IE in, v; o r q q fcl) i cl)t l i'd)?r K o rn a n von? o n ö o vt |etne Grausamkeit war ungeheuerlich, selbst für jene Urzeit. Cr prügelte seine Frauen. Zwar hatte er stets nur ein Weib zur bestimmten Zeit, aber er nahm viele Weiber nacheinander. Keine Frau konnte mit ihm leben, aber er zwang sie dazu. Widerspruch duldete er nicht. Kein Mann in der Horde war stark genug, um Ihm den Rang streitig zu machen. „Großzahn" dachte oft an die stille Stunde bor der Dämmerung. Vom Trink- platz, vom Rübenselde. vom Beerenplatz her kommt das Volk scharenweise auf den osfe- neu Platz zurück. Länger wagen sie nicht draußen zu bleiben: denn nun mahnt die schreckenbergende Dunkelheit, in der die Welt den blutgierigen Raubtieren gehört, wäh- rend die Vorgänger des ÜRenschen sich zitternd in ihre Höhlen verkriechen. Rur wenige Minuten noch, und das Volk wird in den Höhlen zur Ruhe gehen. Alle sind müde von des Tages Spiel, und leise nur werden noch einige Laute gewechselt. Selbst die Kinder, die immer noch nicht genug gespielt haben, sind weniger geräuschvoll. Der Küstenwind hat sich gelegt, die Schatten werden län- ger, die Sonne nähert sich dem Hori- zonte Plötzlich gellt schrilles Geschrei, ver- mischt mit dumpfen Schlägen, aus„Rot- auges" Höhle heraus. Er prügelt fein Weib. Erst fällt dumpfes Schweigen auf die Horde. Aber das Fortdauern der Schläge und des Kreischens bringt die Horde allmählich aus, bis alles v„r hilfloser Wut durcheinander schnattert. Die Männer sind erbost über„Rot- auges" Benehmen, wagen es aber nicht, gegen ihn einzuschreiten. Endlich hören die Schläge auf, ein stöhnendes Weh- klagen stirbt langsam ab, die Horde schnattert weiter, und ein trübes Zwie- licht dämmert über der Landschaft. Die Horde, die sonst über die Schmer- zen anderer lachen konnte, machte sich nie über„Rotauges" Mißhandlung sei- ner Weiber lustig. Alle wußten, daß die Aermsten dem Tode geweiht waren. An mehr als einem Morgen wurde der blu- tige Körper seiner jeweiligen Frau am Fuße der Klippe gefunden. Nachdem er ste zu Tode mißhandelt, warf er sie einfach aus seiner Höhle hinaus. Nie begrub er seine Opfer. Die Horde mußte die Leichen fortschaffen, die sonst das Dorf verpestet hätten. Gewöhnlich wurden die Toten unterhalb des Trinkplatzes in den Fluß ge- warfen. „Rotauge" begnügte sich nicht allein mit dem Morden seiner Frauen. Er mordete auch, um sich Frauen zu verschaffen. Wollte er ein neues Weib haben, und fiel seine Wahl auf das Weib eines anderen Mannes, so tötete er diesen Mann ohne weiteres. „Großzahn" war zweimal Zeuge solcher Bluttaten. Die ganze Horde wußte es, konnte aber nichts dagegen machen. Eine Obrigkeit gab es natürlich noch nicht, die hätte einschreiten können. Gewisse Sitten Salvator Rosa: Vagabundin(Iß, Jahrhundert). {JJortteüuiig.) wurden allerdings befolgt, deren Verletzun> von der ganzen Horde geahndet wurde. Ver« unreinigte zum Beispiel jemand den Trink« platz, so wurde der Verbrecher von allen Augenzeugen angefallen. Machte sich je« mand den Spaß, falschen Lärm zu schlagen, so wurde er übel zugerichtet. Aber„Rot- auge" setzte sich über alle Sitten hinweg, und er war so gesürchtet, daß sich die Horde nickst zu einer Bestrafung seiner Verbrechen aufrafscn konnte. Während des sechsten Winters seit seiner Ankunft bei der Horde merkte„Großzahn", daß er und„Hängohr" wirklich junge Man- ner wurden. Der Spalt ihrer Höhle war stets so eng gewesen, daß sie sich eben durch- zwängen konnten. Das hatte gewisse Vor- teile gehabt. Die Erwachsenen hatten des» halb diese Höhle nicht für sich In Anspruch nehmen können. Es war aber eine äußerst begehrenswerte Wohnung, die sicherste, die höchste Klipps, die kleinst« und daher im Winter die wärmste. Es wäre eine Kleinigkeit gewesen, die Oeffnung zu erweitern und die beiden Freunde auszutreiben. Aber soweit überlegte die Horde nicht. Die beiden Kameraden dachten auch nicht eher daran, als bis ihr eigenes Wachstum sie dazu zwang. Dies wurde im Spät- sommer notwendig, als die Jungen von reichlicher Nahrung fett geworden waren. Sie arbeiteten an der Erweiterung in längeren Pausen, wenn es ihnen gerade paßte. Anfänglich brachen sie das mürbe Gestein mit den Fingern ab. Dabei wur- den ihnen aber die Fingerspitzen schnell wund.„Großzahn" verfiel daher aus die Jde', ein Stück Holz zu Hilfe zu nehmen. Das war ein brauchbares Werkzeug. Es brachte den Jungen aber auch Un- annehmlichkeiten. Eines Morgens hotten sie einen ziemlich großen Haufen Geröll aus dem Eingang abgebröckelt.„Groß- zahn" schob die Masse über den Rand der Klippe. Im nächsten Augenblick kam ein Wutgeheul von unten Die Jungen brauchten nicht erst nach der Ursache z» forschen. Sie kannten die Stimme nur zu gut. Das Geröll war „Rotauge" auf den Kopf gefallen. 86 Die Reue Welt. Illustriertes itnterhalhmgsbiatt. Die Zungen duckten sich In ihrer Höhle nieder, unschlüssig vor Bestürzung. Eine Minute später stand der Unhold davor, blickte mit seinen entzündeten Augen hinein und raste wie ein Unsinniger. Aber seine Größe verhinderte ihn, durch den Spalt zu ihnen einzudringen. Plötzlich entfernte er sich. Das war verdächtig. Eigentlich hätte er dableiben und seine Wut austoben müssen..Großzahn" kroch nach dem Ein. gang und lugte hinab. Er sah die Bestie gerode wieder im Begriff, die Klippe zu ersteigen. In einer Hand hatte er einen großen Knüppel. Ehe der Junge die Ab- sicht des Wütenden erraten konnte, war dieser oben und stieß mit dem Knüppel wild in die Höhle hinein. Mit entsetzlicher Kraft stieß der Wüte- rich zu. Hätte er die Jungen richtig ge- troffen, so hätte er ste entleibt. Angstvoll drückten sie sich an die Seitenwände der Höhle, wo sie nahezu aus seinem Bereich waren. Nur mit Mühe tonnte er sie dort zuweilen berühren. Aber selbst das war ge» fährlich genug. So oft er sie traf, ging Haar und Haut verloren. Schrien sie vorSchmerz auf, so brüllte er vor Vergnügen und stieß um so härter zu. Nun wurde aber „Großzahn" falsch. Er hatte ein reizbares Temperamt und eine ziemliche Dosis Mut, wenn es auch mehr dem Mut einer in die Enge getriebenen Ratte ähnette. Er griff mit beiden Händen nach dem Knüppel, aber „Rotauge" war so stark, daß er den Jungen bis an die Öffnung zerrte. Schnell suchte er fein Opfer mtt seinem langen Arm zu erfaffen. Zur rechten Zett sprang der Junge noch zurück in das aber die Krallen des bereits tiefe Wunden gerissen. Nun nahm der Boshafte sein Umher» pochern wieder auf. Der Junge bekam »inen schmerzhaften Schlag auf die Schul» ter.„jhängohr" schien unfähig, etwas an- dem zu tun als zu schreien, wenn er ge- troffen wurde und vor Angst zu beben. .Großzahn" sah sich nach einem Knüppel «m, fand aber nur ein Zweigstück. Dieses warf er in.Rotauges" Gesicht. Es tat keinen Schaden, aber daß der Junge sich zu wehren wagte, reizte den Wütenden noch mehr. Noch bissiger stieß er in die Höhle hinein..Großzahn" fand inzwischen ein Felsstück, warf es nach dem Angreifer und traf ihn heftig gegen die Brust. Das er- mutigte den Jungen zu stärkerer Gegenwehr. Sein Zorn erhob ihn über die Furcht. Er brach ein schweres Feisstück los und warf es mit voller Wucht in.Rotauges" Gesicht. Es machte ihm beinahe den Garaus. Er taumelte rückwärts, ließ seinen Knüppel fallen und wäre beinahe in die Tiefe ge- stürzt. Sein Anblick war schauderhaft. Mit blurbedecktein Gesicht schnarrte er und knirschte mit den Zähnen wie ein Eber. Er wischte sich das Blut aus den Augen, suchte den Jungen zu erspähen und schnaubte vor Wut, als er ihn erblickte. Sein Knüppel war fort. Er riß daher Felsbrocken los und schleuderte sie nach dem Jungen in die Höhle hinein. Dadurch lieferte er diesem gute Munition, und das kam„Rotauge" schlecht zustatten, denn er war deutlich zu sehen, während der Junge nur selten sich bloßstellte, wenn er die Seite der Höhle verließ. Plötzlich verschwand„Rotauge" wieder. .Großzahn" lugte hervor und sah ihn hin- absteigen. Die ganze Horde hatte sich draußen angesammelt und sah mit bangem Schweigen zu. Als er sich dem Boden näherte, flüchteten die Aengstlicheren in ihre Höhlen. Der alle.Klapperknochen" torkelte aus dem Wege, so schnell ihn sein lahmes Gestell tragen wollte.„Rotauge" sprang von der Klippe hinab, aus einer Höhe von etwa sieben Metern über dem Boden. Er kam gerade neben einer Mutter auf die Füße, die im Begriff war, die Klippe mit schützend« Dunkel, Ungetüms hatten w sein Fleisch An der Löcherstanzmaschine. ihrem zweijährigen Kinde zu ersteigen. Sie kreischte vor Furcht. Das Kind entfiel ihren gelähmten Händen und rollte„Rot- auge" vor die Füße. Er und die Mutter griffen gleichzeitig danach. Sie kam zu spät. Im nächsten Moment flog der schwache Körper durch die Luft und zerschellte an der Klippe. Die Mutter fing die formlose Masse in ihren Armen auf und hockte sich jammernd damit hin. „Rotauge" eille aus seinen Knüppel zu. Der alte„Klapperknochen" taumelte ihm in den Weg. Der Unhold streckte seine mäch- tige Tatze aus und ergriff den Alten beim Genick. Ein jeder erwartete, daß der Alte mit gebrochenem Halse umfallen würde. „Rotauge" zögerte«inen Augenblick. Der Alte zitterte kläglich, beugte seinen Kopf und bedcckie sein Gesicht mit gekreuzten Armen. Der bestialische Wüterich stieß ihn mit dem Gesicht auf den Boden, wo der Mißhandelte liegen blieb und vor Todesangst stöhnte. Sein Sohn, der„Kahle", trommelte mit den Fäusten aus seine Brust und sträubte die Haare, wagte sich aber nicht an„Rotauge" heran. Ein neuer Gedanke schoß ihm durch sein träges Hirn. Er ließ den Alten unbelästigt liegen und holte sich seinen Knüppel. Ohne sich weiter um seine Opfer zu kümmern. kletterte er wieder an der Klippe hoch. .Hängohr", der zitternd neben seinem muti- gen Freunde hockte, hüpfte in die Höhle zurück. Das Untier war offenbar ent- schlössen, weiter zu morden.„Grohzahn" war aufs höchste gereizt, erbittert und zum äußersten bereit. Ziemlich kaltblütig, trotz seiner Aufregung, llef er an der Kante eitt- lang und sammelte Steine, die er am Ein- gang der Höhle auftürmte.„Rotauge" holte einen Augenblick Atem und duckte sich einige Meter unter dem Jungen unter eine über- hängende Kante..Großzahn" wartete. Kaum wurde„Rotauges" Kopf beim Wei- terklettern sichtbar, als der Junge einen großen Felsbrocken hinabschleuderte. Der Wurf ging fehl. Das Geschoß traf die Klippe und barst. Eine Wolke von Staub und feinen Trümmern stog dem Angreifer In die Augen, der sich schleunigst hinter sei- nen Felsoorsprung zurückzog. Die Horde unten kicherte und schnatterte durcheinander. Endlich wagte es einer im Dorfe, dem Scheusal die Stirn zu bieten. Ihr Beifall und an- feuerndes Geschrei är- gerte„Rotauge". Er wandte sich nach ihnen um und schnarrte auf sie hinunter. Sofort brachte er ste zum Schweigen. Durch diesen Beweis seiner Macht ermutigt, schob er seinen Kopf wieder vor. Um den Jungen einzuschüchtern, schnitt er drohende Gesichter, schnarrte und knirsch? mit den Zähnen. So fürchterlich verzog er das Gesicht, daß er sein Kopfhaar über dieAugenbrauenwülste herabzog, bis jedes einzelne Haar wie ein Stachel nach vorn stand. Dieser schauerliche Anblick brachte das Blut des Jungen beinahe zum Gefrieren. Doch er bemeisterte seine Furcht und drohte dem Untier mit einem hocherhobenen Stein. Dennoch oersuchte„Rotauge" weiter zu klettern. Mit Aufbietung aller Kräfte schleuderte der Junge den Stein hinab— und verfehlte sein Ziel. Blitzschnell griff er nach einem anderen Stein und traf den anstürmenden Störenfried hart aufs Genick. Der Angreifer glitt außer Sicht, und der Junge sah, wie sein Feind im Verschwinden mit einer. Hand nach einem Halt griff. während er mit der anderen wie im Er- sticken an seinem Halse herumtastete. Der Knüppel fiel klappernd an der Klippe hinab. „Großzahn" konnte seinen Feind nicht mehr sehen, hört« ihn aber keuchen und gegen einen Erstickungsanfall kämpfen. Die Zuschauer blieben totenstill. Der Junge hockte sich vor seiner Höhle nieder und war. tete. Das Keuchen und Schlucken hörte all- mählich auf. Ab und zu drang ein Räuspern zu dem Jungen herauf. Bald daraus machte sich„Rotauge" an den Abstieg. Er oe- wegte sich sehr vorsichtig, machte oft Halt, und reckte seinen Hals oder befühlte ihn mit einer Hand. Sein Abstieg jagte die ganze Horde in die Flucht: laut kreischend stürzte alles in den Urwald. Der alte.Klapperknochen" Die Neue Welt. IllusiricrteS Unterhalhmgsblatt. 87 Studierstube. O finndurch rauschte Stille dieser Wändel Der Menschheit Geist steht aus und schaut ins'All; Gott will er suchen— seinen Widerhall» Im Sternenlichte baden seine Hände. Des Niedern Seins verbrämte Nichtigkeiten Streift er wie leere Schuhe von sich los. Die reine Menschenhoheit, nackt und bloß, Will schön verklärt ins Uferlose schreiten. Gs ist so süß, von jenem Wahn zu trinken, Daß sich bie Welt um unsertwillen dreht— Daß all ihr Zweck mit jenem Tag verweht, Da wir ins Grau der letzten Stunde sinken! Brtur Ziltier. Im Hauptarbeitsraum einer Flugzeugfabrik. schlotterte hinterher..Rotauge" hatte aber mit sich selbst zu tun. Als er den Fuß der Klippe erreicht hatte, ging er am Rand« -entlang und kletterte dann nach setner eige- nen Höhle hinauf, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzusehen. .Großzahn" wechselte einen langen Blick mit Langohr". Sie verstanden stch. So- fort kletterten sie mit der größten Behut» samkeit und Geräuschlosigkeit an der Klippe hoch, von der Spitze sahen sie noch»in- mal nach dem Platz zurück. Das Dorf war verlasien..Rotauge" kam nicht mehr aus seiner Höhle, und die Horde war in den Tiefen des Urwaldes verschwunden. Die Jungen machten sich aus dem Staube. Ohne Rücksicht auf etwaige Schlangen im Grase rasten sie über offene Plötze und Abhänge, bis sie den Urwald erreichten. Auf Bäume ging es, und meilenweit fort von den Höhlen. Dann erst machten sie in einer großen, sicheren BaumgabelHalt.um- armten sich und lach- ten, dt» ihnen die Tränen über dt» Backen Uesen. Nachdem sich dl« beiden Freunde satt gelacht hatten, gingen sie aufUmwegennach der Blaubeerennie- derung, wo sie früh- stückten..Großzahn" hatte diesen Platz schon vor Jahren mit seiner Mutter besucht. Erhatte sie inzwischen nur selten getroffen. Wenn sie nach den Höhlen zum Besuch kam, war er oft ab- wesend. Einigemale hatte er den„Schnat- terer" vorübergehend auf dem Dorfplatze gesehen. Bei sol- chen Gelegenheiten hatte der Junge seinen Stiefvater mit Grimassen bedacht und chn von der sicheren Höhle aus geärgert, von solchen kleinen Liebenswürdigkeiten abgesehen, ließ er seine frühere Familie streng außer acht. Er hatte kein Interesse mehr an dem alten Verhältnis und befand sich in seiner jetzigen Umgebung ganz wohl. Die beiden Abenteurer aßen sich bis zum Platzen voll an Blaubeeren, genosien zwei Nester voll halb ausgebrüteter Wachteleier als Nachtisch, und schlenderten dann vor- sichtig in den Wald zurück, um den Fluß zu erreichen. Im Vorbeigehen stattete.Groß- zahn" seinem Heimatsbaume einen kurzen Besuch ab. Seine Mutter wohnte immer noch dort. Die Familie war inzwischen ge- wachsen. Ein kleiner Junge hing fest an seiner Mutter, und von einem der unteren Aeste lugte ein halbwüchsiges Mädchen neu« gierig nach den beiden Besuchern. Sie war offenbar«Großzahns" Halbschwester. Seine Mutter erkannte ihn, warnte ihn aber, als er auf den Baum klettern wollte. „Hängohr", der stets Borsichtige, zog sich so- fort zurück und ließ sich unter keinen Um- ständen von seinem Freunde überreden, wieder näher zu kommen. iForis-lmn,(oiei.) Phantasie und Lüge. Daß die Lüge bei der Erziehung der Kinder von vornherein bekämpft werden muß. wird jedermann zugeben. Ehe man iedoch an die Gegenwirkung, welche nicht immer.Strafe" sein muß, herangeht, muß man sich über die Ursache, den Entstehungs- firund der kindlichen Lüge klar fein, genau o, wie der Arzt, ehe er eine Krankheit be- kämpft, ihre Entstehungsgeschichte, ihre Ent- Wicklung wissen will. Der Grund, aus dem heraus die Kinder lügen, kann sehr verschie- dener Art sein. Das Kind lügt entweder. um sich aus der Not zu helfen, oder um an- deren beizustehen, oder aus starker Phon- tasietätigkeit heraus, oder aus trankhafter Anlage, oder aus nervöser Angst. Ter letz- tere Fall tritt dann ein, wenn ein Kind zum Beispiel barsch angefahren wird, wenn man ihm nicht Zeit läßt, sich zu besinnen. Hier ist der Erwachsene, der das Kind zur Lüge zwingt, schuldiger als das Kind selbst.— Die Lüge, um sich aus der?iot zu Helsen, sollte man nicht als„Notlüge" leicht nehmen, hnn im Grunde entstehen ja die meisten Lügen, um eine Not zu beseitigen. Ber- werslich sind sie deshalb doch. Diese kleinen BerlegenheitsMgen bilden, wenn man sie durchgehen läßt, den Grund zu neue» Lüge». Bei der Bekämpfung der Lüge gilt wie bei allen pädagogischen Bestrebungen der Grund- satz. dem Kinde nie durch böses Beispiel zu schaden Gerade„Notlügen" hören die Kinder leider oft bei den Erwachsenen, die unbedacht solche kleinen Unwahrheiten in Legenwart der Kinder aussprechen, ohne zu bedenken wie sehr sie den unerfahrenen Kleinen damit schaden. Kinder beobachten sehr scharf, und gerade solche Entgleisungen entgehen ihnen selten. Ist es nicht ohne weiteres zu verstehen, daß ein Kind, welches die— an sich vielleicht harmlose— Notlüge der Mutter mit an- gehört hat, dasselbe Recht für sich in An- sprach nimmt? Nun bat es aber nicht die Urteilskraft und d.is Berstöndnis,„Harm- lose Notlügen" von anderen Lügen zu un- terscheiden und ist erstaunt und gekränkt, wenn man es für feine Lüge bestraft.— Lügt ein Kind aus Not, also zum Beispiel, um sich einer Strafe zu entziehen, so wird man zunächst in Ruhe der Sache aus den Grund gehen. Es gibt Leute, die glau- den, daß man eine kindliche Lüge stets mit Schlägen be- fttafen muß, um sie «auszurotten". Man kann auf diese Weise das Kind dazu brin- gen. daß es aus der Angst heraus die Lüge läßt. Ungleich wert- voller aber ist es, ein Kind dahin zu führen, daß es aus sich selbst heraus die Lüge meiden lernt und das erreicht man aus an- dere Weise. Man «überführt" dasKind, d. h. man zeig« ihm, daß die Wahrheit doch an das Licht gekommenistundsagt ihm, daß es doch vsel einfacher und besser gewesen wäre, wenn es Vertrauen gehabt hätte und der Mutter oder dem Bater von selbst sein Vergehen ge» beichtet hätte. Man appelliert an das Ehrgefühl des Kindes und sagt ihm, daß die Lüge den Menschen nach und nach entstellen und sich im Gesicht, im Blick und schließlich im ganzen Wesen ausdrücken kann. Man regt das Kind an, sich selbst zu überwinden und bringt es dazu, daß es auf sein Gewissen achtet und es nicht mit einer Lüge auf dem Herzen aushält. Wiederholen sich die Lügen, so kann man wohl strafen, doch ist das Prügeln weniger angebracht als Strafen, die sich aus der Tat des Kinde» heraus ergeben Hat es zum Beispiel ge- nascht und die Schuld auf jemand anderen geschoben, so wird man ihm zum Beispiel einmal das Esten kürzen oder entziehen. Vor ollen Dingen aber beobachte man da« Kind und laste ihm keine Lüge durch. Eben- sowenig wie man die Lüge zu leicht nehmen soll, darf man sie tragisch nehmen. Dieses bezieht sich vor allem auf die Phantasie- lügen. Es gibt beim Kinde gewisie Jahre, In denen die Phantasie eine große Rolle spielt. Die Märchenwelt steht dann im Vordergrund und beherrscht das Gemüt des Kindes. So entstehen mitunter unwahre, d. h unwirk- liche Behauptungen, die dem Kind als Lüge selbst nicht bewußt sind. Das Kind spinnt sich ganz in seine Spiel- und Traumwelt ein und erzählt Dinge als erlebt, die es nur in 88 Die Neue Wctt. Illustriertes Unterhaltungsblatt. der Phantasie erlebt hat. Derartige Phantasielügen lvird man nicht bestrafen. Man darf sie auch keinesfalls als Charakter- fehler ansehen. Gewiß darf man sie nicht überwuchern lassen, sondern wird das Kind auf den Boden der Wirklichkeit zurückführen, ohne ihm seine Phantasiewelt gänzlich zu zer- stören. Kinder, die in übertriebenem Maße zu solchen phantastischen Aussagen neigen, wird man zur Ablenkung praktisch beschäf- tigen, man wird sie auch einmal zum Zeich- nen anregen, um ihnen so ein anderes Aus- druckmittel zu geben. Man wird sich ferner bemühen, solche Kinder zur Beschreibung von einfachen Naturgegenständen zu ver- anlassen, damit sie auf diese Weise lernen, das Tatsächliche und Wirkliche ins Auge zu fassen und treu wiederzugeben, so daß sich ihr Wahrheitsempfinden dabei stärkt und entwickelt Für größere Kinder sind oer- artige schriftliche Uebungen zu empfehlen, kleinere können mündlich solche einfachen Be- schreibungen geben. Auf alle Fälle ist es also zur Bekämpfung der Lüge notwendig, ihre Quellen zu unter- suchen. Die zweite Notwendigkeit, Per- trauen zu erwecken und ruhige Ausfpra- chen möglich zu machen, ist von gleicher Wichtigkeit. Das Berlangen:„ich will nicht lügen' muß im Kinde selbst geweckt werden. So werden Menschen erzogen werden, denen die Wahrhaftigkeit so not� wendig erscheint wie die äußere Reinlichkeit, denen die Zuverlässigkeit eine Lebensnot- wendigkeit geworden ist. Sch. # Vagabundin. Der Name Salvator Rosa, von dem wir erst kürzlich eine Zeichnung reproduzierten, ist heute eigentlich nur noch den Kennern geläufig. Und doch hat dieser italienische Maler des 17. Jahr- Hunderts einst einen beispiellosen Ruf ge- habt. Er war der Maler leidenschaft- lich wilder, erregter Natur- und Menschen» szenen, der Maler der Stürme. Kämpfe, Untergänge und Katastrophen, und zwar malte er diese Dinge nicht in nüch- terner Sachlichkeit, sondern in phantastischer Steigerung. Die Zeitgenossen bewunderten ihn höchstlichst, sie sahen in ihm einen kühnen Neuerer, einen Mann, der der Kunst durch sein Genie neue Bahnen gewiesen habe. Um das zu verstehen, müssen wir uns vor- stellen, wie damals die Dinge lagen: da» 16. Jahrhundert hatte in den Schöpfungen des abgöttisch verehrten Raffael die Schön- heit des edlen Maßes, der ruhigen Ver- haltenheit, der vornehmen Zurückhaltung zum Siege geführt. Damals konnte nichts aufkommen, was gegen den„klassischen' Charakter der rasfaelischen Kunst gewesen wäre, und wenn auch in den Schöpfungen Michelangelos, Correggios und einiger an- derer nach Rasfaels Tods mehr und mehr eine Steigerung der Leidenschaften zum Ausdruck kam, so blieb sie doch immer so- zusagen im hellen. Da kam dann freilich die Kunst jenes Kreises italienischer Maler, dem Salvator Rosa zugehört, als etwrs völlig Neues. Denn sie brachte auch die Das Schreibpult für Kinder fertig! man, Indem man den Raum unter dem Fenster al» Bücherregal und zur Aufbewahrung der Mappe ausnützt In halber Höhe vom Fußboden bis unter das Fensterbrett wird rechts und lints je eine Leiste ausgenagctt. a»s die ein paffendes Brett zur Aufnahme für die Bücher gelegt wird. Der untere Rauni bleibt ulr die Mappe frei. Ein grohcs Brett (Bultbrettj. welches die Breite und die unterc Höhe bis zum Fensterbrett haben mutz, wird mit Scharnieren am Fensterbrett befestigt. Zwei Konsole werden glcichsalls seitwärts durch Scharniere angebracht. Wird das Schreibpult nicht benutzt, so ltappt man die Scharniere nach iniien und die Platte nach unten. Gegerbtes Kaninchenfell als Oberleder für Damenschuhe. 1. Oberer Schall. 2. Borderblatt. 8. Absatz. Nacht zur Darstellung. Gab es früher gleichsam nur heiteren sonnigen Himmel, so ließen Rosa und seine Kunstgenossen zer- rissene dunkle Wolken sausen, wilde Wellen sich stürzen, malten sie mit Vorliebe die dämonischen Zustände der Natur. Hatte es bei Raffael eigentlich nur schöne, edle, ge- messene Menschen und Bewegungen gegeben, so stellten die Maler des 17. Jahrhunderts lieber die Bettler, Landstreicher, fahrenden Gesellen, Buschklepper und Landsknechte dar. Und weil das Publikum sich den ewigen Sonntag etwas übergesehen hatte, nahm es diese neue Kunst mit schrankenlosem Enthu- siasmus aus. Vielleicht überschätzte es zu- nächst die geistige Bedeutung dieser Man- ner. Daß diese aber, mögen wir heute auch wieder etwas kühler über sie urteilen, nicht zu unterschätzen sind, beweist die Tatsache, daß verschiedenlich immer wieder Zeiten von mehr romantischer Weltanschauung in Sal- vator Rosa und seinen Gesinnungsgenossen die geniale Ader bewundert haben, a. b. Die Bergchinesen an der burmanisch- chinesischen Grenze sind von Europäern nur wenig besucht worden. Um so interessanter sind die Berichte, die Dr. Robert Brun- huber, der den Salwecnsluß aus nur wenig bekannten Pfaden entlang zog, zu geben hat. In seinem Buche„An Hinterindicns Ricscn- strömen"(Berlin-Friedenau, Dr. Franz Ledermann) hat er als Tagcbuchaufzeich- nung von einem Standort an der Schnee- grenze der den Mekong und den Salween scheidenden Gebirgszüge folgendes notiert: Der Herr des Hauses in Dschuikai(unse- rem Quartier) bot mir eine Pfeife Tabak aus seiner Tabakdose an. Von jenein strohi- gen schlechten chinesischen Zeug. Ich über- reichte ihm darauf eine Shroot. eine meiner kleinen burmesischen Zigarren. Sofort kam die ganze herumstehende chinesische Gesell- schuft mit einer Prise Tabak als zartem Wink, auch eine Zigarre probieren zu dllr- fen. Anthropologisch und ethnographisch fiel mir hier zuerst die große Veränderung des chinesischen Typus auf. Unter den Män- nern bemerkte ich nicht selten den Chinesen- schlag, den man mit Jünnantypus zu be- zeichnen pflegt. Männer mit auffallend finsteren, gebräunten Zügen und ganz dich- tem Schnurr- und Knebelbart, hochgezogenen Brauen und einem breiten blauen Turban. Auch Leute mit den bei den Shans gebräuch- lichen Umhängetaschen konnte man sehen. Der Typus der Frau ist noch ausgeprägter; sie haben runde, schärfer als bei gewöhn- lichen Chinesinnen an Mund und Nase ge- schnittene Gesichter, gleichen mit ihrem strup- pigen Haar und dem silbcrbeschlagenen Kopf- putz vielmehr den Kachinsrauen und tragen auch ähnliche mit roten Aufschlägen besetzte Beinkleider und Röcke. Aber selbst die ge- naueste Nachfrage ergab immer wieder als Antwort, daß es echte Chinesinnen seien. Ist es auch erfreulich zu beobachten, daß sich selbst in der erbärmlichsten Hütte der Chinese als erste Tageshondlung— das heißt nach der Pfeife— der Sitte entsprechend mit einem nassen warmen Tuche das Gesicht wäscht und mit den Fingern die Zähne putzt so sind die Leute doch im all- gemeinen niehr als erbärmlich und schmie- rig, Fetzen tragen sie als Kleider, Hauser und Höfe starren vor Schmutz. Die chine- fischen Kinder, die sonst so reizend aufge- putzt, mit bunten beweglichen Schinetter- singen behängen und sauber gehalten wer- den, sind hier nicht zum Anfassen. Dazu tritt bei den Männern jene ungesunde fahle, krankhast quittengelbe Gesichtsfarbe, die neben dem unstät flackernden Blick sofort den Opiumraucher erkennen läßt. Rälscl-Aufanlien. RandrStscl. Man ordne die Buch- staben der nebenstehen- den Figur, daß die einzelnen senkrechten Reiben Worte von fol- gcndcr Bedeutung er- geben: 1. Buchstabe. 2. Vertreter eine? leitischen PollsstammcS. 3. Schillcrsche Drainen- figur. 4. Deutsche Stadt. 5. Amerilanische Insel» ] Ii I aruvve. fl. Muse. UU 7. Schisssgerät.«. Per. storbencr soziaidemokratischcr ReiwStagsabgeord- neter. 9. Buchstabe. Sind die Worte richtig ge- sunden. so nennen die Randbuchstaben ein Kriegs- ziel der Mittelmächte. AuftSsung des Perschicbc.Nätscls des Treieckrötsel» BP5OO tHLDllK ELFF ELBE INDIEN ARM SANS OB MAßEN I ROSE OTTO GNESEN WANNE lRamen der Rätsellöser werden nicht derbffcntlicht.? Nachdruck des ZnliaUs oerbolen! V-rontworlt. Redakieur iL ""lag Hamburger Buchdruckerei und Aertagsanstalt Salomon-Lesjeu. Berlin. cAtle silr die Redaktion bestimmten Sendungen sind ,u richten nach: Berlin. Lindenltr. 8- ilnei& Co» Hamburg. Druck: Borwärt» Buchdruckeret und Berlagsanstalt Paul Singer& Ca» Bertin 63B. US.