Kohle, ist also nach dem heutigen Stande der Wissenschaft ebensogut wie das Gold ein Element. Um so schwieriger aber ist es, Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. 223 die gewöhnliche Kohle in diejenige Kohlemodifikation umzuwandeln, die wir als Dianiant bezeichne». Auch hier machte sich die neptunische Lehre neben der vulkanischen geltend. Mehrere Forscher wiesen ans die Thalsache hin, daß man in Diamanten hier und da solche Miiieralien eingeschlossen findet, die that- sächlich keine sehr hohe Temperatur aushalten können, ohne sich in andere Körper zu zersetze», und sie folgerten daraus, daß auch der Diamant nicht unter der Einwirkung hoher Teniperaturen entstanden sein kann. Es hat sich speziell die Theorie herausgebildet, daß aus Kohlenwasserstoffen, also Körpern von der Art unseres Petroleums und Karbols, durch allmälige Entfernung des Wasserstoffs sich schließlich als rein zurückbleibende Kohle der Diamant gebildet habe. Justus von Liebig neigt dieser Ansicht zu. Andere Forscher aber glaubten schon vor längerer Zeit, daß große Hipe und großer Druck nöthig seien, um den Diamanten entstehen zu lassen. Sillimann machte schon im Jahre 1823 dahingehende Versuche. Er ging aber nicht aus von der gewöhnlichen, allbekannten Kohle, sondern von der dritten Fvrm, in der sich die Kohle vorfindet, nämlich vom Graphit, also von derjenigen Modifikation, aus welcher sich unsere Bleistifte zusammensetzen. Sillimann glaubte schon damals, daß der Graphit sich schmelzen lasse, und zwar bediente er sich schon zur Hervorbringung der dazu nöthigen außerordentlich hohen Temperatur einer galvanischen Batterie. Cagniard de Latour folgte ihm 1828 aus dem gleiche» Wege, und er glaubte dadurch schon minimale Diamanten hervorgebracht zu haben, andere Gelehrte aber, denen er diese kleinen, natürlich nur mit außerordentlicher Blühe zu analy- sirenden Krystallchen zur Nachprüfung übergab, meinten, er habe sich geirrt. Nicht besser erging es Despretz, der 1853 die Sache wieder aufnahm und die Ein- Wirkung der durch die Elektrizität hervorgerufenen Hitze dadurch verstärken wollte, daß er sie sehr lange andauern ließ. Nachdem er den elektrischen Strom mehrere Monate hindurch gleichmäßig und ununter- krochen in Anwendung gebracht hatte, bemerkte er an der Spitze der einen der beiden Kohlen, zwischen welchen der elektrische Lichtbogen sich ausdehnt— an der negativen— einige kleine weiße Körper, welche er für Diamanten hielt; andere Gelehrte erklärten, es seien keine solchen. Ter Engländer Marsden versuchte zu Beginn der achtziger Jahre Diamanten dadurch herzustellen, daß er Silber oder Platin in einer Umhüllung aus Zuckerkohle auf eine hohe Temperatur erhitzte; in dieser Hitze nimmt das Metall etwas von der Kohle in sich ans, welche bei der dann folgenden Abkühlung wieder ans- geschieden wird, und zwar in allerlei Gestalten; Marsden fand darunter auch einige kleine Krystalle, welche er für schwarze Diamanten erklärte; es kann sein, daß sie alle übrigen Eigenschaften der Dia- manten besaßen, aber eine sehr wichtige Eigenschaft fehlte: Sie waren nicht durchsichtig. In ein ganz anderes Stadium gerieth die Her- stellung künstlicher Diamanten durch Henri Moissan. (Schluß solgt.) chuköige. (Fortsetzung.) Schweigend schritt das Ehepaar seiner Wohnung zu. Erst als sie daheim waren, nahm Biarie � das Wort:- „Sag', ist sie eigentlich eine Wittwe?" „Was denn sonst?" Die Frage reizte ihn. Sie schwieg wieder, dann sagte sie plötzlich und mit einer Leidenschaft, lvie er sie noch nie an ihr bemerkt:„Ich mag sie nicht!" „So, und warum denn nicht?" „Weil... weil... sie hat solch ein Be- nehmen, ich weiß nicht... solch ein Benehmen... so herausfordernd und zudringlich. Es geht etwas Unreines von ihr aus!" „Du bist nicht recht gescheut!" Er lachte laut auf.„Also Alles, was über Deine Alltagsmoral hinausgeht, ist unrein? Kostbar! Nun, beruhige Dich. Du hast Dich ja von einer so glänzenden Seite ge- zeigt, daß sie Dir ihren Verkehr kaum aufdrängen wird." „Aber Du wirst mit ihr verkehren?" „Ja, das werde ich! Da soll mich Keiner dran hindern! Du schon garnicht! Niemals! Hörst Du? Niemals! Was weißt Du überhaupt von dem Eharakter dieser Frau? Ich verbitte mir jedes Wort über sie!" Er wandte sich nach seiner Arbeitsstube. Sie blieb eine Weile sitzen ohne sich zu rühren, dann stürzte sie plötzlich auf, riegelte die Thür zu, warf sich auf das Sopha und weinte.—— Sie gingen zusammen nach dem Sudermann- Abend, und er las ihr am Sonntag seine Arbeiten vor. Sie verplauderten einen Nachmittag in der Kunstausstellung und waren dann wieder in dem dichtgefiillten Saal einer sozialdemokratischen Volks- Versammlung beieinander. Sie war unermüdlich im Entdecken von Vorträgen, Schaustellungen oder son- stigen anregenden Neuheiten, die ihn interessiren konnten, und die sie natürlich dann zu Zweien auf- suchten. Es verging bald kein Tag, an dem sie nicht zusammen waren. Er ließ sich gern von ihr leiten und führen. Der Reiz, die Freuden des Lebens in Gesellschaft einer anmnthigen und interessanten Frau zu genießen, ivar ihm zu neu, als daß er sich ihm hätte ent- ziehen können. Das ungenirte Kameradschaftliche ihres Verkehrs, ihre unverwüstliche Heiterkeit fesselten ihn immer von Neuem. Die Bewunderung und das Interesse, das sie seinen Arbeiten und Studien ent- gegenbrachte, machten sie ihm unentbehrlich. Sie war nicht gerade klug, aber sie besaß die seltene Fähigkeit, über Alles, was gerade aktuell war, au fait zu sein und hatte außerdem die Gabe, graziös plaudern und— zuhören zu können. Sie ließ sich überhaupt viel lieber unterhalten, als daß sie selbst mit einem Urtheil herauskam. Es war nicht gerade Liebe, was er für sie empfand, aber eine leidenschaft- lich verehrende Freundschaft. Sie war ihm sein zweites Ich geworden, dem er rückhaltslos vertraute, und mit dem er alle, auch scfiie innersten Empfin- Novelle von Aorotkee Koebeler. düngen berieth und besprach. Von Marie war nie mehr die Rede zwischen ihnen. Sie fragte nicht, und er sprach nicht von ihr. Er war seiner Frau in dieser Zeit völlig fremd geworden, aber er machte sich deshalb keine Vorwürfe. Sie hatte niemals einen geistigen Verkehr mit ihm beansprucht, war ihm sogar seit der Geburt des Kindes direkt aus dem Wege gegangen; daß er sich jetzt an die Freundin anschloß, that ihren Rechten also keinen Abbruch, und direkt untreu war er ihr ja nicht— wollte es auch nicht sein. Gegen Ende des Sommers wurde ihm eine große Freude zu Theil. Seine ersten literarischen Ver- suche, eine Reihe von Essays über„Die psycholo- gischen Symptome der Moderne", waren in einer Monatsschrift erschienen und hatten nicht unbeden- tendes Aufsehen erregt. Kurze Zeit nach ihrer Ver- öffentlichung erhielt er von einem Verlag die Auf- forderung, den kleinen Versuch zu einem ganzen literatnrgeschichtlichen Werk auszuarbeiten und dieses dann unter glänzenden Bedingungen erscheinen zu lassen. Die Nachricht versetzte ihn in einen förni- lichen Freudenrausch, nach jahrelangem Entsagen ein Erfolg, wie er ihn nicht einmal in seinen kühnsten Jugendträumen zu hoffen gewagt. Sein erster Weg galt Hella Grabow. Sie lauschte ihm mit jener ruhigen Aufmerksamkeit, die sie immer für ihn übrig hatte, und die ihn stets von Neuem bei ihr ent- zückte. Als er geendet, schüttelte sie etwas erstaunt den Kopf:„Lieber Freund, das war doch voraus- zusehen! Habe ich Ihnen nicht inimer prophezeit, daß etwas Großes aus Ihnen wird?" „O Großes! Das nicht!" „Und doch Großes!" Sie nickte lebhaft, dann spielte plötzlich ein strahlendes Lächeln um ihren Mund:„Wissen Sie, eigentlich müssen wir aber den heutigen Tag doch feiern. Wollen wir?" Er verneigte sich:„Machen wir. Aber wie? Schlagen Sie etwas vor." „Darf ich?" „Jeder Ihrer Wünsche ist Befehl!" „Schön! Also, was meinen Sie zu einem Ausflnge? Sagen wir nach Wannsee?" „Angenommen, und Liddy kommt mit!" „Liddy?" Sie sah erstaunt auf.„Warum Liddy?" „Nun, ist das nicht selbstverständlich? Ich Hab' mir schon oft genug Vorwürfe gemacht, daß uieine Freundschaft Sie Ihrem Töchterchen entzieht. Heute in's Grüne könnte sie doch niitkommen." Sie war bei seinen letzten Worten an den Blumen- tisch getreten und zupfte an einer Geranienblüthe; nun drehte sie sich um:„Schön also!... Liddy kommt mit. Wollen Sie nicht Ihre Gattin auch auffordem?" Es lag ein feiner Spott in ihrer Stimme. Er überhörte ihn indessen und sagte nihig: „Sie wissen ja, daß Marie nicht ausgeht. Apropos, Ivo treffen wir uns?" „Ich denke, um vier Uhr am Bahnhof Zoo- logischer Garten." „Ja, das ist allerdings am bequemsten." Schlag vier Uhr war er am Rendezvousplatz, und ebenso pünktlich sah er sie um die Ecke biegen, aber — allein. Er ging ihr entgegen:„Nun... Solo?" Sie zögerte etwas:„Ja, Liddy mußte zu einer Freundin. Wollen Sie lieber hier bleiben?" „Wie kommen Sie darauf?" Sie sah ihn an und lachte übcrmüthig, dann nahm sie den Schirm und klatschte ihn damit auf den Arm:„Mensch, wissen Sic auch, daß Sie noch immer ein schrecklicher Pedant sind?" „Wieso?" Allein sie konnte nicht mehr antworten, denn der Zug ftihr in die Halle, und sie mußten einsteigen. Dann saßen sie im Coupe, und nun erst hatte er Muße, sie genauer zu betrachten. Sie trug ein Kostüm, in dem er sie noch nie gesehen: ein schwarzes Tllllkleid, das ihre schönen Formen scharf hervor- treten ließ, die wundervollen weißen Arme und der edel gebogene Nacken schimmerten unter dem duftigen Stoff wie Elfenbein. Sie sah noch frischer und jugendlicher aus als sonst. Dazu ging ein feines, berauschendes Parfüm von ihr aus, und um ihre vollen, rothen Lippen lag ein weicher, sehnsüchtiger Zug. Er meinte, sie noch nie so gesehen zu haben. Die Enge des überfüllten Coupes zwang sie, dicht zusammen zu rücken, ihr weicher, warmer Körper schmiegte sich an den seinen, er fühlte ihre duftige Wärme zu sich hinüberfluthen, und eine schwüle Gluth stieg in ihm empor, ein eigenartiges, dumpfes Ge- fühl, das ihm Unbehagen erregte. Er riß das Fenster auf und ließ die frische Luft herein, allein das Unbehagen blieb, und erst als sie draußen im schwedischen Pavillon am Wasser saßen, fand er seine fröhliche Stimmung wieder. Hella riß ihn mit fort. Sie war heute von strahlendem Ueber- muthe. Eine sonnige, belebende Heiterkeit ging von ihr aus, und als sie nach dem Kaffee in den Wald gingen, jagten sie sich durch die Büsche wie zwei iibermiithige Kinder. Dann lagerten sie sich am Ufer der Havel im Grase, sie wand einen Kranz aus Haideblumen und sah lachend zu ihm auf:„So, das wird Ihr Ruhmes- kränz, Ihr erster. Ich werde ihn Ihne» selbst auf die Locken drücken. Kommen Sie einmal her." Sie schlang den Arm um seinen Nacken und bog sein Haupt zu sich hinunter. Ihr rother Mund war dicht vor dem seinen, so dicht, als wolle er sich zum 5iusse bieten, ihre halbverschleierten, feuchten Augen leuchteten mit einem heißen, verlangenden Blick zu ihm empor, der feine Duft, der von ihr ausströmte, legte sich schwer aus seine Sinne. Wieder stieg das alte Unbehagen in ihm auf, und mit einem jähen Ruck machte er sich frei:„Ach, nein, nicht— lassen Sie das!" Sie wich zurück, und eine brennende Nijtbe stieg �4 Die Aeue Welt. Illustrirte Ilntechaltungsbeilagc in ihr Gesicht. Ohne ein Wort zu erwidern, warf sie den Kranz in den Fluß und stand auf:„Wollen wir nicht gehen?" „Ja, kommen Sie!" Er erhob sich. Langsani schritten sie am Ufer hin. Ihre Brust hob und senkte sich, ihre Augen gingen gerade aus, sie war offenbar hoch erregt. Er beobachtete sie eine Weile schweigend, dann fragte er:„Zürnen Sie mir?"—„ Stein." „Aber was ist Ihnen?" „Nichts." �Wieder eine lange Pauset er nahm ihre Hand: „Sagen Sie mir, was Ihnen fehlt!" Sie stand vor ihm wie ein trotziges Kind und schlug die Augen nieder, ohne zu antworten. Dann riß sie sich los, und nun kam es iiber ihre Lippen, heiß, leidenschaftlich, ruckweise:„Liebe— will ich!" „Frau Hella!" Sie warf ihm einen zornigen Blick zu:„Ja, Liebe will ich! Das wundert Sie wohl? Denken Sie wirklich, daß es glücklich macht, so allein zu stehen in der Welt? Niemand zu haben, der Einem ge- hört, der Einen versteht? Niemand! Niemand!" Sie brach in ein konvulsivisches Schluchzen ans. „Ja... aber mein Gott... ich weiß gar- nicht..." er war völlig konsternirt.„Bitte, be- ruhigen Sie sich doch! Sie wissen doch, daß ich immer Ihr Freund bin. Ihr bester Freund! Hat es Sie wirklich so gekränkt, daß ich den Kranz zurück- wies?" Sie schwieg, aber nach einer Weile blieb sie stehen und trocknete die Augen:„Reden wir nicht mehr davon... Sie verstehen mich auch nicht... Sie sind eine furchtbar kalte Statur." „Wie... wie meinen Sie das?" „?lch, lassen Sie doch!... Nichts... wirklich nichts, nur eine Stimmung. Da ist übrigens der Pavillon, lassen Sie uns sonpiren, und— lustig sein." Sie brach in ein sorcirt übermüthiges Lachen aus:„Trinken wir Bier oder Bowle? Ich meine Bowle." „Oder Sekt? Was meinen Sie einmal zu Sekt? Zur Feier des Tages?" Er versuchte gleichfalls einen scherzhaften Ton, und sie stimmte sogleich ein: „Jawohl: ,Znr Feier des Tages!'" Als sie sich später vor ihrer Hausthür trennten, sagte sie noch einmal:„Nicht wahr, Sie vergesse» das von heute?" Er vergaß„das" aber dennoch nicht. Ihr wildes„Liebe will ich!" klang ihm in den Ohren. Was für Liebe meinte sie? Hatte sie wirklich nur die Zurückweisung des Kranzes ver- drossen und an seiner Freundschaft zweifeln lassen? Oder wollte sie doch eine andere Liebe haben, seine Liebe? Hatte das schöne, innige Berhältniß, das sie verbunden, bei ihr etwa tiefere Gefühle erweckt? Der Gedanke erregte in ihm nervöse Unruhe. Er wußte zu gut, daß er solche Empfindungen niemals würde erwidern können. Er war in der That eine kalte Natur, ein viel mehr geistiger als sinnlicher Mensch. Was er brauchte und ersehnte, war eine geiswolle Freundin, die mit ihm zusammen strebte und arbeitete, wie Hella das bisher gethan. Sollte er diese Freundin jetzt verlieren? In sorgenvollem Sinnen schritt er heim.(Schiub f-igt.) Ein Moniimentalbriinnen. Noch hartnäckiger als die Maler haben sich die Bildhauer unseres Jahrhunderts gegen das Eindringen der naturalistischen Forni in ihre St», ist gewehrt. Wie, in der Knust, in der die alten Griechen, die schöuheitStrunkencn, den Kanon ewig vor- bildlicher Gestalten, Körper von einer unendlichen Aninnth und Harmonie geschaffen haben, sollte die häßliche, geuicine Wirklichkeit ihren Einzug hallen? Sln die Stelle des vollendeten Ebenmaßes und Liebreizes, der„edlen Einfalt und stillen Größe" der antiken Statuen sollten die unschönen Linien der Menschen von heute treten? Stein l Kommende Geschlechter haben nichts Besseres zu thun als jenen erhabenen Vorbildern nachzueifern, und glücklich sollte der sein, der ihnen nahekommt: denn sie zu übertreffen ist unmöglich.— Also sprachen die Kunst- gelehrten, und lange Zeit waren die Künstler ihre gläubigen Schüler. Die EntWickelung ging aber über diese Schönhcitsfanatiker hinweg. Ein jüngeres Geschlecht kommt auf, dem die Herbe oes wirklichen Lebens darstellnngswnrdiger erscheint, die Götter und Helden milssen den Bildern hart arbeitender Blenschen, die das Leben gezeichnet, Platz machen. Ja, man prüft auch die Werke der Griechennachfolger mit schärferem Blick und findet, daß sie den Alten nur die äußere Form abgesehen haben. Der innere Gehalt fehlt ihren Werken, es ist ein Spiel mit leeren Formen. So entwickelte sich eine plastische Kunst, die in geradem Gegensatz zu dieser älteren, auf rein formale Schönheit ausgehenden Richtung steht. Ihre Prinzipien bilden sich aus in Anlehnung an den NaMralisuius der Malerei. Das Wesen eines Tinges zu geben, die charakteristischen Züge heraus- zuarbeiten und ein Bild von ihm zu gestalten, das zu leben scheint, das wurde das Hauptziel der neuen Kunst. Der Monumentalbrunnen, den Ludwig Manzel für Stettin entworfen hat, ordnet sich durch seine Haupt- figur in den Kreis dieser Bestrebungen ein. In diesem Weibe, das hochaufgcrichtet dasteht, hat er ein Bild kraftvollen Lebens geschaffen. Durch die Attribute, das große Segel und den starken Anker, ist es genügend gekennzeichnet: es ist die Verkörperung der Pandels- schifffahrt. Ein Weib ans dem Volke ist es, arbeits- gewohnt, mit sehnigem Körper und mnskelstarkem Arm. 'Alles an ihm bezeugt die Kraft, die in diesem Körper lebt: die Haltung, der zurückgeworfene Kopf, die derben Linien ihres Gesichts, der feste Blick, der sich auf das ferne Ziel richtet. Alles giebt den Eindruck des Lebens. Ein ganz bestimmter Typus hat dem Künstler vor- geschwebt, wie man ihn in der deutsch-slavischen Misch- bcvölkerung der Ostseeprovinzen findet. Dem Kleide sogar ist sein natürlicher Stoffcharaktcr gewahrt. Wer das Werk selbst sähe, würde das noch besser feststellen können. Und doch liegt etwas darin, was die Natur selbst nicht ge- geben. Die Linien sind vereinfacht, stilisirt. Zunächst hatte man in der Plastik geglaubt, den lebenswahren Eindruck nur erreichen zu können, indem man jede Einzelheit der Statur getreu wiedergab, dann aber lernte nian dieselbe Wirkung auch erzielen, wenn man bestimmte große charakteristische Linien stärker hervortreten ließ. Ans diese Weise kommt ein großer Schwung in die Komposition. Gerade bei Manzels Figuren fällt der große Fluß der Linien ans, in den Umrissen sowohl wie in den einzelnen Linien des Segels wie der Falten. Der doniinirenden Franengcstalt sind drei andere beigegeben, die bestimmt sind, die zu Grunde liegende Idee' weiter auszuführen. Ihr Postament ist ein Schiff, dessen Spitze nach Wikingcrart in einen Geicrichnabel ausläuft. Auf dem Bug sitzt, den Oberkörper auflehnend, in gespannter Haltung Hermes, der Gott des Handels— doch noch eine griechische Neminiscenz— und lugt scharf aus. Ein gewaltiger Aufbau von Felsen, der Meeres- grund, trägt das Ganze. Muscheln und groteske Fische bedecken ihn. Zu beiden Seiten schieben kräftige Weiber das Schiff vorwärts— die Symbolisirung der Meeres- wellen, von denen das Schiff dahingetragen wird. Bei einer solchen Gruppendarstellung kann es nicht genügen, jede einzelne Figur lebenswahr zu bilden. Sie müssen auch in Beziehung zueinander gesetzt werden. Ein bestimmter Ausbau, eine Komposition muß alle Elemente in eine einheitliche Wirkung zusanunenfassen. So sind die Figuren bei unserem Brunnen zu einem Dreieck aufgegipfelt, das in den mächtigen Felsblöcken seine Basis und in der anftagenden Figur des Weibes seine Spitze hat. Damit aber diese Spitze dem Unterbau gegenüber nicht zu winzig erscheine, ist ihr in dem breit ausladenden Segel ein Gegengewicht gegeben. Die drei Nebenfiguren ordnen sich in allen ihren Bewegungen mit äußerst wuchtiger Wirkung zu einem unaufhaltsamen vordringenden Zuge. Der muskulöse Körper des Hermes giebt in seinen vorlvärts strebenden Linien die starke Bewegung des Schiffsschnabels wieder, und ebenso strebt eine Linie von den Füßen des Weibes bis zu dem Geierschnabcl in einem einzigen Zuge nach vorn und aufwärts. Um so stärker hebt sich hiervon die Gestalt der Hauptfigur in ihrer gcsamnielten Kraft ab.— Das Funkeln der Sterne. Der Anblick des ge- stirnten Himmels, dieses erhabene Schauspiel, wird häufig durch das glitzernde Funkeln der Sterne noch zu einem besonders reizvollen gemacht. Bald scheint ein Stern zu verlöschen, bald blitzt er wieder besonders hell auf, und dabei sendet er uns häufig in den Monienten des Auf- blitzens farbiges Licht zu, bald rothcs, bald grünes oder blaues, bald auch wieder glänzend weißes. Dieses prächtige Schauspiel zeigen aber nur die Fixsterne, während die Planeten in einem ruhigen, milden Lichte erstrahlen. Auch ist das Funkeln keineswegs in allen Nächten gleich stark. In südlichen Breiten, Ivo die Luft gewöhnlich außerordentlich ruhig und klar ist, erscheint das Funkeln nur überaus schwach, und in unseren nördlichen Breiten ist es am stärksten und glänzendsten, wenn sich Wasserdampf in der Atmosphäre zu verbreiten beginnt, so daß man ans einem besonders auffallenden Funkeln auf regnerisches Wetter ani folgenden Tage schließen kann. Ist es somit klar, daß der Zustand der Luft ein Hauptfaktor für das Funkeln der Sterne ist, so ist die Art und Weise, wie dasselbe zu Stande kommt, doch durchaus nicht so einfach zu begreifen. Blau muß sich hierzu die Thatsache gegenwärtig halten, daß die Ausbreitung des Lichtes durch wellenartige Bewegung im Aether geschieht, und daß durch Zusammenwirken solcher Bewegungen bald eine Verstärkung, bald eine Schwächung, also Auslöschnng des Lichtes erfolgen kann. Ob zwei Lichtstrahlen, die von einem Sterne ausgehend ans der Netzhaut des Auges in einem Punkte vereinigt werden, sich dort verstärken oder schwächen, hängt davon ab, ob sie dort mit gleichem oder verschiedenem Schwingungszustand des Aethcrs anftreffen, und dies wiederum ist davon abhängig, ob sie auf ihrem Wege bis zun« Auge stets durch ganz gleichartige Luftschichten gehen. Das ist durchaus nicht der Fall: denn so nahe sie auch neben einander hineilen, so sind doch kleine llutcrschiede in der Temperatur, im Druck und Wasser- geholt der Luft zu bemerken, welche auf die Geschwindigkeit der Strahlen von Einfluß sind und daher bei den ewigen Schtvankungcn in der Luft bald eine Pcrstärkung, bald eine Schwächung de? Lichteiudrucks im Auge hervorrufen. Das Funkeln selbst, das abtvcchselnde Anfleuchtcn und Verlöschen, wird hiernach begreiflich sein, nicht aber das Funkeln in verschiedenen Farben. Doch erklärt sich dies jetzt sehr einfach. Das weiße Licht der Sterne ist, wie das der Sonne, ans unendlich vielen farbigen Licht- strahlen zusamniengesetzt, die sich wesentlich durch die verschiedene Wellenlänge der betreffenden Lichtarten unter- scheiden. Verschiedenheiten der Luft wirken ans die Gcschtvindigkcit der verschiedenfarbigen Lichtstrahlen der- schieden ein, und deshalb können z. B. die rothcn Strahlen sich verstärken, wenn sich die grünen und blauen in ihrer Wirkung vernichten: der Stern blitzt dann roth auf. Bald darauf verstärken sich die grünen oder blauen Strahlen, während die rothcn und gelben geschwächt werden; dann blitzt der Stern grün oder blau ans, und bald darauf wieder weiß, wenn sich alle Strahlen ver- stärken. Warnni aber funkeln nur die Fixsterne, die Planeten dagegen gar nicht, oder doch nur viel schwächer? Tie Planeten erscheinen uns wegen ihrer größeren Nähe als kleine Scheiben gegenüber den punktförmigen Fixsternen, die auch in den stärksten Fernrohren keine meßbaren Größen haben. Jeder einzelne Punkt einer Planeten- scheide wird nun ebenfalls funkeln, aber nicht alle gleich- zeitig in derselben Weise; ein Punkt z. B. blitzt blau ans, die benachbarten aber roth, oder grün und weiß. Daher heben sie sich in ihrer Wirkung auf, und der Planet erglänzt in um so ruhigerem Lichte, je größer uns seine Scheibe erscheint, der Morgen- und Abcndstern z. B. ruhiger als der Jupiter, und die große Mond- scheide in völlig ruhigem Silberglanze.— dt. Eine Votschaft. Pcriaudros, der Tyrann von Korinlh war zu Anfang seiner Herrschaft milder als sein Vater Kypselos; nachdem er aber in Verkehr gekommen mit Thrasybnlos, dem Tyrannen von MilctoS, wurde er noch viel blutgieriger als sein Vater. Er sandte nämlich einen Herold an Thrasybnlos und fragte an, wie er seine Au- gelcgcnheiten auf die sicherste Art einrichtete, um die Stadt ivohl zu verwalten. Und Thrasybnlos führte den Man» hinaus vor die Stadt, ging auf einen besäetcn Acker, und als er das Saatfeld durchwanderte, fragte er den Herold nach seiner Sendung und fragte immer wieder, und dabei riß er immer die Aehren ab, die er hervorragen sah, und warf sie fort, bis daß er den Thcil des Saatfeldes, wo das Korn am schönsten und dicksten stand, auf diese Art verwüstet hatte. Als er das Feld durchgegangen, schickte er den Boten wieder fort, und bestellte ihm weiter kein Wort. Und als der Bote zurückgekommen nach Korinth, war Perioandros sehr begierig, den Rath des Thrasybnlos zu vernehmen. Der aber sagte: Thrasybnlos hätte gar nichts bestellt, und er wundere sich, daß er ihn zu einem solchen Alaune geschickt, das wäre ja ein ganz verrückter Mensch, der ans seinen eigenen Schaden aus- ginge, und nun erzählte er, was er von Thrasybnlos gesehen. Pcriaudros aber, der da verstand, was er gethan, und der da überlegte, Thrasybnlos riethe ihm, die vor- nehmsten Bürger umzubringen, sing nun ein entsetzliches Verfahren gegen die Leute der Stadt an; denn was Kypselos übriggelassen und nicht gctödtct oder vertrieben, das vollendete nun Periandros.(Herodows,«eschtchte» n) Nachdruck des Inhalts verboten! Alle für die Redaktion der„Neuen Welt" bestimmten Sendungen sind nach Berlin, ZW ig, Benthstraße 2, zu richten. Verantwortlicher Nedallenr: O«car»ithl In«harlotlenburg.— Verla«! Hawloirger Bnchdrnrkeret»nd«erln.,«anstalt Auer«I To. In Hamburg.— Druck: Mar Babing In Berlin.