Rr. IS*. Berlin, Mittwoch den 27. September »8«S. �otlnUlemoltrat. Jiicfe Acining«'«teint täglich mii Änsitahme der Ldtiü- und Fektioge. Organ des Allgemeinen deutschen Arbeitcr-Bereins. Redigin von I.?. v. Hosfirttoa und I. B. v. Schweitzer. Redacticn und Expedition: Berlin, Dresdncrstraße Nr. 85. Abonnements- Preis lllr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., monatlich ti Sgl., einzelne Nummern 1 Sgr.! del den Königl. preußischen Postämtern 22>/2 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußilchen Teutschland I8�/< Sgr., im übrigen Deutschland I Thlr. jfl. I. 45. südd., fl. 1. 5(t. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« aus allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrcnstr. l, somit auch unentgeltlich von jedem„rolhen Dienstmann" entgegen genomnien. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter- Annoncen mit I Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. berechnet. Agentur sür England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: Mr. Bender, 8. Linie New-Port- Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Franlreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Kue Bmlee; Paris. 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. An die Arbeiter unserer Partei. Dcis Parlciorzan irirr. wie bisher sc> auch in Zukunft, in uncrmüolichim Kampfe die Sache der politischen und socialen Freibeit, insbesondere die Interessen der Arbeiler stegen die staatliche Reaction und gegen die Capitalmacht schonungS- loS vertreten. MSgen die Arbeiter unserer Partei bedenken, daß es eine Ehrenpflicht für sie ist, mit allen Kräften für die Verbreitung des Parteiorgans zu wirken. Wir fordern sie daher auf, bei Gelegenheit des OuartalSwechfelS in diesem Sinne thätig zn sein. politischer Theit. Deutschland. * Berlin, 26. Sept.[Die russische Note in Betreff de« Gasteiner Vertrages� scheint doch zu existiren. Wenigsten« liest man in der „France" vom 24. d.: „Das Rundschreiben des Fürsten Gvrlschakofs über die Easteiner Convention ist, nach den Mitthcilungen der(Franksurter) Europe, weniger accenluirl als da« des Earl Russell und da« des Herrn Drouyn de Lhuys. Die russische Regierung hat, wegen ihrer Politik gegen Polen, alle Ursache zur Zurüekbaltnng. Der Minister de« Czaaren beschränkt sich darauk, zu erklären, daß sein Herrscher mit Bedauern ans eine Convention sehe, die so die Verträge verletze, und daß dieselbe eine nnbeilverküudende Thatsache sei. welche Verwicklungen nach sich ziehen könne, denen Preußen und Lestercich vorzubeugen vielleicht außer Stande sein dürsten. Das wä:e der wesentliche Inhalt des russichen Schriftstücks." Daß die Note nicht in dem Tone der fianzösi- schon und englischen gehalten sein kann, geht schon auS den(in Nr. 151) mitgetheilten Aeußerungen de«„Journal de Saint Peierbourg" hervor. —[Aus den Hcrzogthiiinerns erfährt man nach einer officiellen Mittheilung auS Kiel daß der Statthalter v. Gablenz die Redacteure der holstein'scken Zeitungen zur Einsendung eines Censur- Exemplars an die Behörde verpflich- tet hat. —[Der Herzog von Lauenburg.) Aus dem officiellen Programm für die Feierlichkeiten, welche zu Ehren deS Herzogs(zugleich König« von Preußen) i» Ratzeburg veranstaltet werden, gehl hervor, daß die„Erdduldigung" deS Landes durch die lauenburgische Land- und Ritterschaft am Dienstag stattfinden wirb. Der lübccker Senat entsendet den Senator CurtiuS zur Begrüßung des Herzogs nach Rayeburg, nachdem auf die des-. fallsige Anfrage eine„freundliche, zustimmende Ant- wort" in Lübeck eingetroffen war. Nachstehendes Telegramm auS Rayeburg, Dienstag, 26. Sept., Bormitttags, läuft in dieser Sache ein: Ter König, der in Begleitung de« Kronprinzen, des Grasen v. Bismarck und eine« zahlreichen Gefolge« bereits in Bllchen aus dem glänzend dekorirlen Bahn- hose von einer Deputation der Ritterschaft empfangen war, traf hier gestern gegen Abend ein und wurde auf dem prachtvoll mit preußischen Fahnen ausgestatteten Bahnhofe von den Spitzen der bandesbehörden unter dem Jubel de« zahlreich zusammengeströmten Volkes begrüßt. Die Stadl ist auf das Prächtigste geschmückt; Abends fand eine von dem schönsten Weller begünstigte Illumination stall. —[Zum May'schen Fall) wird auS Per- leberg, Dienstag 26. Sept., Morgen« telegraphirt: Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch den Berliner Oberstaatsanwalt Adlung, welcher die Angelegenheit persönlich, mit Umgehung des hiesigen StaalSanwalt« betreibt, hat nunmehr gestern die Anklage gegen den Redakteur May definitiv erhoben und eingeleitet. Die Anklage lauter auf Verletzung der Ehrfurcht gegen den König(§. 75 St.-G. B.l und sin dkl die Ver- letzung in einem Artikel der„SchleSwig-Holsteinschen Zeitung." Zur mündlichen Verhandlung ist Termin aus den 6. Oktober anberaumt worden. May wird höchst rücksichtsvoll behandelt. Es wurden ihm die Selbstver- psiezung, sowie Licht Cigarren. Leclüre, Zeitungen jedoch ausgenommen, bewilligt. —[Königliche Ansichten.) Wir haben vor etlichen Tagen ein Bruchstück aus der Rede gebracht, welche an den König von Preußen der Ge- neral v. Sckiack über den Geist hielt, der in der preußischen Armee herrsche und herrschen.müsse. Der König bat nunniehr erklärt:„daß, waS der General in dieser Beziehung gesagt habe, allerdings � erforderlich fei, damit der Souveraiu eine tüch- lige und risciplinirtc Armee habe", somit die An- sichten des Generals ausdrücklich gebilligt. [Wieder eine merkwürdige Confis- cation[ hat stallgefunden. Die conserrative„Ost- preuß. Ztg." war bekanntlich wegen eines Auszugs auS der Rufiel'i'chen Note confiScirt worden. Hierüber beschwerte sich das conservative Blatt bitterlichst in einem eigenen Artikel mit der Heber- schrisl:„ A u ch einmal oppositionell." Dieser Artikel, in welchem über Polizeiwirthschafl geklagt war, führte zu einer neuen ConfiScaticn, dies- mal durch die Staatsanwaltschaft. Polizei oder Staatsanwaltschaft— StaatSanwalischafr oder Polizei— es kommt so genau nicht darauf an! -[Zum berühmten HülSmann'schen Er- laß) bemerkt selbst die„Kreuz-Ztg.":„Es ist uns doch unerfindlich, wie diese Verfügung rechtlich de- gründet werden könnte." —[Die Schwarzen in Baden) haben de- kanntliw seiner Zeit ungeheuer in die Lärmtrom- petc gestoßen wegen all' der Verbrechen, welche bei der Sprengung ihres Wandercasinv'S in Mannheim begangen worden sein sollten. Dieser Lärm erhält jetzt durch das Urtheil deS KreisgcrichtS zu Man nheim„eine eigenthümlichc Illustration. Einer der wegen jener Vorfälle An- geklagten ist zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt, die Andern sind freigesprochen. ES scheint also nicht so arg gewesen zu sein. —(Die Todten verlassen ihre Gräber.) Wenigstens finde» wlr in der„Franks. Postztg." nachstehenden Bericht aus Frankfurt a. M., vom 24. d.: Heule fand im Enzlischen Hofe eine Sitzung des Ausschusses des deiitscben Resormverein« statt, an welcher sast alle Mitglieder theilnahmen. Das Re- iultat war eine Ansprache an die Mitglieder deS Verein« (s. unten), welche das Reckt SckleSwig-Holstein« auf volle Selbstständigkeit und Unabhängigkeit, auf seinen le< gitimcn Herzog Friedrich VUL und auf die Geltung der schleswig-holsteinischen Landesvertretung betoni und turch die sämmtliche deutsche Presse Verbreitung finden soll. (Der Ausschuß besteht bekanntlich aus den Herren De. Atam in Ulm, Dr. BärenS in Hannover, Stabischuliheiß Bayrhammer in Ellwangen, Professor Dr. Briuz in Prag, O. v. Dahmen in Karlsruhe, Frhr. v. Dobblhos- Dirr in Weckcrsdors bei Baden(Oesterreich), Professor Dr. Ebel in Würzburg, Dr. Julius Fröbel in Wien, F. I. Fromm«« in Jena, Geh. Rath Dr. Geldniann in Darmstadt, Dr. Großmann, Obergerichlsprocnrator, und Dr. Heydenreich, Medicinalrath, in Wiesbaden, Freih«)� v. Lerchenfeld in Bamberg, Dr. Pclschke Advokat in Leipzig, Professor Dr. Pözl in München, Laudrath Frhr. v. Rössing in Hannover, Professor Dr. Schöffle in Tü- dingen, Dr. v. Wänker, Obergerichts-Atvokat in Frei- bürg jBaden), A. Wiener, Hanoeksconsul in Tarmstadi, Dr. Witte, Obergerichts-Dircctor in Hannover, Frbr- v. Zebmen auf Stauchitz(Sachsen), Fr. Gras v. Zeppelin zu Aschhausen(Württemberg.) Die beschlossene Ansprache, welche gleichzeitig mit diesem Bericht von der„Franks. Postztg." ver« öffeutlicht wird, lautet: A»die Mitglieder de« deutsche n Res or m verein«- Da« Recht Sckleswig-Holsteins aus volle Selbststän- digkeit und Unabhängigkeil, am seinen legitimen Herzog Friedrich VIII. und ans die Geltung seiner LandeSver- lretiing wird neuerdings durch die Nebereinkuuft von Gastciu aufs schwerste beeinträchtigt. Ueberdie« ist die Rechtssicherheit und die Freiheit deutscher Staatsbürger durch die Berhaftnug und Gesangenhaltung de» Dr. Mab in empörender Weise verletzt. Die Bestrebungen de« Reformvereiiis, welcher die Um- bildung de« deutlche» Bundes ans legalem Wege sich zur Aufgabe gestellt bat, sind gelähmt, so lange Fürsten- und Bolksrecht in eirem deutschen Lande von deutschen Re- gicrungen selbst, in solcher Weise hintangesetzt und ge- beugt wird. AuS diesem Grunde glaubt der Ausschuß im Sinne sämmtlicher VereinSmitglieder zu handeln, wenn er heute beschlossen hat, von einer General- Versammlung de« Vereins bis weiter abzusehen. Frankfurt a. M., den 24. Sept. 1865. Der Ausschuß de« deutschen Reformverein«- Es ist trostlos, daß dieser„großdeutschc Reform- Verein" den politischen Schauplatz durchaus niss4 verlassen will und immer wieder zum Lorscheid kommt. Mit Augiislcndurgerei(„legitimem Fürstem erbrecht"!!) und Bundeöwirlhichast wollen diel/ Schlafmützen gegen die Politik zweier großen litärstaaten aufkemmen! Mit einem Hirngespumst und einem Leichnam gegen Bajonette! Und gar noch' i9, pcditioi� I, sowi' �eil« bti djiitt- iezenhcil , nach Spitze itt, ist Uschlag .elheilt. indunz iringen je ver« rcinbar st nicht zei an« n. So Srefou« e» Aei« Orlen VK senden ieuerai' n öfter« schwarz« Iche die igle ist- c>i ßische freilich, > Lauells halten bel ierhüllnisst in Ihr-' j erwartet isch danach Berlrane» au« dene« mich uil° ck für d' ig, dast d't en in da» tauft, daß der deutsche Bnnd soll„auf legalem Weg um« jUbildet werden/« Ein Leichnam umgebildet! ist um bisniarkisch zu werden! — sEin offenbar böswilliger Denk- fehlers begegnet uns in einem Theile der süddeul- schen Presse.' Aei Bestechung der Zukittistsgeslal- tung Deutschlands wird nämlich der Gegensatz vcn ..Einheitsstaat� und„Föderalivrepoblit" ausgestellt. Dies soll die niederträchtige Aussassung verbreiten, als ob der deutsche Einhettsstaal nothwenltig mo- ncrrchisch, die deutsche Nepubiikinothwendig fö- derativ sein müsse. Wo bleibt da die Eine un- theilbare, die centralisirte Social-Repnblik? Obwohl wir eS für vorerst müßig hallen, über diese Dinge zn streiten, so mußten, wir doch im Interesse der Logik unsere Bemerkung machen. * Wien, 23. Sept. sZur großen Staats- consuiion.j Ans einige Fragen, welche das Manifest und Patent hervorruft, wird in den Inspirationen des Preßbureaus, wie ein Corrcspon- deut der„N. F. P." berichtet, folgende Antwort gegeben: 1) Der Reichsrath ist nicht aufgelöst. 2) Die Landtage werden die staatsrechtliche Frage mit ihrem blos consultativen Votum nicht zu ent- scheiden haben. Wohl aber wird das Resultat der Verhandlungen mit Ungarn und Croatien dem zu diesem Zwecke einzuberufenden Reichsrath vorgelegt werden" 3) Die fictive Unterscheidung zwischen engerem und weiteren Reichsrath ist zu Ende. An die Stelle des Letzteren soll eine wirkliche Central- Vertretung zur Behandlung der gemeinsamen An- Kelezenheiten treten. Die Definirung der gemein- lawen Angelegenheiten— da« ist das Wichtigste «nd Entscheidende. 4) Scheitert die Verhandlung Mit Ungarn, so bleibt den westlichen Kronländern ihre Verfassung gesichert. 5) Die Controls-Co in- Mission für die Staatsschuld, aus einem bescn- deren Gesetze fußend, wird nicht aufgehoben. 6) An die Constitmrnng eines Venctiani schen Landtags wird vorläufig gar nicht gedacht. Das fertig sie- gende Statut wird einer durchgreifenden Revision unterzogen, aber daö ist Sache der Zukunft. Es ist„die letzte der staatsrechtlichen Fragen, die Graf Belcredi in Angriff zu nehmen gedenkt." — 25. Sept.[Neu est es. Die„General- kvrrespondenz" vernimmt aus sicherer Quelle, daß die von verschiedenen Blättern gebrachten Mit- Teilungen über den angeblich an die kaiserliche Regierung gerichteten Vorschlag der preußischen Regierung zu einer gemeinschaftlichen Entgegnung ' die Rundschreiben, welche jüngst, anläßlich der gasteiner Konvention, von Frankreich und England an ihre diplomatischen Vertreter„ergangen sein sollen"[!!), jeder Begründung ermangeln. Die„Gene- ralkorrespondenz" erklärt, daß weder die französische noch die britische Regierung, sei es im anitlichien oder außeramtlichen Wege, irgend welche Eröffnung im Sinne der erwähnten Rundschreiben an das kaiserliche Kadinit haben gelangen lassen, daß»cht- hin auch für letzteres kein Anlaß zu Gkgenbemer- knngen vorliege.— Kem Anlaß zu Gegenbemerkungen? Man wird sich vergeblich abmühen, die Leute glauben zu machen, daß dies die Haltung von Groß- mächten sei, die sich wirklich als solche fühlen. Die Frage liegt dock zu nahe, ob Frankreich und Eng- land eine solche Sprache von Oesterreich und Päenßen geduldet haben würden. Aber freilich— man fühlt, daß man in dieser Sache wie die auswärtigen Re- gierungen so auch das eigene Volk gegen sich hat; man weiß ferner, daß man auf einem Vulkan steht; daher vermuthlich die Bescheidenheit. Ausland. * Paris, 24. Sept.[Tagesbericht.� Der „Coustitutioiinel" bringt heute richtig den ange- kündigten Artikel des Herrn P. Limayrac über die Maßregeln, welche die englische Regierung in Dublin gegen die Fenier in Anwendung zu brin- gen für nölbig gesunden hat. Das, was den offi- ciösen Publicisten am meisten interessirt, ist, daß, wie er behauptet, gegen das dnbliner Blatt„Jrish People" eine„militärische Exekution«« verfügt wurde und daß kein englisches Blatt gegen diesen Eingriff in die allgemeine Preßfreiheit Protest erhebt. Und waS will Herr Limayrac durch Hervorhebung dieser Thatsache beweisen? Er sagt:„Sicherlich suchen wir nicht die kindische Genugthunng, ein großes Volk im Widerspruch mit sich selbst zn finden. Aber wir sagen, daß dieselben Uebel dieselben Heilmittel erfordern: daß dieselben Ursachen auch dieselben Wirkungen zur Folge haben; daß, wenn eine vor- übergehende Agitation eine außerordentliche Strenge gegen die Blätter von Irland rechtfertigt, die ab- solute Befreiung der Presse bei uns, wo die Agi- tation permanent ist, wo tagtäglich selbst die Grund- lagen der Verfassung versteckt vom revolutionären Geiste unterwühlt und von der eifrigen Coalition der Parteien bedroht werden, nickt möglich ist.«« Vortreffliche Logik! Weil die englische Regierung mit ihrem hockkirchlich-aristokratischen Despotismus in Irland auf den Unwillen des Volkes stößt und darum zu Gewaltmaßregeln greifen muß, darum soll die Gewaltherrschaft des zweiten DecemberS gerechtfertigt sein!— Die Unterhandlungen über einen Handelsvertrag zwischen Oesterreich und Frankreich waren bekanntlich abgebrochen worden. Es wird behauptet, daß man in neuester Zeit die- selbe», aufgenommen habe iu. der Hoffnung,, bald zu emeo».sichereren Erg,bniHe'zimgelangen, als-beim ersten Versuäw.— Em« Correspondenz aus Tonlon im Meffariende Montpellier iweldet, daß in der ersterew' Stadt der Brsehl eingetroffen ist, alle ge- pawzerten Batterien, welche in dem dortigen Hafen seit dem italienischen Kriege abgetakelt liegen, auszurüsten. Man hatte zuerst geglaubt, daß diese Batterieen eme Demonstration gegen Tunis machen sollten. Da. aber ein einziger Aviso dazu hinreichen würde, so glaubt man, daß ernstlichere Beweg- gründe vorliegen, welche dieie Maßregel veranlaßt haben.— Nach der Rückkehr des Hofes aus Biarritz wird derselbe nur eine Wocke in St. Cloud verweilen, und sich dann nach Compiegne begeben. — 25. Sept.[Neuestes.] Bei der heutigen Wahl im Oise-Departement wurde der Regierungs- kanbidat Barillon, früheres Mitglied der Confti- tuante und ehenialiger Kommistar der provisorischen Regierung im Oise-Departement, mit 17,243 Stim- men von 27,348 zum Deputirlcn für den gesetz- gebenden Körper gewählt. * London, 23. Sept.[Die Fenier.] Es unterliegt keinem Zweifel, daß die fenische Bewe- gung bedeutender ist, als die englische Presse sie hinstellen wollte. Wieder wurden zwei Sergeanten der Armee, als bei der Bewegung betheiligt, ver- haftet. Der„Cork Examiner" spricht von der Un- zufriedenheit der Truppen überhaupt und meint, daß man neuen Verhaftungen in den Regimentern entgegensehe. Die„Constitution von Cork«« theilt mit, baß eine große Anzahl Soldaten, die als Fe- nier verdächtig wären, Überwacht würden. Aber auch unter den Beamten scheint es Parteigänger der fenischen Bewegung zu geben. In Dublin fand bei einer Magistratsperson, dem Herrn Shes, eine Haussuchung statt. Man suckle nach einer Waffenniederlage daselbst, entdeckte aber nichts. Es bestätigt sich auch, daß der Fenismus die Polizei- behörden angesteckt hat, und von England mußten neue Polizeibeamte nach Irland geschickt werden. Die Verzweigung der Gesellschaft reickk, wie wir bereits bemerkten, bis in mehrere englische Städte, und eS wurden in Salford, in Manchester, in Sheffield und in Liverpool Verhaftungen vorge- nommen. Außerdem scheint die materielle Hülfe- Feuilleton. Michel Langmutst, der Schuhmacher. Eine Arb eitergescki chte von I D v. H-fstette». II. Kapitel.(Schluß.) Da Hugo sah, daß mit Barnch wirklich nichts biehr zu machen sei, er auch keine Zeit mehr ver- Zieren durfte und die vollen 1000 Tbaler durchaus Wben mußte, so verkaufte er dem Juden den gan- !en Schmuck für 1500 Thaler, worauf es der Hebräer vom ersten Augenblick an abgesehen hatte. �afür aber zahlte er ihn auch sogleich und im � sisten Gelde, zuni größten Theil jedoch in Gold Vorfahrt das er ihm für voll anrechnete, obwohl es i, jetzt flO«"*0 ziemlich nieder stand. idig ersw Zwar mit schuldbeladenem Gewissen aber dennoch nd Bnsi'j, Jtit seinen bisherigen Operationen zufrieden und n de< �sonders darüber erfreut, die Tortur mit dem bock- Möge die� Ewigen Inden hinter sich zu haben, verließ er �sssen Stube und trat auf den finstern Gang hin- esehen vv" �"s, wo ihm Abigail, die in demselben Augenblicke lcit eingk« �»s der Nebenstube kam, auf die Schwerhörigkeit der ihixg Baters sündigend, noch einmal ein zärtliches ■t wordey' erdings � zu Pres« des preU' iweise d»] rfall ¥ Aus Wiederschen!«« zuflüsterte. Dann schritt er , m.y*'•'igst der Stadt zn und setzte sich in die nächste geführt � begegnende Droschke, um so schnell als möglich iUr Polizei zu kommen. . Dort angelangt erzählte er, als von seiner Taute �uit beauftragt, dem diensthabenden Beamten nur den Hergang des Borfalls nach seinen Haupt Momenten schildernd: daß Michel vor ihm bei der! Commerzienräthin gewesen sei und diese demselben ihren Sckmuck gezeigt habe, von welchem er dann beim Fortgehen ein Kreuzchen von Perlen ans der Straße gefunden, das er sogleich seiner Tante ge- bracht habe, wodurch diese erst auf das Fehlen des ganzen Gegenstandes aufmerksam geworden und nun. ra außer ihm Niemand gekommen oder ge- gangen, auch sonst Niemand im Hause gegenwär- tig gewesen sei, nickt anders als in Michel den Thäter vermnthen könne. Bon dem Beamten zu einer Beschreibung des Schmuckes aufgefordert, gab er an, denselben nie- mals genauer gesehen zu haben und daher eine solche nickt machen zu können. Nachdem hieraus diese Aussagen zu Protokoll genommen waren und der Beamte erklärt hatte, unverzüglich alles Nöthige und besonders eine Haussuchung bei Michel anordnen zu wollen, ent- kernte sich Hugo und begab sich wieder zu seiner Tante zurück, um sie von dem Erfolg seiner Schritte zu benachrichtigen. Obwohl er dahin in der mitgebrachten Droschke und mit möglichster Schnelligkeit gefahren war, kam doch, fast gleichzeitig mit ihm, ein Polizei« Beamter dort an, der ihm, ohne daß er es bemerkt hatte, nachgefahren war. Dieser verlangte sogleich die Commerzienräthin allein zu sprechen und ließ sich von ihr die näheren Umstände ausführlich mittheilen. Hugo wartete unterdessen in einem Nebenzimmer, nickt ohne Herzklopfen, weil er fürchtete, daß seine i Tante die Geschichte von den verlornen 1000 Thlr.! erzählen und dieselbe den Criminalisten auf eine andere Fährte bringen möchte. Seine Furcht war jedoch grundlos gewesen. Seine Tante verschwieg diesen Umstand, theils weil sie wirklich nicht den leisesten Verdacht gegen ihn hegte und sich sagte, daß jene Geschichte bei dem Beamten einen derartigen Verdacht erregen könnte, theils um nicht die Sckäbigkeit ihres Be- nehmens selber an's Licht ziehen zu müssen. So stimmten denn ihre Angaben genau mit denen Hngo's überein, der sehr erfreut war, als sie ihm, nach dem Weggehen des Criminalpoli- zisten, einen genauen Bericht darüber erstattete. Ein sehr heikliger Punkt— den sie nicht ganz Übergehen zu können glaubte, da er bei den späte- ren Verhandlungen wahrscheinlich zum Vorschein kommen würde— war ihr schmähliches Benehmen mit dem so unschuldigen Michel. Doch half ihr ihre Dreistigkeit und Lügenge- wandtheit auch über diese Klippe hinweg. Sie behauptete nämlich, der junge Mensch, dem sie immer eine mütterliche Freundin gewesen sei, habe, ihre Cordialität für Zärtlichkeit nehmend, sich unanständig gegen sie benehmen wollen, dann aber, als sie ihn mit Indignation in seine Schranken verwiesen, die Sacke so gedreht, als ob er ihre Gefühle nicht erwidern könne, weil er Martha's Bräutigam sei. Bi« hieher also war für den jungen Verörecher Alles vortrefflich gegangen. Da Martha noch immer nicht zurückgekehrt war, jedoch nun jeden Augenblick erscheinen konnte und er gerade jetzt nicht mit ihr zusammentreffen wollte, — er hatte Angst sich ihr gegenüber zu verralhen