Nr. 107. Berlin, Donnerstag den 3. August JocialGcmokrat. Dicse Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festläge. Organ des Allgcmcincn dcntschcn Arbcitcr-Vcrcins. Redigirt von Z. B. v. Hofstetten und Z. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin, . Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnements-Preis sltr Berlin ind. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den Königl. preußischen Postämtern 221/2 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichipreußilchen Deulich- land 18�/« Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. 1. 45. südd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß- Eompaguie, Scharre, istr. 1, sowii auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltenc Peiit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit l Sgr., bei soufligen Annoncen m,t 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen känder: Mr. Bender, 8. Little New-Port-Street, I.eicester- Square W. C. London. Agentur für Frankreich: li. A. Alexandre, Strassbourg, 5. ßne Bnilee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andr�-des-Arts. politischer Theil. Deutschland. * Wim, 30. Juli. �Die„Mitbesitzer"- Dualismus. Finanzielles. Jubelfest.„Bot- schafter."� Alle Nachrichten stimmen jetzt darin überein, daß Oesterreich und Preußen in Betreff der Herzogthümer sich nicht zu einigen vermögen. Dem Ausgange der Mission deS Grafen Bloome, der eine Berständignng versuchen soll, sieht inan mit größter Spannung entgegen, da dieser Aus- gang auf die weitere Gestaltung der österreichisch- preußischen Beziehungen von entscheidendem Ein- flusse sein wird. Es heißt, daß der Graf angewiesen ist, bei„passender Gelegenheit" auch das Compen- sationsthema zur Sprache zu bringen. Bis heute liegt jedoch nichts vor, woraus sich der Schluß zie- Heu ließe, daß Preußen nunmehr geneigt sei, seine Februar-Forderungen den von österreichischer Seite ausgesprochenen Wünschen gemäß zu modificiren oder daß umgekehrt Oesterreich nachzugeben d. h. sich den preußischen Forderungen zu fügen gedächte.— Alle Neubesetzungen der hohen StaatSämter ge- fchehen mit der bisher noch nicht dagewesenen sehr beachtenSwerthen Neuerung„mit Ausschluß der Länder der ungarischen Krone," wodurck der bis- her nur im Geheimen bestandene Dualismus offi- cielle Anerkennung gefunden hat.— Das Finanz- gesetz für das Jahr 1865 enthält neun Artikel, von denen der erste lautet:„Die gesammten Staats- ausgaben für das Jahr 1865 werden auf die Summe von 522,888,222 Fl. Oesterr. Währ, festgesetzt." Und im Art. 8 heißt es:„Für die Bedeckung deS Abganges, welcher sich, wenn den gesammten Staats- angaben von 522,888,222 Fl. die gesammten Staats- einnahmen von 514,905,453 Fl. entgegengehalten werden, mit 7,892,769 Fl. ergiebt, wird durch ein besonderes Gesetz vorgcsorgt werden."— Zum Jnbelfeste der wiener Universität, am 1. bis 3. August, haben sich bereits 862 Festgenossen und 900 Theilnehmer gemeldet.— Der„Botschafter", das Organ Schmerlings ist mit dem 31. Juli ein- gegangen. Köln, 31. Juli. sUntersuchuna.j Der Di- rector des zoologischen Gartens vr. BodinuS ist in Folge eines von dem Untersuchungsrichter Land- gerichtsrath Simon an ihn erlassenen Erscheinungs- befehls heute Vormittag von dem genannten Beam- ten vernommen worden. Dr. Botinus ist, wie wir hören, auf Grund der von ihm veröffentlichten Er- klärung in Betreff der Räumung des zoologischen Gartens am 22. d. M. der Aufreizung zu Haß und Verachtung(§ 100 des Strafgesetzbuches) und außerdem der Beleidigung von Beamten in officio beschuldigt.(Köln. Ztg.) Koburg.(Zum Preßgesetz.j Der kobur- ger Landtag hat in der Preszgesetzfrage nachgegc- ben, indem er die Art. 3 und 14 des Gesetzen!- wurfs in cineö Fassung angenommen hat, welche das Zustandekommen deS Gesetzes sicher stellt. Ausland. * Paris, 31. Juli. sTagesberich l.j Gestern und vorgestern haben die GenieinderathS-Nachwahlen in Frankreich stattgefunden. In allen größere» Städ- teu, wie in Marseille, Bordeaux, NimeS, Orleans, Rouen, Mans, TourS, Vicnne, Grenoble, Cette, Beaune u. s. w., trug die Opposition den Sieg da- von. Die Opposition hat jedenfalls Grund, mit den erhaltenen Resultaten zufrieden zu sein.— Die marseiller Deputation, welche in Paris war, um eine Verschärfung der Quarantaine-Maßregeln zu erhalten, ist abschlägig beschieden worden.— Die Angelegenheit des Courrier du Dimanche, der den Minister des Innern verklagt hat, weil er ihn unrechtmäßig suSpendirte, kommt am nächsten Frei- tag vor den StaatSrath.— Das Siecle hebt aus dem Schreiben des Kaisers Maximilian an seinen Unterrichts- Minister besonders die Stelle hervor, in welcher davon die Rede ist, daß wenigstens der Elementarunterricht unentgeltlich und obligatorisch sein soll, um darauf aufmerksam zu machen, daß wenn die- ses kaiserliche Programm wirklich zur Ausführung käme, das mexicanische Reich einen Fortschritt machen werde, den Frankreich bis jetzt vergebjich erwartet. — Das„Journal des Debats" ist nicht sonderlich entzückt über die neuesten militärischen Erfolge, welche der gestrige„Moniteur" ans Mexico be- richtet.„So ehrenvoll diese glänzenden Waffen- thaten für einzelne Offiziere sein mögen, so deuten sie doch", meinen die Debats,„zur Genüge an, daß die nördlichen Provinzen nur durch die Wach- samkeit und die Energie der französischen Truppen ini Zaume gehalten werden können. Auch wird die Reihe der militärischen Erfolge, denen, beiläu- fig bemerkt, nicht immer die politischen Erfolge sich anschließen, manchmal unterbrochen. So vermochte die Bande von Puebleta, kurze Zeit nachdem sie in Balle San Jago geschlagen worden war, die kai- serlichen Truppen wieder aus Urupan zu vertrei- ben. Es giebt dies hinlänglichen Stoff zum Nach- denken für die, welche nicht ohne Beforgniß die Wahrnehmung macben, daß die Juaristen stets svon den französischen Truppen besiegt werden, aber selber häufig siegen, wenn sie den Soldaten ihrer eigenen Nation gegenüberstehen." * Italien.(Zur Laae.j Man spricht viel von einem allgemeinen Concil der katholischen Kirche, welches der Papst beabsichtige. Dasselbe dürfte sich aber, wenn überhaupt etwas an der Sache ist, auf eine Znsammcnberufung der Bi- schöfe in ähnlicher Weise, wie bei Gelegenheit des Dogmas von der„unbefleckten Empfängniß Mariä" geschehen ist, redncircn. Auch von einer bcabsich- tigten Zusammenkunft deS Königs von Italien mit dem Papst ist die Rede.— Garibaldi und Mazzini haben, wie sich erwarten ließ, gegen jeden Versuch einer Versöhnung mit Rom protestirt. Mazzini hat einen Brief veröffentlicht, worin er die neapolitanische Jugend einladet, sich um Gari- balri zu schaaren, wenn der Tag der Action ge° kommen sein werde. Vereins-Theil. r. Dresden, 1. Aug.(Allg. deutsch. Ar.- Verein.) Die Gemeinden von Dresden und im Plauen- scheu Grunde sind im beständigen Wachslhum begrim Es vergeht keine Versammlung, wo nicht zahlreiche Cur- Zeichnungen staltfinden. Die Mitgliederzahl der Dresdner Gemeinde ist seit Neujahr um da» Sechssache gestiegen. * Berlin, 1. August.(Buchdrucker- GeHülsen- Verein). Nach Eröffnung der Sitzung durch den zwei- ten Vorsitzenden, Herrn Feistel, erhielt Herr Pape das Wort zur Fortsetzung seine« literaturgeschichtlichen Vor- träges. Der Redner verlas weitere Stellen aus Lassallc s „Julian Schmidt", indem er dieselben mit Erläute- rungen und Bemerkungen begleitete. Da e« ihm gelang, den Leichtsinn und die Anmaßung, womit Herr Julwn Schmidt die wichtigsten Fragen der Literaturgeschichte behandelt hatte, in ein helles Licht zu stellen, so verfehlte der Vortrag nicht, bald die Heiterkeit, bald das Stau neu und die Entrüstung der Zuhörerschaft über die vor- geführten Einzelnheiten hervorzurufen. Nach dem mit großem Beifall aufgenommenen Vor- trage des Herrn Pape und einigen hieran anschließenden kräftigen Worten des Herrn Feistel trat die übliche Pause ein, nach welcher Herr Meyer den Vorsitz übernahi»- Der Fragekasten wurde nunmehr in gewohnter Wesie erledigt, ebenso einiges Geschäftliche zur Sprache gebracht. Unter Anderem wurde auch festgestellt, daß eine osfiaelle Bertrelnng des Buchdruckergehülfenverein«(wie auch der anderen Berliner Arbeitervereine) in dem von der von- gen allgemeinen Arbeiterversammlung ernannien Eomlto nicht stattfinde, daß vielmehr der Umstaud, daß das Eo» mite aus Mitgliedern der verschiedenen Vereine gebilde ist, nur die Bedeutung habe, daß da« Eomitö ans uiog' lichst vielen Elemenlen der Berliner Arbeiterschaft znfam mengesetzl fein soll— eine Auflassung, welche n»ch.oo � ständig diejenige des Tomits's selbst ist. Schluß Sitzung 11t/, xzhr Berlin, I. August.(Berliner Arbeiter' Verein.) In der Versammlung am Montage wuro zuvörderst einige geschäftliche Mittheilungen Die Kassen-RevisionSkommission erstattete ihren �5"� und beantragte für den Rendanten die Decharge- � von der Versammlung eriheilr wurde.— Als strn. z Beitrag zu den Kosten des Sängerchors des wurden auf 6 Monate pro Monat 2 Thlr. bcw �: Eine längere Debatte rief die Art der Betheilig""� der am nächsten Sonntage stattfindenden Fahueurc w des Spandauer Arbeitervereins hervor. Man en>iw sich dafür, da allseitig eine rege B ethetlsö" � für wünschenswerth erklärt wurde, dieselbe einzelnen Mitgliedern zu überlassen und wurde bcst>n' daß die Theilnehmer den Bahnzug r/,8 llh* 8., meinschastlich benutzen sollen.— Herr mann(Factor iu der Franz Duiicker'scheii BuchdrU � brachte den Angrifl des Herrn Dittmann Volks-Zeitung, in der am Sonntage in der Uld � statlgesundeneu Arbeiterversammlung, zur Spracht- Vorwurf, daß die Volkszeitung eine Zersplitterung unter den Ardeitern säe, sei ein ungerechter. Der Arbeiter- verein habe sich zu verwahren, daß man ihm ein Zu- sammengehen mit den Lassalleanern in andern politiswen '' Frage», als der betreffs des VereinSrechtS, unterstelle. Es hatten sich mehrere Redner in dieser Angelegenheit zum Worte gemeldet; bei der vorgerückten Zeit wurde der Gegenstand bis auf die nächste Sitzung vertagt. on� i. Spedition, 1, sowi« Zeile bei cchnet. ;n Muth ifcn und Ar- setzet— h" und -Kappel- -auf an- aipagner n Preu- Polizei? i darauf n Fest»" er, der e saß? ■ zu f-ig -Kappcl- ■ ganzen i Presse, n Much s hohler ußlrtlt eltern. Vermischtes. pl. Aus Schlesien. IL. Juli.(Zur Arbeiter- Kommission. Allg. deutsch. Arb.-Verein. Weber- Versammlung behus« Lohnerhöhung.)*) Nach einem zuverlässigen Gerüchte beabsichtigen einige hiesige �fortschrittliche Fabrikanten, einen Arbeiter resp. Fabrik- Weber zu der in Berlin zusammenznberufenden Kommission in Arbeiter- Angelegenheiten zu schicke»; wenigstens ist Seiten» eines Fabrikbesitzers de« Eulengebirge« einem Arbeiter ein derartiger Antrag gestellt worden und soll auch dieser Weber nicht abgeneigt sein, denselben anzu- nehmen. Wie verlautet, ist der betreffende Weber einer der talentvollsten und fleißigsten im Sinne unseres mo- derncn Fortschritts, also ein zu ausreichendem Lebens- unterhalt vollständig berechtigter, der auch bisher stets einen im Vergleich mit andern Arbeiter» ziemlich hohen Lohn verdient haben soll; trotzdem aber soll der Maun, der eine Frau und mehrere Kinder zu erhallen hat, mit all' seinem Talent und Fleiß, sich nicht in beneidens- werther Lage befinden, sondern um de» Lebens Roth- dürft schwer zu kämpfen haben; worüber sich Niemand verwundern wird, der bedenken will, daß man mit einem Wochenlohn von 2 Thlr. und einigen Sgr. bis 3 Thlr, die Bedürsniffe einer solchen Familie nur höchst noth- dürftig bestreiten kann. Die Absicht, welche jene Männer damit verbinden, daß sie diesen Arbeiter in die Eommis- sion schicken wollen, ist nicht recht klar. Sollten sie vielleicht dadurch veranlassen wollen, daß man von dem Verdienste dieses Einzelnen und einiger Anderer auf den Verdienst Aller schließe, so würde sich dies sehr einfach durch die widersprechenden Thatsachen selbst widerlegen und wäre damit die in der öffentlichen Meinung festge- stellte Ueverzeugung von der drückenden Roth der Ar- btiterklasse nicht im Geringsten erschüttert. Auch wäre es in der That eine ganz fruchtlose und alberne Bemühung, durch solche oder ähnliche Kunstgriff- die Ergebnisse der ♦) Wegen Mangels an Raum, und aus anderen Gründen bis heute zurückgestellt. l Stastitik rundweg Lügen strascn zu wollen. Sollte daher noch mancher Arbeitgeber die Hoffnung hegen, die Roth, welche zum Theil dadurch entstanden ist, daß auf der einen Seite sich die Bedürfnisse aller Art im Preise gesteigert, andererseits aber der Lohn mit dieser Steigerung iiicht gleichen Schritt gehalten hat, aus der Gesellschaft hinaus parlireu zu können, während sie doch wahrhaftig vor- Händen ist, so dürfte diese Hoffnung gründlich getäuscht werden. Wünschenswerth aber wäre es unstreitig, und zwar nicht allein für die Arbeiter, sondern au« lausend Gründen sür das gesammte Volt, für alle Gesellschaftsklassen, wenn mit der praktischen Lösung der Arbeiter- frage endlich ein Anfang gemacht würde. In einer der jüngsten Nummern der„Bresl. Morgenztg." stand eine Notiz, in welcher behauptet wurde, der Allgem. deutsche Arb.-Verein in Schlesien fange an, sich nach und nach seinem Erlöschen zu nahen. Daß dem nicht so ist, son- der» daß im Gegentheil derselbe im Wachsen begriffen, davon liegen thalsächliche Beweise vor; denn sowohl in Stolbergsdorf, als in Ernsdorf und Dreißig- Huben hat sich bei den letzten Versammlungen, denen der Bevollmächtigte Flor. Paul anwohnte, die Zahl der Mitglieder bedeutend vermehrt. Aber natürlich die Par- teitaktik jener Herren verlangt es so! Hilst aber nichts! Der allg. deutsch. Arb.-Verein ist eine zeitgemäße Er- scheinung und die ihm zu Grunde liegende Idee wird nimmermehr zu Grunde gehen, bis sie selbst im gesell- schastlichen Organismus in'S Leben getreten ist.— Die Lohnweber der verschiedensten Ortschaften des Reichen- bacher Kreises haben Dienstag, den kl. Juli, eine Ver- sammlung unter dem Vorsitze F. Paul'« abgehallen, in welcher selbe den Beschluß faßten, an- die hiesigen Fa- brikanten die Aufforderung ergehen zu lassen, sich mit ihnen in Betreff einer Lohnerhöhung in'S Einvernehmen setzen zu wollen. Herr Paul, der die Debatten leitete, sprach sich dahin aus, daß die Bestrebungen nach Lohn- erhohungen ein nur sehr vorübergehendes Mittel zur Hebung der Arbeiterklassen seien, daß man dabei keines- wegs den Hauptzweck, der in unserm Verein uns vor- gesteckt sei, aus den Augen verlieren dürfe, sondern viel« mehr das ganze Augenmerk ans die Agitation des allg. d. Arb.-Vereins gerichtet halten müsse. Indessen verarge er es den hiesigen Lohnwebern nicht, wenn sie auf Lohn- crhöhung antrügen. Er belobte die hiesigen Weber ihres ruhigen Vorgehens wegen und machte dieselben aufmerk- sam, daß sie nur durch ruhige» besonnenes Verhalten ein praktisches Ziel erreichen könnten, nicht aber durch Ueber- stürzung. Die bestimmten Vorlagen der Lohnweber hier« selbst werde ich Ihnen später dataillirter mitkheilen. Die Versammlung verlies i» der ruhigsten und würdig- sten Weise. * Aus Mecklenburg-Schwerin, 2L. Juli.(Zu den Verhältnissen der ländlichen Bevölkerung) schreibt man der„Mgdb. Pr.": „Die steigende Unzufriedenheit der ländlichen Bevölkerung gegen die Rittergutsbesitzer hat bereits zu Konflikten geführt und sich in Excessen geltend gemacht. In der Gegend von Malchin haben die Arbeiter aus einem Gute während der Brandbitze die Arbeit eingestellt, weil der Gutsbesitzer, wie eS Ordnung und Sitte im Lande ist, nicht für hinreichendes Getränk gesorgt hatte. Als die Arbeiter nun die ihnen zukam- mende Erfrischung forderten, sandte der Gutsbesitzer erst nach Malchin, um Bier dort holen zu lassen. Da den Arbeitern das zu lange dauerte, und sie ungestümer for- derten, ließ der Herr ihnen Wein mit Waffer geben. Dieses Getränk wollte ihnen aber nicht munden, und als sie nun reinen Wein forderten und ihnen dieser nicht i verabreicht wurde, legten sie die Arbeil nieder. Der Herr hat nun das Gericht angerufen und die renitenten Leute bestrafen lasse». Noch ungestümer ging es ans dem Gute Pritzier des Kammerherrn von Könemann bei Hagenow � zu. Der Gutsherr hatte nämlich wider Sitte und Ge- brauch einen jüngeren Tagelöhner, der wegen seine» früheren Lebenswandels in Verruf war, zum Vormäher bestellt, während sonst immer ein älterer Arbeiter dazu gewählt wurde. Hiergegen protestirlen die Leute. Zu- gleich aber verlangten sie für ihre Arbeit mehr Korn und auch bessere Weide. Der Gutsherr suchte durch allerlei Versprechungen die ausgeregten Leute zu beru- higen, sandte aber gleichzeitig zum Gericht nach Witten- bürg und requirirte das Patrinionialgericht und zwei Gensdarmen, da er wohl allein mit dem obligaten 6/i Ellen langen und Va Zoll dicken Prügelstab nicht durchzudringen vermochte. Nun verlangt das Gericht, daß jeder Tagelöhner einzeln erscheint, aber die Solida- rität der Interessen bewegt die Arbeiter, dies Gebot zu überhören; sie kommen vielmehr allesammt, Mann und Weib und Kind, unter dem furchtbarsten Lärm, mit Schimpfen und Schelten ihrer Unzufriedenheit Aus« druck und ihren Forderunge» Nachdruck gebend, aus den Hof. Selbst dem Nuhegebielen des Richters und dem SarraSgerassel der Gensdarmen gab die aufgeregte Menge kein Gehör, sondern wurde immer exaltirter in ihrem Schelten, Toben und Lärmen. Jetzt besahl der Richter den Gensdarmen, Gebrauch von ihren Waffen zu machen. Die wafienlose Menge wich jetzt theilweise zurück und es gelang nun den Gensdarmen, 3 Tagelöhner, die Herr von Könemann als Rädelsführer bezeichnete, zu amtiren, zu sessel» und ins Amtsgesängniß zu Witten- bürg zu schleppen. Dieser Ausgang erregte namentlich die höchste Wuth der Weiber, welche die Eskorte mit Feuilleton. Wichet Langmuth, der Schuhmacher. Eine Arb eitergeschi chte von er. eher- D. v. Hofstette». piel der u. Kapitel.(Fortsetzung.) So, mein liebes verirrtes Schäflein, begann sie, 'tzr ihm nähernd und das Geld ihm in die Hand !cn-3■. drückend, hier ist der Ablaßzettel, der dich, fo Gott Kr»er nieder in den Schoost der Tugend zurückführen em' soll. Gehe hin, mögen dir deine Sünden vergeben a sein, wie ich sie dir vergebe. Aber komme nur nie xi fLn wieder um Geld, mein Länimlein; ich muß mein nein Weniges zusammenhalten und für die Zukunft be- 1 el sorgt sein. Nur der Sparsame erwirbt Schätze für das Himmelreich. Und nun mache dich auf ---- den Weg und beeile dich abzurechnen und ins Ge- richt zu gehen mit jenen satanischen Unholden; und wenn sie daß Geld nicht annehmen wollen, so kehre zurück und bringe es mir wieder, denn es , war zu einem frommen Zweck bestimmt, welchem tfragcj xg sonst entzogen würde. !te allerg Während sie so zu ihm sprach, hatte Hugo mit zeigcr w Araft seines Geistes gegen die Aufregung an- hhehels, zukämpfen, in die ihn die nahe Gefahr des Eni- gebracht h�merdens und das Bewußtsein des eben began- z, tvenn schweren BerbrechenS versetzt hatte. Sein »erhanl- pochte hörbar, aber Angesichts der neuen Ge- rdnetcn- pjx jhm jetzt auS seinem Benehmen erwachsen worden-Loontc, ward er der Bewegung Herr. Er fühlte Math, und erkannte klar, daß nunmehr AlleS von seinem äußelUw Auftreten abhinge. Dies gab ihm seine volle Be- man de svnnenheit wieder, so daß er die letzten Worte seiner ...£ante noch deutlich vernommen hatte und ihm ihre n berel» T-ldliebe, gegenüber der Situation', in der sie sich ufangct- � befanden, geradezu im komi- rter de er�ienen war. Nur mit Mühe unter- en icU>c- cinzclne■ drückte er daher das dachen, statt dessen mit mei- sterhafler Berstcllungskunst und im Ton: der tief- sten Rührung erwidernd: Verzeihung, geliebte Taute, wenn ich es gewagt habe, Ihre Liebe zu mir und Ihr edles, mildthätiges Herz zu erproben! Ich bedarf des Geldes nicht und danke Ihnen für Ihre edelmlllhige Absicht. Ich habe nicht gespielt, nichts verloren, wollte nur sehen, ob Sie mir auch eine schwere Sünde verzeihen könnten und habe mich jetzt überzeugt, wie gut Sie sind und wie sehr Sie mich lieben. Auch wird Ihr erHabe- »es Tugendbeispiel mich nur um so mehr in meinen Grundsätzen bestärken und zur Nacheiferuug an- spornen. Sollten Sie aber anders nicht dieses Geld zu etwas bestimmt haben, das Allem vor- geht, so erfüllen Sie meine Bitte und schenken Sie eö dem armen Michel. Er bedarf es, wie ich glaube, und ist gewiß keiner schlechten Handlung fähig, wenn ihn auch die Liebe zu Martha zur Sünde verleitet hat. Schenken Sie es ihm unter der Bedingung, daß er sein Unrecht gut macht, in- dem er sem Liebeöverhältniß aufgiebt. Der arme Michel! Er hat gewiß das Geld so nöthig und ist sonst ein braver Mensch. Nicht wahr, liebste Tante, Sie schenken es ihm? Die Commerzienräthin war über diese neue Erklärung nicht wenig erstaunt; noch größer aber war ihre Freude darüber— und dieser Gedanke drängte vorläufig alle übrigen in den Hintergrund, — daß sie sich der schon verloren gegebenen UOO Thlr. nicht entäußern mußte. Um so ungelegener und sonderbarer erschien ihr aber die Zumuthung, dieses Geld gerade demjenigen zuwenden zu sollen, der sie,— was Hugo freilich nicht wissen konnte, — eben noch so tief verletzt hatte und gegen den sie jetzt einen gewissen Ingrimm empfand. Indessen hielt sie die Mittheilung ihres Neffen, der seine Rolle vorzüglich gespielt hatte, für lautere Wahr- heit und glaubte, daß jene Bitte nur aus seiner Herzensgüte hervorgegangen sei. Nach kurzer Ueberlegung ertheilte sie ihm in ihrer gewohnten Kanzelredner-Manier eine Rüge, daß er sich einen solchen Scher; mit ihr erlaubt habe und belobte seine gute Absicht, hinsichtlich Michels, hinzufügend, daß sie hierüber nocki keinen Entschluß fassen könne, sich dies erst»och reiflicher überlegen müsse. Nach- dem er hierauf seine Bitte, das Geld dem armen Burschen zu geben, noch einmal angebracht und für ihre Güte wiederholt gedankt hatte', empfahl er sich mit der Bemerkung, sie morgen Abends, wenn sie es erlaube, wieder besuchen zu wollen. So schieden sie Beide in bester Laune. Unten an- .gekommen, überlegte sich Hugo, ob es nicht gerathen sei, schon gleich jetzt den Verdacht in Be- treff des gestohlenen Schmuckes dadurch von sich abzuwenden, daß er selbst, und zwar sogleich, seine Tante auf den Diebstahl aufmerksam machte, in- dem er vorgäbe, ein zu dem Schmucke gehöriges Stück vor dem Hause seiner Tante gefunden zu haben. Es schien ihm dies in der That das ge- eignetste Mittel, ihn völlig unbefangen erscheinen zu lassen. Er betrachtete sich zu diesem Zwecke das prachtvolle, aus Ohrringen. Haarnadeln, Broche, Armreif und Halsband bestehende Geschmeide, wo- bei seine Wahl aus ein am Armreife angebrachtes Kreuzchen von Perlen fiel, das leicht loszumachen war. Nachdem er dieses gethan und den Schmuck wieber sorgfältig zu sich gesteckt hatte, eilte er schnell wieder die Treppe hinauf und verlangte Einlaß, worauf er seiner Tante das Kreuzchen mit der ein- fachen Bemerkung übergab, das er dasselbe soeben auf dem Trotloir nahe der Thüre ihres Hauses gefunden habe, und nicht wisse, ob es etwa gar ihr gehöre oder von jemand Anderem verloren worden sei. Die Commerzienräthin erkannte es sofort als zu ihrem Brillantschmuck gehörig und eilte bestürzt in's Zimmer, wo sie sogleich nach dem Etuis auf dem Tische griff und einen lauten Schrei ausstieß, als sie dasselbe völlig geleert fand. Sie erschrack darüber so sehr, daß sie mit dem Ausruf: Gestoh-