Berlin, Mittwoch den It. October I8«S. -Dtmokral. Z�iese Zkitung ersckeinl täglich mit Ausnltbme der Zoiin- unt Fostlagi. Organ des Allgemeinen dentschcn Arbeitcr-Bereins. Dresdnerliraßc Nr. 85. Redigirt von Z. B. v. Hofstetten und I. B. v. Schweitzer. Zweite Aukage. Herr v. Bernuth hat die erste Auflage dieser Nummer confiscirt. Zweite Auflagt. Bestellungen für das vierte Quartal wer- den fortwährend(auswärts auf den Post- ämtern) angenommen. Vortrag vor der allgrmrinrn Ärbritrr-Vrrsammlniig in der Berliner„Alhambra", ani 8. October l. I. (Mit einiger Äiisfeilmig nach stenograph. Aufzeichnung.) Meine Herren! Ein hartes Wort ist am vorigen Sonntag in diesen Räumen gefallen...Wer dem SocialiSmuS huldigt"— so ungefähr bekanplete Herr Sckiulzc' Delitzsch—..wer dem SocialiSmuS huldigt, der gehört ins Narrenhaus." Da nun, m. H., meine GesinnungSgenosten und ich allerdings der iocialistischeu Richtung angehören, trotzdem aber nicht gesonnen sind, siir TollhauSkandidaten zu gellen, so gestalten Sie, daß ich vor Ihnen etwas näher auf die Sache eingehe. Am besten wird es sein, wenn ich zunächst den Gedankengang, welcher dem Borlrag vom vorigen Sonntag zu Grunde lag, ganz kurz wiedergebe. Herr Schulzc-Delitzsch ging von dem großen Siege aus, welchen die Sache der freien Arbeit in Nord- Amerika errungen hat. Er zeigte, wie die Arbeit früher in den Banden des Sclaventhums und der Leibeigenschaft lag, und wie allmählig anS diesen Banden die Arbeit sich zur Freiheit hcrauSgeruugen; er wies darauf hin, daß diese Freiheit noch keine voll- ständige sei, indem dies erst nach Einführung der vollen Gcwerbefreiheil der Fall sein werde, wonach Jeder das Recht häite, unbeschräukt über seine Ar- beitSkräsle zu verfügen. Er knüpfte djeran den Hin- weis, daß mit der volkSwirihschaftlichen Freiheit der Arbeit auch die politische Freiheit des Arbeiters komme» müsse. Allein mit der politischen Freiheit, mit der allgemeinen RecktSgleickhei' sei auch die Sache erledigt. Eine sociale Gleiwhcit sei unmög- lick-, da die Natur selbst Unterschiede unter den Menschen gesetzt habe. Die d'age des Arbeiters nun, schon jetzt eine weit bessere wie früher, werde fortwährend mit der Entwiefelung der Verhällnilse sich heben und insbesondere würden die Errungen- sckaflen der Wissenschaft, vor allem die Vervollkommnung des Maschinenwesens, hierzu beitragen. Den Schluß dcS Ganzen bildete eine, nicht weiter hierhergehörige, politische Erörterung über die preu- ßiscke Fortschrittspartei. Meine Herren! Ich glaube, Sic Alle werden mir zugeben, daß es henle nickt meine Ausgabe sein kann, rem Sckulze'schen Vortrage Schritt für Schritt zu folgen und jeden einzelnen Punkt deS- selben, den ich für unrichtig halte, zu widerlegen; dazu würde schon die Zeit nicht ausreichend sein. WaS mir vielmehr obliegt, ist nur dieS: die Hauptpunkte, d. h. diejenigen, um welche sich die andern Punkte als nebensächliche gruppiren, heraus- zugreifen und sie mit Gründlichkeit und Gedanken- gcnauigkeit zu widerlegen. Wenn ick den Vortrag des Herrn Schulze über- blicke, so fällt niir vor Allem Eines auf: daß nämlich imnier nur von.freier" Arbeit die Rede ist. Allerdings könnte man sagen, daß der Vortrag un- ter diesem Titel angekündigt gewesen sei. Allein, m. H., dann würde ick eben am Titel denselben Anstoß nehmen wie am Inhalt; denn Sic Alle fühlen wohl, daß es für die große Arbeiterfrage nicht nur darauf ankömmt, ob die Arbeit frei, d. h. der Forni nack frei sei— nur von dieser Freiheit der Form nach kann, wie ick später zei- gen werde, hier die Rede sein!— sondern daß noch eine andere Seite hier in Betracht kommt. WaS für alle jene großen Bewegungen, die wir in jüng- ster Zeit in Deutschland beobachtet haben, für alle jene Arbeitseinstellungen zuni Zweck ter Lobner- höhung, Leipzig voran, bestimmend war— ist es denn wirklich nur die Frage gewesen, ob die Arbeit frei sein solle oder nickt; oder lag nickt vielniehr noch ei» Anderes zu Grunde? In der Thal,»,. H., es handelt sich nickt allein darum, ob die Ar- beit„frei", es frägt sich auck, ob sie einträg- lick ist. M. H.! Wenn wir uns fragen, welches denn das vernunftgemäße, das in der natürlichen Gcreck- tigkeil begründete Reckt der Arbeit bei der Hervor- bringnng neuer Werthgegenstände sei, so müsie» wir sicher erkeuuen: daß naturgemäß der Ar- beit der durch sie geschaffene Werth zu Gute kommen müsse. M. H., ick sage nickt: der neu entstandene Gegenstand; den» allerdings kann in diesem neu entstandenen Gegenstände ein Werth stecken, welcher bereits vor der fraglichen Arbeil vorhanden war; ich sage nur: der durch eine be- stimmte Arbeit neu entstandene Werth müßte demjenigen, der gearbeitet hat, zu Gute komnien. Nu» wissen Sic aber Alle, daß dem durchaus nickt so ist: daß viclmcbr der Arbeiter niil einem kärglichen Vchii abgefunden wird, während die durch seine Thätigkeil enlslchendcn neuen Werthe einem Andern, dem Unternehmer der Arbeit, zufallen.— Woher dieser Sackverhalt? M. H.! Es hantelt sich hier uni eine Unter- suckung, welche für unsere gesammte weitere Betrachtung von entscheidender Bedeutung ist, und Sie werden eS daher natürlich finden, daß ich gerade hier mit besonderer Genauigkeit zu Werke gehe. (Fortsetzung folgt.) polititcher Thtil. Berlin, 10. October. Die TriaS-Jdee in ihrer ursprünglichen Ge- stall lief darauf hinaus, daß unser deutsches Vater- land bleibend in drei Theile, Oesterreich, Preußen und einen Verband der Mittel- und Klein-Staaten gespalten werden sollte. Diese vaterlandSverrätberische Idee mittclstaat- lick-particularistischer Fürstenknechte ist eine auf den ersten Blick schon so unhaltbare, kleinliche und gekünstelte, daß sie, in unverhüllter Nacktheit aus- tretend, die ösfenilickc Aufmerksamkeit auck nur einigermaaßen aus sich zu ziehen niemals ver- mockt hat. Allein diese selbe TriaS-Jdee, schamhafter ge- worden, tritt jetzt in verhüllendem Gewände auf. Eö ist dies dasselbe Gewand, welches auch raS Großpreußenthum lange Zeit umhing: man iprickt nemlick davon, daß dieses Experiment nur cill UebergangSstadium zur deutschen Einheit und Freiheit sein solle. Ganz wie der GothaiSmus! Denn bekanntlich predigte man zur Zeit der höchsten BezrissSver- wirrung in Deutschland, zu jener Zeit nemlick, als in Berlin liberale Schwachköpfc am Ruder waren, welche glaubten, der„roclior de lironce", der eherne Fels des preußischen Absolulismus, könne durch einige papierne Spielereien zerbröckelt werden — bekanntlich predigte man damals durch das ganze deutsche Vaterland: man solle sich nur Preußen anschließen, dies sei e>» UebergangSstadium, aus Preußen werde daS einige, freie Deulschlanv werten. Das Großpreußenthum ist heute noch, was es immer war: das Streben, den preußisch-branden« burgiscken Staat in Deutschland groß zu mache»! nur daß heute die wahre Natur dieses preußischen Staates offen und faßbar zu Tage liegt und daher jeder erkennt: daß gegen den Willen des absoluten Köiiigtbums, gegen das„persönliche Regiment" der preußischen Könige eine papierne Verfassung nicht auskommen kann, daß, mit Einen, Wort, dieses Königreich Preußen, so lange es Überhaupt besteht, das alte absolute Preußen bleibt, und daß an diesem dauernden Sachverhalt nicht dadurch etwas geändert werden kann, daß zeitweilig liberale Hans- wursten ihre papierne Hanswurstenkappe der Pickel- Haube überstülpen. Hören wir übrigens nunmehr, wie die neueste „demokratische TriaS-Jdee" empfohlen wird:') Man hat das Programm der BolkSpartei, CoalitioN »nd Partanieut der Mittel staaten, eine Trias geheißen und dessen AilSsllhriiiig für unmöglich erklärt. Die TriaS ist die dreiköpfige Mißgeburt, von Piofessoreilditnkel»nd Fllrstendieiierei im geschändeten Bette der Revolutio» gezeugt. Die Eoalition der Mittelstaaten dagegen ist seine TriaS(!?); sie ist kein Endziel, sonder» ein Ansang, kein Zweck, sondern ein Mittel; sie will nur einen ernste» Kern bilden, um den sich die übrigen Stämme grup' piren können. Wo soll denn hier noch ein Unterschied sei» zwischen den Golhaern und Euch„Demotralen?" Jene wollen sich a» die preußische Regierung, de le >errer preußsi toirtxrl Ab . Wi kennen Deutsck ftäder säinm den pr »ährt, S.egenstt ttSmuS �ses Wer b den wü Die fen mi Zerhau Uch en artit Als daß üb- perr we -Ssell -utsch Aber „ Fühl �emokrc »HS bei ehend, Wht? Preu lahige sj»l eur Staaten. K, i >, f. '»beding 'erdamm Wer >e" Z eußerur Di- C 'cht da« au« u »chter V 'Utschei Man, 'A Aiissb 'ichzeilig »buc tr l 3a, n »«•schlag '»slen ge ! gründe gemachte »lk anfru stagung litzeii. sc '«Versen. Also l Nein! den d »ste de «jonetle: '»«dessta 'itelleu. „M o i ganze ') In dem bereit« erwähnten Separatabdrnck aU» dem Stuttgarter„Beobachter":„Ein Beitrag zur LösuNs der deutsche» Frage von Ludwig Pfau.", * Be ->k Pr Achtens« «es«er Zusaw Ihr wollt Euch an dreißig kleine Regierungen„an- lehnen." Dieselben, hundertmal erörterten, auch von Euch betonten Gründe gegen das Erster« sprechen auch gegen daS Zweite. Di- Reden xom„liebepgangßstadium" hören wir da wie dort. Aber fassen wir die Sache an ihrem Kernpu�l! Will man denn niemals die große Wahtheil er- kenneu: daß dieser dreißigfache Particularismus in Deutschland einer Anzahl ineinander greifender Räder gleicht, durch deren eines man lndirect sämmlliche andere in Bewegung setzt. Wer ten preußischen'Particularismus in Deutschland nährt, der ninß indirect, weil er das demselben enl- gegeMehenre Element im österreichischen Particula- rismns zur Opposition reizt, auch zur Stärkung dieses österreichischen Particularismus beitragen. Wer bayrischen Particularismus zeigt, der reizt den würtembergischen Particularismus u. s. f. Dies angewandt auf»niern Fall ergiebl: wer den mittel- und kleinstaatlichen Particularismus überhanpi nährt, der fordert den großstaat- lichen(österreichischen und preußischen) Particularismus heraus. Als Endergebniß stellt sich die Erkenntniß ein: daß über dieses drcißigfache Elend nur ein Element Herr' werbe» kann, welches gänzlich außerhalb desselben und über demselben steht:— der deutsche Radicalismus. Aber noch Eines, ehe wir schließen! Fühlt Ihr denn nicht, Ihr neumodischen Trias- Demokraten, daß Ihr, obzwar, was Particulari». Mus betrifft, den traurigen Gothaern ganz gleich stehend, doch in einem Punkte noch lief unter ihnen steht? Preußen ist doch wenigstens eine actio nS- fähige Macht— das Staatengewurstel aber, mit dem Ihr es probiren wollt, ist, selbst wenn es den besten Willen hätte, schlechterdings ac- tionsnusähig, zur unbedingten Ohnmacht mit innerer Nothwendigkeit verdammt. Wer erkennen will, was die neueste„demokratische" Triasidee auf sich bat, der lese nachstehende Aeußerung des„Deutschen Wochenblattes": Die Lvusöderation der Mittel- und Kleinstaalen kann nicht das Programm der Demokratie sein: aber e« ist ein, an» unseren Reiben heran« dem Tage gemäß(!!) ge> Machter Borschlag: es ist da» letzte Anerbieten des deutschen Volkes an seine ssllrsten. Man wars unseren Rednern*) vor, daß sie(für den vom Ausschuß ganz vergessenen Augustenburger sprechend) gleichzeitig die legilimistische und republikanische Kahne trügen. Ja, wir sind Republikaner; aber trotzdem ist unser Vorschlag ein ehrlicher. Noch einmal ist es den deutschen Fürsten gegeben, einen monarchischen Bilndesstaag iu gründen. Wollen sie ihn, ohne oder gegen die Vormächte, wir werden sie unterstützen und da« Volk ansrufenX!); wollen sie nicht, so haben sie ihre Thron- entsagizng selbst erklärt. Die Gothaer werden sie nicht Ichlitzen, sondern am ersten günstigen Tage an Preußen Hinwersen. Also die letzte Rettung für die deutschen Fürsten! 1�-1 g®«1 E 8 g s«= 8£3.2= „M o n a r ch i s cb e r Bundesstaat!" Daß nicot die ganze Nation wüthend wird bei diesem Wort! Deutschland. * Berlin, 10. Ocr.(Zur äußeren Po- Ntik Preußens) erhält sich von verschiedeneu beächtenswertben Seilen das Gerücht, daß ein inni- steres Verhältniß zwischen Preußen und Frankreich, ''n Zusammenwirken dieser beiden Mächte, ange- dahnt werde. Daß dabei sllr Deutschland, wenn die Nation sich nicht rechtzeitig ermannt, nichts *) Beim Abgeordnetentage. Gutes heraus kommen kann, ist selbstverständlich. Wie sich die Dinge aber auch zunächst gestalten mögen— wir haben ein zu großes Vertrauen auf die europäischen Bewegungselemente, als daß wir die Zukunft allzuschwarz sehen könnten. —(Schleckt oder gut gekauft?) Wie die „Kreuzzig." miilbeilt, ist in der durch einen starken Verlag von Ritter- und Räubcrromane» bekannten Verlagsbuchhandlung von G. Basse in Quedlinburg eine Broschüre erschienen:„Lauenburg— Preu- ßisch." Dieselbe weist nach: daß Preußen daS Herzogthum um einen wohlfeilen Kaufpreis erwor- be» habe. Der lodte Werth Laueuburgs betrage 6,2�8,600 Tblr., der lebendige, d. h. der nach dem wahren Werlhe bemessene, 19,830,000 Thlr., zu- sammen in runder Summe 26 Millionen Thaler. —(Das Buch„Armes Frankreich!") von Rogeard, der bekanntlich vor Kurzem wegen dieses Buches aus Belgien ausgewiesen wurde, ist sowohl in Preußeu wie in Sachsen verboten worden. Warum? =-• o£. ===2®» 5 s 1|;f«üs "=•£-e s_ s■£ £~~ 5£? --3- ä"9"= 0 = —(May) ist am Sonnabend in Altona ange- kommen, dort festlich enipfangen worden und hat sofort die Redaktion der„Schleswig-Holstein. Ztg." wieder übernommen. Sollte der Rccurs, welchen der Oberstaaisanwalt, sogar, wie man hört, tele- graphisch wegen seines in Perleberg zurückzewie- fenen Antrages auf weitere Gesangenhaltung May'S einlegte, nachträglich für begründet erachtet werden, so steht Herr May also einer Wiederholung jenes militairischea Morgen- Besuches unverändert zu Gebote. Wien, 3. Oct.(Zur Finanzverwaltuug.) Sicherem Vernehmen nach steht ein„provisorisch giltigeS" Decrel bevor, welches die Staatsschulden. Ccmmisfion aus denselben Mitgliedern neu ernennt. . So wenigstens wird der„Franks. Post-Zlg." von Kier relegraphirt. Aber die Sache ist überhaupt sehr gleichgültig. Wer soll denn noch Vertrauen zu irgend welcken Einrichtungen eines Staates haben, dessen Kaiser ganz einfach sein eigenes feier- liches Kaiserwort ohne Weiteres wieder zurücknimmt, wenn es ihni paßt!? Ausland. * Paris, 8. Oct.(Tagesbericht.) Fast klingt es wie Fabel und doch wird heute stärker als je behauptet, daß einerfeils Oesterreich und Italien über Venetieu, andererseits die Vereinigten Staaten und das Kaiierthum Mexiko über die Monroe-Doctrin sich zu verständigen im Begriffe stehen.— Der ultramontane„Monde", der seit dem Zerwürfuiste des Kaisers Max mit der römischen Eurie so schlecht auf das neue Kaiserthum zu spre- cheu ist, wie er zuerst für dasselbe ius Feuer ge- gangen war, bringt die schrecklichsten Dinge über die mexikanischen Zustände. Es heißt' da: Ein aus Mexiko kommender ehrwürdiger Pater 0) entwirft uns ei» klägliches Bild von der politischen und kirchlichen Lage diese« Landes und sieht nur einer trüben Zukunft entgegen. Di- llnziisriedenheit über Maximilian I. ist allgemein—, da derselbe es sich angelegen sein zu lassen scheint, die Berimmgen des Jnarez fortzusetzen. Selbst die sranzösischen Officiere sagen, daß, wenn man zu diesem Punkte gelangen sollte, es nicht der Mübe werrb gewesen wäre, einen so kostbaren und mörderischen Krieg zu sllhren. Der Jrthum de» Kaisers Maximilian besteht darin, daß er in einem wesentlich katholischen Lande die liberalen Grundsätze Europa'» einführe» will. Was in Frankreich etwa noch erträglich sein mag, kann Mexiko nicht zusagen. Die Freimaurerlogen gedeihen dort vortrefflich und der Kaiser scheint sie zu begünsti- gen. Die Religion dagegen seufzt und das indianische Boll erstaunt darüber, daß ein Nachlomme Karl's V. dem Glauben seiner Väter so wenig treu ist. Der Strom der Emigration richtet sich indessen auf das reiche Land, dem Judustrie und Ackerbau so nmhwendig sind. Also sogar Beschützer der Freimaurerei ist der Bruder des Kaisers von Oesterreich!— Die Corre- spondance Havas melret aus Berlin vom 5. Oct.: In politischen Kreisen wird viel von dem herzlichen Empfange gesprochen, der dem Grafen Bismarck bei Herrn Drouvn de Lbuvs zn Tbeil geworden. Die fcndale Partei ist förmlich begeistert über den Erfolg des großen Ministers—--- In Betreff Österreich« macht man sich in unserer politischen Well keine Sorge mehr, da man zu gut weiß, daß es.mil inneren Angelegenheiten zu viel zu thun bat, al« daß es Preußens Bestrebungen ernstlich in den Weg treten könnte, und man hegt noch ungleich weniger Besorgnisse vor den deutschen Mittelstaalen, seit man sich versichert hält, daß sie ans keine wirksame Stütze bei den Westinächten rechnen dürfen; das fürchtet man freilich, daß für diese ein neuer Bundesgenosse auftreten könnte, nämlich Rußland. In der Tbat, trotz der gro- ße» Zurückhaltung, die Rußland bisbcr in der Herzog- ] thümer- Frage beobachtet hat, steht es außer Zweifel, daß Fürst Gortschakow stets mit den M�nenrs dritter Elasse in Beziehung blieb. Bei dem Mißmnthe, mit welchem Rußland Preußen zu Wasser und zu Lande an Stärke � zunehmen sieht, ist e« ganz natürlich, daß es den Per- silch gemacht bat, den Miltelstaaten die Unterstützung anzubieten, die sie bei den Westmächten uicht fanden. Die Fabrik- Verbindungen des kaiserliche» Hauses mir den Höfen mehrerer Kleinstaaten bieten eine» leichten Eanal, »m aus diese Höfe einzuwirken. Daß man in unseren politischen Kreisen einige Besorgnisse dieser Ar: hegt, steht außer Zweifel; auch wird versichert, daß die Mittel- staaten in der Herzoglhllnier>Frage einen OperationSplan entworfen haben, der sofort nach Wiedereröffnung der Bundestags-Sitzungen in Scene gesetzt werden wird. — Die„Gazette de France" hat beute be- veits die zweite Verwarnung erhalten. Die erste erhielt sie am Freitag, weil sie aus ein Eom- inuuique geantworter hatte; sie erklärte hierauf, daß sie von nun au nie mehr eine Bemerkung zu einem Eommunigu« geben werde; diese Bemer- kling zog ihr die zweite Verwarnung zu, die in der ministeriellen Verordnung folgender 'Maßen niolivirt wirb:„Zn Erwägung, daß, wenn die Regierung die Besprechung der Eommunique's unter der Bedingung gestaltet, daß man in den Schranken einer ernsthaften und loyalen Polemik bleibt, sie eine derartige Straflosigkeit bei den Ver- ivarnungen nicht bewilligen kann, welche die Antv- ritäl einer abgeurlheitlen Sache habe» und bewahren müssen."— Der„Alsacien" hat ebenfalls eine erste Verwarnung erhalten.— Der Prinz von ! Chimay hat den Direclor des Theater Francais auffordern lassen, in Zukunft„Madame Tallien" nicht mehr zu geben. Madame Tallien war seine Großtante. Dieses erregt hier viele Heiterkeit. London, 9. Oct.(Aus Asien und Anie- rika.) Reuter's Office bat Nachrichten aus Shan- ghai vom 4. September erhalten. In der west- lichen Tartarei ist ein siegreicher Aufstand ausge- brechen; die Provinz ZU hat sich vom chinesischen Reiche losgerissen. Die Nienfei-Jnsurgenlen haben in drei Städten kapitulirt; dein offiziellen Bericht zufolge soll Obrist Burg ev ine ertrunken sein.— Ans Amerika wird berichtet: In einem Gerichts- Hofe zu Brooklyn bei New-Hork hat am 18. Sept. der erste Neger, der in Amerika je als Ge- sckworner zugelassen worden, ans der Jurybank gesessen. Den ganzen Tag saß der Schwarze da unter seinen weißen Kollegen, ohne daß irgend ein Einwand erhoben worden wäre. Wenige Tage vorher hatte Newhaven(Eonnecticul) einen ähn- lichen Beweis geliefert, daß die sozialen Schranken : zwischen den verschiedenfarbigen Racen dem Falle entgegengehn. Die in der genannten Stadl be- stehende Universität nahm den ersten jungen Neger als ihren Schüler auf.- Die Lage der befreiten 'Neger in den Staaten des Südens bessert sich, obwohl noch hier»nd da Streitigkeilen vorfallen. Kopenhagen, 9. Oct.(Zur Verfassungs- frage.) In der beute stattgehabten Sitzung des Folkethings des Reichsraths ist der Jlaatsgrunv- gefetzentwurf in noch mehr veränderter Fassung wieder dem Landsthing überwiesen worden. Der Konseilspräsieent erklärte, daß die Regierung dem so veränderten Entwürfe nicht beitreten könne. * Italien.(Klöster. ParlauientSgebäude. Hübner nnd Bach. Zur. Bewegung. Pro- cessio».) Der Minister des CultuS und der Justiz hat abermals die Räumung dreier Klö- st er, in Arina, Falerona und Acquaviva, verfügt und die Gebäulichkciten de» Gemeinden zu Schul- zwecken überwiesen. Weitere Maßregeln dieser Art stehe» noch bevor.— In Palazzo Vecchio und in den Uffizien ist man jetzt mit der Einrichtung ver Lokalitäten für die beiden Häuser des Parla- nientes so ziemlich zu Stande gekommen. Die Minister, Natoli, Jacinr, Sorelli und Corlesi ha-