(ftortfsSunB.) r-�-. Iclkoö. Roman don Alexander L. Kielland. Antorisirte Uebersetzung aus deni Norwegischen von Leo Bloch. Jer Präsident saß eine Weile da nnd dachte nach. Er war ans die listige Art aufmerksam ge- worden, ans welche der junge Mensch seine Gelder unterbrachte. Wo er sie her hatte, darüber brauchte Christensen nicht nachzudenken. Er hatte sich selbst von Nichts heraufgearbeitet. Darum hatte Törrcs ihn mit seiner Plumpheit enttäuscht, lvas er kaum hatte verhüllen können. Diese„junge Kraft" konnte bielleicht reich werden, aber er würde nie die Höhen erreichen, wo Bankpräsideitt Christensen lebte nnd regierte. Aber für Törres Wall war diese Konferenz ein Ereigniß, welches ihn auf einmal viele Stufen in die Höhe brachte. Daß er zu einer Privatnnter- Haltung mit dem ersten Geldmanne der Stadt be- rufen lvurde, war eine unerhörte Auszeichnung für einen Ladenjnngen; nnd das sicherte zu allermeist seine Stellung bei Frau Knndsen. � Wohl war er nach Herrn Jessen's plötzlichem Fortgehen Geschäftsführer geworden,- es war eben kein Anderer da. Wer Frau Knndsen war keines- Wegs überzeugt, daß er der Stellung geivachsen sei. Dazu kam, daß Gustav Krüger beständig etwas gegen Törres zu sagen hatte. Es war sogar dazu gekommen, daß Krüger sie »nr selten im Comptoir besuchte,- nnd als er das letzte Atal da war, hatte er ihr mitgetheilt, daß Jessen als Geschäftsführer bei Brandt engagirt sei — er hätte nicht anders können, sagte Krüger, in Zeiten, wo Alles auf Konkurrenz herauskäme. Getviß sah sie, daß Törres Wall ein ausgezeich- neter Verkäufer war; ihr Umsatz nahm während des Herbstes einen großen Aufschwung; aber verstand er diese Abrechnungen? Und all das mit den Wechseln, welche sie selbst nie besser verstanden hatte, als daß ihr plötzlich ein Zweifel kommen konnte, ob es so oder so zu macheu wäre? Und da war sie nicht im Siande, sich ohne Hülfe zurecht zu finden. Aber die Unterhaltung zwischen dem Präsidenten der Bank und Törres, so wie dieser- sie umständlich wieder erzählte, beruhigte sie in hohem Grade. Der große Mann hatte sich ja mit ihrem Kommis unter- halten wie mit einem jüngeren Geschäftsmanne, auf dessen Urtheil er etwas gab. Auch draußen nuter den Leuten gewann der junge Wall bei Frau Knndsen seit diesem Tage ein gewisses Interesse. Die, welche ihn kannten und ihn bis dahin für einen ganz gewöhnlichen, flinken Bauernjnngcu angesehen hatten, fingen jetzt an, sich verwundert zu fragen, ob nicht bei Allem doch etivas Besonderes an ihm wäre, seit der große Bankprä- sident sich herbeiließ, Notiz von ihm zu nehmen. lind nach und nach ivurde der junge Mann in abhängiger Stellung Gesprächsstoff; sein Name wurde bekannt; und wie eine Ahnung sammelte sich schon um diesen neuen Namen etwas von dem Respekt, der zur Bewunderung wächst und als demüthige An- betnng endigt, wenn einer von diesen sogenannten self-made-man vergoldet ans Nichts aufsteigt nnd plötzlich die beiden leeren Fäuste, mit denen er be- kanntlich anfing, vorzeigt, stopfenvoll von unbegreif- lichem Gold. Aber all' Dies wirkte wie eine Erlösung auf Törres Wall's beschränkten Wirkungskreis zurück. Jetzt brauchte er nicht länger sein Geld so umständ- lich in den geheimsten und gefährlichsten Geschäften zu verstecken; er konnte jetzt sein Leihgeschäft in jeder Weise erweitern und sichern, während er be- ständig als Kommissionär für Andere auftreten konnte. Denn Geld zu verlieren, vertrug er nicht, d. h. er wurde ganz krank davon. Es war ein- oder zweimal vorgekommen, daß ein paar kleinere Be- träge nicht wieder zu bekommen waren, und da war Törres vollständig außer sich; er konnte weder essen noch schlafen. Erst als er ganz sicher war, daß der Schuldner auch kein Haar mehr hatte, das man ihm ausrupfen konnte, kam er einigermaßen zur Ruhe. Aber er buchte seine Verluste nnd summirte sie oft im Kopfe, um seine Vorsicht wach zu halten. Wenn nun Jemand— und das waren erstaun- lich Viele— in aller Eile ein paar hundert Kronen brauchte, dann konnte Törres Wall, ohne Verdacht zu erregen, dieses Geld auf Dreimonatswechsel zur Stelle schaffen, während man auf beiden Seiten voraussetzte, daß er dieses Geld für einige in weiter Ferne lebende Personen zu verwalten hatte. Ganz allein unter den Kameraden, Ivo man es nicht so genau mit derartigen Geheimnissen nahm, konnte Einer, wenn sie dasaßen und tranken, Törres gegenüber eine kleine Anspielung auf Frau Knudsen's Kasse machen. Aber Törres lachte mit und sah von Einem zum Anderen; er wußte, da war auch nicht Einer darunter, der ini Ernst wagen konnte, den ersten Stein zu werfen. Aber sonst, außerhalb des intimen Kreises, wurde kein Argwohn laut, lind wenn eine unverständige Hausmutter ihren Mann fragte:„Aber Gott, wo bekommt solch ein Laden- junge Geld her?" so wurde in geschäftsmäßigem Tone geantwortet:„Der junge Wall ist nngewöhn- lich tüchtig; der Bankpräsidcnt interessirt sich für ihn." Inzwischen hatte Törres keinen Tag versäumt, sondern regelmäßig jeden Nachmittag etwas aus der Kasse genommen. Er sah ein, daß das Allersichcrste die Gleichmäßigkeit dcS Betrages war, der verschwand, nnd daß beständig etwas genommen werden mußte. Und wenn er sich sein Theil einsteckte, machte er einen lieberschlag über den Umsatz des Tages, und darnach richtete er sich. Aber nach dem großen Siege berechnete er sich nicht blos seinen eigenen Antheil, sondern behielt auch noch zurück, was nach seiner Schätzung Herrn Jessen's früherer Antheil war, nnd bei dem ver- mehrten Umsatz, den man seiner eigenen Tüchtigkeit verdankte, war das garnicht so wenig— jeden Tag. Er arbeitete eifriger als je und fast berauscht von seinem eigenen Glücke auf allen Seiten. Alles, was er geträumt hatte, fiel ihm in die Hände; er hatte fast keine Pläne mehr, denn es ging so schnell vorwärts. Sein Geld nahm von Tag zu Tag zu. Auch Fräulein Thorsen, die von Glück strahlte, zog die Leute an; man mußte das Personal vergrößern und neue Waaren bestellen. Die Konkurrenz zwischen Wall bei Knndsen und Jessen bei Brandt iuteressirte bald die ganze Stadt; nnd die Damen dispntinen, wo sie zusammenkamen, über die beiden Geschäfte. Von dem klotzigen Bauernjungen, der vor zwei Jahren zur Stadt gekommen war, war jetzt nichts Anderes übrig, als das Starke und Breite in Figur, wie in Sprache und Wesen. Das Leben lag jetzt offen vor ihm; die Stadt schien ihm schon fast erobert; all das Glück, das er gehabt hatte, stieg ihm zu Kopfe, und er glaubte nicht länger an diese Klüfte, welche die Nienschen trennen sollten. Törres Wall ließ sich diesen Herbst zur Auf- nähme in den Klnb vorschlagen und kam zu Gustav Krüger's großem Aerger durch. Trotzdem gruselte es ihn etwas, als er sich zum ersten Klubball einstellte. Er hatte zwar die Tanz- stunde besucht und sich beim Abschiedsballe aus- gezeichnet. Aber das war mit Fräulein Thorsen und ihren Freundinnen von der Ladenbranche gewesen. Aber hier wurde er ohne Weiteres der alten Frau Bischof Hagerup vorgestellt, welche er bis dahin nur in ihrem Pelz in der Equipage halte fahren sehen, und die nächste von den Klubwirthinnen war die taube Frau Amtmann selbst, an deren lockere Zähne man gewohnt sein mußte, um nicht die Fassung zu verlieren. Da war der Stadtvogt und der Kriegs- kommissär mit violetten Flecken im Gesicht nnd llni- form; die Lieutenants glotzten ihn von oben bis unten an, nnd die Studenten neigten ihre blassen Gesichter nnd wieherten höhnisch. Törres begann wieder an die Klüfte zu glauben. Aber er balancirte vorsichtig am Rande, hielt sich anfangs sehr still nnd tanzte nur mit de» übrig- gebliebenen Gegenständen in den Winkeln. Die alten Damen gaben ihm die Note, daß er für einen Bauern- jungen ziemlich gute Figur machte. „Herr Wall— Frau Steiner"; einer von den Balliuspe toren stellte sie einander vor. „Ich habe vir in de» Kopf gesetzt, Ihre Be- Nr. 29 �SUuflrirle Q Cutcrhatluiu�o'oi.'i _ 226 SHc Neue Welt. Illnstrirte Unterhaltungsbeilage. kaiintschast zu machen," sagte sie und reichte ihm ' die Hand. Törres konnte nur lächeln und biicklingen.' „Komm hierher, Julie! Laß mich Dich vorstellen; ich habe mir Herrn Wall's Bekanntschaft erzwungen." Julie Krüger näherte sich, schmucker als er ihr zugetraut hatte, mit frischen Farben und einem der- gnügteu Lächeln über dem sonst so trockenen Gesicht. Auch Jolla Blum kam hinzu, und Törres befand sich ans einmal zwischen den begehrtesten Damen des Balles: Tulla Arentz, Dalla With, Assen, Bassen und Drütte Maribo sammt Dada und Didi Brun. Frau Steiner stellte ihn immer wieder vor:„Meine Entdeckung— Herr Wall". Die Bhisik spielte die ersten Takte zur Fran�aise, und die Herren liefen nach ihren Damen. „Haben Sie eine Dame, Herr Wall? Sticht? Ausgezeichnet! Sieh hier, Julie! Ersatz für Deinen verunglückten Lieutenant!" Und im Nu hatte Frau Steiner sie Arm in Arm, während sie selbst vis-ä-vis mit ihrem Kavalier Lieutenant Fildvedt Platz nahm. Dessen unzertrennlicher Freund und Kriegskamerad, Lieutenant Tuftemo, war eben beordert worden, den Kriegskommissär heimzubegleiten, was immer die Aufgabe des jüngsten Lieutenants war. Als sie aufgestellt waren, sagte Törres sehr ver- legen:„Sie müssen entschuldigen, Fräulein Krüger; ich hätte nie den MntH gehabt, Sie zu engagiren." „Oh, bin ich so fürchterlich?" antwortete Julie. „Nein, aber ich bin solch ein Tölpel," sagte Törres. „Nun, wir werden ja sehen," antwortete sie lächelnd, und die Tour begann. „Es geht ja gut," sagte Julie freundlich; es wollte ihr nicht gefallen, daß ihre Freundin Herrn Wall so von oben herab behandelte, so wie sie jetzt stand und sich mit ihrem Lieutenant über ihn lustig machte. „Scheint sie Ihnen nicht auch wunderschön?" fragte Julie kurz darauf. „Wer?" fragte Törres, seinen Blick koiizeutrirend. „Ich glaubte, Sie sähen sie an, meine Freundin, Frau Steiner. Alle Herren sind ja in sie verliebt," sagte Julie. Aber Törres war ein zu gerissener Kavalier unter seinen Weibern, als daß er auf diese Schlinge hineingefallen wäre; er antwortete wegwerfend: „Ach, Jeder nach seinem Geschmack! Ich kenne ebenso schöne Damen." Julie bewunderte selbst ihre Freundin, so daß sie es im Allgemeinen erlaubte— ja, sie forderte es fast— daß die Herren, welche sich näherten, von der jungen Frau eingenommen wurden. Trotzdem war es ihr nicht zmvider, daß dieser junge, nette Mensch, den Lulli so überlegen ihre Entdeckung nannte, doch nicht mehr von ihr eingenommen war. Sie gab sich darum in den folgenden Touren mehr mit ihm ab, brachte ihn zum Reden und Er- zählen, und als sie sich nach dem Tanze trennten, waren sie gute Freunde. „Du wirst mir noch meine Entdeckung wegnehmen; aber nimm Dich in Acht!" sagte Lulli lachend. Aber Törres ging Nachts heim in einem Rausch, weniger von dem, was er getrunken, als von dem, was er erlebt hatte. Frau Steiner war ihm ein Wunder; es war das Glänzendste, was er sich von einem Frauenmensch denken konnte. Aber er hatte doch noch Verstand genug, nicht so hoch zu denken. Julie Krüger war schon eine schwindelnde Höhe. Alles war ihm bis dahin geglückt; überall fand er gute Hülfe. Bielleicht sollte das die Rache an Krüger werden. Kriiger's Ball zwischen Weihnachten und Neujahr war so alt, daß er noch Brandt's Weihnachtsball hieß. In alter Zeit war die Stadt lustig gewesen und in Brandt's wohlhabendem Hanse hatten Beamte und gute Bürger die alten Lieder gesungen und die ausgeschnittenen Damen geschwungen, zierlich, aber lustig und ohne Scheu. Julie's Ntntter war eigentlich die erste in der Familie gewesen, welche sich ganz der sauren Frömmigkeit hingab, die in den letzten Jahren hereinbrach; und so lange sie lebte, hatte auch ein Druck auf dem alten Familienball gelegen. Jetzt aber nahm Gustav Krüger Revanche für dieses und vieles Andere, und die Feste der letzten Jahre hatten in hohem Maße Trauer und Aerger erweckt bei all' Denen, welche nicht dabei waren. Die Lustigkeit dauerte bis spät in die Nacht, ein Beelzebnbsfcst für die Besorgten. Schon die Vorbereitungen zum Balle interessirten Krüger. Es lag gerade in seinem Geschmack, die Traditionen aufrecht zu erhalten. So lange seine Frau lebte, hatte sie sich jedem einzigen Dinge wider- setzt, zu dem er Lust hatte, und überall das Festliche zu beschneiden und zu verringern gesucht. Jetzt genoß er in seiner Unabhängigkeit die Freude, es wirklich groß und galant zu geben, mit einem auserlesenen Souper und Wein im Ueberflusse der alten Zeit. Das war eine der wenigen Gelegenheiten, welche auf Gustav Krüger immer so wirkten, daß er voll- ständig vergaß, tvas er sonst in einer mißmnthigen Stunde sein verspieltes Leben nennen konnte. Wenn das alte, vornehme Haus voll von Licht und Gästen war, hatte er die Vorstellung, daß er selbst und alles Andere an seinem rechten Platze wäre; er bildete sich ein, daß die Damen in Toilette und Haltung comms il faut wären, daß die Kavaliere geistreich und die alten Herren an den Kartentischen bedeutende Männer wären, welche sich in geistvoller Geselligkeit.erholten. Er selbst ging in dieser erlesenen Gesellschaft als der freundliche Wirth herum. Und jetzl, da er sicher war, nirgends, weder in den Sälen noch in der Küche das saure Gesicht seiner Frau zu treffen, fühlte er sich glücklich als Der, der alle diese prächtigen Menschen froh und vergnügt machte. Aber er wollte es gern fein haben. An diesem Abend liebte er nicht, die Bemerkungen seines Freundes, des Oberlehrers, zu hören. Und er that, als be- merkte er nicht die schrecklichen jungen Eingeborenen, welche man mitzunehmen genöthigt war, um Tänzer zu schaffen. Als er das erste Mal auf Törres Wall aufmerksam wurde, den er nicht hatte umgehen können, wandte er sich widerwillig ab; aber dieses Mal war es zumeist darum, weil er sich ärgerte, daß der widerwärtige Bursche sich nicht schlechter ausnahm. Nachdem er den Tanz in Gang gebracht, indem er feierlich mit der Frau Amtmann die Polonaise ging, kam Krüger nicht mehr viel in den Ballsaal. Das Ding ging von selbst, wenn nur nicht die Ntusik vom Durst schlapp wurde oder vom Trinken über- wältigt— dieses Gleichgewicht war auch eine seiner Aufgaben. Er wanderte beständig hernm, wie eine Vorsehung fiir Alle. Er fing an draußen in der Küche, wo er mit der strahlenden Kochsran zusammen alten Port- wein trank, während sie ihm beständig versicherte, daß er der Einzige in der Stadt wäre, der sich auf Essen verstünde. Darauf machte er die Runde durch alle Zimmer— überall mit einem Auge fiir heruntergebrannte Lichter oder leere Flaschen; bald sandte er ein Btädchen in den Lkellcr, bald trank er ein Glas Wein mit Einem, der ihm einer Auf- munternng bedürftig schien, oder er lupfte einen Becher auf das allgemeine Wohl unter den Karten- spielern, die sich erhoben und an ihren Toddygläsern nippte». So ging der Ball warm und wohlgeschmiert, wie Gustav Krüger wollte, daß er ginge, so daß alle diese Menschen, was für Leichenbitter sie auch am Alltage waren, einmal aufwachen und sich mit gutem Gewissen amiisiren konnten. Aber gleichzeitig sah er ängstlich darauf, daß die Lustigkeit nicht zu weit ginge. Seine Feststimmung konnte auf einmal vernichtet werden, wenn etwas Dummes passirte,»venu zum Beispiel ein junger Atensch, von des Wirthes eigener überströmender Gastfreiheit angeregt, zu viel trank, oder lange Reden hielt, oder im Ballsaale Skandal machte. Tann war Krüger ganz unglücklich, bis das Aergcrniß entfernt war. Er vertrug es nicht, aus dem Traume gerissen zu werden, daß das Ganze eine erlesene Gesellschaft sicherer, gebildeter Menschen lväre, die es verstanden, sich vollauf, aber mit Anstand zu amüsiren. Das Glück der letzten Zeit hatte Törres Wall einen Much und ein Selbstvertrauen gegeben, welche gut für Sicherheit gelten konntcu. Trotzdem fehlte viel, daß er sich innerlich sicher fühlte, als er in Gesellschaft einiger anderer Handlungsgehülfen in diese alten Räume hineinkam, vor denen in der Stadt solch großer Respekt herrschte. Er wagte sich nicht in den Ballsaal, sondern schlug sich in eines der inneren Gemächer, wo er znsammen niit einem Theil der jüngeren Herren, die ebenso muthig waren, sich durch verschiedene Ge- tränke stärkte. Aber als er mit seiner Zigarre mitten in einem Kreise stand und über das Bankwesen der Stadt sprach mit der Autorität, die ihm zukam als Dem, der schon etwas besaß, und auf den die Großen schon eine gewisse Rücksicht nahmen, zeigte sich Plötz- lich vor ihm durch den Tabakranch Frau Steiner, ausgeschnitten, blendend weiß, mit vom Tanze ge- rötheten Wangen nnd fnnkelndcii Augen. Sie trug eine glatte Taille von weißem Atlas, blaßrothe Rosen auf den Schultern und Korallen um den Hals; ihr Rock war sehr kurz und niit Bouqnets von denselben Rosen besteckt, weiße seidene Schuhe mit rothen Hacken. Sie hatte sich ganz nach einer Hirtin von Sevres-Porzellan gekleidet, welche sie in Julie's Zimmer gefunden hatte. Aber sie hatte einen kleinen Rosenzweig in das Haar genommen, anstatt des Schäferhutes. „Sieh, da steht das lange Mannsbild nnd qualmt wie eine Lampe!" rief Frau Steiner nnd fächelte sich im Ranch mit ihrem Taschentnche;„haben Sie gar kein Gewissen? Die Fran>.aise soll anfangen." Törres stierte sie nur an, bis sie sich mit einem Winke umdrehte; er stürzte nach, während seine Kameraden einander mit einstimmiger Mißgunst ansahen. Es erregte allgemeine Aufmerksamkeit im Saale, daß dieser junge Atensch, bei welchem man jeden Tag fiir zwanzig Ocre Zwirn kaufen konnte, hier, wo die Elite der ganzen Stadt da war, so von der ersten Dame des Balles ausgezeichnet wurde. Tie Mißgnnst ergriff die Lieutenants und Studenten; aber eine gewisse Achtung für diesen Herrn Wall setzte sich bei Denen fest, welche ein bischen Ver- stand und Vorausblick hatten. Selbst drinnen bei den alten Herren wurde er erwähnt, während man Karten gab, und Bankpräsident Christensen sagte laut, daß T.Wall eine der hervorragendsten unter den„jüngeren Krrräften" der Stadt wäre. Törres selbst schien es, daß es jetzt gut ginge. Er kam auf einmal in das volle Licht des Ballsaales, gestärkt von dem starken Punsch nnd zu einem Zeit- punkte, als die erste Steifheit durchbrochen war und die Ballstimmung mehr für das Amiisiren, als das Kritisiren war. Von Frau Steiner beschützt, griff er unverdrossen zu und tummelte sich bald so zwanglos, als hätte er niemals andere Weiber angerührt, als diese feinen halbbekleideten Gestalten, welche von Arm zu Arm flogen. Niemand wußte von der großen Bertha und den Anderen. Selbst Fräulein Thorsen's, die nicht eingeladen war, begann er sich etwas zu schämen. Er sollte ja so viel höher hinauf. Seit dem Balle im Klub war Julie Krüger nicht aus seinen Gedanken gewichen. Wenn er die Tochter gewann, dem Alten zum Trotze! Dann würde er„Brandt" heranfbringen, Frau Knudsen sollte schnell ruinirt sein; Gustav Krüger sollte kommen nnd sich beugen; dann würde er ein hübsches Alten- theil bekommen— wie die Alten auf dem Lande--: er sah schon im Geiste„T. Wall" in großen goldenen Buchstaben über den beiden Konkurrenzgeschäften. � Zu oberst von allen Franenzimmern, die er in seinem Leben gesehen, stand Frau Steiner. Ihre herausfordernde Schönheit, ihre wechselnde Art, sich zu geben, bald fern und unzugänglich wie etwas »ngeheucr Feines, Ausländisches, bald ganz wie ein Kamerad; nnd dann, daß diese, welche alle Männer bezauberte nnd allen Weibern imponirte, eine von den Geschiedenen war; sie war eine unbestimmte Art Wittwe, die einen lebendigen Mann hatte, der wieder ging; sie hatte ihn und war doch nugebunden, wenn auch nicht recht; sie mar gleichsam nach dem Worte Die Acne A)elt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. <1■> 7 der Schrift als eine Lerstobene zu bezeichnen; und doch sammelten die Äiämier sich um sie. Lauge hatte Törres nicht begreifen können, daß eine Frau freiwillig von dem Manne gehen konnte, dem doch der Hof und Alles gehörte. Aber als er erfuhr, daß sie im Jahre mehrere Tausend vom Manne bekani, ohne zu arbeiten oder seine Frau zu sein, da wurde sie ihm etwas räthselhaft Erhabenes, das er blind bewundern mußte. Aber er verschwendete seine Zeit nicht weiter mit Phantasien, als sie bei gutem Glücke eine Grund- läge für aussichtsvolle Berechnungen sein konnten. Lbc» in freier Luft zu wandeln, dazu hatte er keinen Drang. Der Vortheil dagegen, welchen er von Frau Steiner als Julie's Freundin haben konnte, leuchtete ihm sofort ein. lind daß sie ihm soweit entgegenkam wie jetzt, war noch ei» Glied in der Kette von glück- lichen Treffern, welche ihn in so kurzer Zeit aus der gefährlichen Meerenge bugsirt hatten, die zum offenen SDteer des Lebens führte, wo unzählige Mög- lichkeiten sich ans allen Seiten zeigen ohne andere Grenzen als den Himmel, wo die Fahrt in Unver- gänglichkeit enden soll. Solch festes Zutrauen wie heute Abend hatte Törres Wall nie gehabt— Zutrauen zu sich selbst und zu dem gewissen Glück. Frau Steiner hatte die Idee gehabt, daß sich die Fran�aise vom Klubball so wiederholen sollte, daß sie mit Wall tanzte und vis-ii-vis Julie mit Äentenant Filtvedt. Frau Steiner schien es, daß Törres, da sie ihn sntdcckt hatte, ihr gehörte, wie die anderen Herren ihr gehörten, wenn sie es wünschte. Das hatte die kleine Julie bis jetzt auch immer eingesehen. Es war darum auch der pure Spaß, wenn Frau Steiner das erste Mal äußerte, daß die neue Entdeckung zur Eifersucht zwischen ihnen führen könnte. Aber trotzdem blieb bei Julie etwas sitzen. Es hatte sie schon vortheilhaft für den jungen Mann gestimmt, daß ihr Vater in seiner llbertnebenen Art schlecht von ihm sprach. Dann fand sie, es könnte genug sein, wenn ihre Freundin sich eine Menagerie anlegte von Lieutenants und den Anderen, welche n» kokette Damen gewöhnt waren, aber es gefiel ihr nicht, daß dieser junge, treuherzige Bursche vom Lande zum Aarren gehalten werden sollte. Frau Steiner fühlte sofort den ersten Hauch dieser Stimninng, und sie fand es ziemlich aufsässig von der llnbedcntcnden Kleinstadtdame, welche sie wit ihrer Freundschaft beehrte, obschon Törres Wall in Wirklichkeit keine Eroberung war, die man miß- gönnen konnte. Sie überlegte sich den Fall ein wenig, bis sie rs vorläufig spaßig fand, diesem wichtigen Bauern- kavalier vorzureden, daß Fräulein Krüger herum- ginge und nach ihm seufzte und nur wartete. So konnte Julie ihre Strafe bekommen und eine gute Warnung bei seiner lächerlichen Courschneiderei; sie würde schon selbst dafür sorgen, daß er sich lächcr- lich machte.(Forlsevung folgt.) & $(15 moderne deutsche Ueater im sehten Jahrzehnt. Schluß.) Von Leopold Schönhoff. 5 ein literarisch genommen, hat die neugewonnene Methode der ganz intimen pffichologischen Zer- •s gliederung indirekt ein Verdienst, an das im meinen wenig erinnert wird. Unsere bedeutenden lassischcn Dramatiker, die in verdunkelt seelische ii zu leuchten liebten, lernten wir besser begreifen, hre Zeitgenossen im Durchschnitt sie begriffen. bei einem Wahrheitssucher, wie Hebbel, zu herb, hremdend unheimlich war, was dem klaren Goethe unruhig bewegten Kleist noch traumhaft, patho- h erschienen war, uns wurde es schou ein be- deteres Element. Selbst der große Erfolg von wrzer's„Jüdin von Toledo" am Deutschen ter in Berlin hängt lvohl mit der Zeitströmnng zusammen, ganz intimer pchchologischer Zergliederung sich eifriger hinzugeben, als vorher. Denn es ist auffällig; in des Dichters Vaterstadt, in Wien, wo die Weise des modernen Theaters erst später Ein- gang fand und wo man länger für idcalisirte und hypcridealisirte Bühnenfiguren schwärmte, hat das nachgelassene Drania Grillparzer's, eins der tief- sinnigsten und reifsten dieses Dichters, nicht durch- dringen können. Mit Dem, was hier gesagt ist, soll nicht etwa eine Gleichstellung des modernen und modernsten Dramas mit dem Ideendrama etwa eines Hebbel versucht werden. Gehören doch nunmehr selbst neuere Dramen, die mit scharfer, psychologischer Analyse, mit der Vertiefung in's Detail zugleich weite Ideen, tiefere Perspektiven verbanden, bereits einer kunst- historisch gewordenen Periode an. Nicht ohne Bedeutung war es, daß gleichsam unter dem Patronat Ibsen's vor zehn Jahren die„Freie Bühne" eröffnet wurde. Damals mochten manchen Naturalisten strenger Richtung gewisse Acnßerlich- leiten in Jbsen's Dichtungen irre geführt haben. Ibsen hat ganz gewiß mit der rein naturalistischen Frage nichts genicin. Aus romantischen Wurzeln ist seine Kunst emporgewachsen, zu ihnen führen seine grüblerischen, geheimnißschweren Altcrswerke zurück. Aber in der Zeit seiner Vollreife war es der sozial- kritische Ankläger Ibsen, der Moralist, der moderne naturwissenschaftliche Erfahrungen, moderne soziale Forderungen zum Grund seiner Poesie machte, derber rebellirenden Jugend vorbildlich erschien. Die „Gespenster" und„Nora" besonders wurden zu Kampf-Dramen. Die„Gespenster", weil sich in ihnen eine Art von neuem Fatum, von neuem Schicksal cmporreckt. llnerbittlich rächt sich die vergewaltigte Natur. Für die Sünden unreinlicher Väter büßen die Söhne. Ewig tragische Gedankenreihen, die die ganze universale Kunst erfüllen, werden im Lichte modernen Natureuipfindens wach. Das Individuum steht im heiß angespannten Kampfe gegen die Umwelt da; es hat sich einer Aufgabe vermessen, der es erliegt— wie ein armer Hamlet erliegt, der die Welt, die aus den Fugen gegangen war, nicht mehr ein- renken konnte. Hübris, Vcrmessenheit, nannten es die Hellenen. Alle» Menschenwitz strengt Frau Alving, die Heldin in den„Gespenstern" an. Vorsehung möchte sie spielen; und am Ende steht sie da, wie eine schmerzcrfiillte Niobe. Nicht Neid, nicht Rache der Götter schreiten zermalmend einher; neu erwor- bcncs Wissen vom Walten der Naturgesetze, neue Begriffe von Erbschnld führen zum Kern der Tragödie. In der„Nora" wiederum war das Thema von dem Pnppendaseiu des Weibes in der durchschnitt- lichen Bonrgeoisehe angeschlagen und in mannig- fachstcn Variationen bis zu Ludwig Fnlda's nach- empfundener„Sklavin" wurden auf deutscher Bühne die Formen von moderner Hörigkeit der Frau erörtert. Bis zur äußersten Konsequenz ging dabei ein anderer norwegischer Dichter, Björnstjerne Björnson, der nun auch historischer Bedeutung angehört. In seinem Drama:„Der Handschuh" wird die For- derung völliger Unbeflecktheit aufgestellt, für den Mann sowohl, wie das Weib, das in die Ehe tritt. Nicht der intim spürsinnigen Methode nach, sondern der weiten Perspektiven, modern politischer Untersuchungen lvegen, die sich auf den Königsbegriff, den Sozialismus und das Parlamentswesen erstrecken, haben Björnson's Ideendramen Anregungen geschaffen. Es sind breit- würfige, mit agitatorischen und spekulativen Gedanken häusig überladene Gemälde. Wollte man auf die Fülle neuer Namen ein- gehen, deren Träger durch negirende, sozialkritische Studien auf den öffentlichen und den Vereinsbühnen sich das Theater zu erobern gedachten, die summa- rische Umschau über das verflossene Jahrzehnt würde übergroß anschwellen. Wie immer in den Zeiten unzufriedener Erregung wurde der Gegensatz zwischen Söhnen und Vätern ein Lieblingsniotiv der schaffen- den Jugend. Ein starker realistischer Vorläufer, Ludwig Anzengruber, hatte bereits dem Buchstabenglanben, der von der Familie handelt, einen umstürzenden Znsatz gegeben, und zwar in dem„Vierten Gebot", einem Drama, das kunsttechnisch fahrig gebaut ist. aber einen kühnen ideellen Gehalt besitzt. Ter Znsatz trifft das Gebot: Ehre Vater und Mutte-r.„Aber sage ihnen, daß sie auch darnach sein sollen," ruft ein verzweifelter Sohn im Namen Derer, die durch elterlichen Egoismus, durch elterliche Schuld und Unduldsamkeit verderbt und verkommen sind. Als das merkwürdige Drama in der Wiener Josephstadt vor den Pfahlbürgern, die dem Dichter Modell ge- standen hatten, zum ersten Nlale gegeben wurde, da empörten sich die getroffenen Zuschauer; das Stück wurde vom Unmnth der Klein-Bourgeoisie weggefegt. und blieb nach ein paar Aufführungen verschollen. Als es auf die Berliner„Freie Bühne" kam, er- schiitterte seine Tragik; und zun? ersten Male war auf der„Freien Bühne" ein Sieg ohne lärmenden Widerspruch der Gegner erfochten. Mau hatte es wagen dürfen, dem schönfärberisch behandelten, süßen Familienidyll eine trotzige Protest-Tragödie entgegen- zustellen. Wenngleich sie nicht in solchem Lapidarstil vcr- faßt waren, so tauchten zu Dutzenden die bitteren oder melancholisch bewegten Familienkatastrophen auf, von Haupttnann's düsterem„Fricdensfest" bis zu den Familienklagen des jungen Georg Hirsch feld und bis zu neurasthcnisch vorgetragenen Elegien herab. Man beguckte und bemitleidete sich, kleine Leiden wurden wie großer Weltschmerz vorgetragen. Der jinigaufstrcbende Künstler oder Forscher, dein im Elternhaus Unverstand, Mißgunst und Härte be- gegnen, wurde gern zum Helden des Dramas ge- macht. Statt der trotzigen Geberde zu Anfang der künstlerischen Rebellion erschien bald die kraftlosere Weichmüthigkeit. Zu energischer Abwehr oder gar zu hnmorvoller Befreiung, die wie von Bergeshöhen herab auf das kleine ängstliche Getriebe in den Thälern herabblickt, kam es nicht. Die gesammte klagende Poesie glich der Poesie eines Regentages. Der Mangel an Humor ist charakteristisch für die abgelaufene Epoche, ob sie sich nun rebellisch, ob bänglich geberdete. Der Humor setzt eine freiere Arbeitsart, ein ungebundeneres Spiel mit den wirklichen Lebensvorgängen voraus, als ein halb beklommenes, tastendes KUnstlergeschlecht er- reichen konnte. Wo sich zur naturalistischen Methode Humor einstellte, war er in gewissem Sinn getrübt oder mit bissiger Satire versetzt, wie im„Kollegen Cramptou" oder in der an sich prächtigen Diebs- komödie vom„Biberpelz". Je gründlicher sich die Autoren im eigenen Heim, in engerer Umgebung umsahen, je intimer und treuer sie sich in's Detail, in die Spezialität versenkten und verbohrten, desto natürlicher war es, daß sie auch ihre landschaftliche Art und Sprache, Heimathsdialekt und Großstadt-Jargon ans die Bühne verpflanzten. Das war nicht zufällig, sondern es lag nothwendig im gesammten Bemühen um Echtheit bis in's Minu- tiöse. Noch Anzengruber deutet im Wesen die Mundart, die von der umfassenden bayerisch-österreichischen Gemeinschaft gesprochen wird, nur an. Jetzt ging man über diesen Realismus der Sprache noch hinaus. Die kleinsten Dialektnuancen suchte man festzuhalten; und kaum je zuvor war auf deutscher Bühne ein solches Dialektgewirr mit Jargoneinschlägen ans der Berlinischen, wie der Wiener Vorstadt, ja mit leisen jüdischen Tonnuancen vernommen worden, wie im letzten Jahrzehnt. Die strengen Anforderungen an die Treue der verschiedenen landsmaiinschaftlichcn Dialekte konnten selbstverständlich von den Schauspielern nicht erfüllt werden. Das Drania wird erst in Verbindung mit der mimischen Kunst lebendig. Dabei ist die Mimik als sclbstständige Kunst und im umfassenden Sinn nicht blos als Spiel der Haltung und Geberde, sondern als Ausdruck der mannigfaltigsten Erregun- gen und Ausrufe gefaßt, wie sie durch unsere Sprach- organe sich kundthun. Die extreme Pedanterie in den Dichtungen mußte durch die Schauspieler ver- ändert und umgangen werden. Einmal konnte das bunt zusammengewürfelte Bühnenpersonal unmöglich die vollste Reinheit der Dialekte wahren, dann hätte ja auch die Verständlichkeit des Bühnenwerkes vor dem Publikum gelitten. Aber andererseits hatten die mundartlichen Studien doch tvieder unverkennbar einen bestimmenden Einfluß auf die moderne Schau- 228 Vie Acne 2Uc(t Illustn'rte Unterhaltungsbeilage. spielknnst, auf den sogenannten Berliner„realisti'chcn Stil". Wer sich der Iliizengrnber'schen Anfcinge noch erinnert, der ivßiß auch, wie durch die Bauern- komödie i» Wien sowohl, wie in München plötzlich überraschende schauspielerische Ergebnisse entstanden. Leute, die man als extravagante Operettensängcr kennen gelernt hatte, erkannte man nicht wieder. Mit der Empfindung, die im Dialekt ausgedrückt war, war man selbst wieder zur„Bescheidenheit der Natur" zurückgekehrt. Falsche Töne,»ebertreibungen blieben gewiß nicht ans. Allein im Großen verbot sich gespreizte Pathetik, hohler rhetorischer Schwung von selber. Selbst in den sentimental verlogenen Banernkomödien mit Alpenglühen imd Zitherschlagen wurden die Schanspieler doch zu einer gewissen Zurück- Haltung disziplinirt. Das steifleinene Gehaben, in dem sich der Schauspieler wie ein Tenorist der alten Schule beim schönrednerischcn Epigonendrama ergehen durfte, war nicht so leicht möglich. Man war denn auch in Berlin überrascht, wie mit der intimeren dramatischen Kunst auch förmlich über Nacht ein neues schauspielerisches Geschlecht emporwuchs. Die Schanspieler sind schlechte Pro- pheten, wo es sich um Erfolg oder Mißerfolg einer Dichtung handelt. Aber sie haben einen trefflichen Instinkt für das Nene, das sich vorbereitet, und sie sind unvergleichlich dankbar, wenn sie erst erkennen, daß der Dichter ihnen veränderte Aufgaben, eine neue künstlerische Selbstständigkeit schafft. Das intimere Drama, das den großen Prunk der Sprache verschmähte, in dem oft nur angedeutet war, was der Schauspieler ausführen sollte, brachte in der That der verflachten mimischen Kunst eine vergrößerte Selbstständigkeit. Schlichtere Ausdrucksniittel, ge- dämpftere Töne mußten gefunden werden. Unarten der Virtnosenbühne, das Heraustreten des Einzelnen ans dem Ensemble, das gewaltsame Spielen in's Publikum hinein mußten aufhören oder stark ein- geschränkt werden. So kam man zu dem realistischen Ensemble, wie es sich in nahezu vollendet geprägter Schärfe im„Fuhrmann Henschcl" im Deutschen Theater darstellt. Freilich darf nicht vergessen werden, daß die Schauspieler, die das junge Genre so trefflich be- griffen hatten, zu versagen pflegen, wo es sich um wuchtigen monumentalen Stil handelt.(Einzelne geniale Schauspieler beweisen nichts gegen die Regel.) Die Sehschärfe war also in der kurzathmigen literar-künstlerischen Rebellion verfeinert worden. Das ist ein bleibender Gewinn auch für den schau- spielerischen Stil. Man wurde empfindlicher gegen die Unnatur. Selbst Dramatiker, die mit aus- schweifendem Pathos noch einen ganz anderen Zeit- geschmack verbanden, wie Wildenbruch, der preu- ßijche Trompeter, der nationalistische Draufgänger, sagten für eine Weile der reuonnnistischen Historie Lebewohl und versuchten, modern soziales Genre zu gestalten. So kam Wildenbruch zu seiner „Hrnchenlerche", zu seinem„Uhrmacher Balzer". Allerdings gab Wildeubruch, der Nationalist aus den siebziger Jahre», diese Versuche bald auf und kehrte mit den Heinrich-Tragödien, den prunkenden, rheto- rischen, zu seinem eigentlichen Gebiete zurück. Wilden- brnch's brausend- nationalistische Dramen stehen trotz ihrer Naivetäten, trotz ihrer flachen Charakter- Zeichnung übrigens immer noch weit höher, als die rein höfischen Arbeiten seiner Nachahmer. Arbeiten, wie die preußischen Festspiele des Hauptmanns Laufs, sind völlig erstarrte Kraft, die in keiner Hinsicht niehr mit dem lebendigen Theater des letzten Jahr- zehnts etwas gemein hat. Im letzten Jahrzehnt geschah es auch, daß das deutsche Theater seit Jahren wiederum für die Bühne des Auslandes im ernsthaften Sinne Bedeutung gewann. Hier ist nicht vom großen Lebenswerk Richard Wagner's die Rede, das in romanischen Landen, in Paris wie in Madrid, zu Ausgang des Jahrhunderts einen grandiosen Erobererzug an- trat. Außerhalb dieser feiertäglichen Kunst drang das deutsche Drama vor; und eine bequemere Kom- promißnatnr war es, deren Name zunächst inter- nationale Geltung erlangte: Hermann Suder- mann. Als Sudermanu's„Ehre" im Lessingtheater aufgeführt wurde, waren die Neuerer der Menge noch lange nicht geläufig. Au der schmiegsamen Begabung Sndermann's erkannte dieselbe Menge das Nene, selbst den sozialen Anklageton bereitwillig an; blieben doch»och genug theatralische Posen, Bühnengestalten, wie der echte, alte Theaterheld Graf Traft übrig, an die das Auge des Pnbliknms von früher her gewöhnt war. Die„Ehre" mit ihren Gegensätzen von Vorder- und Hinterhans war denn das erste deutsche Theaterstück der Gegenwart, das rasch in die fremden Kultnrsprachen übersetzt wurde. Ein anderes Werk Sudermann's, in dem das Theatralische noch mehr überwiegt,„Die Heimath", ist vielleicht selbst weiter verbreitet worden als die„Ehre", und ist beinahe wie die„Kamclien- dame" von Dumas ein Lieblingsstück aller reisenden Künstlerinnen geworden, der Italienerin Duse sowohl, wie der französischen und russischen Heroinen. So tvurde Sudermaun vor dem ungleich eindringlicheren Poeten Gerhart Hauptmann bekannt; erst später wagte Antoine, der Gründer der Pariser„Freien Biihne", eine Aufführung der„Weber" in Paris und in den letzten Jahren nahm der bedeutende naturalistische Schauspieler Zacconi in Italien Werke Haiiptmanil's in sein Repertoire auf. Sudermann, der Kompromißkünstler, war es auch, der nach dem aufbegehrlichen Trotz der jungen Re- volte bald in die Töne der melancholischen Entsagung und Bänglichkeit umschlug. „Es ist mächtiger als ich," das ist der Wehruf des Malers Willi Janikow in„Sodoms Ende", vielleicht dein persönlichsten Drama Hermann Snder- maiin's. Aus wunder, zerstörter Brust ringt es sich los. In der fänlnißgcschwängerten Luft von Berlin W., im Villenviertel der Berliner Groß- finanz» verkommt ein schwächlicher Künstler, der sich iiber seine Kraft vermaß. Leise schon melden sich Sndermann's beengenden Ideale.„Greife nicht zu hoch aus, spann' deine Bedürfnisse nicht zu weit, suche das Glück im Winkel." Der Einschlag phili- ströser Genügsamkeit wird bemerkbar. Der Wehruf Janikow's könnte für die biirger- lichcn, elegischen Stimmungen unserer jüngsten Periode typisch sein. Ein Aufflackern, ein Aufleuchten, man möchte Höhciiknnst mit kühner Faust ergreifen; und bald wieder erklingen melancholische Gesänge oder man flüchtet vor rauher Wirklichkeit in Atärchen- fernen und zu Traumgefichtern. Das Bängliche war mächtiger, als die Energie unserer jungen Dramatiker. Wo immer man aus naturalistischer Enge, selbst aus heimathlicheu oder familiären Banden nach stolzen Aussichtspunkten strebte, versagte das Ver- mögen, so schöne, ja prächtige Besonderheiten man im Einzelnen fand. So erging es Hauptmann mit seinem Zeitgemälde aus dem Baiiernkrieg,„Florian Geyer", und mit seinen elegischen, sehnsüchtigen Märchenmelodien in der„Versunkenen Glocke", und dennoch ist Hauptniaun die stärkste Bürgschaft und weitere Hoffnung unseres Theaters. Eine frühe Witterung für den Umschwung und das romantische Gelüste verriet!) der formgewandte, in vielen Sätteln gerechte Ludwig Fulda, der zu Anfang seiner Laufbahn das spießbürgerliche Behagen und die Beschaulichkeit pries, dauu mit den . Revoltirenden mitzufechten schien, als Erster aber mit großem Glück die Märchenform in seinem„Talis- man" auf die Biihne brachte. Die Märchenform, nicht das naive Märchen. Ein Witzspiel im Märchen- gewand, einen Fürstenspiegel, in dem über absoluten Königswahn gespöttelt wird. Nicht allzntief greift die Satire. Die Märcheudichtungen häuften sich immer mehr. Sie wurden der Niederschlag persönlicher Meinungen und Erfahrungen. Sie hatten viel mehr sentimental- empfindsamen, als ursprünglich naiven Charakter; der Zweifelsfrage, die in den Alterswerken Ibsens so manchmal aufgeworfen wird:„War ich Prophet, war ich Erfüller, reicht meine Kraft zur Höhe, reicht sie nicht?" begegnet man öfter wieder. In Sudermann's biblischem Drania vom Täufer Johannes, der den Größeren ahnt und doch nicht begreift, und im Meister Johannes in der„Versunkenen Glocke" ebenfalls. Ja, man gelangte iiber das Märchenbild heraus zu Versuchen, die schon Traumvisionen und Schatten- spielen glichen. Man kann nicht leugnen, daß diese spiele und Spielereien nicht bestimmte lyrisch- musikalische Reize loslösten. Träumerisch versonnene Phantasien, wie die des Belgiers Maeterlinck mit ihren leise angedeuteten Empfindungen, ihrer stammelnden Lyrik üben ohne Zweifel auch von der Biihne her eine hypnotisirende Wirkung. Aber bei Nachahmern kann diese Weise leicht in falsche Naivetät, in widrig alterthiimelnde Form ausarten. Tie völlige Weltflncht rächt sich. Man stellt irrthiiniliche Kunst- Prinzipien ans. Man möchte eine extatische Kunst schaffen, eine„geistige Kunst", losgelöst von allen Zeit- und Wirthschaftsbedingungen, wie's eine solche in Wahrheit niemals gab. Wie es Malergrnppen giebt, die sich auf einem abgeschiedeneu Stück Erde abschließen, so giebt es neuestens eine Gruppe von Lyrikern, die ein besonderes Programm für sich ausgeben, alles Staatliche und Gesellschaftliche aus- scheiden und nur der„absoluten Kunst" ernst und heilig nahe» möchten. Sie behandeln ihre Träume >vie das Leben und das Leben wie einen Traum. Diese Schule, die nunmehr auch das Theater zu erobern sucht, wäre zum entgegengesetzten Ende vom naturalistischen Trutz-Anfang gekommen. Ihre Weise wäre das konsequente, völlige Kchrbild der wuchtig einherschreitenden Gegenwart. Mit dem Wiener Poeten Hofmann v. Hofmannsthal sucht sie in jüngster Zeit die Biihne zu erobern. Andererseits ringt man um das Ideendrama, das ein großes Symbol großen Lebens, gewaltiger Krafterscheinnng sei. Max Halbe, der mit seinem wehinüthigen Heimathsidyll„Jugend" als frische, bewegliche Dichternatur sich' einführte, scheiterte im verflossenen Jahr an der Aufgabe, aus mächtiger Neiiaissancezeit sinnfällige, große Erscheinungen heraus- znreißen. Es versagten auch die faustisch gedachten Märchendrame», von den symbolischen„Drei Reiher- federn" Sudermann's an bis etwa zu Wolfgang Kirchbach's„Traum vom letzten Mcnschenpaar". Immer wieder ist es die„künstlerische Spezialität", auf die man stößt und die unter uns gedeiht. Im „Fnhrinann Henschel" schuf Hauptmann, rein technisch genommen, die reinste Arbeit der naturalistischen Methode; aber die ideellen Perspektiven, die sich in dem Drama eröffnen, reichen nicht weit. Für Fein- schmecker frischen, sauberen Stils veröffentlicht Otto Erich Hartleben seine novellistische», knapp- geführten Dramen. Btanche sind erfüllt mit satirischen Spitzen, aber es ist nicht grimmige Satire auf Tod und Leben. Bezeichnend ist, daß selbst jene Schriftsteller, die den Bühnenboden als Grundlage eines profitablen Gewerbes ansehen, sich der Spezialität ergeben haben. So schöpft Blumen thal mit seineu verschiedenen Eompagnons aus vorgeblichen Gegensätzen zwischen Süd und Nord und Philippi dramatisirt die Zeit- Historie, Ivo sie nur irgend Anlaß zu durchsichtigen Zcitanspielungeu und Sensationen giebt. So ergiebt sich ein merkwürdiges Auf- und Niederwogen. Was daraus in der Zukunft werden soll, wer möchte das prophezeien? Mit mikroskopischer Schärfe und Treue möchte man das kleinste mensch- liche Lebewesen aufspüren und erkennen. Nie zuvor ist das Charakteristische im scheinbar Simpeln und Alltäglichen so energisch herausgearbeitet worden. Aber es reicht nicht zu bedeutsamen Sinnbildern des Da- scins, und das unbefriedigte künstlerische Gewissen sucht Vergessen im Märchentranm, in der Lebens- flucht, oder Selbsttrost in kärglicher Entsagung. In Uebergangsepochen weist die ftmistentwickeluiig öfter ähnliche Schauspiele auf. Lärmvolles Leben und nervöses Tasten und Sehneu in der Kunst! Bereit und reif muß der Boden sein, auf dem Höhen- knust gedeihen soll. Das darf nicht vergessen werden. Das war stets so. Das Haus muß in den Grund- zügen aufgerichtet sein, wo starke Kunstübung ficl) heimisch niederläßt. Ob wir bereits so weit sind, das läßt sich billig bezweifeln; und aller Wah�' scheinlichkeit nach dürften wir in der nächstkommenden Zeit auf dem Theater immer noch eher den W- sonderheiten, den blos geschickten wie den poetisch bewegten, als dem wuchtigen monumentalen Zei� und Ideendrama.— 230 Die Acue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Mc Alsiat'ZlliilljIrit on der We. Von K. Wernagen. �om Rhein bei Bingen zieht sich die Nahe- Eisenbahn in das Nahethal. Binnen zwei Stunden gelangt nian von hier zu dem Städtchen Oberstein und von da in etwa dreiviertel Stunden nach Idar. Von Saarbrücken ist die Ent- fernung ziemlich die gleiche wie vom Rhein. Die Städtchen Oberstein und Idar, im oldeuburgischen Fürsteuthum Birkenfeld am Fuße des Jdarwaldcs, sind fast die einzigen Plätze auf der Erde, wo die Achat- Industrie in großem Maßstabe betrieben wird; alljährlich werden hier im Durchschnitt für 4— 6 Millionen Mark Achatwaaren produzirt. Der Ursprung der Industrie verliert sich in den dunklen Zeiten des Mittelalters; es existiren Nach- richten über Steiugräbereien in dortiger Gegend aus dem Jahre 1454. Das Vorhandensein von Stein- gräbercien setzt aber anch Schleifereien voraus� da die rohen Steine niemals ausgeführt worden sind. Schleifereien werden jedoch erst aus dem Jahre 1544 urkundlich gemeldet. Im Anfang des 17. Jahr- Hunderts war die Industrie schon zu einer ziemlichen Bedeutung herangewachsen, wie aus einer Zunft- ordnung hervorgeht, die Graf Philipp Franz von Dhaun und Oberstein am 16. Januar 1609 für seine „leibeigenen Unterthanen und Handwerksgenossen" erließ. Der dreißigjährige Krieg und Zwistigkeiten zwischen den kleinen Dynasten des Nahegaues wirkten »achtheilig auf das Gewerbe ein. Heimliche Aus- Wanderungen einzelner Meister fanden statt, welche die Industrie anderweit zu verpflanzen suchten, freilich nirgends mit andauerndem Erfolge. Für die Achat- bohrer wurde im Jahre 1715 eine besondere Zunft- ordnung erlassen. Der Meister durfte nur einen seiner Söhne in der Kunst unterrichten, keinen anderen llntcrthan ohne Erlaubniß der Herrschaft als Lehrling zulassen und selbst die eigene Frau bei der Arbeit nicht zu Hülfe ziehen. Im Beginn des 18. Jahr- Hunderts nahm der Umfang des Achatgewerbes von Oberstein und Idar wieder beträchtlich zu. Der Achat, zur großen Gruppe des Quarzes gehörig, hat seinen Namen von dem Flusse Achates (jetzt Dirillo) in Sizilien. Er besteht, wie der Quarz, seiner Hauptmasse nach aus Kieselsäure und stellt sich als ein Gemenge von Amethyst, Bergkrystall, Jaspis, Rosenquarz, Rauchtopas, Chalcedon, Karneol, Chrysopras, Onyx u. a. dar, lauter Quarzmineralien, welche lagerartig übereinander geschichtet erscheinen. Er ist also kein einfaches, sondem ein mannigfaltig zusammengesetztes Mineral, welches die der Farbe nach verschiedenen Quarzmodifikationen, zu denen sich auch Eisenkiesel gesellt, oft in solch mikroskopischer Feinheit zeigt, daß man in einem Falle auf 0,36 Meter 17 000 Lagen gezählt hat. Durch Färbung und Zeichnung ausgezeichnete Achate wurden von den Alten zu geschnittenen Steinen verwendet. Gegenwärtig werden sie zwar minder geschätzt, doch verarbeitet man sie zu sehr verschieden- artigen Zwecken. Vor fünfzig Jahren waren Schmuck- und Luxusgegenstände von geschliffenen und polirten farbigen Steinarten aus der Familie des Quarzes, die man unter dem Kollektivnamen des Achats zu begreifen pflegt, noch ziemlich selten, wenigstens kostbar. Eine wesentliche Aenderung ist erst seit etwa vierzig Jahren eingetreten. Broschen, Ringe, Amulette, Kreuze, Dosen, Toilettekästchen, hohl ge- schliffene Gefäße und dergleichen aus Achat werden heute für wenig Geld aller Orten feilgeboten. Die Verbreitung dieser Sachen zu Zwecken des Luxus und des nützlichen Gebrauches hat in neuerer Zeit durch alle Schichten der Gesellschaft einen großen Umfang angenommen. Die Verfertigung neuer Maaren, wie Vasen und Dosen, aus einem Stück, vorzüglich aber ein neu entstandener Zweig, nämlich die Fassung der Achat- waaren in Metall, zuerst in Silber, später in ver- goldetem Tombak, bewirkte einen großen Aufschwung. Tie Leute, welche diese Fassung vornahmen, nannte man„Goldschmiede". Später bildete sich der be- sondere Stand der„Handelsleute", welche den Verkauf der Waaren besorgten, und von denen die übrigen Industriellen,„Schleifer, Bohrer, Gold- schmiede" ec., insoweit abhängig waren, als sie die Waaren auf Bestellung der Handelsleute fertigten, die ihnen meist die Steine und andere Materialien lieferten. Ein Zufall gab der Industrie einen neuen Impuls. Ein Schäfer entdeckte nämlich an einem Feuer, das er in der Gegend von Oberstein ange- zündet hatte, daß gewisse Steine sich schön roth brennen. Es wurden verschiedene Versuche damit gemacht, und man fand, daß durch Brennen bei vorsichtiger Behandlunxs die fahlgelben Karneole eine schöne rothe Farbe annehmen und mattbläuliche Chalcedone sich in sehr schöne, blendend weiße um- wandeln lassen. Im Jahre 1819 kam das Schwarz- und Braunfärben der Chaleedone zur Anwendung, ein höchst wichtiger, weiterer Fortschritt der Industrie. Nach manchen vergeblichen Versuchen wurden den rohen Steinen auch andere Farben gegeben. Salpeter- säure färbt die Chalcedone gelb; Chrysoprase von blassen Farben werden im schönsten Apfelgrün her- gestellt, alle Nüancen der blauen Farbe giebt inan den Steinen durch die Behandlung mit Berlinerblau. Die Möglichkeit, den Achat zu färben, beruht auf der vcrschicdeuen Natur seiner Lagen, von denen die einen porös genug sind, um Flüssigkeiten auf- zusaugen, die anderen nicht. So werden gegenwärtig die meisten Onyxe künstlich bereitet. Der Achat wird in einen Topf mit verdünnter Honig- oder Zucker- lösung gelegt und zwei bis drei Wochen hindurch blos erwärmt, dann aber in konzeutrirter Schwefel- säure gekocht. Nachdem er abgetrocknet ist, wird er geschliffen, einen Tag in Oel gelegt und endlich mit Kleie abgewaschen. Die poröse Lage, in welcher der eingedrungene Honig durch die Schwefelsäure zersetzt worden ist, erscheint nun, je nach Porosität, grau, braun oder schwarz, die undurchdringliche weiße krystallinische Schicht noch heller und glänzender, und waren rothe Streifen vorhanden, so zeigen sich auch diese in ihrer Färbung erhöht. Gelb bringt man durch rohe Salzsäure und darauf folgendes Brennen, weit schöner aber durch doppeltchromsaures Kali hervor, wobei mit verschiedenen anderen Bädern thcils die Farben erhöht und in verschiedenen Schattirungen dargestellt, theils ganz neue Farbennuancen erzeugt werden können. Die oben angegebene Behandlung mit Berlinerblau geschieht mittelst eines Bades in Eisenchlorid und eines darauf folgenden in gelbem Blutlangensalz. Auch durch ein Bad in Kupfer- Vitriol und dann in Ammoniak kann man ein sehr schönes Blau erzengen. Blutroth färbt man den Achat durch ein Eisenchlorid- und ein nachfolgendes Schwefelcyankaliumbad, wobei man leicht jede Farben- Modifikation festhalten kann. Nickelsalze mit Sodabad färben den Achat grün. Andere schöne Farben giebt man ihm durch Kobaltsalze. Ueberhaupt läßt sich durch chemische Mittel jede Farbe im Achat hervor- bringen, sobald er nur Flüssigkeiten aufsaugt; doch sind manche Methoden des Steinfärbens noch Ge- Heimnisse einzelner Schleifer, welche dieselben sorg- fältig bewahren. Das Brennen wird meist vor dem Verarbeiten des-Steines vorgenommen und dieser darauf noch zwei bis drei Wochen in Schwefel- oder Salpeter- säure gelegt. Nach dem Brennen läßt er sich nach jeder Richtung beliebig spalten. Das Färben wird durchgängig erst an den ge- schliffenen Steinen versucht, obwohl die Farbe tief in die Steinmasse eindringt und auch auf dem Bruch mehr oder weniger deutlich hervortritt. Namentlich werden aber die künstlichen Mokkasteine erst nach dem Schleifen dargestellt, indem man auf die mit Kochsalzlösung gebeizten Steine die moosartigen Dendritenformen mit salpetersaurem Silber auf- zeichnet. Das entstehende Chlorsilber schwärzt sich dann allmälig an dem Licht, wodurch die Zeichnung sichtbar hervortritt. Das Schleifen des Achats geschieht auf große» Schleifsteinen von Vogesensandstein, die am äußere» Ilmfange theils ebene Bahnen, theils Hohl- und Rundkehlen haben, die von den Schleifern gcschiöl benutzt werden, um den Gegenständen verschiedene Fornien zu geben. Da der Arbeiter alle Kraft an- wenden muß, um das zu schleifende Achatstück»» den Stein anzudrücken, so liegt er mit Brust und Leib auf einem niederen Schemel, die Beine aus' gestreckt und an starke Querleisten gestemmt. Das Vertiefen von Schaalen, Tassen und dergleichen be- tvirkt man vermittelst kleiner Steine von entsprechendein Durchmesser, das Poliren meist mit Walzen von hartem Holze, die init feinem, feuchtem Tripel odcr- Bolus bestrichen werden. War das Bekanntwerden der schon den Alte» geläufigen, aber bis in dieses Jahrhundert gehen» gehaltenen Kunst römischer Steinschneider, unschei»' barem Achat ein höheres Feuer und selbst andere Farben zu geben, auf die Belebung der Industrie von großem Einflüsse, so nahm das FabrikgeschN doch erst in den folgenden Jahren einen Aufschwung- die einheimischen Steingräbereien lieferten nänilW) immer weniger Steine, und es war darum ein vor- trefflicher Ersatz, als im Jahre 1827 Auswandertl aus Oberstein in Brasilien schöne Achate entdecktes die wegen ihrer größeren Porosität sich zugleich vw besser färben lassen als alle sonst bekannte» Steine- Das von dem Uruguay umflossene Gebirgsland, welches bei der Mündung des Silberstromes begin»i und sich durch die Banda oriental und die brasilianisch Provinz Rio Granda do Snl hindurchzieht, besteht größtentheils aus stark verwittertem Melaphyrgestein- insbesondere der Gebirgszug, der sich nördlich v»» Porto Alegre vom 28. Grad südlicher Breite bis in den Distrikt von Salto am Uruguay, 31'/- südlicher Breite, erstreckt. Es kommen hier Karnevlc und zentnerschwere Sardonyx- und bläuliche Ehalcedo»' Mandeln mit ausgezeichneten Streifen in groß� Menge vor. Mit leichter Mühe wurden hier einigt hundert Zentner der zahlreich im Flußbett de-' Taquarin liegenden kleineren, aber anch bis 40 Pfu»° schweren Steine gesammelt und über Hamburg vac» Birkenfeld gesandt, wo sie im Jahre 1834 ankaine»- Später fanden sich eigene Händler, welche die A»s- fuhr dieser Steine geschäftlich betrieben. Die Anzoh. der Schleifereien an der Nahe wuchs nun i»»»rt mehr, sie wurden bis in das preußische Gebiet, irgend Gefälle dafür vorhanden war, ausgedelM Der Ankaufswerth der rohen Steine läßt D auf jährlich 100 000 Mark veranschlagen. AuF den brasilianischen und den einheimischen Steinen st/ jetzt fast nur noch Jaspis— werden folgende Stc'»' arten verarbeitet: Heliotrop, Plasma, MoosjaM" welche von Ostindien eingeführt werden, Hornste>»- Prasem, Rosenquarz, selten Katzenauge, dann Amethy!- Rauchtopas, Citrin, Bergkrystall, Halbopal, Malach»- Lasurstein, Nephrit(selten). Edle Korallen, geföff» Knochen, Emailwaaren, Glassteine aller Art, st'" italienische Mosaik und Lava finden bei der Herstefl»� der Schmucksachen ebenfalls Verwendung. Der schw«� amorphe Diamant(sogenannter Karbonat) aus Br»' silien dient zum Steinschneiden und zum Bohrcn- Die Steigerung der Achat-Jndustrie ist also nm hervorgegangen aus der herrschend gewordenen Moh- sondern sie wurde hervorgerufen durch die Entdecku»» ganz vorzüglich schöner Steine in großer Me>O welche noch den besonderen Vorzug besitze», du� künstliche Mittel verschiedene Farben haltbar an?»' nehmen; und endlich durch den Fortschritt in»ck Bearbeitung der Achate und verwandter Steine. � Gegenwärtig beträgt die Anzahl der im Fürs�' thum Birkenfeld und in dem benachbarten preußisch? Gebiete vorhandenen Schleifereien gegen 200,' welchem fast 750 Schleifsteine im Betrieb st»' 3000 Personen sind in den Oberstein-Jdarer Wer'� als Schleifer, Steinschneider, Bohrer, Goldschmiede beschäftigt.— 2 «nd derd »Olli d°ni l'ebe i'enil »lit $toi «1% 231 In der LLcrnura/ Von Julius Schwartcu. v��tacheliges Meskit-Gebiisch� erstreckt sich von wärts bis zum Knie, dann drehte er mit einem davon getrippelt war, wandte Jimmy sich mit ge- Horizont zu Horizont. In der Ferne ver- abweisenden, verächtlichen Seitenblick auf den Stören- dankenvoller Miene seinem Feuer und seiner Brat- lieren sich die verschwommenen Formen eines fried sich wieder nach dem Feuer. Pfanne zu. Nachdem er sein Mahl verzehrt hatte, �llgezogenen Bergrückens, von bläulichem Schimmer„Geh' Du weg. Du gelber Cyotte," sagte er zog er seinen Revolver aus dem verschrammten, alten »Hiwallt. Stille rings umher. Der Wanderer ver- iiber seine Schulter hinweg.„Ihr Bursche könnt Lederholster und prüfte eingehend jeden Theil der ssiiiuut nur die leisen Athemzüge seiner eigenen Brust; mich nicht wegtreiben von diesem Rancho. Ich habe Waffe. Jimmy liebte diese Waffe, denn sie war � sind hörbarer als der weiche Wind, der leis über ebenso viel Recht hier, wie irgend ein Anderer." schon manches Jahr seine Begleiterin, und ihre An- Mch und Gräser streicht. In ungeahnten Höhen„Jimmy," sagte der Mexikaner in erregtem Ton, hänglichkeit war ihm mehr als die eines Menschen, und Fernen wölbt sich, einer Riesenknppel gleich, seinen spitzen Kopf wie züngelnd vorwärtsstreckend eines Pferdes oder eines Hundes. Sie gehorchte Himmels durchsichtige Bläue und senkt sich, hier und einen Fuß auf- und niederstellend,„Du gehst ihm in allen Lagen, und wenn er sie aus dem Holster '">d da von milchfarbenen Wölkchen bekränselt, in entweder oder wir tödten Dich." riß, traf sie, wohin er hielt, und wenn's ein fern- �gemessenen Weiten herab. Inmitten dieser nnfaß-„Wer?" sagte Jimmy. liegendes Ccntstück gewesen wäre. Deshalb war sie wren Räume einer grandiosen Natur bewegt sich ein„Ich und die Anderen!" Der Mexikaner be- sein theuerstes Besitzthum, das er auch nicht von sich Einziger, dunkler Punkt— der Mensch. Er beugt rührte seine Brust selbstgefällig. Jimmy überlegte gegeben, als er einmal wenig zu beißen und man dch ihrer hehren Größe, und sie stimmt ihn zur eine Weile, dann erwiderte er: ihm einen Haufen Silberdollars dafür geboten hatte. Andacht, zu einer Andacht, tief und ahnungsvoll.„Du hast kein Recht und auch keinen Grund, Während des Nachmittags bewegte er sich durch die Heilige Schauer nmweben ihn, viel heiliger und reiner mich von diesem Rancho wegzuwarnen, und ich thu' Einförmigkeit seiner Arbeit und seiner Mußezeit mit der frömmste Beter sie jemals im prächtigsten keinen Schritt, verstanden? Ich habe hier dieselben derselben Miene nachdenklicher Ueberlegung. Der Tempel empfand, und wär' der auch aus Gold und Rechte und Hab' Euch auf die Finger zu passen, Rauch seines Abendfeuers kräuselte zwischen den Marmor erbaut: das ist die Llanura. Ihr Faullenzer; ich bin der einzige weiße Mann im dunklen Meskites empor, als eine instinktive Ahnung Dort, wo sich in ihr eine flache, gelberdige halben Tagritt herum. Nun hör' mal her: Wenn ihn warnte, daß die Ruhe wieder unterbrochen werde. Schwellung erhebt, hockt ein Mann in Hemdsärmeln, Ihr Taugenichtse da versuchen solltet, meinen Camp Er sah einen Reiter, dessen schwarzer Umriß sich �'sig mit der Bereitung seiner Mahlzeit beschäftigt, hier zu überlaufen, werd' ich Euch was auf den scharf vom bleichen Abendhimniel abhob und die �ann und wann biegt er sich über das Feuer und schmutzigen Pelz brennen. ES mag wohl nicht grad' umschlungene Zarapa, den breitrandigen Sombrero �'ebt die abgebrannten Bnschreste nach oder legt sanft dabei hergehen für mich, aber ein gut Theil und sogar die kleinrädrigen Sporen erkennen ließ. "'ihr Reiser auf. Eine Bewegung im nahen Dickicht von Euch soll dann doch auch daran glauben, sicherlich. Als diese schattenhafte Gestalt sich dem Lagerfeuer �anlaßt ihn, den Kopf dahin zu wenden. Augen- Und dann noch Eins niehr: wenn ich ein Caballero näherte, bewegte sich Jimmy's Hand langsam nach blicklich erhebt er sich und steht, seine Augen mit wäre, wie Du, würde ich recht weit hinten bleiben, dem Lederholster. Der Reiter näherte sich, bis be» Händen beschattend, spähend und bewegungslos bis es vorüber ist, da ich Dich recht breit vor mir Jimmy ihn schärfer sehen und dann gewahren konnte, la- Er bemerkt einen mexikanischen Schafhirten, der haben möchte für meinen letzten, besten Schuß, ver- daß es kein mexikanisches Gesicht war. Seine Hand "ch durch das Buschwerk hindurch nach seiner Feuer- stehst Du?" Er nickte mit höhnischer Freundlichkeit zog sich vom Holster zurück. �le hinbewegt. und machte ein Zeichen der Entlassung.„Hallo!" rief der Reiter. „Hallo!" ruft der Mann in Hemdsärmeln. Was den Mexikaner anbetraf, so schwang er„Hallo!" antivortete Jimmy. . Ter Mexikaner giebt noch keine Antwort, sondern seinen Arm mit einer Geste vollkommener Gleich- Ter Reiter galoppirte eine kurze Strecke vorwärts. .�vegt sich langsam vor bis auf Rufweite. Dann giiltigkeit.„Guten Abend!" rief er, die Zügel wieder straff »sht er. Die schmierige Zarapa umhüllt seinen„O nun gut," sagte er leichthin. Dann aber in ziehend. Körper bis zu den Knieen und bedeckt zugleich den einem Tone leidenschaftlicher Drohung und versteckter„N' Abend!" sagte Jimmy, ohne sich durch iltiteren Theil seines Gesichts, den oberen beschattet Freude fügte er hinzu:„Wir werden Dich tödten, allzugroße Höflichkeit etwas zu vergeben. 5 verblichene Sombrero aus grobem Strohgeflecht, wenn Du nicht gehst. Sie haben's abgemacht." Während eines Augenblicks sahen sich beide steht er da in einer Pose wie der Schurke im„Sie haben... haben sie?" fügte Jimmy Männer prüfend an. Jimmy gewahrte einen Typus, �Viel m,f der Bühne. Da er unerwartet ankam seinen Worten»ach.„Nun mach' weg und sag' ihnen, der nicht in den Busch gehörte. Der Ankömmling � nun schweigend dasteht, hat sein Aussehe» etwas sie möchten zum Teufel gehen!"-- mochte wohl an die Dreißiger sein und trug die Mfeiistisches an sich, und augenscheinlich ist es auch Jimmy lvar ein Minenbesitzer in Arizona ge- mexikanische Tracht mit einigen kostspieligen Ver- �ne Absicht, geheimnißvoll und düster drohend Wesen, ein Mann, der da unbeschränkten Kredit be- ziernngen: um den Hut eine doppelte, runde Silber- vorzutreten. Des Hemdsärmeligen Holzpfcife, die saß in den Saloons der Minen. Er hatte Gewicht schnür mit gleicher Quaste, sowie ähnliche Knöpfe '"rglos im linken Mundwinkel herabhing, dreht sich und Einfluß und konnte wohl ein„Lynching"(Volks- am kurzen Jubon. Jimmy's Augen durchspähten die Slsam, bis die unrechte Seite sich nach oben ge- gericht) unterbrechen oder einem schlechten Kerl die Ausstattung nach einem verrätherischen Zeichen, aber "�ndet, und seine Bratpfanne hält er halbwegs in besonderen Vorzüge eines entfernten geographischen da war keins als die offen zur Schau getragenen f" Luft. Mit sichtbarer Ueberraschnng betrachtet er Punktes mit Erfolg nahe legen. Indessen, seine Waffen. Trotz der landesüblichen Tracht des Fremden finstere Erscheinung im Busch. Glanzzeit dauerte nicht für innner. Der Niinenbesitz war ihm klar, daß dieser irgend woher aus dem Norden „Hallo, Jobo, ivas ist los?" in seiner schwankenden Ansbentnng ist triiglich. Eine stammte. Anstatt der auffallend großen mexikanischen Der Mexikaner antwortet mit der Feierlichkeit plötzlich entdeckte Ader kann einen beltelarmcn An- Steigbügel gebrauchte er die kleinen amerikanischen, dem verkniffenen Ernst eines Todteugräbers im fänger zum reichen Manne machen, und ein zufälliges und seine Fiiße waren so weit hineingeschoben, daß �derbten Grenzidiom:„Jimmy, Du niußt hier ab Verschwinden derselben ihn aber auch zum Bettler die stählernen Bügel die Knöchel fest berührten. Als Rancho. Wir wollen, daß Du hier weggehst wieder hinabsinken lassen. Und etwas Achnliches Jiinmy'sAngen dieseWahrnehmnng»lachten, leuchteten "°ln Rancho Wir mögen es nicht gern haben, passirte Jimmy. Eines Tages war er professioneller sie plötzlich auf, und er lächelte freundlich. Keine �standen?'.. Ja? Wir mögen es nicht gern." Gliickspieler, doch mit schlechtem Glück, und bald verdeckte Absicht konnte in der Brust eines Mannes »Wovon sprichst Du?" sagt Jimmy,„nicht gern befand er sich als Cowboy in einer entlegenen Gegend, wohnen, der so harmlos über die Llanura ritt und Wen was?"~ Was ihm noch aus seiner früheren Glanzzeit her mit freiem Blick ernst, aber wohlgemuth auf ihn »Nicht gern haben Dich hier. Verstanden?... verblieben, war sein leicht verletzter Stolz und seine niedersah. Was des Fremden Beobachtung anbetraf, ;lq? Zu viel hier- Du mußt fortmachen. Wir Eitelkeit— Eigenschaften, die ihm nun gerade in so gewahrte er ein zerlumptes Individuum mit ver« Wen's nicht gern'Verstanden?... Ja?" dem Maße nicht verblieben zu sein brauchten. Er worrenem Haar und struppigem Bart und einem »Verstanden? Nein und ich weiß nicht, worauf tödtete den Aufseher der Heerde infolge eines ge- wettcrharten Gesicht, dem Sonne und wohl auch "l" anspielst"' ringfiigigen Streites, bei dem beiderseitig die Frage Brandy eine auffallende Röthe eingebrannt. Er sah � Jimmy's Augenlider zwinkerten erregt auf und aufgeworfen worden war, wer von Beiden ein Lügner ein paar scharf spähende Augen, die ihn zuerst "»der. imd sein Mund öffnete sich vor Erstaunen sei. Ter nächste Zug brachte ihn weit ab vom anblickten wie der Wolf den Wolf, und die dann Vilich weit Der Mexikaner entfaltete seine Zarapa Schauplatz seiner Gewaltthat, nach dem ferneren beruhigt die Lider senkten, als der Mann an: Feuer der gelben" schmalen Hand Er schien eine Osten. Hier schaufelte er bei einem Bahnbau Sand ein glimmendes Holzstiickchen auf die Pfeife legte. "vhiing aussprechen zu wollen doch glitt vorerst und schob davon manche Karre voll auf die andere. Es war augenscheinlich ein Mann, der schon oft, "°-h ein bittendes beinahe zärt'liches Lächeln über Doch prahlte er nebenher gern von seinem früheren wenn auch wohl vergeblich, um den Erfolg gerungen, !''» fchmnleä Kärlich bebaartes Gesicht, während er Herrenleben in Arizona. Das war nun nicht eben und der jetzt zufrieden sein mochte,„sein Leben zu togte: nothwendig, aber der Vormann hätte ihn auch nicht machen". ,„Jimmv aeb'wea'" und das mit fortwährendem, gerade einen Lügner zu nennen brauchen, dann hätte Der Fremde lächelte unbefangen und sprang Seubem Kovsnicken dem Jimmy nun doch nicht Jimmy auch nicht die Schaufel gegen ihn erhoben vom Pferd. widerstebe. könnte wie er meinte. und ihm die Schulterknochen verletzt; dann Ware er„Ich denke, Ihr werdet mich hier lagern lassen I imuni s Annefnu feit mi t d er Bratpfanne ab- wiederum wohl auch nicht nach dem südwestlichen bei Euch diese Nacht." �nuwch s Arme sanken m.l � Texas gekommen, wo wir ihn als Schafhirten vor-„Eh... hm... wie ineint Ihr?" fragte Jimmy. � Srnuf): Jannra; auch wohl Llaiw Omo» benanlix fggden.„Nun, ich denke,- Ihr werdet mich hier schlafen "»d. �»rakieristischeS Gestrüpp der � Warner mit kurzen, schnellen Schritten lassen an Eurem Feuer..." nordlich gelegenen Gebiete des vuo uuaitoc. 3h> 2Tcuf Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. „Das wird wohl kaum gehen, ich glaube nicht, daß dies hier ein bequemer Ort zum Kampiren sein wird, Herr," antwortete Jimmy mit mürrischem Tonfall in der Stimme. Der Angekommene, der die dort übliche und fast selbstverständliche Gastlichkeit voraussetzte und schon seinem Pferde den Sattelgurt zu lockern begann, wandte sich schnell um nach dem verdrießlich drein- schauenden Sprecher. „Was?" sagte er enttäuscht,„Ihr mögt mich hier nicht lagern lassen? Ihr wollt mich hier nicht haben?" Jimmy's Füße scharrten verlegen den Erdboden und er sah angelegentlichst ans eine Kaktuspflanze. „Hm, seht Ihr, Herr, Eure Gesellschaft habe ich schon ganz gern, aber, müßt Ihr wissen, einige von diesen gelbhäutigen Schlingeln werden mich wohl diese Nacht vom Rancho wegtreiben wollen, und wenn ich eines Mannes Gesellschaft auch wohl möchte, so könnte ich ihn doch nicht mit hinein verwickeln, wenn er garnichts mit der Sache zu thnn hat." „Wollen Euch vom Nancho wegtreiben?" rief der Fremde überrascht. „Nun, sie sagten, sie wiirden's thnn." „Und sie werden's mit Gewalt thnn, werden Euch tödten, meint Ihr?" „Weiß nicht, kann's nicht sagen vorher. Seht Ihr, sie nehmen einen Mann, der da allein ist, wie ich, und dann schleichen sie sich hervor, wenn er nicht gerade bereit ist für sie, und geben ihm aus ihrem rostigen Schießgewehr eine Ladung Allerlei, bevor er sich besinnen kann. Sie werden bald hier herum liegen und auf eine Gelegenheit warten, und die kommt früh genug. Natürlich, so Einer wie ich, hat wach zu bleibe»! aber mag doch sein, sie fangen ihn im Schlaf; mag aber auch sein, man wird des Wachens und Wartens nillde, und sucht die Gesell- schaft am hellen Tage selber auf und tödtet zwei oder drei von ihnen und hetzt sie damit alle zugleich auf sich, und es hat dann wenigstens ein Ende. Es liegt Einem aber doch etwas schwer auf der Seele, sich von einer heimtückischen Bande bedroht und um- schlössen zu wissen." „Und heute Nacht werden sie in Euer Lager hereinbrechen?" rief der Andere.„Und woher wißt Jhr's, wer sagte es Euch?" IkeuiLLeton. Mctö d) enfrnge.* (Zu unserem Bilden Ms Rind Hab' ich oft griveink, � Wühl' nicht, warum, Run mutz ich vst heimlich lachen, Weih nichk, warum. Es greifk in meine Sailen Eine rälhselhaste Hand, Ein Fremdes will mich lrilrn In ein unbekanntes Fand. Sellsam wunderliche Gedanken, Die mein Work nichk nennen kann, Van'ii um mich purpurne Schranken Und hallen mich in Zauber und Bann. Ich fasse dich nicht, o leben, Weih nicht, wer wir Beide sind, Weih nicht, wohin wir streben, Wo ich mein Ziel wohl sind'. RIs Rind Hab' ich osl grweinl, Wutzl' nichi, warum... Nun mutz ich vst heimlich lachen, Weih nichk, warum. Mari» Jauitschck. Im Höhlcnlandc von Kleinasicn. Auf ihren Neiscn durch Svrieu und Kleinasicn gelaugten die Forscher Roman Oberhummer und Heinrich Zimmerer in das berühmte„Höhlenland". In einem umfangreichen Werke„Durch Syrien und Klcinasieu"(Berlin, Dietrich Reimer) ist eine Schilderung ihrer Reisen niedergelegt. Von der Stadt Nigdeh, nördlich vom Taurus, gc- langten sie über Melegob nach dem merkwürdigen Dorfe Jnegi. Es zeigte sich vollständig unterhöhlt,— heißt es in ihrem Buche,— und wir erfuhren, daß es von INO christlichen und 300 türkischen Familien bewohnt sei. Wir stiegen die aus Stein gehauenen Treppen einer unter- irdischen Privatwohnung hinab, kamen durch dunkle, niedrige Gänge und endlich in beträchtlicher Tiefe in einen weiten, große» Raum, in ivclchcm vor 100 Jahren 150 Christen von den fanatischen Rtuslinls regelrecht belagert und schließlich durch Rauch erstickt worden sein sollen. Es war eine Lust, in der erquickenden, kühlen Oktoberluft weiter zu reiten zwischen den rundlichen Kuppe»! und Höhen, auf deren vulkanischem Boden der Wein vortrefflich gedeiht. An der mächtigen Pyramide des Tschar-Dagh»üt seinen Felsenhölilendörsern ging es vorbei nach Göry, einem großen,»vöhlhabenden Dorfe, das wie ein Schwalbennest im Großen an einem schroff in ein bachdurchströmtcs enges, grünes Thal abfallenden ' Aus„Die Perlenschnur". Eine Anlholoqse moderner Lyrik. HerinSfleflebe» von Ludwig Ä e III nie l. Berlin und Leipzig, Schuster iL Loefsler. £—---- a Hange sich anfbant. Es ist ein seltsames Volk,»velches diese unzähligen Erdlöchcr und Felsenhöhlen belvohnt. Gleich Gemse» zeigen sich die buntfarbig gekleideten Frauen und Kinder ans den Zinnen ihrer Behausung, deren Eingang, eine Felsritze oder eine durch große Stein- blöcke halb verschlossene Oeffnung in den Bcrgabhnngcn, dem Auge lange verborgen bleibt. Eben hatten»vir eine sanfte Bodenivelle überschritten, als sich mit einem Schlage der Anblick einer großen Stadt eröffnete. Malerisch um einen gegen den Halys auslaufenden Bergzug grnppirt, lag Nelvschcher(Neustadt) zur Linken eines breiten, grünen Thales, in dem der Bach dem Qyzyl-Nrmak zu- strömt. Am 46. Tage nach unserer Abreise von Damaskus waren wir in unserem Arbeitsfelde angelangt. Unsere Absicht war, sowohl in Neivscheher, als in dem drei Stiinden weiter östlich gelegenen Ucrgüb ein kleines Haus zu miethcn, um in Ruhe die Umgebung besichtigen und erforschen zu können. Alsdann verließen»vir die steilen Straßen von Newscheher und ritten durch die grünen Weingärten über die unabsehbare Hügel- und Tufflandschaft in 3'/- Stmidcn nach Ucrgüb. Es scheint, daß nach dem Aufbau der Hauptpfeiler der von'Norden nach Süden streichenden Ketten die vulkanische Tuffmasse zu den selt- samsten Gebilden, besonders in Kegel- und Pyramiden- form, ausgespült wurde. Zahlreiche dieser Kegel, deren Höhe zwischen 5 und 30 Metern schwankt, tragen ans ihrer Spitze je einen großen Block eines härteren Ge- stcins, offenbar der Lavamasse, welche Klötze vor undenk- lichen Zeiten als vulkanische Ausivürflinge in den noch unzerstörlen,»vcit ausgebreiteten Schichten ruhten, um später die unter ihnen lagernden Blassen gegen die senk- recht grabende Arbeit des fließenden Wassers zu schützen. An der Steilseite des Halys stürzen diese Tuffwände fast senkrecht blendend weiß mit einem rothen Ouergange zum Thale hinab. Das ganze Terrain zwischen der hochführe»>dcn Straße von Nelvschcher nach Uergüb und dem Halys erweist sich als eine riesige Erosionsmulde, in»velcher eine Reihe von Felsengebilden stehen geblieben ist. An diese haben sich die Dörfer angelehnt und in sie eingegraben. In Ucrgüb hatten wir wieder den überraschenden Blick auf die wunderliche Umgebung der Höhlenstadl. Von unserer ersten Wanderung in den Schluchten kamen »vir ganz starr und»virr über die romantische Märchen- »vclt, in der»vir»vandclten, zurück. Es ist»vie eine Staffage zu Goethe's Walpurgisnacht. Von einem Schritt zum anderen uns erhebend, begegneten»vir ncncn Gebilden von»veibcm und rothem Tuff in den kühnsten Kegeln und Pyramiden, neuen Fratzen- und Hexengestaltcn, und sie alle durchlöchert, zu Häusern und Vorrathskammcrn allsgebohrt, dazlvischcn Weingärten und Fruchtbäume, Taubenschläge und Menschemvohuungen innig gepaart. Kaum versieht man sich, und es klettert ein Menschenkind ans einer Leiter aus dein nackten Fels,>vo eine Oeffnung sich findet, herab zu dem säulengeschmückten Vorbau in» Untergeschoß. Darüber leuchtet die wärmste Sonne, und »vährend»vir keuchend auf dem weichen Boden im Rinnsal aufwärts klimmen, zaubert das Tagesgestini farbige Tinte»» und Schatten ans die bizarren Nadeln und Obelisken. In» Hintergründe iin Osten überragt das Ganze der schneegekrönte Argäns! ein Bild, das uns endlich glauben machte,»vir seien in Uergüb.— Ringe um den Mond. Außer den Höfen, von denen sich der Mond und zinveilen auch die Sonne»»»igebeu „Einer kam und warnte mich." „lind»vas»verdet Ihr thnn?.. Ench»vehren? „Seh' kein anderes Mittel," sagte Jimmy düfta und noch iinmer nach der Kaktnspflanze starrend. Eine Weile war Schweigen. Endlich rieß der Neuangekommene erregt:„Wahrhaftig, von dergleichen hörte ich in meinem Leben noch nicht. Aber war»»« geht Ihr denn nicht lieber fort?" „Hab' ich nicht nöthig," sagte Jimmy;„anßerdei» kann ich hier grab' mein Leben niachen; wie- anderswo ist, weiß ich»vieder nicht." „Und»vie viel sind ihrer?" „'s mögen acht sein," antwortete Jimmy, NUN hört mal. Ihr habt, scheint mir, hier herlllll nichts Wichtiges zn thnn gerade jetzt, und thätet besser, Ench davon zn machen, bevor es dunkelt- Ich frage nicht um Hülfe in dieser Sache. 3� »veiß. Euer zufälliges Vorbeikommen giebt mir ke>l> Recht, daruni zu bitten; deshalb geht lieber fort „Aber warum seid Ihr denn nicht zum Zhe� geritten?" „Sheriff? Oh, hö, hö!" hüstelte Jimmy." (Schluß fötal.) zeigen, erblickt man bei klarem Wetter, besonders> Herbst, manchmal den Mond von einen» großen N>� umgebe», der einen Abstand von 22 bis 23 Grad,»' weilen auch den doppeltest Abstand vom Moiidc» In seltenen Fällen erschcinen�anch beide Kreise gleiclizro- Am häufigsten stellt die Erscheinung einen»veißlst� Kreis dar, zniveilen ist jedoch eine Färbung in de» 9W bogcnfarben bemerlbar, bei der das Roth nach-w» gekehrt ist. jj Die Entstehung der Ringe ist eine ganz andere,° die der Höfe;»vährend diese beim Durchgang der Pi'. strahlen durch die Zioischenränine, welche sich Zw»!«' kleinen Tampfbläschen befinden, gebildet werden,� stehen die erwähnten Ringe dadurch, daß die Lichtst" in den feinen Eisnadeln,»vclchc in der Luft in! Höhe schweben, eine Brechung erleiden. Tie Krei der Erscheinung ergicbt sich daraus, daß die SW � in den feinen Eisnadeln,»vclchc in der Luft in»stob Höhe schivebcn, eine Brechung erleiden. Tie Kreist» der Erscheinung ergicbt sich daraus, daß die SfrW'Ja mit ihren Aren in zufälliger Anordnung, also i» möglichen Richtungen liegen.«- unäl Daß diese schon einige hundert Jahre alte Erklar» eine zutreffende ist, davon kann inair sich ain beste»» dadii.1 überzeugen, daß man eine ganz ähnliche Erschein durch derartige Lichtbrechungen»villkürlich hervorti" kann. Gießt man nämlich eine kalt gesättigte M � lösung in eine platte Glasflasche von l'h bis 2 wv mcter Dicke und fügt dann schwachen Alkohol hinch', kann man leicht durch einiges Nmrühren einen A'1'1.j schlag kleiner Alaunkrystalle hervorrufen, die mchi J glänzende Fünkchcn in der Flüssigkeit ninherschwu"..� sieht. Schüttelt man dann die Flasche tüchtig und durch sie hindurch nach der Flamme einer Kerze, so man zuerst das Licht nebelhaft verschleiert erblicken; o aber klärt sich der Nebel ans, und cS tritt»tn Kreis ans, der einen Ring von 23 Grad darstellt. �, »nälig niiilint er lebhafte Färbung an und nach o»' � Zeit zeigt sich ein»veitercr solcher Ring von bebe»; schwächerem Glänze und doppelten» Durchmesser. � Je mehr die Krystalle auf den Boden der niedersinken, um so mehr Verschivindct der Glan». Erschein»»»», bis sie, wenn alle Krystalle zn Bodcn sunken sind, gänzlich aufhört.— dt Scfmikicf. �..........—-. Pf Es wäre eine Freude zu leben, wenn Jeder � Hälfte von den» thäte,»vaS er von Anderen verlang'- s l»e Mancher spricht von seinen» guten Herzen uno nur ein schivaches.- Tie infanisten Lügen sind die, bei denen man kein Hund wedelt,»venu er uns beißen»vill.— Mancher fühlt sich als Thcil des Universums. IflA'"' UJtlfl halten. Eine Rede anzuhören ist oft schtvcrer, als s'c 3 Pcter TiriuS.(Aus der SpruchsaminlunS- Tausend und Ein lÄtdanleu.) Alle für die Nedaktion der„Ncncil bestimmten Sendungen sind nach Berlin, SW 1' Benthstraße 2, zu richten. Nachdruck des Inhalts verböte»! veranlworlllcher Redalleur: Oscar Külil tn llharlotteiiluira.—«erlaa: Hamburger«uchdnickerel und B-rtagSanflall Auer sc Ho. In Hamburg.— Druck: Mar Babing tu Berlin.