Nr. 113. Berlin, Donnerstag den 10. August 186S. Sscial Dkmolirat. s».« Organ des ANgemcinc» dcutjchcn Arbeilcr-Vcrcms. ... Ä?SW»».>--»■»■"■ Abonncmcnts- Preis für Berlin inel s«■ Zt--------- «»«.lü SÄ'T�rÄ�Ws�..mSÜSSSttSS ZZ£si'*r*>*- I. f.»» '*'■****<1- ÄS'Ä.£"Ähi.... land 183/4 Sgr., im Währ.) pro Quartal. '*•—'v\•••'v- ,0..av~.../.vv�v.. rvW v vv.jjvir r~, Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit? sgr. verelpnc.. Agentur für England, die Coloniecn und die überseeiilben Länder: Ar. Bencler, 8. Littlo New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Kue Brnlee; Paris, 2. Cour da Commerce Saint-Andrd-des-Arts. politischer Theit. Deutschland. Verlin, 9. August. �Zu den Uuterhand- lungen zwischen Preußen und Oesterreichs bracdten die ministeriellen Abendblätter auch gestern nichts. Wie die„N. Pr. Ztg." sagt,„können die leitenden Persönlichkeiten bei der so verwickelten ?age nicht gewillt sein, über die einzelnen Stadien der Unterhandlungen sich auszulassen und die ge- heimsten Beziehungen an die Leffentlichkeit zu drin- gen." Es lasse sich daher nur wiederholen, das; die Unterhandlungen noch fortgeführt werden, und daß wahrscheinlich die gemeinsame Herrschaft der beiden Großmächte in den Herzogthümern noch län- ger bestehen, also das Provisorium weiter fort- dauern werde.— Der Wiener Korrespondent der! „N. Pr. Ztg." führt ans, daß man Oesterreich nicht leer ausgehen lassen könne und die„N. Pr. Ztg." selbst erkennt dem Wiener Kabinet„ein Recht aus Kompensation" zu, läßt aber dunkel, worin dieselbe bestehen soll. Der Gegenstand soll wohl erst im weiteren Verlause des Provisoriunis irgendwo aus- gefunden werden? Wie neuerdings mit größerer Bestimmtheit ver- lautet, werden die Versammlungen dahin auslaufen, daß man sich nur provisorisch einigt, d. h. sich> über die Art und Weise verständigt, wie in Zukunft das gemeinsame Besitzrecht in den Herzogthümern gehanthabt werden soll. —(Allg. deutsch. Arb.-Verein.) In Be- trcsf der„Auflösung des Allg. deutsch. Arb.-Vereins in Berlin"(ein solcher cxistirt dahier gar nicht, nur Mitglieder desselben wohnen am hiesigen Platze) schreibt die„Berl. Ref.": „Bekanntlich wurde schon am 27. v. M. der Allg. deutsche Arb.-Verein hier von Zeiten der Polizei für, „vorläufig geschlossen" erklärt. Nach Z. 16 des Vereins- gesetzc« vom 12. März 1856 hat die Polizeibehörde bin- � neu 48 Stunden der Staatsanwaltschaft von den Grün- den dieser Maßregel Mitthcilunz zu niachen— also bis zum 29. Juli. Binnen weiteren acht Tagen ist die Schließung de« Vereins dann wieder aufzuheben oder die Staatsanwaltschaft muß in gleicher Frist die Anklage erheben oder die Voruntersuchung beantragen— also bis zum 6. August! Und dann hat da« Gericht„so- fort" Beschluß darüber zu fassen, ob die vorläufige Schließung des Vereins bis zum Erkenntnisse fortdauern soll. Heute zählen wir den 9. August. Da der ,,Soc.- Dem." bis jetzt keine Notiz davon gegeben, daß dem Vereine der letzterwähnte Beschluß de« Gerichtshofes be- reit« zugegangen sei, so darf man, das Gesetz in der Hand, diese Entscheidung in allernächster Zeit er- warten. Bis jetzt ist dem Bevollmächtigten des Allg. deutsch. Arb.-Vereins am hiesigen Platze noch nichts zugegangen. Derselbe hat übrigens seiner Zeit gc- ■zen das polizeiliche Verfahren Protest eingelegt. — sAus den Herzogthümern.s 1'aut Te- legramm vom Heuligen aus Altona meldet die „Schlesw.-Holst. Ztg." daß nach der Ausgabe ihrer gestrigen Nummer die noch vorhandenen Exemplare auf Befehl res Oberpräsidiums polizeilich mit Be- schlagt belegt wurden. Ferner wirv tclegraphisch berichtet: Wie die „Nordd. Ztg." meldet, hat die Landesregierung ein Rundschreiben an die Polizeibeamten erlassen deS Inhalts, die Presse auf das Sorgfältigste zu be- obachten, bei Anwendung der gesetzlichen Mittel niit Strenge zu verfahren und besonders Angriffe auf die Mitbesitzer unter keinen Umständen zu dulden. Tie Polizei in Flensburg konfiscirte gestern die � „Jtzehöer Zeitung" und die Altonaer„Schleswig- Holstein'säie Zeitung." Die„Hamburger Nachrichten" melden aus Flensburg, daß der dortige Magistrat es abgelehnt habe, den Antrag des Ausschusses der Schleswig- Holstein'schen Vereine in Sachen des Redacteurs May und des Abgeordneten Frese in den Stadt- kollegien zur Verhandlung zu stellen. Druckfehler: In voriger Nummer ist in der In- Haltsangabe zu Berlin statt„des Kronjuristen" zu lesen:„der Kronjuristen." � Wien, 6. August.(Zum Schmerling- sck e n Xcaft.J„Es giebl Leute,"— so schreibt die„Köln. Ztg."—„welche wissen wollen, Herr v. Schmerling, der entlassene Minister, sei bei seinem Trinkjpruche nur das Organ des Kaisers gewesen. Dieser Trinkspruch, sagen sie, bereute, daß Oesterreich, falls der Bruch mit Preußen er- folgte, ohne Preußen zur Ausführung deS verbesser- ten frankfurter Reform-Projectes an der Spitze der übrigen deutschen Staaten schreiten werde. Und das sei in der Thal der feste Entschluß des Kaisers. Der Entschluß würde so seltsam sein, wie die Art, ihn zu verkünden, und das ungarische Ministerium mit Wiederherstellung des deutschen Bundes betraut zu sehen, wäre doch eine Ironie der Weltgeschichte." So viel ist nicht zu verkennen, daß der Toast vom Zaun gebrochen war und den Eindruck machen mußte, daß er durchaus gehalten werden sollte; auch ist auffällig, daß bis jetzt in keinem Regie- rungsorgane den Schmerling'schen Aeußerungen entgegengetreten worden ist. Die Wiener Blätter sprechen sich alle mehr oder minder ungünstig über den Toast aus— leider aber nicht vom deutschen,' sondern vom österreichischen Standpunkte aus. Es ist jedoch dabei nicht zu verkennen, daß die öffent- � liehe Meinung in Wien von der deutschen Strömung schon stark beeinflußt ist. Wird noch besser kommen! §. München, 7. August.[Die Social- Gesetzgebung. Der Schwindelgeist.� Die Regierung beabsichtigt den zur Berathung der so- aalen Reformen eingesetzten Kammerausschüssen, über welche ich Ihnen unlängst berichtet, drei Ge- setzentwürfe vorzulegen. Der erste betrifft die Ge- meindeordnung und die Bestimmungen über An- sässigmachung und Verehelichung, der zweite: Ar- nienwesen und HeimathSrecht, und der dritte: die Gewerbeordnung. Die neue Wochenschrift unserer Fortschrittspartei behauptet aus guter Quelle zu! wissen, daß nur die Bestimmungen über Ansässig- machung und Berehelichung liberal, die in Betreff der eigentlichen Genieindeordnung aber ganj int Geiste des seitherigen bureaukratischen Be'vormun- dungS-SystemS gehalten fein sollen. Da diese An- gclcgenheit von höchster Wichtigkeit ist. verursachte jene Nachricht allenthalben gro�e Aufregung. In- dessen verlautet über die Vorlagen noch nichts Be- stimmIcS und dürften dieselben noch nicht definitiv festgestellt sein. Mir erscheint es kaum glaublich, daß sich rie Regierung mit dergleichen überlebten, rcactionärcn Tendenzen tragen und das gemein- schädliche, dem Geiste der ökonomischen Anforderun- gen der Epoche geradezu entgegenstehende, lieber- wachungSsyjlenl in der neuen Gesetzgebung beizube- halten, die so nothwendlge Selbstthätigkeit der Ge- meinden zu lähmen suchen sollte. Falls es sich aber, wider alles Erwarten, wirklich so verhielte, wurde man weit besser lhun und sich viele Mühe sparen, wenn man sich auf die Vornahme einer curforischen Revision des jetzigen Gemeinde-Edlkts beschränken wollte. Dasselbe hat dock mindestens das Verdienst einer sünszigjährigen Praxis, was freilich kein Lob involviren kann. Eine„Pelz- Waschung ohne Wasser" ist ja unter alle» Umstän- den zu erwarten: Tont conime chez vous! Aber Hier wie dort wird das Endresultat das gleiche lein und die Sündfluth nicht ausbleiben. Nur über das„Wie lange?" kann man uoch in Zweifel sein. Bezüglich der erwarteten Gemeindeordnung ist noch bemcrkenswerth, daß man hofft, eS werde mit derselben eine Reorganisation resp. Verein- fachung unseres bewunderungswürdig schwerfälligen und complicirten Verwaltungs-Organisnius in's Leben treten. Gegenwärtig belästigt die Eontrole der Gemeindeverhaltnisse die Kreisregierungen und Unterbehörden mit einer in's Unglaubliche gehenden ilüue von Geschäften und unnöthigen Schreibereien. Gläubige und hoffnungstrunkene Gemüther schniei- ckeln sich daher mit der zuversichtlichen Erwartung, daß tie Regierung, durch die schreiend zu 4,age getretenen Nachtheile'des seitherigen Systems zur Inangriffnahme von Reformen veranlaßt, nunwche auch dein Genicindeleben eine freiere und felbsistu digere Entwickelung eröffnen werde: „Eng ist das Leben fürwahr; aber die Hvst'uun ist:— weil!"— Charakteristisch für unsere socialen Zustande sin dl- fast mit jedem Tage unter hiestgen G- chaf s leuten sich mehrenden: Wechselklaaen, Wech!">p" ren, Wechselarreste, Concurse sowie ge- und mll>- lungenen Fluchtversuche wegen Schulden. Darm sind aber nicht so fast die„schlechten Zeile»,' vielmehr die Leute selbst schuld. Theils lss Maugel an Intelligenz und sittlichernstem Slre' an Fleiß und Thätigkeit, theils und Haupt!» die fanatische Sucht, schnell reich zu werden, Geist deS Schwindels, die sich unseres eheM. soliden, ruhigen Münchener Völkchens Haben. Diese Erscheinung ist übrigens»; S. »ition, sowii le bei >et. ne"I s der Atelle ngen? denen r nicht w- in u inten eisterl, twnßt« eist er jenem eine � Hat in der itiven? cher er Aorgen »ativer o That lmann erfüllt. m Be» ed der den zu be- ihl der � Han« Zeiten kennen sitz ist liedac« z des- udw- gen' cstaad lf den olizet- erster ilt d-e is auf haben, Haste fentlich »er der Ein . c-n- bei-r-- graf' n den .rs. lvußt- befremdend: sie ist nur die der Uebergangsepoche vcm Zunftzwang zur Gewerbcfreiheit und vom Klein- betrieb zum Industrialismus eigenthümliche Krisis, tvelche die Gesellschaft durchzumachen hat und die Vöhl den Einzelnen, nicht aber wesentlich die Gesell- fchaft leiden lägt. Es ist ein ganz homöopathisches Berfahrcn• das Hebel muß mit dem Uebel bekämpft Verden! �Aber es werden noch ganz andere Krisen eintreten,. die sich mit innerer Naturnothwendigkeil vollziehen und gegen welche weder reactionäre Trac- tätlein noch kleinbürgerliche Quatsalbereien etwas verfangen. * Hnniburg, 7. August. fEin großes Ar- beiter-VerbrllderungSfest� hat am 6� August bahier stattgefunden und ist in der würdigsten und erhebendsten Weise verlaufen.(Näheres unter eigener Rubrik.) Königsberg, 4. Auaust. fZur Kölner >test-Angelegenheit.f Die Beschwerde, welche br. Falkson, als Vorsitzender der Bürger-Ver- ianimlung vom 27. Juli in Sacken der Kölner Torgänge, wegen der von der Polizeibehörde vor- «enommenen Auflösung jener Versammlung a» den lvniglicken Polizei-Präsidenten von Leipziger ge- sichtet hatte, ist von letzterem in einem Schreiben Idom 2. August) zurückgewiesen worden. Dasselbe tutet- f Auf die Beschwerde vom 2tt. v. M. wird Ew. Wohl- leboren eröffnet, daß ich die von dem Eriminal-Polizei- foispector Jagielsky angeordnete Auflösung der össentlichen Hersammlung, welche Sie in Gemeinschaft mit anderen hersvnen zur Besprechung der kölner Angelegenheit am l7. v. M. im Locale der hiesigen Bürger-Ressource be- Ajen hatten, für gerechtfertigt halte, weil von Ew. Siohlgeboren, als dem Vorsitzenden der Versammlung, in Vorschlag, welcher nach diesseitigem Erachten cinc Aufforderung zu einer im§. 87 des Strafgesetzbuches �iter Strafe gestellten Handlung enthält, in der Ver- pnmlung erörtert worden ist. Elberfeld, 5. August. sHngo Hillmann), �er Bevollmächtigte des Allgemeinen deutsche» Ar- Wer-Vereins dahier, wnrdc in heutiger Sitzung ies Landgerichtes wegen einer in RonSdors lehaltencn' Rede zu 14 Tagen Gefängniß ver- �theilt. Wiesbaden, 7. August. sEröfsnung des «andlags.) Heute Morgen um 11 Uhr eröffnete str Minister Prinz Wittgenstein den Landtag im �tändesaale. Die Eröffnungsrede beschränkte sich Vf die nothwendigsten geschäftlichen Mittheilungcn. .�es vorausgegangenen Konflikts und seiner Ur- »che» wurde mit keiner Sylbe gedacht.„Der 'andiag habe unmöglich früher zusammentrete» ffuuen, wegen der langen Zeil, die der Wahlmo- »s erfordert. Da nur noch eine kurze Sitzungs- Triode erübrige, so habe die Regierung die Vor- tgen auf das Nothwendigstc und Dringlichste be- tränkt, nämlich Handelsverträge, Postvertrag und Besteuerung der Bergwerke, ferner das Budget und »dlich die Steuerbewillignng. Die Beschleunigung 'tzterer wird wegen der Bedürfnisse des laufenden Lenstes empfohlen."— Darauf erfolgte Beeidigung tr neue» Mitglieder. * Burg, 7. August.(Das Urtheil ini Ar- itcrprozeß.) Wie verkündet war, begann heute eich nach 9 Uhr die Schlußsitzung des Gerichts- sses im Koalitionsprozeß gegen die Arbeiter. «n den 277 des Vergehens Angeklagten waren '5 anwesend, von den beiden der Theilnahme be- �»ldigteu nur Stadtrath Fordemann. Das Er- Pptniß lautete(wie bereits mitgctheilt) für alle �geklagte auf Freisprechung und Niederschla- sbig der Kosten. Der Präsident, Gerichtsdireklor �»igmann, entließ sie, wie berichtet wird, niit Mahnung,„in Zukunft diese unglückseligen Zer- ■firsnisse gänzlich zu vergesse» und eingedenk zu beu, daß, indem sie ihren Fabrikherren dienen, sich selbst dienen würden."— Wir kennen die k'rte des Herrn Gerichtsdirectors nickt näher; vch scheint uns, daß wenn er wirklich versöhneud 'cchen wollte, er seine Mahnung, keinen Grund * Zwietracht zu geben, nach beiden Seiten hin ' an die Fabrikanten wie an die Arbeiter— len mußte. Nachstehendes wird von den Blättern ver- l'Ntlicbt� Erklärung der angeklagten Arbeiter von Burg. Dank, innigen Dank den von uns erwählten Recht«- Vertretern Herr» Rechtsanwalt Moritz und Herrn Rechtsanwalt Dr. Lochte zu Magdeburg für die uns gewährte Hilfe in dem wider uns angestrengt gewesenen Coalilionsprozesse! Da« freisprechende Erkenntniß vom l.Augnst hat Ihre Bertheidigung gekrönt und Ihr Wort zu einem wohl- wichtigen für den ganzen Arbeiterstand gemacht. Ader darüber hinaus liegt der Dank der Herzen, s Die Arbeiter vergessen nicht derer, die ihnen Kops und Herz gewidmet haben. Burg, den 7. August 18tö. Im Namen der 277 angeklagten Arbeiter von Burg! Fr. Miihlenbaupt. Ausland. * Paris, 7. August. fTagesberickt.) Der Jndependance Bclge wird von hier geschrieben, daß die Beziehungen zwischen Berlin und Wien wegen der Elb-Herzogthümer einen Notenwechsel und Ideen-Austausch zwischen Paris und London hervorgerufen und dahin geführt haben, daß beide Regierungen vollständig über ihre Gesichtspunkte einig geworden. Die Depesche, welche dieses Er- gebniß brachte, traf in diesen Tagen in PlombiereS ein: niehr braucht es nicht, um Bketlernich'S Bleiben am Platze zu erklären. In Paris hofft man, die deutschen Mächte würden, so lange die Westmächle einig, es wohl bleiben lassen, es zum Aeußerste» zu treiben. So wird dem belgischen Blatte ge- schrieben.— Professor Morin hat den Plan einer Umwandlung des Tliurmes in Ronen, wo die Jung- srau von Orleans eingekerkert und inquirirl wurde, in ein National- Monument dem Kaiser in Plom- biöreS unterbreitet und soll die Aussicht auf die Genehmigung gewonnen haben.— Der Marschall O'Donncll hat hier officiell angekündigt, daß Spa- nie» die Samana-Bay auf St.-Domingo für sich behalten wolle, um dort einen Hafen zu erbauen. — Heute fand die große PreiSvertbeilung in der Sorbonne Statt. Der Unterrichts-Minister, Herr I Durny, präsidirte der Feierlichkeit. Nach den Be- bauptungen der Journale sind Dnrny's Worte mit Begeisterung aufgenommen.— Abd-el- Kader ist gestern früh wieder über Folkeflone und Boulognc »ach Paris zurückgekehrt.— Die Königin von England wird, wie aus London berichtet wird, die Reife nach deni Festland morgen antreten, ver- mulhlich in der ersten Woche des Monats Septem- ber nach Windsor zurückkehren und sich von dort nach Balmoral begeben.— Der Nachricht, daß � König Leopold abdanken wolle, wird von Brüssel aus widersprochen. ?ch. Lvndv», 7. August. sArbeiterange- legcnheiten.) Der„Beehive" bringt unterm 5. August Folgendes: „Im„Morning Star" vom 29 Juli bat Herr John Brie». Sekretär der Gesellschaft der HauSmaler, durch einen Brief über die Bewegung in dieser Gesellschaft, der Presse der Eapitalislen eine gute Gelegenheit gege- I den, gegen die Gewerbe-Vereine loszuziehen. Der„Mar- ning Star" brachte am Donnerstag einen Leitartikel, strotzend von Albernheit und Unsinn,„von bezahlte» Co- mits's und Delegirten",„von interessirte» Agitationen" angefüllt je. ad nausearn. Der Editor dieses Blattes macht den Brief des Herrn Briens zu seinem Text und eine Arbeiter- Strafpredigt daraus; aber, wie es un- glücklicherweise den Editors der täglichen Zeitungen gewöhnlich geht, wenn sie Über Gewerbe-Combinationen sprechen, bewies er eine Unwissenheit in Thatsachen, oder er verdrehte absichtlich die Wahrheit; nachdem er Alles, was Mr. Brien in seinem Briese sagte, ohne Weiteres als Wahrheit nabm, übertünchte er die Maler mit Lob, und tadelte das Betragen der Tischler.(Das Lob man- cher Zeitungen ist Censur und ihre Censur ist Lob). Frei- lich ist der Editor des„Morning Star";» unschuldig, als daß er einen Streit zwischen den zwei Gesellschaften stiften wollte— er ist ein zu großer Verehrer der Ei»Veit, als daß er auch nur einen Augenblick einen solchen Gedanken hegen könnte! Aber nicht zufrieden mit diesem unglücklichen Vergleiche sagt er weiter:—„Die Zimmerleute der Herren Eubitl glaubte» ebenso wie die Maler, einen höheren Lohn beanspruchen zu dürfen, sie forderten daher eine Lohnerhöhung und drohten mit einem Slrike, falls man sie nicht gebe. Sie machten einen Strike." Die Behauptung, daß die Zim- merleule und Tischler„mit einem Strike gedroht haben," ist eine Unwahrheit! sie haben nichts derart gethan, denn sie thaten gerade das Gegentbeil. Sie ha- ben ihre Forderung in der höflichsten Sprache gemacht, und nicht ein einzige« Wort enthält auch nur den gering- sten Schein einer Androhung; die Bewegung war über- dies nicht von den Mitgliedern der Gesellschaft, sondern von NichtMitgliedern begonnen; eine Thatsache über welche der Editor des„Morning Star" in einer glückseligen Unwissenbeit ist, oder er würde sich den Zeitverlust zum Schreiben und seinen Lesern den Verlust der Zeit, seinen dummen Unsinn über Handwerker-Vereine und deren Handlungen zu lesen, erspart haben. Es ist nur diese einzige wahre Sentenz in dem ganzen Artikel, „sie haben einen Strike gemacht." Ja, sie haben einen Strike geniacht, aber unter Ver- Hältnissen, über welche der kluge Editor des„Morning Star" sich in voller Unkenntniß befindet, oder welche er wissentlich seinen Lesern verheimlicht. Tbat er es au« Unwissenheit, und will er erfahren, warum sie einen Strike gemacht haben, so wollen wir ihm mit Vergnügen AnSkunft darüber geben, um ihm das Schreiben sernern Unsinns über Stricke's und Gewerbegesellschasten, zu er- sparen. Ich bin nicht Willen«, den seichten Sophistereien und klugen Unwahrheiten, welche den ganzen Artikel de« Star ausmachen, weiter zu folgen, und überlasse den Anti- Union-Morning-Star seinen eignen Betrach» lungen w. jc. Peitsche. Das vertagte Meeting der Zimmcrleute und Tischler wurde am Mittwoch Abend in Cambridge Hall abgehalten, nm einen Bericht über die Lage der Arbeiter des Herrn Eubilt z» hören und die jetzige Bewcanng in Betracht zu ziehen. Der De- legirie von Eubills berichtete, daß er dem Herrn Plucknett die Resolution„die Arbeiter wollten am Montag mit der zugesagten Zulage eines halben Penny pro Stunde die Arbeit beginnen, mit der Bedingung, daß der andere viertel Penny im März gegeben werde" mitgetheilt habe. Herr Plucknett erwiderte„sehr gut; aber ich kann gegenwärtig über die weitere Forderung des viertel Penny nichts zusagen." Die Unterredung war hiermit geschlossen und ich ging ini Glauben, daß die Sache freund- lich arrangirt sei weg. Aber bald zeigten die Er- eignisse, daß ich mich getäuscht hatte. Man gab fremden Arbeitern, welche an der Bewegung keinen Theil hatten, den Vorzug und nahm von den 270, welche den Strike gemacht hatten, bloö 150 wieder in das Geschäft. Er selbst und andere welche mit ihm beim Strike einen thätigen Antheil genommen, wurden weggeschickt, weil mau für sie kerne Arbeit hätte. Dabei wünsche er zu wissen, was man für die 120 Arbeiter, welche auf diese Art noch außer Beschäftigung sind, lhu» wolle.(!!) Jeder Mann erhielt am letzten Montag 1£. Es scheint, daß die Arbeiter der Herrn Eubilt und das Delegirten-Meeting bei ihrer Ausgleichung mit den Arbeitgebern die Bedingung, daß alle Arbeiter, welche den Strike gemacht in dasselbe Geschäft wieder zugelassen werden, vergessen haben, und dieser Umstand dürfte früher oder später zu neuem Conflikte führen; nichts destowenigcr haben I die Herrn Eubitl durch dieses Betragen den Aus- gleich mit ihren Arbeitern gebrochen, was ist Überhaupt der Vergleich Werth, wenn er fremden Arbeitern den errungenen Bortheil gewährt? Die Schlauheit und Niederträchtigkeil solchen Verfahres ist so klar, daß ich mich jeder weiteren Bemerkung darüber enthalte. Lvndvn, 8. August.(Aus Amerika.) Mit dein Dampfer„North American" sind Nachrichten aus stkew-Uork vom 29. v. M. Abends eingetroffen. Zwischen den französischen Truppen und denen der Union war die feindselige Stimmung im Wachsen. In Tennessee und Nordkarolina herrschte angesichts der Wahle» große Aufregung. Dänemark.(Eine anßerordentlicheVer- sammlung des Reich sraths) ist durch einen offenen Brief des Königs auf den 28. August ein- berufen worden. Polen, 9. August. �Politische Gefangene.) Von den wegen Betheiligung am Aufstande in den Straf- Compagnieen in ArchangeleSk detinirten Polen, deren Zahl über 800 betrug, sind unlängst 200 im Wege rer Gnade entlassen und in ihre Heimath geschickt worden. Unter de» Entlassenen befinden sich auch mehrere von der schweizerischen BundeS-Rcgiernng reclaniirte Schweizer, die bereits in ihre Heimath eingetroffen sind. Diese haben die Nachricht gebracht, daß binnen Kurzem sämmtliche wegen politischer Vergehen in den Straf-Com- paguieen befindliche Polen entlassen werden sollen.