Nr. 99. Berlin, Dienstag den 25. Juli SocialGemokwt. »ww- t-glich Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins. dn Sonn« und ffksttago. Redigirt von I.«. v. H-fst.ttku und I.». V. Schwritzor. Dre-dnorstr-ßoNr. 85. AbonnimentS- Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- Bestellungen werden auswart» auf allen Postämtern, in Berli n auf der Expedition, natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Königl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-(Sompagnie, Scharrenstr. 1, sowie ämtern 22»/, Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichlprtiißilcheii Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rvthen Dienstmann" entgegen genommen. land l8�/eSgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fi. 1. 45. sürd., fl. I. ü(>. österr. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltenc Petit-Zeile hei Währ.) pro Quartal. Arbeiter-Annoncen mit l Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 8 Sgr. berechnet. Agentur silr England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: Iklr. Bender, 8. Liltle New-Port-Street, Leicester-Squaro W. C. London. Agentur für Frankreich: L. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brnlee; Paris, 2. Cour dn Commerce Saint-Andre-des-Arts. Zum Kampf in Detress bts Dtrtinsrtd)tts in Prcnßen. Berlin, 23. Juli. Wir stellen in Nachfolgendem da» Wesentliche, meist auS denMittheilungen der rheinischen Zeitungen, über die Vorgänge in Köln zusammen: Köln, 22. Juli. Nachdem die Vcrbeitungen zu dem aus dem Gürzenich-Saalc zu Ehren der Abgeordneten statt- finden sollenden Bankette bereits vollständig gc- troffen worden waren, fand heute Vormittag auf polizeiliche Anordnung die Schließung sämmllicher Zugänge zum Gürzenich Statt, welcher von einer Menge Neugieriger bereits in früher Mcrgenstuudc belagert wurde. Die inzwischen von allen Gegen- den eingetroffenen Festgenossen begaben sich nun- mehr einer ZeitungS-Anzeige zufolge, in das Privat- hauS des Herrn Kürschners Lachnit am Wallrafs- platze, woselbst sie bedeutet wurden, sich vorläufig � in das Hotel Metz zu begeben. In dem großen; Saale dieses Hotels, herrschte nun in den Mittags- stunden ein sehr bewegtes Leben, während in einein Nebenzimnier etwa 6() bis 70 Abgeordnete einige Stunden versammelt blieben und schließlich folgen- des Dankschreiben an Herrn Elasten-Eappelmann und die Mitglieder des Fest-Comite'S unterzeichneten: Hochgeehrte Herren! Wir unterzeichneten Abgeordneten sind Ihrer Einla- dung zu dem Feste freudig gefolgt, welches Sie in hie- siger Stadt zu Ehren der freigesinnten Mehrheit de« Ab-, geordnetenhause« vorbereitet haben. Wir erkennell in der- selben einen neuen Ausdruck der Uebereinstimmung des BolteS mit seinen gewählten Vertreter» Wir sind über- zeugt, daß nur die Grundsätze der Freiheit und des ver- assungSinäßigen Rechtes, welche die Mehrheit des Ab- � geordnelenhauses stets vertreten hat, unser Vaterland zu einer gedeihlichen Entwickelung führen können. In diesem Geiste sind wir unter Ihnen erschienen und in ihni lön- i neu wir die Verhinderung des Festes nur lief beklagen. Auch wir verschließen uns nicht der Ueberzeugung, daß die Besetzung und Absperrung de« von Ihnen gemiethe-! ten und rechtlich in Besitz genommenen FestlokalS durch Polizeimannschaften der Vcrfastung widerstreitet. Nach Artikel 29. der Verfassung haben alle Preußen das Recht, sich in geschlostenen Räumen friedlich und ohne Waffen zu versammeln. Jndeß die Zukunft Preußens ist un- abhängig von derartigen Maßregeln. Wir sagen Ihnen unseren Dank für Ihre Einladung und für die in der Vertheidigung unser Aller Rechte bewiesene Ausdauer und Ihr mulhigeS Festhalten an der Versaffuug. Mit Zuversicht blicken wir in die Zukunft. So lange das Volk zu seinen versastnngsmäßige» Rechten steht, braucht Nie- mand die Hoffnung sinken zu lassen, denn schließlich wird das Volk seine Geschicke bestimmen. Köln, 22. Juli 1865. Die Abgeordnelen: Harkort(Hagen). Frhr. v. Seyd- litz(Salzwedel-Gardelegen). Valentini(Prenzlan-Anger- Münde), v. Hennig(Rosenberg-Graudenz). Diesterweg (Berlin). Runge(Berlin), vr. Lllning(Berlin), v. Bnn- sen(Bonn- Rheinbach). Seuberl(Oschersleben- Halber- stadt- Wernigerode). Hinrich«(Grimma- GreifSwald). Franz Duncker(Saarbrücken-Ottweiler- St. Wendel). Schultze(Osterburg- Stendal). Hoppe(Magdeburg). Sachse(Wollmirstedt-NeubaldenslebenS). Schmidt(Elber- seld-Barmen). Rnmpff(Wollmirstedt-Reuhaldenslebens). Bresgen(Adenau-Ahrweiler). Raffauf(Eodleuz- St. Goar). Dr. Müller(Arnswalde- Friedeberg). Pelzer (Eupen- Aachen). Mllhlenbeck(Ppritz-Saatziz). Metz« macher(Bochum- Dortmund). Brabender(Tecklenburg). Ein Ziame undeutlich. Hr. Hammacher(Esten- Duis- bürg). Zapp(Lübben- Luckau). Zohn(Marienwcrder- Stndm). May(M.-Gladback). Deutz(Eupen-Aachen). Bcrger(Lennep-Solingen). P. Harkort(Hagen). Löwe (Herforde-Halle-Bielefeld). Baur(Schleiden-Moniiole- Malmcdy). Hcrrmann(Wittlich- Bernkastel). Ronde (Wittlich- Bernkastel). Scbocmann(Trier). H. Becker (Bochum-Dortmnnd). Weygold(Kr. Köln-Bergheim- Euskirchen). Olbertz(Kr. Köln-Bergheim- Euskirchen). Kreutz(Altena-Jlerlohn). Lucas(Mülheim-Sieg-Wipper- sürlh). Römer zRonnbcrg-Graudenz). Eoupienne(Essen- Duisburg). Leite(Gummersbach- Waldbroel). Grooie (Düsseldorf), van der Straeten(Düsseldorf.) An Herrn Eiassen- Kappelmann und Mitglieder de« Fest- Eomilö'». Die Mitglieder des Fest-Coniite's setzten einen Protest an den Königliche» Polizei-Präsidcnten aus, in welchem sie erklären, daß sie in den auf einander folgenden Handlungen des Polizei- Präsidenten, weicher den Auftrag des Regierungs- Präsidenten befolgte, des Ober- Bürgermeisters und des Oder- PrckuratorS einen Eingriff in das durch Artikel 29. der Verfaffungs- Urkunde gewährleistete Versanim- lnnzürecht erblicken. Gegen 3 Uhr begaben sich die Festgenoffen einzeln und in kleineren Gruppe» nach dem Zoologischen Garten, wohin die in der Gürzenich- Restaurasion zubereiteten Speisen inzwischen gebracht worden waren. Als sich nun während der Tafel einige Redner zu Toasten er- hoben, von denen einer dem Präsidenten des Ab- geordnelenhauses, Herrn Grabow, ein anderer der Verfassung und dem Rechte, ein dritter der auS der Zeit der Ruhe erwachsenen Erkcnntniß und Wahrheit und vor Allem der Freiheit, ein vierter dem Herrn Classen- Eappelmann galt, machte der Bürgermeister von Longerich die V.ersanimlung dar- auf aufmerksam, daß sie sich in der Bürgermeisterei Longerich befände, daß er, der Bürgermeister und die Polizei-Behörde anwesend sei. Man möge ihm den Gefallen lhun, sich zu entfernen; er handle in höherem Auftrage. Auf diese Worte folgte ein schallendes Hoch auf den Bürgermeister, worauf derselbe erklärte, die Versamnielten hätten sofort das Lokal zu verlassen und die Widersetzlichen wür- den zwangsweise entfernt werden. Man ließ sich indessen cinweilen nicht stören, während einer der Festgenossen im Namen des Comits's dringend er- mahnte, weder Reden zu halten noch Lieder zu singen, damit keine Ueberschreitungen stattfänden. Bald darauf kehrte der Bürgermeister in Begleitung eines Polizei- Genöd'arwen zurück und erklärte die Versammlung, weil einer der Herren bemerkt habe, es sei ein Comit« anwesend, auf Grund des Ge- fetzeS nochmals für definitiv aufgelöst. Etwa eine Biertelstundc nachher, nackdem die Festgenoffen in- zwischen daS Arndt'fche VaterlandSlicd anzustimmen versucht hatten, marschirte eine Abtheilung Infan- terie auf das Restauralions- Gebäude zu, während sich eine Schwadron Kürassiere in Front vor dem Eingange des Gartens aufgestellt hatte. Die Ver- sammlnng wird für aufgelöst erklärt, die Restaura- tion geschlossen, die Gartcnsäle geräumt. — Von Seiten des JnstrnctionSrichters, Herrn LandgerichtSraihs Simon, ist gegen Herrn Classen- Kappelniann ein Erscheinungsbefehl ans Heine Vor- mittag 19 Uhr erlassen worden. Herr Classen wird, da er augenblicklich von Köln abwesend ist, dem Befehle keine Folge leisten können.— Bei Hrn. M. Ritlinghausen wurde gestern ebenfalls eine Haussuchung abgehalten, die indeß ohne Resultat blieb. � Die Rathskammer des Königl. Landgerichtes hat so eben den Beschluß des Polizeipräsidenten, durch welchen daS Fest-Comitv als politischer Verein aufgelöst wurde, aufgehoben. Gegen diese Aufhe- bung hat der Obcr-Procnrator opponirt; die Ent» scheidung siebt jetzt dem Anklage-Senat zu. — Die Beförderung von Telegrammen hiesiger Correspondenten an Wiener Journale ist vom hie- � sigen Telegraphenbüreau verweigert. Depeschen an daS„Festcomitö" sind seit gestern auf dem Büreau von Seiten der Polizei saisirt. — Außer den Deutzer Kürassieren sind mehrere Bataillone Infanterie seit 11 Uhr in den Kasernen consignirt. Um 2 Uhr werden die consignirten Truppen durch andere abgelöst. An die Soldaten sind scharfe Patronen ausgegeben.— Die Aufregung ist in Folge dieser Maßregel groß. Auf | heule Abend 8 Uhr ist durch Plakate eine Arbeiter- Versammlung zusammenberufen. Die Plakate sind durch die Bürger entfernt.*) *) Dies ist, wenn es sich bestätigt, zugleich eine Ueberhebung, eine lln Verschämtheit und eine Dummheit. Eine Ueberhebung: weil die Auffassung i zu Grunde liegt, als vermöchten die Arbeiter sich nicht >» würdiger Weise, uuler Einhaltung des gesetzllchen ! Bodens, zu versammeln; eine Unverschämtheit: weil Niemand das Recht hat, abzureißen, was die Arbeiter angeschlagen haben; eine Dummheit: weil man die Ar- , beiter schwer durch solche Dinge reizt. Wenn sich doch die Herren Bürger klar machen wollten, wie wenig p?' litische Bedeutung sie haben, wenn die Massen»ich hinter ihnen stehen! r-, Das erbärmliche„ Franks. Journ." u»terst»t I w- denen, welche die Anschlagzettel der Arbeiter her-vysiiii, Beifall zu lfalschen. Die..Rhein. Ztg." hi-'g'S™ „Köln, 22. Juli. Die aus Karlsbad bergelangte Nachrichten lassen darüber keinen Zweifel, daß das sseir selbst, wenn auch der Regierungspräsident es�hatte ge- statten wollen, unterdrückt worden wäre, sogar v Vorkehriliigen zu einer ausgedehnten Anwendung Militärgewall waren getroffen und zwar keineswegs aut sür Köln. Davon, daß weder das Fest llomitee Gäste irgend eine Ruhestörung beabsichtigten,®ar!*, überzeugt und es hat deßhalb großes Befremden e n- j daß anonyme Briefe derbreitet worden sind, 1'1 rt die Fabrikherren u. f. w. aufgefordert werden, de» ve g — Die Köln- Düsieldorfer Dampfsckifsfahrts- Gesellschaft ist vom Polizeipräsidium aufgefordert worden, anzugeben, welche Schiffe.zur etwaigen Festfahrt bestimmt sind, damit die Schisse der fahr. planmäßigen To..r au der Abfahrt nicht behindert werden� — Piorgsis 11 Uhr. Ter' Gürzenich jst ge- schlosieGjuud-iu> Innern mir �lizei-Bi>rntisck»aft besetzt.'Die ZL-rihichaft des Restourateurß.ist� für Me Eitlen ZKg gefchlofjcn..r as in der Znberdi- tung begriffene, für I(X)0 Perjcnen angerichtete Esten wird eben durch Möbelwagen»ack dem zoo- logischen Garfew s.rg,adpp)fii>t- 3" dee Fivra»uit j im zoologischen Garleii sollen Veransttltubgen ge-- troffcn fein, welche eine Zusammenkunft daselbst unmöglich machen. — 12 Uhr. So eben ist eine Depntation ans RüdeSheim(Braun) eingetroffen, welche die ganze Bersaintiming uacd dem Johannisberg einladet. Die von dem Ecmits verlangle Herausgabe des Mittagsmahls auf dem Gürzenich wird verweigert. — Die Ansprache, welch« Herr Classen-Kappel- mann in dem deute Nachmittag ausgegeben Extra- blatte der„Rh. Ztg." nnd dann auch in ihrer uachfolgeuteii Nununcr veröffentlicht,�*) laulet im W?entllchen: Mitbürger! Seit vorgestern außerhalb Köln zu Erledigung drin- gcnder Gefchäsle, kam da« Gerücht zu mir, daß ein Ver- hajlSbeseM gegen mich erlasten wäre. In einer Sache, die so durch und durch von Svmpalhieu des Volkes getragen wird, haben selbst die Winde Ohren— das konnte ich gestern auf dem Lande so recht erproben. Wie�vasch war es in den Dörfern verbreitet, daß der Königl. Ober- proknrator Voelling Hanssuchung bei mir gehalten, daß er sich sehr angelegentlich erkundigt hatte, wohin ich ge- reist, mit welcher Droschke, wann ich zurückkehre ic.;— -- zDie K. Z. bemerkt, es sei ihres WiffenS nur«in VorfllhrungSbesehl erlasten worden.) Ich Halle mich lange schon im Geiste aus die Tage aesreut, die ich hoffte, zu den schönsten meines Lebens zählen zu dürfen, indem mir die große Ehre zu Theil wurde, den erwählten der Nation im Na- »neii aller Fest> Genvffe» und des politisch gebilde- . ten Voltes von Rheinland- Weslphalen im großen Gürzenich Saal den Willkommgruß darzubringen, der in lausenden und Hunderttausenden Herzen der Wähler sein Echo fände; ich halte gehofft, Aug' in Aug' und Hand in Hand de» hochverehrten Mitgliedern des Abgeordneten- Hauses— den anwesenden, wie den vielen, die leider ver- hindert waren-u erscheinen, versichern zu können, daß da« Gewisten(hier scheint etwa» nicht richtig wieder ge- geben zu sein) soll ich nicht genießen,-- Deßhalb muß ich in ich daraus befchränten, Ihnen Allen, die ge- komme» sind von fern und nah, im Geiste die treue Bruderhand zu drücken! Aber cS drängt mich, zugleich ein mahnende« Wort an die Mitbürger zu richten. Es gilt nicht de» hochgeehrten Herren Landtags Abgeordneten und Festgenoffen, bei deren Politischer Schule eine solche Mahnung Anmaßung wäre, sondern e« gilt den heißblütigen jüngeren Männern mit den muskulösen Armen nnd schwieligen Händen, die im heiligen Eifer für eine gute Sache zu weit gehe» könnten. Ihnen möchte ich dringend an« Herz legen, jede Provo- cation, jede Widersetzlichkeit gegen Polizei- und Militair- gewalt, jeden Exceß, jede Störung, jede Unordnung streng zu meiden;-------- Ich halte vor. ihnen den schönen Brief de« ausgezeichneten und hochverdienten Präsidenten Grabow, der zu unserm schmerzliche» Be- dauern verhindert ist, zum Feste ,» erscheinen, vorzulesen; ich hatte den Brief zu dem Zweck in meinem Pulte aus- bewahrt, aber der Königl. Oberprokurator hat ihn nebst Tag, als einen Festtag den Arbeitern frei zu geben. So viel ist ermittelt, daß die beiden hiesigen Arbeitervereine diesen Briefen ganz fremd sind,»nd die öffentliche Meinung sucht die Urheber dieser Briefe natürlich unter solcheg Personen, welche an dem Zustandekommen einer Einentc ein Interesse haben könnten. Es ist in dieser Beziehung anch aufgefallen, daß durch Plakate ans allen Straßen am heule Abend zu einer allgemeinen Arbeitervcrsammlung eingeladen ist. Wir halten nnS aber überzengt, daß diese Versammlung keineswegs milden angedeuteten Jutrigneu im Zusammen- hange stehe, und jedenfalls nicht das Werkzeug derselben werde." Au« unserm Kölner Bericht, der nachstehend folgt, wag die„Rhein. Ztg." ersehen, daß ihre Ueberzeu- gung eine richtige war. ••) Die Nummern der„Rh. Ztg.", welche den ganzen Brief de« Hrn. El.-K. wörtlich enthielten, sind gestern hier in Berlin polizeilich mit Beschlag belegt worden. einem Privatschreiben von Herrn Grabow sammt den auf da« Fest bezüglichen Druckschrislen weggenommen. Der Inhalt des Briese« wird also später zu ihrer Ktiinlniß gelangen können. Diese Freude der Ehrentage, für welche ich mit den wackeren Festgenossen so viele nächtliche Stunden freudig gtürbeitet habe,.-fauch dieser-Satz scheint nicht richtige zu sjin). Wer da« ihm. ist ein Gegner des g�etzlich«, tpses—— Diejenigen, ivAchvn GewalTals star- hm der Gesetze, zur Handhabung der Ordnung, zum y de« Eigenihum« und der persönlichen Freiheit«m aüt ist, und sllf den nützlichen Gebtuuch oder schäd- lichen Mißbrauch dem höheren Richter verantwortlich. So rpird das Fgst unter allen�tküksländen ein groß- artiges nnd würdige» sein.——--* Ich werde auf den' dringenden Wunsch der Freunde denz.Feste persöistich— weit vpzz Köln— fern bleiben» ——— Ich werde mir äns Liebs zur gmen Sache die Selbstverläirgnung auferlegen, erst am Montag zurück;»- kehren, um draußen meinen Gescharren odziUiegen, und werde mich nach deni Feste dem BerhastSbefehl willig fügen, wenn er mir präseniirt wird. Daß ich nicht heute toimne, werden Die Gegner vielleicht als Feigheit auSle- gen; ich habe den Mulh, auch diesen Borwurf zu ertra- gen. da die Mviiv« m«rue» Eutschluffe««« mir zur Pflicht machen. Ich. bade keinen Grund mich dem gerechten Spruch der gesetzlichen Richter zu entziehen. Am 22. Juli 1865. Classeii- Kappelmann. Köln. 23. Juli, Vormilt. Gestern Abend ver- sammelte» sich die Festgenossen im Hülel zum Ma- rieubildcheu in Deutz, woselbst vom Gesangverein und dem Sängerbünde Lieder vorgetragen wurden. Die Versammlung wurde von dem Bürgermeister m Deutz um 11 Uhr Adends aufgelöst. Vor dem Ho'.el waren Kürassiere aufgesteUl. Heute sind die reich gcschmückien Festvampfichiffe mit Militair de- setzt worden. Die Festgenossen haben sich mit der Eisenbahy»ach Oberlahenstein in Nassau begeben. Die Ruhe ist nicht gestört worden. Köln, 22. Juli Abends. Der Fabrikant Schnabel von Hückeswagen wurde im zoologischen Karten arretirt; derselbe gab dnrch keinerlei Reden oder Deinonstrationen z» dieser Maßregel Anlaß. Der Abg. Hamniacher von Effe» wurde, als er den die Versammlung störenden Bürgernieister von Longerich einfach nach seiner Ordre fragte, ebenfalls arretirt und nachher wieder sreigclassen, indeß Herr Schnabel von Hückeswagen in Hast verblieb. Die„Rhein. Ztg." schreibt: Köln, 22. Juli. Der Verlauf des heuligen Tages hat die schlimmsten Befürchtungen wahr gemacht: Das Versammlungsrecht ist ohne jeden gesetzlichen Grund vernichtet worden. Die öffentliche Meinung im In-»nd Ausland wird darüber richten und es schwerlich den dies- seitigen Behörden als mildernden Umstand anrechnen, daß das Telegraphenamt den Zeilungscorrespondentcn au« Wien und Brüffel die Besörderung kelegraphischer Depeschen üver die heutigen Vorgänge»ersagt hat. Zu unserm gestrigen Berichte tragen wir noch nach, daß eine Deputatio» aus Nassau, bestehend au« Hrn. Siebert, Mitglied der ersten Kammer nnd Herren De. Braun»nd Schenk, Mitglieder der zweiten Kammer, «ine Einladnng üderbracht, das Fest nach Rüdesheim z» verlegen. Die Abgeordneten selbst sprachen sich gegen jeden derartigen Vorschlag aus, da ein politisches Fest für Preußen auch nur ia Preußen gefeiert werden könne und wenn die Gewalt ein solches in Preußen unter- drücke, Jederman» den guten Willen Köln« und der Rheinlande sllr die volle Thal nehmen werde; ein An- deres sei es, wenn die einzelnen Abgeordneten»nd deren Freunde, nachdem Pas Fest in Köln ganz ausgegebeii, sich als Privaileule zu einer gemeinsamen Lustsahrl nach Bingen oder Rildesheim entschließen wltrden. Gestern Nachlnitiag gegen 3 Uhr halte sich im neuen großen Zelt des zoologischen GarienS eine Gesellschaft von ungefähr 360 Personell zu Tisch gesetzt. Die Meisten waren Fremde, die des Abgevrdnetensestes wegen herge- kommen waren Die Kölner mit ihren Gästen, den Ab- geordneten, hatten in der Mehrzahl e« vorgezogen, in ibren Privathänsern oder in Gasthöfen in der Stadt zu essen. Als im Zelt der erste Gang vorüber war, erklärt der Herr Bürgermeister Eich au« Lougerich der Gesell- schast:„Ich erlaud« mir, Sie Darauf aufmerksam zu machen, daß wir heute in Der Bürgermeisterei Longerich sind und daß ich, der Bürgermeister, und die Polizeibe- Hörde von Lougerich hier anwesend sind."(Bravo.) Herr Fritz Rittershaus aus Barmen schlug so- fort ein Hoch für den vortrefflichen Herrn Bürgermeister vor, in welches die heitere Gesellschaft jubelnd einstimmte. Nachdem c« wieder ruhiger geworden,»ahm Hr. Gustav Köttge» au« Barmen da« Wort und sag«:„Ich kann nicht ander«, mein Herz drängt mich dazu; e« schlägt sllr Gesetzlichkeit und Recht und für unsere Bersassung. ES lebe die Majorität unsere« Abgeordneten- Hause«!" Hieran knüpfend brachte Herr Herm. Li» ken- back aiiS Barmen ein Hoch aus auf die Verfassung. Der Herr Bürgermeister erklärte nun, daß er Mili- tair regniriren müsse. Herr RechtSanwali ElberS auS Esten sprach dann einige Worte über den Znsaiiimenhang de« RechlS und der Freiheit. Dann brockte Herr Justizrath Se»»yiyanm,»s Boämm em Öjjb auf Hrn. C lasse n- Kappen» a>>ii aus, die G.fettschlifi stimmte dann, wie anch lchoii mehrmals vorher an: |' Nichl Roß nach Reisige Sichern Die steile Höh' u. s. w. Als nun Hr. Zimmermeister Wülfrath au« Köln die Versammlung im Namen de« Eomitee« aufforderte, das Stngen zst unierlaffen, trat der Hr. Bltrgermeister mit ver' Erklärung dazwischen, da hier pon einem Co- mite« geredet werde, welches polizeilich aufgelöst sei, so müsse er die gegenwärtige Versaminlung hiermit auf- lösen, und zur Ausführung dieser Maßregel Militair kommen lasten. Sehr bald daraus lgcgen 5 Uhr) rückte eine Schwadron Kürafsicrc, die auf der Miihlheimer Heide ausgestellt gewesen war, vor den Garten nnd 2 halbe Compagnien vom 33. Jns.-Regiment rückten in den Garten ein und nahmen Iheils vor der Terrasse, tbeils vor dem Zelte Auistelluug; der commaudireude Osficier verlangte die Räuinuiig DeS Zelte« und de« Restanratlonslokals; welcher Aufforderung da» Publikum mit Ruhe nachkam; worauf da» Miliiair beide Räume besetzte. Der Bürgermeister trat nun wieder vor»nd verkündigt«: binne» einer Viertelstunde müsse der Saal geräumt sein, widrigensall« Waffengewalt angewendet würde Dieselbe Erkläcimg gab denn auch der Com- mandosührer Uni diese Zeit wurde der Fabrikant Hr. Schnabel aus Hückeswagen, wie es schien, weil er nach dem Grunde dieser militairische» Maßregel gefragt, durch das Militär fesigenommen; Herr Schnabel ist durch Mi- lilär zum Polizeipräsidium geführt, dort aber sofort in Freiheit gesetzt. Nach einem Trommelwirbel rückte da« Militär langsam gegen das Publikum vor, welches ohne Widerstand sich aus dem Garten zurückzog. Am Aus- ganze fehlte eS nicht an bunten Scenen. Dem Herrn Bürgermeister von Longerich wurde der Hut angetrieben und dem Abgeordneten Harkori I. wurden die Pferde ausgespannt, weil Turner und andere junge Leute seinen Wagen ziehen wollten, eine Ovalion, der er sich erst nach Znrllcklegung einiger Istst Schritte dnrch Verlassen de« Wagens enlziehen konnle. Das Hochrufen auf Har- kort iind das Ab geordnete ii ha Iis schien lein Ende nehmen zu wollen. Gegen 8 Uhr versammelte sich eine große Anzahl von Abgeordneten und Bürgern im Garten und in dem Saale des Gasthofs Bellevne zu Deutz. Der Männergesang- verein„Sängerbund" erfreute die Anwesenden durch seine schönen Vorträge und erwarb sich wohlverdienten und begeisterten Beifall.— Auf dem nahen Henmarkt zu Köln war die Mannschaft der Hanptwache erheblich verstärkt. Was RolandSeck anlangt, so hören wir, daß dem Bllr- genneister von Remagen höhern Ort« aufgegeben ist, sich heute in Rolandseck aufzuhalten und, unterstützt von Hu- saren, dahin zu wirken, daß in seiner Gemeinde weder Flaggen ausgeiteckl nodi Böllerschüsse gelöst werden und daß in den Gasthöfen keine abgesonderlen Znsammenkllnste stattfinden, insbesondere die Wirthstaseln für Jetcrmann ohne Unterschied zugänglich bleiben. Inzwischen haben die Abgeordneten und viele„Fest- genossen sich entschloffen, morgen früh um 6 Ubr mit der Eisenbahn»ach Oberlahnstein zufahren. Diejenigen, denen 6 Uhr zu früh ist, iolgeu mit dem Zuge»in 9 Uhr. Drei der von Herrn Elassen Kappelmann gemielheten Schiffe gehen diese Nacht nach Oberlahnstein. Wie wir nachträglich hören, ist gegen II Uhr der Festplatz Bellevue von den Kurassieren besetzt, nnd sind sämmiliche Anwesende, sogar die bereits in den Bellen liegenden Reisenden aufgefordert worden, da« Hotel zu verlassen. Die am Feste Betheiligtcn sowie das Publikum kamen dieser Auffordernnz nach. Später durchzog eine Escadron Kürassiere die Straßen von Deutz und trieb barmlose Spaziergänger in ihre Häuser und die von Köln Herübergekommenen über die Schiffbrücke vor sich her. Die für die Festfahrt bercitliegenden Boote sind kurz darauf militärisch besetzt und an der Abfahrt verhindert worden. Exceffe sind nicht vorgekommen, obwohl man solche von gewisser Seile gerne hätte provociren mögen. Juzwiscben liefen den ganzen Nachmittag zahlreiche Depeschen an Herrn Elassen ein, alle« Zustiiumungen zu seinem Verhallen und zu dem Verfahren des Fest- Eomitee's. Manche darunter kamen ans weitester Ferne — ein« derselben war von der äußersten Grenze, aus Tilsit. Trotz bes Festverbotes wäre» in der Nähe des Kürze- »ich mehrere Fahnen ausgehängt, die Bewohner der Häuser weigerten sich, sie abzunehmen, und am späten Abend hingen sie noch au«. Herr Elassen-Kappelmann an die Redaclion der Rhein. Ztg.- In der heute Morgen eilig abgefaßten Ansprach« an