Nr. 108. Berlin, Freitag den 4. August ZocialGemokrat. Vorwi den A verein ! samme Fragen Es ha »um Z ! der G Di-s.-ägl.ch Organ des Allgemeinen deutschen Albeiter-Bcreins. Redaetiv�und speditiv»! der Sonn- und Festtage. Redigin von I. L. v. Hofstetten»nd I. B. v. Schweitzer. Dresdnerstrastc �r. 8j. Abonnements- Preis sttr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo> natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; dei den Königl. preußischen Postämtern 22>/s Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 18�/« Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. I. 15. slldd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro QuaNal. Bestellungen werden auswärt» auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von zedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnic, Scharrenstr. I, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. anserntc(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 8 Sgr. berechnet. pl. Comr Versc einem fortschi Weber in Arl Seiten � Arbeite auch d nehme, der tal dernen unterhl Agentur für England, die Eolcniee» und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. LiUle New-Port- Agentnr für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour Street, Leicester- Square W. C. London. du Commerce Saint-Andre-des-Arts. einen i Lohn t der ein all' sei werthei Der große Bürger Tlassen-Kappelmann. Mit einer Selbstüberwindung, die wir an uns bewunderten�,»nl eineb Geduld, deren wir une niemals für fähig gehalten hätten, haben wir in diesem Kampfe wegen deS BereinörechtS, den wir gemeinsam mit der Bourgeoisie zu führen hatten, diesch letzteren gegenüber an uns gehalten und uns bezwungen. Als wir mit raschem Entschluß und rascher That dem Bürgerthum in seinem Kampfe für die politische Freiheit zu Hülfe eilten, da rief man: ES sind u�ents provoeateurs! Nehmt Euch vor ihnen in Acht!— und wir haben geschwiegen. Bon 250 eingeladenen Abgeordneten erschienen 60— und wir haben geschwiegen. Tie Herren Präsidenten deS Abgeordnetenhauses, � die ein freies Wort so gut zu sprechen verstehen, wo die gesetzliche Redefreiheit deS Abgeordneten- Hauses sie vor Verfolgung schützt, sie waren, als es dazusein galt,„abwesend unbekannt wo"— und wir schwiegen. Liberale Bürger zu Köln rissen die Plakate der Arbeiter ab, die zu einer Bersanimlung zum Zweck der Unterstützung des BürgerthumS im schwebenden Kampfe einluden— liberale Bürger rissen diese Plakate von den Straßenecken— und wir schwiegen. Als nun aber der Tag der Entscheidung kam und Aller Augen auf den großen Bürger gerichtet waren, in dessen Person, wie die„Magdb. Presse" schreibt,„augenblicklich die Ehre und das Reckt des preußischen Bürgerstandes con- centrirt sind"— als dieser große Bürger am Tage der Entscheidung �spurlos verschwunden war — da freilich wollte'es uns mit unbesieglichem Unmulh erfassen— aber wir bezwangen uns noch einmal— wir schwiegen. Da— eS ist um an den Wänden hinaufzn- lausen— lesen wir in der„Kölner Ztg."— die Augen flimmerten uns, alS wir lasen— folgenden Artikel: Als Herr Classen-Kappelmann, welcher zu der vom Gemeinderatb der Stadt Köln zur Arndt« Feier nach Bonn enlsandlen Deputation gehörte, gestern Morgen mit dem Bahnzuge in Bonn anlangte, in der Absicht, später zum Besuche eines Söhnchens nach Ober- kassel weiter zu fahren, wurde derselbe am Bonner Bahn- Hose mit lautem Hoch empfangen und in die Poppcls- dorfer Allee geleitet, um sich dem Festzuge anzuschließen; zugleich wurde eine, schon Tag« zuvor von Mitgliedern des FestcomiteeS mittelst eines exprcssen Boten an ihn er- gangene Einladung zu einem im Lokale der Lesegesell- schast arrangirten Diner wiederholt. Da der Ober- bürgermeister von Bonn jedoch erklärte, er habe Ordre, da« Fest auszuheben, sobald Herr Tlassen-Kappelmann an der Tasel Theil neh- men solle(!!!), so zog der Letztere e« vor, um den Verlauf de« Festes nicht zu stören(!!!!!) sich an dem Mahle nicht zu betheiligen(!!!) und fuhr, seiner ursprünglichen Absicht gemäß, nach Oberkasiel. Nachmittags von-dort zurückgekommen, empfing er in� Bonn noch mehrere ähnlicheOvatiouen wieam Babnhose. Wir lasen weiter: Eine Anzahl MUnibener Damen bat Herrn Classen- Kappelmann zum Zeichen der Anerkennung und der Be< wunderung eine» Strauß von Alpenrosen überschickt. Das Alles, Alles lasen wir— und— Gott verzeih' es nn«!— wir schwiegen noch ein- mal. Aber länger, länger— nein! nein!— curti sunt denique fines!— hole der Teufel unsere Geduld! Dies Alles, Alles sollten wir mit ansehen und kein Wort des Protestes, kein Wort des Tadels »nd des vernichtenden Hohnes haben? Rein! Nein! Diese Geduld könnten wir nicht vor unserer Partei, könnten wir vor den Manen Lassalle's nickt verantworten. Ist eS möglich? Ist es glaublich? Ist es jemals erhört worden? War der Kampf in Köln ein Kampf um Eure elende Fresserei im Gürzenich oder war es ein Kampf uckl unser Verein Srecht? Darum also, damit Eure Champagnerscklcmmerei in den bequemen Sesseln des Bonner Festsaals nicht gestört werde— darum also zieht sich der Mann zurück,„in dem augenblicklich die Ehre und das Recht des preußischen Bürgerstandes conccntrirt sind?" „Damit das Mahl nicht gestört werde!" Sind darum die Arbeiter durch ganz Deutsch- land unters Gewehr getreten? Haben wir darum Versammlungen abgehalten, so weit die deutsche Zunge klingt? Habe» wir darum mit zwanzig Po- lizeipräsidenten uns herumgebalgt? Wie? Euer erster Bürger zieht sich winselnd zurück, wo es gilt, für das gemeinsame Bereinsrecht einzustehen? Wie? Der große Bürger Classeu-Kappelmann läßt sich ruhig verbieten, im Bonner Festsaal zu Mittag zu essen? Und diese Jammergestalt, die nicht den Mulh hat, sich auf den Boden deS Gesetzes zu stellen— diese Jammergestalt ist der Gegenstand von„Ova- tionen", dieser Jammergestalt schicken Damen Blu- men-Sträuße? Und die Elenden, die dort aßen und tranken— sie aßen und tranken ruhig fort, als man ihnen verbot, mit Herrn Classen-Kappelmann an Einem Tisch zu sitzen— sie blieben ruhig beisammen ohne das leiseste Gefühl der Scham? Das also ist die Art, wie Ihr für das Vereins- reckt einsteht? Verlangen wir von Enck, daß Ihr Euch den Säbeln der Polizei und den Baycnnetten des Mi- litärS entgegenwerft? Von Euch— dessen seid versichert— werden wir dieS nie verlangen. Aber was wir verlangen und verlangen müssen, das ist: daß Ihr fest auf dem Boden des Rechtes steht, daß Ihr den Muth.dcs Gesetzes habt. Den friedlichen, aber festen, ausdauernden Muib durst�s des Gesetze»— unbeugsam— ohne zu wanren Wocher zu weichen.__ die Be Und nicht einmal diesen Muth habt Uhr dürstig nicht einmal diesen friedlichen Muth deS Gesetzes � damit Clc- 3trn von„Mannesmuth" und „Burgerstolz" sprecht? Sieht Herr Classen-Kap,el- mann wirklich nicht ein, daß es nicht daraus an- kommt, ob fion sch leicht t Verdien Verdier etliche Schwätzer ungestört Champagner i Verdi trinken oder nicht— sondern darauf, ob>2, > uuimi uucr nui)i— cucci"- �---"1-.;.•oln„h ßen das Gesetz gilt, oder dos Belieben der Polizei. 1 oas �-l-tz gm. oder oo»"es�därauf S.-ht er wirklich nicht ei», daß er es° r, be,.-rklc ankommen lassen mußte, ob die Polize der{L.»"? mahl blos darum..auflöste." wttl- v-�durch s »'> 1 Gründe Hsvr K a p p c l m a n n, mit zu Tische saß? Sieht er das wirklich nicht ein, oder war er zu feig selbst zu solcher That?' Aber nickt nur dem großen Bürger Classcn-Kappcl- �_ manu gilt dieser Zuruf— Euch allen, der ganzen� liberalen Bourgeoisie mit ihrer gesammlen Presse». gilt, was wir gesagt, wenn Ihr nickt den Muth habt, Evern angebeteten Abgott, der sich als hohler qctz Götze erwiesen, mit unbarmherzigem Fußtritt von seinem P o st a m e n t herabzuschmcltern. Ist es möglich! Ist eS erhört? Wohl klingt die Kunde herüber aus ferner, eher- r»„:* c..: rt~ oy SVrHprfmpf der ner Zeit, dan bei Tournier und Rltterspiel der d�Dame' kampfermüdcle Ritter vor Händen deu P«is des's � niederkniete aus chren S° ..... eine Klasse' JE'e'""erllch entnervt muß w zum SJ"l' Männer einen Waschlappen w-ed.r . H lden stempeln und deren Damen einem-wenige sorgt se Eunuchen Kränze winden!— politischer Theil. für das den W; Deutschland. rui * Berlin, 3. August. sZur Budgetsrag� ,es sonst ...... I LO aller- an" richt zu wenn s kehre zl war zu «uauii. loui■ net: bemerkt die„Prov.-Corresp.", man betrachte Wä dingS den bekannten Erlaß im Staatsanzeigev Igstxr K Betreff des BudaetS nur als einen„Nothbeh knukämps Betreff des Budgets nur als einen„Nothvev"'- zukämpj da ein Budgetgesetz nicht habe zu Stande gevraa) decktwer werden können. Wie ein Hohn klingt es, wenn I weiter gesagt wird, auf die bei der Budgetverhanl- � lung hervorgetretenen Wünsche des Abgeordneten- � Hauses sei möglichst Rücksicht(!!) genommen ��o l'onntc, Ist denn nirgends mehr Offenheit und�M»'� i,»p cr( Warum fortwährend die Verfassung noch äußert Austrete anerkennen? Sage man dock offen, daß man lonnenh �ante Absolutismus will! sJn den Provinzens scheint man bereits mit lenen kleinen Mitteln anzufangen- wieder deren Unwirksamkeit sich doch in Berlin unter ��e. Regiments Hinckelden genügend bekundet h? ne berichtet die„Magdeb. Presse", daß em»"" So �eide i: wen Li der dortigen Gastwirthe Bedenken trügen, dies Blatt ?e5» ierner zu hallen, weil man ihnen unter der Hand _ lU verstehen gegeben habe, sie würden sich dadurch dolizeiliäten Chikanen aussetzen. — �Herr v. Bismarcks hat, wie man wissen fcill, in Kurzem wieder eine Zusammenkunft mit dem Herrn v. d. Pfordten, der mit dem sächsischen Mi- (ister v. Bellst noch immer in lebhaftem Verkehr I— fDer H erzog von Augullenburg,s - delcher eine Majorsstelle in der preußischen Armee iekleidet, ist um seine Entlassung eingekommen, bis *tzt aber noch ohne Bescheid.(Wie der„Augsb. llllg. Ztg." geschrieben wird, wäre die Entlassung '!chon seit längerer Zeit gefordert.) — j G n e i st und Waldeck.j Gelegentlich der üubelfeier der Wiener llniversität sollten unter An- --- lerem den Vorschlägen des juridischen Doctvren-Colle- edition, jiums gemäß auch Prof. L)r. G n e i st und Ober-Tri- . s»wi« dunalsrath Dr. Waldeck in Berlin zu Ehrenmit- ,. jliedern dcS Eollegiums ernannt werden. Als jedoch net die Genehmigung des Staatsministeriuins nach- '', jesucht wurde, wurde dieselbe verweigert. In Folge lessen wird das juridische Doctoren-Collegium an- leblich von jeglicher Ertheilung der Ehrenmitglied- __ Haft absehen. -—[An klage.] Der verantwortliche Redacteur .aft im jjeses Blattes ist wegen Nr. 93. auf Z 87. des .schneie Strafgesetzbuches in Anklage versetzt worden. h, daß!bir geben uns der Hoffnung hin, daß die ver- Publi- hiedenen in Aussicht stehenden Einklagen in Einem unseres Prozesse verhandelt werden. fcbaitP' fr- 2- August.[Zum Kölner Ab- •n Bo- ordneten fest.] Nachstehend berichte ich Ihnen der iber die gestern hier stattgefundene allgemeine Ar- r ver- aiterversamnilung in der Kölner Festaugelegenbeit: l« rem In der am Dienstag den 25. Juli abgehaltenen Ber- �eichnen.«mmlung der Mitglieder des Allg. deutsch. Arb.-Vereins, »nissars r welcher alle Arbeiter Zutritt hatten, war beschlossen in einer»vrden, eine allgemeine Arbeiterversammlung einzuberu- lokal zu!N und zu diesem Zweck ein CEomite erwählt worden. >eS Re- dasselbe bestand aus den Arbeitern Fritzsche und t ruhig»tein, Mitglieder de« Allg. deutsch. Arb.- Verein«, der An- öebel uud Werner, vom Arbeiterbilvungsverein, i Worte»einke und Frauen dors, vom Buchdruckerverei», Einzelne vZrfel vom Ligarrenarbeiterverein. Müller vom nn etwa dlamer- und Rückcrt vom Zimmergesellen-Bildungs- ir gegen erein. Gestern fand diese Versammlung unter Vorsitz * vorge-«s Herrn Bebel statt. Derselbe ertheilte Herrn Fritzsche cS»us ts Referenten das Wort und dieser sprach über die Kölner rveruug treignisse, wies nach, daß die Masiregelungen de« Polizei- in aller Iräsideuten Geiger eine Rechtsverletzung seien, zog die worden ig. 29 und 30 des Preust. Versammlung«- und Veieins- Tische-chic« an, und sprach sich dahin au«, daß die Preuß. L Dies«gierung für diesen RechtSbruch verantwortlich sei. ieweis dafür, daß es ein RechtSbruch sei, liege darin, daß !ie Gerichte dem ic. Geiger entgegen bcsunden. Da nun emuhch.»mmtliche Abgeordnete der Fortschrittspartei die Ver- t. Jos- slichtuug hätten, für die Rechte de« Volks einzustehen, berger. N es für sie eine Ehrensache gewesen, sich an dem iiilnersest zu betheiligen; leider aber hätten nur 50 oder [listet-? ihrer Pflicht gentigt; eS sei dies nicht nur die Meinung 'nbde's Partei, sondern die FortschritlSpresse selbst spreche ? gl sh so darüber au«. Hier verlas Referent einen Theil rr 1,88 Leitartikels der„Deutschen Allgemeinen Zei- IS Herr und sprach alsdann weiter, die Entschuldigung, es, bie grgß�rer Theil der Abgeordneten von der Re- rmaßen!erung abhängige Beamte seien, könne nicht gellen, da cchseyen 4 unter den Unterzeichnern des bekaannten Protestes er ver» i«nfall« solche Beamte besunden hätten; ebenso wie diese gt aber lre Pflicht höher als ihre Existenz gestellt, hätten es wer der.h die Uebrigen thun müssen. Vorzüglich aber sei welchen i auffallend, daß keiner der Parteiführer auf seinem nicht ffcn gewesen und deshalb empfehle er der Bersamm- '' ver die vom Herrn Vorsitzenden schon verlesene Zustim- e, n jbngs. und Mißbilligungs-Erklärung. Hieraus' verlas l hat1„ ssereut dieselbe nochmals; sie lautet: sterium Pirfummlung erklärt, daß sie denjenigen preu- Zuver- schxu Abgeordneten, welche das Abgeordnetensest be- er vor- Men, und denjenigen, welche durch unabweisbare jierr v.'»dernisse nicht in der Lage waren, daselbst zu crschei- Inner», � ingleichen auch dem Festcomite ihre volle Achtung ■ Iii' mißbilligt dagegen das Verhallen aller derer, �che sich ohne solche Gründe fern gehalten haben." obl' Hartwig erhielt nun da» Wort. Er sprach » wo» h ebenfalls für die Erklärung aus, bemerkte dabei aber sz>g-) gleicher Zeil, daß es nöthig sei, auf eine Erweiterung , Volksfreiheite» hinzuwirken. Hr. Heinke schilderte ,1% treffender Weise die preußischen Zustände in Be- et de» g aus Presse, Versammlungsrecht, Ausweisungen-c. ues be- d u>jxz uach, daß da« gesammte Deutschland das Recht ■u Ord'* öie Pflicht habe, Alles zu thun, was in seiner Macht ien> um dahin zu wirken, da« solche Zustände in der Folge unmöglich würden. Die Erklärung ward hierauf gegen 2 Stimmen angenommen. Zum Schluß bcan- lragte Fritzsche, man möge den Berliner Arbeitern für ihr taktvolles Benehmen in der am 30. Juli in Berlin abgehaltenen Versammlung eine ÄnerkeunungS-Erklärung geben. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der- selbe lautet- die Versammlung erklärt, daß die unter Vorsitz des Herrn Dittmann, Sonntag den 30. Juli, in Berlin stattgehabte Versammlung sowobl durch ihre raltvolle Haltung als aus durch die in derselben gefaßten Resolulionen und deren entschiedene Sprache sich unsere volle Achtung und Shmpathie erworben hat. Durch H. Bebel wird diese Erklärung dem Herrn Dittmann übersendet. * Köln, 3. August.[Ein eigenthümliches amtliches Schriststückj wird in Felgendem veröffentlicht: Es wird hiermit zur Kennluiß der Betheiligten ge- bracht, daß die vorläufige Schließung des politischen Vereins, welcher sich unter dem Namen eines Fest- Comitv's für ein Fest zu Ehren des preußischen Abge- ordnetenbause» im Laufe deS Jahres 1865 bierselbst gebildet bat, durch richterliche Entscheidung wieder aufze- Hobe» worden ist, und daß die Entscheidung der Frage, ob dieser Verein demnächst definitiv zu schließen sei, Ge< genstand der eingeleiteten gerichtlichen Untersuchung ist. Köln. I.August 1865. Der kgl. Pol.-Präs.. Geiger. Jede Bemerkung hierzu wäre überflüssig. Das Schriftstück richtet sich selbst. Altona, 2. August.[Zur May'schen Au- gelegenheit.j Die„Sckilesw.-Holst. Ztg." sagt: Die Landesregierung hat den Sladtkollegien in Altona auf ihren Antrag, betreffend die Jnhaft- nähme des Redacteurs May, geantwortet, sie habe bei der obersten Eivilbehörve beantragt, veran- lassen zu wollen, daß May der zuständigen Civilobrigkeit übergeben werbe und daß, falls gegen ihn etwas vorliege, im Rechtswege gegen ihn verfahren werde. Ausland. * Paris, 1. August.[Tagesb ericht.j Fürst Metternich hat Paris noch nicht verlassen. Er hat sich nur nach Fontainebleau begeben, um von der Kaiserin Abschied zu nehmen. Er wird erst Ende der laufenden Woche die französische Hauptstadt verlassen. Der Fürst hat auf Verlangen des Kai- sers mit Herrn Drouyii de Lhuys einen Plan einer Annäherung zwischen Oesterreich und Frankreich mit Hinsicht auf die italienischen Angelegenheiten ausgearbeitet, um denselben dem Kaiser von Oester- reich vorzulegen.— Heute versammelt� sich der Ministerrath in Fontainebleau unter dem Vorsitze der Kaiserin. Nächsten Freitag kommt die Kaiserin mit dem kaiserlichen Prinzen nach Paris, um der Preisvertheilung im Conservatoire anzuwohnen.— Man ist hier gespannt auf die Rede, welche der UnterrichlS-Minister Duruy nächsten Montag bei der großen Preisvertheilung in der Sorbonne hal- len wird. Mehrere Minister haben Herrn Duruy gebeten, i» seiner Rede nicht von dem Principe des unentgeltlichen und obligatorischen Unterrichts zu sprechen.— Heute fanden die Neuwahlen für den Eonseil des pariser Advokatenstandes statt. Man hatte ausgesprengt, daß die alten Mitglieder nicht wieder gewählt werben würden, weil man mit dem Beschlüsse, der alle Advokaten von den finanziellen und industriellen Gesellschaften ausschließt, nicht zufrieden sei. Dem aber war nicht so. Alle wur- den wieder gewählt, mit Ausnahme der Herren de Laboulie und Nicolet, welch' letzterer die Vertheidi- gung des neuen Herzogs von Montmorency vor den Tribunalen übernommen hat.(Gegen die Er- theilung des Familiennamens Montmorency durch die kaiserliche Regierung an den Herzog v. Talley- rand-Pcrigord sind nämlich die wirklichen Ab- kömmlinge der Faniilie klagbar geworden. Nach dieser Manifestation des pariser Ädvokatcnstandes steht also die öffentliche Meinung auf Seilen der Kläger.) — 2. August.[Schleswig- Holstein. Me- xiko.] Der„Abend-Moniteur" giebt eine Ueber- ficht ver auf Schleswig-Holstein bezüglichen Ver- Handlungen bis zur Ueberweisung des bayerisch- sächsischen Antrages an den holsteinschen Ausschuß in der letzten Bundestagssttzung. Am Schlüsse des Artikels heißt es: Gelegentlich der neuerlichen Zwi- schenfälle ist innerhalb des deutschen Bundes die, Frage aufgeworfen worden, in welcher Weise die' sranzösische Regierung die Politik der deutschen Ka- binete beurtheilt. Die Antwort hierauf liegt in dem Verhalten, welches dieselbe in den früheren Phasen dieser Frage beobachtet hat. So oft die kaiserliche Regierung Veranlassung gehabt Hai, ihre Meinung auszudrücken, Hai sie auf das nationale Gefühl der Bevötkeruug hingewiesen und hegt noch heute den Wunsch, daß die definitive Lösung der Frage mit diesem Principe im Einklang stehen möge. Dasselbe Blatt bespricht die mexikanische Ange- legenheit und sagt, es habe Grund anzunehmen. daß die llnionSregicrung gegenüber Mexiko eine unparteiische und versöhnliche Stellung bewahren werde, was zum Ueberfluß aus de» Instruktionen der an der mexikanischen Grenze kommandirenden amerikanischen Generale wie auch aus der Art und Weise hervorgehe, in welcher die Lokalbehörden im Allgemeinen die auf Waffenexport und Werbungen bezüglichen Vorschriften in den Häsen der Union zur Ausführung bringen. Brüssel, 2. August.[Parlamentarisches.] In der heutigen Sitzung der Repräsentantenkammer wurde das Gesetz über die Wahlmißbräuchc mit 55 gegen 43 Stimmen angenommen. Die Rechte versuchte wiederholt, aber vergebens, auf einzelne Amendements zurückzukommen. Florenz, 1. August.[Der Gesandte für Spanien.] Die amtliche Zeitung zeigt an, baß der Italienische Gesandte am Spanischen tofe, Marquis Taliacare, mit dem vollständigen esandtschaftspersonal am �4. d. M. in Madrid eintreffen wird.(Nach einem Telegramm anS Madrid ist der Gesandte bereits eingetroffen.) — 2. Aug.[Zur Lage.] Die„Italic" dementirt die Nachricht von einer Zusammenkunft deS Königs mit dem Grafen S artiges in Valdieri. Das Gerücht von einer Zusammenkunft des Königs mit dem Papste bestätigt sich nicht. Man glaubt indeß allgemein, daß eine solche Zusammenkunft nach der Räumung Roms Seitens der französischen Trup- Pen stattfinden werde. Spanien.[DieKönigin] ist, wie aus Ma- drid, 1. August, telegraphirt wird, nach den bas- tischen Provinzen abgereist. —[Zur Lage.] Aus M adrid vom 1. August wird telegraphirt: Wie die„Epoca" versichert, sind in den Bergen von Soria legitimistische Bau- den unter dem Rufe:„Es lebe Spanien und der Katholicismus!" erschienen. Eine andere Nachricht spricht von dem Wicderauftreten der Car- listen in Guadalajara. Portugal.[Thronrede.] Aus Lissabon 1. August, wirb telegraphirt: In der Thronrede, mit welcher der König vorgestern die Cortes eröff- ncte, gedachte er des glücklichen Erfolges, welchen die Vermittelnna Portugals bei Schlichtung des englisch-brasilianischen Zwistes erzielt habe. Die Finanzlage ward als eine günstige bezeichnet und eine die definitive Abschaffung der Sclaverei in den portugisischen Besitzungen bezweckende Gesetzvorlage in Aussicht gestellt." Rußland.[Die Bauern- Emancipa- tion] hat nicht blos in Polen, sondern auch in Rußland den finanziellen Ruin vieler Gutsbesitzer herbeigeführt. Fast in jeder Nummer der Moskauer Zeitung werden Güter im Moskauer und in den benachbarten Gouvernements wegen Schulden und rückständiger Abgaben der Besitzer zur öffentlichen Versteigerung ausgeboten. Gegenwärtig sind in den Gouvernements Moskau und Kaluga 245 adlige Güter auS dem angeführten Grunde" zum öffent- lichen Verkauf gestellt und in letzterem Gouverne- nemt außerdem noch 223 adlige Güter von der Regierung in Sequestration genommen. Nicht minder zahlreich sind die Güter-Subhastationen in den übrigen Gouvernements. Dercius-TheU. kr. Barmen, 1. August.(Allg. deutsch. Arb.- Verein). Am 29. Juli hatten wir hier eine Vcrsamm- lung. Herr Aug. Großenbach eröffnete dieselbe mit einer Ansprache an die Mitglieder in Betreff des Ver- einsrechts, wobei er der letzten Versammlung im Kraut'- scheu Felsenkeller gedachte, in der, wenn auch über die Resolution des Präsidium« abzustimmen durch die Polizei unmöglich war, dieselbe dennoch von Allen mit Accla-