Nr. 138. Berlin, Freitag den 8. September 18«S. Diese Zeit»n>s ers-teint täglich mit ÄuSnahme der Soim- und Festlage. Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Bcreins. Redigirt von Z. v. v. Hofstetten und I. V. v. Schweiber. Redacliiii und Expedition: Berlin. Dresdnerstrage Nr. 85. Abonnements- Preis für Berlin incL Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich(J Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den König!, pmifjifcheit Postämtern 22'/» Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtprenßischen Deutschland W/�Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. 1. 45. südd., fl. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal.* Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin aus der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrcnstr. 1, sow» auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltene Pent-Zeile bei Arbeiter-Annonce» mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. Rechnet. Ag�itur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. LiUle New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brnlee; Pari», 2. Conr du Commerce Saint-Andrd-des-Art». politischer Theil. Deutschland. * Derlin, 7. Scplcmder. j�Dic neueste mi- nisterielle„Prov.-Corr."� bringt nichts von Jnteresic, als einen �n Sachen des Gastciner-Ver- tragS gegen die„VoMztg." gerichteten Artikel. Wir ehren an der„Vol�tg.," baß sie— obzwar auf pcrfehlter, ni6,t teulfch-nalionaler Grundlage— der äußeren Politik des preußischen Ministeriums hart- näckiger und ununterbrochener, als irgend ei» anderes liberales Blatt in Berlin, Opposition macht. Jndesien sind die Borwürfe der„Prov.- Corr." nicht ganz ungerechtfertigt. Da nämlich die„Bolkszt." nicht den Much hat, sich offen auf den deutschen Boden zu stellen, sondern imuier vom particularistifchen Standpunkte des preußischen Staate« ans spricht, so kann eS sich nicht fehle», daß die„Prov.-Corr." in Manchem Recht behält. Der äußeren Macht des Slaales Preußen kommt es sicherltch zu Gut, wenn es in neuen Länderstrelkcn, gleichviel unter welcher Forin, militärisch Position faßt. Die Kernfrage aber ist diese: ob es im Jnteresic der deutschen Nation und ihrer Entwickelnng liegt, daß irgend ein(großer oder kleiner) particularistischer Staat mit seiner Besonderheit und seiner eigenen geschichtlichen Tradition auf Kosten der Gesammt- heit an Macht und Einfluß in Deutschland �u- nehme. Deutsch, wie sie sich fälschlich nennt, wird die Fortschrittspartei in Preußen erst dann sein, weun sie offen und bestimmt erklärt, daß der Nation gegenüber Preußen rächt mehr Ansprüche hat, als Oesterreich oder Hesicn-Honiburg, sondern daß der preußische Parlicutarisinus so gut wie jeter andere der Sache der Gesauiniibei'. weichen iiniß. Wer hingegen ein großes Preußen will, dem wird frei- liä' schwer fallen zu beweisen, daß nicht auch dy- nastisckc Eroberung, Ländertä'uf und sonstige derartige Mittel de:» Ziele näder bringen können. Dies aber gerade will die„Prov.-Corr.�, sclbstverständ- lich mii anderen Worten, der„Bolksztg." nach- weisen. — fZ n m Gasteiuer Vertrags findet auch die Augsburger„AUg. Ztg.", daß der Hanplpunkt in der Erwerbung des Kieler Hafcus durch Preuße» und was damit zunächst zusammenhängt liege/ oder, wie sie sich ausdrückt, in der„von Oesterreich an Preußen zugestandenen Bcsitznahnie" desielben:c. —(Der sttiindschaucr der Kreuzzeitnngf ist, obschon die Fertfetznng des Artikels in der »eucsten Nummer des Blattes über sieben der gro« ßcn Spalten füllt, noch immer nicht zu Ente. Wenn wir gestern begierig zu sein erklärten, ob e« wieder heiße» werde:„Kein Piemont in Deutsch- land", so Hai diese unsere Neugierde jetzt eine un- erwartete Befriedigung gesunde». Der Ireffltche Man» hat inzwischen eingesehen, daß seine frühe- ren Ideen nicht mehr in die Zeit passen und sich daher bekehrt. Da dies aber als unanständig er- scheinen konnte, so erforderte eS ein besonderes Ge- � gendeS vom Telegraphen gemeldet:„Das gestrige schick, die Schwenkung zu vollziehen. Und man Fest in Klampenbvrg wurde von circa 50,(XXI Men« muß gestehen, die Stelle, in welcher dies geschieht, scheu besucht. Es fand eine große Prozession zu« ist nächst den hnmoristischen Leitartikeln der„Nordd. schleswigschen Granilmonument im Thiergarten und Allg. Ztg." über preußische Staatszustände das darauf ein Festmahl statt, an dem circa 4000 Per Köstlichste, was man lesen kann. Der alte Herr verurtheilt nämlich nach wie vor mit strengster Gc> wisienStreue„die Gelüste nach Annexion."— eil er dieAnnexion selbst reibt:„So wären wir geschützt egen Zcitströmnngen, anderer- Sgclüste.„Gelüste", sagen zu unlcrfch-eiden sind von wenn diese rechtlich möglich und wenn sie nölhig sein sollte, die Herzoglhümer zu schützen gegen die Gefahr, der deutschen Demokratie als Beule zuzufallen." Bortrefflich! Also nur keine Aber warum?— vorzieht. geblieben ein jeitS gegen A wir, die w der Annexion, ?— We Er schrei! erjsMAz« 'lWffs v zu soncn Theil nahmen. Clausen, Gruntvig, Orla Lehmann und Bürgermeister Larsen kielten Reden. Die Schleswiger sind lheiiwcise diesen Morgen abgereist." �(Zur großen Staatsconfusion in Oesterreichs bemcrkl treffend die„Bresl. Ztg." unter Anderm: Ein Programm bat das neue wiener Kabinel noch nicht veröffentlicht; e« scheint auch keine« zu haben. Viel- leicht will es nur experiinentiren, um sich und den Staat ein Weilchen über'm Wasser zu halten.„Nach un« die Süntfluth!" Eine totale Zerrüttung freilich sann nicht ausbleiben. ' AnnexionSgelüste, sondern gleich die Annexion selbst, M�aik der verschiedenartigsten Nationen und Na- Das ist kürzer. — sConservativer H a u s st r e i t.s Prof. Hengsten bei g hatte behauptet:„Inder gesamm- ' len katholischen und evangelischen Literatur findet sich auch nicht ein einziger Mann von innerlicher Frömmigkeit, Ruf und Anerkennung, der eS gewagt hätte, das Duell zu vertbeidigen."— In ' der ultrakonscrvativen„Berliner Revue" wird jetzt Herrn Hengstenberg erwidert: die von ihm in Anspruch genommene innerliche Frömmigkeit sei ein „Mißverständniß christlicher Wahrheit." Die konservativen Soldaten fangen also an, die konservativen Theologen zu verketzern. Der : heilige Stahl muß sich ja darob im Grabe umdrehen!! tionalilätchen. wenn sie alle Augenblicke durcheinander geschüttelt wird, kann nicht länger ein Ganze« bilden» muß zuletzt in Stücke fallen. In fast allen Staaten habe» seit dem Jahre l&V die Regierungssvi»len mebriach gewechselt, aber- � unmittelbaren Folgen der Revolution anSgenommen— niemals ohne Uebergänge. Man ist mit mehr oder we- niger großen Schritten au« der Reactivn in den Libera- lismns, und noch öfter umgekehrt gegangen. In Oester- reich aber stellt man alle paar Jahre mit einem Schlage alle Einrichtungen auf den Kops. Nehmen wir nur die Veränderungen seit 1850! Unter Bach die rücksichtsloseste Eentralisalion bi« zur letzten Consequenz durchgeführt, alle StaatSlhätigkeit zur lande«- fürstlichen gemacht, die behördliche Wirksamkeil bi«>n ttm.«..•i,,...... die Familien hinein auSgedebiit. Nach dem Frieden von (Die bürgerliche Democ alle Deut ck Pillasranca plötzlich Verheißung und später Octroyirung landsj wird zu Milte d lös es.. conalS den Vernich zz�sassnng, bald centralistisch. halb aulouonnsttsch- machen, sich zu reconstriiiren. zu welchem Zwecke ab» nur nicht liberal. D-raui Einbernsung de«°er- � die entschiedenere» Elemente sich vom Nalionalvcrein stärkte» Reich«ratheS, dessen Mitglieder vom Kaiser er- und der Forlschritlsparthei lossagen werden, um. Bannt waren; dann da« Ocloberdiplom, welche« alle» weun die Vereinbarung gelingt, sowohl den Re- separatistischen Gelüsten die Thür öffnete, ohne sie zu be- ! gierungen als dem unter vielerlei Namen verkappten friedigen. Kein halbe« Jahr später da« Febrnarpatent.; Gothanerthum gegenüber wieder als selbststän. da« dem Liberal.«...»«-....g- leubt zu umgebende Zng« t..-n. standnisse machte, dafür aber vorwiegend centralistilcheil dige beinocratliche sartei DentlchlandS ,�<,7. Endlich im Jahre 1865 tic Programm' dazuslehen. losigkeil, die sich hauptsächlich darin maniseftirt, dieWir- —(Der erwähnte oitg unjeret Partei],(ungtii der Febrnarvcrsassung überall bi« aus die letz� welcher in der Resolution dcö BereinölageS der Spur ,» veruichlen, doch nicht« Positive« an ihre Stell« Sckulze'schen Arbeitervereine für da« allgemeine zu setzen. Stimmrecht liegt, wirb auch vom„Pnblicist" al» Letzteres ist nicht ganz richtig. Das Potllir« ! solcher betrachtet. Derselbe wundert sich, wie die-- besteht darin, daß der Schwerpunkt der Monarch'« selben Leute, die uns in dieser Sache so hartnäckig sich nach Ungarn verlegt bat und dadurch ver ! Widerstand geleistet, jetzt selbst für dieselbe eiiilrc- Dnalismus, d. h. die Theiliing des Reiches's ten. Geduld! Es werden noch ganz andere Dinge zwei Hauptiheile(diesseits und jenseits der Leilba), konlinen. Wir sind tic Treiber, jene die mit Ilcbcrwicgen res vow Ungarn gelenk- Getriebenen. ten Tdeilcs, auch zu äußerer Geltung gebrach' —(In Betreff der Hcrzogthümcr� wird ist— Die Wiener„Presse" findet, daß„die Flu- auS Wien telegraphirt, daß der Sialthalter von then der staatsrechtlichen Verwirrung immer böb«« Holstein, F.-M.-L. v. Gablenz, nächsten Montag steigen" und daß„ras Gewirre der widerstreit«»' dahin abreist und daß die Abberufung des Herrn den Meinungeu nicht größer sein köiiiilc." Hoss«»'' r. Halbhuber amtlich vollzogen ist.— AusKo-llicki aber kommt eS doch noch stärker! �.. penhagen, vom 6. d., wird in Betreff de« Festes.—(B e r u r t h e i l u n g] clnes Arbeiter« i'owob welches einer Deputation von(dänisch gesinnten) wie des verauiwortlichen Redakteurs unseres B!»'' NcrdfchleSwigern zu Ehren gegeben wurde, Fol- � les ist, wie uns unsere dortigen Freunde bericht«»- KS. ptbtlioHi 1, low'« (tUe bei chntt. stattet' '»ng Crichit' inde der >us deiil Die V-r' i Bunb Höndes» ackelung der eine sll. Die eil, den be Bl-tt rn nach man: ist, auf höherem at wer- der Er. soll*!' l.rnv»>n itel)�"' n. neift die iu Elberfeld eingetreten. ES handelte sich um eine Einsendung deS Arbeiters Brückmann„über Ver- iolgnngen gegen die Arbeiter." Brückmann selbst wurde 8 Tagen Gefän�niß, der Redakteur un- sercs Blattes wegen Autnahme der Einsendung ju 10 Thlr. Strafe oder 4 Tagen Gefängniß ver- drtheilt. — sPolijei-Ueberwackung.s Heute ist die Druckerei unseres Blattes polizeilich überwacht wer- den. Der dienstthuende Herr Wachtmeister erklärte »us Befragen, daß er de» Austrag habe, festzustel- len, wohin die Exemplare ipedirt würden. Wir ditlen unsere Leser, zu glauben, daß solche Dinge »nter keinen llmstänren Einfluß auf unsere Haltung. haben können.— Jeder Dienstbote. Lehrling u. s. w., welcher ein �aket, eine Mappe oder etwas der Art trug, wurde >»i Haus angehalten und der Inhalt des f Getragenen durchsucht. Proteste hiergegen! flieben fruchtlos. Der Besitzer der Druckerei be- J «bsichligt, wegen Störung seines Geschäfts-. ietriebes durch die Polizei Beschwerde zu. BHxul.___—----—}! .—[Uebejr die Eommission für Arbeiter-! gelegenheile nf geben wir nachstehenden Sch luß beriet: Ein Gegner der letzlqeäüßenen Ansicht meinte, man i�ilde dann lonsequem fem und auch in dielem Falle kerne >dusnakmegesetze verlangen. Wenn die Genossenschaste» �benSfilhig wären, müsse die bestehende Gesetzgebung j Bereichen, so ader seien sie»nr vorübergehend, wie dtes ?r denjenigen, der in den von ihnen selber veröffenl- � achten Zahlen z» lesen verstehe, nnrweifelbaft sei, indem sehr geringe Erfolge taranS hervorgehen. In Eng- s>nd betrage die Zahl der registrinen Genossenschaften 'l.lXX) und eben so hoch belaufen sich die n.ckl registrir- l». und doch bedürfe man dort keiner exceptionellen stsetze. Hier werde mit einer Sache, an der nicht viel en beharrn? esen. ?>, großes Geschrei gemacht. Die SlaatShsilse sei frei- n "4 nicht anwendbar, aber diejenigen Personen, die am �eisten dagegen eiferten, ließe» sich gelegentlich, wenn " ihre eigene Person betreffe. Zinsgaranlie, Schuychlle, stliehene Kapitalien zn niedrigem oder zu keineni Zin? �hr wobl gefallen; was dem Kapitalisten gewährt würde. Nne man dock eigentlich dem Arbeiter nicht vorenthal-! nur sei Beides im Prinzip zu verwerfe». Man V, der Arbeiter brauche Hülfe gegen das Kapital und foch weife man ihn an den Kapitalisten an und nenne � N fälschlich Selbsthülse. Die wahre Selbsthiilfe sei eine o'nceiitralion aller geistigen und körperlichen Kräfte und tzw die z» verwerihen bestrebt sei, dem dürfe auch ge- flsen werten. Die Genossenschaften lassen sich tlassifi Inen als solche, die aus dem Gesammlinteresse und solche. � ans dem Willen des Einzelnen hervorgingen. Da V die erstere Gattung selten oder nie zum Vorschein �dinii so stehe da? Coalilionsrecht mit der Genossen- Mi wohl in innerem Zusammenhange', mit der Ge< chning des ersteren würden die letzteren aus der Ge- Misamkeil hervorgehen, die bald, wie in England be- M der Ansang gemacht, zu Eommanditgesellschafien .-.——>,.1« D-nti'che Ge- beharrN�»"e ver!n»,ang grnDW,.............. J_____ >.'®1' l/s/Uert werden möchten, wohingegen da» Deutsche Ge- irtcrung� I Henschastgaeesen großentheil« ans einzelnen Personen rrich, � k�be und deSbalb nicht prosperire. Diesem also ge- t K"1". Unt> �kSvaio nuyi............ rt als dt �zeichneten Genossenschaftswesen dürfe keine solche h.�tigkeit beigelegt werden, daß es dazu noch besonderer Außerdem sei die Gefahr nicht nnbe- EU--- -esrerhäll' �sey/ bedürfe. -'-l veourie. snurvöM... Met, wie schon Thiers im Jadre 1848 sich eingehend "N ausgesprochen, daß der kleinere Gewerbebetrieb 'ch die Associationen gänzlich zerstört und eine gäiiz- ss Demoralisation aller staatlichen und socialen Zu- 4e herbeigeführt werde. Es gäbe aber außer den Msenschasten noch einen Weg, wie der kleine Gewerbe- Neb sich gegen die Vortbeile der Großindustrie, die tr durch verrollkoinninete Maschinen zu Gebote stän- -schützen könne: sie hätten sich zur gemeinschaftlichen Fassung von Maschinen und Geräthschaften zu einigen. �'»erkennen seien die Rohstoff»nd Consnmvereine, doch Ljt die StaatSregierung die ganze Sache nur ruhig itt'C!n süssen wie bisher, so werde sie schon von selber >it ü a,ji L" aufhören. Könnten sie ihre Lebensfäbigkeit aber leren D h,?«seu, so stehe ja auch nicht« im Wege, sie als eine mieN', � lich ---«< err V's Sehl ZrzherzZ ickic" sä Milits"' ehe" t drisi�. .t W-h" sien iib-", tief lan»»"t irca di< 30'-" i»�°.tslen, io stehe za auw niu,,».... �Mche Person anzuerkennen und an alle» daraus sich Mlb{�ergebenden Porrbeilen Theil nehmen zu lassen. m Schluß der Diskussion kommt folgender Antrag �dstimmung und wird mit 23 gegen 5 Stimmen � ssommen: -T>ii Commission spricht den Wunsch au», die König!. StaatSregierung möge auf möglichst baldiges Zu- llandetommen eines Gesetze« hinwirken, welches die ?tgilung der privairechlliche» Stellung der auf �kibsthiifv beruhenden Erwerb«- und Wirthschafl«- �Mffenschaftin zum Zweck hat, im klebrigen aber> kien Genossenschaften eine möglichst freie Bewegung. (Der Herr Handelsminister wohnte der ganzen Sitzung bei. Die nächste und letzte fand am Mon- lag statt) Im Laufe dieser Sitzung war wieder ein Schriftstück der Ortöverbrllderung in Eammin eingegangen, das zur Kennlnißnahme der Mitglieder, die sich dafür interessiren, im Büreau auslag. Das andere Schriftstück, als von Lrtsvcrbrüdcrungen eingegangen, ist nicht mitgetheill worden. Für den das Genossenich astsw esen betreffenden angenommenen Antrag wurde noch geltend gemacht: die ganze Bewegung auf dem socialen Gebiete, wie sie sich in den Genvssenschasten darstelle, sei ein bedeutende« Zeichen der Zeit, das wohl verdiene, vou jidem Menschen- freunde mit Aufmerksamkeit verfolgt zu werden; auch die StaatSregierung versage dem Gegenstände ihre Theil- nähme nicht, wie sie dies schon durch Borlage der Frage ausgedrückt� und in der Thal habe die Gesetzgebung die Verpflichtung, den RechtSziistand der Genossenschaften zu regeln. Geradezu unbegreiflich erscheine der Rath, die Regierung möge diesen Theil der socialen Entwickelung seinem Schicksal überlassen. Wenn dem kleinen Manne der Kredit erweitert, wenn ihm billigere Beschaffung der. nolhwendigsten Lebensbedürfnisse ermöglicht, wenn i>r ihm ein Interesse für Produclivgenossenschasten erweckt werde, lann heiße cS, das wahre WöhTbes Arbeiter« l verkennen, wenn man ibn in diesem Streben einem»n- gewissen Schicksale übirlassen wollte. Die Gegner des! GenossettichaUlSwejeuS verkennlen die Tragweile Lieser Be- weguiig. indem sie nur die Associationen, wie sie gegen wärlig sind und nicht, was nach der gesetzliche» Regelung au« ihnen werden könnte, aussaßlen. Möge es auch idealistisch klingen, jedenfalls liege es nicht außer der Möglichkeit, daß, bei vollständiger Durchführung der Genossenschaften, durch diese ein vollständiger Umschwung aller jetzt bestehenden gesellschaftlichen Zustände herbei- geführt werden könne. Es seien eben nur die Arbeiter selber, die diese schwierige Frage ihrer Lösung entgegen. zufuhren haben. Um sie darauf vorzubereiten, müsse man sie zu gebildeten und moralische» Mensche» machen, nnd die erste Grundlage dazu sei in deni gegenseitigen Vertrauen z» einander zu suchen. In den Genossen- schafien werden sie dieses sinden; sie werden dadurch von dem demorasisirenbe» Borg- aus das cnigegengesetzte Sparfvftem hingewiesen, sie werden zur Geschäsiskennlniß, zur Geschäftsführung erzogen und so zu dem felbststän- digen Gewerbebetriebe, wie er von ihiien in den Pro- duclivgenrssenschaflen gehandhabt werden kann, herangebildet. Auch der Einwand, daß man in den Darlehns- lassen der Arbeiter Hilfe gegen das Kapital bei dem Kapilalisten suchen lassen wolle, sei bei dem weilere» Au« bau»nd der gesetzlichen Regelung nicht mehr stichhaltig, indem wiederholt in allen Deutschen Arbeiterversammliin- gen die Nothwendigkeit einer ErwerbSnnsähigkeilS-Unter- stlltzungstasse zur Sprache gekommen sei. Es fei Ans- sich! vorhanden, daß die Zdee der Arbeiter-Invaliden- Versorgung de» gejammien deutschen Arbeiterstand binnen Kurzem lebhaft beschäftigen werde, da mit der AuSdeh- nung der Industrie die UnterstützungSbedürsligkeit immer deutlicher zu Tage treten wird. An den zu diesem Zwecke zu gründenden freien Kasse» iöerdcn sich sreiljch nur die ordentlichen, fleißigen und sparsamen Arbeiter betheiligen; viese aber gerade seien es, welche alsdann zunächst z» Produklivgenoffenschaften zusammentreten»nd ihre nenen UnierstützungSkassen als KapitalSanlage verwenden wer- den. Idnen werde bei solcher auf Solidarhast gegrün- deler Associatioii der große Kredit um so weniger fehlen, als mit dem liederlichen, faulen und ungeschickten Rest des ArdeiterstandeS das Kapital weder arbeiten noch mit den so gebildeten Produktivgeiiossenschaslen in Konkurrenz treten kann: zu dieser Zeit werde das Kapital von der Arbeil abhängig und die sociale Frage, und zwar besser gelöst sein, als durch die stets sich eriienernden Versuche zn Lohneiböbniige», die als endliche« Ziel nichts weiter als eine Geldemwerthung zur Folge haben und deshalb nach mühselig erkämpftem Ziele nur einen Kieislans ge- macht baden, um an dem Ausgangspunkte wieder anzu- lvmwcn. Daß dieser Jdeengang nicht blos in der Ein- bildung beruhe, sei durch tbatsächliche Borgänze bärge- ihan; es sei dies auch der einzig mögliche Weg, ,» der wahren Selbsthülse zu gelangen und deshalb seien auch die Bestrebungen von Schiilze-Delitzsch nickt zu unter- schätzen, der es iii populärer»nd ausdanerntcr Weise unleruommen, den Arbeiter zum Nachdenken über seine Lage zu bewegen: der Arbeiter habe dann gesunden, daß ihm vor Allem Bildung nolh Idne,»m in die übrigen Geiellschaslsklassen würdig eingereiht werden zu könne» und daß er stck der Sparsamkeit zuwenden müsse, wenn er sich des beim Kredit nothwendigen Vertrauens er- freuen wolle. Bei den Arbeiter- Jnvalidenkassen würde es sich übrigen« am besten zeigen, ob die Arbeilgeber ein Her, für ihre Arbeiter hätten, da die Gesammtheit. die in dieser Beziehung noch viel zu wünschen übrig lasse, sich so gern mit den HiimanilätSbeslrebuugen brüste, ES wäre sehr gut, wenn die StaatSregierung fort und fort der Arbeilerdewegung ihre Anfmerksamleit zuwendete! sie würde bald gewahr werden, daß dem Ardeiter der Ge- genwart, wennschon er seine natürlichen und gewährleiste- ien politischen Rechte zn vertheidigen Willens sei, doch auch sein materielles, auf Selbsthlllse und Selbstverant« wortlichkeit aufgebautes Wohl dringend am Herzen ji�c und daß er sein mühsam erworbenes Eigenlhum gern zu conserviren bereit sei; dazu möge man ihm sreunttich und verlrauensvoll die Hand reichen, indem ma,, die vor- handene» Gesetze so viel erweitere, daß auch er eine rechts- sichere und geschützte Stätte suchen und finden könne. Der Abgeordnete Dr. Fancher ist in dieser Sitzung erschienen,, dem zweiten Theile derselben wohnt der Hau- delsmi nister bei. Ans der Tagesordnung steht die Frage II. Dieselbe lautet: „Welche dieser Associationen(Vorschuß- und Cre- ditvereiize, Vereine zur Beschaffung von Rohstoffen, Consumvereine, Producliv-Associationen) können auch unter Fabrikarbeitern Eingang finden und auf welchem Wege würde das zu erreichen sein?" Herr Reg,- Co m m i ss.: Er müsse darauf aufmerk- sam machen, daß die Regiernng die Frage deshalb ge- - stellt, weil aus den über daS GenosienschastSwesen erstat- leten Berichten erhelle, daß die Fabrikarbeiler sich daran ! noch wenig bisher betheiligi hätien und es läge der Re- gierung daran, die Beranlassmig dazu kennen zu lernen. Es wird al« Erwiderung darauf hervorgehoben, baß da« GenossenschaftSweleii in den Productiv Associationen gipfele; dieses zu erreichen sei aber geradezu bei den Fabrikarbeitern schwieriger als bei den Handwerkern, ' weil eS dazu bei weitem größerer Mittel bedürfe, die durch das bloße Sparen, der Arbeiter nicht zusa umeiige- bracht werden lömiten. Hier frage es sich nun, ob die Großindustriellen, welche den Schutzzoll, die Zinsgaran- tieu, die Darlehen gegen gar leinen oder geringen Zins« satz mit Dank vom Staate angenommen, dieselbe Staats- hülse denjenigen versagen werden, die derselben am mei- sten bedürftig sind, Bon anderer Seite wird nachzuweisen versucht, wes- halb die Productiv Genossenschasleii überhaupt nur in geringem Maße errichtet worden seien. Es fehle den Arbeitern zum selbslständigen Gewerbebetriebe vor Allem an GeschästSkennlniß, die müßten sie in den ersten Anfängen des GenossenschaslsivesenS erwerben, dahin feien die Consiim- und Sparvereiue zu rechnen. Erst wenn sie diese erzielt, könnten sie, falls ihnen die nölhigen Geldmittel zu Gebote stehen, zn Productiv Affocialionen übergehen. Hätten sie dann erst deren Lebensfähigkeit dargethan und feien sie durch einen außer ihrer Ver- jchuldnng liegenden Umstand und durch unvorherzusebende Umstände in Geldverlegenheit gerathen, sv sei es an der Zeit, sich nach außerordentlichem Credil umzusehen, den sie alsdann auch ohne SlaatSbiilse um so leichter finden würden, wenn sie zu solidarischer Hast verbiinden seien. Die Slaatshülse, wie sie al? Schutzzoll:c. der Groß- Industrie gewährt worden, sei wesentlich verschieden von der Slaatshülse, wie sie von einer Seile her für die Arbeiter verlangt werde; denn während hier das Jnter- effe der Einzelnen, habe man dort den Gesammtwvhlstand ins Auge gefaßt, aber auch diese letztere Unterstützung werde die Regierung der Gegenwart, die sich für die freie Bewegung des Handels und der Industrie zu er- klären scheine, als den Jrrlhnm einer früheren Regierung bezeichnen, wodurch eine gesunde lind naturwüchsige Eni- fallung der Industrie verhindert werde. Das Genosse»- schastsweien müffe auch für die Fabrikarbeiter wichtiger al« daS CoalitionSrechl werden, weil es sich dabei um die Frage handele, ob fort und fori der ärmste Mann im Staate seine nothwendigsten Lebensbedürsniffe am lheuersten bezahlen soll und ob er auch für die Folge auf da? emsiillichende Borgsystem hingewiesen bleiben soll. Man gewähre den Affocialionen nur dieselbe Ver- kehrsfreiheil wie den Staatsbanken, und der jetzt noch auf die Bewegung drückende Jndiffereniismiis werde als- bald deseiligl sein, ja es werde dann bald kein Dorf mehr gebe», das nickt wenigsten« einen Consnmverein hätte. Die Consumvereine seien für jetzt das Beste, be- sonders wenn sie mit Sparvereinen in Verbindung stän- den. Wllnscheaswerth wäre nur, daß man für solche Kasse», wie dies bei den UnterslUtzungSkaffen jetzt schon der Fall sei, Arrestschläge gesetzlich nicht zuließe. Die ItaalShülfe müsse auch um deswillen zurückgewiesen � werden, weil bei einlrelenden schlechten Conjunkluren und Calainitäten der Staat immer neue Zuschüsse würde lie- fern sollen, wozu gar keine Mittel vorhanden, und er dadurch außerdem schließlich als Selbstprodiizeiit erschei- ncn würde, da er für die richtige Verwendung und Ver- waltung der darauf verwendeten öffentlichen Gelder Sorge zu tragen hätte. Daß die StaatSregierung die christlichen Vereine Pflegen möge, wird zwar auch noch vou einer Seile beantragt, die Versammlung vermag die« aber mit der vorgelegten Frage nicht in Einklang zu bringen. Al» Beantwortung der Frage werden dagegen solgende Anträge zur Abstimmung gebracht: Die in Frage 10 geuannteu Genossenschasien können ihrer Natur nach sämmtlich bei den Fabrikarbeitern Ein- gang finden— wird einstimmig belaht.