Rr. ISO. Berlin, Mittwoch den 30. August �onaUDtmolirat. Diese Zeitunq erirfieint tägsick mit Ausnahme Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vcreins. Redactinn und Erpeditioil- Berlin, der Senn- und Festläge. Redigirt von I. v. v. Hosftetteu und I. v. v. Schweitzer. Drestnerstraße Nr. 85. Abonnements-Preis sür Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., nio- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.! bei den Aönigl. preußischen Post- ämtern Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 18�/4 Sgr., im übrigen Deutschland I Thlr.(st.1. 45. sfldd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Von(2 der de unfcei Da mit dei lesung Aui Bestellungen werden auswärts aus allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrcnstr. l, sow« auch unentgeltlich von jedem„rothcn Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro drcigespaltene Petit-Zeile b" Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder: blr. Lenäer, 8. Inttls New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur sür Frankreich: 6. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Eue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. Die vorige Nummer unseres Blattes ist polizeilich confiscitt worden. Tieselbe liegt in erneuter Anfluge, unter Weglassung aller Stellen, welche möglicherweise die Confis- ration veranlaßt haben, mit der Bezeichnung Nr. 129»., der heutigen Nummer bei. Deutsche Arbeiter der social-demokratischen Partei! Abermals hat die Berliner Polizei Euer Organ �onfiscirt! Wir haben, hieran anknüpfend, ein ernstes Wort an Euch zu richten— eine Mahnung, welche zwar bei den Meisten von Euch hoffent- lich überflüssig, bei Manchen aber doch vielleicht von Nutzen ist. Ohne Zweifel ist es eine Unannehmlichkeit für Euch, wenn das Blatt, welches Ihr täglich zu erhalten gewohnt seid, welches Ihr vielfach im Kreise Eurer Familie, in Werkstätten oder auf Versammlungen vorles't— wenn dieses Blatt an irgend einem Tage nicht zu Euch ge- langt. Niemand bedauert es mehr als wir, wenn daS Recht, welches Ihr durch das Abonnementsgeld, durch die Hingabe schwer erdarbter Groschen, erworben habt, nicht regelmäßig zur Verwirk- lichung gelangt. Aber bedenket, Arbeiter, daß es sich bei Al- lem, was unsere Partei thut und treibt, nicht um Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten, son- dern um ernste, tiefernste Ziele handelt. Bedenket, daß es besser ist, dieses Blatt werde ganze Wochen hindurch von der Polizei confiscirt, als daß es auch nur ein einziges Mal schweige, wo wir reden für Pflicht halten, und daß es besser ist, Ihr entbehret Wochen lang die gewohnte geistige Nahrung, als daß auch nur ein einziges Mal Euer Organ, den uns ziemenden Stolz vergessend, von der Bahn der Pflicht und der Wahrheit, wie wir sie auffassen, sich entferne. Die Tage, an denen Euer Organ nicht zu Euch gelangt, dürfen für Euch keine ver- lorenen sein. An solchen Tagen müsset Ihr ernstlich und gewissenhaft überlegen, was vorgegangen ist. An solchen Tagen müsset Ihr immer wieder von Neuem recht deutlich bedenken: l) daß rie Berliner Polizei Euer Organ con« fiscirt hat; 2) daß, was die Berliner Polizei thut, ein Ausfluß des preußischen Regierungssystems überhaupt ist; und aus diesen Thatsachen müßt Ihr die rich- tigen Folgerungen ziehen: Ihr, die Ihr dem preußischen Staatsver- bände angehört, müßt überlegen, wie Ihr Euch einem solchen Regierungssystem gegenüber stellen wollt; Ihr, die Ihr im außerpreußischen Deutsch- land wohnt, müßt Euch vergegenwärtigen, welche Zustände Ihr zu erwarten habt, wenn der preu- ßische Einfluß in Deutschland weiter um sich greift. Die«, Arbeiter, sind die Gedanken, die Euch beschäftigen müssen, so oft Euer Organ aus- bleibt— Ihr seid es der Partei, Ihr seid es uns schuldig— uns, der Redaction res Blat- teS, das Tag für Tag den schweren Kampf für Euch auf dem Gebiete des Geistes führt.— Die Veranlassung zur gestrigen ConftScation kann, soweit sich die Anschauungsweise der Ber- liner Polizei bemessen läßt, vorzugsweise in zwei Artikeln gesucht werben. Wir geben Euch statt der Artikel die nack- ten Thatsachen— Ihr mögt die Schlußsol- gerungen selbst ziehen. Der eine Artikel handelte vom Gasteiner Bertrag, insbesondere Lauenburg betreffend. Hier die Thatsachen: Franz Joseph von Habsburg und Wilhelm von Hohenzollern sind unter Mitwirkung ihrer Minister einig geworden, daß dem König Wil- Helm das Lauenburg'sche Land sammt den darauf wohnenden Menschen gegen Zahlung einer Geld- summe zufalle. Wie Ihr diesen Vorgang beurtheilen wollt, bleibt Euch überlasse». Im zweiten Artikel wär eine Aeußerung de« „Publicist" besprochen, welche« Blatt der Ansicht ist, nicbl habe Preußen in Deutschland, sondern Deutschland in Preußen aufzugehen. Was Ihr hiervon halten wollt, deutsche Ar- heiter, steht bei Euch.— ' sei, Vorsorge getroffen habe, die stenographischen Berilhtt in möglichster Vollkommenheil abfaffen zu lasten, die als- dann in Reinschrift im Bureau zur Einsicht relp. Adän- eerung den Mitgliedern der Kommission zugänglich sei» sollen. Nach Verlesung, Berichtigung und Annadme der Prolokolle aus der vierten und fünften Sitzung komme» noch einige Zuschriften aus den OrlSverbrüderungen;» Neuenbürg(Westpreußen?), Quedlinburg und Glatz (diese erregt besondere Heiterkeit), so wie von dem Prcu« ßischen Handwerkerbund zu Berlin, nnterzcicbnet NenhauS, zur Verlesung. Letzlere, ein sehr ausführliches Schrift- stück, verlangt Wiederherstellung der Gewerberäthe und zwar als Eentral-Organ mit Ucbergehung der Kommu« nal-Behörden, als jelbstständige, vom Ministerium reffor- tirende Behörde. Da dieser Gegenstand der Kcmmissio» nicht vorliegt, so hat das Schriststllck für diese gar kei» Interesse.— Hierauf wird dürch Verl.sung der Frage 6 in die Tagesordnung eingetreten. Dieselbe lautet! .Können nach Aushebung der§§. 181 und 182 die dl« Vorschriften aufrecht erhalten werden, welche die Verordnung vom 9. Februar 1849 in den Abschnitte» II. und III. über die PrüsungSp flicht der Ha»d' politischer Theil. werker und die Vorbedingungen zur Ablegung tn Prüfungen getroffen hat?" Herr Reg.-Kommiss.! Die in der Frage bezeich»t' ten, den Prüfungszwang ausdrückenden Gesetzesstelle» concentriren sich in der Verordnung vom 9. Februar 1849 und in gewisser Beziehung auch in dem Gesetz wt- gen Errichtung von Gcwerberäthen, vom 15. Mai 1851- Man habe damals geglaubt, durch diese Gesetze eine grüod' lichere technische Bildung zu erzielen, ob diese ErwartiMil eingetroffen, möge vorläufig dahingestellt bleiben. Ans den Gründen, die man für oder gegen die Prüfungs' Pflicht anzuführen habe, ergäben sich dann zugleich dir Gesichtspunkte für die Abgrenzung der einzelnen werke. Zunächst frage es sich, ob, nachdem der Wegfa» der§§. 31 und 32, sowie 47 und 48 von der Kommissid" beantragt sei, die Beibehaltung der Zwangsxflichl über- Haupt noch von Wichtigkeit fei. (Da die Debatte bis zum Schluß der Sitzung 3Va Uhr noch nicht beendet war. im Gegcntbeil mehrere eingegangene Anträge Veranlassung zur Special-Tid' eusfivn geben werden, wurde die Sitzung bis zum Mill' w och, den 30. d., vertagt. Wir berichte» nach SchW dieser Debatte»ber ihre Gesanimtheit.) Der Herr HandclSminister wohnte der Sitzung bei. Weiler bemerkt die„Verl. Ref." in Betreff Conimission: Ans welche Weise die Social-Eom Mission, se- sonders die Kurie der Arbeitnehmer, gewählt worden im darüber breitet sich eine sanfte Dämmerung, obwohl doa> bei der Spaltung, welche sich bei den Abstimmung�» zeig«, es von Wichtigkeit wäre, zu wissen, ob diese Mr'' nungSverschiedenheiten schon ans dem WahlmodnS h� zu erklären sind. In Berlin sind Arbeilgeber wie Ar- beitnebmer, dem Vernehmen nach, vom Magistrate>» Vorschlag gebracht und vom Minister ohne Weilers acceplirl worden, nur soll anstatt dcS in Vorschlag iL' Deutschland. * Berlin, 29. August.[Die Commissi vn sür Arbeiter- Angelegenheiten� hielt gestern eine weitere Sitzung. Der Berichterstatter der „Berl. Ref." schreibt darüber: Der Herr RegierungS-Kommissar theilt mit, ! daß er. da das brachten Stadtv. Jllrst der Stadlv. Borsig beliebt ----- �' xar■■'— Ad- 1 worden sein, wa« der Zeil nach ungesähr mit der: lehnung der Stadtrathsrandidalur des Letzleren zui»»'' mensälll. Wie es aber im Lande sonst hergegangen,�»' von sind diö jetzt nur zwei Fälle ausgellärt. Aus* nigSberg berichtet die.Pr. Litt. Ztg.", daß der Ber lrerer dieser Haupt- und Residenzstadt, der„Pfiffeb"' wie man dort die Flickschneider unhöflicher Weise nen»� Slied er ist, gewählt worden sei, Hr, Wark macht denn »uch dem in ihn gesetzten Vertrauen keine Schande, Und Über einen zweiten Gesinnung«- Genossen, dessen zarte Jugend selbst in dem Busen eine« Redigirknaben der Bolkszlg," menschliche« Rilhren Hervorries, schreibt die ,Magdeb. Presse" au« Quedlinburg, 25, August: BJer ist Mein minger? Fast wäre eine Prämie auf Be- «ntwortung der Frage gesetzt worden, als die auf ihren stlvpstock und Ritter stolze Stadl den Namen la«, der be- rufen schien, sich neben diese bertthmten Quedlinburger Ju stellen. Niemand hatte je etwas von dem ,,jung, jung Zimmergesell" Memminger gehört, der nicht blo« mit bem Mandat beehrt ist, eine Stadt, einen Stand, ein Gewerk zu vertreten, sondern der da» auch bei den ersten Worten mit solchem Aplomb lhnt, daß seine Rede in Parenthese mit„Sensation" ausgezeichnet wird. Und erwägt man, daß diese Rede im Herrenhanse gesprochen dar, daß der Redner durch da« Vertrauen de« Ministers l berufen war, sein Votum als Auperarbitrium über eine dom Abgeordneteiihanse diseutirte Frage abzugeben, so dar wohl nichts mehr gerechtfertigt, als die Frage: Wer ist Memminger! Doch so Viele man fragte, sie blieben bie Antwort schuldig; die Bürger wußten'« nicht, auch »icht die Gewerkmeister, auch nicht der Magistrat. Wer sollte es aber denn wissen? Der Herr Oberlehrer Pfau dußte e« endlich, der Stimmführer der Reactiou in Unserer guten Stadt, der Vorsteher der LrtSverbrüderung, die auch hier das Stückchen Zunflzopf verlrill, da« noch in stillem Winkel gehegt wird. Dem Herr» Landralh Etielow ist es vorbehalten gewesen, den Gesellen aus seinem dunkle» Versteck hervorzuheben, indem er vom Oberpräsidenlen beauftragt war, ein würdiges Mitglied silr die Social-Eommission auszutreiben und sich diese« klustrage« bei dem Oberlehrer Pfau entledigte. Warum Herade bei dem Pfau, warum mit Umgehung der Ge> fcerke und de« Magistrat«, warum ohne Wahl und Qual? Teil sonst die Welt nicht erfahren hätte, wer Memmiu- her>st, und jetzt weiß sie nicht blo« das, sie weiß auch, ldie die Social-Commission zusammengesetzt und ent- ßanden ist, auf deren Berufung der Herr Minister Graf Jtzenplitz im Abgeordnelenhause so großen Werth legte. * Wien, 26. August.[3ur Lage in Oesterreichs Die Stellung Mensdorsf's soll erschüttert sein; er wünscht angeblich selber seine Eut« Hebung vom Amte. Gras Blo nie wird al« Nach- solger bezeichnet.— Das Wort SlaatSbankerölt taucht wieder in den Zeitungen auf. �„ftöln, 28. August. jZ u m p r e u st i s ch e n V e r- sassungs zu stallt.� In der heutigen General- Versammlung der Köln-Mindener Eisenbahn-Gesell- schaft wurden der Vertrag mit der Staatsregierung, sowie die durch denselben nothwendigen Aenderun- fien des GesellschaftSstatutS einstimmig genehmigt. Auf ergangene Anfrage erklärte der Regierungs- kommissar, dast der Vertrag nach Genehmigung durch ben jtönig perfect fei. Die„Nationalzeitung" hatte in Hinblick auf diese Generalversammlung, als dieselbe erst in AuS- sicht stand, Folgendes geschrieben: DaS preußische Bürgerthum ist liberal; wir sind durch die Wahlen davon überzeugt und zählen auf alle Schichten des Bürgerthums, die Begüterten voran, welche in der ersten Wahlklasse wiederholt von ihrer Treue ge- gen die Verfassung Zeugniß abgelegt baben. Jetzt gilt ss, für eine große Anzahl dieser Älasse die Gesinnung >n einer kostspieligeren Weise zu bewähren, al« durch de» Stimmzettel. Der von der Regierung mit der Di- rektion der Köln-Mindener-Eisenbahn- Gesellschaft ver- kinbarte Vertrag erregt vielfache Bedenken in Bezug auf die Verfassung und unser finanzielles Staatsrecht. Die Regierung hat eine Verhandlung am Landtage nicht vor- deHalten und au« dem Inhalte des entworfenen Verlra- ges muß man annehmen, daß sie da« Recht zu baben glaubt, die Sache ans eigene Hand abzumachen. Glück- sicher Weise muß nach seststehenden Rechlsregeln die Ver- >vallung der Eisenbahn- Gesellschaft ihr Volk um seine Meinung besragen. Die Aktionäre werden i» den nach- sten Tagen zu einer Generalversammlung zusamnientre- sen und über die Annahme dcS Vertrage« eine für stne Seite entscheidende Stimme abgeben; sie werde» ZU zeigen haben, wie sie die Pflichten eine« verfas- siuigstreuen Volke« auffassen, und ob sie den Pflich- sin nachzuleben verstehen. Es bleibe unerwogcn. aui welche Seite der größere Vortheil de« Vertrages dinncige. Je günstiger die geschäftliche Seite für die Aktionäre, um so glänzender da« Zeugniß ihrer Loyalität, wenn sie aus Bedenken des Lffenllichen Rechte» den Portheil ablehnen ober einstweilen zurückweisen. Glaube »einer dem llrtheil zu entgehen, wen n er an dem echten Probirstein sich nicht bewährt. 3» den finanziellen Kreisen ist man gewiegt genug, um die Psichtigkeil und das innere Wesen des Vertrages zu vergehen; in der Presse, welche die Interesse der Börse und de« großen Kapital« vertritt, haben wir keine Stimme vernommen, welche nicht die verfassungsmäßige Zustim- mung des Landtages zum Vertrage sllr nothwendig ge- halten hätte. So muß man denn annehmen, daß die nicht durch Eigennutz getrübte Meinung der Geschäfts- well ungetheill ist. Danach ist da« Verhalten der Aktiv- naire diktirt: weder der eigene Nutzen, noch der Nutzen der Staatskasse ist in Betracht zu ziehen, sondern über beiden steht das Gebot der Verfas s,ung, wel« che« in jeder Lebenssphäre zu beobachten ist. Wae sagt jetzt die gute„Nationalzeitung" zu ihren patrionschen Geldsäcken?— Mehr noch aber, als die Abstimmung, inleressirt uns die Erklärung des Regierungseonimisiars, nach Genehmigung des Vertrags durch den König sei der Ver- trag endgültig zu Recht bestehend. ~ Köniflsberzz, 27. August.[Zum preußischen Regierungssy st e rn.] Gegen den Bescheid des königl. Polizei-Präsitiunis dahier auf eine Beschwerde des Dr. Falkson wegen Auflösung der am 27. Juli zur Besprechung der Kölner Angele- genheit Hierselbst derusenen Versammlung Halle derselbe weitere Beschwerde erhoben. Die K. H. Z. Iheilt nunmehr den Bescheid der königl. Regierung auf diese weitere Beschwerde des Dr. Falkson, wie folgt, mit: „Aus die Eingabe vom 6. dujus eröffnen wir Ew. Wohlgeboren. daß wir den rücktolgenden Bescheid de« königl. Polizei-Präsidium« vom 21. hujus für vollkom- rnei! begründet erachten müssen, da der von Ihnen für die Erörterung der politischen Versammlung am 27sten Juli c. gestellte Antrag eine Billigung des ganzen Ver- baltenS de« sogenannten Kölner Festcominl», welches notorisch einen Widerstand gegen die Anordnungen der Obrigkeit involvirte, deabstchtigle und damit jener Antrag nach unserer Auffassung den Thatbestand de»§. 87 de« Strafgesetzbuchs nach seinen beide» Richtungen hin ausmachte. Königsberg, den 15. August 1865. Königl. Regierung, Abtheilung des Innern. Schräder." Dr. Joh. I a c o b y hat am 26. August dahier seine sechSmonalliche Gefäugnißstrafe angetreten.— Gestern hat der Abgeordnete Frentzel die gegen ihn erkannte zweimonalliche Gefängnißstrase zu Ende verbüßt. Hamburg, 28. August. sDie Habsburg- Hohenzollern'schen Herzoglhümer betreffend, s Wie die„Hamburger Nachrichten" mit- iheilen, ist der neue Eivil- und Militair-Gouver- neiir von Schleswig, Generallieutcnant v. Man- teuffel, gestern Nachmittag hier eingetroffen, hat die hiesigen höchsten Behörden besucht und wird beule nach Kiel weilerreisen. Bis zum 15. September wird General r. Manteuffel den Oberbefehl über die preußischen und Lstreichischen Truppen in beiden Herzoglhümern übernehmen. * Wiesbaden, 28. August.[Varianten« tarisches.[ In der ersten Kammer sind folgende Anträge gestellt worden: auf Wiederherstellung der Verfassung, Freigebimg der Presse von den Bundes- ordonnanzen und Freiheit deS Grundeigeulhums vom Jagdrecht. Auch mit den Legiilmalions- Prüfungen der erblichen Mitglieder und ihrer Stell- Vertreter nimmt man es nicht mehr so leicht.— Die Hoffnung auf„Versöhnung" ist wieder einmal glücklich geschwunden. Wie vieler Enttäuschungen wird eS noch bedürfen, bis die Herren Liberalen solche einfältigen Hoffnnngen überhaupt nirgends mehr fassen? Wann wird man einmal einsehe», daß ein Militär- oder Pollzeistaat niemals in Wirklichkeit liberal sein, sondern höchstens eine zeitweilige liberale Komödie aufführen kann? * Purg, 28. August.[Zum Coalitions- pro zeß�j beiläligteS sich, daß die Staatsanwaltschaft gegen die beiden freisprechenden Uitheile Berufung eingelegt. Wir hallen hiervon bis jetzt nichts ge- meldel, weil wir es kaum für möglich gehalten hatten. Ausland. H. Paris, 27 Aug.[Der Eongreß der „internationalen Arhelter- Association" verlagt. Arbeitseinstellungen und Ge- treidepreise. j Die hiesigen und die englischen Arbeiter haben schließlich eingesehen, wie gefahrvoll für die sich daran Beiheiligenden die Beschickung eines intern ationaleo Arbener-Congresses wäre, den einige weit vom Schusse sitzende Demagogen orga- nisireu wellten, um sich wieder ein Relief zu geben, das ihnen längst abhanden gekonmien. Aus gleichem Grunde, wie der Allgemeine deutsche Arbeiter- Verein, der durch seine Personalkenntnisse in der Lage war, die Motive der„internationalen Arbei- ter- Association" früher zu durchschauen, wollen auch die hiesigen Arbeiter sich nicht dazu hergeben, den ' radicalen Bourgeois die Kastanien aus dem Feuer zu holen und einigen ehrgeizigen Jnlriguanten zu Liebe Vereins spielerei zutreiben. Es ist daher .beschlossen worden, baß der„Arbeiter-Eongreß", der dieses Jahr bekanntlich in Brüssel abgehalten werden sollte, zu vertagen sei. Das Eentral-Eo- mite in London,»> welchem auch ehrliche, aber von ! den ehrgeizigen Jutriguanten beeinflußte Arbeiter- freunde sich besinden, giebl als Grund der Verla- gung an: 1) das Central-Comite habe die Roth- wendigkeil eingesehen, dem Eongreß„Eonserenzen" der verschiedene» nationalen Eomites vorhergehen zu lassen, um sich über die zu ergreifenden Maß- regeln zu verständigen und das Programm(!) eines Congresses festzustellen; 2) die englische Agi- � tation für die Wahlreform, die Wahlagitation selbst und die französischen Greves hätten das„Reifen" der Association verzögert; 3) so lange daS neulich in Belgien erlassene Frenidengesetz nicht wieder aufgehoben sei, glaube man von der Zusammen- kunft eines Congresses in diesem Lande Abstand nehmen zu müssen. Der letztgenannte Grund läßt leicht die wahre Ursache der„Vertagung" durch- j blicken. Mau durfte sich natürlich kein offenes De- menti geben und die Gefährlichkeit des Projectes ehrlich eingestehen. Es versteht sich aber von selbst, daß man über dasselbe, wenigstens von Seiten der Arbeiter, zur Tagesordnung übergeht und es den nationalen Eomiies überläßt zu„conferiren" und die internationale Association zur„Reife" zu brin- gen.— WaS die hiesigen Arbeitseinstellungen be- trifft, so haben die Sleindrucker, die übrigens zum Tbeil irnch feiern, schon i» vielen lilhographi- scheu Etablissements, namentlich in solchen, rie sich nickt blos mit der Heransgabe von Kunstgegen- ständen, sondern auch von Schrifislücken für Handel und Industrie befasse»,— also bei Weitem die große Mehrzahl derselben— bereits die verlangte Lohnerhöhung von den Patrons bewilligt bekoni- men; und man zweifelt nicht daran, daß auck die Andern nachfolgen werden. Alle die schönen Rath- schlüge der officiösen, so wie der Bourgeois-Presse prallen ab an der Nothwendigkeit, in welcher sich i die Arbeiter befinden, ihren Lohn wenigstens auf ! daS Niveau zu erheben, das von ihrer Existenz be- dingt wird. Mit Ausnahme deS Brede« sind alle Lebensbedürfnisse,»amenllich auch die Mieihe der �Wohnungen, im Preise so gestiegen, daß ihre Be- , schaffung der arbeitende» Bevölkerung nicht mehr . möglich war. Jetzt kommt noch hinzu, daß auch ■ die Brodpreise steigen werden. Die Getreideernte hat dieses Jahr in Frankreich und in ganz Europa weniger als in den mittleren Jahren ergeben. Auch die Oualilät ist wegen der zur Erntezeit stattge- habten feuchten Witterung eine untergeordnete. Die- jeiiigen Provinzen, welche, wie die Normandie und die Bretagne, eine passable Ernte halten, werden viel Getreide nach England exportire». Bei den großen Vorräthen, die noch aus frühern Jahren vorhanden sind, ist zwar keine ungewöhnliche Preis- erhöhung zu erwarte», aber da in fast ganz Europa keine so billige oder wenigstens keine billigeren Ge- treidepreise, als in Frankreich exiftiren, so wird der Freihandel dieses Jahr dem französischen Getreide zu Gute kommen. Was aber der Producenl und der Getreidehändler eine„Besserung" deS Preises nennt, ist für den consnmirenden Arbeiter»ichtS weniger, als eine Besserung seiner Lage. Der Ar- heiler ist gezwungen, sich für den Winter vorzusehen, damit sein Lohn ihm wenigstens die unentbehrlich- sten Lebensiisitlel verschaffen kann. Unter ähnlichen Umstände» sind von jeher die Löhne in die Höhe gegangen. Der einzige Unterschied ist, daß sonst die Lohnerhöhung eine Folge des Elendes und der Sterblichkeit unter der arbeitenden Elasse war, während die Arbeiter jetzt Bewußtsein und Voraus- ficht genug haben, diesem Elende durch die ver- langte Loduerhöbung zuvor zu kommen. � Paris, 27. Aug.(Tagesbericht. Die Presse über Gast ein.) Der Kaiser hat in Fontainedleau beute Abd el-Kader eine Abschieds- Audienz erlheilt. Der Emir geht über Amboise