-._.■;'Itv irr � 7!r. 42 Illustrierte� UttterhallunZsblatt 1913 t6- A t�irir%jj£,£r �Jb&&£■£ m tjtk'J! iJwZ ek;*■•% Lohyord und(einem Weide wie Marianne wurde er nichl ieichl. r. ö:c machien wenig Wone Ihre Eesichiei zuckien nur, und ihre Grinde lagen einen Augenblick heftig inein» ander gc.iammerii. Marianne Denier hatte dann eine stille Hochzeitsreise. Sie und ihr Mann saßen einander gegenüber in dem DritteNasse« wagen. Denier läticheite einma! ihre 5)and mit einer Art väterlicher Freundlichkeit. „Jetzt n.cht ez in eine neue Heimat.' sagte er lächelnd Sie sah ihn gerade und fest an.„Ja." gab sie mit frischer und starler Stimme zurück. Je näher sie dem Vierwaldstättcr See kamen, um so einsilbiger wurden sie. De« nicr, weil er es von Natur aus war, Mae rianne, weil die Landschaft, durch die ste fuhren, ihre Ausnierksamkeil in Anspruch nahm. Ihr Herz klapste. Das Land baute sich immer gewaltiger vor ihren Vlicken auf. Sie war an das lieb- l.che Bild der Heimat gewöhnt,' und wie bet ihrem �ersten Be uche wurde ihr der Arem eng, nun sie dieies neue, hec be Land bc» truchtsie Dabei war ihr, als ginge von der Gegend, die sie durch- fuhren, eine geheime, auf den Menschen wir- kende Kraft aus. Ihre Brust begann sich zu debnen, und sie empfand eine frohe' Unge- duid nach der Arbeit, die ihrer am Reiseziek wartete. Der anfänglich helle Himmel überzog si.h dann. Luid brach ein schwerer Regen nied.r, der noch anhielt, als der Zug in Flüelsn hielt. Denier blickte aus dem Wagenfenster „Ich habe den Postwirt von Flüelen an- spannen heißen für uns," sagte er mit einer fröhlichen Wichtigkeit. Im Aussteigen bemerkte Marianne einen Einspänner, der neben dem Stationsgebäude hielt Er fiel ihr aus, weil das Pferd, ein starkes, schweres Tier, vom Zuge erschreckt, sich bäumte und von mehreren Männern mit Mühe festgehalten wurde, während an- dere Leute das Fuhrwerk neugierig um- standen. , Er hat ein nagelneues Gespann ge- schickt, der Po'twirt," sagte Denier und lächelte befriedigt. Dann schritten'sie auf den Wagen zu Das Pferd trug bunt« Schleifen am Kopf. Der Fuhrknecht, ein sunger, kräitiger Bursche, hatte emen Maien an den Hut und einen solchen an die Brust gesteckt. Er grüßte lachend als sie herantraten Denier reichte ihm die Hand und be> grüßte auch einig? der Umstehenden, die ihm bekannt waren. Er unterhielt sich mit ihnen und nannte Marianne ihre Namen Es ent- stand ein namhaftes Aufsehen, und Marianne wurde überall weidlich angestaunt. „Das Pferd ichemt mir unruhig," wendete sich dann Denier zu dem Fuhrknecht, indem er das Tier musterte. ' ,.D■."--'' • iis-- „Ich werde Ihm schon den Meister zei- gen," entgegnete mit lachendem Prahlen. der- andere. Marianne stand auf dem Trittbrett des Wagens. Im gleichen Augenblicke zog das aufgeregte Tier an. Der Knecht schimpfte und bändigte es mühsam. Marianne trat In die Straße zurück Sie fürchtete sich nicht, aber sie sagte:„So!- len wir nicht lieber den kurzen Weg zu Fuß gehen? Das Pierd ist nicht zuverlasiig" Pietzeicht, daß Denier es nicht liebte, Auf- sehen zu erregen oder daß er der Gaffer �überdrüssig war.„Nein, nein," sagte er und schob sie In den Wagen,„her Bursche versteht z» stchren.. Aengstige Dich nicht." Dann fuhren sie ab. Das Pferd lief Fortsetzung) ruhig, nur die Ohren warf es hin und her, und manchmal schnaubte es auf Einmal erschrak es vor einem Stein im Wege und tat einen Seitensprung. Denier neigte sich vor und beobachtete es. dann sprach er ein paar mohnende Worte zu dem Knechte und saß wieder ruhig. Sie kamen wohiuehalten durch das Dorf. Di» Leute blickten ihnen aus Türen und Fenstern nach. Der Regen horte aus, aber ein schwerer Redel. uen einem scharfen Winde gejagt, kam hinter dem Fuhrwerk her und ver- hüllte die Berg»., Marianne legte den Hut ab. Der Wind riß ihr kleine Haariocken an Stirn und Schlafe aus. daß sie wehten. Ihr heller Scheitel leuchtete, während sie die verdüsterte Straße fuhren Nun näherten sie sich wieder der Bahn- linie.„Ein Zug steht dort," inahnte Denier den Knecht: „Wir kommen, noch hinüber," antwurteie der. Dann fuhren sie mit einem wilden Ruck über das Geiei'e. Das Pferd erlchrak über das Poltern de» Rä» der. Der Knechi leuchte und fluchte. Er halte Mühe, das Tier zu v.'.mj...!! ü.'..■ naiXes-Zßf i*■ /"V».'• ...„-.w,;,.., v.., halten, on dleieui Augenblick pfiff drüben schrill und durch- dringend die Lokomotive des zur Ab- fahrt stehenden Zuges. Das Pferd sich? zusammen, dann bäumte es sich. schlag aus und zerschlug die linke Deichsel. Und als es die zersplitterte Stange fühlte, warf es sich wie rasend in die Stricke und schoß straßoorwärts. Ein Stoß schleuderte den Knecht vom Bocke. Aber Denier suchte die Zügel zu erhaschen. Er rasste sich auf. Als er jedoch die starken Lederriemcn zu halten glaubte, sprang das Pferd zur Seite, und ein säher Ruck warf die beiden Wagen- insasstn über den Bock hinaus nach vorn. Marianne wurde In einem Bogen In die neben der Struße liegende Matts geworfen, Denier verwickelte sich in die Zügel und schlug schwer auf die harte' Straße. Und 166 Die Neue ggetf. Illustriertes Unterhattungsblatt. das Pferd war wie toll� Nun umging es den Gestürzten, vom Holz der Deichsel ge- schlagen Nun schoß es wieder vorwärts. Die Straße schien unter dem Stoße seiner Eisen zu ächzen. Der Wagen schlug um «nd zerschlug Das Tier riß die Trümmer und den an den Riemen des Leitfeils geses- selten ohnmächtigen Mann hinter sich her. Räder gehen über ihn hinweg, drängen ihn seitwärts und fassen ihn abermals. Der Kot der Straße hängt sich an thn und Steine reißen Ihm den Hochzeitsanzug in Fetzen vom Leibe. Endlich löst sich die lederne Schlinge. Die wilde Flucht des rasenden Tieres, des zerhauenen Fuhrwerks geht weiter. Ein dunkler, schwerer Körper bleibt in der Straße zurück: entstellt, zerschunden. zerwühlt Eine Vlutspur führt zu der Stelle. Eine Lach« bildet sich, wo der Klumpen liegt, und der Boden saugt das Blut lang- sam ein. Wegs daher!am Marianne Denier. Sie war bleich, ihr Haar war gelöst, vom Fall aufgerissen und im Gehen vollends entflochten. Schwer hing es ihr auf dem breiten Rücken und dt« Achseln. Sie sah aus wie eine Fzau aus einer srühen Vorzeit, als sie noch mit wallenden, ungepflegten Haaren gingen. Die Verwirrung und die ungeheure Erregung des Augen- blicks gaben ihr ein wildes Aniehen. Ein Stück hinter ihr jolgi« der Knecht hinkend, jammernd und fluchend. Von der entgegengeietzten Seite aber er- schienen bald Leute, eilig, neugierig. durch das dorseinflürmende Pferd zum Gedanken geweckt, daß«In Unglück geichehen sein müsse. Marianne De- nier schritt ausrecht, mit starken Schrtt- ten, nur mit ieltsam schlenkernden Ar- men Ihres Weges. Von weitem iah sie den dunkien Körper im Wege lie- gen. Sie war die erste, die ihn er- reichte. Sie bog sich nieder. Sie fror bei dem Anblick. Sie sah in ein sürch- terlich entstellte» Gesicht; aber der Le-ungiückle atmete. Manchmalstöhnte er kurz. Marianne hatte leinen klaren Gedanken, sonst würde ihr ausge- fallen sein, baß sich wohl etwas schmerzlich In sie hineinkrallt«: Mitleid um den Men- schen, Schrecken, Verlangen zu helfen, ein Gefühl der Ohmnacht, aber daß ihr Herz nicht schrie ob des fürchterlichen Unglück», das denjenigen traf, der feit heute ihr Mann war. Sonst würde es ihr aufgefallen fern, daß sie dieses Mannes bisher kaum recht geachtet, weil ihr Blick viel mehr auf die Umgebung, in die er sie führen sollte, ge- richtet war als auf ihn selbst. Die Leute näherten sich. Der Kutscher kam heran. Es hob ein Fragen, Schreien «nd Untersuchen«n. Da erinnerte sich Ma- rianne an das, was ihr oblag. Sie schickt« Burschen nach einer Bahre, einen jDZann nach dem nächsten Arzt, den sie von ihnen erfragte. Während des Wartens wusch sie mit Wasser aus»inem nahen Vach das Gesicht ihres Mannes. Die Seedorfer erholten sich von ihrem Staunen über den Bewußlloscn und sein Mißgeschick und- begannen die fremde Frau zu mustern, die ihnen jener hatte bringen wollen. Nach einer Weile wurde die Bahre ge- bracht. Sie luden Denier aus, so sorglich sie es mit ihren derben Fäusten zuwege brachten. Dann setzte sich der Zug langsam in Bewegung. Mit hängenden Köpfen, die Hüte in den Händen, als� brächten sie einen Toten, trugen d:e Männer den Berungiück- ten und schritten andere hinter ihm und der Frau. Der Tag wurde immer düsterer. Die Nebel sagten sich und sanken tiefer, bis sie nahe über den Boden huschten. Die Leute im Zug« bekamen feuchte Gesichter und schwernasse» Haar. Da» war Marianne De- niers Hochzeitsreise. Marianne stand an einem der Fenster der Wohnstube in dem hohen, grau oer- schindelten, grirne Laden und ein schwarzes Dach tragenden Haufe ihres Mannes. Die- fes Haus war an einen freien Platz gebaut, ln dessen Mitte ein Brunnen war. Zwei Straßen führten an chm vorbei, die eine dem See zu, die andere nach Altdors. An der nach dem See hinbiegenden stand die große Scheune Deniers. Jenseits des Platzes erhob sich die Kirche, weih, mit schlankem Turm, einer von Kletterreben umwachsenen Rundmouer und einem freundlichen Fried- Hof. Marianne Denier sah das alles nicht zum ersten Male feit ihrem Einzug; aber zum ersten Male kam sie dazu, zu erfassen, was sie sah: da drüben die Kirchel Dort der Stall! Hier die Straßen, eine dahin, eine dorthin laufend! Mariannes Haar war festgesteckt. Sie trug»in braunes Kleid von rauhem Stoff, ohne Firlefanz, mit kurzer Jacke und weit hinauf gebundenem Rock. Die Jacke sah prall an Armen und Busen. Eine kattunene Schürze war um die Hüfte gelegt. An der ganzen Erscheinung war etwas Sauberes, Besorgtes und Ruhiges. An diesem Mar- gen hotte Marianne zum erstenmal Muße, sich umzusehen, wo sie war. Sie tat es mit ruhigem und klarem Blick, mit einem Wesen, das mit ihrer äußeren Erscheinung im Einklang war, und begann damit, daß sie die nächste Umgebung des Hauses musterte. Es war heute der dritte Tag feit ihrer Ankunft. In der Kammer, die an die Wohnstube stieß, wo die weißen Betten und die weißen Vorhänge waren, lag Denier, der in einem Augenblick verwüstete MensK, und in dieser Nacht hatte sein Stöhnen auf- gehört. Am Abend vorher hatten die Aerzte, deren zwei gekommen waren, erklärt, der Verunglückte würde leben, aber ein böses Lebenl Jost Denier war blind und ein Krüppel. Da gab es kein aus und ab! Der Leib war wüst, nur der Geist hatte keinen ernsten Schaden gelitten. Das war das Cr- gedws dieser drei Tage! Aber es war ein Ergebnis, ein Ende sür Unklarheit und Verwirrung, Unruhe und Furcht. Die Zukunft war nicht mehr Nebel und Nacht, es war «in Weg, der hinauskief, und Mariann« betrachtete ihn an diesem Tage von seinem Anfange an, Stück um Stück, soweit er zu sehen war. Wiihrend sie nun sinnend au- dem Fen- ster schaute, löste sich ihr Blick bald von den Straßen, zog weiter, über das sich deh- nend« schmucklose Dorf hin, und hob sich zu den Nebeln, hinter denen sie die Berge stehen wußte. Diese Nebel waren seit ihrem Einzug nicht gewichen. Schwere Rsgen waren niedergegangen, anfänglich warm, dann immer kälter. Heute kam Be» wegung in die Schwaden. Der Re» gen halte aufgehört, und die grauen Wolken rissen in der Höhe. Allmählich touchie, vom Neuschnee leuchtend, ein Berg noch dem anbern hervor. Hoch, scheinbar durch nicht» mtl dem Tale verbunden und von seltsamen und geheimnisvollen Lichtern überloht, stangen sie da. Marianne staiNe wie in einem Bann hinilder. Erst als die Wohnstubenlür ging und eine Magd, eine Tasse Milch tn Händen tragend, «intrat, wendete sie sich vom Fenster hinweg. Ihr Blick gewann raich die anfängliche Schür!« zurück. Sie lichtete auf die Einzelheiten der Stube, in der sie nun schon zwei Tage wie im Traum aus und ein gegangen, und betrachtete die eben eingetteiene Magd näher, mit der sie'eit ihrem Hiersein das und jenes gesprochen, ohne zu fühlen, mit wem sie dos iat und ganz noch von dem besangen, was sich an ihrem Hochzeitstage creignel hatle. Die Stube war weit von derjenigen ver- schieden, in der sie daheim gehaust halle. Jene war freundlich, fast schmuck gewesen, diese war leer und derb. An den gelben Holzwönden der letzteren hingen unregelmäßig»erslreut ein paar unschön« gedruckt« Heiligenbilder. In der Mitte stand herrisch und plump ein ovaler eichener Tisch mit vier schweren Füßen. Etwas Eigensinniges war an dem unaesäliizen Möbelstück, «3 war wie der König zu dem übri- gen Gerät; den harten steifen Stühlen, der krumm hängenden schwarzen Uhr und dem weit vorstehenden graugrünen Ofen, auf dessen breiter Platte die ganzen Hausbewoh- ner sich ausstrecken konnten. Die Magd wollte in das Zimmer treten, in dem Denier lag, als Mariannes Blick sie erreichte.«Gehst Du ungekämmt herum. Heinrika?" fragte diese. Das schmalbrüstige Mädchen stand still und wendete sich um. Ihr farbloses Gesicht, mit den Schatten unter den Augen, rötete sich nicht, nur am Halse und ganz tief am Rande der Wange war ein« kleine Bewe- gung des Blutes, die oerriet, daß sie sich schämte, yJch bin zu spät erwacht," entschuldigte sie sich. Mit der freien 5)and strich sie un- willkürlich das schwarze Haar, das in Fetzen ihr ins Gesicht siel, zurück. Ihre braunen Augen, die den verschwommenen Zügen jugendlichen Liebreiz gaben, hatten einen halb scheuen, halb störrigen Ausdruck. Zukunft Fahr' auf aus Gram und Finsternis, es kommt ein Morgen froh und bunt, der ruft ein tönendeS: Vergiß! auch Dir mit hellem Glockcnmund! Der pflegt die Särtlein wieder zart, in denen wir spazieren gehn l Wir haben lang und bang geharrt: Mein Lieb, die Welt wixd wieder schön 1 Die Hand wird wieder mild und gut und ruht auf deinem lieben Haarl O, dann versinkt der Jahr« Wut! Und über Grauen blüht: Es war! Latz Jahr und Monde noch vergeh» I Nur pfleg' das Vlümlein Liebe fein! Dann wird, wenn Licht und Leben auferstehn, das Glück in uns lebendig sein! Hans Gatiimaim. Allerlei Schulfurforge Die kindliche Faulheit hat verschiedene Ursachen Sie ist ein« Erscheinung, weich« beim Kind« eines der größten Hindernisse für ein« regelmäßige Erziehung bildet Das. was man ab«r mit.Faulheit� bezeichnet. kann seinem Wesen wie seiner Ursach« nach so verschiedenartig sein, stellt so stark von einander abweichende Lrten in der Ver- ändenmg und Störung der kindlichen Be- tätigungsweise dar, daß man eigentlich diese verschiedenen Formen der kindlichen Faul- heit auch mit verschiedenen Namen d�ze�ch- nen müßte. Manchmal beziehen sich nüni- Karl Walser: Landwehrkanal rBertseh»ming«u« dem Kalender:«fiunft und Leben". Beriag Fr»d Heyder. verlw'Zehiendorf) Die ___ L- Marianne trat auf sie zu und nahm ihr die Tasse ab. ,5ch trag« sie selbst hinein," sagte sie..Bring Dich in Ordnung." Die Hemrika entfernte sich schweigend. Marianne aber trat In die Rebenkammer. Diese war freundlicher als die Wohnstube. Das tannene Gerät war n«u, und die wei- hen Bezüge der zwei nebeneinander stehen- den Betten wie die Vorhänge brachten ein« schöne Helligkeit hinein. In dem einen der Betten lag Denier reglos. Es war nichts von ihm zu feh«n: denn der Kopf war mit weißen Binden ganz umwunden, und die Arme, von denen der rechte gebrochen war, lagen unter der Decke. Marianne trat zu ihm, und als sie auf ihn nied«rsah, schauderte sie. Es war nicht zu glauben, daß dleier hilflose Leib demiel- den starken Menschen angehörte, der sie vor wenigen Tagen aus dem väierilchen Hauie geholt hatte. .Bist Du'»?" lallte der Kranke, die Worte wmen kaum verständlich: denn die Sprache kam thm langsam zu- rück, würde vielleicht Nie mehr die stühere Deutlichkeit gewinnen, wie der Arzt sagte .Ich bringe dt- MUch." gab sie Bescheid. Da öffnete er den Müntz, und sie begann, ihm Löffel um Löffel die Milch einzugießen. Einmal lallte er wieder ein paar Worte. Es war, als ob er sagte, daß ihm kein Glwd ganz fei. Plötzlich brach er i» ein fürchterliches Schluchzen aus. Ma- Planne letzte dl« Taffe beiielte und bog sich zu ihm nieder, die Qual, die aus ihm schrie, erschütlerte sie so, daß auch ihr die Tränen kamen..Sei ruhig," sagte sie mit engem Atem,.wir müssen lernen, es ge- duldig zu tragen." Das Schluchzen nahm nach einer Weile ab und verlor sich. Denier lag wieder reg- los. Dann schlief er vor Schwäch« ein. Von seinem Bett hinweg fuhr Marianne dann fort, sich in ihrer neuen Umgebung umzusehen. Das Haus war groß und hatte viele leere Räume. Sie besah es vom Bo- den bis zum Keller. Unterwegs tras sie die Heinrtka. die sich ordentlicher trug. Sie sandte sie in die Wohnstube hinauf, damit sie in der Nähe sei, salls der Kranke eines Dienstes bedürfe. Sie selber ging mit siche- rer Bewußtheit ihres Wege». Sie fühlte, daß sie die Zügel des Hauswesens in die Hand nehmen mußte, und wollte heute wissen, wo sie regierte. In der Küche tras sie auf die Köchin Aloisia. Die war dabeigewesen, als sie mit Denier ins Haus ge- kommen 55°r>>cji>">g folzl) Nene Welk. Illustrierkes UnterhalkunaSblaii. zg? ein Kind aus Ermüdung faul, entweder übersteigt das ihm auserlegte Schulpensum seinen Vorrat an Kräften, oder die in der Familie angewandte körperliche und erziehe- rische Behandlung ist unvernünftig oder vollkommen verkehrt. Manchmal iß: das Kind des Abends zu viel oder zu spät, der Schlaf ist insolqedessen aufgeregr und bringt für den nächsten Tag keine Erholung. Manchmal gehl das Kind zu spät schlafen, nachdem es den Eltern oder älteren Ge- schwistern als Spielzeug gedient, oder gar an den Abendiestlichkeiten der Erwachiencn teilgenommen hat. Die Folge davon sind aufregende Träume. Alpdrücken und unge- nügende Ruhe. In den Kreisen, wo Eieiid, Unwissenheit und Abwesenheit der EUern oorhmichen, sind gesundheitliche und siil- liche Störungen die Ursache der Faulheit. Andere Kinder müssen wieder ost bis ipät in die Nacht arbeiten und sind dann am fol- genden Tage leistungs» unfähig. Außerdem müssen sie ost noch in schlechj gelüfteten Zimmern schlafen, die sttt die Anzahl der darin hauiendcn Per- sonen viel zu klein sind: hinzu kommt dann noch der schwä- chende Einfluß einer schlechten und unregel- mäßigen Ei nährung, der Mangel an Ge- jundheltspstege über- Haupt und tchlteßlich ganz beionders das Bellpicl der Faulheit. Arbeitsscheu uzw.durch Erwachsene. Neben diejen Ursachen gibt es auch solche, die mit Siörungen des ganzen Organismus oder der leilendcn Funktionen der oerichtedenen Tä» iigkeiten innig ver- Kunden sind. Am hau- figsien zeigl sich die Faulheit bei einem geschwächten oder gar kranken Wesen, so be- sonders auch bei Er- nährung, störungen. Ferner ist hinzuweisen auf nervöse Leiden als einer Ursache zur Ver- laugsauiung der Denk- und Widensfiinklio- nen, die wir wie die Hysterie, die Melan- olie usw. als piy- ijche Erkrankungen bezeichnen, und auf aewiffe Arten der geistigen Schwäche lBe- schränktheit, blöder Sinn) oder gar be- stimmte Formen des Wahnsinns, die alle letzte» Endes auf gewisse Störungen der normalen Hirnfuntiion beruhen. Die SeziehunFen zwischen Kopfgröß« und Intelligenz bei Schulkindern�sind neuer- dings eingehend untersucht worden. Der Wormser Arzt Bayerthal hat durch zahl- reiche Messungen, die er an Köpfen von Schulkindern anstellte, ein sehr wertvolles Malerial geschafsen, das uns nicht nur ge- statiet. die schon seit langem in der Wissen- schaft dlskulierte Frage nach den Beziehun- gen zwischen Schädelumsang und Intelligenz ganz allgemein mit einer Bejahung der Existenz solcher Beziehungen zu bcant- worten, sondern auch schon erlaubt, einige prinzipielle Gesetzmäßigkeiten für diese Be- llch diese Veränderungen nur aus einen Teil, manchmal jedoch auf das Ganze der kindlichen Tätigkeit. So kann z. V ein Kind nur während der Schulstunden s«ul sein. d. h. sich gleichgültig, interessenios»der langsam im Denken während des Urnerrichts zeigen, dagegen ist es Feuer und Flamme beim Spiel unter seinesgleichen. Der Er- wachsene ist nun immer gern geneigt, die Ursachen für die kindlich« Faulheit in einem bösen Willen des Kindes zu suchen. Ost ober sind äußere Umstände«der innere Ver- Lnderungszuftände lKrankheitea) die Ur- fache der sig«n«nnten Faulheit. Die Faul- heit Ist«lso durch physiologische Faktoren bestimmt. Immer ist sie z. B. eine Folg? von vorübergehender od«r dauernder kör- perlicher oder geistiger Ermüdung: nur länger« Ruhe allein kann zur Abstellung des Uebels führen. Oester als man glaubt, ist 158 DieNeus Welt. Z??nstriertc§ Unterhaltunasblakk. »«dvnMN aufsufteßen. Er selbst faßt das KssuftÄ seine, Untersuchunit-n gan� allge- ms»» m fm«endem Satz zusammen: ,�Zm schuWN:!in:"e-i Liter kommen sehr tzut« geistige KLHiksteeten verhältnismäßig häufig bei großen. Huncr bei kleinen und nie- m sl s. b« den Keinsten Kv' fen vor" Als „klei!»ske Köpf«' find nach Bayer trat anzu- febe.i Kn»ö«n von 7 Jahren deren Schüd«!- Utnfsng snr«<- 48 Zentimeter und Mädchen v»n 7 Jahren deren Schädetumfang unter 47 ftertimeter bleibt, sowie Knaben unter 14.jechr»! mit einem Kopsumsang unter M!4 Acntnnrter und Mädchen gleichen Alter» mit einem solchen uwer 49H Zentimeter. ♦ St< S«hrejschmnnfungcn in der kärper- lichen Tut«ic!iung des Kindes verLienen große Beachtung. Bei der Untersuchung der .körperlichen Entwicklung des Kindes Hai sich herausgestellt, daß weder die Eewichiszu- nähme noch das Körverwachstum gleich- maßig innerhalb des Iabres fortschreiten, sondern bestimmten regelmäßig wieder- kehrenden periodischen Schwankungen unter- liegen, die man als Jahresschwankungen be» zeichnet. Man Hot festgestellt, daß im Herbst und Vinter die körperlich« Entwich- lunn des Kindes am intensivsten vorwärts« schreitet. Für die Monate Oktober bis Januar ist im Wachstum, in der Eewichts- zunähme und m der körperlichen Leistung?. fähigkeit eine stetiq aufsteigende Linie zu erkennen, im März und April folgt dann ein Rückschritt und bis Juli ist dann wieder eine Zunahme in der körperlichen Entwich- lung zu verzeichnen. Im körperlichen Wachstum konnte weiterhin ein eigenartiger Wechsel von Längen- und Dickenwach.'tum beoba6?tet werden den man als..Wachs» tumrhythmus bezeichnet hat. Das Längen« machstum findet nämlich in den Moruile» Februar bis August statt, während es ovM September bis Januar stillsteht Di« Ge- Wichtszunahme erstreckt sich hingegen auf die Monate Juli bis Januar und ruht ganz während der Zeit vom Februar bis Juni. Die Entwicklung der körperlichen Leistunas- fähigteil, belonderv der Muskelkralt, vollzieht(ich nach Untersuchungen von Schichten und Lobsten in der Weises daß sie vom Oktober bis Januar ständig zunimmt, dann zurückgeht von Januar bis März, wieder ansteigt im April und Juni und schlle'lich wieder sich vermindert vom Juli bis Sep- tember. B. �5-- An» der Astiagspraxis. Eine Hutleiste läßt sich in sedetn Schrank anbringen; man hat nur den erforderlichen Raum ireizu» lassen und ihn eveniuell mit einem Seiten- b-ett zu teilen. Die Leiste wird mit Lesen iL), die man au« Zinkblech biegt, in gleichen Abständen angebracht. Der Hut- Futterschuh vor Mäusen Halter wird aus starkem Draht Fe- bogen und in die Oeien eingehakt. Zur Aufnahme des Hutes dient eine große Garnrolle, welche mit Waue unipolsteri und mit einem Stafirestchen überzagen wird.— Auch ein Wäschetrvckner ist ganz einfach herzustellen; man braucht kein b-sonderes Brett dazu, sondern kann das sogenannte Küchentopfbrett benutzen Man schraubt an der unteren Seite des Brettes beliebig riet Oefen(A) ein und steckt in diese ge- rundete Hslzstäbe lAbbitdung).— Um sich bei der heutigen Fuiternoi vor Mäusen zu schützen, nimmt man ein beliebig großes Brett und nagelt an den vier Ecken aus. gehöhlte, der Größe der Fla'chsnäffnungen entsprechende Klötze unter Nun stellt man das Brett auf vier Flaschen, so daß es nicht«b rutschen kann. Die Mäuse können an den FWchen nicht hecauskiettern und find so vom Flitter abgeschlossen. o. g. Di« Isi-indische Tierwelt ist trotz der po- laren Lage dieser Insel eine rech, mannigsal» tige. M. v. Komorvwicz plaudert recht an- regend üder seine Beobachtungen, die er auf diesem Gebiete gelegentlich eines Be- fuckes des nordischen Eilands gemacht hat in sow-m mit reichem Biiderschmuck versehe- neu Buch«„Quer durch Island'(Schiller. buchhandlung M. Teschner®. m. b. H., Charianenburg); es Heist! da; Die Bogel- weit ist es, welche die Grasplötze Islands bsvöliert, denn von den Säugetieren sind nur weniae Füchte und Rennliere venreien. Die Dopzelschncpfcn und Regenpfeifer sind so zahsmkh»ud zahm, i-st man kaum noch Vergnügen an der Jagd auf sie finde!. Dus hauptsächtichsle Jagder- tiäanis bilden die oerjchiuocnen Arten von Enien. die in eahtlasen Aölkern an den Gewässern bauten. Am häufigsten sieht man an den Küsten die manchmal nach Tausenden zählenden Scharen van Eider- enfrn, die jedoch den Schutz des Gesetzes ae- nießen und wegen ihres tastbaren Gefieders eine wichtige Einnahmequelle für die Bevölkerung bedeuten. Sie find übrigen» dadurch so zahm geworden und haben sich an den Anblick des Meschrn so gewöhnt. daß sie ihre Nester sonar in menschlichen Wohnungen bauen. Unter den wilden Arten ist die große Malarente sehr zahlreich vertreten, ferner viele Arien von Tauch- euren, Woorenten und Sägern. Außerdem kommt auch hier und da die Fajanenenre und die Sckmee-Ente vor, nehenbei auch eine sehr seltene sogenannte Harlekinente. Daun e-bltcki man au! den riößere» Ge> wässern den großen Polartaucher und sei- nen kleineren Vetter, den Rotkehltaucher, die für jeden Jäger sehr schwer zu erreichen sind, da sie schon auf eine Entfernung von Svkt M-ter untertauchen, um erst nach emi- gen Minuten wieder zu erscheinen. Auf den wasserreichen Seen und Flüssen des Hoch- land�s sieht man Völker von Singschwänen. und wenn die letzte Glut der untergehenden Sonne hinten dem weißen Schnee ver- schwindet, so ziehen die langen Kohorten der weißen Vög�I am nächtlichen Himmel vor- be! und beleben die ein- same Wüste mu ihren klangreichcn, wehmüti-, gen Rufen Im Winter steigen d e Schneehühner von den Berge», wo sie gemöhnl'ch den Sommer vsrbiingen, ins T«!- land, und werden dann ihre« wohfichmeckeneen Fleisches wegen ielbst- verständlich in großen D Mengen erlegt, um nach I dem Kontinent verschickt zu werden. An d n Küsten ist die See stark bevölkert. Bei klarem Sommerwetter.kann man Hunderte von Seehunden beobachten. wie sie sich auf den Stran.dfelsen herum- liegend sonnen und wärmen. Bon den See- vögeln sind die Lach-, Mantel-, Raub- und Silbermäven sehr zcihu ich vorhanden, ebenso wie viele Arten von kleinen und großen Lummen. Manchmal sieht man hoch am Hutleiste Himmel den Kormoran, oder den Tölpel schweben, der in großen Mengen ruhige, menschenleere und steile Küsten bewohnt. Schach. Pcarbeite! dam Vorghend-n!>?; Denissen Arbeit«» schaSdundeS. Nr. 20. NiSrit eehlschvlscr,..AcbeUer-SchaSeeiUlng". Malt in drei gltaen. Weif» Z ch w a r z: gS; Bauern: M, h2. 14, m,»7 gl— gSf 3. srr.-düf; g<>,X'!4; ök&— SlrävcScr(irifffiianü. (Gesvtelt um? Jahr I Ml? im SSaSdarf.TträbeS' bei HalberstaS». besten Bewohner no« heule saß alle wehr oder weniger SS.ur>l)neler Und.) W eil;: 3 cö w ii t: Oberlehrer Älcdo«.( tu OiröbeSer. 1. 82—«4 87—-S 12. era— I>5t Jiil7— 8» 2. d2— d4 d7— d5 13. Sbl— d2 Ccd—<17 3. Ii2— Iii h7— li5 14. 7 42— f3 j----- S 4.$41— da Di— d« 16. St3— g5 Sdr— 18 6. g2—g3 p7— g6 16. 3eöX(7 219X17 0. La 1—14 2<»|— b« 17. Ctj;j;.,;ir6 SM— h7 7, IbS— c3 i.eS— d7 18. i?>cSXc7 S' 7— f8 8. Sftl— 18 Sh8—«ä 11). ßt'JXh® e7 0.--2—»3®ir&— 10 /2u. t!l— cSt»7-7—«8 1(X 9(1—!3<-7— efl 21. S17Xd0-4-. 11.»fei—-2 Lk8—<18 SchachuaMs. gebunden durch den Vertag de* Deutschen Arbeit: r.LdiaSbundeS 83. Ailrl, Neukölln. Emier Ar. 74. Alle SSachsendunaen find zu listen an Lt. OeblliblSger, Berlin N., HoSitäblcr Ztr. 10. Ilachdrack de» 3»i,)l>iiz oerdoica Beronlwor». Redasieu: 9 Verlag Hamburger Buchdruckerei und Verlagsanftali Sa io man- Uesj en. Berlin. iA!le jflr die Aedaktion befuminlen Sendungen find;u richlen nach Berlin. Lindenflr.•} Auer&'iOy Hamburg. Crul Vorwärts Buchdruckerei und Veriagsanjfal! Vau! Sinzer Si Co.. Berlin SW. 66.