Nr. 193. Berlin, Sonnabend den 1l. November 18SS. �ocial-DeimIirat. Diese Zeitung erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Organ des Allgemeinen deutschen Arbcitcr-Vcreins. Redigirt von I. B. v. Hofstetten und J. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraste Nr. 85. Abonnements- Preis für Berlin incl. Bringerlohn: vierteljährlich 18 Sgr., mo- natlich 6 Sgr., eiinclne Nummern 1 Sgr.! bei den Königl. preußischen Postämtern'22V2 Sgr., bei den preußischen Postämtern im nichlpreußischen Deutsch- Und 18�/, Sgr., im übrigen Deutschland I Thlr.(st. 1. 45. slldd., st. 1. 50. Lsterr. Währ.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärt« auf allen Postämtern, in Berlin aus der Expedition, von jedem soliden Spediteur, von der Expreß-Compagnie, Scharrenstr. l, sowie auch unentgeltlich von jedem„rothen Dienstmann" entgegen genommen. Inserate li» der Expedition auszugeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiter-Annoncen mit l Sgr., bei sonstige» Annoncen mit 3 Sgr. vci-cchiiet. Agentur für England, die Colonieen und die überseeischen Länder: �lr. Bender, 8. Liltle New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Fraulreicb: G. A. Alexandre, Strassbonrg, 5. Kue Brnlee; Paris, 2. Cour du Commerce Saint-Andrd-des-Arts. politischer Theil. Deutschland. * Perlin, 10. Novbr. sDie Drohnoten- geschichte� hat bekanntlich unter Andcrm zur An- nähme im Publicum geführt, die„Pormächte" de- absichtigten einen entscheidenden Schlag gegen die Presse und das Vereinörechl zu führen und sich zu diesem Zwecke des Bundestags zu bedienen. Die „Zeitl. Cm." schreibt nun in diesem Betreff: Wir können der Nachricht widersprechen, daß Preußen und Oesterreich sich darüber geeinigt haben, einen An- trag über bundesmäßige Regelung de« Preß- und Per- ein«-WesenS bei der BundeS-Berfammlung einzubringen. Da die Thatsache sesisteht, daß der Znstand der Bunde«- Gesetzgebung in Betreff der Presse und der Vereine von vielen deutschen Regierungen als lückenhaft und nnzu- reichend anerkannt wird, so dürfen Preußen und Oester- reich e« denjenigen Mittclstaaten, welche da« Bediirfniß nach einem amendirte» Gesetze am lebhaftesten empfiu- den, gern überlassen, die Bundes-Versammlung mit einem dahingehenden Antrage zu beschäftigen. AuS Wien, 9. Nov., wird in dieser Sache telegraphirt: Wie die heutige„Presse" und„Neue freie Presse" melden, werden Oesterreich und Preußen in der Frankfurter Angelegenheit wahr- scheitilich beim Bundestage die Reaktivirung des Bundes Vereinsgesetzes vom Jahre 1854 be- antragen. — sDas allgemeine Wahlrecht betref- seud� bringt die Corresponden; 8t. A. von hier folgende sonderbare Notiz: Wie un« mitgetheilt wird, soll in Kreisen, die der Regierung nahe sieben, die Rede davon sein, daß die Einführnng de« allgemeinen direkten Wahlrechts jetzt nach erfolgter Rückkehr de« Ministerpräsidenten� der dem- selben geneigt sein soll, in Berathung gezogen werden wird. —[Zur S t e l l n u g der Inden in Prenßen.s Während man auf andern preußischen Universitäten wie z. B. kürzlich in Breslau geschehe» ist, noch immer schwierigkeilen macht, Juden zur juristischen Doclor Promotion zuzulassen, legt man hier in Berlin denselben keine Schwierigkeiten mehr in den Weg; so ist am Don- nerstag hier eine solche Promotion zum doctor juris ntrinsque von Statten gegangen. —[Aus Hannovers kommt die Behauptung, nicht schriftlich, sondern mündlich sei die Billigung[ des„vormächtlichen Borgehens" gegen Frankfurt erfolgt. Ziemlich einerlet! * Wien, 8. Nov.[Programm der dent- schen Abgeordneten.� Man hat letztern viel- fach, auck> in der Oeffcntlichkeit, de» Vorwurf gc- macht, daß sie nicht im Stande seien, sich über ein endgültiges Programm zu einigen. Der Vorwurf ist insofern nicht begründet, als man sich jetzt da- hin geeinigt hat, nicht nur auf den Landtagen zu erklären, daß dieselben nicht competenl(zuständig) seien zur Behandlung der staatsrechtlichen Frage, sondern auck überall, wo sie der Majorität sicher sind, � in Form eines Protestes das Recht des Kaisers, die Verfassung außer Kraft zu setzen, zu bestreiten. Ihre Ansicht geht dahin, daß der Kaiser wohl das Recht habe, den Reichsrath aufzulösen, nicht aber die aus freien Stücke» gegebene Verfassung außer Kraft zu setzen oder aufzuheben. Eine Revision derselben könne nur mit und durch den Reichsrath erfolgen. Tiefer Protest müßte in logischer Conse- quen; zur Anklage gegen das Ministerium führen, welches zu dem Patente vom 20. September ge- rathe» hat. Indessen wird dies bei der lahmen Art, die Opposition zu betreiben, wohl nicht ge- schehen. Ueberhaupt wird wenig auszurichten sein. Das eigentliche Volk im deutschen Oesterreich nimmt noch nicht an der Sache Theil und die deutsche Bourgeoisie dortselbst ist ungefähr ebenso schwach und unthatkräftig wie die, im übrigen Deutschland. Nichlsdesloweniger ist die mitgetheilte Vereinbarung unter den deutsch- österreichischen Abgeordneten mit Freuden zu begrüßen, da sie geeignet ist, die große StaatSconfuston noch erheblich zu steigern. — 9. Nov.[Aushebung der Paffe.] Die heutige„Generalcorrespondcnz" theilt mit: Der Kaiser habe gestattet, daß die Vorzeigung und die Visirung von Reisepässen an sämmtlichen Landes- grenzen aushöre; die Anordnung wird in nächster Zeit in Kraft treten. München, 9. Nov.[ Das Cntlassungs- gesuck, des Ministers des Innern] v. Neu- mayr ist von dem Könige„unter den gnädigsten Ausdrücken für die geleisteten Dienste" angenom- nie» worden. Herr von Neumayr wurde zum Staatsrath in außerordentlichem Dienste ernannt. Das erledigte Portefeuille des Innern wird pro- visorisck der Kultusminister v. Koch mit dein feini- gen verbinde». Ausland. * Paris, 8. Nov.[Tagesbericht.] Morgen also werden Ministerien und geheimer Rath unter dem Vorsitze des Kaisers die großen Finanzfragen zu erledigen und dadurch endlich Herrn Fould eine vorläufige Ruhe zu verschaffen haben. Man glaubt im Allgemeinen, daß wirklich zu Ersparnissen werde geschritten werden, obgleich auch allerlei abenteuerliche Projekte gegentheiliger Art auftauche».— Die italienischen Ange- legenheiten nehmen fortwährend die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem Grade in Anspruch. Es scheint, daß etwaS im Gange, was leicht noch vor oder bald nach Eröffnung deS Parlaments in Florenz zu einer CabinetSkrisiS führen kann. UebrigenS ist hier die schlaue Wendung der Unitü- CaUolica nicht unbeinerkt geblieben, die kürzlich noch so boshaft über die Napoleoniden loszog, jetzt plötzlich aber die Cholera benutzt, um„Lob und Bewunderung Sr. Majestät Napoleon III., dem wahren Vater des Volkes", darzubringen und den Satz auszuführen:„Ach, die christliche Liebe ist die beste Constitution und die solideste Garantie, welche die Völker wünschen können." Wie süß das nach „aufgeklärtem Despotismus" schmeckt! Der Schluß- refrain dieser im Psalmenstyle gehaltenen Lobrede der Unitn-Cattolica lautet:„Im Einvernehmen mit den Parisern schreien wir von ganzem Herzen: Viva rEmpcreur!(Es lebe der Kaiser!) Ja, Vivo >'IZmper<;ur! der die Armen und Unglücklichen nicht i verläßt, sondern sie besucht! Vm- l'Empereur, welcher den Kranken in seiner Roth tröstet und ihm beisteht in seinen Heimsuchungen! Vivo l'Empereur! der da begreift die Pflichten seines Ranges und der Monarchie Achtung verschafft!" Der Kaiser trifft diesen Abend wieder in St. Cloud ein. Er wird sich wundern, wenn er im„Moniteur" diesen JubelhymnnS des patriarchalischen Absolu- liSmuS, wie er Heinrich V. schon in der Wiege gesungen wurde, zu lesen bekommt. Zugleich er- fährt er, daß die Herren von der„Opinion Na- tionale", Fouray und Souvestre,„wegen Verbrei- Hing falscher Nachrichten über Algerien" zu einem 'Monat Gefängniß und 500 Frs. verurtheilt sind. Diese gerichtliche Verfolgung wird niederschlagend auf die unbefangene Beurtheilung der kaiserlichen Broschüre über Algerien wirken. Eine Verwaltung, so sagt sich selbst der zahme„loyale" Bürget, welche zittert, wenn Hunderte von Meilen vom Schauplatze der Ereignisse ein Blatt eine falsche Nachricht von sechs Zeilen bringt, darf noch lange keinen Anspruch auf das Vertraue» von Unter- »ehmern und Auswanderern machen. Mac Mahon hat,— denn er war eS, der, wie man hört, diesen � Proceß veranlaßte— dadurch der Reorganisation der Colonie eine schlechte Einladung gegeben. Der Gesundheitszustand dreier Größen des Kaiserreichs flößt in diesem Momente ihren Freunden viele Lesorgnisse ein. Thouvenel hat einen Rückfall erlitten, der seinen Zustand sehr be- denklich macht; Dupin, veralte Renegat, liegt im Sterben, und StaatSrath Thuillier, der vielvcr- sprechende Redner im gesetzgebende» Körper, der � allgemein als Vertreter der Ideen Perstgny's be- j zeichnet wurde, liegt so hart darnieder, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Es gilt, neue Menschen an ras Regime zn fesseln. Emil Ollivicr scheint zunächst dafür bestimmt. Seine Verlobung mit Fräulein Bouvet, der Borleserin der Kaiserin, ist jetzt Thatsache, und ein künftiges Cabinel Olivicr dürfte wohl nicht mehr so viel Unmögliches haben.— General Langiewicz, der polnische Exdiktator, ist am 3. d. in Paris eingetroffen und auf dem Bahnhofe vom Fürsten Sapieha und anderen nam- haften Polen empfangen worden. Er geht auf Einladung von Pope Hennessy nach London, w» ein großes polnisches Meeting abgehalten werden soll.— In der Redaction des Moniteur soll in sofern eine Aenderung bevorstehen, als dieselbe in das Ministerium deS Innern verlegt werden und ei» besonderes Abtheilungs-Büreau bilden soll.—' Aus Aix laufen fortwährend bittere Klagen ein übet den Unfug, den die dort in Garnison liegenden Sol- daten der fran zösischen Fremdenlegion(diese Kam angelan; Sie and Sie eifrig. sich vor Znrlickge: Regime» Groß Werte de Mir kleine A Eilen *)© Truppe ist für Mexiko bestimmt) treiben. Die Auf- regung in der Stadt ist so groß, daß man jeden Augenblick den Ausbruch eines Kampfes zwischen den Bürgern und diesen Militärs(es sind jetzt un- gefähr SSV Manni befürchten kann. Wie werden dieselben erst in Mexiko lfdufefc!— Di«. France Medicalc gicbt die Zahl der in Paris vom 22. Iep- lember bis 2. November an der Cholera geftor- denen Personen auf 5V56 an-, davon kommen 15 auf September, 4715 auf Octvbcr und 2(16 auf die beiden Novembertage. Ob diese Ziffern unter der Wahrheit sind, muß dahin gestellt bleiben. Seil dem 2. nimmt die Cholera weder ab, nöch zu.— In Jerusalem ist die Cholera mit furchtbarer Heftigkeit ausgebrochen. Alles ist aus der verpe- steten Stadt geflohen; nur die Aermsten blieben zurück. Man bemerkt hier mit Genugthuung, daß, während alle andern Consuln die Stadt Verlasien haben, der französische geblieben ist. * London, 8. Nov.| lieber die Union. Eine katholische Nede. Der Shenandoah.) Ueber die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den andern Mächten bemelken Daily News: Die Nachrichten ans Amerika liefern den überzeugend� sten Beweis, daß, welche Fragen auch zwischen der Regierung der Bereinigte» Staaten und fremden Machleu in der Schwebe sein mögen, doch Herrn Johnson'« au«- wärtige Politik auf die Erhaltung de« Frieden» gerichtet sein wird. Wenn die von General Grant im Ociober erlaffenen Befehle ausgeführt sind, wird die große Frei- willigen-Armee, welche die Rebellion unterdrückt hat, verschwunden sei», und die permanente Stärke der regu- lären Armee wird aus nur 75,0(10 Manu bestehen. Die Regierung der Bereinigten Staaten muß natürlich alle Möglichkeiten, die sich aus dem Stande ihrer auswärtigen Beziehungen ergeben können, erwogen haben, ehe sie sich gn dieser durchgreifenden Reductiou ihrer Streitmacht entschloß. Die feierliche Einführung des Erz bisch ofs Dr. Mannina(an Stelle des verstorbenen Car- dinal Wiseman) hat vorgestern in der katholischen Pro-Kathedrale, deren Inneres reich verziert war, unter vollem Ceremoniel Statt gefunden. Im Ver- foljje seiner Erwiderung auf die an ihn gerichteten Ansprachen Seilens des Clerus seiner Diöcese äußerte der ne»e Erzbifchof(welcher bekannilich vom ProlestantisninS zum Katholicismus über- getreten ist): WaS unsere Zukunft lein wird, weiß Gott allein; aber wir müssen in der Zuversicht de« Glaubens große Dinge hoffen und sie in Treue herbeizuführen suchen. Wir würden unserer Pfltchl gegen unsere» göttlichen Meister ermangeln, wenn wir unser Ziel irgendwie �niedriger stellten, als die Bekehrung Englands, die Er- lösung all unserer Brüder ans der Ketzerei und der GtailbenSIrennllng, die Wiedervereinigiing unsere« lheuren Lande« mit dem Königreiche Ehristi. Zwei Dinge sinv gewiß: da« eine, daß der Protestantismus, nachdem>er, wie andere Häresieen. feine 300 Jahre durchlaufen hat, sich auflöst und am Perfchwinden ist; da« andere, daß der katholische Glaube sich unwiderstehlich nach allen Seilen bin ausbreitet. Diese beiden Bewegirngen hören nie au». Alle«, wa« den Schein einer außerhalb der Einhsir der einzig wahren Religion stehenden Theologie oder Kirche trägt, verändert sich sichtlich und verschwindet vor unseren Blicken. In einem o»«r zwei Geschlechtern wird die auglicanische» Religion sei», wa« der ArianiS- mus oder der DonatiSinuS ist— ei» Capitel in der Geschichte. Die unwandelbare, die uilvergängliche Kirche wird inmitten eines von Tag zu Tage höher steigenden Wellstreites der Nationen als die einzige Arche der Ret- luug auf der weiten Wasserfläche erscheinen. Man sieht, daß die katholische Kirche noch immer nicht an ihrer Ziiknnfl verzweifeln will. Der Herr Erzbilchrf hat den Mund sehr voll genommen.— DaS Schiff Shenandoah, an dessen Bord sich noch immer Capitän Waddell, feine Officiere mir fein ganzes Schiffsvolk befinden, wird sorgfältig von den, Kanonenboote Goshawk bewacht. Bis jetzt hat noch Nicmand einen Versuch zu entrinnen gemacht. Der Capitän ist im Besitze bedeutender Geldsnnimeii und verschiedener werthvoller liegen- stände, darunter einer Anzahl von Chronometern, welche herauszugeben er gesonnen ist. in Anbetracht des Umstandes, daß sie jeyt Eigenthum der Ne- gicrnng der Vereinigten Staaten sind. * Italic». jZur Lage. Merode. Aus Florenz� Anlonelli hofft mit Erfolg an die Mächte Cnropa'S ein Manifest»IN Schutz des Kirchenstaates richten zu können, wen» nach Abzug der Franzosen etwas gegen die weltliche Herrschaft des Papstes geschieht; er wird deßhalb jede Heraus- forderung gegen Frankreich, wie Merode sie syste- maiisch betrieb, meiden,„um für alle Fälle die Rolle des ruhigen Dulders spielen zu können." DaS sind, laut römischen Briefen der„Augsb. AUg. Zig",„die Erwägungen, welche die ultra- liiontane Partei über den Fall Merode'« trösten." — ES gehen übrigens der Correfp. Havas-Bnllier Nachrichten aus Rom vom 4. Nov. zu, welche melde», daß der Papst, um die„Verleumdungen der Presse gegen Mjgr. de Merode noch mehr zu entkräften" diesell: Prälaten einen Besuch hat machen wollen. Als letzterer von der Absicht Sr. Heiligkeit Nachiicht erhallen halte, ging er sofort dem Papst entgegen, den er in den Logen des Vaticans traf, wo man bemerkt hat, daß Pius IX. mit Msgr. de Merode auf- und abging, indem er ihm die deut» lichsten Zeichen seines ungetrübten Wohlwollens gab. Durch diese» Besuch, so wie durch einen Artikel' res „Cliornale die Roma", hat der Papft zeigen wollen, daß Msgr. de Merode„nicht im geringsten in seiner Achlniig und Zuneigniig gesnn'le» ist."— Vor Kurzem wurde berichtet, Herr v. Merode sei ei» gar zahmer Dulder. Nun meldet man aber, in starkem Widerspruch hierinil, den„TinieS". baß Merode lange„seine Lage nicht begreifen wollte". „Er gerieth vollständig in Wuth. Ilm ihn zu de- ruhigen, ließ ihm der Papst die Stelle des Fürsten Hohenlohe(ver nächstens Kardinal wird) als Al- niofenier anbieten, stellte ihm sogar für später auch einen Kardinalshut in Aussicht, wenn er nur gutwillig gehe! Nichts da! Merode erwiderte:„Man schicke mich mit Gensdarmen fort, gutwillig gehe ich nicht. Die Vorsehung hat»iich auf meinen Posten gestellt und die katholische Welt dies sanktionirt. Ich bleibe! Der Papst möge es wagen, mich fort- zuschicken!" Anlonelli ließ ihm sagen, er sei ja ein Revolutionär, wenn er in solcher Weise rem bei- ligen Bater widerstände. Darauf ereignete sich Folgendes; Merode ließ alle seine Sachen in das Minister- Hotel bringen und verschanzte sich dort hinter einer aus feinen Möbeln er- richteten Barrikade; um jeden Preis wolle er seiiWt Nachfolger abhalten. Er schien förmlich toll geworden zu sein. Trotz Papst und Anlonelli fuhr er fort, Papiere zu unterzeichnen. Endlich am 30. ging ihm eine Nole Antonelli's im Auf- trage des Papstes zu, die seine förmliche Entlas- sung enthielt."— In Florenz sind die Preise der Wohnungen seit der Uebersiedlung der italienischen Regierung ans unerhörte Weise gestiegen. Ein Kaufmann mußte ausziehen, weil man feinen Mielh- zins uinS Dreißigfache erhöhen wollte. Er halte nämlich bis dahin 484 Franken bezahlt und inan wollte nun angeblich 14,000 haben.— Diejei Tage soll in Florenz ei» kleiner legitiniistifch-cleri- calcr Eongreß stattgefunden haben, auf dem man den Felbzugsplan für die Parlamentsfefsion verab- redet hätte.— Die Florenzer Journale melden, daß der König, von den Mimstern Lamarmora und Cortese begleitet, im Laufe des Tage«(S. d.) nach Neapel abreisen wird, wo die Cholera im Znnehnien ist; er wird am 14. d. zurückkehren. Man glaubt allgemein, daß die Eröffnung deS Parlaments bis zum 18. d. vertagt werden soll. * Schweiz[In der Prü gelstrafen ange- legenheitj hat zn Bern eine große Volksversainm- lnng stattgefunden. Die Zahl der Anwesenden konnte Feuilleton. Lncinde Roman in Aus oder �opital und Arbeit. 4 Bänden von I. B. v. Schweitzer. Band II, Kapitel 23. Urvolutioiilirc Zdrrn. Stelle mich ver ein Heer Uerte. wie ich, und au» Teutschland soll eine Republik werden, fegen die Rom und Sparta Nonnentlöfter ein sollen. Schiller. lR-uder I. i.> Kaum waren Alle im Saal, als Zyinger dem Por tier zurief: Stecken Sie gleich das Gas a»I Das Ga« breimt nicht— antwortete dieser— die Leitung muß irgendwo unterbrochen sei«. So bringen Sie Lichter! Aber schnell!— Meine Herrn! Lassen wir»»S durch diese Dinge nicht aufhalten. Der Schein diese« LänipchenS ist zur Bildung einer Pro- visorischen Regierung mehr al« genügend. Ein.frohe« Gemurmel de« entschiedensten Beifall« I wurde laut. Jtzinger trat jetzt an den großen runde» Tisch, der in der Mitte des Saale« stand und an»velchei» noch I immer vor seinem Lämpchen der große Batz saß, und begann mit feierlicher Stimme: Meine Herren! Ich schlage für die Regierung außer Mir selbst vor: den Doktor Fisch, den Professor ans Koda, den Doktor Lang——— | Hier hielt der liberale Banquier ein und ließ seine Blicke forschend über die Gesellschaft hinschweisen. Da erhob sich stltrmisch der große Batz und schrie fcütheiid: WaS glauben Sie denn, Herr Jtzinger? Ich �»ume da- Feld nicht und wenn ich mich allenL als pro Nicht so hitzig, lieber Batz! rief Jtzinger besänfiigend. Ich batie Sie nicht gesehen— natürlich sind Sie der Fünfte. Der Fünfte? Wa« verstehen Sic darunter, Herr Jtzinger? rief der große Batz ergrimmt. Die« war nur ein einfältiger Ausdruck— antwortete Jtzinger besänftigend— man könnte Sie ebensogut den ! Zweiten oder Dritten iiennen. Der groß- Batz setzte sich beruhigt nieder. Meine Herren! rief jetzt Jtzinger mit lauter Stimme. Ich erkläre hiermit im Namen der Natron die Provisorische Boltsregiernng für constituirt. Wählen Sie sofort den Präsidenleu. Ich hoste— begann Jetzt der treffliche Fisch— daß Freund Herman, der bewährte Patriol und Praktiker, eiu- willigen wird, diese schwere Bllroe und große Berank- wortlichkeit ans sich zu laden. Ich nehme es an— rief Jtzinger— und ernenne hiermit den trefflichen Fisch zum Bicepräsidenteu und Schriftführer. Der Doktor Kurz und der Redakteur Groß zogen sich entrüstet in eine Fensternische zurück. Die fünf RegierungSinitglieder, so weit sie noch nicht Platz genoiiimen hallen, ließen sich jetzt am runden Tische nieder. Diejenigen Herren,— begann von Neuem, nach der Fenstornische gewandt, Jtzinger— welche nicht Mitglie- 1 der der Negieniiig sind, werden sich in« Nebenzimmer znrückziebcn. um daselbst als die ersten und vornehm- sten Beamlen de« Staat» unsere Bersügungcn ent- gegen zn nebme». Die Doktoren Knrz und Groß zogen sich etwa» be- ruhigier in'S Nebenzimmer zurück. Beginnen Sie Ihre Thäiigkeit damit— rief ihnen Jtzinger„ach— die ein- lausenden Reclamationen und Meldungen zu erledigen, damit wir hier ungestört ardeilen können. Alle Leute,! die kommen, sollen zu Jlmeu veiwielen werden. Federn»nd Papier, welcher letztere» Gegenstände sich der Doktor Fisch bemächtigte, um das Protokoll zu führen. Meine Herren!— begann Jtzinger, nachdem sich der Portier wieder entfernt hatte— eilen wir sofort an die Arbeit! Die Zeil drängt und wir müssen uns unserer Ausgabe gewachsen zeigen. Meine Herren! Sic alle werden von der ungeheueren Verantwortlichkeii. die aus uns lastet, erfüllt sein. In verhängnißvoller Slunde hat uns das Boll auf diesen Posten berufen und e» gilt, sein Vertrauen zu rechtsertl- gen, seine Erwartungen zu verwirklichen. Zeichen und Rufe der Zustimmung folgten diesen Worten. Meine Herren!— fuhr Jtzinger eifrig fort— die heiligste Pflicht von Männern, welche das Volk inmitten der Auslösung aller bestehenden Ordnung ans den ein- scheidenden Posten derust, besteht anertaniitermaßen darin, daß sie die gelockerten Bande der Ordnung neu zu tnvpfen, daß sie fü r sch I e nn ig sie Wiederher- st e l l» n g des ö f s e n t l i ch e n Frieden» zu sorgen haben. Die entschiedenste Zustimmung trat bei diesen Worten zu Tag liiid der Professor ans Koda rief: Vortrefflich gesprochen! Unsere heiligste Pflicht ist, die streitenden Elemente zn versöhnen, einen weise», allen Seiten Recb- mmg tragenden Mittelweg ausfindig zu machen. Wir inllffen einerseits— bemertte der Doktor Lang — die Erriingenschafteu unserer glorreichen Erhebung sicherstellen, andererseits dafür sorge», daß die Grundlagen der staatlichen und socialen Ordnung nicht noch weiter unterwühlt werden. Wir müssen mit Einem Wort— setzte Nachdruck-voll der große Batz hinzu— über den Parteien stehen. Meine Herren! begann jetzt wieder der Präsident der revolutionären VoltSregiernng, wir müssen vor Allem von dem Monarchen und Landesherrn die Bestätiauna n n l e r e r Gewalt zn e