Rr. Berlin, Sonnabend den i6. September Solial-Demokrnt. Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ des Allgemeinen deutschen Arvciter-Vcreins. Redigirt von I. B. v. Hosstettcn und I. B. v. Schweitzer. Redaetion und Expedition- Berlin, DreSdnerstraße Nr. 85. Abonnements-Preis slir Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Rummern 1 Sgr.- bei den KSnigl. preußischen Postämtern 22 t/z Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtprenßischcn Demsch- land 18-/4 Sgr.. im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. I. 45. südd., fl. 1. 50. Sstcrr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts aus allen Postämtern, in Berli u aus der Expeditioo, von jedem soliden Spediteur, von der Espreß-Compagnie, Scharrenkr. 1, somit auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmami" entgegen genommen. Inserate l>n der Expedition ansjUgeben) werden pro dreigeipaltenc Petit-Zeile Arbciter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. bei-echnet. bei Agentur siir England, die Colonieeu und die überseeischen Länder: dir. Bender, 8. Liltle New-Port-Street, Leieester- Square W, C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. Die Ungarilirung Oesterreichs. Die Einberufung des„verfassungsmäßigen" Landtags für Siebenbürgen ist eist höchst inter- ess anter Staatsakt. Wir sagen interessant; denn wichtig könnten wir diesxn Staatsakt nur dann nennen, wenn er Urjache, nicht Folge, wenn er Wirkendes, nicht Bewirktes wäre, während er doch mir Folge und Wirkung des Umschwungs im österreichischen, man kann hier weniger sagen Regierungs-, als vielmehr Staats-System ist. Die Einberufung des„verfassungsmäßigen" Landtags für Siebenbürgen ist ncmlich der erste ganz- lich unzweideutige und sprechende Akt des neuen Staats- Systems und an ihn am besten daher lassen sich die Erwägungen anknüpfen, zu welchen der Staatsumschwung in Oesterreich Veranlassung giebt. Oesterreich ist ein historisch erwachsener Staa- tencomplex unter HabSburg'schem Scepter und eS begreift derselbe eine größere Anzahl der vexschie- denartigsten, theilS räumlich von einander getrenn- ten, theils auf ein und demselben Länderstrich durch- einander gewürfelten Völkerschaften. Es ist klar, daß hieraus große Schwierigkeiten erwachsen müssen; einmal werden die Hauplnatio- nalitäten das Streben haben, ihrem eigenthümlichen lichen Charakter oder ihren besonderen Interessen gemäß den Gesammtstaatskörper möglichst zu beeinflussen, wowider andere Nationalitäten in dieser oder jener Weise ankämpfen werden; und ferner werden in denjenigen Länderstrichen, wo verschiedene Nationalitäten beisammenwohnen, sich im Kleinen diejenigen Bestrebungen, einander be- kämpfend, wiederholen, welche im Großen, um die Beeinflussung des Gcsammtstaates sich drehend, her- vortreten. Die vornehmste Aufgabe österreichischer Staats- kuust ist demnach: zu ergründen, wie bei dem Ge- wirre dieser verschiedenartigen Elemente die alther- gebrachte europäische GroßmachlSstellung der Habs- burg'schen Monarchie möglichst zu erhalten sei. Der leitende Gedanke unter Schmerling war dieser: Nach der historischeu Vergangenheit und Entwickelung der Mvuarckie liegt der Schwerpunkt derselben in den deutschen Ländern. Da der frühere Absolutismus Bankerott gemacht, so muß an Stelle diese« das Ganze zusammenhaltenden Mittels ein anderes Element treten. Als solches sollen die Ideen de» modernen Liberalismus benutzt werden. Die Einheit des Reiches mit deutschem Schwer- Punkt soll auf Kosten der Selbstbestimmung der einzelnen Länder durchgesetzt werden, abex als Er- say für die den Ländern als solchen versagte Selbst- bestiuimuug soll den einzelnen Personen Freiheit und Selbstbewegung im modernen Sinne gegeben werden. Da« Schmerling'sche System hat kläglich geendet. Ob wegen mangelhafter Durchführung, od wegen inneren Wiederspruchs oder ob endlich, weil in! leicht dem andern Hauptfeinde derselben zu Gu» Oesterreich auf die Länge überhaupt nichts gut lhun kommen. kann, bleibe ununtersucht! Genug— eS hat klag- Und so ist cS in diesem Augenblick. lich geendet! Seitdem in Oesterreich— ganz wie eS Herr Ein neues StaatSfystem, selbstverständlich auch v. Bismarck gewünscht— der Schwerpunkt in verbunden mit einem neuen RcgierungSsyslem. ist Ungarn liegt, seitdem hat Preußen in Deutsch' an dessen Stelle getreten. land um so viel an Bedeutung zugenoM' Nicht in den deutschen Ländern, in Un garn soll men, als Oesterreich verloren hat. fortan der Schwerpunkt der habsburg'schen Mvn- Dies würde eine trostlose Aussicht eröffnen, archie liegen. wenn wir nicht wüßten, daß nothwendig eine Zeit Da nemlich unmöglich angenommen werden kommen muß, wo der unwiderstehliche Strom der kann, daß man in Wien vorhabe, eine wirkliche europäischen, und mit ihr der deutschen Bewegung, Theilung des Reiches in zwei, einander fast selbst' ständig gegenüber stehende Ländergruppen einzufüh- ren, so muß der geheime Gedanke dahin gehen, in Zukunft Ungarn diejenige Stellung einnehmen zu sich zunächst gerade an denjenigen Hauptpunkten anstauen wird, wo die bestehenden Staatsvcr- Hältnisse am stärksten zersetzt sind, um von da aus, nach Hinwegspülung alles noch Entgegenstehenden, lassen, welche bisher die deutschen Länder eingenom- auch alles Umliegende zu überschwemmen-, mit men, Ungarn zum Schwerpunkt zu machen, andern Worten: wenn wir nicht wüßten, daß es um welchen alle andrrnLänder gr, vitiren gleichgültig ist, ob die deutsche Volkskraft sollen. von Berlin oder von Wien aus den künftigen Hiermit wäre naturgemäß ein Regieruugssystem jdeutschen Volksstaat erzwingen wird.— verbunden, nach welchem nicht mehr, wie zur Zeit-------- der beabsichtigten Herrschaft des deutschen Elementes,: Tlstl! der moderne Liberalismus, sondern historische Adels- und Priesterherrschaft bestimmend wären, ein Re- gierungsshstem, mit dessen BerwirNichung in der That bereits der Anfang gemacht ist. ES bedarf keiner Ausführung, daß dieses Um- Deutschland. Berlin, 15. Sept. fko mische Öefchi*' ten] kommen vor in der politischen Welt. Die satteln mit Staatsexperimenten im Großen, so'ch-r � �na,�/fr;n wT-«,-üÄ ..Systemwechsel", wonach heute loyal ist, was ge- /Ua. Kt«.' bringt an der.Svibe des Blatte- kol stern verwerflich, heule staatsverbrecherisch, was ge- stern gut kaiserlich war, daß solche Seiltänzerkunst- � stücke in einem althistvrisch- monarchischen Staate alle Verhältnisse unterwühlen, eine innere Zersetzung der Staatsmacht bewirken müssen. Worin, nun liegt— denn dies vor allem inte- ressirt uns— die Bedeututig dtzS in Oesterreich stattgehabten Staatsumschwunges für Deutsch- land? Zuvöxderst ist klar, daß durch die Verlegung!_________„„,„„.„tat . 0' J. o. cva» j■ it HWIP oe t an im fimumicu-agcnw' 5 Schwerpunktes der Monarchie nach Ungarn im Auslände lautet nach einer kurzen Einl«»' die Stellung derselben m Deutschland erheblich ge- �ung wörtlich": schwächt ist. Denn nur ein vorwiegend deutsches, Und nach diesen Werten läßt die„Neue Preuß. Ztg.'' nicht ein vorwiegend ungarische- Reich konnte auf. als eine große Neuigkeit dasselbe Aktenstück folgen, wel' die Länge in Deutschland wirksamer auftreten. cke« da«„Jonrnal de Bnixelle«" am siebenten Sep' Hierin hätten wir nun freilich einen erfreulichen �>emb-r veröffentlich! hatte, am achten schon in den üb" Umstand zu begrüßen; und zwar schon auf den �en ielgischeir �«tern ßonb unb am z»ö ls»'? ch-re «»>!,»';r arirJ re„«..r von der„France" al« unrichtig dementirt wurde uny ersten �lick �um, weil Mes, was den Einfluß �it mindesten« vier Tagen in Berlin-l' emes einzelnen deutschen Staate-, insbesondere denen bekannt sein mußte, welch, frem« der zwei großen, auf die Angelegenheiten Zeitungen lesen und sich um Politik kümmern. Deutschlands schwächt, die deutsche Nation als: Wir selbst hatten da« Schriftstück bereit« unter d-M solche zu größerer Bedeutung hervortreten läßt. 12. September al« ein„iiiiglanbliches" bezeichnet. An dem Tage, wo gleichzeitig Oester- Die„Neue Preuß. Ztg." lügt aber noch eine Art reich und Prenßen machtlos sind, ist die' Polemik ,» diesem Schriftstück hinzu, die sie wieder w» �Ä�Llich-�er�t'.ualeich ein bedenk Wortlaut ein.« Aktenstück«, üb- r* to-Io? rei �$ 01) ü-r N f, dessen Inhalt wir bereit« genau durch unfern Pariser lidjer Mißstand Denn wenn die Machtlosigkeit T�respoudenten unterrichie. waren." oder eine Schwächung dieser beiden Staaten nicht � Der Bopipurs, den wir her„Nenou Preuß. Zig- gleichzeitig eintritt, so kann dieeSchädigung des mache» müssen, ist ein doppelter. Zuerst hätte sie val Einen Hauptseindes der deuffch- nationalen Sache! seit vier Tagen bekannte, gefälschte Dokument keiinr» s fltOT. sowil « bo et ihr r dK st j- kein unb tfch- eine Eni« n sich mite» darin »st in linc? c v oN 'S aN- »L» gleich franst deutig seine irb eS e wst h eint z die W ebniß, s slir > ver« •.{ der wird siciektt Aecht- hält» c delN von eng»- freie ili die s Ab- l ein« Z-fuN' " war ersten rutsche . war 10 flC' waren itun(|'s müssen, da« wie gesagt, in einer Münchener Corre- sponden? des„Journal de Bruxelles" enthalten war und so den Charakter seines mittelstaatlichen Ursprungs ziem- lich deutlich an der Stirn trägt. Sie hätte dies ihren Lesern mittheilen müssen. Und der zweite Vorwurf ist der, dag die Zeitung das Schriftstück abdruckt, ohne Oueldenangabe und so, al« ob es ihr im Original zugegangen sei, und daß sie somit die Verantwortlichkeit für die Äuthenlicität desselben übernimmt. Und wie begründet dieser Vorwurf ist. ergiebt sich daraus, daß heut die meisten Morgenblälter das Schrift- stück nachdrucken mit der Bezeichnung:„nach der Neuen Preußischen Zeitung-'. So die„Vossische" und„Spe- netfche Zeitung", welche letztere neulich die Redaktion der„Nordd. Allg. Ztg." mit der Bezeichnung de« poli« tischen Feuillelomsten beehrte, und jetzt ihre unendliche Ignoranz in Politik so hübsch doknmentirt. So ferner die„Reform", die„StaatSbürger-Zeitung", die„Börsen- Zeitung" rc. Alle diese Blätter drucken daS Ding ge- daukeuloS nach, und das Lesepublikum mag daraus ur- thellen, wie e« von diesen Redaktionen bedient wird, welcher politische Scharfblick denselben innewohnt. Wie unsere Leser wissen, haben auch wir das fragliche Aktenstück als ächl gebracht, und zwar, da unser Blatt Abends erscheint, in der gestern Abend ausgegebenen Nummer, mit welcher gleich- zeitig die Nummer der„Nordd. Allg. Ztg." er- schien, welche obigen Artikel brachte. Wir sind unfern Lesern in dieser Sache ein Wort der Aufklärung schuldig. Der Artikel des ministeriellen Blattes ist in so weit gerechtfertigt, als er ausspricht, daß eine ladelnswerlhe Nachlässigkeit oder politische Unfähig- teil da vorliegt, wo eine Redaetiou das angebliche Circular brachte, ohne zu wissen oder zu merken, daß ein bereits dementirtes Schriftstück vorlag. Daß dies aber bei uns nicht der Fall war, sondern daß wir sehr genau wußten, was �wir thaten, geht unzweideutig aus den Worten hervor, mit denen wir das Schriftstück einleiteten. i Wir sagten i „Das Circular Drouyn de Lühs an die poli- tischen Agenten Frankreichs im Auslande, dieses I werkwürbige, die Habsburg- hohenzoller'sche Politik ! scharf verurtheilende Acten stück, dessen Existenz Noch vor Kurzem in Preußen officiös ge- läuguet wurde, lautet, nach einer kurzen Ein- leitung, wörtlich wie folgt." Für uns— und nur uns haben wir zu ver- theidigen— bleibt also nur die Frage: Ob ent- Ischeidende Gründe vorlagen, das Schriftstück für facht zu nehmen. i Die„Nordd. Allg. Ztsi." selbst bemerkt, daß die Kreuzzeitung dasselbe in einer Form gebracht [habe,„wonach sie für die Aulheuhicität ein- stand." War es nun, wie wir in eingehender Redac- tionsberathuna erwogen, nach dem scharfen In- in uet lumau) sOU man noa) gepcu, Jvenn diese Erwägung nicht durchschlagend sein Ivllte. DaS Schönste aber bei der Sache ist, daß, wenn »uch dem Inhalte des Schriftstücks nach die Aeckt- heit unwahrscheinlich bleibt, noch durchaus nicht nach- gewiesen ist, daß dasselbe wirklich unächt ist. Die -.Corr. Havas" schreibt:„Wir haben, dem De- weuti der Nordd. Allg. Ztg. gegenüber, heute nur tu wiederholen, daß die Angaben des Journal de <5ruxelles über den Inhalt des CircularS des Hrn. Drouyn de LhuyS richtig sind." Der officiöse Pa- 'iser Constitutionnel bemerkt hierüber an der Spitze seines Tagesberichtes Folgendes:„Wir glauben, °aß dieses Circular existirt und daß das belgische �latt dessen Sinn ausgedrückt hat, allein wir bür- Ben nickt für dessen Genauigkeit." Nach all dem kann es also sehr wohl der Fall Mn, daß die„Nordd. Allg. Ztg." trotz ihrer unge- heueren Entrüstung im Unrecht bleibt und daß das unbequeme Schriftstück vollständig ojder der Hauptsache nach wirklich ächt ist. Beiläufig gesagt, wird mit Bestimmtheit behaup- tet, daß auch von dem englischen Eabinet eine tadelnde Aeußerung ausgegangen sei. — Christlicher Staats Der Kultusmini- ster hat entschieden, daß in Preußen jüdische Rit- lergutSbesitzer»ur Befreiung von den Stolgebüh- ren in Anspruch nehmen können, zu allen andern kirchlichen Lasten und Abgaben beizutragen haben, „damit nicht die christlichen Kirchensysteme wegen der Ansiedelung der jüdischen Staatsbürger Gefahr laufen, einzugehen." � jZur Zahlung der Kaufsumme für Lauenburgj schreibt sehr schön die„Berl. Ref.": Was vor einigen Tagen noch alle Welt mit dem entschiedensten Unglauben hinnahm, das bestätigt sich jetzt: die Provinzial-Lorrespondenz versichert, daß die Zahlung der Lanenburgischen Entschädigung«- summe„gegenwärtig" aus den Privatmitteln des Königs erfolgen werde und eine offiziöse Korrespondenz der„Köln. Ztg." fügt hinzu, daß die Verwaltung de« Kronfideicommiß- Fonds schon vor längerer Zeit den Auftrag erhalten habe, sich für den Fall einer umfassen- den Baarzahlnng bereit zu halten. Da« ist unzweifelhaft einer der folgenschwersten Rathschläge, die im Verlaufe des ganzen inuereu KonslitrrS�gegeben worden sind. Der Kaufpreis von Lauenburg, wir wiederholen es- ist nicht jene runde Summe von dänischen Reichsbank« thalern, welche im Salzburger Vertrage sestgesetzt worden, Da« österreichische Blut bei Oeversee, daS preußische das vor Düppel geflossen, damit ist auch dies Stück beut- sehen Landes von der dänischen Zwingherrschaft losge- macht worden. Mag Oesterreich sich»aS Opfer feiner LandeStinder mit baarem Gelde berechnen und abkaufen lassen, in Preuße» gestaltet sich der Fall etwa« bedenk- licher. Der Kaufpreis fließt in Wien den Staatskassen zu, er wird— so lautet ja wenigsten« die allgemein üb- liehe Phrase— zum Wohle des Ganzen verwendet, in Preußen soll der Gewinn erst noch zur Frage zwischen Fürst und Land gebracht werden. „Gegenwärtig"— sagt das amtliche Blatt— wird die Entschädigungssumme au» den Privatmitteln des König« gezahlt. Verstehen wir das recht, so heißt es nicht« Andere« al«: Die Entscheidung darüber, wer die Summe definitiv zu zahlen habe, wird von dem Ja oder Nein de« Landtages abhängen. Sagt dieser Ja— das heißt, giebt er der auswärtigen Politik des Herrn v. Bismarck damit doch schließlich seine Zustimmung,— nun, so wird der Kaufpreis aus den Staatskassen er- stattet und Lanenburg dem Reiche einverleibt, wenn nicht, nun. so bleibt e« im„gegenwärtigen" Privatbesitze dessen, der den Preis dafür gezahlt. Auf der einen Seite also: Umkehr der Landesverlretung von ihrer, durch dreimalige Wahlen der überwiegenden Majorität de« Landes für aut und nothwendig erkannten Opposition— anderer- seit« in unbestimmte Zukunft hinein ein starker schwarzer Strich zwischen dem Privatinteresse des König- lichen Hauses in Preußen und zwischen der Majo- rität im Lande selbst. Wir unsererseits können es nur für einen gro- ßen Vortheil halten, wenn eS deutlich und für jeder- mann verständlich hervortritt, daß die Interessen der Völker und die ihrer Fürstenhäuser von einan- »er getrennte sind. Wir sind auf hoffnungsvollem Wege in Deutschland, seitdem dies überall im Volke nehr und mehr erkannt wird.— UebrigenS hat, vie schon bemerkt, vorerst nicht der König von Preu- ßen, sondern der Freiherr v. Rothschild den Kauf- preis bezahlt. — sAnklagc.j Gegen den Abg. Franz Duncker ist, wie die„VolkSztg." berichtet. An- klage erhoben wegen Beleidigung des Staatsmi- nisteriums in Bezug auf dessen Beruf. Die Au- klage gründet sich auf eine Ansprache, mit welcher Hr. Duncker die am 25. Oktober 1864 hier stattgefundene Versammlung der Mitglieder des Ratio- nalvereins eröffnete. Zur öffentlichen Verhandlung ist ein Termin auf den 16. Oktober vor der 7. De- putation des hiesigen Stadtgerichts angesetzt. — sAus den Herzogthümcrn.j AuS Neumünster, 13. d.. Abends, wird telegraphirt:„Bei dem hier abgehaltenen schleswig-holsteiuschen Städte- tage waren zwei Dritttheile fämmtlicher Städte und Flecken aus beiden Herzogthümern vertreten. Verschiedene Gemeinden Schleswigs hatten die Be- theiligung abgelehnt. Die beschlossenen Resolutio- nen stimmen mit den in der Eingabe der Stände- Mitglieder an die Bundesversammlung enthaltenen im Wesentlichen überein."— Wie aus Kiel be- richtet wird, ist den Behörden dort amtlich ange» zeigt worden, daß der Statthalter Gablenz am 15. eintreffen werde.— Nach heute eingelaufenem Te- legramm ist Gablenz eingetroffen und hat eine Pro- klamation erlassen, worin es u. A. auch heißt, baß er sich von allem Parteiwesen fern halten werde.— Die„Kiel. Ztg." meldet, daß in einer gestern statt- gefundenen Versammlung der Hauseigenthllmer be- schloffen worden sei, an den Magistrat eine Ein- gäbe zu richten, in welcher sie sich dazu erbieten, die Verpflegung der Truppen bis zum 1. Oktober freiwillig zu übernehmen. Die für Friedrichsort bestimmte Besatzung ist daselbst eingerückt. * Wien, 13. Sept. jZum Verfassungs- schwindelf schreibt ganz ernsthaft die Wiener „Presse", als ob die Februarverfassung überhaupt noch mehr als ein ausgeblasenes Ei wertb wäre, wie folgt: Ernste staatsrechtliche Bedenken drängen sich umso- mehr aus, als auf verschiedenen Gebieten Octroyirungs- Tendenzen immer entschiedener hervortreten. Die neue Wahlordnung für Siebenbürgen ist octroyirt; das bevor- stehende neue Anlehen dürfte octroyirt werden. Es ist hoch an der Zeit, dieser Strömung entgegenzutreten und daran zu erinnern, daß un« mit den bloßen Versiche- rungen, das Ministerium denke nicht daran, das con- stitutionelle Prinzip zu gefährden, kein Trost und kein Ersatz für beständig sich wiederholende Alterationen der Slaatsgrnndgesetze geboten wird, umsomehr, als in den gedachten Fällen nicht einmal an den§. 13 recurrirt werden kann. Am 31. Dezember d. I. läuft der Termin der reichsräthlichen Bewilligung der neuen Steuern und Zuschläge für da« Verwalmngsjahr ab. Wenn alsdann die weitere Ausschreibung dieser Leistungen erfolgt, und wir wieder nur damit vertröstet werden sollen, daß die Regierung am constitutionellen Principe festhalte, wem und was soll damit geHolsen sein? Jedes Prinzip wird nur in seiner gelreuen Ausführung lebendig; unausge- sührt unterscheidet es sich nur wenig von einer wesen- losen Fiction. Ausland. * Paris, 13. Sept jTagesbcricht Der „Mouiteur" über O est erreich. AuS©ufareji] Die Blätter fahren fort, sich mit dem Circular- schreiben des Herrn Drouyn de LhuyS zu beschäftigen. Die„Presse" findet es zwecklos, da die Regierung offenbar nicht geneigt sei, aus ihrer Unthäligkeit herauszutreten. Ueber die Zusammenkunft von Biarritz wird nicht gesprochen, und selbst der Abend-Moniteur bleibt stumm, obgleich das amtliche Blatt diese Zusammenkunft zu einem Er- eignisse gestempelt hat.— Die Pforte will eine SanitätS-Commission einsetzen, aus türkischen Aerzten und aus Ulemas zusammengesetzt, deren Aufgabe es sein soll, die Andachtsübungen der Mekkapilger ohne Beeinträchtigung des Korans, deren Gesundheitszustand entsprechend, umzugestal- teu.— Herr Demidow hat sein Besitzthum auf der Insel Elba sammt den historischen Museen au einen Banquier für den Preis von 750,000 FrS. verkauft.— AuS Anlaß der Beerdigung des Prin- zen Joseph Bonaparte wird eine Ceremonie be- kannt, welche in Rom bei Bestattung hoher.Herr- schaffen noch üblich ist. Nachdem der Verstorbene nach seinem letzten Ruheorte gebracht worden ist, erscheint sein Hausmeister in der Kleidung des 15. Jahrhunderts und fragt, sich achtungsvoll dem Sarge nähernd, indem er zugleich nach modernem Gebrauche grüßt:„Befehlen Ew. Hoheit nichts mehr?" Da der Todte nicht antwortet, ruft der Hausmeister den Kutschern zu:„Ihr könnt nach Hause fahren, denn Se. Hoheit haben keine Befehle gegeben."— Die Herren Davenport, welche Sck au- stellungen mit Citiren von Geistern veran- stalten wollten, werden ihren Geistern in Paris keine Befehle mehr geben, denn sie sind gestern gleich am Anfange der ersten Vorstellung mit Schande und Spott abgefahren. Einer der An- wesenden hat den Schwindel aufgedeckt und der Zauber war verschwunden. Ein Polizei-Commissar erschien und kündigte dem Publikum an, daß daS Eintrittsgeld wiedergegeben werden solle.— In Marseille ist die Cholera im Zunehmen begriffen. Am 11. starben bis 2 Uhr Nachmittags 40 Per- sonen an derselben.—„Moniteur" sagt in Betreff Oesterreichs- „Mit dem Bemühen, eine Annäherung zwischen Oesterreich und Ungarn(man beachte diese Ausdrucks- weise) herbeizuführen, haben die neuen Minister, welche