Nr. 181. Berlin, Sonnabend den 28. October 1S65. -�ocinl Demolirlit. Di-s- ��|u�eu.t-äglich Organ des Allgemeinen deutschen Arbeitcr-Vcreins. Red°�°�....d d-r Sonn- und Festläge. Rediairt von A.». v. Sosstetten und Ä. B. v. Sameister. DreSdnerstraße'Nr. 85. Abonnements-Preis sstr Berlin incl. Bringerlobn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., einzelne Nummern 1 Sgr.: bei den Kiinigl. preußischen Post- ämtern Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichtpreußischen Deutsch- knd 183/4 Sgr., im übrigen Deutschland 1 Thlr.(fr 1. 45. sitdd., fl. 1. 50. österr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werde» auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Eompagnie, Scharrenstr. I, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Ztisernte(in der Expedition aufzugeben) werden pro dreigespaltcne Petit-Zeilc bei Arbeiter-Annoncen mit 1 Sgr., bei sonstigen Annoncen mit 3 Sgr. d�echnct. Agentur für England, die Colonieen und die Uberseeischen Länder:>lr. Bonster, 8. Little New-Port-Street, Leicester- Square W. C. London. Agentur für Frankreich: 0. A. Alexandre, Strassbourg, 5. Rne Brulee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-AndnS-des-Arts. Tie vierte Auflage der Nr. 178 ist im Laufe des gcstrigeu Tages unbcaustaudet aus- gegeben und versandt worden. Vortrag vor der allgrmkinrn Ärbeiter-Versammliiiig in der Berliner„Alhambra", am 15. October l. I. (Mit einiger Ansfeilung nach stenograph. Aufzeichnung.) (Fortsetzung.) M. H.! In dem nunmehr folgenden zweiten Theile meines Vortrages habe ich Ihnen zn zeigen, welche Mittel unsere Partei zur Anbahnung des social-demokratifchen Staates vorschlägt. Es ist jedoch nöthig, daß ich vor Eingehen aus die Sache selbst zunächst in kurzem Ueberblick die Mittel be- trachte, welche die Bourgeois-Oekonomie zum Zwecke der Hebung der arbeitenden Klaffen vorschlägt. Wir hören zunächst bei Agitationen, welche von den Führern der Bourgeoisiepartei ausgehen, von Invaliden-, Kranken- und dergl. Kassen. Allein ich mache Sie darauf aufmerksam, daß diese Dinge nillit hierhergehören; denn während die zu lösende Aufgabe daraus hinausläuft, wie die arbei- tende Klaffe überhaupt und im Ganzen zu heben sei, bezwecken die Kassen der bezeichneten Art eine d'in- dernng für solche Personen, welche durch irgend welche Verhältnisse oder Zufälle noch unter die regelmäßige und gewöhnliche Lage eines Arbeiters heruntergesunken sind. - Wenn wir nun aber diejenigen Mittel betrachten, welche, innerhalb der jetzigen volkSwirthschaft- lichen Verhältnisse sich bewegend, darauf hinaus- gehen, die Lage der arbeitenden Klaffen zu heben, � so stoßen wir zunächst auf Die Consumvereine. Die Consumvereine, m. H., könnest ohne Zweifel bei guter Leitung, unter günstigen Ver- hältniffen, in beschränkten Kreisen manches Gute wirken; zu einer Hebung der Lage der arbeitenden Klaffe aber sind die Consumvereine schlechterdings unfähig und zwar ans folgendem Grunde: Es liegt in den jetzigen volkSwirthschaftlichen Verhältnissen unter der Herrschast des Gesetzes von Angebot und Nachfrage begründet, daß der Arbeitslohn durch- schnittlich auf die zum Lebensunterhalt durchaus nothweudigen Mittel beschränkt bleibt. Würden nun die Consumvereine allgemein werden und eS gelänge demnach der arbeitenden Klasse im Großen und Ganzen, ihre Lebensmittel wohlfeiler einzukaufen, so würde das Kapital er- kennen, daß nunmehr ein geringerer Lohn- satz ausreichen würde, die Bedürfnisse der arbeitenden Klasse zu decken(Bravo! Sehr richtig! Sehr wahrl) und es würde dahin kommen, daß um ebensoviel als Sic im Allgemeinen Ihre Lebensmittel wohlfeiler einkaufen könnten, um ebensoviel Ihr Lohn herab- gedrückt würde.(Sehr richtig!) Die Consum- vereine verlören also gerade von dem Zeitpunkt an ihre Wirkung, wo sie allgemein würden. Weiter, m. H., hat nian vorgeschlagen: Roh- st off- und Credit- Vereine. Aber ich mache Sie darauf aufmerksam-, daß diese Vereine nicht auf die Arbeiter im engeren Sinne, sondern aus die kleinen Handwerker berechnet sind, sinn liegt es aber im Zuge der Zeit, daß immer mehr das große Kapital das kleine aufsaugt, somit die kleinen Handwerker immer mehr unmöglich werden. Der Vortheil jener Vereine könnte also lediglich darin bestehen: Diesem oder Jenem den Eintritt in eine Klasse zu ermöglichen, welche selbst bereits unrettbar dem Untergange verfallen ist. Bleiben also»och die Preductiv- Associa- tionen mit Selb st hülse. M. H.! Zu Pro- dncliv-Affociationen gehört Geld! Wo aber soll das Geld herkonimen? Alan sagt, durch Sparen. Nun weiß ich zwar nicht genau, wie viel Sie bei äußerster Anstrengung und unausgesetzter Ent- behrung zu sparen vermögen, so viel aber weiß ich, daß, wenn Sie tausend Mann stark sind und unter Opfern und Entbehrungen jeder Art, bis zu Krank- heit und Enlkräftung vielleicht, Ihr ganzes langes Leben hindurch unablässig sparen, Sie am Ende dieses Lebens nickt so viel beisammen haben, als nöthig sein würde, um eine Fabrik zu gründen, in welcher tausend Mann Beschäftigung finden könn- ten. Aber,— so könnte Einer sagen,— es würden sich schon einzelne liberale Fabrikanten oder sonstige Geldmänner finden, die uns auf Beran- lassung dieses oder jenes Mitgliedes der liberalen Partei zn Hülfe kämen und Gelder borgten. Ja, m. H., die Selbsthlllfe, die so sehr betont wird, hört hier aus. Wenn es einmal daraus ankömmt, Gelder sonst woher zu nehmen, dann steht die Sache auf einem andern Felde, dann haben wir auch unsere Borschläge. Also auch Producliv-Associationen können nicht zum Ziele führen, weil die Bedingung der Productiv-Association, das Kapital, fehlt. Wie nun in aller Welt wollen Sie es macheu, das aus Ihnen lastende Joch des Kapitals durch „Selbsthülfe" zu brechen? Wollen Sie es etwa pro- biren mit Arbeitseinstellungen zum Zwecke der Lohn- erhöhung? Der Lohn,— darin hat die Bourgoisie- schule ganz recht— bestimmt sich nach unwandel- baren Gesetzen, und niemals, niemals werden Sie es durch irgend welche künstliche Mittel dahin brin-. gen, etwas Erhebliches in den Lohnverhältniffen zu ändern. Denken Sie Sich wiederum tausend Plann, die in einer Fabrik beschäftigt sind. Diese Leute haben jahrelang gespart, und treten nun zusammen, um durch eine gemeinsame Arbeitseinstellung den Fabrikherrn zu höheren Löhnen zu bringen. Nun bitte ich Sie zunächst zu bedenken, daß Arbeits- kräfte von außen herangezogen werden können. Freilich können Sie mir hier entgegnen:„Der Geist � der Brüderlichkeit, das Klassenbewußtsein unter den Arbeitern muß so mächtig sein, daß bei einer Ar- beitseinstellung Zufluß von außen unmöglich ist." Ganz gut, aber bedenken Sie, daß dann die tau- send Mann aus eben diesem Grunde, durch dasselbe Gefühl der Brüderlichkeit und Zusammengehörigkeit, welches die auswärtigen Kräfte abhält heran zu strömen, gezwungen wären, nunmehr auch nicht in anderen Fabriken ihre Arbeitskraft anzubieten und dadurch die Löhne ihrer Brüder herunter zu drücken. Nur um diesen Preis wäre das Zueilen auswärtiger Arbeitskräste abgeschnitten. Es bleibt also den Tausend nichts übrig, als von ihrem Er- sparten einstweile» zu leben, ohne zu arbeiten. Nun kann freilich dem Fabrikherrn dadurch, daß Alles still steht, ein bedeutender Schaden erwachsen, aber er würde berechnen, daß er immer noch besser lhäte, eine zeitweilige Einbuße zu erleiden, als auf die Länge hinaus höhere Löhne zu zahlen. Aber freilich: die Arbeiterclasse, so sagt sich vielleicht mancher, kann sich, wenn einmal ein freiheitlicher Zustand besteht, und alle hindernden Bestimmungen ausgehoben sind, einheitlich im Großen organisiren, so daß hinter jeder Arbeitseinstellung die Ge- sammtheit steht. Wirklich? Glauben Sie,' m. H., daß auf diesem, Wege etwas auszurichten sei! Durch die letzten Arbeilseinstellungen in Deutschland wurde gewissermaßen das Capital überrascht, weil bei uns die Sache neu ist. Wenn einmal die Arbeitsein- stellungen zum Zwecke der Lohnerhöhung ernst wer- den und sich in zusammenhängender und organi- sirter Weise über ganze Gegenden erstrecken, so wird ebenso, wie die Arbeit gegen das Kapital sich organisirt, so auch das Kapital gegen die Arbeit sich organisiren. In England ist dies längst der Fall und Sie mögen selbst ermessen, wer es am längsten auszuhalten vermag, wenn, wie ja auch das Beispiel Englands zeigt, das Capital planmäßig und organisirtermaßen darauf ausgeht, die widerspenstigen Arbeiter auszuhun- gern. Nickt der einzelne Fabrikherr trägt dann den Schaden einer Arbeitseinstellung, die ihn betrifft, die Klasse der Capitalbesitzenden trägt ihn, und was vermögen besitzlose Arbeiter mit ihren geringen Ersparnissen der unwiderstehlichen Macht dieses ein- heitlich zusammen gefaßten Kapital gegenüber aus- zurichten? Kurz und gut, m. H., Sie werden da und dort einen kleinen Bortheil erringen können,— in der Hauptsache aber, die Verbesserung der Lage der arbeitenden Klasse im Große» und Ganzen be- treffend— werden Sie— Sie mögen Sich an- stellen wie Sie wollen— niemals etwas auszurichten vermögen, weil durch keinerlei Mittel, durch keinerlei Zusammenwirken die Besitzlosen gegen die ungeheure Macht des industriellen Großkapitals auskommen können. Ihr Loos ist eS und blecht eS, unter d en jetzigen Verhältnissen, gegen einen geringen Lohn, welcher gerade des Lebens Roth- dürft bestreitet, im Dienste und zu Gunsten des Kapitals zu arbeiten, und jeder Versuch, inner- bald des bestebenden Verhältnisses den gerade aus diesem Verhältnis; beruhenden Sachverhalt aufzuheben, ist vergeblich. Keines der vorgeschlagenen Mittel versängt seines kann verfangen: die„Selbsthiilfe" des Besitzlosen gegen den Äroßkapitalisten, des Unbe- wafsnelen gegen den Bewaffneten ist ein Trngge- lulde, eine U» in o g l i ch k e i t. (Fortsetzung folgt.) Politischer Theil. Deutschland. * Berlin, 27. Oct. sZur Drohnole u- geschichiej ist man in Wien unzufrieden darüber, basi der Frankfurter Senat in seiner Antwort beide Droher über Einen Kamin geschoren hat, während Man von Wien aus doch zarter anfgeirelen war, als von Berlin ans, und daher auf etwas grögere Freundlichkeit Anspruch zu haben glaubte. Aber der Frankfurter Senat hat ganz Recht gehabt: eine kräftige Zurückiveisnng halten beide verdient; auf etwas mehr oder weniger in den Noten kam es durchaus nicht an, sondern darauf, dag die beiden Regierungen in Frankfurt nicht mehr zu suchen haben, wie in Paris oder London. Es ist von höchster Wichtigkeil, daß dem österreichischen und preußischen ParticulariSmus gegenüber die Selbstständigkeit der einzelnen deutschen Staaten im vollsten Maaße gewahrt werde. Das Volk in Verlin, Wien und Frankfurt gehört zusammen, den» überall ist ja deutsches Volk; die Regie- rungen von Berlin und Wien aber haben i» Frankfurt, Dresden, München u. s. w. um kein taar mehr zu suchen, als etwa die Regierunge» rankreich's, Rnßland's oder China's. Man berichtet aus Frankfurt n.M., 23. Oct., daß die Gesckäftscommission des Sechsunddrei- ßiger-AusschusseS Maßregeln beschlossen hat, welche bezwecke», die„O clo derbes ch lüs s e des Abgeordnetentages zur Ausführung zu brin- gen und die Organisation für Gesammt- deutjchl.and neu zu belebe» und zu envei- lern." Dies hat wenigstens, obschon nicht viel da- bei herauskommen wird, das Erfreuliche, ei» Zei- chen dafür zu sein, daß man sich nicht einschüchtern läßt. Aus Wien erhält die„Bank-Ztg." folgende Nachricht:„Der französische Botschafter hat sich hier der delikaten Mission zu entledigen gehabt, auf dem Wege der vertraulichen Unterhallnng eine Art moralischer Intervention zu Gunsten der freien Stadt Frankfurt zu versuchen. Dieffeits ist jedes Eingehen auf dieses ledigjich dem Gebiete der deutsche» Fragen angehörende Thema sehr verbindlich, aber auch sehr entitbieden abgelehnt worden."— Ob in Berlin ein gleicher Ver- such von der französische» Diplomatie nnternommen worden, weiß das Blatt nicht.— Die Nachricht ist überhaupt nicht wahrscheinlich; wundern aber dürfte man sich freilich nicht, wenn es die Regierungen der beiden Großmächte durch ihr Auftreten schließlich noch zu einer französischen Einmischung brächten. DaS deutsche Volk aber darf sich durch- aus nicht mit Frankreich drohen laffen. Nicht in Frankreich sitzen die Feinde deutscher Nation— eine französische Einmischung könnte sogar unter Umständen, obzwar anfänglich vom Uebel, im Schlußergebniß für Deutschland sehr heilsam sein. Jedenfalls laffe man sich keine Angst vor de» Fran- Zosen machen; das Geschrei:„dem Erbfeind gegen- über muß aller innerer Hader ruhen" ist nur der Ruf derjenigen, welche die Aufmerksamkeit von den inneren Fragen ablenken wollen. —(Der„Nordd Allg. Zeilung"j wird Niit vollständigem Recht aus Frankfurt geschrieben: Vie! eicht haben Sie bis heute in dem Glauben ge- lebt, dafj Preußen ein deutsches Land, Berlin eine deutsche Hauptstadt, daß Ihre Sprache, mithin auch Ihre Zeitung eine deutsche sei. Sollte Ihnen dieser Glaube von einem gewissen Werth gewesen sein, so wilrde es mich schmerzlich berühren, Ihnen sagen zu mlisien, daß Sie bisher in einem großen Jrrthum besan- gen gewesen sind. Mein Gewährsmann ist das„Deutsche Piochenblatt", welches in feiner neuesten Nummer, und zwar in dem Artikel„Nachträgliche Glesien zum Abge- ordueteutage" wörtlich Folgendes enthält: „Wenn das Vaterland in Gefahr ist, wenn der deulsche Geist, der erst die Nation zur Nation macht, von den norbdenlschen Slaven gebengt und niederge- treten wird, dann müssen alle inneren Zwistigkeiten zwischen den Regierungen und den Volksvertretungen (der Kleinstaaten) schweigen..." lind ferner:„Die preußischen Abgeordneten schweigen mehr und mehr von ihren inneren Zwistigkeiten mit ihrer Regierung und scharen sich fest um Bismarck und das aiinexionssiichtige flavifche Jnnkerthum." Ganz abgesehen von der Phraseologie, ist die That- sache beinerkenswerth, daß der bisherige deutsche Groß- staat Preußen, incl. Rheinland und Westphalen, seit dem „Deutschen Wochenblatt" plötzlich unter die Slaven gegangen ist. Die Redaciion des„deutschen Wochenblattes", eines Blattes, welches eine deutsche Partei vertrete» will, mußte in der Thal gänzlich den Kopf verloren haben, als sie die gerügte Albernheit in ihre Spal- ten aufnahm. Diese lächerliche Geschichte vom Sla- venlhum in Preußen ist ein Steckenpferd des erbärmlichen Prenßenhaffes bornirter kleinstaatlich- süddeutscher Particularisten und schwarz-gelber Psasienknechte. Daß aber ein Blatt, welches auf die Eigenschaft eines demokratischen, für ein ein- heitliches Deutschland kämpfenden, Anspruch macht, dazu beiträgt, jene erbärmliche Verkleinernng eines deutschen Volksstammes weiter zu trage», ver- dient eine sehr herbe Rüge. — sAns den Herzogthllmern�, Kiel, 26. Oct.. berichtet man: Das„Verordnnngsblalt für Holstein" veröffentlicht das Ergebniß der Fi- nanzverwaltnng des Herzogthums für das Jahr vom l. April 1864 bis 31. März 1865. Die Einnahme» überstiegenden Voranschlag um 686,652, die Ausgaben betrugen 1,436,239 Mark Erl. weniger als der Boranschlag. Die Snmme des Ueber- schnffes belänft sich auf 3,166,624 Mark Crt. —[Die Existenz einer dritten fra» z ö- si scheu Notes über den Gasteiner Vertrag wird in Abrede gestellt. —[Zu den Anklagen gegen den„Social- Demokral".s Der Termin, welcher heute zu öf- fenilicher Verhandlung ausstand, ist ans den 22. Nov. vertagt worden.— Weitere drei Anklagen sind er- hoben wegen der Nnminern 155, 155» und 166, darunter eine wegen MajestälSbeleidignng. [Die Untersuchungen gegen die Abgeordne- leu T westen und Frenyel.s Dem Vernehmen nach hat das hiesige Sladigerichr den von dem Staatsanwalt gestellten Antrag, den Abg. Twesten wegen von dem letz- leren im Abgeordnelenhanse gethanen Aeußernnze» zur Untersuchung zu ziehen, als nach den Bestimmungen der Verfassung unthunlich abgelehnt. und eine von dem Staatsanwalt an das Üanimergericht deshalb eingelegte Berufung bat keinen besseren Erfolg gehabt. Jetzt liegt, wie mau hört, die Sache dem Obertnbnnal zur Entscheidung vor. Der Antrag, den Abg. Frentzel, gleichfalls einer im Abgeordnetenhause gehaltenen Rede wegen, zur Untersuchung zu ziehen ist, wie man uns versichert, in gleicher Weise von dem betreffenden Kreisgerichte und in zweiter Instanz von dem AppellationSgerichte in Jnste» burg zurückgewiesen worden und jetzt auch zur Enlschei- j düng des Oderlribnnals gestellt. * Wien, 25. Oct.[Zur großen Staats- confnsion.s Die ungarische Wahlbewegung nimmt eine immer lebhaftere Färbung an, da eS nur wenige Wochen noch bis zu dem eigentlichen Wahlact ist. In Pesth kämpft die Partei Go- rove'S, eines Anhängers Deaks, mit der Partei eines der aufgetretenen Eandidaten von radikalerem i Bekenntnis;, der seinen ursprünglichen deutschen Na- nie» Schwarz in Schvarcz magyarisirt hat, mit großer Erbitterung. Die offieiösen Blätter wie die „Abendpost" sind mit dem Verlauf der Wahlbewegung im Ganze» nur mäßig zufrieden, allein sie trösten sich damit, daß dieselbe doch einen ausgesprochenen dynastischen Eharakter trage. In allen Wahl- Versammlungen sei der Ausdruck deS anfrichligen, alle Schichten der Bevölkerung durchdringenden dank- baren Strebens für die Machtstellung des Kaisers wahrnehmbar. Und so werde die dynastische Treue Ungarns die Brücke sein, die mittelbar zur Konso- I lidirnng der Reichsinleressen der Monarchie führen werde. Wer's glaubt!- Der Kaiser wird den : ungarischen Landtag in Person eröffnen und, wie I eS heißt, mit der Kaiserin bis zum Ende des Fa- j schings in Ofen residiren. Eine der ersten Borla- gen an den ungarische» Landtag würde ein Krö- uungsdiplom sein, nach dessen Annahme die Sal- 1 bung vor sich gehen könnte.— Der„Bresl. Ztg." hingegen wird teiegraphirl:„Die Reise des Kai- sers nach Pesth behufs der Eröffnung des Land- ! tags unterbleibt, weil es keui Beispiel der Geschichte giebl, daß der König einen über die Krönung be- rathenden Landtag eröffnet hätte." Kassel, 26. Oct.[Zur kleinen Staats- fonfniian.] Die„Kasseler Morgenzeitung" mel- det, die Borstande der Ministerien der auswärtigen Angelegenheiten und der Justiz, Abbse und Pfeif- fer, haben anläßlich der amtlich bestätigten Eni- jastung des Finanzministers ihre eigene Entlassung gefordert. Der Regien, ngSbirektor H a r b o r d t hat gebeten, ihn von der provisorischen Leitung des Ministeriums des Innern zu entbinden. Ober- finanzraih L edder hose hat heute Vormittag die provisorische Uebernahme des Finanzministerinms abgelehnt. Heute Nachmittag hat derselbe sich entschlossen, die ihm angetragene Leitung des Finanz- Ministeriums zu übernehmen und de» Revers zur Anfrecblerhaltnng der Verfassung dem permanenten landesständischen Ausschüsse im Ständehause ein- gereicht. Ausland. II. Paris, 24. Oct.[Der internationale Congreß der Studenten. Ursache der Abdankung Merode' s. Ultramontane ge- Heime U m triebe. Die K a m m e r w a h l e n in I Italien.] Der nächster Tage in Lüttich stattsin- dende Congreß der stuvirenden Jugend von ganz : Europa, für welchen sich schon Tausende von Theil- »ehmern auS Frankreich, der Schweiz, Deutschland und den österreichischen Staaten gemeldet haben, macht der hiesige» Regierung einige Besorgniß nnd erregt in hohem Grade das Interesse der hiesigen Demokraten, Republikaner und Socialiste». Nicht etwa, daß es sich dabei um eine Verschwörung handelte; die Debatten werden össenllich sein, und man wird nur Fragen diskuliren, welche auf die Erziehung und de» Unterricht Bezug haben. Aber diese Fragen werden genug Gelegenheit bieten, sich über jene allgemeinen Pnncipien zu verständigen, über welche ohnehin schon ganz Europa einig ist, i mit Ausnahme einer kleinen Klasse von Privileg«- len und einigen Ignoranten, die bei Hellem Tageslichte nickts sehen ans angeborner Blindheit. Dagegen ist die studirende Jugend, wie die arbeitende Klasse, die Trägerin der„mit der Zukunft schwan- gern Gegenwart", und Niemand täuscht sich mehr über das, was sie tu ihrem Schooße birgt, selbst jene Staatsmänner nicht, die heute das Interesse der bestehenden Mächte vertreten. Auch sie wissen j recht gut, daß die uns aus der Vergangenheit ' überkommenen politischen und socialen Zustände nur noch ein Provisorium sind, welches höchstens um eine kurze Spanne Zeil verlängert werden kann. Uno selbst diese Zeit ffl nicht verloren, denn sie dient zur bessern Vorbereitung auf den kommenden definitiven gesellschaflltcheu Zustand Europa's. Ist es kein merkwürdiges Zeichen der Zeit, daß heute schon öffentlich proklamirt wird, was man vor noch nicht langer Zeit nur in geheimen Gesellschaften auszusprechen wagte?— Ein demokratisches hiesi- ges Journal, der„Avenir", veröffentlicht heute die Anrede eines Professors an die»ach Lüttick gehen- den französischen Studenten:„Bor wenigen Jahren", sagte er,„war es noch Mode, von der Gleichgül- tigkeit der Jugend für die Fragen von allgemeinem Interesse zu sprechen. Man hat gesagt, sie denke nur daran, sich eine r.chige Position zu verschaffen. Schon seit den letzten zwei Jahren hört man we- niger diese Behauptung. Man wird nichts mehr davon hören nach Ihrem Eongresse. Ich wünsche, ich hoffe, daß Ihre Berathungen fruchtbar sein werden an neuen Resultaten und an praktischen unmittelbaren Eonseqnenzen. Nichtsdestoweniger ist es nicht dieses, waS mich am Meisten interessirt. Daß aber junge Leute an 6 allen europäischen Län- dem sich vereinigen, ihre Ideen austauschen, neue Bande gegenseitiger Sympathieen anknüpfen, und in ihre Heimath zurückkehren werden mit der lieber- zeugung, daß die Freiheit überall muthige, enl- schlossene Freunde hat, eine Ueberzengung, die sie ihrer ganzen Umgebung mittheileu werden, das ist