Nr. lOl. Berlin, Donnerstag den 27. Juli R8SS. Iocial-Demakwt. Di.s-Z->'ung�s�u.!-�i.ch Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins. d» S-n». und Festläge. R-digirt von I.». v. Hofstetten und J. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraßc Nr. 85. Abonnement?-Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den KBnigl. preußischen Postämtern 22�2 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichlpreußischen Deutsch- land l8V«Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. I. 45. Md., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. 1, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro drei gespaltene Pelit-Zeile bei i Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstige» Annoncen wt 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder:>lr. Bender, 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Lue Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Ärts. Das Vereinsrecht in Preußen betreffend. Berlin, 25. Juli. Das Köln-Lahnsteiner Fest ist vorüber— der Eindruck aber, den die damit verbundenen Vor- gänge gemacht, hat sich— vom Rhein bis zur Memel, ja in ganz Deutschland— tief in alle Herzen gesenkt. Uns ist die Sprache gebunden— aber— die Thatsachen sprechen für sich allein. Ueber die Borgänge in Lahnstbin wird berichtet: Schon Vormillags war(nach der„Rh. Ztg.") von Wiesbaden allen Lokalpolizeistelle» eine Verfügung zuge- gangen, daß wenn die in Kölu versprengten preußischen Abgeordnelen versuchen sollten, sich irgendwo �us nasiau- schem Gebiete zu versammeln, sie nöthigensalls mir Waffen- gewalt zu vertreiben seien. Demgemäß war aus die Anzeige) daß die Gäste von Köln in Lahnstein angekom- men seien, sofort eine Compagnie Wiesbadener Militair unter Leitung des durch die Emser Porgänge des rori- ges Jahres sattsam bekannt gewordenen Affefsor Vonhausen in einem Exlrazuze nach Lahnstein gebracht worden. Die bewaffnete Macht kam indeß zu spät, um nassaliische Lor- beeren zu pflücken. DaS Einrücken des Militärs unter Trommelschlag mit einem Regierung«- Commissar, Land- jägern, Polizeidienern war nur ein Gegenstand des Ge- lächter« für die Alten und der Neugierde für die Jugend. Ganz unverridzteler Dinge wollte der Herr Asiesior aber nicht abziehen. Ein ganz unbedeutender Wortwechsel unter Gästen, wie er hier zu Lande allsonntäglich vorzu-! kommen pflegt, wurde nach 6 Uhr, und nachdem auch die allermeisten Fremden in den fast gleichzeitig von hier abgehenden Eisenbabnzügen abgereist waren, noch Vor- wand, um da« ZilS'sche Lokal zu räumen. Lachend wi- chen die Gäste, die also fast lediglich au« Einheimischen bestanden, zurück. An Widersetzen dachte Niemand, dennoch benutzten einige von den im Ganzen sonst recht manierlichen Soldaten die Gelegenheit, Tische und Stühle umzuwerfen und mit dem Gewehr auf die Abziehenden zu stoßen und zu schlagen. Reden sind, so lange das Militär da war, nicht gehalten worden; eS ist auch nicht gesungen worden, da« Einzige, das wir als denkbaren Gegenstand eines Conflikles zwischen den Gästen und den Organen der nasiauischen Souveränetät haben er- Mitteln können, soll darin beständen haben, daß Jemand noch einige von den gedruckten Festliedern vertheilt bat. Ein Herr aus Mainz, welcher gegen das brutale Bor- gehen der Soldaten protestirte, bekam zwei Verwundun- gen an der Sljrn. Im Garten waren vier Fremde an einem Tische sitzen geblieben, nämlich der Herr Abge- ordnete Schmidt aus Elberfeld, dessen Sohn, ferner Herr K ölt gen aus Langenberg und ein Nesse des- selben gleiche» Namens aus London. An diesen bewies die nassanische Armee ihre Hauptbravour. Sie stieß sie mit dem Kolben von den Stühlen; außerdem gab Einer dem jüngeren Herrn Schmidt einen solchen Schlag mit dem Gewehr, daß diesem das Blut sofort über das Gesicht lief. Nun schritten aber die Offiziere gegen diese Sol- baten ein und hinderten weitere Rohheiten. Drei Fremde, welche auf Befehl de« Herrn Vonhausen in ein schlechtes Gefängniß gebracht waren, wurden gegen 8 Uhr gegen Kaution wieder freigelassen, und nun fuhr die Kompagnie Soldaten mit ihren Lorbeeren nach Wiesbaden zurück. Die„Rhein. Ztg." bringt folgende ergötzliche Notizen: Unfern Bericht über die Vorgänge im Deutzer Gast- hos,„Bellevue" corrigirend, bemerken wir nachträglich, daß die Truppen die im Hotel logirenden Fremden nicht aus den Betten getrieben haben, sondern sie zwan- gen, in ihre Betten zu gehen. Die erste Rede des Hrn. Bürgermeister von Longerich im zoologischen Garten lautet nach den Aufzeichnungen eines Zuhörers:„Meine Herren! Das Gesetz schreibt vor— Sie sind hier in der Bürgermeisterei Longerich— ick bin der Bürgermeister von Longerich und die oberste Polizeibehörde— ich bin hier anwesend und ich bitte, davon Notiz zu nehmen." Zum Schluß einige Anekdoten: Als die Pioniere sich am Sonntag früh auf die Dampfschiffe begaben, führten sie ihre Waffen und Geräthe mit, also auch die Schau- sein. Als sich Jemand über die Schaufeln wunderte, bemerkte ihm ein Anderer:„Der K. 29 der Verfassung, der gestern im gesperrten Gürzenich von der Civilbehörde todtgeschlagen ist, soll heute von der Militairbehörde be- graben werden." Als der Bahnzug am Sonntag früh von Koblenz über den Rhein hinüber fuhr, fragte ein Herr aus Schle- sien den controlirenden Schaffner:„Wo hört das preußische Gebiet aus?"„Da, wo die deutschen Flaggen anfangen," lautete die Antwort. Die Wiener„Presse" bemerkt: Der passive Widerstand des preußischen Volke« hat den CulminationSpunkt erreicht, und die Regierung sieht sich mehr als je von ihm überflügelt und gänzlich außer Stande, ihn zu brechen. Es bleibt ihr gegenwärtig keine Wahl, als zurückzutreten, oder zu neuen, schärferen Maß- nahmen zu greise», welche kein anderes al» ein ab- solulistisches Gepräge tragen können. Der totale Miß- erfolg der letzterwähnten Richtung kann jedoch nur eine Frage der Zeit sein. Das preußische Volk hat sich so ausdauernd und selbstbewußt gezeigt, daß früher oder später der Bruch des auf seinem Nacken lastenden Systems erfolgen muß. Weiter sagt dasselbe Blatt: Das Fest, al« solche«, wäre verrauscht; die Strenge der Repression hat e« zu einem Ereignisse und zu einem Wendepunkte gemacht. Ob Letzteres wirklich der Fall sein wird, hängt großentheils von der Haltung, welche die Fortschritts- Partei jetzt annehmen wird, ab. Neben verschiedenen verfehlten Bemerkungen wendet sich heute die„Bolks-Ztg." in ihrem Leit- artikel sehr zutreffend gegen die ,',Krz.-Ztg." Nach- dem sie bemerkt hat, dass die„Krz.-Ztg." wüthend darüber sei, daß der„Soc.-Dem." seine Pflicht ge- than, fährt die„Volks-Ztg." fort: „Wir würden es verstehen"— sagt die„Krz.-Ztg."— wenn der„Soc.-Dem." seine Leser gegenüber der libe- ralen Komödie aus eine ernsthafte Aktion hinge- wiesen hätte!" Das heißt: wir würden es al« Wasser aus unsere Mühle betrachtet haben, wenn der„Soc.« Dem." so gut hätte sein wollen, das Festessen als Ge- legenheit für eine revolutionäre Erhebung im social- demokratischen Sinne zu bezeichnen. Dann wäre er zur Denunziation gar herrlich zu gebrauchen. Er hat e» nicht gethan; er hat blo« für da« gesetzliche Bersamm- lungSrecht das Wort genommen. Mit Stolz und Freude ersehen wir auS den Berichten, welche aus allen Theilen Deutsch- lands bei uns zusammenströmen, wie rasch und sicher die Arbeiter allerwärts erkannt haben, daß es ihre Pflicht und ihr Interesse ist, in der Frage -des VercinsrcchlS das liberale Bürgerthum zu un- terstützcn. Mit Stolz und Freude ersehen wir aus diesen Berichten ferner, daß die Arbeiter sich überall auf gesetzlichem Boden gehalten und von dem pro- vocirenden Hetzen der Junkerpartei sich nicht zu Excessen haben hinreißen lassen. Ehre vor Allen den Bevollmächtigten des All- gemeinen deutschen Arbeiter-Bereins. die tüchtig auf dem Platz waren— jeder hat seine Schuldig- keit gethan. Doch theilen wir unfern Lesern die weiteren Berichte mit:„ Aus Altona geht uns eine höchst beachtens- werlhe Nachricht zu. Freilich hören und lesen wir bereits feit längerer Zeit aus den Herzogthümern, daß eS dem prcußi- scheu Regierungssystem gelungen sei, die Siege von Alfen und Düppel vergessen zu machen und die Herzen der Landesbewohner Preußen zu entfremden. Wir lesen mit Staumen von der Art und Weise, wie man die Schleswig-Holsteiner zwingen will, preußische Sympathien an den Tag zu legen, was I doch, Angesichts derZustände im Königreich, neuestens der Kölner Angelegenheiten, einer civilisirten Be- völkerung gegenüber eine starke Zumuthung ist. Aus Altona nun schreibt uns ein Arbeiter, daß der bekannte Zedlitz, der in Schleswig-Holsteir' nach gleichfalls bekanntem Muster vorgehl, ein Einschreiten gegen die Arbeiter veran- ! laßt hat. Selbstverständlich konnte dieses Einschreiten nur bewirken, daß die preußische Herrschaft noch un- populärer wurde als sie es bereits war. Nachstehend der Bericht: rnn. Altona. 25. Juli.(Die Arbeiter und Herr v. Zedlitz.) Nach Empfang der Anordnung und Be- kannlmachung des Präsidenten Hrn. Bernhard Becker wurden hier sofort Vorbereitungen zur Einberufung einer große» Versammlung getroffen und waren zu dem Zwecke schon am Freitag 1500 Plakate, enthaltend eine Auffor- derung an die Arbeiter und Bürger Altona'« zu euicr Versammlung ausgetragen worden, während die be� Zeitungen, die„Altonaer Nachrichten" und die■' ~ VJiOn* «yctl �>ogictf eine �cycmrc vun v1"* T''S-, preuß. Civil-Eommissar, worin es heißt, die Hersammlung dürfe nicht abgehalten werden, woraus derselbe wicde zurück telegraphirte, man sei jedenfalls falsch benwle- ES erfolgte aber daraus keine Antwort und so sanoc wir denn da« Lokal, den Engl. Garten, welcher an JW" Personen faßt, von der Polizei besetzt. Da» Lokal w unfehlbar gedrängt voll geworden. Mittlerweile denn auch Hr. Mann eingetroffen, welcher in H'" ,,, noch auf die 2. Ausgabe der„Börsen-Halle 8� hatte, um die neuesten Berichte au« Köln entgegen ' men. Derselbe forderte nun die bereit«>n Man KS. edition, , sowie eile bei htiet. im die shseem werde; linjum afsung i«le. n sind >ewor- , un« ch um r, ehe glichen ht mit »m da jeden iltcnen unsera nS— ihaltS- ff des tation. nmung mserer dem Lokale versammelten Personen auf, ihm aus da« Heiligen-Geist-Feld zu folgen. Da wir auch dort kein Lokal erhalten konnten, tagten wir, eine große Masse, aus sreiem Felde. Herr Mann forderte die Anwesenden auf, sich am Boden zu lagern, damit ein jeder besser hören könne, was auch geschah. Derselbe erklärte min in einer kurzen Ansprache, warum der Allg. deutsch. Arb• Verein für die Kölner Festgenossen Partei ergriffen habe und beurtheilte, nachdem er die Resolution verlesen hatte, das Verhalten der preußischen Behörden in wenigen, aber entschiedenen Worten. Hierauf gedachte er noch veS euer- gischen Auftreten« de« Präsidenten B. Becker und der Redaktion de«„Soc.-Dem." und brachte ein Hoch aus die in Köln erschienenen Abgeordneten, sowie aus den Prä- sidenten und die Redaction des„Soc.-Dem." au«, in welche« die Anwesenden mit Begeisterung einstimmten. Es wurde nun eine Depesche an B. Becker abgeschickt; die- selbe wurde an der Börsenhalle zu Hamburg ausgegeben.*) Nachdem nun Hr. Mann aufgefordert, Donnerstag in der Gemeindeversammlung zahlreich zu erscheinen, wozu alle NichtMitglieder eingeladen wurden, ersuchte er die An- wesenden sich ganz ruhig zu verhalten und nach Hause zu gehen. Als wir wieder am Versammlungslokale, um 10 Uhr, vorbeikamen, stand noch alle« dicht von Menschen und forderte Hr. Mann nochmals Jeden auf, im Jnter- esse des Verein« und der öffentlichen Ruhe sich zu ent- fernen, was denn auch geschah.— Wie wir erfahren, waren die preußischen Wachen verstärkt und mit scharfen Patronen versehen. Dies Auftreten ist jetzt siir uns von großem Nutzen. O, deutsche« Volk! O berühmte deutsche Geduld!— Hr. Mann wird leider nächste Woche Altona verlassen. Weil wir übrigens doch einmal bei den tief staatsmännischen Mitteln sind, durch welche die preußische Regierung bei der Bevölkerung der Her- zogthümer Boden zu gewinnen gedenkt, so möge auch nachstehendes Telegramm hier Platz finden: Altona, 2b. Jnli, Vormittags. Der Redacteur der„Schleswig-Holsteinischen Zeitung", May, isst heule früh aus Befehl des General- Koni- mando's durch Preußische Eskorte, unterMit- nähme seiner sämmtlichen Papiere verhastet und mit dem Frllhzuge der Altona- Kieler Eisenbahn nach Norden abgeführt worden.— Die„Schleswig-Holsteinische Zeitung" erscheint unver« ändert weiter. Aus(Elberfeld und Barnten wird uns be- richtet: H. Elberfeld, 24. Juli.(Allg. Arbeiter-Ber- sammlungen durch den Allg. deutsch. Arb.-Ver- ein in Barmeu und Elberfeld.) Die vom Präsi- dium des Allg. deutsch. Arb.- Vereins angeordneten Arbei- ter-Versammlungen haben hier und in Barmen gleich- zeitig stattgesunden unter starkem Zudrang der Arbeiter. (Das Versammlungslokal in Barmen faßt circa 2000 Personen, aber trotzdem mußten sehr viele wegen Mangel« an Raum wieder abziehen.)— In Barmen wurden dem Präsidenten B. Becker und dem„Social-Demokrat" illr ihre entschiedene Haltung in der Kölner Angelegenheit donnernde Hochs gebracht, und wurde die Resolution des Präsidenten, worüber abzustimmen von der Poli- s ei unter Androhung von Auflösung der Per- sanimlung verboten worden, mit donnernden Bravos begrüßt.— In Elberfeld wurde gleichfalls von einer großen Versammlung, welche das Lokal nicht zu fassen vermochte, die Resolution einstimmig ange- nommen. Ich halte es für meine Pflicht gehalten, beide Versammlungen zu besuchen, um, so viel an mir l-g� Sorge zu tragen, daß auch der geringste Mißton ferne gehalten oder Mißverständnisse verinieden würden. Meine Erwartungen und mein Vertrauen aus die Jni»lligenz der Arbeiter sind glänzend gerechtiertigt worden. Diese Tausende und aber Tausende von Männern derArbeit sahen wohl ein, daß der Schlag, der geführt worden, nicht blos gegen die Fortschrittler gemeint ist, sondern daß derselbe gegen das ganze Volk, oder besser gesagt, gegen die Freiheiten de« ganzen Volkes(Vereins-»nd Ber- samiiiliingsrecht) gerichtet worden. Hier im Wupper« Ihal stimmt Alles für die Aufrechthaltung des Vereins- und Versammlungsrechts, und werden die Arbeiter nicht« unterlassen, diesen Kern aller Volksrechte zu wahren und zu schützen. So viel für heute, in einigen Tagen ein Mehrere«. Mit social-demokratischem Gruß! die Versammlung zu schließen, al« der eine der beiden zur Ueberwachung abgeordneten Polizei- Commissare, Mörsch, vortrat und im Namen de« Königs die Ber- sanimlung auslöste. Wie man nachträglich vernimmt, confiscirle der auflösende Beamte zugleich die vorgelegte Nummer de«„Social-Demokrat" und forschte eifrig, wie wohl vergeblich nach dem Namen de» al« Sprecher aus» getretenen Mannes. Nachstehendes Arbeiterschrciben war aus Elber» feld und Barmen nach Köln abgegangen: Unterzeichnete, Arbeiter von Elberfeld und Barme», können es sich nicht versagen, Ihnen, hochverehrter Herr und allen Festtbeilnehmern ihre Sympathien kund zu geben. Die gebildete Welt wird mit Staiinen aus die Vorkommnisse der vergangenen Woche blicken; der Griffel wird den 22. Juli 1865 in der preußischen Geschichte würdig kennzeichnen. Nur mannhaft aushalten auf dem Fels des Rechtes, so wird der endliche Sieg nicht au«- bleiben. Mit aller Hochachtung»nd Verehrung. Folgen die Unterschriften. Ein Telegramm aus Elberfeld erhalten wir höchst auffälliger Weise heute, den 26. d., nach- ' dem der in dem Telegramm in Aussicht gestellte briefliche Bericht schon längst bei uns eingetroffen ist. beiter- *) Diese Depesche kam durch ein Versehen in letzter Nummer nicht zum Abdruck. Sie enthielt übrigens nichts, wa« nicht im heutigen Bericht ausführlicher zu lesen. Aus Magdeburg berichten in Betreff der Ar- beiterversanimlung, über welche wir bereits einen Arbeiterbericht gebracht haben, die Fortschrittsblätter wie folgt: Magdeburg, 23. Juli. Seit langkr Zeit ist heut zum ersten Male wieder eine politische Versammlung hier aufgelöst worden.—„Be- Hufs Unterstützung de« AbgeorduetenfesteS in Köln" hatte eine Anssorderuiig im Jnseratentheile der „Magd. Presse" zu einer Versammlung im Quinckard'schen [ Locale in der Friedrichstadt auf Sonntag, den 23. d. Mts., Vormittags ll Uhr alle Arbeiter Magdeburgs und der Umgegend eingeladen. Ausgeschrieben war dieselbe vom hiesigen„Bevollmächtigten des Allg. deutsch. Arb.-Ver- eins, I. Münze." Zur bestimmten Stunde hatten sich etwa 70 Personen eingefunden. Der zum Präses erwählte Bevollmächtigte erössnetc der Versammlung, daß die durch Anschlagzettel vermittelte Einladung zur Verfamm- lung, laut Benachrichtigung de« Eigenthümers der con- cessionirten Placattasel», Hrn. E.Baensch, polizeilich inhi- birt worden. Bei der sichtlich geringe Betheiligung unserer Einwohnerschaft glaubte er diesen Umstand in Rech- nung bringen zu müssen und forderte dann nach Vor- läge einer in Nr. 95 des„Social-Demokrat" enthaltenen Resoliition des„Allg. deuisch. Arb.« Vereins ," nnter-. zeichnet Beruh. Becker, zur Discussion über dieselbe auf. Der Artikel setzt die Nothwendigkeit auseinander, mit ! Darangabe jedes Fractions-Unterschiede«, die Ueberzeu- gung von dem Rechte des Kölner Festconiite's und der Fortschrittspartei« Mitglieder des Preußischen Abgeord- iieteiihanses in der Kölner Festbankett- Angelegenheit öffentlich darzulegen. Nur ein Redner meldete sich zum Wort. Ohne seine» Namen zu nennen, da er dazu vom Präsidium nicht ausgefordert war, verlangte er von den Versammelten in energischen Worten die Unterzeichnung der Resolution. Da sich ein Anderer nicht zum Wort meldete, war der Vorsitzende im Begriff, Aus Hagen erhalten wir nachstehendes Arbei- terfchreiben: Verehrliche Redaktion! Zur schleunigen Nachricht, daß in der am gestrigen Tage abgehaltenen, zahlreich besuchten Arbeiter« Versammlung hier in Hagen die uns zugeschickte be- kannte Resolution ganz nach dem Wortlaute und einstimmig angenommen worden ist. Die De« battc war eine sehr lebhafte. Bon verschiedenen Seiten wurde der Wunsch ausgesprochen, die Resolution noch zu verschärfen, doch unterließ man auf Antrag de« Hrn. Haasenclever diese Verschärfung, der mit Recht hervor- hob, daß dieselbe als eine vom Präsidenten B. Becker ausgebende Resolution an alle deutschen Arbeiter-Bereine geschickt sei und daß voraussichtlich überall eine gleiche Annahme erfolge; deshalb erachte er sojjar die Annahme der Resolution nach ihrem Wortlaute im Interesse der vollständigen Einigkeit des deutschen Arbeiterstan- des für dringend geboten. Mit social-demokratischem Gruß! Der Bevollmächtigte: Hagen, 24. Juli 1865. Heinr. Kruse. Aus Erfurt ist dem Präsidium des Allst. deutsch. Arb.-Vereins nachfolgendes Arbeiterschr«-- ben zugegangen: Verehrter Herr Präsident! Hiermit erhalten Sie Bericht über Verlauf und Er- gebniß der von mir am 23. d. M abgehaltenen Ver- sammliing. Die Versammlung war sehr zahlreich besucht; das Lokal war voll, die Landarbeiter waren zahlreich ver- trete». Ich konnte, einer bestimmten Erklärung de« Herrn Oberbürgermeister« zufolge, über die Kölner Festangele- genheil nicht sprechen, wonach neinlich im Falle einer Abstimmung über die bekannte Resolution die Lersanim« lung polizeilich ausgelöst werden sollte. Die gleiche Er« klärung von dem anwesenden Polizeikommissar verhinderte mich, die Resolution zum Beschluß vorznlegen. Herr Präsident, ehe Sie ein Urtheil über mich fällen, kommen Sie zu uns Arbeitern her, überzeugen Sie Sich von den hiesigen Zuständen, und das Urlheil, wcl- che« Sie dann fällen werden, will ich willig hinnehmen »nd mich schämen, wenn ich nicht stolz mein Haupt al« Social-Demokrat erheben kann.— Ich habe weiter nicht« mehr zu berichten, als daß die hiestgen Militärwachen verstärkt und init scharfen Patronen verschen waren; zu welchem Zwecke, weiß ich nicht. Mit social-demokratischem Gruß Erfurt, 23. Juli 1865. B. Arnold, Bevollmächtigter. Der Bevollmächtigte Arnold zu Erfurt hat seine Schuldigkeit vollständig gethan und alle Pflichten erfüllt, die sein Posten ihm auserlegte; die Vereins- leitung hat nicht mehr von ihm verlangt, als er geleistet hat. Es giebt eine Parten in Preußen, welche die Arbeiter zu Ungesetzlichkeiten provocirt sehen möchte. Arbeiter! Seid auf Eurer Hut! I. B. v. Hofstetten, Redacteur dieses Blattes, ist trotz des Zusicherungsdecre- ischrei- Dem." 'usfeln Feuilleton 1 daß das Zusammentreffen von Michels Besuch zu ! solcher Tageszeit mit der Toilette und- dem Beneh- ii über gegen Wichet Langmutst, der Schuhmacher. men seiner Tante kein zufälliges fei und zwischen iphen- cßver- Eine Arbeitergeschichte von ande», cr Sk- s PaS erliner Arbei« icbent I. K. b. Hofstetten. II. Kapitel.(Fortsetzung.) Hugo glaubte kaum seinen Augen trauen zu dürfen, die ihn in der so auffallend gekleideten Dame seine Tante hatten erkennen lassen. Und doch, er hatte zu deutlich gesehen, kein Zweifel war Möglich. In der That halten ihn seine Augen nicht betro- gen. Die Commerzienräthm hatte den sich entfernen- den Michel beobachtet, da sie eS nicht für unmög- lich gehalten, daß er, wie sie lebhaft wünschte. doch'einmal umkehren würde, um ihre Vergebung Zu erlangen und sich wieder mit ihr zu versöhnen. In Hugo stieg sogleich die Vermuthung auf, ihr und ihm ein geheimes Verhältniß bestehe Diese Vermuthung steigerte sich bei ihm fast bis zur Gewißheit, als ihin jetzt auch noch beisiel, daß gerade beute Martha von feiner Tante vom Haufe weggeschickt worden war. Es schien ihm aus verschiedenen Gründen für ihn von großer Wich- tigkeit zu sein, hinter den wahren Sachverhalt zu i kommen; denn darnach mußte sich jetzt sein Beneh- men sowohl gegen Martha als gegen Michel rick i ten. Er mußte wissen, ob dieser, vorkommenden � Falles, von seiner Tante ernsthaft geschützt würde, und glaubte sich einen Erfolg bei Martha ver- sprechen zu dürfen, wenn er im Stande wäre, sie von Michels Untreue zu überzeugen. Seine nächste Aufgabe, war also, sich darüber Gewißheit zu verschaffen, und damit wollte er schon heute, so weit es die Verfolgung seines Hauptzwecks, die benöthigten 1000 Thaler zu erhalten, zuließe, den Anfang machen. Auch glaubte er, den Umstand, durch sein Zu- sammentreffen mit Michel von dessen ungewöhnlichem Besuch Kenntniß erhalten und gewissermaßen seine Tante bei einem Rendezvous überrascht zu haben, für sein Vorhaben vortheilhaft verwerthen zu können, indem ihm jetzt seine Tante unter solchen Umständen seine Bitte nicht wohl würde abschlagen wollen. Nach diesen Erwägungen zog er die Thürklingel. Aber mehrere Minute» vergingen, ohne daß er ein- gelassen wiirde, und schon war er im Begriff zum zweiten Male zu schellen, als seine Tante erschien und ihn freundlich bewillkommte. Sie hatte unterdessen vollständig ihre Toilette verändert und sah jetzt wieder genau wie ge- wöhnlich auS. So unangenehm ihr auch in diesem Augenblicke der Besuch ihres Neffen war, hatte sie doch gc- glaubt, denselben vorlassen zu müssen, weil sie wußte, daß er mit Michel auf der Hausflur zusammen ?etroffcn war, und weil sie befürchtete, Hugo habe ie vorhin erkannt. Während sie ihn in das Empfangszimmer ge- Jä