Nr. 173, Berlin, Donnerstag den 19. October 18«S. �orinUlfiiiiJfernt. Dl-s-«-glich Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vcreins. R-d.-ti°�und Exp.diti.°- der Sonn- und Festtage. Redigirt von Z. v. v. Hofstetten und Z. V. v. Schweitzer. DreSdnerstrastc Nr. 85. Abonnements-Preis für Berlin incl. Bringerlobn: vierteljäbrlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.; bei den KBnigl. preußischen Postämtern 22'/» Sgr., bei den preußiiten Postämtern im nichipreußischcn Deutsch- land 18�/e Sgr., im übrigen Deutschland I Thlr.(st. 1. 15. slldd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Lestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, ScharrenNr. 1, sowii auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstman»" entgegen genommen. Iuseratc(in der Expedition aufjugebcn) werden pro dreizespaltene PetU-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 sgr. ivrechnet. die I Uns mit safer "es lrete scha komir . � fich Bort Grnn Blälti ren. welche selben sind d der käNUl, die J Spalt Hoffnr Frage! chendci vffentl darin klasse her; �orträ wurden Ha! 'retern [äffen, Kälber, b'effger den lel eri c!i Herr OTeche Helmitl er Sla Dründu Ulis die !'ien, iii! ?ur ans Volk sel! Agentur fiir England, die Colonieen und die überseeischen Länder: Alr. Kenäer, 8. Lättle New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: 6. Ä. Alexandre, Strassbonr�, 5. Kne Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. Bestellungen für das vierte Quartal wer- den fortwährend(auswärts auf den Post- ämteru) angenommen. Vortrag vor der aUgrmrinrn Ärbeitrr-Vrrsammlnlig in der Berliner„Alhambra", ani 15. October l. I. (Mit einiger Austeilung nach stenograph. Auszeichnung.) (Fortsetzung.) Auf den Gebrauchswcrth für sich allein ist der Tauschwertb nickt begründet; die Luft, das Wasser sind für uns hockst brauckbare, ja nothwendige Dinge, denen jedock ein Tauschwerlh nickt inne- wohnt. Ist es nun etwa die inenschlicke Thätig- seit, welche den Tausckwerth sckafft? Die mensch- licke Thätigkeit an sich noch nickt! Denken Sie Sick, irgend ein reicher Mann würde auf den sonder- baren Einfall geralhc», etwa hundert Arbeiter zu dingen, um dieselben auf den Krcuzberg zu schicken, mit dem Auftrage, dortselbst Erdkugeln zu formen. Wen» der Tag vorüber wäre, so lägen als das Ergelniß menschlicher Thätigkeit eine Menge von Erdkugeln dort aufgeschicklei. Allein Niemand würde diese Erdkugeln begehren, weil ein Gebrauchswerth in ihnen nickt vorhanden sein würde. Nebnien wir aber jetzt die beiden bisher behandelten Gesichts- punkte zusammen und betrachten-wir eine mensch- licke Thätigkeit, welche Gebrauckswcrtd schafft, so finde» wir, daß diese GebrauchSwerth schassende menschliche Thätigkeit, die Arbeit, den Tausch- werth hervorruft. Ein Tausckwerth erscheint also in der menschlichen Gesellschaft als solcher, weil und so weit in ihm eine gewisse Menge von Arbeit steckt, nicht etwa von willkürlicher, launenhafter Ar- beil. sondern von solcher Arbeit, welche den Be- dürfniffen der Gesellschaft entgegen komint, für sie GebrauchSwerlhe schafft. Diese Arbeit nun, gleich- wie sie dem Tauschwerthe überhaupt zu Grunde liegt, bestimnit auch die Werthhöhe deS einzelnen Werthgegenstandes. Wenn bei gewöhnlicher durch- schnittlicher Arbeit, einer Arbeit, wie sie ein Mensch von durchschnittlichen Eigenschaften bei einfacher Thätigkeit liefert, eine bestimmte Anzahl von Arbeitern eine bestimmte Zeil hindurch thätig sein müßte, um einen Centner Thee herzustellen, und eS würden andere Arbeiter in derselben Anzahl, unter gleicher Voraussetzung, dieselbe Zeil brauchen, um tausend Ellen Kattun herzustellen, so würden jener Cenlner Thee und diese tausend Ellen Kattun gegen einander ausgetauscht werten können; ein glc.cker Tauschwerlh in beiden Gegenständen läge vor. In der weiteren Entwickelung res Tausch- Verkehrs nun, m. H., stellt sich das Bedürfnis her- aus, alle vorhandenen oder möglichen Werthgegen- stände an einem einzigen Werthgegenstande, einem ' einzigen Wcrthstosfe, abzumeffen, und eS tritt uns entgegen das Geld, welches nichts anderes ist, als diejenige Waare, an welcher der Werth aller an- deren Maaren gemeffen wird. Wenn Sie daher 6 Milchbrvde vor Sich haben, welche 1'/, Sgr. kosten, und Sie haben ferner vor Sich ein Seidel Bier, welches gleichfalls l'/z Sgr. kostet, so besagt dies: daß die sämmtlicke Arbeit, welche in den 6 Milch- � treten steckt— mit eingerechnet die Arbeit desjenigen, der daö Feld bebaute, des Müllers, der das Ge- � kreide in Mehl verwandelte, des Bäckers der das- selbe in eßbaren Zustand brachte, kurz alle gesche- hene Arbeit,— daß also alle diese geschehene Ar- beit, so weit sie in den gerade vorliegenden Milch- broden steckt, gleich ist der Arbeit, welche von- nölhen war, um die vor Ihnen befindliche Menge Bier im Bierseidel herzustellen; oder genauer ge- sagt: daß eben so viel durchschnittlicher gesellschaft- licher Arbeit erforderlich sein würde, daS eine wie das andere neu herzustellen. Der Preisan- satz von 1'/, Sgr. besagt nichts weiter: als baß nach dem dermaligen Verhältniffe des Silbers zu den gesammten übrigen Waaren die in jedem der erwähnten Gegenstände steckende ArbeitSmenge in 'gemünztem Silber gleich 1'/» Sgr. ist. M. H.! Wir haben also die Erkenntniß gewon- nen, daß als Tausckwerth bildend die Ar- beit erscheint, daß somit die gesammte Erzeu- gnng von Werlhgegenständen, insofern sie solche nicht für den Einzelnen als Gebrauckswerthe, son- der» für die Gesellschaft als Tauschwerthe sind, auf Arbeit' beruht. Hieraus aber folgt, daß die � natürlichen Rechte der Arbeit auch die Grundlagen des ganzen wirthschaftlichen Gebäudes, der Einrick- lung der meuschlicken Gesellschaft, lein müßten, und in der That, m. H.. beruft sich die herrschende volks- wirthschaftlichc Sckule, die Bourgeois-Oeconomie, ! in einem gewissen Sinne auf das Recht der Arbeit. Zunächst sagt sie: Das, was einer erarbeitet hat, muß ihm gehören; er darf in dem vollen Genuß desselben, in der freien Verfügung darüber nicht ! gestört werden. Ganz gut! Aber betrachten wir die Sacke wei- ter! Mit der steigenden Entwickelung des Zusam- menhanges der gesellschaftlichen Verhältnisse tritt ein Zustand ein, in welchem einer, uni neue Werth- gegenstände schaffen zu können, im Borau? schon, bevor er an die Produktion geht, im Besitze bereits vorhandener Werthgegenftände sein muß, wie ich Ihnen dies im vorigen Vortrage eingehender aus- einandergesetzt habe. Derjenige, der neuen Werth schaffen will, muß nemlich für die Zeitdauer der Arbeit im Besitz von Wohnung, Kleidung». s. w., ' er muß im Besitz von Werkzeugen sein, die ihm die Arbeit erleichtern und dergleichen inehr. Er tritt min zu einem derjenigen hin, welche im Besitz sckon ! vorhandener Werthgegenstänre sind und spricht zu ihn,:„Ick will neue Werthgegenstänte schaffen, ich ' will mich einer Arbeil unterziehen, welche den Be- ! dürfniffen der Gesellschaft entgegenkommt; gieb mir dazu, was ich brauche; für Schaden und Ent- bchrung, die dir dadurch erwachsen, komme ich auf"; — der Besitzer der Werthgegenstände aber sagt: „Wir werden die Sache nicht also machen, sonder» ich selbst werde die fragliche Arbeit unternehmen und dir, der mir dabei helfen soll, soviel geben, alS du zum Leben nöthig hast, und das Ergebniß der Arbeit gehört sodann mir allein." Ich habe Ihnen weiter das vorige Mal auSeinanderaesetzt, daß dieser Sackverhall im Gange der Entwickelung in immer zunehmend schrofferer Weise hervortritt, was zuletzt dahin führt, daß eine kleine Klaffe, die Gefammtheit derjenigen, welche über die bereits vorhandenen Werthgegenftände verfügen können, sich gegenüberstellt der ungeheuren Mehrzahl, der Gcsammthcit derjenigen, die, gänzlich besitzlos, nur ihre Arbeitskraft zur Verfügung haben, und daß jene Ersteren die Arbeitskräfte dieser Letzteren da- durch ausbeuten, daß sie alle neu entstandenen Werthgegenstände an sich ziehen, an die Ar- heilenden aber immer nur einen geringen, für den Lebensunterhalt durchaus nölhigen Lohn zahlen. Mit andern Worten: es kommt dahin, daß unter den jetzigen Eigenthumsverhältniffen die bereits an- gesammelten Werthe, das Kapital, immer mehr i» die Lage kommen, zu eigener Vermehrung die ge- sammle Arbeitskraft fort und fort auszusaugen. DieS ist das bezeichnende Merkmal der Anhäufung von Werlhgegenständen unter den jetzigen Verhält- niffen, das bezeichnende Merkmal des Kapitals: daß es mit innerer Nolhwendigkeit in sich selbst anwächst, und, um ebenso viel, als es in sich selbst anwächst, die Arbeit zu immer größerer Dienstbar- keit und Abhängigkeit Zwingt— immer unter dem Anschein„freier" Bewegung der Arbeit, lediglich durch die, an einem einzelnen Punkt schwer erkenn- und faßbare Wirksamkeit des allgegenwärtigen ge- sellschaftlichen Zusammenhangs. M. H.! Was sagt nun die Bourgcoisschule, um den bneickneten Sachverhalt ru recktfertiaen? d a g e n (irbeiler Herrn sl ür. ortrag feÜ Ecktet i 'sten S »cht Tw 'eii Aul viel >entcn) er Aitt ir be seichen, 'euer, snntlich 'olitik nas DieS, m. H., die Auffassung der Bourgeoisie- Oekonomie. Obschon nun dieselbe allerdings diese Auffassung vorkehrt, so fühlt sie doch reckt gut, daß sie dem schreienden Mißverhältniß gegenüber, welches aus der Entwickelung der bestehenden Verbältniffe er- wächst, einige Hoffnung auf Ausgleichung desselben erregen müsse, und sagt daher: Es ist nicht abzu- ändern, daß mir nach allen Richtungen hin und in jeder Beziehung die volle Verfügung über meine ' ü r n b »rl i snung daß Wv e r P kip: ni zu »ll sei. Werthgegenstände, der angesammelten Arbeit, ge- währlc'istet sei; dies ist der naturgemästige Zu- stand; die Mißstände aber, die demselben, wiederum naturgemäß, anhaften, sind nicht so schlimm, als es den Anschein bat; die Lage der arbeitenden Klasse im Gegensatz zur besitzenden Klasse wird sich auf dem Wege der Fortentwickelung unserer jetzigen Verhältnisse erheblich verbessern.'• g Zwei Punkte sind eS, in. H., welche die Wortführer der Bourgeoisie-Oekvnomic in den Vorder- grund zu stellen pflegen, wenn man an sie die Frage richtet, warum sie denn— sonderbarer Weise!— glauben, daß bei der Fortentwickelung der jetzigen Verhältnisse die Lage der Arbeiter eine bessere wer- den müsse. (Fortsetzung folgt.) politischer Theil. Deutschland. * Verli», 18. Oct. sBezeichnend für die deutschen Zuständej ist, was der„Köln. Ztg." unterm 16. v. M. von hier geschrieben wird- Nachrichten zusolge, die in hiesigen, gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen circuliren, haben die Eabiuetle von Berlin und Wien in den letzten Tagen an den Frank- fnrter Senat eine Note oder eine Depesche— wir lasse» die« dahingestellt sein—. und zwar jede der beiden Re- gierungen für sich, jedoch, wie e« schein«, in identischer Form gerichtet, welche geeignet ist, in hohem Grade die öffentliche Ausmcrtsamkeil ans sich zu ziehen. Es wird darin über die aus dem vor Kurzem in Frankfurt abge- baltenen Abgeordnctentage gegen den Vertrag von Ga- stein, gegen die Politik und die Regierungen der beiden deutschen Großmächte gerichteten Angriffe Beschwerde I geführt und die Erwartung ausgesprochen, daß der Sc- Nat ähnliche Ausschreitungen seruer nicht duldeu werde. Derselbe Vorwurf wird gegen die Fraiiksurter Presse erhoben, oder wenigstens ciuen Theil derselben, welcher die gleiche Ungebühr gegen Oesterreich und Prenb-n zur Last gelegt wird. Die beiden Eabinetle stellen für den Fall, daß der Senat sich nicht stark genug fühlen sollte, gegen diese Maßlosigkeiten einzuschreiten, demselben ihren Beistand zu Gebote, ja, sie lassen sogar durchblicken, daß sie erforderliche» Fall« selbst die nöthigeu Maßregeln zur Anwendung dringen würde». Eine Abschrist dieser De- pesche ist auch den Vertretern Preußen« und Oesterreichs bei den anderen deutschen Regierungen zugegangen mit dem Auftrage, deren Inhalt zur Kenntniß derselben zu bringen»nv die Erwartung hinzuzufügen, daß sie, die deutschen Eabinetle, die Schritte der beiden Großmächte | bei dem Fraulfurter Senate iinterstiitzeu würden. Zu- gleich sind die Gesandten angewiesen, auch über die maß- losen Angriffe der Presse der Mittel- und Kleinstaaten gegen Oesterreich und Preußen Beschwerde zu sührcn. Mau hält in unseren politischen Kreise» dafür, daß die Anregung zu diesem Schritte zunächst von hier auSge- gangen und die Zustimmung de« Wiener CabinetS dazu erlangt worden sei. Es dürfte anzunehinen sein, daß die gegen Ende diese« Monats in Frankfurt anberaumte Versammlung des NationalvereinS mit Veranlassung zu diesem Vorgehen der beiden Höfe gegeben habe. Nachstehendes unglaubliches Telegramm ist da- hier eingelaufen: Frankfurt a. M., Dienstag 17. Oct., Abend«. Die ..Neue Frankfurter Ztg." will aus guter Quelle erfahren haben, daß der Frankfurter Senat gegenüber der augeb- lich von Preußen und Oesterreich an ihn gerichteten?luf- svrderung, der politischen Agitation, welche in Frauksurt ihren Hecrd habe, ein Ende zu machen, mit einer Stimme Mehrheit beschlossen habe, diesem Antrage Folge tu geben. [ — jtSegen Schultze-Delitzschj ist jetzt eine U u t e r s u ch u n g eingeleitet wegen der in Nürnberg zur Zeil des volköivirlhschafllichcu CvngresseS im dortigen Arbeitervereine gehaltenen Nede über Ge- werbejreiheit. Die„Rhein. Ztg." war wegen eines Berichtes über dieselbe consiscirt worden und von dort her schreibt sich die Untersuchung, die sich auf die Annahuie stützt, daß jener Bericht wortgetreu gewesen sei. — j�Zu den französischen Preßverbält- nissenj schreibt die„Rhein. Ztg." mit fetter Schrift: An« Frankreich kommen uns wöchentlich bittere Klagen über die entsetzliche Willkür, mit welcher cenlsche Zeitun- gen von der kaiserlichen Preßpolizei.zurückbehalten wer- den. Mit den Blättern au« keineni andern Lande wird so umgegangen. Um derselbe» Aeußernngen willen, ja um Aeußeruugen willen, welche aus englischen Blättern wörtlich übersetzt find, werden deutsche Zeitungen confiS- cirt, die englischen aber nicht. Es kommen Tage vor, an denen in Pari« aus Preußen keine Zeitung, außer dem Staatsanzeiger und der Nordd. Allg. Ztg., auSge- geben wird. Wir möchten, um da« Unwesen in seinem Umfange, wenigstens in Deutschland bekannt zu machen, vorschlagen, daß die deutschen Zeitungen e« sich jedeSmai mittheilen ließen, wenn ihnen eine Stummer in Frank- reich unterdrückt wird. Auch uns kommen von Zeit zu Zeit Beschwer- den darüber zu, daß unser Blatt in Paris unregel- mäßig an die Abonnenten gelangt. — fArbeiterangelegenheiten betreffen dj ist Seiten« de« Handelsministerium« nenerding« den Be- zirksregierungen die Weisung zugegangen, ans die be- treffenden Kreise nachdrücklich einzuwirken, um nachhal- lige Einrichliingen zur Unterstützung hlllssbedllrfliger Fabrikarbeiter in« Leben zu rufen. Namentlich soll auch darauf Bedacht genommen werden, daß außer den Ar- beitnehmern auch die Arbeitgeber zu angemessenen Zuschüssen zu den Kassen herangezogen werden. Gleich- zeitig sind hierbei die Regierungen aufgefordert worden. eingehende Ermittelungen anzustellcu und darüber stati- stische Nachweise der StaatSregieruug zugeben zu lassen, ob und in welchem Maße die Arbeitgeber zur Erhaltung derselben bereit« beisteuern. In dem deshalb an die Provinzialregierungen erlassenen Schriftstück heißt c«, daß es Seiten« der StaalSregiernng wohl anerkannt werde, daß dereit« eine große Zahl der Arbeitgeber zu den Unterstützungskassen, und zwar in vielen Fällen sehr ansehnliche Summen beisteuern, allein e« liege in der Absicht der StaatSregieruug, dies Verhällniß überhaupt zu regeln und nicht allein jämmtliche Arbeilgeber zu den Beiträgen für diese UnlerstüynngSkassen heranzuziehen, sondern einen gleichmäßigen Satz als Norm sestzustellen, nach welchem sodann die Heranziehung aller Arbeitgeber zu geschehen habe. Bei der Festsetzung dieses Normal- fatzc« soll sowohl da« Bedürfniß in Bezug auf die llutcr- stühungSkassen selbst, als auch das Verhällniß der Ar- beitgeber zu diesen Kassen überhaupt in Betracht gezogen werden. Uebrigen« handelt es sich bei diesem Vorgehen nur um die städlischeu Arbeiter, au die ländlichen Arbei- ter ist noch nicht gedacht worden.— Es bedarf übrigens kaum der Bemerkung, daß die ganze Angelegenheit für die eigentliche Arbeiterfrage ohne alle Bedeulung ist. Für diese kann nur von Gewicht sein, wa« die Hebung der Klasse überhaupt zu fördern geeignet ist, nicht aber wa« sich nur auf die Unterstützung einzelner besonders unglücklicher Personen bezieht. * Wien, 16. Oct.[Zur großen Staats« c o n f u s i o ii. j Die Parteibeivegunz in Ungarn ist noch eine sehr wirre. Die Hauptfrage ist immer: Wird die„Beschinßpartei"— d. h. das Bestreben, aus Ungarn und dem übrigen Oesterreich zwei von sich volikoniinen unabhängige freie Ländergruppen zu bilde», welche blos durch die Pflicht der Wechsel- seiligen Verlheidigung zu einem Staatskörper ver- bunden sind— die Majorität gewinnen? Ist dies der Fall, so kann eine„Verständigung" mit der Krone nicht erwartet werden. Indessen lauten die Nachrichten über die Wahlbewegung im Allgemei- nen nicht ungünstig für die Regierung, wobei man freilich bedenken muß, baß dieselbe auch im besten Falle in Ungarn ihren Stützpunkt wird suchen müssen. Von einer Comilatsagitaiion, wie sie ins Jahre 1861 hervortrat, ist gegenwärtig nichts vor- Händen. Damals war das Schicksal des Landtages eigentlich schon durch die Beschlüsse der 52 Con- gregationen im Borau« entschieden. Daß die Re- gierung jetzt auf eine Restauration der Coniitate nicht einging, war schlau genug von ihr. Es lic- gen aller ding« Proteste gegen diese« Verfahren der Regierung vor und in Pclionen wird die Herstellung der Comiialsverfassnng gefordert, aber an eine Berücksichtigung derselben Seitens des Cabincls ist wohl nicht zu denken. Im Allgemeinen beschrän- ken sich die Wahlkörper auf bloße Rechtsverwahrun- gen, von einigen ist auch gegen die Legalität der Wablen in dieser Uebergangsperiode Widerspruch erhoben, aber doch nur in vereinzelten Fällen. Ob die Partei Deak's, welche eine Ausgleichung mit der Regierung erstrebt, im Bereine mit den Alt- conservativen die Majorität des Landtags erhalten wird? Franz Deak ist nicht mittheilsam und be- ruft sich auf sein bekanntes politisches GlaubenSbe- kenntnijj. Aber die Schwierigkeiten werden dem Kabinel erst bei Behandlung der praktischen Fragen erwachsen. Werden die Slovakcn, Serben und Rumänen Vertreter erhalten, welche ihre nationalen j Wünsche kund geben können? Werden sie verzich- len, einen«taat im Staate zn bilden, Ungarn nach dem Nationalitälsprinzip zu theilcn? Werden die Sachsen und Rumänen in Siebenbürgen sich vom Landtage fern hallen? Wie sollen die Beziehungen zwischen Ungarn und Croatieu geregelt werben? Das sind Fragen, welche die ofsiciellen Kreise ernst beschäftigen nnd die große Staalscoiifnsion im hell- ■ sten Licht erscheinen lassen.— Theilweise noch bnn- | ter geht es in den andern Kronländern zu, wo eS noch nicht einmal zu einer festen Parteibildung ge- kommen ist und wo außerdem Gerüchte von Abän- dernngen des Bestandes selbst, besonders der klei- neren unter diesen„historisch-politischen" Mause- fall-Staaten, Ungewißheit in alle Pläne bringen. Angesichts dieser Lage schreitet die Regierung gnit einer wahrhaft waghalsigen Ersparnngsniaßregel vor: sie will ihr Beamtentbum, das einzige Strickwerk, durch welches das Ganze noch zusam- mengehalten wird, vermindern. Sie gedenkt— so berichten Wiener und auswärtige Blätter— nicht bloS bei den Centralstellen, sondern bei allen Beamlen-Kollegicn bei eintretender Bacanz zuvörderst den Versuch zu machen, mit den noch vorhan- denen Arbeitskräften auszureichen, und erst dann, wenn sich praktisch deren Unzulänglichkeit heraus- gestellt, die Widerbesetzniig der erledigten Stellen er- folgen zu lassen.— Ein Vorspiel der zunächst be- vorstehenden Wirren bat im äußersten Osten des Reiches mit ter Eröffnung der„sächsischen Nations-Universität" begonnen, welche ComeS Schmidt am 9. d. Mts. in Hermannstadl eröffnet bat. Der Zweck dieser Versammlung ist bekannt- lich, eine Verständigung der Sachsen bezüglich ihres Verhaltens bei den Wahlen für den Klausenburger Landtag zu erzielen, und einen köstlichen Eindruck machl eS, jetzt alle die Docnmente aus den Jahren 1848 und 1849, 1861 bis 1863 in der Universiiäl vorlesen zu hören, worin den Sachsen der Dank des Reiches ausgesprochen wird für ihren Widerstand gegen jene Union mit Ungarn, deren Herstellung den einzigen Zweck dcS nächste» sicbenbürgischen Landtages dtlden soll. Die„Neue Freie Presse" bemerkt:„Es gebt, und zwar in beachtenSiverlhen Kreisen, die Sage, das Ministerium betreibe die Erledigung der Unions- Frage zum Theile deshalb so eilig, weil eS der Hoffnung lebe, die 69 Depiilirlen Siebenbürgen« würden auf dem ungarischen Reichstage den Kern einer„Regiernngö- Partei" bilden. Nun deutet freilich Alles daraus hin, daß der Klausenburger Landlag die ihm aufgegebene Revision des Unions- Artikels durch dessen einfache Annahme absolviren wird. Ob aber deshalb die Erwartung des Mi- nisteriums bezüglich der Depntirten, welche das Großfürstenthnm nach Pesth zu entsenden hat, sich bestätigen wird, das erscheint uns mehr als zwei- selhaft."— Ueber den Abschluß der neuen An- leihe sind die Nachrichten widersprechend und un- sicher. —[Sehr bezeichnend] für den Eindruck, welche die fortschreitende llngarisirung Oester- reichs auf die Deut ich en in Oesterreich macht, ist nachfolgender Anfang des Leitartikels der neuesten „Presse": In runden, glatten Worten erklärt da« Organ Deal'«, von einem Bündnisse mit cisleilhauiicheu Parleicu könne zunächst nicht die Rcde sei». Welche der diesseitigen Parteien hat den Ungarn ein..Bündniß" angetragen? Das Naplo nenne sie; eS wird ibr nicht zur Unehre ge- reichen, den Frieden gesucht zu haben. Wenn aber da« Naplo eine Berständigung nicht will, wen» e« vielmehr den verwegenen Satz aufstellt, die ungarische Berfassungs- frage könne nur im Einvernehmen de« Monarchen mit dem ungarischen Landtage erledigt werden nnd wir»illß- ten im« in allem Wesentlichen diese Erledigung gefallen lassen, so zeigt sich darin eine Ueberhebung, die ihres« gleichen sucht in der Geschichte unserer staatsrechtlichen Kämpfe. Man muthet uns zu, eine Wohnung zu be- ziehen, die wir vorher nicht einmal besehen sollen, und sinnt un« obendrein an, die Adaptirungskvsten zu tragen. Wenn die Deakisteu so sprechen, was sollen wir von den Ghiczh«, den Jvauka« und wie sie alle heißen mögen,