Nr. 5 2>IUi|Irtr(c tnlevhaUurig&h ciia�c. 1899 r-�p.. Direttanten des Lebens.-4�- fffortfcSung.) kergniigen—?! Lena warf die Lippen auf und zog sich ganz hinter ihre Portiere zurück; am liebsten hätte sie sich verkrochen. Sie mochte hier nicht singen; sie fühlte, wie sich ihr langsam die Kehle zuschnürte und wie ihr Herz zu klopfen begann. O, wenn sie nur fortlaufen könnte! Was machte sich die Hoheit aus ihrem Gesang? Gar- nichts, garnichts; Hoheit rannten ein paar nackten Schultern nach und reckten den Hals nach ein paar weißen Armen! Lena's Fußspitze klopfte nervös den Boden. Vor ihren Ohren wirrte und schwirrte es, und da, in all den Lärm hinein, sollte sie singen? Eine jähe Angst überkam sie. Wenn all die theil- nahmlosen Augen sie gleichgülsig anstarrten, wenn wan sich ganz nah, ganz nah, aber nur aus lauter Neugier um den Flügel drängte, was dann? Man würde sie mustern, seine Glossen machen, sie hatte la keine blendenden Schultern und keine klassischen Arme; die Hoheit würde gähnen und verstohlen nach Besserem ausschauen. Ein bitteres Gefühl jagte Lena das Blut aus den Wangen und machte sie bleich. In ihren Knieen begann ein Beben; hastig athmete sie mehrmals hintereinander und schluckte, der Hals war ihr ganz ausgetrocknet. Sie preßte die Handflächen zusammen, sie waren feucht und kalt. Es war eine Qual, hier ZU sein. Das Geschwirr ließ plötzlich nach; eine auf- fällige Stille war eingetreten. In der Nähe flüsterte es:„Ruhe— Musik— es wird Musik gemacht!" iiud nun hörte Lena eine kichernde Mädchenstimme: »Wie schade, nun muß man still sein, kann sich nicht wehr unterhalten!" lind ein Herr sagte verdrießlich und ziemlich laut:„Wenn nur die Musizirerei bald wsginge! Je eher, desto rascher ist's überstanden. Hoffentlich ist der Schmerz kurz!" Lena zitterte am ganzen Leib— nein, singen wunte sie hier nicht! Entschlossen schob sie die sortiere zurück; sie wollte gehen, rasch, fort!— «u spät! . Vor ihr stand Ncuter und bot ihr galant den 4tn'-„Also, Kindchen, en avant! Erlauben Sie, wenie Herrschaften! Bitte, bitte— so, danke schön, "un können wir schon durch." Mit liebenswürdigen, "cheln schob sich der Hausherr weiter, er zog Lena °w Arme nach. Vor der Thür des Musikzimmers flaute sich's � die Hoheit war drinnen. .»Bitte, bitte— ah, erlauben Sie— gnädige wnu, ein klein bischen rücken!" Reuter dienerte °°r einer umfangreichen, brillantenbcsetzten Taille— °°u Gesicht nichts zu sehen, Alles versank hinter der "luchtigen Fülle dieses Brustkastens.„Tanke sehr, gnadige Frau— ah, unendlich liebenswürdig, meiner "einen Nachtigall Platz zu schaffen!" Er küßte den Roman von Clara Biebig. Arm, der ans der brillantenbesetzten Taille hervor- quoll.„Charmant, wie immer ganz charmant! lieben Sie Gnade bei diesem schüchternen Vögelchen, meine Allergnädigste! Die Sonne duldet ja auch andere Gestirne neben sich; sie müssen freilich erbleichen vor Ihrer Glorie!" Wieder eine Verbeugung und ein zweiter Kuß auf den vorquellenden Arm. Die Brillantenbesetzte knisterte und wogte. „So!"— Reuter zog Lena über die Schwelle des Musikzimmers.„Eine hochberiihmte Sängerin," flüsterte er ihr in's Ohr,„jetzt Gattin des Bankiers Goldammer— famose Diners— höchst sympathische Frau, ganz charmant!" Lena fühlte noch den kalten, starren Blick der hochberllhmten Sängerin auf sich ruhen, sie sah den brillantenbesetzten Busen wogen.„Ich kann nicht singen," sagte sie leise,„wirklich, ich kann nicht!" Sie versuchte ihren Arm ans dem seinen zu ziehen. „O, lassen Sie mich!" „Fahnenflüchtig? Hoho, nichts da, nichts da!" Reuter drückte ihren Arm noch fester.„Nur nicht ängstlich, Kindchen! Nun freut man sich, daß man der kleinen Nachtigall mal Gelegenheit geben kann, sich hören zu lassen, und sie will davonfliegen? Oho, nichts da!— Bitte, meine Herrschaften— pst, pst — einen Augenblick Gehör! Fräulein Magdalene Langen wird die Güte haben, uns einige Schu- mann'sche Lieder zu singen— pst— pst!" Vor Lena's Augen tanzten rothe Funken, und dann wurde es schwarze Nacht. Mechanisch, ohne zu sehen, machte sie ein paar Schritte gegen den Flügel.„Soll ich mich selbst begleiten," ftagte sie stockend,„oder—" „Nein, bitte." Doktor Reuter klopfte ihr be- ruhigend die Hand.„Es sind so viel musikalische Leute hier, Jemand wird die Güte haben." Er sah sich suchend um.„Ah, sieh' da, lieber Bredenhofer — ganz charmant— Sie wollen begleiten— schön, wunderschön! Sie verstehen ja Schumann aus dem ff, Sie Hans in allen Ecken!" Er legte dem schlanken, jungen Mann, der sich eben durchgedrängt hatte, die Hand auf die Schulter.„Noch ganz außer Athen,? Dacht ich's doch, natürlich noch in x anderen Ge- sellschaften gewesen! Also bitte, lieber Bredenhofer, darf ich vorstellen: Fräulein Magdalene Langen— Herr Richard Br— ah, Sie kennen sich schon, charmant, ganz charmant!" Vor Lena's Auge» war es noch dunkler geworden und jetzt plötzlich hell, blendend hell. Schwankend lehnte sie sich an den Flügel. Ein eiskalter Stron, lief ihr über den Leib, und dann schlug ihr eine glühende Hitze in's Gesicht. Da stand er vor ihr, dem sie nie mehr zu begegnen geglaubt— er! Die Gesichter ringsum wurden zu weißen, tanzenden Flecken, die Lichter in den Kandelabern streckten feurige, ellenlange Zungen heraus, es war ein Ge- löse, ein Rattern, ein Rasseln——— „Wollen wir nicht anfangen, gnädiges Fräulein?" Sie fühlte sich an der Hand gefaßt, warme Finger umspannten mit leisem Druck die ihren. „Welches Glück, Sie wiederzusehen, Fräulein Langen!" Sie hob den Blick; jetzt sah sie wieder. Da waren Menschen, eine ganze Menge Menschen, die nach ihr hinschauten; in der vordersten Reihe auf einem Samnietfauteuil die Hoheit, dahinter das nickende Gesicht Doktor Reuter's. Sie lächelte, sie nickte wieder.—.Welches Glück, Sie wiederzusehen'— wie Musik klang das! Einer war doch da, Einer, der sich freute, sie zu sehen, der fühlte, wie sie fühlte, mit Andacht vor die heilige Kunst trat. Vor dem lohnte es sich, zu singen. „Fangen wir an," sagte sie. Sie fühlte Muth, seine Augen sahen sie strahlend und zuversichtlich an. Sie mußte gut singen. Er stellte das Notenheft auf.„Was?" Und dann blätterten sie Beide, bis sie, wie von einem Impuls getrieben, den Finger auf die Seite legten. Sie sagten Beide:„Hier!" „Pst, pst!" Doktor Reuter klatschte in die Hände. Es wurde ganz still, nur ein leises Bewegen ging durch die Roben und Fräcke. Bredenhofer präludirte zur Einleitung, sehr weich und hübsch; wie Sammet glitten seine Finger über die Tasten. Jeder Ton war Lena eine Offenbarung — er freute sich, sie wiederzusehen— was mochte er von ihr denken—?! Fast hätte sie den Anfang versäumt, aber nun setzte sie ein, so kräftig sie konnte; mit einer gewissen Siegesfreudigkeit schleuderte sie die Töne heraus. „Im Rhein, im schönen Strome, Da spiegelt sich in den Well'n Mit seinem großen Dome Das große heilige Köln." Wie Schelmerei glitt's um ihre Lippen. Sie hatte den Flügel und den Begleiter im Rücken, nun wendete sie den Kopf ein klein wenig nach hinten. Bredenhofer sah ihre zarte Wange und den Ansatz zum Grübchen darin, er sah die braunen Haarringel um das zierliche Ohr zittern. „Es schweben Blumen und Englein Um unsre liebe Frau, Tie Augen, die Lippen, die Wänglein, Die gleichen der Liebsten genau." Schumann mochte sich den Schluß des Liedes anders gedacht haben, mehr wie ein zartes Erinnern in sanft dahingleitender Melodie. Lena machte ein jubelndes, freudvolles Wiedererkennen daraus; sie 3 t drängte vorwärts, um voll und frohbewegt zu schließen. Sie hatte das Lied früher nie so gesungen, es war ihr selbst eben neu geworden. „Bravo— charmant— bravo— ganz charmant!" Aus dem Klatschen hätte sie Toktor Nentcr's Stimme heraus. Ihr alter Freund hatte sich iiber die Hoheit gebengt und nickte, eifrig sprechend; diese nickte auch und, nickte dann Lena zu, die Hände huldreichst zu- samnienschlagcnd. Eine seltene Freudigkeit, der Wunsch, mehr zu gefallen, Jenem da am Klavier vor Allem zu gefallen, überkam sie! Sie ließ sich nicht bitten, Lied folgte auf Lied, mit jedem sang sie besser. Ihr war, als könne ihre Kehle nie müde werden, der Kitzel, der sie sonst so leicht quälte, kam ihr gar nicht; singen, singen ohn' Unterlaß, die Nacht durch bis zum frühen Morgen, das hätte sie gekonnt. Mit dem heißen Roth auf den Wangen, mit den feuchten, tiefgefärbten Lippen und den groß aufgeschlagenen glänzenden Augen war sie sehr hübsch. Sie war ganz bei der Sache, sie sah jetzt nicht niehr die vielen Augen in den gleichgültigen Gesichtern; an die dachte sie garnicht, aber sie dachte auch nicht mehr an Bredenhofer. Nur wie eine wohlthnende Berührung empfand sie dunkel und unbewußt sein weiches Klavier- spiel. Sie dachte jetzt nur an die Musik; ihre Seele wiegte sich auf den Klängen, sie war dem allen hier weit, weit entrückt, sie flog Häher und höher. „Wie macht sie hübsch den Mund auf! Was hat sie für reizende Zähncheu!" sagte ganz in der Nähe Jemand unvorsichtig laut. Lena hatte es hören müssen und zuckte zusammen; wie einen schmerzhaften Stich empfand sie es. Als ob sie Jemand am Kleid packte und ans der reinen Höhe herunterttsse, so war's ihr. Das Lied war beendet.„Wir wollen aufhören," sagte sie zu Bredenhofer. „Schon? O—! Thun Sie mir noch einen Gefallen, singen Sie mein Lieblingslied:, Wer machte Dich so krank?!' Hier"— er blätterte hastig— „Sie kennen es doch? Es ist so schön!" Seine Finger tasteten wie liebkosend iiber die Klaviatur — ein paar unbestimmte Akkorde— er murmelte: „Daß Du so krank geworden, Wer hat es denn gemacht?" Sie erschrak über den schwermiithigen Ausdruck, der sein eben noch so heiteres Gesicht beschattete. „Bitte, singen Sie es, Fräulein Langen, es paßt zu Ihrer Stimnie. Daß ich trag' Todcswnnden, Das ist der Menschen Thun; Natur ließ mich gesunden, Sie lassen mich nicht ruh'n. Noch das Lied!" Er sah sie bittend und sehnsüchtig an mit einem seltsam verwirrenden Blick. „Ich kann nicht!" Sie senkte den Kopf auf die Brust.„Ich bin heute zu glücklich!" * * Während des ganzen Abends hatten sie zu- sammengehalten. Jetzt war es schon spät. Draußen stand der Mond wie eine mattglänzende Scheibe am Himmel. Ein leichter Frost hatte die Erde gestreift, die Pfützen waren eingetrocknet, und doch war es nicht kalt. Bredenhofer schlug Lena den Kragen des Abend- mantels in die Höhe, als sie miteinander vor die Thür traten. Sie erschauerte leicht. Drinnen war's warm gewesen— das viele Licht, all die Menschen, und— und— Lena wußte selbst kaum, wie ihr zu Muthe war. Glücklich auf jeden Fall; aber es war eine seltsame Unruhe, ein Vorwärtsdrängen, eine fieberhaste Erregtheit in diesem Glück. Man hatte ihr sehr viel Schmeichelhaftes ge- sagt, die Hoheit ihr des Längeren und Breiteren von Poesie gesprochen und der begeisterte Freund und Kunstmäcen ihr enthusiastisch die Hände geküßt: „Kindchen, Kindchen, aus Ihnen wird noch was, ich hab's ja immer gesagt— ganz charmant— und wie Sie aussehen!" Er küßte sich entzückt die Fingerspitzen. Er hatte Recht— ein Blick im Voriibcrstreifen in den Spiegel— sie sah's auch, so hübsch war sie selten.„Nur ein bischen Glück," murmelte sie unhörbar, und dann lächelte sie und legte die schlanken Hönde an die glühenden Wangen. Ihre Augen waren glänzend, brennend, ihr Mund plauderte und scherzte; sie sagte, was sie sonst nicht gesagt haben würde, sprudelnd, witzig, und mitten drin biß sie sich mit den weißen Zähnen auf die liefrothe Unterlippe — nur nicht zu lustig! Der ganze Tisch amiisirte sich iiber sie; sie fühlte die freundlichen, ja bewundernden Blicke, sie hörte die Komplimente und nahm sie mit naiver Freude hin. Alle waren gut, sehr gut zu ihr, und Breden- hofer vor Allen; er wich nicht von ihrer Seite. Sie plauderten dann mitten im Schwärm halb- laut miteinander wie damals im Eisenbahnconpe; es gab ihnen so eine eigene Art von Vertrauisein. Manch- mal in früheren Nächten hatte Lena, nicht des Reise- gefährten, wohl aber des Kusses bei der Ankunft in Berlin gedacht; sie war dann unter die Decke gerutscht und hatte den Mund halb in Lächeln, halb in Verlegenheit verzogen, sie mochte sich selber nicht gern daran erinnern. Jetzt schämte sie sich garnicht mehr; sie wußte, er dachte doch gut von ihr: das sprach aus seinen Augen, ans seiner Stimme, aus seinem ganzen Wesen. Und nun war ihr, als hätte sie immer, immer an den Reisegefährten gedacht, als wäre ihr die ganze Zeit iiber nichts Anderes in den Sinn gekomnien. Als das Fest sich zu Ende neigte, hatte Breden- hofer gebeten, sie nach Hause bringen zu dürfen. „Es ist ein so märchenhaftes Glück, das mich mit Ihnen hier wieder zusammengeführt hat, lassen Sie mich's auskosten, Fräulein Langen— lassen Sie mich!" Und nun gingen sie. Hohl hallten ihre Schritte auf der einsamen Straße. Vor ihnen das Trottoir, mit einem leichten Gespinnst von Reif überzogen, glänzte wie Silber. Am Himmel unzählige Sterne, und mitten darin der Mond, ruhig im blaugrauen Aether schwimmend. Bredenhofer, das elegante Stöckchen unter den Arm geklemmt, den kostbaren Pelzkragen seines ■Mantels halb geöffnet, schritt dicht neben Lena. Sein Gesicht schimmerte bleich im Mondlicht, etwas übernächtig, aber seine Augen blitzten; immer wieder glitt sein Blick auf das Mädchen an seiner Seite. Von ihrem zarten Gesicht war kaum etwas zu sehen. Es verschwand ganz unter der großen rosa Woll- kapuze; Frau Langen hatte die selbst gehäkelt. Sie gingen schweigend eine ganze Weile.„Trapp, trapp," hallten ihre Schritte, und der Nachtwind kam und trieb die Löckchen unter der rosa Kapuze vor und zerrte sie in lange, seidige Strähnen. Breden- hofer hüstelte, faßte dann nach seinem Mantel und knöpfte ihn fest zu. „Sind Sie erkältet?" fragte Lena. Sie war froh, etwas sagen zu können. Und dann, ohne eine Antivort abzuwarten:„Es ist doch zu wunderbar, daß ich Sie stiiher nie bei Doktor Renter getroffen habe! Ich war auch im vorigen Winter oft da." „Aber ich nicht!" Er faßte wieder nach seinem Mantel und fühlte nach seinen Knöpfe».„Den vorigen Winter war ich im Süden, eine leichte Lungenentzündung machte die Nachkur nöthig. Aber nun bin ich gesund, gailz gesund!" Er lachte hell, daß es die Straße hinunterllang. Wie liebenswürdig, wie sorglos das Lachen klang! Mußten nicht die Schläfer da hinter den geschlossenen Jalousien alle aufwachen? Lena fühlte, wie ihr was im Herzen aufsprang; eine thörichte, köstliche Jugendfröhlichkeit, die gar keinen Grund hat und auch garnicht fragt:.weshalb?' übermannte sie. Sie machte einen kleinen Satz auf dem Trottoir und dann noch einen. „Friert Sie auch nicht?" fragte er. „Frieren? Haha!" Seine Frage bei der Herr- lichen Lnft, dem klaren Mondschein, bei der Wärme, die sie tief innen spürte, machte sie lachen. Und nun klang auch ihr Lachen hell und fröhlich die Straße hinab. Sie lachten Beide. „Pst! Wir werden wegen nächtlicher Ruhe- störung verhaftet!" Er drückte sich noch näher an ihre Seite.„Wann sehen wir uns wieder, Fräulein Langen?" Der Athem ging ihm rasch, seine hübschen Augen hingen flehend an ihr, er faßte nach ihrer Hand.„Ich habe so oft an meine liebenswürdige Reisegefährtin gedacht; nun habe ich sie kaum wieder- gefunden und soll sie schon wieder lassen?" Lena wurde verlegen; es schwebte ihr auf den Lippen, zu sagen:„Kommen Sie doch zu uns!" Sie glaubte die Bitte darum deutlich aus seinen Worten herauszuhören, aber sie dachte an ihre Mutter, was die wohl sagen würde, wenn sie ihr einen fremden Herrn auf den Hals lüde. Sie wurde noch verlegener.„Ich— ich würde Sie gern auf- fordern— zu uns zu— aber—" „Nein, nein," unterbrach er sie,„nur Sie will ich sehen— muß ich sehen! Ah"— er ließ ihre Hand los und fuhr sich mit der nervösen Bewegung über die Stirn—„ich bin ein Feind von For- nialitäten. Für freie Naturen sind sie der Tod." Er sah ihr tief in die Augen, seinen Schritt Hein- inend und vor ihr stehen bleibend.„Fräulein Langen, wir müssen uns zuweilen sehen; sagen Sie mir, wann und wo Ihre Stunden sind, ich werde Sie dann dort abholen oder hinbnngen." Sie schrak leicht zusammen.„Ich— ich— o—!" Sie schüttelte verneinend den Kopf. Er lachte plötzlich bitter auf, maß sie von Kopf bis zu Füßen und lachte noch einmal bitterer.„Nalür- lich! Wie die anderen Mädchen auch, prüde, ängstlich! Und ich dachte, Sie, gerade Sie, könnten sich über das Alltägliche erheben; Sie sonnten einem Mann, der nmhertappt und sehnsüchtig das Ideal sucht, das Ideal sein!" Er faßte ihren Arm und preßte ihn derb in seiner Erregung.„Ah, Fräulein Langen, Sie wissen nicht, was das heißt, als junger Mann haltlos im Leben taumeln! Das Viele, das Viele bringt Einen um! Ich wünschte, ich wär' ein Schuster oder Schneider und hätte gar kein Talent und gar kein Streben, dann wär' mir wohler. Ich hätte wenigstens Ruh'. Aber so!" Er faßte nach seinem Schnurrbart und klemmte ihn zwischen die Zähne.—„Aeh!"— „Ach!" Lena war blutroth geworden.„Es thut mir sehr leid," sagte sie leise. „Ja"— mit einem gewissen schwermiithigen Behagen fuhr er fort—„man hat erst Ruhe, wenn man im Grabe liegt. Verstehen und bedauern wird Einen dann zwar auch noch Keiner. ,Der hat's zu nichts gebracht', sagen sie und zucken mit den Achseln. Es ist zum Verzweifeln!" Er be- schleunigte seinen Schritt und riß Lena mit sich. Sie waren jetzt schon in der Potsdanierstraße, bald waren sie am Ziel. Lena fühlte das dringende Bedürfniß, ihm etwas Liebes zu sagen. Sie tastete nach seiner Hand und drückte sie.„Ich glaube, es ist wohl jedem Talent so zu Muth!" „Das Talent, das Talent! Das ist's ja eben!" Er fuhr sich wieder iiber die Stirn.„Fräulein Langen"— in einer plötzlichen Begeisterung hielt er ihre Hand fest—„ein mächtiges Fluidum strömt von Ihnen zu mir, von mir zu Ihnen. Der gleiche Funke von oben hat knisternd unser Haar berührt!" Er raunte vorwärts mit langen Schritten; sie hatte Mühe, Tritt zu halten, keuchend lief sie nebenher. Er sah traurig und finster aus, die Stirn in viele Falten gezogen; im gegenseitig sich bekämpfenden Mond- und Laternenlicht waren sie deutlich genug zu erkennen, die tiefen Runen, wie in einem alten Männergesicht.„Und Sie wollen nicht!" sagte er hastig.„Sie könnten mir so viel Gutes thnn, wir könnten so schön Alles miteinander besprechen! Ich bin kein schlimmer Kerl"— er sah ihr offen in's Gesicht mit einem treuherzigen Lächeln, das ihn sehr verschönte und seinen Zügen einen fast knabenhaften Reiz lieh—„Sie brauchen keine Sorge zu haben, ich niein's ganz ehrlich!" Seine Stimnie klang warm, gewissermaßen zärt- lich; so spricht man zu einem Kinde:„Fürchte Dich nicht!" Lena sah in seine Augen, deren Weiß im nn- gewissen Licht in seltsam feuchtem Schimmer schwamm; sie schlug die Augen rasch nieder.„Ich will ja ich will ja," sagte sie ängstlich stockend und doch mit einer gewissen Freudigkeit. „Dank!" Und dann sprachen sie Beide nichts. Es war eine lange Pause, in der nur ihre Tritte hallten 35 und in der Ferne ein Echo fanden. Da gingen auch Menschen, aber so weit, so weit! Die Sterne blinzelten nnd znckten am Himmel. Ein Lnfthanch kam durch die stille Nacht und säuselte in den kahlen Bäumen am Trottoirrand. '„Wie im Frühling," flüsterte Lena. „Es ist auch Frühling— bei mir," sagte er ebenso leise. Sie bogen in die letzte Querstraße ein, sie hielten vor einem hochstöckigen Hause.„Ich danke Ihnen vielmals; nun bin ich zu Haus!" Lena zog den Schlüssel heraus. Er nahm ihn ihr ab und steckte ihn zögernd in's Schloß.„Fräulein Langen"— er beugte sein Ge- ficht ganz nahe an das ihre—„nun sagen Sie mir, wann, wann darf ich Sie wiedersehen? Morgen, übermorgen, bitte!" „Uebermorgen!" Es klang wie ein Hauch. Daun hastig:„Bitte, schließen Sie auf, bitte, ich muß rasch hinauf!" Er drehte langsam den Schlüssel.„Und ich darf Sie hier erwarten, hier vor der Thür? Um welche Stunde? Bitte!" „Um zehn!" Sie mußte plötzlich lachen, als sie sein Gesicht sah.„Es ist sehr früh für Sie, nicht wahr?" Ihr liebes Gesicht blinzelte ihn schelmisch an— was sie für Augen hatte, kinderrund und blaut und doch abgrundtief! „Ich— ich— Fräulein Langen— Lena—!" Er war wie trunken, er faßte, gleichsam einen Halt suchend, nach dem Mädchen. Seine Rechte schmiegte sich unter das rosige, kühlglatte Kinn; mit der Linken Zog er sie an der widerspenstigen Haarlocke über der Stirn sachte näher und näher. Ihr Kopf lag an seiner Brust; die rosa Kapuze hing ihr im Nacken. „Lieb— so lieb!" flüsterte er auf den braunen Scheitel herunter. Sie nickte stumm. War's ein Kuß, den sie da oben auf ihrem Haar fühlte, eine liebkosende Hand in ihrem Nacken? „Gute Nacht!" Sie riß sich los. Und mm noch einmal ein Lächeln:„Gute Nacht!" Die Thür sprang auf— jetzt war sie geschlossen. V. Doktor Alleiistein und Frau Susanne, geborene Bredenhofer, wohnten Kanonierstraße, in einem der dort noch seltenen eleganten Häuser. Ringsherum, gegenüber, rechts oder links mehr oder weniger recht Vrooinzialstädtisch aussehende, langweilige Bauten; die Straße etwas düster, dazu ewiges Pferdebahn- gfklingel. Aber die Lage war gut, überall leicht d'» zu kommen, die Theater und Konzerte bequem zu �reichen; nebenbei ist es für einen Arzt erwünscht, m der Mitte der Stadt zu wohnen. „Spezialist für Nasen- und Ohrenkrankhciten" stand auf dem Schild unten am Haus. Alleiistein hatte eine große Praxis. In den vor- und nach- mittäglichen Sprechstunden wurden die tcppichbelegten treppen ordentlich abgelaufen; die elektrische Klingel n" der Entre'ethür vibrirte in einem fort, bis sich's mau Susanne energisch verbeten hatte.„Ich werde dald zu Deinen Patienten gehören," klagte sie ihrem Manne,„meine Nerve» sind zum Reißen angespannt. �ch, schrecklich"— sie hielt sich die Ohren zu— i'schon wieder! Ich glaube, mein Trommelfell tpringt!" Seit der Zeit stand der Diener hinter der halb vffcneii Entrc'ethür und komplimentirte die Leute h'ncin und hinaus; geklingelt wurde nicht mehr. Und waren die Patienten alle fort, dann machte Man einen Höllcndurchzng und sprengte mit wohl- fwchcndeu Essenzen. Die gnädige Frau war so Überaus empfindlich, der Geruch von Krankheit und Medikamenten machte sie krank. Sie roch schon ebvas, wo ein anderer Mensch noch garnichts ahnte; °a>m zitterten ihre feinen Nasenflügel, sie nahm eine sM» de Cologne-Dmiche und verkroch sich in ihr Schlafzimmer, ganz an's Eudc der großen Wohnung. �ort lag sie auf dem Ruhebett, den angegriffenen K°pf in das seidene Kissen gedrückt. Susanne Alleiistein war als Fräulein Breden- hcher ein hübsches Mädchen gewesen. Einen ner- vösen Zug in dem blassen, interessanten Gesicht, um me dunklen Augen, hatte sie ininicr gehabt; jetzt trat der sehr stark hervor. Sie hatte die gleiche Angewohnheit wie ihr Bruder Richard, mit der Hand über die Stirn zu scheuchen. Doktor Allenstein nahm viel Geld ein; man brauchte es aber auch. Gesellschaften geben, in Ge- sellschaften gehen, Toiletten, die Theaterpreniieren, Konzerte— Frau Susanne hatte das entschiedene Bedürfniß, sich zu zerstrenen, einen Heißhunger nach bunter Abwechselung; und er, der Doktor, wünschte, daß ein besonders guter Tisch geführt würde. Dazu im Frühjahr eine Kur in Franzensbad für sie; später im Sommer, wenn es dem Doktor gelang, sich los- zumachen, ein gemeinschaftlicher Aufenthalt in Pon- tresina oder Splt. Alan traf stets nette Menschen dort nnd machte angenehme neue Bekanntschaften. Man war nie allein, man hatte immer Unterhaltung. Frau Susanne dachte gerade daran, wieviel Ein- ladiiugen sie in diesem Winter schon wieder mehr erhalten, wie im vorigen, als sie auf der Chaise- lougue im Schlafzimmer lag. Die dichten Stores waren zugezogen; beschäftigen konnte man sich in dem halbduiiklen Zimmer nicht, nur das Feuer im Kamin warf lange Lichter über den Teppich. Der große Tannenbaum war zerhackt worden; jeden Vormittag, wenn Frau Doktor ruhte, kam das Smbenmädchen herein und warf einen ganzen Arm voll dürrer Zweige in den Kamin. Das prasselte und knackte so hübsch und roch nach lauter Wald und Poesie; dabei ließ sich gut träumen. Die schlanken, nahezu mageren Glieder lang ge- streckt, die Anne zu beiden Seiten des Ruhebettes schlaff herunterhängend, lag Susanne.. Um die Augen hatte sie viele kleine Fältchen und einen scharfen Zug unter der Nase. Sie war heute besonders an- gegriffen; erst in der Morgenfrühe von einem Ball nach Haus gekommen, um Neun war Karl schon herausgepoltert— wie rücksichtslos!— und eben war das Mädchen dort am Kamin gegen den Stuhl geraunt, daß man vor Schreck einen Nervenchoc be- kommen konnte. Die Zweige im Kamin prasselten, jetzt ein lautes Knacken— die Rnhende schreckte zusammen und fuhr hoch auf.„Ha!" Mit unruhigen Fingern zupfte sie die Schleifen au ihrem spitzenbesetzten mattlila Morgenrock znrecht.„Habe ich mich erschreckt— ha— I" Sie strich sich die Haare aus der Stirn und hielt sich den Kopf.„Wie Alles an mir zuckt— wer ist da? Herein!" Sie sagte es ziemlich scharf; sie wollte doch nicht gestört sein, die Ruhe that ihr so uoth! Eine angenehme Stimme rief draußen:„Gut Freund!" Gleich darauf schob sich Richard Breden- hofer's elegante Gestalt in die verdunkelte Stube. (Fortsetzung solgt.) ch Am KrenzmclLl'. Von Marti» Stein. f s ist ein großer Jrrthmn, der noch heute weite Verbreitung hat, wenn man erklärt, der im- geleckte Germanenbauer danke im Anfang seiner Geschichte, im Frühmittelalter, seine Kultur dem Christenthum, öhristlich-germanisch hört man oft die gesammte mittelalterliche Kultur benennen mit einer Bezeichnung, welche nicht gerade ganz und gar aus der Luft gegriffen, für das Frühmittelalter aber geradezu falsch ist. Daß Alles das, was das Christenthum au materieller Ki.lmr zu Anfang seines Daseins besaß. auf der Antike, dem klassischen Alterthum der Griechen und Römer, und was die religiösen Ideen anlangt, ganz wesentlich auf jüdisch-orientalischer Grundlage beruht, ist sattsam bekannt. Ohne jeden Zweifel darf man die materielle Kultur des Mittelalters als römisch-germanische bezeichnen. Alle Arbeitsverfahren, alle Technik in Künsten nnd Handwerken beruhen auf den lieber- lieferungen der Antike. Selbst die christlich-kirchliche Kunst übernahm die antiken Rohstoffe nnd Bearbei- tungsweise» desselben, wie auch Typen und Formen. Was Deutschlands Kultivirung anlangt, so geschah dieselbe theils dadnrch, daß einzelne Germauen als Kaufleute oder Gesandte, in noch viel größerer Zahl aber auch als Soldaten, welche die verbün- deten oder unterjochten Stämme den Römern stellen mußten, auf römischem Boden die erhöhte und ver- schönte Lebensführung einer vorgeschrittenen Gesittung kennen lernten und mancherlei davon mit in ihr barbarisches Vaterland zurückbrachten, wenn sie heim- kehrten. Andererseits trugen Roms siegreiche Heere eine Menge Kulturgüter in die Gaue Germaniens. Am nachhaltigsten natürlich da, wo sie sich länger oder ständig aufhielten, in den festen Plätzen des zu be- hanptenden Feindeslandes und am Grenzwall. Der Name Grenzwall, Pfahlgraben oder auch kurzweg Pfahl genannt, Limes, wie die Römer sagte», läßt sich am kürzesten übersetzen mit dem Ansdruck Militärgrenze. Man hat früher gemeint, daß der Limes eine Pfahlverschanznng, eine Palis- sadenabsperrung längs der ganzen Grenze des von den Römern ihrem Reiche einverleibten Gebietes gegen das Feindesland gewesen sei, eine Art chinesische Mauer von Pfählen; das ist jedoch technisch und auch was den Kostenpunkt anlangt, recht unwahr- scheinlich. Es war vielmehr die deutliche Marke, die Kennzeichnung der Grenze des römischen Reiches, „die Niemand in Zweifel ließ, was er thue, wenn er sie überschritt"(v. Cohausen). Der Grenzschutz zwischen Rhein und Donau besteht zum großen Theil in seinen Fundamenten heute noch. Der obergermanische Limes reicht von Rheinbrohl bis Lorch und ist 368 Kilometer lang. An ihn schließt sich der rätische, 174 Kilometer lang, an. Von der Donau her bei Kohlheim, oberhalb Regens- bürg läuft dieser, zweimal die Altmllhl überschreitend, im Bogen nach Westen ebenfalls nach Lorch. Die Kastelle des obergcrmanischeu Limes sind eine» halben Tagemarsch oder 15 Kilometer voneinander entfernt. Wo nicht Flüsse das Terrain sperren, sind künstliche Vorrichtungen angebracht: Verhaue und Palissaden, oder ein mäßig hoher Wall mit außen vorgelegtem Graben und in kurzen Entfernungen hinter denselben angebrachten Wachtthürmen. Die rätischen Kastelle liegen ebenfalls hinter Verhau oder Wall, nie weiter davon entfernt als einen halben Kilometer. Ter rätische Wall ist eine bloße durch Aufschüttung von Bruchsteinen bewirkte Sperrung ohne Graben und Wachtthürme, mit der auch die Kastelle ohne organische Verbindung sind; keins ist näher am Limes als 4 bis 5 5tilo>neter. Nicht wie der britannische Wall hat der ger- manische Limes den kriegerischen Zweck, die Feinde von einem Einbruch abzuhalten, sondern vornehmlich sollte keine unkontrolirte lleberschreitung der Grenze stattfinden und die Kästelle sollten die auf sie ans- laufenden Straßen schützen, zugleich auch als Zoll- Häuser dienen. Der Stamm der Hermunduren durfte sogar(allein von allen Germanen) ohne Kontrole die Neichsgreuze überschreiten und im römischen Ge- biet, namentlich in Augsburg, frei verkehren.— Ein französischer Gelehrter, Graf Champagny, sagt in einem Werke über römische Kaisergeschichte: „Kein Volk ist im Kriege mehr Architekt gewesen als die Römer. Ihre Wachtgebäude waren Festungen, und ihre Lager sind Städte geworden, sie kämpften mit der Mauerkelle ebenso wie mit dem Schwerte." Uralter Brauch der römischen Heere war es, selbst wenn sie nur eine Nacht an einem Orte bivona- kirten, ein regelrechtes Lager mit Wall und Graben und Palissadenwerk zu errichten. Schauzpfähle ge- hörten zu der regelrechten Ausrüstung des Legions- soldateu zu Fuß. Daß die römischen Legionen (Regimenter würden wir etwa sagen) ihre Zimmerer- und Maurertalente da besonders entfalteten, wo sie dauernd in Garnison blieben, versteht sich von selbst. Das bestätigen die von Reichswegen seit 18!) 2 methodisch betriebenen Forschnngs- und Ausgrabungsarbeiten, welche den Zweck haben, das ganze Grenz- system des römischen Reiches auf deutschem Boden und seine allmälige Entstehung wissenschaftlich fest- znstelln. Man muß alle Achtung davor haben, wie die römischen Legionäre ihre heimische Kunst unter den primitiven Verhältnissen an der Reichsgrenze am Limes bcthätigt haben. 36 Die Neue Welt. Zllustrirte Unterhaltungsbeilage. Unter den Kastellen, die bisher genauer erforscht römischen Soldaten, die an den Limes gebunden sind, ist bei weitem das bedeutendste das der Saal- waren, den Tiefbrnnnenban. Was das für eine bürg bei Homburg vor der Höhe, um dessen Er- Förderung der Garten- und Feldkultur bedeutet, forschung und wissenschaftliche Schilderung sich der liegt auf der Hand. Baurath Jacobi große Verdienste erworben hat, wie Blumen, Früchte und Gemüse aller Art, an- auch der verstorbene Jngenieuroberst August von fangs von italischen, französischen, also römischen Cohausen, dem die Limesforschung im Allgemeinen Händlern eingeführt, von den Deutschen gekauft und großen Dank schuldet. genossen, wurden allgemach von ihnen selbst gezogen: Suchen wir uns ein Bild zu machen von dem Wein, Kirschen, Pflaumen, Kohl, Senf usw. Leben am Grenzwall. Damit wurde der Speisezettel mannigfaltiger, Mit ihren Kultnrgewohnheiten und Kulturbedürf- die Auswahl der Lcbensmittelvorräthe größer, das nissen brachten die römischen Soldaten vielleicht nicht Leben genußreicher und schöner, bis in den zu die volle handwerksmäßig gelernte Geschicklichkeit, einiger Lolkszahl, Größe und Wohlhabenheit heran- aber die Kenntniß ihrer Produkte mit und etwas wachsenden wirklichen Städten alle Bequemlichkeiten, Kenntniß der Technik. ja alle Moden der Weltmetropole nachgeahmt wurde. Neben ihrem militärischen Dienst: Wachestehen, Bei längerer Bluse schufen sich die an Roms Patrouillegehen, Exerziren hatten die Soldaten— im Lebensannehmlichkeiten gewohnten Offiziere und Bc- Taunnskastell der Saalburg meistens Räter und Binde- amten ihre Badehäuser, Rennbahnen! endlich er- licier, also gernlanischeHiilfstrnppen— mitHandwerks- standen sogar Theater und Odeen, d. h. Konzert- arbeiten alle Hände voll zu thun: in erster Linie mit Häuser. Ten Legionsgottheiten errichtete man an Instandhaltung der Wallbefestigungen, als Zimmerer geeigneten Plätzen Altäre, den verstorbenen oder im und Maurer, dann als Bearbeiter von Stein, Holz, Kampf gefallenen Kameraden Denkmäler und Grab- Leder und Metall, um Waffen, Kleider, Schuhe usw. steine in mehr oder minder künstlerischer Ausführung. zu verfertigen für ihren Bedarf. Auch Schulen für die Nachkömmlinge entstanden in Mit ihren germanischen Hülfsvölkern betrieben den Städten, die fleißig benutzt wurden. die Römer im Taunus Bergbau auf Eisen, bauten Den Soldaten und Händlern schlössen sich zu- Hochöfen, von deren Betrieb noch mächtige Schlacken- gezogene Handwerker ans Südfraukreich, aus Italien Hügel bei Oberhaiu Zeugniß ablegen. Am Glas- an und wurden anfangs zu Lieferanten vollkomm- köpf, westlich vom Feldberg, tvar eine Glashütte in nerer handwerklicher Produkte, allmälig zu Lehr- Gang, in welcher 30 Geviert-Ecntimeter große Glas- meistern ihrer Künste für die staunenden Barbare», scheiden für die vornehmen Wohnungen am Grenz- die den Bortheil vollkommnerer Geräthe, Waffen usw. wall hergestellt wurden. schnell begriffen und Jenen gleich zu thun trachteten. Um das Festungswerk, das Fort, in tvelchem Stellen wir uns nun einmal vor, wie eine solche die Garnisonen stationirt waren, herum standen lange Kulturlinie, wie die römische Militärgrenze, anfangs Zelte, dann Hütten, endlich feste Häuser, auf das Volk jenseits des Walles wirken mußte. in denen Händler(mereatautes) ihren Aufenthalt Hatte einer der„Barbaren" den Limes passirt hatten, welche den Soldaten allerlei kleine Bedürfniß- und die Wunder einer höheren Lebensführung mit artikcl verkauften, ihnen wohl auch etwaige nicht eigenen Augen gesehen und allerlei neue Lebens- sofort verzehr- und verwendbare Stücke ihres etwaigen erleichterungeil und-gewisse kennen gelernt, so kam Beuteantheils nach einer siegreichen Expedition ab- er heim, voll der neuen Eindrücke und Erfahrungen, handelten. berichtete davon und erregte die Neugierde seiner Auch die Soldaten selbst bauten sich Wohnungen Volksgenossen. Andere bekamen Lust, diese Wunder für sich und ihre Angehörigen. Unter den Legionären auch kennen zu lernen; man suchte herbei, was man waren manche lange Jahre außerhalb Italiens, Ueberflllssiges hatte, um es einzutauschen gegen Neues, schloffen eheartige Verbindungen— nicht streng Schönes, Nützliches, Lustbares, was nur von jenseits römisch-rechtliche Vollehen!— und blieben haften, des Limes einzutauschen war. Man sah, lernte, da sie nach so langer Zeit der italischen Heimath tauschte, kaufte— und ahmte nach. allgemach entfremdet und hier eingewurzelt waren. Lebhafter und lebhafter wurde der Verkehr, immer Auch ausgediente Veteranen verwendeten ihren ge- mehr wurden die Zustände jenseits des Limes ro- sparten Sold oder Ehrengeschenke dazu, sich anzii- manistrt, kultivirt. Auf deutschem Boden erstanden siedeln. Sie richteten ihre Wohnungen ein nicht mit der Zeit Römerstädte, in denen ein Leben wogte nach Art der„Barbaren", in deren Land sie hier so heiß, wie in der ewigen Roma selbst, in denen saßen, sondern nach Römerweise. Ilnd diese Weise kaum eine Bequemlichkeit, ein Lebensgenuß fehlte, ward von den Germanen angenommen. Das zeigt den der raffinirteste Lebemann aus der Hauptstadt schon die große Anzahl römischer Fachansdrücke der des Weltreiches nur wünschen konnte. Ja Glieder deutschen Sprache im Bauwesen. Da haben wie die der kaiserlichen Familie, selbst Damen derselben, Mauer— lateinisch rnurus, aus Bruch- oder Back- fanden ihr volles Genüge in Colonia Agrippina, steinen, den die Steine verbindenden Mörtel— dem heutigen Köln, in Trier, der belgischen Kaiser- lateinisch niortarium, den Kalk— lateinisch calx. stadt, und in vielen anderen Römerstädten auf gcr- In die Mauern werden Fenster— lateinisch fenestrae manischem Boden. und Pforten— portae— gebrochen oder eingebaut, Tie Germanen erwiesen sich als sehr gelehrige das Dach bedeckt sich mit Ziegeln— tegulae; im Schüler, denn wir dürfen sie uns schon zur Zeit, da Hause befinden sich gewölbte Gelasse, Kamnwrn— der römische Grenzwall seine Kulturwirkungen begann, eamerae. nicht mehr als„Wilde" vorstellen. Nahmen doch Nahe dem Kastell bildete sich die bürgerliche auch die Römer mancherlei gernianisches Kulturgut Niederlassung, die Lagerstadt, bewohnt von den ge- an, das ihnen schön und nützlich erschien! Wovon nannten Elementen: dem Troß des Heeres, den vielleicht ein anderes Mal gehandelt werden soll. Marketendern und Händlern, von römischen und ger- Sicherlich aber danken sie den Römern unendlich manischen Zuzüglern. Hier konnte sich römische Bau- viele Bereicherungen ihrer Kenntnisse, Fähigkeiten kunst und römische Handwerksgeschicklichkeit in um- und Fertigkeiten, jedenfalls früher gespendete und fangreicher Weise bethätigen. unendlich mehr, als den Propagandisten des Christen- Auch die Bodenkultur nahm einen mächtigen thums, den großen Bekehrcrn und ihren Schülern, Aufschwung. Das Beispiel der Römer, der Sol- den Mönchen. Darum haben wir sicherlich eher das daten sowie zugewanderter römischer Bürger, welche Recht, die Kultur des Mittelalters römisch-germanisch die Eingeborenen dazu anleiteten, bestimmten die zu nennen, als christlich-gcrmanisch. In dieser Be- Ureinwohner zu umsichtigerer Rodung der Wälder, Zeichnung sind im Gegentheil zwei Eleniente zu- wodurch ausgedehnte Breiten Ackerlandes für den sammengekoppelt, die sich ihrem innersten Wesen nach Pflug gewonnen wurden. Höher entwickelte Land- ausschließen, sich feindlich gegenüber stehen wie Wasser wirthschaft faßte Fuß in Germanien, man eignete und Feuer.„Christenthum und Deutschthum sind sich die besten Geräthe und Methoden schnell an, Gegensätze", schreibt Cleinpanl in seinem knltur- man erhielt durch römische Vermittelung eine Menge geschichtlichen Werke: Das Mittelalter,„durch die neuer Kulturpflanzen, namentlich Obstbännie. Hatte Einführung des Ehristenthums hatte das deutsche man sonst Siedelnngcn nur da errichtet, wo genieß- Volk seine Religion, seine Sprache und seine ganze bares Wasser zu Tage lag, so lernte man von den Nationalität verloren." Als die christlichen Kulturträger kamen, brachten sie an materiellem, technischem und sonstigem Gut auch ferner nichts Eigenes, sondern Habe und Er- rungenschaften des klassischen Alterthums und setzten lediglich fort, was vom Grenzwall ans schon vor ihnen nach Germanien hinein gewirkt hatte. Sie pflegten es, lehrten es auch den Heiden, die sie dann tauften, daß sie es üben möchten zu ihrem eigenen, d. h. der Kirchen und Klöster, zu der Pfaffen und Mönche Vortheil, die sich die Arbeitserträge ihrer Zöglinge und Gläubigen genau so vortrefflich an- zueignen verstanden, wie der römische Sieger es ehedem gcthan hatte.— Mt KtombWilf im fMdjni Schmrzmlir Von Oskar Geck. on Säckingen aus, der idyllisch am Rhein gelegenen Trompeterstadt, erreicht man auf der neuen strategischen. Bahnlinie Säckingen- Schopfheim, die dazu bestimmt ist, im Verein mit der neuerbauten Verbindungsswecke Lörrach-Leopolds- höhe das in den Baseler Rheinwinkel hineinragende Stückchen Schweizer Landes zu umgehen, in kaum einer halben Stunde die Station Hasel am Ein-| gange des wohl 3 Kilometer langen Fahrnautunnels. Alan steigt nach rechts in dem saftigen Wiesenthal am Haselbach aufwärts und erblickt schon nach wenigen Minuten das Hüttchen rechts unten an einem Hügel- abhang, das über der Eintrittsstelle zur Haseler-, auch„Erdmannshöhle" genannt, erbaut ist. Der äußere lieberbau der Höhle, der durch einen kaum 30 Meter hohen, oben abgeplatteten und mit Buschwerk, Obstbäumen und Feldfrüchten bewachsenen Hügel gebildet wird, bietet nichts Auffälliges, und Niemand würde in seinem Inneren etwas Besonderes vermuthen. Den Grundbestand der Anhöhe bildet der in jener Gegend häufig vorkommende und vielfach als Straßenschotter verwendete Kalkspat. Darüber hinweg führt mittelst bleistiftdicker Kupferdrähte die Leitung der an den Rheinfeldener Stromschnellen gewonnenen elektrischen Energie hinüber in das obere Wiesenthal, wo sie als Kraft- und Lichtquelle in den Dienst der dort zahlreich vorhandenen großen industriellen Etablissements gestellt wird. Bald werden in jenem Thale die vielen riesigen Fabrikschlote ihr Qualmen eingestellt und die Dampfmaschinen den letzten Kolbenhub gethan haben; und an ihre Stelle tritt die Elektrizität, die Tochter des schönen Rhein- stromes, der auf dem Wege vom Bodensce bis Basel, eingezwängt zwischen den Ausläufern von Schwarz- wald und Jura, in unermüdlichem Schaffensdrang seine Jugendkraft bethätigt. In dem bescheidenen Hiittchen am Eingang zur Höhle werden die Besucher in weite leinene, mit Kapuzen und Aernieln versehene lleberwiirfe gesteckt, die sie gegen die herabfallenden Wassertropfen schützen sollen, indeß der Führer, der jugendliche Sprößling des Besitzers, der im nahen Dorfe Hasel gelegenen Gastwirthschaft„Zur Erdniannshöhle", eine Handvoll langer Bnchenspähne in Brand setzt, die er dann als bescheidene Leuchten unter die Höhlenwanderer ver- theilt. Wenn man den durch Absprengungen künstlich erweiterten Eingang passirt hat, gelangt man nach etwa zwanzig Schritten in einen weiten und hohen Raum, die sogenannte Versammlungshalle, von der aus die Höhle sich nun in drei Gänge gliedert. Rechts hin führt eine Holztreppe hinauf in de» „langen Gang", gradcans geht's hinab in die„Bach- höhle", links zum„Höhlensee". Alan folgt dem jungen Höhlcnstrategen zuerst in den„langen Gang"- Hier beginnen die eigentlichen T r o p f st e i n b i l d u n g e»- Die Wissenschaft erklärt die Entstehung dieser Mineral- form jüngsten Ursprungs als einen Niederschlag ans den herabträufelnden Wässern, die vermöge ihres KohlensänregehalteS den Kalk des iibergelagerten Kalkspa'es aufgelöst und bis zur Bildungsstelle mit- geführt haben. Decke und Wände des Ganges si" mit beut Hijs-leiistein wie U"t cinei gelbe» Gln'iir überzöge». Das Juice- tffmitere sind jedoch die uiannigfacheii.zumTheil wiiudeelichc» Forinatio- »cn, zu bencu sich die von der Decke herabliängeu- ben Stalaktiten sowie die l>om Boden aufwärts »'achsenden Stalagmiten »»sgestaltet liaben. Während die ersteren I>ch der«Gestalt der C'is- iapfen nähern, stellen die Echteren mehr flachkcgel- förmige Gebilde dar. Aber auch eine ganze Anzahl eigenartig kom- öinirter Formationen Üad in dem sich ziemlich �il hinziehenden, bald öopvelt mannshohen, � bald wieder zum Bücken !»f�drigxn„laiigenGa»g� � sehen. Die Höhle soll im v«ihre 1823 von ciiicm �chullehrer der Haseler hegend entdeckt worden ! f�u. Man ist nnn »nenbar zuerst daran begangen, die schönsten und hervorragendsten Gebilde derselben mit bassenden Namen zn besehen, wobei die Mit- Wirkung eines benach- barten naturkundigeti i Mrrherrn eine ent- dheidende Nolle gespielt s 5» haben scheint. Denn I � groster Theil der i."»laly geivählte» und eingebürgerten Be- 1'etchiutngeii ist dem un- !"»»elbar nächsten Ge- I»»kenkrcis des christ- !'chen Seelsorgers ent- «onimen. Wir finden > Jf die„Krippe von �hleheni" mit den "f vei Weisen ans dem .Margen lande", die„Ka- S", den„Kanzel- i �el". de,„Ghor- SeI". die„Lrgel. den„Dom zn °»"-c. Aber auch «deren Gebieten des � hat man die l ih,a"InQlne11 für die I �derlichen Kinder der !®t»i: entlehnt, bei deren >n'ofern mit- ! eine mächtige ! I'drfie mitgespielt . scheint, als �.Aehiilichkeit mit den ! Gegenstände» ». den � Besucher oft I'ui l schwer hcrans- Ter Distel- ich.,.' die„Sieges- i e z,l Berlin", der j L'7?"ische Füll- l chve«'..>"Dodtenge- lZ."'Ndem.Todieu- ! A.,f,."Nirüe»- �»e,, den,„»einer- -!>,. �arg«„„d den �' lenbiltern" sind die t- I �''«'lenderzum Theil l.emiche,, Ge- T 38 Die Reue Welt. Illustnrte Unterhaltungsbeilage. bilde. Einzelne der gewählten Neimen sind ein Beweis dafiir, daß man es verstanden hat, im Laufe der letzten Jahrzehnte in der Nomenklatur der Höhle den tech- nischen Fortschritten und Errungenschaften unserer Zeit die ihnen gebührenden Konzessionen zu machen. Mit Ausnahme des„Chormantels", des„Kanzel- deckels" und der„Orgelpfeifen" gehören die genannten Gebilde ausnahmslos dem„langen Gang" an, der die größte Mannigfaltigkeit in den Tropfsteinsormen aufweist und dessen Abschluß bisher noch nicht ans- gefunden werden konnte, obwohl die Forscher noch Hunderte von Metern weiter vordrangen, als es dem gewöhnlichen Besucher zu gehen möglich ist. An einzelneu Stellen haben sich Stalaktiten und Stal- agniiten, also die herab- und die hinauswachsenden Bildungen, in der Mitte der Höhe die Hand gereicht und sind dann zu mächtigen, fast zisiindrischen Säulen ausgewachsen, von denen die stärkste wohl vier Bieter hoch ist und an der schwächsten, der Vereinigungs- stelle jetzt schon einen Umfang von mindestens sechzig Zentimetern aufweist. Tie interessantesten Formen, die in ihrer Aehnlichkeit dem Original zugleich auch am nächsten kommen, finden wir beim„amerikanischen Füllofen". Der Führer versäumt es nicht, seinen Lichtspahn in das Innere- desselben hineinzuführen, so daß nian Gelegenheit hat, die geradezu prachtvolle Konstruktion des schönen Gebildes bewundern zu können. Auch die geräumige„Fürstengruft" macht einen imponirenden Eindruck, ebenso der„steinerne Sarg", ein von der Tropfsteinglasur überzogener und mit allerlei erstaunlich regelmäßig angeordnetem Zierrath geschmückter mächtiger Steinblock. Das gewaltigste und in seiner Eigenart ein- drncksvollste Gebilde ist jedoch in der„Bachhöhle" zu sehen, zu der man von der„Versammlungshalle" auf einer Treppe etwa zehn Stufen hinabsteigt. Oben schon hört man das Rauschen des Wassers, und wenn man nuten ankommt, führt ein hölzerner Steg über einen ansehnlich starken, rasch und klar dahin- fließenden Bach weg, der sich in zahllosen Windungen durch die Höhle schlängelt, und dessen Austrittsstelle aus dem unterirdischen Gefängniß bisher noch nicht festzustellen war. Starke Niederschläge pflegen das Wasser bis zur Höhe des Steges, also wohl zwei Bieter hoch, anzuschwellen; und in Momenten heftiger Barometerstürze, wenn der Druck der atmosphärischen Luft sich rasch und stark vermindert, soll das Steigen des Wassers manchmal so überraschend schnell vor sich gehen, daß Leute, die auf ihrem Gange durch die Bachhöhle den Brückensteg trockenen Fußes passirt haben, auf dem Rückweg denselben bereits vom Wasser bespült vorfinden. Von der Decke dieses wohl sechs Bieter hohen Raumes herab hängt nun der mächtige„Chormantel", wie gesagt, das gewaltigste Tropfsteingebilde der ganzen Höhle. Der Mantel mißt bis zur untersten Spitze gute 2—2'/- Meter und ist in geradezu malerische Falten gelegt, deren verschiedenartigeFarben- nnancen, vom dunkeln Grau bis zum gelblich-weißen Saum der unteren, jüngsten Bildungsstellen, die Illusion des Beschauers wirkungsvoll unterstützen. Wie viele Jahrtausende müssen darüber hingegangen sein, ehe aus dem ersten, verschwindend kleinen Nieder- schlag der nur spärlich fallenden Wassertropfen dieses gewaltige Gebilde entstanden war, dessen Gewicht mit 4— 5 Zentnern wohl nicht zu hoch geschätzt sein dürfte!„Hundert Jahre sind im Wachsthnm der Tropssteine nur schwer zu erkennen", pflegt der jugendliche Führer bei der Demonstration des„Chor- mantels" zu bemerken,„und nun stelle man sich vor, welche ungeheure Zeit nöthig gewesen sein muß, bis der„Mantel" so weit war, wie wir ihn hier sehen!"— Ob in dem hellen Kopfe des Jungen nicht schon manchmal kritische Bedenken aufgestiegen sein mögen gegen Dies und Jenes, was man in unseren Elementarschulen zu lehren für gut findet?! Ganz hinten in der schmalen Klamm, welche die „Bachhöhle" abschließt, ist eine weitere Bierkwürdigkeit zu sehen: die„klingenden Orgelpfeifen", eine Reihe von eiszapfenartigen Stalaktiten, die in halber Manns- höhe, 40—60 Zentimeter lang, von der einwärts geneigten Seitenwand des Raumes herabhängen. Die schönsten und vollkommensten dieser Gebilde geben, sobald man mit der geballten Faust einen kräftigen Schlag gegen sie führt, einen langgezogenen, ziemlich hellen Klang, der je nach der Länge der„Pfeifen" eine verschiedene Höhe hat. Dabei will es der Zufall, daß die jüngste und die älteste der„klingenden Orgelpfeifen" in tadellos reiner Oktav abgestimmt sind, die, wenn man sie erklingen läßt, eine eigen- artig feierliche Stimmung in die Stille des Höhlen- kellers hineinträgt. Den Schluß der wohl eine Stunde in Anspruch nehmenden Höhlenwanderung bildet die Besichtigung des„Höhlensees", der, unmittelbar an die Ver- sammlungshalle anschließend und etwa zwei Bieter höher gelegen als diese, in einem niedrigen Gewölbe sich ziemlich tief in's Innere der Gestcinsmasscn hinein erstreckt. Sein Wasser ist krtzstallklar und soll an einigen Stellen eine beträchtliche Tiefe auf- weisen. Bei der Niedrigkeit dieses Seitenflügels der Höhle würde sich jedoch auch bei völliger Trockenheit ein weiteres Vordringen von selbst verbieten. Der Führer wendet sich zum Rückweg, und in wenigen Minuten begrüßt man wieder das helle Tageslicht und kann seine Blicke hinüber schweifen lassen über die saftigen Matten des Haselbachthales und hinauf zu den herrlichen Tannenwäldern, welche die nahen Schwarzwaldberge zieren. In nicht serner Zeit soll die„Erdmannshöhle" elektrische Beleuchtung erhalten. Dieselbe soll an die bereits erwähnte, in unmittelbarer Nähe vor- überführende Rheinfeldener Kraftleitung angeschlossen werden und wird zweifellos sehr viel dazu beitragen, den Besuch der interessanten Natnrmerkwürdigkeit noch empfehlenswerther und vor Allem bequemer zu ge- stalten. Das bisherige allzu primitive Beleuchtungs- silstem durch Bucheuspähne lenkt, da man durch das Jnstandhalten der Flamme fortwährend in Anspruch genommen wird, nicht blos die Aufmerksamkeit deS Besuchers von den Sehenswürdigkeiten der Höhst ab, sondern hat auch zu einer totalen Verrußung der ursprünglich glänzend gelblich-weißen Tropfstein- Massen geführt. Wenn dann den unterirdische» Räumen ihre ursprüngliche helle�Farbe wiedergegeben ist und Alles im Glänze geschickt vertheilter elektrischcl Glüh- und Bogenlampen erstrahlt, dann erst wird der ganze eigenartige Reiz dieses prächtigen Höhlen- schlosses voll zur Geltung kommen.— Der Kuinecr-Iack. Ziffer Gerhardtsen Mite das Barkschiff „Marie Louise", das aus dem letzten Loch in Klasse A 2 pfiff, von mittlerer Größe war, hauptsächlich für Amerikafahrten verwandt wurde und Bauholz oder Petroleum lud, je nachdem es sich traf. Sie fuhr fest bestimmte Route, wie Schiffer Gerhardtsen sagte. Und darauf war er stolz, denn es gab Viele, die nur mif der Ostsee fuhren, ja Viele, die auch das nicht einmal thaten. Zur großen Freude des Schiffers Gerhardtsen und zur Erhöhung seines Stolzes hatte er jedoch einmal in jener kurzen, guten Zeit, deren sich die Schiffer und Rheder vor sieben, acht Jahren erfreuen konnten, eine kleine Unterbrechung in seine Routen- fahrten gebracht und eine Tour nach Afrika gemacht — zur„Goldküste", wie er sagte. Gott weiß, warum; denn der Hafen, den er besuchte, lag eigentlich näher dem Mittelmeer. Nun, vielleicht hörte sich „Goldküste" ein wenig abenteuerlicher an. Und dies war ja auch die einzige Fahrt, die er nach Afrika gemacht hatte, wenigstens als Schiffsführcr. Von dieser Fahrt hatte er viele merkwürdige Dinge mit nach Hause gebracht, Cocosnüsse und Binsenmatten und wunderliche Thonkriige, Bogen und Pfeile zur Jllnstrirung der Lebensart der Wilden— er hatte nämlich das Glück gehabt, im Hafen von London einen kleinen Trödler zu finden, bei dem es eine reiche Auswahl an allerhand heidnischen Sachen gab. Aber seinen Hahn hatte er wirklich in Afrika gekauft; freilich nicht von einem Negerhänptling, >we er behauptete, sondern von einer Frau, die auf einem Sprossenwagen Federvieh verkaufte. Erst hatte er gedacht, den Hahn aufzuessen, wenn er ans offener See wäre und Verlangen nach frischem Fleisch hätte; als er sich aber mehr an das Von Jacob Hilditsch. Thier gewöhnt hatte, sagte er, es wäre ein unge- wöhnlich schöner Hahn, größer als die meisten Hähne, strahlend goldroth mit blauschwarzen, glänzenden Schwingen- und Schweiffedern und einem Kamm, der blntroth wurde oder verblaßte, je nach der Stimmnng seines Trägers. Dazu war er ein Teufelskerl auf See; er stand gespreizt da und machte Seebeine drinnen in seinem Käfig, und war ebenso munter, wenn es auch noch so einen großen Sturm gab; und am Abend hüpfte er auf seine Aufflngstange hinauf, krallte sich fest, so daß man das Knirschen über das ganze Schiff hörte, und begann so sicher zu schlafen, als wenn er noch im Ei läge. Aber früh, früh am Morgen krähte er, daß es eine wahre Lust war. All dieses vernnlaßte den Schiffer, den Hahn am Leben zu lassen. Er ließ ihn eines Tages, als schönes Wetter war, auf das Deck hinaus, um zu sehen, was er dann anstellen würde. Der Hahn schlug mit den Schwingen, schüttelte die Federn— und dann krähte er himmelhoch, zum Zeichen, daß er sich sehr wohl befände. Man kann wirklich Ver- gniigen daran haben, wenn man ihn an Bord behält, dachte Schiffer Gerhardtsen. Einen Namen mußte er aber eigentlich haben; das muß ja alles Lebende an Bord. Lange sann er darüber nach; gegen Abend hatte er einen Namen gefunden.„Gninea-Jack" wurde der Hahn getauft zur Erinnerung an die Afrika fahrt, und er sollte leben bleiben, so lange er wollte.„Zum Teufel, wo hast Du den flotten Hahn her, Gerhardtsen?" „Den Guinea-Jack meinst Du! O, ich habe ihn von so einem schwarzen Teufel von Neger- Häuptling nute» an der Goldküste eingetauscht, als ich das letzte Mal da war..." Es konnte ganz amüsant werden, dergleichen st bis iu die Unendlichkeit immer wieder zu erzähle», dachte Schiffer Gerhardtsen. Es war entschieden! Der Hahn blieb am Lebe»- *» $• Nun befand sich der Guinea-Jack gegen drei Jahre an Bord. Er war einen einzigen Winstl an Land gewesen, als die Schute daheim war! aber im Frühling war er wieder mit hinaus. Offenbar behagte es ihm am besten an Bord. Er saß a>» Lande niit aufgeplusterten Federn, ließ nachdenklich die Flügel hängen und brachte lange Klageld»i hervor, statt ordentliches Hahnengekrähe; aber sobald er wieder an Bord kam, war er so stolz, wie jernal-'- Die Mannschaft der„Marie Louise" war nitf» so entzückt über den Guinea-Jack, wie der Schiffs Solche, wie der Zimmermann und der Stcwar» und Thorvald, der Sohn des Zimmermanns, der nicht recht wußte, ob er Matrose oder nur Ju»ld mann an Bord war, sagten freilich nicht viel; de»» diese Drei waren schon an Bord gewesen, als W Hahn dorthin kam, und hatten sich an ihn gewöhn» Aber der wechselnde Theil der Mannschaft hatte fo� während allerhand Klagen über den Hahn zu führe»- Der Deckjunge, der das Deck spülen mußte, sogst- es wäre eine Schweinerei, einen solchen Vogels» Bord frei umhergehen zu lassen; die Matrosen postst die Gelegenheiten ab, ihm einen ordentlichen Sch»� einzujagen, indem sie ihn unversehens anschrien»d� mit dem Fuß nach ihm stießen— besonders we» der Schiffer schlief; und der zweite Steuermann d�' handelte ihn mit stiller Verachtung. Er sah liebsten garnicht nach der Seite hin, wo der Hab ging; wenn es dennoch vorkam, geschah es emporgezogsnen Brauen, und er lachte mitleidig iiiit ii»b Die Neue Meli. Illnstrirte Unterhaltungsbeilage 39 wandte sich ab, wenn der Schiffer nach seinem Nach- Mittagsschläfchen eine kleine Promenade auf Deck machte und nachlässig und gemächlich mit der Meer- schaumspitze zwischen den Zähnen hin- und her- schlenderte und zärtlich lockte:„Such' Jack! Pick, pick!" Tann lachte, wie gesagt, der zweite Steuer- mann verächtlich und mitleidig:„Pfui Teufel! Es ist�gräszlich, einen alten Schiffer solche Narrens- Possen mit einem Hahn treiben zu sehen!" Wenn dann der Hahn steifbeinig, mit langen Schritten und hängenden Flügeln angelaufen kam, bereitete es dem Steuermann ein Vergnügen, wenn � ihm ein Bein stellen konnte, ohne daß der Schiffer es bemerkte. „Paß auf!" schrie er dann dem Nächsten zu, »nun kommt Goldbrand!" Und er schüttelte ärgerlich den Kopf:„Hol mich ber Teufel! Ist das nicht schlimmer, als wenn >oir hier einen dicken Kavalleristen auf Deck herum- biegen und hüpfen hätten."—— Man kann von einem Steward nicht erwarten, �ß er für alle Ewigkeit auf ein und derselben Schute bleiben soll. So war es denn nicht ver- wunderlich, daß der alte Steward der„Made Louise" bas Schiff in Sutton Bridge verließ. Er hatte er- wartet, daß die Schute nach dieser Fahrt heim- �hren würde. Das war auch die Absicht gewesen; sie dann aber sich fertig machte, nach Mobile öu gehen, dankte er für seinen Theil. Es gab in Sutton Bridge keine große Aus- wähl an Stewards, aber dennoch konnte Schiffer �erhardtsen einen anmustern, gerade an dem Tage, bevor er die Anker lichten sollte. Er war von Mandal her, ein„Niandalusier", wie er sagte, und Ü5 war, nach seiner eigenen Aussage, in den letzten wahren meist mit Amerikanern gefahren, am liebsten wit Steamern. Wenn es sich also um Puddings, Lasteten oder Klöße handelte, war er vor jedem änderen der Mann dafür. Und Seemann wäre er �ch. wenn Roth an Mann ging; das sah man an Dankeebart und den Tuschzeichnungen auf dem Handbogen, dem Arm und in der Brustöffnung des fflanellhemdes. In diesem Steward hatte der Guinea-Jack seinen Todfeind gefunden. Nicht etiva, daß der Steward � sogleich darauf angelegt hätte, dem Hahn etwas �uzuthun, aber er behandelte ihn einfach nur als «was Eßbares. Er gab ihm reichlich Essen und Abfälle, aber hatte eine teufliche Weise, ihn anzu- wssen; er packte ihn an der Brust und hob ihn so °uf. wenn er ihn traf. In den ersten Tagen hatte � ttwas davon gesagt, daß der Hahn so verdammt �e, er wecke die ganze Freiwacht um drei Uhr "w Morgen. Aber dann dachte er wieder bd sich -»vtuwii.-aVM uw»m vvvV»v c"' Stillen: es vergehen ja nicht viele-läge, u 1)abe ich ihn in der Pfanne. ~ U�U lU VC't (Ith)•»Marie Louise" etwa eine Woche in See t. den war, nimmt Schiffer Gerhardtsen sich an Sonnabend Abend seinen Steward vor und wa- Steward, morgen ist Sonntag, und, stjp"'chr ist, morgen hätte ich silberne Hochzeit sollen, wenn ich zu Hause gewesen wäre. VW. morgen sind es fünfundzwanzig Jahre... �"m wäre es nicht so übel angebracht, wenn ww'was Gutes zum Mittag beschaffen würdest." ..�as war etwas fiir den„Mandalusier", den (Cj"'""'Steward, der nur darauf gelauert hatte, Jsanze unglaubliche Fertigkeit in der Kochkunst � 1 r0 ttyoiier gab an Bord, wo es nichts weiter sithij, Salzfleisch, Speck, Stockfisch und Syrup- <�ei'n 9anje3 Besicht leuchtete bei dem bloßen "kcn an all' das, was er bereiten wollte. eitlen wen Augenblick, Kapitän! Ich sag' nur zL- Augenblick! Ich backe morgen früh frisches Do,,»"''virklich, das thu' ich; und zum Mittag— haben���er- daß wir keine Maccaroni an Bord bock« � tm,n s" einen feinen, lockeren Pudding er j.-" � aber ich muß einen Neispndding niachen, »>ili- Ü"t und sehr wohlschmeckend; und dann s�isrfi eilIe uc"e Pastete aus gesalzenem Hammel« "'ucheii, die schmeckt auch gut..." ich"�as ist Alles so weichliches Zeug, Steward; -cki/. eigentlich'was Reelleres haben," meinte p" Gt hnrhrftn Der Steward hatte in diesem Augenblick eine große Idee bekommen. Er lachte über das ganze Gesicht vor bloßer Verwunderung, daß er daran nicht früher gedacht hatte. Er schlug mit ent- schiedener Bewegung mit der Hand aus. „Ach, zum Teufel— entschuloigen Sie, Kapitän— aber wir haben ja das Hahnenvieh! Wir haben ja den Hahn! Wollen Sie ihn in Butter gebraten haben, oder soll er gekocht werden mit..." Der Schiffer Gerhardtsen erbleichte bei dem bloßen Gedanken. „Ten Guinea-Jack! Den afrikanischen Hahn! Ich meine, Du bist rein verrückt, Steward! Ich tauschte ihn bei einem Negerhäuptling ein, als ich das letzte Mal dort unten war. Der ist nun drei Jahre an Bord, der Guinea-Jack! Ha— ha! Ich meine. Du bist verrückt! Glaubst Du vielleicht, ich esse meine eigene Besatzung auf? Der Guinea-Jack! Solch' einen Hahn giebt's garnicht mehr, er kräht wie ein Uhrwerk; der der..." Seit diesem Abend ging es dem Guinea-Jack nicht mehr so gut wie früher. Ter Steward gab ihm nichts, außer wenn gerade der Schiffer auf Deck war; dennoch war der Hahn gleich stolz, krähte ebenso regelmäßig und that, als wenn ihm nichts abginge. Aber alle Tage jammerte der Steward gegen- über der übrigen Mannschaft: Er wäre einfach an- geführt worden, sagte er, und es wäre die Pflicht der Jungen gewesen,'ihm zu sagen, wie es sich hier verhielte. Als er an Bord kam und diesen rothen Hahn auf Teck umherstolziren sah, hätte er natürlich geglaubt, es wäre mit ihm, wie sonst mit den Hähnen an Bord anderer christlicher Schuten, daß er als frisches Fleisch zu betrachten sei, sonst hätte er sich niemals auf der Schute verheuert. Er hätte auch zu dieser Thorheit stillgeschwiegen, weil er meinte, es würde in einer Woche oder dergleichen ein Ende nehmen. Aber der Teufel sollte ihn holen, wenn er mit Federvieh und anderem Vieh zusammenfahren sollte! Es wäre doch wohl kein Bauernhof, wo er an Bord gegangen war? Das wäre ja schlimmer, als wenn er sich auf einem Negerboot verheuert hätte unter lauter Kannaiten und Heiden, gerade wie in einer Menagerie. Er fahre nun über zwei- undzwanzig Jahre zur See; aber das hätte er doch noch niemals erlebt, daß er jeden einzigen Morgen während des ganzen Jahres sollte durch Hahnen- geschrei gestört werden. Er wäre doch noch kein Schweizer oder eine Kuhmagd! Krank wäre er, ja wirklich krank: jeden Morgen hätte er Alpdrücken! Jedes Mal, wenn er lag und schlief und hörte dann dieses Hahnengekräh direkt draußen, überkäme es ihn, als säße er in einem alten Bauernprahm und fahre mit Kartoffeln und Milchtonnen. Ja, fünf Morgen hintereinander hätte er schwitzend da- gelegen und geträunit, daß ein altes Weib über ihm stände und sagte, er müßte sich ermuntern und aufstehen, er müßte hinaus und Preißelbecrcn pflücken. Gerade, als wenn er wieder ein kleiner Schnlbube wäre! Hätten sie ihm nur gleich in Sutton Bridge gesagt, daß dieses Hahnenbest angemustert war, hätte er dem Krähen schon ein Ende gemacht, ohne dem Vieh was zu Leide zu thu», da es ja dem Schiffer so viel Freude bereitete. Er wollte gewiß Niemandem zu nahe treten, weder Mensch noch Thier, aber er wollte in jedem Fall nicht nach Mobile kommen, ohne nicht sofort zum Ap'teker zu gehen. Gott sei Lob, es gäbe noch Tropfen für solche Unvernunft! Als„Marie Louise", auch auf dieser Fahrt endlich an's Ziel gelangt, in das Dock geschleppt war und am Hafcudamm verankert lag, und der Steward seinen ersten Landurlanbstag hatte, nickte er den anderen Jungen vielsagend zu:„Nun werd' ich dem Hahnenbest bald den Schnabel stopfen!" „Willst Du den Konsul bitten, sich seiner anzu- nehmen?" lachte einer der Jungen. „Den Konsul? Bist Du verrückt? Nein, Du. Nun leg' ich hart bei'm Ap'teker an. Der hat Tropfen!" „Jesses, Du lvillst doch wohl nicht dein Gold- bran'd an's Leben?" fragte der Zimmermann erschreckt. „Na, wenn der Schiffer erführe, daß Du den Guinea- Jack getödtet hast, dann wärst Du sicher auch fertig!" „Tödten? Seh' ich ans, als wenn ich Jemand tödtcn wollte? Hätt' ich diesen Negerhahn niorden wollen, so hätte ich ihn wohl schon lange ans die Seite gebracht, und hätte ich es thun wollen, ohne daß es Jemand gemerkt hätte, dann brauchte ich nur Gips ans der Flasche ini Lampenraum zu nehmen und es ihm in den Brei zu thun; dann wäre er inwendig zugespundet worden, und Niemand wäre darauf gekommen. Nein, ich werde ihm sicher nichts anthun, was ihn„auteriren" kann! Aber der Teufel soll mich holen, wenn ich nicht dem Eekrähe ein Ende mache— wenigstens um die Hundewache..." Damit ging der Steward, fein ausgeputzt und in bester Laune, an's Land. Es ging schon stark auf den Morgen, als der Steward von seinem Landurlaub zurückkam. Der Guinea-Jack hatte bereits sein Krähen wegen des Morgengrmtens abgethan, und der Steward ging ganz ruhig in die Kose, um noch zwei bis drei Stunden zu schlafen, bis er den Kaffeekessel auf- setzen mußte. Er drohte nur nach den: Käfig unter der Back hin, wo der Hahn ganz wach saß und mit deni Schnabel auf der Aufflugstange hin- und her- wetzte. „Ja, wart' nur! Nu ist es, heil'ges Kreuz, vorbei mit Deinem Gekrähe!" Nach seinem Mittagsschläfchen ging Schiffer Gerhardtsen an's Land, wie es seine Gewohnheit war, wenn er im Hafen lag, und der Steward machte sofort ein langes Nachmittagsschläfchen, wie es auch seine Gewohnheit war, wenn er an Land gewesen war. Gegen Abend saß er, sehr eifng beschäftigt, in der Kombüsenthür und bereitete einen selisanien Teig aus Niehl, zerbröckeltem Schiffsbrot und Wasser. Ringsum standen die Jungen und sahen miß- iranisch zu. Als der Teig beinahe fertig war, zog der Steward eine kleine Flasche hervor und las auf dem Etiquet: „Zehn Tropfen fiir Erwachsene. Kinder ein Tropfen fiir jedes Jahr bis fünf." „Ja, erwachsen ist er," murmelte er, und damit goß er nicht tropfenweise, sondern einen tüchtigen Schluck in die Teigschiissel und rührte es grllnd- lich um. „Auf die Weise vermischt es sich nicht ordenlich," sagte Martin,„bisweilen wird's was, bisweilen nichts!" „Du hast wahrlich Recht." sagte der Steward und kratzte sich hinter'm Ohr, nahm dann die Wasser- kelle halb voll Wasser und goß eine ordentliche Portion aus der Flasche hinein, rührte es einen Augenblick um und goß dann das Ganze auf den Teig. Er wurde sogleich wieder suppig, aber eine Handvoll Mehl und einige Brotstiickchen machten ihn bald fester. „Nun ist er gut vermengt." nickte der Steward und. beroch ihn.„Nun Hab' ich wahrlich Nachtruh fiir eine ganze, lange Reise. Er wird sich doch nicht widerspenstig zeigen und das Zeug nicht essen wollen?! Ach nein!" Er stand auf und watschelte über Deck, indem er sich bemühte, den Schiffer nach Möglichkeit nach- zuahmen. Und er rief nnt zärtlicher Stimme:„Such', Jack! Pick, pick, pick!" Die ganze Ntannschaft stand sehr gespannt um die Hahnensteige, während der Steward die Teig- schiissel hineinstellte und den Hahn freundlich lockte. „Na, mein Jungchen, das ist für Dich! Geh' an!... So, so, das war nett, Jungchenl Es schmeckt ihni gut! Das ist recht was für Jack! Pick, pick, pick! Geh' an!" Der Gninea-Jack gluckste und hackte in die Teich- schiissel, anfangs gleichgifltig, später niit gierigem Appetit. Der Steward hatte dafür gesorgt, daß er gegen Abend Hunger haben sollte. Schließlich mußte er ihm die Schüssel fortnehmen. „Na, na, Du elender, rother Kammritter! Willst Du Alles auf einmal auffressen? Nu hat er ordentlich geladen!" wandte er sich an die An- deren.„Nu kräht er so bald nicht wieder!" „Aber was in aller Welt ist es denn, was Du da hineingemischt hast? Es war doch nichts Ge- fährliches?" fragte der Zimmermann ängstlich. „Was es war?. Opiumtropfen natürlich. Du 40 Die Neue XDelt Illustrirte Unterhalwngsbeilage. Dummkopf. Was giebt's sonst für die Nachtruh? Gute Nacht, Jack! Schlaf' gut!" Damit warf er die Thür des Käfigs zu und hängte das alte Stück Segeltuch darüber. Au diesem Abend kam Schiffer Gerhardtseu mit drei Freunden an Bord: Markussen von der„Aurora", Berg von der„Emma" und Evensen vom„Stam- ford". Sie hatten am Land zusammen Abendbrod gegessen, und nun wollten sie Whist spielen und an Bord bei Schiffer Gerhardtsen Grog trinken... „Pfui, nein, ich bin aber müd'I" sagte Evensen später am Abend, streckte die Arme in die Höhe, gähnte und sah nach der Uhr.„Halb eins! Na, das ist auch schlimm genug!" „Wir spielen den Rubber zu Ende," sagte Markussen. „Ja, aber das muff auch der letzte sein!" „Seid Ihr verrückt, Jungens," fiel Schiffer Gerhardisen ein,„jetzt denkt Ihr schon von Bord zu gehen?! Jesses, es ist ja helle Sommernacht. Nein, seht hör! Wir brauen uns noch ein Glas und scheeren uns den Teufel um die Uhr! Du giebst, Markussen!"... „Ja, wollt Ihr nun so gut sein, mir zu sagen, wann Ihr eigentlich gedacht habt, fortzugehen, Gentlemen?" sagte Schiffer Evensen nach einer Stunde wieder. Da hatte er das ganze Spiel längst aufgegeben, nachdem er mit der unverant- wortlichen Bemerkung gekommen war, daß es ihm ganz verdammt gleich wär', was sein eigener Partner, Schiffer Berg„ansagte". Nun saß er in der Sophaecke und es fiel ihm schwer, die Augen offen zu halten, während er sich ein neues Glas braute. Die anderen Drei spielten mit dem Strohmann. Schiffer Gerhardtsen war schon recht roth im Gesicht und auch ziemlich aufgeregt. „Gehen?" rief er,„sagtest Du gehen? Nein, mit Dir ist es nun schon ganz aus, lieber Evensen! Schimpft vielleicht Dein Deckjnnge, wenn Dn zu spät am Land bleibst?" „Herr Gott, Gerhardtsen! Dn weißt doch, ich Pflege ein gemiithliches Gelage nicht zu stören, aber es muß doch auch in Allem Sinn und Verstand sein! Ich will nur wissen, wann! Sag' mir nur eine bestimmte Stunde, dann bin ich schon zuftieden!" „Um halb sieben," sagte Berg. Er hatte in der letzten halben Stunde nicht den Mund auf- gemacht. „Nein," sagte Schiffer Gerhardtsen,„wenn ich im Ernst reden soll, will ich Euch sagen, es ist hier ein alter Brauch an Bord, daß die Leute nicht früher die Kajüte verlassen, bis niein Hahn kräht— um diese Zeit des Jahres wenigstens." Das war keineswegs ein alter Brauch, es war euitl�eton. Die Todteninsel. Ganz einsam liegt im riesigen Vzean ein stiller sSIatz. Sleinrirsen warf die Valur mitten in salzige Brandung. Menschenhände bauten Kammern hinein zur Ruhe der Todtrn. Ruf dem starren Gestein, dem Kalle Winde von frrnehrr Kümmerliche Rckrr- Krume schenkten, wächst kein Leben ausirr dem Todtenbaum, der düster wilden Zypresse. Wie aus grauem Eisen gerundet ist ihr stamm, und unbewegt steht sie in stürmen, stark, schön und gebietend, des Todes Bannermafl. In grellrothem Mantel, den kein Wind bewegt, der lvdt hinabsallt an dem starr gereckten Leibe, steuert ein Ferge den Leichrnkahn dem dunklen Ruheportr zu. In wrisien Linnen liegt dir Leiche lang gestreckt. Vom Leben drausien dringt nur ein leiser Piäischcrschall malt ersterbender Wellen in diese grosie, heilige stille. Otto Julius Vicrbaum. Samartand. Von der Geschichte der Hauvtstadt des Samarkandgebieies und besonders von den Ruinen der allen Stadt finden sich in einem neuen Buche von Krahmer,„Rußland in Mittelasien"(Leipzig, Zuck- schwerdl), bemcrkenslverthe Mittheilungen. Die Stadt ist zur Zeit Alexanders au der Stelle, Ivo die Stadt Mar-- canda lag, gebaut Im Jahre H43 bemächtigten sich die Araber ihrer und führten den Islam ein. Als Residenz der Sameiiideu-Dynastie, vom neunten bis zum Anfang des elften Jahrhunderts, wurde sie das„Asyl des Friedens und der Wissenschaften", eine volkreiche Weltstadt, die in Asien am meisten zur Entwickelung von Kenntnissen bei- getragen hat. Im Jahre 12 l 9 wurde sie von Tshingis- Chan erobert; sie erholte sich aber bald und wurde der Mittelpunkt des mächtigen Reiches von Tamerlan: dann wurde sie von Neuem von Nomaden verwüstet. Ans der Zeit Tamerlans und seiner Nachfolger stammen die Ruinen des alten Samarkand, die auf den Feldern und auf den Höhen in der Umgegend der heutigen Stavt zerstreut liegen. Von Weitem schon sieht man über den Mauern die großen blauen Dome und einige Minareis seiner Moscheen, Paläste und Medrcssen(muhaniedauische Hochschulen), die sich von den im Winter weißen, im Sommer violetten und tiefblauen Gebirgen am Horizont abheben. Seit I8Y8 ist die Stadt in russischem Besitz. Heule zählt sie etwa uoooli Einwohner. Streng geschieden von einander sind der russische und der muhaniedauische Staditheil. Man muß das Labyrinth von engen Straßen im muhainedanischen Stadttheil durchschreiten, um zu begreifen, was Samarkand zur Zeil seiner Blülhe gewesen ist. Kaum giebt es in der Welt Schulen, die sich in Bezug auf die reiche Architektur mit den Medressen von Samar- kanv vergleichen können. Der Plan dieser Gebäude ist von £-------- A einer bemerkenswerthen Einfachheit. Vor allen steht ein ge- rippter, breiter und tiefer Gewölbebogen, der sich hoch über die niedrigen Häuser erhebt. Das Gewölbe, das mit Arabesken verziert und durch zwei Pfeiler von gleicher Höhe wie das Gewölbe eingefaßt ist, wird durch Vorsprünge in drei gleiche Etagen gelheilt, deren jede mit ebensolcher Zier- lichkeit und Vcrschiedenartigkeit verziert ist wie persische Teppiche: die Linien der laekirten und vielfarbigen Ziegel kreuzen sich und entrollen sich zu den mannigfaltigsten Figuren; sie stellen den persischen Löwen dar, als Zeugniß für die Herkunft der ersten Architekten, und Verse des Korans in kufischen Buchstaben mischen sich auf einigen Mominientcn mit der großen Menge von Mosaikarbeiten. In der düsteren Tiefe des inneren Gewölbebogens bemerkt man noch andere Verzierungen von Porzellan und die ebenfalls bogenartigen Oeffnungen, die den Zugang zu dem Gebäude bilde». Runde Thürme, deren mehrere die Kuppeln verloren haben, erscheinen über den Schissen der Moscheen oder Medressen. und auf jeder Seite der Fassade, von ihnen durch kleine Säulengänge oder durch freie Räume getrennt, erheben sich runde Säulen, die allmälig bis zu dem Endkapitäl dünner werden und ebenso geziert sind wie das Gebäude selbst. Die meistln Paläste aus der Zeit Tamerlans sind nur noch Ruinen; doch sind bei einigen einzelne Theile, Fassaden, Thürme oder Kuppeln vollständig erhalten. Die schönste Moschee der Stadt und von ganz Mittel- asieu ist die Schah-Sindeh, der„Lebende König"; sie ist so nach einem Verthe>diger des Islam genannt, der jetzt unter einem Steine des Gebäudes schläft, aber eines Tages, wie die Gläubigen sagen, auferstehen wird, um die Welt für den Glauben des Propheten zurückzuerobern. In der Moschee Gnr-Emir, die auf einem Hügel in der Nähe der Zitadelle liegt, ist Tamerlan selbst begraben. Ter Grabstein, unter dem er ruht, ist aus Nephrit. Bei dem Grabe hängt eine Fahne mit einem Pferde- schweif. Das Grabgewölbe hat einen Marmorfußboden: an den Wänden sieht man Inschriften ans dem Koran mit goldenen Buchstaben. Infolge seiner vorthcilhaften Lage in der Nähe von Gebirgen und gesunden Thälern wird Samarkand die Hauptträgerin der europäischen Zivilisation in deni russischen Turkestan werden, wie es ehemals der Mittel- Punkt der muhainedanischen Kultur war.— Opfer zur Hebung des Fischfanges. Von den Ein- geborenen auf Duke-of-Uork, einer Inselgruppe der Süd- see, berichtet der englische Forscher Wilfrid Powell einen Brauch, der uns deutlich das wirthschaftliche Mofiv des Opferwesens erkennen läßt. Es handelt sich darum, diejenige Gottheit günstig zu stimmen, von welcher nach dem Glauben der Bewohner der Ertrag des Fischfanges abhängt. Vom Häuptling, der, wie gewöhnlich bei Völkern niederer Stufe, zugleich Priester ist, wird daher mehrmals im Jahre ein Opfer veranstaltet. Der Häupt- ling läßt zu diesem Zwecke einen Kahn bauen, der mit Holzschnitzerei, Blumen, Farrnkräutcrn und wohlriechenden Pflanzen geschmückt wird. Alsdann bringt man den Kahn in ein Haus, welches tabu ist, d. h. von den Menschen zu gewöhnlichen Zwecken nicht benutzt werden darf. Es ist der Tempel, und wer ihn betreten nur ein Brauch, den Schiffer Gerhardtsen im Augenblick erfand; aber er schien selbst daran zu glauben, denn er fügte mit großer Rührung hinzu:„Es isi noch niemals geschehen, daß ein Gast von eine»! Gelage hier an Bord fortgegangen ist, bevor Jack loskrähte. So lange ein Hahn solch' ein Uhrweck ist, muß..." „Na, wann kräht denn Dein Negerhahn gewöhn- lich los?" fragte Evensen gleichgültig. Schiffer Gerhardtsen sah nach der Uhr.„U»! diese Jahreszeit legt er fünf Mimiteii nach halt drei los!" „Na, na, so auf die Minute wird es wohl»iK sein," meinte Evensen. „Auf die Minute! Was parirst Du? Dn hast gewonnen, wenn es zehn Sekunden darüber wird' Glaubst Dn vielleicht, ich hielte ihn, wenn er mckii eine Rarität wär'? Wir gießen uns noch einet neuen Grog ein, Leute, und dann warten wir a»' Jack. Ihr könnt' Euch auf den Kerl verlasse»! Während die Anderen mit ihren Gläsern be schäftigt waren, ging Schiffer Gerhardtsen für eine« Augenblick auf Deck hinaus und nahm das Stiick Segeltuch von dem Hahnenhause ab. Jack wiird! ja wohl auch so krähen, aber es konnte ja nich schaden. Er wurde doch vielleicht schneller wack> wenn er das Tageslicht gerade hereinbekam.... (Schluß folgt.) -fip G will, muß eine bestimmte Menge Muschelgeld(Diwarre! pfern. Das Opfer wird in den Kahn gelegt und d- Gottheit ist damit versöhnt. Während der Kahn Tempel steht, macht der Häuptling bekannt, daß,»e reichen Fischfang zu erzielen, ein Jeder so viel DiwaN- als möglich in das Fahrzeug geben niuß, damit er, � Häuptling, bewirken könne, daß die Fische leicht gcfimg� werden. Der Kahn wird darauf, sorgfältig zugedeckt in's Meer hinausgestoßen, wo er mit dem Mons»� forttreibt und niemals wieder gesehen wird. Von de» Diwarra freilich findet sich, wenn das Fahrzeug d» Wasser übergeben wird, auch nicht eine Muschel datt» Das braucht aber keineswegs auf Betrug schließen r lassen, denn das Opfer kann ebensogut im Tempel, Wj festen Sitze der Gottheit, zurückgelassen werden, wj" selbst wenn der Häuptling das Muschelgeld ganz od» theilweise an sich nähme, so dürfte er das als Priem; der ja niemals ohne Sold arbeitet. Folgt ein schlecht Fischfang, so erklärt der Häuptling, es sei nicht g«® Diwarra im Kahn gewesen Bemerkenswerth ist indett� daß nicht ein Eingeborener, den Powell jemals gesproelp; an die Wirksamkeit des Tiwarra-Opfers glaubte. Früd» dagegen soll dieser Glaube außerordentlich stark gcwcp sein. Jetzt wird nur noch die überkommene GewohiilP aufrecht erhalten.— a- Der Cyklopcnschutz. In der Cyklopenzcit(Rüi� zeit) dachte ein Schwächling: ich will mich seinem Sa"' anbefehlen, er thul mir dann nichts. „Das ist wohlgethan", sagte der Cyklop,„»>"!. jetzt nur diesen Faden in die Hand, und ich will daran leiten, wo du links oder rechts gehen mußt.' � Dieses Mitgehen mit dem einäugigen Großen', schreckte den Schwächling; er zitterte am ganzen Leas doch er nahm den Faden in seine Hand. Aber P, Morgens sagte der Cyklop:„Dieser Faden könnte breche" und bot ihm eine Schnur in die Hand. � Wenige Tage darauf sagte ihm der Riese: A Faden und die Schnur waren nur für die Probet''. für die Zukunft mußt du dieses Schutzseil in die nehmen und mir schwören, dasselbe weder bei Tage»' bei Nacht aus den Händen fallen zu lassen."..i Todtenblaß schwur jetzt der Mensch, was nicht nüiv' war zu halten. Das Seil fiel ihm bald aus den Hä»"? und er eilte nun nicht, es von dem Boden, auf de» hinfiel, aufzuheben. Darüber zürnte der Wütherich und sagte:„Tas� Untreue und Meineid, dem muß man vorbeugen.""sj dem knüttelie(schnürte es ihm mit Knoten) er ihm Schutzseil um beide Hände. Also gebunden seufzte � Mann:„Selig sind die, die er ohne Schutz frißt", nagte dann einmal eine Nacht durch mit den Zäh" an diesem Schutzseile und wollte es durchfressen. # -■ Ii"1',-tj das Ungeheuer erwachte, ehe er los war, und band jetzt das gefürchtete Seil um den kitztichen ernster Bedrohung des schrecklichen Zukuüpfens»t ersten Fehler wider den heiligen Schutz.— PesiaU»»'- Nachdruck des Inhalts verboten! __ � veranlworlltcher R«datl«ur: Oscar«ühl in llharlolienburg.— vcrlag: Hamburgci Buchdruck««» und verlagSanstall r.uer Sc So. in Hamdur».— Druck: Mar Sabina tu Berlin.