Die Neue Welt Nr. 35 Jllustriertes Unterhaltungsblatt Maria Thurnheer Erzählung von Baul Fig. der Nähe des Klosters fetten| wahren müßten, damit der Duft der Unwir uns auf den Rain und saben mit fundigen Augen auf das liebe Städtchen hinunter, in dem wir bald einmal zu hohen Ehren und Rechten gelangen wollten. Maria hatte den hellen Umlauf fräuleinhaft zurückgeschlagen, bie edelgeschwungenen Beine aufgesetzt und hielt die Knie mit beiden Händen fest umschlungen. Ich mußte sie zuweilen doch wieder mit einem schnellen Seitenblic mustern, um mich bis auf den Grund zu überzeugen, daß es in Treustadt fein feineres Mädchen gab als sie, die ich stolz wie feiner mein Schäßchen nennen durfte. Nein, fie brauchte wahrlich nicht bange zu sein! Auch fonnten ihrer Gefallsucht die vielen wohlwollend prüfenden Blicke von Jüng lingen und Männern, die ihre schnellreifenden Reize spürten, nicht entgehen. Da wäre noch mancher an meiner Statt gern Lehrmeister geworden. Von unseren Empfin dungen, der ahnungsvollen Gegenwart und Nachbarschaft unserer Seelen und Sinne mußten wir einander nichts zu sagen; dafür 0 schuld nicht so bald entweiche. Hingegen Sprachen wir bald gleich tollfühnen Anarchisten von unserer Zukunft, der großen Zeit, wo uns feiner mehr befehlen fonnte. " Ich weiß schon alles," erklärte ich mit finsterer Entschlossenheit. 8wei Jahre dauert die Realschule; dann kommt man in die Lehre, und wenn einer gute Zeugnisse hat, wird er mit Achtzehn schon Buchhalter oder Korrespondent und fann heiraten, 1918 ( Fortsetzung.) du, nach der Konfirmation tann ich auch schon Geld verdienen. Ich freu' mich drauf. Die Mutter hat mir versprochen, daß sie selber mit Hirsch Senior reden wird, damit ich einen guten Platz bekomme." Thre Miene war plötzlich wieder eitel Selbstver trauen, als fühle sie, daß man thr später nicht leicht etwas abschlagen werde. Später, später! Eben das schuf ihr die Not der Ungeduld. Sie war ja zu allem schon reif und bereit„ Aber in welches Geschäft willst du dann eintreten?" fuhr fie, das Feuer Geldwechsler. Deutscher Holzschnitt aus dem XVI. Jahrhundert gab es noch feine Worte. Zwar waren wir feine Kinder mehr, das spürten wir im Stocken und Stürmen des Blutes, wenn wir uns zufällig berührten oder bei einer heimlichen Belaufchung ertappten. Nur felten tam noch die unbefangene findliche Traulichkeit zum Vorschein, und doch fonnten wir uns faum lassen, so innig hing eines am andern. O heilige Liebe, wie rätselhaft verschleiert sind deine Züge, mie verhalten widerstrebend deine ersten Schritte! Es ist, als ob die Herzen sich bewenn er will. Zur Bekräftigung dessen grub ich einen Stein aus und schleuderte ihn über den höchsten Baum, den ich vor mir sah. Das war so gut wie das schwungvollste Geständnis der Liebe und Treue. Maria blickte mit fernsüchtigen Augen, gleichsam über lange Zeiten der Trübsal hinwegleitend nach dem jenseitigen Ufer, das noch verheizungsvoll im Glanz der untergehenden Sonne strahlte, und sagte leise, das Schicksal beschwörend: Bis dahin find's ja nur noch fünf Jahre. Und weißt 11 schürend, fort. In der Bleiche haben die Lehrlinge von Anfang an Lohn. Denk dir, der Herr Schildfnecht ist sogar gleich nach der Lehre Fergger geworden und vers bient jegt im Jahr 4000 Franken. Ich hab's vom Bater.Dent' boch viertausend! Das macht im Monat über dreihundert und im Tag fast dreizehn Franten. Die Hälfte tut man auf die Bank; dann gibt's Binsen, und wenn man genug hat, fann man ein eigenes Haus bauen. Gerade so hat's der Raffierer Wantel auch gemacht." Darunter lat sie's nun einmal nicht. Sahen wir teine Schranken dort oben? Tod, Krankheit. Wechsel der Gefühle und andere Anfechtungen tam das in jener Rechnung nicht vor? Wohl, gläubig legten wir allen Eifer, alle Zuversicht zusammen und schufen ein Heiligtum, in dem wir an dächtiger knieten als in jedem andern. Und dennoch gab es eine dunkle Beschwer, der wir uns nicht erwehren fonnten. Ja, schon damals! Nur was es war, begriffen wir nicht. Und heute? Ach, die Gezeichneten alle wissen endlich nur eins: früh, lang 138 Die Neue Welt. Illustriertes Unterhaltungsblatt. bor Tagesanbruch geht das Schicksal ans Wert. Unten tamen und gingen die Abendfchiffe; nur noch wie ein Bimmern flangen thre Glocken zu uns herauf. Doch an den wehenden Flaggen erkannten wir„ woher Der Fahrt, wie Nam und Art". die „ Ich möchte am liebsten ganz weit fort," feufzte Maria, von den Bildern der Reise ergriffen. So wie Berta Züllig durfte an den Genfer See in ein feines Benfionat. Wie schön muß das sein, wenn man auf einmal ganz andere Menschen und Gegenden sieht. Nichts mehr von daheim, von dem Bleichevoll und dem Maschinenlärm. Ich glaube, anderswo fönnte ich in einemfort fingen, lachen und tanzen." Ganz wirr wurde mir dabei vor unerfüllbarer Sehnsucht. Daheim," fügte sie bitter verabscheuend hinzu, habe ich bald feine gute Stunde mehr. Immer das gleiche... pußen, nähen, aufräumen, abwaschen; der Bater poltert herum und läßt einem nicht das Mindeste durchgehen. Nirgends darf man hin, und wenn man nur ein Buch in die Hand nimmt, gibt's gleich Habichtsaugen: Was ist das wieder!?" Das schmerzliche Sichrecken und FlügelSchlagen einer gefangenen jungen Seele nichts Ergreifenderes gibt es. Eine Weile blieben wir beide stumm Dor Ratlosigkeit. Dann fuchten wir in Dem Häusermeer nach Dächern, unter denen wir uns ein anderes, beneidenswertes Leben vorstellten. Die schönsten Billen mit großen Gärten lagen an der Bogteistraße; aber auch unten am See, nach Horn zu, gab es stattliche Besizungen. Wo aus grünem Eiland, faum mehr fichtbar, ein roter Giebel blinkte, gab es zu raten, zu deuten. Es war doch merkwürdig, wie gut Maria schon über die reichen Treustädter Bescheid wußte. " Würdest du mich auch heiraten, wenn du zum Beispiel der Sohn von dem Obersten Kern wärest?" forschte das ruhlose Wesen weiter. Das ist doch der große Mann mit dem schneeweißen Bart, weißt du, der alle Tage an der Bleiche vorbeireitet. Sein Haus ist das schönste in der Stadt. Ich stand einmal am Gitter, als er gerade herauskam; da niďte er mir freundlich zu, und ich dachte ganz aufgeregt, wenn er jeßt abstiege und fragte: willst du als Tochter zu mir fommen? Das haben schon viele Reiche gemacht, wenn sie sonst teine Kinder befamen. Und reiten möchte ich fürs Leben gern. So wie die Holl mannmädchen, die ein kohlrabenschwarzes Pony haben. Gestern begegnete der Ina und dann tat die Hochmutsnärrin, als fehe sie mich nicht. Tha, sie war ja doch bie Dümmfte in unserer Klaffe! Ich dachte mir, ihr Bater müßte einmal radikal fallieren. Dann würde ihr der Hochmut schon bergehen. Aber sobald ich selber Geld ver. Diene, taufe ich mir nichts als Lotterielose. Immerzu. Einmal müßte man doch auch Glück haben, meinst du nicht? Ach, arm fein und sich alle Tage plagen müssen, wie Jangweilig!" Das waren die Sprünge ihrer Phantafie, Darin ich es ihr bei weitem nicht gleichtun tonnte. Zu diesen Gespinsten griff fie die Fäden nur so aus der Luft, ein Blick, ein Wort genügte, und schon flog das unbefriedigte Herz auf Kundschaft aus. Gestehe nur die Wahrheit alter Geselle! Mir trieb sie's immer noch nicht toll genug. Am schönsten war sie nun einmal, wenn Tie fich gegen ihr Los auflehnte und mit fliegenden Fingern zerpflückte, was ihr in die Hände fiel. Lauter Empörung die Blicke, die Lippen, die Pulse; selbst die losen Nackenhaare schienen Trotz zu sprühen. Dann geriet ich hellauf in Brand, obwohl ich ja vorerst allen Grund hatte, mit meinem Los zufrieden zu sein. Aber daran war nichts mehr zu ändern: meine Gefühle taten Söldnerdienste in Marias Reichen, und von ihren Wegen hing es fünftig ab, ob ich mich für eine gute oder schlechte Sache schlug. Eh' wir uns an jenem Abend trennten, gab sie mir noch ein deutliches Zeichen ihrer Entschlossenheit. Wenn ich es daheim nicht mehr aushalte, mache ich es wie du und laufe fort. Deine Mutter würde mir schon helfen. Ich fönnte ja ausschneiden und nachsticken, damit fie meinetwegen feine Kosten hätte. Oder glaubst du, fie täte das nicht?" fragte fie so gespannt, als dächte sie den Plan schon am nächsten Tage auszuführen. „ Es tann schon sein," stammelte ich erfchrocken; aber wenn dann dein Bater fame, um dich zurückzuholen? Dann müßte fie dich ja doch wieder hergeben." Nein, eher würde ich durchs Fenster Wunsch Bom großen, lauten Schwarm entfernt möcht ich so gerne sein... wo einsam er das Schweigen fernt, der Mensch, mit sich allein. Im Waldesrauschen einer Welt, wo reines Leben lacht... und alles von der Seele fällt, was uns zu Sklaven macht. Ludwig Prats höfe der Uferstädtchen waren in wenigen Tagen gestürmt; es wimmelte von großstädtischen Sportsleuten, deren Kostüme und Kunstläufe die Einheimischen mit Bewunderung jahen. Aus allen Anstalten zum Genuß der Winterherrlichkeit sprach eine phantastische Aufregung; das Gefühl: strömt herbei, eh' der Zauber schwindet bes herrschte groß und flein. Nicht bloß reiche und arme Tagediebe ging das an. Biedere Handwerker, die nicht leicht eine Stunde in den Wind schlugen, eingefleischte Stubenhocker und Federfuchser, zimperliche Jungfern, ja fogar ungelente Bauernknechte schnallten sich Schlittschuhe um, um die Illufion der Flügelkraft, die rieselnden Schauer der Gefahr zu erleben. Das„ Blaumachen" riß in allen Berufen ein, und weil das Naturwunder auch diesmal mit der Fastnacht zusammenfiel, kam die bürgerliche Ordnung beträchtlich ins Wanken. Aus den Wirtschaften schallte fast ununterbrochen der Lärm von liederlichen Gesellen, die ihren Unfug trieben und sich bei allen Schandtaten dreist auf die altverbürgte Fastnachtsfreiheit beriefen. Am schwersten hatten es wohl die Lehrer, ihr Regiment aufrechtzuerhalten. Die mußten denten, es sei plötzlich eine Hustenepidemie ausgebrochen, so schnell häuften sich die verdachterregenden Absenzen. Mit dem pflichtgetreuen Rest mochte auch nichts Gescheites anzufangen sein. Die jungen Geifter flogen heimlich aus wie zu einem Hegensabbat. Da fam zu ihrem Heil ein fluger Schulrat auf den Gedanken, der harrenden Jugend in Anbetracht der besonderen Zeitläufte eine außerordentliche Ferienwoche zu gewähren. Ob das heute, im Zeitalter des Kindes, auch noch möglich wäre? Aber erst durch diese Verfügung wurde die Gefrörne zu einem bunten, wimmeinden, herzerquidenden Bollsfest. Die Freude übertraf alle Erwartungen. Am frühen Morgen schon war die Treustädter Bucht weit über den Hafen hinaus belebt von dem verwegenen Völklein. Die Mädchen erschiespringen, als mitgehen!" erwiderte sie, fern von mir, ganz versunken in die furchtbare Möglichkeit. So merfte sie mein Entsetzen.nen meist in reizenden Mastenkostümen, genicht, obgleich ich mich lange nicht davon befreien fonnte. Erst als sich zum Abschied unsere Hände suchten und eine Weile der legen schwingend ineinanderlagen, gab mir die Liebe das himmelhohe Wort ein: Romm du dann nur, gelt! Meine Mutter hilft dir gewiß." Und alle Glocken läuteten in unsern Jungvermählten Herzen. Das große Naturereignis meiner Jugendzeit war jener von Frost und Eis starrende Winter Anfang der neunziger Jahre, der den Treustädter See von einem Ende zum andern zudeckte. Nur die älteften Anfassen erinnerten sich einer totalen " Seegefrörne". In vergilbten Kalendern hatten wir gelesen, wie das Volk Anno 1830 aus Rand und Band geriet, die Reichen in zweispännigen Schlitten von einem Ufer zum andern tollten und sogar die Aermsten, denen zu Hause der Osen kaum warm wurde, wenigstens die Narrenfastnacht auf dem Eise mitmachten. Uns flangen diese Berichte märchenhaft. Das mußte eine Zeit der Wunder gewesen sein, mit der die unsrige leider, keine Aehnlichkeit hatte. Umso größer war der Jubel, als das Unerwartete eines Tages mit Händen zu greifen war. Schnell wie ein Kriegsruf verbreitete sich die Kunde im ganzen Land und weit darüber hinaus; die bescheidenen Gaft 1 jagt und geplagt von ihren ewigen Widerfachern, welche als Narren, Indianer und Teufel verkleidet, mit gräßlichen Larven, die drohend geschwungenen Schweinsblasen oft genug auf die Berfolgten niedersausen ließen. Mochten die Behutsamen den Hafen hüten, der mütterlichen Mahnung aus eigener Furcht gehorsam, zagend bei jedem Schritt und fliehend vor dem Donner des berstenden Eises; aber die echten Menschenkinder verlockte des Feldes unermeßliche Weite, das von rosigen Nebeln verhüllte Jenseits! Hellauf blühte der findliche Mut im Wett lauf über die Schrunden und hinaus in die Schauer der Einsamkeit, wo weder Land noch Menschen mehr zu sehen waren. Desa gleichen hatten die wohlhabenden Bürger von Treustadt, weithin bekannt und ver schrien wegen ihrem Hung zu besonderen Anlässen, in diesen Tagen mit Bällen und anderen Festlichkeiten dem Gößen Karneval mehr geopfert als in zwei Jahren gewöhnlicher Observanz. Unter den im Rauhreif prangenden Alleen der Seestraße sah man die bemalten Patrizierschlitten die Infaffen in fostbare Decken und Pelze gehüllt, ihren Reichtum stolz zur Schau stellend, rofig angehaucht von dem durchdringenden Strahl der Winterpracht. Mir war diese berauschende Freiheit lei der nicht mehr vergönnt. Nach knapp einjährigem Realschulbesuch mußte ich der Die Neue Welt. Illustriertes Unterhaltungsblatt. Weifung des alten Thurnheer doch noch folgen, vorzeitig auf Broterwerb ausgehen. Als Ausläufer eines Handelshauses fing ich an, gewann aber bald das Vertrauen meiner Herren, und mit 17 Jahren war ich der Selbsterhaltung schon in bescheidenem Umfang mächtig. Im Grunde durfte ich also mit meiner Laufbahn zufrieden Jein. Niemand war es mehr als meine Mutter, niemand weniger als Maria Thurnheer. Das fühlte ich, lange bevor sie es mir zu verstehen gab.( Fortsetzung folgt.) Japans Volkswirtschaft. Von Adolf Werner. Die jüngsten Ereignisse im fernen Often lenken wieder die Aufmerksamkeit auf das Reich der aufgehenden Sonne, das nach militärisch nebensächlichen Expeditionen gegen Riautschou und die deutschen Südseefolonien eine fast neutrale Haltung eingenommen hatte jedenfalls eine Haltung die nicht feindseliger gegen Deutschland war als die der Vereinigten Staaten, das sich aber jetzt zu einer aktiveren Beteiligung am Weltkrieg entschlossen hat. Japan gedenkt im Einverständnis mit der Washingtoner Regierung und in Berbindung mit China Die Gegner der bolschewistischen Regierung in Sibirien zu unterstützen, um die Mög lichkeit zu verhindern, daß Deutschland über bas jetzt neutrale Rußland seinen Einfluß in Mittel- und Ostasien geltend macht. Es bleibe dahingestellt, ob sich hinter diesen offiziell angegebenen Motiven nicht mindestens auf Seite der Verbündeten Japans der Wunsch versteckt, durch eine wenigstens teilweise Wiederaufrichtung der Ostfront deutsche Truppen von der Westfront abzuziehen. Japan ist sehr verschieden beurteilt, bald maßlos überschäßt, bald als unbeachtlich verschrien worden zu Kriegsbeginn wurden Japaner in den Straßen Berlins von der friegsbegeisterten Menge auf die Schultern gehoben und als Verbündete gegen Rußland gefeiert. Kaum vierzehn Tage später lief die japanische Kriegserklärung ein und begann die Belagerung Riautschous. Die Bierstrategen lassen es sich mit diesem brillanten Hereinfall noch nicht genug fein. Sie fabeln von einem Gegensatz zwischen Japan und den Vereinigten Staaten. Auch die Hoffnung ist, wenigstens für die in jezzigen Beiten allein bedeutsame Gegenwart, ein holder Irrwahn. Ein Blick auf die japanische Volkswirtschaft mag die Grenzen japanischer Macht zeigen und die dadurch gegebene Bestimmtheit seiner Politik ver. deutlichen. Die Annahme eines baldigen Krieges zwischen Japan und den Bereinigten Staaten geht von der Uebervölkerung des ostasiatischen Infelreiches aus. Tatsächlich ist der Spielraum dem sich rasch vermehrenden japanischen Volk bedenklich eng geworden. Japan hatte mit seinen 53 Millionen Einwohnern weniger Seelen", um in der Sprache der Bevölkerungsstatistiker zu reden, als Rußland, die Vereinigten Staaten und Deutschland, dagegen mehr als Defterreich- Ungarn, Großbritannien, Frantreich. Diese abfolute Sahl sagt aber noch nicht genug. Wichtiger ist, daß auf den Quadratkilometer 139 Einwohner kommen gegen 144 in England, 125 in Italien und 124 in Deutschland, um nur die dichtestbevölkerten Großmächte herauszugreifen. Und die Bevölkerung steigt rapid. Nirgends, außer in Rußland, ist der Geburtenüberschuß größer als in Japan. Das Mißverhältnis zwischen Bevölkerungszahl und Bodenfläche wird dadurch krasser, daß der gebirgige Charakter des Landes den fulturfähigen Boden weiter verringert. So hat fich eine Zwergbauernwirtschaft entwickelt. Mit unermüdlichem Fleiß wird aus dem Lande herausgeholt, was irgendwie zu gewinnen ist; eine sprichwörtliche Be scheidenheit in der Lebensführung erlaubt mit Reis und Safe( dem japanischen, aus Reis gewonnenen Nationalgetränk) das Leben zu fristen. Aber die Kehrseite der Medaille zeigt zwei Bilder: einmal ist die Sparfähigkeit sehr gering, ein gewichtiger Umstand, der in die internationale Politit hineinspielt, und dann drängen jährlich Laufende nach neuem Siedlungsland. Der Strom der Auswanderer ging erst wahllos überall hin, wo billiger Boden oder hoher Arbeitslohn winkten. In neuerer Beit ist aber die japanische Regierung eifrig bemüht, mit Hilfe der Auswanderer die politische Durchdringung des ostasiatischen Festlandes zu fördern, das militärisch leicht zu beherrschen ist und dessen Boden gerade das birgt, was Japan am bittersten entbehrt: Eisen. Unzählige japanische Han delsleute gehen nach China, wo sie, der einheimischen Bevölkerung durch ihre Sitten nahe verwandt, rasch in den Kleinhandel eingedrungen find, Bindeglieder zwifchen den Europäern in den großen Handelsstätten und der Bevölkerung des flachen Landes werden und allmählich in die Sphäre des Großhandels eindringen, immer eifrig unterMineralwasserpumpe in Stein bei Nassau stüßt von ihrer Regierung, die eingedent des alten Spruches, daß der Handel der Flagge folgt, mit der Subventionierung japanischer Schiffahrtslinien nicht knaufert und auch mit Befriedigung das rasche Wachsen der japanischen Handelsflotte feststellen fann. Hand in Hand damit geht eine eifrige Kulturpropaganda. Kaum sind die Japs der europäischen Schule entwachfen, fo gehen fie als Lehrmeister nach China. Der Verein für die Länder mit der gemeinsamen Kultur Ostasiens hat in mehreren chinesischen Städten Schulen für japanische Jünglinge gegründet, die hier nicht nur chinefisch lernen, sondern sich auch in chinefische Sitten und Denfart einleben und chinefische Kleider tragen müssen. Nach drei Jahren gehen die Absolventen in das Innere Chinas als Agenten des japanischen Handels und der japanischen Regierung, beauftragt, alles für die wirtschaftliche Durchdringung Chinas wertvolle Ma terial und alle für ihre Regierung wertvollen Informationen sorgfältig zu sammeln. Umgefehrt erfahren Hunderte junger Chinesen ihre militärische Ausbildung in Japan und die Zahl der zum großen Teil mit Stipendien unterstützten chinesischen Hochschüler in Japan zählt nach Tausenden. Welche große Rolle diese jungen Leute bei den CARS 012 Alter Venetianischer Drud 139 ( Illustration zum 97. Psalm) letten vom Süden Chinas ausgehenden Revolutionen gespielt haben, die zum Sturz der Mandschudynastie und zur Proflamie rung der Republik führten, ist wohl noch allgemein in Erinnerung. Doch läßt sich in legter Zeit eine merkliche Gegenströmung feststellen, an teren Spize die unter ameri tanischem Einfluß ausgebildete chinesische Jugend steht. Auch sind die Japs in China durchaus nicht beliebt und als„ rote Teufel" verschrien. Das ficht sie aber nicht sonder lich in ihren guten Geschäften an. In der Beschränkung auf die politische und wirtschaftliche Durchdringung Ostasiens zeigen sich die Japaner als Meister, das be grenzte Biel bleibt noch immer riesengroß. Die Einschränkungen, die einzelne Staaten der nordamerikanischen Union, besonders Kalifornien, Australien und Kanada über die Einwanderung von Gelben, also auch von Japanern, verhängen, verlegen den nationalen Stolz, führen also sehr leicht zu erbitterten Zeitungsfehden, aber berühren tein Lebensinteresse. Wenn zwischen Japan und den Bereinigten Staaten einmal Krieg ausbrechen sollte, so dürfte der eigentliche Konflikt um die Beteiligung am chinesischen Geschäft gehen. Heute, da sich die Berei nigten Staaten ganz gegen den Atlantischen Ozean zu orientiert haben, ist das Gefühl zurückgedrängt, daß sie als größte Küstenmacht des Stillen Ozeans dort ihr eigentliches Tätigkeitsfeld haben. Aber es fommt wie. der und damit die Unbehaglichkeit über das junge asiatische Inselreich, das sie selbst aus dem Dornröschenschlaf geweckt haben und das heute als ihr Nebenbuhler auftritt. Aber dieser Gegensah darf nicht als Dogma behandelt werden; er fann, muß aber nicht zur friegerischen Auseinandersetzung führen. Die Vereinigten Staaten haben in Südamerika und im südlichen Ostasien, die Japaner im nördlichen Ostasien ein so weites Tätigkeitsfeld, daß es Generationen zu seiner Bestellung brauchen wird. Der wichtigste Grund aber, daß in absehbarer Zukunft eine friegerische Ausein andersehung mehr als unwahrscheinlich, ja unmöglich ist, ist die Armut Japans. Der Japaner arbeitet und spart wie eine Biene, und die Einlagen bei den Banken und Sparkassen wachsen. Aber seine Entlohnung ist zu gering, um ihn mehr als einige Spargroschen zurücklegen zu lassen. große Menge der in Landwirtschaft und Fischerei tätigen Bevölkerung lebt natural wirtschaftlich, deckt mit ihrer Hände Arbeit den eigenen Bedarf, verkauft aber wenig und kann darum auch nur wenig Geld anhäufen. Bis vor kurzem war Japan durchaus von seinen ausländischen Geldgebern abhängig, der Kredit für Handel und Industrie sehr teuer. Durch den Weltkrieg ist es wesentlich besser geworden, die Auslandsschulden konnten zurückbezahlt werden, die Schiffahrt verdiente an den hohen Frachten, Handel und Industrie an großen Kriegslieferungen. Aber noch immer fällt ein Vergleich mit den Bereinigten Staaten fehr zuungunsten Japans aus, oder vielmehr: ein Vergleich ist überhaupt gar nicht zu ziehen. Die nordamerikanische Union mit ihrer Refordproduktion steht unendlich über Japan, das etwa mit dem Deutschland von 1885 zu vergleichen ist. 2lie Drude. Wir haben es in dem einen unserer Bilder mit der Illustration aus einem italienischen Buch des ausgehenden 15. Jahrhunderts zu tun. Während bis bahin die Illustrationen der Bücher handgezeichnete Bilder, sogenannte Miniaturen, sparen, wurden die Illustrationen, seitdem die Bücher selbst gedruckt werden, nicht mehr Aus allen Ecken sich damit begnügt, die Konturen oder Umriglinien zu zeichnen. So liegt entsprechend der Reiz des Werfchens nicht in der Wechselwirkung von Hell und Dunkel, sondern in dem Nebeneinander und Zueinander der reinen flaren Flächen. Die zahllosen uns überkommenen Holzschnitte und Kupferstiche aus dem 15. und 16. Jahrhundert haben für uns neben ihrer fünstlerischen Bedeu tung, die feineswegs immer sehr groß ist, noch eine eminent wichtige fulturhistorische Bedeutung. In jener Zeit gab es noch keine Zeitung; doch aber wollte das Volk natürlich in irgendeiner Weise Anteil am Weltgeschehen und Kenntnis haben. Und diesem Boltsbedürfnis nach Aufklärung Der= danken wir die große Zahl der Holzschnitte und Stiche. Diese erfekten in einer Zeit, da Lesen und Schreiben zu den Seltenheiten gehörten, durch ihre einfachen finnfälligen Bilddarstellungen den ausführlichen Sachbericht der heutigen Tageszeitungen. Aus feiten in gleichmäßiger Entfernung Leisten an, auf denen dann die übrigen Kästen ruhen. Zur Aufbewahrung von Gemüsen fertigt man schranfartige Gestelle an( Abbildung). Die Seitenteile werden mit der Rückwand, welche aus Leisten besteht, durch dazwischen angebrachte Kästen verbunden. Die Böden der Kästen sind aus Leisten, welche gleichmäßigen Abstand haben, zu fertigen. Die zweite Horde wird in ähn licher Weise hergestellt; fie ist jedoch zum Aufhängen an die Wand eingerichtet. Auch ein Gestell zur Aufnahme von Töpfen, Gläsern usw. ist gut zu gebrauchen. besteht aus zwei leiterartigen Seitenteilen. Die Querleisten erhalten je zmei Löcher, des. gleichen die Seitenteile der Bretter( B) und zwar in genau gleichen Abständen. Dann legt man die Bretter zwischen das Leiter. gestell und schraubt es zusammen. 0. g. Schach. Es Bearbeitet vom Vorsitzenden des Deutschen Arbeiter. schachbundes. Nr. 17. Otto Dehler( Atad. Monatshefte f. Sch." 1909). B. A. Topfregal Exemplar für Exemplar mit der Hand geschrieben, sondern gleichfalls mit dem Drucke vervielfältigt. Einige Zeit hindurch stellte man fogar jede einzelne Buchseite als einen regelrechten, Text und Bild umfassenden Holzschnitt her. Die auf diese Art gedruckten Bücher nennt man Blockbücher. Sie sind sehr selten und werden hoch bezahlt. Was nun unsere heutigen Abbildungen betrifft, so zeigen fie, wie man in den Anfängen des gedruckten Illustrationsbuches die Zeichnung möglichst einfach und durchsichtig hielt. Der Gestell zum Aufbewahren von Obst Künstler, der den Geistlichen am Harmonium und den jungen Mann mit der Laute darstellte, hat auf jeden Schatten verzichtet. Rein technisch wäre es wohl möglich gewesen, den Schatten durch sogenannte Kreuzlagen zu geben, doch hat man zu jener Zeit davon noch nicht Gebrauch gemacht. Der Künstler des anmutigen Bildchens hat Gestelle zum Aufbewahren von Gemüsen folcher Zeit stammt auch unsere Ab. bildung, die uns in einem sehr interessanten Holzschnitt auf offenem Plaße eine MünzAn werkstatt und Wechselstube vorführt. einem Faffe sitzt der Münzmeister, der mit dem Hammer neue Münzen prägte, fints von ihm figt ein Geldwechsler hinter einem Tifche. Ein geistlicher Standesherr er scheint zur Rechten auf einem prächtig gezäumten Tier, fein Beauftragter scheint beschäftigt, die Güte des Geldes zu prüfen eine Goldwage liegt vor ihm. a. b. Allerlei Gestelle fann men zur beginnenden Herbstzeit namentlich für Obst- und Gemüselagerung gut gebrauchen. Um frisches Obst bis in den Winter hinein aufbewahren zu können, stellt man sich ein Hordengestell her. Man fertigt sich flache Rästen an, Das deren Boden aus Leisten bestehen. Hauptgestell hat vier starte Leiften, welche unten durch schmale verbunden werden. Oben an den Schmalseiten werden Leisten und auf diesen der oberste Raften aufge nagelt. Dann befestigt man an den Schmal Matt in 2 8ügen. Schwarz: R13, Bauern e7, h4, h5. Weiß: Stal, Dg7, c6, 2g1, Sc3, e2, Bauern f5, h3, Der Verfasser unferes heutigen Problems ist Leutnant der Reserve und liegt durch Granatschuß schwer verwundet im Henriettenstift" in Hanno ber. Mit obigem Problem machen wir den An fang, auch dem Lösebedürfnis der vorgeschrittenen Schachfreunde Rechnung zu tragen. Bisher haben wir, zur Einführung in die Kunst des AufgabenSchachs, nur sehr leichte 2 gebracht; von jetzt an werden wir schwerere 2 und auch 3 brin gen. Lösung Nr. 16: Otto Woogien †. 1. Ch312, Da1 beliebig. 2. Sb5- a7 oder Gb5- d4. 17-16-15, 2. Lg8- d5. Spanische Partie, 1. gespielt auf dem Schiff Weiß: Unteroff. R. Nok. Victoria Augufta". Schwarz: Landſtem. Listner. 1. e2- e4 e7- e5 7. Dd1Xd4 Ge4- d6 2. Sg1-13 Gb8- c6 8. Gb1- c3 a7- a6 3. 2f1- b5 g8-16 9. 2b5- a4 Gd6- b5? 4. 0-0 Gg8Xe4 10. f1- e1+ 2f8- e7 5. d2- d4 Gc6Xd4 11. Dd4Xg7 Th8-18 6. Cf3Xd4 e5Xd4 12. Be1- h6. Schwarz gibt auf, da der Turm verloren geht und Weiß nach Abtausch der Damen durch das Uebergewicht eines Turmes leicht gewinnt. Schachnachrichten. Der Vorstand des Deutschen Arbeiter- Schachbundes" beabsichtigt, vom 1. Septem ber an ein monatliches Mitteilungs. blatt herauszugeben. Der zurzeit bestehenden Sat, Drud- und Papierkosten wegen allerdings mur im bescheidenen Umfang von 4 Seiten. Der Inhalt besteht aus Partien, Endspielen, Broblemen, deren Lösungen, und Mitteilungen aus der Schachwelt. Jahresabonnement 2,50 r., Halbjahr 1,50 Mt. Wir werden noch näheres berichten. Doch können Abonnementsanmeldungen schon lept an Genossen W. Für, NeutolIn, Emser Str. 74 ( Bundesverlag), eingesandt werden. Briefkasten. Stud. med. E.: Wir können leider Ihre Adresse nicht genau entaiffern und teilen Ihnen darum auch hier mit, daß nur Bauern en passant" schlagen und geschlagen werden können. Alle Schachfendungen sind zu richten ant R. Oehlschläger, Berlin N., Hochstädter Str. 10. Nachdrud des Jahalts verbolen! Berantwortl. Redakteur L. Salomon Lessen, Berlin.( Alle für die Redaktion bestimmten Sendungen sind zu richten nach Berlin, Lindenstr. 3) Berlag Hamburger Buchdruckerei und Berlagsanstalt Auer& Co., Hamburg. 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