Nr. 167. Berlin, Donnerstag den 13. October 186S. �ocinl'lenioltrnt. Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ des Allgemeinen deutschen Ardciter-Vereins. Redigirt von I. B. v. Hosfiettcn und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition- Berlin. Dresdnerstraße Nr. 85. Abonnements- Preis sitr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr.. mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den Köuigl. preußischen Post- ämtern 22>/j> Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichlpreußischen Deutsch- land l8s/° lungen hin. Das Produkt freien Denkens und Forschens aber sind neue wissenschaftliche Entdeckun- gen und diese führen nothwendig wieder zu neuen gr- werblichen Erleichterungen, durch welche hinwiederum ein Theil der vorher in mechanischer Arbeit gcbun- denen Menschenkräfte zu geistiger Arbeit frei wird-' So Herr Schulze-Delitzsch!' Vertrauen im Volte dadurch verlieren; denn, wer das M. H.! In diesem Gedankengange sind Haupt- klare Recht Anderer nicht sieht, oder nicht sehen will, sächlich zwei Punkte zu widerlegen, von denen ich, k-nn sein eigenes nicht mit Wärme verthcidigen. Geben Mangels an Zeit, auf den einen nur kurz hinwei sin werde, während ich den andern allerdings aus- sührlich zu behandeln gedenke. Der erste dieser dunkle besteht darin, daß Herr Schulze behauptete, �ie Arbeit werde durch die fortwährende Entwicke- lung der jetzigen industriellen Produktionsweise eine immer geistigere, gewissermaßen des Menschen wllr- bigcrc. Dies ist unrichtig;— ja, es läßt sich das Gegentheil sagen. Während früher der Arbeiter in �er Regel entweder ein Ganzes oder doch den größeren Theil eines Ganzen anzufertigen hatte, ist derselbe, je großartiger die Produktion wird, desto mehr darauf beschränkt, nur kleine Theile «neS Ganzen herzustellen, wird daher auf einen wir in Schleswig-Holstein eine Vergewaltigung z», so verdienen wir sie selber, und sie wird uns auch über- kommen. Um so weniger sollen wir sie dulden, al« der Weg zur wahren Einheit und Freiheit Deutschland« durch da« Herz de» Volke« geht, wenn sie Bestand haben sollen, und nicht über da« schlilpsrige Terrain der Verzröfje- rungs- und Eroberungssucht. Diese Wahrheit möge man immer lauter verkünden, wenn sie auch scheinbar an den Machthabern erfolglos verhallt, so wird sie doch in der öffentliche» Meinung Ausnahme finden. Sic ist auch eine Macht, die, wenn sie richtig geleitet, endlich siegen wird und die Worte bestätigen: Recht bleibt Recht. —[Gin„Protest"] deS preußischen Abgeordneten Friedrich Harkort, in der„Rhein. Ztg." veröffentlicht, lautet: � stände des Geldmarktes." Der Geldmarkt ist aller» Vings knapp, wie die DiSconto-Erhöhungen bewei- seu. Ferner hat für die Leute, die gern hohe Zinsen beziehen, wenn sie auch etwas Unsicherheit in den Kauf nehmen müssen, neuerdings Amerika Oesterreich größtentheil« abgelöst. Aber der un- günstigste Umstand für eine neue österreichische Anleihe, und kein vorübergehender, ist die be- drängte Lage des österreichischen Staatsschatzes. Die Aufhebung der Reichsverfassung hat dazu bei- getragen, den Glauben an die Zukunft Oesterreichs auch in der Bourgeoisie zu erschüttern. Die Staats- schulden-Control-Commission betrachtet sich nach Aufhebung der Februar-Verfassung als nicht mehr zu Recht bestehend, und wenn die Regierung ohne Zweifel eine neue Commission ernennen oder die alte bestätigen kann, so genießt solche offenbar nicht serner das bisherige Ansehen. Zweifel aller Art rauchen auf über die neuen Credit-Operationen dieser zerfahreneu Regierung. Die Verlegenheit derselben ist groß.— In sehr gut untcrrich- der Arbeit als Lohnarbeit beruht. (Fortsetzung folgt.) 5 cÜ immer gunstigere werden überspringen, zu beurtheilen, überlasse ich dem Rich- B terstuhle der deutschen öffentlichen Meinung. Auch ich M. H.! Ich werde Ihnen nachweisen, daß daS halte die Machtstellung meines näheren Vaterlande«*) so gerade Gegentheil der Fall ist, und zu diesem hoch, wie die Herren Twesten und Genossen, allein höher Zwecke an den vorhin unterbrochenen Gedanken- da« Recht. gang anknüpfen— an jenen Gedankengang, in Kant sprach die scharfen Worte au«:„Wehe dem, welchem ich Ihnen zeigte, worauf die Erscheinung ver-in- andere P°li..k anerkenn I. al« diejenige welche ..... � y~ 0 dre RechtSgesetzc heilig halt." Dem pflichte ich bei. Wer das Selbstbestimmungsrecht Anderer Inicht achtet, untergräbt die eigene Freiheit. Nie werde ich der staatcnverderblichen Lehre huldigen, daß Macht über Recht gehe, und sicherlich nicht dem Mann, der in frivoler Weife dieselbe aussprach. Der Wahlspruch Wellesley's:„Die höchste Rechtlich- keil ist die höchste Klugheit" scheint den Staatsmännern * Berlin, 10. Oct. fZu den Parteiver- der Gegenwart abhanden gekommen zu sein hältniss-nf schr-tb. sehr'..... Rech, d.e„Neue � SÄ?« z. Man hat viel davon geredet, daß die preußischen h'Azjg"und�B-lle-AlNanc- �st-heu�ioch Im Schuwbuch" «lbgeordueten(mit wenigen ehrenvollen Ausnahmen) b-, mit Oesterreich und Rußland bereit« abgerechnet der V-rsammlt.ng deutscher Volksvertreter fehlten, vergißt nicht und verstebt zu warten. und daraus Schlüsse gegen die Versammlung zu ziehe»° Friedrich Harkort lÄ Fi™°d» unabstcht. Miiglied de« preuß. Abg-ordm.'enhaujes. üch. übersehen, daß tene» Ferneble, den zunächst nur gegen> z�ir begrüßen diesen Protest als-inen Vergleichs- in; n--? b., Ä i», w-ch-msch-n herangezogen. Diesen Punkt übrigens, m. H., Ich war nicht in Gotha, bin kein Mitglied des Na- will ich nicht weiter behandeln, gedenke vielmehr lional-Berein« und der Fortschrittspartei unv stehe außer Ittzt auf den zweiten Punkt, welcher eine der aller- Beziehung zum Sechsunddreißiger Ausschusse. Die' tcten Kreisen kursirt hier die Nachricht, daß ein Wichtigsten Fragen in unserem Fache enthält, ein- Frankfurter B-rsammlung besuchte ich nicht, um den hoher Militair dem Kaiser ein Memorandum ein- Zugehen. Die Frage ist nämlich diese: ob wirklich, nächsten Beschlüssen der preußischen Volksvertretung nicht welches die finanzielle Unmöglichkeit w e n n d i e j e tz i g e n P r o d u c t i o n S v e r h ä l t n i s s e vorzugre.fen p ich erwarte daß da, Hau« sich treu dl-.bt �. 0.. vOitc» � n! ttn m�n he»r /»»ttAttttfüt« V>»vrflrt... viel Truppen aus den Beinen zu hallen, als zu dessen Behauptung gegen Frankreich und Italien strategisch nolhwendig seien. Breslau, 10. Oct.[Polen betreffend.] Die„Breslauer Zeitung" meldet aus Warschau: Der dortigen Justizcominission ist vom General- Polizeimeister Trepow die Mittheilung zugegangen, daß der Kriegszustand im Königreich Polen Neujahr 1866 werde aufgehoben werde». Die GesetzeScommission solle die Strafe für Vergehen feststellen, deren Aburtheilung der Polizei zufällt. Karlsruhe, 9. Okt.[Zum Rücktritt Rog- gen b ach S] wird der„VolkSztg." von hier ge- schrieben� Man muß sich über die Kühle wundern, mit welcher da« Land die Nachricht von diesem Rücktritte aufnahm. Wohl hat dieser und jener nebenherlaufende Umstand, so z. B die bekannte, sehr ausgesprochene Neigung Roggen- bach« für den Bau der Alpenbahn Uber den St. Gott- hard in manchen LandcStheilen, welche den Bau der Eisenbahn über den Luckmauier vorzogen, zu einer leisen Mißstimmung gegen ihn beigetragen; wohl hat die ner- vöse Gereiztheit, die er oft den Kammern gegenüber an den Tag legte, manchmal zu nicht geringer Mißstimmung . Anlaß gegeben; wohl hat man gefühlt, daß seine aus- wärtige Politik doch nicht die Mischung von Einsicht, Energie und genialem Schwung besaß, die mau ihr Au- sang« zuzuschreiben geneigt war; der Hauptgrund für die unverkennbare Abwendung des Voltes von ihm war das Mißtrauen in seine Stellung zur Kurie.— Wie man hört, so will er Landtagsobgeordneter bleiben und in der nächsten Session seinen Platz auf der Linken ein- nehme». politischer Theil. Deutschland. k>ie preußischen Vertreter beweist. E« zeigt vor!.,.• Allein, daß die preußische Fortschrittspartei als solche meiie crflcultchen Fortschritt. faktisch abdicirt hat in deutschen Fragen, während—[Die„ A u g s b. A l l g. Ztg." in preu- ste faktisch ohnehin bereit« nullifiziri ist in preußi. ßischem Sold.] Daß dieses Blatt jetzt in preu- che»! Dies deutet denn auch sehr richtig die Wochen- ßjscheni Solde steht, erleidet keinen Zweifel mehr. .ichrisl der bayrischen Fortschrittspartei an. Es wird nicht �gj,.(efcn t)1. (letabc der unw-s-ntl.chst- Nutzen sei» den die Versamm- �er„Nürnb. Korrespondent" von. 4. d. M. entblödet ung vom �..Ok-°b-r bring, daß sie die Sch-.dung...cht m md)t � Behauptung auszustellen,„der Süden von Z fammengehrrender Elemente besoidert. Eine Neubij- Deutschland wird von Preußen immer al« ein Object bung der Parteien.st unbed.ngt nothweud.g und d.e« Jugef<()Cll �dcu. mit dem nach Umständen die Ansprüche -/ 9'rate P reußem 3n«btfonbere drängt Oesterreichs und die Einsprache Frankreichs abgefunden sich i-tzl d.« Frage voran: W.e wollen sich d.e M.tglie. werden müßten." Di-„R. Frank? Ztg." wagt e« sogar, ZU.-dem Versuche, von einer preußischen Eonvention de« Jahre« 1862 mit (LÄf"' a» J" i1 ö � Q,et 8roßPrfu' Frankreich über die„Theilung Belgien»" zu sprechen. ß'schen Plane durch Konzessionen an da« Ausland zu�a« alle« sind Zeichen, daß ei,, deutscher«azzwiSmn» rianfen? in der Presse Deutschland« zu arbeiten beginnt. —[Recht bleibt Recht!] Unter dieser Ueber-(?« jß also so weit, daß die„Mg. Ztg." sich Ichrist bringt die„Hagener Ztg." einen Aussatz, für in hämischer Weise gegen diejenige» wendet, welche lessen Verfasser man wohl nicht mit Unrecht den gegen eine etwaige Zerreißung Deutschland« zu preußischen Abgeordneten Fr. Harkort hält, und Gunsten dynastischer Pläne auftreten. ber also schließt:_[Zur europäischen Politik] wird der ' Dle Völker müssen zede rechtswidrige politische Hand- sz.-esl Üto" a»S«oven baaen 9 Ort tele- lang v-rurlh-ilen u»o verdammen und besonders da«-x:' ar r.« S-lbstbestimmungSrech. strenge festhält«,. Wird di-s-S graph.rt:„D.e osfic.elle Stockholn.er..Postze.tung" dicht mehr geacbtet, wie es in EchleSwig-Holstein den beleuchtet in Aufsehen erregender �Lelse dle Noth- Anschein gewinnt resp. der Fall ist, so muß da« Volk wendigkeit deS Zusammengehens Skandinaviens, darunter leiden, denn da« Unrecht straft und rächt sich. Deutschlands und Giiglauds gegen die von Frank- E» wäre also hiernach sehr an der Zeit gewesen, daß die reich und Rußland erstrebte Machrerweiterung." sireuß. Abgeordneleu mit den übrigen Deutschen Volks-_[Heber eiiicn ugcnt provocateur] J�Ttritetn auf d-m«bg-ordnel-nlage in Frank, ur, em- jst Merkwürdiges i,n„Vereinötheil" unter Leipzig [aüthig erklärten: Wir wollen das velbstbestiiiiiniiiigsr-cht-„!(;>>» Herzogthümer geachtet und gewahrt sehen und ver-' o sc,»» fahren uns gegen jede Bergewaliigiiiig. Leider sind im- � a fer- Volksvertreter nur in geringer Zahl erschienen: einige h-glerulig halte den Abschluß einer neuen Anleihe �ben für ihr Nichterscheinen wenig stichhaltige Gründe nahe bevorstehend und ganz gesichert dargestellt; �röffentlicht und läßt sich auS dem Ganze» schließen, aber dieser Abschluß läßt auf sich warten. Die N eie Aiinezionsliist viele Abgeordnete und cinen gro- Anleihe wird verzögert, wie die General- Corre- «en Tbeil des Volkes ergrissen bat. Man sieht hierbei, spondenz neulich erklärte,„durch unaünftiae Um- f'i bestechlich da« Rechisgesübl ist. wenn e« sich um eine � � �.... sdöne Beute handelt, die man in den Händen hat.-A-aS) Der-r-eulschc hat kein nähere« und kein weitere«, �uicchi flicht man mit dem Deutschen Einbeitsmantel zu er hat nur Ein Vaterland: Deutschland. "krdecken. Da« ist traurig, weil die Volksvertreter da« I(Anm. der Red. de«„Soe.-Dem.") Ausland. * Paris, 9. Ocl.[Allerei„Fragen." Frankreich und Preußen.] Der Winter scheint lebhafte Erörterungen über die nordische und über die orientalische Frage bringen zu sollen. Die Sprache des Pays über den Skandinaviöuins darf als Vorspiel gelten. Die Umgestaltung im Rorden, so hofft man hier, werde zu europäischen Verband- lungen treiben und bei dieser Gelegenheit auch Nvrdschleswig ernstlicher zur Sprache kommen, als jetzt, wo die preußischen Staatsmänner noch taube Ohren zeigten. Um die orientalische Frage Widder aufs Tapet zu bringen, geschieht in den Donau- Fürstenihllmern mehr als genug, und Rußland ist auch nicht lässig. Es giebl Leute, welche meinen, Oesterreich könnte eben so bequem an der unteren Donau, wie Preußen an. der Elbe und Eider als Vormauer gegen Rußland von den Westmächten patentirt werden; komme dazu dann hier noch ein Gesammt-Skandinavien, wie dort eine Verstärkung durch praktischere Reformen und besonders volkS- wirtbschaftliche Fortschritte in der Türkei und Aegygten, so werde dem russischen Kolosse der Weg nach Süd- und Nordwest noch eine Weile verlebt sein. Die Einnahme von Samarkand durch die Russen, selbst wenn sie nur zeitweilig wäre, kann nicht verfehlen, die Annäherung und Verständigung der Westmächte zu beschleunigen: denn Frankreich kann, wenn es will, in Asien den Briten den größten