Illustriertes Unterhaltungsblatt Grete Fillunger � tt beschlossen, bald Hochzeit zu machen, des Trauerjahr«? wegen im stillen.— Beim AbendlSulen verließ Theobald das Spengler- haus. Zuerst hatte er vor, in der„Ärone*" ein Schöpplein zu trinken, dann besann er stch anders, schritt an der Post vorüber und schlug, der sanft anstei- genden Kreisstraße folgend, die Richtung nach dem Altenburgskopf ein. Im W(e- fengrund rauschte der Bach. Dl« fernen höhen waren von weißem Nebel umspon- nen. Am Himmel fiimnierten die ersten Sterne. Theobald achtete nicht der Som- mernachtspracht. Cr sah die Augen der Trete auf stch gerichtet, war stolz, das Stoatsmädchen gewonnen zu haben. Er dachte an die Zelt zurück, da sie als Kin- der zusammen gespielt hatten. Ein Som» merabend vor dem Schloß. Buben und Mädchen bildeten einen Kreis und hüpften um ein« Spielgefährtin herum. Das war Trete Fillunger. Die sprang aus einen Jungen zu und wählte ihn zum Mann. Der Glückliche war Ludwig Ibold. Da» Pärchen tanzte, und die andern sangen: „Wenn die Iwet zum Tanze gehn, Wüsten wir hier Schidwacht stckhn. * Zwick, zwack Schätzrlein, Morgen soll die Hochzeit sein!" Der Neid guckt« Theobald aus den Augen heraus. Als Schulbub lief er der Grete nach. Sie war immer wundernett gekleidet und trug das Naschen ziemlich hoch. Einmal in den Haingärlen hatte st« lim zur Rede gestellt:„Warum gehst Du mir nach?"„Ich kann gehen, wo ich will!' hatte er trotzig geantwortet.„Du stehst so schmutzig aus/ ferttgte sie ihn ob,„wenn man Dich an die Wand wirft, bleibst Du kleben/ Er merkte stch dgs. überwand seine Wasserscheu und begann auf. seine äußere Erscheinung mehr Wert zu legen. Während seiner Gesellenzeit beim Meister Rühdnann bediente er dtp Grete zuweilen tm Laden. Was ste von Wurst, Speck oder Schmalz verlangte, händigte er ihr mit Uebergewlcht ein, womit er Ihr seine Nei- gung bezeigen wollte. Cr kam, dle Molle auf der Schulter, ins Epenglprhau». Die Grete war nicht mehr spitzig, war freundlich Roman von Alfred Bock wie ein Maikätzlein. Sein Mut wuchs, und er versäumte keine Gelegenheit, stch bei ihr'in Gunst zu setzen. Jenesmal war er in allerlei Händel verwickelt, die er nicht vom Zaun gebrochen hatte. Ein paar Fittche hatte er zerwamst und mit blutigen Nasen helmgeschickt. In der Stadt wurde er verketzert. Die Menschen sprachen vom Bösen lieber wie vom Guten. Gewiß, er war ein» Kanipfhahn. ein Haberecht, allein es stand auch manches in seinem Register. das ihm als Guttat angerechnet werden konnte. Es geschah, daß der Turnverein auf dem Altenburgskopf ein Souturnen veranstaltete. Er zeichnete stch dabei aus und erntete viel Beifall. Die halbe Stadt war heraufgeströmt. Nach der Arbeit er- hielt das Vergnügen fein Recht. Es wurde getanzt. Er bat die �tzrete Fillunger um den ersten Walzer. Sie schlug's ihm mit den Worten ab:„Ich"hob Kopfschmerzen, Ich mag heut nicht tanzen!" Eine kleine Weile danach holte sie der Ludwig Ibold, und ste flog wie ein Wirbelwind mit Ihm herum. Der Schneider Rabenau, der Schiefhals, meckerte:„Mach- Dir kein Herzbrechen, Theobald, das Blümchen blüht nicht für Dich. Ist's die nicht, ist's eine andere/ Eine w ld« Wut flammte in chm auf. Er rannte in den Wald und riß ein paar.sung« Bäume aus. Donach kehrte er zu seiner Kameradschaft zurück. Vier Wochen später ging er in die Fremd«. Di« Zeit legte viele» bei. Sein Zorn gegen'die Grete war oerraucht. Kaum, daß er wieder nach der Heimat Dampf gegeben und eben hier warm geworden war, trug man ihm zu, Ludwig Ibold. der Windbeutel, habe die Grete Im Stich gelassen. Seltsam hatte stch-das Blatt gewendet, er hatte das Blüm- chcn nun doch gepflückt. Indessen machte er sich nichts vor. Der Zusall war ihm zu Hilfe gekommen. Mutterseelenallein,' konnte die Grete einen Mann wohl brauchen. Und da war er sust der Rechte. Kotz Donnerl Die Kraft schoß ihm aus allen Poren. Er kannte fein Werk und seinen Willen. Unter solchen Gedanken hatte er den Altenburgskopf erklommen. Aus dem Städtchen blitzte» die Lichter heraus. (tzorisebung) Ringsum rieselten und raunten die Quellen. Der Mond stieg empor, überglänzt« da» Tai und tauchte die Höhen in bläuliches Licht. Gegen Mitternacht trat Gonder den Rückweg an. In der„Krone" war da» Gastzimmer noch erleuchtet. Ein paar Spießer lärmten, als hätten ste ihre Kehl« eine Meile weit offen. Der sung« Metzger« m elfter kam als später Gast hinzu. Ohne den Spektakel zu beachten, ließ er stch still- vergnügt seinen Nachttrunk schmecken. '» In der Dittmarschen Großbuchbinderel zu Stuttgart hatte Ludwig Ibold eine schwie» rige Arbeit, bei der ihm vollkommen freie Hand gctassen worden war, glücklich vollen- det. Todinüve legte er.sich nGch dem Abendbrot nieder. Wie er die Augen schloß, spürt« er einen Druck auf der Brust, und es war ihm, als würde-sein Kopf geijäm- mert. Erst nach Mitternacht schlief er ein. Aber es war kein erquickender Schlummer, den e: genoß. Unruhig wälzte er stch hin und her Ihm träumte, er räumte daheim In der Werkstatt aus und warf die häßlichen Bunt» papier« und Kalikos zum Fenster hinaus. Sein Vater schrie.wie besessen, seine Mutter lag mit dem Gesicht auf dem Boden und weinte. Mit einem Mole stand er vor dem Gutleuchaus der barmherzigen Schwestern zu Gmünd. Der steinerne Vinzenz war le- bendig geworden und rief Ihm zu: „Halt Dich rein, Getreu es mein. Wiltu wehrt gehalten sein!" Hinter ihm kicherte wer. Er drehte stch um und erblickte ein graues Mönnlew mit langem, straff niederhängendem Haar. Das sprach:„Komm mit, guter Freund!" Er ging mit. Im Ru waren ste vor'der Bim- denan statt. Die Tür öffnete stch von selbst. aber nur«in wenig. Durch den.Spalt schlüpften ste hinein. Das Männiein warf ihm einen Mantel über, dessen Kapuze den Kopf' bedeckte, und sagte:„Niemand kann Dich jetzt sehen!" Seinen kleinen Begleiter zurstckiossend. schritt Ludwig rechterieits über einen geräumigen Flur und befand stch gleich daraus in einem grün iapezlerlen Saal, der sein Licht von oben empfing, 14 Die Neue Welt.. IllustriertsS Unterdaltungsdlalt. Hie? saßen blinde Männer, JLnglinge und Knaben, fünszig oder sechzig an der Zahl, und waren mit der Anfertigung von Me« nenkörben, mit Stuhtslechken, Seilsr. und Bürstcnbinderarbeit beschästigt. Vor dem Preßoergoider Eberls stand der Werklehre� Stiehl und sagte:„Das Ist der vierte Stuhl, den Sie beziehen. Sie machen Ihre Sache wirtlich gutl* Eberle erhob sich und sprach: „Herr Wertlehrer, daß mir die Arbeit so von der Hand geht, darüber wnndr« ich mich nicht. In mir ist's sonnenhell. Ich hcl eine Frau, die' treu und anhänglich ist und Hab ein Töchterle, goldig!". Ein alter üt"*"e seine Geige herbei, spielte eine» Choral, und alle sangen. Ludwig liefen die Tränen über die Backe». Er legte de» Mantel ab und rief:„Eberle, Du hast ein mchlsnutzig Weib, sie bctrflgt�Dich mit mir!" Eberie preßte die Fäuste in die eingesun- tenen Augen und brach uuter lautem Ge- stöhn zusammen. Da warf sich der Werk- lehrer Stiehl aus Ibold, friegle ihn an der Kehle, daß er zu ersticken vermeinte. Lud- wig erwachte, sprang aus dem Bett und zog sich an. Vor Tagesaubrmi) verließ er das Haus. Eine Zeitlang schlenderte er tn den Straßen uniher, dann stieg er zur Höhe des Hosenbergs hinaus. Droben- fächelte ein frisches Lüftchen ihm die heiße Stirn. Zu seinen Füßen sah er die Schwabenhaupt- stadt Im jungen Licht, mitteninne kunstvoll angelegte Gärten, von alten Kastanien» bäumen überragt. Ueber den Nahmen des Stadtbilds hinaus ruhte der Blick aus Re- dengehöngen und dunklen Wäldern. Fernab blauten die Berge der Alb. Als Ludwig Im Badischen schasste, war über di« Schwaben oft gewißelt worden. „Sie haben kein Herz, hieß es. aber zwei Maaen. denken nur an Knöpfle mid Brätle und fluchen, als wollten fl« dem Teufel zur Messe läuten!" Bis zu dem Tag, da er In die Hauptstälterstraße gezogen war. hatte er sich In Stuttgart sehr wohiaesühtt. Die Schwaben waren hell« Köpf� wußten, wo die Zäntfc hingen und wie ste's anzugrel- fen hatten, daß sie im Mrrsal der Welt bestanden.- Vielleicht war's das leßtemal. daß er sich hier oben an der Ansflcht aus das stolze Stuttgart ergötzte. Es war sein sel- senfester Entschluß, das schondvolle Band, das ihn hielt, zu zerreißen, er wollte heiin. Er ließ sich aus einer Bank nieder, zog einen Brief aus der Tasche, den er gestern von seinem Freund Eberle aus der Blin» denanstalt in Gmünd erhalten hatte und las ihn. Ibold steckte den Brie? wieder In die Tasche und schaute nachdenklich vor sich hin. Sein Freund hatte ihm aus treuem Herzen geschrieben nnd oerdiente eine offene, ehr- liche Antwort.. Konnte er die geben? Cr konnte hundert Gründe anführen, weshalb er Stuttgart den Rücken kehrte, den triftig- sten mußte er verschweigen. Lügenspiell In Wb Heimat tat sich ein neues Leben sür ihn aus Der Grete würde er freiheraus sogen, was ihn In die Krümme gebracht. Nur so konnte er wieder ihr Vertrauen ge- «innen. Wie hatte feine Mutter geschrie» den?„Wer soviel Menschenliebe in sich trägt wle die Grete, kann etwas verzeihenl" Er brach auf und nahm den kürzesten W«g tn die Stadt. In den Straßen war es trog der srühcn Morgenstunde schon siedewarm. Cr atmete aus, als er in seinen kühlen Arbeiksraum kam. Während der Frühstückspause begab er sich In das Prloatkontor des Prinzipals und bat diesen um sein« Entlassung. „Warum wollen SJ« gehen?" fragte Herr Dittmar mit einem prüfenden Blick. Dem Blick ausweichend, wie semand, der etwas tn» Hintertürchen hat. erwiderte Ibold: „Ichshab Nachrichten bekommen. Ich bin nötig zu Hau«." und setzte hinzu:„Dürft ich vielleicht morgen schon fahren?"' Der Prinzipal zog die Braue» hoch. „Pressiert's denn so?" „Jawohl!" .Da stimmt etwas nicht,' dachte Herr Dittmar..Behält er"? für sich, wird er wissen, warum.' „Ich war zufrieden mit Ihnen." sagte er,„und lasse Sie ungern gehen. Ich lege Ihnen natürlich nichts In den Weg. Sie können sich hernach Ihre Papiere holen." Der Gesell richtet« sich aus und schlug die Hände ineinander. „Ich mächt dem Herrn Dittmar auch vielmals danken! Hier sind mir die Augen auf- gegangen. Freiich. je mehr man lernt, desto weiter niöcht man kommen. Ich muß mir daheim nun selber helfen." „Ich bemühe mich, meine Leute zu einem guten Seschniack zu erziehen." sagte der Prinzipal leutselig.„Der Buchbinder soll ein Gefühl dafür haben, was schön und was unschön ist. Sie haben's. Trotz der Maschinen— davon bin Ich überzeugt— wird sich die Handarbeit in der Buchbin- derci behaupten. Und wer den kunstgewerb- lichen Geist im Buchbinderhandwerk pflegt, trägt dazu bei, es z» hebe». Bergessen Sie das nie, wenn Sie Meister sindl" Er reichte dem Gesellt» zum Abschied di« Hand. Nachmittags begann Ludwig in seiner Stube zu packen. Das R-kele flitzte herein und fragte: „Was machscht dann da?" „Ich will verreisen, Weißköpschcn," anl» wartete der Gesell. „Wohin willscht verreise?" «Nach Haus." „Und wann fommscht wieder?" »Das kann ich heut noch nicht sagen." «Wann- Du net da bischt, wer soll mi dann hozzele?" „Dein Vater. Rikel«. Er hat mk geschrieben. er kommt." „Und wer soll Bitschekttschs mit mir mache?" „Deine Mutter." «Und wer soll mir Eeschichlle verziihle?" „Dein Vater." »Mei Vater Hot mir nie Geschichtle ver» zählt I bitt Di. bleib da," „Rikeke. ich nniß hcirnl" Die Kle'ite verzog das Mtiulchcn zum Weinen und lies hinaus. Gleich darauf erschien Fran Eberle; zitternd vor Zorn. -„Hascht Dei Wasch nachaezählt?" „Ja." „Stimmt's?" „Ja" „Jetzt geht's also fort?" „Ja." Lttdcs er eifrig wcstrrpackte. fuhr sie los: „I pfn dl anl Gell,'s i|c$ Dir z'viel. mir ordentttch Antwort zu gsowe? Mu'cht Dir net einbilde, daß I bittermütig war. O neil Ilm so'n Psiautsch macht sich kei Frau, die was aus sich hält, Gramanze. I dank Gott, wann Du den Tempel drauß bischt. A Mann soll a Mann sein. Was bischt Du? Net Fisch und net Fleisch. I denk als. Dei Gänsl« daheim glaubt wunder was an Dir zu kriege. Was kriegt's? A Gogg, a Wettcrhahn. Des wollt i Dir bloß noch sage!" Sie drehte sich auf dem Absatz herum und ging. Zugleich mit dem Dienstmann, der gegen Abeüd des Gesellen Habseligkeiten zur Bahn schassen sollte, trat ein Postbote in dl» Slub« und brachte ein Telegramm. Es lautete: „Vater schwer erkrankt.- Komme sofort zurück. Mutter." Eine Stunde später stieg Ludwig in den Zug, der ihn der Heimat«ntgegensührte. Obwohl er von Lndwigsburg an mit nur einem Fahrgast das Kupee teilt« und Ge« legenheit gehabt hätte, sich auszustrecken, blieb er In semer Ecke sitzen und schaute beklommen tn die Nacht hinaus. Es war sein redlicher Wille. Inskünftig dem Vater gegenüber sich versöhnlich zu zeigen und mancherlei wieder gutzumachen, dessen er sich schu'dig fühlte. Die Fremde hatte etwas Tüchtiges aus ihm gemacht, daran war nicht zu rütteln. Immerhin hatte er In letzter Zeit, wenn ihm die Erinnerung an vergangene Tag« Gssellschast leistete, über vieles anders denken gelernt. Cr war sich der Fertigkeit In seinem Handmerl bewußt.. brauchte sür sein Könne» freie Bahn, aber er baute doch auf dem Grund weiter, den der Bater sür ihn gelegt. Worum galt es denn In allem Eewert? Das Beste zu suchen und nutzbar zu machen. Darin konnten zwei Menschen mit klaren Sinnen wohl einmütig sein. Man mochte über die Geschästsgrundsätze seines Vaters denken, wie- man wollte, sein Biedersinn und seine Charakterfestigkeit nöngten einem Achtung ab. Der Vater hatte seine Jugend behütet, hatte sich für ihn adge» müht. Cr aber als Storrekopf. der nie sein' liebes Ich vergaß, hatte immer getan, als finge die Welt bei ihm erst an. Mt seinem rechthaberischen Wesen hatte«r die Sohnespflicht oft verletzt. Um des lieben Friedens willen mußte er sich etwas ge» fallen lassen.„Vater," hatte er sich oörge- nommen zu sprechen.„Ich weiß, was ich Dir fchukdia bin. Das Unlchierlqe Hab Ich draußen gelassen. Du hast Dein Teil In Ehren geschasii, Ich inöcht Dir setzt helfen. Ich mein, wir sollten uns das Leben nicht schwerer, wir sollten'» uns leichter und schöner machenl" So zu sprechen war sein Vorsatz gewesen. Nun hatte ihn die Hiobspost überrascht. Der Gedanke ließ ihn nicht los, daß er den Bater nicht mehr am Leben traf. Der Reisegefährte, ein junger Mensch, dessen Züge das Gepräge eines Südlän- ders trugen, lag auf seiner Baak und schnarchte. Es war zum Ersticken heiß. Ludwig öffnete ein Fenster.: Di« Nacht sah init' kvhlsckiwarzen Augen herein und wisperte: „Mir schwant nichts Gutes!" Dem Gesellen war das Herz dedrückt, als ob' ein Mühlstein daraus lüge. Als er am anderen Morgen die Schwelle des elterlichen Hauses betrat, kam ihm seine Mattet in Tränen- zerslleheud entgegen, Den Bater hatte in der Werl- statt der Schlag gerührt. Er hatte das Bewußtsein verloren und bis jetzt«'cht. wiedererlangt. Der Arzt Chatte so gut wie nichts verordtlht. Er meinte, man müsse Die Neu« Welt. Illustriertes UntnhaltungSbtatt. 18 alles der Natur Dberlaffen. Ludwtq nahm feinen Platz am Bett des Baters und laulchie auf de» reglos Daliegenden Atem» Züge, die Ichwächer, immer Ichwächer wur»' den. Wie die Nacht über die Firste tmn, • ging der Buchbinder still hinüber. » 3» den nächsten Tagen und Wochen ging Ludwig Jbokd traurig und entmutigt umher. Beim Begräbnis seines Baters hatte er unter den Leidtragenden Theobald Gonder. den jungen Metzger, ueister, an detzen Seite Grete Fillunger. bemerkt. Cr erfuhr, die beiden seien ausgeboten, doch schien es, als würde er wen'g oder gar nicht davon berührt. Das Notwendigste zu tun. kostete ihn Ueberwindung. Die Epannkrast seine» Wesens, so mutzt« man glauben war gebrochen. Frau Jbold, von Angst und Sorg« er» füllt, setzte das«igen« Leid hintan und breitete vor dem Söhnten ganzen Reich- tum ihrer mütterlichen L ebe aus. Mit feinem Gefühl vermied st« es. von Grete Fillunger zu sprechen. Ihr Sinnen und Trachten war. die Schatten zu bannen, die Ludwigs Gemüt verdüsterten. Si« redete wie aus einem Buch her- aus. Wo war die Fainil'e, die sagen konnte:„Bei uns ist alles glatt und klart" Rauch zog durch das feinste Haus. In jedem Menschen war Dunkles und Helles. Freilich durste man nicht ruhen, bis das Helle zum Durchbruch kam. Hatte einer gefehlt, braucht? er nicht zu verzweiseln. Die Hauptsache war, in sich Ordnung schas. sen. aus die Brust schlagen und stzrechen: „Ich tue meine Pslichti" Das war die beste Reumütigkeit. Run gar einer wie der Ludwig, In seinem Handwerk gewandt und gewitzt. Dem war vor viele» der Weg ge- bahnt. Nichts lietz Frau Idold unversucht, ihren Sohn aus feiner Stumpfheit auszu- rütteln Ständig lag sie ihm an. daß er sich um sein Geschäft bemühe. De» Heimgekehrte gab nach. Wer sonst in der Welt bewies Ihm so viel Seldstlostg- kei» wie die Mutter? Ihr« Treue war grenzenlos ihre Liebe alterte nicht. W-h», ihn alle verliehen, bei ihr würde er Immer . Auflucht sindeu. Nicht, datz er sich jetzt In Daukesworten ergießen wollte, er wollt« handeln, wollte di« Zeit benutzen. Die Mutter sollt« ihn nicht ratlos und schwach, sollte ihn stark uiid arbeitssroh sehen. Er enthüllt« ihr seine Zukunstspläne. Nach vielen Jahren des NIederaangs und der Lerslachung hatte das Buchender» gewerbe einen völligen Wandel erfahren. Leute von Teschmack. Künstler und Kunst- sr-i"lde hat'-n sich zum Ziel gesetzt, Hand- werk und Kunst miteinander zu verschmel- zen. Der Buchbinder, wenn er so einsichts- voll war, das Streben der Zeit zu ersosien, durfte es wagen als Handwerker nnd auch als Künstler aufzutreten. i>>W »P Die ZNaximaliften tev eliyMcheu Revolution Bon A. C o n r a d y. ' Die Putsch- und Liktaturpolltiker dzr deutschen- Revolution derusen sich gern, um sür ihr« Grausamkeiten so etwas Aehn» klches wie eine wistenschasti che Grundiage herzustellen, aus die fleschichHiche Ersahrunq früherer Revoluüonen Auch die englische Reoolutiar d«s 17. Jahrhunderts ist heran. gezogen worden, deren Gang von, Paria- mevt durch Bürgerkrieg{«r zweimaligen gewaltsamen Reinigung oea Parlaments und.schließlich" z» Cromwells Diktatur ge- führt habe. Diese Geschtchtstlitterungen haben mit Nutzbarmachung der historischen Wahrheit sür das politisch» Verständnis nichts zu schassen. Wer aus der englischen Revolution Lehren ziehen will für den Heu- ttgen politischen Kamps, dem'bietet ste ge- rabe auch die historische Parallele einer roh- tominunistilchen Bewegung, die vom Paria- mentarismus»ichis wisse» wollte, sondern, bloß' aus eine Minderheit gestützt, mit de- wafsneter Hand die Macht zu erlangen' dachte, um im Handumdrehen eine neue Welt zu schassen. Die diesen Wahn chatten, die Maximalisten der englischen Revolution, das waren die Leute der fünften Monarchie. und ihre Mrtsamkeit im Ver'aus der großen Umwälzung zu versolgen, gibt einen Anhalt dafür, was bei ähnlicher Betätigung heute etwa l)erau«kommen könnte. Die fünfte Monarchie, die diese Leute wollten, das war das tausendjährige Reich, das»ach dem jüdischen Propheten Daniel aus di« vier geschichtlichen Weltreich« folgen sollte. Die Erwartung des tausendjähriaen Reichs war schon seit vorchristlichen Zelten eine religiöse Einkleidung kommunistischer Ideen gewesen»nd hatte diese» Charakter auch bei den englischen Männern der sünsten Monarchie in der Mitte des 17. Jahrhun- derts. Zu der Zeit beoann diese Richtung das Wesen einer polltischen Partei anzunehmen Die Ideellkeime freilich re'cben schon weiter zurück Bereits in den lüer Jahren, als das Parlamentsheer seine ent- scheidende» Siege erfocht, warcii in der Re» oolntionsarmee Leute zahlreich, die ma» als Wiedertäuser �zu bezeichnen pflegte, deren Hauptidee aber der Glaube au, baldige Komineu des Himmelreichs auf Erden war. Zu dieser Zeit, im Jahre 1613. erschien von Joseph Ealinon. einem Mitglied« der Armee, gleichzeitig aber Anhänger der fünf- ten Monarchie, ein Schristchen. in dem das Erreichte als sür ei en radikalen Partei- gänger der Revolution ganz unbefriedigend dargestell! wird. Bloß dl« Form aber nicht die Gewatt der Monarchie sei verschwunden, und das Parlament sei nicht weniger abso- lut und toraniiilch. Im Frübiahr 1651 pro« vbezeite ein ouderer literarischer Vertreter der sünsten Monarchie. Eary..Des kleinen Horneo Gerich» und Untergang", d. h. den baldigen Anbruch des iausendsährigen Reiches. Er ist Ichon weseülich positiver und auch bedrohlicher als Salmon. verkündet, daß der Adel und die mächtigen Leute r im Bearisfe seien, den.Heittaen" — so nannten sich die Leute der sünsten Monarchie aern— unterworfen zu werden. daß.«s rechrmäßig fei. Christi'. Feinde mit dem materiellen Schwerte zu bekämpfen, und daß die Heiligen hernach Reichtümer besitzen und mit Christo aus Erden berr- schen sollten Der Hauvtsederheid der fünf- ren Monarchie wurde dann.im Jahre 1653. das für dies« Richtung hochbedeutunasvoll wurde, John Rogers. In ieinem..Sagrir" erklärte er dos Reich Edrist! aus Erden für uabe herbeigekommen Die vierte Man- arckie breche setzt zusehends zusammen vnd werde plötzlich ganz stürzen und di« Hacken in di- Luft siistageu. Bis zum Jahre 1666 fbier liegt die mystische Zäd' 666 auf der .Osfendanuig" zuaruude) iollte die fünfte Monarchie iu der ganzen Welt sichtbar iein. um In ungefähr vierzia Jahren allgemein obzuwalten. Diese Monorchie Christi wird dag Volk von Sklaverei und Tyrannei be- srele»»ich di« Gesetz« Gottes an Stelle derer der Meusche» ausrichten Es müssen also alle staallich«» und geseUschastllchen E n- richtmigen. die' aus die Eräoerung Englands durch d!« Normannen zurückgehe», unverzuq- lich hinweggerauint werden. Denn bis setzt. In der vierten Monarchie, ist das Volk beraubt und ausgebrütet. Rogers erklärt also sür sein Werk und Wort zu sagen: Gebt wie» der, und verlangt rundweg, daß die Gebot« Gottes, wie sie in den mosaischen Gesetzen niedergelegt seien, in Kraft treten sollten. Mit diesen mosalfcheii Gesetzen ist Insde» sondere auch der jüdische Agrarkommunk» mus gemeint. Darum warnt der.�Zagrti� auch jedermann. Güter oder iiberhzuvt Laich zu kaufen, in EnvLgung, daß es ein« so tolle.Wirtschaft aus der Welt werden würde. Die Gottes- und die Rcchtsgeiehnen bezeichnet Rogers ais die gros,: es Plagen der Nation. Bon Obrigkeiten will er nichia wissen. Di? höchste Gewalt soll In eine» Körpers, lxist von Vertretern der freien Ge- meindev der Gläubigen gehen, die alles nach de?» Wort Gottes entscheiden soll. Durch diese politische Grundchee von der Herrschast der Heiligen oder in moderner«* Ausdrucks-lieise von der Dittaiar der See .stairevolutionäre untcricheiben sich die Ai> l»änaer der fünften Monarchie nicht nnt von den Gleickmiachern oder Demokraten tm allgemeine:,, deres, Leitsatz Herrtckzast des allgemeinen Stimmrechts war. sondern auch von den wahren Gleichmachern Winftan» levschr Richtung, die zwar als Koimnu« niste» in wirtschastspolll!!6>er Beziehung sich vielfach mit den Anhängern des tau» sendjährigen Reichs berührten, aber gleich den übrigen Levellers Aolksherrschait nach dem Mehrftestsprinzlp wollten. Wenn dl« Leute der sünsten Monarchie anstatt dessen die Diktatur einer Minderheit anstrebten, so lag das eben daran, daß sie sich bewußt waren, aber nicht damit abiiuden wollten, ihr Zie' nicht durch allgeTueilie Lolksabftim« mung erreichen zu titnncn. Denn das wurde ihnen mitunter lehr jüchbar gemacht, daß die groß« Masse der Engländer nicht hinter ihnen stehe. Hmn Beispiel wär« in den kritischen Tag eil des April 1653 in einem Loiidoiier Meeting ihrer Richtung, das unter sreiem Himmel stattfand der Re- terent um» Haar.von in großer Zahk an die Sechstausend. erWiienen.n Gegnern«c» Inncfit luorDen Die Tumultaate» bezeichnete!! ih» als Haiunken und führte» all ihr Elend auf seinesoleiche,, zurück. Dies ding auch mit den Absichten der sünsten. Mvn» archie-Leule zulanunen.«ine bewassnet« Propaganda nach außen, zunächst gegen Hollaiid, zu treiben und also den furchtbaren Krieg gegen die niederländische Republik ist Zwecken der Weltrevokutian fortzusetzen, wag niebts weniaer als populär war. Aber freilich, davon konnte keine Rede sein daß ste die große Mast« dinier»ich gehabt hätten. Das fliur sollte kein Hindernis ici», und f» eroab sich der Vorsatz, dem Bo!k;!;mt Wik- l«n auszuzwinaen. was den Dcmokratin natürlich als verruckt erschien. Der solches vorbrachte,* wer einer der tapfersten Haudeae» ans de» Bürgere kriegen. Thomas Harrifon seinem Ranft nach, wie übrigens auch Lublow. General In der Revolutionsarmee Er war i», Jahr« 1653 d-r tiomkaf'este u,i»er den zahlreichen Anhöilgeni der fünften Monarchie im Heer« und sein periönlicher Einfluß aus den Ober» vesehls'wber Cromwrll vo» großer Bedett« tuna iiir den Gang der Dinge. Freilich war Cromwell weit d"»o» entfernt, mit Harrst«» durch Dick und Dünn stehen zu wollen.& nannte damals Harrifon einen ehrenmexteN Mann, der o„te Abstchten Habs, defont« aber auch daß er aus Unosduld die Zeit des Herrn nicht abwarten wolle, und sprach die Besürchtnnq aus. daß er und oll« ehr» lichen Leute das nach bereuen würden, wozu sie ihn tti-ben. Cromwell sollte mit»tili« tärischer Macht das unpopulär geworden«- Parlament, das von selbst nicht gehen wölk». auseinanöertreiben— das war olla-mesttf« Wunsch— und an die Stelle— das war die Snetia'idee der füiiilen Monarchie— eine Körperschaft von Verttanensv.tännern des reuoluttminren Lebens letzen. Den 20 Avrit 1653 schritt Cromwell wirklich zur Austäjuug de« laugi» Parlaments. Cd 1t Di« Reu« Welt. Illustriertes Unterhalturgsblait. kam zur Eiuletzun« eine» provisorischen Staatsrats hauptsächlich von Militärs und weiter zur Einberusuno der von Garrison aeforderien Körperschast. Aus der betressen« den Erkläruno kann man ersehen, was Ermnwcll und seinesoleichen diesen Ge- danken plausibel gemacht bat: nicht die Ab- ficht, derart ein« soziale Revolution herbei« elkühren, sondern die Vesürchtuno. daß so- rtige Voltswahlen ein bedenkliches Cr- gebnis liefern könnten. Wenn man.zunächst •Ine Vertrauensmönnerversanimlung berufe, fo lasse sich, wie es in der Erkläruno heißt, die Hoffnuno heaen. das Volk allmählich zum Verständnis seiner Inter-sien bei der Wahl künstioer Parlamente zu führen und der Regicruno eine teste Grundlage zu oer- leihen, ohne daß die glorreiche Sach-, für die gekämpft worden, Gefahr laufe oder be- tteft» ihrer Verteidigung eines stehenden Heeres bedürfe. In diesem Sinne sprach flch auch Eromwell persönlich aus.. Am 4. Juli 1653 trat die neue geseß- gebend! Körperschaft, die ist der Geschichte als Kleines Parlament fortlebt, zusammen, und Tromwdljsielt eine große Erössnungsred«, an deren Schluß er die ganze Gewalt an dt« Vtpsammluug abgab. Cr betont« den festen Entschluß der Armee, das Schwert aller Autorität in bürgerlichen Angelegenheiten zu entkleiden und sie in solche Hände zu legen, die am meisten berufen seien, für da» Wohl und Glück der Nation zu sorgen. Darum sei er an diesem Tage vor ihnen «schienen, um dt« höchste Autorität des Landes ihnen zu übertragen und sich und fein» Kameraden für ihre Diener zu er- Liren. Sehr bemerkenswert ist in der Cromwelluhen Red« der Vergleich, den er zieht zwischen diesen ernannten Vertrauens- winnern und gewählten Volksvertretern. Der könne sagen, wie bald Gott das Volk' £r solche reis machen möae. Er bezeichnet • als seinen sehnlichsten Wunsch und Lußeet das Verlangen, daß alle geeignet fein mochten, berufen zu werden. Es wüßte 5>erzensv«rlangen sein, jedermann dahin gkbracht zu sehen, daß er sich zur Sache Jesu Cristi bekenne. Cr meint. daß dir neue Körperschaft durch ein« volkstümliche Politik auch die Mäg- ltchkeit'werde herbeiführen können.' dem Volk die Wahl seiner Vertreter zu üderiasscn.' Vorläufig allerdings ist nicht» derartige» in Aussicht genom- inen. Vielmehr legt er am Schluß ) einer Rede eine Urkunde nieder, wonach le auf 15 Monat« die Höchte Gewalt nnehabcn sollen, um sie am Schluß dieser Lest auf weitere 12 Monate einer- von Ihnen selbst ernannten neuen Vsejammlung Su übertraaen. die ihrerseits wieder be- hlteßcn fall.' Nachfolger in der Regierung zu bestellen Das siebt nicht nach baldiger Volkswahl'aus. sondern nach.Festhalten an dem System der Bertrauensmänncrkörper- fchaflen. Auch sonst sprach Cramwell In seiner Rede viele» ans. was für die Gläubigen des tausendjährigen Reich» Musik in ihren Ohren gewesen lein muß. Er trug kein Bedenken, die Host- tnrng zu äußern, daß die» die Türe sein möge, um die Ding« hereinzubringen, die Gott versprochen habe, die prophezeit wor- den seien, die zu erwarten er seinem Volk fns Herz gepflanzt habe. Gott sei in den Ereignissen der letzten Leiten mit ihnen ge- Wesen und zeige sich auch jehi in diesen Bürgerlichen Gewatten und Autoriiätcn. Da« seien keine schlechten Vorboten des Gottes aul den sie wartete», und so denke er in der Tat, daß etwas vor de? Türe fei. daß man auf der Schwelle stel?«. Kurz gesagt: ih-r General stnd-t das Himmelreich Nahe. Das Haus, das übrigens am 6. den Namen eines Partuments annahm, säumte nicht, seine erste Kundgebung ans die gleiche Tonart zu stimmen. Es sprach die jllchtrirf d'» Snlialte nntootrn' Srrfin.'ssrrtl. N�aftuir L. Lerta» hamdurzir Mchdruckrrei um Bttlaz,anllalt Hoffnung aus. zu einem Werkzeug zu wer- den, um alle drückenden Joche zu zerbrechen und all« Bürden ,zu entfernen, damit auch die Armen und Bedürftigen gelognet wer- den. Dies liest man in einer Proklama- tion, die an alles Volt des Herrn gerichtet ist. und zwar nicht nur in England, son- dern auch in den Nachbarländern. In Wirklichkeit besaßen die Parteigänger der fünften Monorchie nickt die Mehrheit tm Kleine» Parlament. Vielmehr waren die Mehrheitsverhältnisse derart, daß die kon« servatioeren und die radikaleren Element« sich ungefähr das Gleichgewicht hielten. In- mitten der streitenden Ge-'-msöße befand sich noch eine Gruppe von Mitgliedern, die sich zu. keiner Partei rechneten, wie z. B. der Sprecher Rouse, der einmal von sich selbst sagt, daß er keiner Partei, sondern nur der Wahrheit und dem Frieden dienen wolle. Doch hatte die radikalere Richtung gewöhnlich eine kleine Mehrheit aus ihrer Seite, und die Seele unter den Radikalen waren die Anhänger der. fünften Mon- archi« mit Harrtson an der Spitze. Auf wieviel Stimmen Harrison etwa rechnen konnte, zeigt ein« Abstimmung vom l. No- vember 1653, die ihn persönlich betraf. An diesem Tage wurde der Staatsrat neu ge- wählt. 113 Mitglieder waren anwesend und stimmten Run wurde Oliver Crom- well mit sämtlichen 113 Stimmen gewählt. wogegen Harrison deren 58 erhielt, d. h. eine über die absolute Mehrheit. So fand denn auch die folgenschwerste Abstimmung des Kleinen Parlaments, die über die Lehnte», mtt einem Stimmenverhältnis von 56 radikalen gegen 54 gemäßigte Stimmen statt. Im unmittelbaren Anschluß daran fand der umfassende Versuch des Kleinen Parlament» radikal« Reformen durchzu- führen,, ein plötzliches Ende Hauptsächlich auf den Gebteten des Finanzwesens, des Strasrechts und-Vollzugs, des bürgerlichen Rechts und der Kirchcnpolittk hatte sich die Versammlung betätigt und überall versucht, dem englischen Volk Erleichterung undVer- bessening au schassen, sich dabei aber äußerst einflußreiche Gegner gemacht: durch da» Streben nach Gesetzes- und Prozeßreform an den- Juristen, durch die Schritte in der Richtung aus die Trennung von Kirche und Staat an der Geistlichkeit, durch die Absicht, die Lehnten und den Patronat abzuschaffen, an dem ganzei? Großgrundbesitz. Diese Kreise setzten nun alle Hebel in Bewegung, um das Kleine Parlament bei der Mass«, in Verruf zu bringen: und es gelang dies, indem man das Parlament mit den Bestrebungen der Füntten-Mon- archie-Leute identifizierte, auf einen Schlag eine neue Ordnung der Dinge auszurichten und an Stelle von Freiheit und Cigentum die Diktatur der Heiligen und das mosaische Gesetz zu proklamieren. Die» oerlangte damals— November 1653— sck>warz auf weiß der schon be» kannte Rogers im„Saarir". worin auch gesagt war. wenn die. welche an der Macht seien, die Besitzumwälzung in Gang zu setzen verweigerten, so soll« die Befreiung doch kommen: �Iber wehe euch, als dem Schweif der vierten Monarchie, die noch nickt aus der Herrschast ist: denn Gott hat euch mit der Ehre versucht und betraut. die sonst andere in wenigen Iahren van euch nehmen sollen." Roch heftiger wurde im gleichen Sinne geredet. In den Ver- sammlungen der Anhänger de« tausend- jährigen Reich», die rege'mäßig in Black- friars stattfanden. Dort sprachen besonders die beiden Wiedertättfervrsdiger Feak« und Powell höchst revolutionär. Sie forderten auch die bewostnete Prvpaoanba nach außen, insbesondere nachdrückliche Fort- setzung des Krieges gegen die Ricderiande, die zu einem'Landungsplatz für die Heiii- gen bestimmt seien, von wannen sse aus- gehen sollten, um die Hure von Babylon von ihrem Thron zu stoßen und das König» reich Christi auf dem Festlands zu errich- ten. Das Eintreten für Krieg bis auf» Messer gegen Holland, der übrigens auch die Parole des Kleinen Parlaments war, eignete sich min sehr wenig dafür, den Hei- ligen die Sympathien der breiten Masse zu schassen, die von Opfern an Gut und Blut übergenug hatte. Daß in London die öffentliche Meinung' überhaupt den Män- nern der fünften Monarchie nicht hold sei, zeigte ssch Mitte Oktober 1653 auf» beut» lichste gelegentlich einer Versammlung, die sie in St. Pauls abhielten. Da brach auf einmal ein Haufe von Lehrlingen mit den feindlichsten Absichten herein und wurde nur durch das Eingreisen der städtischen Be- Hörden abgewehrt. Diese Kundgebung kam von demokratischer Seite. Aeusterst bemerkenswert ist nun, daß die Demokraten dem Kleinen Parlament wegen des polt» tischen Gedankens, auf dem es beruhte, ganz abhold waren. Dies bekundete sich geleaenttich des Hpchverratsprozesses. der im August 1663 gegen den berühmten De- mokratenführer John Lilburne geführt wurde. Da legte ewe Deputatton der Londoner Lehrlinge dem Parlament ein« Petition.zugunsten Lilburne» vor. worin ihm vorgehalten wurde, daß es der Wahl durch das Volk entbehre und diesem Mangel nur abhelfen könne, indem e» den Unterdrückten Gerechtigkeit zuteil werden lasse. Sonst müsse ihnen gesagt werden, daß sie gar kein Parlament seien. Die Antwort des Parlaments bestand darin. daß es die Abordnuna gesanqensetzte und dem Prozeß freien Lauf steß. Cr ging unter lebhaftesten Snmpachiekundgebungen großer Massen für Lilburne vor sich und .»rdigte� mi' semer Freisprechung. Trotzdem hiest das Parlament Lilburne gesan- gen. Di« Demokraten verteilten darauf im September eist Flugblatt, worin sie Eromwell für einen Verräter erklärten, weil er das Voft nicht zur Wahl berufen habe, und ihrerseits das Volk aufriefen» auf Grund allgemeinen Wahlrechts ein wahres Parlament zu wählen. Kurz, die Lage liatte sich im Laufe des Herbstes so gestaltet, daß das Parlament 'sich nur noch auf die Armee hätte stützen köimen. Dort war aber schließlich auch nur mehr der engere Dartelanhang der Leute des tausendjährigen Reichs sicher. Unter den zahlreichen bloßen Berufssoldaten hat!« ihm der Verdacht oeschovet, daß «? die Arme« aufzulösen, mindestens aber finanziell zu beschneiden gedenke. Die militärischen Krittler aber, die nicht ge- radezu«uf das tausendjährige Reich einge- schworen waren, machten sich die allgemeine - Vorstellung zu eigen, daß das Parlament unter dem Einfluß der„Mcdertäuser" zur öffentlichen Gefahr werde. Insbesondere wurde auch Eromwell für diese Auffassung gewonnen und hatte Im Dezember nichts mehr doaegsn einzuwenden, wenn dem Kleinen Parlament ein Ende gemacht würde. Bloß wollte er selbst die Austösung nicht vornehmen.- und so wurde der Trick gebraucht, daß d>e Gemäßigten an: 12. De» zernber sich vor der acru ähnlichen Lest einfanden und demnächst im Anschluß an Rede» aeaen die umstürzlerffchen Absichten der Radikalen sich in corpore zum General begaben, um ihm kundzutun, daß sie das Geschöst aufgeben möchten: Eromwell nahm 'diese Selbstauilösuno auch an. Derweil (agtcn freilich die Radikalen in steigender L