Nr. 1244. Berlin, Mittwoch den 23. August 184»».»eri-i Sotinl�lcmolant. Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Svnn« und Festläge. Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins. Redigirt von I. v.». Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin. Dresdnerstrajje Nr. 85. Abonnements- Preis ilir Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den KLnigl. preußischen Post- ämlern 25N/2 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußjschen Deutsch- land 18�/« Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr. sfl. 1. 45. südd., st. L 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. l, sowu auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigcspaltcne Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit I Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Eolvnieen und die überseeischeii tänder: ltfr. Bender, 8. Little Nevr-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: in i s s i o n betreffend geben wir zunächst nach der Heuligen Nunimer der„Berl. Ref." den Bericht über die gestern stattgehabte erste Sitzung: Bon den zweiunddreiß�g Mitglieder» der Kvnimisston und den sieben außerdem noch zur Berathung eingelade- neu Personen waren im Ganzen achtundzwansiz crschie- nen, doch werden die sehlenden nach Annahme des Mi- nisterS v. Jtzenplitz, oer die Sitzung gegen halb zwöls Uhr in einem BerathungSzimmer des Herrenhauses mit einem kurzen Gruß an tie Anwesenden eröffnete, in den nächsten Tagen vermnthlich eintreffen.(Bon Kr. Faucher, der bekanntlich zu den Eingeladenen gehört, ist ein Telegramm aus Wien eingetroffen, wonach er durch Krankheil, am Erscheinen verhindert ist.) In der Ein- leitungsrede machte der Minister im Allgemeinen mit dem bekannt, womit die Kommissiou sich nach Ansicht der Regierung zu beschäftigen haben werde. Er sagte etwa: Die wichtigste von allen Fragen, die hier zu Er- örterung kommen sollen, werde sich allerdings auf das CoalionSrecht beziehen, doch habe man sich darauf allein nicht beschränken wollen, weil zu erwägen, was bei der event. Aufhebung der gesetzlichen Bestimmungen zu geschehen habe. Darüber werde man wohl im Gro- ßen und Ganzen nicht in Zweifel sein, daß Arbeitsein- stellungen für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer in der Re- gel von den übelsten Folgen begleitet wären. Unsere bestehende Sewerbegeseygebung aber sei ein zusammen- hängendes Gebäude, aus dessen Fundament man keinen einzelnen Stein lösen dürfe, wenn man nicht anderweit für den nothwendigen Halt gesorgt habe. Außer dem ersehnten Coalitionsrecht seien es aber anch noch andere Fragen, die der Beantwortung harrten und darauf aus- gingen, das Wohl des Arbeiters zu fördern. Da sei zunächst die Forderung der völligen Freizügigkeit, die im Prinzip im preußischen Staate vorbanden fei, während iu der Praxis die Zahlung von Einzugsgeld gerade den Arbeiter drucke, in Erwägung z» ziehen, fer- ncr, ob die gegenwärtig üblichen oder gesetzlichen K ün- digungSsrißen zu verlängern, um die Erwerbsmög- lichkeit geringeren Schwankungen auszusetzen. Auch die von Einigen erhobene Forderung der Organisation der Arbeit, deren Begriff in solcher Allgemeinheit schwer faßlich sei, lasse sich vielleicht präcifiren und dann Weiteres daran knüpfen. Er wünsche, daß Jeder sich frei und offen darüber aussprechen möge, da es doch wahrlich nicht auf Elegance der Rede ankomme. Leider müsse er darauf verzichten, allen Sitzungen beizuwohnen; doch werde er, so oft eS thnnlich sei, erscheinen und sich in seiner Abwesenheit durch den Geheimen Rath Herzog vertreten lassen, der auch heute noch über das Pro- gramm oder besser die Uebersicht derjenigen Gegenstände, welche der Berathung unterbreitet werden sollen, Mit- theilung machen werde. Doch sollten auch diejenigen Fragen und Anträge, die sich bei der Diskussion er- gebe» möchten, falls sie die sociale Frage interessiren, keineswegs ausgeschlossen sein. Eine Geschäftsord- nung scheine um deswillen überflüssig, als Jeder wohl hinreichend mit den üblichen parlamentarischen Gebräu- che» vertraut sei. Die Fragen, welche die Regierung zur Beantwortung vorlegt, sind die folgenden: l) Ist die Aushebung der in den§Z 181 und 182 der Allgemeinen Gewerbe-Ordiinng vom 17. Januar 1845 vorgesehenen Beschränkungen der Coalitionssreiheit noth- wendig oder nützlich? 2) Würde bejahenden Falls die Aufhebung der ana- logen Bestimmung im§ 3 des Gesetzes vom 24. April 1854, betreffend die Berletznngen der Dienstpflichten des Gesindes und der ländlichen Arbeiter, einzutreten haben? 3) Bedars eS, im Falle der Aushebung, de« Erlasse« besonderer Bestimmungen zum Schutze derjenigen, welche an der Verabredung, die Arbeit einzustellen, nicht Theil nehmen wollen, nud gegen welche Handlung und Unter- lassnngen würden die Strafbestimmungen vornehmlich zu richten sein? 4) Empfiehlt es sich, für den Fall der Aushebung, auf die Bildung von Schiedsgerichten Bedacht zu nehmen, welche die aus dem Arbeitsverhältniß hervorgehenden Streitigkeiten gütlich oder durch Schiedsspruch beizulegen haben würden? 5) Ist mit der Aufhebung der tzs 181 und 182 der Allgemeinen Gewerbe-Ordnung das Fortbestehen der Be- stimmungeir in den§Z 47 und 48 und in den ßs 31 und 32 der Beiordnung vom!>. Februar 1849, welche die Arbeitgeber in der Wahl der Arbeitskräfte beschränken, verträglich? 6) Können alsdann die Borschristen ausrecht erhalten werden, welche dieselbe Verordnung in den Abschnitten II. und III. über die PriisungSpflicht der Handwerker und die Borbedingunzen zur Äblegunz der Prüfungen ge- troffen hat? 7) Macht die Aufhebung der CoalitionSbeschränkungen die Beseitigung von Hindernissen nothwendig, welche der Freizügigkeit bez. freien Rieberlassuiig entgegenstehen? Bilder insbesondere das von den Gemeinden erhobene Einzngsgeld eine die freie Bewegung der Arbeiter er- heblich beengende Schranke? 8) Bedingt diese Aufhebung eine Aenderung des s 139 der Allgemeinen Gewerbe-Ordnung? Erscheint eine solche Aenderung namentlich dahin erforderlich, daß die subsidiäre Kündigungsfrist verkängert�verde? 9) Ist der§ 184 der Allgemeinen Gewerbe-Ordnung, wonach Gesellen, Gehülfen und Fabrik- Arbeiter, welche ohne gesetzliche Gründe eigenmächtig die Arbeit verlassen, oder ihren Verrichtungen sich entziehen, oder sich groben Ungehorsams oder beharrlicher Widerspenstigkeit schuldig machen, mit Strafe belegt werden, nach Aufhebung der Coalitionsbeschränkungeu beizubehalte»? 10) Was kann geschehen, um die auf Selbsthülfe be- ruhenden Genossenschaften(Borschuß- und Eredit-Bereine, Vereine zur Beschaffung von Rohstoffen, Eonsum-Bereine, Prodnctiv-Associationeu) zu fördern? 11) Welche dieser Associationen können auch unter Fabrik-Arbeitern Eingang finden, und auf welchem Wege würde dies zu erreiche» sein? 12) Welche Mittel bieten sich dar, um dem bestehen- den Mangel an billigen und gesunden Arbeiler-Wohnun- gen abzuhelfen? Zu den gedruckt vertheilten Fragen giebt noch einige Erläuterungen Geheimer Rath Herzog: Ausgangspunkt der Berathung werden allerdings die Bestimmungen der §Z. 181 und 182 der Gewerbeordnung vom 17. Januar 1845 sein; indeß werde mau sich erinnern müssen, daß die rechtlichen und politischen Gründe schon anderweil genügend erörtert wurden; hier komme es nur noch dar- aus an, welcher praktische Werth sich au« der Beseili- gung der angedrohten Strafe erwarten lasse, wobei man aber hauptsächlich nicht aus den Augen verlieren dürfe daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer völlig gleichberechtigt ffien, da sich ja unschwer nachweisen lasse, daß die Är- beitnehmer auch Arbeitgeber seien. Es frage sich dann i weiter, ob die im Gesetz vom 24. April 1854, betreffend � die Verletzungen der Dienstpflichten des Gesindes und > der ländlichen Arbeiter, im§ 8 angedrohten Stta- sen gleichfalls aufzuheben feien, ob besondere Slrafbe- stimmungen gegen Diejenigen festzusetzen seien, die An» dere unter Androhung und Berübung von Zwang z»r Arbeitseinstellung zwingen wollen; ob die Gewcrbeord- nung in ihren übrigen Bestimmungen besteben bleiben solle, namentlich ob die Prüfungen gänzlich abznschas- fen oder ob sie blo« fakultativ bestehen bleiben sollen. Da harren ferner die Fragen wegen Freizügigkeit, wegen Regulirung des Arbeitsertrages, wegen Beseiti- gung der unsicheren Existenz ihrer Erledigung. Eine weitere Frage ist, welche Borschristen sollen eintreten, wenn der Z. 184 der Gewerbeordnung, welcher lautet: „Gesellen, Gehülst» und Fabrikarbeiter, welche ohne ge- setzliche Gründe eigenmächtig die Arbeit verlassen, oder ihren Verrichtungen sich entziehen, oder sich groben un- gehorsams oder beharrlicher Widerspenstigkeit schuldig machen, sind mit Geldbuße bis zu zwanzig Thalern oder Gefängniß bis zu vierzehn Tagen zu bestrafen", nnt be- seitigt werden sollte, da doch das Coalitionsrecht schwer- lich das Recht in sich schließen soll, eingegangene Ber- träge— zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern � brechen. Borzusehen wäre dann anch noch, in welcher Weise die aus dem gegenseitigen Verhältnisse entttehen- den Differenzen am zweckmäßigsten ausgeglichen werden könnten, ob dazu Schiedsgerichte oder mit erwclttt- ler Competenz versehene Gewerbegerichtc, wie solche am Rhein bestehen, in den alten Provinzen«der me vollständig in's Leben gerufen wurden, geeignet erich�' nen. Ein weiterer und sehr wichtiger Gegenstand dttriN daS Genossenschaftswesen im Allgemeinen wie i» einzelnen Theilen; obwohl von den Gesctzesfactoren die- ser Gegenstand weitläufig erörtert worden, ld wünsch die Staatsregierung doch auch die Ansicht der Komwil» sie» darüber zu vernehmen, wie weit die Gesetzgebung dabei sich zu interessiren habe. Eine anderweite a moralische Einwirkung auf die sociale Frage, wozu en geregelter Schulunterricht zu rechnen, glaube die Staat' regierung ablehnen zu müssen, da das Wohlergeden" —- in reu Einzelnen in seiner sittlichen Bildung, in SpuriS"!'),, ..„W 4.»..... Cmi rri.tffl3CUC und Gottesfurcht zu suchtii sei. Nur eine, daS mater' die aber auch zugleich geistige Wohl betreffende Frage, gesunder und annehmlicher Arbeiter- Wobnu�nge werde sich der Berathung nicht entziehen könneit. Selvp verständlich sollen auch anderweite verwandte Gegensian hier zur Besprechung gelangen können. Morgen w mit einer allgemeinen Diskussion begonnen werden,-d Sitzungen werden täglich in denselben Lokalitäten vo 10 bis 3 Uhr stallfinden. Die Url heile der Presse in Betreff her Commissi»« unsern Lesern weiter vorführend,� ort gen wir heute einen Leitartikel der„Kreuzzig.' lff Abdruck, Weiteres bis morgen zurückitellend. „Kreuzztg." schreibt:.j. Der Zusammentritt der logenannten„Eoau tivns-Eommission" ist heute er'olgt. die Es gereicht uns zur besonderen Kesriedigung, dp, Regierung sich nicht gescheut hsst, auch die,''.�rt, diese schwierigste und folgenreichste Frage der Leg in den Kreis ihrer Behandlung zu ziehen„. n0ch Wie wir annehmen dürfen, ist es imteru � unvergessen, daß und in welcher..»»g an- die R-formbedürstigk-it der betreffenden G-sctzg-buuS » 1 kn rrkannt, und sich gleichzeilig, wenigsten« andcntungsweise, darltber ausgesprochen hat, in welcher Richtung die rech- ten Heilmittel zu suchen sein dürftew lieber, engt davon, daß es der Regierung mit diesem Suchen rechter Ernst ist. so wie, daß sie in der Bildung der berufenen Eominijsion den rechten Weg eingeschlagen, geben wir heute vor allen Dingen deni Wunsche Ztus- druck, daß auch die Mitglieder der Ecmmission in rechter Wilrdiguag der Bedeutung und Verantwortlichkeit ihrer Stellung und Aufgabe die Action der Regierung nach Kräften zu fördern und die ihnen vorliegenden Fragen ohne politisches Vorurtheil lediglich nach ihrer eigenen Dignität zu behandeln geneigt und im Stande sein wögen. Denn ist es auch, nicht mit Unrecht,, schon an sich als eine politische Thal anerkannt worden, daß die Re> � gierung überhaupt aus dem socialen Gebiete die Initiative ergrifsen hat, so sind doch gerade um deswillen auch die Augen der Masie der Bevölkerung mit besonderer Span- »ung ans den Fortgang jener That gerichtet. Der Allckschlag einer Enttäuschung und das resnl« tatlose Inisandeverlanfen dessen, was jetztbe- tonnen wird, würde deshalb von tiefgreisen- der Wirkung und Bedeutung sein. No» ist der Glaube in der Masse der Bevölkerung »nerschüttert, überall das Beste von der Regierung trwarlen ,u dürfen- noch blickt auch die Mehrzahl des lArbeiterstaildes mit Hoffnung und Vertrauen nach oben. So dürfte es überaus gefährlich und verhäng- »ißvoll sein, Hoffnungen und Wünsche zu er« >v ecken, sie demnächst aber unerfüllt und un» befriedigt zu lassen. Nachdem man einmal so, wie geschehen, die Initiative ergrissen, bleibt nur noch die eine Alternative- Ent- weder da«, was möglich ist, zu leisten und zu gewähren Und dadurch ein neue« Band zwischen der Regierung »nd der Masse der Bevölkerung zu knüpfe»,— oder aber den Ansang durch da« Resultat zu desavouireu and damit die in ihren Erwartungen Getäuschten von der Regierung fort und der radicalen Demokratie in die Arme zu treiben. Hierbei aus die Details der Frage näher einzugeben, «rscheint un« heute nicht an der Zeit. Nur die Bemer- lung mag jetzt schon ihre Stelle finden, daß die Arbeiten der zusam-nengetretenen Com Mission am wesentlichsten dadurch gefördert werden würden, wenn e« der Regierung gefiele, in den Berhandlungen da« bureaukratische Element möglichst zurücktreten zu lasten, unbeschadet»a- Irlich der geistigen Direction, welche die Eommission wit Recht von dem Vertreter der Regierung erwartet. Deutschland. * Verlin, 22. August.[B1,m Ergebniß der Unter Handlungen� schreibt die neueste -.Kreuz-Ztg.": Gestern ist in Salzburg von den beiden Monarchen der Vertrag unterzeichnet worden, den Oesterreich und lireußen wegen der Forldauer des Eondomiuiumö jc. rbgestblosten baten. Hier in Berlin ist noch nichts weiter dekannt gegeben; doch gehen nn« über Wien, Paris und London einzelne Nachrichten zu. Danach haben sich die beiden Mächte in der Weise geeinigt, daß da« Herzog- >hum Lancnburg demnächst in de« Besitz Sr. Maj. des König« von Preußen übergehen soll; Oesterreich erhält lür da« Mitbesitzrecht, welches hiermit von ihm ausgc- geben wird, eine Entschädigung an Geld, wie un» böser Wiener Correspondent schreibt,„zwischen ein und iwei Millionen Thaler." Das Eondominat über Holstein lind Schleswig bleibt bestehen; doch wird Schleswig bon nun an blos von Preußen regiert, ebenso Hol- Rein blc« von Oesterreich, damit keine„Conflicle" borkomme». Auch sollen die Mächte auf das Entschiedenste sich darüber vereinbart haben, daß nur sie Besitzer der Herzogthümcr sind auf Grund des Wiener Friedens, »nd nur sie über die definitive Regelung derselbe» zu sdtscheiden haben.— Die« etwa sollen nach unseren Rdachrichten die Grundzüge der Vereinbarung sein; Nä- deres darüber ist natürlich erst noch abzuwerten. Diese Nachrichten der„Kreuzztg." haben grosten- lheits telcgraphische Bestätigung gefunden. Wie die Etliche„Wiener Abendztg." meldet, ist das Eon- d«minal dahin geregelt, daß Preußen in Echtes- �ig, Oesterreich in Holstein regiert. Doch "khält Preußen den Kieler Hafen, das �itbesayungsrecht in Rendsburg, de» �analbau und die Eisenbahn von Rends- »rg nach Lübeck. . Nach diesen Nachrichten ist nickt mehr zu zwei- Wn, daß die preußische EtaatSkunst über die öster- sstchische einen zwar nicht eclatanten, aber doch ""Hier nicht unerheblichen Sieg errungen hat. l.* Leipzig, 20. August. sUeber den zweiten ! putschen E chriftstellertag � berichtet das "Tranks. Journ.": � Der zweite deutsche Schriftstellertag hat ein ersreuliche« Ergebniß geliefert- die Eonstituirung der Theilnebm-r destelben zu einem„deutschen Schriftsteller- bunde" ist heule ausgesprochen und der stark umgearbei- tele Slalutenentwurf mit großer Majorität„ou dloc" angenommen worden. Die Fregneuzzifier beträgt einige neunzig Schriftsteller, zumeist au« Mittel- und Nord- deutschland. Der Süden ist nur durch Dr. Hermann Schmid als Abgesandter de« München» Schriftsteller- verein» vertreten gewesen- Oesterreich fehlte ganz. Berlin hatte acht Schriftsteller, die llbrigan Städte hatten nur je einen Vertreter gestellt; die entferntesten dieser Orte waren Stralsund, Stettin, Hamburg und Petersburg. Die heutigen Verhandlungen fanden unter dem Vorsitz de« Profestor Dr. H. Wultke und de« Dr. Hermann Schmid aus München statt. Nach lebhaster Debatte ent- schied sich der Echriststellertaq für den durch den gestern Abend niedergesetzten Ausschuß vollständig umgearbeiteten Statutenentwurs, der Namen« des Ausschusse« von Karl Frenze!(Berlin) befürwortet und, wie gesagt, von der Versammlung mit großer Mehrheit— 46 gegen 25 Stimmen— angenommen ward. Derselbe lautet- Z. 1. Die auf Einladung de« Leipziger Schriftsteller- verein« am 20. August c. in Leipzig versammelten deut- siben Schriftsteller treten zu einem Vereine zusammen, berechtigte Berufs- und Stantesinlerefsen zu wahren oder zur Geltung zu bringen. §. 2. Als materielle Fragen, deren Erledigung ihnen zunächst liegt, wolle» sie I) auf Regelung der Nach- drucksfrage; 2) auf Einsetzung eine« rechtSgelehrten An«- schusies zur Verfolgung von Rechisstreitigkeilen vor Ge- richt hinzuwirken versuchen. Z. 3. Es soll jährlich ein Schriststellertag geHallen werden. K. 4. Die Geschäflsleilung übernimmt ein vom Schrift- stellertag zu ernennender Vorstand von sieben Mitglieder». §. 5. Mitglied des Verein« kann jeder deutsche Schrist- stellcr werden, welcher sich zur Zahlung eines jährlichen Beitrag« von zwei Thalern verpflichtet. Die Versammlung ernannte folgende Schriftsteller zu Mitgliedern de« Vorstände«: Karl Frenze!(Berlin), Dr. Hermann Schmid(München), Profesior Dr. Heinrich Wultke und Dr. Fr. Friedrich, die hiesigen Hauptlräger des Gedankens eines deutschen Schriststellerverbande«, und Dr. Feobor Wehl ans Dresden. Diese Fünf haben sich durch eigene Wahl aus Sieben zu bringen. Nach ß. 3 des Staiut« schrill man auch znr Wahl de« nächsten Ver- sammlungsortes- die Wahl fiel adermal« aus Leipzig. Die andern Gegenstände der Tagesordnung waren Ver- Handlungen über die Nachdrucksfrage, die deutschen Thea- terverhältnisie und die Tantieme für Bühnendichter. Ucber erster« Frage berichtete Professor Wutike, über die andere Dr. Feobor Webl au« Dresden. Die Versammlung einigte sich bezüglich der Nachdrucksfrage über folgende Resolutionen-„Der deutsche Schriststellertag anerkennt da« geistige Eigenthum und die Nolhwendigkeit seine« Schutzes".„Die von Professor Wutike im Auftrage de» Leipziger Verein« ausgearbeitete Denkschrift über da« geistige Eigenthum wird dem Vorstand de« deutsche» Schrlststellerbunde» überwiesen, um nach prüfender Durch. sicht gedruckt und an die Regierungen, Publicisten, Re- dactionen u. s. w. vertheilt zu werden." Ueber den An- trag eine« Mitgliedes erhob sich die Versammlung zum Zeichen de« Danke« für die rastlosen Bemühungen Wultke'« aus diesem Gebiete. Feodor Wehl veranlaßte die Ver- sammlung, den Vorstand des neuen Schrislstellerbunde« zu beaustragen, sich über gemeinsame Maaßregeln zur Regelung der Honorarfrage sür Bühnenwerke mit dem Dresdener Shakespeare- Verein ins Einvernehmen zu setzen. Ein gemeinsames Festmahl schloß sich an diese Verhandlungen, die mit einem von Gerstäcker den Vorsitzenden gewidmeten Dank endigten. Bereit« haben sich mehrere namhasle auswärtige Schriftsteller zum Bei- tritt zu dem neuen Verein gemeldet. Ausland. * Paris, 20. August. sZur Arbciterbe- wegung. Tagesberichts Der„Constitutionnel" enlhalt folgenden vom Standpunkt der liberalen Bourgeoisie geschriebenen Artikel über die Arbeiter- Strike«', den auch der„Abend-Moniteur" bringt: Es liegt nun einmal in unserem Charakter in Frank- reich, Alle« zu übertreiben und jede» Maß zu überschreiten. Nur ein Gerücht von einem liberalen Gesetze, und die llltraconservativen zittern, während die Liberalen sich in Hoffnungen überstürzen. So sahen wir die« sich wie- derholen seit der Promulgation de« neuen EoaliliouSge- setze«. Die Minister versallen in-usschreitende Befürch. tungen, die Arbeiter erheben unsinnige Ansprüche, und Personen, die dem allem eigentlich fremd sind, sehen einen Ansang einer neuen Revolution. Die Arbeit ist für da« industrielle Eapiial da«, wa« die Werthpapiere für da» gemünzte Eapital sind, unterliegt daher eben- falls den Schwankungen de« Steigen» und Sinken«. Zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitern kann dar- über nur ein gegenseitige« Abkommen entscheiden, und wenn da« neue Gesetz dem Arbeiter da« Recht zu de- battiren giebt, so hat es demselben damit aber kein Mo- nopol verschaffen wollen. Will der Arbeiter das Capital zwingen, mehr zu geben, als e« kann, so macht er e» der Arbeit selbst abwendig und wird es schwer wiedergewinnen können. Der Arbeiter muß daher nur sehr anSn-hmSweise bis zur Einstellung der Arbeit sich ver- steigen. Cr mag sich auch seine Delegirten bestellen, muß sich aber wohl vorsehen, daß er nicht von diesen zu eigenen Zwecken ausgebeutet werde. In England hielt die ArbeitSeinftelluiig von Presto» ein halbes Jahr an; 30,l)l)l) Arbeiter erduldeten unsägliche« Elend, die Arbeit- geber waren ruinirt; ein Theil der Industrie hatte sich anderwärts hingewandt, und es bedurfte langer Zeit, um die Wunden zu vernarbe». Darin liegt eine große Lehre. Vergessen wir nämlich nicht, daß. wenn der Ar- beiter da« Recht hat, seine Arbeit einzustellen, der Ar« beitgeber seine Werkstätte schließen kann, und die unver- meidlicke Folge eine? solchen Kampses oft die Vernich- tung der Interessen Aller ist. Ganz unbestreitbar ein« hält das CoalitionSgesetz eine überaus liberale Idee; aber damit seine Anwendung von Nutzen sei, muß man jeden Angriffsgedanken fern halten und nie den national- ökonomischen Gedanken vergessen, dem e« sein Dasein verdankt Wir sür unseren Theil möchten wohl, daß man von Zeit zu Zeit den Preis der Tagelöbne wie die Börsencourse vei öffentliche. Natürlicher Weise würden sie je nach den Schwankungen des Bedarfs und des An- geböte« variiren, aber man würde das große Princip der Freiheit bewahren, welches beständig in unserem Verkehre obwalten muß. Ganz gewiß werden diese großen Prineipien der Freiheit von denen verkannt, die heute mittels Einschüchterung und Gewalt daS Schließen gewisser Werkstätten helbeisübreii oder gar(!) die Ver- Wendung von Frauen in de» großen Druckereien ver- bindern möchten. Aber da« sind nur vereinzelte Miß- bräuche. die der Justiz versallen sind, und stehen zu sehr mit dem öffentlichen Gewissen in Widerspruch, als daß sie die Geister irre z» führen im Stande wären. ES ist eine neue Arbeits- Einstellung angesagt worden. Die bei der pariser Stattgemeinde de- tiensteten Gärtner nämlich haben an den Seine- Präfecten ein Gesuch eingereicht, worin sie verlangen: Erhöhung des TagelohneS auf 4 Franken und Bernilnderung der Arbeitszeit an Werklagen auf 10 und an Sonntagen auf 5 Stunden.— Im Laufe der verstosienen Woche ist hier eine Bande entdeckt worden, die russische Banknoten angefertigt Hai. Es sind viele Berhastungen vorgenommen worden.— Arn 15. d., Abends, haben in Lille Schlägereien zwischen Soldaten vom 47. Linien- Regiment und Cuirassieren Statt gehabt. Die Soldaten machlen von ihren Seitengewehren Ge- brauch, die sie trotz der Klagen, die von allen Seiten laut werden, auch außer dein Dienste immer noch tragen dürfen. Drei junge Leute, die sich zur nämlichen Zeil ganz ruhig nach Hause begaben, wurden auch das Opfer betrunkener Soldaten. Dieselben griffen die jungen Leute an und hieben mit ihren Säbeln auf sie ein. Zwei derselben sollen schwer verwundet worden sein. Die Aufregung, die in Lille in Folge dieser Ereignisse herrscht, ist groß. Die Civilbehörden selbst sollen diese Ent- rüstung theilen, und der dortige Präfect auf sehr energische Weise in Paris reclamirt haben. Die ganze Angelegenheit selbst wird aber wohl in der nächsten Session vor den Senat kommen, da zahl- reiche Pelitionen bei ihm eingereicht werten sollen, worin verlangt wird, daß man dm Soldaten daS Tragen von Waffen außer dem Dienste verbietet. Florenz, 21. August. fZur Opposition gegen die Regierung.� Dem Proteste mehrerer Deputirten gegen das neuerliche Rundschreiben des KriegSministerS, als die constitutionelle Ordnung störend und den freien Bkeinungsansdruck beein« Irächligend, haben sich 3 Senaloren und 23 De- putirte von Neapel angeschlossen. — 21. August. Der Protest gegen das Rund- schreiben des KriegSniiniftcrs zählt jetzt etwa 70 Unterschriften von Senaloren und Deputirten.— Die„Gazetla nffiziale" veröffentlicht ein Rund- slbreiben deS Mlnisters des Innern an die Prä- fecten, welches die Erklärungen des Kriegsministers über die Beriheidigungsmiitel, deren sich die von der Presse ungerechter Weise angegriffenen Ossi- ziere zu bedienen hätten, recktferligi, den Vorwurf, als habe der KriegSrnimster die versassungsmäßigen Rechte der Bürger verletzt und die Armee beleidigt, zurückweist und die Präfecten beauflrag«, sür die redlichen Absichten de« Ministeriums einzustehen.