Nr. 15». Berlin, Dienstag den 3. October 18«S. SocialGemokrat. ®i,ff 3irinÄm"t Organ des Allgemeinen deutschen Arbciter-Bereins. R-d.cti-�und �p.di.i°n- mit Äiilnabmk d«r So»»- unv Fofllage. Redigirt von I. 8.». Hosstetten und I. B. v. Schweitzer. Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnements- Preis itir Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berli n auf der Sxpeditioa. natlich 6 Sgr., einzelne Nummern I Sgr.: bei den Königl. preußischen Post- von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrenllr. 1, sowi« ämtern Sgr., bei de» preußischen Postämtern im nichipreußilchen Deutsch- auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. land 18�/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. I. 45. slldd., st. I. 50. Bsterr. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltcne Petit-Zeile bei Währ.) pro Quartal. Arbeiter-Annoncen mit l Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 8 Sgr. kmchnet. Agentur für England, die Eolonieen und die überseeischen Länder: dir. Benüer, 8. LiUle New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: Q. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Bue Brnlee; Paris, 2. Conr da Commerce Saint-Andrd-des-Arts. Bestellungen für das vierte Quartal wer- den fortwährend(auswärts auf den Post- ämtern) angenommen. politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 2. Oct.[B,um Abgevrdneicnlagj theilen wir znnächst ein Actenstück mit, welches wir Angesichts der preußischen Polizei- Censur nur mit einigen Lücken wiedergeben können, obschon dasselbe in den feudalen Blättern wahrscheinlich ohne Lücken erscheinen wird. Nachdem wir eS aber erlebt haben, daß ein Artikel, welchen wir von Anfang bis zu Ende wörtlich, selbst mit Beibehaltung der Schriftarten, ans dem Organ des preußischen Ministeriums, der„Nordd. �tssg- Akg-"' abdruckten, zu einer ConsiS» cation unseres Blattes führte, müssen wir Alles für möglich halten. Das von uns im Namen der Berliner Polizei selbst censirte Schriftstück lautet: Auoschußantrag. In Hinblick auf den Beschluß vom 21. December 1863, worin 491 Mitglieder dentscher Landesvertretungen ein- stimmig die sofortige Herstellung der Selbstständigkeit »nd unzertrennten Verbindung der Herzogthllmer unter ihrem unzweiselhast erdberechtigten Herzog Friedrich sor- derten und hierfür ihre thatkräftige und opferwillige Mit« Wirkung gelobten,— unter Bezug auf die Erklärungen von nahezu 300 ans Ostern 1864 in allen Theilen Deutschlands abge- haltenen Volksversammlungen, wonach jede Entscheidung wider de» Willen de« Volkes der Herzogthllmer als recht- lose Gewaltthat null und nichtig erklärt wurde,— mit Rücksicht aus die Rechtsverwahrnng von 1388 Mitgliedern deutscher Landesvertretungen, welche die Em- scheitung über die etwa bestrittenen Erbrechte de« Herzog« Friedrich dem Volke und seinen Vertretern vindicirte und gegen jede Verfügung über die Herzogthllmer ohne und wider ihren Willen vor Deutschland und Europa protestirte,— in Erwägung, daß e« gegen Bundes- und Freundes- land ein Recht der Eroberung nicht giebt und daß die nackte Gewalt kein Recht begründet, daß ebenso der Baus und Verlans eine« deutschen Lande« und seiner Bevölkerung Seitens der zwei deutschen Großmächte----- unter Hinweis ans den zweifellosen Grundsatz, daß zwar da« Wohl de» Ganzen dem einzelnen Theil zu Opfern verpflichtet, daß aber unter dem Vorwande der Förderung deutscher Interessen oder wegen angeblichen eigenen Interesses kein einzelner deutscher Staat den anderen zur Bewilligung einseitiger beliebiger Ansprüche zwingen kann und daß ein verfassungsmäßige« Organ de« Willen« der deutschen Nation zur Zeit nicht besteht,— stellt der Sechs und Dreißiger Ausschuß an die beulige Versammlung von Mitgliedern deutscher Landesvertretungen folgen Antrag: l. Die Versammlung beschließt unter Aufrechterballung 1) Da« SelbstbestimmungSrecht des Schleswig- holsteinischen Volke« schließt jede Vergewaltigung desselben und jede Entscheidung über sein Schicksal ohne freie Zustimmung der Vertretung des Lande« aus. Der Gasteincr Vertrag verletzt auf da« tiefste——----— und droht der in jeder Form verderbliche» und unter allen Umständen abzuwehrenden Einmischung des Auslände« in rein deutschen Fragen einen Vorwand z» geben. Er wird--—— von der Nation verworfen und ist namentlich für die Herzogthümer in keiner Weise rechtsverbindlich und gültig. 2) Da« SelbstbestimmungSrecht der Herzogthllmer ist nur beschränkt durch die höheren Interessen Deutsch- land«. 3) Die vom engeren Ausschuß de« SchleSwig-Holftein Vereine am 26. März d. I. in Berlin zu Gunsten Preußen« gebotenen und in der Delegirtenver- sammlung vom 13. April bestätigte» Zngeständ- nisse, so wie in der Eingabe der holsteinischen Ständemitglieder an den Deutschen Bund vom 6. September l. I. ausgesprochene Geneigtheit zu Eoncessionen an Preußen sind ein»»streitbares Zeugniß der Opferwilligkeit der Herzogthllmer. II. Gegenüber dem bisherigen Vorgeben der Regie- rungen von Oesterreich und Preußen erklärt die Ver- sammlung e« als heilige Pflicht der deuts-ben Volksver- tretungen, insbesondere des preußischen Abgeordneten- Hauses, für die verletzte» Rechte der Herzogthllmer, für die Berufung ihrer Vertretung und für die sofortige staatliche Eonstitnining Schleswig-Holstein« entschieden und ohne Verzug einzutreten und damit ihre eigenen verfassungsniäßige» Rechte zu wahren. Die Versammlung vertraut auf den bewährten Recht«- sinn der Bevölkerung der Herzogthümer, daß sie fest und muthig ausharre. Sie erwartet und fordert, daß da« ganze deutsche Volk den bedrängten Schleswig-Holsteinern treu und kräftig zur Seite stehe»nd alle Gegensätze der Parteien und Meinungen schweigen lasse, welche die Kraft der nationalen Kundgebungen nur lähmen, die Sache der Herzogthümer gesährden und statt zur Kräftigung de« gemeinsamen Vaterlandes nur zu dessen Zwietracht und Zerrissenheit führen werden. III. Die Versammlung erklärt e« für Pflicht der deutschen Volksvertretungen: 1) Anlehen oder Steuern, welche die bisherige Politik der----- fördern könnten, sind keiner Regierung zu verwilligen. 2) Dagegen ist es, wenn die Sache der Herzogthümer im Sinne de« Rechte« erledigt wird, gerecht und billig, daß die Kosten de« ebensowohl für Deutsch- land al« für die Herzogthümer gesührten Kriege« nicht den letzteren allein aufgebürdet, sondern von ganz Deutschland verhältnißmäßig getragen werden. IV. Die Versammlung bestellt abermals einen Aus- schuß von 36 Mitgliedern, um im Sinne der am 21. December 1863 und heute gefaßten Beschlüsse serner thätig zu sein. Dieser Ausschuß ist befugt, sich nach Bedllrsniß wei- ier zu ergänzen, eine engere geschästsleitende Tommissio» aus seiner Mitte zu bestelle» und nach seinem Ermessen eine abermalige Versammlung zu berusen. Im Uebriger haben wir in Sachen des Ab- eordneienlageS zu bemerken, daß auch der preußische Differenz i» FreibeitSfragen könne kein Grund fein, die äußere Politik des Grafen von BiSmark im � Stiche zu lassen. Und so denkt wohl die ganze Sorte!— Ueberall in Deutschland herrscht Zer- tahrenheit in Sachen des AbgeordnetentagS. Aus Kassel berichtet man v. 30. Sept.: Die bis jetzt hier erschienenen Landtags-Abgeordneten(28) de' riethen heute Mittag über ihre Betheiligung M dem Abgeordnetenlage. Nur ein Abgeordneter(Tra- bert?) erklärt sich für, die übrigen gegen die Bt' thciligung. Das„deutsche Wochenblatt" fordert in einer besonderen Ansprache den Abgeordnetentag auf, sich als Borparlament zu constituiren. — fNcuestes vom Abgcordnetentag.j Aus Frankfurt a. M., Sonntag 1. Oktober, MtP tags, wird telegraphirt: „Gestern fand im Saalbau eine vertraulichr Borbesprechung des AbgeordnetentageS, heute Bor» mittag 10 Uhr ebendaselbst die Hauptversammlung statt; es waren anwesend 263 Abgeordnete, darunter auS Preußen die Herren Pauli, Grote, Cetto, Lüiiing, Frese und Becker(Dortmund). Das Präsidium führte Dr. S. Müller. Eine von österreichischen Abgeordneten eingegangene Adresse wurde verlesen. Der Abgeordnetentag genehmigte nach längerer Debatte fast einstimmig sämmtliche Anträge des Ausschusses mit dem von den Baden» scheu Abgeordneten beantragten Zusätze:„Die Ber» sammlung hält auch bei diesem Anlasse es für ihre heilige Pflicht, das rechtlich begründete Verlangen der deutschen Nation nach einem Parlamente jll wiederholen." Die bisherigen Mitglieder des j 36er- Ausschusses sind wieder gewählt worden." „Sowohl die hiesige preußische wie die bayrische Telegraphen station verweigerten den Wortlaut des Antrages des 36er Aus» schusses, wie auch einen Auszug aus dew» selben, zu telegraphiren." — sAuS den Herzogthümer».) AuS Haw» bürg, 1. Oct., wird telegraphirt: Nach den neuesten au« Nordschleswig hier ringe» troffenen Zeitungen sind in Hadersleben mehr als 3? der arbeitenden Klaffe angehörige Einwohner beiderlei Geschlechts wegen de« Tragen« von Dannebrogfchleiscn- sowie wegen des Absingen« dänischer KriegSlieder in Strafe genommen worden. E« wird ferner gemeldet, daß an der südlichen Grenze Jütland« die Errichtung dänischer Unterrichtsanstalten, einer landwirthschaftlichen Hochschule sowie einer VorbereitungSanstalt für Gpmna» siasten, bevorsteht, nm Propaganda für da« Eiderdänen» lhum in Nordschleswig zu machen. —[Zum Frühstücken der preußische» Kreisrichter) behauptet die„Kreuzztg.":„Vo» zuverlässiger(?) Seite erfahren wir jetzt, daß das so» genannte„Früh stückSreskript" lediglich Erfindung der Korrespendenten beruht. Es existir» weder ein Circularreskript noch sonst eine Berfü' ung des Ministers, welche \9 bitioBr sowii i(e bv net. Blatt chiedea „Fort- ich niil nalb Herr» »d die terlinek ich«e' lasini. i5orrc« erunA, Kuß- offcnt- kröche» I k.1»N. c u e»- conser«! seltsam cruug. ür da� lcnen r Ge> er eine i wird.! in veS- ..Sie durste» li miste- Die� liiuisttl iorl i» -ganger mählich ! Dingt - I» r mehr tat h»' edenc») mmung j kjenig-aj weicht n, eine ng siit zu de» -rsonal« gewiß -ß selbst in de» Äegner» granimt richt ung —[Die Verläumdung d er„Elberf Z." betreffend� finden wir an der Spitze dieses Blat- 'es nachstehende Erklärung der Redaction: Der„Social-Demokrat" nimmt an, daß die Anden- 'ung unser» Berliner lHCorrespendenten über zwei der- 'ige Ultrademokrale», für welch« ein hochgestellter Eon- servativcr Eollekle mache,«u>s seine beiden Redaleeure ge- Münzt sei und knüpft hieran neben andern Schimpsrede» «ne Aufforderung an seine„zahlreichen Freunde m Elber- seid und Barmen", den verantwortlichen Redacteur der Elberselder Zeitung in einer Arbeiterversammlung als , steig und schlecht" an den Pranger zu stellen, ja noch Mehr,„ihm mit kräftiger Faust auf sein elendes �lalschmaui zu bauen." Wir wollen abwarten, ob der „Soc.-Dem." Freunde hat, welche dieser seiner liebens- Mürdigen Aufforderung nachkommen. Inzwischen erklä- ren wir, daß der □ Eorrespondent uns bei feiner Ein- stndung die Namen der bezeichneten Ulirademokraten nicht genannt»nd daß wir unsererseits ans die Herren N. Hosstetten und v. Schweitzer um so weniger gerathen haben, als von socialistischer Tendenz nicht« hinzugefügt Mar(?!)»nd als da» Blatt derselben eben jetzt gerade mit der auswärtigen Politik der Regierung in einem zu Miederholten Eonfiskationen führenden Kriege begriffen ist. Wir wollen Herrn LgnimerS, der sich offenbar Nur mit seiner Unkennlnifi d«r politischen Verhält- uisse der preußischen Hauptstadt entschuldigen kann, Glauben schenken; d. h. wir wollen nach seiner ausdrücklichen Versicherung annehmen, daß er nicht tinsah, daß der fragliche Artikel lediglich auf uns Zemunzt sein konnte. Indessen, wenn somit auch die persönliche Angelegenheit zu Ende ist. die Mir mit Herrn LammerS hatten, so bleibt doch ge- flen ihn der schwere und gewichtige allgemeine Vor- Murf stehen, den die„Verl. Ref." treffend und mit ittecht gegen ihn erhoben hat. Es ist tief verwerf- 'ich, in solcher Form, mit halben Andeutungen Miß- 'rauen in ganze Kreise zu werfen. Auch verlangen wir "ach wie vor, daß der fragliche Correspondenl sich "enne; wir zweifeln nicht, baß er uns gemeint hat. "nd wollen unS daher mit ihm zu schaffen machen. Unser» Freunden in Elberfeld und Barmen aber müssen wir eS gänzlich überlassen, ob sie, nach obiger Erklärung des Herrn Cammers, noch etwas in der Sache thun wollen oder nicht. Ausland. - 0 des tede ist; m dem' Zweift' e führ-" . Ang»' . PUdll- !weifu»ß * Paris, 30. Sept.[Tagesbericht.[ Die �eute im„Moniteur" veröffentlichten neuesten Nach- sichten aus Mexico vom 27. und Vera-Cruz vom �1. August lassen die Lage der Dinge dort drüben, Mie gewöhnlich, in angenehmem Lichte erscheinen. fbie indianischen Stämme in der Sonora fuhren iort, sich dem Kaiserreiche zu unterwerfen. Im In- »ern des Reiches war Alles ruhig. Der Kaiser Maximilian hatte sich am 25. August von der Haupt- stadt nach deni 15 Stunden entfernten Pachnca und "ach den Bergwerken von Real del Monte begeben, h>o 6000 Arbeiter beschäftigt sind. Tehuacan, wo 'er Juaristenführer Figueroa 100 Mann österrei- �isch-mexicanischer Besatzung am 15. August über- '»mpelt und niedergemachl hatte, war TagS dar- >nf von kaiserlichen Truppen wieder besetzt worden, �ber des Figueroa hat man, trotz zweitägiger Ver- stlgung, nicht habhaft werden können. Ja, diesem "ihnen Führer glückte es sogar noch, in der Nähe sin Oajaca eine vom österreichischen Major Klein ''führte Colonne mit empfindlichem Verluste zurück- �schlagen.— Der„Constitutionnel" bringt heute einen �vrrespondcnz-Artikel aus Berlin bezüglich der Ott- �Ulenburgischen Angelegenheit. Es beißt sarin:„Eine Uutersuchungs-Commisston wurde so- sirt niedergesetzt; ein erster Bericht ist erstattet wor- 'n, und ich glaube ihnen sogar versickern zu kön- daß eine Copie dieses Berichtes der französi- lben Gesandtschaft Übermacht worden ist, um der- siben den Beweis zu liefern, daß man thätige Un- ''rsuchungen anstellt, um in dieser dunkeln Angele- sinheit die Wahrheit zu entdecken."— Das„Memorial Diplomatique" stellt in Abrede, daß Oester- stich sich gegen eine Geldentschädigung dazu verstehen Isiirde, Schleswig-Holstein in Preußen einver- siben zu lassen: aus Wien wird ihm nämlich ge- Arieben:„Unser Eabinct will zunächst unsere inneren ?»gelegenheitcn ordnen, um dann die Herzogthümer- [singe mit aller Energie in die Hand zu nehmen sih vjx Prinzipien des Bundesrechtes, so wie die '"llverainetät der Herzogthümer zu wahren." Die „France" bemerkt dazu:„In diesem Falle wird die Herzogthümer-Frage noch lange nicht in Ordnung gebracht werden.— Daß die französischen Truppen in Rom nächstens damit beginne» wollen, der September- Convention gemäß abzuziehen, wird vom„Memorial Diplomatique" mit dem Zu- satze bestätigt, daß der Abzug allmählig vor sich gehen werde. Bekanntlich ist nur von einem Ba- taillon die Rede, das zunächst nach Frankreich zu- rückbeortert werden soll. Man darf auch nicht ver- gössen, daß der..Abend-Moniteur" ausdrücklich er- klärt bat, die Räumung Roms werde von Seiten Frankreichs„im Einvernehmen mit der päpstlichen Regierung" bewerkstelligt werden.— Mit Herrn v. Rothschild wird von österreichischer Seite fort- während wegen Abschlusses eines AnlehenS un- »erhandelt.— In Lille ist jetzt ein mexikanisches Werbe-Bnreau errichtet worden. Dasselbe dehnt seinen Wirkungskreis hauptsächlich auf Belgien aus. Die belgischen Unterofficiere, welcke sich dort an- werben lassen, erhallen UntcrlientenantS-Rang, und sie desertiren deßhalb in großer Anzahl.— Herr Dauoz, der Direktor des großen Moniteur, wider- legt die Nachricht, daß er den Abend-Moniteur verkauft habe.— Man sieht der Ankunft des preu- ßischen Minister-Präsidcnten, der also doch nach Biarritz geht, in Paris für morgen entgegen. Graf Bismarck will einige Tage hier verweile», ehe er nach Biarritz geht; da der Kaiser aber bis zum 10. October in dem genannten Seebade bleibt, so wird also der preußische Minister mit dem fran- zösischen Staats-Obcrhaupte sich begegnen. Man knüpft an dieses Zusammentreffen allerlei Vermu- Ihimgen und Voraussetzungen, die aber allem An- scheine nach jedes Grundes entbehren. * London, 1. Octbr.[Die Fenier.j Be- kanntlick wurde daS Hauptorgan der Fenier, der „Jrish People"(Irisches Volk), oder vielmehr die Druckerei desselben, polizeilich beschlagnahmt. In dieser Angelegenheit schreibt man nun der„Köln. Ztg." von hier; Oie Druckerei des Jrish Pcople, mit deren Beschlag- »ahme die Razzia der Polizei bekanntlich begonnen Halle, bleibt bis auf Weitere« uiiter Schloß und Riegel,»nd die Eigenthilmer haben— was ihnen gesetzlich frei steht — bisher keinen Versuch gemacht, ihr Blatt in einer anderen Osficin drucken zn lassen. Es hat die Beschlag« »ahme diese« Blattes einigen kaiserlichen Organen in Pari« willkommenen Stoff zu Reflexionen über englische Preßznstände gegeben, deren Ursprung sich c»f Tendenz- Politik und Verkennen hiesiger Zustände zn gleichen Theilcn zurückführen läßt. Da es sehr gut denkbar ist, daß reactionäre Federn in der Heimath das französische Rai- sonnement zn dem ihrigen machen(ist es doch jederzeit ei» Triumph für sie, wenn sie gelegentlich über englische Polizei-Maßregeln berichten können), so kann es nicht überflüssig sein, de» wahren Sachverhalt auseinander zu setzen. Der Constilntionnel war e«, der seinen Lands- lenten ungefähr Folgendes zn Gemllthe führte:„Schaut doch einmal nach England. Bisher war nur immer von der Freiheit der englischen Presse und ihren Segnungen die Rede. Aber kaum zeigen sich Spuren einer Ver- schwörung gegen die Sicherheit de« Staate«, so ist die gerühmte Freiheit der Presse vergeffen. Ein Journal wird durch Militärgewall mit Beschlag belegt, ohne daß es vor die Geschworenen gestellt worden wäre. Bei den ersten gefahrdrohenden Anzeichen legen unsere Nachbarn mit dem sie charakterisirenden praktischen Verstände rasch alle Thevrieen und Principien bei Seite, thun, was nothwendig ist, und treffen und strafen die Schuldigen, um den Funken zu zertreten, bevor er zum Brande wird." Die Nutzanwendung, die der Constitutionnel daran« zieht, ist, daß Frankreich nicht immer England als Modell citiren sollte, und dann wieder, daß Frankreich es seiner Regierung nicht übel nehmen sollte, wenn sie unter ähn- lichen Verhältnissen mit gleicher Entschiedenheit, wie die englische, einschreite. Ohne den Widerspruch weiter zu erörtern, in den Herr Limayrac hier versallen ist, indem er seinen Landsleuten England als Vorbild und wieder nicht als Vorbild in einer und derselben Sache empfiehlt, sei ihm auf seinen Artikel, den der Moniteur wohlgejällig uachge- druckt bat, Folgendes erwidert: Vor Allem begeht er einen. thatsächlichen Jrrthum, indem er schreibt, daß das bewußte Blatt durch die Militärbehörden n nterdrückt und der Gericht«- barkeit der Geschworenen entzogen worden sei. Ganz und gar nicht. Die Beschlagnahme geschah, dem Geiste und Wortlaute der Landcsgesctze entsprechend, durch die Polizei auf Grund einer ihr vom betreffenden Friedensrichter ertheilten Er- mächtigung. Aber vielleicht hat dieser eigenmächtig das Gesetz verletzt, indem er die Ermächtigung erthcilte? Durchaus nicht. Das englische Gesetz befiehlt, daß, wenn vor einem Polizei- oder Grafschastsgerichle eidliche Au«- sagen gemacht werden, welche den Verdacht rechtfertigen, baß eine Felonie begangen worden sei, es- ihm gestattet, ja, zur Pflicht gemacht sei, einen Verhastsbeschl gegen die solchergestalt Verdächtigten zu erlassen und sämmt- ; liche in ihrem Besitze befindliche Gegenstände, welche zur Ausklärung des Tbaibestande« dienen können, mit Be- schlag zu belegen. Als Felonie wird unter Anderem(kraft einer ParlamentSacie vom I. 1818) die Veröffentlichung von Schriften bezeichnet, welche den Zweck haben, einen Aufstand zu erzeugen, oder die Königin zu entthronen, oder einen Bürgerkrieg anznstisten, so wie alle«, was eine Verschwörung zu solchem Behuse in sich schließt. Erst nachdem eidliche Aussagen dieser Art gegen da« Blatt The Jrish People gemacht worden waren, sind aus Grund derselben die Beschlagnahme und Verhastun- gen in der Druckerei vorgenommen worden. Wenn erst der Prozeß begonnen hat, wird der Polizeirichter sich vor der Jury über seine Berechtigung zu diese» Maßregeln ' rechtfertigen müssen. Vermag er es nicht zu ihrer Zu- sriedenheit und treten die Eigenthümer des Blatte« als Kläger wider ihn auf, dann kann es kommen, daß er zu schwerer Geldbuße verurtheilt wird, wie die« in der eng- lischen Geschichte schon dagewesen ist. Bon Milirairge- tvalt oder Beiseiteschiebung einer alten Theorie oder eine« beliebten Princips oder eine« feststehenden Gesetze« war somit nicht die Rede. E« ging Alle« nach den strengsten Regeln vor sich, und da« Endurtheil bleibt der Jury vorbehalten. Das Compliment somit, das der Constitutionell den Engländern macht, daß sie, ihrem eminenten praktischen Jnstincte folgend, lieber beifällig schweige», wenn ihre Regierung gegen die Freiheit der Presse austritt, als daß sie den Staat in Gefahr gera- lheu ließen, diese« Compliment kann Presse und Nation diese« Landes mit gutem Gewissen zurückweisen. Allem praktischen Jnstinkie zum Trotze würden sie der Regie rung gewallig zu Leibe gehe», wenn sie sich in Irland ungesetzliche Gewallmaßregeln gegen dortige Journale zu Schulden komme» ließe. Die englische Preßsreiheit sieht nicht über dem Gesetze, sie hat ihre Gränzeu wie jede andere Landesfreiheit, und wenn sie diese überschreitet, verfällt sie den Strafgerichten gerade wie anderwärts. Daß sie hier rücksichtsvoller sind, daß Preßprozesse vor Geschworenen verhandelt werde», daß die Regierung nur in den dringendsten Fällen als Kläger auftritt und daß mehr dem Geiste als dem Wortlaute de« Preßgesetze« nach abgenrtheilt wird, das alles sind Dinge, die der Evnstitnlionncl zn erwähnen vergißt, die aber auch sonst mit seinem kaiserlich französischen Raisonnement schlech- terdings nichts zu thun haben. Sicherlich ist es richtig, daß England ein Rechts- staal in dem Sinne ist, daß wenigstens ein will- kürlickcr Bruck de« einnial bestehenden Rechtes von oben, insbesondere die in den festländischen Polizei- und Militärstaaten herrschende Wirthsckaft uninögjich sind. Dies ist sicherlich ein vergleichungsweise großer Vorzug, daher auch obige Zurechtweisung reactionärcr Verdrehungen sehr a»i Platz. Das be- [ stehende Recht selbst aber ist auch in England nicht zu Gunsten des Volkes, sondern zu Gun- sten einer einzelne» Klasse gemacht. In Dublin hat gestern der Prozeß gegen die , Fenier begonnen. Secks Gefangene wurden ver- hört. Die Anklage ist auf Hochvcrrath gerichtet. Vorliegende Docninente zeigen, daß die Procla- mirnng der Republik und die Ermordung der Ari- stokratie beabstchligt war. D'e Anklage erwähnt, daß 35,000 Pfd. Sterl. aus Amerka noch während letzter Tage zu Revolutionszwecken angekommen waren, Piken gemacht und Waffen gesammelt wurden. Italien.(Der Papst. Die Räumung RoinS.f Aus Rom, 30. Sept., telegraphirt man: ! DaS Giornale di Roma veröffenilicht heute die vom Papste jüngst im Conflstorium gehaltene Allo- cution. Es ist darin(wie bereits gemeldet) von der Freimaurerei die Rede. Dieselbe habe keine christlichen Zwecke, sondern den Sturz der Kirche und der bürgerlichen Regierungen im Auge. Der Papst verdammt sie aufs feierlichste und erklärt alle ihre Anhänger und Beschützer für excommunicirt. — Aus Florenz, 30. Sept., wird telegraphirt: Die italienische General-Correspondenz meidet, die Franzosen wurden mit der Räumung Roms in eini- gen Wochen beginnen, und päpstliche Truppen wür- den dann die neapolitanische Gränze besetzen; die französische Regierung habe hiervon der italienischen amtliche Anzeige gemacht. Dänemark.[Der Reichst» g.[ Wie aus Kopenhagen, 1. Oct., telegraphirt wird, soll der am 2. Oct. zusammentretende Reichstag bis zum 20. Nov. vertagt werden.