Rr. 109. Berlin, Sonnabend den 5. August 1$63. Zociiil-Dcmolirat. ;tt dort erncr; i» verst !olizeilii »ill, in� Herrn r stster v lehr. z-iw.,...«.m,.-««» Oraan des Allgemeinen dcntslhcn Arbeiter-Bercins. mit Ausnahme 0" DreSdnerlirabe Nr. Sö. der Sonn- und Festlage. Redigirt von I. 8. d. Hofstetten und Z. B. v. Schweitzer. Abonnements-Preis fstr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich K Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: dei den Königl. preußischen Post- ämlern 22 Vh Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deniich- land IN/« Sgr., im übrigen Deutschland l Thlr. müthSpolitik begleitet gewesen sein: dieser Antheil hat in keiner Weise über die Aussassung selbst entscheiden können. Unser Urtheil ist auch hierin den Erfordernissen der po- litischen Nothwendigkeit entsprungen. Sine Berläugnung de« Zusammenhang« mit den übrigen Staaten des beut- schen System« würden wir als die ernsteste Gefahr für Oesterreich betrachten. Diese Berläugnung wäre einerlei mir einer Preisgebung Deutschlands an Preußen. Deutsch- land aber, in Großpreußen ausgegangen, würde bald die deulsch-österreickischen Bundesländer reklamiren. Alle wachen oder schlummernden Eeiiirijugalkräste de« Kaiser- staal«, die jetzt noch»»ler dem Bann de« österreichischen Reichsgedanken liege», würden inir einem Schlag ent- bnichen weiden Sie sind gefesselt so lange nicht auch die deutschen Provinzen des Kaiserstaals einem auswärt« liegenden Eenlrum zustreben. So lauge sich Oesterreich in solidarischer Berbiudung mit Deutschland hält, ist die« nicht zu fürchten- die Wirkung aber wird eintreten, so- wie diese Verbindung aufgegeben wird. Dieß ist der leitende Gedanke in unsern Bcurthei- lungen der deutschen Frage gewesen, für deren Lösung wir un« im übrigen so gut wie für die ungarischen sehr l verschiedene Formen denken können. Der Gedanke, wel- cher den deutschen Fllrsteniag hervorrief, schloß nur eine dieser Formen in sich. Mit der gleichen, vielleicht mit noch größerer Wärme würden wir einen andern Plan begrüßt haben, wenn er sicherer. zum Ziel geführt: zur Befestigung de« BaudeS, durch wellde« da« ganze deutsche Itaalensystem zusammengehalten wird, und zur bessern Ausbildung der innern politischen Ordnung nach wel cher seine Glieder sich bewegen sollen. WaS bei diesen AnSführungen angenehm berührt, ist der Umstand, daß man sich frank und frei auf den ö sterrei ch isch en Standpunkt stellt und ganz rffen zugiebt, daß mit den deutschen Ländern ■ so zu verfahren sei. wie das österreichische, nicht wie das deutsche Interesse es erfordert. Dadurch sticht die Sprache, was Offenheit betrifft, vortheil- Haft von derjenigen der preußischen Blätter ab, die gerne so lhun, als fei das preußische Interesse auch daS deutsche. In Wahrheit verträgt sich aber we- der das österreichische noch das preußische, noch daS bayerische, sächsische re. ic. Interesse mit dem deutschen, sondern setzt letzteres vielmehr das Auf- hören all' jener Senterintercssen voraus. Köln, 3. August.(Zum Abgeordneten- fest.) Die„Rhein. Ztg." schreibt: Der Vorsitzende de« Festcomitö'« Herr Elassen-Kappel- mann erschien gestern Morgens vor dem Herrn Jnstruk- tionsrichter und wurde wegen folgender Beschuldigungen ' vernommen: 1) durch seine vermittelst öffentlicher Blätter erfolgte Einladung an die Herren Landtags-Abgeordneten und Festgenossen zu einem Diner im großen Gürzenich- Saale und zu einer Festfahrt aus dem Rheine nach dem siebengebirge, zu einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel resp. zu einem öffentlichen Auszug aus- gefordert zu haben, ohne die polizeiliche Erlaubniß dazu 48 Stunden vorher nachgesucht und erhalten zu haben; 2) daß derselbe einem politischen Verein, unter dem Namen , eines Festeomite's für da« Abgeordnetensest, vorgestanden habe und dieser Berein mit andern politischen Vereinen zu gleichem Zweck in Sorrespondenz getreten sei, 3) daß derselbe einem politischen Vereine, al« welcher das besagte Festcomite angesehen wird, vorgestanden habe, ohne das Mitglieder- Verzeichnis und die Statuten des Verein« der Orlspolizei-Behörde binnen der gesetzlichen Frist ein- gereicht zu haben. Die„Mittelrhein. Ztg." bringt folgende Er- klärung: Gegenüber dem offiziellen Bericht über die am 23. v. Ml«, in Oberlahnstein stattgehabten Vorfälle, ins- besondere da« Einschreiten der Polizeimannschaft im Garten des Hotel Lahncck erklären wir unterzeichnete Bewohner Ober- und Nicderlahnstein« hierdurch, daß die Haltung de« in diesem Lokal anwesenden Publikums durchaus nicht so provokant war, um unsere« Erachten« eine allgemeine Räumung desselben zu recht- fertigen. Namentlich aber müssen wir die Behauptungen:„das anwesende Publikum verließ den Bo< den des Gesetzes und der Ordnung—--— ber Regierungscommiffar erklärte daher mit lauter ver- nehmlicher Stimme, daß u. s. w. u. s w." al«- VMD Mi-|i.... wirtlichen Verlauf der Sache widersprechend bezeichnen- Wir haben all« in der Nähe de« RcgieruugscommissarS gestanden oder gesessen, gleichwohl aber Nicht« von einer lauten Aufforderung an die Anwesenden, da« Lokal zu verlaffen, gehört. Wir haben nur die Worte de« Re- gierungscommissar« vcrnoinnie»: wenn es nicht ruhig werde, dann lasse er räumen. Da die Mehrzahl der An- wesenden sich ruhig verhielt, so konnten wir die Worte von unsere» Plätzen au« nur al« an bestimmte Einzelne gerichtet betrachten und durften erwarten, daß wenn etwa ein Einzelner den Boden de« Gesetze« verließ, nur gegen diesen, nicht aber gegen da« gesammte Publikum vorge- gangen würde. Ueberraschen nud empören mußte es uuS deshalb auch, plötzlich— ohne vorherige Aufforderung zum Verlassen de« Lokals und ohne, daß das in aller Welt übliche militärische Zeichen vorher gegeben worden wäre— daS requirirte Militär gegen die Gäste, Tischt und Gläser mit den Waffen anrücken zu sehen.— Die« zur Steuer der Wahrheil! Sahnstein, den 31. Juli 1865. S. A. Victor. Richard Rügenberg. H. Nemni.ch. Carl Müller, Carl Rügenberg. H. Bonar. Jos. Kirchberger. E.Balg. Jakob Moses Kirchderger. E. Rheinhold. Kassel, 1. August.(Zum Minister- Wechsel.� Die kürzlich erfolgte Entlassung Rohde'S, des Ministers des Innern, ist ohne alle prinzipielle Bedeutung. Wäre sie unlängst erfolgt, als Herr Rhode die Vorlage des VerkoppelungSgeseyes, die bei ihm wegen früherer Aeußerungen gewissermaßen zu einer Art Ehrensache geworden war, durchsetzen wollte, so hätte man wenigstens von einer ver- ständlichen Veranlassung reden können; jetzt �cr erscheint sie lediglich als einer der Einfälle oder der scheinbar fast unmotivirten Vorgänge, an weichen unser öffentliches Leben seit langen Jahren nicht eben arm ist. Ueber den Nachfolger Rhode'«, ver die Stelle nur um deswillen nngenommen zu hJv erklärt haben soll, damit kein..Adels-Minister""" an'S Riidcr komme, verlautet noch nichts Zuverlässige«. Allein mag Herr v. Goeddaeus, der vormalige Vorstand des Auswärtigen, oder Herr v. �•-——>nne UIUIIUW vvv �-- 0.arl#ri1 Stiernberg, der Bor-Juni- Minister �dcs ernannt werden, jeden Falles wird Alles beim ten bleiben, d. h. der Kurfürst wird fortfahren z lhun oder vielmehr nicht zu lhun, waS ih»>®. und refp. nicht wohlgefällt.(Kolksztg-l Ausland. Paris, 2. August.(Stimnien über de: « y st e in Wechsel in Oesterreich. TageSv' richl.� Die„France" erblickt in der neuen Or- nnng der Dinge in Oesterreich ein Epperiwenl dem self-government, und zwar in der Weise, daß jede Nationaliläl durch sich selbst regiert werben solle.„Galizische Regierung durch Galizier, unga- rischc Regierung durch Ungarn, croatische Regie- � rung durch Croaten, uud d� es iii Oesterreich vier- zehn oder sünszelin verschseteSe Rationalitäten giebt, so wird es eben so viele �srschied.ciie Autonomien geben, die als Band untereinander bloß die Dy- nastie haben, welche sie u ger thatkrästigen»nd entschliissfähigen Tbeil der republi- kanischen Partei zum wenigsten eine iiiodificirende gewesen ist. Bon Friedens- und von Äriegsdeniokraten kann na- Illrlich keine Rede mehr sein, doch ebensrivenig von einer Einigung der beide» Fraaionen; erster? wollen nichts gemeinsam babeu mit dem Präsidenten, während letztere offenbar daraus ausgehen, Herrn Johnson in idre Hand zu bekommen und sich wieder zur herrschen« den Macht zu erheben. In ihrer Abneigung gegen die Bollberechtignng der besreiten Neger, begegnen den irüheren Kriegsdemokraten die conservativon Republi- kauer, sonst fast jeden Programme« bar, aus ge. meinsamem Boden, so dass die inneren Flügel der beiden Hanptparteien näher und näher zusammenrücken. Johnson, der Schweigende, welcher die napoleonische Zizrückhalinng noch überbietet, steht nnterdessen»och ausserhalb des Parteigelriebes: doch haben einzelne [ seiner Ernennungen den Radicalen schon nicht unge« gründete Befürchtungen erregt, dass er dem Süden die Zügel schiessen lassen werde, ehe einerseits zur Verhütung emeS neuen Loßreißnngsversuches die Einzelstellnng der Staaten und der dadurch genährte Geist der Sonder- ! bündelei einer kräftigeren bnndesstcatlichen Einigung Platz gemacht, ehe andererseits der Neger die ibm inil lhenrem Blute erkaufte Freiheil nicht nur dem Namen, sondern der That nach erlangt habe. Die deutlichste Zilsammensassung haben die Ansichten und Ziele der radicalen Partei neuerdings In dem bisher nur ober- flächlich bekannt gewordenen Manifest der Convention zu Boston gefunden. Bier Hauptpunkte find in demselben ausgestellt: 1) die Republik hat einen directen Anspruch auf die Ergebenheit eines jeden Bürgers, deren ihn kein Einzelstaat entbinden kann, und ans seinen Gehorsam gegen die Gesetze der Centralrcgiernng, welche über den : Gesetzen und der Constitution eines einzelnen Staates stehen. 2) Die Ehre des ganzen Volkes ist darauf ver« pfändet, dass der farbigen Race auf immer volle und wahre Freiheit gesichert werde. Das Versprechen dieler Freiheit habe dem Heere in den Negertruppeu eine große Hilfe zugeführt und nach der glücklichen Beendigung des Kriege« stehe e« in der Macht und sei es Pflicht der Reglerung, das Versprechen wahr zu machen. 3) Die Sclaverei miisse durch ein unangreifbares und unni»« stößliches Gesetz verboten werden. 4) Die Organisation der Staaten müsse eine durchaus und wahrhaft republi- kanische sein Die Radicalen sehe» keine Möglichkeit einer Sicherstellung des Friedens und der Institutionen der Uniou, wenn zeue Forderungen nicht strenge erfüllt werden. Da« bostoner Programm wird der Angelpunkt sein, nin den sich die politischen Kämpfe in den Ver- einigten Staaten zu drehen haben, um eine Ordnung der durch den Krieg ausgewühlten Zustände, der socialen wie der staatlichen, zu Wege z» bringen. ' anwesend waren, und hierbei einen Beschluß gegen � den Vereinspräsidenlen gefaßt. Nun weiß die„Kreuz z dg. sehr wohl, daß dieser Abfall eine alte Geschickte ist, hat auck jedenfalls bemerkl, daß derselbe an Quantität! wie an Qua- l>tät abaenoGnien(indem die Bescklüsse weit weniger gehässig sind als früher). Nichtsdestoweniger, und obsckvii dies« ganze, längst abgethane Gesckichte kaum der Rede»evtl) ist. bpingl die„Kreuzztg." die Sacke in einer Form, daß ihre Leser glauben müssen, es handle sick um etwas funkelnagelneues, um eine wichtige politische Differenz, als ob der Allg. deutsch. Arb.-Verein in voller Auflösung begriffen sei, etwa iveil lua» im Bereiu mit dem Vorgeben desPräsiviumS ! und des BereinSorgans in der Kölner Festangele- genheit unzufrieden sei. Wenn aber jemals eine imposante Einmülhigkeit � unter der gesammten deutschen Arbeiterschaft her- vorgeireleu ist, so war es gerade bei diesem Kampfe gegen daS Juukerlhum. Nicht zerrüttet, nein, innerlich gekräfligt ist unsere Partei aus diesem Kampfe hervorgegangen und keine Polizeiverfolgungen der Welt werden hieran etwa« zu ändern vermögeli. Mag sein, daß die wenigen vom Verein Abge- salleiien mit dessen Haltung in der Kölner Angele- genheit nicht einverstanden sind; allein dies würde keinerlei Gewicht haben und gerne gönnen wir ihnen den Triumph, das Wohlwollen der„Kreuzztg." er- regt zu haben. Wir können diesen Gegcnstand jedoch nicht ver« lassen, ohne mit Befriedigung eine Thatsache zu constatiren. Viele unter den Abgefallenen haben das schwere Unrecht, daS sse gegen die Partei be- gangen, dadurch wieder gut gemacht, daß sie zur verlassenen Fahne in dem Augenblick zurückkehrten, als die Armee im Feuer stand. Und— mit Freu- den nehmen wir hiervon Act— wacker haben sie an verschiedenen Orlen in unfern Reihen mitgekäiupft. Dem Junkerorgan aber rathen wir, nicht weiter den stattgehabten Abfall von der social-demrkrati- scheu Partei zum Gegenstände seiner Besprechungen zu machen. Wir könnte» sonst genölhigt sein, Dinge aus Lickt zu ziehen, die man»ichi gerne hören würde.— Vereins-Theil. Berlin, 4. August. * Die„Kreuzzeitung", das Organ d?s preußischen Juukerthums, sucht ihre Leser in Betreff deS Allg. deutsch. Arb.- Vereins zu mystificiren. Bekanntlich hat vor etlichen Monaten an ver- schiedenen Orlen ein Abfall von dem Allg. deutsch. Arb.-Vereine und der social-demokratischen Partei stattgefunden, welcher Abfall theils aus persönlichen Gründen, zumeist verletzter Eitelkeit, Ihcils aus Bestechung hervorging. Wir haben diese Dinge seinerzeit unfern Lesern vorgeführt. Die Zahl der Abgefallenen betrug in ihrer Blllthezeit— Alle in ganz Deutschland zusammen- gerechnet— etliche Hundert. Run haben dieser Tage die Leipziger Abgefallenen (und Ausgestoßenen) eine Zusammenkunft gehabt, bei welcher im Ganzen 16— sage sechzehn Personen— Vermischtes. D arm st a dt, 3. Aug.(Muth maßliches Ver- brechen.) Die„Hess. Ldsz." ideilt mit, daß heute früh in der Ederstädter Tanne die in starker Verwesung be- griffene» unbekannten Leichname eines Mädchen« und 1 eines Herrn, beide fein gekleidet, an einem Baume auf- ! geknüpft gesunden wurden. Verschiedene höchst räthsel- liafte Umstände lassen die Vermuthuiig als gerechtfertigt erscheinen, dass kein Selbstmord, sondern ein Verbrechen vorliegt. *(Beschlagnahme). Zwei bei Rein hold Bai st in Frankfurt a. M. erschienene Broschüren-„Blicke in die Vergangenheit, Gegenwart und Zllkmist" und „Preußischer Uebermiilh im Gewände vermeintlicher Staatswcisheit" sind in Berlin polizeilich mit Be» ! schlag belegt worden. �(Zur Statistik der Unglücksfälle auf Eisenbahnen) dürfte folgende Notiz von Interesse sein. Auf den französischen Bahnen kam bis jetzt durchschnitt- lich ein Todessall aus 1,955,555 Passagiere, eine Ver- wundilng auf je 496,551. Viel schlechter stellt sich das Verhältniss auf de» englischen Eisenbabnen, wo 1 von je 1,256,290 getödtet und 1 von je 311,345 verwundet wurde. Ans den belgischen Bahnen berechnet sich ein Todesfall aus je 8,861,804 und eine Verwundung aus je 2,000,000 Personen. Noch günstiger fällt der Ver- gleich für die badischen Bahnen aus, bei denen die Pro- Portionen 1: 17,514,977 und 1: 1,154,311 srnd. Am günstigsten aber stellt sich das Verhältniss auf den preu- ssischen Eisenbahnen, wo nur l von je 21,411,483 getödtet iinv 1 von je 3,892,998 verwundet wurde. —(Die„Aeg optischen Plagen") sind heute noäi im ganzen Oriente in gleicher Ausdehnung vor- Hände», wie zur Zeit de« Moses. Bon der Pest in Aegypten selbst ist das genügend bekannt, jetzl schreibt man der„AugSb. Allg. Ztg." aus dem Nachbarlande: In Jaffa sind die Heuschrecken. Ein dort ansässiger Arzt schilvert ihre Erscheinung mit folgenden Worten: Ungefähr in der Mitte des Monats April zeigte sich am Horizont während zweier Tage eine hin- und wieder- schwebende Wolke, welche die Sonne verdunkelte. Am dritten Tage senkte sich dieselbe nieder und bedeckte die Felder. Es waren Heuschrecken, welche jedoch das schon reise Korn nicht berührten, sondern sich sogleich in die