Nr. 158. Berlin, Dienstag den 26. September 18«5. �ürin�lemolsrnt. Dicse Zeitung etfriieint täglich mir Aufnahme der Sonn- und Festtage. Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Bercins. Redigin von I. B. v. Hojstrtlcn und A. B. v. Schweitzer. Redacrion und Expedition- Berlin, DreSdnerstraße Nr. 85. Abonnements-Preis liir Berlin incl. Bringcrlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich ö Sgr., einzelne Nummern I Sgr.: bei den Königl. preußischen Post- ämtern iS'/a Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichrpreußischen Deutsch- land l8Vwig in Deutschland das �aucn, ico punccnjuiv|iu� Interessen, wo eine ganze Reihe realer Gewalten zu Gunsten einer neuen Idee gebrochen werden müssen, ist nur Eines, was zum Ziele führen kann: der bedingungslose Radicalismus. Den fördere, wer die Volkssache fördern will und er fördere ihn überall und uach allen Rick- tungen hin!— politischer Theii. ©füllt( Äenn Arbeite: dermög »llzuhoi Abe kein Ai besteht, lende griff vo artige sei lfch: her auch immerm beseelt Die immer t beitersta: bvlitische Ivirklichu bauptunz Einne v b>e Bere beiler, d: üialeriell gegen dl beueren Berlin, 25. September. Die D e m o k r a t e n v e r s a m m l u n g in Darm- stadt hat der Presse bereits mehrfach Stoff zu Be- lracktungen gegeben. Wir brauchen nicht z» versichern, daß wir denen, welche den schwierigen Versuch macken. Elemente.W des deutschen Bürgerthums zu planmäßig gemein« fwiesen. samem demokratischem Wirken zu vereinen, unfern bies: da Beifall zollen. Einzelnen Zwar hat die Versammlung in Darmstadl vor- � ein m erst noch zu keinem bestimmten Ergebniß geführt; Verden allein nichtsdestoweniger glauben wir einige Bemer- kungen machen zu sollen— Bemerkungen, die wir um so mehr für am Platze halten, als wir Grund zur Annahme haben, daß man zu Darmstadt eine Fühlung mit der social- democralischen Partei gewünscht hat. Zunächst heben wir mit Freuden hervor, daß nian darüber einig gewesen zu sein scheint, daß für die Demokratie nur dann Aussicht auf einigen Erfolg sein kann, wenn sie sich endgültig von dem unver' besserlichen Gothaerthum und dem ebenso mallherzigeo wie schwachköpfigen Fortschrittlerthum lossagt. Dahingegen müssen wir(mit Rücksicht auf die gedachte Fühlung) über einen andern Punkt unser Staunen, über einen dritten unsere Beunruhig gung aussprechen. Unser Staunen darüber, daß man, wie die Berichte sagen, die sociale Frage in den Bereich der Verhandlungen gezogen, welche in diesem Punkte ohne Ergebniß geblieben sind. Die in Darmstadt versammelt Gewesenen be- abstcktigen offenbar eine möglichste Wiederherstellung und Organisation der Demokratie im alten Sinne, d. h. sie wollen nach besten Kräften für eine Ver- wirklickung volksthümlicher Grundsätze lin politischer Beziehung wirken. Ziehen sie die sociale Frage in ihr Programm, so sind nur zwei Fälle möglich: entweder sie erkennen im Wesentlichen unser Princip als das richüge an; oder aber sie machen das dem unser» entgegen stehende Princip(Bermittelung ist hier unmöglich�' zu dem ihrigen. Was ben rund "leisten ii Die U . liebäi "assalle' „kokett als wollte politisches wer Hau! vn. An, lrbeiterU �beiter in bch dann -emoliren ringen so! "Minen so ber ihnen lad Staat« vnnen kan md diese; avon sollt vo zurück Vs komme Man '°r der üng doi onserv urde, bllische ven von *) Seh: nge in rfraae SS. ■bition, , sowil ile bti �net. rthcilt, scheial äber-l »stztg� , vom z de« « statt, :o« SR«' Verein« nie auf inen le< ung der id rurcb en Ioll> >en Vi- bnllhcik rinj in obbiboj' rofessor Wien, nann>n ct, und Freiherr etat in h W; IN Xü' n Frei' rnistadl, . Frbr- Zeppelin icbzcitiz ver» irein«- stbststän' Herzog ndesvel' inst von ist die l«blirger )r> Ma? Im ersteren Falle würde, da sie sowohl auf dem socialen wie auf dem politischen Gebiete mit uns einig wären, nicht einzusehen sein, warum sie sich nicht einjach unserer Partei anschlössen; im zweiten Falle würden sie dasjenige, was uns v5it ihnen trennt, ausdrücklich in den Vordergrund stellen. Es war also, wie uns däucht, unter allen Um- ständen ungeschickt, die sociale Frage anfs Tapet zu dringen. Wenn eine„Fühlung" hergestellt wer?en sollte, so könnte es offenbar nur auf dem politischen Gebiete, da aber auch in hohem Mauste, sein. Hat uns, wie gesagt, der erwähnte Umstand in Staunen versetzt, so hat ein anderer uns beun- ruhigt. Wir lesen in verschiedenen Blättern: man habe in Tarmstadt beabsichtigt, die Mittel- und Kleinstaaten zu nationaler Haltung anzu- treiben oder dergl. Wir hoffen, ja wir sind bis auf Weiteres(Auf- klärung übrigens wünschend,) überzeugt, daß hier eine der gewöhnlichen Berläumdungen des Fort- schrittlerthums im;ftegrüßten uns in einem Telegramm. Eine Zuschrift Karl blind'« und der Freunde in London erscheint im nach- d-n Blatte. Der Herausgeber eröffnete die Versammlung und d>urde mit Abgeordneten Hosfmann I. aus Darmstadt wd Neergard aus Kiel mit der Leitung des Tages be- lustragt. Wien führte da« Protokoll. Die gegenwärtige Sachlage und die Stellung der Partei zu ihr, die Erörterung der Zielpunkte derselben 'sthrte zu der naheliegenden Frage, ob es zweckmäßig sei, !>n Programm zu erlassen, oder, wie die früheren Versammlungen von Karlsruhe und Eisenach, von einem *) Unter den Erschienene» finden wir in verschiedenen lättern außer den oben Genannten erwähnt: Pros. 'nttkc aus Leipzig, Redacteur Petermann aus Dres- en, Abg. Oesterlen aus Stuttgart, Redacteur Röckel �dd Banquier Hobencmser aus Franksurt a. M. (Anm. d. Red. des„Soc.-Dem.") 1 I solchen abzusehen, da es eigentlich selbstverständlich sei, und leicht Nebenfragen trennen, was die Hauptfrage eint. : Ueberdies ändert sich die Sachiage mit jedem Tage und zwingt eine Partei mit spezialisirtem Programme, es gleich dem Nationalvereine in jeder Generalversammlung zu ändern. Mit einer Stimme Mehrheit wurde ein Programm beschlossen, und damit zwar eine sehr beleh- rende Debatte, welche zu gegenseitiger Verständigung wesentlich beitragen wird, hervorgerufen, aber auch Veto« nung der Punkte, in denen die Meinungen abweichen. Der eine betraf de» von Büchner und Eckardt bean- tragten Satz:„Verbesserung der Lage der arbeitenden und armen Klasse durch sociale Reformen." Wir wollten durch die Aufnahme dieses Zieles der Partei eüte Verschmelzung mit der socialen Demokratie de« deutschen Nordens*) anbahnen und derselben die Gewähr bieten, daß sie nicht zu einseitig politischen Bestrebungen ausgerufen werde.**) Der zweite Punkt betraf die von unseren Freunden in Schwaben beantragte und nament- lich vom Abgeordnete» Oesterlen eingehend bevor- wertete Konföderation der Mittel- und Klein- st aalen gegen die Vergewaltigung der Vormächte, mit einem Parlament uud einer gemeinsamen Regierung dieses engeren Bundes. Wir betrachten die beiden streitigen Fragen als offene und werden sie in diesem Blatte, als einer Sprechballe der Partei, vcrtheidigen wie bekämpfen lassen. Wir selbst baden uns wiederholt dahin ansgc- sprochen, daß der Vorschlag einer solchen Konföderation ein diplomatischer Sebachzug, aber nicht das Programm unserer Partei lein könne; würden die Regierungen sie beginnen, dann träte die Frage an uns heran, ob wir sie unterstützen wollen; eine Partei, welche ei» so hohe? Ziel erreichen will. wie die demokratische, muß da« Bleibende, Ewige und nicht bloS das Heute iu da« Auge fassen. Scheiden wir das Streitigste aus den beiden vorge- legten Programm-Entwürsen aus, so stellt sich die demo- kratische und föderalistische Gesammtanschauung in sol- genden iinbestrittenen Sätzen heraus, und wir laden unsere Gesinnungsgenossen ein, sie provisorisch als unser Programm zu betrachten: „1) Demokratische Grundlage der Berfassung und Ver- waltung der Einzelnstaate»; allgemeine« und di- rektes Wahlrecht; parlamentarische Regierung; Selbstverwaltung des Volkes in den Gemeind- und Bezirks-Verbänden; Ersetzung des stehenden Heeres durch allgemeine Volkswehr; Erziehung des Volkes zu politischer Selbstständigkeit und geistiger Freiheit. 2) Keine preußische, keine österreichische Spitze; föde- rative Verbindung der gesammteti unter sich gleichberechtigten deutschen Staaten(?) und' Stämme, mit einer über den Eiuzeliiregierungen stehendenden BundeSgewali und Nationalvertretung.***) 3) In dem Verkehr mit andern Nationen gegenseitige Anerkennung der Priiicipien der Nationalität und des Selbftbestimmungsrechts, der Freiheit und Gerechtigkeit." Folgende wichtige und mit Stimmeneinhelligkeit ge- faßte Beschlüsse betrafen die eigentliche Tagesordnung und konstituiren die deutsche Volkspartei aus der Grundlage folgender Organisation: 1) Diejenigen, welche zu der gegenwärtigen Versamm- lung einluden, sind als provisorischer Aus- schuß bestellt und mit der Einberufung ähnlicher Zusammenkünfte beaustragt. 2) Sammlung und Organisation der Partei in den einzelne» Staaten. 3) Veranstaltung p er i od i sch er Zusammenkünfte der Parteimitglieder in den einzelnen Ländern, zwi- schen den benachbarten Staaten und der Ge- samm tpartei. 4) Gründung und Unterstützung aller, der Beförde- rung der Bolksintereffen gewidmeten Verbin- düngen, wie Volksvereine, Arbeiter-, Vorschuß-, Turn- und Wehrvereine. 5) Bezeichnung des in Mannheim erscheinenden „Deutschen Wochenblatts" als„Organ der deittschen Volkspartet." 6) Anbahnung von Zusaninien künstelt der Leiter der *) Es giebt keine„sociale Demokratie deS deutschen Nordens", sondern nur eine deutsche Social-Demo- kratie. Wenn wir im Süden noch nicht dieselbe Ver- breitung haben, wie im Norden, so wird sich dies ohne Zweifel bald ändern. Jedenfalls werden wir nicht ruhen und rasten, bis dies durchgesetzt ist, und die Erfolge, welche jüngst die Unseru in Augsburg erreicht haben, lassen uns in dieser Beziehung da« Beste hoffen. (Anm. d. Red. de«„Soc.-Dem.") **) Diese„Gewähr" brauchen wir nicht. Wir trage» jede erforderliche Gewähr in un« selbst. (Anm. d. Red. des„Soc.-Dem.") ***) Diese Föderation wäre zwar nicht unsere Sache, aber es liegt kein Grund vor, jetzt hierüber hin uud her zu streiten.(Anm. d. Red. d.„Soc.-Dem.") Parteiblätter zum Zwecke eine« übereinstimmenden Vorgehens. Endlich wurde auf den Antrag Nürnberg'« be ' schloffen: „Es möchte durch Volksversammlungen und hie Presse den Mitgliedern des am I. Oktober zusaiiimentretenden Abgeordnetentags der Volks wünsch zu erkennen gegeben werden, daß die schleswig-holstein'sche Frage nicht gesondert, son- dern im Zusamntenhangc init der von ihr untrennbaren deutschen Frage bebandelt werde." Es ist in Privatkreisen der Wunsch geäußert worden, daß die nächste Versammlung in Nürnberg stattfinde, und durch die Vereine und die Presse einer endgültigen Fest- � stellung des Programm«, wenn ein solche« wirklich belieben solle, vorgearbeitet werde. Der bestellte Ausschuß darf der Unterstützung der Freunde in Nürnberg wohl gewiß sein und wird sich freuen, Hand in Hand mit ihnen am Werke fortzufahren. Auf Grund der Beschlüsse fordern wir nach der jetzt erfolgten Begründung der deittschen Volk«- Partei die GesinniingSzenossen auf: l) nn« ihren Beitritt anzuzeigen und ihre Unter- stützung zu Theil werden zu lassen.— 2) sich in ihren Ländern zu sammeln, wozu wir mit Rath lind Thai mitzuwirken bereit sind, 3) da«„Den t sche W ochenbl a 1 1" in de» weitesten Kreisen zu verbreiten, zu unterstützen und z» dem zu machen, was es im Sinne des'Beschlusses der Versammlung sein soll: ein geistiger Mittel- Punkt der deutschen BolkSpartei. Im Ganzen sinden wir, nach Lesung dieses Be- richts, unserm obigen Artikel nichts zuzusetzen.— Deutschland. * Berlin, 24. Sept. jsZur schleswig-hol- steinischen Angelegenhe itj laufen immer mehr Berichte ein, welche beweisen, mit welchem Unwillen im deutschen Volke das Gasteiner Uebereinkommen aufgenommen wurde. So beschloß z. B. in D arm- stadt am 22. d. M. das dortige Comite des Schleswig-Holstein-Vereins an den Präsidenlen der SechSunddreistiger in Frankfurt ein Schreiben zu richten, in welchem die Gastciner Uederein- kunft als ein das deutsche Volk beunnihigender und cnipörender Act bezeickniet wird, durch welchen das Recht der freien Seldstbesiimmung der Bölter be- droht sei. Ferner wird in dem fraglichen Schrei- den die Versammlung dentscher Abgeordnelen zu Franksurt a. M. in der Hoffnung degrüßt, durch dieselbe den Geist des deutschen Volkes neu belebt zu sehen, und der Wunsch ausgesprochen, daß diese Gesinnung zur Kenntniß der Beriammlung gelange. — Am gleichen Tage fand in München eine von mehr als 2000 Bürgern besuchte Urwähler- Ver- sammlung statt, in welcher mehrere Resolutionen unter Verzichtleistung auf eine specielle Debatte über die einzelnen Sätze angenommen wurden. Diese Re- solutionen erklären, daß das Selbstbestimmungsrecht der Schleswig-Holsteiner durch di- Gasteiner Ueber- einkunst verletzt, und daher jeder Widerstand gegen die Durchführung derselben eine berechtigte Roth- wehr sei, tadeln die bisherige Haltung der Regie- rungen der Mittel- und Kleinstaaten, sprechen ferner | die absolute Unfähigkeit deS deutschen Bundes zur Leitung der Geschicke des deutschen Volkes und die Roihwendigkeit der Schaffung eines deutschen Parlamentes aus. In Erlangen beschloß die Versamm- lung des dortigen Schleswig-Holstetnischen Vereins vom 21. d. M. eine längere Adreffc an das Volk von Schleswig-Holstein, in welcher, nach einer Verurtheilung der von den Regierungen der deutschen Großmächte befolgten Politik, die Schleswig-Hol- sleiner der thatkräftigen Unterstützung des Vereins und seiner Bereitwilligkeit, die schwersten Lasten mit ihnen theilen zu wollen, neuerdings versichert werden. In Nürnberg wurde in der am glei- chen Tage stattgefundenen Sitzung des dortigen Volksvereins folgende Resolution angenommen: „Es möge den Mitgliedern, namentlich den bayeri- schen, des am 1. Oct. in Frankfurt zusammentre- tenden Abgeordnetentages der Volkswunsch initge- geben werden: die Schleswig-Holstein-Frage nicht ge- trennt und einseitig, sondern nur im Zusammen- hang mit der von ihr untrennbaren deutschen Frage zu behandeln." — sDen bevorstehenden Abgeordnelentag betreffend� wird aus Kassel, 24. Sept. be- richtet, daß zehn bei dem Landtags-Präsidcnden Rebelthau gestern Abend versammelte Landtags-