Nr. ISO. Berlin, Freitag den 27. October Capit �alb SotinUlcmolunt Dies« Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vercins. Redigirt von I. V. v. Hofstetten und J. V. v. Schweitzer. Redaction und Expedition-. Berlin, Dresdnerstraße Nr. 8S. Abonnements- Preis fltr Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgl., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.! bei den Kbnigl. preußischen Post- ämtern 22'/* Sgr., bei den preußische» Postämtern im nichtpreußilchen� Deutsch- Und IM/« Sgr., im übrigen Deutschland 1 Tblr.(fl. 1. 45. südd., st. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berti n auf der Eppedi>ien> von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. 1, f01*" auch nnentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. 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Dabei ist man durchweg der Ansicht, daß es sich nicht nur um eine Bedrohung der Freistadt Frankfurt, sondern überhaupt jedes Restes selbst- ständiger Bewegung in Deutschland handelt. Die identische Antwort, mit welcher die Frankfurter Regierung die österreichischen und preu- ßischen Eröffnungen einfach abzulehnen sich veran- laßt fand, ist, wie der Wiener„Presse" berichtet wird, in ihrem Ausdrucke ziemlich kurz angebunden. Der Frankfurter Senat betont das Verhältnis?, in welchem die einzelnen Bundesstaaten innerhalb des Bundes zu einander stehen, daß die freie Stadt Frankfurt dieselbe Stellung einnehme, wie die an- deren Bundesglieder, daß daher, was die Bemer- kungen über die Haltung der Presse anbelange, von einer„Duldung"(von Seite Oesterreichs oder Preu- ßens) nicht die Rede sein könne, ebensowenig aber von einein„eigenen Eingreifen", daß das Ansinnen beider Regierungen also einfach abzulehnen sei. Ein Artikel der neuesten„Provinzial-Correspon- denz," Betreffs der österreichisch-preußischen Roten an den frankfurter Senat, schließt:„Von der Ant- wort des Senates und dessen weiterem Verfahren wird es abhängen, welche Folge die deutschen Groß- mächte ihrer Mahnung geben werden." Das„Franks. Journ." hat jetzt auch die öster- reichische Note gebracht. Dieselbe lautet: Der Verlauf des am l. d. M. zu Frankfurt abge- haltenen sog. Abgeordnetentages hat für jetzt nur die innere Haltlosigkeit dieses neuen Agitationsversuches und die Zerfahrenheit der politischen Parteien in Deutschland blosgelegt, Die eingelaufenen Absagebriese wie die unverkennbare Gleichgültigkeit ves Publikums dürften selbst den Urhebern dieser bedeutungslosen Demonstration die Verkehrtheit des Unternehmens gezeigt haben, an den Entschlüssen der beiden ersten Mächte Deutschlands ihre anmaßliche Kritik zu üben. Allein wenn auch die gehör- ten Reden, so wie die Resolutionen der Versammlung in ihrer, gelinde gesagt, unpassenden Molivirung und halbrevolutionärcu Ziüpitzung gerechter Mißachtung vcr- fallen sind, so tilgt dieses Fehlschlagen doch nicht den verletzenden Charakter der Thalsachen, daß die gegen die Regierungen vou Oesterreich und Preußen gerichteten Schmähungen und Beleidigungen, welche die demokratische Presse täglich anfüllen, in Frankfurt unter den Augen des Bundestages und der eigenen Truppen der beiden Mächte auf offener Tribüne wiederholt worden sind. Es darf ferner nicht außer Acht gelassen werden, daß jener Sechsunddreißiger-AuSschuß, welcher den Abgeordnetentag .-"-.ein berufen hat, auch diesmal erneuert worden ist, und ' daß dieser Ausschuß und sein engeres geschäftsleitendes Comite, als ein in Permanenz erklärtes Organ der beut- scheu Revolutionspartei, nur auf günstigere Umstände wartet, um mit mehr Erfolg von Neuem auf den Schau- platz zu treten. Die Regierungen Deutschlands werden gewiß sämmtlich mit uns darin einverstanden sein, daß schon die bloße Existenz des Sechsnnddreißiger-Ausschusses, ganz abgesehen von den Wirkungen des neuesten maßlosen � Auftretens der Versamnilnug in Frankfurt und von dem für Oesterreich und Preußen beleidigenden Charakter ihrer Beschlüsse, eine vollkommen ungesetzliche und unconsti- tutionelle ist. Insbesondere wird der Senat von Frank- furt in seiner bundeSgetrenen Gesinnung sich nicht ver- hehlen können, daß die Bundesstadt am wenigsten zum Sammelplatz dieser gesetzwidrigen Agitationen hergeliehen werden sollte. Bereits nach dem am 21. December 1863 abgehaltenen Abgeordnetcntage, aus welchem die Einsetzung i eines permanenten Ausschusses zur Durchführung des Volkswillens, als Mittelpunkt für die Thätigkeit der Ver« eine, der FortschrittSpresse ic. hervorging, haben wir es gemeinschaftlich mit Preußen an ernsten Vorstellungen � gegen die diesem'Treiben am Sitze der BundcS-Vcr- sammlung gewährte Duldung nicht fehlen lassen. Die seitdem in häufiger Aufeinanderfolge dort in Scene ge- setzten Kundgebungen beweisen, welche geringe Beachtung die damals von den Vertretern der beiden Höfe dem Herrn älteren Bürgermeister in vertraulicher Weise ge- machten Bemerkungen gefunden haben. In dieser Wahr- nehmung sowohl, wie in ihrer Ueberzeugung, daß eine so unpatriotische Wirksamkeit wie die jenes Ausschusses und des Abgeordnetentages nicht ohne ernste gemeinsame Ge- fahr noch länger stillschweigend zugelassen und dadurch gewissermaßen zum gewohnheitsmäßigen Bestände erhoben iverdeu dübften, müssen die Kabinette von Wien und Berlin eine unabweisliche Aufforderung erblicken, die ! ganze Aufmerksamkeit des hohen Senats von Neuem auf ! die besprochenen Vorgänge und das Berhältniß der Bun- desstadt zu denselben zu lenken. Wir glauben, der zu- � versichtlichen Erwartung Raum geben zu können, daß I nicht nur so leidenschaftliche Jnvektiven und ein so aus- gesprochener Parleikampf gegen die ersten Bundesmächte, ! wie er die Tagesordnung der letzten Versammlnng bil- dete, künstig keine Stätte mehr in Frankfurt finden, son- dern daß der Senat überhaupt das Zusammentreten neuer von dem Comite de« Sechsunddreißiger-AuSschusse« ein- | berufener Versammlungen auf seinem Gebiet von nun an nicht mehr gestatten werde. Die Autorität des Senates, � an welche wir uns hiermit in erster Linie wenden, wird uns hoffentlich der Nothwendigkeit überheben, auf ander- weite Schritte Bedacht zu nehmen, um vom Sitze der deutschen Bundesversammlung in Zukunft die bisherigen ungesetzlichen Bestrebungen fern zu halten. Ew. Hoch- geboren werden ersucht, dem Herrn regierenden Bürger- meister, sobald Ihr preußischer Kollege zu dem gleichen � Schritte ermächtigt sein wird, gegenwärtigen Erlaß vor- zulesen, und wenn es gewünscht werden sollte, Abschrift zu vertraulichem Gebrauche in Händen zu lassen. Empfangen?c. Die„Rat. Ztg." schreibt bekanntlich seit lange schon im Sinne der preußisch-particularistischen An- � nexionspoiitlk gegen die nationale Partei, welche das Selbstbestimmungsrecht des Volkes in Schleswig-Holstein ausrecht erhalten wissen will— ein Recht, welches keinerlei Beschränkung zu Gunsten irgend einer der dreißig deutschen Regie- rungen, welche insgesammt den Particularismus vertreten, somit auch nicht zu Gunsten der preußd schen Regierung, erleiden kann. Die„Rat. Ztg-. ist in Folge ihrer Haltung dahin gekonimen, daß sie AlleS vertreten muß, was von der preußische» Regierung ausgeht. Das Unglaublichste leistet sie darin heule: sie wendet sich bei Anlaß der Droh� notengeschichte— nicht elwa gegen die preußische und österreichische, nein, gegen die niiltel- und klein- staatlichen Regierungen. Glücklicherweise wird viest Logik beim Volk in Preußen keinen Eingang finden. — sAns den Herzogthümern� erfährt man, daß mit Strenge gegen diejenigen vorgegangen wird, welche den Herzog von Augustcnburg als„Landes- Herrn" behandeln. Die Herren von Zedlitz und von Manteuffel versichern, der Kaiser von Oester- reich und der König vou Preußen allein hälten sin Recht auf das Land. Seit wann? Thatsächlich haben sie das Land im Besitz, ein Reckt auf raö- selbe oder in demselben aber haben sie nicht um ein Titclcken mehr, als der Augnstenbnrgcr. Warul» es den dortigen Landeskindern, da sie doch eininal einen„Landesherrn-- haben müssen, nicht freistehe» soll, ebenso gut den Herzog von Augustenburg wie den Herzog von Lauenburg oder sonst Jemande» als„Landesherrn-- zu betrachten, ist scklechtcrdings nicht einzusehen. Besonders bezeichnend ist es, wenn Herr vo» Zedlitz meint, man müsse, nöthigenfalls mit Militärgewalt, gegen diejenigen einschreiten, „welche Titel, die dem Landesherrn gebühren, si� oder Andern beilegen." Das geht also auf de» Augustenburger selbst. Der Augustenburger isi wahrlich nicht unser Mann— aber das scheint uns doch außerZweifel zu stehen, daß wenn überhaupt irgend jemand berechtigt ist, in den Herzogthllmer» als Landesherr aufzutreten, nur er es sein kann denn er hat, freilich nur wegen des Gegensatzes zur preußischen Regierung, die' Bevölkerung, insbe- sondere die nationale Partei, für sich. — sDen Rational-Verein verspottendl schreibt die„Rhein. Ztg.-- unter Berlin, 24. Oct: Die heutige Versammlung der Berliner Mitglieder des Rational-VereinS hat sich durch ihre Resolutionen die Anerkennung unserer Junkerpartei erworben. In einem Conventikel der Ritter, welcher aus Mitgliedern des pa- triotischen und Volksvereins besteht, wurde der Vorschlag gemacht, eine Dankadresse an den Berliner National- Verein zu erlassen und durch eine Deputation der Ver- sammlung in der Tonhalle zu überreichen, die etwa aus den Herren Gödsche, Wagner, v. Olfers, Beuthner, Pause u. A. zu bestehen hätte. Wir sind in die Lag« gesetzt, den Adreß-Entwurf mitzutheilen. Er lautet: An die Mitglieder des Berliner Rational« Vereins. Bürger! Mir der Gemeinsamkeit jener warmen Ge' fühle, welche alle nnire Brüste für die hohen Juteresse» des Vaterlandes erfüllt, baben wir die Resolutionen ge- lesen, welche vom reinsten Patriolismus diklirt, jeden auf- richtigen Bekenner der Machtpolitik Preußens und seines genialen Staatsmannes enlhusiasmiren müssen. Lassen Sie uns diese» hehren Gefühlen in einigen Worten des Dankes Ausdruck leihen, damit in die weitesten Kreise, gera Each Besitz waffn bilde, Ja Ii 3 zu den Stufen de« Throne« Ihre pztriotische Hal- u>J>z dringe. Der Schluß lautet: Die Krone de« Ganzen bildet der erhabene Schluß- hassn« der dritten Resolution, worin Sie erklären, daß eine deutsche Centralgewali nicht besteht und darum Preu- «en da« Recht und die Pflicht obliegt, die Centralgewalt W übernehmen. Mit diesen Ansprüchen weisen Sic dem Berlnicr Rational- Verein eine Stelle im Pantheon der unsterblichen an, und der Gelser der Particularisten, so- to'e der rothen Umsturzmänner, wird solche Beschlüsse "übt z» dcrilbren vermögen. Bürger! Ihr seid mit dem schönsten Beispiel politi- Icher Tugend, mit der Verleugnung Eurer srühern Prin- 'chiftr, in unsere patriotischen Reihen getreten, um für d>e territoriale Erweiterung Preußens unter der Leitung °es Hrn. v. Bismarck zu kämpseu. Habet Dank für diese edle Selbstansopserung. Eure drei Resolutionen, von Euren Besten in die General-Versammlung des National- direins nach Frankfurt oder Sonstwohin getragen, werden wit Flammenschrist der kosmopolitischen Revolution die Entschlüsse dds preußischen Volkes verkünden. Und haben wir uns ans der glänzenden Bahn der auswärtigen Politik Preußens gefunden, so steht der Fusion aller jener politischen Parteien, welche die innere Wohlfahrt Preußens wünschen, nicht« mehr im Wege. Bitten wir den Allmächtigen, daß er die Herzen der Be- lhönen und Verführten erleuchten möge und daß zum Heil des Vaterlandes seine gegenwärtigen Lenker demselben lange erhallen bleiben.(Folgen die Unterschrislen.) Weiter schreibt die„steh. Ztst." unter Berlin, 22. Öcibr. Die Eorrespondenz Süßmann, welche bisher auch die »liberale" hieß, vertheidigt die Resolutionen, welche den herliner Nationalvereinsiilitgliedern gestern vorgelegt wor- hen sind. Sie behauptet, daß dieselben an d�m früheren Programm festhalten, und daß dieses sei: die preußische Spitze de« demjchen Bundesstaate«. Die Eorrespondenz �Üßmann irrt sich, das neue Programm ist: die preu- hiswe Spitze ohne den deutschen Bundesstaat. Es er- innert dieses Programm an die Antwort, die einst Heine in München empfing, als er srug:„Ist das der Hund hes neuen Alcibiades?" Die Antwort lautete:„Den Neuen Alcibiades haben wir noch nicht, wir haben einstweilen nur den Hund." — sDe» Bundestag betreffend] hört man weiter nichts, als daß derselbe seine Ferien bis zum 2. November verlängert hat. — s Herr May] hat— wie die„Scrr. Stern" Meldet— von Altona aus der Oppelner Polizeibehörde leinen Heimathschein mit dem Hinzufügen zurückgesandt, daß er hiermit aus dem Preußischen Unterthanenverbande ausgeschieden sei. Die Behörde hat Herrn May unter Hinweisung aus da« Gesetz dahin beschieden, daß das Recht, Preuße zu sein,» bei einem länger als Ivjährigen Aufenthalt im Auslande erlöscht oder auf Grund einer auf Antrag des Betheiligten ansgesertigten Entlassungs- Urkunde. Ein Antrag aus Entlassung sei aber noch nicht die Entlastung selbst, welche in dem Ermessen der Be- Hörde liege. Herrn May werde nun aus Grund dieser Bestimmung die Entlassung aus dem Preußischen Unter- thanenverbande verweigert. * Wien, 24. Oct. s Dementi. Die An- leihe.] Die„Generglkorrespondenz" ans Oesterreich bezeichnet die Mittheilung, in der letzten Sitzung des Ministerraths sei beschlossen worden, den Ungarn ein eigenes Ministerium zu con- cediren, als jeden Grundes entbehrend.— Die An- leihe soll mit 60 Proeent und sonstigen Verlusten an den Mann gebracht sein. Auch daS wird den großen Zusammensturz nicht aufhalten. � Mitilckcn, 23. Oct.[Zur Reaktion in Bayern.] Zum Beweis, daß die Regierung ge- sonnen ist, gegen die Presse noch weiter vorzugehen, wird dem„Niirnb. Anz." geschrieben:„Die hier erscheinenden Wochenschriften:„Rundschau",„Miau" und„StadtfranbaS" hatten an verschiedenen Plätzen der Stadt bei diversen Geschäftsleuten, Buchbindern, Specereihändlern, Krämern, CEigarrenhandlungen u. s. w. Filialexpeditionen errichtet. Die Inhaber dieser Expeditionen wurden gestern alle auf die Po- lizei beschieden, wo denselben der Obercommissär Lypowsky anzeigte, daß von jetzt an derartige Ex- Peditionen nicht mehr geduldet würden. Bemer- kenswerth dabei ist, daß die„Stadtfraubas" seit vier Jahren derartige Expeditionen hat, während es jetzt, wo die mißliebige„Rundschau" auch der- lei Expeditionen errichtet, erst der hohen Polizei einfällt, daß dies gesetzwidMF sei." Die alte Ge- schichte! Man läßt di� Dinge so lange gehen, als sie hoher Regierung c' nicht unbequem sind; sobald dies aber der Fall ist, schreitet man mit der heuch- lerischen Miene strenger RechtSacktung sofort ein. Wir kennen das!— Die„Bahr. Ztg." bringt eine lange halbamtliche Darstellung der Scenen vom 8. October, welche in die ziemlich bequemen Schluß- sätze ausläuft:„Oeffentliche Blätter haben von mehrfachen und zum Theile grellen Ausschreitungen berichtet, welche am 8. d. M. auf Seite des Blili- tärs vorgekommen sein sollen. Es muß die Richtigkeit dieser Angaben in so lange bezweifelt wer- den, als nicht das Einschreiten des zuständigen Ge- rickts in Anspruch genommen wird. So viel ist gewiß, daß weder bei der Eivil- noch bei der Mi- litärbehörde Beschwerden in dieser Richtung erho- ben worden sind." Auch das kennen wir! Ausland. * Paris, 24. Oct. fTageSberickt] Der „Moniteur" druckte gestern aus einem halbofsidellen Blatte die Nachricht ab, dir päpstliche Regie- rung wolle den Esieclivbestand ihres Heeres nicht blos auf 8000, sondern auf 12,000 Manu bringen, mit dem Zusätze:„eine Anzahl, die im September- Bertrage vorgesehen ist." Der September-Vertrag weiß von 12,000 Mann päpstlicher Truppen so wenig etwas wie von 8000 Mann; er spricht blos davon, daß Italien sich verpflichtet, keine Einsprache gegen die Bildung einer Armee zu erheben,„welche genügend ist, um die Autorität des heiligen Vaters und die Ruhe sowohl im Innern wie auf der Grenze seiner Staaten aufrecht zu erhalten, jedoch unter der Bedingung, daß diese Streitkräfte nicht in AngriffSmittel gegen die italienische Regierung ausarten." Der Papst kann also Soldaten wer- ben, so viel er nöthig zu haben glaubt, wenn er das Geld dazu hat; dem Könige von Italien steht ein Protest dagegen aber zu, sobald er Grund hat, zu fürchten, daß diese Streitkräfte„in ein Mittel des Angriffes gegen die italienische Regierung ausarten." Das Verhältniß unterliegt, wie man sieht, stark subjectiven Gefühlen von Seiten des Papstes wie des Königs von Italien, und eS ist, wie alles Subjective, einer sehr weiten Auslegung fähig, wie denn überhaupt der ganze September-Vertrag nur das elende Auskunftsmittel einer rath- und prin- cipienlosen Politik ist und war.— Die Demission des Herrn v. Merode macht noch immer viel von sich reden. Die„Patrie" stellt heute in Abrede, daß Herr v. SartigeS, der französische Botschafter in Rom, an der Entlassung des Herrn v. Merode schuld sei; dies sei vor der Ankunft Desselben in Rom bereits eine abgemachte Sache gewesen. Sie beruhe auf rein politischen Ursachen. Jedermann, so sagt das officiöse Blatt, kennt seit langer Zeil die Feindschaft, welche zwischen Herrn v. Merode und dem Cardinal Antonelli besteht. Da der heilige Vater keine Zweifel über die bald erfolgende Abberufung des OccupationscorpS haben konnte, so sah er ein, daß der Augenblick gekommen sei, um Maßregeln zu ergreisen, damit den Gefahren vorgebeugt werde, welche aus dem Ab- gange der französischen Truppen, sowohl in Anbe- kracht der äußeren als der inneren Sicherheit, ent- stehen könnten. Um diesen Zweck zu erreichen, war die Einheit in der Leitung und der Action noth- lyendig, und man beschloß deshalb, daß Herr von Merode dureb einen dem Cardinal ganz unterge- ordneten General ersetzt werde.— Wie man versickert, ist eS ganz unbegründet, daß der Kaiser Maximilian dem Könige Franz von Neapel ei» Asyl angeboten habe.— Nach Briefen aus Mexiko hat der Kaiser Maximilian sein Kaiser- reich nach Frankreichs Muster in drei große Mili- tär-Con>mandos eingetheilt. Das eine wurde dem General Douai, das andere dem General Eastagny und daS dritte dem General v. Thun angeboten. Die französischen Generale nahmen an, der öfter- reickiscke weigerte sich aber, das ihm bestimmte zu übernehmen.— Der Bischof von Orleans, Herr Dupanloup, schreibt gegenwärtig an einer Biographie des Generals de Lamoriciö.re.— Der „Abend-Moniteur" enthält folgende Rote:„Bei Gelegenheit der allgemeinen Ausstellung, die 1867 stattfinden soll, werden die Herren Aussteller benachrichtigt, daß Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin, welche sick ihre vollständige Freiheit bewahren wollen, alle Gegenstände, die im voraus mit ihren Namenszügen bezeichnet worden� zurück- zuweisen entschlossen sind."— Folgendes ist die authentische Statistik der Cholera- Todesfälle für die vergangene Woche: Sonntag 264, Montag 239, Dienstag 215, Mittwoch 216, Donnerstag 185, Freitag 205, Sonnabend 217, Sonntag 245. Die Epidemie gewinnt also offenbar wieder an Intensität. Die Militär-Verwajtung läßt alle Re- convaleScenten aus den Lazareihen nach Bincennes und Versailles schaffen.— In Nantes ist jetzt ebenfalls die Cholera ausgebrochen. Es starben dort vorgestern drei Personen an dieser Seucke. —[Zu den Beschwerden deutscher Blätter] über daS Verfahren der französischen Preß- Polizei wird der„Allg. Ztg." von hier geschrieben: E« ist in der letzte» Zeit vielfach in deutschen Blät- lern Klage darüber geführt worden, daß die hiesigen Behörden gegen englische Blätter viel milder verfahren als gegen deutsche. Es erscheint nicht ganz passend mit seinen Klagen sich gegen die französische Preßbehörde zu wenden; die Hauptschuld fällt aus die Vertreter der deul- scheu Staaten i» Paris. Ein Wort von rhnen am geeigneten Ort, und dem sinnlosen Wülhen ist Einhalt gethan. Allein werden die maßgebenden Regierungen Deutschlands im Auslande die Presse schützen wollen, die sie selbst im Vaterlande mißachten und verfolgen. —[Neuestes.] Der heutige„Abend-Moui- teur" jagt in seinem Bulletin:„Die Personalver- ändernngen in der päpstlichen Regierung werden dahin aufgefaßt, als hätte» sie lediglich den Zweck, der Verwaltung mehr Einheit zu geben.— Die französischen Occupatiouslruppen werden unverzüglich anfangen, die zu ihrer Concentrirung nölhigen Bewegungen auszuführen. Zu gleicher Zeit wird die Einschiffung der zur Rückkehr nach Frank- reich bestimmten Abtheilungen erfolgen. Die päpst- liche Regierung bereitet sich vor, die französischen Truppen an den Grenzen zu ersetzen und widmet ihre Sorge der nölhigen Rekrulirung, um die Eadres ihrer Armee zu ergänzen."— Der„Moniteur" meldet, daß Preußen sich an der zu Kon- stantinopel zusammentretenden internationalen Sa- nitätsconferenz betheiligen werde.— Die„Presse" will wissen, daß das Budget dem Staalsralhe bereits zugesandt sei und demnächst der Bericht Fould's an den Kaiser im„Moniteur" verössenl- licht werden solle. * London, 23. Oct.[Das neue Mini- sterium. Die Beerdigung Palmerston'S. Zum Verhältniß der Union zu Frankreich.] Die Minister-Präsidentschaft Russel's wird von der Times sehr unfreundlich ausgenommen, wäh- rend der conservative Moni ing Herald sich leid- sich günstig Über dieselbe ausspricht. Der Star verlangt von Earl Rüssel in ziemlich gebieterischem Tone die Einbringung einer Parlaments-Reformbill. Der Advertiser schließt sick der Bitte an mit der Versicherung, daß eine kleine Abschlagszahlung, wie man sie aus Lord Palmerston's Hand dankbar angenommen haben würde, jetzt nickt mehr genüge. Rüssel sei kein Palmerston. Und der Star ver- langt jetzt noch etwas Anderes außer einer tüch- tigen Brighl'schen Reformbill, nämlich, daß Lord Rüssel die protestantische Staatskirche in Irland nickt ganz, aber vor der Hand doch halb und halb abschaffe.— Die Leiche Palmerston's wird in Westminster-Abtei beigesetzt werden. Die beiden Feldherren Sir JameS Outram und Lord Clyde (Sir Colin Campbell), vor ihnen Macaulay, noch früher der Herzog von Wellington, waren unter den Männern, welche in den beiden letzten Jahr- zehenden dieser Ehre gewürdigt wurden.— Die feierliche Bestattung Lord Palmerston's wird am nächsten Freitag Statt finden, und zwar wird der Leichenzug sich von Cambridge-House nach der Westminster-Abtei begeben. Die großen Staatskörperschaften werden zwar nickt wie bei der Bestattung des Herzogs-von Wellington in Reih' und Glied aufziehen, aber wie bei der Be- erdigung G. Canning'S iverden alle Personen, die in aintiicher Beziehung zum verstorbenen Staats- manne gestanden haben, viele Mitglieder und De- putationen von Körperschaften, und zahllose Pri- vatleute sich dem Zuge anschließen. Kurz nach 12 Uhr Mittags soll der Zug von Cambridge- House aufbrechen, so daß die Bestattung um 1 Uhr erfolgen wird. Für Parlaments- Mitglieder und