Nr. lOO. Berlin, Mittwoch den 36. Juli Social-Ptmolnat. Di.s- tLgl.ch Organ des Allgcmclllcn deutschen Arbcitcr-Verems. R.d°-ti°�«nd.Hkp.d«�- ber Scnn. und F-st'age. R-digiN von Z. B. 0. H-sstctten und I. B. v. Schwcitzrr. DrcSdn-rstt-ß- Nr. 85. Abonnements-PreiS iiir Berlin incl. Bringerlvbn: vierleljährlich 18 Sgr., mo- nallich 6?gr., einzelne Nummern 1 Sgr.! bei den Kilnigl. preußischen Pest- iimlern 22'/� �gr-, bei den preußischen Postämtern im nichlpreußischen Deutsch- land 18�/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. I. 45. sildd., st. 1. 50. öslerr. Währ.) pro L-uartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-(Sompagnie, Scharren str. 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dicnstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter- Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstige» Annoncen mit 8 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen s'änder: �1r. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester- Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Com- du Commerce Saint-Andrä-des-Arts. Tie gestrige Nummer unseres Blattes ist abermals eonfiscirt worden. Ter Inhalt derselben findet sich großentheils in der Heu- tigen wiederholt. Zugleich bitten wir alle unsere Leser um Nachsicht und Geduld. Giuc geordnete Redaction ist unter den obwaltenden llmständen für uns schlechter- diugs unmöglich. Das Vcreinsrecht in Preußen betreffend. Berlin, 25. Juli. Wir brachten gestern ausführlichere Berichte über die Borgänge in Köln. Wir sind aber heute geno- thigt, nur daö Noldwendigsle zu geben, um— wie wir wenigstens, wenn auch nicht sehr zuversicbllich, hoffen— wieder einmal erne Nummer in die Hände unserer Leser zu bringen. Las Fest wurde in Köln bekanntlich durch Po- lizci- und Milttärmacht verhindert. Folgende wei-' tere Nachrichten nun sind eingelaufen! Köln, Sonntag, 23. Juli, Nachmittags. Die Theiluehmer des Abgeordnetenfestes sind ungestört in Oberlahnstcin angelangt,»achtem sie an verschiedenen Stationen, namentlich Bonn, Ro- laudöeck, Remagen von einer harrenden Menge be- grüßt worden waren. Viele Häuser in Obcrlahu- stein sind mit deutschen Farben geschmückt. Es fehlt an größeren Lokalitäten, doch ist die Stimmung eine heitere. Das Ausland war durch Gäftc vcrlretcu. Köln, Sonntag, 23. Juli, Nachts. Nachdem die Theiluehmer am Abgcordnetenfestc sich in dem Hotel Lahneck in Oberlahnstein rer- sammelt, pflanzte sich gegen 4 Uhr Nachmittags j eine Abtheilung nassauischen Militärs vor demsel- den auf und schritt um 6 Uhr zur Räumung der Lokalitäten. Die Abgeordneten und Festgenosien fuhren darauf theils auf zwei Dampfschiffen, theils per Eisenbahn nach Köln zurück. Wie die„Kr. Ztg." mittheilt, ist bei der Spren- gung der Versammlung in Lahnstein ein Herr Schmitz aus Elberfeld(vielleicht der Abgeordnete Schmidt) durch einen Bayonneltstich in der Brust verwundet worden. Die neueste„Berl. Ref." schreibt: Zu Ehren der Abgeordneten und zu Ehren de« Ver- ein«rechte« sind in Köln, Düsseldorf, Berlin u. a. O. Zei> tungen confiscirt, in Magdeburg Versammlungen auf- gelöst, in Deutz srenide Reisende au« den Bellen com- plimeulirt worden; in Köln, Koblenz, Bonn haben mili- lärische Evolutionen und Promenaden stattgefunden, Dampfschiffe sind in guter taktischer Ordnung von Pio- niercn geemeri und von Infanterie besetzt worden; ber Kernbürgermeister einer großen Kommune ist in dauern- den Konflikt mit einem großen Theile seiner städtischen Condomini versetzt nnd die Bürgermeister kleiner Gc- meinden sind wehrlos kopfüber in die Weltgeschichte ge- stürzt worden; schließlich ist sogar ans Grund bunde« freundlichen Erlulben« die Nachbarmacht Nassau voll internationaler Eroßmulb zu Hülse gekoininen nnd hat am Dessert da« zu glücklichem Ende gebracht, was in Köln an der Suppe begonnen worden war— und da» Alle« zu Ehren der Abgeordneten und zu Ehren de« Vereinsrechte«. Wa« nachfolgen wird? Nun, wenn e« eine Hydra war, der nach dem frommen Elanben der OsffciZse» in Köln der Kopf abgeschlagen worden, so sollte man nilbt vergessen, baß diese Hydra von einer fatalen Unerinüd- lich.'cit im Sichköpfeulassen gewesen ist. Es hat deshalb keine so große Eile und vor der Hand ist ja noch Eini- ges ans dem schon vorhandenen Stoffe zu verarbeiten. Da ist zunächst das richterliche Urlheil über die An- schaunngen de« Polizeidräsidelilen von Köln abzuwarten, nicht bloS das bereits provocine, in erster— und wie es beißt— auch schon in zweiter Znstanz abgegebene, sondern vielmehr noch das Urlyeil de« Richter« über da« Verbot auch des von dem einzelnen Privalmanne nnlernoiiimenen und in aller Vorsicht den weitesten An- sordernngen de« Gesetze« angepaßlen Festes. Da sind serner die richterlichen llaheile, welche man doch wohl anrufen wird wegen de« Briefwechsel« zwischen den an«- wärtigen Eomitc-Mitgliedern und Herrn Geiger, eine« Briefwechsel«, der durchweg an die Grenzen der HZ. 101 nnd 102 de« Strafgesetzhuchcs streift und der drei Viertel der preußischen Presse zu seinen Mit- schuldigen hat. Da ist endlich abzuwarten, wa« es denn mil jenen wahnwitzigen Drohungen der Feudalen gegen die„Fraktionen" auf sich hat. Keine dieser Fragen— das Übersehe man nicht— kann eine richterliche Lösung sindeu, ohne daß dabei die Gleichheil vor dem Ge- setze ans das Schärfste mit in das Spiel käme: all' Dasjenige, was jetzt der liberalen Partei als unzulässig und strafbar versagt wird, ist von der conscrvaliven Partei ebenfalls schon geihan und geübt worden und wird täglich von ihr geübt. Und das könnte wohl der Giftzahn an bewußtem Hydrakopfe sein, dessen Gift auch in dem abgeschlagenen weiter wirkt. Man fügt sich dem strengsten, rem schärfsten Gesetze, vorausgesetzt, daß es ein Allen gleiche« sei; man erträgt die selbst leichtere Bedrückung nicht, wenn sie einseitig auferlegt werden soll. Das ist der Kern de« Streite«, welcher jetzt des Richters harrt. In Betreff der Nachricht, daß die PlacaVe, welche in Köln zu einer allgemeinen Arbeiterver- sainmlnng aufforderten,„von Bürgern heradgerissen worden feien", hallen wir in voriger Nummer Fol- gendeS bemerkt: Dies ist, wenn c» sich bestätigt, zugleich eine Ueberhebung, eine Unverschämtheil und eine Dummheit. Eine Ueberhebung: weil die Auffassung zu Grunde liegt, als vermöchten die Arbeiter sich nicht in würdiger Weise, unter Einhaltung des gesetzlichen Bodens, zu versammeln; eine Unverschämlheil-. weil Niemand da« Recht hat, abzureißen, waS die Arbeiter angeschlagen haben; eine Dummheit-, weil man die Ar- heiler schwer durch solche Dinge reizt. Wenn sich doch die Herren Bürger klar machen wollten, wie wenig Po- litische Bedeutung sie habeu, wenn die Massen nichts hinter ihnen stehen! Das erbärmliche„Franks. Jonrn." untersteht ssich, denen, welche die Anschlagzettel der Arbeiter berabrissen, Veisall z» klalichen. Die„Rhein. Ztg." hingegen schreibt: „Köln, 22. Juli. Die aus Karlsbad hergelanglen Nachrichten lasse» darüber keinen Zweifel, daß da« Fest selbst, wenn auch der Regierungspräsident eö hätte ge- statten wollen,»nterdrllckt worden wäre. Sogar die Borkehningen zu einer ausgedehnten Anwendung der Militärgewalt waren getroffen»nd zwar keineswegs allein tiir Köln. Davon, daß weder das Fest-Eomilee noch die Gäste irgend eine Rnhestöriing beabsichtigten, war Jeder Überzeugt und e« hat deßhalb großes Befremden erregt, daß anonyme Briefe verbreitet worden find, in denen die Fabrikherrcn u. s. w. aufgefordert werden, den heut-gen Dag, als einen Festtag den Arbeitern frei zu qei-en. «v viel ist ermittelt, daß die beiden hiesigen A rdeiter vereine diesen Briefen ganz fremd sind, und die öffentliche Meinung suchl die Urheber dieser Briefe natürlich unter solchen Personen, welche an dem Zustandekommen einer Emeute ein Interesse haben könnten. Es ist in dieser Beziehung auch anfgesallen, daß durch Plakate auf allen Straßen auf heule Abend zu einer allgemeinen Arbeiterversammlung eingeladen ist. Wir ballen un» aber überzeugt, daß diese Bersammlung keineswegs mit den angedeulcteil Jiitrignen im Zusammen- hange stehe,»»d jedenfalls nicht das Werkzeug derselben werde." Au« unserm Kölner Bericht, der nachstehend folgt, mag die ,, Rhein. Ztg." ersehen, daß ihre Ueberzeu« gung eine richtige war. Illgcmeink Irbeitcr-Versammlung zu Berlin am 23. Juli 1865, in Suchen der Kölner Fest-Anstelepenheit. (Einberufen vom Allg. deutsch. Arb.-Verein.)*) Die Versammlung wird bald nack 11 Uhr von dem Präsidenten des Allg. deulfcb. Arb.- Vereins, Herrn Bernhard Becker, eröffnet. Derselbe schlägt Herrn Dikl mann zum Vorsitzenden vor, waS durch Abstliiiinuiig angenommen wirr. Herr Dittmann tritt das Ainl an und bittet, das Bureau zu ergänzen, worauf Herr Stephani zum zweiten Vorsitzenden und Herr Roller zum Schriftführer gewählt werden. Die Versammlung nahm hierauf mit folgendem Vorgang ihren Anfang: Das Vereinsgesetz gestattet der Polizei, ein oder zwei Beamten in jede Ver- sammlung zu schicken; es waren jedoch ein Hauptmann mit einem dito Lieutenant und Wacht- meister erschienen. Der Vorsitzende Hr. Dittmann richtete an den Hauptmann die öffentliche Arage, wie dies mil feinen Instruktionen stimme, wonach sich, auf sofortigen Befehl des Hauptmanns, der Wachtmeister unter dem Beifall der Versammlung aus dem Saal entfernte.. � Hiernach ermahnte der Borsitzende die Ber- sammlung zu Besonnenheil und Mäßigung, w«che ErniahnitNjj bei der durch die Kölner Vorgang hervorgerufenen Aufreizung am Platze sei, und verla *) Aus vorigv Nummer, mil Auslastung Stellen. sodann eine aus Iserlohn an die Versammlung ein- getroffene telegraphische Depesche. Dieselbe lautete: An die Versammlung in Schröder'« Salon, Gr. Frankfiirlerstr. 74/75, Berlin. Euch deutschen Arbeitern Berlin« nnsern demokrati- i schen Bmdcrgrujj und dem tapfer»„Social-Demokrat" ein tausendstimmiges Hnrrah! Die im Walde bei Oestrich versammelten Arbeiter von Iserlohn, griine Letmathe, Nachrodt nnb Umgezenv. Iiii Austrage: Carl Wilh. Tölcke, Schriftführer der Jserlobner Gemeinde de« Allgemeinen deutschen Ardkiter-Verein«. Auf Aufforderung des Borsitzenden erhob sich ' die Versammlung zum Zeichen dcS Dankes von ihren Sitzen, worauf nachsiehende Verhandlungen folgten: Vors. Dittmann: M. H.! Sie wissen, welche Kämpfe, wenn ick mich so ausdrücken darf, sich um die Auslegung de« Bereinsgesetze« zn Köln zugeiragen haben. Wenn eine einseitige Interpretation es der Regierung möglich machen sollte, jede zuReckl bestehende Versammlung zu untersagen, so wurde bierin eine Bersasiungsverletzung liegen, die ich noch nicht annehmen zu sollen glaube. Aber s nach dem, wa« einzelnen Vereinen in Deutschland geschehen ist, sucht man oft den Grund zur Anftösmtg in einem kleinen Formfehler, den man leicht findet, wenn man auflösen will. Wir haben e« in Berlin erlebt, mit wel- � chen Hindernissen wir zu kämpfen hallen. Sind doch ! sogar richterliche Sprüche angezogen worden, um eine Zusammenkunft unter freiem Himmel, wie z. B. eine Land- parthie nach Potsdam, aufzulösen! Ich kann es nur lebbast bedauern, daß der Staatsanwalt damals nicht i da« Urtheil de« obersten Gericht« angerufen hat; dann wüßten wir ein- für allemal, woran wir sind. Für uns Arbeiter, meine Herren, ist da« BcreinSrecht ein Palladiuin, und, mit der Prcfjsreih eit, da« vornehmste Recht.(Bravo.) Wenn man da« Vereinsrechl ander« auslegt, als e« wirklich lautet und I gemeint ist, so sind wir außer Stande unsere Interessen zu wahren. Nur gestützt aus da« Vereinsrechr sind wir tn der Lage, dasjenige zu erzielen, was un« nolh lhut, und von diesem Gesichtspunkt aus muß es uns mit Grauen erfüllen, zu sehen, wie man sich bemüht, da« Vereinsrechl in so enge Grenzen zu ziehen, wie dies ge> genwärtig bei dem Kölner Abgeordnelensest der Fall ist. M- H.! Da« Vereinsrechl ist ein so hohe« Gut für die Arbeiter, daß ich in der Thal nicht wüßte, wa« wir ihm(außer der Preßfreiheit) an die Seile zu "stellen hätten. 111. H.l ES handelt sich für un« darum, da« Vereinszesetz nicht in solche Schranken bringe» zu lassen, daß es für uns als nicht vorhanden zu betrachten wäre. Einer jeden weisen Slaatsregierttng sollte e« angenehmer sein, daß unter dem Auge der Beamten Versammlungen abgeballen werden, als daß sie die Arbeiter zur Conspiration treibt. Hier unter den Augen der Obrigkeit babcn wir un« offen auszusprechen, was wir über die Sache denken, und wir erwarten, daß uns die volle und ganze Freiheit des , Vereinsrechtes gewabrl werde.(Redner balle schon vor- her, mit scharfer Betonung, aus dem Vereinsgesetz die Fälle vorgelesen, in denen gesetzliche Auflösung statthaft ist.) M. H.! In Folge mangelbaster Ankündigung der Versammlttiig ist dieselbe nicht so zahlreich besucht, wie es der Bedeutung der Sache entsprechend sein müßte.*) Die Herren, von welchen die Versammlung ausgeht, sind der Ansicht, daß eine weitere Versammlung statt- finden müsse. Von Herrn v. Schweitzer ist in dieser Beziehung nachfolgender Antrag eingebracht: In Erwägung, daß durch die in Bezug auf das Abgeordnetenfest in Köln ergangenen Bkasiregeln der Behörden das durch die bcfchworne Verfassung allen Preusien garantirle Vereinsrecht im höchsten Masse gefährdet ist; i in weiterer Erwägnng, dasi es Pflicht aller i Staatsbürger ist, mit allen Kräften für die Wah- rung des bedrohten Vereinsrechtes einzustehen: aus diesen Gründen deschliesit die Versammlung f die Bildung cineS Comite's für Berlin in dieser Angelegenheit und betraut dasselbe mit den wci- ter etwa erforderlichen Schritten. Schweitzer: M. H.! Was in dieser Sache in Berlin geschieht, daß muß großartig und in gewaltigen Um- rissen geschehen. Nicht Sache einer einzelnen Partei, dicht Sache eines einzelnen Berein» ist es, über die Kölner Angelegenheit eui Urtheil abzugeben, sondert, die ganze Arbeiterschajl muß wie Ein Manu aus dem Platze stehen. Eine Mass env ersamml ung(lang anhalten- der Beifall), eine Massenversammlung, meine Herren, b>uß gehalten werden. Ernennen Sic ein Comitö, wel- fy« alle« hierzu Erforderliche besorgt. *) Die Erschienenen waren indessen au» sämmt- ucheu Berliner Arbeitervereinen und von rrder Richtung. Hr. Kalischeck meint, die Annoncen seien nicht genug bekannt geworden. Schweitzer erklärt, daß allerdings in dieser Bezie- bung Versänmniß vorliege. Aber man möge bedenken, daß die Einladung zur Versammlung aus den Kreisen des Allgem. deutsch. Arb.-Vereins hervorgegangen sei; das Organ diese« Verein« sei in dieser Woche vier- mal hintereinander eonfiscirt worden und bei den hier- durch entstandenen Milben, Arbeiten und Plackereien sei jene Versäumniß wohl zu entschuldigen. Richter: Der gestellte Antrag wird jetzt schon viel- jach imter den Arbeitern diskntirt, namentlich in den größcrn Werkstätten. Massenversammlungen sind schwer zn Stande zu bringen; aber die Resolution soll schritt- lich in die Hände der Arbeiter behufs ihrer Unterschrift ein b erg widerlegt dies aus seiner Erfahrung und bittet, daß sofort Vorschläge gemacht werden, in welcher Weise die Sache weiter gefördert werden soll. Dittmann schließt sich dem Schweitzer'schcn Vor- schlag an, ein Comitee zu wählen, welche« das weitere in dieser Sache zu besorge» habe. Dies Comitee müsse aber an« Mitgliedern der verschiedensten socialen Parteien bestehen; politisch seien wir so schon alle einig. Schilling befürwortet die Berufung einer Massen- Versammlung. Lamotke spricht sich in ähnlicher Weise für eine Massenversammlung au« und bittet, den Schweitzer'schcn Antrag anzunehmen. Schweitzer weist darauf hin, daß man erwarten dürfe, daß die gesammte, nicht feudale Presse ihre Schuldigkeit in dieser Sache lhue. ÄkachSchlusi d.Dlscussion wird derSäfwcitzer'sche Antrag angenommen und demzufolge ein Comitv mit dem Recht der Selbstergänzung gewählt, in welchem gleichntäsiig einerseits die beiden socialen Hauptricfalungen der Arbeiterklasse, andererseits die verschiedenen Ber- eine Berlins vertreten find. In dieses Comite werde» gewählt die Herren: Becker(Bernd.), Dittmann, Lamotke, Mehner, Rich- ter, Roller, Schilling, Schweitzer, Siephani. Nach Erledigung dieses Antrages erhält Herr v. Schweitzer das Wort zu einem weitern Antrag. Schweitzer: Meine Herren! Wenn auch die Haupt- fache aus die demnächstige Massenversammlung verschoben bleiben inuß, so scheint es mir doch unzulässig, daß diese Arbeitcrversammlung auseinander gehe, ohne sich irgend wie in der Sache selbst zu äußern. Ich glaube, dies würde am zweckmäßisten dadurch geschehe», daß Sie die Absenduug nachfolgenden Telegrammes nach Köln de- schlössen: Die am 23. Juli zu Berlin im Schröder'fche» Locale, Frankfurterstrasie 74/75, auf Einladung des Allg. deutsch. Arb.-Vereins vereinigte Arbeiterver- saminlung den wacker» Bertheidigern des Vereins- rechtes zu Köln ein donnerndes Hoch! Slephani: Ich beantrage, die Worte„auf Einla- dring des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Bereins" zu streichen, um der Sache jeden Parteicharakler zu nehmen. Schweitzer: Ich habe gegen die Aenderung nichts einzuwende». Gestatten Sie jedoch, meine Hlrren, Ihnen den Grund anzugeben. waruin ich jene Fassung wählte. Daß diejenigen Arbeiter, die sich der Fortschrittspartei zuzählen, für da« Kölner Comit« Partei ergriffen haben, daran zweifelt wohl Niemand; in Betreff des Allg. deutsch. Arb.-B-reinS aber könnte da und dort— ob- zwar irtdümlicher und mißverständlicher Weise— ein Zweifel in dieser Beziehung obwalten. Ich habe nun jene Fassung de« Telegramms gewählt, nur allen und jeden Zweifel in dieser Beziehung abzuschnci- den und auf's Bestimmteste an den Tag zu legen, daß wir in der schwebende Frage mit der Fortschrittspartei Hand in Hand geben. Bors. Dittmann: Ich begrüße diese Erklärung mit ausrichtigster Freude. Von dem Augenblicke an, wo diese Erklärung abgegeben wurde, ist jeder Streit, der bisher noch die Bestrebungen der Arbeiter trennte, verschwunden und gehoben. Meine Herren! Gehe jeder seinen Weg, aber lassen Sie uns darum nicht in Uneinigkeil und Hader miteinander leben; lassen Sie uns nicht einander bekämpfen, nicht einander verdächtigen und berabsetzen; denn in un? Allen wohnt ja das streben, die Lage der Arbeiterclassc zu verbessern.(Gr. Beifall.) Und daß derAllg.d.Arb.-V- in der Fortschrittspartei keinen Feind inehr erblickt, darin sehe ich eine unendliche Er- rungenschasl für die ganze deutsche Arbeiterbewegung; denn es läßt sich nicht verkennen, daß der Allg. deutsch. Arb.-Berein ein wesentlicher Hebel in der Agitalioii geworden ist. Darum begrüße ich die Erklärung de« Hrn. v. Schweitzer, der nächst Becker den Allg. deittsch. Arb.- Verein verlritt, mit Freuden, weil sie uns dazu führt, vereint für die Rechte des Volkes zu kämpfen.(Leb- hafte«, lang anhaltendes Bravo). Step ha ni: Der Vorsitzende äußerte, er betrachte es als einen großen Fortschritt, daß der Allg. deutsch. Arb.-Verein in der Fortschrittspartei keinen Feind mehr sehe. Ich glaube, Herr v. Schweitzer hat da« doch nicht so aufgefaßt und ivollle dies nicht sage». Ich verstehe ihn>o, daß er, soweit die Interessen znsanimen geben, nicht aber überhaupt ein Zusammen- wirken in Aussicht gestellt bat. Richter geht auf die Unterschiede in de» Be- strebungen des Allg. delilfch. Arb.-Ber-ins(Lassalle) und de« Berl. Arb.- Verein«(Schulze) ein.(Bon allen Seiten melden sich Anhänger Laffalle'S und Schulze'« zum Wort). Schweitzer: Meine Herrn! Ich bitte dlingend, ver- meiden Sie es doch ja, daß das erste Mal, wo die All- Hänger von Schulze und Lassalle zusammen gehe», ein Streit entstehe. Hebe» Sie doch, meine Herren, heute nicht hervor, worin wir auseinandergeben, sondern viel- mehr, worin wir einig sind. Einig aber sind wir alle unbedingt in der Erkennrniß: daß e« mit allen Kräften einzustehen gilt für da» bedrohte VereinSrecht, für die politische Freiheit. Schöbe!(vom Allg. deutsch. Arb.-Berein) verzichtet nach der Ausführung ans« Wort. Ebenso andere, die ? sich gemeldet hatten. Lamotke bedauert, daß Erörterungen vorgekom- men seien, welche die etwa anzubahnende Bereinigung wieder erschweren oder unmöglich machen könnten. Man schreitet nunmehr zur Abstimmung. Das Telegramm(mit der Vereinfachung) wird mit allen gegen eine Stimme angenommen. Es meldet sich zum Wort Herr Jö rissen: Jörissen: Ich habe gegen da« Telegramm gestimmt; denn ich finde keine Gründe zur Dankbarkeit gegen die Abgeordneten. 25t) sind eingeladen und llt) sind nur ge- kommen. Man hat die Tafel gedeckt, aber da« Esse» ist nicht eingenommen worden; die Herren baden sogar den Beschluß gefaßt, keine Reden zu halten. Becker(Vernh.): Nach den nettesten Telegrammen ist die Versammlung im zoologischen Garten ausgelöst wor- den; auch sind nach eben diesen Telegrammen allerdings Reden gehalten worden. Außer Polizei war»och In- santerie nnd Kava�erie in Thätigkeil. Sodann, was die Vehauptiing betrifft, daß da« Essen nickt eingenommen worven sei, fo war das Local lchon ganz früh gesperrt. lleberhaupt ist es sehr gleichgültig, ob man gegessen hat oder nicht; Reden sind gehalten worden. Wederz: Ick will aus Lassalle eingehen.(Rufe: Schulze! Lassalle! Schluß! Sein lassen! Ein anderes Mal!).- Vors. Dittmann: Wenn nach der Meinung de« Hrn. Jörissen ein Widerstand gegen die Militärmacht härte stattfinden sollen, so konnte er nicht von den 65 Abgeord- neien ausgehen, sondern mußte von einer andern Seite kommen.(Sehr richtig! Bravo!) Schweitzer: Allerdings lrisst ein harter nnd sckwe- rer Vorwurf diejenigen Abgeordneten, die nicht gekom- men sind. Es galt am Platze zn sein miv nicht mit Badereisen und derlei elenden Dinge» sich zu entschuldi- gen.(Redner erinnert an Vorgänge au« dem römischen Senat nnd dem englischen Parlament, wobi» Lord Cha- lam zu einer wichtigen Verhandlung sich vom Kranken- ! bette tragen ließ). Aber, meine Herren, wir schicken ja das Telegramm nicht denen, die weggebliebe», son- dern denen, die gekommen sind; diese aber haben ihr« Schuldigkeit gethän. Meine Herren!———— Vors. Dittmann schließt die Versanimlung und for- dert da« gewählte Comite auf, behufs weiterer Vera- thnngen sofort zusammenzutreten. Becker dankt den Erschienenen im Namen des Allg. deulsch. Arb.-Verein« und spricht die Hoffnung an«, daß sich die Arbeiter in nächster Sitzung zahlreich einfinden möchten.(Zurufe:„Die Arbeiter werden in Masse» kom- men!"„Dafür wird gesorgt werden.") Die Bersaminlung wird geschlossen. � Unmittelbar nach Schluß derselben tritt das Comite zusammen.— Telegramm aus Dresden. Trotz Sängerfest 700 Arbeiter. Einstimmig Resolution angenommen. Social-demokra- tische Agitation hoch! Arbeiter-Versammlung im Colosseum. F ö r st e r l i n g. Aus Leipzig wird berichtet, daß dort am . Sonntag eine große Arbeiter- Versammlung mit Begeisterung die bekannte Resolution faßte und einen telegraphischen Gruß nach Köln entsandte. In Augsburg wurde in einer sehr erregten Verhandlung die Resolution gleichfalls gefaßt. Aus Frankfurt a. M. wird uns geschrieben, !daß der Arbeitertag d es g e f a m m t e n Main-