Nr. 199. Berlin, Sonnabend den 18. November 18VÄ. Diese ZeilUüg erschein! täglich mil Ausnahme der Senn- und Festlage. Organ des Allgemeinen deutschen Arbeitcr-Bercins. Redizirl von I. B. v. Hosstcttcn und I. B. v. Schweitzer. Redaction und Expedition: Berlin, Dresdnerstraste Nr. 85. Abonnements-Preis si'.r Berlin incl. Bringerlobn: viericljäbrlich 18 Sgr., nio- nallich 6 Sgr., eintclne Nummern 1 Sgr.: bei den Königl. preustiichen Post- amtern'2ix/i Sgr., l-et den preußischen Postämtern im nichlpreußlschen Deurich- !and IM/< Sgr., im übrigen Deutschland 1 THIr. sfl. 1. 45. südd., fl. l. 50. östcrr. Wahr.) pro Quartal. Bestellungen werden auswärts auf allen Postämtern, in Berlin auf der Expedition, von jede», soliden Spediteur, von der Expreß- Compagnie, Scharrenstr. l, somit auch unentgeltlich von jedem„rorhcn Dieiiftmaun" entgegen genommni. Zttscratc(in der Expedition aujzngeben) werden pro dreigespaltene Petit-Zeile bei Arbeiler-Äilnoncen mit l Sgr., bei sonstigen Annoncen mit Z Sgr. berechnet. Agentur sür England, die Cvloniee» und die uberseeischen Länder: Ar. KoinZer. 8. Little New-Port-Street, Leicester-Square W. C. London. Agentur für Frankreich: G. A. Alexnndre, Straosbonrg, 5. Rue Brnlee; Pari«, 2. Cour du Commerce Saint-Andre-des-Arts. Bestellungen für das vierte Quartal wer- den fortwährend(auswärts auf den Post- ämtern) angeuommen. Politil'cher Theil. Deutschland. * Berlin, 17. Nov. sDie Kreuzzeitung� hat duräi ihre letzten lfeitarttkel über die Herzog- thümerfrage das politische Publikun, einiger, nasten beunrnhigl»nv �war besonders darum, weil Niemand aus den Artikeln reckt klug wird. Uns scheint der Zweck derselben ans eine Abwiegelnng hinaus- zulausen: nian scheint der etwa drohenden Un- ziisriedenheil in großpreußischen Kreise» zuvor- kommen»nd deßhalb— jedensaUs auf Grund der Biarritzer„Erfolge"— allmählig die Erkenutniß verbreite» ju wollen, daß aus eine Annexion vorerst»och keine Aussicht ist. — fAus Weimarf, IL. Novbr.. wird be- richtet, die sächsische Regierung habe sich in Berlin bereu erklärt, einen Handelsvertrag mit Italien abzuschließen und dadurch Italien anzuerkennen. Die preußische Regierung hege aber Zweifel, ob Italien unter solchen Un, ständen daraus eingehen werde. (Weil nemlich Italien jedenfalls— und zwar mit Recht— eine direkte Anerkennung verlangt.) ~[Em jch ei bmig des p r e n st, s ch e„ Ober- tribn»als): Eine Zeitung hatte eine Mittheilung über eine Landtagssitz», ig gebracht, dabei die Rede eines Ab- geordneten wortgetreu nach den stenographischen Berichten abgedruckt, sodann aber die fernere Mittheilung abge- brocken und die spätere Nachlieferung deS noch feblenten Theiles der betreffenden Berhaiidlung durch die Worte! „Schluß folgt" in Aussicht gestellt. Da der Inhalt jener Rede für strafbar erachtet wurde, erfolgte eine Beschlag- »ahme beji betreffenden Blattes, indem davon ailSgegangen wurde, daß eine unvollständige Mittheilung nicht als ein„Bericht von einer Landtagssitzung angesehen werden könne."— Die beiden Jnstanzgerichte Iheilten indessen diese Ansicht nicht und sprachen die Wiederauf- j Hebung der Befchlagnahme ans.— Hiergegen beschwerte sich Y,e Oberstaatsanwaltschasr. Die EeneralstaatSan- waltschaft erachtete diese Beschwerde sür begründet und führte aus: An und sür sich könne als„Bericht" mir eine solche Darstellung eines SachverlaufS angesehen werden, welche denselben in allen wesentlichen Punkten wahrheitSgelren und vollständig wiedergebe; es lönne Mim gest'»! bleiben, ob dieses letzlere Eriorderniß auch dann unerläßlich sei, wenn fremde, von, Willen des Mit- theilenden unabhängige U,»stände dazu»ist hißten, die begonnene Mittheilung abzubrechen, z. B. wenn eine an- gefangene Perba, idlung von dem bei, essenden Hause selbst abgebrochen und die Forlsetzung aus einen andern Tag vertagt werde, ober wenn der Druck de« betr. Blattes vor Beendigung der Sitzung abgeschlossen werden würde, damit' dasselbe zu der ein sür alle Male vorbestimniten Zeit erscheinen könne; jedensalls aber könne ein in das Belieben des Miltheilenden gestelltes Hinderniß, z, B. die räumliche Ausdehnung des Blatte«(welche durch Hinzu- sügung einer Beilage leicht zu ersetzen sei) eine Adwei- chung von der Regel nickt rechtfertigen. Das Ober-' viele Erwartungen rege gemacht, läßt aber i» der Gesetz- l tribunal hat diese Beschwerde aber zurückgewiesen und gcbiing wenig positive Fruchte zurück. Ueber der socialen den RcchtSgrundsatz ausgestellt: Eine unvollständige Mil- Gesetzgebung(HeiniathSrecht, Armenwesen, Erwerbung tbeilung über eine LandtagSverhandlung kann als„Be> dc« Bürgerrechts, Gewerbesreiheit) brütete er sehr lange richt" und deshalb sür»„bedingt straflos erachtet wer Zeit; aber da« da« bayerische Bclk aus seiner gänzlich den, wenn die Unvollstänbigkcil nur in der Erschöpfung verrotteten und ganz schlechten Geiiieinde- und Gewerbe- de« Raumes de« betreffenden Blattes ihren Grund bat, Gesetzgebung errettende Werk wollte nie da« Licht der iind eine Vervollständigung im nächsten Blatte beabstch- Well erblicken- Die Leute, welche heule wieder den tigt ist.— So das Lbertttbunal. Eine Verurtheiluug, Herrn v. Neumahr als die verlörperic Persassnng ans- der delrefsenden Zeitung wäre denn doch auch z,ar zu Posaunen und ihn als den Mann abschildern, der eS stark gewesen! auch allmählig erreicht hätte, sogar den Herrn von — sUrtheil.j Der verantwortliche Redakteur der der Pfordten zum Einhalten der Bahn eines reinen „Bolksztg." war wegen eine« Artikels„Die Entscheidung" und keuschen CvnstitulionaiiSmu« zu bestimmen— in erster Instanz z» 3 Wochen Gesängniß verurtheilt � diese Schönfärber, scheinen ganz vergessen zu haben, daß worden. Gestern kam die Sache in zweiler Instanz zur Herr v. Neumahr seiner Zeit die ganze Strenge des Verhandlung, wobei das Urlheil erster Instanz einfach bayerischen VereinSgesetzeS ,n der Frage de« 36er AuS- bestätigt wurde. schnsse« zur Anweiidnng brachte; die Sendung der von * Wien 16 Rov(Zur Herzvqlhünier- bayerischen Schleswig> Holstein- Vereinen gesammel- krane � u r V e rs a s s n n a s kra a e i Die Wien>en Gelder an die Adresse de« genannten Ausschusses Ab.Z..F M. iin, STSZ ;tie Versicherung entgegen, daß zwischen Oesterreich Partei Bayerns- die sogar auf die Entser- und Preußen über die Frage elner endgültigen staat-!„nn g Neumayr'S drang— erregte. Also wir haben lichen Gestaltung der Eldherzogtbümer nicht ver- Reaktion im Gouverniren und Stagnation im Gesetz- handelt worden ist seit der Gasteiner Uebereinkunft, geben— und wir haben solche und werden solche haben, welche die Art der provisorischen Ausübung der weil eben Herr v. d. Pfordten siegreich ins Minister- beiderseitigen Milbesitzrechlc festgesetzt habe. Außer- �"gkzogeii. Aber weshalb ist denn nun cigenl- dem bringt die„Wiener Abentpost" einen längeren* abgetreten?— Vermuthlich au« Artikel welcher mr Klarn.ia der Silliatioi, in der" �"ltche,. Gründen." die mit„Systemen" und � SiicttiuiQ cor«ttiu lioii ii! der 8at nl(tltg j11 h�ben. Auch die VerfastungSfrage dienen soll und darzulegen sucht,„Nene Frynkfurler Zeitung" zeigt ans solche Jnlrigiien daß der Vorgang, auf welchen die Regierung zurück- y,,,. Die wahren Gründe wird man vermuthlich eben- gegriffen habe, de». Rechte entspreche und allein zu sowenig erfahren als beim Abgang de« Justizminister» dem Ziele führen könne, für die verfassungsmäßige Mulzer, der jedenfalls weit mehr de» Namen eines„Frei- RechlSgestallung des Reiches danernde Grundlagen siningen'' verdiente als dieser Herr v. Neumayr, der z» gewinne» nur in sehr gnädigen Worten, sondern auch mit der t-v.i«»t.. A..k sehr reelleii Gnade d-S Gehalt« eines ordentlichen Staat«- �.T[®J«'o Verordnung wegen»uf- ,g,hg ,„j. Atlassen wurde, wie wohl er doch he b»" g der Pavrev.s.onen) an den Re.chSgränzen..vorläufig" um StaatSrath in..außerordentlichen „'.nunmehr pnbltz.« wordeu.D'e Passesindalso ans- dienst" ernannt ist.- Daß sich aber Minis?-- gehoben; dagegen, st bestlmml worden, daß.eder Re.- Wechsel bei n°S so„geheim,, ißvoll" vollz.ehen oh� «"'be-�sowohl In al« Ausländer- sich auf etwaige Rücksicht auf„Systemwechsel», ohne Rechenschaft vor b» amtliche Auffordernlig„über seme Person und dle Littel Volksvertretung und ohne alles Zuthun der letzteren be- zu sernem Unttrhaite" auszuwe. en hat. Ferner sind d.e i weist wieder einmal schlagend, daß wir im co st.'.t o- im*««MSm'im. .Bassel, 16. Nov. jMinisterwechsel.j Die „Kaff. Ztg." meldet amtlich die Ernennung des RegiernitgSdireclorS Harbordt, der seither das Ministerium des Innern versehen, zum StaatSrath und provisorischen Vorstand deS MinisteriilmS des Inner». Herr Abve ist zum Justizniinister ernannt. k«. ist— im Falle von Krieg, innere» Unruhen n. dgl.— an der ganzen ReichSgränze, an Tbeilen derselben oder gegen Reisende au» oder nach gewissen Ländern die Paß- Visitationen zeitweilig wieder herzustellen. Mündieit, 15. Nov.[Zum bayerischen L iberaliSmuS»nd Conflitnticnalismusj schreibt man der„Voss. Zlg." aus Bayern, vom 15. Nov., uiiler Ändert»! Die Reaction ist im Anmarsch, sagen Einige. Aber da« Gegentbeil. den Fortschritt, habe ich bisher schon! nicht eiildcckeii löiinen. Einen Forlschritt von einem.... � �..„: Miuisterium zu erwarien, dessen Seele unser v. d. Psordlen, suÜ-i6tg ist co, daß der„Pfoniteur snr noihig der Minister des Rückschritts psr exeellence, konnte„„r'btlle, den Berichten osfleioser Blatter über noch einige» mit unseren Ziiftänden ganz und gar nicht beabsichtigle A r»i ee r e d ukl i o n so scharf entgegen- verlraiiteu Politiker», die immer noch da« alte Lied zutreten, während man dock, wußte, daß dieselbe „von, Frieden n,ii dem Volke" ableiern, begegne» Neben der Hauptsache nach schon beschlossene Sache war�) Heirn v. d. Pfordten ist der Justizminister Bomharb ten �—-■ reaktionairc« Anschaiiiingdii unsere« Premier« sehr zuge- Einen Tag später bat der„Mvnilenr" selbst die thau nnd der Finanzmin ister hat durch sei» Bertbeidigen deSsallsige Mittheilung gebracht. Die kaiserliche Garde- mehrjähriger Finauzpcriodeii den Glauben a» seinen Insanterie verliert hiernach sieben Lalaillvue, die Garde-, Liberalismus gründlich zerstört. Herr v. Neumayr hat sowie die Linien-Lavallerie die sechste Schwadron per Ausland. � Paris, 15. Nov.[Tagesbericht.) Sehr Es sind über diesen Borgang selbstverständlich viele Gerüchte im Umlauf und man nimmt an, daß bis �um letzten Augenblick ein Schwanken über wesent- liäie Punkte in den RegierungSkreisen stattfand. Insbesondere glaubt man, die Armee habe sich dnrib die Art und Weis« der Ankündigung verletzt gc- kühlt, weshalb man eine Linderung(blos in der Forni oder auch in ver Sacke selbst?) für nöthig geHallen habe.— Aus Rom meldet der Com- spondent des„TempS", daß der Cardinal Antonelli die feste Absicht habe, die Unterhandlungen mit Italien wieder aufzunehmen. Auch will er wissen, daß Bayern aus dem Punkte stehe, Italien anzuerkennen. — Bei dem AbschiedSessen der franzSsisckeu Officiere, daS in Rom am 4. stkov. stattfand, sind sehr liberale, fast italienisckc Toaste ausgebrackt worden.— Die Armeereduction in Italien soll ins Wasier gefallen sein. Der König wolle sie nicht, wird behauptet. Fast alle französiscken Marschälle sind gegenwärtig in Paris, um den militärischen Couferenzen beizuwohnen, die jedes Jahr um diese Zeit hier stallfinden.— Die„Opinion Nationale" veröffentlicht eine detaillirte Tabelle über die Opfer, welche die Cholera im Laufe dcS MonatS October zu Paris weggerafft Hai. Es sind deren im Ganzen 4020, was, zu der Zahl Regiment, die Linien-Jnfanterie 200 Eoiupagnie», die Artillerie 40 Batterien. Die(SarabinicrS, die fortan nur ein Reginieut bilden, treten zur Garde. Einige andere Verminderungen betreffe» daS Detail! dagegen werden drei neue Bataillone algierische Tiraillcurs(Turcvs) ge- bildet. Die Reductionen werden durch allmälige Verab« schiedungen bewerkstelligt. Die Officiere, deren Chargen aufhören, erhalte» Urlaub. 4274 der gewöhnlichen Sterbcfälle gerechnet, eine! Gesammtsterblichkeit von 8294 macht. — IK. Nov. Nach Berichten aus Athen hätte das Ministerium DeligergiS feine Entlastung ge- geben und wäre Bulgaris mit Bildung des neuen CabinelS beauftragt worden. Graf Sponneck sollte abreisen.— Die heutige„France" enthält einen Artikel, welcher die Gerückte, nach denen Frank- reich eine territoriale Veränderung erstrebe, zu widerlege» sucht. Frankreich, heißt es in dem- selben, suche keine Vergrößerung seines Gebietes und habe am allerwenigsten Lust die Karte Euro- paS zu ändern. Wenn aber andere. Großmächte das europästche Gleichgewicht zu ihrem Nutzen um- stürzen wollten, so wäre Frankreich genölhigt, seine defensive Stellung zu befestigen. Vorsichtsmaßregeln zu treffen und auf seine eigene Sicherheit bedacht zu sein, indem es ein Gleichgewicht wiederherstellte, das ihn» die Garantieen wiedergebe, welche die anderswo ausgeführten Veränderungen vernichtet haben würden. * Londv», 14. Nov. fDaS Ministeriums ist immer neck nickt endgültig gebildet. Die „Morning-Posl" meint, man müsse jede Agitation �u Gunsten der parlamentarischen Reforin hinaus- schieben, denn sie wurde nur die Auflösung des Parlaments zur Folge haben unb die Tones ans Ruder bringen. Der„Siar" hält a» der Roth- wendigkeit einer sofortigen„radicalen" Reform fest. die den Arbeitern Stimmrecht gewähren solle. — sZur Fenierbewegung.s Auf die ge- Heimen Polizisten Hughes und Doyle, welche bei der Verhaftiing des James Stephens und anderer Fenier niilgewtrkt ballen, ist in Dublin, als sie in das Polizeigebäude eintreten wollten, ein Attentat gemacht worden. Hughes wurde von einer Kugel in die Schulter, Doyle in den Rücken getroffen. Von den Thälern hat man keine Spur; man glaubt, daß die Schüste aus einem Fenster gefeuert worden sind.— Der Gerichtshof hat die von Clarke Luby und andern Feniern gegen den Lorb-Statthalter gerichtete Anklage abgewiesen. * Italien. sZum Abzug der Franzosen. Der König. Das Parlaments- Gebäude. Finanzielles. Zur Parteistellung. Herr Wenn er. Cholera. Eheliche Liebe.) Der Eindruck, den der Abzug der Franzosen auf den römischen höheren Clerus macht, wird als ein „niederschlagender" und dic Curie dagegen als ent- schloffen bezeichnet, daS oft angedrohte Manifest an die Mächte Europa'S zu erlassen; dasselbe soll„zwar sehr würdig, aber auch sehr ernst abgefaßt sein". Auch gehen Fluchtgerüchte wieder um, an die jedoch Niemand glaubt. Die französischen Soldaten wollten schließlich die päpstlichen noch einmal auf dem Platz Colonna tüchtig durchprügeln, die päpst- ticken Truppen jedoch wurden in die Kasernen ver- wiesen. Der Papst hat, laut römischen Briefen, die in Florenz am 15. November eintrafen,„in i ergreifenden Worten" von de» französischen Ossi- deren Abschied genominen.— Victor E m a n u e l soll in Florenz, als er am Abend nach seiner Rück- kehr von Neapel im Thealer erschien, von dem Publikum mit stürmischem Zurufe begrüßt worden sein. Die Reise des Königs nach dem Cholera- Heerde im Süden habe wie dort, so auch i» Florenz den besten Eindruck gemacht.— Die Einrichinng des P a r l a m e n t s g e b ä u d e s ist als ganz verfehl; Feuilleton. Aus Lucinde oder Kapital und Arbeit. Roman in 4 Bänden von I. B. v. Schweitzer. Band II., Kapitel 24. VolksmännrrpoliHK. (Schluß.) Stimmen Sie! donnerte Jtziiiger. Der große Batz, in iilißeister Seelenangst, warf einen verstohlenen Blick auf den Arbeiter. An Sie— schrie Jtzinger wüthend— an Sie allein werden sich die Arbeiter Halle», wen» sie leine National- Werkstätten bekomme». Ich bin für den Antrag! schrie der große Batz. Meinc Herren!— rief Jtzinger— der Antrag ist angenommen»nd ich spreche itber dieses Ergebniß meine innigste Freude au«. Denn da« Wohl der arbeitenden Classen, sei e« direct, sei e« aus Ilmwegen schräiilnng de« Percin«rechte«, nach Kräslen zu verbin- der» hätten, wir habe» noch eine Menge dringender An- ordniliigen zu treffen; kurz: diese Provisorische Regierung, welche im Namen de« souveränen Volkes durch ausdrückliche Verordnung de» LandcSherrn ans | ihrem entscheidenden Posten steht, muß dafür sorgen, daß bi« morgen früh die Revolution ihren richtigen Ab- schlnß gesunden hat. Band II., Kapitel 2b. Vit Wohnung drr Ärbriterfamilit. Wie viele aus Gram und Noth verkümmert sind, ward nicht gewählt. Rottes,(»l. Weltg.lV.) lLs war jetzt geqen drei Uhr in der Nacht. Aus dem großen Friedrichsptatze war fortwährend eine iingeheiicrc Menschenmaffe versammelt— man war aus sttachrichtcn au« dem Sitzungssaal der Provisorische» Regiernng gespannt-- Eben suchte sich, in unruhiger Eile, ohne Kopsbe- deckung und ein Taschentuch»m die Stirne gebunden, , Rollo durch die Menge hindurch Bahn zu drechcn— in seinem Antlitz tag ein furchtbarer Ernst—— Auch der Gras Tbeodor von Lindenwall, der kurz vorher in Folge der Amnestie, wie überhaupt die Gc- sangenen, seiner Hast entlaflen worden war, stichle sich ! eben dlirchzudrängcii—— Er war zunächst»ach dem väterlichen Hause geeilt und kam jetzt von der Leiche seine« Vater«—— Er war blaß— in seinem Auge sprühte ei» wildes Feuer-- Da sah er, wie etwa zehn Schritte entsernt Rollo sich durch die Menge hindurch z» drängen suchte—— Er brach sich Bahn zu ihm, faßte ihn heftig am Arm und rieh Wo ist Emma? Rollo erblaßte, blieb stehen und sah de» Grafen mit einem Ausdruck lieser, schmerzlicher Bewegung und un- j gewissen Zürnen« an. Wo ist Emma? wiederholte der Graf mit wildem Blick. Ich weiß e« nicht— antwortete Rollo— ich suche sie, seitdeni ich srci gelaffcn bin. Ich komme von der Schlächterstraße— Niemand weiß etwa« von ihr. Waren Sie in der Blumenstraße? Roch nicht! Ich bin auf dem Wege dahin, aber ich glaube nicht, daß sie dort ist. Warum nicht? fragte der Gras heftig. Ein Freund von mir—.entzegnetc Rollo— ist hingegangen; er wollte, sobald er sie gesunden habe, an der Straßenecke dort auf mich warten—— Und er ist nicht gelommeii? Er ist nicht gekommen! Ich gebe die Hoffnung nicht aus— rief der Graf — ich eile in die Blumenstraße. Ja, gehe» Sie bin— sprach Rollo in fieberhafter Hast— ich eile nnterdeffen an alle Plätze, wo sie noch ! sein könnte. Ich muß— ich muß sie wiederfinden — setzte er binzu und seine Stimme zitterte. Der Gras erfaßte seine Hand, drückte sie mit Wärme. Rollo wich betroffen zurück— da sah er in da» Auge de« ernsten Manne», der ihm gegenüberstand, und bebend, wie gezwungen von unsichtbarer Gewalt, er- ! widerte er den Händedruck de« Grase»— erwiderte | ihn warm und innig. Eilen Sie! Eilen Sic! rief er dann heftig. Dzese Rächt ist entsetzlich— ich werde sie nie vcrgeffen. Auch Emil scheint nnter den Todte»—-- Der Gras hörte nicht mehr; schon drängle er sich stürmisch durch die Menge bin--- Bald war er in adgelegenereu Straßen-- Aber in diesen Straßen herrschte nicht die süße Ruhe einer sanften, friedlichen Rächt-- Laute Klagen schollen an« de» Häuser»— herzzer- reißende Weherufe tön teil an da« Ohr de« einsam Wa». dclnden— ost hemmten inmitten von Blutlachen Barri- kadentrllinmer seine» Schritt— eben wurde eine Leiche mit klaffenden Wunden an ihm vorübergelragen— Entsetzlich! Entsetzlich! sagte der Gras vor sich hir. Wie viele Mütter, Töchter, Bräute stehen jetzt verzwei- felnd au der Todtcnbahre! Welcher Jammer, welche« i Elend, welche Opici! Und— wozu— wozu?— Die Tobten stehen nicht ans und werden die Lebenden gliick- ( lichcr sein? Entsetzt eilte er weiter— in fieberhaftem Tauniel, � wie von unsichtbarer Macht getrieben, stürmte er fort und sort seinem Ziele zu—— Er war jetzt in der Ostvorstadt— Hellaus loderle uiisern der mächtige Brand— verworren scholl der Lärm � der Löschenden herüber—— E» war stockfinstere Nacht— aber der Widerschein de« Brande« erhellte den Weg—— Endlich befand er sich vor dein rolhcn Hau«—— Im innersten Herzen bewegt blieb er stehen— eine schöne, ferne Erinnerung stieg ans in seinem Geiste. War e« doch hier, wo er einst in srohem, freundlichem Krei« ein reine« einzige« Glllck genoffen— war c« doch hier, wo er, an Emma'« Seile sitzend, in ihr schöne« Auge geschaut, ihr verstohlen die Hand gedrückt, in stillem, seligem Gefühl. Die liebenswürdige Befangenheit de» geliebten Mädchen«, der süße Klang ihrer leise flüsternden Stimme— de« Bruder« ernste« Wort— da« gutmüthige Gepolter de« allen Soldaten mit' seinem Hund flogen in schöner, rührender Erinnernnz durch seine Seele und machten ihn erzittern, im Innersten erbeben—— Doch er riß sich los von den lockenden Gebilden enlschwundeiter Tage, sich erinnernd, daß e« jetzt nickt Zeit sei, vie Blicke Iräliincnd rückwärts zu wenden-- Die HauSlhür stand offen—— Von nanientoser Angst gepeinigt zaubertr er nock ciuen Augenblick— ein rascher, gewaltiger Entschluß— und er trat ein--- Alle« war still. Er ging die Treppe hinaus»nd laut durch die nächtliche Stille scholl der Widerhall seiner Schritte—— Er war jetzt oben. Unheimlich erhellte mit dllstcr- roth zitterndem Glänze der Wiederschein de« sebtien Brande« den einsamen Vorplay— eintönig scholl der helle Klang eine« Glöckchcn« durch die llWcht-O.-�.0 Die Thüre de» Zimmer« stalltz-- offen— e» rfiL dunkel darin, kein Lich« bränM"»i- L»»SW ▲