Nr. 19 25I(xtjlrtrfa Cr�crUal cnla�e. 1899 sMf-. ptfcffanfcnt des Lebens. lForlsetzung 1 �egen Abend desselben Tages erschien Frnn Allenstein. Sie war in großer Toilette, sie �9 fuhr zn einein Tiner in der Nähe und machte vorher den Krankenbesuch beim Vrndcr. Es �'ar ihr durchaus kein Opfer, obgleich es immerhin e'»e Anstrengung war, in dem eleganten langen Kleide die v'elen Treppen hinanfznklettern. Mit der kinen Hand mußte sie die Seide raffen, in der anderen trug sie ein sorgfällig verpacktes Tablettchen. Sie brachte dem lieben Patienten Anstem mit. ,_ An Aufmerksamkeiten ließ es Susanne erst recht U'cht fehlen; einmal Austern, das zweite Mal Kaviar, ei!i andermal Malagatranben, und so die Delikatessen dcr Saison durch. Alle Tage konnte sie nicht kommen, dazu war das Gesellschaftstreiben zu sehr im Gang, Waren ihre Nerven zn stark angegriffen.„Aber meine �chanken sind unausgesetzt bei Dir, mein geliebter Richard," sagte sie. Heute rauschte sie in die Krankenstube, licht wie °kr Frühling getleidet; eine Wolke von Duft wehte �'vr ihr her. Blaßgriine Seide und Crepe darüber, an der Brust Maiglöckchen. „Du riechst so stark nach Parfüm, Susanne! �ch weiter>veg," wehrte Bredcnhofcr, als sie sich über ihn beugte und küßte. Er wedelte mit dem Taschentuch.„Puhl Tu brauchst hier auch nicht so 'm Staat herzukommen; doppelt bitter für einen, da �geu zu müssen!" Er war in sehr schlechter Stimmung; er hatte borhiu Papier und Feder verlangt und mit Vehemenz 3" schreiben begonnen. Ein paar Zeilen gingen glatt, bann waren die Gedanken fort; er zermarterte und Gemarterte sich, sie kamen nicht wieder, lind nun waren die Kräfte auch fort; klebriger Schweig trat Wff die Stirn, die Hand zitterte, die Feder rollte »ber's Papier und die Tinte verspritzte.„Ich kann '"cht," stöhnte er und ließ den schmerzenden Rücken begen das Kissen fallen.„Die nnbegneme Lage wacht's; ich will sitzen." Er ließ die Beine vom �apha gleiten; fünf, zehn Minuten, dann war's w>s. Ein Frösteln schüttelte ihn, er ninßte sich wieder wgcn. Ungeduldig ballte sich seine Hand, zornig wurnieltc er:„Ignorant! Er versteht nichts. Morgen wll der Spezialist kommen. O, meine Seite, mein Kopf!« Die Zähne zusammenbeißend hatte er die ■ch'flc» geschlossen. Nun störte ihn der Duft von Frau Allenstein. Auch die Austern rochen.„Ich mag sie nicht," llrämelte er,„nimm sie fort, Lena! Trag sie weg!" Susanne ging hinter der Schwägerin hinaus. t'�r ist ja sehr mißgestimmt," flüsterte sie,„Du mußt ch" aufheitern. Du mußt Dich ein wenig zwingen; ""'»er heiter, das ist die erste Pflicht!" Lena sah der Sprechende» mit einem so eigen- Roman von Clara Bicbig. thümlichen Blick in's Gesicht, daß diese verstummte. „Nun, nun," sagte Susanne nach einer kleinen Pause begütigend,„es kann Dir ja nicht schwer fallen bei Deinem sanguinischen Temperament,»nd wenn Du bedenkst, daß schlechte Laune bei Patienten das beste Zeichen für ihre Genesung ist. Also immer hübsch heiter, Kleine!" Frau Allenstein hob niit zwei Fingern der sein behandschuhten Rechten das Kinn der jungen Frau in die Höhe. Sie vergaß vollständig die Beleidi- gnngen, die ihr durch Lena und den Bruder zn Theil geworden; wenn ihr Richard auch noch vor wenig Wochen das Schalten in seinem Haushalt gewehrt— wer denkt daran in solcher Zeit?! Die Krankheit hatte Alles verwischt. „Also, liebe Lena," flüsterte sie noch einmal, „immer hübsch heiter! Du mußt Dir wieder frischere Farben anschaffen und ein bischen auf Deine Toilette achten. Diese Blouse ist schon recht schäbig und ver- deckt ganz. Deine nette Figur." Dann kehrte sie Wieder zum Bruder zurück und begann ihn mit der Schilderung aller möglichen Festlichkeiten, Diners, Bälle, Wohlthätigkeits-Borstellnugen und so weiter aufzuheitern. Er lag mit geschlossenen Augen; ob er zuhörte, wußte nian nicht. Jedenfalls nahm es die Schwester an.„Es thiit mir sehr leid, daß ich gehen muß," meinte sie endlich,„ich weiß, wie nöthig Dir die Zerstreiinng ist. Lena hat nicht so die Art, mit Kranken nmzngehen; aber ich, die ich selbst so viel leidend bin, weiß, wie wohlthnend eine heitere Unter- Haltung wirkt. Gott im Himmel"— sie horchte erschreckt auf den Schlag einer Uhr—„sieben! Um die Zeit sind wir gebeten; ich habe mich so ver- plaudert— leb wohl, geliebter Richard, eine recht gute Nacht! Laß Dir was Hübsches träumen von dem, was ich Dir erzählt habe! Morgen haben wir Gäste bei uns, aber iibermorgen komme ich und erstatte Dir Rapport!" Sie beugte sich über ihn, eine ganze Wolke von Duft hüllte ihn ein. Er zog die Nasenflügel kraus.„Viel Ver- gnügen," sagte er bitter und drehte sich auf die andere Seite, das Gesicht der Wand zukehrend. So fand ihn Lena, die sich eine Weile draußen aufgehalten hatte; wenn Frau Allenstein da war, ergriff sie gern jeden Vorwand, sich zn entfernen. Als er ihren Tritt hörte, murmelte er:„Ist sie fort?" „Sie ist mir unangenehm. Ihr Kleid rauscht, sie riecht nach Parfüm. Ich habe nie gewußt, daß Susanne eine so scharfe Stimme hat. Sie macht mich krank!" Er stöhnte. Lena beugte sich über ihn und legte ihre kalte, schmale Hand auf seine heiße Stirn.„Fehlt Dir etwas?" fragte sie. Er schwieg. Dann sagte er plötzlich, wie nach langem Besinnen:„Sie machen mich Alle krank. Tie ganze Welt. Laß die Hand hier liegen"— er hielt ihre Finger fest—„ich brenne inwendig. Das macht die Unrast. Ich muß hier liegen und habe so schrecklich viel zu thnn!" Sie wagte nicht ihre Hand fortzuziehen, regnngs- los stand sie. Wie angenehm wäre es ihr früher gewesen, hätte er herausgefunden, daß die Schwester nicht so sympathisch sei, wie seine Voreingenommen- heit sie hinstellte. Jetzt empfand sie keine Freude darüber, im Gegentheil, die Veränderung machte ihr Angst. Was ging mit ihm vor?! Sie beugte sich tiefer über ihn. Der Schein der verhangenen Lampe spielte über sein Gesicht. Es war garnicht so bleich, die Wangen blühten, aber die Schläfen waren sehr eingesunken, die Augen lagen tief in den Höhlen. In den wenigen Wochen schien er alt geworden; hier, in dem feuchten Stirn- haar zeigten sich graue Fäden und um den Alund grub sich ein Leidenszug. Ein unbeschreibliches Gefühl krampfte Lena's Herz zusammen— Liebe, Mitleid und noch ein Anderes, ein unheimliches, unnennbares. Sie legte ihre Lippen auf die grauen Fäden und küßte sie Er rührte sich nicht; leise zog sie ihre Hand fort. Da sagte er, obne die Augen aufzumachen:„Es ging mir wie ein Eisstrom durch den Körper, von der Stirn herab bis zum Herzen und löschte den Brand. Das that gut. Wenn ich erst kühl bin, bin ich auch so gut wie gesund." Ein freundlicheres Lächeln umzog seinen Mund.„So, und iinn kannst Tu mir was singen, Lena— Schumann, mein Lied, Du weißt schon!" Sie setzte sich an's Klavier, ohne die Lichter anzuzünden, und praludirte leise. „Nicht das, nicht das," sagte er ärgerlich,„mein Lied! Warum fängst Du denn nicht an?" Sie konnte sich nicht entschließen. Die Kehle war ihr zugeschnürt, die Lippen waren wie ver- siegelt. „So fange doch endlich an!" Bredenhofer warf sich ungeduldig hin und her.————— „Daß Du so krank geworden, Wer hat es deirn gemacht?" War sie selbst es wirklich, die das saug? Lena hatte nie geglaubt, daß man singen könne, wenn das Herz bis zum Rande voll von Schmerz ist: ja, noch mehr als Schmerz, voll von Todesangst. Aber rein und weich folgte ein Ton deni anderen; sie kani zn Ende. Im Geisterhanch hallten die Wände die letzte Klage wieder. 146 Die Reue Welt. Illustnrte Unterhaltungsbeilage. Scheu sah Lena nach dem Sopha. Er hatte sich aufrecht gesetzt und die Augen weit aufgeschlagen. „Du warst gut bei Stimme/' sagte er,„sehr frisch und klar, aber Du warst heute nicht mit der Seele dabei. Warum nicht?" „Man ist doch nicht immer gleich disponirt," antwortete sie ausweichend. Wie gerne hätte sie her- ansgeschrieen: ,Weil Du krank bist, sehr krank! Ich kann nicht singen!' Sie durste das nicht. So wieder- holte sie noch einmal:„Ich war nicht disponirt! Verzeih!" „Morgen kannst Du mir es wieder singen. O, wie schön ist das Lied," schwärmte er.„Btir ist wirklich, als hätte ich's jetzt noch lieber wie früher. Ich lerne es erst ganz verstehen. Komposition und Text so wundervoll! Ich möchte wohl wissen, ans >velcher Stimmung heraus Schumann das komponirt hat— ob sie der meinen gleich war?" Er versank in Sinnen. Lena saß noch immer ans dem Klavierstuhl. Ihren Mann im Schein der Lampe konnte sie sehen, sie selbst blieb unbeobachtet, verschluckt vom Dunkel. Die Uhr nebenan schlug acht; plötzlich hörte man draußen eine rauhe Stimme. Wer war das?! Die junge Frau fuhr zusammen, draußen der hohle, grobtiefe Baß jagte ihr einen Schauer über den Rücken, ein Frösteln durch alle Glieder. Die furchtbare Stinime— was wollte die— wo kam die her— was wollte die?! Sie sprang auf und starrte mit entsetzten Augen nach der Thür. Es klopfte. Sie streckte abwehrend die Hände aus:„Nein, nein!" „Was hast Du?" fragte der Kranke heiser. „Herein!" Die Thür ging auf. Das Mädchen trat ein, einen Brief in der schwieligen Hand. „Wer— wer ist draußen?" stammelte Lena; ihre zitternden Lippen konnten kaum die Worte formen. „Na, der Briefträger!" Das Mädchen sah sie verwundert an und ging dann wieder ab. „Von Onkel Hermann," sagte Richard erfreut. „Susanne muß ihm geschrieben haben, daß ich krank bin. Paß mal ans, wie nett er nun ist!" Er öffnete selbst den Brief und las ihn; er hatte kaum die erste Seite überflogen, so knitterte er den Bogen zusammen und schleuderte ihn, zum Knäuel geballt, mit einem Zorneslaut von sich auf den Boden.„Er ist ver- rückt— der— der—!" Er beugte sich vornüber und hustete anhaltend und erregt. „Was ist, was hat er geschrieben?" fragte Lena und faßte nach dem Papierknäuel. „Laß liegen," schrie er heftig,„oder heb' den Wisch ans und schmeiß ihn in den Ofen! Ich habe nicht nöthig, mir Vorhaltungen machen zu lassen. Rasch, rasch— so— verbrenn' ihn! Ah, was der Alte glaubt— und das nennt er Liebe? Ha, Liebe!" Er lachte bitter.— Als der Kranke eine halbe Stunde später im Bette lag und seine Frau ihm die Ntedizin zur Nacht reichte, hielt er ihre Hand fest.„Lena," sagte er weich. „Richard!" Sie reichte ihr Gesicht näher zu ihm. „Datz ich trag' Todeswunden, Tas ist der Menschen Thun; Natur ließ mich gesunden, Sie lassen mich nicht ruh'n," flüsterte er.„Das Lied kommt mir nicht aus dem Kopf, ich hör' es immerzu. Er sagt, er liebt mich, und doch schreibt er, ich hatte mir selbst mein Leben verpfuscht. Die Krankheit wäre mir eine ganz heil- same Mahnung. O, ich ärgere mich so, es wurmt mich so!" Seine trockenen Lippen zuckten. Lena streichelte ihn.„Sei ruhig, Richard," bat sie,„Du schläfst sonst die ganze'Nacht nicht. Ja, sie lieben uns Alle," setzte sie mit einem Lächeln hinzu, das ihr junges Gesicht traurig veränderte. „Alle," wiederholte er. Er hielt noch innner ihre Hand fest.„Das Leben ist so schwer!" Es klang wie eine Klage, die ein Kind der Mutter stammelt— ein armes, schwaches Kind. ** XVIII. Der Schnee ist vergangen. Im botanischen Garten zeigen die Stachelbeersträucher die ersten verkrum- pelten grünen Schößlinge: aber nur die, die am sonnigen Play stehen, die anderen strecken die nackten, dornigen Zweige. Tie Weiden um den Tümpel gehen in den Saft, roth wie Blut schimmern sie. An den großen Bäumen schwellen Knospen, braun und dick; die Spatzen schirpen und lärmen in Schaaren. Es tvar Februar. Ein selten frühes Frühlings- ahnen nach langem Erstarren. Bei Bredenhofers ging es viel treppauf und treppab; es durfte nicht geklingelt werden..Bitte klopfen' stand an der Entrc'ethiir. Schon am frühen Morgen kam Frau Susanne Allenslein, am'Mittag kam sie zum zweiten- und am Abend zum drittenmal. Sie weinte, wenn man sie nicht immer zum Bruder ließ. Doktor Allenslein kam ebenfalls täglich; er war ein gntniiithiger Mensch, und wenn er die Treppe wieder hinnnter ging, waren in seinem jovialen Ge- ficht die Augenbrauen hochgezogen. Oesters begleitete ihn sein Kwllcge, der berühmte Spezialist für Hals- und Lungenkrankheiten; der Mann war seiner Sache sicher, der hatte bereits im Januar, als er das erste Mal kam, ackiselzuckend gesagt:„Letal!" Sie sprachen im Krankenzimmer immer fliistenid; Lena lauschte gespannt und verstand nicht. Wie war das eigentlich nur so rasch gekommen? Bredenhofer hatte sich nach der ersten Attacke merk- würdig erholt gehabt. Niemand dachte Schlimmes, und selbst Lena verlor die unbestimmte, unheimliche Angst, die sie gemartert. Er stand auf, er ging, ohne sich auf ihren Arm zu lehnen, eilig und kräftig im Zimmer auf und ab; das Atelier wurde geheizt, er machte die ersten Entwürfe zu seinem Bild. Zu entwirren war das Chaos von Kohlenstrichen und Farbenklecksen noch nicht, aber eS würde schon kommen, es mußte kommen! Bredenhofer trug die gute Sammetjoppe, er empfing oft den Besuch Renter's. Beide Männer vertieften sich dann ganz, bis auf den Korridor hörte man ihr lebhaftes Gespräch, nur ab und zu unterbrochen von heiserem Hüsteln. Ter Alte und der Junge, beide waren sie gleich enthusiastisch. Bei dem Alten war es ein stetig brennendes, lustiges Herdfeuer, an dem sich sein Herz wärmte und jung blieb; bei dem Jungen ein ängstlich flackerndes, jäh aufflammendes Licht, das rasch erlischt, wenn ein Zugwind weht. „Ihr Mann ist ein ganz genialer Kopf, liebe junge Frau," rief Reuter eines Tages Lena zu, als diese das Atelier betrat. Sie störte dort nicht gern, aber heute tvar ihr bange geworden, der gute Doktor blieb so lange; immer erregter klang das Husten ihres Mannes durch die Wand. „Wird es Dir auch nicht zu viel, Richard?" fragte sie besorgt. Er hatte so merkwürdig unruhige, glänzende Augen und ein abgezirkeltes Roth auf den Backen.„Ter Doktor hat gesagt, Tu möchtest Dich noch sehr schonen." „Still," sagte er und hob den mageren Finger, „störe uns nicht! Nicht wahr, das ist eine wunder- volle Idee, lieber Doktor?" wandte er sich zu diesem. „Gewiß, gewiß! Ganz herrlich, eine gottbegnadete Idee— oh, oh!" Reuter zappelte mit Händen und Füßen. „Ja," rief Bredenhofer,„ich warte nur noch den ersten Sonnenschein, das erste Friihlingserwachen ab, dann bin ich sicher, ist mein Krankheitsrest ganz verschwunden. Vom leidigen Körper nnbelästigt, kann ich mich in freie Regionen schivingen." Lena fühlte einen Stich im Herzen. Sie freute sich über die Frische ihres Mannes, über die so rasch zurückgekehrte Hoffnungsfrendigkeit, aber sie selbst konnte nicht mitmachen, ihr tvar die Elastizität ganz abhanden gekommen. Unbeachtet, wie sie sich hier fühlte, schlich sie wieder hinaus. Die junge Frau konnte ihren Znstand nicht mehr verbergen. Die Mutter hatte bei der Entdeckung geweint und die Tochter unter vielen Thränen an's Herz geschlossen: man wußte nicht, freute sie sich oder jammerte sie. Ter Schwägerin hatte Lena keine Mittheilung gemacht, aber die ließ es nicht an zarten Anspielungen fehlen. Auch nicht an weisen Ermahnungen.„Solltest Du— ist es wirklich der Fall— ich weiß ja nichts Genaues— aber dann mußt Du Dich recht in Acht nehmen. Ich würde nicht so viel sitzen, geh fleißig an die Luft und sei recht heiter, immer recht heiter!" Lena hatte die Lippen zusammengekniffen. ,Jch weiß nicht, was Du willst-, sagte deutlich ihr ab- weisender Blick. Nur Richard hatte keine Ahnung. Schwester und Schwiegermutter sagten ihm nichts, sie wollten ihn jetzt nicht aufregen, lind Lena selbst? Hundertmal hatten sich schon ihre Lippen geöffnet, um ihm das Geständniß zu machen, und dann hastig wieder fest geschlossen. Es regte sich in ihr wie Beleidigung; er war so ganz verrannt in seine Ideen, mit sich vollauf beschäftigt, in fieberhafter Eile wollte er jede Minute ausnutzen— was sollte sie ihn stören? Wenn er erst ganz gesund war, dann wollte sie sprechen. Ganz gesund—?! Ganz krank. Der Tag kam, an dem Lena und das entsetzte Dienstmädchen ihn zusammengebrochen vor der Staffelei fanden. Das Fenster ini Atelier stand halb offen, er hatte es wohl geöffnet. Die erste lauliche und doch heimtückische Luft wehte herein. Er lag am Boden, ohnmächtig, Blutflecken ans der Joppe, noch Blut auf den schnecbleichcn Lippen. Die Magd kreischte ans, sie wäre ain liebsten davon gerannt; aus Lena's Mund kam kein Ruf. Nun verließ er das Bett nicht mehr. Sein Lebenslicht flackerte und züngelte mit langer, ver- kohlter Schnuppe; Gevatter Tod stand ans der Lauer, es ninzustoßeu. Frau Langen war außer sich— daß ihrer Tochter das Passiren mußte! Ihr graues Haar schien noch graner, ihr Rücken beugte sich, sie verweinte die Nächte. Am Tage war sie fast immer in der EIS- Holzstraße zu finden; im Wohnzimmer saß sie in der Sophaecke zusammengekauert.„Wie geht es ihm, was macht er jetzt, schläft er, ist er wach?" rief sie ängstlich leise der Tochter zu, wenn diese sich nur sehen ließ. Mit brennenden, thränenlosen Augen ging Lena hin und her. Stundenlang saß sie regungslos am Bett ihres Mannes und hielt seine Hand. Auf alle ärztlichen Ermahnungen, sich zu schonen, auf die Bitten der Mutter schüttelte sie nur den Kopf.„Nach- her!" Das>var das Einzige, was sie sagte. Der Kranke schlief meistens oder er lag in einer stumpfen Apathie. „Die Lebenskraft ist vollständig erschöpft," sagte der berühnite Spezialist zu Allenstein,„aufgezehrt das Oel in der Lampe. Die Konstitution ist über- Haupt schwach, starken Anforderungen nicht gewachsen. Ich sagte es Ihnen ja gleich, verehrter Kollege, nichts mehr zu machen! llebrigens Schmerzen leidet er nicht, er löscht aus." Jetzt sprachen sie nicht mehr flüsternd im Kranken- zimmer; wozu auch? Das junge, blasse Weib wußte ganz genau, um was es sich handelte. Sie ver- zweifelte nicht, aber sie kämpfte nicht mehr; sie streckte die Waffen in stummer Resignation. Am Abend steigerte sich das Fieber des Kranken, die Nächte durch phantasirte er. Frau Allensteiu hatte einen exzellenten Wärter engagirt, Lena schickte ihn in's Nebenzimmer; dort schlief er. Sie selbst saß wie ein Geist neben dem Lager ihres'Mannes und horchte und horchte. O, Niemand sollte das Gespräch belauschen, das ihre Seele nM seiner Seele hielt! Er delirirte, aber mitten in dem wilden Gemisch von Wahn und Unsinn, von phan- tastischen Entwürfen, bekannten Plänen und neuen, kühneren, unmöglichen, kamen Stellen von unsäglicher Schönheit. Da sprach er von der ersten Zeit ihrer Bekanntschaft, von ihrer Reise, der sonnigen Stunde im Kölner Dom, ihrem Wiedersehen in Berlin um von ihrem ersten Kuß. Er sprach flüsternd, wie ein heimlich Liebender. Da konnte Lena weinen. Und die Thräne» schwemmten fort, was in ihrer Seele an Bitterkeit gegen ihn sich angehäuft, ivas sie von ihrem'Mann getrennt hatte. Sie preßte ihre Lippen auf sti»r Hände. Die Aeue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. 147 Eines Nachts erwachte er. Seine Angen blickten ganz klar. Ans dem Tisch brannte die kleine Lampe mit trüb verhangenem Schein. „Heller!" rief er laut. Lena ging und schob den Schirm zurück, dann machte sie:„Pst" und legte den Finger an die Lippen. Leise glitt sie wieder neben sein Lager.„Tas; er nicht aufwacht," flüsterte sie,„wir sind allein!" „Ja, allein," sagte er ebenso leise,„allein— sie sollen uns Alle allein lassen— ganz allein— komm!" Er bewegte die Lippen wie zum Kuß und sah sie sehnsüchtig an. Sie legte ihren Mund ans den seinen und sog seinen fieberhasten Athem ein. „Mein Mann— mein Geliebter— Richard!" hauchte sie im Kuß; es klang mehr wie ein Stöhnen. Er athmete schwer, sie fühlte, daß sie ihn be- drückte, und zog ihre Lippen zurück; sie waren auch heiß geworden von seinen trockenen, verbrannten. Seine übergroße» Augen suchten ihren Blick. »Ich muß sterben," sprach er jest deutlich und so ruhig, als ob Jemand sagte:„Ich muß reisen." Sie widersprach ihm nicht; sie preßte nur stumm die Hände zusammen in einein furchtbaren, entsetz- lichen Schmerz. „Ich sterbe," wiederholte er,„gern! Arme Lena � Tu mnßt bleiben— das Leben— es drückt— drückt Alles und— Alle!" Es zog sie nieder mit gewaltiger Last, ihre Knice knickten ein; wie niedergeschmettert sank sie vor dem Bett hin und legte die Stirn ans dessen Rand. „Arme Lena," fliisterte er immerfort, hob schwach �e zitternde Hand und legte sie ans ihren lockigen Scheitel. Tie trockene Glnth dieser armen Hand durch- rieselte ihren Körrper bis in die feinsten Nervenfäden. �in nicht endenwollender Thränenstrom drängte sich ihr in die Augen und fluthete nieder ans das Leinen des Bettes. Mit beiden Armen umklammerte sie den Körper des Sterbenden.„Bleibe, Richard," schluchzte sie verziveifelt,„bleibe bei uns, bei mir— bei Deinem Kind!" .Deinem Kind—!' Gellend lösten sich die zwei Worte von dem übrigen Geflüster und drangen in schneidendem Jammer durch die einsame Nacht. Was war das?! Er fuhr zusammen und richtete hch, Plötzlich stark geworden, halb ans.„Kind?— Lena, Lena!" Sie verbarg ihr Gesicht an seiner Brust und ächzte:„Ja, ja— mein Kind, Dein Kind-- 1" Er war ganz still, er rührte sich nicht; seine Augen hatten ein stilles, gespenstisches Leuchten. Und nun zuckte es in seinem Gesicht, so kläglich, so tchinerzlich, ivic bei einem Kind, das weinen will. Seine Lippen öffneten sich und schlössen sich und konnten nur die zwei einzigen kurzen Worte:„Mein Kind!" Lena richtete sich auf, mit gekrallten Fingern Griff sie sich in's Haar und riß daran. Halb von Sinnen, schrie sie mehr als sie sprach:„Du wirst es nie sehen— nie— nie!" Dumpf schlug ihr Kopf wieder ans die Bettstatt. So blieb sie liegen. Lange Minuten vergingen, eine Viertelstunde. "obenan schnarchte der Wärter. , Ter Kranke hatte sich zurückgelegt, aber er schlief '"cht; unverwandt ruhte sein glasiger werdender Blick °"s dem Kopf des Weibes.„Lena," lallte er. Sie fuhr auf und starrte ihn an. „Kuß"-- Kaum konnte man das Wort hören, sie verstand �s gleich. , Ein Lächeln irrte über seine Züge, flüchtig wie letzter Sonnenschimmer vor Anbruch der Nacht. ..vwtzt— danke ich— Dir— verzeih— ver— van ke—" Das Lallen wurde ganz undeutlich, 'anncr unverständlicher. „Was, was sagst Tu? Richard, noch einmal, o sog's I" Er schüttelte den Kopf— wieder jenes irrende Lächeln— und dann deutlicher:„Jetzt— gern ge- ebt—!«(5r machte eine lange Pause, und dann kam's "ach wie ein Hauch:„Gern gelebt— danke Lena schluchzte nicht mehr wild, ihre Thränen waren versiegt. Sie lag auf den Kniecn, stemmte die Ellenbogen auf's Lager und sah den Gatten im- verwandt, weit- und zeitvergesscn, wie versunken an. Unsicher tastete,', seine Hände, bis sie ihre Wangen fanden; da schmiegten sie sich an. So blieben die Beiden. Tie Nacht verging und der graue Morgen stahl sich dnrch's Fenster.-- (Zorlscvung folgt.) Kunst und Wirthschast. cschluß.) 25011 �Schö"hoff. Jie Renaissance ist so farbenreich, so groß, daß hier mir ihre eleinciitarsten Wesensziige ge- streift iverdcn können. Ans den verschütteten klassischen Stätten in Italien waren neue städtische Mittelpunkte gewachsen. Sie hatten schivere Wider- stände zu besiegen, innere und äußere blutige Kämpfe; aber im Grunde erstarkten sie doch. Slus den Kämpfen der führenden Mächte schlug ihr Stadtadel, wie ihr Bürgerthnm Privilegien heraus. Für den Wohl- stand in Florenz mag z. B. der eine Umstand sprechen, daß vor der Zeit des Buchdrucks eine ganze Menge von Handschriften, knnstgciverblich werthvollen Dokumenten, florentinischen Arbeitern gehörte. Aehnlich berichtet der deutsche Historiker Janssen von den Gesellenvcrbindnngen im deutschen Siidweste» zur städtischen Blüthezeit, daß sie ans knnstgeiverb- lichen Besitz geachtet hätten, che es zu den Gesellen- bedrückungen mid Ausständen kam. Durch die Kreuz- fahrten schon war der Orient nahegerückt, wage- muthige Entdecker in ununterbrochener Kette, von der Kolumbus nur ein epochemachendes Glied ist, reisten in ganz entlegene Gebiete. Zu den Forschcrinteressen, wie denen eines Ntarco Polo gesellten sich die merkantilen, die kaufmännischen der italienischen Freistädte. Wer gewann, der konnte wirklich gelten. Dazu kam, wie in der hellenischen Polis, ein heftiger Wettbewerb zwischen den kleinen städtischen Staaten; und aus der anderen Seite war die Ständegliedernng unterwühlt, zerrüttet. Es zog wie ein Rausch durch die Frühzeit der Renaissance. Ein ivaghalsigcr Abenteurer, ein Bastard, ein Lanzknecht und Eon- dottiere konnte sich das Herrenrecht erobern; er wurde dann eben der Erste seines Stammes. Die Collconi-Reiterstatne in Venedig ist vielleicht das bezeichnendste Muster solches Triitzmenschen, der sich und seine Individualität eher» durchzusetzen weiß. Das nengefillidene Jpdividualitätsprinzip konnte im Taumel toll werden und hatte dann seine furcht- bare Seite.„Erlaubt ist, was gefällt", sagten in ihrer Weise die erobernden Nenaissance-Naturen, und über Widerstände rasten sie mit blntig-gransnmcr Rücksichtslosigkeit hinweg. Diese ganze stnrmgepeitschte Zeit läßt sich nicht nach landläufig sittlichen Begriffen messen; sie sah Ilngemeines in Begierde, wie in Entsagung, im Gilten ebenso wie im Bösen. Reiche Ansgrabungen und Funde förderten dazu die hellenisch-hnmanistische Erkemitniß. Die Humanisten diesseits und jenseits der Alpen führten, auch in geschlechtlichen Dingen, eine so kühne Sprache, daß sie in unseren Polizei- frommen Tagen unerhört klingt. Die zahlreichen nengefürsteten Eroberergeschlcchter der übermächtigen Handelsherren, wie die Florentiner Medici, wett- eiferten in ihren Hofhaltungen nm Künstler und Künstlerruhm, und so geschah in wild-üppiger Trieb- kraft die große Wiedergeburt. Individuell beseelter, reicher an intimen Reizen als die Antike, treten schon im 14. Jahrhundert Giotto und die„Giottesken" auf, und überquellend reich ist die Auslese künstlerischer Geister von den Bor-Rafaeliten bis zum anmuthigen Genie Rafael nnd dem pathetischste» aller Renaissance- künstler Michelangelo, dem Bildhauer, Banmeister, Maler und Lyriker, der den gewaltigen Bau Bramantes fortsetzen sollte, den Petersdom, der für den kühn anfslrebcndcn Papst Jnlius ein Sinnbild der all- nmfassenden Kirche bedeutete. Erstaunlich ist die Mannigfaltigkeit der Interessen in der Renaissance. Das Jndividnum konnte sich nicht genug thnn im Ausmaß seiner Einpfiudnng und Erkemitniß. Lionardo da Binci war Festnngs- ingenienr, Mathematiker und Künstler, Tizian- in der späteren Renaissance zu Venedig, vielleicht der größte Kolorist aller Zeiten, hob das rein Rtalerische, Farbcnsntte ans eine vorher ungeahnte Stufe, und welchen Geist besaß der politische Raisonenr und Beobachter Rtachiavelli oder selbst der feile Liinipen- jonrnalist Peter Aretin, er in seiner Painphletinanier nnd gierigen Profitsucht, wie Hutten in seinen heißen idealistischen Anfrnfen oder Satiren Vorläufer des modernen Journalismus, doch Beide nach verschiedenen Seiten hin. Auch Petrarca's, des Lyrikers, muß hier gedacht werden. Denn mit Petrarca hebt eine durchaus moderne Natnrempfindung an. Ter Atcnsch beginnt seine Persönlichkeit mit der landschaftlichen Ilmwelt zu vergleichen; deutliche Stimmungen klingen an. Petrarca nnternahm als einer der ersten Modernen eine Bergbesteigung nnd empfand nicht mehr die rauhen Schrecken der Natur, wie die Alten, sondern die Erhabenheit der Rundschau. Dem schrankenlosen Bethätignngsdrang mußte naturgemäß der bilderstürmende, schönheitsfeindliche Rückschlag begegnen, zumal auch er wirthschastlich begründet war. Gegen den heidnischen Frohsinn der Päpste, gegen die üppige Verweltlichnng, die noch ungeheure Geldsummen verschlang, gegen die fürstlichen Handelsherren, die wiederum, je mächtiger ihr Vermögen anschwoll, um so mehr proletarisirte», kehrte sich der Bnßeifer der Prediger und Propheten, nnd die Schwärmgeister wurden zu Zeiten sieghaft, wie die Episode der theokratischen, geistlichen Republik Savanarola's darlegt. Aber das Neuland war und blieb entdeckt. Das Jndividnalbcwnßtsci», das zu Anfang über alle Stränge setzte, wog allmälig zwischen sich und der Umwelt ab, es erniaß die Grenzen, die seinem über- schwängliche» Wollen gesetzt sind; der Widerspruch löste sich in lyrisch-mnsikalischen Stimmungen, oder es wurde seiner in dramasisch-pathetischer Kunst gedacht oder auch in wehmüthiger Ironie, im Humor, wie man ihn zuvor nicht kannte. So entstanden die Faustischen Probleme; ein Vorläufer Shakespeare's, Christoph Marlowe, schrieb in der That einen Faust, vom deutschen Reiiaissanceküiistler Albrecht Dürer existirt ein Blatt„Melancholie", durch das man geradezu an die Klage des Goethe'schcn Faust:„Ich seh', daß wir nichts wissen können" erinnert wird; Shakespeare selbst rührt neben seinen brcitwürfigen dramatischen Freskengemälden im tiefsinnigen Hamlctproblem an ähnlich schwermllthige Gedankenreihen, und im letzten Grunde bleibt der ironische Humor im Ton Qnixote des Cervantes wehniüthig, tragisch. Ein irrender Ritter, der zwischen sich nnd der Mitwelt nicht mehr klar unterscheiden konnte und so die bizarrsten Aben- teuer erlebte, bis er zn spät sehend wurde.. Auch Moliöre's„Menschenfeind" in dem tragikomischen Mißverhältniß zwischen der eigenen Individualität nnd der Gesellschaft könnte man hierher rechnen. Ganz gewiß war es ebenso kein Zufall, daß Palestrina, ein erster neuzeitlicher Musiker, auf dem Renaissanceboden erwuchs. In seinen kirchlichen Tonstücken ist er fromm bis zur Verzückung; es ist die Kehr- scite der individualistischen Anflehnung, die Sehnsucht nach friedlicher Harmonie, nach Gläubigkeit. Die Renaissance in Deutschland nnd den germa- nischen Niederlanden greift nicht so unbändig nnd zeitlich später ein. Aber auch sie zeitigt eine Höhen- kraft in ihrer Weise. Der Wirthschaftsgang ist ähnlich. Das Bürgerthum gewinnt Macht und Privilegien. Augsburg, Nürnberg u. A. werden Stätten wundersamen kunstgewerblichen Fleißes und kaufmännische Ntiitelpnnkte. Ebenso Köln am Rhein. Tie Verbindungen der niederdeutschen Hansestädte schaffen Weitblick und gefestetes Selbstvertrauen. Rathspaläste werden erbaut; Lübecks Bürgerschaft errichtet sich ihren imponirenden gothischen Back- steinba», die Marienkirche. Die prächtigen Zunft- nnd Gildenhäuser entstehen je nach dem Baumaterial, zu dem man greifen muß. In Niedersachsen zum Beispiel, in Halberstadt, Hildesheim mit seinem herrlichen Amtshaus der Knochenhauer, blüht der Fachwcrkbau. Im 1 5. Jahrhundert endlich gewinnt der erste deutsche Maler eincn Weltruf, es ist der Schonganer Martin ans Augsburg. Der große Nürnberger nnd vielseitige Renaissancemensch Albrecht Die Heue H)clt> Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Diircr trifft schon in seinem Wirken mit der Re- fonnation zusammen. Ein Kinistzweig, der Holz- schnitt, stand schon lange im Dienst der Reformation, und zwar ans wirthschaftlicheni Gebiet. Massenhaft wurde der Ablaßhandel im agitatonschen Witzblatt verspottet. Luther, der Sprachkiinstler, fand in seinem Eifer Vorarbeit ans allen Seiten. Wie Reformation und Gegenreformation zur Erhöhung fürstlicher Blachtstellung benutzt wurde, wie die Groß- bourgevisie der fürstlichen Handelsleute Deutschlands großkapitalistisch aussaugte, wie dann Erhebungen gleich dem Bauernkrieg möglich wurden, das hat weniger direkt, als indirekt mit Deutschlands Kunst- Übung zu thnn. Es unterband großes Beginnen, es zerriiltete im entsetzlichen dreißigjährigen Kriege aber freilich komisch-naiv, noch durchaus nirgends sentimental, wie in der neuesten Zeit erfaßt. Und der feinsinnige, geistvolle Rembrandt schafft sich seine Sonderstellung durch seine Gesellschaftsbildcr selbst- bewußter Bürgerschaft, durch sein so individuelles koloristisches Vermögen. Zu gleich monumentaler Wucht gelangte die Kunstübung seit der Renaissance nicht. Alle modernen Fundamente waren gegeben. Die reine Renaissance- kunst wurde ausschweifender in den Formen, als sie den Kavalieren, den Hofhaltungen zu dienen hatte; sie wurde„barock". Der Baustil der Privatschlösser und Stadtpaläste ist malerischer, aber nicht mehr so ernst monnmental; es kommt vollends zum Rokoko, zur täudelnden Grazie, nicht ohne Reiz in der Zeit bezeichnen; und ein musikbegeisterter Mann, wie Ernst Wolzogen, betont schon etwas Charakteristisches dabei: die Angst vor dem Freiwerden der ungeheuren sozialen Gegensätze unserer Zeit habe die Besitzenden zu einem stillschweigenden Ring geführt. Das bischen Kunstbedürfuiß nun dieser ängstlichen Gesellschaft be- friedige die Mnsikmacherei, die beim besten Willen nicht politisch werden könne. In der That sind neue künstlerische Werthe unserer Zeit durch inbrünstiges Suchen und Sehnen geschaffen worden. In der Musik durch Richard Wagner und in der bildenden Knust durch die Flucht zur Natur, zur Landschafts- malcrei. Kiinstlergrnppen ergaben sich der Verein- samung in der Landschaft; und ein Großer, der sich von Jahr zu Jahr mehr von der anderen Künstler- S f VI r Ncl. Nach dem Gemälde von Haus am Ende. die bedeutsame, kunstgewerblich volksthiiniliche deutsche Bewegung. Aus Dürer spricht noch die ungebrochene Bllrgerkraft. Sein Holzschnher-Bildniß in Berlin ist ein zeitgeschichtliches Dokument des gediegenen, kräftig milden Biirgerbewußtseins. Die Krone deutscher Bau-Renaissance, das Heidelberger Schloß, der Ott-Heinrich-Bau ist schon ein Zeugniß fürst- lichen Glanzes. Das originale Merkmal der niederländischen Renaissance ist innerlich ohne Zweifel ebenfalls mit Wirthschaftszuständen verknüpft. Auch hier eine Fülle freigewordener Geister. Nach langen Befreiungskämpfen wird man seines Daseins und seiner Selbst- ständigkeit mit Behagen froh. An den neu ent- deckten Welten hat man sein gemessen Antheil. Im Volkslieds in der Komödie, in der Malerei liebt man derbsaftige Keckheit, ähnlich wie in dein alten, lustigen England nach der Niederlage Spaniens in der elisabethinischen Zeit. Ein heroisch-dramatischer Zug von Shakespeare'scher Art erfüllt die Gemälde des prächtigen Rubens; Alles darf gesagt werden; Franz Hals darf die trunkene Vettel Hille Bobbe (im Berliner Museum) malen; Bauern, Proletarier erscheinen auf den Bildern von Teniers, Brouwer, der absoluten Fiirstenmacht. Die Kunst sei gefällig, süß, wie ein Schäferspiel. Selbst geniale Köpfe, wie der zierliche Watteau, mußten ihrer Ehrlichkeit Schönpflästerchen ankleben. Die große Revolution bedeutete in ihren Folgen die volle Emanzipation der modernen Bourgeoisie. Für die deutsche Musik, für die deutsche klassische Literatur war sie sammt der Aufklärnngsperiode Voltaire's, die ihr voranging, ein mächtiger Hebel, eine Befreiung. Der Sturm und Drang, Schiller's Pathos wurzeln in ihr. Ter anmuthreiche Mozart, der hochgestimmte, freiheits- trmikeue Beethoven haben demokratisch- bürgerliche Elemente in sich aufgenommen. lieber die neueste Zeit angesichts der großen sozialen Geisterbewegring zu prophezeien, wäre thöricht. Es ist eine Zeit der Sehnsucht, nicht der Erfüllung. Einen monnmentalen Stil kennen wir nicht; wir leben von der Auslese aus fremden Perioden. Auch der neue Reichstagspalast bedeutet kein neues Sinn- bild; und die Hoffnungen, die an die Eisenkonstrnktion der modernen Waarenhäuser geknüpft werden, sind höchst ungervisse Zukunftsmusik. Als eigentlich häus- liche Kunst, als Bildungsuiittel bis in die Kreise des mittleren Biirgerth'imS hinein, können wir die Musik schaft abzuheben scheint, Arnold Böcklin, schöpft seinen Zauber aus ganz persönlicher Beseelung der Landschaft. Eine umfassende, meist pessimistisch verklingende Anklage- und Mitleidsliteratur beschäftigt sich mit den sozialen Problemen. Daß sie pessimistisch ist, beweist, daß sie nicht proletarisch sein kann. Da? Proletariat strebt zur Höhe, es braucht Hoffnung?' freude und Schwungkraft. Die bittere Anklage- und die bang-elegische Mitleidsliteratur können sie ihr nicht verleihen. Auf Durchlebtem, auf Erfülltem baut sich Kunst auf. Sie ist, ob groß, ob klein, ob schöpferisch, ob epigonisch, eine Erscheinung mensch' licher Thätigkeit, die niemals völlig fehlt. Sie fliegt aber den Thaten nicht voran. Wenn die prole- tarischen Emanzipationskämpfe ihrem geistigen J»' halte nach erfüllt sein werden, dann erst mag eine große, neue Knnstweise sich einstellen. Hegel braucht über die Philosophie ein espritvolles Bild: die Eule der Minerva fliege erst aus, wenn es Z» dämmern beginne. Das heißt, die Philosophie ziehr gleichsam die Bilanz ans neugewounenen Erkennt- nissen und Erlebnissen der Menschheit. Mit noch größerem Rechte ließe sich das von der Kunst be' hanpten.— 149 Me Jniiui�ffjinii örr Ijoiogrflpfjif. Von Heinrich Kogel. 'ctupft man die Haut oder ein Blatt Papier ' mit Hölleiisteiiilösung, so bemerkt man nach kurzer Zeit, daß sich die betupfte Stelle all- Willig bräunt und dann ganz schwarz wird. Höllen- stein ist eine Verbindung von Silber mit Salpeter- säure, auf die das Licht eine zersetzende Wirkung ?usiibt, so daß sich unter seinem Einfluß aus der sarbloscn Verbindung fein vertheiltes Silber als schwarzer Fleck abscheidet. Diese Eigenschaft be- i.chen alle Silbersalzc, bei einigen ist sie sogar noch stärker, als beim Höllenstein. Auf diesem Zerfall °sr Siltzersalze durch die Einwirkung des dichtes beruht die ganze Photographie. in eine Lösung von Kochsalz, das ist Chlornatrium, und bestrich es dann mit einer Lösung von salpeter- saurem Silber. Hierbei bildete sich durch gegen- seitige Zersetzung auf dem Papier salpctersaures Natron und Chlorsilbcr, durch welches letztere das Papier lichtempfindlich wurde. Auf den so vor- bereiteten Bogen legte er durchsichlige oder durch- scheinende Zeichnungen. Unter dem Einfluß des Sonnenlichtes schwärzte sich dann das Chlorsilber- papier an den auf der Zeichnung wcißgeblicbenen Stellen. So erhielt er auf dem Chlorsilberpapier ein unigekehrtes Bild der Zeichnung, indem die Striche der Zeichnung auf dem im Ucbrigen schwarz gewordenen Chlorsilberpapier weiß gebliebe» waren. Um nun ein nachträgliches Schwärzen auch dieser Weißen Zeich- nung zu verhüten, brachte Talbot diese Kopie in einer Dunkelkammer in siedende Kochsalzlösung. Da in mit ihm ein umgekehrtes Bild der vor der Linse befindlichen Gegenstände. Atit Hülfe einer solchen Cainem obscura hatte schon vorher sein Landsmann, der Lithograph Nicephore Niepce, versucht, Bilder herzustellen, indem er eine auf Papier gestrichene und getrocknete Lösung von Asphalt in Lavendelöl in der Camera obscura gegenüber der Linse befestigte, vor der sich der aufzunehmende Gegenstand befand. Asphalt verliert nämlich, wenn er dem Lichte ans- gesetzt wird, die Fähigkeit, in ätherischen Oelen löslich zu sein. Als daher Niepce das belichtete Asphaltpapier mit ätherischen Selen behandelte, wurde der auf demselben befindliche Asphalt nur an den Stellen gelöst, die nicht belichtet worden waren, während er an den belichteten Stellen unlöslich blieb, wodurch man eine Schatteuskizze der vor der Camera befindlich gewesenen Gegenstände erhielt. Niep.e 1:••■_■ .•,'■ •* � �-'■» .' Irül i Den ersten bekannten Versuch, diese Eigenschaft f Silbersalze zu irgend einem Zwecke zu benutzen, �chte, so viel bekannt geworden, ein Hallenser Arzt, rw-Heinr. Schultz«, 1727. Er legte ausgeschnittene �Pierbiichstaben auf frisch zubereitetes weißes Chlor- '■W. Nach einiger Zeit wurden die von dem Papier bedeckten Theile ganz dunkel, und als er dann Je Papierbuchstaben wegnahm, zeigten sich diese �'chstabeu schön deutlich und weiß auf dunklem runde. Aber es dauerte nicht lange, so wurden r.? bis dahin Weißen Stellen, wenn sie unbedeckt 'rben, nachträglich auch dunkel, und die Buchstaben . rschivanden. Mit der Ilcbertragnng von Buchstaben ». b Figuren auf diese Weise war es also nichts. Uch Versuche der Engländer Wedgewood und Davy, ß' Zeichnungen durch das Licht auf mit Höllenstein- l»ng getränktes Papier übertrugen, konnten, da sie /.demselben Uebel litten, keine Verwendung finden. /lt viele Jahre später, 1839, brachte ein anderer /»londer, Fox Talbot, beständige Bilder mit /che von Chlorsilber zu Stande, weil er darauf .- �cht war, das nnzersetzte Chlorsilber und salpeter- die Silber, dessen langsames Nachdunkeln das . standene Bild wieder zerstörte, gleich nach Her- ' Ming des Bildes wieder vom Papier zu entfernen. dkrfnhr dabei folgendermaßen: Er tauchte Papier 'ingscröertö. Nach dem Gemälde von Fritz dieser Chlorsilber löslich ist und dadurch auch das noch vorhandene salpctcrsaure Silber gelöst wird, während das durch das Licht chemisch veränderte Chlorsilber von dieser Kochsalzlösung nicht angegriffen wird, so blieb mir letzteres auf der Zeichnung, Ivo- durch diese beständig lvurde. Legte dann Talbot dieses Schattenbild(Negativ) auf anderes, mit Chlor- silbcr empfindlich gemachtes Papier und verfuhr nun ebenso, so wurde jetzt ein Schattenbild des Schatten- bildes, also eine richtige Kopie des Originals, in gleicher Größe und mit allen seinen feinen Details erhalten. So konnte man absolut genaue Kopien vorhandener Zeichnungen mittelst der Wirkung des Lichtes auf Chlorsilbcr anfertigen. Als man dies erreicht hatte, lvurde die Frage aufgeworfen, ob man nicht auch direkte Abbildungen plastischer Gegenstände und Portraits von Personen auf diese Weise herstellen könne. Es gelang Ende der dreißiger Jahre einem französischen Maler, Louis Jacques Daguerre, mit Hülfe der Camera obscura. Eine solche besteht ans einem viereckigen Kasten mit Teckel, innen auf einer Seite mit iveißem Stoff überzogen und auf der dieser gegenüberliegenden Seite mit einem runde» Loch versehen, in dem sich eine Linse befindet, die das auf sie treffende Licht auf die gegenüberliegende lveiße Fläche wirft und verdeck. nannte setn Versahren Hetiographte. Zu weiterer praktischen Verwendung führte es seiner mühsamen Ausführung wegen nicht. Daguerre brachte nun statt des Asphallpapiers eine Silberplatte, deren Oberfläche er mittelst Jod- dämpfe mit einer Schicht Jodsilber überzogen hatte,- in die Camera obscura, die er photographische Camera nannte. Er erhielt so nach stundenlanger Beleuchtung wohl ein Bild des vor der Camera befindlichen Gegenstandes auf der Silberplatte, aber die Fixirung desselben, d. h. die Entfernung des überschüssigen Jod- silbers, machte ihm große Schwierigkeiten. Doch der Zufall kam ihm zu Hülfe. Er halte eine solche jodirte Silberplatte, die nur kurze Zeit in der Camera ausgesetzt worden lvar, so daß man mit den Augen noch keine Einwirkung auf derselben bemerken konnte, in einen mit Quecksilberdampf erfüllten Behälter gebracht, und da hatten sich auf der Platte an allen Stellen, die am meisten belichtet waren, auch die meisten Onecksilberdämpfe niedergeschlagen, wodurch ein ziemlich deutliches Bild der aufgenommenen Figur oder Person enlstand. Diese Erfindung Tagnerre's machte Aufsehen! auf Verwendung Arago's wurde er veranlaßt, sein Verfahren zu veröffentlichen und ihm eine jährliche Pension von 6000 Francs seitens der französischen Regierung bewilligt. Auch die Erben des 150 Die Neue A?elt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. inzwischen verstorbenen Niep.-c erhielten eine Pension. So entstanden die Dagnerreotypicn, die man noch heute in manchen Familien findet, die von einer bestimmten Seite aus betrachtet werden miissen, aber im Uebrigen oft ein sehr deutliches Portrait der anfgenommenen Person boten. Dagnerre hatte also ein Mittel gefunden, den Zcrfallprozeß der Silberverbindnng durchzuführen, wenn ihn die Lichtwirknng nur eingeleitet hatte, ohne daß er für das Auge sichtbar war. Aber die Silber- platten waren thener und die Behandlung derselben mit Ouecksilberdämpfen eine unangenehme Arbeit. Deshalb machte man sich auf die Suche nach Ersatz für sie. Talbot benutzte zunächst nnt Erfolg in der Camera sein lichtempfindliches Papier, verwendete aber jetzt Jodsilberpapier, welches er so herstellte, daß er das in Höllenstcinlösung getauchte Papier noch durch eine Jodkaliumlösung zog, wobei sich durch gegenseitige Zersetzung Jodsilbcr auf dem Papiere bildete. Er fand ferner, daß die Lichtempfindlichkeit dieses Papieres dadurch erhöht wurde, daß es nach der Beleuchtung durch Gallussänrelösung gezogen wurde. So erhielt er in der Camera obscura ein deutliches Schattenbild(Negativ), von dem er das überschüssige Silbersalz nicht mehr durch Kochen in Kochsalzlösung, sondern durch Waschen in einer Lösung von unterschweflichsaurem Natron entfernte,. die die Silbersalze schon bei gewöhnlicher Temperatur leicht löst. Auf gleiche Weise stellte er dann mit dem erhaltenen Negativbild Positivbilder her. Aber die Rauhheit selbst des besten Papiers macht sich bei diesem Talbot'schen Verfahren unangenehm geltend, und die von Dagnerre auf polirten Silberplatten hergestellten Bilder wurden ihnen vielfach vorgezogen. Da machte ein Neffe des oben erwähnten Niepce 1847 den Versuch, das Jodsilber mit einem Eiweißiibcrzug auf Glasplatten zu streichen, wodurch er recht schöne Negative erhielt. Tie leichte Zersetzbarkeit des Eiweißes veranlaßte 1851 Fry(sprich Frei) statt dessen jod- und bromhaltiges Eollodinm zu ver- wenden, das er ans Glasplatten goß, ans denen er nach dem Trocknen der dadurch entstandenen Eollodiumhant durch Eintauchen in Höllensteinlösung eine Jod- und Bromsilbcrschicht erzengt hatte. Nachdem die so zu- bereiteten Glasplatten der Camera obscura aus- gesetzt waren, wurde durch Eintauchen der Glas- platten in eine Lösung von Eisenvitriol oder von Pyrogallol das überschüssige salpetersaure Silber zu Silber rednzirt, während diese Lösungen ans Jod- silber und Bromsilber nicht wirken. Das so rednzirte Silber schlug sich als schwarzes Pulver an den be- lichteten Stellen je nach Stärke der Belichtung nieder, wodurch in der Dunkelkammer das negative Bild sichibar wurde. Hierauf wurde dieses Negativ durch Waschen mit nnterschwefligsaurem Natron vom überschüssigen Jodsilber und Bromsilber befreit, wodurch es lichtbestäudig(fixirt) wurde und man von ihm eine unbegrenzte Zahl Positivkopien an- fertigen konnte. Russell änderte dieses Verfahren in den sechziger Jahren dahin um, daß er den Ueberschuß an salpctersaurem Silber schon vor der Belichtung der Platte durch Waschen mit viel Wasser entfernte. Brachte er darauf nach der Belichtung die Platten in eine alkalische Pyrogallollösung, so reduzirte diese auch das überschüssige Jod- und Bromsilber, was in saurer Lösung, wie oben bemerkt, nicht ge- schieht. Dann konnten diese Negativs sofort, nachdem sie aus dem alkalischen Pyrogallolbade genommen und getrocknet waren, zur Anfertigung von Positivs benutzt werden. Auch fand er, daß die alkalische Pyrogallollösung auf Bromsilber besser wirkt, als ans Jodsilber. Seitdeni bedient man sich fast ans- schließlich des Bromsilbers. 1871 schlug Maddox vor, statt Eollodinm Gelatine zu verwenden. Aber erst 1378 wurde das Gelatiue-Emulsionsvcrfahren von Ben nett er- funden, nach dem unsere meisten heutigen Trocken- platten hergestellt werden. Bennett zeigte damals, daß erst durch das von ihm erfundene nachhaltige Erwärmen der Gelatine-Emulsion das Gelatine- silberpapier jenen hohen Grad von Lichtempfindlichkeit erhält, den man sich heute beim Gebrauch der Trocken- platten und in der Monientphotographie zu Nutze macht, mit deren Hülfe man nicht nur sich bewegende Personen, sondern auch Vögel und Geschosse im Fluge photographireu kann, bei denen die Expositiouszeit bis ans I iooo Sekunde rednzirt werden kann, was die Herstellung der heute so beliebten Kinematographen ermöglichte. Zur Herstellung der hierzu verwendeten Gelatine-Emulsion löst man Broinammoninm(statt Bromkalium) und Gelatine unter Erwärmen bis 50° C. in Wasser, bringt diese Lösung in eine nur mit rothem Licht erhellte Dunkelkammer, setzt hier salpetersaures Silber zu und erwärmt allmälig bis zuni Siedepunkt, läßt dann erkalten, zerkleinert die erstarrte Gallert und wäscht sie mit viel Wasser vom überschüssigen salpetersanren Silber und ge- bildeten salpetersauren Ämmönium sehr sorgfältig aus. Dann schmilzt man die gut abgetropfte Gallert wieder bei 35 bis 40° C., filtrirt und begießt mit der Emulsion die Glasplatten, die dann rasch ge- trocknet werden. Die so hergestellten Trockenplatten sind etwa zwanzig Mal so empfindlich, als die früheren Eollodiumplatten, und die fabrikmäßige Herstellung dieser Platten hat wesentlich zu dem Aufschwünge der Aniatenr(Licbhaber-)photographie geführt. Das Schwierigste, die lichtempsiudliche Platte, braucht jetzt der Amateur nicht selbst herzustellen. Er nimmt mit den gekauften Trockenplatten in seiner Camera die Bilder auf, wozu, wenn sie gut werden sollen, allerdings auch eine gute Linse gehört, die immer ziemlich theuer ist, hebt die gut verwahrten Platten auf und entwickelt auf denselben zu Hause nach Be- lieben in seiner Dunkelkammer bei unschädlichem rotheu Lichte die Negative, fixirt sie mit unterschwefelig- saurem Natron und kann dann mit dem so her- gestellten Negativ ans ebenfalls käuflichem licht- empfindlicheu Silberpapier so viel Bilder kopircn wie er will. Die Fachphotographen begnügen sich allerdings damit nicht, sie forschen unermüdlich nach weiteren Verbesserungen. Wohl kein chemisches Präparat ließen sie unversucht, und die Chemiker beeilten sich, ihnen immer neues Alaterial zu Versuchen zu liefern. Von den als Entwickler vorgeschlagenen Präparaten nennen wir außer dem schon oben erwähnten Pyro- gallo!»och besonders Hydrochiuon, dann Eikonogen, Metol, Amidol, Glycin und Rodinol. Viele solche Versuche blieben zivar resnltatlos, aber nicht alle. So fand man auch, daß gewisse Platiusalze eben- falls lichtempfindlich sind und daß die mit ihnen hergestellten Papiere besonders schöne Kopien lieferten, die sich durch ihr samintschwarzes, an Kupferstiche erinnerndes Aussehen auszeichneten. Deshalb wurde die Platinotypie bald beliebt. Schon lange war bemerkt worden, daß bei einer photographischen Aufnahme die einzelnen Farben des betreffenden Gegenstandes verschieden stark auf der lichtempfindlichen Platte iviedergegeben werden. Roth erscheint ans der Platte nur ganz blaß, da- gegen blau und namentlich violett sehr dunkel. Es war oft fatal für den Photographen, wenn ei« Dame sich in einem rothen Kleide hatte aufnehmt lassen, es ans dem Bilde aussah, als hätte sie ci» weißes Kleid getragen, und doch konnte es d« Photograph nicht ändern. Die chemische Wirk»»! der einzelnen Lichtstrahlen des Spektrums ist ed« verschiede»; sie steigert sich von Roth durch die ga»? Skala des Spektrums bis zu Ultraviolett. Dahll auch die Möglichkeit, in nur mit rothem Licht erhellte» Räume mit Silbersalzen arbeiten zu können, oh» daß eine merkliche Einwirkung stattfindet. Profe� H. W. Vogel hat diesem llebclstand mit ErfÄ dadurch abzuhelfen gewußt, daß er die Bromsilt® Gelatineplatten selbst ein wenig mit gewissen Faw stoffeu färbte, wodurch sie auch für solche Farbe« die ohne diese Zusätze nicht oder nicht richtig»» sie wirken, gleich empfindlich werden. Durch diese orthochromatische Verfahren wird es dem PW graphe» möglich, alle farbige» Gegenstände ph»� graphisch richtig wiederzugeben. Tie immer grÖi# werdende Vervollkommnung der optischen Jnstruinc»» ermöglichte es, die Photographie für viele neue Zi»� zu verwenden. Sie wurde mit viel Nutzen in ds Dienst der Himmelsknnde gestellt, indem es»s ihrer Hülfe gelingt, Sterne bis zur 16. Größe«Ä zunehme», die man nie mit den Augen sehen kl»A und dadurch zahlreiche neue Gestirne zu entdecke» Andere Apparate gestatten von den feinsten wM skopischen Gegenständen und Vorgängen natnrgetr� Bilder in vergrößertem Maßstabe herzustellen»� sie so dem größeren Pnbliknin zugänglich zu mache» Aber eine Aufgabe, der sich viele Photographen sV seit längerer Zeit mit Eifer widmen, haben sie heute noch nicht lösen können: Photographien- in Schwarz sogleich in den natürlichen Farb� herzustellen. Wenigstens für die Photographie Wiedergabe von Gegenständen ist diese Aufgabe bi# noch nicht geglückt. Plan kann wohl schon i)1�' hm mit Hülfe des sogenannten Pigmentdruckes b»»' Gegenstände mit allen Details naturgetreu wiedergeben; aber dies ist, wie schon der Name M kein photographisches Verfahren. Seine Gründls ist folgende: Zu den lichtempfindlichen Stoffen geh»' auch ein Gemisch von Chromkalilösnng und Gelaü»� lösung. Dieselbe wird, eingetrocknet der Sonne gesetzt, unlöslich. Daher kann man auch eine nung kopircn, indem man sie ans ein mit Ehre»» gelatine bestrichenes Blatt legt, es belichten und dann das Papier mit Wasser behandelt, � nun nur von den nicht belichteten Stellen die Gel»� löst. So erhält man ein Negativ, mit dein ans gleiche Weise Posilive des Originals Herstes kann. Man kann auch die Chromgelatine mit M ,,, stoffen versetzen, wodurch die Zeichnungen deutlich werden. Hat man nun von einem Gegenstände dr Negative unter je einem rothen, gelben und 61®')': Glase hergestellt, so kann man diese drei Neg»� auf drei mit ebenso gefärbter Chromgelatine ii�j zogene übertragen, die, ausgewaschen, getrocknet s i>il> genau passend übereinander gelegt, sich znweü mit überraschender Treue der Farben zu dem 2� des aufgenommenen Gegenstandes ergänzen. � sicher aber dieses Verfahren und andere äh»� die ebenfalls in der Camera obscura Herges� hin � Negativs benutzen, hiernach erscheinen und so j'd fC()0ll ■ Strjy Mein es nach der Theorie ist, so groß sind auch die Sch»j' rigkeiten und Störungen, die seiner erfolgrei») praktischen Ausführung entgegenstehen. Diese Sck!»" rigkeiten werden aber die wissenschaftlichen PH"' Äiy.- /) graphen nicht abhalten, mit Eifer an der L''" der gestellten Aufgabe fortznarbeiten.— Der SoHn. Novelle von Dorothec Goebeler. ach langem Warten und Entsagen hatten sie doch noch einander angehören dürfen, und nun, nachdem sie kaum ein paar Jahre zu- sammen glücklich gewesen, wurde er ihr durch den Tod entrissen. Sie brach fast znsamnien unter ihrem Schmerz. Am liebsten wäre sie mit gestorben, allein ibr Blick fiel auf das Kind, das sich an ihre Kniee schmiegte und mit ihr weinte, ohne zu wissen warum, und nun wußte sie, daß sie leben mußte, leben für ihren Sohn. Tie schmale Wittwenpension reichte kaum zum Unterhalt für Einen. Verwandte, die sie unter- stützen konnten, besaß sie nicht, arbeiten hatte sie nie gelernt und doch mußte sie verdienen, wenn sie l'e das: sollte. Als '»höhten hiemeind shres Vi hch dag, Emilie schule st der Arn '-shit iMl Meistellc ihr Arbe lud die that keit hiel «bei, g Üfurcii jj sie vers 'hu keim sugeiid trie! Ä ivax ""d In, «nieen I ""r etwc '"»übten '"'es di tteng i durch o, Wchen «Ibfwe, Wisimi sich in 5 i'shft nie tollen Mit to'":'e >'chte. 'cuntenl Jon so Me b rr Nil "echnniio & Ben» Jnhmiii «in!(s meiind i «oft »St; Wichen J% ver II?.1»'«. alt h ich -n ii erst „.iind "Hfe siC ?!« 5%enb * sehr r Ein i sehr .Zählt r »Ige Lo H ist %nng leben wollte. Eine Freundin rieth ihr, Wäsche �""f; ..•'f.... c- r»___ jf. t-a cn.rL..... �'.. � � � i»uuuic. VMUt üicuuum wtu; uji,' A-i nähen, das sei noch das Beste und Einträgbck'Ws fje für sie; und so nähte sie Wäsche. Der LoHn� h fje niedrig, sie selber ungeübt und dazu noch vom Kummer, sie schaffte rastlos von früh bis l" � Htiu' manche Nacht verging, ohne daß der Schlaf in'' zg V»""!>i l Augen kam, und dennoch wußte sie oft nicht, w» Zi nenn i eiwl r ehiÄ'l sie ei» !s i>i1 irkuW t eW ganj' DaP ieM Aie Aeue Welt. Zllustrirte Unterhaltungsbeilage. 151 i>e das Nöthigste für sich und ihren Kleinen nehmen tollte. Als der Knabe in das schulpflichtige Alter kam, höhten sich ihre Sorgen. Sie hätte ihn in die �eiiiemdeschiile senden können, selbst die Verwandten totes Mannes riechen dazu, allein ihr Stolz bäumte � dagegen ans. Sie war aus„gut bürgerlicher" naaülie und sollte ihren einzigen Sohn auf die Volks- Rhu!» 1 e Eicken, die ihren engherzigen Begriffen mit oseffe!? Armenschule gleichbedeutend war? Unmöglich! � unendlichen Blühen gelang es ihr, ihm eine Mistelle am Gymnasium zu erwirken. Sie miißte tor Arbeitspensum verdoppeln, um die thenren Bücher jtob die gute Kleidung für ihn beschaffen zu können; Ito that es mit Freuden. Mit unermüdlicher Zähig- J1' hielt sie auf ihrem Posten aus. Ihr ganzes z�en ging auf in dem Sohn. Seine Wünsche �ren ihr Befehl, sein Lächeln ihr höchstes Glück. versagte sich selbst das Bothwendigsle, um nur inu'ii"!>'e'lle ieuer Freuden entbehren zu lassen, die die Zweäck seiner wohlhabenden Gefährten verschönten. ' � trieb einen förmlichen Kultus mit dem Jungen. � lvar das Einzige, ivas ihrem Dasein noch Zweck .[to Inhalt gab, ihr Götze, vor dem sie auf den '"tocn lag. Felix war ein hübscher begabter Knabe, 'to etwas eigensinnig und launenhaft. Ihre Per- ondten meinten, sie solle ihn streng halten; sie diese Znmnthung mit Entriistung zurück. ."k»g halten den zarten Jungen? Niemals! Nur "rch Liebe wollte sie im Herzen ihres Kindes plnche», Felir nahm ihre Aufopferung als etwas �lbjtverffändlichcs hin. Blit dem gedankenlosen goisiiius der Jugend sah er zu, tvie die Mutter to i,, Arbeit und Sorgen ausrieb, während ihm y nichts abging, ja er konnte sogar trotzen und "tollen, wenn er doch einmal entbehren mußte. heidi- �it sechzehn Jahren verließ er die Schule, er ' iRi Abiturium glänzend bestanden. Sie "uschte, daß er, ebenso wie sein Vater, die tiNntenkarriere einschlagen sollte, sie hatte sich !??? so in den Gedanken eingelebt, daß sie ihn im SrW itilW'l Mß •ntbÄ: ig � dies»- ßhot» phM großü miieBl in dü! e aB ka» ldefle� iniWi getvc« :n II"' nach� u sch< sie w\ n- m arbch iphii�� bisb'1 Inn"1 farltö te M lllbfw geW c a"� ; Zeiö' eljrotfj 0 lii� rft#| Faq utli« Ä egat� >et""'l itueil!' , m Mite bereits als wohlbestallten Geheimrath sah; - ir machte ihr indessen einen Strich durch die �chninig. Beamter? �>ik ,..... Noch Gott weiß wie lange ohne -otniiien arbeiten und sich überall bücken müssen? - Gr hatte Anderes im Sinn. Da war sein > vsi ijaue im �inu. "jJ'?llnd Heinz Ewald, der lernte in einen! Bank- .saliiH»'°'ft und hatte schon vierzig Mark Gehalt im .�ot; so wollte er es auch haben.„Siecht D», Wichen, dann habe ich doch Geld und kann bald -.i" verdienen und mir Vergnügen schaffen, so viel fiu�l. lind lvenn ich ausgelernt und ein hohes / Hub', fliegt Deine Nähmaschine in die Ecke lita- � brauch' mich endlich'mal nicht mehr zu * ri1 um den alten Rumpelkasten. Ach, Blutt- -rlaub's doch!" �U"d Muttchen sagte natürlich nicht„Nein", sie Uuj e sich sogar eingestehen, daß der Junge dies- Z-I "'"U-I— V—-f- t-- & praktischer war als sie. So kam Felix zu �M»d&(?o., und dank seiner Kenntnisse rückte nli� � rasch vorwärts.-- .gel" l �i» Sonntag im August. Der Tag geht lang- vid)" v'J"®llbe' den Fenstern flammen hier und chivit jh�chou die Lampen auf; auch Frau Holdert faltet -ehü! jR Strickzeug zusammen und zündet Licht an. Sie chiui« �."llein zu Haus. Felix ist mit guten Freunden M geflogen; er hat das öfter gethan in der letzten ihsilll � � s"hr oft sogar. Sie hat auch nichts dagegen, (J'djlt nun vierundzwanzig Jahre, da kann er nicht sj«» Mutters Nockzipfel hängen. Und daß er '"elb für sich verbraucht, nun, das hilft nichts, lur Iia, vervrauan,»»», [(i„i{ti Vllte»liissen ihr Vergnügen haben. Nur u'1 ijt es ihr, wenn sie so allein in der öden sitzt. Sie möchte gern einmal mit hin- pto- ! nV"|,v'- x-"v n— "tii'n sreueu an der Freude der Jugend, if, Mr nicht Sllles so thener wäre. Sie seufzt i�'-Kflix braucht sein Gehalt bis auf das Wenige, „t'e zur Wirthschaft erhält, für sich allein, und trlb>t nichts mehr verdient, er kann da» Näh- �lNiengerassel wirklich nicht aushalten, kann sie q'ch auch nichts zum Vergnügen ausgeben. „/"r heute nur blieb! Sie sah nach der Uhr. hatte er zurück sei i wolle», jetzt war es beinahe zehn und er war noch nicht da. Eine leise Unruhe stieg in ihr empor, und diese Unruhe wuchs, als der Zeiger weiter und weiter rückte, ohne daß das Geräusch des öffnenden Drückers an der Korridor- thür erklang. Das Gas in den Hausthüren war lange erloschen, das Klingeln der legten Pferde- bahnen verhallt, sie saß noch immer wartend allein. Ihre Unruhe steigerte sich zur Angst, ihre erregte Phantasie begann ihr allerhand schreckhafte Bilder vorzuspiegeln. Wenn ihm etwas passirt war? Viel- leicht auf dem Wasser? Es gab so viel Unglück auf dem Wasser, besonders auf der Oberspree. Sie ging vom Fenster zur Thür, von der Thür zum Fenster und horchte. Dann suchte sie sich zu beruhigen. Er war sicher nur auf der Bahn nicht mitgekommen; der Andrang war Sonntags immer so groß, er würde sich schon wieder einfinden. Und er fand sich auch ein, lange nach Mitter- nacht hörte sie seinen Schritt im Treppenhanse. Mit einem wahren Jubelruf öffnete sie die Thür:„Felix, endlich!" Er wich einen Schritt zurück, ein verlegenes Lächeln zog um seinen Mimd:„Gott, Mutter, bist Du denn noch auf? Warum schläfst Du denn nicht schon lange?" „Ich habe mich furchtbar geängstigt." „Wieder'mal?" Er lachte gezwungen.„Du mußt Dir das endlich abgewöhnen, Mutter, man kann doch nicht auf die Alinute zu Hause sein, das ist ja grade, als säße man an der Strippe." Es lag etivas Gereiztes in seiner Stimme. Sie drehte den 5kopf und sah ihn von der Seite an. Was hatte er wieder? Langsam ließ sie sich in einen Sessel gleiten:„Hast Du Dich auch gut amüsirt, Felix?" „O ja, sehr gut." „Erzähl' mir doch»och ein Bischen." „Was denn?" „Nun, wo Ihr hin war't." „Nach Grünau, Du weißt es ja." „Seid Ihr auch dort geblieben?" „?lein, wir gingen nach den Alüggelbcrgen." „Warst Du mit Erich allein oder kam sonst noch wer mit?" „Ja... nein... Mutter, laß doch blos dieses Ausfrage», das ist ja gräßlich!" „Felix!" Sie starrte ihn au, als hätte sie nicht recht gehört. Er zuckte die Achseln:„Na, ich meiu's ja nicht so, aber wirklich, weißt Du, Deine Kontrole ist unausstehlich. Wollen wir überhaupt nicht schlafen gehen? Ich bin hundemüde." Sie erhob sich, ein trauriger Ausdruck lag in ihren Angen:„Du iveißt ganz genau, Felix, daß ich nicht ans Neugier frage. Es freut mich nur, wenn Du Freude hast. Gute Nacht!" Sie lag noch lange schlaflos. Eine unerklär- liche Angst preßte ihr Herz zusammen; und diese Angst verließ sie auch nicht, als der Morgen wieder hell in die Fenster sah. Sie schlich umher, wie unter einer schweren Last. Als die Mittagsstunde heranrückte, die ihn nach Hanse führen mußte, er- faßte sie wieder ei» fieberhaftes Baugen. Die nervöse Erwartung der Nacht wirkte noch»ach. Sie zählte die Minuten bis zu seinem Erscheinen. Er kam indessen pünktlich,'und als sie in ge- wohuter Weise bei Tisch saßen, waren all' ihre Sorgen mit einem Schlage verschwunden. Aber dann kamen sie wieder. Er hatte sich schon znni Fortgehen fertig gemacht und auch bereits Abschied von ihr genommen; in der Thür drehte er sich noch einmal um:„Apropos, ivas ich fast vergessen hätte. Du brauchst heute nicht ans mich zu warten, Mutter. Wir müssen bis zehn Uhr arbeiten, es kann auch noch länger dauern." Sie ließ das Zeitungsblatt, in dem sie gerade las, in den Schooß sinken:„Arbeiten? Bis zehn Uhr oder noch länger? Was ist denn das für neue Blöde?" Und dann mit einem jähen, schmerzlichen Aufschrei:„Felix, Du verbirgst mir etwas!" „Das fällt mir ja garnicht ein." Er knöpfte an seinem Handschuh.„Es ist ja nur wegen— na, wegen der russischen Anleihe, da sollen wir auf die Nachttelegramme warten und sie gleich weiter- cxpediren. Na addio, Mutter!" Und ohne ihre Antwort abzuwarten, verließ er die Wohnung. Sie ging an diesem Abend zur Ruhe, allein sie schlief nicht. Mit offenen Augen erwartete sie seine Heimkehr. Er kam nicht um elf, auch nicht um zwölf, wohl aber gegen Morgen, als der Tag schon zu dämmern begann. Und so wie heute ging es von jetzt an jeden Abend. Jeden Abend blieb er fort, bald unter diesem, bald unter jenem Vorwand, erst in den Morgenstunden kam er nach Hause. Sie sagte nichts. Sie wußte, daß er sie belog, allein ein unerklärliches Bangen schloß ihr den Mund. Schweigend gingen sie nebeneinander hin, Keiner sprach mehr als das NLthitjste, grade, als ob sich Jeder scheute, das zu berühren, was ihn am meiste» bewegte. Darüber kam der Letzte des Monats heran. Groß war die Summe ohnehin nie gewesen, die Felix ihr zur Bestreitung der Wirthschaft überließ, diesmal legte er ihr kaum die Hälfte auf den Tisch. Sie sah ihn groß an:„Was soll das heißen, Felix?" „Ich habe diesmal selber etwas mehr gebraucht, Du mußt Dich einrichten." „Das wird aber schwer halten. Wie soll ich das machen? Ich weiß es nicht." „Traurig genug, wenn Du nicht wirthschaften kannst." „Felix, vergiß nicht, daß Du mit Deiner Mutter sprichst!" „Ach ja, ja, ja!..." „Felix, es ist ja einfach empörend! Wo lernst Du solches Betragen? Ist das Deine Liebe, Deine..." „Na ja, nun werde auch noch sentimental!... Da ist es schon besser, ich mache, daß ich fort- komme." Krachend flog die Thür in's Schloß. Sie saß wie erstarrt; sie war es gewohnt, rauh und rücksichtslos behandelt zu werden, so gewohnt, daß es ihr garnicht einmal auffiel; brutal wie heute hatte er sich indessen nie gezeigt. Was war ge- schehen? Sie brach in krampfhaftes Schluchzen aus, lauge saß sie, ohne den Thränen Einhalt gebieten zu können, dann aber flammte plötzlich eine harte Entschlossenheit über ihr Gesicht. Sie stand auf, wusch Augen und Wangen mit kaltem Wasser und machte sich zum Ausgehen fertig. Es war ihr eine Idee gekommen. Sie wollte ergründen, wohin ihr Junge ging, wenn er Abends und Nachts dem Hanse fernblieb; sie war überzeugt, daß das, was er ihr angethan, nicht aus ihm kam, daß er unter bösen Einflüssen stand, und diese Einflüsse wollte sie kennen lernen. Mit raschen Schritten schlug sie den Weg nach dem Bankhanse ein. Dem Geschäft gegenüber befand sich ein altes, düsteres Thorweghaus, in seinem Schatten blieb sie stehen. Sie hatte nicht lange zu warten; die Lampen in den Fenstern erloschen schon wenige Minuten nach ihrem Eintreffen. Aus dem hohen Thorweg ergoß sich der Strom der Angestellten. Als einer der Letzten erschien auch Felix. Er blieb einen Augenblick stehen und sah sich suchend um, dann, nachdem die llebrigen sich verlaufen hatten, g'ug auch er, aber in einer Richtung, die ihrer Wohnung gerade entgegengesetzt war. Sie folgte ihm ans der anderen Seite, immer im Schatten der Häuser sich haltend, dann blieb sie plötzlich stehen und griff nach der Wand, um sich zu halten. An die Seite des jungen Mannes drüben war ein Miid- che» getreten, eine üppige, auffällig herausgeputzte Erscheinung. Sie begrüßte ihn mit hellem Lachen, und er, offenbar hocherfreut, wieder mit ihr vereint zu sein, zog ihren Arm in den seinen und schritt plaudernd und scherzend mit ihr weiter. Beide ver- schwanden in einem der nächsten Hänser; wenige Minuteil später flammte in der dritten Etage ein Licht auf. Die einsame Frau auf der anderen Straßen- feite schlug die Hände vor's Gesicht und stöhnte ans, sie wußte genug. Planlos irrte sie durch die Straßen. Ein Chaos von undesinirbaren Gefühlen wogte in ihrer Brust, kaum daß sie wußte, wo sie sich befand. Ein hell erleuchteter Blumenladen, der seine strah- 152 Die Heue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. lenden, bunten Schaufenster anfthat, ließ sie auf- sehen. Wie eine dunkle Erinnerung schoß es ihr durch den Kopf, daß dort oben im Hanse ihre Eonsine wohnte, eine der wenigen Verwandten, die sie noch besaß und mit deren Familie sie spärlichen Verkehr unterhielt; und wie eine Eingebung rang sich ans ihren wirren Gedanken der Wunsch los: hinauf zu ihr, sich aussprechen, Rath holen. Eine halbe Stunde später war die Last von ihrer Seele gesprochen, und nur ein letzter zitternder Aufschrei kam noch über ihre Lippen:„Sage mir, was ich thun soll, rathe, hilf!" Allein die stattliche Frau an ihrer Seite strickte ruhig fort, ein gntmiithiges Lächeln flog über ihr rundliches Gesicht:„Liebste Rosa... sieh mal, liebste Rosa, Du.mußt Das nicht so nehmen, in dem Alter machen sie es Alle so, da thut man am besten, als sähe man es nicht." „Aber er kann mir verderben dabei! Dieses Geschöpf macht ihn schlecht, wie sie selber ist. � Wenn ich bedenke, wie er mich behandelt." „Ach Gott, so war er ja schon als Junge; wir haben es Dir oft genug gesagt. Du hast es nur nicht wahr haben wollen. Du hast ihm eben zu viel Willen gelassen. So was rächt sich!" „Nein, nein, er ist nicht schlecht. Nur etwas aufbrausend. Ach, ich bin so unglücklich." Sie brach von Neuem in Schluchzen aus. Frau Auguste klopfte sie beruhigend auf die Schulter. „Laß ihn nur, Rosachen, das giebt sich Alles. Aber wie gesagt, blos nichts dagegen reden, das würde ihn nur bestärken in seinem Eigensinn. Da denken sie, man will an ihre Männerwürde tippeln. Immer recht freundlich zu ihm, ihm Alles doppelt gemiithlich machen und im klebrigen stille sein und zusammenlassen mit der Donna, das ist das beste Mittel zum Abgewöhnen." „Ich soll also schweigen?" „Selbstverständlich. Weißt Du, wenn man noch selbst einen Mann hat, kennt man sich mit solche» Sachen viel besser aus. Wenn's Dich aber beruhig!, kann ihn mein Alter ja einmal vornehmen; nur durch die Blume natürlich. Schick ihn doch einmal her, oder kommt Beide, das ist noch unausfälliger. Viel- leicht morgen Abend. Wart' einmal... J», morgen Abend ist Ernst zu Hanse." „Ilnd er würde ihm zureden?" „Natürlich! Laß ihn nur machen, lind»»» immer den Kopf hoch. Rosachen! Laß den tolle» Bengel sich die Hörner ablaufen, das schadet ih»> garnichts. Vor allen Dingen aber schweigen! Hörst Du?" „Ja, ja."——(Fortsetzung folgt.) ,j Z? e u i L L e t o n. Versäumte Zeit.� Ms war wohl just um diese Zeit! � Die Lärche stand im grünen Kleid Und an den Virlrrn brach die Fülle Der Vlätichen aus der braunen Hülle. Ein erstes Lied, ein voller Klang Von Sehnsucht zog den Wald entlang, Der Llihem weißer Llnemvnen Umwallte still die VnchrnKronen. Allüberall ein goldner Dult, Ein selig Werden in der Luft, Im Grund ein heimlich Vltth'n und Sprießen, Ein sehnend Wachsen und Erschließen. In uns auch war es Frühlingszeit, Und unstre Herzen wurden iveik, In Jubel halb und halb in Bangen, Die Lenzesbvtschasi zu rmpsangrn. Und doch— wir fanden nicht das Wort! Besangen hielt uns Zeit und Ork, Die Stunde ging, der Traum zu Ende, Du küßtest scheidend meine Hände. Zl»»a Rittcr. Die Worpswede». Im Frühjahr 1895 war es, als in einer Mnnchencr Ausstellung„Tie Worpsweder" zum ersten Male, zu einer Gruppe vereinigt, miftraten und sofort die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Ein frischer Zug ging durch ihre Knust. Der gleiche Geist schien in den noch jungen Künstlern, die zn der Vereinigung gehörten, zn leben. Wohl wurde man bei genauerem Zusehen auch der bedeutenden individuellen Unterschiede zwischen den Einzelnen gewahr: das Gemein- sanie der Bilder aber fiel zuerst auf. Dieselbe niederdentsche Landschaft giebt ihnen allen den Charakter. Es ist daS Land zwischen Bremen und Hamburg, dem Moore und Heiden ein sehr bestimmtes Gepräge geben. Mitten darin liegt das bescheidene Dorf Worpswede, in dem seit dem Jahre 1389 die kleine Malerkolonie sich niedergelassen hat. Es ist nicht die Natur, die diuch starke äntzerc Reize sich aufdrängte; ihre Schönheit liegt in den frischen Farben und in dem wechsclvollcn Spiel der Lnststimmnngcn, die der Landschaft an jedem Dag, in jeder Stunde ein anderes, eigenartiges Aussehen geben. Einer der Maler, die dort wohnen, hat in einem Brief an die„Kunst für Alle" kiese Stiminnngen in einer fesselnden Schilderung festzuhalten versucht; es führt am besten in die Natur von Worpswede ein, wenn>vir seine Worte hierhersetzen: „Ein Hauch leichter Schwcrmuth liegt ausgebreitet über der Landschaft. Ernst und schweigend umgeben weite Moore und sumpfige Wiesenpläne das Dorf, das, als suche es einen Zufluchtsort gegen unbekannte Schrecknisse, sich an dem steilen Hang einer alten Düne, dem Wcherberg, zusammendrängt. Wirr nnd rcgellos durcheinander zerstreut liegen Häuser und Hütten, beschirmt von schwcrlastcnden uioorüberklcidcten Strohdächern und knorrigen Eichen, an deren weit ausladenden Wipfeln sich machtlos die Stürme brechen, lieber dem Dorf tvölbt sich der Berg, zerklüftet von zahlreichen Rinnsalen, die sich das ab- fließende Regenwasscr ausgewaschen hat, gekrönt mit eUcni verkümmerte» Eichenbuschwald.' Von einer einsamen Höhe schweift weithin der Blick in's Land hinaus, über * Ans„Gedtchle". Leipzig, A®, Ltebesliiiv,— Moor und Heide, Felder und Wiesen. Dunkle Eichen- kämpe(Kamp— abgeschlossene Anpflanzung), die in ihrem Schatten spärliche Gehöfte der Bauern bergen, unterbrechen hin und wieder die Eintönigkeit der großen Ebene, Wasser- laufe blitzen ans, und der Spiegel der schlangenglcich gewmideiien Hamme, worauf in stiller, gcheimnißvoller Fahrt schwarze Segel durch's Land ziehen. Darüber spannt sich der Himmel ans, der worpsweder Himmel, den zu schildern die Feder verzweifeln muß, denn ein allzu armseliger Behelf ivürdcn meine Worte sein, um höchste Schönbeit würdig auszudrücken. Was hülfen uns unsere Strohhütten, Birkenwcge und Moorkanäle, wenn wir diesen Himmel nicht hätten, der Alles, selbst das Unbedeutendste, adelt, ihm seinen unsagbar koloristischen Reiz bietet, der Worpswede schließlich erst zn dem macht, was es ist. Am gestrigen Abend lvard ich dessen wieder einmal inne. Ich stand im Hof meiner Wohnung, um mich her tvarcn Ziegelsteine aufgeschichtet, rechts vor mir befand sich ein Zaun ans frischgeschnittenen tannenen Brettern, daneben eine Grube, worin Kalk gelöscht war; am Himmel aber stand in leuchtend blauem Alher, feierlich in erhabener Pracht, eine einzige ungeheuere Wolke auf- gebaut. Ein Wolkengebirge, dessen Gipfel silbern funkelten, dessen Abhänge strahlten, wie mit flüssigem Gold über- gössen. Ohne Zlveifel verdanken wir solche atmosphärische Wunder der verhältuißmäßigcu Nähe der S.e, noch mehr vielleicht aber den meilcinvcit sich erstreckenden Mooren und Sümpfen, die die Luft stets mit Fenchtig'eit gesättigt erhalten. Besucht man vom Dorf ans das Moor, so bleiot nur allmälig das angebaute Land zurück, und die Gegend nimmt einen ernsten und düsteren Charakter an. Hier und da liegt als heller Fleck noch ein Feld mit Buch- Weizen innerhalb der braunviolctten Heidetöne eingebettet, schließlich giebt's auch das nicht mehr. Bis an den Horizont, Ivo die blauen Hügel der Geest aufsteigen, dehnt sich weithin das Moor, schnurgerade durchschnitten von Kanälen und Fahrdämmen, die wiederum rechtwinkelig von anderen gekreuzt werden. In gleichen Abständen am Wege stehen bleiche Birken, den herrschenden Nordost- uindcn nachgebe d, schräg ansteigend. Doch ob es gleich cinsain ist im weiten Umkreis, so verlassen uns doch nicht die Spuren menschlicher Thätigkeit. Aber ein freundliches Bild bieten sie hier nicht. Wir treffe» auf Bezirke, wo metcrtief der Boden ausgehoben ist und der Torf, in langen Reihen zn regelmäßigen Pyramiden oder Kegeln geschichtet, an Luft und Sonne trocknet. Dazwischen liegen verstreut, weißschimmernd wie Todtengebeine, Baumstümpfe mit groteskem Wurzelgeflecht, die Reste ehemaliger Wäldcr, jetzt nach Tausenden von Jahren bestimmt, das Feuer der Torfbanern zn unterhalten...." Einfach ist auch die Entstehungsgeschichte dieser Kolonie. Im Sommer des JahreZ 1889 hatten drei Maler, Fritz Mackensen, Otto Modersohn und Hans am Ende, ihre Studien draußen im Moor gemacht, und ganz ge- fangen genommen von den Farben der Moorlandscha't, hatten sie ihre Abreise bis tief in den Herbst hinaus- geschoben,„llcbcr Moor, Heiden und Wiesen war lodernde Farbenpracht ausgegossen. Wie der Goldbanm des Märchens strahlte die Birke, pnrpnrroth durchbrachen ihre Wurzeln daS satte Braunroth des Moorbodens, über einem Eichenstamm hatten Nebel und Regen Flechten von berauschendem Farbenschmelz erzeugt; die Strohdächer, im Sommer grau und farblos, wurden violett, die Moor- wände bekleideten sich über Nacht mit üppigen Moosen, und allerorten schössen mit Judischgclb und Krapplack lasntc Pilze aus der Erde." Anschaulich wird dann gc- schildert, wie die drei Freunde einen letzten Gang durch daS Moor machen; Jeder bemüht sich,„für die im Winter zn malenden Bilder seinm Vorrath an Eindrücken bis zu gnlecletzt zn vermehren." Da macht Einer den Vor- schlag, man sollte Akademie Akademie sein lassen und den Winter über hier draußen bleiben. Er findet sofort Zustimmung, und die Kolonie wird begründet. Auf i»»» Gehöft eine» Bauern miethen sie sich ein. In de» nächst'» Jahren kommen Andere hinzu: Fritz Overbeck, Carl Vinnen, Heinrich Vogeler; erst als Fertige trete» sie dann in die Oeffentlichkeit., j Was dem Vorgehen der Worpsweder einen so große» Beifall verschaffte, bei Vielen auch Nachahmung fa»si war, daß sie einen Weg, der in der heutigen Maler" angebahnt war, entschlossen zu Ende gingen: Sie setzte» sich in einen unmittelbaren Znsammenhang mit ciiw bestimmten Landschaft, sie konnten bei ihrem steten Untfl®� mit dieser Natur sich einleben, einfühlen in ihre Erg'»' arten; ans ihren Bildern sprach eine innige Vertrauthe» mit dem besonderen Leben dieser Landschaft, die dirt« eine flüchtige Berührung und durch wechselnde Eindrucke »sie der heutige Maler sie in seinen Sonnnerstudien g" wöhnlich erfährt, nimmermehr erworben werden komm Die Landschaftsmalerei der letzten Jahre strebt aber wiedf darnach, an die Stelle der reinen Freilichtmalerei,>»» ihrem ausschließlichen Kultus der Licht- und Luftde»' stellung, die besondere individuelle Landschaft zu setz"» den Charakter des flachen Landes und der Mittelgebirge der niederdeutschen und mitteldeutschen Natur, der Ha»"' gegenden und Taunnspartien in ihren charakteristisch'» Erscheinungsformen zu stndiren und darzustellen. weiter kamen die frischen, vollen Farben, die die WorP-' weder ans ihrer Moorgegend geholt hatten, dem Streb" nach kräftiger Farbenwirkung entgegen, das allgem" nach einer Periode der„Graumalerei" wieder zum DurK' bruch gekommen war.., Am k> ästigsten tritt die Farbe bei Hans am E»( auf, dem Einen der beiden Worpsweder, von denen heut' Bilder bringen. Ein Frühlingsstnrm im®l' j Brausend fährt er über das Land einher, über die F'h' und Wege, verfängt sich in den Kronen der mächtG Birken, peitscht ihre starken Acste nach oben, als wa". es Binsen. Das Geivitlcr ist schon im Abziehen. A»? lastet schwer die blanschwarze Wolkenwand am Horiz»»? und es ist, als duckten sich die niehrigen Häuschen Dorfes furchtsam, die im Mütelgrnnde unter Bäunm versteckt liegen. Vorn aber fallen schon die ersten Strah'. der siegenden Sonne auf die weißen Birkcnstännne, j»1 die Lachen, die der Regen auf dem Fahrwege zurückgetail'' auf die in saftigem Grün stehenden Felder. Und dm hellen Lichter stehen in feinem Gegensatz zu dem finst"' Grunde der Wctterlvand. Gegen dicscs brausende Sturmlicd ist die Z»' Frühlingsidylle von Fritz Overbeck ein starker Geg''. satz. Es ist etwas früher im Jahre. Noch find', sprossenden Blätter der Birken nicht tveit genug, uin»' Baum feste Form zu geben, sie stehen mit nnsich'" Silhouetten gegen den Himmel. Die ersten Schalten»' Dämmerung laufen über das Moorland; in tiefer R» liegt der klare Spiegel des Moorkanals. i Es ist dieselbe Landschaft, die für beide Bilder Motiv gegeben hat. Und doch, wie weit entfernt lttj!' sie voneinander in ihren Stimmungen. Zu der z-M schiedcnhcit der Lnftstinimnng kommt die grundverschi'ds. Art der beiden Maler, die Dinge zn sehen, das herb» l in Kontrasten sein Gefallen findende Temperament» Hans am Ende, und die weiche, fast empfindsame schanungswcise von Overbeck. Auch bei den and'm Worpstvedcrn lassen sich solche individuellen Untcrsa)" verfolgen. Es wird sich uns noch Gelegenheit lue!' daraus zurück zn kommen.— Nachdruck des Inhalts verboten? Alle für die Redaktion der„Nene» bestimmten Sendungen sind nach Berlin, LlV 1, Benthstraße 2, zn richten. Itzcramworllichcr Reda!tc»r: Oscar Suhl w CharloNenburg.—«erlag: Hamburger Buchdruckeret und VerlagsaustaN Auer& To. tn Hamburg.— Uruck: Mar Babing in Veriin.