[m andern Morgen traf«I« Brief von dem blinden Eberle au» Stultgart ein. Der schrieb: „Lieber Freund Iboldl Was mag denn bei Dir vor. Shen, daß Du nicht» von Dir hören läßt? !> mach mir Sorgen. Soviel Zeit wirft Du doch übrig haben, daß Du mir eine Kart« schickst. Von mir kann ich nur Gute» melden. Der Abschied von der Anstalt Ist mir nicht leicht geworden, aber daheim ist daheim. Ich habe mir ein« Nein« Werkstatt eingerichtet und arbeit« für den Herrn Munzinger. der tn der Rothebllhlstraße den Korb- und Lürstenwarenladen hat. Ich Hab« schon so viel verdient, daß ich mir eine Schreib» maschin« anschaff'n kounce. Dadurch bin ich der Mitarbeiter meiner Frau geworden und schreibe alle Briese für sie. Seit ein paar Wochen auch für den Nachbar Selzer. E» geht sehr flott. Mein« Frau hat da, Seschcift in die Höhe gebracht. Die Losung wird von Monat zu Monat größer. In Deiner Stube hoben wir einen neuen Mietsmann, er heißt Wacker und ist mein Nachfolger beim Herrn Dittmar. Ts ist «in« ehrlich« Haut, aber da» Puloer hat er nicht erfunden Meine Frau konnte ihn zu- erst nicht leiden. letzt hat sie sich an ihn ge» wöhnt. Er ist sehr gefällig und hilft ihr, wo er kann. Sonntags geht er auch mit ihr aus. Ich bin aber nie allein. Mein Weiß- töpfchen, da» Rikete, ist bei mir. Es wird immer klüger und macht die drolligsten Be- merkungen. E» ist mein Sonnenschein. Neulich hat mich unser Chef, der Herr DItt» mar. besucht. Er hat mir doch da» Kapital für mein Geschäft gegeben. Er hat im La- den und auf dem Lager oben alles besich- tlgt. Hernach hat er sehr freundlich mit mir gesprochen:„Ihnen kann man gratulieren,' hat er gesagt,„Sie haben ein« tüchtige Fraul'„Ja, Herr Diltmarl' sagte Ich. „Sie hat die Augen, die für mich sehen. Wem da» Schicksal wohl will, dem beschert «» so ein« Fraui' Vorgestern ist der Gra- »eur Beiswang drüben gestorben. Er hat viel ausgestanden. Nun muß ich aber schließen und verbleibe tn alter Freund- schaft Dein treuer Eberle." An einem der nächsten Sonntag« war's, daß Ludwig Ibol-d Grete auf dem Alten- burgskopf traf. Er ging ein« Strecke Wegs mit ihr. Sein« Mutter, erzählte er, hatte sich den Fuß verstaucht. Sie hatte ihm zu- erst nicht, davon gesagt, dann waren die Schmerzen so heftig geworden, daß er den Doktor Kühnhold holte. Der hatt« feuchte Umschläge und völlig« Ruhe verordnet. Auf dem Sofa zu liegen, war der regsamen Der ArtuShof tn Ranzig Frau schrecklich. Tin paar Wochen, meint« der Arzt, könnten darüber hingehen, bi» der Fuß sein« Bewegungsfähigkeit wieder» erlangte. Er. Ludwig, hatt« in der Werk» statt zu tun. Ein Glück, daß Anna Krast, des Nachbar» Tochter, der Patientin Gesellschaft leistet« und sich auch der Haus- Haltung annahm. Am meisten bekümmerte die Mutter fciß sie ihre Besuche bei den Stadtarmen ein« Zeltlang einstellen mußte. Sie gab den Bissen au» dem Mund. Daß sie ihre Güte oft an Unwürdige verschwendet«, merkt« st« nicht. St« sah nur die Dürf» tlgkeit. „Ich hat Dein« Mutter immer hoch« gehalten," sagt, Grete herzlich.„Dank Govh daß Du sie hastl S,« soll sich sa nur au»- kurieren. Warum habt Ihr die Schwester Trina nicht p-nommm? Die versiebt sich doch auf die Pflege." „Die Anna Kraft ist ein halber Doktor,' erwiderte Ludwig.„Sie wartet auf und macht auch die Umschläge gewissenhaft." Sie gingen bergab der Kreisstraß« zu. Ludwig sprach von seiner Arbeit und von seiner Kunst. Von seiner Wanderschaft hatte«r unendlichen Gewinn gehabt. Oft dachte er daran, was Grete einst zu ihm gesprochen hatte:„Draußen stehst Du mit tausend Augen. Du mußt fort!" Ihr Rat war ihm unter den Händen gewachsen. Halbe Arbeit verachtet« er. Lieber ein« Sache aufstecken, als sie mittelmäßig trel- ben. War er auf der Höhe? Noch lang« nicht. Aber er würde Feuer und Wasser nicht fürchten, hinaufzukommen. Wo der Weg nach Busenborn abzweigte, trennten sie sich. Ludwig, der sich nun wie- der von seiner Krankheit erholt hatte, wan« derte weiter. Grete ging in die Stab: zu- rück. In Geoanken stellte sie sich den Buch- bindergesellen Ludwig Ibold vor, wie er halbschürig und unfertig in die Fremde ge- zogen war, und sie macht: ihr« Betrach« tungen darüber, wie er gereift und gesetzt heimgekehrt war. Die Nichtskönner nahmen den Mund voll, aber sie hatten bald aus- gesungen. Au» Ludwigs Worten klang keine Eingebildecheit. Er hatte Geschick, da» spürt« man. und hatte die Kraft, sein Ziel zu erreichen Mt großer Liebe sprach er von seiner Mutter. Die wurde von der Nachbarsrochter gepflegt. So ein frische», hübsches Mädchen mochte dem sungen Met- ster gefallen. Die Gelegenhett lief ihm in» Haus. Da spann sich geschwind etwas an. Vielleicht gab's einen Verspr ch. Die Anna Krast war in der Stadt eine der nettesten, die er wählen konnte Und nahm er dl« nicht, fand er eine andere. Grete sank der Kops auf die Brust Daß st« ihn nicht vergesien hatte, daß sie noch an ihm hing, verschloß sie im tiefsten Her- Die Reu« Welt. Illustriertes UnterhaltimgSblatt. 88 G«n. Das Schicksal hatte sie hartgeschmiedet, hatte sie gelehrt, zu entsagen. Indes er eines Tages zur Heirat schritt, blieb sie «llein. Ihr Weg führt« ins Ungewisse, ins Dunkle. Seit ihm die Gemüsefrau Hormonn die Leviten gelesen, hatte der Ratsdiener Dau- ber ihren Laden nicht mehr betreten. Ins» geheim spielte er sein« Psiffe und Ränke gegen st? aus. Daß ihr das Brennholz, das fie ersteigert hatte, vorenthalten wurde, daß fie öfter Polizetstrasen bezahlen mußte, führte sie aus die Machenschaften Daubers gu rück. Dieser hielt nun bei ihrer Nach- barm, der Seilerswiiwe Waldschmidt, einer Etadttrommel der gesöhriichsten Sorte, Enen Schwatz und schickt« feine höhnischen ick» hinüber. Heut erschien er, schwitzend wie ein Bär, Itttt der Nachricht, er hob« den Ludwig Ibold und die Grete Gonder selbander auf dem Altenburgskopf gesehen. Die Waldschmidt riß den zahnlosen Mund auf. Der Ratsdiener wischte sich den Schweiß Von der Sttrn und rasaunert«: »Der Ludwig ging wie auf Erbsen. Guckt' drin wie einer, der sich die Man» schetten nicht vertrumpeln möcht. Ich wett aber einen Zentner Bachforellen gegen einen faulen Hering, die Grete kriegt ihn herum.'» ist eine Schand vor Gott mid der tLelil Der Ludwig mag am Gonder feinen Tod unschuldig sein, für die Grete dürft er nicht mehr existieren. Passen Sie«mal acht. '» dauert kein Jahr, da hängen die zwei »m Rathaus im Kasten!" Di« Waldschmidt schlug die Hände gegen die Backen »Ei du ollmächciger Gott! Ich bin Ihnen rein verdattert. Die Grete muß von Grund aus verdorben sein. Die kann die ganz' Stadt verdächtig machen. Aber die Frau Gond.'r kriegt noch ihr« Straf. Das ist stcher!" Der Ratsdiener hob den Zeigefinger. »Frau Waldlchmidt, ich will keinen Klatsch. Was ich Ihnen hier gesagt Hab, bleibt in den vter Wänden!" Am selben Tag trug die Seilerswitw« in der Erbsengasse die Reuigkeit von Haus zu Haus. Bald wurde auf dem Markt, in allen Ecken und Winkeln davon ge- sprochen, daß sich die Grete Gonder ihren »tten Liebhaber wieder angeschasft hatte. Ludwig» Konkurrenten, die jede Gele- genheit benutzten, dem jungen Meister etwas am Zeug zu picken, schnepperten im Chor: »Er nennt sich Künstler und ist— gelind gesagt— ein Rarr. Narren soll man «n Seck führen. Di« wisien nicht, was fie tun. Erst hat er den Handel mit dem Gonder gehabt Ist hart am Kittchen vorbeige- kommen, alleweil zieht er mit dem Theo- baL> feiner Frau herum. Das ist Hunds- gemein. Man müßt ihm das Handwerk legenl" In der Krone machten die betten Freund« und Trinkgenossen Gonder», die mich seiner Hochzeit beigewohnt hatten, de? Schlosser Kappus und der Messerschmied Rettershahn, ein großes Geschrei. Der Theobald hatte mit seiner Heirat ewen Mißgriff getan. Die Grete paßte nicht für das Geschäft. Das war der erste Schlag, der ihn trai Er haite da» Herz auf der Zunge. Heber feine Frau aber, obwohl er Anlaß genug hott', gegen sie aufgebracht zu sein. schmieg er sich aus. Und doch, wenn man nicht kreuzdumm war, merkte man aus fei- neu Reden, daß er in gar keiner richttgen Eheschaft lebte. Welcher Mann ließ sich so etwas bieten? Er hätte die Duckmäuferin ordenllich wamsen sollen. Was st« für ein Weibaeschirr war, erfannte man jetzt, wo sie wieder mit dem Buchbinder angebändelt hatte. Den Spezialen Gonders trat der Wa- fenmeister Cellarius entgegen. »Da möcht man wahrhaftig aus den Kaldaunen fahren! Habt doch eln bißchen mehr Achtung vor der bedauernswerten Frau! Was ist denn postiert? Sie ist, wie man hört, auf d«n Altendurgskopf mit dem Ludwig Ibold gegongen. Weiter nix. Mir Ist dadebti kein böser Gedanke aufgestiegen. Sieich find all« Klapperschlangen in Be- wcgung. Aua der Mück' wird ein Elefant Speichergegend gemacht. Hui, geht's im Dreisprung über die Gaß. Und ist«in Horchen und Lauern und Sticheln. Keiner weiß was Gewisses. Jeder hat's nur vom Hörensagen. Wenn auch. Das Schindoolk zieht los. Di« Maul- tiere und Schnüffelnafen vornan. Und schmusen und verleumden. Und verdrehen und fetzen dazu. Und die Buschmänner langen fich Ratten. Machen miteinander Kjz�e. Und lügen dem Teufel ein Bein kaputt. Und die Dreckkneter. in denen chrem Kalender nix als Gemeinheit steht, hängen so einer armen Frau was an. Und als hinter chrem Rücken, daß sie sich nicht wehren kann. Da konunt das Gvhästige, das Schlechte bei den Menschen heraus. Stank, mx als Stank. Die Kassruse gehört an den Galgen?" Der Schlosser schlug mit der Faust auf den Tisch.(gfortftftttng folgt) Familiengeschichte Bon Hans Schmidkunz. 'Historische Anwendungen. Haben wir schon bisher bemerkt, welch« Vorteile wir aus all dem für den Unter- rlcht namentlich in Historischem ziehen kön- nen, so lohnt es sich jetzt, diesen Dorteilen noch mit spezielleren Anwendungen nach- zugehen. Dabei liegt wieder das Schwer- gewicht am besten aus dem. was wir und unsere Jungen uns selber erarbeiten. Aller- dings sind auch diese Dinge in der neuesten Zeit bereits instemattsckier behandelt worden: und in Leipzig besteht eine Zentral- stelle für deutsch« Personen- und Familien- geschichte. deren Organ die»Familien- geschichtlichen Blätter" sind. Allein es wird gut sein, auf derlei fremde Hilfen erst dann zurückzugreifen, wenn eigene Bemühungen an eine Grenze gekom- men sind, an welcher ein weiteres Kraftauf- gebot gegenüber der schon geleisteten Bor- arbeit verschwendet sein würde. Nur in die- fem Sinne darf ich wohl noch aufmerksam machen auf die kleine Abhandlung„Genea- logie und Pädagogik", mit welcher ich sin den»Lehrproben und Lehrgängen" 1904, III, Heft 80) den Versuch angestellt habe, die pädagogischen Anwendungen der Grund- züge unseres Gebietes darzulegen(damals mit etwas anderen arichmettschen Ansätzen als setzt). Die damalige Warnung vor dem Glauben, als stehe und falle die pädago- gliche Bedeutung der Genealogie mit irgenlk- welchen dabei vorgeführten Einzelheiten, darf Ich wohl auch hier wiederholen. Wir fragen zunächst, wie weit denn zu vermuten sei, daß die Nachforschungen nach den Lebensdaten unserer Ahnen nach rück- wärts hin einen Erfolg haben können, ob »vir also beispielsweise beguem bis in» Mittelalter zurück forschen können. Das ge» lingt bei fürstlichen Familien, die seit lan- gem ihren Bestand übersichtlich vor sich und aufgezeichnet haben: das gelingt aber schwerlich bei bürgerlichen Familien, die ja kaum jemals jene einheitliche Linie fest- halten, wie sie bei fürstlichen und höchstens noch bei großgeschäfttichen Familien(bei „Patriziern") bestellt Frage: Wann beginnt das Verfließen der Vorfahren in der weiteren Bevölkerung? Antwort: das kommt ganz darauf an, wie fest die einzelnen Familien ihre Ueberlieserung bewahren. Folgerung für uns: alles zu tun, daß uns dies weniastens von setzt an gelinge. Aber die weitere Frage: wann beginnen besondere Schwierigkeiten im Finden ver- gangener Auszeichnungen? Vielleicht haben einige von uns schon Erfolg mit dem Fest- stellen ihrer Vorsahren gehabt, sedvch einen sehr verschiedenen je nach Gunst und Un- gunst der Zeiten oder Kulturen oder histori- schen Vorgänge, in welche man dabei hinein» kommt Einigermaßen kundige Jünger des Gefchichtsfaches können sogar schon von vornherein vermuten, welche historischen Zeiten das fein dürsten, und treffen dann wohl auch mit den tatsächlichen Eraebnissen oder Nichtergebnissen zusammen. Von uns nach rückwärts find es namentlich drei histo- rische Epochen, von denen wir kewe Gunst für unsere Forschungen und Feststellungen erhoffen dürfen: die Zeit der Napoleonskriege, also unserer Ururgroßeltern: die Zeit des Dreißigjährigen Krieges, also während des Lebens unserer 11. und 12. Generation nach auswärts: endlich die Zeit der Reformation, deren Ansangsjahr 1ö17 gerade unsere IS. Generation nach rückwärts trifft. Versuche, die ich selbst für meine Genea- logie begonnen hatte, bestätigen wenigsten» die Ungunst der eistgenannten Zeit. Ein Vorfahr, den ich suchte, konnte in der Zeit von 1797 an bis 1869 nicht aufgefunden werden. Die dortigen Kirchenbücher ver- zeichneten die Taufen von 1793: aber für das Jahr 1809 war dort alles verbrannt, und nur nachher konnte man durch Umfrage von Haus zu Haus die Bestände mittels eines Prototolles aufnehmen. Wie jung die Zivilstandsregister find, läßt sich ohne weiteres erfahren: die Kirchenbücher rei- che» viel weiter hinauf, ober die protestan- tischen selbstverständlich und die tatholisch.'n tatsöchkich nicht wohl über das Trftent! nische Kon.zil zurück, das im Jahr 1S33 schloß, also in der Zeit de, 13. oder 14. Generatton Di« Neue Welt. Illustriertes Unterhaltungsblatt. SV »on UNS nach rückwärts. Natürlich darf uns dies nicht abhalten, la weit hinaus au forschen, row es eben noch gelingt. Noch weniger aber darf es uns abhalten, einen Blick auf die Zeiten zu werfen, in denen such die uns unbekannten Vorfahren ge» lebt haben dürsten. Welches war in der und der Generation von Vorfahren der poli- tische und kulturelle Zustand Deutschlands? Es war beträchtlich anders als heute, da �der Großvater die Großmutter nahm", aar erst als„der Urgroßvater die Urgroßmutter nahm" Das letztere führt uns in die vierte Ahnengeneration zurück, etwa in das Jahr 1831 Und nun fragen wir unsere Jungen aus ihrer Geschichtskenntnis heraus, wie es damals ausgesehen haben mag. Di« politischen Verhältnisse sind bald festgestellt: Deutscher Bund. Schluß der französischen Lulirevolution und Ansang des Bürger- königtum» usw. usw. Lehrreicher aber und Interessanter dürfte die Frage nach den da- «naligen Kuiturverdältniffen sein. Wer im Lahr 1831 lebte, konnte noch weder tele- »raphieren. da der Telegraph erst in den Jahren 1831—1837 aufkam, noch auch mit Eisenbahnen fahren, da diese erst ungefähr 1833 praktischer zu werden begannen. Gehen »vir noch weiter zurück, zu unseren Ur- Großeltern in der fünften Generation anno 1802, so läßt sich vielleicht hervorheben, daß auch diese Leute chr Antlitz noch nicht photo- «raphieren lassen konnten, daß aber kurz vorher(1736 usw.) die Lichographie erfunden und ausgebildet worden war, und daß diese Leute sowie ihre Kindergeneration Hassent- sich Geld genug hatten, die damals beliebte Porträtlithographie für sich zu benutzen. Noch eine Generation zurück, und wir stehen im Jahre 1774, als eben<1772) die erste Teilung Pob-ns geschehen war, als die Bereinigten Staaten von Amerika sich noch nicht von England unabhängig gemacht hatten<1783), und als vor kurzem(1768) die erste Erfindung der Dampfmaschine verzeichnet werden konnte. Und die da- malige Generation durfte In ihrer Jugend den ersten Eindruck von Klopft ock'» „Messias" genießen und sah dann mit ihrem Alter den pro« ßen Auischwung der deutschen ßlwfikerzeit. Noch eine Generation zurück, und wir kom- men der europäilchen Erfindung des Por- zellans(1709) nahe, wie wir uns denn überhaupt unser« Vor- fahren aus dem 18. Jahrhundert schwer- lich ohne jene Por- zellanpüppchen denken können, deren Ausläuier noch heut« in so vielen Familien- beständen erhalten sind oder vielleicht bereits neueren Kunstformen weichen. Abermals weiter zurückzugehen, möge ein« immer wie- der fruchtbare Beschäftigung der Jugend fein. Aber vielleicht besteht bei ihr speziell so viel kunsthistorisches Interesse, daß wir den Weg noch einmal von heute nach rückwärts mit besonderem Absehen aus den Wandel der Slile durchschreiten mögen. Gegenüber der allgemeinen und vornehmlich auf dem Kunstgebiei ertönenden Klage, daß wir einerseits zu viel und andererseits zu wenig Tradition haben, mag es von Jnterefie sein, bleier einmal on der chand der Genealogie nachzugehen. Dies um so mehr, als ja doch auch jeder Künstler sein Ureiacnstes in eine Welt hin.-insctzt, deren Verhältnisse ihn bc- Änflufisn, und von deren reisen Künstlern einer oder der andere sein Meister war. tzauS im Stadtinnern Gibt es ja doch sogar Familienltnlm von Künstlern, einschließlich mehrerer Erbauer von deutschen Domen: und Beispiele aus der neuesten Zeit liegen erst recht nahe. Wie sah es nun kunstinstorisch und speziell stilistisch in den jeweiligen Zeiten un- serer oberen Generationen aus? Die El- tern der Generation von 1917 setzten wir aus das Jahr 1888 an. Damals entstanden gerade die Sezessionen sowie der selbstän- dige kunstgewerbliche Aufschwung: die großen und wirkungsvollen Ausstellungen zu Paris 1867 und 1873, zu Wien von 1873, Die Marienkirche zu München vo� 1876, zu Berlin von 1879 liegen zwischen der Blüte dieser Genera- tion utid der der vorhergehenden. Diese letztere, von 1839, sah nicht eben einen Hoch- stand des Künstle.rtums(und auch nicht etwa der Philosophie), bekam aber reichliche Er- innerungen an vergangene Stile. Manche retrospektiven Ausstellungen der jüngsten Zeit, zum Beispiel in Berlin, führten uns besonders in die Zeit der nächstvorhergehen- den Generalion zurück, also in das Jahr 1831, die eigentliche Generation des„Biedermeier". Wieder eine Generation zurück, und wir kommen mit dem Jahr 1802 in den Ansang des Empire kliiein: ebenso mit der Generation von 1774 in das„Anclen rögime", speziell in den Stil, der franzö- sifch„Louis feize" und deutsch„Zopf" heißt: mit 1745 stehen wir rnftten im Rokoko: mit dem Jahr 1717 geraten wir Mischen„Louis guatorze" und„Louis quinze" In den Uebergangsstil der„Regence" hinein: 1688 zeigt die Höhe der Barocke: und wer noch weiter zurückgeben will, kann sich immer noch wundern, wie verhältnismäßig rasch da die Stile einander ablösen.— Das alles am besten an der Hand einer Sammlung von charakteristischen kunstgewerbegeschichllichen Musterstücken> Ein analoges Jnterefie wie dieses kunsb geschichtliche vermag das schulgeschichiliche zu werden. Auch die mehr oder minder ge- bundenen oder freien Schul- und Er« ziehungsstötten haben ihre Generationen. und zwar von Lehrern oder Erziehern einer» seits, von Schülern oder Zöglingen ander«» seits. Hat eine Schule neun Jahrgänge, so erneut sie sich in neun Jahrgänge» oder hat einen neuniährigen Generaiionenabftand (ungerechnet die Sitzengebliebeilen). Und die Lehrer sowie die Direktoren? Wir gehen mit unseren Jungen einen histortschea Schritt zurück bis zur Gründung Ihrer Schulanstalt, fragen wieder, wie damals di» Zeiten politlfch und kulturell waren, und steigen dann abermals in dl« Statistik hin« ein, indem wir zunächst die Zahl der Direk« toren seit der Gründung feststellen. Den Durchschnitt ihv.-r Amtsdauer kann man als Direktorengen»ratlon ansetzen oder bezeich- nen. Analog lafien flch Lehrergenerattonen Heraussinden. Ganz besonder» lehrreich kann die Sache werden, wenn die Schule selbst ein Archiv besitzt, und wenn Urkunden aus älterer Zeit von ihm der Jugend gezeigt werden. Doch auch sonst läßt sich nach Urkunden fahnden: ein Ausflug in Irgendein nahegelegenes Archiv wird wohl durch«inen freundlichen Beamten gern ermöglicht und lehrreich g» mackft werden können. Doch auch eine philosophischere Betrach» tung liegt bereits seit längerem nahe. Wir deuteten die Verlchie» dSnhett der Genera- tlonendauer in den verschiedenen Kultu- ren an. Jetzt fragen wir, ob eine kürzer« oder längere Dauer kulturell von größerer Bedeutung sein dürfte. Da wird sich bald denken lafien, daß dieser Vorteil auf der Seite der längeren Ke« uerationendauer liege. Die Last, welche uns in der beutigen Kwl- tur durch die abnorm« Länge der Bildungs- pänge aufgebürdet Ist» namentlich in den Be- ruisoorschuleu, den Berussschulen(und zwar nnmenillch den .Hochschulen), endlich in der auch noch lan- „ gen Prakiikanienzett, oerbürgt zugleich ein« umfangreichere Ausbildung und sogar ein« geschlossener« Tradition. Sind immer gleich Kinde.' und Kindeskinder da,' so läßt sich in der Verfeinerung der Kultur weniger leisten, und starke Aenderungen aller Ver- hältnifie drängen sich auf. Gerade di« Pädagogik leidet unt.-r kaum etwas so sehr wie unter raschem Generationennwchsel: sie kann dann wegen der Kürze der Zeit nicht nur quantitativ wenig tun, sondern kann auch nicht mit großen Linien eine» planmäßigen Vorgebens arbeiten. Aber noch eine Betrachtung vermag für uns sruchibor zu werden. Des Zuriicfaehen zu immer höheren Anzahlen von Vorsahren und das Vorwärtsgehen zu immer höher werdenden Anzahlen von Nachfahren zeigen uns. auch wenn wir gar nicht mit der Abstammung von einem einzigen Menschen- 40 Die 91cb« Welt Illustriertes Untcrhal kingSblatt. E rechn«', wie vielfach die fldtw Menfch- ineinander verwandt ist. und wieviel che fie als» hat. sich fteschwisterlich ,u behandeln Zlhnenoerlust und Kinderoerlust sind dann Menschennewinn u»ch Menschheits» S«Vtnn..Alle Menschen werden Brüder../ * Danzig und die Weichselmündung Durch die Errichtung eines selbstSndi- ocn polnischen Staatswesens im Osten Deutschlands ist nicht nur die Weichselsrage aktuell geworden, sond-rn auch das Schick» Iol DaNiligs in den Bordergrund des öffenl» ichen Interesses geruckt Diese alte deutsche Dansastadt begehren die Polen al» Ostsee» Hasen für ihr Re.ch Eine Abtretung Dan- gig» aber würde für Deutschland eine virtschafttich« Lahmiegung seine» Ostens Und ein« politisch« Zerreißung seiner noch Nußsand gravitierenden Landes teil« be- heuten In chrem ganzen Slodtchorakter Hai Danzig eine gewisse Aehulichkest mit Nürn» berg! die imttelattectiche Blütezeit beider Ktädt« fällt sa auch gewissermaßen zusam» »nen Beide blühten durch.fytndel und Handwerk empor Im Jahre 1308 zog der Deutsche Ritterorden ln Danzig ein: etwa einundeinhalb Jahrhunderte hindurch üble e: seine Macht au« Handel und Wandel hoben die Bedeutung der an d.'r See gele» genen Stadl. Ein behäbiger Wohlstand jpg in ihre Gassen ein. und manches alte Gebäude, da» al» charakteristisch für Dan» gtg» Eigenart Hingestell: werden kann. Der Urheber der Bezeichnung Bafianal- Versammlung Deutschland hat wie im Jahre 1848 eine konstituierende„Rationaloer- fammlung" Eine solch« war. als die März- revoludon ste in Deutschland aus die Tages- ordnung brachte, in Frankreich infolge der Februarrerolution bereite einberufen. Diese französisch« Nalionolversamiulung von 1848 ober halt.» wieder ihr Vorbild in der Kon- stituante von 1780 Nach der Verfassung- gebenden„Nationalversammlung" der «rohen Revolution heißen alle späteren iolksveHretunaen mit dem olelchen Ra- inen. Von Im« großen parlamenlarlschen Körperschaft ab« war die Annahm« dieser Bezeichnung eine revolutionäre Tat. Der dritte Stand der Generalstaatcn, denn solche waren von der Reaierung einberusen, ver- wandelte sich dadurch aus einem Teil einer tn drei Kammern geschiedenen Ständever- fammlung in eme modern« Volksvertretung, wobei man allerklnas den Vertretern des Adel» und der Geistlichkeit den Eintritt in diese offen ließ. Nach der gangbaren Ver- fioa erklärte sich der dritte Stand aus An- trag de» allbekannten Abgeordnkten Siehe» zur Nationalversammlung. Das ist aber Nicht genau. Vielmehr hatte Siöyes am lt. Juni l78V die Annahme der Äezrich- vung Versammlung der anerkannten und beglaubigten Vertreter der französischen Nation als einzige augenblicklich annehm- bare vorgeichtagen Dieser Titel war zwei- Kioe nicht hervorragend glücklich gewählt. irabeau kam mit dem Borschlage Ver- treter de, französischen Voltes. Das gefiel «uch nicht, weil dem Wort peupl« noch etwa» Geringschäßige» anhaftete, und auch «ndere Einfälle landen keinen Anklang. Am Schluß der Tagessißung vom 16. Juni ober kam mit Mühe und Not«in unbekannter Abgeordneier de» Namens Legrand zu Worte und brachte einen Deschlußantrag Wlhbtud Hl JnSaU» Dcrba-fn SrranliüortL'JUtKirinir L. fterOMi.l-tnburo-r Buchdrucker und tUftogtanftuti stammt au» Jenen Tagen. Unsere Bilder vom Artushof, vom Bürgerhaus aus dem Stodttnnern, von der Speich>rgegend und der alten Marienkirche werden das am dosten illustrieren. Dann kam Danzig an Polen. Nahezu dreiundeinhalbes Jahrhundert hatte es, zu- sammen mit dem übrigen Westpreußen, dk sagello-iische 5?errsä>aft zu tragen. Troß mancher Härte und Mißwirtschaft paßte sich die Stadt d�n neuen Verhältnisten an, wurde größ-r, volkreich«, machtvoller und vermögender. Erst als die Schweden mit .................................................... Freiheit- - Die Freiheit läßt sich nicht gewinnen,: - Sie wird von außen nicht erstrebt, - Wenn nicht zuerst sie selbst tiefinnen- - Im eigenen Vusen dich belebt. - Wlllst du den Kamps, den große», wagen,• - So setz' zuerst dich selber«in: - Wer fremde Fesseln will zerschlagen,- - Darf nicht sein eigner Sklave sein! R. Pro». j : i den Polen in Krieg gerieten, hatte auch Danzig darunter zu leiden. Die erste Teilung Polens ll772) bracht« wohl für Westpreußen die ersehnte Be- sreiung, nicht aber für Danzig, das wester bei Polen oerblieb. Einundzwanzig Jahre später schlug auch für Danzig die Stunde der Erlösung. Wenige Jahr« daraus wird die Stadt durch den Tilstter Frieden zu ein, tn dem es zwar zu Beginn hieß, daß die Versammlung sich al» Generaloersainm- lung konstituierte, zum Schluß aber, daß sie in ihren Entschließungen durch kein an- gebliches Einspruchsrecht aufgehallen wer- den könne, da» sich von der UMeilbartelt einer Nationalversammlung absondere. Da Legrand wohl noch nicht recht das Ohr de» Hauses gefunden hatte, meldete er sich in der Abendsißung nochmals zum Wort und er- reicht« mit Ach und Krach, daß er seinen Antrag nochmals verlesen konnte. Und nun übernahm Sieyö, aus dem Legrandschen Antrag den Ausdruck Nationalversammlung in sein« Resolutton, indem er das Wort verlangte um eine sehr groß? Veränderung in seiner Motion anzukündigen, und vor- lchlug, darin anstatt von„anerkannte und beglaubigte Vertreter der Nation" zu sagen ..Nationalversammlung". Der leßt« Redner, der in der sortneseßten Debatte, kurz vor Mitternacht, noch zu Worte kam. der Abq. Viauzat, erklärte, dafür zu stimmen, daß ninn sich als Nationalversammlung konsti- tuiere, und bereit zu sein, die» mit seinem Blut« zu h.stieaeln Deuoäi wurde die Ab- sttmmung aus den 17. Juni vertagt und an diesem Tage beschloß man mit 491 gegen 90 Stimmen, den Aeyesschen Antrag in seiner letzten Gestalt anzunehmen, also mit der Bezttchnung Nationalversammlung Dieser Ausdruck geht also unmittelbar auf- den Abg. Legrand zurück. Es muß aber hmzugesügt werden, daß das Wort in den letzten vorhergegangenen Wochen schon öfter aebroucht worden war, so am Beginn der Sitzung vom 15. von dem geistlichen Abg. Marolle», der sich dem dritten Stande anschloß und tn seiner Rede die unumgänq- liche Notwendigkeit der gemeinsameil B«- glaubiqung der Vollmackiten einer„NatiO- nalversammlung" betont«. Und schon am 13. Ma' hatte Ehapelter ln den Motiven einem Freistaat erklärt, der tn seine» Mauern ein« französische Besatzung zu be» Herbergen hatte. Erst im Jahre 1813 ward Danzig dann endgültig wieder von preußischen Truppen besetzt. Mit zahl- reichen anderen Städten Deritschland» nahm auch dieser bedeutsame Ostseehafen an der rapiden Entwicklung des letzten halben Jahrhunderts teil. Das moderne Danzig ist eine beachtensn»»rte Großstadt gewor- den, ein fester Stützpunkt für die Ausbrei» tung sozialistisch« Ideen und gewerkschafb» licher Werbearbeit Im Osten unsere» Vater» tan des Namentlich vom Wasser aus gewährt der Anblick der breit sich lagernden Ostsee» stadl ein überaus malerisches Bild. Di« alten Giebelhäuser sind überkröni von de» schlanken Tücnren massiger und hoher Kic« che». Schmale Gassen durchlaufen in Krüm« mungen und Windungen das Stadttnnere. Manch altes Wahrzeichen ist noch an«in» zeln«n Häusern zu beobachten. Ein lärmen« des, lebhaftes Getriebe durchpulst Gosse» und Plätze. Nur nach den Außenstädte» hin wird«» stiller und ruhiger Inmitten des überaus fruchtbaren Weich« selmündunggebietes baut sich die Stadt auf. Stattliche Dörfer, saubere Fischerortschasten. idyllische Sommerfrischen haben ihren Kranz um die alte, graue Stadt gelegt. Gute Ver» bindungen sorgen für leichte und häufig« Zufahrt und Abfahrt. So nimmt ma» gern liebe Erinnerungen aus dem alte» Ostseenest mit sich Man gewinnt Dan- zig lieb, wenn man nur ein paar Woche» in seinem Gassrngewirr geweilt hat. Und man behält, ohne daselbst geboren zu sein, die Stadt gern in gutem Angedenken. eines Beschlußantrages beiläufig davon ge» fprochcn. daß Gemeinsinn das erst« Bedürf» nis der Nationaloersammlung sei. Am 16 Mai sprach Malouet von d«r Notwendig- teil, die Nationalversammlung nicht länger in Untätigkeit verharren zu lassen, und am 18. Mai wandte sich Mirabeau gegen Gha» pelier mit den Worten:„Ein so wichtiger, so neuer, so t.efeinschneidender Schritt, wi« der. uns für die Nationalversammlung zu erklären, die anderen Stände als nicht er- schienen auszuschließen, kann nicht reiflich genug erwogen und ermessen, nicht würdig genug getan weiden: er müßte selbst ander« Handlungen nach sich ziehen, ohne welche unser ganzer Erfolg eine Auflösung sein würde, welch« Frankreich den schrecklichst«» Unordnungen überlieferte." Genug, man sieht, daß der Ausdruck In der Luft loa und. wie so viel Bedeutendes, nicht sowohl aus dem Geist eines einzelnen, al» au» dem Zeitgeist geboren worden ist y. Lebensweisheiten. Ich Hab« den Glauben, daß wir nicht geboren sind, glücklich zu sein, sondern um unsere Pflicht zu tun. und wir wollen uns segnen, wenn wir wissen, wo unsere Pflicht ist. Nietzsche. Rätsel-Aufgabe» Sllbtnrntsrl. AuZ t>eli Silben an don er elv fang s-r ge gor ha hon io la l> ment na nef n> Nim ra räch reu rod sa ste ter ter tur u bilde man 1 2 Worte fol» gendcr ipedeatung: I. LersehungZmittel. 2. Nord» dcutscher Tialettdichter. 3. Schwäbische» Adel«» geschlecht. 4. Frauennam«. C. Rheinisch« Stadt. 0. Hobtmas,. 7. Person der griechischen Tage. ß. Verlibmler Jäger. 0. Englischer Feldherr. t0 Wüste. 1l. Russitcher Dichter. lZ. Leitliche« Pegrift. Sind die Worte richtig gefunden, sa nennen die RnfangSbuchsiaben von oben nach un- ten, dl«?ndb>ichstnbeii, tu unigelebrter Reihensolg» golescii, ein FrüblingSvergnügen (Namen der RStselläser werden nicht veräffentltcht.? Solomoa-Leii-N Peelta. lLU« slle dle Redadti»»»ilimmiea SeadUlizea aao!U elchlea nach Berlin. Aildenttr) tfutr& ITo. flaatbur] Oeuf goe-otrt» Bu doeuter-' u'd(--'al»»!» lal, giul Sinter d Eo. Berlin SU gg.