Illustriertes Unterhaltungsblatt ] zer Altmeister lSchest«. „Darüber wäien wir allo kon» tent. Ru will'ch Ihnen was sagen. Grete. Sie uno tch. wir iinb alle zwei zu gulaiäubia ye» wesen. Geschehen ist geschehen. Das Cime» lieren Hintennach hat keinen Wert. Achtund- zwanzig Jahr Hab ich hier mein Mannwerk getan Wie man's anpackt, hat man'» In Händen,'s müfrt sonderbar zugehen, wenn ich das Krümchen nicht wieder in Ordnung bröchtt"— Es kam in Ordnung. Don dem Tag an, daß Rühlmann die weiße Schürze umband und sein Handwerk im alten Geleise trieb, war das Bcrlrouen zum Kelchäst wieder- hergestellt. Im Laden war ein Begrüßen und Händeschütteln, daß der Meister nur immer zu danken hatte. Die Frau Hofrat Bender, die als lässige Zahlcrin bekannt war. rauschte herein: „Wie Sie hier waren. Herr Rühlmann, hatte ich keine Veranlassung, zu klagen. Bei Ihrem Nachfolger war die Bedienung geradezu skandalös. Das wird sich nun hoffentlich andern!* Der Ratsdiener Dauber, mit einer Miene, als ob er kein Wässerchen trüben könne, hielt eine kleine Rede. „Wissen Sie, was ich gesagt Hab. Met- ster, wie Sie sortgegangen waren?„Dem Herr Rühlmann sein Weggang ist ein Der- lust für unsere Stadtl*„Als Steuerzahleri* weinte einer„Nein.* sagt' ich,„als Meß- ger und Mensch. Er war ein Ehrenmann durch und durch. Warf Ja und Nein nicht in einen Topf. In seinem Handwerk war er obenan. Es ist nicht olles Wurst, was als Wurst verkauft wird. Wurstmachen ist auch eine Kunst. Der Herr Rühlmann verstand'». Und was ich besonders an ihm schätzte, er hatte eine noble Natur, gab, denen er'» gönnte!* So sagt' ich. Jetzt ist in der Stadt nur eine Stimme: die Leute freuen sich, daß Sie wiedergekommen sind. Der Zulauf deweist'sl* Grete, die hinter dem Ladentisch ihr« Schuldigkeit tat, hörte das alles mit an. Noch gingen die bösen Zungen im Galopp., fRoarnn von Alfred Bort Den Fall gesetzt. Rühlmann wog ihr die Stelle mit Gold aus. Grete hätte nicht bleiben dürfen. Wenn sie als frühere Met- stersfrau so wenig aus Stand und Reputier- lichkeit hielt, tonnt« man keinen Respekt vor ihr haben. Was plante sie? Vielleicht wollte sie den Altmeister fangen. Möglich auch, daß sie noch auf den Buchbinder spe- kulierte Es war alles schon dagewesen. Ludwig Ibold wurde nicht minder ver- hackt. Gericht hin, Gericht her. Es war keine Seele dabei, wie er und Gönder an- einander gerieten. Der alte Liebhaber und der elfersüchtige Ehemann, wie rasch ward da ein Fünkchen zur Flamme! Der Stärkste fand seinen Meister, wenn er angetrunken war. Und der Goliath hatte schief geladen. Das hatten die Rainröder bezeugt. Ob ihm der Buchbinder den tödlichen Stich gegeben, das mußte der mit seinem Gewissen ab- machen. Derlei lästerliche« Gerede wurde sogar in die„Post*'getragen, so daß der Herr Ge- heimrat Schönborn sich bemüßigt sah. vom Etammtifch au» zu erklären, und zwar so laut, daß es da» ganze Lokal durchhallte: „Man wird den Ehrabschneidern die Mäuler stopfen! Wer wider besseres Wisien in Beziehung auf einen andern unwahr« Tatsachen behauptet, die diesen verächtlich machen und in der öffentlichen Meinung herabfetzen, wird wegen verleumderischer Beleidigung mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft. Das merke man sichl* Der Herr Geheimrat Schönborn war ein Mann, der da» größte Ansehen genoß. Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Der große Strom des Stadtklatsches schwoll ab: im geheimen aber liefen die trüben Bächlein weiter. Der Altmeister machte von Gretes Ein- richtu.tg keinen Gebrauch. Zwei Zimmer. die er in Anspruch nahm, stattete er mit seinem eigenen Hausrat aus. Den hatte eine Fuhre von Nidda gebracht. Was er besaß, war ihm vom Vater und Großvater zugefallen und gehörte zu seinem Wohlde- finden. Er war kein Wirtshausläufer. War da» Geschäft geschlossen, las er die Zeitung oder allerlei Bücher, die er bei einem Anti- quar erstanden. Grete hatte sich abends nach Tisch in Ihr« Stube zurückgezogen. Der Altmeister holt« sie herüber und zeigte Ihr seine. Schätze: einen schön gemaserten Sekretär, einen Schrank mit geheimem Fach und eine zier« liche Truhe, olles im Geschmack der Bieder- mcierzeit Der Altmeister, schwelgte In Familienerinnerungen. Ein wenig von seiner be< haglichen Stimmung ging aus Grete über. War sie aber ollein, kamen die Gedanken in schwarzen Schwärmen, und eine große Ver« zagtheit fiel sie an. Ihre Schulkamerodin, Else Räber, hatte geschrieben, ein Freund ihres Mannes, der Gutspächter Martini in Vilbel, habe feine Frau verloren und suche eine Stütze. Grete solle sofort kommen, sich dem Herrn vorzustellen. Es feien zwei nette Buben da von sieben und neun Jahren. Martini stehe sich gut. Bei ihm fei Grete am rechten Platz. Sie hatte«inen ablehnen« den Bescheid gegeben. Wenn Rühlmann sie in seinem Dienst behielt, hatte sie nicht das Recht, sich anderwärts um eine Stell«> zu bewerben. Nie ließ er sie merken, daß sie seine Schuldnerin war. Sah sie. wie er sein Geschäft führte, fand sie verwirklicht, was sie Theobald immer und immer ge- predigt halle:„Treib's klein und reini* Rühlmann tat's. Daß er gut verdiente, j lag auf der Hand. Nach den Schreckenstagcn kam sie jetzt erst zu Atem und zur vollen Erkenntnis ihr«r Lage. Sie hatte nicht mehr fo viel, daß sie den Fuß darauf setzen konnte. Daß es ihr einmal so gehen würde, war ihr nicht an der Wiege gesungen wor« den. Wüßt's ihr Vater, sein Staub würde sich unter der Erde wenden. Alles Gewinn« süchttge hatte ihm ferngelegen. Daß er aus Not nichts zu entbehren braucht«, daß er mit dem Seinen frei schalten und wallen durfte, hatte er als Geschenk von oben be- trachtet Auch seiner Tochter war das Geld nicht ans Herz gewachsen. Und doch, daß sie fortan nicht mehr aus dem eignen Brunnen fchöpfen sollte, schnitt che arg in» Leben i Der Altmeister, der Immer ka seinem Schöpfer vergnügt war, sprach:„Geschehen ist geschehen, das Sim:l!eren hintennach hat keinen Wert.* Er hatte gut reden. Was st« J 84 Die Neue Welt. Illustriertes UnterhaltungSblatt. erlebt hatte, wischte sich nicht so weg. Am Tag. tat d'« Arbeit dem Spintisieren Ein- halt Nachts fand sie keinen Schlas Duselte sie ein blsichen ein. fuhr sie von schreckhasten Bildern geängstigt auf. Es konnte keine Einbildung sein, jemand schiorple liber den Flur und stöhnte jammervoll Es ging ihr durch Mark und Bern Im Laden hatten sie erzählt, seit er aus der 5)afl entlasten war. lag Ludwig Lbold matt und zitterig zu Bett. Auf Anordnung des Arztes mußte Im Hause die größte Stille herrschen. Ratterte draußen ein Wagen vorüber, schrie Ludwig auf. Deshalb war die Straße mit Stroh belegt worden Der Kranke verweigerte die Nahrung, die Schwäche nahm zu. Er mußte wohl doch etwas auf dem Kerbholz haben, und die Gerechtigkeit Gottes nahm ihren Lauf. So wurde im Laden gesprochen. Wie glühende Pfeile drangen die Worte aus sie ein, und ihr Herz ward von wider- streitenden Gefühlen zerrissen. Frau Ibold und Irina, die Krankenschwester, hatten sich in Ludwigs Pflege geteilt. Drei Wochen lang war sein Zu- stand so besorgniserregend, daß der alte Doktor Kühnhold täglich zweimal kam. Mit einem Male trat eine Wendung zum Bestern ein. Die Herzschwäche, die den Doktor be- unruhigt hatte, minderte sich Stunden un- unterbrochenen Schlafs trugen nicht am wenigsten dazu bei. die gesunkenen Kräfte zu heben. Der Kranke sagte, der Kopsdruck, unter dem er gelitten, sei verschwunden, das Schwindelgesühl lasse nach Auch der Appe- tit stellte sich wieder ein. Frau Ibold. die ihrem Sohn gleich krästigste Kost darreichen wollte, stieß auf den Widerstand des er» fahrcnen Arztes. „Ich denk, der Ludwig ist über den Berg. Nun wollen wir erst recht vorsichtig sein. Nur milde Diät! Und überfüttern Sie ihn nicht. Sie würden ihm bloß schaden. Und das wollen Sie doch nichtl" Der Genesende sollte vollkommener Ruh« überlasten bleiben. Ludwig selber, obwohl sein Lebenstrieb neu erwachte, hatte das Gefühl, daß er der Schonung bedurfte. Noch war seine Erreg- barkeit so groß, daß er I-des Geräusch, ja, jedes überlaut gesprochene Wort wie einen körperliche» Schmerz empfand Eolllobl Die wilde Jagd der Gedanken, die In grau- samem Wirbel sein Hirn durchraste, war vorüber. Still lag er da und überdachte. was ihn berührt und erschüttert hatte. We- nige Tage vor der Begegnung mit Theobald Gonder war er aus Dormstadt zurück- gekehrt. Doit hatte der Direktor der Landes- bibliothek für Buchbinder eine Ausstellung von Erzeugnissen früher, mittelalterlicher und neuzeitlicher Einbandkunst veranstaltet, hatte den Meistern, die von nah und fern sich «ingefunden, die Schätze gezeigt, deren kun- diger Hüter er war. Bei den Prachtstücken de» Kurfürsten August von Sachsen wurde vssenbar, bis zu welchem Grad von Boll- kommenheit schon damals die Einbandkunst sich entwickelt hatte. Di« Eachsenbände mit ihrer reichen Ausschmückung, ihren Zier- goldschnitten hatten es Ludwig angetan. Diese Wunderwerke kamen seinem Streben nach Sttlsicherhelt und Eigenart sichtbar ent- gegen. Gewiß, es waren ihm Einbände von «Infacher. vornehmer Wirkung gelungen! sie wurden geschätzt und nach ihrem Wert dezahlt. Nun ober, durch die Ausstellung geweckt, drang eine Fülle von Ideen aus Ihn ein. Ganz begeistert war er heimge» fahren, hatte der Mutter und seinem Freund, dem Lehrer in Rainrod- von all den Ein- drücken erzählt, hotte Pläne, die ihn zu verfeinerter Gestaltung seiner Tätigkeit, die ihn zur Reife führen sollten. Da hatte ihn sein Verhängnis in die traurige Begeben- heit am Baumstück verstrickt. Nach dem Entsetzlichen, das er erfahren, war alles in ihm wie ausgebrannt, wie abgestorben. Die bleiche Furcht flüsterte ihm ins Ohr: „Völlig erfchöpst, wie Du bist, wirst Du fortan Deiner künstlerischen Arbeit nicht mehr gewachsen sein!" Die Angst» die Un- ruhe verließen Ihn nicht. Hinter Schloß und Riegel, während er in unerträglicher, nervenzerrüttender Spannung aus die Ent- scheidung wartete, hotte der Richter in ihm seine Stimme erhoben, hatte gesprochen: „Gehst Du'auch hier straflos aus. Du brauchst Dich nicht in die Brust zu werfen. Du hast noch Scharten auszuwetzen. In Deinem Leben häuft sich Schuld auf Schuld. Der Arm des Gesetzes reicht nicht überall hin. Du hast Deinen besten Freund hinter- gangen. Dein Vater hat seine Tage be- schlössen, eh daß Du ihm die Hand zur Versöhnung gereicht. An der Grete hast Du wie ein Schubiack gehandelt. Dir fehlt die Festigkeit, die reine Gesinnung, die Treue in großen und Neinen Dingen. Der Dünkel liegt Dir wie ein Stein vor den Augen, daß kein rechtes Licht hinein- scheinen mag!* So klagte ihn sein Ge- wissen an. Die Tür des Hastlokals öffnete sich, er wankte zu feiner Mutter, die in den Schreckenstagen schneeweiß geworden war. Die Krankheit wars ihn nieder In vielen bitteren Stunden hatte ihn unab- lässig der Gedanke verfolgt:„Wirst Du der Gesundheit auch wiedergegeben. Dein Leben wird arm und elend sein, wenn Du nicht gut machen kannst, was Du an der Grete gesündigt hasti" Die Besserung In seinem Befinden schritt voran. Tagsüber durfte er ein paar Stunden außer Bett zubringen. Er begann an allem Anteil zu nehmen, was In seiner Umgebung vorging. Auf be- qucmem Lager ruhend, hörte er der Schwester Trina zu. Das war eine rot- bäckige Kasselerin, aus deren Augen Güte und Schalkheit sprachen. Si«' hatte oft aus dem Land gepflegt, war mit den Ge- pflogenheiten der Bauern, ihrem Zopf und Aberglauben wohloerttaut. Den Patienten zu unterhalten, trug sie allerlei aus ihrem ländlichen Erfahrungskreis vor. Im ver- gangnsn Herbst war's, daß man sie nach Bermuthshain gerufen hatte. Dort wütete der Keuchhusten unter den Kindern. Der Peter Schrupp,«in begüterter Mann, dem die Dörfler den Spottnamen Tuwack bei- gelegt hatten, wollt« für seine kranken Bu- den keinen Arzt. Er gab ihnen Feld- rautentee. Dann mußten sie sich in ihre getragenen Hemden schneuzen, die beileibe nicht g-waschen werden dursten. Der Bauer, der an entzündeten Augen litt, legte weißen Käse daraus. Das sollte helfen. Im Dorf war Kinnes. Der Echäferhannes. der keinen Steklvertreter hatte, gedachte abends auf den Festplatz zu gehen.»Wenn Dir aber ein Schaf ge- stöhlen wirdi* stellte man ihm vor.„'s wird mir nix gestohlen." erwiderte er. „Und wenn einer grappscht, muß er stehen bleiben, bis ich komm. Ich Hab den Pferch befprochenl" Der Hannes ging auf den Festplatz, war fcelenvergnügt und sagte ein Kännche» Branntwein nackj dem andern durch die Gurgel. Wie er gegen Mitter- nacht an sesnen Pferch kam, stand mitten drin ein Mann und hatte einen Hammel auf dem Buckel. Es war ein Metzger und großer Lumpsack—" Ludwig verfärbte sich und fuhr in die Höhe, daß die Schwester abbrach. „Ist Ihnen nicht gut, Herr Ibold?" „Mir ist nichtsl" antwortete er und nahm leine bequeme Lage wieder ein. Uebcr eine Weile fragte er: „Haben Sie etwas gehört, wie'» der Frau Eonder geht?" Die' Schwester berichtete über bis Wandlung der Ding« im Metzgerhaus, daß der Altmeister wieder Gesthäftsbesitzer geworden sei, und daß ihm Grete gute Dienste leiste. Sie sei eine seltne Frau, die sich als wahre Heldin in ihr Schicksal zn finden wisse. Die Schwester hatte in Gret« hineingeschaut, da der Meister Fillunger auf dem Siechbett lag. Die Tochter, so weh ihr zumute war, konnte sich nicht ge- nug tun. den Todkranken aufzuheitern und das Lämpl?in der Hossnung in ihm zu ent- zünden. Der Meister schied hin. Erst hatte der Schmerz Grete stumm gemacht. Hernach war's ihr ein Trost, über den Vater zu sprechen. An seiner unerschütter» lichen Ruh« hatte si« einen Halt gehabt, wenn ihr Gleichmut ms Wanken kam. Hatte er etwas an ihr auszusetzen, hielt er mit seinem Tadel nicht zurück. Doch quälte er sie nie mit übertriebenen Reden, was sie zu tun und zu lassen hatte. Sie war«rwachsen. Das achtete er. Vater und Tochter standen zueinander wie gute Freunde. Kein Wunder, daß der Tod des Meisters Grete doppelt schwer traf. Nur aus ihrem Verlassenhettsgefühl war's zu erklären, daß sie zur bösen Stunde den Metzger geheiratet hatte. Die Schwester ging. Ludwig sann ihren Worten nach. Den Kelch bis auf d!« Hefe zu leeren, war Gretes Los. Wieviel Ueberwindung mochte es sie gekostet haben, bis sie ais Angestellte hinter den Ladentisch trat! Hätte er sie nicht im Stich gelassen, hätte ihr Leben ein«» andern Lauf genommen. Ohne daß er sich dar- über klar wurde, wie er es ins Werk setzen sollte, lebte er sich in die Vorstellung hin- ein, es mußte für ihn ein« Möglichkeit geben, der Hartgetross«nen zu Helsen. Die Erinnerung führte ihn all die W«ge wieder, die er mit ihr gegangen war, durchklang ihn wie«ine wundersame Me» lodie. Frau Ibold, die Ihren Sohn vor jeder Aufregung behüten wollte, hatte ihm ver- schwiegen, daß Grete in'Armut und Ab- hänglgkeit geraten war. Als sie Im Zwle- licht mit einem guten Süppchen ins Zimmer trat, erfuhr sie, daß Schwester Trina aus der Schule geplaudert hatte. Indessen gewahrte sie zu ihrer Verwunde- rung. daß Ludwig keineswegs niederge- schlagen war, vielmehr meinte, er sühl« sich weit wohler, er Hofs«, bald ganz ge» sund zu sein. „Guck Mutter," sprach er,„vordem Ich krank war, Hab Ich nur über meine Kunst» einbänd' simeliert. Jetzt weiß ich, ich Hab noch was Wichtigeres zu tim: ich darf nicht ruhen, bis ich der Grete aus ihrem Unge- rück heif'." „Das wär mein größter Wunsch>" sagte Frau Ibold. das Gesicht von«ineni frohen Erstaunen erhellt.„Aber Mischen Dir und der Grete sieht viel. Wenn Du Die das überleit schafsst. joll Dir nicht leid N der nächsten Minut vergessen. Ich war ganz verwergelt. Manchmal meint ich. ich kam vom Verstand Da war's meine Mut- ter. die mich aus der Vedumpftheit zog und nicht nachließ, bis ste mich zur Arbeit bracht. Dadefür muh ich ihr ewig dankbar fein. Ich warf mich auf meine Kunst. Di» braucht einen ganzen Mann. Ich war ein schlechter Handwerker, wurd geschwätzt. Da- dran lag mir nichts. Ich spann mich ein. 's war gewiß kein verkappter Stolz. Draußen wird man bescheiden. Ich wüßt, was ich für ein Lernwerk noch vor mir hatt. Die Mutter ging um mich herum. Hielt alles von mir ab. Dann kam di« schrecklich? Nacht und das Nachspiel mit dem Gericht. Ich hatte nur einen Gedanken: „Die Grete, die Grete!" Die Krankheit tat mich belangen. Erst von der Schwester Trina Hab ich erfahren, In was sür einer Lag' Du bist, wie das Unglück Dich gepackt hat und nicht mehr loslasicn will!" Cr hielt inne. trat an sie heran und er- grist ihre Hand. „Daß Ich mich beischmieren will, Grete, schätzst Du mir wohl nicht zu. Und wirst'S nicht bös ausraffen, wenn ich Dir sag: ich Hab mein Brot und Hab noch mehr. Nimmst Du's von ein«m gn. daß er Dir hilft, bin ich d.'r Nächste dazul" „Ludwig." erwiderte sie. ihre Hand ihm entziehend,»Ich weiß nun, wie alles mit Dir gekommen Ist. Und das ist mir lieb. Für Dich. Und für mich. Das Unglück geht an keinem vorüber. Jetzt trifft's mich. Ich halt still und trag's.'s scheint. Du kennst mich nicht mehr. Ich laß mir nicht Helsen. Von Dir nicht. Von niemand nicht. Ich hels mir selbstl" Von der Stadt her nSl>erten sich Leute. Da schied sie' von ihm und setzte ihren Weg fort. Die Worte ihres alten Lehrer« klangen ihr im Ohr:»Die Menichm können ein ein sehr wehtun, und man muß doch wieder Zutrauen zu Ihnen tasten!" Dem Ludwig nicht zulieb und zuleid gesprochen: war er schlecht? Was er in Stuttgart getan hatte. mochten andre jung« Leute vielleicht gar «5 Dt« Neue Welt. IHitßricmS UmerhalttmgSbl»« nicht als Sünde betrachren Ihn maner» es. und es ging ihn' nach Daß er i!ch nicht getraut hatte, ihr zu schreid.n. ollenbane. dah er nicht heucheln kvnin» Zt war nicht schlecht. Gut. daß er lein Gewissen erletch- ten hatte: sie würde inskünsuge ahne Eroll an ihn denkrn— De im Abende sien erzählie Ludwig letner Mutter, daß er Grete gelehen und ge- sprachen hatte. „Ich Hab einen snlchen Aniang gelegt,* sagte er,„aber frag mich nicht mehr!* Frau Iboid schnappte kein WSrtchen heraus. Tie sah. daß Ludwig, was sie auf den Tisch brachte, mit Appetit verzehrte und gehobenen ijcrzen» war.5�,-«�., i»i,t.i AamiUenAel�.i chke. Van L>an» Schmidt unz Meviei Eltern Hai oder hatte jeder von «ins?— Zwei.— Wieviel Großeltern?— Stier.— Wieviel Ucgroftciteinv Schon hat sich da'-ich! em Allzu- schneller verplappert und antwvrket' sechs, lind auf die weitere Fraae ncch den Ellern der Uraroßeltern. nech den lirurgrriße'tern, wird das Unalückskind wahrscheinlich die llntwort bereit haben: acht— Aber nein: von den Großeitern Hai doch>ede» zwei Ellern. alle zusanunen bereits acht, und von diesen acht Hai wiederum jedes zwei Eitern, olle zusammen aljo sfbvn sechszehn Und Noch weiter hinauf'' Mcht etwa 54 lande rn 85; fptwnn 64, 128 ulw Mathematisch eus- ged rückt: die ebenlanielt? Fe'bstrNultipU'a- Aon von 2. wie wir über das nächste Be- schlecht htnausaehen' 2 iur l. Polenz, d l. 2; zur 2. Potenz: 4; zur 3 Polenz: 8; zur 10. Potenz: 1024; allaemein: 2 zur nien Potenz So schreiten wir von uns aus nach rück- w!lr:s oder auswärts, in einer Reshe« ddp Schichten, die wir als Geschlechter oder Generationen bezeichnen. Und schreiben wir olle ihre Aiigehörigen sein säuberlich über- einander, aho uns letbll unten darüber unsere zwei Eltern, weiter deren je zwei Eltern, also unsere vier Großeltern, und so sortgejeßi die acht Urgroßeltern usw.. sg haben wir eine Ahnentasel ousaezeich. Net, In steiaeuder Breite von unten nach oben smeinetmegen auch»meekehrO ckEincn entgegenaeseh'en Weg können wo gleichfalls einschlagen. Das ist der. weicher vvn einem der Vorsabren crusgehj»hatte dieser zwei Kinder und jedes von diesen wieder zwei, so geht es in gleicher Weise wie vvrhm steigend in der Zahl zu vier und acht und k'chszehn usw nach vorwärts oder tn der Zeit abwärts Das ergibt einen Stammbaum, in der Aufzeschnuna em besten von unten beainnend und nach oben sich in Westen und Zivewe,, verbreiternd Beides läßt sich>0 verb ntan. den mir von einem Vorjabren. etwa unserem Vater, ausgehen und von da aus nach der einen Nichtung rückwärts zu seinen Ahnen, nach her anderen vorwärts zu seinen Kindern vnd Kmdeskindern metterschreiten Nachdem wir to w-'t g-'emmen stnd Vinnen wir weitere Fre-'n au�we-fen Und zwar liegen nun ganz besonders solche reeh«, aus deren Beantwortunaen m- nlech auch Vorteile für unsere sonstige Bildung ge- Winnen können. Der ollem die Fragen:, zu welchen Zeiten haben denn unsere Borlgh. Ten gelebt, und: wieviel Genrnattsnen haben denn seit dieser oder sener Z'li gewechselt? Für die letztere Frone lastrn wir zuerst wa! unsere Jungen raten, wieviel Genera- klonen wohl zu züh'en sein mögen seit Karl dem Großen und seit Christus und seit der Gründung Roms und seit den ägyptischen Pyramiden oder vielleicht seit Hammurabl. Die Antworten werden ja wohl sehr oer- schieden sein, aber ooraussichtl ch eine Nel- gung zeige», jene Zahl zu überschätzen. Tat- sächlich jedoch wird sich ouS unseren folgen« den Schaizungeo ergeben, daß seit Ehristu» oietieicht nicht einmal 70 Generationen zu zählen sind, seit der Gründung Roms nicht einmal 100 und lest den ägyptischen Pyra« miden nicht einmal 200. Jetzt kommt die schwierige und bisher wohl noch nicht mit Bestimmtheit beant- wartete Frage, mit welcher Dauer denn eine Generation anzusetzen sei. Natürlich kann es sich da nur um Durchschnitte handeln, und zwar mit westen„Streuungen* zwischen solchen Kulturen, in denen sehr sung ge- Hestatet und Kinderzucht getrieben wird, und solchen, in denen die Berhältnisse ein spätes fjelraten erzwingen. Um nun wenig- stens zu Irgendeinem Ansatz zu gelangen, müssen wir aus einer möglichst großen Menae von Geburtsdaten herausbekommen, um welche Jayresmenge denn Eltern und K nder durchschnittlich„auseinander� sind Das können wir selbst berechnen, wenn wkr nur genügend Material haben. Man stellt etwa möglichst viele Abstände .zwischen Geburtsdatum der Estern und Ge- burlsdatttm eines Kindes zusammen und zieht daraus den Durchschnitt Vielleicht be- kommen wir dabei einen Ansatz von beinahe 30 Jahren. Es müssen natürlich nicht die Geburtsdaten selbst sein: auch wenn wir in einer gegebenen Zeit das Alter eines Baiers ober einer Mutter oder den Durchlllmitt der beiden auf 40 Jahre und das eines Kindes oder den Durchschnitt des Alters von Kin- dern auf 10 Jahre bestimmen, so sind das Ergebnis 30 Jahre. Man kann es auch noch anders machen: nämlich von sömt- ticken erreichbaren Personen einer Gene- ration den Durchschnitt der Gebiirrstaqe 'iohen und das gleiche mit den Geburts- doien der nächsten Generation machen. Dieses Verfahren Hai aber das Mißlich«. daß je eine Generation mit den entfernteren Verwandten häufig oder meist in eine vstl höhere Zeit nach aufwärts oder nach ab- wörts rückt, daß also, grob gesprochen, der eine viel sünger ist als(eine veitern und Balen. der andere viel älter als sie. Die bisherigen Versuche, auf diesem Wege vorwärts.zutommen. ergaden gar lekr verschiedene Resultate Jemand fand für Deutschland 86 f» Jahre: Ich selbst kand für meine Familie ganz ungefähr 28 Jahre. Der Liistonter Otto ka r Lorenz setzte — Ich kann nicht saaen, ob auf Grund einer sehr objektiven Erfahrung— als Genera- tionendauer das Drittel eines Jahrhunderts an. also 3�, Jahre. Er hat dadurch den Vorteil, iede« historische Jahrhundert zu drei Generationen zu rechnen und darauf inter- efson'e Geschichtskonstrukttonen zu bauen. die freilich nicht ebenso zustimmend aner- könnt worden stnd wie seine werwollon oenealoaischen Studien engeren Sinnes Nach seinem Ansatz haben wir die Fragen noch der Generationen zahl seit irgendeinem historischen Ereignis sofort leickl beant- wortei. Danach würden seit Christus un- geföhr 37 Generationen verslosten sein. Im folgenden mache ich den Versuch. die von mir oben angesetzte Zahl des Gene- rotionenabstandes dabin genauer zu befttm- wen. daß nicht wie bei Lorenz auf ein Donpeijahrhimderi 6 Generationen kommen sondern aus dies« Zeltlänge vielmehr 7. Die Dauer jrter einzelnen Generation betrögt dann 28.37 Jahre. Auch aui dielen Ansatz darf man sich nicht zu viel einbilden: aber er ist wenigstens ein nicht allzu ausgefallener Anhalt, durch den wir Beispiele beispieleweis ausrechnen können, überdies wenigstens einigermaßen mit einer Abrun- dunq. Die Zahl der Generationen seit einem geschichtlichen Ereignis wird setzt natürlich höher als bei Lorenz, beträgt also seU Christus etwa 68 Generationen, seit den Punischen Kriegen(zirka 200 vor Christus) etwa 73 Genesstionen. In dieser Weise geht es noch aufwärt» oder rückwärts. Es geht aber ebenso nach abwa»ts ober vorwärts Zuerst können wir abermals roten lasten, welches denn dl« Zeit lein mag. in der unsere Urenkel oder andere„Kindcskinder* leben oder speziell „blühen* werden. Nachdem dann auch da Hm und Her geraten sein mag. beginnen wir die Ausrechnung. Und zwar so, daß wir uns oder das„Ich*(den sogenannten „Postulanten" auf das Jahr 1917 ansetzen. mit der Annahme, daß wir in diesem Jahr auf unserem Höhepunkte stnd oder meinet- wagen auch erst geboren werden. Dann fällt die gleichwertige Zeit unserer Kinde» engeren Linnes in das Jahr 1946, die uns«- rer Enkel in das Jahr 1974, die unserer Urenkel ins Jahr 2003. Es folgen die Jahr« 2031. 2060. 2088, 2117. Mit dem letzt- genannten Jahr würden zwei Jahrhundert« oder sieben Generationen vorüber sein. Wir tun auch gut, die Generationen zu numerieren. Der„Ich* oder die„Wir*, von denen ausgegangen wird, sollen die erste Eeneratton heißen. Dann heißt die unserer Kinder die zweite, die unserer Enkel die dritte usw. In gleicher Weise können wir nach aufwärts rechnen. Ich. der ich meine Vorfahren suche und im Jahr 1917 lebe, nenne mich die„erste* Generation, tneme Eltern die zweite nach aufwärts oder rückwärts, mein« Großeltern die driite, meine Urgroßeltern die vierte, meine Ur- Urgroßeltern die fünfte Generation usw. ulw. Wenn wir nun all das In eine Tabelle zusammenzustellen suchen, so bekommen wir einen bequemen U eberblick auch über die h storiiche Laae. Vorder aber kann uns noch eine merkwürdige Besinmina auf einen ganz analogen Fall interestieren. Es gib! nämlich eine alte Sage, dah dem Erfinder des Schachspieles irgendein König freigestellt habe, sich eine bellebioe Gnade auszubitten. Der Erfinder aber soll so be- scheiden aewesen sein, daß er lediglich bat, ihm aus das erste vvn den 64 Feldern de» Schachbrettes ein Erbfenkorn zu legen und ihm aus jedes nächste F»ld oder für jede» nächste Feld das Doppelte der vorhergehen- den Anzahl zu geben. Da glaubte wohl jener König ebenso, wie«s uns leibst passieren kann, daß dies eine recht einfache S'che fei. etwa so, wie wenn man immer die Zahl 2 zur vorhergehenden AnmHl hinzuaddiert, statt diele, wie es dort erbeten war, mit 2 »u multiplizieren. Jetzt mag gleich die rech!« Kunst unserer Jungen einsetzen und oer- suchen, wie weit sie kommt. Wahrscheinlich wird schon noch verhältnismäßig wenig Frt- d->rn die Verblüffung ganz gewaltig fein. Beim Beginn der dritten Felderreihe, auf dem 17. Feld, müssen bereits 65 536 Körner liegen. Und so sehr wir heutzutage an das cherumwerten mit Milliarden gewöhnt sind: an den Bedarf des 64. Schachbrettselde» reichen auch unsere Reichsanleihen und Krieaskosten nicht im entferntesten heran. Es bandelt sich ganz einfach wieder um den arithmetischen Witz mit der nten Potenz van S— das genau gleiche wie bei den Generationen nach aufwärts, die von der 1. vatenz der 2 durch dessen weitere Potenzen hlnoufffettcrn, nachdem für dt« „erste* Generation, für das„Ich*, die. An- zahl 1 als nullte Botenz von 2 dargestellt werden konnte, fiier steht also die erst« Genera tionsnummer und Brettfeldnummer: es folgen d-e weiteren bis hinauf zu 6i auf dem Schachbrett und noch beliebig wel« ter In den Generationen Veochkcnsroarte Wort«. Die Musik kann nie und in keiner Verbindung, die sie ein- geht, aulhären, die höchste, die rrlSfendsti Kunst zu fein.(R. Wagner.) »n Z-d-N»»erb-trr!> Srrontioortt. W-ftofftur L.< ___________!„Galo mon-L«ss»n Berlw. fAUe für die Redaktion bestimmten Sendungen find zu richten nach Berlin. Ändeaftnß Verlag H«mtmr«»r Svtbrudtrti und dfc