Rr. ICO. Berlin, Mittwoch den 4. �ctober I8«S �olial-DtiiwIirat. Ti-ke AZung �ckem..-glich Organ des Allgemeinen deutschen Arbciter-Vercins. R-d-mon�und Expedition- der i-oiin- und �esliaze. Rediqirt von I. 9. v. Hofstrtten nnd I. B. v. Tchweiyer. �.reSdncrstrabc?!r. 85. Ab ounemealS- Prkiv ttir Berlin incl. Bringerlobn: vicrieljäbrlich 18 Sgr., ino- nailich K Zflr., einzelne Nummern 1 Sgr.: dei den Konigl. prenhüchen Post- amtern 221/* Sgr., bei den rreußisiben Postämtern ini nili-ipreitbüchen Tciilich- land!8V« Sgr., im übrigen Deutschland 1!blr.(fl. I. 15. sürd., fl. 1. 50. östcrr. Wäbr.) pro Quartal. Bestellungen werdest au»mär I« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Exptdilio«> von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrcnstr. I, sowi« auch uiienlgelilich von jedem„rolhen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate? gt er d' b. h. alsi R-chl»0° erung F )-s Letztes -se so vor nnung di' nt bie ew nbe Ma« -sen M»t itb in d- e. baß r'' von Heow >llte, na" bes prew . Zeiten.'» atz von' tS« staNs. irgend w1 des GebahrungS- Resultates des österreichischen StaakshauShalles während der verflossenen drei Quartale des lanfenben Jahres dringen wird. Die Zisserausätze dieser Nackweisung sollen das Resultat liesern, daß mit Ende September 1865, gegenüber dem aus den Berathungcn des ReickSraiheS her- vorgegangenen Staatsvoranschlage, demnach mir voller Beachtung und Eindringung des vom Reicks� räche vorgenommenen Ädstrickes von 27 Millionen Gulden, sick nunmehr eine Uederschreitung der vor� angesetzten Gesamnitausgaden mit ötXI.IXX) Gulden ergiedt, welche im Laufe der noch übrigen drei Monate wahrscheinlich mehr als eingebracht werden dürsten.— So wirb behauptet— cd sich aber Gläu- dige finden, die aus Gläubigen Gläubiger werden Wollen, nni die neue Anleihe aufzudringen? R. Frankfurt a. M., 2. Oct. fZum Ab- zeordnelenlag. � Die gestrige Bersammlung deutscher Abgeordneten war, wenn auch von unter- geordneter, so doch nicht ohne alle Bedeutung. Zwar mögen viele von den Theilnehmern dieser Notitbelnversammlung von hier einen trüben Ein- druck mir nach Hause genommen haben, weil sie in der vor sich gehenden Zersetzung niit indegrisseu I sind und daher über den subjectiven Standpunkt _ 1 fortschrittlicher Wetunuih sich nicht erheben können; > allein in dem objectiven Beschauer mußte die Rath- »nb Thatlosigkcit der anwesenden Schwätzer, welche weil sie zufällig einmal unter dem schlechten Wahl- gesetz in eine partikularistische Ständekammer gc- wählt worden sind, sich als die Bertreier der Na- tion gcderdeten, die freudige Zuversicht hervorrufen, daß dergleichen leere Strohdreicherei nickt häufig wehr vorkommen, sondern daß sick über den Trum- wer» der auseinandergebröckelten Fortschrittsparlei bald der stolze, majestätische Einheitsdau der So- cial-Demokratie erheben wird. Als besondere Resultate meiner gestrigen Beobach- lvng hebe ich hervor i 1) DaS herzliche Einverständniß der„edelsten Und besten" Männer der„Nation" hat faclisch auf- gehört. Die„große" liberale Bourgeoisiepartei ist getrennt i» Solche, die nock an die preußische Spitze glauben, und in Solche, die von diesem Glauben geheilt sind. Erstere haben vor Bismarck, der ihren heinlichen Gedanken in kleinstem Maßstabe anszu- sichren anfing, bereits die Waffen gestreckt. 2) Die aus verkappten Reactionären reinsten Wassers bestehende großdeutsche Reformpartei(mit Lerckenfeld, Hegnenberg-Dux und v. Wyden- drugk an der Spitze) hat durch ihr Wegbleiben be- wiesen, daß ihr Zusammengehen mit der ltderalen �curgeoispartei blos den Zweck hatte, Berwirrung W die Situation zu bringen, und daß sie auch in Nationalen Fragen, die ja bei uns Deutschen vor- wiegend politisch sind, trotz aller Vorwände und fatriotischer Redensarten, nicht aus der Art schlägt, Nbern aus heimtückischen Frennden besteht. 3) Die Feigheit des preußischen Fortschritts- tos trat eclatant zu Tage. Nur sieben Preußen Mten zu erscheinen gewagt, und von diesen sieben prenßen(man wird in Zukunft nicht allein mehr «on den sieben Schwaben sprechen!)— von diesen sleben Preußen, sage ick, unterzeichneten sechs noch w» gestrigen Abend aus Furcht vor gerichtlicher Verfolgung die Erklärung, baß sie nicht in ihrer Jtgenschafi als Abgeordnete, sondern bloS als ?rtvalleuie erschienen seien. Der siebente aber, wr diese Erklärung nicht unterzeichnete, halte sie �eits mündlich in seiner Rede abgegeben. . 4) Die vom Nationalverein losgelöste Fraciion j Kleinstaaterei, welche es ungewiß läßt, ob sie �8 föderativen Monarchisten, oder auch aus föde- Nveu Republikanern besteht, offenbarte ebenfalls "e Schwäche. Diese Fraction steht noch hinter .cki Nationalverein, der wenigstens die Eentrali- '�Uon iinh ftrh f>TÄh(»r nn rinpn(ÄrDRltavlt •oh vertritt und sich bisher an einen Großstaat �iehme, weil zurück; denn ihr liegt der ärgste �üriikulariSmus zu Grunde nnd sie verliert sich in Kleinigkeitskrämerei, so daß sie zu jeder be an if"�artigen Auffassung und Action unfähig ist. en-stre' varuni wurde sie auch mit leichter Mühe von dem lösbar, ll«>aiionalvereinszungenhelden, Fortschrills-Ad- l'ffe'n'(iii'k0 �ten Dr. Karl Braun auS Wiesbaden, in ihrem Milk aus�IZi �agSsteller Traberl aus dem Felde geschlagen. , rib"jt �viit ersichtlich wird, wie verwirrt diese klein- beisetzt a�ichvn Reactionäre, welche das Wort Freiheit- auf der Zunge führen, im Grunde sind, lege ich der Redaktion des„Social-Demokrat" ein Schrift- ckeu von Ludwig Pfau bei, welches gestern Abends gratis unter die Abgeordneten vertheilt wurde.*) Selten hat eine Fraction ihren völligen Mangel an staatsmännischem Blick und Begriff klarer be- wiesen, als diese Ritler des kleinstaatlichen Födera- lisüiuS im genannten Schriftchen, welches der Separatabdruck eines Artikels aus dem„Beoback- ter" ist. Gegenüber diesem schwäbischen Zopfthum muß man vor dem BiSmarckenthum immer noch respectvoll den Hut abziehen. Ick schreibe Ihnen nichts Specielles über die Debatten; denn Sie werden dieselben bei der An- kunfl meines Briefes schon in epischer Breite genau in den Fortschritiszeitungen vor sich haben. Miintckien, 2. Oct. f A r in e e v e r m i n d e- tung]' durch Königl. Verordnung wird der Effektiv- bestand des Heeres auf den Friedensfuß znrückge- führt. Es tritt hierdurch eine bedeutende Vermin- derung in den Chargen, Mannschaften und Pser- den ein. " Kannvver, 1. Oct.[Sie M i n i st e r k r i- sis. Der Barbier des Königs.) Die Mi- nisterkristS dauert fori und es läßt sich das Ende derselben noch nickt absehen.— Der„Magd. Pr." schreibt man: Wir wissen alle längst, baß es in unserem beutschen Baterlanbe manches recht gesegnete Vaterjäubchen giebt, aber zuweilen passiren beim boch auch siir bie über das gewöhnliche Verwunbern Erhabenen noch Dinge, von be- neu sich ibre Schulweisheit nichts träumen ließ. So in Hannover zum Beispiel, wie uns wohl berusene Privat- mittheilungen unterrichten. Es war in ber hannoverschen Politik einmal eine Zeil lang sehr ruhig geworben, so ruhig, daß eigentlich Niemanb reckt wußte, wie er mit ihr daran war, Großmächte nicht unb Mittelstaatcn nicht, Reaktionäre so wenig als Liberale. Nun, solches Schau- kelshstem war denn auch keine ausichließlich hannoversche Erfinbung, folglich kein Zenqniß geistiger Erhabenheit berer, die es üblen. Dieser Tage ist ein Akt geschehen, ber gewissermaßen Licht, wenn auch nur Übel qualmen- des verbreitet. BorrieS ist Präsibent bes SlaatsralhS geworden. Darauf hin hat das„liberale" Ministerium Hammerstein seine Entlassung gefordert, und werden seine Tage gezäblt sein. An seine Stelle soll Ba cm eist er treten, ein Ultrareaktionär, der 1853 schon einmal Mi- nister war und jetzt Landdrost ist. Bacmeister ist schon während des ganzen Sommers um den König in Nor- berney herumgeschwänzelt und dann von diesem nach Marienbad geschickt worden, um sich für die Bürden des MinisterposteuS körperlich zu stärken. Doch das sind ja alles keine außergewöhnliche, sehr einfache, auf einem sich ewig selbst brehenben Erbballe naturgemäße Vorkomm- nisse, die anderswo ganz in ähnlicher Weise passiren. Aber bie Art, wie sie in Hannover geschehen, ist das be- zeichnende, das aparte— der Macher ber ganzen Ge- schichte, in beui anßertllrkischen Europa eine ziemlich neue Figur in ber hohen Politik— Es ist ber Bardier bes Königs. Dieser Mann, das wissen in Hannover die Schulkinder(nur bie� dortigen Zeitungen erfahren nichts davon!—) übt auf den olinben König einen fast schrankenlosen Einfluß aus unb es ist thalsächlich wahr, baß berWeg zu in Königbeinahe nur noch durch den Barbier zu finden ist. Der Mann ist durch bie königliche Gunst recht ansehnlich vermögend gewor- den, besitzt eine Reihe schöner Häuser in ber Residenz unb war ber Einzige, welcher den König nach Norderney begleiten bürste. Kein'Minister, kein Kabinelssekretär, sondern der Barbier Sr. Majestät, ber den König mit Reaktionären umringte, mit dem russischen Gesandten, ber aus Berlin nach Norderney berufen war und täglich zum König geführt wurde, auf vertrautestem Fuße stand k. — Wenn diese Geschickte einmal alt genug geworben ist, wirb sie ein erbauliches Blatt zu ber Geschichte Deutsch- lands liefern.__ Ausland. * Paris, 1. Cct._[Tagesbericht.) Der „Cvnsiilutioniiel" sieht sich veranlaßt, zu der kurzen Bemerkung, welche vor wenigen Tagen der Abend- Moniieur über die Art und Weise der Ausführung der September- Convention gemacht, heute einige Erläuterungen zu geben.„Es gehl aus die- sen Erklärungen hervor," sagt nämlich der Consli- tutiounel, nachdem er die betreffende Stelle aus dem„Äbenb-Moniteur" angeführt hat,„daß bie Räumung nicht in einer brüsken Weise erfolgen, sondern in dem Maße und in den Zeiträumen statt- finden wird, welche, in Uebereinstimmung mit der *) Wir kommen auf dasselbe zurück. Die Red. I päpstlichen Regierung, als die nützlichsten für die � ernsten Interessen, welche Frankreich in Rom be- - hält, wie für das, was der päpstliche Stuhl selber als angemessen erachtet, anerkannt fein werten." I Die französischen Truppen werden in dem päpst- lichen Staate nunmehr drei Punkte besetzt halten: Rom, Civita-Vccckia und Bitcrbo. Der Papst soll die Absicht haben, sick, so gut er kann, vorzusehen, und die Koryphäen ter europäischen Reaktion be- stärken ihn in diesem Sinne.— Das„Journal des DebaiS" erklärt, durch die Beweisführung der preußischen„Provinzial- Correspondenz," daß die eben vollzogene Besitzergreifung L a u e n b u r g S keineswegs gegen die preußische Verfassung verstoße, nicht bekehrt zu sein.„Weniger subtile Casuisten," meint das„Journal des Debats",„hätten viel- leicht einfach erklärt, daß die preußische Regierung die Zustimmung der Kammern entbehren zu können glaube, weil das von ihr jetzt beliebte Verfahren ihr bequemer sei, und daß dieses Versahren über- Haupt mit dem von Hrn. v. Bismarck neu einge- führten politischen Systeme in besserem Einklänge stehe."- Der„Moniteur" ist in seinem Eifer, daS habsburgiscke Mexiko weiß zu waschen, nner- müdlich, dabei aber öfters keineswegs so gut unter- richtet, wie es ein großes Regierungsorgan sein sollte. * Italien.[Die Wahlbewegung. Mnra- t istische Umtriebe. Statistisches. Slrike. Steuerverweigerung.) Die für Italien ent- fcheidungSvolle und für Europa beachtenswerthe Wahlbewegung droht eine Gestaltung anzuneh- men, die einem völligen ChaoS gleichkommt. In allen Wahlcollegien herrscht eine»nbeschreiblicke Verwirrung, und vor lauter Politik finden sich die Wähler gar nicht niehr aus dem Wirrsal heraus. Wir haben z. B. b?s jetzt den Fall, daß acht Can- didaien in nicht weniger als 75 Collegien auftra- len, wodurch das Laub der Gefahr ausgesetzt ist, wenn die Sacke so fortgeht, überall stkenwahlen vorzunehmen, was wieder zu neuer Verwirrung führen müßte. Ferner finden sich die Wähler an- gcsichtS der sonderbarsten Candidaturen, und zwar vor Leuten, die in der gewöhiilichsten Gesellschaft keine Bedentuiig Härten, vor einer Anzahl veneiia- nischer Emigranten ohne wirklichen politischen Beruf, ruinirter Kaufleute und beschäsiignngsloser Advo- katen, überhaupt vor Individuen, die, wen» ihnen die Blindheit und Naiveiät der Bevölkerungen ihr Votuni gäben, bei der Berificatron meistens durch- fallen würden. Gewöhnlich begehen die Candida- ten den unverzeihlichen Fehler, ihr Verdienst um locale Angelegenheiten hervorzuheben, so daß die Candidaturen jeden national-italienische» Charakter verlieren. Schließlich erweisen sich die Wahlvereine der„Gemäßigten" an allen Orlen völlig unfähig, die öffentliche Meinung zu leiten, und deren Wirksam- keil beschränkt sich bis jetzt aus Bekanntgebunz ihrer Programme. Somit Chaos, Verwirrung und da- durch Gefahren auf allen Seiten! In Piemont und der Aemilia, wo man immer den Mund voll nimmt, um den politischen Sinn der dortigen Bevölkerun- gen zu rühmen, ist der Durcheinander schlimmer als anderwärts. Aber auch hier in der Lombardei geht es bunt zu unb niemand weiß, was er will. Die Manie der unbedeutendsten Persönlichkeiten Pro- gramme auszugeben, machl daß die ganze Provinz von den unsinnigsten Broschüren wimmelt. In der Provinz Turin, die 18,3tX> Wähler zählt, treten nicht weniger als 68 Candidaten auf, während die- selbe nur 19 Deputirle wählt, und das gleiche und noch schlimmere Verhältniß herrscht überall. Da- bei zeigt es sich überall, daß die Matadoren der früheren Kammer gänzlich ohne Einfluß sind, denn sonst hätte ein solch erbärmlicher Zustand mckt ent- stehen können.— Da gegenwärtig viele Versetzun- gen von Präfektcn und Untcrpräsekten im Gange sind, so hat der Minister des Innern die Verfü- gung getroffen, daß dieselben mit den ersten Tagen Octobers auf ihren betreffenden Posten sein müssen, um die Wahlbewegung zu überwachen. Nach den bis jetzt eingegangenen Berichten der Präfekten aus den verschiedenen Provinzen wäre eine bedeutend verstärkte Linke zu erwarten.— Aus Neapel wird berichtet, daß dort die muralistlschen Umtriebe aufS neue auftauchen. Geheime aus Frankreich ge- kommene Agenten setzen ErgebenheiiSadressen an den Prinzen in Umlauf, und senden dieselben mit Un-