Illustriertes Unterhaltungsblakt Grete Fillunger ie Auskunft traf nach ein paar Tagen ein. Sie lautete, Schme- ling entstamme einer guten Fa» Milte, er habe früher einen Groß- Handel in Kolontalwaren beirie- bcn, habe das Geschäft aufgelöst und seine Gläubiger voll befahlt. Als Vertreter fei er bei seiner Kundschaft beliebt. Wenn er auch nur über beschränkte Mttel verfüge, könne man ihm im Hinblick auf seine Ehrenhaftigkeit einen kleinen Kredit gewähren. Triumphierend las Gonder seiner Frau die Auskunft vor. „In seinem Geschäft hat der Herr, scheint's, nichts vor sich gebracht," sagt« Grete. „'s gibt so Leut'," gab Gonder seine Ansicht kund,„die können für sich nicht Häuseln, für andre holen sie's heraus." Er bestellte gleich Briefbogen, Rechnun- gen und Kuverts mit dem Aufdruck: Wil- Helm Rühlmann» Nachfslger, Inhaber Theobald Gonder, Großschlächterei und Fletschwarenoersand. Die Probeabzüg« wurden ihm vorgelegt. Er konnte sich schwer davon trennen. Großschlächterei und Fleischwarenversand, wie wunderbar das klang I Das Herz hüpft« ihm in der Brust. Seine Konkurrenten, die Maul- christen, würden gauzen. Nur zu. Di« Ehr«, die ihm gebührte, mußten sie ihm geben. Ein« Woche verging, bis Schmeling di« ersten Aufträg« schickte. Sie hatten nicht viel zu bedeuten. Die Kundschaft, schrieb er, wolle sich erst von der Güte der War« überzeugen. Theobald führte alles aufs sorgfältigste aus. Die Rechnungen wurden bezahlt, und die Nachbestellungen waren so beträchtlich, daß Gonder die Schlachtung vermehren mußte. Grete verglich di« Her- stellungskosten der Ware mit den Preisen, wie sie der Agent für Frankfurt angesetzt hatte, und sie stellte fest, daß bei dem Ber- sandgeschäft blutwenig übrig bleibe. Das schade nichts, meinte Gonder, der große Umsatz solle es bringen. Er verkaufte den Braunen, den er von seinem Vorgänger übernommen hatte, schaffte sich zwei Schimmel an und fuhr damit, stolz wie ein Spanier zum Einkauf aufs Land. Der Roman von Älfred Bock Ratsdiener Dauber, der sich der besonderen Gunst des Meister» erfreut« und in der Wurstküche mancherlei zu erschmeicheln wußte, sagte: „Wer so ein Geschäft hat und so ein Gespann, der kann der Welt«in Rübchen schaben!"— Während Theobald Gonder Zaum und sFortsetzung) Das Steintor i» Nostoä Geißel hielt und sich mörderisch wichtig machte, wirkte Ludwig Jbold im stillen. Er hatte seine Geschäftsführung damit b?> gönnen, daß er dem brauchbaren und wil- ligen Gehilfen das meiste überwiese was von mannigfachen Arbeiten zur Beftiedi- gung der alten Kundschaft sextigzustellen war. Cr selbst verschaffte sich eine List« von Bücherliebhabern. An diese erließ er ein Rundschreiben, worin er sein« Dienst« als Kunstbuchbinder empfahl. Daran knüpfte sich zunächst ein Briefwechsel und Gedankenaustausch mit einem bekannten Mitglied der Darmstädter Künstlerkoloni«. Der Herr schickte dann die Heilige Schrift auf Bütten gedruckt mit' Handkolorierunz eines namhaften Künstlers. Ludwig ver- wandte zum Einband dunkelbraunes Kap- ziegenleder, das auf der Decke zur vollen Geltung kam. Der Raird war mit handgedruckten Goldlinien und Stempeln ge- schmückt, der Rücken durch echte Bünde ge- gliedert. Die feindurchdacht! Arbeit fand nicht nur den Beifall des Auftraggebers, si« gipg in einem Kreise Kunstverständiger von Hand zu Hand und trug dem jungen Meister so viele Bestellungen ein, daß er für länger« Zeit nutzbringend und seinen Wünschen ge- mäß beschäftigt war. In der Werkstatt wurde die Unterhaltung mit dem redseligen Gehilfen aufs Notwendigste beschränkt. Ludwig wollte seine Ruhe haben. Der Gedanke, der ihn bei seinem Schaffen lei- tete, war, das Aeußere wertvoller Bücher, die Ihm zu künstlerischem Einband anver- traut wurden, mit dem Inhalt in Einklang zu bringen Dazu war erforderlich, daß er die Werke selbst las. Das Neue und Fremd« in sich aufzunehmen, kostete ihn keine ge- ringe Anstrengung, nahm seine ganze Denk« kraft in Anspruch, doch kam Ihm der Wille, sich weiter zu bilden, zu Hilf«. Im Wirts- haus war er selten zu treffen. Er sagte, er brauche morgens einen klaren Kopf. Abend für Abend saß er bei seiner Mutter. Die hatte durch ihren Mann nur das Mecha- nische. Handwerksmäßige des Buchbinder- gewerbes kennengelernt, nun eröffneten ihr der Kunstsinn des Sohnes, seine geistige Tätigkeit den Blick In eine andere Welt, dl» sie zu ihrer Verwunderung und Erbauung in vielerlei Farben leuchten sah. Friede und Einigkeit wohnten in dem Buchbinder- haus. Oester kam des Uhrmachers Tochter,«ine zierliche Blondine, herüber und lieh sich von Frau Jbold gern zu längerem Verweilen � bestimmen. Sie halte einen gesunden Men- 22 Die Neu« Welt. Illustriertes Unter�attungSblakt. schenoerstand war Immer guter Dinge, und Ihr herzliches Lachen erfüllte die Stube. „Die könnt mir als Sohnsfrau gefallen," sagte Frau Iboid..Ludwig, wie war's?" „'s ist ein nettes Mädchen," erwiderte der junge Meister,„aber mach Dir keine falschen Hoffnungen, Mutter. Die Anna Kraft und ich, wir trinken nicht miteinander den Hoch- zeitswein. Mein Geschäft ist noch Im Wer- den.!lch Hab viel vor und möcht frei sein. Tret Ich in die Ehefchaft, kommen die Sor- gen über Nacht. Jetzt Hab ich Dich, Mut- ter. Du tust mir alles zulieb, hegst mich und pflegst mich. Was will ich mehr?" So redete er, und Frau Ibold mochte ihm nicht widersprechen. » Zwischen den Jahren trat unvermutet Herr Schmeling aus Frankfurt in Gonders Laden. Der Meister und feine Frau waren gerade bei Tisch. Der Agent wurde eingela- den. mitzuesscn. Er lehnte ab, er habe schon gespeist. Schließlich ließ er sich doch über- reden, noch ein wenig mitzuhalten. Er sagte, er habe sich unterwegs Vorwürfe gc- macht, weil er verabsäumt, seine Ankunft zu melden. Der Meister gehe doch öfter über Land. Gut, daß er ihn treffe. Er müsse eine wichtige Angelegenheit mit ihm besprechen. Während er der Mahlzeit Ge- rechtigkeit widerfahren ließ, berührte er ge- schästliche Dinge nicht. Cr erzählte, daß er in seiner Familie viel Unglück habe. Seine Frau sez lungenleidend, und ihr Zustand habe sich in letzter Zeit verschlimmert. Seine Tochter widme sich der Pflege ihrer Mutter und werde ihm als Mitarbeiterin entzogen. Sie habe sich als Buchhalterin ganz vortreff- lich bewährt. Er sei nun gezwungen, einen jungen Mann anzustellen. Im Herbst hatte er mit Frau und Toch- � ter einen Ausflug in den Taunus unter- nommen. Dabei hatten sie sich verirrt und wurden von einem Unwetter überfallen. Fadennaß kamen sie in ein Dorf. Von dort wurden sie, klappernd vor Frost, auf einem offenen Bauernwagen bis zur nächsten Bahnstation gefahren. Am andern Tag klagt« feine Frau über Seitenstechen, und ein krampfhafter Husten quälte sie. den sie nicht mehr verlor. Sie ertrug ihr Leiden mit großer Geduld, hatte ein kindliches Gotwertrauen. Mit Wissen war ihr nie ein unwahres Wort über die Lippen gekommen. Sie beurteilte die Menschen mit verblüffen- der Sicherheit. Mehrmals hatte sie ihn da- durch vor Schaden bewahrt. Wurde sie aus dem Zeitlichen abgerufen, war es für ihn ein furchtbarer Schlag. Er nahm die Brille ab und fuhr mit der Hand über die Augen. „Wenn die Frau krank ist," sprach Theo- bald,„ist der Mann übel dran. Es gedenkt mir: die Schwester von meinem Meister in Duderstadt hatte eine schlechte Brust. Da kam ein Herr aus Leinefelde und sagt', sie sollt morgens nüchtern zwei Tasten Tee von wildem Hühnerdarmkraut trinken. Das tat sie, und's wurd' bester." „Ich Hab einen geschickten Atzt, auf den ich mich verlassen kann." erwiderte Schme- ling.„Ich werd ihn fragen, was er von dem Mittel hält." „Der Mann tut mir sehr leid." dachte Grete,„aber ich kann mir nicht Helsen, er hat etwas an sich, das mir nicht gesälltl" Nach Tisch geleitete Theobald seinen Gast In die Wohnung hinauf. „Sie können sich denken. Meister," hob der Agent an,„daß Ich jetzt nicht gern von daheim fortgegangen bin.'s hätt vielleicht eine lange Schreiberei gegeben. Deshalb wollt ich persönlich mit Ihnen sprechen." „Ich bin ganz Ohrt" sagte Theobald und verschränkte die Arme über der Brust. „Da ist ein Herr Latour in Frankfurt." berichtete Schmeling.„Der macht demnächst an guten Ecken zwanzig Bierquellen auf. Da gibt's natürlich auch zu essen. Ich Hab dem Herr Latour ihre Fleischwarcn cmp- sohlen. ist nicht abgeneigt, von Ihnen zu kaufen. Tut er's, kriegen Sie einen großen Kunden. Der Herr Latour ist klug wie ein Advokat und verlangt von seinen Lieferanten, daß sie das Aeußerste tun. Eh uns ein andrer dazwischen kommt, mein ich, Sie reisen selbst nach Frankfurt, hören, was der Mann braucht, und schließen mit ihm ab. Cr hat Geld und hat Geldmänner hinter sich." „Wann wollen Sie wieder heim ma- chen?" fragte Theobald interessiert. „Um vier," versetzte der Agent. „Gut," sagte der Meister kurz ent- schlössen,„ich rutsch mit!" Er erledigte, was er eben noch fertig machen konnte. Der Agent mahnte zur Eile. Ml knapper Not erreichten sie den Zug. Während der Fahrt entwarf Schmeling ein Bild von der früheren Tätigkeit des Bierquellenmanns. Der habe In Berlin b�i einem ähnlichen Unternehmen, wie er es jetzt in Frankfurt ins Leben rufe, eine füh- rende Stellung bekleidet, habe seinen Prin- zipalen viel Geld oerdient. Er sei nicht nur Gastwirt, sondern auch Kaufmann, ja, ein« Art Universalgenie. Die Frage der Raum- Verteilung in seinen Lokalen habe er gerade- zu glänzend gelöst, jedes Winkclchcn sei zweckvoll ausgenutzt. Eine große Brauerei werde als stille Tcilhabcrin Latours ge- nannt. An der Einträglichkeit des Unter- nehmens sei nicht zu zweiseln Als die.Reisenden in Frankfurt an- gelangt waren, empfahl sich Herr Schme- ling: Theobald nahm in der Nähe des Hauptbahnhofs Quartier. Er ließ sich das Abendessen schmecken und beschloß dann. noch ein bißchen zu bummeln. Auf den Bürgersteigen der Kaiserstraße war ein starkes Gedränge. Die Straßen- bahnen, Autos und Wagen rollten hin und her. Zur Rechten und Linken sah man in hell erleuchtete Läden. An den Ecken der Seitenstraßen riefen Frauen die Abend- blätter aus. Dienstmänner überreichten den Vorübergehenden Zettel, aus denen mit ver- lockenden Worten allerlei Neuheiten ange- priesen wurden. Vor den Kinos standen die Pförtner in prächtigen Livreen. Aus den Kaffeehäusern und Wirtschaften drang Musik. Die Luft der Großstadt wehte den jun- gen Metzgermeister an. Donner aber auch! Er war mal aus seiner buckligen Gegend heraus. Hier taute man auf. Was war das Leben ohne Pläsier? Eine lange Walze ohne gutes Mittagessen.* Ein feingekleidetcs Dämchen schob sich an ihn heran und bisperte ihm zu: „Schatz, geh mit!" Cr schaute sie mit lachenden Augen an. Sie gefiel ihm, sie war nett. Und die Grete? schoß es ihm durch den Kopf. Ein bittres Gefühl stieg in ihm auf. Wo sie so stötziq gegen ihn war, konnte es ihm niemand übelnehmen, wenn er sich eine Extratour gönnten „Du meinst, ich war so ein fetter Bisten? Wenn Du Dir nur nicht den Magen ver« dirbstl" schäkerte er mit der Kleinen.„No, weil Du's bist, geh Ich mit."— Am andern Morgen wanderte Theobald mit seinem Agenten nach Sachsenhausen. wo sich im Erdgeschoß eines neu erbauten, schö- neu Hauses das Kontor des Herrn Latour befand. Auf dem Vorplatz standen bereits mehrere Vertreter. Schmeling begrüßte die Kollegen und stellte ihnen Gonder vor. Dieser nahm einen der Herren beiseite und fragte: „Entschuldigen Siel Was halten Sie eigentlich von dem Herrn Latour?" Die Antwort kam: „Der Herr Latour ist ein bemittelter Mann. Da haben Sie durchaus nichts zu befürchten!" Theobald wußte genug. Kam die Ver- bindung zustande, würde er öfter eine Spritztour nach Frankfurt machen. Nachdem sie eine volle Stunde gewartet hatten, wurden Gonder und Schmeling vor- gelassen. Latour, ein Mann in mittlerem Alter mit vollem Gesicht und tiesliegenden Augen, saß an seinem Schreibtisch und redete wie ein Wasserfall. „Ich beton« es immer wieder, ich will mit meinem Unternehmen etwas Gutes "stiften. Ich fetze auch bei meinen Lieferanten eine anständige Gesinnung voraus!" Cr ging aus Gonders Angebot näher ein, legte ihm die Rechnung eines Göttingcr Großschlächters vor und fragte: „Wollen Sie zu gleichen Preisen liesern?" Schmeling, der bis dahin den Mund nicht geöffnet hatte, trat nahe an Gonder heran und sagte mit halblauter Stimme: „Wenn auch jetzt noch nicht viel heraus- springt, denken Sie an die Zukunft, und lassen Sie sich das Geschäft nicht entgehen!" Der Meister nahm eine energische Hal- tung NN. x' „Was andre können, kann ich auch!" „Dann sollen Sie Ihren Auftrag haben," sagte Latour. Er füllte einen Bestellzettel aus, der von beiden Parteien unterzeichnet wurde. Nachmittags reiste Theobald in die Hei- mat zurück. Als er seiner Frau mitteilte, welche Vereinbarungen er mit Latour ge- troffen und welche Preise ihm dieser be- willigt hatte, erschrak sie und rief mit klop- fendem Herzen: „Du hast Dich übers Ohr hauen lasten? Stoß die Abmachung um!" „Fällt mir gar nicht ein!" tat er groß. „Einem Mann wie dem Latour zu liefern, ist Chrensach'. Ich Hab gesehen, wie ihm die Agenten um den Bart herumgehen. Die hosieren ins eigne Nest. Da werd ich wahrhaftig kein Klammkopf sein. Und 's ist fiir mich ein glatt Geschäft. Ich Hab keine Last und keinen Brost. Dann kann ich mir auch beim Einkauf helfen." Grete war außer sich. „Theobald, das nimmt kein gut End. Der Einkauf, sprichst Du, ist Deine Stärke. Und kaufst ohne Protokoll. Dein Unglück ist. Du kannst nicht rechnen! Du hast jetzt zwei Gesellen und die Reinmachsrau, hast sonst noch viel Kosten. Sind die in Deinem Ueberschlag drin? Ich schwätz mich ab, und 's ist für die Kotz. Die andern Metzger hier halten sich bescheiden, arbeiten bloß für die Stadtkundschaft und legen zurück. Dein ganzes Versandgeschäft wirft nicht soviel ab, als man vom Nagel schabt, ist weiter nix wie Dickmacherci. Ja, ist's denn nicht mein Die Neue Welt. Illustriertes Unterhaltungsblatt. und dem Herrn Rühlmann sein Geld, das Du oerkümmelst? Du wirst dem Latour nichts schicken. Tust Du's doch, svhr Ich, weiß Gott im Himmel, nach Nidda und sog's dem jierrn Rühlmann. daß der Dir den Star emal stichll" Gonder schäumte vor Wut, schüttelte die geballten Fäuste und schrie: „Du Wuhlersche, stellst mich als Schlu- dcrmug hin! Das sag ich Dir, ehnder Du nach Nidda fährst und bei meinem alten Meister Kalses machst, schlag ich Dir alle Knochen kaputtl" Grete, weiß wie die Wand, erwidert« kein Wort. Nach dem Abendessen, das sie schweigend verzehrten, ging Theobald In.die Krone. Grete wanderte in de« Ladenstube auf und ob. Um ein Haar hätte das Gewitter ein» geschlagen, hätte Theobald sich an ihr ver- griffen. Sie hob den Kopf. Das Geschäft stand auf dem Spiel. Da ließ sie sich den Mund nicht verbieten.„Draußen haben sie mir die Hundsmucken ausgetrieben!" hatte er sich nach seiner Heimkehr bei ihr einge» führt. In Wahrheit war er der alte. Das hatte sich heute gezeigt. Ihre Meinung über ihn als Geschäftsmann stand schon bald nach der Hochzeit sest. Vom Kaufmännischen hotte er keine Ahnung. Und was ebenso schlimm war: lion Stund an, daß er ihres Vaters Vermögen in Händen hatte, setzte er sich auf den hohen Gaul, war wie aus Rand und Band. Die Leute lagen ihm in den Ohren, er wäre ein reicher Mann. Und er glaubte es ihnen. Es fehlte ihm jeder Ueber- blick. Das Geld wurde nicht warm bei ihm. Sie übte im Laden scharfe Konttolle, ließ kein Schnitzchen verkommen. Was sie damit gewann, ging beim Versand nach Frankfurt drauf. Allem die Krone aufzusetzen, nun das Schleudergeschäst mit dem Latourl Schmeling hatte, natürlich in seinen Sack hinein, dem Abkommen das Wort geredet, und Gonder war durch seine Unttrschrift daran gebunden. Nach Nidda fahren, ihren Mann ausblamieren und den Altmeister mißtrauisch machen, durfte sie nicht. Sie überlegte und überlegte. Es mußte doch eine Möglichkeit geben, dem gefährlichen Handel entgegenzuwirken. Wenn Theobald geliefert hatte, was er zu liefern verpflichtet war, würde sie ihm schwarz auf weiß nach- weisen, wieviel Geld er zugesetzt hatte. Nahm er dann keine Vernunft an, würde sie zum Aeußcrsten schreiten, das Geschäft auf eine andere Bahn zu bringen.— Tags darauf lenkte Theobald wieder ein und begegnete Grete mit Anstand und Freundlichkeit. Sie aber ttat aus ihrer Zurückhaltung nicht heraus. Am Silvesterabend braute er einen Punsch. Nachdem er den beiden Metzger- burschcn ihr Teil gegeben, trug er die Bowle in die Wohnung hinauf. Das stark« Gettänk behogte ihm sehr. Er becherte mächttg. In- des seine Frau an ihrem Glas nur nippte. Wie sie ihn mit seinem roten, gedunsenen Gesicht vor sich sah, war's ihr, als säße sie einem fremden Menschen gegenüber, dessen Gebarung sie widerlich fand. Vom Turm der Liebfrauenkirche schlug es zwölf. Gleich darauf begannen die Glocken zu läuten. Die Gesellen kamen in die Stube. Sie nahmen die Hacken zusammen und setzten »ine feierliche Miene auf. Der eine hob an: „Wir wünschen dem Meister und der Meisterin ein fröhliches Neujahr, Gesund- heit, langes Leben, Friede. Einigkeit.—" Er blieb stecken. „Und hernach die ewige Seligkeit!" sprang ihm sein Kamerad bei. Gonder lachte in sich hinein und dankt«. Als die Gratulanten sich entfernt hatten, trank er seiner Frau zu und sagte: „Was wollen wir uns wünschen?" „Daß Du im neuen Jahr von Ge< schäften läßt, wo Hopsen und Malz verloren ist," erwiderte Grete ernst,„und daß Du nicht mehr den Hochhinaus spielst!" „Je höher, desto besierl" rief er ttotzig und fügte nach einer Weile hinzu:„Du mußt ewig was zu extern haben!" Draußen fielen Schüsse. Er ging ans Fenster. Es war noch derselbe Spektakel wie in seiner Jugendzeit. Nur daß er nicht mehr dazwischen war. Er kehrte an seinen Platz zurück, füllte sein Glas und spracht „'s gedenkt mir, einmal am Neujahrs- abend hatt ich einen Sackpuffer. Und zog los. Der Ludwig Ibold macht' mit.'s war ihm freilich nicht wohl dabei. Vorm Schloß gab ich ihm die Pistol', er sollt schießen. Da schluckst er:„Schieß Du, Ich steh derweil hinten und paß acht, daß der Polizeidiener uns nicht kriegt!" Ich schoß, und's tat einen Mordsknall. Wie ich mich umdreht', war der Ludwig verschwunden. Im Aus- witschen ist er immer groß gewesen. Das hast Du ja selbst erfahren!" Ihre Augen blickten finster. „Wie kommst Du darauf?" „Wie einem so was einfällt!" >For»s«dung folgt) # Die MaximaNsken der englischen Revolution Von A. C o n r a d y. Als Cromwell am 3. September 1658 starb, witterten die Anhänger der fünften Monarchie Morgenluft. Wenigstens sechs Stunden vor seinem Tod? schickten sie nach einem Bericht des Royalisten Barwick an den Prätendenten Karl Stuart ihre Send- �boten in die meisten Teile Englands ans. 'um in Erwartung des Regierungswechsels alles auf den Posten zu bringen. Nach die- fem Gewährsmann machten sie aus ihren Absichten schon kein Hehl mehr und waren höchst wahrscheinlich dabei,„etwas auszu- brüten". Barwick hatte vernommen, daß sie Lambert als General akzeptieren wollten und Harrison sich mit der nächsten Kom- mandostelle begnügen würde. Wenn ein Parlament käme, so werde die Partei der fünften Monarchie ihm sowohl zu Hause, als draußen zu schaffen machen.„Wenn sie nicht die Kunst des Renommierens gelernt haben, so mag einiger Anlaß zu der Be- fürchtting sein, daß sie sich in den Sattelschwingen und auf uns allen herumreiten: doch sagen einige von ihnen. Euer Majestät werde keines andern Schwertes als des ihren bedürfen, um sich den Weg zum Thron zu bahnen, wenn es im Ernst zum Zusam- menstoß kommt: denn die schwächere Partei werde lieber als der andern nachgeben, Euer Masestät Sache sich annehmen, und zwar zu Ihren eigenen Bedingungen." D:r Briesschreiber spricht die Hoffnung aus, daß sie wahre Propheten sein möchten, und empfiehlt, daß die�roya listische Partei nicht zu früh eingreifen sollte, um die Gegner sicherer zu machen und folglich geneigter, sich miteinander zu streiten. Die Kavaliere machten sich also Hoffnung, die Anhänger der fünften Monarchie als Hebel zur Konterrevolution benutzen zu körnten, und unter diesen selbst gab es solche, die sich be- wüßt waren, als Werkzeuge der Reaktion zu dienen. Die Masse freilich war in ihrem Sektenfanatismus weit entfernt von dep blassesten Ahnung, daß ihr Treiben zur/ Konterrevolutton führen könne und müsse, sondern lebten des Wahnes, daß, wie es itt Butlers Spottgedicht„Hudibras" heißt, jetzt der Heiligen Regiment komme, wonach sie sich solange gesehnt und sich halb abgehnn- klert für ein Reich nach des Münstetschett Wiedertäufers Johann von Legden Schnitt, frei vom ägyptischen Sklavenfron der Oed- nung und Religion. Man pflegte sie in diesen Zeiten vor und nach der Restauration des Königtums ge- wöhnlich vorzugsweise als„Fanatiker" zu bezeichnen, und tatsächlich waren sie nun bei der größten Exaltiertheit angelangt. Manch« Leute befürchteten, daß die Partei bei weiterem Wachstum zu Metzeleien großen Stiles übergehen werde. In den ersten Monaten des Jahres 136S wurde ein Buch in Geheimschrift entdeckt, von dem sich bei der Entzifferung herausstellte, das; es die Namen von zahlreichen Persönlichkeiten enchielt, die zur Vertilgung bestimmt waren. Demgemäß galt in diesen Jahren als ihre Lehre, daß alle Gottlosen getötef werden müßten, und daß die Verruchten kein Eigen» tum an lhrcm Besitz hätten. Einer der merkwürdigsten„Heiligen" war Pordage, von dem der Ausspruch überliefert ist. er mache sich nicht mehr aus den höhere» G> malten, als aus dem Dreck unter seinen Füßen: in Kürze werde es kein Parlament noch eine Obrigkeit oder eine Regierung iii England geben, sondern die Heiligen wür» den den Besitz der Gottlosen für sich nch- men, und die Verruchten würden ihre Skia- oen sein. Um nun dahin zu gelangen, dach- ten die Männer der fünften Monarchie sich der Hilfe der Armee zu bedienen, in der, heftiges Mißvergnügen sich zu zeigen be- gann, seit Richard Eromwell seinem Vater in der Würde des Protektors gefolgt war. Die Quellen dieser Unzufriedenheit waren aber sehr verschiedenartig. Bei vielen war es nur die Idee, daß die militärischen Inter- essen von der neuen Regierung nicht genügend respektiert würden. Bei anderen sah die Sache schon mehr nach einem Ein- treten für die sogenannte„gute, alte Sache" aus, indem sie der Auffassung waren, der junge Protektor habe die Abficht, sie aus ihren Stellen zu verdrängen, um die Armee in die Hände des höheren und niederen' Adels zu bringen, wodurch der König her» eingebracht und die evangelische Freihell zerstört werden würde, für die sie folange! gestritten. Solche Anschauungen waren be« fonders unter den Subalternoffizieren hält- fig, während unter den Gemeinen auch die „Fanatiker" stark vertteten waren, die auß den baldigen Anbruch des Tausendjährigen Reiches warteten: daneben gab es sreilichf große Mengen von Leuten, denen es nur um ihren Sold ging. Jedenfalls, die Leute des Tausendjährigen Reichs unterstützten die militärische Pewegung gegen Richard Crom«- wells Protektorat und Parlament. Auf die komplizierten Einzelhelten dieser Inneren Kämpfe kann hier nicht eingegangen wer« den, es fei dafür auf des Verfaffers„Ge- schichte der Revoluttonen" verwiesen. Das Ende vom Liede war, daß Im April 165S die Armee den Protektor nötigte, das ihn» ergebene Parlament auszulösen und damik sakttsch auch selber abzudanken. Der Zeitgenosse Evelyn schreibt in seinen Tagebüchern über diesen wundersamen und plötzlichen Wechsel und das Ringen meh« rerer Führer und Parteien um die Regie« rung, es sei alles Anarchie und Verwirrung, und etwas später, die Nation befinde sich' jetzt in äußerster Verwirrung und Ungewiß- heit zwischen der Armee und den Sektie« rcrn. Die Angst vor den letzteren, insbe- sondere vor den fanatischen Anhängern der fünften Monarchie war bereits sehr groß und trieb schon große Mengen von bis- herigen Anhängern des Protektorat ins royaliftischc Lager. Dabei waren die Fana- Die Neue Welt. Illustriertes Unterhaltungsblatt. ü Ilfer noch keineswegs am Ruder. Vielmehr hatten die Führer der Armee tatsächlich die letzthin auch chand in Hand mit ihnen ge- ewngenen bürgerlichen Republikaner des Langen Parlammts wieder zusammen- berufen: der„Rumpf" tagte, d. h. das Par- lament des großen Bürgerkrieges in der Gestalt, die es im Frühjahr 1653 gehabt. Dies Ergebnis war natürlich nicht danach angetan, die Leute der fünften Monarchie zu befriedigen, und so blieben sie in heftiger BeweAUNg, zum zunehmenden Schrecken der öffentlichen Meinung. Besonders übel ver- merkt wurde im Sommer 1659 eine Zu- lammenkunft streitbarer Anhänger des Tau- sendjährigen Reichs, die zu Horsham in der Grafschaft Sussex stattfand. Ungefähr 5600 Männer der fünften Monarchie nahmen an der Versammlung teil und berieten acht Stunden, che sie auseinandergingen. Zwei- oder dreitausend davon waren wohl mit Waffen oersehen und hatten bestimmte Ossi- ziere für jedes Tausend und Hundert. Viele waren nun im Lande der Meinung, wie es in einem zeitgenössischen Bericht heißt, daß diese Leute zur Herrschaft gelangen würden, was lebhafte Besorgnis errege, vor allem unter den reichen Leuten, die bis jetzt durch Anschluß an die herrschende Partei ihr Ver- mögen gerettet, die aber der Ueberzeugung seien, daß sie unter der Herrschaft dieser Leute nicht lange im Besitz ihres Eigentums bleiben würden. Im Herbst schien nun eine Herrschaft der Fanatiker ernstlich in Sicht zu kommen. Die bürgerlichen Republikaner des Rumpfes waren mit den Londoner Armeeführern und Truppenteilen anein- ondsrgekommen. und der Schlußcsfekt war. daß diese im Oktober 1659 dem Rumpf den Laufpaß gaben. John Evelyn notiert in seinen Tagebüchern die Oktoberumwälzung mit den Worten:„Die Armee warf jetzt das Parlament hinaus. Wir hatten jetzt keine Regierung, keine obrigkeitliche Gewalt in Geltung oder in Anspruch genommen als die Soldaten, und sie nicht eines Sinnes. Allmächtiger Gott, erbarme dich unserer und gib uns eme Ordnung!" Tatsächlich wurde nun ein Anlauf ge- macht, um eine neu« Ordnung der Dinge zu schaffen, nämlich eine solche im Zusam- menwirken mit den Männern der fünften Monarchie. Sie waren schon vor der Ok- tobcrrevolution im Einvernchmen mit den Londoner Anneeführern gegen den Rumvf angegangen. Und jetzt bekamen sie Sitz und Stimme in dem Sicherheitsausschuß, der als provisorische Regierung geschaffen wurde. Ihr Hauptwortfllhrer war da der berühmte Republikaner Henry Bau«, der sich neuerdings zu den Leuten der fünften Monarchie geschlagen hatte. Er erklärte da« Volk für verrückt, da es, sich selbst überlassen, das Königtum wiederherstellen würde. Das Uebergewicht gebühr« einer kleinen Anzahl von Heiligen. Di« öffentliche Mei- nung erbtickte denn nun auch in der Re- gierung, deren hervorragendster Kopf Vane war, den Anbruch der gefürchteten Dilta» tur der Fanatiker und erwartet« den allge- meinen Umsturz von Gesetz und Besitz. In letzterer Hinsicht knüpften bedrohliche Dis- Hufsionen an einen royalistischen Aufstand des Sommere an, der zwar lokal beschränkt geblieben war, aber mit dem doch mehr oder weniger fast der ganz« höhere und nie- dere Adel des Landes in Zusammenhang gebracht wurde. In revolutionären Kreisen wurde nun die Idee besprochen, den ganzen Besitz der Konterrevolutionäre zu expropri- leren und den eigenen Anhang damit aus» zustatten. Aber auch m den Städten, voran in London, herrschte gewaltige Angst vor den Absichten der Sozialrevolutionäre. Die Citykapitalisten begannen aus Angst vor Angriffen auf das Eigentum ihr Gold In Sicherheit zu bringen, und Handel und Wandel fingen an zu stocken. Von reaktiv- närer Seite wurde die Angst mit Flug- schriften gesteigert, worin ausgemalt wurde, wie London mit Plünderung, Feuer und Schwert bedroht sei, die Bürgerschaft an den Bettelstab gebracht werde: die Einbuße an Handel sei so groß, daß Tausende nichts mehr zu tun hätten, als zu betteln und die Halunken zu verwünschen, nämlich die Sol- daten und Anhänger des Tausendjährigen Reichs. In Wirklichkeit waren die Fana- tiker gar nicht so stark, wie das geöngstigte Publikum annahm. Sie hatten keineswegs die Staatslenkung allein in Händen, fon- dern mit ihnen waren Leute am Ruder, die in ganz anderer Richtung steuerten. Und die Londoner Armeeführer hatten diele Leute gerade zu dem Zweck des Bremlens in den Ausschuß gebracht. So war dem Siegelbewahrer Whitelocke bei seiner Be- rufung gesagt worden, Vane und einige andere im Komitee hätten den Plan, Obrigkeit, Geisllichkeit und Gesetze umzustürzen, und da solle er nun als Gegen- gewicht wirken, um das zu vereiteln. Wiche- locke ließ sich auch dazu bereitfinden, da er es für verdienstlich hielt, die Ordnung vor den Gewaltsamkeiten der Fanatiker zu ret- ten, die er Im Verdacht räuberischer Absich- ten hatte und für fähig hielt, dem Vorbild An den Mai Cs ist doch im Llpril fürwahr Der Frühling weder halb noch gar! Komm, Rosenbringcr, süßer Mai, Komm du herbei! So weiß ich, was der Frühling sei. — Wie aber? Soll die erste Gartenpracht, Narzissen, Primeln, Hyazinthen, Die kaum die hellen Äeuglein aufgemacht, Schon welken und verschwinden?" Andanit euch besonders, holde Veilchen, Wär's dann fürs ganze Jahr vorbei? Lieber, lieber Mai, Ach, so warte noch ein Weilchen! Eduard MSrlk«. der Münsterer Wiedertäufer zu folgen. Und mit den Zukunftsmsionen der Anhänger des Tausendjährigen Reiches zugleich wurden denn auch die tunlichen Reformen vereitelt. Es war wieder wie 1653 von Abschaffung der Zehnten und Umgestaltung der Gesetze die Rede. Ader Pfasfen- und Advokaten- tum setzten sich mit dem Offizierrat in Ver- bindung und sagten ihm die Summ« von 100 NW Pfund für Heereszweck« zu, wenn alles beim alten bliebe und obendrein die Verpflichtung übernommen würde, nicht mehr auf den Rat von Henry Van« zu hören. Wie die Offiziere den Führer der Fanatiker über Bord warfen, so gaben sie die Anhänger der fünften Monarchie preis, indem sie von der beabsichtigten Gewissens- freiheit diejenigen ausnahmen,„deren Grundsätze auf die Zerstörung der bürger- lichen Gesellschaft hinausliefen". Kurz, die Anhänger des Tausendjährig gen Reiches waren tatsächlich bei ihrem Bündnis mtt der bewaffneten Macht schon hereingefallen, ehe dies« den letzten Schritt tat und am Weihnachtsheiligabend 1659 den Rumpf wiedereinsetzt«, was hauptsächlich des schnöden Mammons halber geschah, den man zur Soldzahlung nötig brauchte. So waren die Leute der fünften Monarchie zu» nächst wieder.zurückgedrängt. Indes war man durchaus nicht beruhigt ihrethalben! weil sie in lebhafter Bewegung blieben und insbesondere gefährlich schienen durch die Tatsache, daß sie in beträchttscher Stärke wohlbewasfnet waren. Der Rumpf machte schon einige Anstalten zur Entwaffnung, kam aber nicht weit damit. Run aber er- I schien im neuen Jahr 1666 der General Monk als Gesellschoftsretter auf der Bildfläche mit den schotttfchen Regimentern. Er hatte gegen die Oktoberumwähzung Stellung .genommen, weil er sich durch seine Stellung verpflichtet glaubte, die Militärgewalt im Gehorsam der Zivilgewalt zu erhalten, hatte aber auch schon damals den Sektierern gegen- über erklärt, wenn diese Partei es für an« gebracht halte, immer noch umzustürzen, so werde er auch umstürzen. Tatsächlich war bei ihm die Abneigung gegen die Fanatiker die stärkste Triebfeder. So setzte er seinen Vormarsch gegen London auch nach der Weihnachtsumwäl.zung fort, weil die Be- drohlichkcit der Anhänger des Tausendjäh- rigen Reichs fortbestand. Und so warnte er, Anfang Februar 1666 in London ein- gezogen und vom Parlament empfangen, den Rumpf vor allem, den Fanatikern einen Anteil an der Regierung zu lassen nach den bitteren Erfahrungen, die man mit deren anarchistischen Neigungen gemacht.' Er sprach auch schon von der Notwendigkeit, die Regierung auf ewe breitere Grundlag« zu stellen, und erwähnte in diesem Zusam« menhang der Rufe nach einem freien Par- lament. Darin fand sich in der Tat jetzt schon die öffentliche Meinung überall zu- sammln, und gleichzeitig war klar, daß bei der allgemeinen Stimmung ein freies Parlament die Wiederherstellung des König- tums bedeuten würde. Die Einzelheiten der nächsten Vorgänge gehören nicht hierher. Genug, Monk folgte nach einigen Schwan- kungen dem unwiderstehlichen Strome der öffenttichen Meinung, die von ihm erwar- tete, daß er eine dauernde Ordnung schaffe und dafür eine starke Regierung notwendig erachtete, die nicht republikamscher Natur sein sollte. Wie nun Monk entscheidende. Schritte in dieser Richtung zu tun begann, war er sich vor allem immer des Gegen- satzes gegen die Anhänger des Taufendjähri- gen Reichs bewußt. Gleich nach seiner Stellungnahme zunächst zugunsten der Wie- deraufnabme der durch Prides Reinigung ausgeschlossenen Presbyterianer ins Parka« ment schrieb er an den Staatsrat u. a., dl« Wirren in der Stadt würden dadurch ver- schlimmert, daß sich fortgesetzt Waffen in den Händen der Fanatiker befänden, die aus den Magazinen für 7W Mann solche ausgeliefert bekommen hätten und dabei seien, sich noch mehr anzuschaffen. Er macht« sich demnächst daran, die Entwaff- nung vorzunehmen und gleichzeitta mit den Leuten der fünften Monarchie sympathi- sierende Truppenteile aufzulösen oder zu säubern. Die Anhänger des Taufendjähri- gen Reichs ftn Lande wurden durch alle die- je Maßregeln aufs äußerste getrieben und dachten an bewaffnete Erhebung. Es lie- sen auch Haufen von Fanatikern zusammen und fanden einen Anhalt an revoluttonä- ren Truppenteilen. Ehe die Bewegung aber noch allgemeiner werden und sich or- gantsieren konnte, wurde der-erste Kern fanattscher Streitkräfte vom Obersten In» goldryby am 21. Aprll 1666 bei Davent« zersprengt. Große Angst vor einer allge» meinen Erhebung der Fanatiker hatte geherrscht und die Milizen waren überall auf den Beinen, im ganzen 126 6W Mann. In London allein waren am 24. Aprll int Hydepark 26 6W Mann Bürgerwehr kämpf» bereit aufmarschiert. Anderen Tags aber trat das neue Parlament zusammen, das in seiner großen Mehrheit aus Gegnern nicht nur des Fanatismus, sondern überhaupt der Republik bestand. Es war glücklich soweit, daß die große Masse, wie ein führender Royalist schon Mitte März schrieb, ungeduldig nach, dem Köniotum und in ihm nach Sicherheit und Ruhe rief. Die Restauration erfolgte und mit Karl H. kehrte so vieles wieder, was für immer er- lediat geschienen. foiu) Nachdruck d«, 3nf>oii» orriiolfu! BfornhuartJ. Stda.'tnit L. Solo man» Le>I«n Scclin. i ÜÜ! iiii Die Steiaf.Hon D-iIt'nrnten ö«!iounj«n und l!chi«n nach B-riin. Madenstr.*.) S-rlaq Hamburg» Biichdruckrrei und BeriagoonilaU Auer 8t Co., Hamdurz. Bruck: BorrnorH Vachdruckerei und verlag»o»sto!t Paul Siuger 4 To, Berlin Sffl. 68.