Nr. 82. Berlin, Mittwoch den 5. Juli R8VS. Socilil-Demokrat. der' l i) f) i fallet die s abli Capi frei komu dem tuirb, liche in d« Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ des Allgemeinen dentschen Arbciter-Vcreins. Redigirt von I. B. v. Hosstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraße Nr. 85. AtzonnementS- Preis sllr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich L Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post« ämtern Sä'/a Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußilchen Deutsch- land I8V« Sgr., im übrigen Deutschland I Thlr.(fl. l. 45. südd., st. I. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, ferner auf dem Centralbureau der Expreß-Eompagnic, Scharrenstr. I, sowi auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Jnsernte(in der Expedition auszugeben) werde» pro dreigespaltcne Petit-Zeile bei Arbeiter-Annonecn mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 8 Sgr. berechnet. neue Thal in ih Thal der r barer Thal der 1 bcdat mehr mit t die t Reil Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: lär. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: Ll. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Kue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. neur Arbei eines und dein! politischer Theil. Berlin, 4. Juli.*) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" weiter aufklärend, haben wir im vorige» Artikel den Charakter der Bourgeoisie-Epoche festgestellt und auf dieser Grundlage die Staaisidee des bür- gerlichen Liberalismus entwickelt; wir haben nun« mehr heute zu untersuchen, worauf das Streben der Arbeiterklasse hinausläuft und welcher Staats- begriff hier hervortritt. Dasjenige, waS Lassalle die„Idee deö vierten Standes" nennt, ist, wie er auch hervorhebt, in Wahrheit nichts anderes, als die Idee der nach höchster Entwickelung strebenden Menschheit überhaupt. Und eben weil sie dies ist und nichts anderes, vielmehr von allen zufälligen historischen Elemen- ten frei ist, eben deshalb können wir sie sofort ans den Grundlagen der Moral und den Grundbegriffen der Vernunft entwickeln. Nämlich: Jeder Mensch sagt"vernünftiger und berechtig- ter Weise: Ich will möglichst glücklich sein auf Erden. Dies ist daö berechtigte egoistische Element. Da dies aber ein jeder sagt, und ein jeder allen Andern zugeben muß, daß diese eS mit der- selben Berechtigung sagen, wie er selbst, so muß der Satz nunmehr lauten: Alle Menschen sollen möglichst glücklich sein auf Erden. Dies ist die Veteinignng des ethischen mit dem berechtigten egoistischen Element. Worin nun bestehen Glück und Zufriedenheit? Glücklich sein heißt: Leiden fern halten, Bedürfnisse haben und diese befriedigen. Zur Herstellung dieser beiden Postulate wirken zusammen ein subjectiver(d. h. ein im Innern des Menschen befindlicher oder wenigstens seiner Person anhängender) und ein objectiver(d. h. außerhalb des Menschen befindlicher) Factor. 1) Die subjective Seite der Sache: Die Menschen kommen mit äusserst verschiedener Körperbeschaffenheit uud ebenso verschiedenen Tem- peraments- und Jtellectualanlagen auf die Welt. Je nachdem diese Anlagen und Eigenschaften geartet sind, befähigen sie den Menschen zu größerem oder geringerem Glück. 2) Die objective Seite der Sache: Sowohl um Leiden fern zu halten, als auch um Bedürfnisse zu befriedigen, muß das Subject mit äußeren Objecten in Beziehung treten. Der Ge- *) Zu Ansang des vorigen Artikels sind in sinn- störender, oder vielmehr gedaukengangstörender Weise zwei Absätze verstellt. Der mit den Worten„Auch wird sich sodann" beginnende Absatz muß nämlich nicht vor, sondern nach dem mit den Worten.„DieBeant- wortung dieser Frage" beginnenden Absatz stehen. brauch und der Genuß dieser äußeren Objecte sind überaus verschiedenartig— irgend welche Beziehung des SubjectS zu irgend welchen Objecten aber ist immer nöthig. Je mehr nun ejner gesellschaftlich in der Lage ist, mit äußeren Objecten beliebig, seineni individu« ellen Begehren nach, zu verfahren, desto glücklicher ist er. Schlußergebniß: Der subjective und der objec- tive Factor in ihrer Vereinigung bestimmen de» Grad des Glückes eines Menschen. Jeder nun dieser beiden Factoren ist nicht nur vor Verschlechterung bewahrbar, sondern auch theil- weiser Vervollkommnung fähig. Es ist nämlich, zunächst den subjectiven Fac- tor betreffend, zwar nicht möglich, einem Menschen günstigere Personal-Eigruschaffen zu geben, als ihm angeboren sind; wohl aber üst es möglich, sein kör- perlickes Wohlsein zn fördern, sowie auch, die vor- handenen intellectuellen Fähigkeiten zu wecken, zu nähren, zu stärken, zu entfalten.»Dies geschieht systematisch durch die Erziehung, ohne System, aber ebenso wirksam durch den beständigen Einfluß einer günstigen Umgebung, sowohl der engeren wie der weiteren. Den objectiven Factor betreffend müßte der Organismus der Gesellschaft so eingerichtet sein, daß einmal alle vernünftiger Weise zu begehrenden Objecte hinreichend vorhanden wären, und zweitens— weil Alle gleichen Anspruch habe» — allen Individuen die Werthobjecte und die werthhabenden Einrichtungen gleichmäßig zugänglich wären. Aus diesen Ausführungen ergiebt sich: daß ein jeder bestimmte Rechte an die Gesellschaft hat. Die Kehrseite diese« Verhältnisses besteht darin: daß ein jeder ihr gegenüber auch Pflichten hat. Jene Rechte sind selbstverständliche, absolute, unveräußerliche— ein Außer- Wirksamkeit-Treten derselben ist nur möglich durch eigene Schuld ver- möge Nichterfüllung der ihnen entsprechenden Pflichten. Man sieht: bei dieser ganzen Entwickelung ist nur die Rede von Menschen und nicht etwa von Arbeitern. Wenn trotzdem im praktischen Kampfe, in dem wir stehen, fortwährend die Rede ist von einer Arbeiterklasse, einer Arbeiterpartei, einer„Idee des ArbeiterstandeS" u. dgl., jo rührt dies lediglich daher, daß lediglich die Arbeitenden als Men- schen schlechthin, ohne daß irgend welches de« sondere, den Keim zukünftiger Sonderstellung oder Bevorzugung in sich tragende Element mit ihnen verbunden wäre, social-politisch in Betracht kom- men. Theoretisch richtiger wäre es allerdings, wenn man statt„Arbeiterpartei" etwa„Mensch- deitSpartei" sagen würde; allein solche theoretische Genauigkeit könnte praktisch von erheblichem Scha- den sein. Denn es kommt zunächst darauf an, daß die Arbeitenden deutlich einschen, daß sie allein das rein menschliche Element in der Gesellschaft bilden und trotzdem von andern Elementen darniederge- halten und verkürzt werden; d. h. daß sie ihre Klassenlage und insbesondere dies erkennen: daß gerade sie als Klasse berufen sind, die neue Ord- nung herzustellen. Darum„Arbeiterpartei"! Fassen wir nunmehr den neuen Gesellschafts- und StaatSbegriff in wenige Worte zusammen! Die Gesellschaft soll sein: das planmäßigeZusammenwirken Aller zur Ermöglichung eines menschenwürdi- gen Daseins für Alle. Der Staat soll sein: die zur fortwährenden Verwirklichung dieses Zwecks erforderliche äußere Or- ganisahon. Und nun, nachdem auch dies feststeht, wollen wir zurückgreifen auf die große Bewegung von 178S und eö wird sich ergeben: einmal: wie diese Bewegung zur Sache der Arbeiterklasse d. h. der Menschheit und der Zukunft sich verhält; und ferner insbesondere— was ja der eigen!- liche Streitpunkt ist—: ob die Arbeiierpartei eine Verkleinerung der Principien von 1789 für zulässig' erachten kanii. Berlin, 4. Juli. Ueber LiberaliS nius und Socialisnius schreibt uns heute, offenbar auf Veranlassung der in diesem Blatte in Betreff der Principien von 1789 geführten Polemik, unser Pariser II-Corre« spondent, Herr M.Heß, dieser altbewährte Kämpfer für die social-demokratische Sache, aus Paris vom 2. Juli in treffender Weise wie folgt: Wie oft hat man schon seit der auf die Revo- lution von 1848 gesolgten Reaktion den Socialis- nius todl gesagt! Wie unverschämt hat nicht, so lange die Reakiion nur einer zabmen liberalen Opposition erlaubte, ihre loyalen Seufzer auszu- stoßen, dieser Liberalismus den Socialisnius ver- leumdet, verhöhnt und sich höchstens zu einer groß- mülhigen Grabrede auf den Todten herabgelassen. Kaum aber fängt die europäische Gesellschasl wieder an, in ihr normales Geleise der Entwickelung ein- zutreten, statt zurück zu laufen, fortzuschrciten: to tritt auch wieder das sociale Problem in den Bor- dergrund und durchdringt die europäilchcn Voller, tiefer und allgemeiner als jemals. Aber kann denn überhaupt eine ernste politische Bewegung, wenn sie auch nur das Banner deS Liberalismus zur Fahne hat, von der socialen Bewegung getrennt werden? Eben so wenig, davon überzeuge man sich doch endlich, als die Letztere von der Erstern. Wenn das Streben nach individueller Freihei ein alles Leben beherrschender Trieb, nicht blc dem Menschen allein eigen ist, so nimmt diejer au- gemeine Lebenstrieb doch nothwendig bei dem Men' schen, der alles, was er vor dem Thier voraus dal, der Gesellschaft, der Geschichte verdankt, einen>o° cialen Charakter an, und zwar einen ganz bePreis im ij werdi beiter beigel ter, f -» eigene - Ja- drucks Arbei halt: sie dii desto beitSe da re: ein V ertrag also ; S als„! sodau: !„t in all geset vorha in Be bendei tioneu anschr imme> güiisU Cultu Es is die E! nenlicl Das � j Dam; | den, ii ' halten dige S schen Si Staat wir: chen( auf höl tag gl< diese Zi die Ret Werth . stimml ! einfachl stimmt stimmten, der historischen Epoche entsprechend, in welchen, er sich geltend macht.. Nichts ist daher falscher, als den Trieb nacb Freiheit, den wirlliiben Libcralisnius, dem SccialiSinus entgegen tu steUcn. Der LMere ist vielmehr die historiicbe Form, in der sich beute das Streben nach Freiheit geltend macht. Der Staat, tie Nation, das Volk bedeutet heute eben nichts Anterchö als die arbeilende Gesellschaft. Das Streben nach Freiheit ist heule das Bestreben der Arbeit, sich von jedem Drucke zu hefrnrn, der tödtlich auf ihr lastet, und was beute an. Schwersten, an, AUge'iiicinsten auf der Arbeit lastet, ist das Kapital. Aber wer sagt denn, daß das Kapital der einzige Feind der Arbeit ist? Es ist eben nur das letzte weltgesdiickt- liche Hindernis; der menschlichen oder socialen Frei- hcit; aber es epistiren neben ihm auch noch andre, von frühern geschichtlichen Epoche» her datirende, die gleichzeitig mit dem letzte» Hinderniß hm- weggeräuml werden müssen, wenn der Arbeiter, d. h. der heutige, der moderne Staatsbürger, seine Freiheit erreichen will. Diese Gleichzeitigkeit muß scharf betont werden. Wenn man sich noch vor Jahrzehnte» darüber täuschen konnte, wenn es noch im Jabre 1848 hier in Frankreich hieß: zuerst die Republik, dann die demokratische, und schließlich die sociale, so macht sich heute weder in Frankreich, noch in England, und hvssen wir anch in Deutschland, kein entschiedener Voiksmann, gleichviel zu welcher Klaffe er gehört, die Illusion, als könnte noch eine gründliche politische Reform im Sinne der Bolkssreiheit ohne eine ebenso gründliche sociale vor sich gehen. Den umgekehrten Verlauf, nämlich die höchste, die sociale Freiheit vor der blos poli- tischen RegierungSrcform und ohne dieselbe errin- gen zu können, daran hat nie ein ehrlicher und in- lelligenter Mensch gedacht, wenn es auch nicht im- mer und bei jeder Gelegenheit ausgesprochen wer- den konnte. Es bereiten sich in diesem Augenblicke hier, wie in England, Ereignisse vor, welche den Beweis liefern werten, daß die politischen und so- cialc» FrciheitSbestrebungcn gleichzeitig wieder an Kraft gewinnen. Wir stehen hier vor den allge- meinen Munieipalwablcu, in England vor den Parlamcntöwahlen, und ich müßte mich sehr täu- schen, wenn nickit diesseits und jenseits des Kanals das Volk bei dieser Gelegenheit zeigen wird, daß es mit dem allgemeinen und direkten Wahlrecht Ernst machen will, daß es hier bei den Munici- palwahlen die ökonomische Frage nicht, wie der Minister des Innern will, von der politischen, und daß eS in England, bei den ParlamcntSwahle», nicht die Letztere von der Erstern trennt. Ich müßte mich sehr irren, sage ich, wenn die Ereignisse dieses Jahres nicht den Beweis lieferte», daß wir an einem großen Wendepunkte in den europäischen Zu- ständen angelangt sind.— Deutfehland. * Berlin, 4. Juli.[Zur schleSwig-hol- steinischen Angelegenheit� geben wir unfern Lesern heute die gestern erwähnte Aufzeichnung des Herrn v. Bismarck, welche sofort nach der Unter- redung angefertigt wurde, im Wortlaute wieder, wozu eS uns gestern an Raum gebrach. Dieselbe lautet: Ick halte gehoffl, den Erbprinzen von Augustenburg in der Stittiinung zu finden, unsere sehr mäßigen Forde- rungen dankbar zu aeeepliren, und kam ihm in dieseiii Sinne entgegen, al« er mich am 1. d. M. Abends gegen 9 Uhr besuchte. Ich sagte, wir wünschten eine Verständigung mit ihm für den Fall, daß wir seine Ansprüche zu allseitiger Auer- kennung zu bringen vermöchten. Unser Hauptinteresse sei da«, deutsche, nicht da« dynastische; möglichst große Abtretungen von Dänemark: daß wir unsere Bemühungen ihm zn widme» bereit wären, unter den Bedingungen, welche die Rücksicht auf da« eigene Volk erheische, vor das wir nach einem blutigen Feldzuge nicht mit teeren Hände» hitttreten könnten. Er fragte, welche« unsere Forderungen seien. Ick bezog mich auf die sechs Punkte in dem Briese an Sc. Majestät den König, indem ich hinziisügte, sie ließen sich vielleicht vereinfachen,„Marine-Etablissemeuts" und „Befestigungen" zusammenziehen in Gestalt eines Sckiss- fabrtslanal» von Eckernsörde«ach Brunsbüttel mit zwei befestigten Endpunkten an beiden Meeren; eine technisch- militärische Frage sei, ob da« befestigte Eckernsörde den kostspieligen Bau noch einer Bundesfestung bei Rendsburg ersetze» könne. Hinzuziisligcu hätte ick nur: l) daß für den Fall die btabficktigte» Etablissemenis al« Bundes-Jnslitutionen nickt rechtzeitig zn Stande zu bringen wären, der Herzog sich bereit erkläre, die bezeichneten Endpunkte de« Kanal? an Preußen zu überlassen, uack Analogie de« Iahdebusens. in welchem Falle wir UNS dann mit den, Bund« über da? Gesamnilsyüein de« Küslensckntze« verständigen Wirde»: ebeisto da? Aunickt?- reckt über den.llanal, nach Analogie einer Staat« Eisen bahn; 2) eine Miluair-Koiivention, eine Marine-Konvention einschließend, so daß die. ZabI der zur preußischen Flotte zu stellende» Mannschaflen von dem tzaudkonlingenl in Abzug käme. Der Erbprinz machte in allen Punkten Schwierig- seiten. Das Anfsicktsrecht über den Kanal sei ihm in seiner Ausdehnung nickt klar. Landabtretungeit an Prensten werde er vor dem Land- tage schwer verantworte» können. Jedcnsalls müßten dieselbe» gering und genau begrenzt nnd vorher annchm. bare Grenze» der Herzogibümer gesichert sein. Al« solche bezeichnet er die Linie der Gjenner Bückt. Ich drückte meine Verwundernng an«, da er doch bereit gewesen sei, Glückstadt mit einem dem Hamburger Landgcbiew entsprechenden Areal abzntreteii. Der Erbprinz bestritt jede Keuntnist eine« solchen Plane«, war erstaunt über eine so große Abtretung: da« hambiiraer Lantgebict betrage mehrere Quadrat-Meilen. Er iniissc auck wissen, ob bei Eckernsörde etwa die Stadl gemeint sein solle, oder ei» unbebauter Fleck; welche« die Größe sei, genau definirt; und die specielle Lage. Etwaige wirtliche Abtretungen schien er sich höchsten« in der Ausdehnung de« Jahdegebiete« zn denken. In Betreff einer Militär-Convention sagte er, die mit Coburg abgeschlossene gehe in manchen Punkten z» weit; es würden daher seinerleits Abänderungen einer gleichartigen Convention gewünscht werde». Er könne überhaupt mit dergleichen Bedingungen nur vor den Landtag treten, wenn er die vollen Herzog- thllmer oder dock wenigstens die Grenze von der Gjenner Bucht ab, nördlich Apenrade, erhalte, sonst nicht. Schnns- liche Bedingungen könne er nickt annehmen. Als solche bezeichnete er: eine südlichere Grenze als die geuaunte; Schulten für Kriegskosten zu übernehme» und dann noch Landabtretungc»; inil einem solchen System lönne er nicht vor den Landtag und vor das Volk treten. In der Disknsfion hob er hervor, wir möchten mehr daraus hiuwitkeii, sein Herz zu gewinnen, als ibn durch feste Abinachungeu zn binden; rann werde er preußische Politik machen.- Ich eutgeguxte, wir hätten geboffr, sein Herz schon gewonnen zu haben. Er sagte, die Hcrzogthümer hätten Preußen nicht ge- rufen; ohne im« würbe der Bund die Befreiung der Herzogthllmer mit mehr Leichtigkeit unter weniger lästigen Bedingnngi» bewirkt haben. Er fragte auch, ob wir über die ibm zu inacheuden Znmnthungen mit Oeslerreich einig wären»ad hob her- vor, daß dies erforderlich sei. Ich veriieinte ErstcreS; init dem Zusätze, daß wir nnter allen Umständen nnsere Forderungen aufrecht hielten und mit Oesterreich darüber einig zu werden glaubten. Gegen zweiseitige, zu unterzeichnende Abmachungen war offenbare Abneigung vorbanden. Er wolle nickt« verspreche», was er nicht halten könne, also keine Zu- sagen machen, deren Genehinignng durch die Stände er nicht versickert sei. Letztere werde von dem Umfang der Herzogthllmer abhängen; bei Integrität derselben werde sich Manche« erreichen lassen, sonst nicht. Ein Vorgefühl der Bereitwilligkeit, sich durch da« Votum der Stände von gemachten Zusagen entbinden z» lassen, war un- verkeiiubar. Schließlich erklärte er einlenkend, er wolle sich die Sache in Dölzig überlegen, und betrachte diese Unter- redung nur als eine zu gegenseitiger Auslläriing über die Auffassung bestimmte. Den Gesammteiiidruck der dreistündigen Unterredung muß ich dahin zusammenfassen, daß der Erbprinz»n« nicht mit dankbaren Gefühlen betrachtet, sondern al« im- willkommene Mahner, zu deren möglichst unvollständiger Befriedigung er bereit ist, den Beistand der Stände nnd auch Oesterreichs in Bewegung zn setzen. Auf meine Andeutung, daß unser Eiser in Forde- rung der Kandidatur de« Prinzen einigermaßen von dem Verhalten Sr. Durcklauckt gegen im« abhänge, erwiderte er mir, daß er in dieser Beziehung keine Be- sorqniß hege, da die Sacke schon zu weil gediehen sei, um noch rückgängig gemacht werden zu lönnen. — Die„Krcuzztg." widerlegt eine Wiener Mit- theilung über die von Herrn v. Halbhuber ver- sagte Genehmigung zu mliltärlickem Einschreiten in folgender bemerkenswerther Weise:„Gewiß ist der österreichische Eiviltomniissariu« von Niemand um seine Genehmigung ersucht worden; denn über die Maßregeln zur Aufrechthaltung der Sicherheit und rer Ruhe im Lande entscheidet das Militär- Oberkommando. Hält dieses ein militärisches Einschreiten für nothwendig, so wird eS Herrn von Halbhuber schwerlich daniber befragen."' — AuS M ii n ch e n wnb heule telegraphirt: Die Kammer der ReichSräthe hat den in der Sitzung der Äbgeordneleu-Kaiiimer vmu 2. v MtS. ein- stliiiinig angenonimeiien Antrag des schlcöwig-hol- stein ischen Ausschusses(«ine bnn des mäßige Losung der Frage verlangend) in gestriger Sitzung gleichfalls mit Einstimmigkeit angenomme». Im Laufe der Debatte erklärte der Minister des Aeußern, Freiherr v. d. Pfordren: Für nn« fragt es sich, wenn de:» Herzoglhum Holstein fein Buntesrecht nicht gewahrt wird, ob eS sich dann mit der Ehre und Würde Bayerns vereinbart, in Zukunft seiner- seils an seine bundesmäßigen Pflichten sich gebunden zu erachten. — Den„Altonaer Nachrichten" zufolge bat— wie telegraphisch hierher berichtet wird der Polizeimeister, Senator Bogel, die BerstandSniil- gliedcr der verschiedenen hiesigen Vereine auf daS Polizeiaint beschieden, Ivo ihnen unter Ausnahiiie eine« Protokolls unterlagt wurde, znin 6. Juli, dem Geburtstage des Erbprinzen von Ilnguftenbnrg, öffentliche Auszüge mit Musik zu veranstalten. Der Polizeinietster erklärt dieses Verbot für eine aus nahe liegenden Gründen gebotene Vorsichtsmaß- reget. * Wie», 2. Juli. fZur KrisiSj schreibt die „N. Fr. Pr.": „So biliit durcheinander auch noch die Gerückte über die Personalveränderunge» in unserem Ministerium schwirre», so viel auch noch bi« zur wirklichen ConstiNiining de« iieiien Ministerium« fehlen mag: der Grundgedanke der sich eben vollzlehenveii politsschen Metamorphose wir» doch schon sür ein politisch geübte« Äuge erkennbar. Schwenkung vom F e b r n a r- P a l e n t zurück z»»r Oitober-Diplom— da? ist die Formel der»eneste» Acta. Nur meine mau nicht, daß diese Wandlung etwa brutal in die Erscheinung treten wird,"——— Der„Botschafter," das bisherige Organ Schmer- lingS, ist mit dem Ministerwechsel sehr unzufrieden. Er betrachtet gleichfalls die Februarversafsnng und die Reichseinheil als nahezu aufgegeben und fährt fort: „Da« fleißige, erwerbsame, bescheidene aber doch sehr steuerkräftige Bürgertynin der deutsch. slaviichen Länder bat wohl den gleichen Anspruch, wie der Adel Ungarns. Wir waren dem Ausgleich von jeher enlschieden zugeneigt, aber nur dann, wenn er sich aus dem von der Reichsverfassung vorgczeichneien Wege vollzieht. So wie sich Ungarn zn Ende des Jahres I8l>9 rasch klar geworden über daS, worauf es sich stützen soll, so müssen auch alle VersassungSsreiinde sich rasch m der iicne» Situation zureckt finden. Erklären wir uns einmülhig, unbeirrt durch Fragen zweiten Range«, welche un« leider zuletzt trennten, für die Rechtscontinuitat der Februar-Versas- fnnfl, und wir haben in ihr das Mittel, den parlamen- tarische» Reichseinheilsgedankeu ungesährdet einer lebensvollen Zukunft zu überantworten." — 4. Junl. Wie der„Wanderer" erfahrl, ist Graf Belcredi definitiv zum StaatSminister an Schmerling'g Stelle ernannt. Mit der Leitung des FinanziiiinisteriuniS soll provisorisch der Unterstaats- sekretair Holzgelhan betraut werden. Zum Justiz- minister ist der Handelsgerichts-Präsident Raule designirt und die Ernennung des Präsidenten des Herrenhauses, Fürsten AuerSpcrg, zmii Ministerpräsidenten wahrscheinlich. Die Ailfrechthaltung einer„gemäßigten Real- Union" mit Ungarn soll, wie der„Wanderer" ver- nimmt, die Basis des politischen Systems des neuen Kabinets bilden. Der engere Reicksrath soll einberufen werden, sobald der weitere Reichsrath seine Aufgabe beendigt haben wird. Es fei Thalsache, daß die weitere Reducirung des Kriegsbudgets be- reits beschlossen sei. ÜLieSbtideti, den 3. Juli.[Wahlen.] Bei den stattgehabten Urwa hlen für das Abgeordneten- Haus haben die Candidaten der Fortschritts- Partei den Sieg errungen. Ausland. * Paris, 2. Jul.[Die Pariser Anleihe. Arbeiter-Angelegenheiten.] Ungeachtet der Anstrengungen, welche gemacht wurden, um die Kammer zu bestimmen, der Regierung endlich ein