Rr.»a. Berlin, Sonntag den 16. Juli 1863. SolialGemokrat Di-se 2�,,«.,�»-.....zglich Organ des Allgemeinen deutschen Arveiter-Vcreins. R-däcti�und.Exp-d-ti-n- der Sonn- und F-stt-ge. Redigirt von I. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Dresdnerstratze Nr. 85. Abonnements- Preis sitr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., nio- nallich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Postämtern 221/2 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- lond 183/4 agr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. I. 45. slldd., fl. I. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem solide» Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder: blr. Lenüer, 8. Lättlo New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: Gl. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Eue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Arts Bestellungen auf das 3. Quartal werden bei allen Postämtern noch fortwährend an- genominen.__ Die sociale /rage. XIII. Zwei Einwendungen sind es, welche sich aus den gegen das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht geltend gemachten Erwägun- gen vorzugsweise hervorheben: Zunächst sagt man, dieses Stimmrecht könne, selbst in richtiger und ehrlicher Handhabung, bei dem thatsächlich vorhandenen Bildungsgrad des Belkes, besonders der Landbevölkerung, zu einer Stärkung der reactionären statt der vorwärts strebenden Elemente führen. Hierauf ist zweierlei zu erwidern: Einmal, daß es in dieser Beziehung aus die Probe ankäme, daß aber jedenfalls, wenn jene Behauptung richtig sein sollte, das Volk nicht mehr solchen, die es niederhalten, sondern nur sich selbst bei schlechten Wahlen einen Vorwurf zu machen hätte; zweitens aber und hauptsächlich: daß es vor- erst weniger darauf ankommt, Majoritäten in die Kammern zu schicken, als vielmehr, überhaupt nur irgend eine wirklich volksthüm- liche Vertretung in denselben herstellen zu können. Unter den jetzigen Verhältnissen nämlich ist es in Deutschland nahezu unmöglich, daß ein Mann, der auf dem Boden des ganzen und vollen Volks- rechts steht, in die Kammern gelange; unmög- lich daher für die VolkSstimme, innerhalb aner- kannter und mit formeller Autorität auSgestatte- ter Staatskörperschaflen überhaupt zu Worte zu kommen. Wir haben viel, sehr viel gewonnen, wenn in den Kammern auch nur eine kleine Schaar Auserlesener, eine der Zahl nach nicht bedeutende Opposition im Sinne der wahren Volkssache vorhanden ist. Denn hinter einer solchen Opposition ständen nicht nur die Masse», so weit sie sich überhaupt um ihre Angelegen- heilen kümmern, sondern auch die moralische Wucht einer in den Verhältnissen begründeten guten Sache. Mit Einem Wort: Eine Vertretung der Arbeiterpartei in den Kammern, ob auch an Zahl vielleicht vorerst nur schwach, würde an poli- tischer Bedeutung von großem Gewichte sein. Der zweite Einwand, den man hauptsächlich gegen das allgemeine, gleiche und direkte Stimm- recht erhebt, besteht in der Hinweisung auf nahe liegende Mißbräuche, insbesondere in der Acuße- rung der Befürchtung, dieses Stimmrecht werde, wenn abgerissen und ohne die entspre- che n den sonstigen Staatseinrichtungen ertheilt, statt ein Hebel für die Volkssache zu sein, durch perfide Handhabung vielmehr gerade ein bequemes Mittel in der Hand ver Macht- haber zur Unterdrückung aller Volksfreiheit und aller ftortentwickelung werden. Dieser Einwand, dessen Inhalt vollständig richtig, ist in Wirklichkeit gar kein Einwand. Denn die Arbeiterpartei hat niemals gefor- dert und kann niemals fordern das allgemeine Stimmrecht in dem Sinne, welcher bei obigem Einwände unterstellt ist; das allgemeine Stimm- recht hat seinen wirklichen Werth nur dann, wenn es der consequente Ausbau der sämmt- lichen, im Begriff eines freien Staates liegenden Rechte ist; ein allgemeines Stimmrecht ohne volles Vereinsrecht, volle Preßfrciheit u. s. w. wäre nur das elende Danaergeschenk einer unter volksthümlichem Deckmantel verborgenen Volks- �.feindlichen Despoten- und Willkürherrschaft. Allerdings würde hierbei die Frage entstehen, ob nicht, wenn das allgemeine Stimmrecht nur unter solchen Umständen, d. h. ohne die ent- � sprechenden sonstigen Einrichtungen zu haben wäre, die Einführung desselben doch nicht immernoch Angesichts der bestehenden Wahlgesetz� als ein vcrgleichungsweiser Fortschritt, als 'ein geringeres Uebel zu begrüßen wäre? Für das Ja wie für das Rein auf diese Frage lassen sich Gründe geltend machen; für vas Ja vorzugsweise: daß in solchem Stimm- recht doch immer bei besonderer Beharrlichkeit der Massen, eine wichtige Handhabe gewonnen wäre; für das Nein besonders: daß es für die Entwicklung der Volkssache schlimmer sein kann, wenn die Massen im Besitz eines Rechtes zu sein glauben, von dem größtentheilS nur der Schein vorhanden, als wenn das Volk klar und deutlich sieht, daß ihm ein wichtiges Recht geradezu vorenthalten ist. Wir glauben auch wirklich, daß innerhalb unserer Partei die Meinungen über dieses Ja oder Nein getheilt sind. Darin aber— und dies ist hier die Hauptsache— sind wir jeden- falls alle einig: daß wenn irgendwo das allge- meine Stimmrecht von einer Regierung gegeben würde, ohne daß zugleich die entsprechenden sonstigen Volksreckite sicher gestellt wären: der erste, ja-alleinige Gebrauch jenes Stimmrechts zunächst auf Erringung und �Sicher stell» n g jener andern Rechte ge- richtet werden müßte. Denn die Freiheit— die Freiheit brauchen mir vor Allem. politischer Theii. Deutschland. * Berlin, 15. Juni.[Zum inneren Con- flict.] Die Beschwerdeschrift des Comite's für das Abgeordnelenfest an den Minister des Innern lautet: Hohes Ministerium des Innern! Den unterzeichneten Bürgern der Stadt Köln, weldie einem ßomite zur Ljer» nnstaltung eines Feste« für die liderolen Mitglieder de« Preußischen Adgeordnetenbauses angehören, ist von de« Kgl. Polizei-Präsivium folgende«, an jeden Einzelnen besonders gerickleie« Schreibeie zugestellt worden.(Folgt da« in Nr. 160 mitgerheilte Schreiben.) Die Unterzeichneten erheben gegen diest Eröffnung, welche eine gesetzlich erlaubte Handlung mit obrigleillicher Berhinvernng be» drobt und daher einem im voran« ergehenden Verbote gleich zu achten ist, Beschwerde bei Einem hoben Mini- sterinin und erlauben sich, zur Begründung derselben Fol- gendeS mitzutheilen. Das beabsichtigte Fest gehört nicht unter die Versammlungen, in welchen öffentliche Ange- legenheiten erörtert und berathen werden sollen; es unter- � liegt daher nicht den Bestimmungen de« Gesetzes vom 11. März 1850, welches(K. 4) solche Verfammlnngen. zur Voraussetzung hat. Das Königl. Polizei-Präsidium stützt sich auf Zeilungs- Nachrichten, um das Fest als ein solches aufzufassen, dessen Abhaltung an die Duldung der Orts Polizeib-Hörde, bez. der Königl. Bezirksregierung gebunden wäre. Das Königl. Polizei-Präsidinni scheint dabei die Paragraphen des Gesetzes vom II. März 1850 im Sinne zu haben, welche die Falle bezeichnen, in denen es der vorgängigen schriftlichen Genehmigung der Orts- Polizeibehörde bedarf. Da« Comite bat bisher noch keine öffentliche Ankündigung ergeben lassen. Hätte das Kgl. Polizci-Präsidium sich daher bei einem der Unterzeichne« ten über, den Zweck und Charakter des Festes informiren wollen, so würde dasselbe sich überzeugt habe», daß wir nichts beabsichtigen, wozu die Genebmignlig der OrtS- Polizeibehörde nach den Bestimmungen des angezogenen Gesetzes erforderlich ist. Es mag sein, daß unser Unter- nehmen einer gewissen Richtung, welche auf die Unter- grabung des Ansehens der Volksvertreter hinarbeitet, miß« liebig erscheint; aber wir verletze» dadurch kein Gesetz und glauben vielmehr, eine Bürgerpflicht zu üben, inbem wir die Vertreter des Volkes, welche mit unermüdlicher Ansdauer ihre Zeit und Kraft dem Wohle des Vaterlan- des in langer Session opferten, zu einem Festmahle a s dem Gürzenichsaale und zu einer Rheinfahn einla, um ihnen die Ehre und Anerkennung zu\olJen,® 1 in so reichlichem Maße verdient haben. Wir stütze bei der Ausübung dieser Pflicht auf das staatsbürgerllche Recht, welches jedem Preußen durch die Bersasilings- Urkunde gewährleistet ist. Art. 29 derselben lautet: Alle Preußen sind bereditigt, sich ohne vorgangrgi obrigkeit- liche Erlaubniß friedlich und ohne Wassert in geschlosse- neu Räumen zu versammeln." Die Berfugung des Kg. Polizei-PräsidiumS verletzt diesen VersassungS-Arlikel,- dem sie präventiv da« von uns beabsichtigte F>-st".. die Bestimmiingen des Gesetzes vom II. März fublit j welche wir übrigens, so weit dieselben ans"stj'*- nehmen Anwendung finden können, in keiner Weil Ackt zu lassen gesonnen sind. Wir richten daher,. Kgl. Polizei Präsidium im Austrage des Herrn ureg.e rringspräsibenten gehandelt hat, an Ein holns tun; das geborsa, nste Ersuchen: die Veranstalter de.x ste», so wie die Eingelaveiieii»nd i->'■-— selben gegen jegliche polizeiliche Behinderung zu schlitzen und demgemäß sowohl an die Kgl. Regierung, wie an das Kgl. Polizei-Präsidiuni zu jibln die entsprechenden Weisungen ergehen zu lassen. Wir haben die Ehre, mit aller Hochachtung zu zeichnen ergebenst da« Fest- (SoniW. Das Einladungsschreiben, welches an 253 Ab- geordnete ergangen war, lautete: Hochgeehrter Herr! Die große Majorität des Abgeord- netenhauses hat, unerschütterlich auf dem Felsen der Ehre und des Rechtes stehend, mit unermüdlicher Ausdauer das Palladium der Verfassung vertheidigt und die wab- ren Interessen des Landes llberzengungs- und pflichtgetren � ausgesprochen. Das politisch gebildete Boll dars mit gerechtem Stolze auf die Haltung seiner Vertreter blicken, welche die Achtung und Bewunderung der civilisirten Nationen Europa« sich erworben haben. Um den Herren Abgeordneten»ach den äußerst anstrengenden Arbeiten der langen Sitzungsperiode eine Erholung zu bieten und besonders um denselben die Verehrung und Dankbarkeit zu zollen, welche sie in so reichem Maße verdient haben, wird die Stadt Köln in Verbindung»lit vielen anderen Städten der Provinzen Rheinland-Westfale» z» Ebren der Herren Präsidenten ucid der liberalen Fractionen des Abgeordnetenhauses am 22. und 23. Juli d. I, ein Fest veranstalten. Indem wir uns beehren, Sie zu diesem Feste einzuladen, bitten wir Sie höflichst, uns so bald � wie möglich Ihr Erscheinen anzeigen zu wollen. Die Bürger Kölns werden es sich zur besonderen Ehre an- I rechnen, den verehrten Herren Abgeordneten ihre Häuser ' gastlich zu össnen. Am 16. d. ist ferner eine Aufforderung an die „liberalen Bürger von Rheinland-Westphalen" ergangen, das Ihrige zur Feier des Festes beizutra- gen und dadurch Zeugnist abzulegen,„daß das Boll sich eins wisse mit seinen Vertretern." Darin heißt es u. A.: Das Fest wird bestehen: 1) in einem ani Samstag ! den 22. Juli d. I., Nachmittag 2 Uhr, auf dem großen Gürzenich-Saale stattfindenden Bankette(Diner); 2) in ! einer am folgenden Sonntag den 23. Juli stattfindenden - Festfahrt vermittelst sechs festlich geschmückter Dampf- ' schiffe nach dein Siebengebirge. Der Preis einer Karte ! für die Gesammtsestlichleilen, welcher eine Eontrolkartc für das Diner und ein Freibillet für die Festfahrt bei- gefügt wird, beträgt sechs Thaler. * Wien, 12. Juli. IKougreßangelcgenbei- ten. Fiuanznnnister. Preßbureau.Z Das offizielle AuSkunftS- Bureau im Ministerium des Acußcru wurde gestern förmlich gestürmt. Jeder- mann wollte wissen, wie es sich mit den wieder in den Vordergrund tretenden Kongreßgerüchten ver- halle. Die Antwort lautet dahin, daß man hier nicht da« Geringste davon wisse, und man wird '> dieses Thema nun in zahllosen Korrespondenzen ! besprochen finden. Besonders bevorzugte Glinst- linge des Preßbureau's haben überdies den Auf- � trag erhallen, diese Nachricht als eine Tendenz- Nachricht darzustellen, die von Karlsbad ausgegan- gen sei. Die preußische Regierung soll demnach dafür verantwortlich gemacht werben, daß die Kon- greßgerüchtc überhaupt wieder ausgetaucht sind, zu- mal"die„Nordd. AUg. Ztg." der Kongreß-Jdee daS Wort redet und die Behauptung aufstellt, daß Preußen gegen ihre Verwirklichung nichts cinzu- wenden habe. Das steht natürlich mit den hiesigen � Intentionen in direktem Widerspruche; denn man • kann cS als sicher betrachten, daß man hier heute eben so wenig als früher von dem Kongresse etwas ! wissen will. Möglicher Weise tritt auch darin eine Wandlung ein. Es ist nämlich kein Geheimniß mehr, baß gerade in der neuesten Zeil zwischen Oesterreich und Frankreich Verhandlungen statt- finden, welche die Feststellung deS Verhältnisses .Oesterreichs zu Italien zum Gegeiistaude haben und vielleicht zur Anerkennung des Königreichs durch Oesterreich führen können. Tritt dieser Fall ein, dann würde die Kongreß-Jdee aucb in Oesterreich bessere Chancen haben.— Alle Bemühungen, einen Finanz- Minister zu finden, sind bis jetzt vergeblich gewe- fen. Das Ministerium„Majlath" will nämlich keinen Beamten als Finanz-Ministcr, sondern fuchl eine Kapazität aus den Kreisen der„Knute Liinnoe'' für diesen Posten zu gewinnen. Es waren mit mehreren Personen Verhandlungen angeknüpft wor- den; sie scheiterten aber alle daran, daß Jeder nur unter dieser einen Bedingung das Portefeuille über- »ehwen wollte, daß ausreichende Garantien dafür geboten werden, daß die Finanzen einheitlich gelei- ktt werden. Diese Bedingung konnte aber nicht zu- -gcstaudcn werden, was jedenfalls sehr bemerkens- werth ist.— Die Preßleitung steht, laut einem kaiserlichen Handbillete von nun an nicht mehr unter dem Staats-Ministerium, sondern dem provisorischen Präsidenten deS Ministerraths, dem Grafen Mensdorff. Dem Nürnberger„Corr. v. u. f. D." wird von hier, 12. Juli, geschrieben: In unsere MinisterkrisiS ist ein gänzlicher Still- stand getreten, wenigstens macht sich solcher in den öffent- lichen Besprechungen sichtbar. Es scheint, daß man sich in Muthmaßnngen und Zusammensetzungen vollkominen erschöpft habe. Allen Anzeichen nach wird diese Unge- wißheit sich bis zum Schlüsse der Session des Reichs- raths binziehen, dessen Sitzungen aber noch einige Wochen in Anspruch nehmen dürften, da noch mehrere Vorlagen in Eisenbahnsachen zu erledigen sind. Der neue unga- rischc Hofkanzler v. Majlath ist also bis jetzt die einzige Persönlichkeit, welche die offizielle Bestätigung als Mit- glied des neuen Aabiiiet« erdalten hat, und er scheint auch die Seele desselben zu sein. Er soll bereit« eine große Thätigkeit entwickeln, um in seinem Vaterlande Anhänger für die sich gestaltende neue Aera zu gewinnen. In der inagyarischen Presse mag ihm Dieß schon voll- kommen gelungen sein, indem die dortigen Blätter aller Parteien fast ohne Ausnahme von dem neuen Hofkanzler nur Ersprießliches erwarten. Je mehr aber jenseits der Lcitha die Dualisten und diesseits der Leilha die Auto- nomisten, Feudalen und Klerikalen einen triumphirenden Ton anstimme», desto kleinlauter werden unsere Zentra- listen und selbst unsere Liberalen, da sich fast mit Ge- wißheil erweist, daß die ungarischen Forderungen nur durch theilweise oder gar gänzliche Beseitigung der Fe- bruarversassung befriedigt werden können. Hamburg, 14. Juni. fSpanien und Chile.f Ein Telegramm der„Börsenballe" meldet aus Valparaiso vom 1. Juni, daß der Konflikt zwischen Spanien und Chile durch die Anerkennung der spa- nischen Forderungen erledigt worden ist. Z. München, 12. Juli. fDer Aus schuß für die sociale Gesetzgebung� wird schwer- lich vor Januar oder Februar 1866 zusammentre- ten. Groß ist das Gewinsel jenes kleinen Häuf- leinS, das in jedem Fortschritt auf socialem Ge- biete seine heiligen Besitzes-Privilegien und Geld- bemel- Interessen bedroht glaubt, über die Zusam- mensetzung dieses Ausschusses, der nach dem Wunsche jenes Häufleins nikr aus guten alten Pfahlbürgern von der ehrsamen Znnfr der Bäcker, Bräuer und Bauern hätte gewählt werden müssen. Judessen ist die öffentliche Meinung schon zu sehr für den socialen Fortschritt gewonnen, als daß das Uhu- geschrei der Zünstler noch eine andere, als eine ko-' mische Wirkung haben könnte. Die große Majo- rilät der Bevölkerung erblickt in der Einführung der vollen Gewerbesreiheit und in der dieser eni- sprechenden Umgestaltung deS GeincinderechtS ein unabweisbares ökonomisches Bedllrfniß der Zeit. Die neue Gewerbe- Instruktion von 1864, die Er- theilunge» von Liccnzen und Concessionen und die partiellen Gewcrbefreigcbungen haben dem Düppel des Zunftwesens bereits manchen harten Scklag versetzt und ihn schon jetzt fast unhaltbar gemacht. Wenn man auch in dieser Uebergangsperiodc nur sehr„langsam voran" gegangen ist, so hat dieselbe doch wesentlich bewirkt, daß auch bei den hartge- sottensten Realrechtsenischädigungsgläubigen die Hoffnung auf eine Entschädigung der sogenannten Realberechtigten fast bis auf den Gefrierpunkt herabgesunken ist. Noch vor wenigen Jahren hätten Regierung und Landtag gewiß eine im Ganzen be- deutende Entschädigungs-Summe bewilligt und in ganz Altbayern wie fast überall im diesseitigen Bayern wollte man weder von der Gewerbefreiheit noch von irgend welcher anderen Vereinbarung, die nicht auf der Grundlage einer vollständigen Ablösung der Realrechte beruhe, irgend etwas wissen. Heute ist dies ganz anders. Das in libe- ralerer Weise gehandhabte Concessionswesen hat jetzt schon die Nützlichkeit der Gewerbefreiheit für Producenlen wie für Consumenten glänzend darge- than und über alle ungerechtfertigten Ansprüche aus Entschädigung ein verdammendes Urtheil hervorge- rufen. Wiesbaden, 12. Juli. fWablergebniß.j Heute liegen vollständige Nachrichten über die gestern in den 24 Wahlbezirken des Landes vorgcnomme- neu Wahlen zur Zweiten Kammer vor. D-r Kampf ist überall zu Gunsten der Liberalen ent- schieden. In der neuen Kammer verfügt die Fort- schritts-Partei jetzt über 20, die clericale nur über vier Stimmen. Die Gonvernementalen, für die namentlich der Herzog sich persönlich verwendet hat, wie in Weilburg und Rennerod sind überall durchgefallen.— Ende dieser Woche werden die Wahlen zur Ersten Kammer Statt finden. Sie werden voranssichtlich ohne irgend eine Ausnahme auf Liberale fallen. Ausland. " Paris, 13. Juli. fTagesbericht. j Die Congreßnachricht wird heute vom„Pays" mit großer Bestimmtheit dementirt. Da« offiziöse Blatt hat die vollkommene Gewißheit, daß diese sikachricht auf keiner Thatsache beruht, daß gar nichts daran wahr und begründet ist. Die„Patrie" beschränkt sich darauf, auch fernerhin die Genauigkeit der Nach- richt in Zweifel zu ziehen. Ebenso die„Presse", während die„France", nach ihrem gestrigen De- nicnti, heute völlig schweigt. Jedenfalls aber dürfte diese ganze Congreßnachricht als ein Fühler zu betrachten sein.— Die Steinhauer haben ein Ultimatum an ihre Meister und an die großen Bauunternehmer erlassen und fordern von jetzt an für die zehnstündige Arbeitszeit einen Lohn von 6 Fr. 50 C., wobei jedoch die Kosten für Anschaffung und Unterhaltung ihres Werkzeuges, die etwa 50 Cent, per Tag ausmachen, von ihnen getragen wer- den. Wird ihr Gesuch nicht gewährt, so wollen sie den 16. Juli die Arbeit einstellen. Möglicher- weise würde alsdann für einige Zeil das gesammte Bauhandwcrk einen Stillstand oder doch wenigstens eine bedeutende Störung erleiden. Bisher hatten die Steinhauer keinen bestimmten Lohn, sondern es wurde der Preis der Arbeitsstunde stets im cinzel- ncn Falle zwischen deni Arbeitgeber und den Ar- beitnehmcrn festgesetzt. Es wurde eine ungebührlich lange Arbeitszeil von ihnen verlangt, in der guten Jahreszeit bis zu 15 Stunden täglich, während sie einen nicht geringen Theil deS übrigen Jahres gezwungener Weise feiern müssen.— Die Dachdecker verlangen ebenfalls 6'/z Frcs pro Tag, waS ihnen, auf das ganze Jahre vertheilt, ein Tageseinkommcn von noch nicht 4 Frcs. eintragen würde.— Herr Eloin, der außerordentliche Abgesandte des Kaisers Maximilian, begiebt sich über New- Jork nach Mexico. Er soll es in Washington nochmals versuchen, die dortige Regierung zu be- stimmen, das neue Kaiserreich anzuerkennen.— Die Reise des Kaisers nach Plombieres ist auf den nächsten Montag verschoben.— Abd-el-Ka- d er wird sehr ausgezeichnet und gestern hat Drouyn de Lhuys ihm einen Besuch gemacht.— Die spa- nische Regierung hat ein Decret erlassen, wel- ches verordnet, daß die Aeniter in Zukunft bloß nach Altersrang und nach Verdienst zugesprochen werden sollen.(Daß man so etwas noch besonders „verordnen" muß!) — 14. Juli. Mehrere Journale sagen, daß die neue Anleihe der Stadt Paris der Gesellschaft des Crodit rnobilier zugewiesen sei.— Die„Patrie" bestätigt die Nachricht, daß der Kaiser Napoleon im August eine Zusammenkunft mit der Königin von Spanien haben werde.— Laut Nachrichten aus Alexandrien vom 13. d. ist die Cholera auch in Cairo im Abnehmen. In Alexandrien sind an diesem Tage nur 43 Cholera-Sterbefälle vor- gekommen. * Florenz, 12. Juli. fZur Anerkennung Italiens durch Spanicn.f Die Verhandlnn- gen mit Spanien wegen Anerkennung des König- reichs Italien sind im besten Gange und wird die Anerkennung jedenfalls noch vor den nächsten Wahlen erfolgen. Marschall O'Donnell verlangte von der diesigen Regierung einige Aufklärung über die Politik, welche Italien in Bezug auf gewisse Fragen zu befolgen gedenke; Lamarmora hat darauf geantwortet, daß er keine Veranlassung habe, irgend eine Erklärung oder Zusicherung zu geben. Die Politik Italiens während der letzten Jahre müsse als hinreichend betrachtet werden, um über die Punkte aufzuklären und zu beruhigen, welche Spa- nienö Anfrage hervorgerufen habe. Diese Antwort schien dem Madrider Kabinet befriedigend zu sein — Unterdessen betreibt die klerikale Partei durch die„Unita Cattolica" die Adreßdemonstrati