Nr. 164. Berlin, Sonntag den 8. Lclobcr 1863. Dtmoliritt. Diese Zeitung ersckeiul täglich mit Äusiiahme der So»»- und Festtage. Organ des Allgemeinen deutschen Arkiter-Vercins. Ncdigirt von I. v.».�Hofstetten und I. L. v. Schweitzer. Redactiou und Expedition- Berlin, Dresdnerstraße Nr. 8b. Abonnements-Preis ittr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljäbrlich 18 Sgr., monatlich 6 Sgr., eintelne Nummern 1 Sgr.: bei den Königl. preußischen Post- ämtern■•S'/s Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtprenßilchcn Deutsch- land lö�K�r., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(st. I. 4b. sttdd., st. 1. 50.«sterr. Wahr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expeditioih von jedem soliden Spediteur, von der Expreß- Eompagnie, Scharrenstr. l, soir'l auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate(in der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit I Sgr., bei sonstigen Annoncen mir 8 Sgr. berechnet. « S in m U, ar NC In lich Bei lich Bei den fei, tn Ouf; zur des schl. Agentur siir England, die Colonieen und die Überseeischen Länder: btr. Leuäer, 8. I-ittlo!se«-?ort. Agentur für Frankreich: 6. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rne Brnlee; Paris, 2. Cour Street, Leicester-Square W. C. London. da Commerce Saint-Audrd-des-Arts. - das Bei der Dru kanr Dru tra und um ohne lheil Bestellungen fiir das vierte Onartal wer- den fortwährend(auswärts auf den Post- äintern) angenommen. politifchrr Kheil. Deutschland. � Verlin, 7. Oct. fAnm Abgeordneten- tagj schreibt der Stuttgarter„Beobachter": Da' aß die„große deutsche Fortschrittspartei", welcher man auf der Landesversammlung in Eßlingen auch die BolkSpartei Würlteniberg« als„Bataillon", natürlich unter preußischer Führung, einreihen wollte, sich in Preußen, tkurbessen. Braunschweig als eine national und liberal gefärbte Fraktion der Partei de« spezifischen Prenßenlhuw« entpuppt hat, dessen richtigster ii»d rein- ster AnSdrnct Herr v. Bismarck ist, hat un« nicht über- rascht. Wir haben ähnliche«, ohne u»S auf diesen Schars- sinn etwas zu gute thnn zu wollen, von jeher prophezeit uno sind darum Preußenhasser und Partikularisten ge- schollen worden. Ach! wir hätten gerne Unrecht gehabt, und freuen uns der traurige» Entbülluiig nur in sofern, al« die Klärung der Parteiverhältiiisse der erste Schritt zn ibrer Besserung ist. Die Herren von der TriaS-Jdce--- denn solche sprechen hier, wie wir demnächst nachweisen werden— oergessen, daß, wenn man lediglich die Wahl zwischen dem großstaatlich-pxeustischcn ParticularisniuS einer- seits und dem mittel- und kleinstaatlichen'Particu- larismuS andererseits hätte, der erstere immer noch weit vorzuziehen wäre. Glstcklicherweise steht aber die Sache nicht so: vom Standpunkte der deutschen Raiion, vom Standpunkte des deutschen Radi- caliSiiius muß gegen jeden ParticulariSmuS Front gemacht werden. Man sollte nicht für. mbH- lich halten, daß'man überhaupt nölhig Halle, die Richtigkeit des lächerlichen TriaS- Piojecles noch besonders nachzuweisen. Da aber diese Unglück- selige Trias-Idec von Neuem anflaucht, und noch dazu als eine„demokralifche", so werden wir uns dieser Tage der langweiligen Aufgabe, die Unbe- rechtiglheit an» dieses ParticulariSmuS nachzuweisen, leider unterziehen müssen.' — fZiim bekannten Porgang beim Ab- geordnelentagj erballcn wir jetzt nachstehendes Schreiben von Herrn B er n b. B e cker, Präsidenten des Allg. deutsch. Arb.-Vereins: Geehrte Redaktion! Die Bourgeoisie und auch- wohl noch einige andere Leute, welche au« dem Hinlergrnnde ihre Pfeile zu ver- schießen pflege», liebe» da« Skandalöse; darum wird der uiidedeiiieude Borfall. der am Abend des Abgeordnelen- lag« geschah, i» de» össentlichen Blätiern hcrumgezerrt. Natürlich kommt, wie Sic in der DonnerstagS-Rummer richtig verniulhelen, dabei die Enlstellung, ohne welche es in sonschrilllichen Blätiern nun einmal nicht bei der- gleichen Gelegenheiten abgehen zn können scheint, wieder mit ins Spiel, womit ick jedoch nicht gesagt habe» will, daß die Eorrespondenteii der sorischrittlichen Blätter selbst Fortschrittler gewesen sein müssen. Die Lassalleaner sollen znsolge der sortschrilllichen cbronique scandaleuse u»ter den Abgeordneten am Sonntag Abend« erschienen sein, um Provokation zu betreiben! Diese gehässige BorauSsetzuug ist schon da- durch widerlegt, daß blo« sehr wenige der Unfern er- schienen. Denn sicherlich wären, wofern e« auf Skandal abgesehen gewesen wäre, nnsere Mitglieder in genügender Macht erschienen, um nöthigensall« den Saal zu räumen, anstatt selbst hinausgeränmt zu werden. Wa« mich anlangt, so bin ich nicht, wie die„Bossi- lche ZciNliig" andeutet,„mit Arbeitern umgeben" im Saalda» erschienen, sonder» in Begleitung des Herrn Professors Eckardt an« Heidelberg, mit welchem ich eine Znsammenkniift gebabt batlk. Der genannte Herr muß mir wabrheitSgemäß bezeugen, daß ick gar nicht mit in die„geniütbliche" Unlerhaltung der Abgeordneten gehen wollte, sonder» daß ich c« mir mit vielem Widerstreben auf stiiie» dringenden Wunsch that. Ein junger Freund von hier begleitete un«. Nachdem wir vielleicht drei Biextelstundeii an tinem besondern Tisch gesessen hallen, suchten sich die Herren, welche in dem Wochenblatle de« Herrn Professor Eckardt.ihr Parteiorga» erblicken, an einer einzigen Tasel zusammenziisetzen und wir wurden ebenfalls ersucht, daselbst Platz zu»ehnien. Hier ballen wir volle anderthalb Stunden gesessen, ohne daß ein einziger Arbeiter der Lassallesschen Partei zugegen gewesen wäre, al« von de» Unfern sich« Mann, welche au« einem außerhalb Franksurt« gelegenen Bergnügungsorte heim- kehrten, im Saale unler den Abzeorbnelcn ankamen. Man ersieht hieraus, wie e« mit der Geuauigkeit des Correspondenle» der„Bossischeu Zeitung" bestellt ist, wenn derselbe schreibt: „Bald bemerkte man auch Herrn Bernhard Becker, den Präsidenten de« Allgemeinen deutschen Arbeiterver- ei»», umgeben von Arbeitern. Allmalig traten die- selben an diesen nnd Tisch, Diskulsion hervorrufend und angeblich(!) provokatorisch austretend." Ich möchte doch denjenige» kennen lernen, der mich an diesen nnd jeiien Tisch treten und Diskussionen her- vvriiifeii gesehen haben will! Da» Wort„angeblich" zeigt hinlänglich, daß der Eorrespondent der Bossischeu nicht aenau unterrichtet ift "1 Wirt hat bear statt aller Sta schäs —— Schließlich bemerk« ich noch, daß ich mit der gc zen Sache nichts zu th»n gehabt habe und daß der E rcspoiideiil der„Bossischeu Zeitung" au» Perfidie im' Gewalt mich hineinzieht Franksurt a. M., den 5. Oktober 1865. Bernhard Becker. Wir glauben vv» den Blättern, welche de' entstellten Bericht der„Boss. Zeitg. nachgedrulst haben, eine Berücksichtigung dieses Schreibens ei' warten zu dürfen.(Pergl. auch Harburg untkt „Vermischtes.") WMI — sZur bekannten B e r l ä u»i d u u g in dfl „El der f. Ztg.") bemerken wir, daß auch die Arbeiter in RvnSdorf ihre Eulrüstuiig über diesclb! ausgesprochen habe». Näheres im Vereinstheil. —[Ben den vierzehn Anklagen gege!> den„Soc.-Dem."j, bezichiingSwcisc dessen vei antwortlichen Redacteur, komincn acht am 27. O(ch Borni. 9 Uhr, vor drm hiesigen Stadtgericht z»'- Aburtheilung. In der Anklageschrift ist auf d'� §§. 87, 100, 101, 102 u. 56 des Sirafgeseybuchc� — jUeber Arbeiter-Coalitionenj spricht sich Herr Prof. V. A. Huber in ein�r tigcnc> Brach iire dieses Titels(„Ein ver EoalilionScoii' Mission nicht vorgelegtes Gutachten") aus. I dieser Brochüre, auf welche wir wohl noch znrücl ilüssig kommen werden, heißt eS u. A., nachdem die Ei wände gegen unbedingte CoalitionSfreiheit bd fprochen sind: Die freie Bindung zu gemeinsamer Krasr allein ka»l o........ �... /Cr...... v.. t-'i. ti deS der einei Erst Ned Anzc „Da lichei stückt fache den j ches Kre, betre den, Bern Niani Einlc Werls digen Turiii ihres irt h lud. tränkt Und t baß t lichen, wesentlich polizeilichen Detail« abhängig zn machet Zu den wichtigeren auch gesetzlichen Detailfragen gehör- ohne Zweifel Alle«, wa« de» Uju« längerer Bindung� f WMWWWWWWWW»»» am Gewinn überhaupt, die latente Genossenschast die best'g.fjrct tristen zwischen Arbeiter und Arbeilgeber fördern s,, regulireu kann, wozu eben die Belbeiligung der Arb-- sürch� und bedeutendste sociale und votkSwirthschastliche Maler» und Stoff tieseui würde. In allen diesen Beziehung� aber bedarf e« nur der Anerkennung de« tiilscheideildü Princip«, um alles weitere gar sehr zu Vereinsachen.» t,, g" gilt mit einem Wort Aushednug der aus die EoatinM �� u. s. w. und der damit etwa verbundenen evenUlelmst..� Pstchl» da« Atom vor den Gefahren der Freibeit schützen. Ebi' erstilt, deshalb halten wir e« nicht für nölhig, die Freigebuni der Eoatilio» formal und principiell von diesen Fragc» und noch weniger von nnlergeordneten, lelbstverstän� s. iticti, sow« t bei et. :tt(o t, � ingen, gegen irlig-S Ha«" de. : Hot 5 unv giegne aruD'r Verletzung fremder Rechte oder Interessen bezügliche» Specialgesetzgebung. Alle diese Dinge. Kvnirallverletzun- Zen u. s. re. müssen in den Bereich des allgemeinen Rechts gebracht werden. Wa« die gesetzliche Stellung der eigentlichen Genossenschajten betrifft, so würde uns der Schulze'sche Vorschlag ziemlich genügen, wenn und leweit er die Corporation nicht ausschlösse. — sJn Sachen May's� sind nachstehende Telegramme eingelaufen: Perleberg, k. Oct., Vorm. Der Gerichtshof in dem Map'fchen Prozesse, welcher vor dem hiesigen Kreis- Gericht heute begann, befleht au« den Herren Direktor SlamininS, Kreisrichter Beyrich und Kreisrichter Bahr. l» Vertreter der Staatsanwaltschaft sungirt Oberstaats- «nwalt Adlung an« Berlin Rechtsanwalt Holthoff aus Berlin und Rechtsanwalt Hellhof au« Perleberg führen die Bertheidignng. Der Oberstaatsanwalt beantragt beim Beginn der Verhandlung Ausschluß der Oessentlich- ieu. Der Gerichtshof beschließt, gegen den Widerspruch Beriheidiger, dem Antrage der Staatsanwaltschast öß. Perleberg, 6. Oct., Nachm. May ist freige- hrocheu, weil seine Kenntniß von dem Inhalte des kriminirtcn Artikel« nicht»achgewiesen werden konnte. Altona, 7. Oct. Die heutige„Schlesw.-Holst. Z." leidet in einem Telegramme au« Perleberg von gestern, >ß May nach seiner Freisprechung aus der Hast ent- Isen wurde und beute früh nach Hamburg 'stigen Part» in der ft des •in die sich 1:1 »ätw die ihr obliegende Kontrolspfticht nicht zum ivßen Schein herabsinke. Aus diesem Grunde bc- fachtet die Commispon ihre Wirksamkeit blos als 'de einstweilige und als eine bis zur Erlassung tr erbetenen Anordnungen dauernde. Dabei ist Ht zu übersehen, daß grade in Folge dieses 'ausschiebbar gewordenen Maßregeln zur festen �wmirung ihrer künftigen Wirksamkeit baldigst steoeckentsprechend treffen zu wollen. Die Controle- v-a Immission wurde zu diesem gewiß loyale» Schritte 'or allem durch die Ueberzeugung bestimmt, daß « dem ihr zustehenden Rechte der Berichterstattung d> die Reichsvertretung und der damit verbundenen »ublicität, welche Bcfugniß durch das September- :n i1-' igtent vertagt wurde, die eigentliche Garantie liege, an» W'W fl d-s n uicdt Blast „daß rd si-v zfrund- osischc" inep' läugntt Unrel' -Iliexico , helle" e eile"' hebett' Blattet rklären, geseY' eien -er D"1 )fficiet/ irdi»�'' Schrittes eine klare Normirung dieser hochwichtigen Frage zu gewärtigen steht.— Gegenüber kolpor- tirten ungünstigen Nachrichten über den Stand der Verhandlungen, betreffend daS Anlehen, versichert die„Generalcorrespondcnz" auf das bestimmteste, daß die neuerdings eingetroffenen Berichte über den Stand der Unterhandlungen ganz befriedigend lau- ten und daß, wenn sich der Abschluß der Berhand- lung noch kurze Zeil vertagen sollte, der Grund hiervon einzig in dem ernsten Streben des Leiters der Finanzen gelegen sei, der augenblicklich ungün- stigen, durch Zufälligkeiten altcrirtcn Situation des europäischen Geldmarktes keine besondern Eon-! cessionen machen zn müssen. —[Die Wahl-Agitation in Ungarns, i die ursprünglich den gewöhnlichen, auch dem Per- fahren in Deutschen Landen entsprechenden Verlauf hatte, nimmt nunmehr schon einen lebhafteren,. südlicheren Charakter, eine buntere Färbung an. Zahlreiche Fahnen wehen, namentlich in Ofen, von den Häusern; Wahlzettel, Proklamationen, Lob- und Spottgedichte, die sich allerdings mehr durch Personalkenntniß und scharfen Witz, als gerade durch parlamentarische Korrektheit auszeichnen, wer- den persönlich kolportirt; Aufzüge mit„Rittern hoch zu Roß" werden veranstaltet; Berufene und Un- berufene tummeln und„bummeln" auf den Straßen. Jndeß muß zugestanden werden, daß bis jetzt Alles sehr solid und gemüthlich verlausen ist; eS wird allerdings so manches Maß mehr getrunken und auch manches hastige Wort mehr gesprochen, in- dessen bleibt es dabei. Aus Pesth, 4. Oktober, Abends, wird telegraphirt: Eben wird Deal ein imposanter Fackelzug gebracht. Er dankt in kurzer unpolitischer Ansprache. Ausland. 14. Paris, 5. Oct.[Das Octoberhcst der Zeitschrift„Association". Geschichte der Eooperativbewegung. Neue Productivge- s e l l s ch a f t e n.s Das Octobcrheft der„Association" veröffentlicht mehrere Artikel über die Geschichte der socialen Bewegung in Frankreich u»d im Auslande. Der erste dieser?lrtikel ist eine Mittheilung nnserS Professors Huber über die älteste Protuctiv-Assvcia- lion Deutschlands und Europa's überhaupt, näm- lich die der Tuchfabrik in Sega», welche in der zweiten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts gegründet wurde, als dieser Theil Schlesiens noch fast auSsckließlicb von Slaven bewohnt war. Es ist übrigens bekannt, daß die slavische Race ursprüng- lich mehr als andere europäische Völker zur Asso- ciation geneigt war und sociale Institutionen hatte. So waren namentlich die ländlichen Gemeinden auf gemeinschaftliche Bearbeitung des Bodens gegiün- det. Jene industrielle Association war allerdings, dem Geiste der damaligen Zeit gemäß, nur eine Verbindung von kleinen Meistern; denn die Lehr- jähre deS Handwerks umfaßten eigentlich auch die Gesellenzeit, und man kannte keine andere selbst- ständige, ausgebildete Arbeiter, als die Meister. Diese Genoffenschaft hat sich trotz aller Verände- rungen und Stürme im politisch-socialen Leben bis heute erhalten, wenn auch mit wechselndem Glücke und vielen Modifikationen. Aber trotz der Ein- führun� von Maschinen, ist sie heute noch immer ausschließlich eine Genossenschast von Meistern, welche ihre Gesellen mit einem sehr kargen Lohn abfindet. In den letzten zehn Jahren betrug der mittlere Tagelohn der Gesellen 10 Silbergroschen; nur wenige bringen es bis auf 20 Silbergroschen Tagelohn. Ohne Zweifel hat Schnitze-Delitzsch hier die Idee zu seinem Genossenschaftswesen ge- schöpft.— An den Artikel des Professor Huber schließt sich ein anderer über die eigentlichen Ge- nossenschaften des Mittelalters, welcher, wenn auch nur in ganz allgemeinen Zügen und mit Hin- Weisung auf eine Genossenschaft deS dreizehnten Jahrhunderts im mittäglichen Frankreich(der Tuchfabrikanten von Cahors) Geschichte, Motive und Geist dieser Eorporationen kurz und scharf characterisirt.— Endlich schließt sich hieran ein Artikel des Rebactcurs deS„Economiste francais," eines Fonrieristen, übcrdcn Ursprungund dieGeschichte der modernen Cvoperativbewegung in Frankreich. Es werden in diesem Artikel eine Reihe von Schriften critisirt, welche kürzlich über die moderne Eoopera- tivbewegung erschienen sind, und die den sranzösi- schen Socialisten, den eigentlichen Urhebern dieser Bewegung,� zu wenig Rechnung tragen. Allerdings ist es diesen Theoretikern selten eingefallen und noch seltener gelungen, ihre Theorieen zu verwirk- lichen. Doch haben unter ihrer Leitung schon manche praktische Anfänge ins Leben treten können, und die beutigen Associationen sind nichts Anderes, als die Fortsetzung der nach 1848 von socialisti- schen Arbeitern gegründeten Prodnkliv-Associatio- ncn. Es ist gut, daß den französischen Arbeitern diese socialistischen Traditionen wieder ins Gedächt- niß gerufen werden. Mit Recht hebt der Ver- fasser hervor, daß, wenn in Frankreich gegenwärtig die praktischen Associationen weniger zahlreich seien als in England und Deutschland, dieselben dagegen von einem weit besseren Geiste beseelt seien und den letzten hohen Zweck mehr im Auge haben, als die- jenigen der genannten Länder. Uebrigcns nehmen täglich die Produktiv-Associationen ein weiteres Feld ein. �Neulich hat sich unter andern eine Association von geistigen Arbeitern gebildet, welche sich mit Uebersetzen, Schreiben, Buchführen, Zeichneu und ähnlichegArbciten besaßt. Schriftsteller, Ingenieure, Sprachlehrer und Angestellic bei den größten Ad- ministratiouen von Paris haben bereits ihren Bei- tritt zu dieser Association erklärt. Man darf nicht Feuilleton. Lilder aus dem Ärbeiterleben. Von Gustav K. . II. Eine Haudwerkeriamilit. Wenn Ihnen Ihre Kinder sterben so glauben Sie. da« sei ein Zufall Es ist kein Zufall, es ist ein eiser ne« statistisches Gesetz, wurzelnd ii Ihrer schlechten Lage. Lassalle. o»>»" Htld unserer Erzählung, ein Tischlermeistei >taistt ,l mittelgroßen Stadt imfere« deutschen Vaterlandes s teil" k®.' Neumann. Ob dieser Name der wahre sei, be " Auf �stln wir selbst, hoffen aber, daß sich der Leser ini die Luft,— als sich eine kleine Seitenlhür öffnete und die Frau des Meisters, eine rüstig? Fünfzigerin, in die Werkstatt trat. Aber sage mir, Neumann, was bedeutet denn das? Willst Du Dir denn keinen Augenblick Ruhe gönnen? Ä �..n— t:x> w:« WW»> Irb-ltt« deg""' tlig ie' � Versicherung begnügen wird, daß das traurige selt Geschick des Mannes, den wir hier zu schildert °tn, der strengsten Wahrheit entspricht. .Nach dieser nothwendige» Einleitung wollen wit * sofort zu dem engeren Schauplatz unserer Erzählunc sillgen. Da« Stllbchen, in welchem Meister Neumann arbei !*• war ziemlich klein und hatte höchsten« für die zw- »eiter Raum, die oba»"t tit £" zen.Raschelnd flogen die Hobelspäne aus den Fußbod> Meister und Lehrling— dein r,t eines Sommerabends darin in eifriger Arbei Csfen waren. gewäh�* sie kniehpch bedeckten, die Sügespreu verfinsterte sas Um so eher hättest Du gehen können, eiferte die Mei- sterin, aber ach— riej sie, sich unterbrechend, indem sie einen Blick zum Fenster hinauswarf. Weiß Gott, sieh doch dort an der Ecke! Er ist e«, er ist es und gar in Unisorm! und mit dem Ruse: mein Karl! eilte sie hin- ' aus, während der Mann bedächtig solgte. Das war ein Empfang l So freundlich, so herzlich, daß der Infanterist, dem er galt, vor lauter Umarmnn- gen und Fragen gar nicht zu Worte kommen konnte. Endlich begaben sich Alle in die geräumige Wohn- stube. Thoma«, sagte der Meister launig, laß den Schwindel heut ruhen und hol' mir.Marien. Du weißt ja, wo sie jetzt näht. Sag ihr, sie solle sofort zu Hause kommen, Karl ist da. Und Du, Alte, wandte er sich zur Meiste rin, mach' uns wa« zurecht l Schon Alles gethan! sagte diese, indem sie den Tisch deckte. Es war rührend, wie die zärtliche Mutter sich fort- während in ihrer Beschäftigung unterbrach, um sich alle Augenblicke nach den Wünschen ihres Liebling« zu er- kundigen. Wie blaß und angegriffen Du aussiehst! sagte sie zn Karl. Ja, der Dienst war in letzter Zeit besonders streng! lautete die Antwort. Hm— fiel hier der Alte ei», welcher bis dahin nicht das geringste gesprochen und sich, wahrscheinlich um seine Rührung zu verbergen, mittelst einer langen Tabakspfeife in eine dichte Dampswolke gehüllt hatte,— ich glaube, Du bist schon vor drei Tagen-- Ganz recht, unterbrach der junge Soldat den Bater,