Nr. 44 �BUuflvtvic �1 ini er h all ini055b eil a�c. 1899 ntortfcftunn.) r-#.. KeLestyns. Novelle von Jan Lier. Autorisirte Uebersetzung aus dem Böhmischen von Franta Häjek. k" der Frühe dann, beim Waschen, prüfte Herr Chladek mit forschendem Blick das Wasser in seineni Waschbecken, und ertappte sich auch N't bei verschiedenen, bei ihm sonst nicht üblichen Handlungen— Alles verdächiige Anzeichen einer ab- Normen Gemüthsverfassung. Er bestellte für sich zum Frühstück starken, schwarzen Kaffee mit Rum und Sab dem Kutscher Befehl zum Anspannen und zur Ichleunigen Fahrt nach dem Franz-Josefs-Bahnhof. Herr Chladek fuhr wieder nach Skalitz. „Heute komme ich als Quartiermeister," meldete kr dem Ingenieur.„Anstatt nach Marienbad zu Sehen, einigten tvir»ns, die Feiicnzeit meiner Kinder � hier in Skalitz zuziibringen. Sie kennen die hiesigen Verhältnisse besser als ich, und können mir am besten Kathen, wie und wo ich eine passende Wohnung für Unseren Sommeranfenthalt finden kann. Meine Fa- 'nilie ist hier gut aufgehoben und ich kann auch bequemer den Bahnbau beaufsichtigen." Der Ingenieur iväre am liebsten dem Unter- Uehnier um den Hals gefallen, wiewohl er seine Bieren durchschaut und darin die Galle der wahren Ursache, ivarnm er Skalitz Marienbad als Billegiatur borgezogen, sehr wohl erkannt hatte. Sie fanden manchen Bürger, welcher nicht ab- Kkneigt ivar, dem Unternehmer sein ganzes Hans zu überlassen und sich selbst, seine Familie, solvie Alles, �ns drum und dran hängt,, ans die Straße zu setzen. In dieser Hinsicht pflegen bei Bahnbauten selbst die berbisscnstcn Reaktionäre in den konservativsten Ge- jjeinden sehr liberal zu sein, ja, sie fühlen sich durch solche„Miether" noch hochgeehrt, etlvas, was sie 'n normalen Zeiten gewiß nicht zugeben würden. �ie Mehrheit der Häuser entsprach jedoch nicht den �uforderiingen des Herrn Chladek einerseits, und bcr Frau Chladek andererseits, die bei diesen Be- Nchtignngskommissionen zwar abwesend, durch ihren Batten jedoch würdig vertreten ivurde. „Für zivei Monate? Hm!" sprach der Herr und ibigenthiimer des Hauses, welches Herrn Chladek halbwegs gepaßt hätte. Ter Hausherr überschlug n» Geiste die zu fordernde Miethssumme, wobei nllerdings weniger der Werth des Hauses, als viel- niehr die ideale Summe, die er in der Tasche des Unternehmers vcrmnthete, in Betracht kam. Solchen Kalkulationen fällt aus dem Lande jedes Mitglied "gend eines Baunnternehmens regelmäßig zum Opfer. „Jawohl, Herr! Fiir zwei Monate," bestätigte Herr Chladek nach einer Weile, die der Hansherr brauchte, um im Geiste den Geldbeutel seines zu- Zünftigen Micthers zu durchwühlen.„Rtöglicher �eise werden wir uns später noch für längere Zeit kinigen." „Das denke ich auch. Schließlich, denke ich, wird es am besten sein, wenn Sie nur getrost ein- z-ehen. Bon wegen dem Miethzins können wir ja später auch noch reden." „Es ist nicht meine Gewohnheit, solche Ab- machungen ans die lange Bank zu schieben..." „Aber... aber!... Wir ans dem Lande kennen keine Schliche und Kniffe, lind... zum Richter werden wir deshalb wohl auch nicht gehen." „Wenn wir uns sogleich einigen, wird eS wohl nicht nöthig sein! Also, wie viel verlmigen Sie?" Der Hauspascha schob die Mütze von einem Ohr zum anderen und überlegte, um möglichst viel ans dem Geschäft herauszuschlagen. „Nun— damit Keiner von uns zu kurz kommt — zweihundert Gulden monatlich. Ein ehrliches Wort, Herr, und nicht übertrieben!" „Aber Mensch! Fiir das Geld kann ich statt Ihrer acht Kämmerchen in Prag acht schöne Zimmer bekommen!" „Das will ich nicht bestreiten," erwiderte der Bürger, und entwickelte in der nächsten Viertelstunde so viel Halsstarrigkeit, daß er den Unternehmer schließlich breit schlug. Herr Chladek blieb gleich in Skalitz. Er qnar- tierte sich einstweilen in der Bauhütte ein und theilte sich mit dem Ingenieur in die Geschäfte. Sonderbar genug war diese Theilnng. Er überließ es nämlich Zaul, die gemiethete Wohnung einzurichten und ver- grub sich selbst in die Voranschläge und Baupläne und suchte sich im Schweiße des Angesichts in die Bauleitung hineinzuarbeiten und dieselbe allmälig ganz in seine Hand zu nehmen. In einigen Tagen konnte man schon die Wirkung dieser Bantingffchen Kur an ihm wahrnehmen. Der Ingenieur führte inzlvischen die Einrichiung des gemietheten Hauses durch, wobei er namentlich auf die Ausstattung und Ausschmückung von Celestynens Zimmerchen viel Zeit und Fleiß verwendete. Er sorgte dafür, daß der Raum nur in hellen Farben erglänzte, keine düsteren Winkel hatte, und daß die Möbel und deren Zu- sammcnstellung sofort das Gefühl trauter Behaglich- keit erweckten. Das meiste Kopfzerbrechen verursachte ihm die Ausschmückung der Wände mit Bildern. Er stöberte zu diesem Zwecke Alles auf, was in dem Städtchen zu finden war, bis es ihm glückte, endlich etwas seinen Wünschen Entsprechendes zu erwerben. lieber dem Schreibtische plazirte er ein Gemälde, welches anscheinend eine Szene ans irgend einem Märchen darstellte: Ein im düsteren Kerker gefesseltes Mädchen, welches die entsetzten Blicke gegen eine es bedrohende Wolke furchtbarer Gespenster richtet. Tie Kerkcrthür öffnet sich vor einem Prinzen, der mit der Fluth des goldenen Lichtstrahls in die Finster- niß eindringt und die Erlösung bringt. Auf der Wand gegenüber trug ein Adler ein junges Lamm in sein unerreichbares Felsennest, doch von dem Pfeile getroffen, sinkt er zu den Füßen des ihn verfolgenden Hirten, lieber dem Bette befestigte er eine Litho- graphie und darunter einen uralten, von einem Groß- Mütterchen vielleicht gestickten Spruch:„In Liebe Vergessen und Neugeboren." Kaum war Chladek's Familie eingezogen, stellte sich der Ingenieur schon zum ersten Besuche ein. Die gnädige Fran schlief noch die iiberstandcnen Reisestrapazen aus, und der Herr nahm sein Bad. „Im Salon stndirt Irene," schloß das Dienst- mädchen seinen Bericht.„Wenn es jedoch gefällig ist, treten Sie ein in das Speisezimmer." Nichts konnte dem Ingenieur angenehmer sein. Das Speiseziminer war mit dem Salon durch ein kleines Fenster verbunden, und diese Oeffnung unter Umständen wohl geeignet, um die im Salon„stu- dirende" Irene zu beobachten. Er täuschte sich nicht. Behutsam betrat er das Speisezimmer und näherte sich dem Fenster. Es war unverhiillt. Im„Salon" saß Celestyne, mit leicht vorgeneigtem Oberkörper, die Hände um ihre Knie geschlungen, schien sie ihrer Schülerin zuzuhören. lieber dem Antlitz des schönen Mädchens, welches dem Ingenieur halb zugewendet war, breitete sich der Schein eines weichen, sehnsuchtsvollen Selbstvergessens ans, und derselbe Ausdruck belebte auch die strahlenden Augen, welche, träumerisch in die unsichtbare Ferne gerichtet, irgend welchem glücklichen Gedanken nachzujagen schienen... Neben ihr saß Irene. Sie schaukelte in abge- messenem Rhythmus mit den Beinen und stützte ihre, in gespannter Aufmerksamkeit zusammengefaltete Stirn in die beiden Hände. Den Kopf über ein Buch geneigt, leierte sie mit langsamer, monotoner Stimme einen Satz nach dem anderen herunter. Sie über- setzte aus irgend einem Konversationsbuchc zwecklose Sätze und Phrasen in's Französische. Sie übersetzte falsch, und Celestyne korrigirte sie nicht. Die lächer- lichsten Schnitzer und Verstöße, die Irene machte, störten die Erzieherin nicht in ihrem Gedankenfluge, der sich in Weiler Ferne verirrt haben mochte, nach... nach...? Ter Ingenieur hörte:-- und wollen diesen Mann gewinnen? Lt voulez-vons obte— — ah, nicht so—— voulez-vous gagner cet homme? Sie verlangen es aufrichtig, jedoch Ihr Herz ist von der Angst erfüllt: Von» le desirez sincerement, mais votre coeur est pleine d'an- goisse. Beruhigen Sie sich: Kassnrez— oder nein— Soyez calme. Er liebt und vergöttert Sie: II vous aime, il vous adore. Er will Ihr Glück und wird Sie retten: II vent que vous ayez 346 de bonheur et il sera vOtre sauveur. Sie thuu nicht gut, Ihre Gefühle zu unterdrücken: Vous avez des torts en retenant vos sentiments. Es handelt sich um die Seligkeit Ihres Lebens: ll y va de la felicite de votre vie——" Der Ingenieur mußte sich beherrschen, um nicht aufzujauchzen. Irene hatte ziveifellos das ans- gezeichnetste KoUversationsbnch in Händen, übersetzte meisterhaft, und noch nie erschien ihm die sinnlose Bnntscheckigkeit aneinander gereihter Sätze eines Kon- versationsbuches so lieblich und so aus der Seele gesprochen, wie heute. Ein Blatt umwendend, erhob Irene ein wenig den Kopf. Das Fenster nach dem Speisezimmer kam dadurch in ihren 5zorizont, und der fremde Gegenstand dahinter wurde von dem Gesichtsnerv erfaßt. Sie zuckte mit dem Kopfe und warf einen neugierigen Blick nach dem Fenster. Der Ingenieur sprang weg, und rasch entschlossen betrat er den Salon. Eelestyne, aus ihrem Träumen durch den Klang seiner Schritte geweckt, erblickte den Ingenieur erst, als er sich bereits vor ihr grüßend verbeugte. Sie erröthete leicht, und für einen Augenblick erglänzten ihre Augen von dem Strahl einer unverhohlenen Freude, während um ihre Lippen ein glückliches Lächeln spielte. Aber nur für einen Augenblick, so kurz und flüchtig, daß Irene nichts wahrnehmen konnte. Die Erzieherin war schon wieder ruhig. Der Ingenieur entschuldigte sich wegen der ver- nrsachtcu Störung. „Ach.. die Lektion ist ja ohnehin schon zu Ende," unterbrach ihn die Schülerin, klappte ihr Buch zu, und den eigenen Stuhl, von welchem sie flink herabsprang, dem Gaste mit kindlichem Knix zuschiebend, war sie mit ein paar Sprüngen im Garten. „Ist Fräulein mit der neuen Wohnung zu- friedend" erkundigte sich der Ingenieur. Und wieder leuchtete es auf in den Augen des Mädchens, und der Schalk, der nun aus ihnen blickte, schien zu sagen:„Du loser Schelm, glaubst Du, ich sehe die für mich aufgestellte Falle nicht?" Freundlich lächelnd erwiderte sie: „Wenn die Zufriedenheit mit der Wohnung das Lebensglück bedingte, wäre ich Ihnen zu großem Danke verpflichtet." „Und lvenn ich mich mit der Ausschmückung der vier Wände, zwischen welchen Sie, leider nur für kurze Zeit, weilen werden, begnügen könnte, würde zu meiner vollkommenen Freude nichts fehlen. Darf ich wissen, wie Fräulein die erste Nacht in Skalitz geschlafen hat?" „Danke, gut." „Die ersten Träume in einer neuen Wohnung sollen etivas bedeuten. Mögen doch die Ihrigen auch so schön und beseligend sein, wie die meinen. Ich bin glücklich von dem Augenblicke an, in welchem es mir vergönnt war, Sie in unserer Mitte zu be- grüßen..." „Herr Zaul," unterbrach mit freundlicher Ent- schiedenheit das junge Mädchen den Ingenieur.„Ich habe mich durch nichts verpflichtet, an Ihren Träumen irgendwie betheiligt zu sein. Und wenn Ihre freie Phantasie auch mich in den Kreis Ihrer Träume versetzt hat, so wollen Sie die Ungebundenheit ent- schuldigen, welche dies wilde Element des mensch- lichen Seelenlebens auszeichnet. Und nun gestatten Sie mir, daß ich mich empfehle. Mich rufen meine Pflichten.. „Oh, Fräulein! Bleiben Sie noch, und ver- zeihen Sie mir, daß ich nicht stark genug bin, meinen heranstllrmenden Gefühlen Einhalt zu ge- bieten. Sie drängen sich unbezähmbar aus einem übervollen Herzen, das mit kühner Hoffnung erfüllt ist... mit der Hoffnung, daß.. ich mich nicht täusche." Der Ingenieur ergriff die beiden Hände des Miidchens, und deutlicher, als die Worte es ver- mocht hätten, sprach sein Blick, den er auf Cele- stynens, in lieblicher Verwirrung erröthendes Antlitz heftete. „Ihr großes, edles Herz," bat er weiter,„das Alle, selbst die Elendesten der Elenden in Liebe umfaßt, wird mich allein nicht verschmähen..." „Ich hoffe, daß Sie nicht Anspruch auf mein Mitleid machen. Jedoch.. da kommt mir eben in den Sinn, daß Sie es dennoch verdienen." „Mitleid mir?" „Ja wohl. Wenn Sie mich nicht mit der Deutung Ihrer Träume von hier verlreiben, will ich Ihnen etwas Interessantes niittheilen, voraus- gesetzt, daß es für Sie noch eine Neuigkeit ist." „Ich freue mich darauf, und verpflichte mich, so bescheiden zu sein, wie ein Hühnchen." „Sie befinden sich in einer strengen Untersuchung, die für Sie bereits eine drohende Wendung an- genommen hat." „Eine Untersuchung? Durch wen?" „Durch den Unternehmer..." „Ah! Möglich! Ich ließ mir in der letzten Zeit allerdings Bianchcs zu Schulden kommen. Schon über einen Monat, seit unserem Ausflnge nach Jewan ist mein Denken wie umgewandelt..." „Und seit dem AuSfluge nach Alt-Duba auch Ihr Charakter. Sie sind ein„Kommunist", der heimtückisch oder leichtsinnig seinen Herrn schädigt und ihn in seinem Vermögen zu Grunde richtet. Soviel hat Herr Chladek bereits festgestellt." „Erkennen Sie in mir Ihren Schüler?" lachte der Ingenieur. „Ich erkenne nur einen Mann, der keine Ueber- zeugnng hatte, und als er sie fand, seine Umkehr ohne Ueberlegung durch eine unkluge Handlung be- thätigte, einen Mann, der eine offenkundige That eher vollbrachte, bevor der neue Glaube in ihm feste Wurzeln gefaßt und in wahrer Erkenntniß der Dinge ihn zum zweckmäßigen Handeln befähigt hatte." „Wollte ich meinen Schwur, mich zu bescheiden, verletzen, würde ich bekennen, daß die Lehren aus einem schönen Munde mitunter eine wunderbare Wirkung haben." „Sie sind frivol!" zürnte Eelestyne.„Ihr unkluges Handeln war ein vergeblicher Versuch, die begangenen Sünden wieder gut zu machen. Die Sünden sind nun einmal begangen worden, und was daraus folgert, läßt sich nicht verhindern. Wären Sie von der wahren Ueberzeugnng der un- gerechten gesellschaftlichen Zustände durchdrungen, würden Sie versuchen/ allmälig dem Elend zu steuern, welches Sie, als das willige Werkzeug der Macht- haber, mit verschuldet haben. Sie würden nach- denken und die gewonnene Erkenntniß als Regulativ für die Zukunft behalten. So aber, wie Sie es gethan, haben Sie Niemand genützt nud sich selbst geschadet. Sie führten einen plötzlichen Umschwung herbei, der für die Arbeiter keine gute Folgen haben wird. Im Gegentheil, die Bedrückung wird er- neuert, vielleicht verdoppelt, und bringt den Arbeitern nichts als eine neue, bittere Enttänschnng." „Sie sagen die Wahrheit, Fräulein," erwiderte gedankenvoll der Ingenieur.„Rathen Sie mir, was ich thun soll." „Mit dem übereilten Versuch haben Sie Ihrer ferneren Wirksamkeit hier ein Ende bereitet. Ent- weder— Sie verleugnen Ihre gewonnene Ueber- zengung und werden nach wie vor durch den Ertrag Ihrer und der Tausend armer Hände Arbeit den Unternehmer weiter bereichern— ich nehme an, daß es Ihnen nicht gar so schwer fällt, oder?.. Haben Sie schon nachgedacht?" „Fräulein, ich bekenne, daß ich nur an— Si» gedacht habe." „Ich empfehle mich, Herr Zaul." Eelestyne grüßte und wandte sich eilig der Thüre zu. „Fräulein, zürnen Sie mir nicht!" sprach er- schrockcn der junge Mann, Eelestyne in den Weg tretend.„Ich kann nicht dafür, daß alle Ihre ab- strakten Ausführungen mir nur ein Strahl sind, der mir blendend das verlorene Paradies Ihrer Seele erleuchtet. Es ist mir, als müßte ich vor Allem Rache nehmen, für Sie und Ihre..." „Schweigen Sie von der Rache!" unterbrach ihn Eelestyne heftig.„So durfte nur ich einst denken, als..." Sie beendete den Satz nicht, und verstummte erbleichend. Ihre Augen füllten sich mit Thränen. „Was fehlt Ihnen?" „Nichts, nichts, Herr, Sie sind ein Mann. Ihnen geziemt es, anders zu handeln, als ein schwaches, hülfloses Mädchen. Erkennen Sie doch den Werth Ihres Wissens, Ihrer Arbeit, nud schöpfen Sie Nutzen daraus, für sich, und wenn Sie wollen— auch für die Anderen, für Die, die schwach und bedrückt sind." „Ich will so handeln." „Und versprechen Sie mir, daß Sie sich nie mehr mit dem Gedanken an Rache beflecken wolle»! Es ist nicht wahr, daß der Mensch berechtigt ist, ans dem Heiligthum seines Herzens den Frieden und die Selbstachtung zu verbannen... Otakar," rief das Mädchen in fieberhafter Anfregnng, von der eigenen, bisher beherrschten Leidenschaft hin- gerissen,„Otakar, wenn es wahr ist, daß Du durch mich aufgestachelt und bis zum Hasse verleitet wurdest, dann beschwöre ich Dich..." Der Ingenieur ergriff ihre beiden Hände und bedeckte sie mit heißen Küssen. „Alles verspreche ich," sprach er, sie zärtlich seine Brust ziehend.„Die Liebe hat Balsam für so viele Wunden, und auch Dein Herz wird genesen. Meine Seele kennt kein anderes Verlangen, Dich beschützen und beschirmen zu können gegen alles Leid, dessen Wunden noch bluten, und gegen jedes Wehe, das Dich noch treffen könnte. Per- schmähe mich nicht, und thue Dir selbst keine Ge- walt an. Siehe, Eelestyne, ich kam her unbemerkt, und aus Deinem Antlitz leuchtete mir die Liebe entgegen. Sie suchte mich in Gedanken und lauschte beseligt den Worten, die das Kind ahnungslos»ud ohne Vcrständniß hersagte. Es sprach unwillkürlich für Dich, Geliebte, und ich weiß, daß auch Du»>>»> liebst. Darum— werde meine Weib." „Ich kann nicht," hauchte die Erzieherin, sich aus seiner Umarniung befreiend.„Ich kann nicht, obwohl ich weiß, daß schon bei unserem ersten Zu- sammeutreffen mein Herz dem Deinen entgegenschlug. Und wie habe ich gelitten, wie Du dann im Walve Deinem Herrn gegenüber Dich rühmtest, wie T" Deinen und Deiner Arbeiter Schweiß für ihn>u Gold verwandelst. Damals mußte ich an meine Eltern denke», deren langsames Dahinsterben in der Kohlengrube dem Herrn auch Nutzen brachte. 3�1 flüchtete mich in die Kirche..." „Eelestyne, folge doch dem Zuge Deines zens! Meine junge, aber doch schon allmächtig� Liebe hat mich in Deinen Schatten verwandelt, der Dich nicht mehr verläßt, sich nicht mehr von D»' trennt, und der nur mit Dir vergeht." „Ich kann nicht, meine Vergangenheit treinn uns voneinander. Nie kann ich zugeben, daß 3te sich nnzertrennlich an einen Leichnam ketten." „Du sprichst im Fieber, Eelestyne." „Ja... Und es wird mir eine Linderung sein, wenn Du von mir nicht mehr verlangst, als ich zu geben vermag. Meiii� Herz gehört Dir, Otakar, mein Leben der Vergangenheit— verlange nicht mehr zu wissen! Nichts! Lieber will iä! mich tödten, als daß ich es wagte, Deine Liebe einer ehelichen Verbindung zu mißbrauchen. 3" einem solchen Seelenkampfe, wie Du ihn damals auf den Altarstufen jenes verlassenen Waldkirchleins belauschtest, erliege ich Tag für Tag, von Sonnen- aufgang bis zu dem Augenblicke, wenn sie untergeht, vom Morgen bis in die Nacht hinein, und die Nachl hindurch. Meine junge Seele empört sich gegen das Schicksal, sie dürstet nach Liebe und Leben, muhl sich im vergeblichen Kampfe ab, um schließlich knirscht und todeswund in den Staub zu sinken»nd zu betteln um Gnade, um Erbarmen und Vergebung ... Auch ich wünsche aus vollem Herzen, daß glücklich weiden möchtest, und eben darum kann st? es nicht zugeben, daß Du Dich um meinetwegen Gefahr begiebst." Das Rauschen eines Franenkleides ließ sie ver- stummen. „O.. ich bitte um Vergebung, wenn ich stört haben sollte, ich kann noch warten," lispelt süßlich Frau Chladek, die soeben eingetreten wM nud mit ihren grünlichen Augen an der offenkundige' Erregung der beiden jungen Leute sich boshaff weidete. Langsam zog sie sich zurück. in. :in ich »d im Die Die Aeue Zvelt. Illustrirte Anterhaltiulgsbeilage. nie n! -st, >en >on in- rch -st, md an iiir en. nlS jeii jen er» se- rkt, ebe hte nid M lief) sich ht, im Hfl- IDC EU in ine der Zch er» ifle der Dir niii Zie 1110 alS )ir, ige ich ZU J" als ins ov cht, .cht zas iiht md iu0 E» ich in .er- r elte var gen Iflst „Es wird wohl nicht nöthig sein, gnädige Frau, daß wir Ihre Güte mißbrauchen. Ich wartete aus Sie, und sprach inzwischen mit dem Fräulein. Eine zufällige Begegnung im Salon— sprach mit erhöhter Stimme der Ingenieur. „Zweifle nicht in. Mindesten daran und bitte, Meiner rücksichtsvollen Entschuldigung keine falsche Deutung zu geben... Sie haben auf mich ge- wartet? Ich erfuhr soeben, daß Sie uns mit Ihrem Besuche beehrt haben, und da habe ich bei der Ge- legenheit Ihnen gleichzeitig eine Karte von meinem Mann überbracht." „Besten Dank. Sie gestatten gütigst, daß ich..." Der Ingenieur erbrach das Bricfchen und las: „Herr Zaul! Nachdem ich mich überzeugt, daß Sie in der letzten Zeit meinen Interessen nicht mehr dienen, betrachte ich unseren Vertrag als auf- gehoben. liebergeben Sie die gesammte Leitung an den bisherigen Assistenten Herrn Nanschal, welcher auf meine. Anordnung nach vollständiger Uebergabe Ihnen ein halbjähriges Gehalt als Gratifikation an meiner Kasse anweisen wird. Genöthigt, in aller Eile nach Prag zu reisen, empfehle ich mich Ihnen Gabriel Chladek." Die Gattin des Unternehmers fühlte sich bitter getäuscht, als sie sah, wie der Ingenieur die Bot- schaft mit einer Miene las, als hätte er daraus er- fahren, ob es draußen regnet oder nicht. Sie hatte allerlei Bedauern und Ermahnungen in Bereitschaft, wollte mit Nathschlä'gen, wie er um eine Milderung der Strafe sich bemühen sollte, nicht geizen, und nun sah sie alle ihre edlen Absichten vereitelt. „Ich danke nochmals verbindlichst für Ihre Güte..." bemerkte der Ingenieur trocken. „Wollen Sie nicht mit meinem Manne sprechen?" versuchte Frau Chladek zu vermitteln.„Der Kutscher spannt erst an."—„Nein!" Die Gnädige verließ den Salon, nicht wissend, ob sie träumte oder wachte. Eelestyne suchte inzwischen Jrene's Bücher und Hefte zusammen. Ahnte sie den Inhalt des Briefes? Aus ihrem bleichen, ernsten Gesichte sprach eine tiefe Drancr, aber auch der Ausdruck eines neu gewonnenen festen Willens. „Besinne Dich, Geliebte," bat der Ingenieur leise.„Es soll einstweilen Alles nach Deinem Willen geschehen. Jetzt muß ich Dich aber ver- lassen, denn länger darf ich Dich durch meine Gegen- wart nicht komproniittiren. In aller Eile jedoch einige verständige Worte. Verbanne endlich alle Ge- spenster, die Du aus der Vergangenheit herauf- beschwörst und gegen Dich selbst hetzest! Du bittest den Hin.mel um's Leben: Du wirst es sindeu von dem Augenblick an, sobald Du anfängst zu ver- gesseu. Welche Pläne und Absichten hegst Du für die Zukunft?" „Ich bleibe Lehrerin." „Du bleibst es nicht, außer daß Tu wissentlich die ganze Bitterkeit verkannter und mißachteter Arbeit durchkosten wolltest, welcher Deine Eltern in der Unwissenheit unterlagen. Für Dein Wesen, für die ' Schätze Deines Kopfes und Deines Herzens würde Dir die Welt mit unwillig hingeworfenen Almosen lohnen, vielleicht mjt Mitleid, oder auch mit Be- leidigung. Und schöpften sich Deine Kräfte durch das fortwährend dargebrachte Opfer endlich aus, wäre für all Dein edles Wollen die Roth und Miß- achtung Dein Lohn. Du hast mich aufgefordert, nachzudenken, jetzt bitte, ja befehle ich Dir im Namen unserer Liebe, daß Tu nachdenken möchtest. Dein Herz wird Dir schon den rechten Weg weisen. Und jetzt... lebe wohl!" Der Brief des Herrn Chladek kam ihm erst wieder in den Sinn, als er bereits die Bauhütte betreten hatte. Der neu installirte Ingenieur brachte ihm denselben in Erinnerung. Herr Nanschal empfing seineu bisherigen Vorgesetzten mit verlegenen Eut- schuldigungen und Ausdrücken des Bedauerns. Zum Theil waren sie aufrichtig gemeint, aber nicht minder aufrichtig war auch die Freude, die er vergebens zu verbergen suchte. „Ich danke Ihnen," sprach Zaul lächelnd.„Mit unserer Arbeit flechten wir für uns selbst eine Peitsche. Je mehr und je besser die Arbeit, desto schwerer und schwerfälliger die Peitsche. Und ihre Hiebe schneiden sich gehörig in die Seele ein, wenn sie einmal, anstatt in die Arbeit, uns— aus der Arbeit treibt. Glücklicher Weise bin ich gegen diese Schmerzen gewappnet. Es schmerzt mich nicht einmal, daß Herr Chladek mir erlaubte, ihn eine Reihe von Jahren zu ernähren, und ich wundere mich gamicht, daß er mich nun in Gnaden entläßt, nachdem ich aufgehört habe, sämmtliche Früchte ausschließlich auf seine Tafel zu legen, und den Versuch machte, einige Abfälle den Hungernden zuzuwenden." Damit erhielt Herr Ranschal die gewünschte Auf- klärung, um welche er kollegialisch Zaul gebeten hatte. Die wohlgeordneten Zustände des Baues erleich- terten Zaul's letzte Verrichtungen. Am Schlüsse drückte er allen versammelten Kollegen und Untergebenen die Hand und ging. (Fortsetzung folgt.) 347 Von der Ebene in's Gebirge. Von Curt Grottewitz. s giebt nicht allzu viel Menschen, die einen wirklich tiefen ausgeprägten Sinn für die Natur haben. Am Meeresstrande, gegen- über der in's Unendliche sich verlierenden blauen, spiegelglatten See oder auf einem hohen Berge, von dessen felsigen Zacken aus die Abgründe, Thäler und Wälder zu Füßen des Beschauers liegen, da mag wohl Keiner sich dem Reiz der Landschaft ver- schließen, vielleicht selbst Der nicht, der seine Reise nur deswegen macht, weil es so Mode ist. Wer freilich die Natur wirklich liebt, der kann auch dann einen hohen Genuß haben, wenn er nur in der Ebene an einem wogenden Roggenfeld, durch ein stilles Dorf oder ein breites, flaches Wieseuland dahin- wandert. Die Landschaftsmaler unserer Zeit bevor- zugen die ebenen Gegenden sogar. Gerade an ihnen konnten sie ja am besten zeigen, was eine Landschaft dem Naturfreunde, dem scharfblickenden Naturfreunde bieten kann, selbst wenn sie der ländlichen Reize ent- behrt. Die Maler fürchteten ohne Zweifel, daß gerade diese letzteren die intimere Kenntniß der Natur, das liebevolle Eingehen in ihre Geheimnisse beein- trächtigen könnten. Denn was sieht man zum Bei- spiel an den meisten Alpenbildern alten Schlages: Blaue Berge, grüne Matten, schwarze Wälder, und immer wieder blaue Berge, grüne Matten und so weiter, wenn auch in jener großartigen Gruppirung, die nun einmal den Alpen eigen ist. Eben diese imposante Gruppirung ersparte ihnen ein genaues Studium der Natur.-Daß die Matte grün ist, dieses ganz äußerliche, oberflächliche Merkmal genügte jenen Künstlern zur Darstellung ihres Laudschastsbildes. Wie individuell erscheint uns dagegen heule ein Stück Natur. Jede Landschaft hat ihre in der Bodenart und in der Bodenbildung begründeten Eigenschaften, sie hat ihre besondere Pflanzendecke, das Aussehen wechselt nach den klimatischen Verhältnissen und jede Jahreszeit, jede Tageszeit, jedes Wetter giebt ihr neue Merkmale, neue Reize. Und das gilt nicht nur von der Gebirgslandschaft, das gilt ebenso von der flachesten Ebene. Gleichwohl wäre es sehr ein- seitig, nun auf jeden Fall etwa die sandige Steppe mit einer Gebirgsgcgendlandschaft gleichstellen zu wollen. Bei einer Gebirgs- oder Meereslandschaft kominen eben außer den individuellen Reizen noch die der mächtigen pittoresken Gruppirung hinzu. Wo beide miteinander verbunden sind, da ist die Wanderung ein auserlesener Natur- und Kunstgenuß zu gleicher Zeit. Deshalb giebt es kaum etwas Herrlicheres als eine Wanderung aus der Ebene in's Gebirge. Hier vereinigen sich die Reize der landschaftlichen Szenerie am innigsten niit dem Genuß, der aus der Beobachtung der freien Natur an und für sich ent- springt. Eine solche Wanderung ist zugleich äußerst abwechslungsreich. Denn das Gebirge enthält nicht nur eine Menge Landschaftsbilder, die der Ebene fremd sind, es begreift in vieler Beziehung die Natur- gebiete verschiedener Länder, ja mehrerer Zonen in sich. Je höher wir steigen, um so mehr ändert sich ja das Klima: die Temperatur wird niedriger und die Feuchtigkeit um so höher. Die Besteigung eines höheren Berges gleicht einer Wanderung in nordische Länder. Aber während wir Wochen, Monate brauchen, nin nach Norden, und vollends bis an die Grenze des ewige» Polarcises zu gelangen, genügt ein Tag, in günstigen Fällen genügen wenige Stunden, um von der Ebene bis zur Schncclinie eines hohen Berges zu gelangen. Welch ein jäher Wechsel der Zone, des Klimas, der Pflanzenwelt, des gesammten Natnrcharakters in so kurzer Zeit! Von ferne erscheint uns das Gebirge als eine langgestreckte steile Wand, die mit vielen spitzen Zinnen und Thürmen gekrönt ist. Je näher wir aber heran- kommen, um so mehr löst sich diese Wand in eine Gruppe neben- und hintereinander liegender schräg aufsteigender Hügel und Berge auf. Denn nur selten steigt ein Gebirge steil aus der Ebene empor. So erhebt sich der Kanimrücken des Ricsengebirges an manchen Stellen jäh aus der Umgebung, so thürmen sich besonders die Scealpen aus den Fluthen des Mittelnieeres kühn empor. Doch wir wollen die Alpen ferner aus dem Spiel lassen und uns an die Verhältnisse halten, die in unseren deutschen Äiittelgebirgen herrschen. Gewöhnlich ist hier der Uebergang vom Tiefland zum Gebirge ein allmäliger. Ein anmuthigcs Hügelland, die Vorberge, stellen die Vermittelnng dar. Sie sind die äußersten und darum kleinsten Wellen, die die erdbildenden Kräfte bei der Anfthürmung der Gebirgswogen erzeugt haben. Schon in den Vorbergen macht sich der Ebene gegenüber eine wohlthuende stanblose Frische und ein großer Reichthnm an Wasser bemerkbar, das in zahlreichen Bächen vom Gebirge herabströnit. Sind die Vor- berge nicht allzu steil, so geben sie noch einen recht guten Ackerboden für die landwirthschaftlichen Kultur- pflanzen. Jndeß ist der Ackerbau bei der Uneben- heit des Terrains immerhin mit Schwierigkeiten ver- Kunden, und so gewinnt die Viehzucht eine reichere Ausdehnung. Der feuchte Boden, die frische Luft, die zeitweise stattfindenden Ueberschwemmungen haben von jeher die Bewohner der Vorberge darauf hin- gewiesen, die natürlichen Wiesen der Flußthäler zu erhalten und künstliche an schrägen Berghängen an- zulegen, um genügende Nahrung für das Vieh zu haben. Die künstlichen Wiesen sind dem Walde ab- gerungen. Denn dieser ist es ja, der die natürlichste Pflanzendecke der Vorberge bildet. Da der Ackerbau erschwert oder an einem großen Thcile des bergigen Landes unmöglich ist, und die Viehzucht keine dichte Bevölkerung aufkommen läßt, so hat sich hier der Wald noch in großer Ausdehnung, wenn auch nicht in so großer wie auf dem eigentlichen Gebirge er- halten. Es sind meist Laubbäume, die hier die Herr- schaft führen, und auf vielen Hügeln hat die Roth- buche die Oberhand. Oft bildet sie gar reine Be- stände, und dann entstehen jene herrlichen Laub- hallen, die, von mächtigen, glatten, silbergranen Stammsänlen getragen, sich über dem fast das ganze Jahr über rothbraun gefärbten Blätterteppich erheben. Laubwald, Wiese in den Flußthälem und Felder, das sind die weitaus häufigsten Pflanzenlandschaften der Vorberge. Die Pflanzen selbst und die Thiere, die auf jenen leben, sind jedoch im Großen und Ganzen dieselben, wie die der Ebene. Einzelne in- dessen machen sich hier mehr bemerkbar, wie z. B. Traubenhollunder mit seinen leuchtend rothen Beeren oder der Bergahorn. Von der Thierwelt sind hier besonders die Vögel reicher als in der Ebene ver- treten, von der die Ausrottung der Wälder viele Arten gänzlich verscheucht hat. Wir steigen höher und gelangen nun an den Fuß des eigentlichen Gebirges. Da liegen sie nun vor uns, diese massigen Berge, die steilen Wände und abschüssigen Felsen! Eine neue Welt, eine neue Natur umfängt uns. Wir folgen einem der kleinen Flüsse, die in das Gestein des Gebirges ein tiefes Thal gegraben und dadurch einen natürlichen Weg hinauf auf die Berge geschaffen haben. Häufig genug ist gerade hier am Fuße des Gebirges das Fluß- thal am imposantesten. Hier bricht der Wasser- Die Neue Welt. Ilhiftnrte Unterhaltungsbeilage. 3-18 ström, durch zahlreiche Zuflüsse von beiden Seiten des Thales vergrößert, in elementarer Krast hervor und hier hat er sich bisweilen ein mächtiges Thor mit hunderte von Metern hohen steilen Gesteins- wänden gegraben. In einem solchen Felscnthor tritt z. B. die Bode aus dem Harz heraus. Der Fluß hat mit seinen schäumenden Wasscrmassen sich in langen Jahrtausenden die Thalöffnnng ausgebohrt. Wir sehen ihn noch heute bei der Arbeit, llngezählte Fclsblöcke und Steine, an denen das Wasser sich bricht und an denen es in schäumender Wnth seine Zcrstönlngsarbeit verrichtet, bezeichnen seinen Lauf. Die hohen Felswände zu beiden Seiten ragen so steil aus dem Wasser hervor, daß nur mit großer Schwierigkeit ein Weg in das Gestein gehauen werden könnte. Solch ein Engpaß aber am Fluß und unter Felswänden hin ist eine landschaftlich äußerst an- ziehende Szenerie. Er führt uns aber zugleich die Hanptkräfte vor, die in dem ganzen Gebirge wirk- sam sind. Hier in den steilen Wänden, die nur ganz spärlich von Pflanzenwuchs verhüllt sind, tritt das Gestcinsmaterial zu Tage, aus dem das Ge- birge aufgebaut ist. Und in dem Wasser des Flusses ist die andere Kraft enthalten, die zerstörende, die tiefe Rinnen, Thäler und Schluchten in das nr- sprünglich wenig gegliederte Gebirge hineinreißt, die die Berge abschleift und die geraubten Erdmassen hinabführt in die Ebene. Wir wandern den Fluß aufwärts. Wir schreiten an dem tosenden, Schaum werfenden Wasser dahin, das über die mit grünem Moos überzogenen Felsblöcke springt. Am Ufer wuchert die Pestwurz mit ihren großen, breiten Blättern. Sie bildet einen rechten Gegensatz zu den dürren Pflänzchen, die zur anderen Seite des Weges an dem Gestein hängen. Der Felsen ist ein harter schlimmer Boden für die Gewächse. Und nur einige vermochten sich ihm an- zupasse». Die Sonne brennt fürchterlich heiß ans das nackte Gestein und die sich bildende Verivitternngs- erde fällt, vom ersten Regen hinweggewaschen, hinab in die Tiefe, in den Muß, der sie weiter trägt. Es sind dickblättrige, niedere graue Sedum- und Sarifraga-Arten, die in den winzigen Spalten des Felsens einen Standort fanden, auch schöne Nelken mit schmalen Blättern, vor allem aber dürre nnscheiiüare, kaum sichtbare Flechten haften sich an das Gestein. Das Flußthal erweitert sich allmälig. Wir treten in einen breiten Thalkessel ein, der von bewaldeten Höhen umschlossen wird. Denn nun hier im eigent- licheii Gebirge ist der Wald durchaus vorherrschend. Zwar die Flnßthäler bilden auch hier Wiesen, aber der Ackerbau tritt ganz zurück. Allerdings gedeihen hier in der Laubwaldzone des Gebirges noch Roggen, Hafer und Kartoffeln, aber ihr Anbau ist schwierig und in keinem Falle sehr lohnend. Nur in einzelnen heißen Alpeuthälern wird edles Obst und Wein mit großem Erfolg gebaut, vor Allem in der Gegend von Mera». In unseren deutschen Gebirgen ist da- gegen die unterste Zone die Region der Laubbäume. Majestätische Eichen und Buchen bilden hier den Laubwald, zu ihnen gesellen sich vereinzelt Linden, Bergahorn und Birken. Ein dichtes Rand- und Untergebiisch von mannigfaltigen Stränchern findet hier ein günstiges, von Menschenhand wenig ge- störtes Gedeihen. Hier ist das schwarze Geisblatt heimisch, das die Ebene meidet, hier ist die Toll- kirsche häufig und die hohen, schmalen Stauden des rothen Fingerhuts zieren im Sommer den lichten Hoch- wald. Die Wiesen sind hier viel saftiger, sauberer, dunkler und sie nehmen an Frische und Schönheit zu, je höher wir steigen. Bereits treffen wir richtige Bergblnmen hier an, aber noch mischen sie sich mit den Wiesenpflanze» der Ebene. Erst auf der nächsten Höhenstnfe wird die Vegetation wirklich fremdartig. Wir folgen dem Fluß, an dessen Ufer sich Erlen und Weiden angesiedelt haben, weiter auf- wärts. Wt machen die Windungen nnt, die sein Lauf beschreibt, gehen aus einem Thalkessel in den anderen, nm immer von Neuem ein schönes Berg- Panorama zu bewundern. Doch schließlich sind wir in eine Zone gelangt, wo der Lanlnvald aufhört und das ernste Reich der Nadelbäume, der Fichte upd Tanne beginnt. Wie ini Norden auf das Gebiet der blattwechselnden Bäume eine Region der Nadel- Hölzer folgt, so auch hier. Wir befinden uns dem- nach jetzt in einer Höhenlage, die der subarktischen Zone entspricht. Der Nadelwaldgürtel beginnt in den Alpen erst in einer Höhe von über 1300 Metern, in dem nördlichsten deutschen Mittelgebirge, dem Harz, sind schon bei 600 Meter Höhe kaum noch Laubbäume anzutreffen. Die Luft ist hier bedeutend frischer, die Feuchtigkeit noch stärker als in der Laubwald- zone. Auch im heißen Sommer herrscht hier an- genehme Kühle. Der dunkle Fichtenwald ist wenig reich an Blumen und Kräutern. Nur wenn er sehr alt und infolgedessen lichter ist, bedecken der schatten- liebende Sauerklee, die dunkeln saftigen Blätter der Hasenwnrz, hier und da auch schöne Farnkräuter und Heidel- und Preißelbeergestränch den Boden. Der junge Fichtenwald ist durchaus pflanzenleer, Bänmchen drängt sich an Bänmchen, und so eng stehen sie aneinander, so dicht zusammengedrängt ist ihr Geäst, daß selbst ihre unteren Zweige verdorren, sich mit silbernen Flechten überziehen und schließlich ans den ganz und gar mit braunen Nadeln bedeckten Boden fallen. Dadurch entsteht ein Dickicht, das völlig undurchdringlich ist und dem Wild guten Unter- schlupf gewährt. Aber auch da, wo die Bäume be- reits ziemlich hoch sind, ist der Boden ein glatter, brauner Nadelteppich, dem höchstens niederes Moos sparsam eingewoben ist. Nur die Wege, die durch den Fichtenwald führen, geben ihm Gelegenheit, die Ränder mit einer abwechslungsreicheren Vegetation zu schmücken. Himbeergestränch, vereinzelte kleine Ebereschen und ein dichter Rasen von Gras, Weiden- röschen, Glockenblumen, Habichtskraut, Wegerich, Erdbeeren, Kreuzkraut, zum Theil in charakteristischen Arten bewohnen den Waldrand und die Böschungen des Weges, soweit dieser nicht in das Gestein ein- geschnitten ist. Hier in der Fichtenzone liegen jene Bergdörfer, die mit den sauber gestrichenen Holz- wänden und den Schindeldächern ihrer Hänser, mit dem Glockengcläute ihrer stattlichen 5tiihe, mit der malerischen Tracht ihrer Bewohner unlöslich mit dem Gebirge verbunden sind. Noch treffen wir hier im Dorfe oder in seiner Nähe ein vereinzeltes Hafer- seld, einige Kartoffeläcker und ein paar wie zum Schmuck angepflanzte Laubbäume, den Bergahorn, die Esche, die Eberesche. Einen größeren Raum nehmen dagegen in der Nähe der Dörfer die Wiesen ein, wunderbar saftige dunkelgrüne Wiesen mit kurzem Gras und den leuchtenden Gebirgsblumen, Enzian, Schlangenwnrz, Eisenhnt und vielen Anderen. Der Fluß, an dessen Seite wir in die Höhe gewandert sind, ist immer kleiner geworden, aber er hat an Wildheit zugenommen. Von den Berg- lehnen fließen ihm zu beiden Seiten muntere Bäche, zuweilen auch nur im Moose sickernde Wasserrinnen zu. Wir sind nun so hoch bereits gestiegen, daß wir einen großen Theil des Thales, das wir durch- wandert, weite Szenerien der Vorberge und der Ebene überblicken können. Wir sehen hinweg über dunkle, grüne Waldungen, über blaue Hügel und hinab in das Tiefland, iiber dem eine heiße flim- mernde Luft liegt und das sich in der Ferne in Ungewisses Dämmern verliert. Im Höhersteigen sehen wir eine seltsame Ver- änderung mit dem Nadeüvalde vorgehen. Die Fichten werden niedriger, stämmiger, sie sangen an, am Flechtenbehang zu leiden, und ihre Reihen sind nicht mehr so dicht. Die Heidel- und Preißelbeer- sträncher wuchern üppig in dem lichten, niederen Walde. An exponirten Stellen umfangen uns zähe, kühle Windstöße, und wir sehen, wie diese die Bännie zausen und rütteln, als wollten sie sie zu Boden werfen. Und nun gewahren wir eine neue Veränderung an den Fichten. Da stehen sie nun, wie nach einer heißen Schlacht, ihre Spitzen sind geknickt, so daß sie genöthigt waren, mehrere Hoch- triebe zu machen und strauchig zu wachsen. Ihr Stamm ist unverhältnißmäßig dick bei dieser niederen Höhe. Und wie sieht dieser Stamm aus! Er hat ganz jene stolze, pyramidenförmige Regelmäßigkeit verloren, die den Wuchs dieses schönen Baumes auszeichnet. Die Aeste sind zerzaust, gebogen, an der Windseite sind sie wie wegrasirt. Und je höher wir steigen, nm so gräßlicher sind die Verunstaltungen. Da steht ein Baum, am Fuße so dick wie ein alter Pflaumenbaum und doch kaum zweiMeter hoch, er hat nur zwei Aeste nach der dem Winde entgegengesetzten Seite, und diese Aeste haben kaum Zweige, sie sind mit Flechten dicht überwuchert und einige Schritte von ihm stehen andere Bäume ebenso traurig, ebenso elend wie ihr Kamerad. Nirgends tritt der Kampf der Pflanzen mit einem widrigen Klinia so aus- drncksvoll, ja so ergreifend hervor, wie in diesem Ringen der Fichten an der Baumgrenze. Man sieht es an diesen jammervollen Baumgestalten so Hand- greiflich vor sich, welchen Todeskampf sie mit dem mörderischen Winde in dem rauhen, nassen Klima, das die schmarotzenden Flechten begünstigt, zu be- stehen haben. Die Fichten werden immer zwergiger, und sie stehen immer vereinzelter. Wir treten in die Zone der Alpensträucher ein. Etwa bei 1000 Nieter Bieereshöhe liegt die Baumgrenze iin Harz, im Riesengebirge bei 1400 Metern. An der Baum- grenze befinden wir uns in einem Klima, das etwa dem des 70. Breitengrades entspricht. Es ist das Klima Lapplands und der sibirischen Tundren, ein Gebiet, in dem die warme Jahreszeit nur wenige Monate, ja nur wenige Wochen währt. Aber auch am heißesten Tage ist es in dieser Höhe kam» so warm, daß der Wanderer lange Zeit ruhig stehen oder sitzen konnte, ohne zu frieren. Fast innner geht hier oben ein sehr heftiger, scharfer Wind. lind vor ihm giebt es keinen Schutz, denn die Land- schuft ist ganz kahl geworden. Sie hat ihr Aus- sehen total verändert. Anstatt des dunkeln, stolzen Waldes umgiebt uns jetzt eine verdrossen grüne, niedere, herbstlich anmuthende Steppen- oder Nioor- Vegetation. Der Fluß, an dessen Ufern wir empor- geschri.ten waren, und der schließlich in der Nähe seiner Quelle zu einem ganz kleinen Bach geworden war, hat sich an der Baumgrenze ganz verloren. Denn hier in der Region der Alpensträucher be- finden sich häufig ausgedehnte Moore, die das Sammelbecken der ganzen in den oberen Bergregionen so reichen Feuchtigkeit darstellen. Hier gedeihen die Pflanze», die auch in den Hochmooren der nord- den'.schen Ebene vorkommen, die Torfmoose, die Ranschbeere mit bläulichen Blättern, die Torfbeere neben eigenthiimlichen Wollbinsen und Seggen, die fiir das Gebirge charakteristisch sind. Doch außer den Bioorgebieten treffen wir hier auch Strauch- partieen an. Vor Allem ist es die Zwergkiefer, das sogenannte Knieholz oder die Bergföhre, die hier oft große Bestände bildet. Biit seinen sehr geschmeidig» Aesten kriecht dieser Baum am Boden hin und bildet im Verein mit seinen Nachbarn ein zwar kaum mannr- hohes oder auch ganz niederes, jedenfalls aber sehr dichtes Gestrüpp, das außerordentlich schwer zu durch- dringen ist. Auch strauchartige Weiden, Birken und Erlen bewohnen diese„subalpine" Region, und ihnen gesellt sich manch anmnthlge Blume zu, eigenartige Anemonen, Primeln, Gentiancn, sehr wollige Habichts- kränter und andere mehr. Während so die Pflanzen- weit immerhin in noch ziemlich zahlreichen Arten vertreten ist, hat die Thierwelt hier oben nur sehr wenige Vertreter. Btan kann auf dem Kamm des Riesengebirges tagelang wandern, ohne einem Schniet- tcriing zu begegnen oder den Laut eines Vogels ZU h"ren. Allerdings giebt es einige wenige Thiere hier oben, so die Wasserspitzlerche, den Alpenflurvogel, die Alpenspitzmaus, aber sie sind doch selten anzn- treffen und bilden darum in dem Landschaftsbilde der oberen Bergrcgion kein wesentliches Element. Je mehr das rauhe Klima die Entfaltung des pflanzlichen und thierischen Lebens in Schranken hält, um so großartiger wird der Ueberblick, den wir von unserem Berge aus genießen. Denn nun hindern kdine hohen Bäume mehr die Aussicht. Nun sehe» wir erst deutlich den Umriß des Berges, auf den wir gesfegen sind, und nun können wir auch vo» unserem Standpunkt ans in die weite Bergwelt blicken, die sich uns erst jetzt erschlossen hat. Die deutschen Gebirge(mit Ausnahme der Alpen) ragen ja»ich' höher als in diese Zone der Alpensträucher hinein- Viele erreichen sie nicht einmal. Der Harz über- schreitet nur im Brockengebiete die Bannigrenze, auch Schivarzwald und bayrischer Wald haben ihre sub- alpinen Höhen, aber nur das Riesengebirge besitz* Die Neue Welt. Illustrirte Nnterhaltungsbeilage. 349 ausgedehnte Landschaften über der Waldgrenze. So- weit in die Ebene und auf ferne hellblau oerdäm- einem Punkte des Weltraumes aus hcrnbblickten auf bald wir daher in diese baumlose Negion gekommen merndc Berge am Horizont blicken. Und während das ferne Treiben dieses menscheubewohnteu Planeten. "Mul�e. Nach dem Gemälde von Karl Vinnen. sind ist auch der Gipfel des Berges nahezu oder wir auf dem kahlen, nur mit einer niederen, diistem der nns plötzlich so fremd erscheint und doch ein ganz erreicht Wir können den Bau des ganzen Pflanzendecke iiberzogetien und mit Steinblöcken über- Thcil ist der wunderbaren Natur, der wir nirgends Gebirges übersehen Höhenzüge und Thalsenkungen säeten Berggipfel stehen, überkommt uns ein Gefühl, entfliehen können!— in der Vogelperspektive überschauen und ringsum als ob wir der Erde selbst entrückt wären und von 350 Die Itcue Welt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. "Ire Von Heinrich Vogel. �chon im elften Jahrhundert wurde das er- fmtbeii, was wir heute Papier uenuen. Es besteht aus einer dünnen, zusammengepreßten Schicht uon stark verfilzten vegetabilischen Fasern. Um es inöglichst billig herstellen zu können, hat man von jeher zur Papiersabrikatiou das Fasermaterial uicht so verwendet, wie es von den Pflanzen ge- liefert wurde; sondern erst, nachdem es als Leinen- oder Bauinwollenzeug anderen Zwecken gedient hatte, benutzte man die zurückbleibenden Lumpen zur Her- stellung von Papier. Die Fasern bestehen alle aus Cellulose, die mit verschiedenen Klebstoffen überzogen sind. Reine Cellulose ist, chemisch betrachtet, ein Kohlenhydrat, besteht ans 0 Atomen Kohlenstoff, 10 Atomen Wasserstoff und 5 Atomen Sauerstoff und hat dieselbe prozentuale Zusammensetzung wie Stärke. Bis in unser Jahrhundert wurde Papier nur aus leinenen und baumwollenen Lumpen hergestellt. Man ließ die nassen Lumpen in einem zugedeckten Behälter zusammengedrückt zwei bis drei Tage faulen; dadurch wurde der Klebstoff, der die Cellulose ein- hüllt, soweit gelöst, daß die dann mit vielem Wasser zerstampften Lumpen gänzlich von der einhüllenden Materie befreit wurden. Später ging man dazu über, die Klebstoffe der Cellulose statt durch das stinkende Faulen durch Kochen in starker Natronlauge auszuscheiden; anstatt sie zu zerstampsen, zerfaserte man die Stoffe in mit Messern besetzten, bewegten Trommeln, den sogenannten Holländern. Außerdem bleichte man nach der Erfindung des Chlorkalks den Papierbrei mit Chlorkalk. War dies geschehen, so wurde durch Znsatz von unterschwesligsaurem Natron (Autichlor) die zerstörende Wirkung des Chlors aus die Faser selbst verhindert. Nachdem dann der größte Theil des Wassers abgelaufen war, wurde der zurück- gebliebene Brei auf ein Sieb geschöpft, das ein Arbeiter hin- und herschiittelte. Dann blieb eine dünne verfilzte Schicht auf dem Siebe, die sogleich auf ein dickes Filztuch gebracht und mit einem an- deren Filztuch zugedeckt wurde. War eine größere Anzahl solcher Schichten auf einander gestapelt, so brachte man sie unter eine Presse, in der das Wasser zum größten Theil ab- gepreßt wurde; die einzelnen Papierbogen erhielten so eine größere Festigkeit. Dann wurden sie aus den Filztüchern herausgenommen und vollständig ge- trocknet. So konnten sie als Druck- oder Verpack- papier verwendet werden. Wenn das Papier als Schreibpapier dienen sollte, mußte es geleimt werden. Dem Papierbrei wurde Alaun und Leim zugesetzt; dabei schlägt sich die im Alaun enthaltene Thonerde auf die Faser nieder und bindet gleichzeitig den Leim auf dieser. Wenn dann der so hergestellte Papierbrei ans die Siebe gebracht wird, läuft nur das Wasser ab, der Leim bleibt an den Fäserchen haften und verklebt sie beim Trocknen mit einander. Dadurch wird ihre Kapillarität aufgehoben, so daß man ans dem so hergestellten Papier schreiben kann, ohne daß die Tinte ausläuft.- Neuerdings leimt man Schreib- papier uicht mehr mit Leim, sondern mit Harzseife. Da die Oberfläche des mit der Hand auf Sieben hergestellten Papiers nicht sehr eben sein konnte, so mußte alles Haudpapier nachträglich geglättet werden. Dies geschah früher durch Glätten auf einer glatten Unterlage, jetzt wird es durch Satiniren zwischen fein polirten Stahlwalzen besorgt. Bei dem zunehmenden Verbrauch von Papier wurde die Handarbeit immer mehr durch Maschinen- arbeit verdrängt. Früher konnten die einzelnen Bogen nur so groß sein wie das größte Sieb, mit dem ein Arbeiter noch Hantiren konnte; jetzt liefern die Maschinen das Papier in endlosen Rollen von bedeutender Breite, indem der Papierbrei auf einem endlosem Siebe aus feinem Messingdraht, das sich ununterbrochen schüttelnd vorwärts bewegt und ein in sich zurückkehrendes Ganzes bildet, so meit fortgeführt wird, bis der größte Theil des Wassers abgelaufen ist. Die völlige Entwässerung erfolgt dann auf Filztllchern, die sich an das Sieb an- schließen, und zwischen erwärmten Walzen. Der große Bedarf von Papier kann schon lauge nicht mehr mit der Verarbeitung von Lumpen allein gedeckt werden; denn es giebt bei Weitem nicht so so viel Leinen- und Baumwollabfälle, als Cellulose als Schreib- und Zeitungspapier gebraucht wird. Schon im vorigen Jahrhundert wurden deshalb in einigen Ländern Ausfuhrzölle ans Lumpen erhoben. Aber diese Maßregel genügte nicht. Man mpßte an Ersatz für die Lumpen denken. Es wurden Versuche mit Stroh, mit afrikanischem Alfagras und anderen Materialien gemacht. Natürlich waren diese Versuche nicht gleich von Erfolg gekrönt, und man wurde daher mißtrauisch gegen jeden Ersatz des Lumpenpapiers. Einzelne dieser sogenannten Ersatz- stoffe waren in der That nichts Werth. So setzte man dem Papierbrei Massen von Gips und ähn- lichem Material bei, das wohl die Masse des Papiers vermehrte, aber seine Festigkeit sehr be- einträchtigte. Indessen gelang es der Papierfabrikation, sich niit Hülfe der erweiterten cheniischen Kenntnisse fast vollständig von der Verwendung von Lumpen unab- häugig zu machen und dabei nicht nur ein Surrogat, sondern einen vollständigen Ersatz für Lumpenpapier zu liefern. In viele Papierfabriken kommen heute überhaupt keine Lumpen mehr hinein. Gegenwärtig ist das Material für den bei Weitem größten Theil des angeferfigten Papieres Holz. Zwar waren auch die ersten Versuche mit Holzstoff nicht erfolgreich. Im Jahre 1846 wurde in Süddeutschlaud zuerst ein sogenannter Holzschliff in der Weise hergestellt, daß die Hölzer gegen einen nassen Mühlenstein ge- drückt wurden, der sie zermahlte. Der hierdurch gewonnene Holzbrei war natürlich kauni faserig und seine Verfilzungsfähigkeit sehr gering. Dabei er- schwerten die in ihm enthaltenen Harzbestandtheile und die Färb- und Gerbstoffe das Bleichen. Man konnte diesen Papierschliff nur als Zusatz zu Lumpen- papier verwenden, indem es die Masse des Papieres vermehrte, während die Lumpen die Haltbarkeit geben mußten. Man erkannte daraus, daß man aus Holzcellulose nur ein brauchbares Papier her- stellen konnte, wenn die Cellulose von den sie um- schließenden Harzstoffen re. befreit würde, und eine größere Verfilzbarkeit allein zu erreichen war, wenn die Zerkleinerung nicht durch Zermahlen bewirkt wurde. Coupier und Mellier erreichten dies zuerst 1852 durch anhaltendes Kochen von in 15 Zentimeter dicke Scheiben geschnittenem Holze mit Natronlange unter einem Drucke von zehn Atmosphären. Die aus dem Kocher kommenden Scheiben sahen dunkelbraun aus, doch sind nunmehr die die Cellulose einhüllenden Harze k. in Wasser löslich und werden, wenn niau die Holzscheiben zerstampft und mit einer großen Menge Wassers anrührt, vollständig ausgelaugt; alsdann kann die ziemlich langfaserige Cellulose leicht mit Chlorkalk gebleicht und für sich oder im Holländer mit Lumpenbrei verarbeitet werden und liefert ein brauchbares Papier. Seit dem Jahre 1384 ist indessen diesem unter dem Namen Natroncellulose viel zur Papierfabrikation verwendeten Material ein mächtiger Konkurrent in der sogenannten Sulfitcellulose erwachsen. Im Jahre 1874 hatte Ail. Mitscherlich gefunden, daß man die Holzfaser durch starkes Kochen mit sauren, schwefligsauren Salzen vortheilhafter von den sie einhüllenden Harzstoffen befreien kann, und daß die Cellulose dadurch weniger augegriffen wird, als durch Kocheü mit Natronlauge. Aber als er au die praktische Verwerthung seines Verfahrens gehen wollte und es zum Patent anmeldete, erhielt er den Bescheid, daß schon im Jahre 1866 von einem Engländer B. Tilghman die Wirksanikeit der sauren schwefligsauren Salze(Bisulfiie) zur Ge- winmmg reiner Holzcellulose beschrieben worden war. In Deutschland darf aber nichts zum Patent an- gemeldet werden, ivas schon von einem Anderen in gleicher oder ähnlicher Weise beschrieben worden ist, wenn uicht seit der letzten öffentlichen Mittheilung 50 Jahre verstrichen sind. Mitscherlich versuchte nun, ein Patent auf Her- stellung eines beliebigen anderen, bei dein Prozeß auftretenden Stoffes anzumelden, um so nebenbei die Cellulose gewinnen zu können. Da das verwendete Tannen- und Fichtenholz, wie die meiste» Hölzer, auch� einen gewissen Gehalt an Gerbstoff besitzt, beantragte er ein Patent zur Herstellung von Gerbstofflauge durch Kochen von Holz in einer Lange von Calciumbisulfit unter einem Drucke von etwa>5 Atmosphären. Weil ein solcher Borschlag bis dahin nirgends gemacht worden war, obwohl man Gerbstoff ans andere Weise Iveit bequemer und billiger gewinnen kann, so wurde auf dieses Verfahre» der Patentschutz ertheilt, und die von Aiitscherlich autorisirten Fabriken fabrizirten unter diesem Schutze längere Zeit allein die schnell beliebt gewordene Sulfitcellulose. Die Gegner, namentlich die Natron- cellulosefabrikanten beruhigten sich indessen nicht, sie fochten die Gültigkeit des Patentes an, schließlich mit Erfolg, indem sie nachwiesen, daß seit dem Tage der Anmeldung noch nicht 1 Kilogramm aus der Sulfitlauge hergestelltes Gerbstoffmaterial käuflich ä" haben sei, und daß das ganze Verfahren nur de» Zweck habe, einem Verfahren der Eelluloseherstellimg Patentschutz zu erwirken, das nicht patentfähig ser Das Patent wurde also, soweit es sich auf das Kochen des Holzes bezog, für nichtig erklärt und»nr die von Mitscherlich angemeldete Herstellungsweise der Sulfitlauge blieb patentrechtlich geschützt, da sie i» der That neu war. Das Verfahren bestand dar»', daß man Pyrite(Schwefeleiseu) röstete und dabei entstehende schweflige Säure in einen 25 Meter hohe» thurmartigen Apparat leitete, der mit Kalkstein- oder Magnesitstücken gefüllt war. Diese wurden von obe» mit Wasser berieselt, und die aufsteigende schweflige Säure, die sich in dem Wasser löste, verband sieh mit dem Kalk zu Calciumbisulfit, das in dem herabrieselnden Wasser gelöst und am Fuße des Thurwes gesammelt wurde. Obgleich nun der Patentschutz für den Sulfitkocher selbst nicht mehr bestand, wäre» die anderen Fabrikanten, die nach diesem Verfahren Sulfitcellulose herstellen wollten, nach wie vor ge" nöthigt, sich wegen der Lizenz auf diese Thiiri»e an die Aktiengesellschaft für Maschinenfabrikation'» Aschaffenburg zu wenden, der das Patent abgetreten war. Jetzt sind alle Streitigkeiten um dieses Pate»' hinfällig, da in Deutschland Pateute nur fünfzehn Jahre in Kraft bleiben, das 1876 angemeldete all» 1893 erlosch. Auch erfand man später noch e»' bequemeres und billigeres Verfahren zur Herstellung der Sulfitlange. Die Sulfitcellulose zeigt gegenüber der Natrp»" cellulose so bedeutende Vorzüge, daß die Natro»" cellulosefabrikanten sich allmälig fast sämmtlich e'ü" schlössen, ihre Fabriken für Sulfitfabrikatton umzubauen- Man baut diese Kocher jetzt gleich von mächtige»! Umfange, in einer Höhe von 8 Meter und eine'» Durchmesser von 4 Nieter, so daß man bequem'»" einem Omnibus hindurch fahren könnte. Sie werden, da Eisen von den Laugen stark angegriffen wn» und Blei den starken Atmosphärendruck nicht aushäff, innen mit zwei Lagen säurefesten Steinen in der Weve überkleidet, daß die mit Cement gut verschmierte» Fugen der unteren Lage gegen die der oberen Lage um die Hälfte verschoben sind. Erst dieser Schutz" niantel sichert den äußeren eisernen Kessel vor bei» baldigen Zerfressenwerden. Geheizt werden sie ve»' innen durch mehrere Systeme von starken Ble'röhte»- Obwohl die äußeren eisernen Kessel von stärkste»! Material hergestellt und mit einer dreifachen Reitze von Nieten die einzelnen Bleche aneinander besesi'g werden, sind solche Kocher doch schon mehrfach explod". und haben einen gewaltigen Materialschaden»" Vernichtung von Menschenleben zur Folge geh»».. Das Sulsitcelluloseverfahren hat sich alli»»"? der Papiersabrikatiou so überwiegend bemächtigt, b»» trotz des sehr gestiegenen Papierverbrauchs an ol Stelle des früheren Mangels an Lumpen jetzt e» Mangel au Verwendung für sie getreten ist iind�'hs Preise bedeutend zurückgegangen sind. Für die' den Papierfabriken beschäftigten Arbeiter ist RC- insofern kein Nachtheil, als gerade das Verarbeite! der unreinen Lumpen bei ihnen besonders häustg Krankheiten verursacht.— "�ic Reue Welt. Illustrirte Anterhalwngsbeilage. 351 � Dis WLcltter fat't'en. finten im©arten, in der stillen, von wildem Wein umrankten Laube fast Hanna, die ©onucrnamc, nird wartete auf Stefan, den ältesten Sohn des Doktor Klaus, der Ztadt kommen sollte. Sie hielt die Hände über den Schoost gekreuzt und starrte vor sich hin und lauschte. Sie zitterte bei dein geringsten Geräusch eines welken Blattes, das in ihrer Nähe zu Boden siel, oder bei dem harten ftliigelschlag einer Krähe, die über dem Garten durch die trübe Herbstlust strich. l � Hanna lauschte und schaute von Zeit zu Zeit über die niedrige Gartenhecke ans den Feldweg hinaus, der vom Bahnhos herüberführte. Von dorther mustte Stefan kommen. Ihren Brief hatte er gestern erhalten und für einige Stunden gab man ihm sicherlich llrlanb. Und mit dem Abendschnellzug konnte er lvieder zurückkehren. Aber mit Schreck dachte sie dann: Wenn er nun doch nicht käme? Wenn er sie gerade jetzt im Stiche lieste? Doch nein— sie war dessen sicher, dast es ihm ebenso nahe ging wie ihr. Sie stellte sich sein Entsetzen vor, als er ihren Brief erhalten hatte. Und doch! Was konnte er ihr Helsen? Was konnte er dabei thun? Wie ein dumpfer Druck lastete es auf ihrem Herzen, und die Bangigkeit schnürte ihr die Kehle zusammen. Was sollte daraus werden? Immer >vieder stand die eine Frage vor ihr, immer wieder— bis ihr der Kopf brannte und vor ihren Augen Alles M schimmern begann. Und kein Ausweg! Trotz alles Sinnens und Suchens kein Ausweg... ! Hanna hörte ein Geräusch in der Ferne und blickte erschreckt auf. Ein Bauer fuhr mit seinem Wagen über das Feld. Die Räder sanken tief in den dunklen, dampfenden Boden, den die Regengüsse der letzten Tage aufgeweicht hatten. Gedämpft, mit hartem, kurzem Schall klang der Zuruf des Bauern Und der dünne Knall seiner Peitsche herüber. Dann warf Hanna einen Blick aus das Haus, dessen meiste Rückwand zwischen den halbentlanbten Bäumen durchschimmerte. Wenn man sie jetzt ent- deckte, so war Alles verloren. Der Zug aber, meinte sie, miistte schon längst die Station passirt haben. Schon, als sie aus dein Hans getreten, war es ihr gewesen, als höre sie das langgezogene Pfeifen der Lokomotive. Plötzlich erinnerte sie sich jenes grausamen Herbst- tages im vorigen Jahre, als sie von ihrer Mutter Abschied genommen hatte, um in die Welt hinaus- Zugehen. Draußen klatschte der Regen an die Fenster jener dunklen Wohnstube, in der sie ihre Kindheit verbracht hatte, und von der Wand blickten die alten, bekannten Bilder herab und schienen sie zum letzten Wal zu grllsten. Unten wartete der Wagen und die alte Mutter kiistte sie auf die Stime und sagte mit zitternder Stimme:„Leb' lvohl, mein Kind! Wer b)eiß, ob wir uns jemals wiedersehen. Du hast uichts auf dieser Welt, als Deinen ehrlichen Namen. Sieh' zu, daß Du ihn Dir stets bewahrst." Das war der Abschied gewesen. Jetzt dachte Hanna daran und fühlte, wie sich ihre Augen mit Thränen füllten. Dann fing sie wieder zu überlegen au. Stefan mußte doch irgend einen Rath wisse»; er war ja viel erfahrener. Und er konnte doch nicht anders. Und sie dachte an all' das Geschehene: an die Szenen auf der Wiese draußen, im Sommer, a» die Spaziergänge im Wald und an jenen Regen- �achmittag, als sie allein mit ihm im Hause gewesen. So war es gekommen: langsam und allmälig wie An süßes, schleichendes Eist hatte es sich in ihre Seele gefressen, ehe sie es ahnen konnte, zu ihrem Verderben. [ Wieder verging eine Weile in lautlosem Schweigen. Hanna fror in ihrem dünnen Hauskleide aus rosa Kattun. Sie war rasch davongelausen, als die Doktorin einen Bestich bekommen hatte. Und bis die Kinder aus der Schule heinikehrten, mußte sie Nieder im Hause sein. Skizze von G. Miunsi). „Mein Gott, welche Qual!" dachte sie und preßte die Hände fest zllsanimen. Sie war nahe daran, in Weinen auszubrechen. Aber sie dachte an den Vormittag, Ivo sie mit Helene Klavier gespielt hatte, und beherrschte sich. Vormittag aber war es plötzlich mit aller Alacht über sie gekommen: die Noten hatten vor ihren Augen zu tanzen angefangen und jeder Ton hatte ihr in die Seele geschnitten. So hatte sie gespielt und immer weiter gespielt und still vor sich hin geweint, bis Helene erschrocken inne gehalten hatte, weil sie glaubte, daß sie krank sei. Dann zuckte sie wieder zusammen. Vorne im Hof fuhr der Wagen des Doktors ein, der von einem Krankenbesuch zurückkehrte. So spät war es schon! Hanna bebte bei dem Gedanken, daß man ihre Abwesenheit jetzt entdecken werde. Ihre blassen Wangen rötheten sich wie in heftigem Fieber. Sie fühlte, wie es in ihren Schläfen vor Aufregung pochte und hämmerte und wie ihre Hände glühten. Angstvoll auf jedes Geräusch horchend saß sie da, mit ruhlos umherirrendem Blick, ungewiß, ob sie noch länger warten solle oder nicht. Plötzlich tauchte über dein Fenster ein Schatten auf und kam rasch näher. Noch ehe ihn Hanna deutlich erkennen konnte, wußte sie, daß es Stefan sei. Dann sah sie seine lange, schmale Gestalt, zum ersten Mal mit der Uniform bekleidet. Sie fand, daß er nicht mehr so vornüber gebeugt gehe, wie sonst. Als er vor drei Wochen das.Haus verlassen, hatte er noch keine Uniform getragen. „Wie seltsam er darin aussieht!" dachte Hanna, während Stefan rasch den Feldweg überschritt. Je näher er kam, desto beklommener wurde Hanna zu Mnthe. Endlich sprang er über die niedrige Hecke und stand vor ihr, ehe sie noch Zeit gehabt hatte, sich zu fassen. Er war athemlos von dem schnellen Gang und sagte keuchend: „Guten Tag, Hanna! Es hat mich natürlich Mühe gekostet, heute Urlaub zu bekommen. Ich sagte, meine Großmutter sei gestorben. Na,— das dürfte sie nicht wissen." Er reichte ihr die Hand und setzte sich zu ihr auf die Bank. Eine Weile schwiegen Beide. Sie hatten es noch nicht gewagt, einander in die Augen zu schauen. Stefan wollte zuerst sprechen, aber er wußte nicht, wie er beginnen sollte. Ungeduldig zerrte er an seinem kurzen Seitengewehr, das sich nach rückwärts verschoben hatte. Dann fing Hanna, die ausgestanden war und sich an den runden Stein- tisch gelehnt hatte, an: „Meinen Brief hast Du also bekommen?" Stefan blickte ans. Der ruhige Ton ihrer Stimme schien ihn zu verblüffen, es schien, als hätte er sich auf heftige Verzweiflung gefaßt gemacht. Hanna beobachtete ihn und bemerkte nun, daß seine Wangen bleich und eingefallen waren. Seine Augen lagen tief in den Höhlen. Sie wußte nicht, ob es dieses Ereigniß war oder der ungewohnte Militärdienst, der ihn so mitgenommen hatte. Und Stefan erwiderte: „Ja, Kind... den Brief habe ich schon gestern erhalten. Ich muß schon sagen: Ich begreise das Alles nicht..." „Es ist aber so!" sagte Hanna leise.„Seit acht Tagen weiß ich es nun. Es ist kein Zweifel möglich..." „Aber..." begann Stefan nach einer Weile mit unsicherer Stimme:„... Acht Tage schon... da hättest Du doch gleich schreiben können!" Hanna blickte ihn an. Dann erwiderte sie langsam, gleichsam jedes Wort abwägend:„Wenn man von Tag zu Tag wartet und hofft..." „Ich begreise!" sagte Stefan tonlos. Er beugte sich vor und stützte die Anne aus beide Kniee. Was hatte er sich seit gestern Alles zurechtgelegt: Einfälle, Vorwürfe, Trostgriinde— nun konnte er sich auf nichts davon mehr besinnen. Nur die Vorwürfe, die er während der Eisenbahnfahrt ausgesonnen hatte, waren ihm noch in der Erinnerung, aber ohne die feine, überlegte Motivirung, die er ihnen gegeben hatte. Stumm saß er nun da und hörte, daß Hanna zu ihm sprach und Alles erklärte. Aber er verstand anfangs kein Wort davon. Nur ihre leise, ein wenig zitternde Stimme hörte er, die ihm wohlthat. Dann aber besann er sich, nahm alle Kraft zusammen und horchte auf. Ja, nun begriff er Alles, was sie sagte. Aber mit einem Ruck fuhr er in die Höhe und erwiderte ohne alle Ueberlegung, sich ganz seiner rathlosen Verzweiflung hingebend: „Aber, was geht mich denn das Alles an? Ich kann ja doch jetzt nichts machen— jetzt, wo ich beim Militär bin und alle Hände voll zu thun habe... da bleibt mir wahrhaftig keine Zeit, auch an so Etwas zu denken!" Hanna betrachtete ihn aufmerksam. Dann er- widerte sie kühl:„Ich wußte, daß Du das zuerst sagen wirst, aber gieb Dir keine Mühe. Ich habe nun acht Nächte Zeit gehabt, das auch zu über- legen." Die Ruhe Hanna's reizte ihn immer mehr. „Also, was denkst Du Dir denn eigentlich?" stammelte er.„Was soll denn daraus werden? Meinst Du vielleicht, ich soll jetzt bei Dir sitzen bleiben und Dich trösten? Ich... brauche selbst Trost und Schonung... gerade jetzt. Siehst Du denn das nicht ein?" Je erregter er geworden war, desto kälter und klarer wurde Hanna. Nun erwiderte sie langsamst „Sieh, Stefan, es hat keinen Sinn, uns mit Vor- würfen zu überhäufen. Was geschehen ist, ist ge- schehen. Wir haben nur noch eine halbe Stunde Zeit. Willst Du Dich ruhig mit mir berathen?" Beschämt lenkte Stefan ein. Er habe es nicht so gemeint. Sie müsse doch einsehen, wie ihn das Alles so aufrege... so über Nacht! Und plötzlich fiel ihm Etwas ein, an das er vor- her nicht gedacht hatte. Sein Gesicht hellte sich auf. Ob sie denn nicht, jetzt oder später, wie es ihr am besten dünkte, zu ihrer Mutter zurückkehren wolle? Das sei doch wohl für den Anfang das Einfachste ... und inzwischen hätte man Zeit... Hanna sah ihn eine Weile an. Um ihren Mund zuckte ein schwaches Lächeln. Dann sagte sie: „Das werde ich aus keinen Fall thun. Schon um meiner alten Mutter willen nicht... aber es ist freilich klar, daß Dir das am liebsten wäre!" Sie betonte die Worte so eigenthümlich, daß Stefan verlegen wurde. Er fühlte, daß er eine Dummheit begangen hatte. Nach einer Weile meinte er, einen anderen Rath wisse er nicht. An eine solche Möglichkeit habe er den Sommer über eben nie gedacht. Er hielt inne und betrachtete Hanna, die schwei- gend vor ihm stand und über den Garten hinaus auf das Feld starrte. Er hatte sie jetzt mehrere Wochen nicht gesehen und sie erschien ihm nun schöner und anmuthiger, denn je. Plötzlich erfaßte ihn Mit- leid mit ihr und er dachte einen Augenblick ernstlich daran, seinem Vater Alles anzuvertrauen— jetzt gleich, so, wie er nun doch hier war. Und er dachte an die Ueberraschnng, die es geben würde. Aber dies währte nur einen Augenblick. Dann stieg der Groll, der gestern gegen Hanna in ihm erwacht war, von Neuem auf, und er besann sich seiner jetzigen Stellung und seiner ganzen weiteren Laufbahn. Es geht nicht! Es geht nicht! dachte er. Damit verderbe ich mir ja meine ganze Zukunft. Und gleich darauf überlegte er: Wer war denn eigentlich an Allem schuld? Mit gehässigem Blick musterte er Hanna's geschmeidige Gestalt, während sie jetzt mit ein wenig zurückgebogenem Oberkörper vor ihm stand. Sie... sie hatte ihn während dieser unglückseligen Ferien verführt: sie mit jeder ihrer Bewegungen, mit ihrem Lachen, mit ihren Blicken! Ihm wäre es sonst nie eingefallen, sie zu begehren. Er hatte ganz andere Dinge damals im Kopf gehabt. Und selbst wenn er sich verliebt hätte, sie hatte es so weit kommen lassen. Sie allein. Und stoßweise kam der Haß in ihm zum Durchbruch. m Die ftcue Hielt. Illustrirte Unterhaltungsbeilage. Und während er sich erhob und vor Hanna hinstellte, begann er:„Eigentlich hat es gar keinen Zweck gehabt, mich hierher zu zitiren. So in aller Eile und bei dieser Gefahr kann man doch keiner vernünftigen Gedanken fassen. Meinst Du nicht auch?" Hanna nickte. „Ja", erwiderte sie leise.„Es war ungeschickt von mir. Aber ich wollte Dich wenigstens sehen." „Das verlohnte der Mühe!" fuhr Stefan hart- näckig fort.„In einigen Tagen wirst Du mich vielleicht wieder sehen wollen." Hanna schüttelte den Kopf. „Nein, nein!" sagte sie langsam.„Nun weiß ich ja, daß es keinen Zweck hat, auf Dich zu bauen. Tie Ferien sind ja jetzt vorbei und Du bist jetzt in der Stadt. Nicht wahr, Stefan?" „Allerdings!" erwiderte er aufgebracht.„Oder hast Du Dir gedacht, daß das ewig dauern werde? Daß ich von jetzt an nichts Anderes zu thun haben werde!" Hanna lächelte mühsam. Je länger Stefan sprach, desto mehr empfand sie das Traurige und Häßliche dieser Situation. Sie mußte sich immer wieder be- sinnen, was sie eigentlich wolle, und erwiderte dann halb abwesend: „Was ich damals dachte, das weiß ich heute nicht mehr. Jedenfalls muß es etwas Wahnsinniges gewesen sein, sonst hätte ich mich nicht so vergessen können." Sie wollte noch sagen: Er möge sich doch an Alles erinnern, wie es gewesen sei, und daß er keine Ursache habe, die Schuld auf sie zu schieben. Sie wollte noch sagen: Er möge daran denken, wie er damals Tag für Tag keine Rnhe gegeben und ge- drängt und gebettelt habe. Doch sie besann sich, daß dies ja auch Vorwürfe seien, nutzlose Vorwürfe. Und so schloß sie blos: „Was geschehen ist, ist geschehen." Stefan sah sie an in ihrer stillen, stolzen Rnhe. Mit einem Male lag er wieder in dem Banne dieses jungen Mädchens und es kam über seine Sinne wie ein Rausch. Er hatte die Enipsindung, als müsse er sich auf sie stürzen und ihren Mund mit Küssen verschließen. Aber plötzlich packte ihn die ganze Ver- zweiflung seiner Lage. Er verlor alle Besinnung und sagte mit exaltirter Stimme: „Ich kann nicht!... Ich kann»ich s machen. Das Alles geht mich nichts an. Das ist Deine Sache, und ich will nichts mehr davon hören! Gar- nichts! Garnichts!" Nach diesen Worten stürzte er ohne Gruß aus der Laube, durcheilte den Garten und sprang über die Hecke. Eine Weile stand Hanna wie betäubt da und starrte der Gestalt nach, die rasch in der Ferne ver- schwand. Es war ihr so seltsam zu Muthe, wie noch nie. Das... das war doch nicht möglich. Das war doch nicht derselbe Mensch, den sie ün Sommer geliebt hatte? Sie fuhr zusammen. Ein kalter Schauer stfjiü' telte ihre Glieder. Das also war das Ende... Langsam kehrte sie in das Haus zurück, langmm stieg sie die Treppe hinauf und betrat ihre kleine Kammer. Sie setzte sich auf einen Stuhl und blickle eine Weile stumpf und muthlos vor sich hin. Dann erst kam sie mit einem Male zum vollen Bewußt- sein des Geschehenen und brach in ein erschütterndes Weinen aus.— I e n i L L e t o n. Krabschrift im Walbe. Von einem Grabstein tief im dunkeln Tann Sah u mich grauäugig diese Worte an: Wir starben, daß Ihr leben sollt, Uns hat die Sonne auch gelacht, Nun blendet uns ihr heißes Gold, Uns liebt die Nacht. Otto Julius Bierbaum. Nnhe. Unter den Worpswedern, von denen an dieser Stelle schon früher einmal die Rede war, ist Karl Vinnen wohl das stärkste Talent. Er ist fast aus- schließlich Landschafter, der braune Moorgrund seiner Gegend giebt ihm die liebsten Motive. Seine Bilder haben„Erdgeruch"; es ist, als steige aus den Mooren, die er malt/ der Dunst ans, man hat das Gefühl, daß die Schollen weich und„glitschig" sind und man einsinken müßte, konnte man darüber gehen. Bezeichnend ist, daß der Maler die Formate seiner Bilder so groß wählt, viel größer, als man es von den Landschaftern gewohnt ist � das Original unseres heutigen Bildes mag wohl drei Meter in der Höhe messen—: dem Künstler ist die Natur heilig, er ist so erfüllt von ihrer Größe und Schönheit, daß Alles ihm wichtig scheint, daß er jede Schattirnng des Birkenstammes und jede Fichtenuadel in sein Bild mit hineinbringen möchte. Trotz des großen Formats erscheinen seine Bilder nicht leer, weil wirkliches Leben in der dargestellten Natur zu spüren ist. Wie der Boden Erdgeruch ausströmt, so blühen und sprossen die Pflanzen, so ivurzeln die Bäume fest in der Erde, so ziehen die Wolken leicht über den Himmel hin. Und mit lvelchcr Klarheit ist, wie ans allen, so auch auf unserem Bilde die Stimmung herausgebracht! Die Ruhe des Herbsttages, die goldige Ruhe, in der alle Kraft der crschöpfreu Erde wie aufgelöst erscheint. Ucbcrall tiefe, volle Farben: In mildem Glänze strahlt die Sonne von dem dunkelblauen Himmel hernieder, lichte, leichte Wolken segeln ruhig dahin und werfen breite Schalten über das Land. Wie Säulen ragen die starken, leuchtenden Stämme der Birken ani Bachrande empor, hinein in das Himmels» blau, in schivanken Umrissen kehrt ihr in den Farben vertieftes Bild und das der Wolken in dem klaren Wasser- spicgel wieder. Schwere Feuchtigkeit liegt überall in der Luft, an den kahlen Zioeigen der Birke hat sie sich ver- dichtet, gleichmäßig und schwer fällt Tropfen auf Tropfen herab. Und wenn der Tropfen auf den Spiegel des Baches fällt, wie gerade jetzt, dann wird sein klares Bild getrübt, in konzentrischen Ringen breitet die kleine Welle sich aus, allmälig schivindcnd. Dann ist wieder Alles still, die leise Bewegung verstärkt nur noch den Eindruck der tiefen Ruhe in der Natur.— Im Krater des Vulkans. In seinem Buche„Mexiko, Skizzen aus dem Italien der neuen Welt"(Berlin, All- gemeiner Lerem für deutsche Literatur) schildert Ernst Below eine Besteigung des Popocatepetl, die er mit einigen Führern und Begleitern unternommen hat: Der Schwefelgeruch, der sich, je näher wir dem Gipfel kamen, desto deutlicher bemerkbar machte, deuchte uns als ein gewisses Zeichen, daß wir uns endlich dem Ziele nahten. Endlich um ein Uhr waren wir auf dem Gipfel, nachdem w>r uns zu einer letzten übermenschlichen Anstrengung unserer Kräfte aufgerasit. Zuerst waren wir von Wolken umgeben. Dann thciltcn sich die Nebelschleier an einigen Stelleu und gewährten hier und da blaue, lichtvolle Durchblicke in das sonncubeschienene Land. Wie durch plötzlich sich öffnende Fenster sah mau, wo man nichts vermuthele als Wolken, sonniges Gelände, dann wogten und wallten die Nebelmassen weiter darüber hin, bis sich auf einer anderen Stelle ein ähnliches Augeublicksbild aufthat. Wo wir standen, bot sich kaum ein Plätzchen zum Ausruhen; vor uns der gähnende Schlund des Kraters, hinter uns der steile Absturz— wo sollte man da den müden Gliedern eine Rast gönnen? Der Rand des etwa 250 Fuß tiefen Kraters ist au der Onscitc niedriger, wie abgebröckelt. Allerorten um uns her am Rande sah man Dämpfe von schwefliger Säure hervorbrechen, ivclche die Luft verpesteten. Es ist noch ein beträchtliches Stück Weges zurückzulegen bis zur Winde am Krater. Während wir frühstückten, brachten die Führer die Winde, mittelst deren mau in den gähnenden Schlund hinabgelassen wird, in Ordnung, indem sie das mitgebrachte Tau mit dem fchon vorhandenen vereinigten. Es ist eine jener Winden, lvie sie auch in den Bergwerken gebraucht wird: Ter Strick wird um den Leib befestigt, und halb sitzend, halb hängend schwebt man hinab in den Schacht, ganz lvie im Bergwerk. Ter Maulthierjuuge leitete die Kurbel oben, während wir uns hinunterließen. Er hatte Befehl, Morgens pünktlich wieder oben zur Stelle und unseres Winkes gewärtig zu sein. Erst als ich zwischen Himmel und Abgrund schwebte, über mir die vorragenden Klippen, an denen ich jeden Augenblick zerschellen konnte, wenn ich mich nicht recht- zeitig mit dem Bergstock abstieß, unter mir den gähnenden Schlund von mindestens 250 Fuß Tiefe, der sich dann noch weitere 1000 Fuß in schräger Richtung nach un eu fortsetzte, da überkam mich der Gedanke, daß wir den alten verwitterten Windeavparat garnicht ordentlich selbst untersucht, dann hörte und fühlte ich, lvie das Tau sich an dem scharfen Gestein wetzte— der Athem wurde mir beklommen. Endlich langte ich mit erleichtertem Herzen nuten an. Wir standen auf einem steil abstürzendcu Geröllkcgcl. Vorsichtig mit dem Bergstock tastend gingen wir drei- viertel Stunden lang steil abwärts über rauhes Stein- gerölle, auf dem unsere Füße in Wollsandalen zu schmerzen beganneu. Wir befanden uns nun, nachdem wir durch den schmalen Felscuspalt hinabgescgelt waren, in einem Krater von etwa 600 bis 800 Meter Durchmesser. Unter uns sahen wir ein ovales, oder besser gesagt bohnen- förmiges, von Westen nach Osten sich erstreckendes Becken, den mit Wasser gefüllten Kraterausguß; ctivas darüber, wohl 50 Fuß höher, seitlich befindet sich der noch thätige Hauptkanal, der beständig unter Flammenerscheinungen Schwefel und Dämpfe ausstößt. Aber auch an allen Seiten brechen zahlreiche kleine Dampfsäulchen von schwef- liger Säure und Schwefelwasserstoff hervor, die den Schnee gelb färben und die Luft mit Schivefelgeruch erfüllen. Um zu der gegenüberliegenden Kraterwand, wo der Hanptkanal sich befindet, zu gelangen, mußten wir eine Eisfläche überschreiten, ein sehr unmigenehmer Uebergang, da die unzähligen scharfen Eiszacken, die sie bedeckten, den Füßen heftige Schmerzen und Wunden verursachten. An den S.ilcn des Beckens, in dem die Schwefelmasscu brodeln, setzen sich fortwährend neue Schivestlknistallc au. Hier und da sah man Erdhäufchcu wie große Maulwurfs- Haufen in die Höhe quellen. Feine Rauchsäulchen und bläuliche, kleine Flämmchen kamen hin und wieder daraus hervor. Seltsam grotesk war der Blick auswärts: Bot Legetation keine Spur, kahles Geröll und Felsklippcu an den Abhängen. Der Wolkcnschlcier war gewicht", dunkle, schwärzliche Bläue breitete sich über den Abgruiw' in dem wir standen. Die Sonnenstrahlen umsänmw roth den obersten Rand des Kraters. ES war Ateno geworden, ehe>vir uns dessen versahen. Vom Graubia und Graulveiß in's tiefe Dunkel übergehend, gren»� sich die kalten Kluftabhänge vom Sonnengold dort obci ab. Jetzt wurde der Sonnenstreifen immer schmaler»» immer stärker roth. Run verschwand er ganz, und gu""' blaue Kälte lagerte über den Gipfeln ringsum. Am» Ivar still, nur dann und wann rollte herabbröckelndt» Gestein auf die Eisdecke des Kraterkessels... Je dunkler es wurde, desto glühender leuchteten kleinen Schwefelflämmchen und die Lavamassen im brodelnden Becken, au dem»vir stand.». Es war ooa geformt, dieses Becken des noch thätigen Hauptkaiial»- Trotz unserer Müdigkeit ward es uns schwer, uns voi diesem Lerbindnugskanal zu trennen. In einer Hütte, die eigentlich eine Grotte auS Lavageslein war, begaben wir uns zur Ruhe.— Aus spanischem Wolksmunöe. Tie Fürsten wollen bei ihren Thaten Bedient sein, aber nicht berathen. Gut mir, der das Feuer kennt, Dem die eigstie Kappe brennt. * Immer in Versuchung führen Großer Hunger, offstie Thmen. ♦ AlS Gegner nur noch findet Platz Auf einer Aehre ein zweiter Spatz. Aus russischem Holksmunöe. Ein Armer kann das Glück nur schwer erhasch:»' Dem Reichen aber kriecht's in alle Taschen. * Wem das Schicksal zugethan, Dem legt Eier auch der Hahn. -i- Eine Hand voll Glück gilt mehr, Als ein Sack von Weisheit schwer. * Wer Hühner dem Habicht als Futter bestimmt, Gewöhnlich nur die seines Nachbars nimmt. Maximilian Verw Alle für die Redaktion der„Neuen bestimmten Sendungen sind nach Berlin, KW 1' Benthstraße 2, zu richten.___ Nachdruck des Inhalts verboten! veranlwarNichcr!>!edall«ur: OScar Nü�i in Charlollenburg.— Oerlaz: Hamburger Bulbdruckerei und SctUsgoanftalt«utr& To. in Hamburg.— TruiZ: Max Babing in Berlin.