tand ihlte und heim Echtig Echail e er ul!" rsche fie aftet Die rene Welt chien Denn Sglid Dung. ichail ihlte, t den halls foll. e An n ber fond Band chüler Ceiten, find. deres ir die taben Buch und taben riften t den I der I man nalen. blung h der miede bott nfert Wert hlens Die aden chrift unten igeren illiges aner ldung alien, chnen, inter tücfes fechs Die t ein weit ft zu vo fie nebit dkurse eine mnen und etwa ch auf ollars hteten ollars t, bie eilung ! Belt W 19, Nr. 16 ( Fortsetzung.) Bllustrirte Unterhaltungsbeilage. Dilettanten des Lebens. ena hatte wohl den Lärm, das Krachen im Atelier ihres Mannes gehört; einen Augenblick fam ihr der Gedanke, hinüberzugehen und zu fragen, was geschehe. Aber sie war müde und matt; eine starre Gleichgültigkeit lähmte ihre Glieder und machte ihr schon das Aufstehen vom Play, wo sie nun einmal saß, lästig. Das war jezt immer so. Sie hatte ja auch so wenig zu thun. Frau Allenstein kam alle Tage, stöhnte über die Treppen und ihre Angegriffenheit; aber sie fam doch. Sie führte den Haushalt; am ersten Oktober war Grete abgezogen, Frau Allenstein hatte die neue Magd in's Haus gebracht, eine Unschuld vom Lande, die mit schweren Schuhen trappste, nichts verstand und Alles hinwarf. Aber sie war ehrlich und ließ sich von Frau Doktor willig kommandiren. Es war eine ungemüthliche Eriſtenz. Täglich war das Fleisch angebrannt und die Suppe verfalzen. Bredenhofer's empfindlicher Hals litt darunter, er hörte auf zu essen, aber Lena sagte nichts. Sie hatte ja nichts mehr im eigenen Haushalt zu befehlen. " " Wie kannst Du Dir das gefallen lassen?" jammerte Frau Langen. Diese unverschämte Frau! Sie herrscht ganz und gar, sie kommandirt nicht nur das Mädchen, sie kommandirt Richard, sie kommandirt Dich! Da hört Alles auf entsetzlich, traurig!" " Ja, traurig," sagte Lena eintönig.„ Laß nur, Mutter, laß sie nur; mir ist Alles egal." Frau Allenstein behandelte die Schwägerin, wie man ein unmindiges Kind behandelt, das noch dazu trant ist. Sie sagte:„ Liebe Lena, laß Dieses, laß Jenes, Du verstehst es nicht, mein Kind; ich mache das schon!" Und dann rauschte sie in die Küche, gab Anweisungen und regierte- bis in's Zimmer hörte Lena jeden Ton der scharfen Stimme und fuhr zusammen und kam mit hochrothen Wangen wieder herein und ließ sich erschöpft in die Sophaecke fallen. Zuweilen auch strich sie Lena über's Haar; diese erschauerte jedesmal unter der Berührung der kalten Finger. Frau Allenstein hatte der Schwägerin gereizte Ausfälle nicht nur verziehen, nein auch vergeffen. " Richard zuliebe," wie sie sagte, denn was bermag die Liebe nicht?" " 1 Susanne's Nerven bedurften der Abwechselung. Es war ihr etwas Neues, im Hause des Bruders 3 wirthschaften; sie that es mit Gifer und regte fich gern über Kleinigkeiten auf. Sie gewann die Schwägerin ordentlich lieb, die ihr diese Emotion verschaffte und selbst so still in ihrem Sessel tauerte. Der alte, leberbezogene Sessel aus dem Elternhause, der war Lena's Lieblingsplatz. Da fauerte Noman von Clara Viebig. sie auch heute, hatte die Wange an das Seitenpolster geschmiegt und hielt die Augen geradeaus gerichtet. Frau Allenstein war heute schon dagewesen, die kam nicht wieder! Sie hatte das Mittagessen eingerichtet und einen ganzen Pack Besorgungen mitgebracht. Lena wäre gern ein wenig ausgegangen und hätte in den hübschen Läden kleine Einkäufe gemacht; aber erstens bedachte schon Frau Allenstein das Nöthige, und zweitens hatte sie selbst gar kein Geld, nicht eine einzige lumpige Mart. Gestern schon hatte sie Richard um Geld gebeten, vorgestern und vorvorgestern gestern er hatte sie vertröstet. Und die Mutter mochte sie nicht mehr bitten. " Du brauchst ja auch nichts, liebe Lena," hatte die Schwägerin gesagt,„ Du siehst ja, ich sorge für Alles. Ich werde mit Richard schon abrechnen." Lena langweilte sich; sie gähnte und rang dann die Hände ineinander. Die Handarbeit, die unbenugt auf ihrem Schooß gelegen, fiel zur Erde; sie merkte es nicht. Sollte sie singen? Ach nein, ach nein! Seit dem Erlebniß mit Lavallo, seitdem man ihr so schnöde die frohe Hoffnung genommen, war ihre Stehle vertrocknet, ihre Stimme vergangen wie eine Blume, der man das Wasser entzieht. " Ich weiß garnicht, warum Du nicht singst?" hatte Susanne gemeint. Du könntest Dir dadurch so hübsch die Zeit vertreiben." " Lena ballte die kleine Hand zur Faust .0" und ließ sie schwer niederfallen.„ Singensingen!" Sie lachte, ihre Stimme hatte den Klang einer ungeschickt berührten Violine. Ich soll singen? Ich kann nicht mehr!" Sie schittelte traurig den Kopf, ihre Augen starrten nicht mehr mide und traumverloren geradeaus, ein Strahl des Hasses glomm in ihnen auf. So blickt ein Thier, das man tritt, das nicht Kraft hat, sich zu wehren. , Arme Lena', fauchte der Wind im Schornstein Die Jalousien und stieß seltsame Slagetöne aus. ratterten. Immer flang's:, Arme Lena arme'! Die junge Frau schauderte; wie ein furchtsames Rind hob sie beide Hände an die Ohren. Arme Lena," sagte auch sie. Es hallte in dem einsamen Zimmer wider und fam als böses Echo aus jeder Ecke zurück. Arme Lena', fnarrte der alte Sessel. Und im Ticken der Uhr waren die gleichen Worte. Es war nicht mehr zu ertragen! Lena stand auf; langsam, fast widerwillig, und doch mächtig angezogen, näherte sie sich dem Flügel. Jene Worte betäuben, andere Klänge heraufbeschwören- Hülfe, Hülfe, Musik! Gebrochen ließ sie sich auf den Klavierstuhl fallen; ihre Hände legten sich schwer auf die Tasten. Wie lange hatten die Finger hier nicht geruht! 1899 Afford auf Afford ertönte, sanfte, wehmuthsvolle Klänge. Aus den Tasten stiegen heimliche Klagen und reihten sich aneinander zu einer langen, langen Kette. Als Geiſterreigen tauchte es auf aus dem Nebel der Vergangenheit; die Mädchenstunden kamen, winkten und schüttelten dann traurig die Häupter sie waren zu Ende, vorbei für immer. Andere Erinnerungen famen und gingen im wechselnden Spiel; glückselige Hoffnungen, bittere Enttäuschungen die Hoffnungen enteilten, die Enttäuschungen blieben. Aus Lena's Augen flossen Thränen, ste rannen nieder auf die Klaviatur. Dunkler wurde es in der Stube. Draußen flog die Dämmerung vorbei und lullte Alles ein. Ungewiß schimmerten nur noch die Umrisse der schlanken Frauengestalt, immer weicher und träumerischer wurden die Klänge. Jezt lenkte das Spiel in eine bekannte Melodie. Lena's Lippen öffneten sich; die ersten Töne entrangen sich ihrer Kehle, unsichere Laute, durchzittert von tiefster innerer Bewegung. Daß Du so frank geworden, Wer hat es denn gemacht? Kein kühler Hauch aus Norden Und feine Sternennacht. Kein Schatten unter Bäumen, Nicht Gluth des Sonnenstrahls, Kein Schlummern und fein Träumen Im Blüthenbett des Thals Lena hielt erschreckt inne. " " Singe weiter," sagte plößlich eine Stimme. In der Thür stand ihr Mann; in der Dämmerung konnte sie sein Gesicht nicht erkennen, sie hörte nur seine halbgeflüsterten Worte, die einen eigenthümlich gepreßten Klang hatten. Sie drehte den Kopf wieder ganz nach der Tastatur. ,, Daß ich trag' Todeswunden, Das ist der Menschen Thun; Natur ließ mich gesunden Sie lassen mich nicht ruhn." Zu einer schneidenden, durchdringenden Wehklage hob sich die Frauenstimme; fort der verschleiernde Hauch, flar wie Krystall, in unverhüllter Deutlichfeit, jeder verschönernden Weichheit bar, steigerte sich der Ton. Es war eine Auflage, herausgeschleudert mit einer wilden, heftigen Verzweiflung: " " Daß ich trag' Todeswunden, Das ist der Menschen Thun" Lena!" sie hörte den Nuf nicht. Geächzt, gemurmelt starb das Lied: Sie lassen mich nicht ruhn." Von der Thür her ein erstickter Laut. Der Sängerin sanken die Hände matt in den 122 Schooß- da eine Gestalt stürzte auf sie zu, warf sich vor ihr nieder und vergrub das Gesicht in ihr Kleid. Lena Lena!" stöhute Bredenhofer. " Was hast Du, Richard?" Mit einem herzzerreißenden Lächeln hob sie die Augen zum verdunkelten Plafond, an dem kein Schimmer von Licht spielte. " Lena Du singst Du singst Lied o das Lied!" Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. etwas abschlagen! Bitte fiir mich! Du mein Kleinod! Licht auf meinem Wege! Bitte Dit, bitte!" Er legte seine Hände um die ihren und hob die verschlungen gefa teten an seinen Mund. Sie lächelte. Seine Worte thaten ihr so wohl, sie fielen wie Balsam auf ihr Herz.„ Ich will gehen," sagte sie. „ Ja, geh; Deine Stimme rührt, Deine Augen das sind noch beredter als tausend Worte! Geh, mein Liebling!" , Ja, ich kann es jetzt ſingen," sagte sie immer mit dem gleichen Lächeln.„ Ich habe es gelernt." Er erbebte; tiefer wühlte er den Kopf in ihr Kleid. Du kannst es singen," fliisterte er schen, sich selber vor dem eigenen Wort fürchtend,„ Du bist nicht mehr zu glücklich!" " " Du Sie gab teine Antwort; langsam senkte sich ihr Kopf immer tiefer. So verharrten sie stumm, ohne Regung. Und plößlich schluchzte er auf, laut und heftig; er hob das Gesicht aus ihren Kleiderfalten, er suchte ihre Hände und bedeckte sie mit heißen Küssen.„ Kannst Du mir verzeihen? Lena, Lena, vergieb mir!" Ihre Thränen rannen auf sein Haupt nieder wie Thau; gleich einem brennenden Vorwurf fühlte er jeden der Tropfen. " „ Ich liebe Dich unsäglich, unbeschreiblich," stöhnte er ,, und doch quäle ich Dich!" " " Du nicht, Du nicht," sagte sie hastig, von plöglicher Zärtlichkeit erfaßt." Die Anderen, die Anderen alle!" " O, die Anderen!" Er ballte die Faust und knirschte mit den Zähnen. Müde ließ sie den Kopf auf seine Schulter sinken:„ Ja, die Anderen! Ich wünschte, wir wären todt, Du und ich!" Es war ihr herausgefahren, sie wußte selber nicht wie; sie hatte jezt immer so melancholische Anwandlungen. „ O Du," flüsterte er in Pein und Lust und drückte sie fester an sich. Ihr Ton that ihm wohl, er war der Widerhall seiner eigenen Stimmung. Er hatte Reuter nicht zu Hause getroffen; auf dem einsamen Rückweg durch die windverwehten Straßen, umwogt von einer gleichgültig hastenden Menge, war seine kurze hoffnungsfreudigere Laune in nichts zerstoben; das traurige Schwarz kehrte zurück. Mit Wollust drehte er das Messer in der eigenen Seele uni. Er erzählte seiner Frau Alles. Er lag vor ihr auf den Knieen und beichtete die Geschichte des Bildes. Sie hörte ihm zu mit großen, erschrockenen Augen, ohne Einwand. Wir brauchen Geld," schloß er, mit selbstquälerischer Deutlichkeit jedes Wort betonend. Geld! Ich weiß nicht, ob ich meine Schwester bitte?!" " 1 " " Nein, nein!" Es kam Leben in ihre starre Gestalt. Nicht die o nein! Sie martert mich o nein! Sie martert mich sonst zu Tode fie- die-" Und nun sprudelte in überquellender Bitterfeit eine lange Reihe von Klagen. Sie nimmt mir jedes Recht und jeden eigenen Willen; sie sagt, wann ich athmen soll; sie streicht mir über's Haar mit ihren kalten Fingern, daß mich friert. O, nicht die, nicht die!" Abwehrend, schaudernd streckte Lena die Hände aus. Er füßte beruhigend ihre zuckenden Lippen; auch ihm erschien die Schwester plößlich in anderem Licht. Meine arme Lena, mein armes Weib!" Sie schmiegte sich fester an ihn, wie ein Kind hing sie an seiner Brust." Wen wirst Du denn bitten?" stammelte sie hilflos. O siehst Du, hättest „ O Du mich Stunden geben lassen, oder oder sie wollte sagen: Mit Lavallo gehen' aber sie verschluckte es. Sie weinte. " -" Er fuhr sich durch die Haare und starrte finster vor sich hin in's Dunkel." Weißt Du was," sprach er plöglich, wie aus einem Traum auffahrend " Onkel Hermann! Der muß uns helfen der wird uns helfen ja, ja, Onkel Hermann! Und Du mußt hin, Du mußt ihn bitten!" Ton. " Ich?!" Fassungsloses Erstaunen lag in ihrem " Ja, Du! O meine siiße Frau!" Er preßte Stüsse auf ihr zartes Gesicht und spielte mit ihren Locken. Er kann es Dir nicht abschlagen; wer fönnte Dir " „ Ich will ihn bitten! Er wird, er muß!" Hoff nungstrahlend zog Lena den Gatten in die Höhe; sich eng umschlungen haltend, schritten sie im Dunklen auf und nieder und besprachen die Einzelnheiten der Reise und des Plans. Eine gehobene Stimmung schwebte über ihnen Beiden; sie beredeten Alles, wie man eine Vergnügungstour ausmalt. " " 1 mit Steinen nach ihm. Wie lange noch, und er liegt todt, erfroren unten auf der Gasse. Im Dorf bimmelte es Vesperzeit; die Leute zogen sich in ihre Hütten zurück; draußen wurde es schon ungemüthlich, friih dunkel, es gab nichts mehr zu schaffen. Nur auf dem Gutshof, unter den Fenstern des Herrenhauses lärmiten die Tagelöhnerfinder. Das war die Stunde, in welcher der Gutsherr beim Kaffee saß oder auf dem Sopha lag, eine Pfeife rauchend, die mächtigen Füße in griuen Pantoffeln über die Seitenlehne baumeln lassend. Fräulein Hannchen hatte diese Pantoffeln gestickt und war stolz auf ihr Werk; sie zeigten obenauf ein graues Perlenkränzchen, das einen Mopskopf umgab. Der Mops hatte rothe Perlenangen und ein rothes Halsbändchen, das machte sich gut zu der frischgriinen Füllung. Wenn Herr Hermann Bredenpflegte er die mächtigen Botten von sich zu strecken ind, sie wohlgefällig beängelud, zu sagen:„ Bei diesem Mopskopf, es ist so!" Da gab's feinen Widerspruch. ,, Und wenn ich wiederkomme," sagte Lena, dann hofer, Besizer von Althöfchen, etwas betheuern wollte, holst Du mich ab, und uns ist geholfen." „ Ja, geholfen," fiel er ein, wir sind aus aller Verlegenheit; wir sind glücklich! Und die Anderen halten wir uns vom Halse. Morgen mache ich Susanne den Standpunkt klar. Da hört doch Alles auf, sie soll uns in Ruhe lassen!" Die Kinder hatten sich auf den Schwengel der Pumpe gefeßt, die dicht an dem Gitter stand, das Sie rannten im Dunkel gegen ein Möbel, stießen den Wirthschaftshof vom Vorgärtchen des Herrschaftssich und klingelten nach Licht. Trappsend kam Hulda, brachte endlich die Lampe, stolperte und warf sie mitten auf den Fußboden. Es war eine Szene heilloser Verwirrung. Geflirr von Glocke und Zylinder, die Lampe erlosch qualmend und stinkend; auf der Diele eine Petroleumlache. Die Unschuld stand daneben, hielt sich die Schürze vor's Gesicht und weinte. Bredenhofers mußten lachen, sie wollten sich nicht die Laune verderben lassen; was war am Ende eine zerbrochene Lampe gegen die hoffnungsvolle Aussicht, die ihnen winkte? Scherben bringen Glück," sagte der junge Mann, kniete nieder und las die Splitter zusammen. Au weh, er hatte sich geschnitten! Dünn sicerte ein Blutstropfen und noch einer und noch einer an seiner Hand herunter. " " Zerschmettert wie Dein Bild," lächelte Lena. Aber aus den Trümmern steigt ein neues, ein schöneres!" Sie fing die Blutstropfen mit dem Taschentuch auf und füßte den verlegten Finger. Endlich saßen sie nebeneinander auf dem Sopha; statt der Lampe flackerten zwei Kerzen, hatten lange Schnuppen und tropften Stearin auf den Tisch. Sie amisirten sich darüber; Lena machte drollige Bemerkungen, ihre ganze anmuthige Mädchenheiterkeit war wieder da. Er konnte sich nicht satt an ihr sehen; ihr bleiches Gesichtchen so pikant, ihre Augen schimmernd! Er ging und holte die lezte Flasche Wein, die sie im Hause hatten." Stoßen wir an auf eine glückliche Reise! Auf eine glückliche Zukunft!" Lächelnd führten sie die Gläser aneinander: Kling, Kling! Das war ein froher, verheißender Klang! Draußen heulte der Wind; er streifte die Häuser fassaden entlang mit Ungestiim, riß Dachziegel ab und schleuderte sie frachend auf die Straße. Ein böses Wetter. Herbststürme, die keinen Sonnenschein mehr bringen. XV. Ueber den Feldern webt ein Gespinnst von Reif; lange weiße Fäden reißt der Wind los und treibt sie durch die graue Luft. Keine Stoppel mehr, Alles schon umgepfligt, bestellt mit der Winterjaat. Auf den begraften Senfungen, die Gräben und Timpel entlang, sammelt sich fein flapperndes Storchenheer mehr; ihre Nester auf den Dachfirsten im Dorf stehen verödet, dem zerzausenden Spiel der Stirme preisgegeben. Die Störche sind alle fort, entflohen in bessere Länder. Nur einer ist zurückgeblieben, ein fliigellahmer, franker. Wehmüthig steht er auf einem Bein, oben auf dem Scheunendach, plustert die Federn auf und thut erbärmlich. Oder er stelzt die Wiese entlang und sucht färgliche Nahrung; Frösche giebt's nicht, und die Mäuse sizen schon im Winterquartier. Die Buben machen Jagd auf den einsamen Vogel, sie wollen ihn in den warmen Stall sperren; er läßt sich nicht beikommen, da werfen sie hauses trennte. Herrschaftshaus ist eigentlich kein richtiger Ausdruck, es war weiter nichts als ein großes gemithliches Bauernhaus mit rothem Ziegeldach und grünen Fensterläden. Die Pumpe quietschte, die Kinder schrieen, sie machten eine Reise auf dem Pumpenschwengel; mit unter rannte auch eines hin, zwängte den Kopf durch's Gitter und freischte laut in den Vorgarten hinein. Der Herr schien nicht zu Hause; sie wurden immer dreister, immer vergnügter. Leuak's Hiero nymus froch auf's Gatter, stolz saß er rittlings oben und spuckte hinüber auf den Kiesweg. Die übrigen freischten bewundernd dazu. Da auf einmal tnarrte was, die Glasthür der Beranda klappte! Sie ſtanden wie angenagelt. " Was ist los?" rief des alten Bredenhofer's Schon mächtige Stimme. Wollt Ihr wohl?!" schlorrten die grünen Pantoffeln die Stufen der Freitreppe hinunter. „ Der Harre, der Harre!" Die Flachsköpfe standen wie angenagelt, sie wagten nicht, fortzurennen und hätten's doch zu gern gethan. „ Na, was macht Ihr hier? Bienasch's Marie, Krämer's Wilhelm, Anne, Bertha und Martin, na? Und Leuat's Hieronymus, Du willst Dir wohl Deine Buren ganz machen? Was?!" Langsam näherte sich der starke Mann den Kindern, immer die eine Hand auf dem Rücken haltend. Sie starrten ihn an, halb furchtsam, halb lachend. Krämer's Wilhelm, der kleinste, steckte den Finger in den Mund. Die wasserblauen Augenpaare jahen unverwandt den Herrn an. Hieronymus auf dem Zann machte eine Schwenkung, er wollte gern sehen, was der Harre auf dem Rücken hatte; ob's der Kantschu mit dem Lederriemen war, der so ein dringlich um exponirte Kehrseiten pfiff? " " " Was?" Bredenhofer blinzelte. Soll ich Euch eine Geschichte erzählen, was?" Er rückte bedroh lich näher. Also eine Geschichte. Es war einmal Ein gellender Auffreisch. Hieronymus fugelte vom Gatter und rollte noch eine Strecke weit; die Mädchen und Buben rannten davon wie besessell, ihre Flachshaare wehten, ihre zerlumpten Röckchen flatterten. Eine Geschichte? O fie faunten. die! Die ers zählte der, Harre immer, wenn sie nicht gut thate. In einiger Entfernung machten sie Halt; quietschten sie laut auf vor banger Lust, der Herr lehnte über's Gitter und fuchtelte mit dem Kantich durch die Luft. ,, Kommt nur her, eine Geschichte, ich erzähle Euch eine Geschichte!" wollt Sie wiirden sich hiiten. Sie stießen ein allge meines Geschrei aus und stoben dann fort, wie Spren im Winde, sich puffend, schiebend, drängelnd. Rangen, Jöhren, verdammite Brut Ihr nochmal so spektakeln? Neißt' nen anständigen Menschen aus dem Mittagsschlaf Ihr Lumpens gesindel, verflirte Krabben, wartet nur, ich komme hin? D 1, + " te ie 211 た 11. IT EE le . Jeell pollt gen Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Er lehnte mit beiden Armen auf dem Zaun und sah ihnen nach, bis das letzte Röckchen um die Ecke verflattert war. Ein Schmunzeln ging über sein rothes Gesicht. Er hatte die Brut gern, aber es war ihm ein Bedürfniß, den Jöhren mitunter eine Geschichte zu erzählen; die mußten doch wenigstens wissen, wer Herr war. Schlimm genug, daß heut zutage leider Gottes so wenig Respekt mehr in der Welt war, so wenig Unterordnung und Dankbarkeit. Die Jungen wollten neunmal flug sein; auf die Alten, die immer Recht hatten, wurde nicht gehört. Mit einem tiefen grollenden Seufzer dachte der Alte seines Neffen Richard. Wie mochte es dem wohl gehen? Schlecht natürlich! Er zog die Stirn fraus, stieß das Gitterpförtchen auf und stampfte über den Hof. Was hätte Tante Hannchen gesagt, wenn sie dessen ansichtig geworden wäre?! Mit den guten Grünen über den Hof, durch die kothigen Wagengeleise und den Hühner- und Entenschmutz! , Trap, trap' ging's nach der großen Hofpforte. Da zogen sich links die Wohnungen der Tagelöhner hin, niedrige, weißgestrichene Hiitten, aus deren fleinen Schloten Dampfwölkchen wirbelten. Pozz Wetter, was hatten die Weiber schon wieder zu köcheln? War's denn heute Sonntag, daß ein frischer Kaffee gebraut wurde? Das Mittagessen war auch schon ein paar Stunden vorbei; was hatten die Leckermäuler zu briezeln? Bredenhofer wollte eben zum ersten Tagelöhnerhaus einbiegen, da fiel sein Blick nach rechts, auf die allgemeine Dorfstraße. In den Pfüßen ihrer ausgefahrenen Geleise spiegelte sich der graue Himmel mit seinen dunklen Wolfen. Ganz einsam war die Gasse, schon glomm hier und da zur Rechten und Linken ein Lämpchen auf. Das obere Ende der Straße führte sacht bergauf in's freie Feld; von dort her kämpfte sich eine Frauengestalt, ein Täschchen am Arm. Der Wind jezte sich in ihre Röcke und blähte sie auf; wie dunkle Fittiche schlugen sie flatschend um den Körper. Mühsam, Schritt für Schritt wankte die Gestalt heran; das war keine Hiesige. Bredenhofer strengte die Augen an. Jest sah er ein todtenblasses Gesicht unter elegantem städtischem Hut, zerzauste lockige Haarsträhnen- Donnerwetter, wer war das?! Wie angewurzelt stand er. Die Fremde kam auf ihn zu mit schlorrenden Füßen, ihr Kleidersanm schleppte durch's Naß. Jetzt war sie bei ihm. Sie streckte die Hand aus und zog sie wieder zurück, öffnete den Mund und stammelte ein paar unverständliche Worte. Mit matten, verglasten Augen starrte sie um sich, dann stieß sie einen tiefen Seufzer aits. Sie taumelte, sie schwankte. Er fing sie in den Armen auf. Er hielt eine vollständig Erschöpfte, eine Ohnmächtige. Das Täschchen war zur Erde gefallen, er hob es auf. Lena Bredenhofer stand auf dem kleinen Silberplättchen. Also doch! Jetzt erkannte er sie. ( Fortsetzung folgt.) Gold- und Silberwaaren. M Von Haus Ostwald. ancher, der durch die Scheiben eines JuwelierLadens gesehen, mag sich schon gesagt haben: " Ah, was muß der Mann für ein ge= schickter Sterl sein, der all diese Herrlichkeiten angefertigt hat und nun zum Verkaufe ausstellt!" Na, die Sache ist nicht so schlimm. Selten ist heut zutage der Ladenbefizer und Goldschmiedemeister auch der Hersteller der Goldwaaren. Seine Werkstatt ist in den allermeisten Fällen nur eine Reparaturwerkſtatt. Kaum ein Stück der im Schaufenster, in Glasfästen und Glasschränken aufgestellten Waaren ist unter der Hand des Goldschmiedemeisters entstanden. Der einzige Artikel, den er noch selbst anfertigt, sind Trauringe. Sehr oft werden auch diese schon gleich fertig gekauft. Wie alle Handwerke, so hat sich auch das Goldschmiede- Handwerk zu einer Industrie entwickelt. Wenn auch ein großer Theil der Schmucksachen noch mit der Hand gefertigt wird, die ganze Einrichtung der Werkstätten ist schon fabrikmäßig. Die billigen Massenartikel werden alle durch Maschinen hergestellt. Nur weniger Handgriffe bedarf es bei diesen Sachen, um sie tragfähig zu machen. Und auch jene Werkstätten, in denen der feinste Schmuck nach Originalzeichnung hergestellt wird, je nur ein Stick nach einer Zeichnung, können heute nicht ohne Maschinen auskommen. Wie in allen anderen Betrieben hat auch in der Goldschmiedekunst die Maschine und die moderne Technik, weniger die in der Goldschmiedewerkstatt nothwendige Chemie, manches umgeändert. Auch auf die Trauringfabrikation hat sie eingewirkt. Alle Ringe, die gleich fertig gekauft Alle Ringe, die gleich fertig gekauft werden, hat der Händler aus der Fabrik bezogen. Früher wurden alle Ringe, nicht nur Trauringe, geschlagen, oder vielmehr geschmiedet, und zwar in einem sogenannten Seckenzug. einem sogenannten Seckenzug. Das ist ein Stück Eisen, das verschiedene Rillen hat, schmale und breite, flache und tiefe, so wie der Ring werden soll. Der Seckenzug wird in einen Schraubstock gespannt, das längliche, drahtähnliche Metallstick auf eine Rille gelegt, und nun wird mit einem an der Schlagseite abgerundeten Hammer so lange draufgeschlagen, bis die eine Seite eine gleichmäßige rundliche Form angenommen hat. Diese Art der Herstellung verschwindet mehr und mehr. Nur bei Trauringen aus Feingold wird sie noch manchmal angewandt. Und auch diese werden dann noch meist durch ein Locheisen gezogen, dessen Löcher die Form der Durchschnittsfläche eines Ringes haben. Jedes Loch ist um ein Geringes enger als das andere, so daß der Ringdraht in jeder Stärke zu ziehen ist. Gezogene Ringe brauchen natürlich nicht so sehr befeilt werden, wie geschmiedete. Also ist auch der Dagegen gehört Abgang an Metall nicht so groß. Dagegen gehört zu den gewalzten schon wieder ein größeres Metallstick, da sich ein Grad abpreßt. Aus diesem Grunde stick, da sich ein Grad abpreßt. Aus diesem Grunde werden feingoldene Ninge nicht so häufig gewalzt. Dagegen ist es gebräuchlich, die geringeren Goldlegirungen, aus denen Trauringe hergestellt werden sollen, zu walzen. Das geschieht besonders in den Ringfabriken. Doch auch die meisten fleinen Geschäfte haben eine Trauringwalze, da sich ihre Anschaffung lohnt. Sie ist fast stets mit einer Blech walze verbunden. Von den beiden acht bis fünfzehn Zentimeter breiten Stahlzylindern der Walze ist der eine ganz glatt. Der zweite ist nur bis zur Hälfte glatt. In die andere Hälfte sind ähn lihe Rillen gefeilt oder gedreht, wie der Seckenzug sie hat. Durch die beiden Walzen wird das Metallstück gequetscht, die etwas auseinander stehenden Walzen werden nach und nach zusammengeschraubt und das Metallstück immer wieder mit Hülfe der Kammräder und der Kurbel durchgedrückt, bis es dünn genug ist. Dann wird das dem Gewicht und der Weite des Trauringes entsprechende Drahtstück abgeschnitten, die Schnittfläche mit dem kleinen Bretthammer glatt gehämmert, befeilt und mit der Schienenzange, einer Zange, deren eine Backe innen flach, deren zweite innen rund ist, ringförmig gebogen. Der rohe Ring wird mit dünnem Eisendraht zusammengebunden, da er sich sonst beim Löthen auseinanderziehen würde; die Fuge wird mit gelöstem Borar bestrichen, damit sie nicht orydirt und das Loth sich mit dem Metall verbinden kann. Ein kleines, dünngewalztes, feingeschnittenes Stii.f Loth, minderwerthiges, leichtfließendes Gold, kommit auf die Fuge und der Ning auf eine Holzkohle. Mit dem Löthrohr wird die Gasflamme auf ihn geblasen; die Holzkohle läßt die Hiße nicht durch, sondern wirft sie auch von unten auf den Ring. Wenn er weißglühend ist, schmilzt das Loth und füllt die Fuge. Der 3: 1 Glas geschmolzene Borar wird in einer ganz schwachen Schwefelsäurelösung abgekocht, das überschüssige Loth abgefeilt und dem Ninge auf einem Ringriegel, einem fonisch verlaufenden, runden Stahlstück, mit einem Holz oder Hornhammer die richtige Weite und die richtige Form gegeben. Hierauf wird er mit einer ganz feinen Feile, einer Speckfeile, geglättet und mit feinem 123 Schmirgelpapier ein wenig geschliffen. Nochmals kommt er auf die Holzkohle, wird rothglühend gehiẞt und in reiner Salzsäure abgelöscht. Nachdem er in Wasser abgespilt ist, wird er mit einem Polirstahl und ein wenig Speichel geglättet, bis er den bestechenden Glanz des fertigen Ringes annimmt. So viele Manipulationen beansprucht das einfachste Produkt des Goldschmiedes. Vielleicht giebt das Geschilderte eine Ahnung von der Mühe, die ein feineres Schmuckstück macht. Ist doch das Schmelzen noch nicht einmal hinzugerechnet worden. Das Schmelzen geschieht bei kleineren Mengen anf der Holzkohle. In ihre Oberfläche wird ein Loch gehöhlt, das Metall und ein kleines Stück KristallBorar hineingethan, eine kleine Kohle zum Auffangen der Gasflamme dahintergestellt und die Flamme nun so lange darauf geblasen, bis das Metall zu einem kochenden Klümpchen geschmolzen ist. Das Schmelzprodukt wird je nach Bedarf in einem langen oder furzen Eiseneinguß, der Draht- oder Blechform ergiebt, ausgegossen. Größere Mengen werden in großförnigen, unglafirten Thontiegeln geschmolzen. Auf das Metall kommt noch Holzkohlenpulver, um das so leidige Sprißen des Metalls zu verhindern. Der Tiegel kommt in einen Koks- oder Gasofen und wird nachher ebenso ausgegossen, wie das auf der Holzkohle geschmolzene Gold oder Silber. Diese Art ist bequemer, da sie das anstrengende Blasen mit dem Löthrohr überflüssig macht. Sie verbreitet sich auch immer mehr, begünstigt durch das Auswachsen einzelner Werkstätten zu Fabriken. Zur Zeit eristiren drei Arten von Werkstätten. Da sind erstens die großen Fabriken zu Hanau, Pforzheim und Schwäbisch- Gmünd, in denen oft fünfzig bis hundert Menschen beschäftigt sind. An den Fenstern der Arbeitssäle sind große Werkbretter aufgestellt, die mit fünf Ausbuchtungen versehen sind. In je einer Ausbuchtung sist ein Arbeiter. Auf dem Arm des Werkbrettes zu seiner Rechten liegt sein Werkzeug. Auf dem Brett stehen und liegen zerstreut: Blechkasten zur Aufbewahrung der Arbeit, des Metalles und des Feilstaubes, Holzkohlen, Näpfe mit Borarstücken, Wasserflaschen, kleine Flacheisen, Delnäpfchen, ferner in der Mitte die Gaslampe und mehrere kleine Gasflammenständer zum Löthen, die durch Gummischläuche mit dem Gasrohr verbunden sind. Im hinteren Theil der Werkstatt stehen kleine Blech- und Drahtwalzen; die letteren haben in ihren Walzzylindern kantige Rillen. Eine Stante liegt in jeder Walze, etwa so v. Das ergiebt beim Walzen, da zwei Rillen aufeinandertreffen, viereckigen Draht, der von 5 mm Stärke bis auf 1/2 mm gewalzt werden kann. Neben den Walzen steht ein kleiner Ambos auf einem Holzkloß. Dabei ein Ständer für größere Hämmer und grobes Werkzeug, wie Bleisticke, Ningriegel usw. Bei einem Schraubstock liegen Zieheisen mit den verschiedensten Löchern, rund, oval, vieredig, sternartig u. a. Auf einem Tisch stehen Kupferschalen, in denen die gelötheten Gegenstände mit verdünnter Schwefelsäure abgekocht werden. Ein kleiner Gasofen, eine sogenannte Kapelle oder Esse dient zum Glühen oder Löthen größerer Sachen. Löthen größerer Sachen. Sie steht auf einem eisernen Blasebalg, der mit dem Fuße getreten wird. Hohle Schmuckstücke, wie Medaillons, Armbänder und Scharnierbroschen werden in der Esse in einem Sandtopf nach dem Abkochen getrocknet. In einem anderen Raum der Fabrik sind die großen Maschinen, die den Betrieb im modernen Sinne zur eigentlichen Fabrik stempeln. Die mit Dampffraft oder Elektrizität getriebenen Walzen pressen breites, dickes Blech oder starken Draht dünn. In einem Gasofen wird es mehrmals geDurch das Walzen glüht, damit es nicht reißt. wird das weichgeglühte Metall spröde und hart, so daß es manchmal wie Glas springt. Die Edelmetalle haben bekanntlich im Gegensatz zum Eisen die Eigenschaft, durch Glühen weich zu werden und durch Ablöschen in Flüssigkeit nicht zu erhärten, so daß Federn, Nadeln und ähnliche Sachen gewalzt oder hart geschmiedet werden müssen. Durch zu ſtrenges Walzen bricht jedoch das Metall. Manchmal ist auch Unreinlichkeit des Metalles die Ursache der Sprödigkeit. Dann muß es, unter Zusatz von 124 Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Supfersalz, umgeschmolzen werden; ein während des Schmelzens hineingeworfenes Stückchen Messing nimmt verbrennend das häufig verderbliche Zinn heraus. Eine Ziehbank ist zur Erzeugung großer Drahtmengen bestimmt. Eine große Bange ist an einer Rette angebracht, die sich um einen Stahlbalken wickelt. Diese Zange reißt den stärksten Draht durch das Zieheisen. Für die Bedienung dieser Maschinen ist gewöhn lich ein Maschinist angestellt. Außer ihm ist noch ein Presser da. In Fabriken, die besonders viel gepreßten Schmuck herstellen, findet man auch mehr Presser. Jeder steht an seiner Stanze und preßt die Schmuckstücke gleich zu Hunderten. Ein Stahlstempel, in den das Muster erhaben gestochen ist, fällt auf ein Stück Blech, unter dem ein Stück Blei liegt. Manchmal wird auch ein Eisen untergelegt, in das das Muster vertieft gestochen ist. Der Stahlstempel preẞt dann das Blech in das untere Metall. Die Form braucht dann nur noch ausgeschnitten und mit einem Boden, sowie Hafen, Scharnier und Nadel versehen zu werden dann noch ein wenig gravirt, ein Steinchen hinein, polirt die Vorstecknadel ist fertig. Das Alles wird schneller gemacht, als man sich das denkt. Denn solche Artikel werden immer gleich hundertweise angefertigt. Der Arbeiter muß sich das zu Nuze machen und gleich zehn bis zwanzig mit einem Male löthen können, sonst verdient er nicht so viel, um sich allein, viel weniger eine Familie ernähren zu können. Wie flint er arbeiten muß, geht vielleicht daraus hervor, daß selbst in den kleineren Geschäften ein Paar Trauringe in einer Stunde fertig jein muß vom Schmelzen bis zum Graviren. - ( Schluß folgt.) Hygienisches vom Radeln. Von Dr. Ernst Schneider. as Zweirad bedarf keines Lobredners mehr. Seine Verehrer haben von ihm reichen Segen für die Menschheit erwartet und prophezeit; so sollte es die Freude am Naturgenuß fördern, die ökonomische Lage der Landbewohner durch Zunahme des Verkehrs zwischen Stadt und Land bessern, der vorschreitenden körperlichen Entartung, namentlich der Großstädter, Einhalt thun. Sonderbar genug erscheint es mir, daß noch kein begeisterter Radler und im Anfang ist das Jeder ein Werkchen „ das Zweirad als Erzieher" geschrieben hat. Aber auch bei ruhiger Betrachtung muß man zugeben, daß der neue Sport immerhin Vieles vom Versprochenen gehalten hat. Zweifellos ist das Radeln ein vorzügliches Mittel zur Uebung und Kräftigung der Muskeln. Nicht der gesammten Muskulatur, wie etwa rationelles Turnen, Schwimmen, Rudern oder das Erklimmen hoher Alpengipfel. Gegenüber dem schulmäßigen und vielen langweiligen Turnen hat es aber den Vorzug der Ortsveränderung und der Abwechselung für das Auge voraus, dem Schwimmen und Rudern gegenüber den geringerer Anstrengung und der Möglichkeit längerer Ausübung; die gesündeste und schönste Bethätigung der Körperkräfte, das Bergsteigen, ist ein theurer, seltener Genuß, den verhältnißmäßig Wenige sich bieten können. Zudem kann man, wenn das Wetter trocken und nicht stürmisch ist, jederzeit radeln, die Gelegenheit zum Turnen aber muß man sich suchen, der Wasser- und Bergsport gar ist für uns auf ganz kurze Zeit beschränkt. Das Nadeln ist also ein relativ universeller Sport. In erster Linie bethätigen sich beim Nadeln die Muskeln der unteren Extremitäten und zwar die Streckmuskeln. Die Armmuskulatur wird, wenigstens bei geübten Fahrern, fast garnicht in Anspruch ge= nommen, da die Hände lose auf der Lenkstange liegen und nicht zum Stiißen, sondern nur zum Lenken der leicht gehorchenden Maschine verwendet werden sollen. Stärker werden die Rückenmuskeln geübt und zwar nur bei gradem, elegantemt Siß, aber nicht bei der häßlichen und schädlichen Nennhaltung der Radgigert. Wie bei jeder Körperarbeit wird die Thätigkeit der Lungen gesteigert, und wer richtig radeln gelernt hat, kann, indem er dabei regelmäßig, möglichst langsam und tief durch die Nase athmet, seine Athmungsmuskulatur fräftigen, die Elastizität der Lungen erhöhen und ihre Fähigkeit üben, mit einem Athemzuge eine große Menge Luft aufzunehmen. Verhältnißmäßig die größte Arbeit wird dem Herzen zugemuthet, deshalb ist auch das Herz bei schwächlichen und leichtsinnigen Radlern am ernstlichsten gefährdet. Es bestehen nämlich zwischen Muskelthätigkeit und der Arbeit des Herzens und der Lunge innige Beziehungen. Ebenso wie eine Dampfmaschine bei ihrer Arbeit Feuerung verbraucht, kann der Muskel nur arbeiten, indem die Kohlenstoffverbindungen( Kohlehydrate und Fette), die er in sich zur Zeit seiner Ruhe aus dem Blute auf genommen, und angehäuft hat, während der Arbeit mit dem, gleichfalls vom Blute gelieferten, Sauerstoff zu Kohlensäure verbrennen. Das Ergebniß dieses Vorganges ist Bewegung, bei der Wärme und Kohlensäure entsteht. Die Kohlensäure ist ein Ermiidungsstoff, der, angesammelt, nicht nur die Muskelthätigkeit lähmen, sondern dem ganzen Organismus gefährlich werden würde. Sie muß also entfernt werden, und das geschieht wiederum durch das Blut, das, mit Kohlensäure beladen, aus den zum Herzen zurückführenden Gefäßen, den Venen, der Lunge zuströmt. Je mehr das zurückströmende Blut mit Kohlensäure gesättigt ist, um so häufiger und ausgiebiger muß die Athmung werden, damit sie es schnell von der Kohlensäure befreie und ihm genügend Sauerstoff aus der Luft heranschaffe. So erklärt es sich, daß bei starker Körperarbeit durch die um fast das Dreifache des Normalen vermehrten Athemzüge eine Kohlensäuremenge ausgeschieden wird, fast zehn Mal so groß als die in der Ruhe ausgeathmete. Andererseits reizt die Kohlensäure- Anhäufung im Blute die die Herzthätigkeit bestimmenden Nerven, so daß der Herzmuskel sich öfter und fräftiger zusammenzieht. Auf diese Weise kann er schnell und reichlich den Lungen das abgenutzte Blut zur Erneuerung, und den arbeitenden Muskeln das erneuerte Blut zu weiterem Verbrauch zuführen. Wenn auch ein gesundes Herz durch planmäßige Uebung zu großen Leistungen erzogen werden kann, es ist doch seine Leistungsfähigkeit, wie die jedes Mustels, begrenzt. Muß es sich zu oft zusammen ziehen, so hat es nicht Zeit, sich vollständig zu leeren, und es bleibt ein Rest in ihm zurück, der durch den immer erneuerten Zufluß größer wird. Dazu kommt, daß auch der ermüdete Herzumuskel an Spannkraft einbiißt und daher durch die hineingeworfenen Blutmassen leicht ausgedehnt werden kann. Es ist also verständlich, wie durch übermäßige Anstrengungen Herzschädigungen zu Stande kommen können; Schädigungen, die sich wohl beim ersten Mal wieder gut machen lassen, aber, wenn wiederholt, zu dauernden Erkankungen führen. Daß in dieser Hinsicht besonders das Nadeln gefährlich ist, weil dabei die Ermüdung des Herzens sich zu spät subjektiv bemerkbar macht, ist eine nachgerade auch den Laien geläufige That sache. Doch braucht sich, wer das Radeln nur zu seinem Vergnügen treibt, nicht als Rennsport, dadurch nicht abschrecken zu lassen, vorausgesezt, daß er feine Gewalttouren macht und sich gesunder Brustorgane Gewalttouren macht und sich gesunder Brustorgane erfreut. Wenn das Radfahren gesund sein soll, so kommt es selbstverständlich sehr darauf an, wie man fährt. Garnicht genug kann man die häßliche Rennhaltung, wobei der Fahrer fast auf dem Rade liegt, verdammen. Auf dem Nade soll man sißen wie auf dem Pferde. Wer vorn übergebeugt liegt, beeinträchtigt nicht nur die Athmung, indem Brust und Bauch zusammengedrückt werden, sondern er athmet unmittelbar den vom Vorderrade aufgewirbelten Staub und die eigenen Ausdünstungen ein. Staub und Gegenwind reizen die Augen und können Bindehautentzündungen zur Folge haben. Ueberdies staut sich bei der Rennhaltung das Blut im Kopf und, durch die Abknickung der großen Blutgefäße des Rumpfes, auch im Unterleibe. Natürlich übersicht der gebückte Fahrer nur eine kleinere Strecke als der aufrecht sigende, und gefährdet so sich selbst und Andere, die seinen Weg zu kreuzen wagen. Wendet man zu Gunsten dieser häßlichen Haltung ein, daß sie beim Rennen unentbehrlich sei, nun gut, so mag das für die geschlossene Bahn gelten, aber nicht fir öffentliche Wege. Die Nadlerinnen, soweit sie nicht von der Nennsucht befallen sind, huldigen glücklicherweise dieser Mode nicht, hauptsächlich wohl, weil sie wissen, wie sehr sie ihre Anmuth beeinträchtigen würden. Es muß, wenn man gut sizen soll, die Lenkstange etwas höher als der Sattel stehen und darf von ihm nicht zu weit entfernt sein. Nicht selten sieht man, namentlich bei Anfängern, daß das Pedal nicht mit den Zehen, sondern mit der Fußhöhlung getreten wird. Das erschwert die Arbeit und macht bald miide, weil das Treten mit größerem Kraftaufwande geschehen muß. Wer mit dem vorderen Theile des Fußes das Pedal bearbeitet, geht mit seiner Straft sparsamer um, weil er einen längeren Hebelarm anwendet. Von allergrößter Wichtigkeit für die Hygiene des Fahrers ist eine geregelte Athmungsthätigkeit. Die Radfahrlehrer, meistens junge, unerfahrene Leute, die den Schüler, der sich einigermaßen auf dem Rade halten kann, durch seine eigene Gr fahrung und seinen Schaden flug werden lassen, müssen viel mehr auf die Athnung ihrer Schutzbefohlenen achten, als es geschieht. Man soll ruhig, tief und durch die Nase athmen. Wer das, be sonders das letzte, nicht fann, gehört entweder überhaupt nicht auf's Rad oder muß zuvor das Hinderniß, das ihm die Nasenathmung verlegt, vom Arzte beseitigen lassen. Die Nase ist unser angestammtes Luftreinigungsfilter und unser Luftwärmer und schützt als solcher die Athmungsorgane vor Infektionen und Erkältungen. Genügt bei durchgängiger Nase die durch sie aufgenommene Luftmenge dem Athmungs bedürfniß nicht mehr, so ist das ein sicheres, deut liches Warnungszeichen beginnender Ueberarbeitung des Herzens, für den verständigen Fahrer also ein Befehl zum Absteigen und Ausruhen oder wenigstens zur Mäßigung der Fahrgeschwindigkeit. Wie schnell und wie lange man fahren darf, hängt von der Körperkonstitution und der Uebung des Einzelnen ab; im Allgemeinen gilt eine Geschwindigkeit von 4 bis 5 Metern in der Sekunde, also etwa 15 kilometern in der Stunde, als normal und unschädlich. Je besser der Weg ist, und je weniger man genöthigt ist, die Aufmerksamkeit anzuspannen, um so später wird man ermüden; wer in dem Getriebe belebter Straßen einer großen Stadt fahren muß, weiß, um wieviel mehr eine solche Stadttour anstrengt als eine Vergnügungsfahrt über Land. Die körperliche Ans strengung beim Fahren wird besonders erhöht durch starken Gegenwind und durch Steigungen des Weges. Der Wind, der den Fahrer im Rücken trifft, nimmt ihm den größten Theil der Arbeit ab, aber der Gegenwind erschwert sie ihm um ein Vielfaches, und zwar um so mehr, je größer die Fahrgeschwindigkeit ist. Die Schrittmacher, die dicht vor dem Neun fahrer einhersausen, haben auch nicht so sehr den Zweck, ihn zu immer größerer Geschwindigkeit zu reizen, als den, ihm den Gegenwind wegzunehmen, daher sich der Renner auch immer dicht hinter den Schrittmachern halten muß, die ja mindestens die Hälfte seiner Arbeit thun. Beim Berganfahren ist die Kraftanstrengung um so größer, je höher das Rad„ übersetzt" ist, und je langsamer das Tempo Es empfiehlt des Fahrers vor dem Anstiege war. sich, die Steigung selbst langsam zu fahren, aber, bevor man zu ihr gelangt, einen Anlauf zu nehmen, weil dann die während des Anlaufes im Rade aufgespeicherte Kraft dem Fahrer beim Anstiege zu Gute kommt. Bei der Sucht, möglichst schnell von der Stelle zu kommen, fauft man meist Näder mit hohen Uebersetzungen, die freilich auf ebener Straße schnell und mühelos vorwärts bringen, aber schon bei ge= ringer Steigung einen um vieles größeren Kraftaufwand verlangen, als ein Rad mit mäßiger Uebertragung( 63-68). Beim Berganfahren achte man ganz besonders auf gleichmäßige Athmung; denn unwillkürlich versucht man zu pressen, um durch Nuhigstellen des Numpfes die größte Muskelfrast anwenden zu können. Durch das Pressen werden aber plötzlich das Herz und die seinen Muskel speisenden Blutgefäße leer, während das Blut in den Körpervenen( die es in das Herz und die Lungen führen Seimathfied sibirischer Verbannfer. Nach dem Gemälde von Wladimir Scheres chewsky. ( Original im Besitz des Kunsthändlers Mar Levit in Berlin.) 126 Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. sollen) sich staut; hört dann der Druck auf, so strömt mit dem ersten Athemzuge eine übergroße Menge Blut in das schlaffe Herz und bringt es so der Gefahr einer lleberdehnung nahe. Auch beim Bergabfahren ist Vorsicht geboten, zumal wenn man die vollständig überflüssigen Fußrasten, die an der Vordergabel angebracht sind, nicht entfernt hat. Sie verlocken den Fahrer, die Pedale loszulassen und sich so der Herrschaft über die Maschine zum großen Theil zu begeben. Die große Zahl der durch solche Unbedachtsamkeit bedingten Unfälle sollte lehren, mit den Fußrasten aufzuräumen. Diese Ansichten und Rathschläge werden nur dem annehmbar erscheinen, dem das Rennen nicht Selbstzweck ist, der vielmehr zur Erholung und zur und weil sie in die freie Luft kommen. Doch ist auch mancher von ihnen, namentlich in der großen Stadt, durch die Fährlichkeiten des Radelns noch nervöser geworden, so daß er diese llebung auf gegeben hat. " Große Hoffnung haben die Fettleibigen auf das Radfahren gesezt, doch werden sie meist schwer ent täuscht. Wohl schmilzt das allzu feste Fleisch" beim Radeln, aber es löst sich deshalb nicht auf, wird vielmehr neu angefeßt, weil dabei die Eßluft gewaltig wächst, und Fettleibige nun einmal, so sehr sie es bestreiten mögen, ihr Nahrungsbedürfniß gern und reichlich zu befriedigen pflegen. Auch Fett leibige müssen vor dem Lernen sich über den Zu stand ihres Herzens ärztliche Auskunft geben lassen. Größere Vorsicht noch ist bei Leuten mit be ginnender oder abgeheilter Lungentuberkulose geboten, doch kann Personen mit Schwindsuchtsanlage, die also in einent flachen, schlechtgebauten Brustkorb noch gesunde Lungen haben, mäßiges Radfahren zur Lungengymnastik wohl empfohlen werden. Kräftigung fährt. Kräftigung fährt. Eine Hygiene des Nad- Nennsports ist ein Widerspruch in sich, denn dieser Sport ist durchaus unhygienisch. Es sollte fein Sport Selbstzweck sein; er soll nicht einseitig die Kraft einiger Muskelgruppen und eine bestimmte Art der Geschicklichkeit, womöglich auf Kosten der anderen Organe ausbilden, sondern er soll den ganzen Organismus erfrischen und kräftigen, das SelbstOrganismus erfrischen und fräftigen, das Selbst vertrauen stärken und die Freude an der Natur erhöhen. Wer befriedigt ist, wenn er auf der Rennbahn eine möglichst große Zahl von Kilometern mit einem leichten Nade von großer llebersetzung verschlungen hat, oder wenn er einen touristisch schwierigen Berg schneller erstiegen, als im Reisehandbuch angegeben ist, oder wenn er in einem Sportboot rascher als Andere über das Wasser Sportboot rascher als Andere über das Wasser fliegt, dessen Ehrgeiz ist fläglich, denn das bloße Rekorddrücken ist wahrlich ein untergeordnetes Ziel, nicht des Schweißes der Edlen werth". Daß dabei Herz und Lungen durch Ueberanstrengung zu Schaden kommen fönnen, möchte noch hingehen; aber so ausgeübter Sport verdummt auch, scheint mir, und macht für edlere Genisse unempfänglich. Ein bequemer und guter Siz des Radlers hängt wesentlich ab vom Bau des Sattels. Ohne auf diese schwierige und heitle Frage näher einzugehen, bemerke ich nur, daß ein guter Sattel in seinem hinteren Theile breit sein, sich nach vorn schnell verjüngen und im vorderen Theile kurz sein muß, weil man ja nur auf dem hinteren Theile ſizen foll. Die Knöpfe oder„ Dornen" im vorderen " Dornen" im vorderen Theile sind verwerflich. Der Sattel soll horizontal, nicht vorn höher stehen, das Leder straff gespannt sein, und in der Längsachse soll sich ein größerer länglicher Ausschnitt oder Einschnitt befinden zur Vermeidung jeglichen Druckes. Die Christy, die Dupler und die Hunt- Sättel entsprechen ungefähr diesen Anforderungen. Ein geübter Fahrer fann die erschütternden Stöße, die ihm das Rad auf holprigen Wegen mittheilt, durch leichtes Erheben im Sattel abschwächen. Beim Radfahren zu rauchen, ist entschieden ungesund, nicht nur, weil der Tabakgenuß das ohne hin angestrengte Herz in Mitleidenschaft zieht, sondern auch, weil man, tief athmend, den Rauch leichter in den Kehlkopf und die Lunge einzieht und diese Organe so zum mindeſten reizt. So erinnere ich mich eines jungen Ehepaares, das geschmacklos genug war, die Alpenthäler zum Tummelplatz seiner frisch gebackenen Radlerkunst zu wählen. Es wußte von nichts Anderem zu berichten, als daß dieser Weg leicht fahrbar wäre, jener steinig und schlüpfrig; aber von dem, was zu beiden Seiten des Weges lag, hatten ihre Radleraugen nichts gesehen. Gegen die Kleidung der Radfahrer, wie sie sich allmälig als praktisch eingebürgert hat, ist nichts zu sagen; es ist vielmehr anzuerkennen, daß die Schäßung der luftdurchlässigen Wollstoffe, die eine langsame Verdunstung des Schweißes ermöglichen, durch die Ausübung des Radsportes zugenommen hat. Daß die Schuhe, namentlich im vorderen Theile, bequem sein müssen, damit die Zehen Spielraum haben, ist besonders zu betonen. arme, Schaa Di ( Die 1 zusam Blutarme sind zu großen Muskelanstrengungen nicht fähig, weil ihr an Sauerstoffträgern, den rothen Blutförperchen, armes Blut den arbeitenden Muskeln zu wenig Sauerstoff zuführt, zumal wenn, wie e oft vorkommt, ihre Blutgefäße auch enger sind als bei Gesunden ihres Alters und ihrer Größe. Tros dem kann man bleichsüchtige junge Mädchen das Radfahren versuchen lassen, weil die ihnen gewöhnlich mangelnde Bewegung und Arbeit in freier Luft günstig auf den Appetit einwirkt, also ihre Nahrungsaufnahme erhöht und so die Gesundheit stärkt. " " berbin ist nic wie d armen zu ver er fäl in fei " wäre bei fic weiß recht " 11 " Stomm trieb " " Jagdf die mu ja wo Stubenhocker, die ja gewöhnlich über träge Ver daming klagen, sind zumeist von den Erfolgen des Nades sehr und mit Recht entzückt. Sie würden mit einer anderen Körperübung zwar dieselben Erfolge erreichen, aber das Nadeln ist für sie bequemer, ab wechselungsreicher, unterhaltender. Selbst die geplagten Eigner ausgedehnter Blutadern( Hämorrhoiden und ,, Krampfadern") haben dem Zweirade viel zu vers danken, weil durch die heftige Arbeit der Beine bie sonst in ihnen träge Blutbewegung lebhafter wird und weil es die Venen entlastet. Doch muß auch bei diesen Kranken der Arzt das entscheidende Wonder T sprechen; denn gesunkene Herzkraft oder Entziindunge der gedehnten Gefäßwände würden diesen Sport an schließen.-In einer Hinsicht scheint das Radfahren noch nicht genügend gewürdigt zu sein, nämlich al ein sehr branchbares Trainirungsmittel für Gebirg touren. Es übt in der That einen Theil der Muskeln die beim Bergsteigen die meiste Arbeit verrichten, die Schrittmuskulatur. Vielleicht wird durch das Radfahren auch der bei weitem schönere und edlere Bergsport noch mehr in Aufnahme kommen. Ueber die Entscheidung der Frage, wer Rad fahren dürfe, herrscht im Ganzen unter den Aerzten Einigkeit. Jeder gesunde Erwachsene in der Blüthe seiner Jahre darf es; dabei ist gute Muskelentwickelung fein unbedingtes Erforderniß. Leute, die die Mitte der Vierziger hinter sich haben, sollten, bevor sie das Radeln lernen, ihren Arzt fragen, weil in dieſen Jahren die Kreislaufsorgane oft schon an Elastizität und Widerstandsfähigkeit eingebüßt haben und weil die beim Lernen faft unvermeidlichen Stürze bei älteren Leuten schwerere Folgen haben könnten. Auch mit dem Nadeln der Kinder können sich viele Aerzte nicht befreunden, so geschickt sich auch die Kinder anstellen mögen; denn im findlichen Körper ist das Herz sowohl im Verhältniß zu der gesammten Körpermasse wie zu der Weite der Hauptschlagader zu klein, als daß es nicht eher denn beim Erwachsenen durch übergroße Muskelarbeit geschädigt werden könnte. Auch dürften Kinder im Eifer und in der Freude der schnellen Kinder im Eifer und in der Freude der schnellen Bewegung das Ermüdungsgefühl zu wenig beachten. Endlich kann fehlerhafte Haltung gerade in dieser Zeit des Knochenwachsthums den Grund zu dauernder Verkrümmung der Wirbelsäule legen. Einen anderen großen Vortheil dieses Sportes sehe ich in der Thatsache, daß viele seiner Anhänger durch eigene Erfahrung den Glauben an die allein fräftigende Wirkung des Alkohols verloren haben. Die meisten Radler wissen, daß auf der Fahrt ihnen Bier oder Wein nur eine furze Erquickung gewähren, aber schließlich ihre Ausdauer und Kraft verringern, daß jedoch kohlensäurehaltige Wässer, süße Limonaden, süßer Thee oder Milch sie mehr erfrischen, ja sogar einen Theil der verbrauchten Stoffe ersezen. Alkohol darf der Radfahrer, wenn überhaupt, erst nach Beendigung der Tour zu sich nehmen. Immerhin wird auch in diesem Falle die anregende Wirkung des Alkohols von der des Thees übertroffen. Das Gefühl der Ermüdung, welches von größter Bedeutung für das gesundheitlich zulässige Maß des Radfahrens ist, mit narkotischen Mitteln wie Cocain, Cola u. A. zu betäuben, ist höchst thöricht und gefährlich. Für längere Touren ist Chokolade, da sie Zucker und Fett in angenehmer Form enthält, ein schäßenswerthes, dem Stoffverbrauche entsprechendes Genußmittel. He Finans, " Für Schwäche des Gesichts und des Gehörs, Krämpfe, Krankheiten des Kreislaufs und der Athmungsorgane verbieten das Radfahren unbedingt. das immer mehr wachsende Heer der Nervösen, der Leute, die von Aufregungen, anstrengender BerufsLeute, die von Aufregungen, anstrengender Berufsarbeit oder auch von den Folgen des Müssiggangs mitgenommen sind, ist das Radeln eine Wohlthat, schon weil sie dabei gezwungen sind, eine zeitlang die Gedanken von ihrem gequälten Ich abzulenken, lles, was man die Berühmtheiten" der Politik, der Finanz, der Literatur und der Künste nennt, hatte folgende Einladung erhalten: Sie werden gebeten, der Trauerfeier, dem Gottesdienst und der Beisetzung des Herrn Robert Vaudreuil, Chefredakteur der Zeitung„ Das Licht", Präsident der Liga für die Entwickelung der nationalen Tugenden, Präsident des Verwaltungsrathes der Bant für Kolonialausbeutung; Offizier der Ehrenlegion, Kommandeur der Orden 2c. 2c., Großtreuz des Ordens 2c. 2c. beizuwohnen." 2C. 2C. 2C. und ipige voll un fich m einer den Ideen ichlief Wenn auch zur Zeit die Produktion von Fahr rädern den Bedarf weit übertrifft, so scheint es dod nicht, als ob die allgemeine Begeisterung für das Zweirad ihren Höhepunkt schon überschritten habe Es wäre auch schade darum. Je älter sein Gebraud wird, um so mehr werden sich auch die Anschauunge über die Art seiner Verwendung zur Kräftigung Erholung klären. Vorläufig fann man noch, bekanntes Lessing'sches Epigramm parodirend, fagen Wer wird denn nicht das Zweirad loben? Fährt's Jeder mit Gewinn? nein. Das Rad will weniger erhoben, Mehr mit Vernunft gefahren sein. Tragikomödie. He Von Michel Provins. Mittags 12 Uhr. Der Zug verläßt das Wohnhaus, ein prächtiges Hotel, dessen hohes Portal reich mit langen Trauerbehängen drapirt ist. Alle Häupter entblößen sich. Ganz Paris" ist anwesend, um sich vor dem Sarg aus Blei und Eichenholz, mit den silbernen Handgriffen, in dem auf einem Lager von weißer Seide die sterblichen Ueberreste Vaudreuil's ruhen, zu verneigen. Der mit einer Fille von Blumen beladene Leichenwagen sezt sich in Be wegung; er wird von sechs schwarzgezäumten Pferden gezogen, die langsam und würdevoll dahinschreiten, ihm!" als fühlten sie die Bedeutung der Leiche, die si ziehen. eine " aussto Н er far zählte Papie " ja wo Zode, fortzu find " L nie g tomme 311 wer jein& noch Dem Zeremonienmeister folgt eine lange Rei von Kranzträgern, die von der Regierung, den Ze tungen, den Banken, den Wohlthätigkeitsgesellschafte geschickt worden sind. Hinter dem Leichenwage schreitet der einzige Sohn des Verstorbenen mit a gemessenen Schritten; er zeigt einen forreften Schme mit gut temperirter Melancholie im Blick. Da kommen ein Onkel, ein Schwager sowie mehre entfernte Verwandte und Vettern, darunter einig Reflar ant. " Meine Bazar Es is patisch menid " 211 ch f 15 t hr TII tt 11: 11. De en, Die rb en en Dent eln Das fich tig me er Des Dent Ige abs ten Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. arme, die Niemand kennt. Dann die schier endlose Schaar der Leidtragenden. Die Gruppe der Bekannten, die nur bis zur Kirche gehen. ( Die Unterhaltung entspinnt sich unter Leuten, die sich zusammenfinden, um den Weg zusammen zurückzulegen.) „ Sie kannten Vaudreuil also?" " Ja,' n bischen!... Wir standen in Geschäftsberbindung." " Ja, ja, das ist unser aller Schicksal!" " Ich bitte Sie, ein Schlaganfall!... Damit ist nicht zu spaßen!" " Ja, aber so plöglich!... Sie wissen doch, wie die Sache gekommen ist? Er war zu einer armen Familie gegangen, um dort Unterstützungen zu vertheilen, und da plöglich... ein Schwindel... er fällt auf die Erde... bums!.. aus war's!" " Das ist die offizielle Auffassung!... die Sie in seiner Zeitung gelesen haben?" 11 Es giebt also noch andere?" " O, mehrere andere. Die Einen behaupten, er wäre in seinem Wagen gestorben; Andere wieder, bei sich zu Hause. Einige erzählen... Na, man weiß nicht so recht!... 11 ,, Er hinterläßt ein enormes Vermögen?" " Ein ganz bedeutendes!... Und dabei hat er recht flein angefangen!" " War er nicht zuerst ein kleiner Reporter?" ,, Kleiner Reporter, fleiner Börsenjobber, kleiner Kommissionär, Alles was Sie wollen... Er betrieb alle Gewerbe, um sich sein Brot zu verdienen." " H " Wie hat er es denn aber möglich gemacht?" Erstens folossales Glück!" Und Intelligenz?" ,, Vor allem Spirsinn!... Den Spürsinn eines Jagdhundes für die Geschäfte, bei denen man auf die menschliche Dummheit spekulirt!" " Ja, da ist noch was zu verdienen! Er hat ia wohl auch, Das Licht gegründet?" Ind Der Die wird it bei Sort gen 115 ren als " Ja, und das hat ihn ja eben auf die Höhe der Macht geführt; denn er besaß eine schreckliche spige Feder, die aber auch sammetweich, salbungsboll und überzeugend zu werden verstand, wenn sie sich mit einer seltenen Gewandtheit in den Dienst einer großen Sache stellte. Er identifizirte sich mit den tugendhaften, wohlthätigen oder patriotischen Ideen, und zwar mit einem solchen Genie, daß man schließlich glaubte, diese Ideen seien wirklich von bas ihm!" g eln tell Tere ahr Dod das Einige Reihen weiter. „ Hören Sie mal!... Heute werden aber eine Menge Leute einen Seufzer der Erleichterung ausstoßen. Baudreuil wußte so vielerlei!" " Sagen Sie lieber, er wußte Alles. Ich glaube, er kannte die ganze Welt, und die ganze Welt erzählte ihm ihre Geheimnisse und gab ihm ihre kleinen Papiere." abe aud igen und ein gen: Reibe Bei aften agen ab mer Dan bre inig ja „ Oder verkaufte sie ihm vielmehr! Man hat wohl die Siegel bei ihm angelegt?" " Ja, aber vierundzwanzig Stunden nach seinem Tode, um den kleinen Papieren Zeit zu lassen, fortzufliegen." find " Eine Macht hatte dieser Mann!" " Das kann man heut so recht beurtheilen! Es wohl fünfhundert Personen im Zuge, die ihn nie gesehen haben, und die einzig und allein ge= tommen sind, um bei seinem Begräbniß, bemerkt 311 werden. Man wird wohl erst morgen anfangen, sein Gedächtniß zu zerfleischen; heute ist der Leichnam noch warm genug, um für Die, die ihm folgen, Reklame zu machen." Sie waren sehr befreundet mit Baudreuil?" " Nein, wir gehörten demselben Verwaltungsrath ant. Und Sie?" " Ach, ich! Einfache Gesellschaftsbekanntschaft. Meine Frau hatte die seinige bei dem jährlichen Bazar der Wohlthätigkeitsgesellschaft kennen gelernt. Es iſt merkwürdig, aber er ist mir nie sehr sympatisch gewesen. Troßdem war er ein Universalmensch!" " Wenigstens glaubte es die Welt!" Im Wagen des Ministers. " Ist Ihre Rede lang?" Nein, nur ein paar Phrasen. Sie begreifen, der Gegenstand begeistert mich nicht. Es ist sogar hart, daß ich wegen meines Departements an Vaudreuil's Grabe sprechen muß, während ich doch allein bei der Berathung gegen die offizielle Vertretung bei seiner Leichenfeier stimmte." " „ Ich habe Ihnen darin nicht Recht geben können!" „ Und ich konnte nicht begreifen, daß Sie meine Ansicht nicht theilten, der Sie doch Alles wissen, was wir über ihn wissen." " Vor allem muß man Regierungsmensch sein und nicht seine eigenen Stügen vernichten! Vaudreuil war ein Pfeiler der Regierung! Eine sehr bedeutende Straft!" " Eine sehr bedeutende Kraft der Zersegung!... der Auflösung!" " Wenn nur der Schein gewahrt blieb! Und der wurde so weit gewahrt, daß er als ein Muster galt! Bedenken Sie doch, für eine große Zahl seiner Landsleute ist Vaudreuil ein Fetisch, ein schirmender Buddha unserer Gesellschaftsordnung!" " Man wird schon früher oder später die Kehrseite des Gottes fehen... Und dann?" " , Dann werden wir nicht mehr sein, mein lieber Kollege! Unsere Nachfolger werden die Pillen der Blamage verschlucken. Wir dagegen haben in gutem Glauben gehandelt, als wir ihm Kränze, öffentliche Ehrenerweisung and Soldaten spendeten! Ist Ihr letztes Lebewohl ein bischen innig, ein bischen warm?" Mein Sefretär hat's geschrieben! Sie wissen doch, der kleine Werchin? Er leistet in solchem Zeug ganz Bedeutendes!" " 1 „ Na, wenn er Ihnen Ihre Reden macht, dann fönnen Sie ihm die Palmen" wirklich geben, er verdient sie!... Sie verdanken es ihm ja, daß Sie als Kabinetsredner gelten!" " Ja, man kommt manchmal zu was, und weiß nicht wie!" " Die Redaktion Des Lichtes". Er hat' ne recht hübsche Abschiedsvorstellung, der Alte! Er wird recht zufrieden sein, wenn er uns von oben bemerkt!" ,, Von da oben! Ich sehe ihn noch garnicht im Paradies!" „ Warum denn nicht?... Er stand ja mit den Tugendbolden auf Erden so gut!" " Ein unglaublicher Komödiant. Heute hat er ein Gefolge, das seiner wiirdig ist. Hoffentlich schreiben Sie mit solchem Material einen brillanten Artikel?" Wozu denn noch einen Artikel? Die Liste der Namen ist eindrucksvoll genug: Die hohe Literatur, die hohe Politik, der hohe Adel, die Hochfinanz, die hohe Wohlthätigkeit!" ,, Kurz, alle Komödianten der hohen Posse! Und wie ernsthaft die Leute alle aussehen! Als wenn sie fühlten, daß sie einen Meister ihrer Kunst, einen Pontifer verloren haben. Und diese Menge von Maulaffen, von Gaffern, die sich vor der vorüberziehenden Leiche verneigen und unwillkürlich von dem Glanze des Einflusses und des Geldes, der sie begleitet, von Achtung ergriffen werden!". " Haha! Sie hätten ihn nur wie wir, seine Sefretäre, im Negligé seines Arbeitszimmers sehen müssen, wenn er müde war und sich so weit vergaß, er selbst zu ſein." " Der Tiger in der Verdauung!" " Und wenn sie, wie wir, die wir sie über uns ergehen ließen, die Beleidigungen, die Schimpfereien hätten hören können, die diesem Munde entströmten, den er doch so honigsüß zu spißen wußte, um das berühmte Lächeln der Gite zu fabriziren, mit dem er so famos Reklame machte." " 1 Das ist egal, er war doch ein großartiges Temperament!" Der wahre Kämpfer fin- de- siècle! Der struggler for life ersten Ranges!" " Das ist das richtige Wort!" " Sein Sohn ist nur eine schwache Kopie!" „ Ein Abzug! Nur die Laster treten greller hervor!" 127 ,, Dabei besitzt er aber nicht die Fähigkeit des Vaters, sie zu übertünchen!" " " Was wird unter ihm aus dem, Licht' werden?" Es wird bald aus sein." „ Ja, ja, der Sohn wird die Milliönchen des Vaters schnell verpuzen!" Im Landauer der intimen Freunde. Diese Kanaille von Vaudreuil hat's besser als die Pompadour; er hat eine prächtige Sonne zu seinem kleinen Spaziergang." " Der Himmel hat Festtagskleidung angelegt!" Das war er ihm auch wohl schuldig!" ,, Erinnert Ihr Euch noch, lieben Freunde, an jenes Frühstück im Quartier Latin? Es sind jetzt fünfunddreißig Jahre her. Keiner von uns war glänzender noch reicher, als der Andere; nur Vandreuil war mit seinen zerrissenen Schuhen und seiner zweifelhaften Wäsche noch verlumpter als wir. Wir aßen irgend ein innennbares Mahl für dreinndzwanzig Sous, als ein prächtiges Begräbniß den Boulevard Saint Michel entlang. „ Das des großen Lestranges!" ,,, So! sagte Vaudreuil, der von Begeisterung erfaßt, aufgestanden war, so will auch ich eines Tages zu Grabe getragen werden, und alle Mächte, alle Berühmtheiten, alle Eitelkeiten dieses Paris, das mich nicht kennt und mich verachtet, sollen mir folgen! Es wird mich erdrücken, oder ich werde es unterjochen und mit Füßen treten! Entweder wird man mich mit dem Hundewagen zum Armengrab führen, oder meine sterbliche Hülle wird von edlen Rossen gezogen, mit Blumen und Zierrath bedeckt wie in einer Apotheose durch die Hauptstadt gefahren werden!' Er schien zu prophezeien!" " " , Er hatte einen tüchtigen Appetit!" ,, Und einen tüchtigen Magen! Erinnern Sie sich an die Geschichte mit dem Schwefelsaz! Dazu ge= hörte eine Keckheit!" " An dem Tage hielt ich ihn für verloren! Das Licht lag bereits im Sterben... Die Börsenspekulationen mußten seinen Chefredakteur ja ruiniren... Die Gläubiger überfielen ihn gleichzeitig von allen Seiten, und man vermuthete seine Mitschuld im Phosphor- Syndikat. Am nächsten Tage hätte er verhaftet werden müssen!" " Ja, und am nächsten Tage blühte ihn der Oh, Triumph! Der Coup war gelungen!... ich habe das Alles im Gedächtniß, als wäre es gestern gewesen. Die Angst des einen Tages und vierundzwanzig Stunden später die Freude, der Stolz des Erfolges!" " Das war der Grundstein seines wunderbaren Vermögens!" ,, Und infolgedessen auch des unsrigen!" " ,, Einige Monate später entwickelte sich, Das Licht' und wurde nach und nach ein bedeutendes Organ. Dann kam die Gründung der Bank zur Ausbeutung der Kolonien." „ Der schönste Gedanke seines Lebens!" Namentlich der einträglichste!" " Ich bitte Sie, der Tod so vieler französischer Soldaten mußte doch wenigstens Einzelnen etwas einbringen!" " " Aber es gehörte Genie dazu!" Meiner Ansicht nach war die größte, die einzig dastehende Idee Vaudreuil's die Liga zur Entwickelung der nationalen Tugenden!" ( Alle brechen in lautes Lachen aus.) Oh, diese Ferrliche Liga!" Mehr als herrlich! Es giebt kein Epitheton dafür!... Dieser Mann, der an nichts glaubte, der weder Moral, noch Gewissensbisse, noch Prin zipien irgend welcher Art hatte, der seine eigenen Brüder erwürgt hätte, um sich ihrer Haut zu be= mächtigen, wirft sich auf zum großen Patrioten, zum großen Philanthropen, zum großen Birger, vertheilt, Lob und Tadel, entscheidet über Gute und Böse und sitzt über die Ehre und das Gewisse: Anderer zu Gericht!... Und Ihr findet das nicht wunderbar?" " Als er mir seine Idee zum ersten Mal unterbreitete, hielt ich ihn fiir verrückt!" , Wirklich?" 128 „ Ich hielt's nicht für möglich!" 11 Die Neue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Sehen Sie nur hinaus! Das Gefolge, das sich zwischen den beiden Reihen der Gaffer hinzieht, nimmt einen Raum von drei Kilometern ein... Halten Sie es jetzt für möglich?" " Ja, ja, wir allein wissen.. " Wenn Wenn die internen Details, ja... Aber der Rest fängt an, allmälig durchzuschwißen. der gute Mann erst begraben ist, wird das Gefläff schon losgehen!" " 11 , Wenn man feine Furcht mehr zu haben braucht!" Daher wollen wir auch auf den Kirchhof gehen und das Deforum wahren; aber damit gut. Verschwinden wir dann so schnell als möglich! Lassen wir, Das Licht leise fallen, denn ich garantire in der nächsten Zeit einen großen Skandal!" " Wir müssen gedeckt sein!" " ( Nach längerer Pause.) „ Es liegen manchmal in den Ereignissen feltſame Lehren. Die Gläubigen schreiben sie der Vorsehung zu.. Sie wissen doch, Blinière!" " Der frühere Direktor der Schwefelgesellschaft, der seine Gesellschaft mit so großer Energie gegen Vaudreuil vertheidigt hatte, gerade als der Coup Cukr Feuilleton. losging?" Ja, und der lieber demissionirte, als daß er sich dazu hergab..." ,, Ja, ich erinnere mich vollkommen... Nun, und?" ,, Nun, er ist vor zwei Tagen im Glend, fast Hungers gestorben!... Man begräbt ihn heute!" Das ist eine Lehre, die die Thatsachen geben!" Ah bah! Geben denn die Thatsachen Lehren? Um so schlimmer für Die, die die Tugend beschützen, anstatt..." Anstatt nur davon zu sprechen!" ( Schluß folgt.) Die Freiheit lächelte...* Die Freiheit lächelte:„ In allen Bungen Don wie viel Dichtern ward ich schon belungen! Wie preist ihr unermüdlich meinen Sinn, Den unvollkommnen einzig weil ich bin. Wenn ich durch dieses kampfumhüllte Leben Des Mantels Sonnenschleier lasse schweben, Viel weiße Rosen, rothe Welken freue Don Pfad zu Pfad, daß sich die Jugend freue, Die Menschheitsjugend, die das Haupt sich schmückt, Don solchen Gaben, ach, so gern beglückt... Wie schallen mir aus Tauben und aus Hallen Gesänge reich, mir liebend zu gefallen! Bald brausend tief, bald zart und ftrahlenfein, Bald überschwänglich wirr, bald sphärenrein. Ein Gruß nur im Vorübergehn da schauen Doll fel'ger Sehnsucht mich die Menschen an, Sie möchten gerne mir ihr Glück vertrauen Und fühlen, daß ich ihnen helfen kann. Vielleicht... ein wenig. doch Geduld bescheidet Mir meine gar zu ffrenge Muffer Both, Ich muß oft weinen, wie die Menschheit leidet, Doch darf ich lächeln, prieht das Morgenroth..." Karl Hendell. ... Hapert haben. Aber eben diese entwickelteren Verhältnisse machten doch bald dem Kaufmann, auch wenn er sonst große Waaren- und Menschenkenntniß besaß und die Welt fannte, die Fertigkeit des Schreibens und Rechnens unerläßlich. Anfangs war die Geschäftssprache noch die lateinische, die ja überhaupt die Schriftsprache an sich war. Schreiben hieß eben lateinisch schreiben: von lateinischer mündlicher Verhandlung in Deutschland ist aber deshalb keine Rede. Die lateinische Geschäftssprache erleichterte aber den internationalen Verkehr dem Kaufmann sehr, da sie überall gebraucht wurde. Die Handelsbriefe der Kaufleute sind bis in's 14. Jahrhundert hinein lateinisch geschrieben. Wir besigen z. B. einen solchen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, den der Thorner Kaufmann Johann Steinweg an einen Verwandten richtete. Später behielt man im deutschen Briefe dann noch eine Zeit lang öfter eine lateinische Adresse oder eine lateinische Anrede oder Unterschrift oder Gruß- oder Abschiedsformel bei, zuweilen auch noch einzelne lateinische Sätze. Ebenso sind die Handelsbücher bis in das 13. Jahrhundert und später lateinisch abgefaßt. Das Handlungsbuch des Vicko von Geldersen in Hamburg aus dem Ende des 14. Jahrhunderts zeigt dann die unerfreuliche Mischung von Latein und Niederdeutsch, charakteristisch ist aber, daß in den späteren Jahren bei ihm das Niederdeutsche immer mehr hervortritt. Das uns aus der Mitte des 15. Jahrhunderts erhaltene Handlungsbuch des Ott Ruland in Úlm ist dann vollständig deutsch geworden. Heimathlied sibirischer Verbannter. Eine an's Herz greifende Szene aus dem Leben der Vielen, die um ihrer Liebe zur Freiheit und ihrer Arbeit für ein gefnechtetes Volf willen ihr Leben in den sibirischen Bergwerfs- Gefängnissen verbringen: Eine kurze Pause nach langer, harter Arbeit. In dem kleinen Raum, in den die Gänge und Schächte von allen Seiten her einmünden, haben sie sich zusammen gefunden, der Eine steigt eben erst auf hölzerner Leiter aus einem Schachte heraus, Spizhacke und Karren sind für einige Augenblicke bei Seite gestellt, und nun sizen sie im Kreise beisammen. Reden mögen sie nicht, müde und schlaff, in sich versunken figen fie. Erinnerungen an all das, was sie verlassen, ziehen ihnen durch die Seele. Da greift der Eine zur Guitarre und summt ein Lied, das sie in der Heimath Einfach und wehmüthig so oft gehört und gesungen. Einfach und wehmüthig flingt die Melodie, aber sie zaubert Bilder der Heimath vor die Seele. Der Sänger beugt den Kopf zurück und schließt die Augen, damit die düstere Umgebung ihm die schönen Bilder nicht störe; ganz berloren in ihren Anblick, vergißt er, was um ihn ist. Und auch in den Herzen der Anderen lösen die trauten Klänge das scharfe Weh und die Erbitterung; weiche hindämmernde Gefühle, wehmüthige Erinnerung und Sehnsucht quellen in ihnen empor.. Wie dies in unserem Bilde zum Ausdruck gekommen, das ist ergreifend. Von oben fällt mattes Licht auf die Szene. Die Beiden rechts lehnen sich an den Fels und lauschen in tiefer Ergriffenheit, auch fie haben die Augen geschlossen, um ganz der Erinnerung zu leben. Ein Anderer stüßt den Kopf in die Rechte, die Uebrigen summen das Lied leise mit; in jedes Antlig malt sich, wie ihn die Erinnerung anpackt, wie das Lied Alles freigelegt, was in seinem Herzen Weiches und Bartes durch die rauhen Erlebnisse zurückgedrängt und verschlossen war. Schreibwerk und Buchführung des deutschen Kaufmanns vor vierhundert Jahren. Einer fesselnden Studie über das Leben des deutschen Kaufmanns vor vierhundert Jahren, die Georg Steinhausen( Jena) in der Wochenschrift Die Nation"( Berlin) fürzlich veröffentlichte, entnehmen wir das Folgende: Zu Anfang der aufsteigenden Entwickelung faufmännischen Lebens in Deutschland mochte es mit der Federgewandtheit noch oft ge" 1 Schulden und Schuldner, z. B. Klagen über böse Schuldner, spielen eine große Rolle. Weiter begegnen wir Mahnungen, andererseits Versprechen, dem in Noth gerathenen Adressaten beizustehen. Auch die Mittheilung eines Bankerotts finden wir gelegentlich, furz und schmerzlich:„ Und, leve Vader, if bin des minen al quitt, und if begehre Hulpe und Troft van ju." " Nachrichten über bevorstehende Messen und über Reiseabsichten kommen ebenfalls vor, daneben aber meiſt auch rein private, Familien- und Freundesnachrichten. Einen wesentlichen Theil in den Briefen der Kaufleute nehmen aber neben Notizen über die Qualität etwa interessirender Waaren sollt wissen, daß heuer gar böse Bier hier sein" die Angaben über die Preise derselben, insbesondere über das mögliche Steigen und Fallen der selben, ein. Wißt, daß das Blei wieder aufschlägt" oder Habt Ihr die Tücher nicht verkauft, so verkauft sie noch, denn man sagt, die werden viel bringen." Die Preis nachrichten bildeten oft eine Rubrik am Schlusse des Briefes als„ Neue Zeitung", niederdeutsch„ Tidinge". Zwei Beispiele sind ganz bemerkenswerth:„ Item Tidinge: Bayesch Solt( Salz) gelt en by 30 Mark de Last, Molt ( Malz) 40 Mark de Last, Asche 81/2 Mark de Last, Kabelgarn 92 Mark dat Schippunt." Oder: Was( Wachs) 68 Mark; Werck( Pelz): dar is noch ter Tid( zur Zeit) gein Kop( fein Kauf) von; Solt 22 Mark etc." Zunächst mag es interessiren, über diese Handelsbücher etwas Näheres zu vernehmen. Es waren in Schweinsleder gebundene Papierbücher von meist länglichem Folio-, oft aber auch breitem Quartformat, und mannigfache Arten lassen sich unterscheiden. Zwar eines der ältesten uns erhaltenen, das des Vicko von Geldersen, zeigt auf den ersten Blick ein wirres Durcheinander und große Unübersichtlichkeit. Indessen ist bald zu ersehen, daß es aus mehreren Lagen besteht, die später, ohne daß streng auf Zusammengehörigkeit und chronologische Reihenfolge geachtet wurde, zusammengeheftet wurden. Nur einen Theil des Coder bildet das eigentliche Handlungsbuch. Aber auch dies zeigt im Großen und Ganzen eine ziemliche Regellosigkeit; indessen findet man in diesem Wirrsal doch gewisse Anhaltspunkte dafür, daß sicher der Inhaber sich in ihm zurecht finden konnte. Der Inhalt besteht im Wesentlichen in Notirungen über Schulden aus Waarenund Geldgeschäften und über deren Abtragung." Die betonte anscheinende Unübersichtlichkeit ist nun feineswegs eine individuelle Eigenschaft nur des Geldersen'schen Buches. Ein Buch des Lübecker Krämers Hinrich Dunkelgud, das des Prinzipals Geheimbuch war, zeigt aber, daß im Geschäft noch eine Anzahl anderer Bücher geführt wurde, die auch äußerlich durch die Farbe unterschieden waren. Er nennt fie einerseits nach Buchstaben A bis E, andererseits giebt er ihnen folgende Bezeichnungen:„ bat swarte bok", oder Pergamentbok( mit dem permentes umslage),„ dat rode Reygysterbok"," dat witte bok, dat ik alle dage bruke". " Ein Gintrag in das Handlungsbuch des hansischen Großkaufmanns Hildebrand Veckingshusen in Brügge ( 1408-1416) lautet z. B.: Int Jar uns Heren 1412, 22 in Jannewario, do untfech ich van Colnne van Hinrych Glypper 2 Feteken( Fäßchen) grons Einghever( Ingwer), dey woyghen 4 Sintener. Dafor gaf ic emen bor 12 marc Cols. 9 sl. 8 gr. Item so gaf if to vorbynden hirvan 8 gr." Diese furze Rubrik bildet gewissermaßen den Anfang des Kurszettels, der Handelszeitung überhaupt. Aehn liche Nubrifen, erklärlich aus dem mangelhaften Nach richtenverkehr jener Zeit, finden sich in den Briefen jener Zeit, auch in den Kaufmannsbriefen denn politische Ereignisse beeinflußten naturgemäß den Handel für Aus ihnen entwickelte sich die politische Nachrichten. spätere Zeitung. Auch der Stil der Kaufmannsbriefe zeigte bald besondere Eigenthümlichkeiten. Ein Streben nach Kürze, der alle Sazbildungen gewaltsam meiſtert, macht sich freilich nicht überall, aber doch vielfach schon im 15. Jahrhundert bemerkbar. Auf der anderen Seite wieder findet man damals auch noch rechte Weitläufigkeit und Breite. Der eigentliche Kaufmannsstil bildet sich erst im 16. und 17. Jahrhundert aus. Die Schreibarbeit des Kaufmanns richtete sich nun weiter, und zwar seit dem 15. Jahrhundert immer stärker, auf seine Korrespondenz. Mittelalterliche Handelsbriefe sind noch mehrfach erhalten. Ihr Inhalt kann, soweit er den Handel angeht, naturgemäß nicht eingehender sfizzirt werden. Oft begleiten sie eine Sendung und zählen dann die einzelnen Waaren auf, oft mit Angabe der Preise, zu denen sie zu verkaufen sind, zuweilen, wenn es erforderlich war, mit Anweisung über ihre Aufbewahrung und Behandlung. Weiter folgen dann Aufträge, für den Erlös andere Waaren einzufaufen, oder Notizen über Geldgeschäfte. Man fragt 3. B., ob Geld von Anderen für den Absender eingegangen sei:„ Auch laß mich wissen, ob du Geld von meinetwegen hast; fannst du mir's dann zu Wechsel herab machen, das wär mir wohl zu Dank." Aus ,, Gedichte". Zürich und Leipzig. Karl Henckell& Co. Berantwortlicher Redakteur: Oscar Rühl in Charlottenburg. Eine schwimmende Nähnadel. Schwimmende Metall massen sind uns nichts Unbekanntes und Ungewohntes; eisengepanzerte Fahrzeuge, Schiffe mit eisernem Leibe fahren auf allen Meeren und zeigen, daß der Mensch sich die Macht des Ozeans unterworfen hat. Das Schwimmen dieser eisernen Ungethüme beruht darauf, daß das Eisen große Hohlräume umschließt, so daß die Wassermasse, welche von diesem Koloß verdrängt wird, noch schwerer ist, als der Koloß selbst, und ihn daher trägt. Eine fompakte Eisenmaffe dagegen ist immer schwerer, als das gleiche Wasservolumen( Raum), und muß daher untersinken. Nichtsdestoweniger kann man auch eine Metallmasse ohne jeden Hohlraum im Innern, eine Nähnadel zum Beispiel, zum Schwimmen bringen. So leicht sich die einzelnen Wassertheilchen von einander ist, so ist er doch vorhanden, und es bedarf einer gewissen Kraft, um ihn zu überwinden. Die Oberfläche des Waffers verhält sich daher in vielen Beziehungen so, wie ein über werden muß, ehe ein Eintauchen und Unterſinken in bet die Flüssigkeit gespanntes Häutchen, das erst durchgerissen auch Bis Stu hafte 13 Fran besch Gelt hatte ware eine In wohl heute Erre zurii läche Gew Athe Onfe fie h reiche die muru Schwi Schlag täusc denn hatte ging, Inöpf fein auf' eigentlichen Flüssigkeit möglich ist. Wirft man ein Stüd Metall oder einen Stein in's Wasser, so wird die Haut ohne Weiteres dfirchgerissen und der Körper sinkt ein; nimmt man aber einen leichten Körper mit geringer Ober fläche, eben eine Nähnadel, so kann man sie leicht auf muß man sich dabei hüten, die Oberfläche nicht zu burchftechen, wobei die Nadel sofort einsinken würde. Am einfachsten gelingt das Experiment, wenn man ein Stückchen Seiden oder Löschpapier auf das Wasser legt und die Nadel auf dieses Papier bringt; das Papier tränkt sich allmälig mit Wasser und sinkt unter, während die Nadel fret schwinimen bleibt. Selbst große Stopfnadeln und sogar fleine Münzen kann man auf diese Weise zum Schwimmen bringen. licher entge ihr d S Rajd wohe Richt auf Delfo -0-. war'a und Nachdruck des Inhalts verboten! Berlag: Hamburger Buchbruckeret und Berlagsanstalt Auer& Co. in Hamburg. Druck: Mar Babing in Berlin.