Nr. 13». Berlin, Sonnabend den 2. September 1S63. ZocialGemokrat. � 3ÄVna£ Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vcrcins. »» Sonn, und Festlag-. R�igirt von I.». v. Hofstetten nnd I. B.».-Schweitzer. DreSdnerstrasteNr. 85. Abonnements-Preis iiir Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den Königl. preußischen Post- ämtern 22l/z Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischeu Deutschland 18�/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. 1. 45. südd., fl. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin aus der ExpeditioNi von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. 1, sowu auch unentgeltlich von jedem„rothen Dicnstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespalrene Pctit-Zeile bki Ardeiter-Annoncen mit l Sgr., bei sonstigen Annoncen mir 8 Sgr. berechnet- Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Linie New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Franlreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-AndnS-des-Arts. Mit dem gestrigen Tage hat für Berlin ein neues Monats-Abonne- ment auf den„Zocial-Demokrat" be- gönnen. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 1. Sepldr.[Xte Commission für die Arbeiter-Angelegenheiten� hat zwei weitere Sitzungen abgehalten. Sitzung vom 30. August. Die in der vorigen nnd in dieser Sitzung vorgebrach- ten Gründe für Beibehaltung der Zwangs-Prü- sungspslicht lasten sich etwa in Folgendem zusammen- fasten: Man habe neulich daraus hingewiesen, daß eS eine nothwenbige Konsequenz sei,»ach Aufhebung der ZZ 31 und 32 und 47 und 48 der Gew.-Ord. von 1845 auch die Abgrenzungen und Zwangsprüfungen der Hand- werker zu deseiligen. Dieser Ansicht müsse um deswillen entgegen getreten werde», weil ein innerer Zusammen- hang zwischen beiden Fragen keineswegs bestehe; auch verlange man keine künstlichen Abgrenzungen, sondern natürliche, wie etwa zwischen Webern und Eisenarbeitern. Tie Gegner der Zwangs-Prüsung seien nie so weit ge- gegangen, auch die fakultative Piüsuug zu bestreiten, weshalb doch auch von ihnen die Nützlichkeit in gewisser Beziehung anerkannt worden. Die Grünte für die ob- ligatoriiche Prüfung lägen auf der Hand. Einer der gewichtigsten derselben sei darin zu suchen, daß selbst der Lehrherr angespornt würde, für eine bessere Schul- und technische Ausbildung des Lehrlings zu sorgen, da es de« Erster» Ebrgeiz einpfiiidlich verletzen würde, wen» bei der Prüfung feine Lehrlinge wiederholt schlecht oder gar nicht bestehen köiiiilen, und auch den Lehrling sporne cö an, wenn er wisse, daß er am Ende der Lehrzeit von dem Erlernten Zeugniß abzulegen habe. Ohne die Prüsun gen, wurde als weiterer Grund angeführt, würde» die brauchbaren Handwerker immer seltener werden, und so- mit auch den Fabrikinhabern, die ihre Arbeitskraft doch zum größten Theil ans ihnen zu rekrnliren hätten, ein großer Nachtheil zugefügt, wie sich dies in England, wo die Gewerbefreiheit seit dem Jahre 1835 eingeführt sei, evident herausgestellt habe, weshalb auch das deutsche Arbcilerconlingenl gerade dort so stark vertreten sei. Vor dieser Zeit habe man streng aus Zusammengehörigkeit und aus siebenjährige Lehrzeit bei den meisten Gewerken gehalten und einen solchen Mangel nicht empfunden. Dritten« hätte zunächst die Gemeinde, dann aber auch der Staat ein hohes Interesse an der Frage, ob es mit der Zeit nicht an technisch gebildeten Lehrmeistern gänzlich fehlen werde, ein Umstand, der bei der immer mehr um sich greifenden Theilung der Arbeit nicht oberflächlich be- handelt werden dürfe. Mögen die gewerblichen Verhält nisse in den verschiedenen Provinzen und Städten aud> noch so sebr von einander abweichen, man werde doch den Betreffenden nicht absprechen können, daß sie selber am besten wissen müßten, was ihnen nützlich uub noth- wendig fei.(Daß einer der in der Kommission vertrete- nen Arbeiter außer auf Zwangsprüfungen auch auf christliche Demuth und erhöhte religiöse Erhe � gen, wie hin und wieder die Lösung dieser Fragen auf- gefaßt wird.) Für Beseitigung der jetzt gesetzlich bestehenden Zwang«- Prüfungspflicht wurde Folgendes angeführt: Tie Bemühnngen, die in Rede stehende» Prüfungs- bestinimungrn ausrecht zu erhalten, wären galvaniseben Experimenten an einem Leichnam nicht unähnlich. Die Prüfungen hätten sich niemals der hier behaupteten Po- pularität erfreut, was zur Genüge aus der geringen � Betheiligung bei den Wahlen zu den PrllfungS-jkom- Missionen erhelle, weshalb die Behauptung der Gegner, die Betheiligten würden am beste» wissen, was ibnen noth thue, acceptirt werden könne. Wirklich geschickte, tüchtige nnd arbeitsame Handwerker wollten überhaupt von dem ganzen JiinnngSwesen nichts wissen, weil sie sich alleinstehend selbstständig nnd geschützt genug fühlten in einem Staate, dessen Gesetze sie, wennschon iiidirekt, milzuberatben hätten. VerciuSrecht und Preßfreiheil haben sie ihr wahres Interesse kennen gelehrt und wenigstens den einsichtigeren Theil darauf hingewiesen, daß es vortheilhasler für sie sei, den Lehrling in dem zu erler- nenden Gewerbe zu unierrichien. als ihn zu Gesinde- Diensten anpnhalle». Auch der Lehrling von beule fei fchou ein wesentlich anderer, wie vordem, es seien die allgemeinen Einflüsse der Cultur, denen sich auch der Knabe nicht mehr zu entziehen vermag. Ein guter, freier und freiheitlicher Schnlunterrichl(die letzten beiden Kate- gorien ließen freilich noch vi 4 zu wünschen ilbrig) wttr- den eine Generalion beranbilde», für die die Prüfungs- Pflicht mehr als überflüssig wäre. Nachdem das Handwerk der Gegenwart die unterscheidenden Merkmale von dem FabrikSbetriebe verloren und nachdem die ÄrbeitSIheilung in jeder Werkstäite Eingang gefunden, seien die festge- stellten Prüfungsstücke illusorisch geworden, um so mehr, als jeder Tag neue Arbeiter nnd neue Arbeitszweiqe hervorbringe. Was habe denn die Prüfung heut noch für eine Bedeutung bei.dem Müller, für den die Dampf- mahlmllhlen, bei dem Bäcker, für den die Brodfabriken arbeiteten, was bei dem Uhrmacher, der nur das gekaufte Räderwerk zusammensetze, oder gar bei dem Nagelschmiede, dessen Existenz überhaupt in Frage gestellt sei? Wie wolle man Sattler, Riemer, Täschner, Tapezierer in der Heu- tigen Industrie scheiden und weshalb alle Spezialarten von Webern prüfen, während der Dampfwebestuhl sie auf den Aussterbeetat gesetzt? Für Beschränkungen der natürlichen Freiheit— und eS sei nicht bloS eine der ersten, sondern wirNich die allererste, sich ehrlich und redlich ernähren zu dürfen, nicht allein wie, sondern auch wo man kann— seien die Gegner, die sonst dergleichen zu forder» ganz in ihrem Rechte gewesen, die Gründe schuldig geblieben, denn die angeführten seien in der That nicht stichhaltig. Der erste Grund, daß Lehrherren und Lehrlinge durch die Prüfungen zum Fleiß angespornt würden, finde eine richtigere Erklärung in dem jetzt besser verstandenen gegenseitigen Interesse, der zweite aber, daß eS ohne Prüfungen bald an tüchtigen Arbeitern fehlen werde, beweise eher für das Gegentheil, da dieser Mangel schon jetzt, also während der Prüfung«- pflichligkeit als vorhanden sich herausgestellt hat und es sei dieser Umstand auch insofern erklärlich, als durch die Beschränkungen viele und gerade die befähigtsten jun- gen Leute sich anderen und besser lohnenden Bernfsver hältnissen zuwenden. Die Vermehrung de« deutschen Ar- beiterelementS nicht blo« in Englischen, sondern auch in Französischen, Dänischen. Schwedischen, Russischen, Ame- rikanischen:c. Fabriken habe aber hauptsächlich darin ihren Grund, daß der Deutsche Arbeiter nüchterner, auSdauern- ' duld ausgerüstet fei. Da« außerdem noch für die Kost' munen und den Staat so sebr betonte Interesse werte wohl nur im Scherze als durch geprüfte Handwerksmev ster gewahrt angesehen. Am besten geschähe die« rurw gehobenen Nationalwohlstand: je höher die SteuerlraU angespannt werden könnte, desto wohler würden sich Beire und in ihnen die Angehörigen befinden, voransgefetzl- daß viese Stenern vernünftig verwendet werben. De» abgeschlossenen Handelsverträgen gegenüber brauche Deutschland die möglichst srcieste Bewegung seiner 3»' dustric, wenn es nicht erdrückt sein wolle, und in Deutschland sollte Prenßen, im Andenken an seinen großen gs' werblichen Reformator(Stein) vorangehen; die AP.HoP fung der obligatorischen Prüfung sei da« Geringste, wa« man in dieser Beziehung fordern kann. Nur die unbeschränkte Konkurrenz auf diesem ganzen Gebiete könne die sociale Frage regeln und nur Bequemlichkeit, Schlendrian nnd Ungeschick, die nie zum Woble des Ganzen beigetragen, würden die Konkiirrenz der freien Arbeil fürchten. Aber die Prüfungen seien nicht nur nicht nütz) lich sie seien auch schädlich, weil deren Vornahme aus die Moralität der Betbeiligtcn unvortheilbaft einwirkt. Abgesehen von der häufigen Umgehung, zu der die ge- setzlichen Bestimmungeii in Ausnahmetällen selber vil. Hand böten, hätten sich thatsächlich dabei Gebrauche her- ausgestellt, die nicht zu rechtfertigen feien und deren Ab- stellung niemals ganz gelingen werde, indem ste m immer neuen Forme» auftauchen würden; auch kosteten die Prüfungen nicht unbedeutende Stimmen, die viel zweckmäßiger zu Errichtung von Darlehnsbanken verwendet werden könnten. Schließlich feien die Prüfungen aber auch»m deswillen völlig überflüssig, weil in der fünfzehnlährigen Praxis der Prüfungscoinmissionen alle diejenigen, welw sich gemeldet, auch bestanden hätten, wenn eS auch>» einzelnen Fällen vorgekommen, daß nach sechs Monate» eine nochmalige Prüfung vorgenommen, trotzdem aber lel die Klage allgemein, daß die Arbeiter der Gegenwart nichts niehr taugten, an welcher Behauptung nur waor sei, daß in allen Branchen, wo nebe» dem handwen«' mäßigen das Geschäft auch im sabriksmäßigen Betriebe ist, die geschickteren und fleißigere» Arbeiter lieber in d-i Fabriken Beschäftigung nehmen, weil der Verdienst de burchschnittlich ein größerer und regelmäßigerer, als> den HaudwerkSwerkstälten fei. AllerhöchstenS würde nia sich für eine saknllative Prüfung bestimmen könne»- und zwar nur deshalb, um die Probe auf das Exemp, zu machen, da eS keinem Menschen einfallen würde,»aw einem PrüfungSzeugniß zu fragen, und hieraus g�ra da« allerdings behauptete, aber keineswegeS Vorhände Interesse der Handwerker an der Prüfung an den T ö treten würde.„ Nachdem die Debatte etwa 8 Stunden gewährt, wn zur Abstimmung geschritten, die folgendes Refül ergab. Die erste Frage:«7 „Folgt aus der Aufhebung der 88 3l u. 32 un u. 48 der Verordnung vom ö. Februar 1849 vG � dies die aufgehobenen Beschränkungen, unter dener Handwerksgesellen nur bei Meistern ihres Gewert«. � diejenigen, unter welchen sie in den Fabriken ar � dursten), daß die in derselben Verordnung schnitt IL und III. über die Prüf»ugspflichl der V � weiter vorgeschriebenen Bedingungen anfzehobe den müssen?" wurde mit 18 gegen 16 Stimmen verneint. Dagegen bie zweite Frag-:.„er- „Ist abgesehen von der Aufhebung der>» � Zwangspslicht zur Prüfung an sich aufzu- heben?" mit 25 gegen 9 Stimmen bejaht. Alle übrigen beschränkenden Anträge wurden zurückgewiesen und mir die facultative Prüfung der Gesellen teiue Pnisung also. die ihrem eigenen Ermessen aiiheinigegtben werden soll), nüt 23 gegen 11 Stimmen, und eine Resolution, etwa dahin lautend:„Dag durch die eben beschlossene Aushebung de« Prllsungszwange« die au« sicherheits- oder gesund- heits polizeilichen Gründen erforderlich scheinenden Re- giernngsprüsungen nicht aufgehoben seien," mit allen gegen eine Stimme beschlossen. Einem Dheil der Sihnng wohnte wieder der Herr Handelsminister bei; die nächste findet am Don- nerstag statt. Sitzung vom 31. August. Ans der Tagesordnung steht zunächst die siebente Frage:„Macht die Aushebung der Coalitionsbeschränkun- gen die Beseitigung von Hindernissen nothwendig, welche der Freizügigkeit, resp. freien Niederlassung entgegen- stehen; bildet lnsbesondere das von den Gemeinden er- hobcne Einzugsgeld eine die freie Bewegung der Ar- beiter erheblich beengende Schranke?" Diese Frage wird einstimmig bejaht, ebenso die damit zusammenhängende Resolution:„Die Preufjische Regierung möge aus Beseitiguiig aller Beschränkungen hinwirken, welche der Freizügigkeit in den übrigen deiil- scheu Zollvereinsstaaten entgegenständen." Die achte Frage lautet:„Bedingt diese Aufbebung (der§Z 181 und 182) eine Aendcrung de«§ 139 der AUgem. Gew.-Ordn.(derselbe lautet:„Das Berhältniß zwischen dem Arbeitsherrn und de» Gesellen oder Gehil- sen kann, wenn nicht ein Anderes verabredet ist, durch eine jedem Theile freistehende vierzehn Tage vorher er- klärte Auskündigung ausgelöst werde»"); erscheint eine solche Aenderung namentlich dahin ersorderlich, daß die subsidiäre Kündigungsfrist verlängert werde?" Nachdem dieselbe eine präcisere Fassung erhallen, wird sie getheilt zur Abstimmung gebracht: die erste Frage: „Ist au« der Aushebung der 181 und 182 eine Aenderung des s 139 der Allgem. Gew.-Ordn. zu folgern?" wird init 7 gegen 23 Stimmen verneint. Die zweite Frage:„Empfiehlt sich die Verlängerung der KüiidigniigS- Trist?" wird ebenfalls mit großer Majorität verneint. Die neunte Frage wird bei der Diskussion getheilt. Der crstere Theil, der in folgender Fassung zur Abstimmung kommt:„Ist diejenige Bestiminung de«§ 184 der Allgem. Gew.-Ordn., wonach Geselle», Gehilfen und Fa- brikarbeiler, welche ohne gesetzliche Gründe eigenmächtig die Arbeil verlassen, oder ihren Verrichlungen sich eniziehen, bestraft werden, auszuheben?" wird mit 22 Stiinintii gegen 11 verneint. Da also die darin gegen die Arbeiter ausgesprochene AuSnahme-slrafbestimmung ausrecht erhalten bleiben soll, wird zur Beseitigung einer Rechtsuiigleichheit mit 25 gegen 8 Stimmen beschlossen, daß dieselben Straf- bestimmungen gegen diejenigen Arbeitgeber in Anwen- duug kommen sollen, die ihrerseits cigcninächlig vom Arbeitsverträge zurücktreten. Der zweite Theil der Frage neun, welcher in sei- ner veränderten Fassung lautet:„Ist diejenige Bestim- niuug des ß 184 der Allgem. Gew.-Ordn., wonach Ge- sellen, Gehilfen und Fabrikarbeiter, welche sich groben Ungehorsams oder beharrlicher Widerspenstigkeit schuldig Machen, bestrast werden, auszuheben?" wurde mit 17 ge- gen 13 Stimmen verneint. (Ein Resumä aus der Diskussion über alle drei Fra- gen werden wir morgen nachliefern.) Der Hr. Handelsminister wohnte wieder einem Theile der Sitzung bei. Die nächste Sitzung findet am Sonnabend statt. — sBerbot.l Der„Weser-Ztg." zufolge soll, außer an de» Präsidenten Lette, welchem bekanntlich der Besuch des volkswirthichastlichen Congresses zu Nürnberg durch den Minlster v. Selchow verboten wurde, ein gleiches Verbot auch noch an verschie- dene andere Beamte ergangen sein. — lDcr Sechsunddreißiger-Au sschuß�s soll beabsichtigen, bei seiner bevorstehenden Zusam- wenkunst die Berufung einer abermaligen deutschen Abgcordneten-Versammlung zu beschließen. Wien, 31. August. �Dualistische� Der -Wanderer" meldet: Mittelst kaiserlicher Entschlie- ßung vom 28. d. M. soll der siebeubürgische Land- >ag ansgelöst und die Einberufung eines anderen Landtages mit Zugrundelegung des siebenbürgische» Wahlmodus vom 3. Juni 1848 angeordnet worden lein. Wie die„Debatte" mittheilt, wird der ehe- üens einzuberufende siebenbürgische Landtag sich ausschließlich mit der Revision dcS sogenannten sie- °enbürgischen UnionSgesetzeS zu bcschästigeu haben. " /iiiA in den ersten Angelegenheiten zählen, mit denen der ungarische Landtag sich zu beschäftigen haben werde. Mllnciten, 3t». August, s IW i t t e l st a a t l i ch e s/s Die„Bayrische Ztg" erklärt die(ihrem wesentliche» Inhalt nach auch von uns berücksichtigten) Miltheilnn- ae» der wiener„Debatte" über die hier stattgehabten Verhandlungen zwischen Baiern, Sachsen und Wür- temberg für unrichtig. Im t�egentheil sei die bairische Regierung, seit sie Kennlniß von der gasleiner Uebcreinkunft habe, erstrechtenlschlos- sen, weitere Schritte am Bundestage zu Ibnn. Wa« den Erbprinzen von Augustenburg betreffe, so halte die bairische Regierung»ach wie vor daran fest, daß derselbe der kraft seines guten Rechtes allein zzir Regierung in den Herzogthümern berech- tigie deutsche Fürst sei. Frankfurt a. M., 31. August.[Bundes- tägliches.) In der Heuligen Sitzung der Bu»- desverfammlung legten die Regierungen von Wei- mar und Meiningen Protest ein gegen die auf Lauenburg bezügliche» Festsetzungen der Gasteiner Uebereinkunft und stellten, mil Äoburg--Golha, den An- trag auf Anwendung des SchiedSrichterversahrens.*) — Die Versammlung faßte hieraus den welthisto- rischen Beschluß, sich bis zum 26. October zu vertage», Bayer», Königreich Sachsen und Groß- Herzogthum Hessen stimmten dagegen— Der hol- slein'sche Ausschuß hat mit 5 gegen 2 Stimmen be- schlössen, die Erstattung des Vortrages über de» mittelstaatlichen Antrag vom 27. Juli d. I. bis nach Eingang der von Oestreich und Preußen in Aussicht gestellten weiteren Mittheilungen zu vertagen. Ausland. * Paris, 30. August.[Der„Moniteur" über Äastcin und über Italien. TageS- bericht.[ Der„Abendmoniteur" spricht sich in seiner Wochenrunbschau in sehr beachtenSwerther Weise über die Gasteiner Uebereinkunft aus. Er sagt: Das in Gastein unterzeichnete Ab- kommen ist veröffentlicht worden. Wir wollen über die verschiedenen Klauseln, welche dasselbe enthält, kein Urthcil abgeben; aber es ist uns unmöglich, die wenig günstige Aufnahme, welche die gasteiner Konvention in Deutschland gesunden hat,- nicht zu konstatircn. Das Princip der Ein heil der Herzogthümer ist eines von denen, welche bisher auf das beständigste von den Kabinetten von' Wien und Berlin proclamirt worden waren. Die Stipulationen von Gaslein gehen von der ent- gegengesetzten Jdeenfolge aus. Sie schließen übrigens jede Mitwirkung der Herzogthümer� an der Regelung ihres eigene» Schicksals auS und tragen der Nationalität des nördlichen Schles- wigö keine Rechnung. Die beiden Höfe stellen allerdings diese Konibination als eine provisorische dar; sie haben die Ausübung ihrer Souveräneläts- rechte geographisch nur bis zu weiterem Einver- nehmen getheilt. Es ist daher rathsam, abzuwarten, ehe man ein endgültiges Urthcil über die Politik derselben in der Herzogthümer-Angelegenheit auS- spricht.— In den italienischen Angelegenheiten billigt der„Moniteur" die in dem Rundschrei- den d'Azeglio's bezüglich der Wahlen enthal- tcnen Ideen.„Herr Azeglio" heißt es,„spricht sich in seinem Briefe an die Wähler ohne Zögern für die Ordnuugs- und Mäßigungs-Jdeen aus. Er : erläßt zugleich einen Aufruf an den gesunden Menschenverstand und an daS nationale Gefühl; er empfiehlt die Eintracht aller Bestrebungen und die Achtung der großen socialen Principien. Er bekämpft den revolutionären Geist und die unklugen Aspirationen, die, der Wirklichkeit keine Rechnung tragend, die erlangten Resultate unvermeidlich in Gefahr bringen werden. Alle diejenigen, welche für die Geschicke der Halbinsel ein wirkliches In-! leresse haben, werden den weisen Ratdschlägen des: Herrn d'Azeglio zujauchzen. Die öffentliche Meinung in Frankreich wird ihm Dank wissen wegen der- hohen Achtung, mit der er von der Rolle des *) Diese Jammergeschichte hat Veranlassung zu einer telegraphischen Berichtigung gegeben, insofern vor- � her irrtdümlich angegeben war, daß Koburg-Gotha sich auch dem Prolest angeschlossen habe. Höchst wichtig und verhängnißvoll für die Zukunft Deutschland»! Kaisers und der französischen Armee in den Ereig- nissen spricht, die Italien sich selbst zurückgegeben haben." Dieser warme Beifall der französischen Decemberregierung wird gerade nicht dazu bei- tragen, die Popularität des Herrn d'Azeglio bei den italienischen Patrioten zu heben. Der Russe Nekitschen kow, der im russischen Gesandtschastshotel den Mordversuch ans den Lega- tionssekretär Balsch gemacht halte, wurde heute zu lebenslänglicher Zwangsarbeit verurtheilt.— Der Kaiser war heule hier, um an einer Minister» sitzung Theil zu nehmen. Morgen empfängt er den neu ernannten spanischen Gesandten Bermudez de Castro in seierÜcher Audienz.— Der General- ralb deS Piiy-de-Dome hat die Errichtung eines Denkmals für Morny beschlossen; dasselbe wird in Clermont- Ferranv errichtet. Zu Salins im Jura-Departement, wurde am verwichenen Sonn- tage das Standbild des Generals Cler, der bei Magenta fiel, unter glänzenden Festlichkeiten ent- hüllt. � London, 30. August. sFlo ltenbesuch. Zur Gast ei ner Uebereinkunft.) Der lange erwar- tele Besuch der französischen Flclte im Hafen von Portsmoulh ist jetzt eine vollendete Thatsache. Seit �gestern Nachmittag liegt eine mächtige Schaar fran- zösischer Kriegsschiffe friedlich neben englischen an unseren Gestaden vor Anker. Die„Morning Post" schreibt: „Wir sind im Stande, nach Berliner Mittheilungen, die aus bester Quelle geschöpst sind, eine Reihe geheimer Artikel, welche in der Gasteiner Uebereinknnft enthalten sind, zur Äenntniß de« Publikums zu bringen. Durch diese Artikel macht sich Oesterreich anheischig, den Herzog von Augustenburg in Holstein zu überwachen und beim geringsten Anlasse auszuweisen. Außerdem macht es sich anheischig, Holstein an Preußen gegen eine Geldentschä- dignng abzutreten. In den Herzogthllmern wird nicht das deutsche, sondern das dänische Preß- und Verein«- gesetz eingesührl werden. Preußen wird beim deutschen Bundestage den Antrag stellen, die deutschen und nicht- deutschen Besitzungen Oesterreich« zu garanliren." Selbstverständlich muß dem genannten Blatte die volle Verantwortung für diese nicht gerade wahrscheinliche Nachricht überlassen bleiben. Floren;, 30. August.[ Z u r M i n i st e r k r i s i S. Cholera.) Der Unlerrichtsminister Natoli ist von Turin hierher zurückgekehrt. Das Mimsteriuiti des Innern ist dem Depulirten Saracco angeboten worden, dieser hat aber das Portefeuille abgelehnt. ' Man versichert, Natoli werde den erledigten Posten und Bianchi das Ministerium des öffentlichen Un- terrichts übernehmen. Der Jahrestag von Aspro- inonte(Niederlage und Verwundung Garibaldi'« durch italienische Truppen) ist im ganzen Königreich ohne Unruhen vorübergegangen.— Wie aus Brescia gemeldet wird, ist es daselbst gestern Abend wegen Einführung der Mobiliarsteuer zu einer Demonstratio» gekommen. Die Nationalgarde und das Militär haben die Ruhe sofort wieder hergestellt.— In San Severe ist die Cholera im Zu- nehmen; im Allgemeinen hat dieselbe abgenoinznen. Liffabon, 30. August.[Min ister Wechsel.) Das Ministerium hat, da es sich in den Körles in der Minorität befand, seine Demission eingereicht. Der Herzog von Saldanha ist vom Könige mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt worden. MWW �Spanien.[Stellung der Parteien. Le- benswandel der Königin.) Man behauptet, daß zwei große Parteien jetzt in einer Umge- stallung begriffen seien. Die von dem Marschall O'Donnell vertretene Majorität der liberalen Union werde einen Schritt vorwärts thun, und dagegen werde die Majorität der Progressistcn einwilligen, still zu stehen. Beide vereinigt, halten sich für stark genug, um wenigstens für eine gewisse Zeit die Gefahren zu neutralisiren, von denen die spanische Monarchie bedroht sein soll. Zum Beweis der Eintracht zwischen den beiden Parteien sollen zwei oder drei hervorragende Progressisten, namentlich Maboz, ins Ministerium eintreten. Die Fraction der liberalen Union, deren Ansichten weiter rechts gehen, werde sich dann gezwungen an die Ultracon- servativen oder Nenkatholiten anschließen, dagegen die Minorität der Ultraprogressisten eine demokra- tische Partei ins Leben zu rufen suchen. Man