Jllustnerkes Ankerhalkungsblatt illunger er Schloffsr�schrie:„Glaubst Du. wir ließen uns von Dir so bru- tat behandeln? Mach Dich auf den Schindwafem zu Deinen Aescrn. Denen kannst Du die Haut voll schimpfen. Wir, Framdche, verbitten uns das!" Der Photograph Waltenberger, der ein philosophisch geschulter Mann war, versuchte, die erhitzten Gemüter zu beruhigen. „Meine Herren, ich glaube, die Wogen werden sich glätten, wenn wir uns zunächst einmal darüber klar werden, was persön- liche Freiheit bedeutet. Der Mensch hat Pflichten, er hat aber auch Rechte. Unter seinen Rechten steht die persönliche Frei- heit obenan. Sind Freiheit und Sittüchkcit etwa Gegensätze? Keineswegs. Der Mensch kann tun und lassen, was er will, solange er sich als moralisches Wesen empfindet, so- lange er die öffentliche Sicherheit nicht ge» fährdet. Meine Herren, weil die Witfrau Gonder mit dem Buchbinder Jbold aus dem Al.enburgskopf spazieren gegangen ist, scheint mir die Stadt und der Staat noch nicht zu wanken. Warum denn gleich Feuer schreien, wenn's aus einem Backofen raucht? Bor allen Dingen aber, meine Herren: es kommt nicht darauf an, was die Leute von einem Menschen halten, der springende Punkt ist, was der Mensch von sich selber hält. Soweit ich die junge Frau Gonder kenne, hat sie alle Ursache, recht viel von sich zu halten. Meine Herren, überlassen wir doch den Kleinschädeln und Sauersüchtigen das Maulieren. Nehmen wir einen höheren Standpunkt ein. Warten wir's ruhig ab, wie sich die Dinge entwickeln. Die Grete Gonder lebt mit ihrem Gewissen und geht den Weg, den sie gehen muß!" Der Photograph und Philosoph hatte mit seiner Rede kein Glück. Der Schlosser und der Messerschmied geiferten weiter. Die Gegenpartei blieb ihnen die Antwort nicht schuldig, und die Worte klirrten aneinander wie scharse Klingen. Erst als der Polizei- diener Krug in die Wirtsstube trat und den Gästen Feierabend bot, hatte der Spektahl fciri Ende. Grete saß eines Abends nach Schluß des Geschäfts in ihrer Stube und besserte e.in ÜXoman von Älfred Bock schadhaft gewordenes Waschkleid aus, als sich die Türe öffnet« und die Schulfreundin Elf: Röder horeintrat.> Grete legte sreudig überrascht ihre Arbeit beiseite. „Da kommt sa ein lieber Besuch!" Die kieiire, treuherzig drein blickend« Frau gab der Kameradin einen Kuß. „Weißt Du's denn nicht?" „Ich weiß nichts, Else." „Meine Eltern feiern übermorgen ihre silberne Hochzeit." „Ei was!" i „Deshalb bin Ich herübergefahren."; „Ro natürlich." „Meine Tante aus Laubach ist schon da. Wir erwarten noch den Onkel aus Gedern lSurtschimi) M1 Aus der große» französischen Revolution und meinen Vetter Eduard. Die wohnen in der Post." „Das gibt ja ein großes Fest" „Versteht sich. Den Braten liefert der Herr Rühlmann." „Daß er bestellt wurd, Hab ich gehört. Ich hatt aber keine Ahnung, wodesür." «„Mein Vater spricht, sellemol an seinem Hochzeitstag hätt er vor lauter Aufregung nichts essen können. Das will er über- morgen nachholen.", �rete lächelte. „Da hat er recht." „Ohne daß er seine Späßchen macht, kann er nicht leben," sagte Else und ließ sich nieder.> Grete rückte ihren Stuhl heran. „Will denn Dein Mann nicht kommen?" „Der hat keine Zeit," erwiderte Else. „Er reist jetzt für die Vilbeler Liköcfabrrk. Und ist ständig unterwegs. Und muß bek den Wirten schnurrpfeifen gehen, sonst kriegt ei nichts bestellt. Dann hat er schwind einen Stich, daß er auf keinem Bein stehen kann. Und das Getränk arbeitet In ihm. Und liegt ihm auf dem Magen. Und ich sitz da und ängstig mich!". „Da hast Du's auch nicht leicht!"> „'s hat jeder sein Lästchen zu tragen, Grete. Erst, wenn Ich soviel allein war. meint ich, ich müßt vor Brost vergehen. Und krag Heimweh. Und Hab geflennt. Und könnt mich nicht fassen. Nu wohnt gegenüber von uns ein alter Herr. Der schreibt sich Bindernagel. Er war Beamter in einer chemischen Fabrik und lebt setzt im Ruhestand, Er hatt' einen Satan von Frau. Die ist aber gestorben. In seinem fymS tat der Herr Vindernogek ein Zimmer her- richtm. Da legt' er Bücher und Zeitschrif- ten auf. Die Leut sollten kommen und lesen,'s sollt sie nichts kosten,'s ließ sich aber niemand blicken. Eines Tages kam er bei mich und sagt':„Junge Frau, Sie gucken wn Loch in die Luft und spinnen Trübsal. Können Sie sich denn nicht ent- schlkßen, ein gutes Buch zu lesen?"«O ja," sagt' ich und wurd feuerrot. Und da gab er mir Lücher. Und ich schlang's nur so in mich hinem. Aber das war nix. Ich wollt nicht nur lesen, Ich wollt auch was lernen. Und da las»ch so ein Buch zwei-, dreimal. Und sah. was die Menschen dadrin für eine Kraft und einen Willen hatten. Und wae denen für Gedanken durch den Kopf ge« gangen sind. Und daß sie wie unsereins Glück und Unglück hatten. Und daß sie doch ihren Glauben an die Ordnung in der Welt behielten. Manchmal las ich ganz laut, daß ich's besser verstand. Und meine Haus« 42 Die Neue Welt. Illustriertes Unterhaltungsblatt. frau, die Zinsern, dacht, ich wär mit der SZeWapp aeschossen—" Die kleine Frau unterbrach sich. Aus ihren Backen brannten Flammchen. Verschämt legte sie ihre Hand auf der Freun- bin Schoß. „Ja. Grete, Du denkst's vielleicht auch, weil ich das all so herausspratzel und noch nicht emal gefragt Hab. wie Dir's geht!" „Bei mir, Elfe, sieht ein Tag wie der andre aus," antwortete Grete..�Jch Hab im Geschäft tüchtig zu schaffen. Der Abend gehört mir." „Du Armes hast schrecklich viel aushal- ien müffenl" sagte Else mitleidsvoll. Grete holte tief Atem. „Ja. Elfe, Ich Hab viel ausgehalten. Aber ich belad keinen damit. Ich bin emal so. Ich muß es mit mir abmachen." „Du hast eine starke Na- iur, Grete. Dadrum Hab ich Dich immer beneidet. Daß Du wegen der Stell beim Herr Martini in Vil- bel so kurz abgeknüpft warst, hat mir lehr leid getan. 's Ist ein feiner Mann. Er hat jetzt eine Stütze. Mei- nem Bedunk nach bleibt ste nicht lang. Sie bat nicht die rechte Art, mit den Kin- dern umzugehen." „Ich könnt Dir das da- mals nicht so schreiben, Elle. Ich bin dem Herrn Rllhl- mann vom Theobald her noch Geld schuldig. Das muß ich erst los sein. Her- nach werd Ich sehen, was es mit mir gibt." Else sah die Freundin forschend an. „Ist's wirklich nur dessentwegen, daß Du hier bleibst?" „Nur dessentwegen," ver- setzte Grete unbefangen. »Was meinst Du denn?" „Ach, ich mein nur so." „Du hast doch etwas?" Elfe senkte den Blick. „'s wär nicht recht von mir, wenn ich hinter dem Berg halten wollt. In der Stadt heißt's. Du tatst wie- der mit dem Ludwig Ibold gehen." Grete richtete sich auf und sah die Freun- bin frei an. „'s war der reine Zufall, daß mir der Ludwig Ibold begegnet ist. Er war schwer- krank. Wir haben miteinander gesprochen. Das ist ab.-r auch alles. Was die Leut pu- latschen, ist Lügenwerkl" Der kleinen Frau schien eine große Sorge genommen. „Ich glaub Dir, Grete. Ich weiß, daß Du nichts hehl vor mir hältst. Wie ich die dummen Reden hört', krag ich einen Schreck, und es tat mich schaudern. Wenn nu auch nichts an der Sach ist, ich rat Dir aus gutem Herzen: fei nicht unversonnen und meid den bösen Schein. Der Theobald mag ge- wesen sein wie die Hack am Stiel, er war Dein Mann. Nach dem, was passiert ist, darfst Du mit dem Ludwig Ibold nicht mehr sprechen!" Grete zog die Brauen zusammen. „Da denk ich ganz anders wie Du. Und kann mir von keinem was vorfchreib.-n lassenl" „Ich versteh Dich nicht," sagte Else be- stürzt.„Wer nichts zu verlieren hat, kann schon was wagen. Du hast viel zu vcr- lieren, Grete. Nimm Dich in achtl" Eine klein« Weile stockte das Gespräch. Dann sprachen sie von andern Dingen. Doch kam kein herzlicher Ton mehr auf. Grete nahm, als die Freundin sich ver- abschiedet hatte, ihre Flickarbeit nicht wie- der zur Hand, sondern schritt in der Stube auf und ab Im Laden drunten, das hatte sie wohl bemerkt, tuschelten Käufer und Käuferinnen miteinander und sahen sie von der Seite an. Jetzt, da Else Röder alz Warnerin erschienen war. ging ihr ein Licht auf, was das Getäts zu bedeuten hatte. Nachgerade Jüngster Tag Einst wird die Sonne uns verschütten Unter die Wunder ihrer Herrlichkeit. Einst werden armselige HerzcnShütten Paläste bruderfroher Einigkeit. Einst wird das Leid vor seiner Glut verzagen, Der Gram sich grämend durch den Tod befrei», Der Haß sich furchtbar hassend selber schlagen, Der Tod sein eigner Henker sein. Die bittere Entsagung wird sich selbst entsagen, Der Fluch an seinem eignen Wort zerschell'», Die Rot wird schlotternd ihre eignen Ketten tragen, Der Krieg sich seinen Jammer in die Ohren gell'n. Die Trennung wird sich selber trennen und zerspalten, Der Hunger an sich selbst verhungern und verwehn. Lieblosigkeit wird an sich selbst erstarre» und erkalten, Und das Verbrechen wird sich furchtbar an sich selbst vergehn. Doch über die Cntwandlungen. den brüchigen Verfall, Stürzt ungeheuer Gottes milde Macht, Und reißt die Liebe all der Seelen unvergänglich in das All, Die einst kein Erdentag in ihrer Glut entfacht. San« Gathmann. war sie daran gewöhnt, In der Leute Mäu- ler zu sein..Ob eine Frau vereinsamt und schutzlos war, danach fragten sie nicht. Ihr, der Grete, fester Wille war: sie ließ das schmutzige Gewäsch mit Gleichmut über sich ergehen. An ihr reines Gefühl für Ludwig Ibold rührte es nicht. Sie trug's wie ein stilles Geheimnis in sich: sie hatte ihn lieb. Wohin das Schicksal sie verschlug, sie würde ihn immer lieb behalten. Am selben Abend schickte der Altmeister Grete den Lehrling und ließ sie bitten, zu ihm zu kommen. Cr wolle etwas mit ihr bereden. Grete verfügte sich alsbald in Rühlmanns Zimmer. Der empfing sie mst den Worten: „Eine Neuigkeit, aber kein« gute. Wir haben«inen im G»fchäst, der stiehlt!" „Ach neel" rief Grete.„Wer soll denn das sein?"" „Unser Gesell." „Der Wilhelm?" „Jawohl." „Das Hütt ich nicht gedacht." „Horchen Sie emal zu! Die Turner haben gestern einen Ausflug gemacht. Der Wilhelni war mit. Am Landgrasenborn wurd gefrühstückt. Mein Wilhelm langt' großbratschig eine Zervelatwurst.aus seinem Rucksack Und spendiert sie. Wahrscheins hatten die Turner lang so keine billige Wurst gegessen. Dix tät nach mehr schmecken, meinten sie. Wuppl langt' mein Wilhelm noch eine Wurst aus dem Rucksack. Und da haben sie ihn hoch leben lassen. Einer, der dabei war. hat mir alles verzählt. Heut abend Hab ich den Wilhelm vorgenommen. Wo er die Wllrst hergehabt Hütt. Aus der Räucherkammer, spricht er Samstag, wenn er seinen Lohn krag, wollt cr's mit mir vcr- rechnen.„So," lagt' ich, „Samstag wollten Sie's mit mir oerrechnen. Ei wie pünktlich!" Am'liebsten häti ich den Gauner gleich her- ausgeschmissen. Ich Hab nur aus den Stupp keinen Ersatz. Wassollichmachen?" „Ich Hab den Wilhelm für ghrlich gehalten," gab Grete ihre Ansicht kund. „Schlau ist er nicht. Sonst Hütt er sich sagen müssen, daß so was herauskommt. Vielleicht, daß er sich bessert, wenn Sie ihm ins Gewissen reden. Freilich, einen im Haus zu haben, dem man nicht traut, das ist schlimm. Ich mein, Sie sollten sich in oller Ruh nach einem anderen Gesellen umtun. Finden Sie einen, der Ihne» paßt, schicken Sie den Wil- Helm fort." Dem Altmeister leuchtete der Vorschlag ein. Aber er hatte noch etwas auf den» Herzen. Das mußte her- unier.«Diese Woche haf mir meine Tochter geschrie- den," begann er.„Wenn ich nicht wieder zu ihnen nach Nidda kam, wollten sie sich eine kleinere Woh- nung nehmen. Ich möchte mich vor Ouarlalslchluß' äußern, daß sie wüßten, wie oder wann. Ich bin mir mir im reinen: ich bleib hisr. Ich kann's Ihnen ja sagen, Grete, ich Hab mich b.'I meinen Kindern nicht wohlgefühlt. Mein Schwieger- söhn ist nicht mit den besten Haaren gezeist. Ich Hab zu meiner Tochter gesprochen:„Du hast ihn enial und mußt sehen, wie Du mit ihm auskommst!" Anstatt, daß sie fünf gerad sein läßt, gibt sie Widerwortz. Und da ist Polen auf. Sie könne mir's glauben, Grete, alssort das Gekappel zu hören, war kein Vergnügen. Hier Hab ich mein» Ruh. In Nidda war auch meine Gssundheit nicht die best». Einmal taten mir die Arm' sengeln, ein andermal die'Bün': Das ist alles wie weggeblasen. Das Blut hat gestockt. Die Arbeit schafft's j«tzt durchein- ander. Ich bin noch in mein» Kräftigkeit. Das Faulenzen ist nix für mich. Was das Geschäft anbelangt:'s läuft gut und ernährt seinen Mann. Wenn's sein soll, auch noch eine Frau. Dessentwegen wollt ich mit Die Neu« Welt. Illustriertes UntcrhalwngSblatt. 43 Ihnen«mal sprechen" Er echob sich, trat ans Fenster und kehrte dann an seinen Platz zurück. „Daß Sie hinterm Ladentisch als Ver- käuserin stehen, Grete, wo Sie früher im Haus die Metzgersfrau waren,, ist mir sche- Vilerlich. Ich Hab nie nicht gesehen, daß eins gegen Sie unscherig war.'s macht ab:r doch einen andern Eindruck, wenn's heißt: das ist die Meisterini Ich geh nicht gern in die Krümm'. Grete. Sie merken ja auch, wo ich hinauswill. Wie wär's dean, Enste, mit uns zwei? Ich schätz, daß wir gut zueinander passenl" Grete erlebte ihr blaues Wunder. Der Altmeister hatte ihr sein Vertrauen, seine väterliche Zuneigung entgegengebracht. Daß «r darauf verfallen würde, ihr einen Hei- ratsantrag zu machen, daran hatte sie nicht im entferfttesten gedacht. Nicht, daß ihr die Werbung unnatürlich oder gar lächerlich er- schien. Ueber den Altersunterschied hätte sie ' sich hinweggesetzt. Auch war Rühlmann seinem ganzen Wesen nach nicht alt. Sie wollte aber aufrichtig sein, ausrichtig gegen sich und den Altmeister, den sie achtete. Als Theobald Gonder um sie anhielt, als sie sich zur Heirat entschloß, glaubte sie den Jugend- freund vergessen zu können. Sie hatte sich selbst überredet. Das hatte sich schwer ge- rächt. Den Stachel im Herzen— und wenn ihr das schönste Lehen winkte— ging sie nicht zum zweitenmal in die Eheschaft. „Herr Rühlmann," sprach sie schlicht, „vom ersten Tag an, daß Sie hergekommen sind, haben Sie Liebs und Guts an mir ge- tan. Dadesür dank ich Ihnen tausendmal! Ich will für Sie schaffen von früh bis spät, will schanzen und wenn mir das Blut aus den Nägeln springt. Heiraten kann ich Sie nicht!" Der Altmeister hatte sich sein Blänchen gemacht. Das wurde zu Wasser. Ein rech- ter Verdruß. Sollte er den Gekränkten spielen? Bewahre. Am gescheitesten, er schluckte es herunter. Auch ihm war zu» getragen worden, der Grete Schatzwerk mit dem Buchbinder sei wieder im Gang. Er hatte auf das Gerede nichts gegeben. Aus der Abweisung zu schließen, die er erfuhr» war wohl doch etwas daran. Eine Frau, die so klug war, wie die Grete, schlug ohne weiteres ein« gute Versorgung nicht aus. Er aber mochte nicht fergeln und fragen. „Des Menschen Wille ist sein chimmel- reich!" sagte er friedlich.„Sie haben Ihren Posten bei mir. Und behalten ihn, solang wie Sie wollen. Wir sind bis dahin gut miteinander ausgekommen. Ich hoff, das wird so bleiben!"(e�uBfoiaO Spiegelapparat einer Leuchtqualle pet— Farbstoffs ckilcht(CpIeg-Id-!ag). Zs--- Zellsast ois Sammellinse wirkend, Leuchtende Pflanzen und Tiere Von Curt Biging. Wir sind gewöhnt, daß Tiere und Pflan- zen natürliche Kräfte produzieren, wr: wir sie aus der Physik kennen. So sehen wir bei Tieren mechanische Kräfte, Ortsbewegun- gen, austreten, ebenso bei den Gesäslechts- Produkten der Farne, ferner b:i Tieren Wärme als Folge des Stoffwechsels, und bei Pflanzen im Zusammenhang mit der At- mung sogar Elektrizität: schließlich, wenn auch in geringerem Ausmaß und den Fest- landsbewohnern weniger bekannt, Licht- erscheinungen, die besonders bei Meeres« tieren sich geltend inachen. Die Pflanzenphysiologen kennen schon seit geraumer Zeit mikroskopische Lebewesen, Tiefseetinten- fisch mitLeucht- organen Kopf eines Tiefseefisches mit 2 Leuchtorganen auf jeder Kopfseite; das unter dem Auge gelegene leuchtet rubinrot, das Hintere grün die sogenannten Leuchtbakterien, die durch chemische Prozesse ein phosphoreszierendes Licht ausstrahlen von solchzr Intensität, daß nian Reinkulturen dieser Bakterien unter Abschluß äußerer Lichtquellen in ihrem eige- neu Licht photographieren kann. Auch ge- wisse Pilze, u. a. der in unseren Wäldern vorkommende Hallimasch, zeigen Entwick- lung von Licht, welche mit den physiologi- schen Verbrennungsvorgängen in der Pflanz: verbunden sind. Der Hallimasch, der namentlich auf faulem Holz und aus Moder gedeiht, ruft auf diese Weise das nächlliche Leuchten des Holzes, hervor. Das Licht, das von diesem leuchtenden Holz ausgeht, ist mattweiß, ähnelt dem. unter Wasser leuch- tenden Phosphor und dürste schon oft die sogenamrten Irrlichter vorgetäuscht haben. Cime für dm Laien ähnliche Erscheinung finden wir beim Leuchtmoos, das im Ge- klllft von Schreserselsen wächst. Hier handelt es sich allerdings nicht um selbständiges Leuchten, sondern nur um die Reslekkierustg geringer Lichtmengen, die von außen kom- men, indem dieses Licht durch eine den Glaslinsen ähnlich wirkende Zelle aus die tiefer liegenden Chlorophyllkörper konzen- triert wird, die es dann, wie die Hinterwand eines Spiegels, w-eder zurückwerfen. Ganz besonders schön, und keineswegs nur auf die niederen Organismen beschränkt, finden wir das Leuchten jedoch bei Meeres- tieren. Die bekannte Erscheinung des Meeresleuchtens wird hervorgerufen durch winzig kleine Lebewesen, die zur Klasse der Geißelinfusorien gehören und den Namen Nuctiluca miliaris führen, was man etwa mit„Massenhafte Nachtleuchte" übersetzen könnte. Das Leuchten dieser Nuctiluceen ist durch physiologische Verbrennungsprozesse in der Eiwe ßsubstanz bedingt und tritt na- menllich auf. wenn dr: Tiere durch heftige Bewegung der See gereizt werden, so daß dann die Wellenkämme in merkwürdiger Wesse funkeln. Aber nicht nur diese niederen Tiere sind in der Lage. Lichterschcinungen zu produzie- ren. Viele ZöleMeraten lVflanzentiere), nie- dere Würmer sowt: Mollusken geben Licht aus, wobei der Leuchtstoff von besonderen Drüsenzcllen produziert wird und sich von ihm aus entweder über die Oberfläche de? Körpers ausbreiket oder in das umgebende Wasser ausgespritzt wird. Selbst bei Kreb- sen finden wir die Erscheinung, daß sie bei Fluchtbewegungen einen Strahl von leuch- tender Substanz hinter sich spritzen und da- durch ihre Verfolger erschrecken oder ab- lenken. Vorbedingung für das Auftreten wr Leuchterscheinung ist die Anwesenheit von Sauerstoff. Hierbei ist es gleichgültig, ob der Sauerstoff direkt durch das sauerstoff- haltige Meerwasser an den Leuchtkörper herangebracht wird oder bei völliger Ab- geschlossenheit desselben im Tierkörper durch das Blut an ihn gelangt. Fallen die natür» l'chest Bedingungen, unter denen das Tier lebt, aus, so ist auch das Leuchten zu Ende. Deshalb kommen die mit Leuchtorganen versehenen Fische, Krebse und Tintenfische, die aus der Tieffee unter die niedrigeren Druckverhälwisse der Meeresoberfläche her- aufgezogen werden, meist tot und mit er- loschenen Laternen nach oben. Von Landtieren sind es lmuptsächlich.ge- � wisse Insekten, die zu leuchten vermögen, und zu denen in unseren Breiten die Leucht- würmchen gehören die ein grünlich Phos- phoreszierendes Licht ausstrahlen. Ganz besonders intensiv strahlen die Leuchtinsek» ten in den Tropen. So gibt es in Ceylon und Mexiko Leuchtkäfer, deren Licht so inten« siv ist, daß man, wenn sie vor dem Nacht- Himmel fliegen, oft nicht unterscheiden kann, ob man St-rne oder das Licht der Tiere vor sich hat. Der Zweck dieses Leuchtens ist in diesem Falle zweifellos in den Dienst der Sucht- wähl gestellt. Dostein führt zum Beweis hierfür folgenden Versuch des Biologen Noctllnca miliaris O— IBelJei. T= I«nlattl(Fanoarm). Ga~(Ballert- teil tier Zelle. K—item bei Zelle. M— Mund. Zs— Zelllaftfäben, Leuchtorgan eines Fisches Dr— 1 Drüsenkörper(das Licht erzeugend). Leuchtmoos l.— LinsensSrnilger Zellteil, cuk— Thlaraxhyllkörner. P<— Pilziäden. St— Stein. 44 Die Neue Wctt. ZNustricrteS Untcrh.iltungsblatt. Tisflcsorqanismen auch zu. Dageaen haben t>!> höherorlianisKrten Lebewesen, wie Fische. Tiinensische und Krebse, die in Beziehung zu leuchtenden Organismen stehen, ganz un- verhältnismäßig stark entwickelte Sehorgane, entweder lanqgestielte Augen oder telcskop- artige Augen, unter allen Umständen aber solche, die mit einer sehr lichtstarken Linse versehen sind, um ans diese Weise auch noch den kleinsten Schimmer wahrnehmen zu können, Bei den höheren Landwirbelricron finden wir keinerlei Leuchtorgane. Die Wahr- nehmung von Artgenossen und Beutetieren geschieht hier mit chilse des Geruchs oder. wenn sie schon mit �ilse der Augen vor sich geizt, reicht das an der Oberfläche der Erde vorhandene Licht vollkommen aus. Man spricht allerdings von leuchtenden Augen bei Katzen oder be' Nachtschmeiterlingen, aber hier handelt es sich nicht um selbslleuchiende Organe, sondern in diesem Falle sind die sonst ganz gewöhnlich gebauten Augen im Hintergrunde mit einer das Licht reflektie- renden Tapete ausgekleidet, analog den oben erwähnten Leuchtmoosen, so dag der Phos- phoreszierende Glanz bei diesen Augen nur von dem reflektierten Licht herkommt, das selbst bei scheinbar völliger Dunkelheit an der Erdoberfläche immer noch in genügen- dem Moste' vorhanden ist, um in dielen Augen konzentriert und in phosphoreszie- rendem Schimmer zurückgeworfen zu werden. legen: den Acker, der im Herbst viele krank« Kartoffeln trug, wenn irgend möglich nicht wieder mit Kartoffeln bestellen. Bei der Bodenbearbeitung sich vorfindende alte Kar» toffeln sind zu entfernen: sie sind nur gar zu oft der Auegangsherd von mancherlei Krankheiten. Bei der Ernte gilt: Die Knol» l>n der erkrankten Stöcke gesvtch-r! und zu- erst ernten keine Teile in der Erde zu be« lassen, H. H. Leachtenswertc Worte. Durch Erziehung werden mir, was wir sind; dem Unterricht oer danken wir, was wir wissen.(Hippel)— Gedanken ohne Erfahrungen sind Trug» schlösse.(Hahn-Hahn.)— Was ku erlebh kann dir kein Gott mehr rauben.(Hamerlmg.) Schach. Dcardeltet doni Borlttzenden des DeutsSen klrdetter» scha»r>iindeS. H. Feierabend, Berlin. (Original.)* Aus allen Ecken Sräuselkranke kartossela. Am äugen- fälligsten zeigt sich die Kräuselkrankheit bei der erwock-ienen Kartofselvilanze. Das Kraut erscheint dann zerknillt und zusam- mengekraust. Das Grün der Belaubung ist gelblich«? bis gelblichroter Farbentönung gewichen Nähere Untersuchung zeigt. daß die oberen Blät.er sich in der Richtung der Blartrippen zusammenfalten und vom Rande her sich einrollen. Die am stäicksten befallenen Pflanzen sind im Wachstum zurückgeblieben Hier ist die Kräuselung des Laubes am aussälligsten und dos Gelbrot zeigt einen Anflug von B'au- und Braunrot. Der Erreger der Krankheit ist ein Pilz der, sofern er nicht bereits im Saatgut enthaltin war. von außen in die Pflanze einwandern muß. Verletzungen an der Pflanze dienen dem Pilz als Eingangs- pfortcn Kälte und Trockenheit sowie häu- figer Wechlel von Trockenheit und Raste zur Zeil des Auslaufens der Kartoffeln geben dem Pilze mannigfache Gelegenheit zur stor- ken Verbreitung. Ist dieser in das innere Gewebe der Pflanze gelangt, so spinnt er seine Fäden ,n den Gefäßen des Pstanzcn- leibes nach oben und nach unten weiter. Schneidet man den Steimel einer erkrank- ten Pflanze durch, so sieht man die nah- rungsleitenden Gefäßbündcl gebräunt: bei der gesunden Pflanz« haben sie eine weiß- lichgrüae Forde Durch die Wurzeln wächst der Pilz in die neuangelegtcn Knollen hin- ein. Eine solche durchschnittene Knolle zeigt die Gesäß? welche sich vom Nabel der Knolle aus ringförmig parallel zur Schale, eiwa % bis 1 Zentimeter unter dieser, hinziehen, gelblich gefärbt Die erkrankten Knollen sind anner an Stärke als gesunde. Ihrer Der- Wertung zu Futterzwecken steht nichts im Wege, aber zur Pflanzung sollten sie nicht benutzt werden. Bei Pflanzen, die aus be- fallenem Saatgut erwachsen, tritt die Krank- heit zeitiger und verheerender aus als bei Pflanzen, die sich die Krankheit erst durch den Stengel zuziehen. Auch bleibt der Ernte- ertrag zurück. Der große Schaden dieser Krankheit liegt gerade In der Herabmindz- rung der Ernte Das beste Bekämpfungs- mittel heiß: hier: Vorbeugen! Vorbeugen bei der Saat und vorbeugen bei der Ernte. Bei der Saat gilt: keine erkrankt'n Knollen Emen) an: Dieser brachte einige Weibche« eines Leuchtkäfers in fest verschlvstene Glas- röbren und andere in porösen Pappkästchen unter und stellte sie ins Freie in einer Ge- gend, in welcher Leuchtkäivr herumsiogen. Die Tiere in dem Pappkästchen blieben vollkommen unbeachtet, ein Zeichen, daß nicht etwa ein Geruch die Männchen zum Weibchen lockt. Als aber ein Männchen m einigem Abstand über einer Glasröhre da- hinslog, entsandte sofort das tn jener Röhre eingeschlostene Weibchen eine Reihe von Blitzen, weich? alsbald von dem Männchen wahrgenommen sein muHten, denn es ließ sich in der Röhe des Röhrchens im Grase ttieder und die beiden Tiere begannen nun ein Wechselspiel von Lichlblitzen. welches geradezu an einen lebhaft funktionierenden Heliographen erinnerte Als das Männchen ganz in die Näh? der Glasröhre gekommen war, hörte das Weibchen auf. zu leuchten, begann aber sofort wieder mit dem Spiel seinvr Blitze, als ein anderes Männchen in der Nähe seines Gesängnistes vorbeiflog, um welches sich bald eine ganze Schar von rivalisierenden Männchen angesammelt hatte,— Besonders eingehend sind die Leuchl- erscheinungen bei Bewohnern der Tiefsee er- forscht worden. Hier handelt es sich vor- uehmlich um Tintenfische. Krebse und ge- wisse Fische, Diese TiZre besitzen an ihrer Körperoberfläche Leuchtorgane, deren Hin- tergrund mit einer reflektierenden Schicht ausgekleidet ist, vor welcher der drüsenäbn- liche Leuchtkörper liegt, dessen Licht durch eine vor ihm' liegende Linse konzentriert und nach außen geworfen wird. Die Leucht- orqane dieser Tiere haben einmal den Zweck, daß sich Artgenosten in dreien fast lichtlosen Tiefen zum Zwecke der Begattung leichter erkennen Dafür spricht schon die Tatsache, baß diese Organe bei bestimmten Arten eine ganz bestimmte Anordnung in bezug auf Lage und Lichtfarbe besitzen In anderen Fällen dient das Licht zur Anlockung von Beutetteren, was daraus anzunehmen ist, daß viele. Meeresorganismen durch Licht an- gelockt werden. Tiere, die selbst leuchtende Organismen zur Beute haben, geraden leicht in den Bereich größerer Tiere, wenn bei diesen die Leuchtorgane so ongeordner sind, daß sie als kleine Pünktchen den ganzen Körper bedecken, so daß der größere Räuber wie ein ganzer Schwärm leuchtender kleiner Organismen aussieht. In manchen Föllun sind diese Leuchtorgane so um das Maul des größeren Tieres herum angeordnet, daß die kleineren Tiere in der Annahm«, mitten in einen Schwärm kleinerer Bmtettere zu stoßen, sich direkt in den Rachen des große- ren hineinstürzen. Welch wirkungsvolles Anlockungsmittel eine Lichtquelle ist, beweist die Erfahrung, daß Fische auf ein« elektrische Lampe unter Wasser mit solcher Schnevig- fcit auf dies? losfahren, daß sie sich tm Kövie hlutig stoßen Bei vielen Tintenfischen sind sogar die Fangarme mit Leuchtoroanen be- setzt, sei es, um an dies� kleinere Fische anzulocken sei es, damit der Tintenfisch selbst in der dunklen Tiefe sich in bezug auf die Bewegungen seiner Fanganm an den Signolpünktchen orientieren kann. Das Licht, das diese Tiere ausstrahlen, ist natürlich nicht allzu intcnsio. Immerhin aber genügt es. um in'ben lichtlosen Tiefen des Weltmeeres überhaupt wahrgenommen zu werden Außerdem leuchten diese Tiere Keineswegs dauernd, sondern nur dann. wenn sie mit der Produttton von Lichteneraie einen bestimmten Äw�ck verfolgen. Man sollte annehmen, daß Tiere, die in so licht- armen Regionen leben, entsprechend den Tieren in unterirdischen Höhlen oder Tier.-n, die tn Gängen unter der Erde leben, wie das bei Maulwürfen und den tropischen Bliudwühlen der Fall ist. keine oder ver- kümmerte Augen besitzen. Das trifft für viele Ztachdlxik de, Znholi» verboten! SerantmortL Rebakteur L. Sa l» mnn-Leisen Berlin.(SUc für dl» Zledowon bestimm ten Sendnnqen ftnd»n richten»ach Berlin, Lindenlir.>0 Verlag Hamburger Buchdruckerei und Berlag-aniirlt Auer& To., Hamburg. Druck: Vorwärts vuchdruckerel und Verlag, anftolt Paul Singer b(te, Berlin SB. 68. Mait in 3 Zügen. Weiß: Schwarz: 5MS, SM, cl, SM, fta5, Bauern:«3, dz. c3, Bauern:«2, c5,«5. Italienische Partie. Gespielt im Berliner Ardeiter-Schachllui. Weib:.Schwarz: ?oh. Ka'knbcck. Rlch. Hauptnian». 1.»2— Ol e7—