Nr. 87. Berlin, Dienstag den 1l. Juli I8«S. Social-Demokrat. Organ des Allgemeinen deutschen Arbciter-Bercins. R.da°«°�,.nd Exp-di.»«- . der So».»»nd Festläge� Rediqirt von I. B. V. HMetten und I. V. v. Tchwkihkr. Dr-sdnelstt-ße Nr. 85. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierleljährliib 18 Sgr., mo- Bestellungen werden answörts nallich 6 sqr., einzelne Rummern 1 Sgr.; bei den Königl. prenstilibe» Post- von jedem soliden Spediteur, Ämtern 22Va Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtprenßischen Deutsch- auch unentgelilich von jedem land 18� Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. 1, 45. slldd., fl. I. 50. Lsterr. Währ.) pro Quartal. auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. l, sowie „rothen Dicnstmann" entgegen genommen. Inserate marck ans die Gefahren aufmerksam zu machen, welche in der Aufforderung Preußens an die Zollvereins- Staaten, mit dem„Königreiche" Italien enien Hau- delsvertrag abzuschließen, für die sreundschafllichen Be- Ziehungen zwischen Wien und Berlin enthalten seien. Da Oesterreich die commercielle Frage von der politi- scheu nicht trennen könne, so müsse es in dem Schritte � Berlin, 10. Juli. �Zlir schleSwig-hol steinischen Angelegenhelt.� Heber die Unter Handlungen zwischen dem wiener Cabinete und Pretchens eine Demonstration gegen sich erblicken. Zu Preußen in der Elb-Herzogthiimer-Fraae während gleich wurde versichert, daß Oesterreich allen seinen Ein- des Monates Juni, so wie über deren neueste erst l1"6 bei Mittelstaaten-»wenden werde, um die An- gus.'Ä�'" L"!!'"?-rr'S' SÄStläS ä sssa ffiMibung gehen der...sioln. Ztg. anS guter Quelle aufgenommen worden. Herr v. Bismarck lehnte nachstehende Mlttheilungen zu: Insinuation einer Demonstration ab und beschränkte Rachdein mehrmalige vertrauliche Schritte des Herrn sich darauf, die volkswirihschaftliche Rothwendigkeit eines v. Bismarck in der Absicht, das Wiener Eabinct zur ge- derartige» Vorschlages an die ZollvereinS-Staaten zu be> meinschaftlichen Aufforderung des Herzogs Friedrich, die zonen, welcher durch politische Rücksichten, die allerdings H-rzoglhümer zu Verlaffen, zu bewegen, ersolglvs geblie- für Oesterreich, nicht aber für Preußen von Werth sein den waren, ist ein förmlicher Antrag in dieser Angelegen- mögen, nicht ausgeschoben werden könnten he» in einer Depesche, welche Mille Juni in Wie» über- Zv standen die Unterhandlungen in dem Augenblicke, geben wurde, von Preußen gestellt worden. Zur Begrün- als der bedeutsame Ministerwechsel in Wien Stall fand. dnng wurde zunächst ein umsassendes Bild augnstenbnr- Die Spannung, mit der man in Berlin der weiteren gischer Umtriebe in den Herzogthümern gegeben und dann Entwicklung der KrisiS in Wien wegen ihrer nothwen- weiter ausgeführt, daß die sogenannte herzogliche Regie- idigen Rückwirkung auf die schleswig-holsteinische Frage rung zu Kiel die öffentliche Meinung der Schleswig Hol- entgegensah, soll, zuverlässigen Nachrichten znsolze, einen steiner förmlich zu terrvrisiren suche, daß sie namentlich für Preußen günstigen Ausgang zenvinmen haben. Wenn die Beamten demvralisire, indem sie dieselben für ihre wir recht unterrichtet sind/ wäre in den letzten Tagen Agitation benutze, daß der Ausenthalt de« Erbprinzen im' eine Eröffnung auf Befehl des Kaisers an Preußen er- Vande den zukünftigen Wahlen, refp. Berathungen der gangen, welche, abgesehen von allen inneren österreichischen Stände die erforderliche Freiheil benehme, und schließlich, Fragen, die neueste Wendung der Politik Franz Josephs daß er den Rechten anderer, vielleicht besser berechtigter«ls eine der preußischeu Allianz freundliche bezeichnet Prätendenten offenbar Eintrag thue.------------------ Diese Forderung des preußischen Cabinete« beant- wortete Gras Mensdorff ablehnend, indem er die Stich- baltigkeit der Motive in der preußischen Depesche nicht anzuerkennen verniochte. Er hob namentlich hervor, daß man dem Erbprinzen, so lauge er als Privatmann auf Maqdeburg, 7. Juli. �Jm P r o c e ff wegen Arbeitseinstellung in Bürgel wird aili 19. d. M. daselbst öffentlicher Termin sein. Angeklagt sind 277 Arbeiter auö§ 182 der Allg. Gewerbe» ordnung vom 17. Januar 1845 und als Theilneh- mer an dein Vergehen der Coaliiion die Herren Stadtrath Ed. Fordeiiiann aus Burg und Kauf- mann Dr. Hirsch von hier, diese beiden, weil sie Unterstützungen an die feiernden Arbeiter vermittelt haben. Wie verlautet, wird auch gegen die Fabrik« | Herren aus§. 181 der Gewerbeordnung eine An- klage wegen Eoalition erhoben werden; dieser Pa- ragraph bemifft die Strafhöhe ebenso wie der§. 182 auf Gefängniff bis zu einem Jahr. Es ist also ein Monstreproceff in zwei Abiheilungen zu erwar- len, und zwar auf Grund eines Gesetzes, daS auS einer selbst im preuffifchen Sraatsbewufftsein über» wundenen Richtung stammt.(M. Pr.) Stuttgart. 8. Juli. fEhegcsetz.s In der heutigen Sitzung der Abgevrneleiikanitner wurde der Gesetzentwurf, betreffend die Aufhebung aller seit- hörigen Beschränkungen der Eheschlieffung, mit 55 gegen 27 Stimmen angenommen, Der Minister Freiherr v. Barnbiiler sprach und stimmte für An- »ahme des Gesetzes. Haderslebcn, 7. Juli. sE I w a s Auffälliges. f Das OrtSblatt meldet aus Altona in einem vom gestrigen Tage datirlen Telegramm, daff Mor- gens um b'l3 Uhr die österreichlsche Militär- musik dem Herzog von Augststenburg in Nienstedten ein Geburtstagsständche» gebracht habe. und namentlich eine baldige Verständigung in der schles wig-bolsteinischcn Frage in Aussicht stellt. Die bereits angekündigte Reduktion der österreichischen Armee dürfte in demielben Sinne gedeutet werden. * Wien, 9. Juli. sZur KrisiSf verlautet ..-»•.t r.-... nichts Neues von Bedeutung. Die bezeichnende trete, den Auienthalt in Kiel nicht verbieten könne, und daß sein Einfluß aus die öffentliche Stimmung in de» I � m» � ändern der Herzogthümern genugsam durch Preußen, das ja dort Nivnarchie die einzelnen Tevolkerungs- und Partei- feine Armee und Verwaltung habe, aufgewogen werde. clemente mit besonderen Hoffnungen und Ansprüchen Die Ablehnung des Grafen Mensdorff hatte eine zweite, hervortreten, dauert fort. Der„BreSl. Ztg." wirb mehr entschiedene Rote des Berliner Cabineiies zur Folge, unterm 7. d. M. von hier geschrieben: in welcher der preußische Minister des Auswärtigen, nn-..bkeze bukott a nernet"—"der Deutsche hat Schläge ter Wiederholung der ersten Argumente, dem Wiener Ca- bekommen— das war der Jubclrus, mit dein bei dem binete gerade heraus erklärt, daß er die Entfernung des Bekanntwerden des Ministerwechsels die stockmagyarische Herzog« Friedrich für die Zeil der Wahlen und Ver- Volksmenge durch die Straßen KlansenburgS in Sieben- bandlungen der schleswig-holsteinischen Stände als von- bürgen, jubelnd und schreiend, stürzte. Sie sehen, der ditio sino qua non(unerläßliche Vorbedingung) der einfache Instinkt leitete diesen reinen Raturkinder sofort Einberufung des Landtage» betrachte und daß er mit zu einer correcten Auffassung der KrisiS. Vergleiche ich aller Entschiedenheit den Agitationen der augnstenbnrgi- iyr richtiges Urlbeil mit dem höchst überflüssigen Kops- schen Partei entgegentreten und Preußens Rechte wahren zerbrechen mancher wiener Blätter, so kann ich nur mit werde. Dieser zweiten Rote gegenüber beeilte sich Graf Schiller rufen:„Was kein Verstand der Verständigen Mensdorff, zu erklären, daß das Wiener Cabinet nim fleht, das übet in Einfalt ein kindlich Keiullth!" Der mermehr seine Hand zur Ausweisung de« Erbprinzen Deutsche hat Schläge bekommen— und mit ihm die bieten werde;� was aber die conditio sine qua non an- einzige Rationalität im weiten Reiche, wo der Liberalismus belange, so läge Oesterreich nichts daran, ob die Stände im oeeidentalen Sinne de« Wortes und daher ernste Ge- einberufen würden oder nicht; der Vorschlag dazu sei- fahr für Aristokratie und Clerisei zu besürchlen ist. Des- bekanntlich von Preußen ausgegangen und erst in Folge halb, und mit vollem Rechte, große Befriedigung im längerer Unterhandlungen von Oesterreich aeeeptirt wor- Lager der verkannten Rationalitäten, so wie der Magnaten den. Letzteres werde sich daher in diesem Falle auf sein und Prälaten, die an dessen Spitze stehen. Ausland. II. Paris, 7. Juli. sEnthü llunge» über Algerien. Brüsseler Arb eitercongreff. Bör- senschreckcn,� Die kaiserliche Broschüre überAlgier: „Die Politik Frankreichs in Algerien" scheint nnl der corsischen Rede deS Prinzen Napoleon an rllcksichts- loser Enthüllung der vorhandenen politischen und socialen Schäden zu wetteifern. Nur sollten die kaiserlichen Enthüllungen nicht, wie jene deS Prio» zcn, den profanen Augen der Menge, sondern den eingeweihten allein ausgesetzt werden, und Girardin, ter nicht umhin konnte, einiges davon auszuptau- tern, bezog dafür einen Rüffel in der Fori» eines Communiqns— ein Seitenstück zu jenem andern Rüffel, de» der theure Vetter in der Form eines öffentlichen Briefes bezog, weil er aus der schule schwatzte. Sie finden den von Girardin veroffent- lichten Auszug aus der kaiserlichen Broschüre«n der„Presse" vom 5. Juli. Zur Ergänzung, zum Berständniß und zur Illustration der kaiseiltche Broschüre ist Folgendes zu bemerken. Wahreno deS jüngsten AufstandeS in Algerien ist hier im Algier eine sehr bemerkenSwerlhe Schrift erjafte unter dem Titel-„Möglichkeit und Dringlichtcir des Civilregimes in Algerien," oder wie er in der Ursprache lautet:„L,ö regime civil P" a tence et possibilit' nnnlicaUiLU-LUUliyil««* Diese Schrift hat dem Kaiser vor seiner Reise nach Algerien die nölhigen Winke gegeben, um den von den Militärbehörden verdeckten Schäden auf die | Spur zu kommen. Als er nun in Algerien seine RundrcZe machte, stieß er auf»lerk�iirdige, un- glaubliche Din�AZch will nur Ädes' hier htfp�r- heben. Gje bähen ohne Zweifel gairteund erinnern sich nodv daß während der algenschstt Rase von einem Duell zwilchen zwei ftanzöMchln Generalen die. RedMvar. Die Ursache war folgende. Ueberall wurde der Kaiser von der Bevölkerung, wie sich das von selbst versteht, mit dem Rufe vivo IVmpereur empfangen. Aber auch überall folgte diesem Bivat regelmäßig ein Pereat auf diese oder jene Militär- behörde in der Form eines a bas un tel nach, so daß der Kaiser selbst sich zu der Bemerkung ver- anlaßt sah, man scheine sich nur mit Bivats zu ihm hinzudrängen, um dem Unwillen gegen die Militärverwaltung Lust zu machen. �Er ließ daher einen jener Franzosen, die an der Spitze der De- monstrationen standen, zu sich bescheiden, um sich direct aus dem Munde der Unzufriedenen Ausschluß zu verschaffen. Dieser wurde ihm denn auck in vollem Maahe ertheilt. Man bewies ihm unter Anderm, daß der jüngste Ausstand geradezu von der Militärbehörde xrovozirl worden sei, um ihre ! von allen Seiten angegriffene Stellung wieder durch Heldenihaten zu befestigen, und berief sich dabei auf das Zeugniß eines Generals, der alles, was ihm mitgetheilt worden, bestätigen werde. Der Kaiser ließ nun denselben, den General Legrand, zu sich kommen, welcher wirklich die Aussagen des lSioi- listen als wahrheitsgetreu constatirte. In Folge deffen wurde er von einem andern Generale, von de L..., herausgefordert.— Man wird eS unter so bewandten Umständen natürlich finden, daß der Kaiser selbst darauf hält, seine Regierung vom wahren Stande der Sache in Algerien in Kenntniß zu setzen. Die erste Maaßregel zur Berbefferung der Lage der afrikanischen Colonie, die Schöpfung einer Finanzcompagnie, ist jedoch weit davon entfernt, ohne Opposition von einflußreicher Seite angenom- men zu werde». Es circulirt in der hiesigen Finanz- weit eine Kritik dieser Schöpfung, ans welcher ich folgende Hauptpunkte hervorhebe: 1) die Operationen der Compagnie sind von langer Dauer und bedllr- fen, um productiv zu werden, bedeutender Kapitalien; nun kommt der Staat und verlangt gerade da, wo die Compagnie Geld bedarf, um Kanal- und Minen- '' arbeiten rc. in's Werk zu setzen, von ihr eine Summe von hundert Millionen. 2) Der Staat gehl über- Haupt darauf aus, sich zur Deckung des Desicits in seinem Budget des Geldes der großen Finanz- compagniecn zu bemächtigen. So ist die Bank. deren Kapital im Ganzen kaum 215 Millionen beträgt, schon für mehr als 230 Millionen Slaatsgläubiger. 3) Im Intereffe der Colonie hätte der Staat bester gelhan, direkt eine Anleihe von hundert Millionen zu machen für öffentliche Arbeiten il� Algerien, statt indirekt mittelst seiner Garantie; dann hätte er de» Colo niste» direkt 100,000 Hektaren Landes zu 1 Franken Renten während 50 Jahre verkaufen können, wodurch ihnen der Hektar auf 17 Franken 57 Centimes zu stehen kam. Da der Hektar jetzt : 150 Franken durchschnittlich kostet, so fließt der i ungeheure Bvrtheil dieser Differenz in die Hände ! der Finanzcompagnie, stall in diejenigen der Colo- l nisten.„Algier," so schließt die Kritik,„wird jetzt das Lehngut einer Finanzcompagnie." Bon wem geht aber diese Kritik aus? Das ist vielleicht das Merkwürdigste an derselben. Man sollte meinen, sie wäre das Werk von den Gegnern der großen Finanzcompagniecn. Man sagt sich aber, daß die anonymen Berfaster dieses Flugblattes keine andern, i als die Herren Pereire sind, welche den ProtegvS der Minister Fould und Rouher aus Concurrenz- | weib Opposition machen.— Die„Preste" vom � heutigen Datum veröffentlicht einen Brief der Herren Fribourg und Ch. Limousie an die Mitglieder der internationale» Arbeiterassociation, aus welchen! wir die folgenden wichtigsten Punkte entnehmen: Der Congrcß bezweckt, die Arbeiter der verschiedenen j europäischen Länder zu gemeinsamer Thätigkcii zu vereinigen, um den Zweck der internationalen Asso- ciation zu erreichen, nämlich Abschaffung des Proletariats, der Sklaverei unter jeglicher Gestalt. Die Astociation ruft alle Männer der Zukunft an: Socialisten, Communisten, Phalansterianer, Posi- twisten(Anhänger von August Comle) und Demo- kralen. Folgende Fragen werden auf dem Congrö verhandelt: 1. Was muß der Zweck der interna- tiqMlen Astociation sein? Welche praktische Mittel kau» sie anwenden? 2. Die Arbeit, ihre Folgen in gesundheitlicher und moralischer Hinsicht; oie Ber- bindlichkeit eines Jeden zu arbeiten. 3. Die Arbeit der Frauen und Kinder in den Fabriken in Anfe- hnng der Gesundheit und der Moral. 4. lieber Arbeitslosigkeit(Chomage) uud die Mittel zu deren Abhülfe. 5. lieber die ArbeitSeinsiellungen und ihre Folgen.(5. lieber Associationen; ihr Prinzip, dessen Anwendung. 7. Der elementare Nnb pro- fessionelle Unterricht. 8. Das Berhältniß von Ka- pital und Arbeit. 9. Ausländische Concnrren;, Handelsverträge. 10. Stehende Heere vom Ge- sichtspunkte der Produktion betrachtet. 11. Ist die Moral von der Religion unterschieden?— Jedes Mitglied der Atzocialion wird aufgefordert, diese. Fragen zn studiren, damit Jeder mit einer klaren Idee über dieselben, oder einige derselben, den Eon- gieß besuche, damit besonders Niemand vergesse, daß die Association, weil sie weder eine lokale, noch eine nationale, sondern eine internationale ist, die Arbeiterfrage nicht von einem particularistischcn Standpunkte aus zu behandeln habe. Schließlich werden die Mitglieder, welche noch Fragen vorzu- schlagen haben, aufgefordert, sie versiegelt an den Herrn Fribourg, ruo des Gravilliers Nr. 44 einzusenden.— Die j.Patrie" zeigtiheute Abend an, daß von der Eingangs genannten kaiserlichen Schrift über Algerien eine zweite veränderte Ausgabe er- schienen sei, die jedoch ebenfalls nicht für das große Publikum bestimmt zu sein scheint.— Die Börse zeigte heute eine starke Neigung zur Baisse, die fast in eine Panique auslief, ohne daß man sich über die Ursachen derselben Rechenschaft zu geben wußte. * Paris, 8. Juli. fTagcsbericht.j Die gestrige„Patrie" erklärt, daß man die Leröffcnt- lichuug der kaiserlichen Broschüre über Algerien nicht gestattet habe, weil dieses Dokument, so zu sagen, nur eine Studie und ein Berwaltungspro- gramm sei, da es eine Reihe von Maßregeln ent- halte, die Veränderungen unterworfen werden könn- ten. Uebrigens sei schon eine zweite Ausgabe dieser Broschüre mit Abänderungen erschienen.— Bc- kanntlich ist allen Journalen verboten worden, den Brief Henri's V. an die Arbeiter zu veröffentlichen. Die„Presse" gab denselben aber doch und ent- schuldigt sich heute dadurch, daß sie sagt, das be- treffende Verbot sei ihr nicht zugekommen.— Abd-el-Kader hat die Ehre, auf Tritt und Schritt von den französichen Telegrammen begleitet zu werden. So wird aus Lyon telegraphirt, daß der Emir die Nacht vom Sonnabend auf den Sonn- tag daselbst geschlafen habe und am Sonntag, um K Uhr Abends, in Paris eintreffen werde. Abd- el-Kader hat ein Gefolge von zehn Personen, seine Weiber mitgerechnet. In Stambul kaufte er sich eine Circassierien, die er geheirathet hat und in die er sehr verliebt ist. Diese Dame wird nicht er- mangeln, in Paris Aufsehen zu machen. Der Snl- tan gab dem Emir das große Band des neuen Osmanie-Ordens auf den Weg. Das große Band der Ehrenlegion hat der Emir in Folge seiner noblen Metzeleien von Damaskus erhalten.— Auch in Frankreich werden jetzt Beiträge zur Unterstützung des in der Wissenschaft hochberühmten Lieutenants Manry gesammelt, der in Folge des amerikanischen Bürgerkrieges seine sämmtliche Habe eingebüßt hat und nun als Greis viittellos in England weilt.— Die bevorstehenden Gemeindewahlen geben dem Berichte Boudet's über die Lage der Gemeinden im Jahre 1862, welchen der Moniteur heute veröffent- licht, ein ganz besonderes Interesse. Die Bevöl- kerling hatte sich seit 1836 von 33,540,910 auf 37.382,225 Einwohner verniehri. Die indirekten Einkünfte sind von 616,996,000 auf 1,197,058,000 gestiegen. Die gewöhnlichen Einnahmen, der Fünf- centimes- Aufschlag, die Erträgnisse der Accise, Marktrechle u. s. w. betrugen im Jahre 1836 nur � 100,848,990 und 1861 bereits 291,899,431 Fr. Die außerordentlichen Einnahmen machten einen Sprung von 24,461,073 ans 149,517,559. Natür- lich haben die Ausgaben mehr als gleichen Schritt' mit den Einnahmen gehalten. 1836 wurden für � die Verwaltung, für die Unterhaltung der liegen- den Güter der �Gemeinden, für die Bezahlung der Pvlizei-ConzMssare, den Unterricht, die öffentliche Unterstützung, den Cultus 83,830,926 Fr. auAge- geticn, jin Jahre 1862 dagegen 256,954,948. Die außerordentlichen Aufgaben sind von 33,962,204 auf 193.283,419 gestiegen.—-sDie Slrikes im Ardöche-Departeinenl hallen Unruhen zur Folge. In Anncnay hat ans Anlaß der Arbeitseinstellung einer der Arbeiter seinen Arbeitsherrn umgebracht, testen Tochter schwer verletzt und sich hierauf selbst den Tod gegeben. * Florenz, 6. Juli. sFreidenker. Spa- nien. Cholera. Militärisches. Veröffent- lichungenJ Die Sckte der Freidenker(liberi pensatori), welche zuerst in Mailand auftrat und jegliche positive Religion ausschließt, sucht sich auch in Turin auszubreiten, und zwar in größeren Ver- hälinissen, als anderswo. Bereits wurden bei der Municipalilät Schritte gethan, um ein Stück Land von derselben zu erhalten, worauf alle diejenigen ohne Unterschied deö Cullns.und ohne jegliche Lcichenfeierlichkeit beerdigt werden sollen, die als wahre Freidenker gestorben sind.— Der spanische Geschäftsträger in Tmin hat sich auf Befehl feiner Regiernng nach Florenz begeben, wo er die offi- cielle Anerkennung des Königreichs Italien ab- wartet. Einstweilen hat er sich mit dem Cabinet von Florenz in vertrauliche Beziehungen gesetzt.—*) Da auf der Insel Malta Choleraanfälle vorge- kommen sind, so hat die italienische Regierung ver- fügt, daß die von dort eintreffenden Schiffe eben so wie die von Smyrna kommenden einer Qua- ranläne unterworfen werden. Die Italic erfährt durch ein ihr unterm 3. Juli von Alexandria in Aegypten zugehendes Telegramm, daß die Sterb- lichkeit in Kairo an diesem Tage 800 uud in Alcxan- dria 228 Menschen betrug. Es sind vorzüglich die während der Hitze besonders duinpfen und stinken- den Quartiere, in denen die Cholera wüthct, während wohlgelüftete, reinlich gehaltene Häuser ver- schont bleibe».— Man spricht beule viel von einer Art militairischen Slrikes. Die Offiziere des 1. Garde-RegimeutS sollen alle oder doch die große Mehrzahl derselben, ihre Entlassung eingereicht haben, weil, wie sie vorgeben, sie sich über das Be- tragen der Rkilitairbehörde gegen sie ober gegen ihr Regiment zu beklagen haben. Der Fall macht Aufsehen.— Der Bericht des Justiz-Ministcrs über den neuen Civii-Codex, der mir dem 1 Juni 1866 in Wirksamkeit tritt und einen großen Fort- schritt gegen die frühere Gesetzgebung darstellt(er führt z. B. die Civilehe ein), ist veröffentlicht worden. — 8. Juli. Die.,GazettH uffiziale" veröffentlicht den Bericht des Vorsitzenden deö Ministe- riums an den König über den Gang der VerHand- lungen mit Rom. Der Bericht sagt, daß die ver- söhnlichen Vorschläge des italienische» Gouverne- ments bezüglich des Eides der Bischöfe und der Exequatur zurückgewiesen worden seien. Die Un- terhandlunge» hätten daher abgebrochen werden müssen; das Gouvernement werde in die Rückkehr der abwesenden Bischöfe willigen nnd nur diejenigen ausnehmen, durch deren Rückkehr die öffentliche Ruhe gefährdet werden könnte. Petersburg, 9. Juli,(Verkehrserleichte- rnng.j Durch kaiserliches Dekret sind Behufs Er- leichternng deS Verkehrs für viele Handelsartikel die Einfuhrzölle über die europäischen Grenzen theils abgeschafft, theils herabgesetzt, für andere aus den transkaukasischen Häfen kommende die Ge- bühren ermäßigt, sowie der Ausfuhrzoll von einem Prozent und die Quarantainegebühren an der asia- tischen Grenze abgeschafft worden. Athen, 1. Juli. sParlamentarisches. Fi- nanzielles.� Die Majorität der Kammer scheint der Zkegierung gesichert. Eine Anleihe von 10 Mil- lionen Drachmen ist unvermeidlich. New-Aork, 23. Juni.(Die Neger. Die Armee.) General Buller hielt bei Gelegenheit eines Bankettes in Lowell eine Rede, in welcher *) Nachrichten aus Spanien zufolge droht dort die Geistlichkeil wegen der Anerkennung Italiens mit einem Aufstande.