Nr. 97. Berlin, Sonnabend den 22. Juli Socml-Demokmt. -lllgcmcwe» dculschcn Arbeiter-Bcrcins. R-D-gm von I.». v. Hofstetten und I. B. o. Schweitzer. Dr.«dn«strÄ'Nr. 85. Abonnements�- Preis fitr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berli n auf der Expedition, natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post-! von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrenstr. 1, sowie ämtern Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- 1-----— i-w—— �-----—.....- land 18�/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. 1. 45. südd., fl. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. auch unentgeltlich von jedem„rothcn Dicnstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zcile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentnr für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Ene Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andr�-des-Arts. Unser» Lesern zur Nachricht, daß poli- zeilich ronfiscirt wurden: 1. Am 17- d.»l Nr. 93, 2. Am 18. d. M. a) Nr. 94, b) Nr. 98 in zweiter(veränderter) Ans- laize; 3. Am 19. d. M. a) Nr. 95, b) Nr. 94 in zweiter(veränderter) Ans- läge, e) Nr. 93 in dritter(veränderter) Ans- läge, 4. Am 20 d. M. a) Nr. 96, b) Nr. 95 in zweiter(veränderter) Auf- läge, e) Nr. 94 in dritter(veränderter) Auf- läge, d) Nr. 93 in vierter(veränderter) Auf- läge. Das Japanische Reich besteht aus lauter Inseln, welche in dem Japa- nischen Meere vom 146. Grad bis 165. Grad Länge und vom 30. Grad bis 46. Grad nörd- licher Breite liege», und deren Größe auf 11, 600 bis 12,500 Ouadratmeilen geschätzt wird. Der größte Fluß ist der Uodo-Gawa, welcher aus dem größten See des Landes. Mitfu oder Biva-no-Umi, kommt und sich bei der Stadt Dsacca in'S Meer ergießt. Das Meer um diese Inseln ist durch die vielen Felsen, Untiefen und Korallenriffe für jedes unkundige Fahrzeug gefährlich. Die In- sein haben einen sehr gebirgigen und steinigen Boden, der jedoch durch den Fleiß der Ein- wohner sehr verbessert wird. Die Spitzen der hohen Berge enthalten ewigen Schnee. Auch giebt eS Vulkane und Erdbeben. Der Fusi- no-hama und Sira-Hama auf Niphon, beide Vulkane, sind die höchsten Berge. Die Winter sind sehr strenge und die Sommer gewöhnlich sehr heiß. Der Fleiß der Einwohner nöthigt dem we- nig fruchtbaren Boden vielerlei Produkte ab. Es giebt kleine, aber lebhafte Pferde, Rindvieh (das jedoch hier bloß zum Pflügen und Ziehen benutzt wird), Schweine, Hunde, Hirsche, Hasen, Füchse, wilde Schweine, Hühner. Enten, wildes Geflügel, Seidenraupen, Fische, Schildkröten, Conchylien, Perlmuscheln, Korallen; Getreide, Reis, Hanf, Obst, Südfrüchte, Baumwolle, Fir- niß-, Kokos-, Papier-, Kampher- und Theebäume, Fichten, Tannen, Cypressen; viel Gold und Sil- der, das feinste und geschmeidigste Kupfer, Zinn, Blei, Quecksilber, Eisen, Schwefel, Diamanten, die feinste Porzellanerde, Steinkohlen, Salz und viele Mineralquellen. Die Zahl der Einwohner wird auf 25 und 30 Millionen angegeben. So viel ist gewiß, daß die Hauptinseln sehr stark bewohnt sind. Die Japaner, ein unvermischtes Volk, die ihre eigene Sprache haben, sind Anhänger theils der Sinto-Religion, die neben dem einzigen höchsten Wesen auch Untergötter hat, theils der Buddhi- sti sche» Religion. Auch die Religion des Eon- fucius hat hier einige Anhänger. Auf den zu Japan gehörigen Kurilifchen Inseln wohnen Kurilen.— politischer Theil. Deutschland. -f Köln, 21. Juli.[Vom Wetter. Rhein- Wasserstand. Allgemeine Spannung.) Das Wetter dahier ist schön, aber so heiß, wie die ältesten Leute es sich kaum erinnern können. Man ist sehr gespannt darauf, wie lange dieses Wetter anhalten werde.— Der Stand der Rheinwasser- höhe ist niedriger, als seit Menschengedenken. Je- dock ist man allgemein der Ansicht, daß bei einiger- maßen starkem Regen diesem Uebelstande bald ab- geholfen sein würbe Wann aber— dies ist die Frage, die allgemein ventilirt wird und Alles in Spannung erhält— wann wird diese Eventualität eintreten?— Nächstens mehr! Ausland. H. Paris, 18. Juli.(Die Gemeinde» rathswahlcn. Der Orient. Abd-el-Kader. Spanien. Grevc der Steinmetzen.!*) Die bevorstehenden allgemeinen Wahlen der Gemeinde« rälbe des ganzen Landes sind von weit größerer politischer Bedeutung als ihr Gegenstand anzuzeigen scheint; sie werden einen unwiderleglichen lhatsäch- lichen Beweis von dem in Frankreich wieder er- wachten Geist der Freiheit liefern, der allerdings nur schlummern, nicht gestorben sein konnte; dafür bürgte schon die Gesetz und Sitte durchdringende Gleichheit, dieser durch die französische Revo- lniion gewonnene moderne RechtSboden, der in Fleisch und Blut des socialen Lebens übergegangen ist, und durch keine politische Reaktion mehr dem *) Aus voriger Nummer herübergenommeu. französischen Volke genommen werden kann. Wo ein Mal die absolute Rechtsgleichheit im Volke solche liefe Wurzeln geschlagen hat, wie hi»r, da kann auf die Dauer keinerlei Unterdrückung mehr Boden gewinnen, da ist höchstens noch eine vor- ubergehende politische Diktatur möglich, keine auf dynastische oder Klassen-Interessen sich stützende politische Herrschaft. Die Gleichheit war es, die alle Regierungen Frankreichs in unserem Jahrhun- dert abgenutzt hat: sie hat endlich auch die jetzige Regierung abgenutzt. Das fühlt sie selbst sehr wohl. Durch geschicktes Manövriren und Laviren sucht sie einer Katästrophe auszuweichen, die in der � einen oder andern Form doch unvermeidlich ist. So hat die Regierung, da sie überzeugt war, die Wahlen� selbst die Gemeinderathswahlen, nicht mehr beeinflussen zu können, ihnen ihren politischen Cha- rakler, durch das bekannte Circular des Ministers an die Präsekten, zu nehmen oder wenigstens abzu- schwächen gesucht. Auch das ist ihr nicht gelungen. Aus alle» Theilen Frankreichs laufen übercinstim- inende Nachrichten ein, welche beweisen, daß die Wähler ihren Wahlen einen entschieden politischen Charakter geben wollen. Man darf daher mit Recht auf den Ausfall der Gemeinderathswahlen, die Ende dieser Woche stattfinden, gespannt sein. Freilich haben diese Wahlen keinen direkten Einfluß auf die Gesetzgebung; aber sie sind, wenn sie oppo- silionell ausfallen, nicht nur der Vorläufer der Wahlen zum gesetzgebenden Körper, sondern haben auch schon jetzt einen Einfluß aus diesen Staats- körper, indem die Opposition an moralischer Macht täglich gewinnt, was die RegierungSmacht im Lande verliert. Bis jetzt macht die Regierung gute Miene zum bösen Spiele, scheint freiwillig nachzugeben, wo Widerstand unmöglich geworden, und erregt so den Glauben an die bald stattfindende berühmte„Krö- nung des Werkes." Während der Cholera in Egypten, die jetzt, namentlich in Alerandrien, im Abnehmen begriffen ist, zeigen die Franzosen, wie immer, Muth und Aufopferungsfähigkeit. LessepS, der beim Ausbruch der Krankheit hier war, ist bei der ersten Nachricht sofort nach Egypten zurückgereist. In Cairo, wo eS an Allem fehlte, versahen die Franzosen den Krankendienst, organisirten Spitäler und unterstütze ten mit Geld die Armen. Die Einwohner verglct- cheu unwillkürlich das Benehmen dieser„Fremden mit der Flucht ihres eignen Fürsten, der sich be« kanntlich beim Ausbruch der Cholera mit seiner ganzen Sippe nach Constantinopel begeben Jjat.— Im Orient bereiten sich wichtige Ereignisse vor. Die Reise Abd-el-KaderS hierher ist nicht ohne Be- zug auf dieselben. Nach dem katholischen Journale „Le Monde" hätte er den Ferman des Sultan hierher gebracht, der die Eröffnung des Kanals von Suez autorisirt. England, sagt dasselbe Blatt MM mit Unrecht, habe sich dabei gründlich compronn- tirt und sei schließlich aus dem Felde geschlag worden, lieber die eigentliche Mission des genau.- ten EmirS schwebt noch ein tiefes Dunkel. Man sagt, er sei bis jetzt der Einzige, ver von Napoleon eingeladen worden, einige Tage in Fontainebleau � zuzubringen.— Nach Briefen a»S Zlalien Halle die spanische Regierung bei ihrer Anerkennung des Königreichs einige Bedingungen stellen wollen, die sich hauptsächlich auf die franco-italienische Convcn- tion beziehen, und wodurch sie sich die Freundschafl der Klerikalen wieder gewonnen hätte. DaS ila- lienische Blinisterinm Uetz aber Herrn O'Donnel bedeuten, dag ihm die Anerkennung von Seilen � Spaniens nicht wichtig genug erscheine, um auch nur auf irgend eine Unierhandlung sich deshalb ein- ! zulassen. Die spanische Regierung wird nun Jta- lien ohne weitere Bedingungen anerkennen und voll- ständig mit den Klerikalen brechen. Schon sind einige Bischöfe wegen ungesetzlicher Einmischung in die StaatSaugdlegcuheitcn vor den Staatsrath ge- laden. Der Beichtvater der Königin musjle abdanken, Schwester Patrocinia reist ab, und Cardinal Erzbischof von BurgoS ist seiner Funclion als Gouverneur der Provinzen von Asturicn enthoben. Dieser Prälat hat bekanntlich in einem gepanzerten Schreiben an die Königin gegen die Anerkennung Italiens protestirt. Die Königin scheint den Kopf verloren zu haben; der Boden weicht ihr unter den Fügen.— Die officiösen Abendblätter beschwöre» die Steinmetzen, die seit zwei Tagen feiern, die Ar- beit wieder aufzunehmen, da durch den Stillstand der großen Masse von Bauwerken auch eine große Anzahl anderer Professionen zu feiern gezwungen würde». Weshalb wenden sich diese freundlichen Journale nicht an die Arbeitgeber und an die städ- tische Berwaltung, damit der Tarif der Arbeitslöhne, wie die Sleinmetzen es verlangen, um einen Fran- len erhöhl werde? * Paris, 18. Juli. fArbeiterangelegcn- h eiteu. Die Droschkengesellschafi. Eine mißliebige Rede.j*) Der„Köln. Ztg." wird von hier geschrieben. Die pariser Steiiimetzeu haben bekanntlich am letz- ten Sonntage ihre Ärbeilen eingestellt, da ihre Meister auf ihre Forderungen nicht eingehen wollten und auch wohl nicht konnten. Diese Ardeitseinstellung ist auch die ernstcte, die wir in Paris noch gehabt baden, da in Folge derselben alle hiesigen Bau-Arbeiten nothgedruu- gen aushSren müssen. Hier in Paris weiden nämlich fast alle� Häuser und sonstigen Gebäude aus seinem wci- chen und leicht zu bearbeitenden Sandsteine erbaut, den man in der Nähe von Pari« findet. Zur Behauung desselben sind die Steinmetzen unumgänglich nothwendig ' und wenn ihre ArbcitScinstellnug einige Tage anbält, so wird da« Baumaterial fehlen, um die pariser Bauten fortsetzen zu können. Die„Patrie" widmet dieser Auge- legenheit heute folgende Worte:„Wir beschränken uns auf den Wunsch, dasi diese Arbeiter sich durch ihre theu- ersten Interessen berathen lassen mögen, die eine Arbeits- einstellnng in ernste Gefahr bringen muß. Man muß auch nicht ausser Acht lassen, dass diese Arbeitseinstellung nicht auf die specielle Industrie der Steinmetzen beschränkt bleiben kann, und dass sie sich auf ans alle Jndustricen, welche mit dem Bauwesen zu thun haben, erstrecken und Hunderttausende um ihre Existenzmittel bringen innss. Wird man die Geslthle gegenseitigen Wohlwollens, welche die Arbeiter unter einander beseelen sollen, den Stein- wetzen gegenüber vergeblich anrufen, deren Arbeilsein- stellung die Quelle der Befchästignng aller Professionen, welche das Bauwesen ernährt, trocken legen muß?" Aus guter Quelle erfährt man, dass die Steinmetzen aber entschlossen sind, nicht nachzugeben, und man kann daher mit Beslnnmtheit crivarteu, daß es in wenigen Tagen mehrere Hunderttausend brodlvser Arbeiter in Paris ge- : ben wird. Die Lage ist ernst.— Die Cbaussee und Strassen- Arbeiter des Weichbildes von Paris haben eine Petition an den Seine Präfccten gerichtet, um eine Lohnerhöhung zu erhalten. Dieselben werden jetzt mit B/z Franken per Tag bezahlt. Ob sie ihre Arbeit einstellen werden, wenn man ihre Forderungen nicht bewilligt, ist noch un- bekannt."— Entrüstung hat es in Paris erregt, daß Hr. Ducoux, der Director der Comp-issaie imperiale lder Gesellschasl, welche sich fast im auschließlichin Be- sitze der pariser Droschken und Kutsche» befindet, und bereu Rosselcnker bekanntlich vor Kurzem sich in Grevc sitzten), dem Publikum gegenüber folgende Note auf seine »euen Fahrtarise gesetzt hat:„Wenn man mit dem Kut- scher zufrieden ist, so ist es Gebrauch, demselben ein Trinkgeld zu geben, welches im Allgemeinen für die �lunde 25 E., und für de» Cours, nach der Länge des- selben, 10 bis 25 C. beträgt."— Die„Gazelte de Trance" drückt ihren Unwillen über ein solches Austreten *) Au« voriger Nummer herllbergenommen. offen au«, und meint,„das Betteln sei verboten."— In einer der letzten Sitzunaen der„Soeists d'historie de France" hat sich ein Vorfall ereignet, der höchsten Orte« sehr mißfallen baben soll. Herr v. Monialem- berr, einer der Vice- Präsidenleu dieser Gesellschaft, welcher eine. Lobrede auf den Grafen Beugnol ge- halten, batte sich bei Besprechung Pbilipp's des Schönen gegen die Theorie der von der Vorsehung auseikorenen Männer, welche in der Vorrede zu Julius Eäsar so sehr betont worden ist, mit großer Energie ausgesprochen. Da« mit den, Drucke der Reden bcaustragte Comite ver- langte von Montalembert, dass er die betreffende Stelle weglasse: der berühmte Redner begnügte sich aber damit, als Antwort seine Entlassung einzusenden. Die Gesell- schafi nahm sie aber nicht an, sondern ließ die incrimirte Stelle abdrucken. — 19. Juli.[NeuefteS.] Der„Abend-Mo- niteur" spricht sich in einem Artikel über die Eon- greßnachricht in folgender Weise aus: Das durch ein auswärtiges Blatt in Umlauf gesetzte Gerücht, die Großmächte ssältcn sich über daS Zusammen- treten eines CongrcsseS geeinigt, ist sofort als grund- loS erkannt worden. Die Idee einer gemeinsamen Berathung der Mächte war vom Kaiser angeregt worden mit der Absicht, die damals bestehenden Schwierigkeiten zu ebnen und diejenigen, welche man vorhersehen konnte, zu beseitigen. Die Größe dieses Gedankens wurde keineswegs in Abrede gestellt und der Kampf zwischen Deutschland und Dänemark hat alsbald dessen Nichtigkeit dargelegt. Aber die kaiserliche Regierung stellte es der Zeit anheim, den Rath des Kaisers noch vollständiger zu rechtfertigen. Anknüpfend a» den Bericht L'amarmora's über die römische» Angelegenheiten sagt der„Abend- Monileur," man dürfe annehmen, das der Hos von Florenz sein Verfahren in BetreffderWiedcranfnahme der Unterhandlungen mit Rom nach rem Ergebnisse von Vorverhandlungen, welche zweifelsohne binnen Kurzem stattsinden würden, regulirc» werde. Dasselbe Blatt meldet die Abreise des Kaisers nack> Plombieres. Die Kaiserin geleitete ihre» Ge- mahl bis auf ten Bahnhof. * Paris, 19. Juli. fTageSberickt.j Die � Luxuösrage und was mit derselbe» in Paris in Beziehung steht— Prostitution, Vergeudung großer Vermögen, Entnervung der Jugend, Zerstörung des Familienlebens u. s.>v�— beschäftigt seil der mebr- � erwähnten geheimen Senats-Berhandlung fortwäh- rend die össenlliche Meinung und die Oppositions- ' blätter, worunter sich besonders„Avenir National" durch Calonismus hervorthut. Nachdeni Dupin's Rede in Flugschriften erschienen, wurde der Bericht, den Senator Gulhot de Saint Germain in der ge- keimen Sitzung gehalten, immer lebhafter verlangt. Jetzt ist nun auch dieser als Flugschrift erschienen. und die„France" druckt denselben mit der Bemer- kunz ab, diese Rede sei allen ehrenwerthen Leuten zum Nachdenken zu empfehlen, weil der Verfasser mit reiner Hand und niit großer Gewandtheit des Ausdruckes eine häßliche Sache behandle.— Die Kunftgärtner-Gehülfeu wollen nun auch die Arbeit cinslclle». Sie erhielte» bis jetzt für die 13stündige Tagesarbeit 80 bis 90 Fr. den Monat, was etwa einen Tagclohn von 2 Fr. 65 C. ausmacht. Sie verlangen nunmehr für 12 Stunden Tagesarbeil einen Lohn von 3 Fr. 50 C. bis 4 Fr. und 40 C. für die Stunde ihrer supplementären Arbeil. Wie � daS„Siede" meldet, sind bereits süns große Gärtner auf diese Forderungen ihrer Arbeiter eingegangen.— Die Nachrichten aus Spanien melden fortwährend von der Aufregung, die sich der clericalen Kreise bemächtigt hat. Die Absetzung des ErzbischvfS von BurgoS hat einen guten Eindruck auf die öffentliche Meinung hervorgebracht- und nun die Anerkennung Italiens bereits erfolgt ist fdie betreffende Depesche wurde schon nach Florenz geschickt}, werden die j Bischöfe eS sich überlegen, und daS energische Auf- ! treten der NegimiNA gegen de» Bischof von Tarra- gona wird die andern zum Nachdenken bringen.— Ans Portugal wird gemeldet, daß daselbst ein Ca- binct Saldanha zu erwarten sei.— Abd-el-Karer, dem zu Ehren gestern eine Festvorstellung in der großen Oper Statt gefunden hat, lehnte es ab, daS Foyer der Tänzerinnen zu besuchen.— Die pariser Maurergesellen sollen jetzt ebenfalls ihre Arbeiten einstellen wollen Die lyoner Maurerge- sellen hören am 24. zu arbeiten auf, wenn die von ihnen gestellten Bedingungen nicht erfüllt werden. — 20. Juli. sNeuesteS.} Heute Nachmittag 5 Uhr sind die Kaiserin und der kaiserliche Prinz nach Fontainebleau abgereist. eck. London, 17. Juli. lDie Wahlen Arbeiter-AngelegenHeiten/p) Die Liberalen haben in der Neuwahl die Hrn. Mill, Fawcett und Hughes gewonnen, während die Tones keine neue Namen von Bedeutung aufweisen können, ohne daß die proportionclle Stärke beider Parteien deS Parlamentes wesentlich verändert worden wäre. Wenn einige englische Blätter sagen„wir haben wenigstens die Garantie, daß daS neue HauS nicht schlechter sein wird als daS alte", bestätigen sie, was ich vor acht Tagen in Bezug darauf gesagt habe, daß nämlich unter gewöhnliche» Umständen von dem neuen Parlamente keine nennenswerthe Reform zu erwarten sei. Die Organe der Libera- len und der Conservativen führen ihren Wahlkrieg mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln, und am Wahlausruhr fehlte eS ebenfalls nicht. Zu Soulhamplon wurden die Fenster eingeworfen und cö war eine starke Polizeimacht nöthig, die Zerstörung l?es Monuments im Park zu verhindern. Zu Belfast mußte das Militär einschreiten, nachdem die Polizei einige Mal zurückgetrieben war. Zu HudderSfielo wurde das Aufruhrgesetz proklamirt: nachdem mehrere Personen angegriffen und verwun- det waren, ließ man Militär von Manchester kom- nien. Zu Dudley war das Wahlcomile deS Hrn. TruScolt genöthigt, solgenden Aufruf zu erlassen: „In Folge von Gewaltthaten und Einschüchterungen ist es unsicher und unmöglich, die Wahl vor- zunehmen; wir zeigen hiermit an, daß wir nicht geneigt sind, die Wähler des Herrn Truscotl einer ferner» Gefahr aussetzen." Dieser Fall veranlaßt eine Untersuchung durch das Parlament. Zu Graut- ham wurden die Wahlbuden zusammengerissen, so daß man die Wahl vertagen mußte. Zu Taristock wurde der siegreiche Candida! Herr Samnda auf der Straße von der Menge insultirt und mußte i in der Nacht aus dem Becford Hotel fliehen, in welches er sich geflüchtet hatte. Der Gegner des- � selben, Capitain Blakeley, begab sich unter die ! Menge und das Volk empfing ihn mit Jubel, ließ nach, Steine zu werfen, und die Ruhe war herge- stellt; zu Chdterhain, wo die Liberalen unterlagen, herrschte eine ungeheure Aufregung, welche bedeu- leud gesteigert ward, als ein Herr Glaß einen Arbeiter Namens Lynes erschösse» hatte, weiter ausrief„Berkeley für immer!" Die Engländer haben daher keine Ursache über die Wahlen in Nordamerika zu critisiren»nd über die eigne Bil- duug»nd Mensch, lichkeit zu trinmphiren. Da können wir unser gcmnlhlicheö Deutschland lobe»; denn selbst in dem heißen Jahre 1848 ist bei den Wah- len zum Parlament keiner erschossen worden, letzt aber gar fügen sich die Abgeordneten wie geduldige Lämmer den Anordnungen der Landeöväter.— Der Wahlstreit zwischen Herrn Gladstone, Finanz- minister, und Herrn Gathorne Hardy zu Oxford (Universität) erregt im jetzige» Augenblick die größte Aufmerksamkeit des Publikums; die Wahl wird Morgen beendigt und es hat den Anschein, daß der große englische Staatsmann seinen Sitz für die Universität abgeben muß. Zwischen den zwei Can- didalen ist der Unterschied so groß, daß man dem Herrn Hardy, einen Tory von ganz gewöhnlichem Schlage, mit Gladstone kaum vergleichen kann; er ist weder ein Denker noch ein Redner, spricht zwar fließend, jedoch ausdruckslos, und unendlich viel; er sieht gar nicht aus wie ein Mann, welcher in einer Ver- sammlung eine commandirendc Stellung einnehmen önnte; ihm fehlt die Macht des Charakters, welche bei politischen Bewegungen oft dem Manne von weniger Fähigkeit eine» entscheidenden Einfluß auf Versammlungen gaben, Herrn Gladstone gegenüber I ist er ein unbekanuier Mann.„Dies ist der Geg- »er, weicken die Universität Oxford einem der erfolg- reichsten Finanzmänner und einem der hochsinnig- sten Politiker unserer Nation, vorzieht."(chlorninx; 8tar. 17. Juli.) Oxford zieht Mr. Hardy einfach darum vor, weil Herr Gladstone mit dem Fort- •) Au« voriger Nummer heriibergenommen.