Rr 147. Berlin, Dienstag den i9. September 18«S. Solial-Demolirat. Diese Zeitung crsckeint täglich Oraan des Allaememen deutschen Arbclter-Vercins. N-d-.eti°.i.»,d Expedition- mit Änsnahme r> 1'_-öerlin, der Sonn- und Festtage. Redigirt ton I. V. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnements-Preis fttr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 8 Ägr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den ÄiJmgl. preubiichen Postämtern Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land 183/« g�r., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fl. 1. 45.(übt., fl. 1. 50. ösierr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedilioii. von jedem soliden Spediteur, von der Expreß«Compagnic, Scharrenstr. 1, sow« auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate jin der Expedition aiiszugebeii) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoneen mir 1 Sgr., bei sonstigen Annonceil init 3 Sgr. berechnet. wurdl die£ fünf 1 Berei schleS Land! Beleii Präsi störur auf V lern angekl vom � des Z steinis auf T steriur anwal Das' „Volk! jetzt zweier sofort Ein e bürg, Nedac litärbe transp Friedr! bleiben Agentur für England, die Eolouicen und die überseeischen Länder:>lr. Ksnster, 8. Qittl« Ke>v-?ort-8tre«t, I�eioester-8gu»rs W. C. London. Agentur sstr Frankreich: tl. A. Alexandre, Strasabourg, 5. Rue Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. Die vorilfe Niliniilcr unseres Blattes ist coiifiscirt worden. Dieselbe wird in ver- ändcrtcr Äustage gleichzeitig mit der Heu- tigen Nummer ausgegeben. Die Nummer Ittl unseres Blattes ist bekanntlich polizeilich coiifiscirt, ge> richtlich freigegeben worden. Da wir nickt wissen können, ob die sreigegebenen Exemplare in die Hände unserer sämmtlichen Leser gelangt sind, so geben wir nachstehend diejenigen Stellen wieder, welche wir in der Ausgabe, die uniern Lesern auf regelmäßige Weiie zugekommen ist, vorsorglich ansgelasien hatten. Hierdurch finden die be treffenden Artikel jetzt ihre Ergänzung. Der Sckluß des Artikels:„Zum gl. August 18K5" lautete: Fervinand Laffalle! Du lebst— Du wirst ewig lebe» unter uns! Dein stiame tönt, wenn im geistigen Kampfe die Männer der Arbeit die Waffen, die Du geschmiedet, gegen gleißnerische Feiiive führen! Dein Name tönt, wenn, müde seiner Last, der Mann der Arbeit seine Ketten schüttelt! Dein Name, Laffalle, wird tönen, wenn der große Äeneralmarsch.geschlagen wird— wenn unsere Bataillone marschiren!— Der Schluß der veröffentlichten Rede Laffalle's lautete: „Der Reactionäre und der Fortschritts- Partei gemeinsamen Feind, der bereits vor den Thoren stehe, und den sie also gemeinsam ab- wehren müßten, nennt mich Gras Wartenslebcn. Bor mir also verschwinden die linterschiede und Gegensätze, welche sonst die reactionäre Partei und die Fortschrittspartei trennen. Bor mir sinken sie trotz dieser innern Unterschiede zu Einer gemein- samen reactionären Partei zusammen. Wenn ich nun aber auch so wenig reactionär bin, daß neben mir vielmehr, wie Sic soeben sahen, wie Ihnen später ganz klar werden wird, die Fortschrittspartei selbst alö gründlich reactionär erscheint, habe ich nicht wenigstens das Unrecht auf mich geladen, eine Spaltung in die demokra- tische Partei zu bringen und zwar eine Spal- tung in dem Augenblick, in welchem die demokra- tische Partei kämpfend der Regierung gegen- über steht? Es wäre dies in der Thal ein hohes Unrecht. Um Jbnen zu zeigen, wie wenig ich eines sol- chen Unrechts auch nur sähig wäre, muß ich a» einen Fall in meiner eigenen Vergangenheit erin- nern. Ich spreche ungern von mir selbst, aber ich bin hierbei dazu gezwungen, um Ihnen, die Sic mich nicht kennen, jene Ueberzeugung zu gewähren. In Folst� ber gewaltsamen Contrerevolution, welche die Regierung im November 1848 gegen die Freiheiten des Landes vollbrachte, wurde ich, damals in Düffeldors lebend, des Hochverraih« angeklagt. Ich war nämlich schon damals, trotz meiner großen Jugend—- ick zählte erst 23 Jahre — einer der Führer der rheinischen Demokratie, besonders ein Vertrauensmann des rheinischen Ar- beiterstandes. In dieser nieiner Stellung hatte ick in jener Krise die Bürger dazu aufgefordert, sich zum Schutze der beleidigten Volksfreiheit mit den Waffen in der Hand gegen die königliche Gewalt zu erheben. Deshalb wurde ich bei der Prcklama- tivn des Belagerungszustandes verhaftet und unter jener Anklage vor die Assisen gestellt. Damals hatten Viele solide Prozesse. Mein Prozeß unterscheitet sich nur darin von allen an- der», daß ick der Einzige war, welcher stolz genug war,. dem Staatsanwalt vor den Geschworenen die volle Wahrheit seiner Behauptung einzuräumen und mich lediglich auf das gute Recht des Volkes zum bewaffneten Widerstand zu berufen. Ich sagte in nieiner gedruckten Rede zu den Geschworenen (p. 59) wörtlich:„Ich will, ich mag auf keinen Grund hin von Ihnen freigesprochen sein, als auf jenen souveränen, daß der Aufruf zu den Waffen damals das Reckt und die Pflicht des Landes war. Ich würde diesen Tag als einen verlorenen er- achten, wenn ich ans andern Gründen freigesprochen würde." In dieser Rede schilderte ich auf Grund der Zeugenaussagen meine damalige Thätigkeit. Ich schilderte, wie ich die Arbeiter zur Eintracht mit der Bourgeoisie aufgefordert, wie ich mich andrer- scits an die Bourgeoisie gewandt und zu ihr ge- sprocken wie folgt(p. 27):„Und verrathel auch Ihr nicht Euer cigenstes Interesse, laßt Eure That- kraft nickt lähmen durch eine grundlose Furckl, welche man unter Euch zu verbreiten sucht. Es ist wahr, ich und meine Partei, wir hängen vor Allem an der socialen Reform. Aber nickt jetzt ist der Augenblick, unsere Theorien zu verwirkliche» rc." Sie ersehen aus diesem Citat verschiedene Dinge, meine Herren! Sie ersehen zuerst daraus, daß ich schon damals, vor 15 Jahren, nichts Anderes wollte, als heut, heul nicht« Anderes will, als damals. Ich bin mir gleich geblieben, unverändert derselbe. Dutzende von Krimtiialprozeffen, zweijährige Kri- minalhasten, alle Sieze der Gewalt in ganz Eu- ropa haben, während Andere mall wurden, in mir keine Veränderung hervorbringen können. Und das ist es, was man mir nicht verzeiht. Sic ersehen ferner daraus, wie wenig ich der Mann bin, eine Spaltung in die der Regierung kämpfend gegenüberstehende demokratische Partei zu bringen, wie ick damals selbst mein« socialen An- sichten unterdrückte, um eine solche Spaltung zu vermeiden. Warum kann und muß ick heute anders han- deln? Aus drer einfachen Gründen, von deren Wahrheil Sie der ganze Verlauf meiner Vorträge überzeugen wird. 1) Weil es heute keine demokratische Partei mehr giebt, die folglich auch nicht mehr gespalten werten kann. Es cxistirt heute keine demokratische Partei Die Bolkszeitung bat das selbst schon im HerM 1858 erklärt. Die Fortschrittspartei nennt si� selbst nicht Demokratie, sie ist und will nicht jD1' mokraiie sein. Sic ist eine liberale Bourgeois' partes. 2) Weil die liberale Partei, die heute existirb nicht gegen die Regierung kämpft, noch jemals kaw' pse» will und wird, sondern unter ihrem Witersta»� bloS leere resultatlose Wvrtmacherei versteht. 3) Weil es also vor Allem nolh thut, erst eist demokratische Partei zu bilden, diese aber hcnl � und das ist die Bedeutung der geschichtlichen Fort' cntwickelung seit 1848— bloS auf Grund der K' ein(en Idee gebildet werden kann. Der Arbci' tcrstand— das ist die Bedeutung der heutig� Lage— der Arbeiierstand soll die hohe gesckicktliäti Ehre haben, daß sicki unter seiner Fabtie die netst Demokratie bildet. Eine andere Demokrat»� ist geschichtlich nicht mehr möglich. Li« amtliches Aktenstück aus Preußen. Wir finden in der„Rhein. Ztg." nachslehentel> Artikel- Iserlohn, 15. Sept.(Der B Ii r g er in ei st'' Hültmann contra T ii l ck e.) Lesen Sie die iiackP' gende Verfügung, die heute in mehr als hundert plareu an sämmlliche Gast- und Sckenkwirtde erlam" worden ist. und Sie werden da« Erstaunen greisen, welches alle Schichten unserer Biv«' lernng ergriffen hat. Des näheren VerständnN!' halber sei noch daran erinnert, daß der mehrbenann Herr Tölcke als Agitator des hiesigen Lassalle'schen l eiterverein« mit unserer Polizei in letzter Zeit in»Kf sachc»onfliktc gerathen war. Die Verfügung*) Hiermit wird Ihnen die Mittheilung genifliB' welche allen Personen in hiesiger Statt Pisp itellt ist, welche Gast-, Schenkwirthschast üb Kleinhandel mit Getränken betreiben, und welche entweder das EoncessionScnlziebungsbk � fahren noch nicht eingeleitet, oder sonst eine cession unter beschränkenden Bedingungen»o« nicht ertheill ist: � .Personen, welche Gast und Schenkivi�* „�ciioucii, loctcvc rzmit und fchaft oder Kleinhandel mit Getränken betrews, ; wird der Erlaubnißschein zum GewerbebetN überhaupt nur unter folgender Bedingung �, l. Januar k. I. ab verlängert:„Die Esltib "iß zum Gewerbebetrieb erlöscht sofort, l� �, in den Räumlichkeiten des Gewerbelreibe'�� der frühere Pripatschreiber, jetzige gewerb« graphis deröffei eine Pr teuffel, preußis Gereckt Veförd heißt e überneh cknleress bes Kl *• Z-d "eutena macht 1 m-r Sl "tärwes �"rd ai Mtiger "M v. Frössen "uenbi tot Wi e«ft Allel ) Dieses Docnmcnt konnte offenbar schon Sonn��, lein; wir verübeln cs Unser» ■ i» KaH ft* fflr(ofOrttA�» i..rt» in nnseril Händen icm; cv gnseo' genossen in Iserlohn, daß sie nickt sür sosortst� bnng desselben sorgten, was sie nickt nur sich ü'i'' der» auch der Partei schuldig gewesen wären, uebc- mögen unsere Freunde allcrwärt« glauben, daö � Zulage für die Presse vor Allem daraus ankommt,.' � unterrichtet zu sein. AuSslihrlichere Berichte M sührungen können dann immer nachfolgen Kt*' feÄ >-k n S" «es LV'na ß-Zten. fieDun, Jj'ftei( St, dl "Ä II. che «steit k!»bel »<>♦ tbitio'i , fowif -ile b-l )Nit. rsch-id� lich r-Z inteuM »raktelk' iiff-!'!' l Wobl' h. verheE !r Na'»' >err r«> so l-cZ licn uli> lasie» zewiss� >ird$ir >lage jta La»' rftärt c-l « i!<'' rcchliZ,! ni m c N 1 Sir c Nu»' m auf li;ei, außrl' aus r-l j?le A»? \ Aus' -kl-& t Pos-U, rländel! zeitig" ?t, w" i)ett r- bst K-/' neunjad' !r,-W! ib fcii'1 Der Gyi»l>s Hufs t'. as,»f, arl Eu>. vess-' dfitr Wilh. Carl Tolcke geduldet, oder dem- selben in irgend welcher Art Speise oder Getränke verabreicht wird. Etwaige Entschuldigungen wegen Unbekanntschaft mit der Person des C. W. Tölcke werden nicht berück- sichtigt.—„Gegen diese Verfügung steht der Beschwerdeweg offen.— Denjenigen, welche sich durch diese Verfügung beschwert fühlen, be- ziehungsweise sich über dieselbe beschweren, wird als Persönlichkeiten, welche nicht genügende Bürg- schaft für einen ordnungsmäßigen Gewerbebetrieb gewähren, vom 1. Januar 1866 ab überhaupt die Crlaubniß zum ferneren Gewerbebetrieb Untersagt.„Hinsichtlich des für den Be- schweeveweg maßgebenden Verfahrens wird auf den Circular- Erlaß des Herrn Ministers des Innern vom 26. August 1861 zc. verwiesen. „Demjenigen, welcher den Tölcke von jetzt ab in seinen Räumlichkeiten duldet, oder Speisen oder Getränke verabreicht, wird mit dem 1. Ja- Uuar k. I. die Eoncession nicht verlängert. ! Iserlohn, 14. Sept. 1865. Der Bürgermeister H ü l s in a n n." Gewaltthat und Eroberung, das sind die einzigen Grundlagen, auf welche die in den Besitz sich theilenden Mächte � ihre Ueb ereinkunft gegründet haben. Die Regierung Ihrer Majestät beklagt leb- Haft die auf solche Weise kund gegebene. Miß- achtung des öffentlichen Rechtes und des berech- tigten Anspruchs, welchen ein Volk erheben kann, wo es sich um sein Geschick handelt. Diese In- struction ermächtigt Sie nicht, dem Hofe, bei welchem Sie accreditirt sind, Bemerkungen über diesen Gegenstand zu machen, sondern hat bloß den Zweck, Sie wissen zu lassen, in welchem Sinne Sie zu sprechen haben, wenn die Ge- legenheil sich bietet. Ich bin:c. Russell. Auswärtiges Amt, 14. Sept. Wichtiges Actcnstück. hat Der englifche Minister des Aeußeren »achstechendes Rundschreiben erlassen: Ter preußische Geschäftsträger hat mir dem Hauptinhalte nach eine die Gasteiner Ueber- tinlunfl betreffende Depesche mitgetheilt und spä- ter haben die berliner Blätter den Wortlaut der- selben veröffentlicht. Als die Regierung Ihrer Majestät die erste Diittheilung von den zu Wien unterzeichneten Friedens-Präliminarien erhielt, habe ich in Wien Und Berlin die Ansichten unserer Regierung über diese Präliminarien zur Kenntniß gebracht. Die gegenwärtige Convention hat nur dazu gedient, das Bedauern, welches Ihrer Majestät Regierung zu jener Zeit ausdrückte, noch zu erhöhen. Die Verträge von 1815 haben dem Könige don Dänemark als Herzog von Holstein einen Eitz im deutschen Bundeslage verliehen. Der Vertrag von 1852 hat das Erbfolge- recht für den dänischen Gesammtstaat anerkannt, welches der verstorbene König der Person des gegenwärtigen Königs zuerkannt hatte. Trotz der in den Depeschen vom 31. Januar 1864 gegebenen Versicherungen ist dieser Ver- trag von Oesterreich und Preußen, zweier der Piächte, die ihn unterzeichnet hatten, vollständig bei Seite gesetzt worden. Man hatte das Recht, zu erwarten, daß nach einer solchen Aufhebung der Verträge man zum mindesten an ihrer Etatt die Volks stimmung Deutschlands, die Wünsche derBewohner derHerzog- thümer und die in den Sitzungen der iondoner Conferenz von Oesterreich und Preußen so ausdrücklich formulirte An- licht der Mehrheit des Bundestages an- irkannt haben würde. Auf diese Weise hätten h tG�ch nach Umstoß einer Rechtsordnung andere JyVi»us der Zustimmung der Bewohner abgeleitete >| M«JL A. O Ä.1 L~ 1 � tY A i Schl" eutsch'" lt-l5h< e-n m r Polls I-l*1 folget fassun». m nfet" 1 il lroy Rechtstitel an die Stelle gesetzt werden können. Pid diese mit Achtung aufgenommenen Rechts- iitel hätten Aussicht auf Dauer gehabt. Aber alle Rechte, alte sowohl wie Neue, gleichviel, ob sie sich auf eine feierliche Uebereinkunft zwischenHerr- fchern oder auf den klaren und bestimm- >en Ausdruck des Volkswillens stützen lochten, sind durch die Uebereinkunft �°n Gastein mitFüßen getreten worden Nnd die Autorität der Gewalt ist die �tzjge Macht, welche man zu Rathe gelogen und anerkannt hat. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 18. Sept. sDasfranzösischRund- schreiben hat sich nunmehr als ächt erwiesen und auch der mitgetheilte Text war ziemlich genau. (Selbstverständlich ist in demselben zu lesen„getheilt statt vereint", nicht, wie es fälschlich hieß„getheilt statt getrennt".) UeberdicS ist auch das englische Rundschreiben jetzt bekannt geworden.(Siehe oben.) —[Zu den preußischen„Ansprüchen.") Die Blätter bringen nachträglich den Wortlaut der Erklärung, welche Baden in der Bundestags-Sitzung vom 31. August abgab. Es wird darin die Be- gründung eines selbständigen,„ zum Wohle des Ganzen sich beschränkenden" Bundesstaates Schleswig-Hol- stein nicht für unvereinbar mit den Interessen Deutsch- lands und„den in ihnen wurzelnden besonderen An- sprüchen Preußens" erachtet. Wenn man nur ein- mal herausbringen könnte, worauf diese„Ansprüche" beruhen! In Deutschlands Interesse liegt es, daß Preußen möglichst wenig um sich greife; aus den Interessen Deutschlands heraus sind also jene„An- spräche" nicht zu begründen. Bliebe also der Um- stand, daß die preußische Armee bei der Losrcißung der Herzogthümer von Dänemark vorzugsweise be- theiligt war. Aber wer hat die preußische Armee dorthin gerufen? Sie ist gegen den Willen der deutschen Nation(auch gegen den Willen des preußischen Abgeordnetenhauses) dort eingerückt. Hätte nicht sie, so hätte eine andere deutsche Armee die Losreißung erzwungen. Woher also sollen die„Ansprüche" kommen. Es ist übri- gens gegründete Aussicht, daß diesen„Ansprüchen", sowie überhaupt der Politik der österreichischen und der preußischen Regierung jetzt ein Riegel vor- geschoben werde. —[Zum officiösen Säbelgerassel.) Die „Nordd. Allg. Ztg." meinte dieser Tage, als sie das bekannte Rundschreiben des französischen Mi- nisters des Aeußern als unächt hinstellen wollte,„daß Hr. Drouyn de Lhuys das Schreiben nicht würde in Umlauf haben setzen können, ohne sich vorher mit dem Marschall Randon besprochen zu haben, und ohne daß uns die Zeitungen gleich- zeitig die Nachricht von den Pferdeankäufen zur Mobilmachung der französischen Armee gebracht hätten." Das heißt doch wohl: ein solches Rundschreiben würde für Preußen, oder vielmehr, da die Politik der preußischen Regierung vom Volke in Preußen mißbilligt wird, für die Regierung, so beleidigend sein, daß der Minister, welcher ein solches Rundschreiben erließe, sich auf Krieg bereit machen müßte. Nun denn! Das Rund- schreiben ist ächt. Aber freilich— der französischen Armee gegenüber wird man etwas zurückhaltender sein, als der kleinen däni- schen Armee gegenüber. —[WeitereAnklagengegcnden„Social- Demokrat.") Wegen Nr. 129) 130 und 135, nach Art. 101 des Strafgesetzbuches, wegen Nr. 134 nach Art. 75(Majestätsbeleidigung). Im Ganzen schweben jetzt zwölf Anklagen gegen unser Blatt. * Wien, 16. Sept.[Zur großen Staats- confusion.) Nichts ist erfreulicher, als die Ver- wirrung, welche in Oesterreich über die Frage herrscht, ob die Verfassung noch besteht oder nicht. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß bald überall ein solcher Znstand eintreten möge. Dann wird es mit allein Schein- und Halbwesen ein Ende haben; dann, mit Einem Wort, wird es vorwärts gehen in Europa. Die„Presse" schreibt in gedach- ter Beziehung: Allerdings theilen wir die Anffassnng, wonach es ein Zustand ohne Beispiel sei, in dem sich die Journalisten gegenseitig fragen: Besteht die Reichsvertretung noch oder nicht mehr? Rur finden wir, daß nicht die Journalisten allein sich so befragen; in allen Winkeln und Gauen— man verzeihe uns diesen Ausdruck— tönt das Echo dieser Interpellation. Ganz Oester- reich ist eine akademische Aula geworden, wo über staatS- rechtliche Fragen dispulirt wird; jeder Staatsbürger ist mehr oder minder verlustkandelt(?), und wahrscheinlich hat der Verlag der Staatsdruckerei in den letzten Wochen mehr Exemplare des Diploms und der Febrnar-Ver- fassung abgesetzt, als in den früheren seil dein 26. Februar 1661 verflossenen Jahrgängen. Diese Zerfahrenheit der staatsrechtlichen Ansichten hat sicher ihre bedenkliche Seite.(Wir glauben'«!) Im gro- jjeu öffentlichen Leben ist das Staatsrecht das unanfsäl- ligste, aber zugleich wichtigste Ding. Es gleicht den Fun- danienten eines Hauses, die man, voraussetzend, daß sie feststehen, meist wenig beachtet, während man sich bemüht, die oberen, lichten Räume des Gebäudes wohnlich aus- zustatten und zu schmücken. Wenn aber die Fundamente irgendwie erschüttert werden, dann droht schwere Gefahr, dann nützt der Eomsore und Prunk der Gemächer wenig, und in dieser Lage befände sich Oesterreich, wenn wahr wäre, daß unsere Reichsvertretung zu sein saclisch auf- gehört habe." Freilich hat sie factisch aufgehört! Wer das noch nicht gemerkt hat, imt dem muß eS schlimm stehen. —[„Gaugrafcn.") Man glaubt sich um tausend Jahre in der Weltgeschichte zurückversetzt, wenn man, wie es jetzt hier geschieht, von Einfüh- rung von„Gaugrafen" sprechen hört. In Folge der hierüber im Publikum laut gewordenen Besürch- tungen und deS sich iiu Volke regenden Unwillens hat man sich bereits von ossiciöser Seite veranlaßt gesehen, jene Gerüchte scheinbar zu entkräften, in- dem man darauf besonderen Nachdruck legte, daß bei der neuen Einrichtung die Freiheit der Wahl, also die Selbstständigkeit der Gemeinden gesickert werde. Diese Sicherstellung ist aber jedenfalls sehr trügerischer Natur; denn es liegt auf stacher Hand, daß sich fast nur Großgrundbesitzer der Mühe eines unbesoldeten Ehrenamtes unterziehen können, natur- gemäß also die Wahl auf sie fallen und das Re- sultat davon eine Adelsherrschaft sein muß. Wie es dabei um die Freiheil stünde, bedarf wohl für Niemanden einer weiteren Auseinandersetzung. Denn die Freiheit im gaugräflichen Sinne ist Himmel» weil verschieden von der Freiheit im modernen Sinne. Der Glaube an die erstere aber wird in Oesterreich nimmermehr Boden finden und feste Wurzeln schlagen. Ausland. * Paris, 16. Sept.[Tagesbericht.) DaS Pays enthält hkute eine Mittheilung, die diesem Blatte offenbar aus dem Ministeriuni der auSwär- tigen Angelegenheiten zugekommen ist. Derselben zufolge würde Lord Palmer ston noch vor dem Zusammeutritte des Parlaments seine Entlassung geben und als Graf Palmerston ins Oberhaus eintreten. Das halbamtliche Blatt bezeichnet den Grafen Russell oder Gladstone als diejenigen von den englischen Staatsmännern, die am meisten Aussicht haben, dessen Nachfolger zu werden.— Herr v. Lavalettc, der Minister des Innern, legt der Ott'schen Angelegenheit in Folge der Nachrichten, die ihm über die im Elsaß herrschende Aufregung zukommen, große Wichtigkeit bei. Er ist es auch gewesen, der den von Herrn Drouyn de Lhuys au den Maire von Straßburg gerichteten und nicht für die Oeffcntlichkeit bestimmten Brief von Staalswegen im Straßburger Blatte erscheinen ließ. Herr Drouyn de Lhuys, der schon nächsten Montag hier eintreffen wird, kürzt, wie es heißt, seinen Aufenthalt in Deutschland auch wegen der Angelegenheit des Herrn Ott ab, und Herr Bene- dettl ist eigens aus Berlin hierher beschieden und