Nr. 156. Berlin, Freitag den 29. September 1865. ruc e ist i: -leiiiohrnt. Diese Zeitung erfifcemt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festläge. Organ dcs Allgemeinen deutschen Arbeiter-Bercins. ��»� �0»- Dresdnerstraße Nr. 85. Redigirt von I. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Abonnement?-Preis titr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., ino- natlich t> Sgr., einzelne Nummern I Sgr.: dei den Königl. preußischen Post- ämtern 22�/, Sgr., bei den prenßisiten Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- land IP�/.Sgr., im übrigen Deutschland I Thlr. jfl. l. 4b. südd., st. l. 50. österr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt» auf allen Postämtern, in Berlin auf der ExpeditioNl von jenem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrenstr. I, sowii mich»nentgelilich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit l Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. verechnet. j .- I ehlerj scheu Pß tung De, »Einheit Dies sol als ob i n«pris d e r a i i v theilba Obwohl diese Dir Jnleresse c o n f u s M a nif Inspirol beut der gegeben: Z) Die? Mit ihre! Agentur für England, die Cclonieen und die überseeischen Länder: blr. öeoüor, 8. l.ittls k1ev-?ort-8tre«t, I.eieester-8guaro W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rue Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. scheiden h Lerhandli diesem Zn :ept. Berlin, 28. Herr Lüdemann hat auch die gestrige Nummer(155) iilisereS BlaP tes confiöcirt. Zugleict' wurde auf der Post auch die nickt coufiscirte zweite Auflage der Nummer 154 abgeholt. Hierüber machten wir in der heute Morgen ausgegebenen„Berliner Reform" Folgendes bekannt: Zur Nachricht. Außer der confiScirten heutigen Nuiiimcr(155) unseres Blattes wurde von der Polizei heute Abend um t» Uhr auch die nicht confiscirte zweite Auflage der gestrigen Nummer(154) auf der Post abgeholt. I?obald wir dies in Er- ftlhrung gebracht hatten, wollten wir über dir- scn dringlichen Fall bei dem Geheimen Rath Hrn. Lüdemann, der auch die heutige Eon- fiscation verfügt hat, Beschwerde führen. Es wurde uns jedoch an Ort und Stelle erklärt, der Hr. Geheime Rath sei ausgegangen. Wir be- gaben uns daher(einige Minuten vor 7 Uhr) zum Zweikc der Beschwcrdrführung zum Lee- torcn-Kabinrt; allein dir im Vorzimmer befind- lichc Schutzmannschaft erklärte, das Lertoren Kabinct sei geschlossen, die Herren seien„fort- gegangen". Die zweite Auflage der Nr. 154 unseres Blattes liegt also, ohne confiscirt zu sei», bei der Polizei fest. Dies zur Nachricht für unsere auswärtigen Abonnenten und das gcsammte Publikum. Die Rcdaetion des„Social-Demokrat". Heute Morgen»un begaben wir uns erneut zu Herrn LLdemann standen, da Herr Lüdemann zweimal nicht zu Regierung begeifert, heifit es heu'e bei Gelegenh«! treffe» und das Lectorencabinet zu nichts ermäch--! der schleswig-holsteinischen Frage: tigt, kurz jede wirksame Beschwerde in diesem eiligen Falle unmöglich war, haben wir die fragliche Nummer in dritter Auflage auSge- geben. Dieselbe ist bereits zur Post geliefert, Die confiscirte Nummer 155 wird in zweiter (veränderter) Auflage noch heute zur Post gegeben; für unsere hiesigen Abonnenten wird die- selbe der morgigen Nummer beigelegt.— An unsere Leser. Bei der Zeitversäumnifi und der Mühe, welche uns fortwährend durch die Maßregeln der Berliner Polizei erwachsen, bitten wir in Betreff der Nedaction bis auf Weiteres um einige Nachsicht. Polizeiwirthschaft, werden. engerem r die Stelle »erlretung gelcgenheii lanien An Und Entsch uiit Ungi >hre Ber/aj Ui i s s i o n deren Gese die Constit wird vorlc Sende Sla Unterzogen K..die lez Belcredi ir �rrespondi die von r Heilungen «egicrung "egierung uns die Ri _ Michel vorhanden ist und wie ein Minister eine nach- Es wurde uns stdöch'�rucksvolle, fast feierliche, öffentliche Verheißung wiederum erklärt, Herr Lüdemann sei ausge- verwirklicht hat, so werden wir demnächst, selbst. gangen und es kehre derselbe schwerlich vor Ablauf verständlich rein sachlich, erörtern: — so erklärte bald noch seinem Amtsantritt der Herr Minister des Innern, Graf Eulenburg — Polizeiwirthschaft wird niemals in Preu- fien Platz greifen, so lange wir am Ruder sitzen. Da der Herr Minister für nöthig hielt, � sEine Rede des Herzogs von Lauen' die« ausdrücklich zu versprechen, so gab er da- burgj, zugleich Königs von Preußen, gehalten b« mit zu verstehen, daß eine Polizeiwirth- Gelegenheit der„Erbhuldigung", lautet: schaft in Preußen allerdings sehr wohl denk- 3ch freue mich, nachdem ungewöhnliche Berhäkinissl hgr sei NN« zusammengeführt, mich zum erstenmale in Ihre' -TN,.'-s„„„„iAf Kovf.«.»., f„;„»,„„ Mitte zu befinden und zwar früher, als ich es erwarte», � a es nun nicht verboten sein kann, konnte, seit dem Ihre Vertreter nur den Wunsch danali�Uehr zu m zu untersuchen, ob elwas Denkbares wirklich ausgesprochen hatten. Ich komme mit vollem Vertraue»»eren durfl Ihnen entgegen, und freue mich der Worte, au« den'» ciben muß ich vernommen, daß auch Sic Vertrauen in mich ui� ti, jgrf,,,,, meine Regierung setzen I Da» verspricht Glück für w'».h- Zukunft und es ist mir eine gute Vorbedeutuug, daß d»),. Bereinigung Ihre« schönen Landes mit Preußen in Da Hii einer Stunde zurück. Da wir mehr zu thun hatten, als eine Stunde auf Herrn Lübemann zu warten, so begaben wir uns auf das Lectoren- Cabinet, um zu sehen, ob denn nirgends in eiligen Fällen eine Beschwerde anzubringen sei. Im Lectorencabinet trafen jwir Hrn. Sch neider, auf dessen Antrag Herr Lüdemann die letzten Confiscationen vorgenommen zu haben scheint. Herr Schneider erklärte Anfangs die Angabe,! daß die Polizei auch die nicht confiscirte zweite Auflage der Nr. 154 von der Post ab geholt habe, für unwahr. Allein eine deßfalsige Nachforschung ergab sofort, daß die Abholung allerdings stattgefunden hat. Auf unsre Anfrage, ob man uns unser Eigenthum sofort zurückgeben werde, wurde erklärt,„dazu sei man nicht ermächtigtl" Unter solchen Um- »für ab, ''-------- r----- I---'•v-7/-OVVVV(VVViTTJ» VMtlVtV«tili. Iii I.-'. r.'.. 1) Was man unter Polizeiwirthschaft selbe Jahr fällt, wo vier Provinzen mir gedankl, di>« llen Well zu verstehen habe' � Verheißungen, welche ueine glorreichen Vorfahrt» WS, das Oh xi« i�nc" öur Zeit ihrer Vereinigung mit unserem, jetzt �en zicnili 2] dtt preußischen Zui.ande, insleiondeic meinschaftlichen Vaterlwnde gegeben, so vollständig erfit� In...„ die Zustande in der preußischen Haupt worden sind. Die Blüthe, Wohlhabenheit und Zufrü' ,j,,. stadt, unter den Begriff von Polizei- denheit dieser vier Provinzen läßt mich mit NM so grij- � wirtbschaft fallen oder nickt ßerer Zuversich» zu Ihnen kommen, als ich Ihnen vs»!°"Vers r Willy, cva,i ,aucn ora nicht._ besten Willen für Ihr Wohl entgegentrage. Möge die««'»igen Ii auch eine gute Vorbedeutung für Sie sei»!— /ßen Stut Öfllitifdier Ttici!. m In diese Rede des Herzogs hat sich, abgesehen ve»»«. wo ih ~ r 7: 7 Nebenpunkten, eine wesentliche Ungenauigkeit einge� dz ,.., schlichen. Lauenburg ist nicht, wie es in der Reddes Vater T'eUtkeylanV. des Herzogs beißt, mit Preußen vereinigt worde»'äuf e—,---- allerdings'Jfllgft der * Berlin, 28. Sept.(Der Ucbermnth des sondern der König von Preußen ist, allerdings �'"gst der reactionärenGroßprcußenthumS), einUebcr- Folge des von preußischen Landeskindern geführt» m, begcgn miilh freilich nur gegen die Schwachen, nicht gegen die Starten, wie er im„Publicist" hervortritt, ist wahrhäft widerlich. In diesem Blatte, welches fort- während die nationale Sache dcs einigen und freien Deutschlands zu Gunsten der Pläne der preußischen Krieges, jetzt zugleich Herzog des nicht zu Pre»' ßcn gehörigen Staates Lauenburg. gehörigen Staates Lauenburg — jBeachtenswcrth in Betreff des pre� ßischen Rech tS zustand es) beziehungsweise � VolkSstimmnng hierüber, ist ein Vorfall h' "v Polizei . Dort ar '»nit bear jn Berlin, der im Lokaltheil des Näheren erzählt ist- Bei Gelegenheit eines Gebrauchs der Mili- tairwaffe gegen einen wehrlosen Arbeiter rief das Volk drohend: Ott! Eulenburg! — Rur Angelegenheit B ä r e n s p r u n g- ©clma] ist der„Verl. Res." vom Polizei-Präsi- heuten v. Bärensprung ein Schreiben zugegangen, in welchem wir jedoch nichts finden, was in Be- treff der behaupteten Uebergriffe der Po- lizei zur Aufklärung beitrüge. — sDerKurfürst vonHessenj scheint trotz der„beunruhigenden Gerückte" über seinen Zustand dem allbekannten lebhaften Interesse für Alles, was seinen Privatbesitz betrifft, treu geblieben zu sein Wie der„Frkf. Postztg." aus Kassel gemeldet wird, hat der hohe Herr sich gedrungen gefühlt, seine Rechte auf die Hofjagd gegenüber den Bestim- Mungen des neuen Jagdgesetzes ausdrücklich zu ver- wahren. Es ist bei dem permanenten ständischen Ausschuß eine durch das Gesammt-(Staatsministe- Nu m unterzeichnete Verwahrung Namens des Kur- sürsten eingegangen, wodurch zede Folgerung, als �ob durch die Sanction des Jagdgesetzes auf die um Kurfürstlichen Hofe durch den Hofdotations- »ertrag garantirten Rechte verzichtet worden wäre, ärmlich abgelehnt wird. * Wien, 27. Sept. sBenedeck. Die Sep- �mberconvention.1 Die..Generalcorresvon- len leneral' n öfter- ckwarz- Iche die igle ist- euhische freilich, gen ist, crralhs, werde." zeäußerl e Worte , gegeben »ran die el. was elber sie hieraus als das in war, eii. Es ind ein- per ge- on Ber« er Pfalz her mit � und ist iet revo- renhafter efen von ser von Oesterreich, König von Hungarn und Böhmen ?>. s. w. u. s. w.-- wollen und werden unter dem {Schutze de» Allmächtigen diese hiermit feierlich ver- Ündeten und angelobten Normen nicht nur selbst lnverbrllchlich befolgen und halten, sondern verpflich- e» auch Unsere Nachfolger in der Regierung sie lnverbrllchlich zu befolgen, zu halte» und die« i»ch bei ihrer Thronbesteigung in dem darüber zu er- ästenden Manifeste anzugeloben. Wir erklären hier- !>» auch den festen Entschluß, sie mit all' Unserer kaiser- ichen Macht gegen jeden Angriff zn schirmen, und dar- Af zu sehen, daß sie von Jedermann befolgt und gehal- !tn werden. Dazu bemerkt in der Bromberger„Patr. Ztg." in preußischer Feudaler, der hierin offenbar die tnschauung der feudalen Partei überhaupt aus« pricht: Das große Ereigniß des Tages ist die Aufhebung ber, wie man es nennt, die Sisiirung der Februarver- astung in Oesterreich. Da« Kaiserreich'ist damit in ein leue« Stadium seiner Entwickelung getreten. Die be- reffende Bersllgung de« Kaisers gehört unter diesen i- Ini kühnen Thaten, zu denen ein von Gottes Gnaden eingesetzter Monarch in Zeiten einer risi« berechtigt ist. — sDieUnfähigkeit der liberalen Bon r- eoisies, die deutsche Frage zu lösen, muß jedem ar werden, der Ausführungen liest, wie z. B. fol- iende in der„Presse": Wer da sagen sollte, daß jetzt am wenigsten der Zeit- (Jnnkt gekommen sei, in welchem Deutschland und der Liberalismus aus Oesterreich blicken könnten, dem ant- » Idorten wir, daß wir heute allerdings noch nicht wissen, fi> unsere neue Regierung gut deutsch und volksthllm- lich gesinnt sei; daß uns aber so viel völlig klar ist, es könne bei uns nur eine Regierung, welche zum großen Theile deutsch und ganz volksthiimlich denkt, von Dauer sein. Der Pluralismus ist ein Unding und der Absolu- tismuS unfähig, jene Kräfte zu entwickeln, welcher Oester- reich zu seinem ferneren Bestände dringendst bedarf. Oester- reich wird kein Föderativstaat werden, da es eine Großmacht bleiben will und bleiben muß, und von den maß- gebenden Böllern Oesterreichs halten die Deutschen die deutsche Mission Oesterreichs fest, und werden hoffentlich dabei von den Ungarn unterstützt werden. Oesterreich wird sich sammeln, und wenn auch die Mittelstaaten nicht in ihrer bisherigen Unthätigkeit verharren, so wer- den sie mit uns eine unwiderstehliche Phalanx zum Schutze der Freiheit und Selbstständigkeit der einzelnen Staaten de« Bundes bilden. Man sieht diese Schivachköpfe werden von Ungarn beherrscht und wissen dabei nicht, ob ihre Regierung„gut deutsch"(!!) ist. Außerdem wollen sie Oesterreich erhalten wissen. Aber so lange ein Oesterreich besteht, ist kein einiges Dentschlaiid möglich, darum ist es Pflicht eines deutschen Mannes, nicht für die Erhaltung, sondern für die Zer- störung Oesterreichs zu wirken. Ausland. H. Paris, 26. Sept. f Die österreichi- scheu Staatsexperimente und dierevolutio- näre Bewegung in Irland. Officiöse Ber- liner Nachrichten im„Journal des DebatS." Berühmtheit des Bürgermeisters von Jser- lohn.j Zwei Ereignisse beschäftigen in diesem Augenblicke fast ausschließlich die ganze Welt: der sogenannte Staatsstreich des Kaisers von Oesterreich und die revolutionäre Bewegung in Irland. Ueber beide Vorfälle sind die Meinungen gctheilt, und zwar nicht, wie dies bei allen politischen Fragen der Fall ist, je nach dem Parteistandpunkte, von welchem aus man die Dinge beurtheilt, wonach wir für die irländische Bewegung und gegen die kaiser- lich-österreichischen Pläne, unsere Gegner aber um- gekehrt für diese Letzteren und gegen jene revolu- tionäre Bewegung auftreten müßten. So einfach liegen diese Sachen nicht. Es finden sich unter unseren demokratischen Freunden Gegner der irlän- dischen Bewegung und Bertheidiger oder wenigstens glimpfliche Beurtheiler der neuen österreichischen Politik, wie es andrerseits unter unseren Gegnern Anhänger der revolutionären Bewegung in Irland und scharfe Beurtheiler des österreichischen„Staats- streicheS" giebt. Es muß also hinter Heiden Ereig- nissen etwas Anderes, als die einfachen Principien der Revolution und der Reaktion stecken. Und so ist es auch wirklich. Sowohl in Oesterreich, wie in Großbritannien, ist in Folge der beiden Ereignisse die Existenz eines großen Staates in seiner bis- herigen Form problematisch geworden. Der na- tionale Zersetzungsprozeß, in dem wir uns be- finden, erhält dadurch zwei neue Reagentien, die internationale europäische Politik eine neue Ber- Wicklung. Ein Staat, der, wie der österreichische, alle fünf oder zehn Jahre zu neuen Experimenten gezwungen ist, um der Auflösung zu entgehen, wird weder von demokratischen, noch reaktionären Prin- cipien getrieben; hier läßt sich nicht der Maaßstab der Principien anlegen. Franz Joseph und die österreichischen Staatsmänner stützten sich unter Schmerling auf Deutschland und schmeichelten den Deutsch-Oesterreichern; sie stützen sich heute auf Ungarn, den Mittelpunkt der außerdeutschen Völker- schaften und schmeicheln diesen letzteren. Die öster- reichische Regierung war unter Schmerling nicht liberaler, als unter Belcredi; sie ist unter diesem nicht nationaler, als unter jenem; sie bleibt heute, wie gestern, nur Eins- ohnmächtig, und wenn in der Machtlosigkeit der Regierung das Wesen des Liheralismus besteht, so ist Oesterreich, jetzt wie früher, der liberalste Staat der Welt.— Eng- land hat umgekehrt unter der Form des Liberalismus stets den größten Despotismus auf ganze Volksklassen und Länder ausgeübt, die es seinen herrschenden Klassen unterwerfen konnte. Es giebt keine größere Lüge, als den englischen Ltberalis- mus. Die liberalen„Concessionen", welche Eng- land, wie man sagt, stets dem„Geiste der Zeit" oder dem„Fortschritt" gemacht haben soll, waren nie etwas Anderes, als sogenannte„Reformen" im Interesse der herrschenden Klassen, welche sich aller- dings im Laufe der Zeit movificirt haben, aber darum nicht weniger eine kleine, aber mächtige Partei blieben, welche die große Masse des Volkes rücksichtslos unterdrückte nnd ausbeutete. Die libe- ralen Freunde Englands, welche die irische Bewe- gung der Feniers tadeln, behaupte», baß heute das irische Volk auf gleichem Fuße stehe, in gleicher Weise behandelt werde, wie das englische. Das mag sein. Man consiscirt dem irischen Volke sein Eigenthum nicht mehr zu Gunsten einer erobern- den Aristokratie, schon deshalb, weil eS überhaupt nichts mehr zu confisciren giebt. Aver man hat ihm, wie dem englischen Volke, den Boden genom- men und beutet es jetzt mittelst der ihm geraubten Arbeitsinstrumente auS. Das irische Volk hat kein größeres, aber es hat dasselbe Recht, wie das eng- tische, sich gegen diese Ausbeutung aufzulehnen; und wenn dies in der Form von Unabhängigkeits- bestrebungen und Losreißung von England geschieht, wenn man sich dabei auf geographische und histo- rische Verhältnisse stützt, die dem in England selbst unterdrückten Volke nicht in dem Maße zu Gebote stehen, wie dem irischen, so liegt darin kein Grund zu einer Verurtheilung der revolutionären Bewe- gung in Irland. Aber freilich, wenn man in Großbritannien das Eldorado der Freiheit erblickt, muß man jede Opposition gegen eine so„freisinnige" Regierung, wie die englische, verwerflich finden, und in der Gefahr, welche diese Regierung bedroht, eine Gefahr für die europäische Demokratie wahr- »ehmen. Daher daS Bejammern, Bekritteln und Bespötteln deS Fenianismus Seitens der liberalen Bourgeoisblätter. Mag dieser übrigens für den Augenblick unterdrückt werden, Irland wird stets für' England sein, was Polen für Rußland ist: die schwache Seite, an welcher des Despotismus schließ- lich zu Grunde gehen wird, gleichviel ob diese Katastrophe eine vorhergehende Ursache, oder eine nachfolgende Wirkung des Sieges der europäischen Demokratie sein wird.— Das„Journal des Debats" bringt heute eine lange Correspondenz über die preußische Politik, welche, wie das heutige Abendbland„Temps" richtig bemerkt, offenbar aus einer Berliner officiösen Feder aefl-b sen ist. Die„Opinion Nationale" von heute Abend druckt diese ganze in einen Leitartikel der„Debats" gebrachte Berliner Correspondenz nebst einer Ein- leitung ab, worin der Chef-Redakteur, Herr Goue- roult, seine Freude darüber zu erkennen giebt, daß in„Deutsckland', alle„Geister", und bis zu einem gewissen Punkte auch schon Unterhandlungen zu jener Lösung der deutschen Frage hindrängen, die er als die einzig mögliche angedeutet habe. Wie Sie wissen, hat die„Opinion Nationale" einer preußisch-französischen Allianz das Wort geredet, ist aber damit in der ganzen, sowohl unabhängigen wie officiösen Presse auf eine eisige Gleichgültigkeit gestoßen. Jetzt hat er im„Journal des Debats" einen kleinen Stützpunkt gefunden. Wer weiß? Es werden sich mit der Zeit vielleicht noch andre Jour- nale der BiSmarck'schen Politik freundlich zeigen. Man scheint seit Kurzem in Berlin den Journa- lismus gar nicht mehr zu verachten. Oder sollen die Artikel in der französischen Presse nur die Reise des Herrn v. Bismarck nach Biarritz vorbereiten? — Das heutige Abendblatt„Avenir National" spricht in seinem„Premier Paris" von dem Bür- germeister in Iserlohn, der den Schankwirthen und Krämern verboten habe, Herrn Tölcke Speise und Trank zu verabreichen, obgleich das ganze Verbrechen dieses Herrn nur darin bestehe, ein eifriger Anhänger der socialistischen Lehren Lassalle'S zu sein. * Paris, 26. Sept. fTageSbericht.f Die „Patrie" widerlegt heute die Nachricht, daß Herr Drouyn de Lhuys ein zweites Circulars chre i- den über die Gasteiner Convention an die franzö- fischen Repräsentanten im Auslände gesandt habe. „Eine neue Würdigung des zwischen Oesterreich und Preußen getroffenen Abkommens"— sagt das genannte Blatt—„kann nur dann gemacht wer- den, wenn dieses Abkommen, daS nur provisorisch ist, ein definitives wird. Wir glauben übrigens zu wissen, daß die Absichten des Berliner CabineteS heute der Art sind, daß man hoffen darf, daß die letzte Lösung der Herzogthümer- Frage in gewissen Punkten den Ansichten, welche in den Circularen